Offene Kirche Elisabethen - Die Kirche für alle

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Die Offene Kirche Elisabethen in Basel ist die Kirche für alle. Alle Menschen guten Glaubens, die Lebenssinn suchen, jede Lebensweise und Orientierung, dürfen ankommen und zuhause sein. Die ist ein Bericht über unsee Are im 2019.

Basel im Gespräch

Basel im Gespräch

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OZEANIUM – BiG vom 18. Mai 2019

In elf Tagen, am 18. Mai, weiss der Zolli, ob er das Ozeanium

bauen darf – oder ob ihm das Stimmvolk die Zusage

verweigert. Das Thema bewegt die Menschen so stark, wie

es schon lange keine Vorlage mehr tat. Es scheint wie im

Fussballstadion: Jeder hat seine Meinung zum umstrittenen

Grossaquarium.

Moderator und OKE-Leiter Frank Lorenz liess das Publikum

am Dienstagabend vor und nach der Podiumsdiskussion

zum Ozeanium abstimmen. Zweimal sprach sich

die Mehrheit gegen das 100-Millionen-Projekt aus. Will

heissen: Offensichtlich konnten Vera Weber, Präsidentin

und CEO der Fondation Franz Weber, sowie der grüne alt

Grossratspräsident und Biologe Markus Ritter mit ihren

Argumenten mehr punkten als ihre Gegenparts – der Ozeanium-Architekt

Roger Boltshauser aus Zürich und Fabian

Schmidt, Kurator im Zoo Basel. Sofern die Abstimmung bei

der Talk-Serie «Basel im Gespräch» in der Offenen Kirche

Elisabethen (OKE) als repräsentativ gewertet werden kann,

gibt’s am 19. Mai an der Urne ein knappes Nein.

Tierschützerin Weber hielt in der Kirche ihre gewohnt

feurigen Reden. «Kinder lernen vor der Haustüre. Kinder

lernen in der Schule. Kinder lernen von uns Naturschutzorganisationen.

Es braucht deshalb kein Ozeanium, um die

Leute für den Meeresschutz zu begeistern und zu sensibilisieren»,

legte sie los.

Sogleich kam sie auf die Klimastreiks zu sprechen. «Die

Jugend von heute geht auf die Strasse. Diese Generation

will Taten sehen und keinen Prestigebau auf der Heuwaage

mit Fischen hinter den Scheiben.»

Alt Grossratspräsident Ritter trug seine Argumente gegen

die Unterwasserwelt weniger ausdrucksstark und klar vor.

In einer langen Abhandlung schilderte er die Geschichte des

Birsigs und des Zolli, rief das vom Volk 2003 abgelehnte

Multiplex-Kino in Erinnerung und forderte Grünflächen

statt Fischschau.

Später kam der ehemalige Politiker dann allerdings in Fahrt

und holte sich prompt lauten Zwischenapplaus. «Basel war

immer dort stark, wo es massvoll und originell geblieben

ist. Wir müssen uns bewusst sein, dass wir eine Kleinstadt

sind, und es so bleiben.»

Mit dem Neubau der Messehallen oder dem Musical-Theater

habe es genug Projekte gegeben, «bei denen es uns in

den Kopf gestiegen ist», so Ritter. «Basel ist nicht geeignet

für die ganz grossen Sachen. Lieber bleiben wir bescheiden.»

FRANK LORENZ MUSSTE ALS MODERATOR DIE BEIDEN SEITEN BEI DER OZEANIUM-DISKUSSION AUSEINANDERHALTEN.

und differenzierten Verantwortung: Länder, die grössere

Möglichkeiten haben, sollen auch entsprechend viel dazu

beitragen, sei es finanziell, sei es mit der Entwicklung und

Förderung und Verteilung von Technologien. Da sind wir

heute Abend leider nicht dazugekommen, von der Rolle der

Schweiz und ihrer grossen Städte zu sprechen, die Hot spots

sind von Technologie und Wirtschaft. Und wir werden

das nicht gegen die Wirtschaft schaffen, Klimaschutzmassnahmen

zu ergreifen, sondern nur mit ihr. Wir müssen die

Wirtschaft dazu bringen, dass sie erkennt, das lohnt sich

für uns. Wir müssen heute investieren, um unsere Produktion

und unsere Produktionsformen für die nächste Zeit zu

sichern und im internationalen Wettbewerb zu bestehen.

