Offene Kirche Elisabethen - Die Kirche für alle

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Die Offene Kirche Elisabethen in Basel ist die Kirche für alle. Alle Menschen guten Glaubens, die Lebenssinn suchen, jede Lebensweise und Orientierung, dürfen ankommen und zuhause sein. Die ist ein Bericht über unsee Are im 2019.

Basel im Gespräch

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der gegen Linke, gegen Rechte und gegen Verschwörungstheoretiker

austeilt und dabei auch auf die «Judenfeindlichkeit

der eingewanderten Araber» in der Schweiz und

Europa zu sprechen kommt. «Diese Leute wurden in ihrer

Jugend mit grotesken Feindbildern indoktriniert, die sie

nicht so einfach ablegen können oder wollen.»

Nach knapp 80 Minuten treten die Städter von der Bühne

ab und die Kollegen von ennet der Hülftenschanz nehmen

ihre Stühle ein. Zu diesem Zeitpunkt hat geschätzt die

Hälfte der Zuschauer den Saal schon wieder verlassen.

Man mag es ihnen nicht verübeln: Zwar wohnen auch im

Baselbiet Menschen jüdischen Glaubens, aber eine eigentliche

Gemeinde gibt es nicht.

Entsprach die Diskussion um jüdische Anliegen in der Stadt

einer realen Situation, so bewegt sie sich im Falle der Landschaft

nun im Bereich des Hypothetischen. Würde man

eine jüdische Schule im Baselbiet mit Staatsgeldern unterstützen,

sofern es denn eine gäbe?

Diese Frage haut niemanden vom Hocker, nicht die Podiumsteilnehmer

und schon gar nicht die Zuschauer, die

sich lieber schon mal am Apéro genüsslich tun.

Allein, auch bei den Baselbietern ist eine breit abgestützte

Sympathie für jüdische Sorgen und Anliegen herauszuhören.

Insbesondere FDP-Landrat Marc Schinzel outet sich

als feuriger Fürsprecher der jüdischen Sache im Baselbiet

und in der Schweiz.

«Jüdische Kultur ist Schweizer Kultur, das muss uns auch

etwas wert sein», sagt er mit Hinblick auf die Schulfrage.

Die Moderatoren kürzen den zweiten Teil derweil ab. Nach

knapp zweieinhalb Stunden ist das Podium vorbei.

Das Fazit: Das Judentum gehört zur Schweiz, muss und

darf sich hier entfalten können und muss vom Staat

geschützt werden, wenn sich seine Mitglieder einer Bedrohungslage

ausgesetzt sehen.

Oliver Sterchi

KANDIDATINNENTRIO AUF DEM HEISSEN STUHL DER KIRCHE – BiG vom 10. Sept. 2019

In der Offenen Kirche Elisabethen (OKE) sind am Dienstagabend

jene drei Frauen aufeinandergetroffen, die gerne

SP-Finanzdirektorin Eva Herzog im Amt beerben möchten.

Wer das Wahlpodium der Veranstaltungsreihe «Basel im Gespräch»

besuchte, dürfte zufrieden nach Hause gegangen

sein: Tanja Soland (SP), Katja Christ (Grünliberale) und

Nadine Gautschi (FDP) waren stark gefordert und gaben

vieles von sich preis.

OKE-Leiter und Moderator Frank Lorenz machte es den

Damen auch nicht leicht. Zunächst hatten sie in Sekundenschnelle

auf Kurzfragen zu antworten. «Am meisten dankbar

bin ich für...», «Zuletzt zu Tränen gerührt war ich...»,

«Die ‹BaZ› finde ich ...».

Dann wechselte Lorenz im Gespräch plötzlich ins Englische,

um alsbald auch noch auf Französisch umzuschalten.

Fazit: Soland sprach konsequent Deutsch, Christ brillierte

in Englisch und scheiterte in Französisch, während

Gautschi in beiden Sprachen fast wie eine Musterschülerin

glänzte.

Debatte um Klumpenrisiko Life Sciences

Ob jemand einwandfrei eine Fremdsprache beherrscht,

kann für die Qualifikation ins Regierungsamt allerdings

nicht ausschlaggebend sein. Der Gesamteindruck muss

stimmen, weshalb sich Lorenz mit dem Abfragen von vielen

Aspekten darum bemühte, ein facettenreiches Bild der

Kandidatinnen zu erhalten. So diskutierte die Runde beispielsweise

über die Steuerbelastung für die Unternehmen

und das Klumpenrisiko Life Sciences. Soland betonte, dass

die Abhängigkeit zur Pharma geringer sei als in früheren

Jahren. «Zwei Drittel der Steuereinnahmen stammen von

natürlichen Personen. Deshalb geht die Bevölkerung für

mich vor», hielt die Sozialdemokratin fest. Christ und

Gautschi vertraten in etwa dieselben Positionen – «wir

müssen attraktive Rahmenbedingungen schaffen» – wobei

sich die FDP-Frau skeptisch zeigte, was die Zukunft anbelangt.

«Dass der Novartis Campus öffentlich zugänglich

wird, ist kein gutes Zeichen. Das Unternehmen macht sich

leichter auf dem Platz Basel», meinte sie warnend.

