Offene Kirche Elisabethen - Die Kirche für alle

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Die Offene Kirche Elisabethen in Basel ist die Kirche für alle. Alle Menschen guten Glaubens, die Lebenssinn suchen, jede Lebensweise und Orientierung, dürfen ankommen und zuhause sein. Die ist ein Bericht über unsee Are im 2019.

Basel im Gespräch

Basel im Gespräch

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«Alle Ozeanien sind gewinnbringend. Ich kenne nur eines,

das in Konkurs gegangen ist: jenes in Berlin Unter den

Linden im Jahr 1910.»

Vera Weber unterstrich an der Podiumsdiskussion die Bedeutung

der Abstimmung. Stimme Basel nein, wäre dies

«ein riesiges Zeichen» für den Meeresschutz. Boltshauser

hingegen hielt fest, dass sich mit dem Ozeanium die Chance

biete, die Menschen «täglich zu sensibilisieren».

Bemerkenswert, aber typisch für die Ozeanium-Debatte:

Nicht ein einziges Mal wurde in der Offenen Kirche Elisabethen

über die Investition von 100 Millionen Franken

gesprochen, die mit diesem Projekt vorgesehen sind – nicht

vom Staat, sondern von Mäzenen und anderen privaten

Spendern. Und nie kam man auf die Arbeitsplätze zu

sprechen, die dadurch entstehen würden.

Basel ist zu reich, um sich mit solchen Details abzugeben.

«BASEL UND DIE JUDEN» – Podium von September 2019

Am Podium der Christlich-Jüdischen Arbeitsgemeinschaft (CJA) in der Israelischen

Gemeinde Basel (IGB) kam manch ein Politiker aus den beiden Basel ins Schwitzen.

Die Linke tat derweil Busse.

Nein, die Prime-News-Visitenkarte reicht nicht: Die beiden Security-Männer beim Eingang

wollen genau wissen, wer reinkommt. Also zücken ich und meine Begleiter unsere

Identitätskarten. Ein strenger Blick, dann dürfen wir rein in den Saal der Israelischen

Gemeinde Basel (IGB) an der Leimenstrasse, gleich neben der Synagoge. Hier fand am

Donnerstagabend ein Podium statt, bei dem sich die Nationalratskandidaten aus den

beiden Basel den Fragen und Anliegen der jüdischen Gemeinde stellten. Wir sind offensichtlich

nicht auf der No-Entry-Liste. Eine solche gibt es nämlich an diesem Abend.

Einschlägige Vertreter der rechtsextremen Szene hatten im Vorfeld der Podiumsdiskussion

in den sozialen Medien rumgepöbelt und vage Drohungen ausgestossen.

Nun steht Journalist und Theologe Frank Lorenz, der das Podium comoderiert, mit einer

Liste im Innenhof vor dem Gemeindesaal und stellt sicher, dass sich keiner dieser

(Glatz-)Köpfe Zutritt verschafft. Auf der gegenüberliegenden Strassenseite steht zudem

ein Kastenwagen der Basler Polizei. Business as usual, muss man leider sagen. Juden

und jüdische Institutionen sind dieser Tage einer zunehmenden Bedrohung ausgesetzt,

nicht nur in Basel. Linksextreme, Rechtsextreme, muslimische Fanatiker und wirre Verschwörungstheoretiker:

Sie alle beschwören ein jahrhundertealtes Feindbild, machen

die Jüdinnen und Juden zu Zielscheiben verbaler und physischer Gewalt.

jüdische Gemeinde zu «unserer Kultur dazugehört», wie

Brigitte Gysin es formuliert. Bemerkenswert: Auch Felix

Wehrli (SVP) gibt sich als Verfechter des «Eruv» – und das

als Vertreter einer Partei, die nichtchristliche Praktiken im

öffentliche Raum ansonsten vehement bekämpft. Man denke

etwa an das Burkaverbot.

Mediale Prügel für die SP

Richtig spannend wird es erst bei der Frage nach den staatlichen

Beiträgen an die Sicherheitskosten der IGB: Das

Thema war im vergangenen Jahr ein heisses Eisen im

Grossen Rat. Insbesondere die Ratslinke verbrannte sich

mit ihrer ablehnenden Haltung die Finger und musste medial

Prügel einstecken. Frank Lorenz und sein Moderationskollege,

SRF-Journalist Peter Bollag, wollen es an diesem

Abend genau wissen: Wie haben die Kandidaten in dieser

Frage im Grossen Rat abgestimmt? Manch einer kommt

nun ins Schwitzen und versucht, sich herauszuschwadronieren,

was Politikern selten gelingt. Bei Felix Wehrli etwa,

der sich bei der Abstimmung im Parlament enthalten hat,

wird nicht klar, wie er nun zu dieser Frage steht.

