Taxi Times DACH - 1. Quartal 2020

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1. QUARTAL 2020 4,80 €

www.taxi-times.taxi

D – A – CH

URTEILE UND UBER-VERBOTE

MUSTERURTEIL

OHNE WERT?

Zuversicht in den USA

TAXIBRANCHE HOFFT WIEDER

Ausblick auf 2020

VWS TAXIPLÄNE

Ortskundeprüfung

ALLES WISSEN, ODER WAS?

Berlin und Hamburg: Das Taxigewerbe demonstriert wieder


WENN UBER

FUSSBALL

SPIELEN WÜRDE

Liebe Leser, stellen Sie sich

bitte mal ein Fußballspiel vor,

bei dem ein Spieler von der

ersten Minute an seine Gegenspieler

als Arschloch bezeichnet

und dann jeden Gegenspieler

tritt, umhaut, bespuckt etc. Bei

dem der Schiedsrichter es aber

zunächst nur bei sanften Ermahnungen belässt, dann irgendwann

einmal die Gelbe Karte zeigt und irgendwann doch endlich den

Roten Karton zückt.

Doch dann passiert das Unfassbare. Der Spieler verläßt nicht

etwa das Feld, sondern wechselte nur die Klamotten. Statt mit

roten Stutzen spielt er mit grünen, die Hose war blau und nicht

mehr gelb und von den Fußballschuhen hat er die Eisenstollen

abgeschraubt und spielte stattdessen mit Noppen weiter. Er agiere

jetzt ja mit einem anderen Outfit und mit neuer Technik, deshalb

dürfe er auch weitermachen, lautet seine Argumentation.

Ein solches Spiel wird wird es auf dem Fußballplatz hoffentlich

nie geben. Auf dem juristischen Parkett ist es leider Realität.

Denn dort gibt es mit Uber einen Spieler, der sein spielerisches

Manko von Beginn an mit bösen Fouls kompensiert hat und gleichzeitig

vorschlug, man solle doch endlich die Regeln ändern. Dass

Uber trotz Roter Karten (siehe Seite 6) einfach weiterspielt, hebt

das Grundgerüst eines demokratischen Rechtsstaats aus den

Angeln und ermutigt weitere Einwechselspieler wie Free Now,

Clever Shuttle und Moia, unter dem Deckmantel der „deutschen

Herkunft“ ähnlich regellos mitzuspielen.

Die Taxiunternehmer und Taxifahrer treibt das zur Verzweiflung,

weil sie als diejenigen, die für die mobile Daseinsvorsorge

verantwortlich sind, ihre eigene Daseinsberechtigung verlieren.

Es ist die pure Existenzangst, die sie nun abermals auf die

Straße gehen lässt – teils mit anarchistischen Zügen. Die permanent

Getretenen treten zurück. Das Spiel wird hässlicher. Es wird

allerhöchste Zeit, dass die Politik und der Staat mit all ihren rechtsstaatlichen

Institutionen energisch dazwischengehen. Sonst gibt

es anstelle eines erlösenden Schlusspfiffs nur noch einen großen

Knall.

INHALT

PERSONEN

4 Goldberg, Holzhauser, Kammer, Klusmeier,

Kuhle und Witte

WETTBEWERB + PROTESTE

6 Ubers Landversuch, FDP-Posse, Taxi-Kampagne

8 Siege vor Gericht wirken wie ein Musterurteil ohne Wert

10 Taxidemos in Berlin und Hamburg

ÖSTERREICH

12 Diskussion um Tariffreiheit, Zwang zum E-Taxi

TAXI INTERNATIONAL

13 Wie geht es dem Taxigewerbe in den USA?

FAHRERABRECHNUNG + WERBEEINNAHMEN

16 Ein Kassenautomat spart Zeit und wechselt Geld

17 Taxi kann digital – auch bei der Werbung

ANTRIEB

18 Förderung, Kia, Mercedes, Opel, Volvo, Wasserstoff

20 Volkswagen verrät seine Taxipläne für 2020

22 So sieht der neue Caddy aus

GASTKOMMENTAR

24 Alles Wissen, oder was?

BUCHTIPP

26 Nachtfahrt mit Blues-Charakter

26 Impressum

TITELILLUSTRATION: Aobe Stock / Rogatnev FOTO: Taxi Times

Jürgen Hartmann (Chefredakteur)

IN EIGENER SACHE

Zu vielen Themen in dieser Ausgabe finden Sie auf unserer

Homepage www.taxi-times.com ergänzende Informationen.

Nutzen Sie dazu bitte im rechten Block der Startseite unser

Suchfeld. Mit welchen Suchbegriffen Sie den richtigen Treffer

landen, beschreiben wir jeweils am Ende der einzelnen

Bei träge in dieser Ausgabe. Übrigens: In unserer Taxi

Times- App werden einige Beiträge auch in türkischer

Sprache angeboten.

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TAXI 1. QUARTAL 2020

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PERSONEN

NEWSTICKER

IHRE LETZTE

EUROPÄISCHE TAXIMESSE

Frank Kuhle,

hier während

einer

Taxidemo.

KUHLES RÜCKTRITT

Es war ein echter Paukenschlag: Mit

sofortiger Wirkung hatte Frank

Kuhle am 18. Dezember 2019 seinen

Posten als Vorstand der Taxi München

eG geräumt und gleichzeitig

seine Tätigkeiten für den Landesverband

Bayerischer Taxi- und Mietwagenunternehmer

und für den

Bundesverband Taxi eingestellt.

In einer E-Mail an diverse Wegbegleiter

betonte Kuhle, „dass die Gründe

für diese Entscheidung ausschließlich

im Umfeld der Taxi-München eG

liegen“. Er bedankte sich für die

engagierte und vertrauensvolle

Zusammenarbeit in den letzten Jahren:

„Ich bin sicher, dass die Arbeit

erfolgreich fortgeführt wird.“ jh

GEHT NICHT HILFT NICHT

Niedersachsens Wirtschaftsminister

Dr. Bernd Althusmann war der ranghöchste

Politiker, der Mitte Februar

am Currywurstabend des Gesamtverbands

Verkehrsgewerbe Niedersachsen

(GVN) teilgenommen hatte.

„Wie wird es in den nächsten zehn

Jahren gelingen, eine wichtige Branche

lebensfähig zu halten?“, fragte

der CDU-Politiker und gab wenig

später selbst die Antwort: „Die

He rausforderungen der Zukunft werden

wir nur mit denjenigen gemeinsam

meistern, die heute bereit sind,

sich zu verändern.

[…] Wir

werden sie

nicht gewinnen

mit denjenigen,

die uns

immer wieder

erklären, was

nicht geht.“jh

Holger Goldberg (auf dem Foto rechts) wird am 6. und 7. November

2020 seine 15. Europäische Taximesse verantworten. Es wird seine

letzte sein, denn der Geschäftsführer des Fachverbands Nordrhein

geht 2021 in Rente. Auch für Peter Zander, den Verbandsvorsitzenden,

wird es aus dem gleichen Grund die letzte Taximesse sein. Von

Müdigkeit aber bei beiden keine Spur – ganz im Gegenteil. Sieben

Monate vor dem Messestart haben sich bereits 66 Aussteller angemeldet,

die auch die letzten Jahre (die Messe findet alle zwei Jahre

statt) treue Kunden waren. Das zeigt der bereits unter www.eurotaximesse.de

online einsehbare vorläufige Hallenplan.

Die Fläche, die in den letzten Jahren von mytaxi genutzt wurde,

ist nun allerdings an einen schwedischen Fahrzeughersteller vergeben.

mytaxi, die seit Mitte letzten Jahres als Free Now die bisherigen

Taxikunden in das Mietwagensegment locken, hat die automatisierte

Frist zur Standbuchung verstreichen

lassen, wie Goldberg

gegenüber Taxi Times bestätigte.

Taxi Times wird übrigens auch

2020 zur Taximesse eine Sonderausgabe

herausbringen. Aussteller,

die sich darin platzieren

wollen, können sich unter anzeigen@taxi-times.com

melden. jh

URKUNDE FÜR 23 JAHRE

EHRENAMT

Als der Landesverband Thüringen des Verkehrsgewerbes (LTV) Ende

Februar in einem würdigen Rahmen sein 30-jähriges Jubiläum feierte,

wurden von Geschäftsführer Martin Kammer auch vier Mitglieder

geehrt, „die sich allesamt unter Zurückstellung ihrer persönlichen

und geschäftlichen Interessen ehrenamtlich für die Belange des LTV

eingesetzt und dort Verantwortung übernommen haben, wo es galt,

etwas zu bewegen und für das Gewerbe zu kämpfen“.

Einer von ihnen war der Erfurter Wolfgang Schwuchow aus der

Fachvereinigung Taxi und Mietwagen. Er war 1997 mit seinem Taxibetrieb

in den LTV eingetreten und ist seitdem ehrenamtlich innerhalb

des Vorstands tätig, ab dem Jahr 2000 bis heute (mit einer

dreijährigen Unterbrechung) als Vorsitzender der Fachvereinigung.

„Wolfgang zeichnet sich durch ein umfangreiches Allgemein- und

Fachwissen aus“, sagte Martin Kammer in seiner Laudatio. „Wenn

man mit ihm zu einer Tagung des Bundesverbands fährt, braucht

man kein Radio. „MDR Info hat nicht so viele Informationen wie

Wolfgang.“

jh

Ausführliche Berichte unter www.taxi-times.com, Stichwortsuche „Taximesse“, „LTV“, „Kuhle“, „GVN“, „Oldenburg“

Der Erfurter Unternehmer

und Gründer

der Taxizentrale Das

City Taxi wurde von

LTV-Präsident Karsten

Beese und Geschäftsführer

Martin Kammer

für 23 Jahre ehrenamtliche

Verbandsarbeit

geehrt.

FOTOS: Hochfeld, Taxi Times, Taxi München eG

4 1. QUARTAL 2020 TAXI


PERSONEN

AUSTAUSCH MIT BESUCH

VOM STEUERAMT

Sie führen ihre Taxibetriebe mit Herzblut und betriebswirtschaftlicher Kompetenz

und sie treffen sich regelmäßig zum Erfahrungsaustausch. Diesmal in Oldenburg.

Die Mitglieder der

Taxi-Erfa-Gruppe

beim Besuch in

Oldenburg.

Edo Diekmann:

Dieser Finanzbeamte

versteht

etwas von

seinem

Fachgebiet.

FOTOS: Taxi Times

Die Rede ist von der Taxi-Erfa-Gruppe, einem Zusammenschluss

diverser Taxiunternehmer aus dem ganzen Bundesgebiet.

Sie treffen sich regelmäßig, wobei immer ein

anderes Mitglied als Gastgeber fungiert. Ende Februar übernahmen

diese Rolle Wojciech Plader und Remmer Witte. Sie sind

Geschäftsführer bzw. Prokurist von Taxi 81111 in Oldenburg und

führten ihre 16 Gäste zunächst in die Produktionshallen des ebenfalls

in Oldenburg ansässigen Taxi-Umrüsters Intax.

Im Anschluss versammelten sich die Teilnehmer des Treffens

im dzo Dienstleistungs-Zentrum Oldenburg, wo dann viele Themen

angesprochen wurden: So bereitet beispielsweise die Kooperation

mit Free Now Kopfzerbrechen. Einerseits will man sich von

dem stark subventionierten Vermittler abwenden, andererseits

fällt die Argumentation gegenüber den Fahrern schwer. Weitere

Themen: der Hinweis, dass für schwangere Taxifahrerinnen

bereits ab dem ersten Tag ein Beschäftigungsverbot gilt; die Vorstellung

einer Excel-Tabelle, mit der durch Änderung einzelner

Variablen, wie beispielsweise der Anhebung des Mindestlohns,

der entsprechende Taxitarif errechnet werden kann. Ziel solcher

automatisierter Berechnungen sollte es sein, dass neue Taxitarife

kurzfristig angepasst werden können.

In der anschließenden Mittagspause konnten die anwesenden

Taxiunternehmer einen Hyundai Nexo in Augenschein nehmen,

der bei Taxi 81111 tageweise als Wasserstoff-Taxi im Einsatz ist,

ehe dann ein Kölner Teilnehmer von einer erst kürzlich durchgeführten

Kontrolle in einem seiner Unternehmen berichtete.