Verschiedene Konzepte zu Immobilien Basel-Stadt

und Wohnen

Die heftigsten Wortgefechte lieferte sich das Trio beim

Thema Wohnen. Es handelt sich bekanntlich um das Steckenpferd

von Tanja Soland. Sie warf Gautschi vor, an dem

Abend nicht zu den Positionen zu stehen, die sie ursprünglich

vertreten hatte: «Den Investoren wollen Sie viel Freiheit

geben, um Rendite zu erwirtschaften. Und auch bei Immobilien

Basel-Stadt drängen die Bürgerlichen stets auf hohe

Gewinne.» Für die linke Regierungskandidatin ein falscher

Ansatz. Die zum Staatseigentum gehörenden Immobilien

Basel-Stadt müssten statt Renditeoptimierung betreiben

etwas für die Bevölkerung tun – also beispielsweise neue

Mietzinsmodelle entwickeln, um günstigeren Wohnraum zu

schaffen. Christ konnte damit nichts anfangen: «Wenn Immobilien

Basel-Stadt keine Rendite macht, dann sinkt das

Finanzvermögen, was wiederum bedeutet, dass der Kanton

weniger Geld ausschütten kann.» Die Grünliberale plädierte

für einen Systemwechsel von der Objektfinanzierung zur

Subjektfinanzierung: «Wir sollten den Menschen, die es

wirklich nötig haben, das nötige Geld geben, damit sie ihre

Mieten bezahlen können.» FDP-Regierungsratskandidatin

Gautschi hinterfragte Solands Konzept: «Wie wollen Sie

denn die Rente der Staatsangestellten bezahlen, wenn Sie

mit dem Geld keine Rendite mehr erwirtschaften wollen?

Das geht doch nicht!» Soland entgegnete, ihr schwebten

neuartige Ansätze vor – die schwierige Situation auf dem

Immobilienmarkt zeige, dass ein Umdenken notwendig sei.

Ins Spiel brachte sie eine Stärkung der AHV, ohne jedoch

konkret zu werden.

DIE DREI KANDIDATINNEN FÜR DIE REGIERUNGSRATSNACHWAHL STANDEN RED UND ANTWORT.

Staatspersonal trug Wunschliste vor

Zur Sprache kamen an dem Abend auch die Bedürfnisse

des Staatspersonals. Als Interessenvertreter der Kantonsangestellten

zählte Andreas Reyes auf, welche Verbesserungen

er sich von der neuen Chefin wünschen würde.

«Es ist schade, dass wir nicht mehr Wertschätzung für unsere

Arbeit erfahren. Diese wird in der öffentlichen Debatte

oft geschmälert. Ausserdem müssen wir darüber reden,

wie die Konkurrenzfähigkeit zur Privatwirtschaft aufrechterhalten

wird – zum Beispiel über mehr Fringe Benefits

(Zusatzleistungen; Anm. d. Red.).» Ob und wie sie sich für

diese Anliegen einsetzen wollten, fragte Reyes. Dass bei

dieser Antwort jedes Wort auf die Goldwaage gelegt werden

musste – die Staatsangestellten sind eine wählerstarke

Macht im Kanton –, liegt auf der Hand. Christ blieb unverbindlich:

Selbst einst auf der Gemeindeverwaltung Riehen

tätig, wisse sie «sehr genau», wie sich die teilweise Geringschätzung

der Arbeit anfühle. Was die Aufstiegschancen

und Löhne bei gewissen Stellen anbelange, müsse «über die

Bücher» gegangen werden. Nadine Gautschi stellte sich auf

den Standpunkt, dass die Bedeutung der sicheren Stelle,

die man beim Staat habe, nicht unterschätzt werden dürfe.

«Mein Mann arbeitet bei UBS und weiss nicht, ob es seinen

Job nächstes Jahr noch gibt.» Für Soland war indes klar:

«Die geringe Wertschätzung ist ein Problem, auch wegen

der medialen Angriffe. Das gibt es in der Privatwirtschaft

nicht. Und so sicher sind die Jobs beim Staat auch nicht

mehr, zudem verschlechtern sich die Bedingungen bei der

Pensionskasse.» Die SP-Kandidatin zeigte Verständnis für

die Forderungen der Kantonsangestellten. Ein guter Lohn

sei zentral – «es läuft halt einfach übers Geld». Von Fringe

Benefits halte sie jedoch nicht viel, weil es hier rasch zu

Ungerechtigkeiten komme.

Persönlicher Bezug zum Glauben

Befragt nach ihrem Glauben – die Finanzdirektorin ist

schliesslich für die Kirchen verantwortlich –, gab Soland an,

keiner Gemeinschaft anzugehören. Aus Begegnungen mit

Menschen, die sich aus religiöser Überzeugung für Arme

einsetzten, wisse sie jedoch um dessen Bedeutung. Die in

Basel bestehende enge Verzahnung zwischen Kirche und

Staat begrüsse sie: «Dadurch haben wir Religionsfrieden.»

Gautschi engagiert sich in der katholischen Kirche und

sprach von Heimatgefühlen. «Ein Gottesdienst fühlt sich

für mich an wie ein Training, bei dem die inneren Muskeln

trainiert werden.» Die Landeskirchen seien wichtig, weil sie

sich stark für Bedürftige einsetzten. Würde sie gewählt, sei

es ihr Ziel, ihnen «freie Hand» zu lassen. Christ räumte ein,

«nicht so oft» die reformierte Kirche in ihrem Wohnort

Riehen zu besuchen. Handlungsbedarf sehe sie keinen:

Im Kanton Basel-Stadt herrsche ein gesundes Verhältnis

zwischen Kirche und Staat.

Christian Keller

Offene Kirche Elisabethen – 2019 Offene Kirche Elisabethen – 2019

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