Publikation als PDF - RKW

rkw.de

Publikation als PDF - RKW

Nr. 3 · September 2003

54. Jahrgang

Kompakt

Online effizienter

einkaufen

Netzwerk

Mama ist Chefin

Netzwerk

Spitze bei Innovationen

D 5778

ISSN

1619-7372

magazin

RKW-Schwerpunkt

Europäische Integration


2 RKW MAGAZIN · SEPTEMBER 2003

Älter werden

im Betrieb

Fachveranstaltung am 13. November in Wiesbaden

Belegschaften werden älter und arbeiten länger.

Das sagen Experten vorher, so kann man es in den

Zeitungen nachlesen.

Haben die Entscheider in den Betrieben erkannt,

was das für Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit

bedeutet? Ziehen sie die richtigen Konsequenzen

aus dem demografischen Wandel?

Anhand von Beispielen aus der Praxis diskutieren

Führungskräfte, Personalverantwortliche, Fachkräfte

im Arbeits- und Gesundheitsschutz, Weiterbildungsfachkräfte,

Betriebs- und Personalräte in vier Arbeitsgruppen

die Themen

– Gesundheit bei der Arbeit fördern

– „Gesunde“ Belegschaftsstrukturen

– Jung und Alt – Fragen zur Unternehmenskultur

– Älter werden im Betrieb – auch eine Frage

des Geschlechts

Silke Lautenschläger, Hessische Sozialministerin, eröffnet

die Tagung, die das RKW gemeinsam mit den Mitgliedern

des RKW-Arbeitskreises „Gesundheit im Betrieb“ organisiert.

Die Podiumsdiskussion zum Thema „Gesund arbeiten

bis 65?“ moderiert Ulrike Holler vom Hessischen Rundfunk.

Ort: HSK, Dr. Horst-Schmidt-Kliniken GmbH

Ludwig-Erhard-Straße 100, 65199 Wiesbaden

Preis: 90,00 Euro

Information und Anmeldung: www.rkw.de/prveranstaltungen

oder bei Hildegard Eisenlauer, Telefon (06196) 495-275,

E-Mail: eisenlauer@rkw.de

Zielgruppe: Führungskräfte, Personalverantwortliche,

Fachkräfte im Arbeits- und Gesundheitsschutz, Weiterbildungsfachkräfte,

Betriebs- und Personalräte

Foto: MEV


Liebe Leserinnen,

liebe Leser,

von der EU-Erweiterung zu sprechen ist falsch, denn die zehn

Beitrittsländer gehörten schon immer zu Europa. Worum es

geht, ist die Integration der Länder in die Gemeinschaft der

bisher überwiegend west- und südeuropäischen Länder. Die

Unternehmen sind dabei die Vorreiter. Viele agieren bereits in

Polen, Tschechien und anderswo. Andere sind auf dem Weg

dorthin. Sie suchen gezielte Informationen, Erfahrungsaustausch

und kompetente Begleitung, die sie beim RKW finden

können. Im vergangenen Jahr hatten 150 Unternehmen bei

neun RKW-Foren die Gelegenheit zum Fragen und Diskutieren.

Ab 2004 findet der Erfahrungsaustausch in einem Besuchsprogramm

statt, welches das RKW speziell zur Internationalisierung

organisiert. In einem anderen Projekt wird ein

Wirtschaftszweig, die produktionsnahen Dienstleistungen, auf

die Internationalisierung vorbereitet. Die Aktivitäten des RKW

zur europäischen Integration sind ein wichtiger Schwerpunkt

unserer Arbeit. Kompetent begleitet wird sie seit Anfang dieses

Editorial 3

Kompakt 4–7

Schwerpunkt

Unternehmen in Europa –

europäische Unternehmen 8–9

Erfahrungen für Europa 10–11

Gastkommentar

Rezzo Schlauch 12

Innovativ und international 13

Die Wirtschaft ebnet

Europa den Weg 14–15

Arbeitsmarktwirkungen 16–17

Titelfoto: dpa/Ungarische Näherin fertigt EU-Fahne.

Von anderen lernen 18

Expertenrat für die

Internationalisierung 19

Großbritannien will bester

Standort werden 20–21

Gegenmittel zur Konjunkturflaute 22

Netzwerk

Mama ist Chefin 23

Ideales Steuerungsinstrument 24–25

Bücher für die Praxis 26–27

Projektmanagement für Schulen 28

Spitze bei Innovationen 29

Termine, Vorschau, RKW Verlag 30–31

EDITORIAL

Impressum

INHALT

W. Axel Zehrfeld

Geschäftsführer

RKW-Bundesgeschäftsstelle

Monats von einem neuen Beirat „Internationale Beziehungen“.

