Offene Kirche Elisabethen - Die Kirche für alle

offenekircheelisabethen

Die Offene Kirche Elisabethen in Basel ist die Kirche für alle. Alle Menschen guten Glaubens, die Lebenssinn suchen, jede Lebensweise und Orientierung, dürfen ankommen und zuhause sein. Die ist ein Bericht über unsee Are im 2019.

Bike-Segen

Bike-Segen

42

43

Bike-Segen: Wo die wilden

Kerl(Inn)(e)(n) rollen

IM ERSTEN MOMENT IST DER DONNER DER MOTOREN BEÄNGSTIGEND. TOURISTEN RECKEN

DIE HÄLSE UND SCHAUEN UNGLÄUBIG, STEHEN ABER DANN BALD FOTOGRAFIEREND

UND SCHNELL ZUTRAULICH UND, MIT DER ROCKRÖHRE VON MANU HARTMANN SWINGEND,

LÄCHELND, NEBEN DEN SCHWEREN MASCHINEN, DEN MÄNNERN UND FRAUEN IN LEDER

UND JEANS, MIT TATTOOS UND KUTTEN, DIE SICH UND MICH MIT HEFTIGEN UMARMUNGEN

UND HANDSCHLÄGEN GRÜSSEN UND ZIEMLICH LAUT SIND.

Ursprünglich war das mal als kleine, inoffizielle Stärkungsfeier

geplant, für das «Rheinkniechapter» des Bikerclubs

«Bikers against Child abuse». Damals, 2014, kam ihr Roa d-

captain Glatze/Didi (der bei Ausfahrten für die Reise route

und die Sicherheit zuständig ist) auf mich zu und fragte,

ob ich den noch kleinen Club für seine Arbeit bestätigten

und jedeN einzelneN mit seiner/ihrer Maschine segnen

könne. Wir entwickelten den Biker-Segen als Open-Air-

Feier im Frühsommer, wo auch andere BikerInnen zu Beginn

der Saison ihre Fahrt im kommenden Jahr segnen

lassen können. Von Anfang an dabei war immer Blueslady

Manu Hartmann, die mit ihren Begleitmusikern jeweils die

Stimmung hochzog, stützte und runtertemperierte. Von

Rock und Blues bis Country war vieles dabei, dass die Männer

und Frauen auf ihren fliegenden Kisten zum Johlen und

Pfeiffen brachte, was in Bikerkreisen ein grosses Lob ist.

Gottesdienst auf der Rampe

Ich stehe dann jeweils an der Rollstuhlrampe am Seiteneingang der

Kirche und Manu mit Musikern neben mir, im geöffneten Seiteneingang.

Eine improvisierte Kanzel. Die BikerInnen stellen ihre Maschinen

inzwischen in zwei Reihen hintereinander auf und füllen damit jeweils

unseren gesamten Parkplatz. Ich bete Psalmen, bete frei und versuche,

den Tagestext des Sonntags ihnen irgendwie so zu sagen, dass sie etwas

damit anfangen können und v.a. sie für ihr Leben einen Mehrwert

bekommen. Besonders freut mich Säckel, der inzwischen Präsi ist und

mit seiner Freundin beim ersten Mal, damals noch als Postulate, mit

ihrem Trike gar nicht weit genug von dem ihm – als «im Osten» aufgewachsenen

Kirchenanalphabeten – verdächtigen Ringelpietz stehen

konnte. Inzwischen steht er mit den anderen und wird von mir als mein

«Lieblings agnostiker» unter seinem Zujubeln begrüsst.

Er ist für mich darum so wichtig, weil er für die grosse Menge derer

steht, die mit «Kirche» eigentlich nichts mehr am Hut haben, nie hatten

und auch nie wollten, und sich langsam anfuttern liessen, Zutrauen entwickelten

in den Menschen und die Botschaft, die sie nie manipulierte,

nie entmündigte und immer verlässlich, ehrlich und tief war. Welche

metaphysische Füllung die einzelnen Menschen hinter dem ergänzten,

was ich ihnen anbot, ist mir letztlich egal. Ich weiss es ja auch nicht bei

den Kirchenbesuchenden, die sich aufgrund ihres Mittuns bei unseren

Ritualen (Kreuzschlagen, mitbeten etc.) als ChristInnen zeigen. Hier gilt

für mich die Weihnachtsbotschaft der Engel: «Friede allen Menschen

guten Willens». Und ich habe nicht den Eindruck, ich verkaufe die Gnade

zu billig, wie ich es schon wieder hier und dort rufen und reklamieren höre.

Segen auf dem Platz für Mensch und Maschine

Und die Segnungen von Menschen und Maschinen jagen mir regelmässig

einen Schauer den Rücken runter. JedeN bitte ich darum, seine/ihre

Situa tion zu erklären bzw. ein Gebetsanliegen zu formulieren. Und dann

geht’s richtig ab: Familienprobleme und -freuden, Beziehungen, Missbrauch,

Jobangst oder gar -verlust, Verletzungen und Freuden, Krisen und

Schmerzen. Einer kniet regelmässig und hebt dem Segen seine Kutte entgegen:

Ritter der Strasse!

B.A.C.A. und die Kinder

Und natürlich – und damit komme ich wieder zum Ausgangspunkt dieses

Artikels – die Kinder und Jugendlichen, die die «B.A.C.A» betreuen: Missbrauchte

junge Menschen, denen Übergriffe geschehen sind, physisch oder

psychisch und die nun bei B.A.C.A. eine Heimat haben. Sie werden,

nachdem sie von Behörden oder Ähnlichem zum Club gebracht wurden,

aufgenommen, erhalten einen Roadname, eine Kutte und einen Teddy (je

nach Alter) und v.a. bekommen sie physische und psychische Präsenz in

schwierigen Situationen. Dann donnern die eingangs erwähnten Bikes auch

mal in einem Wohnquartier, die schweren Jungs und Mädels stehen locker

vor dem Haus des Kindes oder des Jugendlichen. Oder fahren sie zu

Gerichtsverhandlungen oder wohin sie auch wollen. Nie – das ist Grundregel

von B.A.C.A. – werden die BikerInnen handgreiflich, was bei solch

beeindruckender Präsenz jedoch auch noch nie nötig war.

Ich habe hier – mal wieder – die Diskussion auf meiner FB-Präsenz angehängt,

die zeigt, welche Missverständnisse ja Angriffe, diese Arbeit bewirken

kann, wenn auch nur von einer Person, aber die steht ja immer stellvertretend

auf Social Media. Aber auch um zu zeigen, wie viel Verständnis und

Zustimmung diese Feier bringt. Und das ist es längst wert!

Der nächste Bike-Segen ist am 7. Juni 2020, 10.30 Uhr, neben der Kirche.

Offene Kirche Elisabethen – 2019 Offene Kirche Elisabethen – 2019

Ähnliche Magazine