Offene Kirche Elisabethen - Die Kirche für alle

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Die Offene Kirche Elisabethen in Basel ist die Kirche für alle. Alle Menschen guten Glaubens, die Lebenssinn suchen, jede Lebensweise und Orientierung, dürfen ankommen und zuhause sein. Die ist ein Bericht über unsee Are im 2019.

Jubiläum

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«Der Wohlstand muss

bei allen ankommen»

Sind Sie noch immer Vollblutpolitikerin. Was beschäftigt

Sie derzeit? Wir erleben heute tiefgreifende Veränderungen

auf globaler Ebene. Faktoren oder Ereignisse, die

ausserhalb unserer Einflusssphäre gründen, beeinflussen

immer häufiger unser tägliches Leben entscheidend. Denken

Sie an Klimaszenarien, diese reden eine unmissverständliche

Sprache. Denken Sie an die Finanzwelt: In der Eurozone

und in den USA hat die Schuldenkrise gezeigt, wie

verletzbar die Wirtschaftsstrukturen der Industrieländer

sind.

Und die Schweiz? Auch in unserem Land geht die Schere

zwischen Arm und Reich weiter auseinander: Eine neue

Wirtschaft ersetzt die alte und schafft Gewinner und Verlierer.

Wir müssen alle versuchen, das Phänomen der Globalisierung

der Wirtschaft und der Gesellschaft zu bremsen

oder sogar ganz zu stoppen.

Was steckt hinter dieser Entwicklung? Eine moralische

Krise, eine Gleichgültigkeit vieler Menschen gegenüber der

Politik. Die Leute sind enttäuscht vom Staat und von der

Demokratie. Auch ich bin besorgt über die Entwicklung

unserer Aussenpolitik.

Wieso? Die Schweiz hat sich als praktisch einziges europä

isches Land geweigert, eine Erklärung des UNO-Menschenrechtsrat

zu unterstützen, die Saudi-Arabien scharf

verurteilt wegen der Ermordung des Journalisten Jamal

Khashoggi. Unser Land hat sich in der Generalversammlung

der Vereinten Nationen bei der Abstimmung über eine

Resolution zur Unterstützung des Vertrags über das Verbot

von Atomwaffen der Stimme enthalten und sich so auf die

Seite von Atommächten wie Frankreich, USA und Russland

geschlagen.

Bedeutet dies einen Bruch mit der Vergangenheit?

Die humanitäre Tradition der Schweiz und das Einstehen

unseres Landes für die Menschenrechte werden in Bern in

Frage gestellt. Das darf nicht sein. Die moralische Position

der Schweiz, ihre Glaubwürdigkeit und somit ihre Fähigkeit,

Einfluss auszuüben, könnte Schaden nehmen, falls die

Politik diesen Weg weiter beschreitet.

Wie könnte der andere, zukunftsweisende Weg aussehen?

Wir haben heute die entsprechenden Technologien,

das Wissen und die finanziellen Mittel, um uns den globalen

Herausforderungen zu stellen und um eine nachhaltige

Entwicklung zu fördern. Wir müssen aber sicherstellen,

dass jeder und jede von den Verbesserungen profitiert, denn

alle Herausforderungen, denen wir uns gegenübersehen,

hängen voneinander ab und haben einen gemeinsamen

Ursprung. Der Wohlstand muss bei allen ankommen. Die

Entwicklungen sind global und haben gleichzeitig Auswirkungen

auf unser tägliches Leben. Darum ist Gerechtigkeit

mehr als eine moralische, philosophische oder ethische

Frage. Sie muss konkret werden. Gerechtigkeit ist der

Grundstein moderner Gesellschaften.

ANLÄSSLICH UNSERES JUBLIÄUMSDINNERS SPRACH ALT BUNDESRÄTIN MICHELINE CALMY-

REY ÜBER DIE KIRCHE DER ZUKUNFT, DIE GEFAHREN DER GLOBALISIERUNG UND DIE

GERECHTIGKEIT ALS GRUNDSTEIN DER DEMOKRATIE. WIR HATTEN SIE U.A. FÜR DEN KIRCHEN-

BOTEN INTERVIEWT.