Matthias Nabholz, Leiter Amt für Umwelt und Energie BS:

In Südamerika, auf 4000 Meter über Meer, konnte mir

jeder Bauer sagen, was der Klimawandel ist. Der Bauer dort

hat den Klimawandel bereits vor zehn Jahren gespürt. Er

hat jedoch wohl nie mehr CO 2 produziert, als er umgesetzt

hat. Im Zeitrahmen 2050 haben wir uns das «Netto-Null»-

Ziel gesetzt. Den ersten Schritt haben wir gemacht. Wir

wollen keine fossilen Brennstoffheizungen erneuern. Auf

allen Seiten gab es Widerstände. Seit der Klimabewegung

wurden plötzlich Vorstösse überwiesen von allen Seiten.

Ziele ohne konkrete Forderungen festzulegen, bringt

nichts. Nun liegen Vorschläge bei der Exekutive und dann

gehts zurück an die Legislative. Dann werden wir sehen,

wie viel von der Bewegung bleibt.

Wir haben ja nicht nur ein Klimawandelproblem, sondern

auch ein Ressourcenproblem, wir haben Biodiversitätsprobleme,

ein Artensterben, das hängt alles miteinander

zusammen: Wir müssen lernen, umzudenken, wir können

nicht mehr einfach nur noch mehr und mehr verlangen, wie

wir das gelernt haben, wir müssen auf die Natur schauen,

wie die das macht – die gibt es länger als uns und wird es

noch länger geben: Wir müssen lernen, in Kreisläufen zu

denken, sodass wir wieder in Gleichgewichten leben können,

um die Ressourcen, die wir brauchen, nicht nur zu

verbrennen, sondern sie wiederzuverwenden, damit diese

eine Erde, die wir haben, für alle reicht, und alle genug

haben. Dieses Umdenken ergibt ein ganz anderes Wirtschaften.

Damit können wir durchaus auch Wohlstand

generieren, sogar mehr als wir jetzt haben, mehr Lebensfreude

auch, ein anderer Reichtum.

Keine Sandtigerhaie in Basel vorgesehen

Auf der Seite der Befürworter versuchten Architekt Boltshauser und Zolli-Kurator

Schmidt, die Behauptungen der Gegnerschaft sachlich und unaufgeregt zu widerlegen.

Gegen aussen markierten sie Gelassenheit, in ihnen drin – da bin ich überzeugt – dürften

aber mehrere Vulkane gleichzeitig ausgebrochen sein.

Konfrontiert mit einer unlängst in den Medien aufgetauchten Artenliste, wonach der

Zolli trotz anderslautenden Aussagen grosse Sandtigerhaie nach Basel holen wolle, hielt

Schmidt fest: «Diese Liste ist völlig unverbindlich und wurde lediglich als Anhaltspunkt

für die Architekten verwendet. Was Sandtigerhaie betrifft, wüsste ich nicht, woher ich

diese überhaupt bekommen sollte.»

Bei den Sandbankenhaien sei die Situation hingegen eine andere. «Hier gibt es in Europa

mehrere erfolgreiche Zuchten.»

Schmidt betonte, dass der Zolli nur jene Fische im Ozeanium halten werde, bei denen der

Tierschutz garantiert sei. «Tiere, die in Freiheit lange Strecken zurücklegen oder sensibel

auf Wände reagieren, wird es bei uns nicht geben. Das ist gar keine Frage.»

Boltshauser unterstrich derweil mehrfach, dass auch er Mitglied der grünen Partei sei und

sich ebenso wie die Ozeanium-Kritiker für den Umwelt- und Meeresschutz engagiere.

«Wir wollen eigentlich alle dasselbe. Was aber leider auf der Strecke bleibt, sind die Relationen.»

Der Architekt zitierte in diesem Zusammenhang den Zoo-Zürich-Direktor Alex Rübel,

der unlängst gegenüber der «Zeit» festgehalten hatte: «Für das Ozeanium holt man dafür

so viele Fische aus dem Meer wie in der Stadt Basel an einem Mittag auf den Tellern der

Restaurants landen.»

Weber hielt den Zolli-Verantwortlichen vor, der Bevölkerung den «Anschein einer Lösung»

vorzugaukeln und damit «die richtige Lösung» zu verhindern: den Meeresschutz vor Ort

in die Tat umzusetzen.

Schmidt konnte damit nichts anfangen. «Wir können nicht das ganze Elend der Welt bekämpfen.

Aber ich möchte mir nicht vorstellen, wie es um den Tierschutz bestellt wäre,

wenn es keine Zoos und Umweltschutzorganisationen gäbe.»

Ein Thema war an dem Abend auch die Finanzierung des Ozeaniums. Der Befürchtung,

dass sich der Steuerzahler zwanzig Jahre nach der Eröffnung des Grossaquariums mit

einer Investitionsruine konfrontiert sieht, trat Schmidt entschieden entgegen.

Offene Kirche Elisabethen – 2019 Offene Kirche Elisabethen – 2019

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