Hierbei konnte er den direkten Vergleich einer Betriebsprüfung

mit und ohne INSIKA ziehen. Sein Fazit: Wenn sich der Prüfer mit

der entsprechenden Technik auskennt, erleichtern die signierte

Taxameterdatenaufzeichnung sowie eine Zwangseinschaltung

des Taxameters inklusive Sitzplatzbelegung den Prüfungsvorgang

deutlich.

Apropos Finanzamt: Edo Diekmann vom Landesamt für Steuern

Niedersachsen referierte als Experte zur Kassensicherungsverordnung.

Voraussichtlich 2023 soll ein Neuentwurf in Kraft

treten, der dann für das Taxigewerbe wichtige Änderungen mit

sich bringt. Auch das Thema Bonpflicht könnte dann relevant

werden. Bislang ist das Taxigewerbe nicht betroffen, denn ein

Taxameter wird offiziell nicht als Kasse eingeordnet. Diekmann

gab den Tipp, sicherheitshalber mit einer großen Investition zu

warten, bis genaue Details des Anforderungskatalogs an eine

manipulationssicher signierbare Kasse bekannt werden. sg

Weitere Infos unter www.taxi-times.com, Stichwortsuche

„Wasserstoff“ und „Oldenburg“

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TAXI 1. QUARTAL 2020

5


WETTBEWERB

DEUTSCHE UBER-

URTEILE – MUSTER

OHNE WERT?

Sowohl in München als auch in Frankfurt wurde die Uber-App als

wettbewerbswidrig eingestuft. Trotzdem vermittelt Uber weiter. Die Urteile

scheinen nicht zu greifen. Und sind doch sehr aufschlussreich.

Fast vier Jahre hat es gedauert, bis sich das Münchner Landgericht

am 10. Februar 2020 getraut hat, in einem schwierigen

Fall ein Urteil zu fällen. Der Fahrtenvermittler Uber

darf in München keine App anbieten, die eine Auftragsannahme

direkt durch den Fahrer ermöglicht. Er darf auch keine Fahrten

an Partner vermitteln, die sich entgegen

ihrer Rückkehrverpflichtung zum

Betriebssitz zur Auftragsannahme

bereithalten (Aktenzeichen 4HK O

14935/16).

Damit sind von der Richterin des

Landgerichts München im Kern die

Punkte beanstandet worden, die auch

schon das Frankfurter Landgericht am

19. Dezember bemängelt hatte und das

deshalb ein ähnlich lautendes Unterlassungsgebot

für ganz Deutschland ausgesprochen hatte – und

dessen Vollziehung sich als teuer und aufwendig erweist.

Während die zuständige Richterin in Frankfurt diese Einschätzung

nach nur wenigen Monaten erlangte, zog sich das Münchner

Verfahren quälend wie ein zäher Kaugummi über fast vier Jahre

hin. Das ist peinlich für die Münchner Justiz.

»Ubers Deutschland-

Chef wusste von dem

Rechtsbruch und

hat ihn doch nicht

verhindert.«

Nun also das gleiche Ergebnis und höchstwahrscheinlich auch die

gleiche Konsequenz für Uber – nämlich gar keine: Auch in München

wird weiterhin vermittelt. Man argumentiert damit, dass

man ja schon drei Tage nach dem Frankfurter Urteil auf ein neues

Geschäftsmodell umgestellt habe und dass die bemängelten Punkte

nun nicht mehr zutreffen. Und wie

in Frankfurt wird es dann auch in München

wieder Aufgabe der Klägerin sein,

in aufwendigen Dokumentationen den

Verstoß gegen die Unterlassungsklage

nachzuweisen – um anschließend

da rauf zu hoffen, dass jenes Gericht die

Änderung des Geschäftsmodells als

nicht ausreichend bewertet.

Hätte das Landgericht München

schneller entschieden, wäre man an

diesem Punkt wahrscheinlich schon viele Schritte weiter. Vielleicht

sogar so weit, dass Uber sogar schon ganz verboten wäre.

Stattdessen muss man sich in München nun überlegen, wie

man mit dem Urteil umgeht. Pocht man auf Vollstreckung, muss

die Klägerin zunächst einmal die vom Gericht veranschlagte

Sicherheitsleistung über 100.000 Euro hinterlegen. Eine Münch-

ILLUSTRATION: Aobe Stock / Rogatnev

6 1. QUARTAL 2020 TAXI


WETTBEWERB

ner Einzelunternehmerin müsste also eine sechsstellige Summe

über Monate, vielleicht sogar noch mal über Jahre auf einem

Gerichtskonto parken. Damit wird Rechtsprechung zu einer

Zwei-Klassen-Gesellschaft. „Als Laie bekommt den Eindruck, man

urteilt zwar, hat aber an der Durchsetzung kein Interesse“, kommentiert

der Taxifahrer Petar Lacic in der Taxi Times-WhatsApp-

Gruppe.

All dies erweckt den Eindruck, als sei das Münchner Urteil nur

eine Frankfurter Kopie und als solches ein Muster ohne Wert. Und

doch gibt es einen bemerkenswerten Unterschied. Die Münchner

Richterin stützt ihre Beurteilung auf eine ausführliche Zeugenbefragung,

bei der es vor allem um die Frage ging, was technisch

möglich ist. „Die durchgeführte Beweisaufnahme hat ergeben,

dass die Uber-Fahrer […] in der Lage waren, den Fahrtauftrag

anzunehmen, ohne dass der Mietwagenunternehmer am Betriebssitz

die bei ihm eingehende Mail gelesen und innerhalb der

30 Sekunden eine entsprechende Disposition und Anweisung an

seine Fahrer weitergegeben hat“, heißt es im Münchner Urteil.

AUSREDE WIRD ZUM BUMERANG

Damit wurde eine Verfahrenstaktik der Uber-Rechtsanwälte zum

Bumerang. Diese hatten einen Verstoß gegen § 49 des Personenbeförderungsgesetzes

(PBefG) mit der Begründung zurückgewiesen,

dass man ja bereits Anfang 2017 eine Änderung bei der

Auftragsvermittlung durchgeführt habe, „dergestalt, dass sich

der Mietwagenunternehmer nach Eingang des per E-Mail an den

Betriebssitz gesendeten Beförderungsauftrags aktiv entscheiden

müsse, ob er den Auftrag ablehne oder ausführen wolle“. Die

Tatsache, dass diese theoretische Vorgehensweise in der Praxis

umgangen wurde, hatten nicht nur diverse Zeugen widerlegt, das

musste sogar der Uber-Deutschland-Chef Christoph Weigler im

Zeugenstand einräumen.

Für die Richterin war damit klar, dass hier ein Verstoß gegen

§ 49 PBefG vorliegt: „Aus all diesen Angaben ergibt sich, dass es

auch nach der Umgestaltung der App durch die Beklagte [Uber]

für die Fahrer möglich war, einen Auftrag anzunehmen, ohne

dass der von der Beklagten vorgetragene Zwischenschritt eingehalten

wurde.“ Mehr hatte die Richterin nicht zu beurteilen und

sie hat mit ihrem Unterlassungsurteil die späte, aber richtige

Konsequenz gezogen.

In der Bewertung dieser Verteidigungsstrategie zeigt sich

jedoch die wahre DNA des Unternehmens: Herr Weigler als Frontmann

von Uber Deutschland musste vor Gericht einräumen, dass

die durchgeführten Änderungen technisch nur unzureichend vor

Missbrauch geschützt worden waren. Er wusste also von dem

Rechtsbruch und hat ihn doch nicht verhindert. Auf mehrmalige

Nachfragen der Richterin, warum man so etwas technisch nicht

besser absichere, gab Herr Weigler keine Antworten – das ist

nachweisbar protokolliert.

Die Uber-Anwälte hätten diese Bloßstellung sicherlich gerne

vermieden. Sie versuchten mit allerlei Nebenkriegsschauplätzen

eine Verurteilung auf die sehr lange Bank zu schieben. Solche

rechtlichen Nebelkerzen sind eine vielfach angewandte Strategie,

juristisch absolut korrekt. Die moralische Bewertung fällt hinten

runter. „Eine typisch amerikanische Geisteshaltung“, hört man

von Experten immer wieder. Trotzdem muss auch diese hinterfragt

werden dürfen, noch dazu, wenn die Uber-Anwälte bei Freshfields

Bruckhaus Deringer beschäftigt sind. Das ist die älteste internationale

Kanzlei der Welt, „mehr Goldman Sachs als Liebling Kreuzberg“,

wie sie das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ in einer

bemerkenswerten Reportage vom 18. Januar beschreibt. Dessen

früherer Steuermann Ulf Johannemann wurde im Dezember wegen

Verwicklung in Cum-Ex-Geschäfte in Untersuchungshaft

genommen.

„Freshfields berät Siemens, das britische Verteidigungsministerium

und die Regierung von Chile“, hat der „Spiegel“ recherchiert;

die Juristen der Kanzlei sind stille Strippenzieher hinter den Kulissen

der Weltwirtschaft. […] Sie beeinflusst, welche Unternehmen

fusionieren und welche bankrottgehen, wie Finanzgesetze mitgestaltet

werden und wo Kraftwerke gebaut werden. Eine Branche

genauso einflussreich wie die Investmentbanken, nur weniger

bekannt, verschwiegener noch. Aber manchmal ähnlich ruchlos.“

FOTO: Taxi Times

Am 18. Januar berichtete der „Spiegel“ über

die Verflechtungen der Kanzlei Freshfields

Bruckhaus Deringer, die auch Uber

in diversen Gerichtsverfahren vertritt.

Eine solche Kanzlei passt zu einem Unternehmen, dessen

Geschäftsmodell ohne Rechtsbruch kein Geschäft mehr ist. Uber

und seine Anwälte harmonieren gut, auch wenn die Strategie der

Urteilsverzögerung zwar in München aufging, in Frankfurt aber

dank einer forschen Frankfurter Richterin in die Hosen ging – und

im April in Düsseldorf mit einer weiteren juristischen Ohrfeige

zu rechnen ist. Aber für diesen Fall hatte man ja Plan B in der

Tasche. Ein neues Geschäftsmodell und abermals ein paar technische

Software-Veränderungen, die nun laut Uber ganz sicher

verhindern sollen, dass man gegen das PBefG verstößt.

Wie viele Zeugenaussagen wird es diesmal brauchen, bis auch

diese Verfahren entlarvt sind? Die Taxibranche hat laut eigener

Aussagen auch dafür bereits erste Beweise gesammelt. Sie werden

wieder vor Gericht landen und sie werden zu einem abermaligen

Urteil führen. Vielleicht diesmal zu einem Musterurteil mit viel

Wert? Die Hoffnung stirbt zuletzt. jh

Hintergrundinfos unter www.taxi-times.com unter der Stichwortsuche

„Landgericht München“, „Landgericht Frankfurt“, „juristische

Erklärung“, „Uber reagiert“; „Verbot der App“ und „technisch möglich“.

TAXI 1. QUARTAL 2020

7


WETTBEWERB

NEWSTICKER

UBER VERLÄNGERT PILOT-

VERSUCH IM LÄNDLICHEN

BEREICH

Seit rund drei Monaten versucht sich

Uber nun auch auf dem Land. Offenbar

mit so großem Erfolg, dass man

den subventionierten Betrieb im

Münchner Speckgürtel rund um die

Gemeinde Kirchheim nun um ein weiteres

halbes Jahr verlängern will. Über

dreitausend Fahrten sollen laut Uber

im Rahmen des „Kirchheim-Projekts“

bereits durchgeführt worden sein.

Rund zwei Drittel davon gingen von

oder nach München (ca. 16 Kilometer)

und kosteten die Fahrgäste in den

Nachtstunden lediglich 15 Euro.

Innerhalb Kirchheims und angrenzender

Orte kosteten die Fahrten fünf

Euro. Im Rahmen der Verlängerung

will man nun sogar die telefonische

Bestellung sowie im Rathaus eine

Bestellung per iPad ermöglichen. sg

»TAXIFAHRERIN DES

JAHRES« ZUM HALBEN

PREIS

„Bleib sicher – fahr Taxi.“ – Mit dieser Marketingkampagne hebt der

Bundesverband Taxi und Mietwagen die Alleinstellungsmerkmale

hervor, die Taxifahrerinnen und -fahrer gegenüber den taxiähnlich

agierenden Konkurrenten aus dem Mietwagensegment haben: Sie

sind garantiert ortskundig, verlässlich und qualifiziert, denn für die

Sicherheit des Fahrgastes wird gesetzlich garantiert, heißt es in der

Erläuterung. Und da jeder diese Kriterien erfüllt, ist jeder von ihnen

auch der Taxifahrer oder die Taxifahrerin des Jahres.