Frau Calmy-Rey, was führt Sie zu uns? Als ich angefragt

wurde, heute hier zu sprechen, erinnerte ich mich,

dass ich diese Kirche von früher her bereits kannte. Und da

meine Schwester im Kanton Jura wohnt, bin ich immer

wieder in der Region. Dann habe ich recherchiert: den

Medien habe ich entnommen, dass die Offene Kirche Elisabethen

die Kirche ist «für alle, die nicht mehr zur Kirche

gehen». Kirche sein, ohne konfessionellen Zwang, ohne

Bekenntniszwang, offen für alle, ohne Ansehen der Biografie,

des Glaubens, des Geschlechts, offen für alle, die einen

Gott suchen, und für alle, die noch gar nicht wissen, ob sie

das wollen, aber sich einfach mal auf den Weg machen: Das

scheint mir ein Modell für die Zukunft zu sein. Ich rede

heute Abend unter den Chorfenstern dieser Kirche, die das

Leben Jesu darstellen, unter denen viele Menschen Heimat

und Schutz finden. In solch einer Kirche fühle auch ich

mich sehr wohl. So habe ich gerne zugesagt.

Sehen Sie, was Sie erinnerten und recherchiert haben,

erfüllt? Ja, hier wird das Engagement für Menschen, die

am Rande stehen, grossgeschrieben. Menschen, die sonst

keine Fürsprecher haben, erhalten hier mit Lebensmittelpaketen

Nahrung für den Körper und mit Handauflegen,

Seelsorge und Gebet Nahrung für die Seele. Auch das

spricht mich sehr an.

GEBURTSTAGSWUNSCH

Meine Damen und Herren,

Zu ihrem heutigen 25. Geburtstag gratuliere ich der OKE

von Herzen. Ich wünsche ihr weitere 25 Jahre mit Erfolg

in ihren drei Arbeitsbereichen Spiritualität, Kulturelles

und Soziales. Möge die OKE weiterhin ihren bedürftigen

Gästen Gutes tun und ihren zahlenden Gästen Gutes

ermöglichen. Der heutige Abend, unter dem Titel «Gerechtigkeit

schmeckt», ist ein sehr gutes Beispiel dafür,

wie die OKE dies versteht: Ein hervorragendes Essen von

einer der besten Köchinnen der Schweiz und ihrem Team

zubereitet, wird Gästen serviert, von denen niemand

weiss, ob sie zahlend oder eingeladen sind.

Die OKE nimmt ihr kluges wirtschaftliches und geistliches

Vorgehen sowohl aus der Idee ihres Gründungspfarrers

Hans-Ruedi Felix, der auch heute hier ist, aber auch ein

wenig aus den Persönlichkeiten des Stifterpaares,

Christoph und Magaretha Merian-Burckhardt. Die Merian-

Burckhardts stammten aus dem Stadtpatriziat von Basel,

d.h. sie waren wohlhabend. Sie verstanden ihren Besitz

aber immer auch als Auftrag, damit Gutes zu tun.

So verbilligten sie einige Mal den Brotpreis, während eines

kriegsbedingten Preisanstieges. Die beiden Merian-

Burckhardts konnten also Ökonomie und Ethik sehr gut

zusammen denken.

Zum Schluss möchte ich mich bedanken bei den beiden

Leitenden der OKE, Frank Lorenz und Monika

Hungerbühler, die mich heute Abend eingeladen haben.

Es ist mir eine Freude, hier zu sein, zu Ihnen zu sprechen,

und ich werde den weiteren Verlauf des Abends, besonders

des köstlichen Essens sehr genießen.

Allen Gästen heute hier wünsche ich einen ebenso gelungenen

Abend, wie ich ihn haben werde. Allen Spendern und

Sponsoren lege ich die OKE erneut ans Herz: Es ist eine

lohnenswerte Sache, die OKE zu unterstützen. Sie tun

Gutes und das wiederum tut Ihnen gut. Spenden Sie für

diesen Abend und für die verschiedenen Projekte der OKE.

Und als Ehrenamtliche, Vorständinnen und Vorstände,

Patronatskomiteemitglieder, Euch allen: Stellen Sie Ihre

Zeit weiterhin in den Dienst eines so lohnenswerten Projektes,

das schon lange zu den festen und guten Institutionen

dieser Stadt und dieser Region gehören. Vielen Dank!

Micheline Calmy-Rey, April 2019

Offene Kirche Elisabethen – 2019 Offene Kirche Elisabethen – 2019

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