Offene Kirche Elisabethen - Die Kirche für alle

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Die Offene Kirche Elisabethen in Basel ist die Kirche für alle. Alle Menschen guten Glaubens, die Lebenssinn suchen, jede Lebensweise und Orientierung, dürfen ankommen und zuhause sein. Die ist ein Bericht über unsee Are im 2019.

Kòpfladäärnli

Geschenktauschaktion

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Wie geht es dir heute, rückblickend auf das «Kòpfladäärnli»,

auf das Scheitern und auf die Reaktionen

darauf? Welche Erlebnisse hattest du, welche Gefühle

sind bei dir da?

Ein Jahr nach dem «Kòpfladäärnli» werde ich oft angesprochen.

Ich wohne in der Innenstadt und bin so natürlich oft

in dieser präsent. «Schade gibt’s das nicht mehr», höre ich

viel. Ich höre aber auch die anderen, die mich ärgern

wollen. Das sind aber Menschen, die selbst nie ein Risiko

eingehen würden und dann so tun, als ob sie das Erfolgskonzept

erfunden hätten. Die glauben: «Wer nichts wagt,

der gewinnt!» Ich glaube: «Wer nichts wagt, verpasst ganz

viel.» OK. Einiges hätte ich auch lieber verpasst. Seit einem

Jahr versuche ich, meine Schulden abzubauen. Das ist nicht

leicht. Alle Zulieferer (bis auf einen) sind alle bezahlt. Auch

die meisten der Mitwirkenden haben ihre Gagen erhalten.

Dabei habe ich darauf geachtet, dass die, welche davon

leben müssen oder finanziell nicht auf Rosen gebettet sind,

zuerst ihr Geld erhalten. Leider müssen da einige etwas

hintanstehen. Das tut mir sehr leid und belastet mich auch.

Da ich als freier Schauspieler und Theatermensch leider

kein fixes, regelmässiges Einkommen habe, ist das Abzahlen

nicht ganz so einfach. Ich habe dann «umgelagert» und

Steuern oder Versicherungsprämien hintangestellt. Das

führte dazu, dass mir viele Betreibungen ins Haus geflattert

sind. Je grösser die Firma, umso unerbittlicher sind sie gegenüber

ihren säumigen Kunden. Tatsächlich gibt es Tage,

an denen es mir nicht so gut geht. An diesen Tagen glaube

ich, mit dem «Kòpfladäärnli» einen meiner grössten Fehler

gemacht zu haben. Tatsächlich war es aber eine meiner

besten Produktionen (inhaltlich) und die beste Erfahrung

meines Lebens. In keiner Produktion der letzten 33 Jahre

war die Zusammenarbeit mit allen – aber wirklich mit

allen Beteiligten auf und hinter der Bühne – derart wertvoll.

Diese Erfahrung ist mehr wert als Geld.

Was würdest du anders machen, heute oder

bei einem nächsten Versuch?

Leider gibt es Kultur ohne Sponsoren nicht mehr. Das

finde ich persönlich enorm schade und «gefährlich». Sponsoren

ermöglichen heute nur noch Produktionen, welche

die Sponsoren als unterstützungswürdig erachten. Da geht

es leider nur noch um «Masse» und «Aufmerksamkeit». Der

Inhalt ist nicht mehr wichtig. Wer auf Inhalte setzt, muss

selbst schauen, wie er es finanziert bekommt. Eine Produktion

wie das «Kòpfladäärnli» wäre nur finanzierbar, wenn

niemand auf der Bühne eine Gage bekäme und alle Zulieferer

«Freundschaftsleistungen» vollbringen würden.

Wenn alle einen «Deal» eingehen würden, dass der Gewinn

am Schluss (mittels eines Schlüssels) unter allen gerecht

aufgeteilt würde, könnte ein «Kòpfladäärnli» durchgeführt

werden. Aber ehrlich? Warum soll man für die Kultur

kostenlos arbeiten? Wer eine Leistung vollbringt, soll dafür

was bekommen. Vorfasnacht ist keine «Tradition». Vorfasnacht

ist ein Geschäftsmodell.

Wie geht es mit dem Menschen Renato, den Menschen

Renato und Nicole, weiter:

Welche Zukunft, welche Projekte stehen an?

Tatsächlich habe ich die tollste Ehefrau im Umkreis von

40000 km. Sie hat mir immer den Rücken freigehalten und

finanziert unser Leben im Moment komplett allein. Das ist

nicht selbstverständlich. Das weiss ich. Ich bin auch bestrebt,

diese Situation zu ändern, und setze alles daran,

mich irgendwann mal angemessen zu revanchieren. Aus

diesem Grund habe ich den Entschluss gefasst, mit dem

Theaterleben abzuschliessen. Im Moment bin ich noch im

Auswahlverfahren zu einem sehr spannenden Job. Dafür

musste ich einige Tests bestehen. Die meisten davon habe

ich überwunden, stehe aber noch vor zwei «Hürden», die

ich jedoch eigentlich auch noch schaffen sollte. Dann wäre

ich ab dem 1. August zu 100% angestellt und würde die

nächsten 13 Jahre bis zur Pension was «Normales» arbeiten.