Gedruckt werden diese Botschaften unter anderem auch auf Kopfstützen.

Weil der Lieferant dabei aber verschiedene Materialqualitäten

geliefert hat, hat sich der Einkaufspreis um 50 Prozent reduziert,

was nun direkt an alle Taxiunternehmer und Taxifahrer (des Jahres)

weitergegeben wird. Ein Kopfstützenbezug kostet daher aktuell (solange

der Vorrat reicht) mit 1,70 Euro netto nur mehr die Hälfte. Erhältlich

sind Kopfstützenbezüge und andere Materialien über den eigens

eingerichteten Kampagnenshop www.shop.fahr-taxi.de. jh

Uber kommt

aufs Land –

und will sogar

telefonische

Bestellungen

einführen.

ALLE NEUNE IN DER SCHWEIZ

Seit Ende Februar ist der Fahrtenvermittler

Uber auch in Bern aktiv

und damit insgesamt in der neunten

Schweizer Stadt. Doch anders als in

Zürich, St. Gallen etc. werden in Bern

sämtliche Fahrten an Taxis vermittelt.

Diese „Kooperation“ resultiert

aus den strengen Beförderungsregelungen

der Schweizer Hauptstadt,

die beispielsweise keine sogenannten

Limousinenfahrten vorsehen.

Stattdessen müssen alle sowohl eine

Taxiführer- als auch eine Taxihalterbewilligung

nachweisen – und eine

erfolgreich abgelegte Ortskunde.

Ob und wie viele Berner Taxis

diese Kooperation tatsächlich eingehen

werden, geht aus den bisherigen

Medienberichten nicht hervor. Taxifahrer,

die einer Zusammenarbeit

mit Uber offen gegenüberstehen,

sollten sich in den Niederlanden

umhören. Dort sind die Verdienstmöglichkeiten

der Uber-Fahrer mittlerweile

so katastrophal, dass man

nahezu wöchentlich vor der Uber-

Hauptzentrale demonstriert. jh

Tue Gutes und zeig es: An der Taxikampagne sollten möglichst alle

Taxifahrer(innen) teilnehmen.

FDP BEGRÜSST UBER-

START IM RUHRPOTT

Das Urteil vom Landgericht Frankfurt am Main (siehe Seite 6) hält

den Expansionsdrang des US-Fahrtenvermittlers Uber nicht auf. Nur

sechs Wochen nach dem Unterlassungsverbot verkündete das Unternehmen

seinen Start in Duisburg und anderen angrenzenden Ruhrpott-

Gebieten. Uber wird damit erstmals auch in Städten mit weniger als

600.000 Einwohnern aktiv – was wiederum die örtliche FDP ganz offenkundig

freute: „Wir begrüßen Uber in Duisburg“, konnte man gleich am

ersten Tag auf deren Homepage lesen. So stelle man sich ein modernes

Mobilitätskonzept für die Bürger Duisburgs vor, sagte Wilhelm Bies,

Fraktionsvorsitzender der Freien Demokraten im Duisburger Stadtrat.

Das blieb nicht ohne Widerrede: „Erklären Sie mir bitte als Bürger,

wie man für ein Unternehmen Werbung machen kann und gutheißen

kann, welches tagtäglich gegen geltende Gesetze in Deutschland verstößt“,

wollte beispielsweise ein Taxifahrer auf Facebook wissen. Wir

finden: eine nachvollziehbare Frage, auf welche die FDP seit Jahren

eine Antwort schuldig bleibt – nicht nur in Duisburg.

jh

FOTO: elephantlogic, Uber

Ausführliche Meldungen zu diesen Themen unter www.taxi-times.com, Stichwortsuche „Fahrer des Jahres“, „FDP“, „Kirchheim“, „Bern“, „Amsterdam“

8 1. QUARTAL 2020 TAXI


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TAXI-PROTESTE

Eine Kundgebung in Berlin-Mitte war bei der Polizei angemeldet, die spontane Blockade des Flughafens Tegel nicht.

MIT VIEL WUT, ABER

OHNE KERNBOTSCHAFT

In Berlin sind zahlreiche Taxifahrer und Unternehmer mit ihrer Geduld am Ende.

Sie organisieren Demos und Kundgebungen und blockieren den Flughafen.

Auf private Initiative hin hatten

einzelne Taxifahrer eine Taxidemo

vor dem Roten Rathaus angemeldet

und über soziale Medien und

Flugzettel die Kollegen zur Teilnahme aufgefordert.

Am Amtssitz des Regierenden

Bürgermeisters Michael Müller wollte man

auf die Missstände aufmerksam machen,

die durch das wettbewerbswidrige Verhalten

der Beförderungsanbieter Uber und

Free Now zu immer höheren Umsatzverlusten

des Taxigewerbes führen. Rund

600 Taxifahrer und Unternehmer waren

dem Aufruf gefolgt und hatten sich mitsamt

ihren Taxis in der Nähe des Berliner

Alexanderplatzes versammelt.

Die ebenfalls erschienenen Pressevertreter

wussten allerdings nicht so recht,

was die Kernbotschaft der Demo war. Während

der RBB in seinen Berichten von Protesten

gegen Bundesverkehrsminister

Scheuer sprach, berichtete der Sender TV

Berlin von Protesten gegen zu laxe Kontrollen

durch die zuständige Aufsichtsbehörde.

Der Sender ließ in seinem Beitrag zahlreiche

Taxifahrer und Bedienstete zu Wort

kommen, deren Vorwürfe letztlich alle

einen gemeinsamen Nenner hatten: Gerade

in Berlin ist die dortige Behörde nicht willens,

gegen illegale Praktiken durch Uberund

Free Now-Partner einzuschreiten.

Die aktuelle Situation sei nicht mehr tragbar,

hatte einer der Veranstalter im Vorfeld

der Demo per Sprachnachricht mitgeteilt.

„Es ist kein Zustand mehr, dass die Großkonzerne

uns dermaßen plattmachen. [...]

Die judikative und die exekutive Staatsgewalt,

die uns im Stich lässt, soll merken,

dass wir so nicht mit uns umgehen lassen.“

VERSTÄNDNIS VOM

BUNDESVERBAND

Taxiverbände hatten sich an der Demo

nicht beteiligt. „Dass es jetzt zu solchen

Kundgebungen kommt, ist Ausdruck der

Existenznot unserer Kolleginnen und Kollegen,

für die wir ausdrücklich größtes Verständnis

haben“, sagte Michael Oppermann,

Geschäftsführer des Bundesverbands Taxi

und Mietwagen, gegenüber Taxi Times.

„Die Kolleginnen und Kollegen drücken

ihren großen Ärger darüber aus, dass die

neuen Mietwagenplattformen entgegen

diverser Gerichtsurteile unbekümmert

einen taxiähnlichen Verkehr zu Dumpingpreisen

nicht nur weiter anbieten, sondern

sogar noch ausweiten. Uber & Co. tricksen

und täuschen und die Politik schaut tatenlos

zu.“

Seitens des Bundesverbands hätte man

sich allerdings eine bessere Abstimmung

untereinander gewünscht. Dies habe mehr

Schlagkraft als Einzelaktionen. „Wir stehen

weiter für ein geschlossenes Auftreten

unseres Gewerbes.“

Drastischer fielen die Worte eines Vorstandsmitglieds

eines Berliner Taxiverbands

aus, der sich von der Taxidemo „mit

aller Deutlichkeit“ distanzierte. Er kritisierte

gegenüber der „B.Z.“ jene Kollegen, die

nicht wissen würden, für wen sie eigentlich

fahren wollen. „Einige der Demo-Teilnehmer

sind bis vor Kurzem noch für Uber und

Free Now gefahren, gegen die sie jetzt protestieren.“

Der Verbandsvertreter spielte

damit auf die Taxis an, die im Konvoi mit

Außenwerbung für Free Now gesichtet

wurden.

Dieser Konvoi hatte sich spontan

hupend in Richtung Flughafen Tegel

bewegt, nachdem man am Rathaus auf keinerlei

Gesprächsbereitschaft getroffen war.

In ihrer Wut über diese Ignoranz blockierten

die Taxifahrer anschließend die Zufahrt

zum Flughafen Tegel, weshalb viele Fluggäste

den letzten Weg zum Terminal wieder

einmal zu Fuß antreten mussten. jh

Für den 3. März (und damit nach unserem

Redaktionsschluss) hatten die Veranstalter

eine weitere Taxidemo angemeldet. Informationen

dazu unter www.taxi-times.com, Stichwortsuche

„friedlich“

FOTOS: Taxi Times

10 1. QUARTAL 2020 TAXI


TAXI-PROTESTE

MIT KLARER BOTSCHAFT,

ABER UNGLAUBWÜRDIG

Rund 300 Taxiunternehmer und Taxifahrer haben im Februar gegen den

Fahrtenvermittler Free Now demonstriert. Doch mitten im Konvoi waren auch

einige Taxis mit Free Now-Werbung.

FOTO: Ayhan Aytaç

Aufgerufen zur Hamburger Demo

hatte der Verband FFTD. Man

wolle „die Öffentlichkeit und

die Politik auf die Missstände im Personenbeförderungsgewerbe

aufmerksam

machen“. Diese hätten weitreichende negative

Folgen für die städtischen, aber auch

ländlichen Infrastrukturen und für die Endverbraucher.

„Das Taxi ist ein ergänzender

Bestandteil des ÖPNV mit Begünstigungen,

aber auch Auflagen, wie der Betriebs- und

Beförderungspflicht sowie Bereitstellungspflicht“,

schreiben die Demo-Verantwortlichen.

Des Weiteren schütze die Tarifpflicht

den Endverbraucher vor mutwilligen Preisbestimmungen.

Die Preise taxiähnlicher

Mietwagen-Fahrdienste unterbieten diese

Taxitarife. Wenn diese Situation lang genug

andauern sollte, könnten die Taxiunternehmen

ihre Existenz verlieren.

Einer dieser taxiähnlichen Fahrdienste

heißt Free Now und rückte bei der Demo

ganz besonders in den Fokus der Veranstalter:

Die Vermittlungs-App, ehemals mytaxi,

habe bis zu ihrer Umbenennung im vergangenen

Jahr „ausschließlich nur Taxis vermittelt

und Taxis ihre Stammkundschaft

aufgebaut. Mit dem Produkt Free Now Ride

werden nun Mietwagen günstiger als Taxis

zu vorbestimmten Fahrpreisen angeboten.“

Der FFTD sieht dazu einige Parallelen zum

Wettbewerber Uber, dessen Unterlassungsverbot

am Frankfurter Landgericht auch

darauf basierte, dass man über keine eigenen

Mietwagenlizenzen verfüge. Da dies

auch für Free Now zutreffe, „handelt Free

Now genauso illegal wie der Fahrdienstvermittler

Uber“, nimmt der FFTD kein Blatt

vor den Mund.

Das Problem dabei ist allerdings, dass

trotz klarer taxifeindlicher Aktionen noch

immer sehr viele Unternehmer mit Free

Now zusammenarbeiten. Selbst im Konvoi

der Hamburger Taxidemo wurden Taxis mit

Außenwerbung für Free Now gesichtet.

DIE INNERE SPALTUNG

In Anbetracht einer solchen inneren Spaltung

hatten auch die etablierten Hamburger

Taxiverbände und die Taxizentrale

Hansa-Funk auf eine Demo-Unterstützung

verzichtet. Vielleicht auch im Hinblick

da rauf, dass in in Hamburg im April letzten

Jahres der neue Bundesverband FFTD

gegründet worden war. Wenig später hatte

dieser Verband dann eine eigene App entwickelt.