Klare Worte findet dafür SP-Grossrat Christian von Wartburg:

Ja, er und seine Fraktion hätten damals dagegen gestimmt.

«Wir hatten rechtsstaatliche Bedenken und wollten

zuerst eine gesetzliche Grundlage für eine solche Unterstützung

schaffen», führt er aus. Manchmal sei man sich

aber nicht bewusst, welche Signale man aussendet. «Dieses

Signal hat mir sehr leidgetan und ich kann verstehen, dass

man die SP dafür kritisiert hat.» Er glaube aber nach wie

vor, dass eine gesetzliche Grundlage der richtige Weg sei.

Patricia von Falkenstein (LDP), die das entsprechende

Budgetpostulat im Grossen Rat einbrachte, wirft ein, dass

sie die Diskussion «bedenklich» fand. Der «Gipfel der Unverschämtheit»

sei der Vorschlag des Bundes gewesen, dass

die Juden mittels einer Stiftung selbst für ihre Sicherheit

bezahlen sollen. «Gohts no?!», entfährt es von Falkenstein

in einer Diskussion, die ansonsten auf Wunsch mancher

Zuschauer auf Hochdeutsch geführt wird.

Fragen an die Baselbieter hauen niemanden

vom Hocker

Zur Sprache kommen im Übrigen staatliche Beiträge an

eine jüdische Schule sowie die Ursachen des neuen alten

Antisemitismus. «Woher kommt der Abschaum in den Facebook-Kommentaren?»,

lautet die drastische Formulierung

von Moderator Frank Lorenz. Darauf müssen alle erst mal

leer schlucken. Dann kippt die Diskussion wieder ins Ungefähre:

Extremismus gebe es überall und zu allen Zeiten,

heisst es. Die sozialen Medien und der «Populismus» seien

schuld. Von Wartburg räsoniert über «die schwierige Antisemitismusdiskussion».

Keiner will sich so richtig festlegen – ausser Thomas Kessler,

IM GEMEINDESAAL DER ISRAELITISCHEN GEMEINDE MUSSTEN DIE KANDIDIERENDEN DER PARTEIEN, DIE BASEL IM NATIONALRAT

VERTRETEN WOLLEN, FARBE BEKENNEN: WIE HÄLTST DU’S MIT «DEN JUDEN»?

«Die jüdische Gemeinde gehört zu unserer Kultur»

Im vergangenen Herbst etwa wurde eine jüdische Metzgerei in Basel wiederholt von

Vandalen heimgesucht. Die Aktion verunsicherte die jüdische Gemeinschaft in Basel.

Erinnerungen an die dunkelste Epoche des 20. Jahrhunderts kamen auf. Würde es bei

den Sachbeschädigungen bleiben? Auch wenn sich später herausstellte, dass die Tat

nicht rassistisch motiviert war – das Unbehagen blieb.

Womit wir beim Thema des Abends wären: Die Christlich-Jüdische Arbeitsgemeinschaft

beider Basel (CJA) bat 15 Politiker aus Stadt und Land auf das Podium, um

sie auf deren Positionen zur jüdischen Gemeinde abzuklopfen.

Den Anfang machen die Städter. Die erste Frage ist harmlos: Wer hat persönliche

Beziehungen zum Judentum? Jeder darf sein Sätzli aufsagen. SVP-Grossrat Felix

Wehrli und FDP-Kandidat Thomas Kessler plaudern von familiären Beziehungen

und Daniel Albietz (CVP) bekennt, dass er im Glauben von der Überlegenheit der

Christen erzogen wurde, später aber den Kontakt zum Judentum gefunden habe. Es

fallen Sätze wie: «Religiöse Toleranz ist wichtig» und «Jeder sollte seinen Glauben leben

dürfen».

Auch bei der Frage des «Eruv» bekunden die Podiumsteilnehmer Einigkeit. Vereinfacht

gesagt geht es dabei um gewisse infrastrukturelle Anpassungen des öffentlichen Raums,

damit gläubige Juden auch am Sabbat einer Tätigkeit nachgehen können. Das kann etwa

ein Zaun sein – real oder symbolisch –, der ein jüdisches Wohngebiet umgibt. Die Nationalratskandidaten

von links bis rechts befürworten eine solche Massnahme. Der Tenor

ist klar: Religion muss im öffentlichen Raum in Basel stattfinden können, zumal die

Offene Kirche Elisabethen – 2019 Offene Kirche Elisabethen – 2019

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