Damit würde ich in den nächsten Jahren schuldenfrei

werden und ich könnte noch etwas zur Seite legen, sodass

sich Nicole vielleicht mal etwas früher zur Ruhe setzen

könnte. Sollte sich tatsächlich dennoch jemand vom Theater

an einer Mitarbeit von mir interessieren, würde ich als

Texter (von Theaterstücken und Kabarettnummern) immer

noch zur Verfügung stehen. Dann einfach mit einer gnadenlosen

Gage (lacht), denn dann habe ich endlich nicht mehr

den Druck unter dem Motto: «Wenn ich zu teuer bin, dann

bekomme ich den Auftrag vielleicht nicht.» Dann ist mir

das so ziemlich egal.

Was wünschst du uns, der Offenen Kirche

Elisabethen?

Die OKE hätte ganz viel verdient. Das, was ihr da macht,

dem wird in der Öffentlichkeit irgendwie viel zu wenig Aufmerksamkeit

geschenkt. Ihr ermöglicht vielen Menschen

sehr viel und im Gegenzug ist niemand da, der euch finanziell

beisteht. Geld ist – das dürfte uns allen klar sein –

genug da. Es ist einfach hundsmiserabel schlecht verteilt.

Ich wünsche euch, dass ein paar superreiche Baslerinnen

und Basler (davon soll es ja einige geben) erkennen, was

wir an euch haben und was wir verlieren würden, wenn es

euch nicht mehr gäbe, weil das Gebäude Elisabethenkirche

zusammenkracht. Ich wünsche euch aber in jedem Falle

viel Glück und Durchhaltewillen. Es kommt immer alles,

wie es kommen muss. Und bitte bedenkt: Auch wenn es am

Schluss anders kommt als erhofft, gebt nicht euch oder

anderen die Schuld, denn die Zeit, in der wir gerade leben,

ist keine einfache.

Geschenktauschaktion:

22 Jahre anderes Schenken

IN DER VORWEIHNACHTSZEIT BESCHENKEN SICH KINDER IN DER ELISABETHEN-

KIRCHE GEGENSEITIG UND HELFEN DABEI FAMILIEN IN FINANZIELLER NOT:

EINE TAUSCHAKTION, VON DER AUCH DIE UMWELT PROFITIERT.

Das Konzept ist simpel: Kinder spenden zwei ihrer alten

Spielsachen und dürfen sich danach ein neues aussuchen.

So entsteht eine grosse Auswahl an Spielzeugen, aber auch

ein grosser Überschuss. Der Geldbeutel kann dabei getrost

zu Hause bleiben.

Wenn Kinder keinen Gefallen mehr am Baukasten finden

oder aus dem Prinzessinnenschloss herausgewachsen sind,

können sie es während der Geschenktauschaktion im Basler

Kindernäscht oder bei uns abgeben. Ob Ritterburg oder

Bilderbuch – Kinder erhalten für zwei Spielsachen einen

Bon, der sie zum Mitmachen an der Aktion berechtigt.

Kurz vor Weihnachten, 2019 wars am 17. Dezember, dürfen

sie diesen am grossen Geschenktauschtag bei uns in der

Kirche für ein neues gebrauchtes Spielzeug einlösen. Das

sind jedes Jahr rund 200 Kinder. Gegen 200 weitere Kinder

kommen so regelmässig in den Genuss eines vorweihnachtlichen

Geschenkes, ohne dass sie eines bringen. Denn das

zweite Spielzeug geht an ein Kind aus ärmeren Verhältnissen.

Die zum Schluss übrig gebliebenen Spielsachen

werden einer gemeinnützigen Organisation übergeben. So

kommen die Kinderküche oder das Trottinett garantiert

wieder in neue Kinderhände. Dreimal Weihnachten also.

Die Geschenktauschaktion fand 2019 zum 22. Mal statt.

Wie immer wurde sie vom Arbeitslosenkomitee Basel-Stadt,

von dem Amt für Umwelt und Energie Basel-Stadt (AUE),

dem Basler Kindernäscht und uns verantwortet, sowie von

vielen freiwilligen Helferinnen und Helfern organisiert und

durchgeführt – mit grossem Engagement und geringem

finanziellem Aufwand:

Weihnachten, wie’s sein soll.

Offene Kirche Elisabethen – 2019 Offene Kirche Elisabethen – 2019

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