„Interessanterweise wird damit geworben,

dass diese App aus dem Gewerbe

kommt und man bald keine Zentralen

mehr braucht“, weist Hansa-Funk auf

Pa rallelen ausgerechnet zu jener App

hin, die man nun mit einer Demo unter

dem Slogan „Wir holen uns unsere Kunden

zurück“ bekämpfen wolle. „Den älteren

mag es bekannt vorkommen. One Touch

Taxi, mytaxi, später Free Now sind ebenfalls

angetreten mit dem Versprechen,

bald würde man keine Zentralen mehr

brauchen.“

jh

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TAXI 1. QUARTAL 2020

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ÖSTERREICH

TARIFPLÄNE UMSTRITTEN

Weil im Programm der neuen österreichischen Regierung von Flexibilität bei den

künftigen Taxitarifen die Rede ist, befürchtet der Wiener Taxi-Obmann Gökhan

Keskin eine Aufweichung des neuen Taxigesetzes.

Dass Österreich ein neues Gelegenheitsverkehrsgesetz

bekommt, steht seit letztem Sommer fest. Darin soll die

Unterscheidung zwischen Taxi- und Mietwagenverkehr

wegfallen – auch das gilt als sicher. Detaillierte Bestimmungen

sollen allerdings über sogenannte Betriebsverordnungen geregelt

werden – und da befürchtet Keskin eine Aufweichung, weil in der

Regierung über flexible Tarife nachgedacht wird. Seines Erachtens

käme eine solche Regelung einzig und allein den Großkonzernen

zugute. „Die kleinen Taxiunternehmen sowie die Fahrgäste wären

die Leidtragenden. Alle Kundinnen und Kunden müssen sicher

sein können, dass sie nur den einheitlichen Tarif bezahlen – und

nicht mitten in der Nacht Preisverhandlungen mit dem Taxifahrer

führen, den sie soeben angehalten haben.“

Als spannende Frage bezeichnet Keskin die künftige Haltung

des Wirtschaftsbundes. „Ich fürchte, dass er die kleinen Taxiunternehmer

verraten und aus Parteiräson auf die Linie der neoliberalen

Konzernlobbyisten umschwenken wird. Die Digitalisierung

darf hier nicht als Ausrede für wettbewerbsverzerrende Praktiken

und Lohndumping missbraucht werden.“ Die Digitalisierung sei

bei der Überarbeitung des Gesetzes bereits mitgedacht worden,

teilt der Obmann mit und verweist in diesem Zusammenhang auf

eine geplante App der Wirtschaftskammer, die das Bestellen von

Taxis vereinfachen soll. Die müsse nun auch umgesetzt werden,

dann würden tatsächlich für alle Player auf dem Taximarkt die

gleichen Regeln und Chancen gelten.

jh

Taxis am Wiener Flughafen in Schwechat.

IN 5 JAHREN

NUR NOCH

E-TAXIS?

Warten an Wiens Taxistandplätzen ab 2025 nur noch E-Taxis?

Mit dem »Integrierten nationalen

Energie- und Klimaplan« bekennt sich

die schwarz-grüne Regierung unter

Bundeskanzler Kurz zu den Klimazielen

der EU und will ab 2025 nur noch

emissionsfreie Taxis zulassen.

In Wien wurden E-Taxis von 2016 bis 2018 bereits mit bis zu

8.000 Euro gefördert. Das Ziel, 250 E-Taxis auf die Straße zu

bringen, scheiterte aber. Im zweiten Anlauf soll jetzt zur Not

eine Anpassung des Gelegenheitsverkehrsgesetzes die Unternehmer

zu emissionsfreien Taxis zwingen. Der Plan betrifft auch

Mietwagen und Car-Sharing-Fahrzeuge.

Davor Sertic, Spartenobmann für Verkehr in der Wirtschaftskammer

Wien, befürwortet den Gesetzesentwurf, wendet aber ein,

dass die Unternehmer nicht alles alleine schultern könnten und

auf staatliche Unterstützung angewiesen seien. So müsste neben

taxitauglichen E-Fahrzeugen auch die erforderliche Ladeinfrastruktur

verfügbar sein. „Wenn die genannten Punkte erfüllt sind,

ist es möglich“, so Sertic.

Unternehmer aus verschiedenen Regionen Deutschlands, die

bereits elektrisch unterwegs sind, zeigen in ihrer Hauptforderung

Einigkeit. Sie fordern einen sinnvollen Ausbau der Ladeinfrastruktur

und ein transparentes Abrechnungsmodell der Stromanbieter.


sg

FOTOS: Axel Rühle

12 1. QUARTAL 2020 TAXI


TAXI INTERNATIONAL

FRAGEN AN EINEN US-TAXI-EXPERTEN

WIE GEHT ES DEM TAXI- UND

MIETWAGENGEWERBE?

„Das traditionelle Gewerbe in den USA

hat sich weitgehend stabilisiert.“ Diese

überraschend positive Antwort stammt

von Al LaGasse von der Transportation

Alliance, der sich am Rande der TRB-

Konferenz (siehe unten stehender Kasten)

für ein Interview zur Verfügung

stellte. Es war nicht das erste Gespräch

mit Taxi Times.

Bereits vor zwei Jahren hatten wir Al

LaGasse über die Entwicklungen auf dem

amerikanischen Taxi- und Mietwagenmarkt

befragt. LaGasse war damals CEO

der Taxicab Limousine and Paratransit

Association (TLPA), die 2019 in die breiter

aufgestellte Transportation Alliance umbenannt

wurde.

TAXI TIMES: Herr LaGasse, wie hat sich

die Lage im Gewerbe seit unserem letzten

Gespräch verändert? Hat sich der

Abwärtstrend, den Sie für beide Sektoren

damals signalisierten, fortgesetzt? Oder

hat das Gewerbe von Uber & Co. (den

sogenannten Transportation Network

Companies – TNC) profitiert?

AL LAGASSE: Als das Geschäft für Taxis und Mietwagen (For

Hire Vehicles – FHV) zurückging, stieg die Taxibranche stärker in

den Vertragsdienstleistungsmarkt, beispielsweise in die Schülerbeförderung,

ein und viele Mietwagen-Unternehmen orientierten

sich zum Busmarkt hin.

Al LaGasse,

CEO der

Transportation

Alliance

»Die Taxibranche

hat nach dem

Technologie-

Upgrade ihre

Betriebskosten

gesenkt.«

Wenn Sie das in einer zehnjährigen Perspektive

sehen, seit dem Start von Uber

in 2009, wie hart ist der Taxi- und Mietwagen-Sektor

getroffen worden?

In den großen TNC-Märkten (Großstädte)

ist das Taxigeschäft für Privatkunden um

etwa 40 bis 50 Prozent gesunken. TNCs

dominieren mittlerweile die Beförderung

auf großen Flughäfen und beeinträchtigen

den Mietwagen-Dienst erheblich.

Viele Taxiunternehmen haben in den

letzten Jahren zugemacht. Was für Unternehmen

waren das?

Es gibt keine verlässlichen Daten über die

Schließung von Taxi- und Mietwagenunternehmen.

Es hat immer eine Abwanderung

kleinerer Unternehmen gegeben, die

in dieses Geschäft eingetreten sind und

es wieder verlassen haben. In den letzten

Jahrzehnten hat es auch eine Stabilisierung

der Branche gegeben, die noch andauert.

Würden Sie sagen, dass Taxi- und Mietwagenunternehmen

nicht schnell genug

waren, um sich an die neuen Beförderungsanforderungen

anzupassen? Oder

machen Sie das von den lokalen Regierungen gezeigte Fehlen

eines regulatorischen Rückgrats verantwortlich?

Die TNCs haben vor einem Jahrzehnt illegal mit der Bereitstellung

von nicht lizenzierten Taxi- und Mietwagendiensten begonnen.

Wir waren der Ansicht, dass das Gesetz für diese „Banditen- u

FOTO: Transportation Alliance

MIKROMOBILITÄT STEHT IM MITTELPUNKT

Jedes Jahr ist die Jahrestagung des eine „Wunderlösung“ für alle Beförderungsprobleme

zu bieten. Jetzt vor

Transportation Research Board (TRB)

ein Marathon, beim 100. Zusammentreffen

war das nicht anders. Mitte Januar spürte man, dass nicht alle Teilnehmer

allem im ÖPNV. In vielen Workshops

reisten 14.000 Transportspezialisten aus die Uber & Co.-Lösung begrüßen.

der ganzen Welt nach Washington, um Gerade dort, wo Kunden keinen Zugriff

in fünf Tagen nicht weniger als

auf Kreditkarten oder Smartphone

5.000 Präsentationen in 800 Workshops

anzuhören. Die Workshops

für diese Firmen, brauchen Einwohner

haben oder die Stadt einfach zu klein ist

wurden vorbereitet von Gremien,

das Taxi. Besonders in ländlichen

welche die Worte „Taxi“ und „Paratransit“

(Behindertenbeförderung) jedoch Minnesota, wo eine Behörde deutlich

Regionen, wie beispielsweise in

nicht mehr benutzen. Sie wurden durch sagte, dass sie kein Vertrauen hat zu

„Ride-Sharing“ ersetzt. In vielen

Uber und Lyft, „weil nicht bewiesen ist,

Workshops waren oft mehrere Lyft- und dass sie auch noch in der Zukunft

Uber-Vertreter präsent, um begeistert funktionieren“ – wenn die endlosen

Geldquellen nicht mehr da sind –, „und

sie nicht auf eine nachhaltige Art

funktionieren“. Auch andere Teilnehmer

äußerten sich kritisch zu Uber & Co.,

wiesen aber auch auf einen anderen

Taxi-Konkurrenten hin: die Mikromobilität

mit ihren E-Scootern und E-Fahrrädern

(ein großes Thema im TRB). In

Paris ersetzt sie zum Beispiel Taxifahrten

bis zu zwei Kilometer Fahrtstrecke.

Auch Mobility as a Service (MaaS), bei

der in einer App verschiedene Beförderungsdienste

und Zahlung miteinander

verknüpft werden sollen, war ein

wichtiges Thema. Für das Taxigewerbe

sicher ein Thema der Zukunft. wf

TAXI 1. QUARTAL 2020

13


TAXI INTERNATIONAL

»Die Verbände diskutieren darüber,

wie wir besser zusammenarbeiten

können, um ein einheitliches Gewerbe

zu repräsentieren.«

operationen“ genau wie in den letzten einhundert Jahren durchgesetzt

werden würde. Leider wurden die Aufsichtsbehörden von

gewählten Beamten an der Durchsetzung des Gesetzes gehindert,

was den gut finanzierten TNCs Zeit gab, die staatlichen Gesetze

zu ändern, um ihre Dienstleistungen legal zu machen.

Gibt es da jetzt ein Umdenken? New York City führte neue regulatorische

Maßnahmen ein, und Los Angeles und Washington

D. C. planen sie. Ist das eine Kehrtwende weg von der

katastrophalen Taxipolitik?

Nachdem die Politik die Dynamik im Personenbeförderungsgewerbe

durch die Schaffung einer TNC-Lizenz verändert hat, ist

es vernünftig, den aktuellen Mix von Diensten zu bewerten und

die Vorschriften zu aktualisieren. Es ist notwendig, die Wettbewerbsbedingungen

auszugleichen, die derzeit TNCs begünstigen.

Meinen Sie, dass eine Begrenzung der

Anzahl von Ubers und Lyfts und die Einführung

weiterer Regulierungsmaßnahmen

sowie eine Abgabe auf TNC-Fahrten

zugunsten der Taxifahrer letztendlich der

Taxibranche zugutekommen werden?

Die TNC-Lizenznehmer erhielten anfangs

einen Freifahrtschein. Glücklicherweise

erheben viele Gemeinden und Flughäfen

jetzt Gebühren für TNC-Dienste, was dazu

beiträgt, die Wettbewerbsbedingungen zwischen

den verschiedenen Segmenten der

Personenbeförderungsbranche zu verbessern.

Bezüglich der Begrenzung der Anzahl

der TNC-Fahrzeuge hat nur New York City

dies in Nordamerika getan. Die ersten

Ergebnisse sehen positiv aus und wir beobachten sie genau, um

zu sehen, was in anderen Städten funktionieren könnte.

Waren Taxi- und Mietwagen-Betreiber zu langsam, um ein

neues Geschäftsmodell einzuführen? Oder gibt es Betreiber,

die sich dem Trend widersetzt haben und trotz TNC-Präsenz

profitabel arbeiten?

Man kann leicht sagen, dass die Branche nur langsam reagierte,

aber denken Sie daran, dass TNC-Dienste in den meisten Bundesstaaten

erst seit einigen Jahren legal sind. Der andere wichtige

Punkt ist, dass TNCs in den USA, mit Ausnahme von Aufschlagfristen,

dem Passagier normalerweise weniger als die Kosten für

die Erbringung des Dienstes in Rechnung stellen. Taxi- und FHV-

Unternehmen haben kein Risikokapital, das ihre Fahrten subventioniert.

Angesichts der Milliarden von Dollar, die ausgegeben

»Es scheint, dass

die freie Fahrt

für TNCs zu

Ende geht, und

Ich denke, dass

dieses Jahrzehnt

für uns gut

aussieht.«

wurden,

um die

traditionelle

Industrie aus

dem Geschäft

zu drängen, glaube

ich, dass unsere Branche

große Widerstandsfähigkeit und

Ausdauer bewiesen hat.

Haben sich viele Taxi- und Mietwagenfirmen in Betreiber

unterschiedlicher Geschäftsfelder verwandelt, indem sie sich

beispielsweise auf nicht-medizinische Transporte, Sozialverträge,

traditionelle Behindertenbeförderung (Paratransit),

ÖPNV-Partnerschaften konzentriert und gleichzeitig ihren

Betrieb um verschiedene Arten von Flotten (Kleinbusse, Reisebusse

usw.) erweitert haben?

Das traditionelle Gewerbe hat sich diversifiziert.

Taxis bieten seit Jahrzehnten

Vertragsdienstleistungen an, aber diese

Verträge werden jetzt wieder stärker in

den Vordergrund gerückt. Viele Taxifirmen

haben Verträge mit Schulen, Sozialämtern

und Verkehrsbehörden abgeschlossen.

Derzeit geben laut einer kürzlich durchgeführten

Umfrage mehr als die Hälfte aller

unserer Mitglieder an, dass sie jetzt nichtdringliche

medizinische Beförderungsdienste

anbieten.

Simulieren Taxiunternehmen immer mehr

das TNC-Geschäftsmodell wie zTrip von

der ÖPNV-Firma Transdev? Wie erfolgreich ist zTrip?

Wir haben keine große Annäherung zum TNC-Modell gesehen.

Natürlich braucht man Wagniskapital, um das Geschäft zu subventionieren,

damit dieses Modell wie bisher funktioniert. Was

wir gesehen haben, sind erfahrene Betriebe, die experimentieren,

wann und wo sie die TNC-Vorschriften zu ihrem Vorteil einhalten

können. Zum Beispiel verwendet zTrip intelligent eine TNC-

Lizenz, wenn dies die regulatorischen Kosten senkt, und eine

Taxilizenz, wenn dies vorteilhafter ist. Trotzdem haben sie ihren

Service und ihre App einheitlich umbenannt, sodass die Fahrgäste

und Fahrer einen „New Feel“-Dienst erleben, unabhängig

davon, ob sie als Taxi oder TNC lizenziert sind.

Es gibt Leute, die behaupten, dass das Taxi und der FHV in

gewisser Weise von den TNCs profitiert haben: Die TNCs haben

FOTOS: Transportation Alliance; Wim Faber

14 1. QUARTAL 2020 TAXI


TAXI INTERNATIONAL

einen großen Teil des Kuchens eingenommen,

aber der Gesamtkuchen ist im Laufe der Jahre

viel größer geworden. Jüngere Leute nutzen

TNCs, ältere Leute, die kein Smartphone und

keine Kreditkarte besitzen, müssen jedoch

unbedingt Taxis nehmen. Aber das sieht aus

wie ein „Sonnenuntergangsszenario“ ...

Der Markt für Fahrgäste, die bereit sind, weniger

als die realen Servicekosten zu zahlen, ist sicherlich

explodiert. Es ist schwer zu glauben, dass dies

ein nachhaltiges Modell ist. Wie wird der Markt

also aussehen, wenn die TNCs ihre Preise erhöhen,

um rentabel zu werden und den Fahrern einen besseren

Lebensunterhalt zu ermöglichen? Oder werden autonome

Fahrzeuge oder andere Technologien dafür sorgen,

dass die Preise niedrig bleiben und der Betreiber dennoch

Gewinne erzielen kann? Es ist schwer zu sagen, wie sich all dies

in den nächsten zehn Jahren entwickeln wird, aber in letzter Zeit

haben die TNCs in den USA in vielen Städten ihren Grundpreis

angehoben.

Inwieweit müssen sich die Verbände, die sich mit Taxis,

Limousinen und Mietwagen beschäftigen, neu erfinden? Sehen

Sie Fusionen am Horizont, die einen soliden politischen Block

bilden?

Da traditionelle Anbieter von Personenbeförderung auf der Straße

mit subventionierten TNC-Diensten zu kämpfen hatten, mussten

sie Kosten senken. Diese Kostensenkung hat dazu geführt,

dass die nationalen Verbände einen Mitgliederschwund von

50 Prozent verzeichneten. Die Verbände diskutieren darüber,

wie wir besser zusammenarbeiten können, um ein einheitliches

Gewerbe zu repräsentieren.

Wie sehen Sie die Zukunft? Welche Strategie muss die Taxiund

Mietwagen-Branche (FHV) verfolgen, um die nächsten

zehn Jahre zu überleben? Und was ist mit den Unternehmen,

die das Taxigewerbe unterstützen und von ihr leben?

Das traditionelle Gewerbe in den USA hat sich weitgehend stabilisiert.

Wir haben unsere Einnahmequellen ausgeweitet und

nach dem Upgrade unserer Technologie unsere Betriebskosten

gesenkt. In Anbetracht dessen, dass die freie Fahrt für TNCs zu

Ende zu gehen scheint, denke ich, dass dieses Jahrzehnt für uns

gut aussieht. Es liegt noch viel harte Arbeit vor uns, aber ich

glaube, dass angesichts gleicher Wettbewerbsbedingungen der

Unternehmergeist unserer Branche siegen wird. Die Transportation

Alliance arbeitet mit unseren Mitgliedern zusammen, um

sicherzustellen, dass wir gewinnen.


Das Interview führte Wim Faber

TAXIFAHRER IN WASHINGTON D. C.: „ICH HAB

KEIN PROBLEM MIT UBER“

Dieser Satz stammt von Chris, einem Studenten und

Programmierer. Chris ist Taxifahrer in Washington D. C. und

wirkt zufrieden. „Es ist mein Taxi, ich miete es nicht. Es ist

die perfekte Kombination mit meinem Studium. Im Januar

ist, weil alle großen Rechnungen eingehen, in der Regel

der Umsatz etwas schlechter. Meistens arbeite ich von früh

morgens bis mittags. Und das reicht.“ Chris fährt für

Yellow Cab, aber in Washington hat kein Taxi mehr seine

eigenen Farben. Sie sind alle rot mit einem silbernen

Streifen. Genau wie die ÖPNV-Busse.

Chris ist mit Uber und Lyft nicht unzufrieden. „Ich bin froh,

dass sie da sind“, sagt er. Er ist der erste Taxifahrer, der

das so empfindet. „Es gelingt uns nicht, alle Menschen zu

befördern, die uns auf der Straße heranwinken. Die besten

Fahrten erhalte ich durch die Zentrale. Nicht nur zwei

Blocks weit wie bei Uber. Die Gäste fahren mit mir für

20 Dollar. Die

Uber-Fahrer

bekommen das nicht

in einer Fahrt.

Trotzdem möchte

ich, dass die Regeln

für sie und für mich

gleich sind.“ wf

Die Yellow Cabs sind in

Washington D. C. mittlerweile

rot – und deren

Fahrer sehen längst

nicht mehr so schwarz

wie noch vor einigen

Jahren.

FOTO: Name Name

TAXI 1. QUARTAL 2020

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15


FAHRERABRECHNUNG

ABRECHNUNG

AM AUTOMATEN

Hale-Geschäftsführer Stefan Leitner (rechts)

und Taxiunternehmer Michael Much (links)

Wer Taxameter mit digitalen Abrechnungsmöglichkeiten

verknüpft, braucht auch ein Produkt für die

schnelle Abwicklung der Schichtabrechnungen. Hale

hat dafür jetzt einen Kassenautomaten entwickelt.

Die mehrmonatige Pilotphase ist

vorbei, jetzt hat der Salzburger

Taxameterhersteller Hale den

offiziellen Verkaufsstart seines Kassenautomaten

„HKA-01“ verkündet. Die Produktpräsentation

fand im bayerischen Bad Tölz

statt, wo Michael Much, Chef des gleichnamigen

Taxiunternehmens, während der

letzten Monate die ersten Erfahrungen mit

dem Prototypen sammelte. Nun soll der

1,55 Meter hohe Apparat im gesamten Taxigewerbe

vertrieben werden – als „wertvolle

Hilfe speziell für Mehrwagenbetriebe“, wie

es Hale-Geschäftsführer Stefan Leitner bei

der Gerätevorstellung betonte.

Über den Hale-Key oder die NFC-Card

meldet sich der Fahrer oder die Fahrerin

am Automaten an. Von dort werden die

Taxameterdaten an den im Gehäuse verbauten

Mini-PC geschickt und ausgelesen. Der

Fahrer oder die Fahrerin bekommt dann

die Abrechnungssumme angezeigt, in der

bereits die im Taxameter erfassten bargeldlosen

Zahlungen berücksichtigt sind. Auslagen

für Tankquittungen oder Fehlfahrten

können manuell eingetragen werden.

Die errechnete Bargeldsumme zahlt der

Fahrer bzw. die Fahrerin anschließend ein.

Jedes Fahrerkonto verfügt dabei über einen

individuell definierbaren Rahmen für

Über-/Unterzahlungen. Über den integrierten

Thermodrucker, dessen Papierrolle je

nach Betriebsgröße für vier bis sechs Monate

reicht, wird nach jedem Einlese- bzw.

Abrechnungsvorgang ein Beleg ausgegeben.

KEIN GELD MEHR IN BEUTELN

Für die gleichzeitige Daten- und Geldverarbeitung

verfügt der Kassenautomat im

Innenleben neben dem Mini-PC sowohl über

ein Münzfach als auch über eine Geldscheinkassette.

In der automatisierten Geldzufuhr

sieht Taxiunternehmer Michael Much die

größten Vorteile des Kassenautomaten.

„Früher wurden die Beträge in einen Beutel

gepackt und mussten vom Disponenten

nachgezählt werden“, berichtet der Inhaber

von zehn Taxikonzessionen. „Bisher hat

unser Disponent pro Tag etwa zwei Stunden

mit Geldzählen verbracht. Heute muss

lediglich der Safe des Kassenautomaten

geleert werden. Wir sparen uns dadurch

rund 40 Arbeitsstunden pro Monat.“

Im Falle eines Stundenlohns von

15 Euro wären das monatlich 600 Euro. Die

Anschaffungskosten des Kassenautomaten,

der laut Hale 7.910 Euro netto kostet, wären

somit nach rund 14 Monaten amortisiert.

Die Anlieferung, der Aufbau und die Einweisung

werden je nach Aufwand gesondert

berechnet. Für die Aufschaltung und

Wartung der Software wird quartalsweise

eine Pauschale über 150 Euro fällig. Auf

Anfrage sei auch ein Mietkauf möglich,

berichtet Stefan Leitner.

Leitner und sein Produktbetreuer

Andrejs Berzajs wiesen bei der Präsentation

explizit auf die Geldwechselfunktion des

Kassenautomaten hin. Von Muchs Fahrern

werde diese regelmäßig genutzt, wenn mal

wieder während einer Schicht fast jeder

Fahrgast mit großen Gelscheinen bezahlt

oder die Münzen ausgehen.

jh

Ausführliche Produktfunktionen unter

www.taxi-times.com – Stichwortsuche

„Kassenautomat“

ABRECHNUNG ÜBER DEN EINZAHL- AUTOMATEN „GETCASH 2020

Ganz neu ist die Idee eines Kassenautomaten

nicht. Schon 2013 hatte der Taxiunternehmer

Daniel Schepers für seinen eigenen

Taxibetrieb einen ersten Kassenautomaten

entwickelt. Seit 2016 ist das Gerät auch

deutschlandweit bei anderen Taxibetrieben

im Einsatz. Es verfügt über eine FMS- und

SuE-Schnittstelle und ermöglicht so nach

Schichtende die Abrechnungen mit den

vorliegenden Daten aus der Vermittlung.

Wie auch das oben beschriebene Hale-Produkt

kann der „getCash 2020“ Geld

wechseln und erlaubt zudem das Führen

eines Kassenbuches mit DATEV-online-Export.

Weiterhin kann der Einzahlautomat von Technik

Schepers zudem von mehreren Firmen parallel

genutzt werden.

Der „getCash 2020“ kostet 7.950 Euro netto

(exkl. Lieferkosten). Eine Servicegebühr wird

bislang nicht veranschlagt. Wie Daniel Schepers

gegenüber Taxi Times versicherte, kann die

Software des Kassenautomaten flexibel an die

Anforderungen des Kunden angepasst werden.

Auf der kommenden Taximesse in Köln wird der

„getCash 2020“ auf dem Stand von SuE zu

sehen sein.

sg

FOTOS: Taxi Times, Schepers Technik

16 1. QUARTAL 2020 TAXI


Auf GPS-gesteuerten digitalen Dachwerbeträgern lassen sich personalisierte

Werbebotschaften platzieren. Für Taxiunternehmer ist dies eine zusätzliche

Einnahmequelle. Allerdings nur für die in Hamburg.

WERBEEINNAHMEN

DIGITALER

EINZELFALL

Das Taxigewerbe könnte sich auch im Bereich der Werbung als modern

und digital präsentieren. Allerdings steht dem die Politik im Weg.

FOTOS: TAXi-AD

Frohe Weihnachten, Bäderland! Danke für die Zusammenarbeit“

– solch einen Weihnachtswunsch von seiner

Hausbank erwartet man als Mitarbeiter der Hamburger

Alster-Schwimmhalle per Post oder per E-Mail. Doch die Hamburger

Volksbank hatte sich Ende 2019 entschieden, es dieses Jahr

mit dem Taxi zu sagen.

Die Botschaft erschien auf dem Dachwerbeträger einiger Hamburger

Taxis. Und da Taxis üblicherweise in der ganzen Stadt

unterwegs sind und die Volksbank viele Firmenkunden hat,

bedankte man sich auch gleich noch bei der Fischauktionshalle,

bei Biggis Shop, beim Hansen Büromarkt, bei der Taverna Romana,

bei der Adler-Apotheke etc., etc.

Der Clou: Der Dank an die Geschäftsinhaber und Mitarbeiter

erschien nur dann auf den Taxi-Displays, wenn sich eines der rund

150 beteiligten Hamburger Taxis in der Nähe des Geschäftes aufhielt.

Denn anders als bei den analogen Dachwerbungen, in die

händisch Plakate eingelegt werden, werden die Werbemotive dieser

digitalen Variante GPS-gesteuert über einen zentralen Server

aufgespielt. Das spart Produktionskosten und Zeitaufwand und

ermöglicht eine ortsgebundene Einblendung, die zusätzlich noch

mit Parametern wie Uhrzeit, Wetterbedingungen oder Tagestemperatur

kombiniert werden kann. Somit wird diese Werbeform für

eine breit gestreute Zielgruppe potenzieller Werbekunden interessant.

KEINE SICHERHEITSBEDENKEN IN HAMBURG

Der Haken: Die Erlaubnis, digitale Dachwerbeträger einzusetzen,

hat bisher nur die Hamburger Behörde erteilt. Im Januar 2017

hatte man in einem Feldversuch diese Werbeform für 20 Taxis

genehmigt und dann ab Mai die zeitliche und mengenmäßige

Befristung aufgehoben. Der Feldversuch habe zu keinerlei sicherheitsrelevanten

Beanstandungen geführt, sagte die Behörde

damals. Trotzdem will keines der anderen 15 Bundesländer bislang

nachziehen. Der Werbeträger, der mit zwei jeweils zur Seite

abstrahlenden Bildschirmen bestückt wird, ist beleuchtet und

daher in der Straßenverkehrszulassungsverordnung nicht vorgesehen.

Man befürchtet, dies führe zu einer zu großen Ablenkung

für andere Verkehrsteilnehmer.

Ein Wahlaufruf vor

der Hamburg-Wahl.

Wichtig für die

Demokratie,

aber politisch in

dieser Form

nicht gewollt.

TAXI 1. QUARTAL 2020

TAXi-AD, der Betreiber dieser Lösung, hat dies durch entsprechende

Studien bereits widerlegt, doch Experten des Bund-Länder-

Fachausschusses haben nach intensiven Beratungen im Herbst

2018 entschieden, zunächst einmal weitere Untersuchungen in

Auftrag zu geben. Solange diese nicht abgeschlossen sind, werden

die Verkehrsministerien der übrig gebliebenen 15 Bundesländer

bzw. deren unteren Aufsichtsbehörden wohl keine Sondergenehmigung

erlassen.

Damit bleibt Hamburg die einzige Stadt in Deutschland, in der

sich Taxis als moderne und fortschrittliche Werbeträger präsentieren

können. Die Hamburger Volksbank hat sich das zunutze

gemacht. Ihr ging es bei der Kampagne neben den Weihnachtsgrüßen

und Danksagungen auch darum, sich als Digital-Pionier

zu positionieren. Der dazu entworfene Slogan „Beim Thema Digitalisierung

fährt die Volksbank allen voraus“ würde auch dem

Taxigewerbe in ganz Deutschland gut zu Gesicht stehen. jh

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ANTRIEB

NEWSTICKER

MEHR GELD FÜR E-MOBILITÄT

Der erhöhte Umweltbonus für E-Fahrzeuge

ist seit der Veröffentlichung im

Bundesanzeiger am 18. Februar 2020

in Kraft getreten. In Summe können

im besten Fall für ein batterieelektrisches

Fahrzeug statt bislang 4.000

jetzt 6.000 Euro netto Förderprämie

eingesammelt werden. Bei Fahrzeugen

über 40.000 Euro bis zu einer

Grenze von 65.000 Euro Nettolistenpreis

sind maximal 4.500 Euro möglich.

Auch die Förderung von

Plug-in-Hybrid-Fahrzeugen ist erhöht

worden. Liegt ihr Nettolistenpreis

unter 40.000 Euro, werden sie mit

4.500 Euro gefördert. Kosten sie

mehr, wird der Fahrzeugkauf mit

maximal 3.750 Euro gefördert. Interessant:

Die Fördergelder kann man

rückwirkend für Fahrzeuge, die nach

dem 4. November 2019 zugelassen

wurden, beantragen.

sg

SCHWEDENHAPPEN

Die zweite Generation des Volvo XC60 gibt es jetzt auch mit einem

Taxipaket. Das 4,68 Meter lange SUV-Taxi kann direkt beim Händler

geordert werden. Die Umrüstung erfolgt in München durch die

Firma Adler Taxameter & Funktechnik. Ausgeliefert werden die Fahrzeuge

dann bereits mit programmiertem Taxitarif und sind sofort

einsatzbereit. Für den Kauf bietet Volvo eine Finanzierung mit 1,99

Prozent an. Eine optionale Anschlussgarantie kann für bis zu 24

Monate oder maximal 400.000 Kilometer abgeschlossen werden.

Dafür werden, je nach Vertragslaufzeit und Fahrleistung, zwischen

1.250 und 2.600 Euro (netto) fällig. Für das Taxigewerbe dürfte die

Diesel-Einstiegsmotorisierung mit 150 PS am interessantesten sein.

Dieser und alle anderen Volvos mit Taxipaket erreichen die Euro-

6d-TEMP-Abgasnorm.

sg

MEHR KIA FÜRS TAXI

Nach dem Wegfall des Optima hat

Kia sein Taxi-Angebot aufgestockt.

Neben dem Niro und Ceed sind jetzt

zusätzlich der Ceed Sportswagon

und der elektrische eSoul in Hellelfenbein

bestellbar. Der e-Soul kann

mit zwei verschieden starken

E-Motoren geordert werden. Die kleinere

Variante hat eine maximale

Reichweite von 276 Kilometern und

verfügt über 136 PS Leistung. Die

stärkere Variante mit 204 PS und

einer 64-kWh-Batterie schafft vollgeladen

über 452 Kilometer.

Neu ist auch der Kia Ceed Sportswagon

mit Plug-in-Hybrid-Antrieb. Er

soll dank seines alternativen Antriebs

lediglich 28 Gramm CO₂ auf 100 Kilometern

ausstoßen. Im elektrischen

Betrieb geht erst nach rund 60 Kilometern

der „Saft“ aus.

sg

Der Ceed Sportswagon

spielt in der gleichen Fahrzeugklasse

wie der Toyota Corolla TS.

Je nach Motorisierung ist der XC60 auch mit Allradantrieb erhältlich.

OLDENBURG FÄHRT

AUF WASSERSTOFF AB

Für den Energieversorger EWE hat Wasserstoff eine große Zukunft.

Drei Hyundai-Nexo-Brennstoffzellenfahrzeuge gehören zum Fuhrpark

des Unternehmens. Eine Kooperation mit dem in Oldenburg ansässigen

Taxiunternehmen 81111 liefert jetzt wertvolle Informationen

über den Betrieb des Nexo, denn an Sonn- und Feiertagen wird jetzt

einer der EWE-Geschäftswagen als Taxi eingesetzt.

Damit das Projekt in die Realität umgesetzt werden konnte, war

die Unterstützung seitens der Stadt Oldenburg sowie des Landesumweltministeriums

und des Landeswirtschaftsministeriums

un abdingbar. Nach Erfüllung der behördlichen Auflagen wird nun

der Hyundai Nexo als Teilzeit-Taxi eingesetzt. Damit die Umrüstung

unproblematisch vonstattengeht, kann 81111 innerhalb der auf der

Experimentierklausel fußenden Genehmigung ein GPS-basiertes

Smartphone-Taxameter einsetzen. Das Dachzeichen mit der Aufschrift

Wasserstofftaxi ist nicht fest verbaut und kann unproblematisch entfernt

werden. Behördlich vorgeschrieben ist allerdings der Einsatz

der Taxi.de-Notalarmanlage.

Wie Remmer Witte, Prokurist bei Taxi 81111, gegenüber Taxi Times

erklärte, ist der Hyundai Nexo, für den es bislang kein Taxipaket gibt,

hinsichtlich Reichweite (über 700 km) als auch beim Platzangebot

sehr gut als Taxi geeignet. Die ersten Ergebnisse, wie sich der Wagen

im Taxialltag bewährt, will man im Herbst veröffentlichen. sg

FOTOS: INTAX, Adler Taxameter und Funktechnik

18

1. QUARTAL 2020 TAXI


ANTRIEB

OPEL GRANDLAND X TAXI

Ein Jahr nach der ersten Vorankündigung ist der Opel Grandland X mit

Taxiausstattung jetzt Realität geworden.

FOTO: Opel Bauer

Die Entwicklung des Taxipakets ist aus der Kooperation

zwischen Kai Rosselnbruch von Opel Bauer/Köln, dem

Taxiausrüster Jürgen Weberpals und dem Folienspezialisten

Allfolia Damideh heraus entstanden.

Teil der Taxiumrüstung sind natürlich die Folierung in Hellelfenbein,

ein Semitron-P6S2-Spiegeltaxameter, das Hale-Dachzeichen

mit beleuchtetem Schalter, eine Taxi-Alarmanlage, welche

selbstverständlich der BOKraft entspricht, und natürlich eine

optimierte Innenbeleuchtung, die jetzt mit kräftigen LEDs ausgerüstet

ist.

Neben zwei Benzin- und Diesel-Motorisierungen kann der

Grandland X auch in zwei Varianten als Plug-in-Hybrid (PHEV)

bestellt werden. Beide sind motorseitig mit einem 1,6-Liter-Direkteinspritzer-Benzinmotor

ausgestattet, der in der Einstiegsvariante

über 180 PS Leistung verfügt und in der Version mit Allrad

20 PS mehr leistet. Dank der elektrischen Unterstützung kommt

der Fronttriebler so auf eine Systemleistung von 224 PS. Beim

allradgetriebenen Grandland X Hybrid4 liegt dank eines zweiten

Elektromotors deutlich mehr Kraft an. Opel beziffert bei ihm die

Systemleistung auf 300 PS.

sg

Beide PHEV-Varianten fahren rund 50 Kilometer rein elektrisch.

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ANTRIEB

Das VW Taxi-Team (v. l. n. r.):

Jörg Pachmann,

Ute Schulenburg

(beide VW Pkw),

Joachim Flämig,

Björn-Marc Börner

(beide VW NFZ)

DIE TAXIPLANUNGEN

VON VW FÜR 2020

Einmal im Jahr treffen sich die Mitglieder der Interessengemeinschaft Taxi

Ortenau e. V. in Offenburg beim VW Autohaus Graf Hardenberg.

Der Abend stand ganz im Zeichen der Taxi-Neuigkeiten des VW-Konzerns.

Bereits zum sechsten Mal kamen am 13. Februar die Mitglieder

der IG Taxi Ortenau e. V. sowie interessierte Taxiunternehmer

und Freunde des mobilen Gewerbes beim

VW Taxi-Abend in Offenburg zusammen. Im Mittelpunkt standen

die Vorträge der Taxi-Ansprechpartner Ute Schulenburg aus dem

Vertrieb Volkswagen Pkw und Volkswagen Nutzfahrzeuge sowie

Joachim Flämig mit den jeweiligen Service-Ansprechpartnern

Björn-Marc Börner (NFZ) und Jörg Pachmann (Pkw).

Die ersten Worte des Abends waren allerdings Grit Müller-

Vorpahl, Geschäftsführerin des Autohauses Graf Hardenberg, vorbehalten.

Nach der Begrüßung zeigte sie direkt ihre Bereitschaft,

auch im kommenden Jahr die IG Taxi Ortenau willkommen zu

heißen. Ein Angebot, für das der Vorsitzende der Interessengemeinschaft,

Markus Schmid, direkt im Anschluss seinen Dank

aussprach.

Bei den informativen Fachvorträgen konnte Joachim Flämig

von Volkswagen Nutzfahrzeuge den anwesenden Unternehmern

ein paar Tipps mit auf den Weg geben. So riet er beispielsweise

denjenigen, die noch in diesem Jahr einen Caddy mit Taxipaket

oder als Funkmietwagen in den Dienst stellen wollen, dazu, diesen

möglichst noch im ersten Quartal zu bestellen. Aufgrund eines

bevorstehenden Modellwechsels könnte es nämlich durchaus zu

Einschränkungen in der Lieferfähigkeit kommen.

EIN E-CADDY IST BESTELLBAR

Bereits bestellbar ist aktuell auch der ABT e-Caddy, der nach WLTP

rund 160 Kilometer weit elektrisch fahren kann. Seine 83 Kilowatt

starke E-Maschine wird von einer 37,4-kWh-Batterie gespeist.

Entwickelt wurde der Antrieb in Kooperation mit der Firma ABT,

einem Volkswagen Premium-Partner. ABT ist bereits seit einigen

Jahren in der Formel E aktiv ist und hat sich dort das entsprechende

Know-how für die Entwicklung von E-Fahrzeugen angeeignet.

Das Taxipaket für den e-Caddy ist bereits fertig entwickelt und

wird demnächst verfügbar sein.

Eine weitere elektrische Neuigkeit ist die emissionsfreie Version

des VW T6.1, die mit dem gleichen Antriebsstrang wie der e-Caddy

ausgestattet ist. Auf Wunsch soll der e-T6.1 zudem auch ein zweites

Batteriepaket aufnehmen können. Noch befindet sich die

Umrüstung in der Anlaufphase. Für die Taxiversion des VW T6.1

mit Verbrennungsmotoren musste Herr Flämig die Anwesenden

leider bis auf Weiteres vertrösten, allerdings versprach er, dass

Volkswagen daran arbeitet, dass noch in diesem Jahr der T6.1 mit

einer werkseitigen Umrüstung angeboten werden kann. Parallel

arbeitet Herr Flämig zudem daran, kurzfristig eine Herstellerbescheinigung

herauszugeben, die eine externe Umrüstung des T6.1

ermöglichen soll.

PREMIERE FÜR FRAU SCHULENBURG

Für alle VW-Nutzfahrzeuge mit Taxi-Umrüstung können die Kunden

wie gewohnt eine Finanzierung mit einer Laufzeit von bis zu

60 Monaten in Anspruch nehmen.

Für Joachim Flämigs Pendant aus dem VW Pkw-Bereich, Ute

Schulenburg, war das Event in der Ortenau eine Premierenveranstaltung,

war doch der 6. VW Taxi-Abend in Offenburg der erste

offizielle Kundentermin in ihrer neuen Position als Taxi-Ansprechpartnerin

bei VW Pkw. Frau Schulenburg, die zuvor unter anderem

im Diplomatenverkauf tätig war, versprach zu Beginn ihres Vortrags,

längerfristig als Taxi-Ansprechpartnerin für die Kunden da

zu sein. Da dies in der Vergangenheit nicht immer so war, wurde

das Zugeständnis an das Taxigewerbe mit Freude und Wohlwollen

von den anwesenden Taxiunternehmern aufgenommen.

Hinsichtlich der Taxis von VW Pkw gab es ein paar Lichtblicke

und zudem ein paar wertvolle Hinweise für Kaufinteressenten. So

konnte Frau Schulenburg den Plug-in-Hybrid Passat GTE mit Taxipaket

ankündigen, der ab der Kalenderwoche 11 (9.3.2020)bestellbar

sein wird. Knapp zehn Wochen später werden weitere

Motorisierungen des neuen Passats als Limousine und Variant

angeboten.

FOTOS: Taxi Times

20 1. QUARTAL 2020 TAXI


ANTRIEB

Die Mitglieder der IG Taxi Ortenau nutzten

den VW Taxi-Abend für den direkten Austausch

mit den Ansprechpartnern von VW.

Der VW Touran mit der 85-kW-Motorisierung wird ab der Kalenderwoche

41 (5.10.2020) auslaufen. Einen Touran, der dann mit

einem 150 PS starken Motor ausgestattet ist, wird es voraussichtlich

erst wieder ab dem 1. Quartal 2021 geben. Bei Volkswagen

Pkw kann jetzt auch, analog zu Volkswagen Nutzfahrzeuge, die

Finanzierung von bislang 48 Monaten auf

60 Monate ausgeweitet werden. Wie auch

bei den Nutzfahrzeugen ist bei VW Pkw das

Elektro-Taxi ein Thema. Geplant ist, dass

ein E-Taxi kommen wird. Allerdings, so

wusste Frau Schulenburg zu berichten, ist

mit so einem Fahrzeug wahrscheinlich erst

ab 2022 zu rechnen.

TAXI-GARANTIE „PLUS-E“

Bei dem anschließenden Vortrag der beiden

Service-Ansprechpartner warfen sich

Björn-Marc Börner (NFZ) und Jörg Pachmann

(Pkw) die Bälle zu. Börner stellte

unter anderem die Neuerungen der Taxi-

Garantie „PLUSe“ vor. Dieses neue Paket,

welches gemeinsam mit Kooperationspartnern

von VW NFZ angeboten wird, entspricht

einer Anschlussgarantie, die im 3.

und 4. Betriebsjahr Fahrzeuge bis zu einer Laufleistung von maximal

500.000 Kilometern absichert. Sie kann aktuell für alle

Caddy 4, T6 und Crafter mit Taxi und Mietwagenpaket abgeschlossen

werden und zeichnet sich unter anderem auch durch flexible

Leistungen und Zeitumfänge aus. Bei loyalen Kunden entfällt

sogar die Höchsterstattungsgrenze von 6.000 Euro netto.

Markus Schmid (Vorsitzender der IG Taxi

Ortenau e. V.) im Gespräch mit

Christopher Ahr, Verkaufsleiter Neuwagen,

Autohaus Graf Hardenberg

Serviceansprechpartner Börner wies aber darauf hin, dass für

Anschlussgarantie und Kulanz ein sauber geführtes Checkheft

die Voraussetzung ist. Gerade Inspektionen sollten bei einem

VW NFZ-Servicepartner durchgeführt werden und um keinen

einzigen Kilometer überzogen werden. Andernfalls riskiert man

mit einer überzogenen Inspektion seine

Ansprüche. Gerade bei Fahrzeugen, die –

wie beim Taxigewerbe typisch – eine hohe

Kilometerlaufleistung vorweisen, sollte

man sich vorab darüber informieren,

wann die nächste Wartung für den Wagen

fällig ist, und entsprechend vorausschauend

einen Termin mit der Werkstatt

vereinbaren. Bei den aktuellen Fahrzeugen

von VW kann man diese Information

der Multifunktionsanzeige im Cockpit entnehmen.

Die VW NFZ-Servicepartner sind, so

Börner, entsprechend geschult und angehalten,

für ein Taxi kurzfristig Termine

bereitzuhalten. Kann oder will eine Werkstatt

nicht weiterhelfen, empfiehlt Börner

eine Kontaktaufnahme mit ihm und seinem

Team.

Mit ein paar abschließenden Worten verabschiedet der Vorsitzende

der IG Taxi Ortenau e. V., Markus Schmid, die Besucher im

Autohaus Graf Hardenberg und freut sich schon auf ein Wiedersehen

im kommenden Jahr. Der Abend bleibt als Zeichen der

Wertschätzung von VW gegenüber dem Taxigewerbe in Erinnerung.


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ANTRIEB

Der Arbeitsplatz kann optional mit

digitalen Instrumenten ausgestattet werden.

Der Innenraum kann variabel zusammengestellt werden.

CADDY 5 –


THE NEXT GENERATION

Sein Vorgänger wurde vom Taxigewerbe geliebt, deshalb sind die Erwartungen

an die fünfte Caddy-Baureihe sehr hoch.

Schon auf den ersten Blick wird klar,

dass am neuen Caddy wirklich

alles neu ist, und das, obwohl man

ihn sofort wiedererkennt. Anders als sein

Vorgänger baut der Caddy jetzt auf der

sogenannten MQB-Plattform auf, was sich

unter anderem in den gewachsenen

Abmessungen zeigt.

So ist der Caddy 5 jetzt um 93 Millimeter

länger geworden und in der Breite um

62 Millimeter gewachsen, woraus ein längerer

Radstand von jetzt rund 2,75 Metern

resultiert. Mehr Platz ist auch zwischen

den Radkästen im Kofferraum. In Kombination

mit einer breiteren Heckklappe soll

der Caddy jetzt auch Europaletten quer

schlucken. Ganz neu ist auch das Fahrwerk:

War im Heck bislang eine starre Hinterachse

mit Blattfedern verbaut, ist dort

jetzt eine längslenkergeführte Starrachse

mit Panhardstab zu finden. Die Blattfedern

sind nun durch Schraubenfedern ersetzt

worden, die mehr Komfort versprechen.

Ob der neue Caddy aufgrund der neuen

Platzverhältnisse weiterhin ein Platzhirsch

beim Rollstuhltransport bleiben wird, ist

allerdings noch unklar, denn die neue Hinterachskonstruktion

stellt die Umrüster vor

eine ganz neue Herausforderung. Auch das

um 25 Millimeter niedrigere Dach ist

sicherlich nicht förderlich für den Rollstuhltransport.

STARTEN OHNE SCHLÜSSEL

Wie bislang wird es den Caddy mit zwei

verschiedenen Radständen geben und

beide Karosserieversionen bieten maximal

sieben Personen Platz. Neu ist, dass in der

dritten Sitzreihe jetzt zwei Einzelsitze verbaut

sind. LED-Scheinwerfer in der Front

und im Heck sind leider nur in den Topversionen

serienmäßig enthalten. Erstmalig

ist ein schlüsselloses Schließ- und

Startsystem erhältlich. Die

Bezeichnung der Ausstattungslinie

„Trendline“

wird künftig „Caddy“

heißen, aus der „Comfortline“

wird „Life“

und aus „Highline“

wird „Style“.

Alle neuen Ausstattungslinien

sollen aber

gegenüber dem

Vorgänger aufgewertet

werden.

Für die

große Heckklappe und die seitlichen Schiebetüren

ist jetzt eine elektrische Zuziehhilfe

verfügbar. Ein besonderes Highlight ist

sicher das mit 1,4 Quadratmetern recht

großzügig bemessene Glas panoramadach.

Auch im Cockpit ist die Zukunft angekommen,

denn es gibt beispielsweise den

klassischen Drehschalter für das Licht

nicht mehr. Die Bedienung erfolgt jetzt über

eine digitale Touchfläche, mit der neben

dem Licht auch Audio- und Menüfunktionen

geschaltet werden können.

Beim Marktstart wird es den Caddy mit

Diesel- und Benzinmotoren geben, die ein

Leistungsspektrum von 75 bis 122 PS abdecken.

Es ist davon auszugehen, dass stärkere

Versionen folgen werden. Unklar ist

hingegen, ob es den neuen Caddy auch

noch mal als CNG-Variante geben wird.

Alle TDI-Modell sind mit der besonders

effektiven Abgasreinigung Twindosing ausgestattet,

die für niedrige Stickoxidemissionen

sorgt. Alle Motorvarianten verfügen

über einen Partikelfilter.

NOCH KEIN TAXIPAKET

Bis der neue Caddy mit Taxipaket bestellbar

ist, wird naturgemäß noch einige Zeit

vergehen. Mit den ersten Auslieferungen

ohne Sonderumbauten ist nicht vor dem

Herbst 2020 zu rechnen. Wer also in diesem

Jahr noch einen neuen Caddy als Taxi

einsetzen will, sollte auf den Caddy 4

zurückgreifen und den Wagen sofort bestellen,

da bei einem Modellwechsel nicht bis

zum Auslauf der Produktion damit zu rechnen

ist, dass alle Varianten des Caddy

verfügbar sind.

sg

FOTOS: VWN

22

1. QUARTAL 2020 TAXI


x

taxi-deutschland.net


GASTKOMMENTAR

Ist es ein guter Weg,

die Ortskunde prüfung

für Taxifahrer

zu erleichtern, um

den Beruf attraktiver

zu machen?

ZU VIEL

WISSEN … ODER WAS?

Wer ernsthaft eine Erleichterung der Ortskundeprüfung für Taxifahrer erwägt,

geht einen falschen Weg. Die Branche braucht nicht weniger Qualifikation,

sondern eine, die deutlich breiter aufgebaut ist.

Die leichtere Ortskundeprüfung

soll den Mangel an Fahrpersonal

beseitigen.“ – So oder so ähnlich

lautete eine Vielzahl von Äußerungen von

durchaus ernst zu nehmenden Gewerbevertretern

in den vergangenen Wochen. Dass

es derzeit allgemein – in nahezu allen Branchen

unserer Wirtschaft – einen Mangel

an geeignetem Fachpersonal gibt, ist hinlänglich

bekannt. Das hat einerseits etwas

mit der andauernden guten Wirtschaftsentwicklung

hierzulande zu tun, die einen

„Arbeitnehmermarkt“ zur Folge hat, d. h.,

ein Bewerber kann sich oft mehrere Stellen

aussuchen oder hat mehrere Optionen zur

Auswahl. Je nach Attraktivität des angebotenen

Arbeitsplatzes trifft der Bewerber

seine Entscheidung.

Allerdings hat dieses „Luxusproblem“

der gut ausgebildete Facharbeiter oder

Fachmann, der auf diesem Wege seine

zumeist langjährige Ausbildung endlich

in bare Münze umsetzen kann – und dies

zu Recht!

Andererseits wird landauf, landab das

Credo gepredigt, dass Bildung und damit

auch Berufsbildung ein Gut ist, dass ständig

verbessert und angepasst werden muss.

Und das ebenso zu Recht!

Vor diesem Hintergrund ist es schon

beachtlich, wenn in einem Bereich unserer

Wirtschaft, der ca. 60.000 Betriebe und

eine Vielzahl von Arbeitsplätzen garantiert,

davon gesprochen wird, die „schwere Ortskundeprüfung“

für Taxifahrer abzuschaffen,

um den Beruf attraktiver zu machen.

Wie kommt man denn auf so eine Idee?

Nun ja, der Ausgangspunkt war sicherlich,

diese unglaublich „hohe Hürde“ des subjektiven

Berufszugangs für Mietwagen- und

Krankenwagenfahrer in Gemeinden über

50.000 Einwohnern abzuschaffen. Ehrlich

gesagt, da musste man sich schon ernsthaft

an den Kopf greifen, auch im Hinblick

auf die Begründung und die Argumentation.

Es ist anscheinend en vogue, alles auf

die Digitalisierung zu schieben: Tom-Tom

und Google-Maps sind schlauer als jeder

Mensch und vor allem Berufskraftfahrer.

WEM BRINGT ES MEHR?

Und solchen Unsinn sollte man auch mal

mit plakativen Argumenten widerlegen:

Nur weil es Gesundheits-Apps gibt, werden

Ärzte nicht überflüssig. Computer können

keine Haare schneiden oder Semmeln

backen, jedenfalls nicht besser als der ausgebildete

Friseur oder Bäcker.

Es ist ein absolutes Novum, dass ein

Weniger an Bildung mehr bringen soll,

wobei noch zu fragen ist: Wem eigentlich?

Nur ein kleiner Hinweis: In den USA werden

die Fahrgäste ja von Privatfahrern in

Privatautos schon länger nach dem Uber-

Modell bedient. Wenn man die Eingangsqualifikation

immer weiter nach unten

dreht, steht dem auch hier bald nichts mehr

im Wege. Und dies sicher nicht zum Vorteil

der Mitarbeiter und einer stattlichen

Anzahl von Kleinunternehmern.

Das ist eindeutig der falsche Weg. Die

Qualifikation muss insgesamt im Taxi- und

Mietwagenverkehr verbessert werden und

eine Ortskundeprüfung kann allenfalls ein

kleiner Baustein hierzu sein. Da wären noch

ganz andere Dinge zu lernen: Freundlichkeit,

Dienstleistungsbereitschaft, die Fähigkeit,

Belege zu führen, sich der besonderen

Verantwortung des Berufes verpflichtet zu

fühlen und Ähnliches zum Beispiel. Das

müssen aber alle – Politik, Unternehmer

und Mitarbeiter – wollen, wenn sie es ernst

meinen mit Verlässlichkeit, Kundenschutz

und der angebotenen Dienstleistung.

Und nicht umsonst wussten schon die

alten Römer: „Scientia potentia est – Wissen

ist Macht!“

au

Axel Ulmer ist ausgebildeter Volljurist mit

Schwerpunkt Verwaltungsrecht/PBefG und

fungiert als Unternehmensberater für die

Ulmer Consulting UG in Kaiserslautern.

FOTO: Axel Rühle

24 1. QUARTAL 2020 TAXI


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TAXI 1. QUARTAL 2020

25


BUCHTIPP

ISBN-Nummer:

978-3-7408-

0684-2

Wenn man einen Blues hat, liest

man nicht unbedingt schöne

Bücher. Letztes Jahr brachte

Andreas Scheuer dem Taxigewerbe einen

sehr konkreten, unangenehmen Blues. Da

kann man einen schönen, poetischen schon

mal übersehen. Die „Süddeutsche Zeitung“

(„SZ“) hat einen schönen Blues zurück ins

Bewusstsein gebracht. Autorin Carolin

Gasteiger schreibt von einem „liebevollen

Kaleidoskop, ein bisschen Tagebuch, ein

bisschen Dokumentation“.

Sie umschreibt damit ein Buch über

nächtliches Taxifahren, an dem Josef Šnobl

über 25 Jahre hinweg gearbeitet hat. Ein

Vierteljahrhundert, in dem Šnobl seinen

Lebensunterhalt durch Taxifahren finanziert,

sich aber nie wirklich als Taxifahrer

empfunden hat. Nicht nur inhaltlich ist es

außergewöhnlich, auch die Bilder sind

Kunstwerke.

GESETZLOS UND WILD

„Die Großstadt ist zwischen vier und

sechs Uhr morgens am schönsten; gesetzlos

und wild, die Zeit ist aufgehoben. Jeder

Nachtfahrer kann davon einen Blues singen.“

Mit dieser Aussage beginnt Šnobls

Werk, und jeder, der schon nachts Taxi

gefahren ist, hat augenblicklich Bilder vor

Augen – zumindest verschwommene, und

ebensolche Bild gewordenen Vorstellungen

sind es, die der Kollege eingefangen hat,

mit professioneller Ausrüstung fotografiert,

mit dem Blick eines Künstlers, von 1988

bis 2013.

Eindrücke einer Taxi-Nachtfahrt.

NÄCHTLICHER

TAXI-BLUES IN

SCHÖNEM SCHWARZ

Wer eine Sache von innen kennt, kann sie gut

beschreiben. Besser als ein Außenstehender.

Besonders wenn er eine gewisse innere Distanz zu

der Sache hat. So wie Josef Šnobl zum Taxigewerbe.

Ein Buch mit weißen Seiten passt nicht

zum nächtlichen Taxi-Blues. Das aufwendig

gemachte Werk ist schwarz, die Schrift

hell. Auch Šnobls Erzählungen sind weit

weg vom Mainstream, denn der Künstler

interessiert sich für die außergewöhnlichen

Fahrgäste, die Randexistenzen, deren

bloße Anwesenheit schon eine halbe

Geschichte erzählt. Er versteht es, mit der

Komposition aus Bildern und Erzählungen

eine Stimmung zu erzeugen. Doch aller

guten Dinge sind drei, und die dritte Zutat

ist die Musik. Um jedes Kapitel mit der

passenden Musik zu untermalen, hat Šnobl

im Buch QR-Codes platziert, mit denen

Spotify-Kunden ein ausgewähltes Lied aufrufen

können.

Josef Šnobl ist 65 Jahre alt, in Prag geboren

und kam 1979 mit 25 Jahren aus der

Tschechoslowakei nach Westdeutschland, wo

er zwei Jahre später sein Fotografiestudium

begann. Seit seinem Abschluss 1988 arbeitet

er als freischaffender Künstler. Im selben

Jahr machte er auch den Taxischein und verdiente

sein Brot über lange Zeit, wie so viele

Freiberufler, in Nachtschichten auf den Straßen

Kölns. Die Liste seiner Ausstellungen

und Veröffentlichungen auf seiner Internetseite

www.josefsnobl.de ist lang. Inzwischen

hat er den Taxijob aufgegeben, doch in seinem

Bildband geht der Blues weiter.

Sein Stil sei nüchtern, beschreibt die „SZ“-

Autorin das Buch: „Er erzählt, ohne zu verurteilen,

manchmal auch ziemlich derb.“ Ihr

Fazit: „,Taxi Blues‘ ist ein ganz persönlicher,

versöhnlicher Blick auf die Nacht.“ ar

Josef Šnobl kam mit 25 Jahren

aus Prag nach Deutschland und

sammelte dann ebenso lange

nächtliche Taxifahrer-Eindrücke.

IMPRESSUM

Verlag

taxi-times Verlags GmbH

Frankfurter Ring 193 a

80807 München, Deutschland

Telefon: +49 (0)89/14838791,

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Redaktion redaktion@taxi-times.taxi

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D-34253 Lohfelden

Taxi Times DACH erscheint seit 2016

Erscheinungsweise 6 x pro Jahr

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und Versand) ISSN-Nr.: 2367-3834

Weitere Taximagazine aus dem Taxi-Times Verlag:

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Veröffentlichung gemäß § 8, Absatz 3 des

Bayerischen Pressegesetzes:

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München ist Jürgen Hartmann, Verleger, München.

FOTO: Emons-Verlag; Josef Šnobl

26 1. QUARTAL 2020 TAXI


FEHLT IHNEN WAS (AUF)?

Uns schon! Wie auch schon in den letzten Ausgaben,

fehlen auch in dieser Taxi Times wichtige Werbekunden.

Verkaufs- und Imageanzeigen von Fahrzeugherstellern

und der Industrie waren bisher immer ein wesentlicher standteil der Finanzierung unserer redaktionellen

Be-

Arbeit.

Trotzdem werden wir als Sprachrohr der Taxibranche

unsere Berichterstattung auf keinen Fall reduzieren. Das

sind wir gerade in der jetzigen Phase allen Taxiunter-

nehmern schuldig, aber auch den Politikern und Aufsichtsbehörden,

die ebenfalls zu unseren Lesern gehören.

Taxi Times wird also weiterhin berichten. Online wie per

Print. Für uns ist das selbstverständlich. Für Sie auch?

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