Neun Damen und Herren aus Unternehmen, Politik und Verbänden

befassen sich ehrenamtlich mit unserer Arbeit. Für uns

sind die Fachbeiräte „Arbeits- und Sozialwirtschaft“, „Handel

und Dienstleistungen“, „Bau“, „Betriebswirtschaft“ und nun

auch „Internationale Beziehungen“ ein wichtiger Bestandteil

unserer Qualitätssicherung. Sie sorgen für die Rückkopplung

unserer Vorhaben in die kleinen und mittleren Unternehmen,

sie sind ein Teil der sozialpartnerschaftlichen Plattform des

RKW und sie sind immer auch „Sparringspartner“ für die Entwicklung

neuer Produkte des RKW. Ich freue mich, dass sich

der neue Beirat gefunden hat und danke allen Beteiligten für ihr

Engagement. Ihr W.Axel Zehrfeld

Magazin der Bundesgeschäftsstelle des RKW

Das RKW ist nicht verantwortlich für die hier abgedruckten

Meinungen in namentlich gekennzeichneten Artikeln und

für Inhalte externer Internetseiten.

Auflage: 3000

Herausgeber: W. Axel Zehrfeld, Geschäftsführer

RKW Rationalisierungs- und Innovationszentrum der

Deutschen Wirtschaft e.V., Tel. (06196) 495-1

Düsseldorfer Straße 40, 65760 Eschborn,

Internet: http://www.rkw.de

Chefredaktion: Ulrike Heitzer-Priem (V.i.S.d.P.)

Redaktion: Profilwerkstatt, Corinna Brod,

Emilstraße 21, 64293 Darmstadt

Grafik und Layout: Profilwerkstatt,

Emilstraße 21, 64293 Darmstadt

Druck: Druckhaus Darmstadt GmbH,

Kleyerstraße 9, 64295 Darmstadt

Erscheinungsweise: 4x jährlich

Jahresabonnement Inland: 32 Euro

(inkl. Versandkosten u. MwSt.)

Jahresabonnenment Ausland: 37 Euro

(inkl. Versandkosten)

Fotos: RKW/Bechert

3


4 RKW MAGAZIN · SEPTEMBER 2003

KOMPAKT

Online effizienter einkaufen

>> Das E-Commerce-Center Handel hat

129 kleine und mittelständische Handels-

und Dienstleistungsunternehmen

zur Beschaffung über elektronische

Marktplätze befragt. Dabei beteiligten

sich insbesondere Unternehmen mit

einer überdurchschnittlich hohen Internetaffinität

an der Erhebung, für sie ist

die Auseinandersetzung mit elektronischen

Marktplätzen relevanter als für die

Gesamtheit der deutschen Händler und

Dienstleister. Das Internet halten die befragten

Unternehmen für die beste Möglichkeit

zur Abwicklung der Beschaffung.

Dementsprechend hoch sind die von

den Befragten über das Internet abgewickelten

Beschaffungsvolumina: Fast 30

Prozent der Güter für den eigenen Bedarf

und über 20 Prozent der Güter für

den Weiterverkauf werden über das Internet

beschafft. Elektronischen Marktplätzen

kommt dabei eine hohe Bedeutung

Kuratorium:

Jahresband erschienen

>> Die Jahrestagung des RKW-Kuratoriums

drehte sich um Chancen und Risiken

der EU-Osterweiterung für den deutschen

Mittelstand. Die Beiträge hat der

Kuratoriumsvorsitzende, Dr. Otmar Franz,

jetzt als Buch herausgegeben. Die Liste

der prominenten Autoren führt der

Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit,

Wolfgang Clement, an. Die Wirtschaftsminister

aus Nordrhein-Westfalen,

Harald Schartau, und Schleswig-

Holstein, Bernd Rohwer, beleuchten das

Thema aus der Sicht der Politik, ebenso

Matthias Platzeck, Ministerpräsident in

Brandenburg, die Frankfurter Oberbürgermeisterin

Petra Roth und weitere Autoren.

Die Sicht von Wirtschaft und Wissenschaft

vertreten unter anderen Joachim

Dirschka, Präsident der Handwerkskammer

Leipzig, und Jürgen Großmann,

Geschäftsführender Gesellschafter der

Georgsmarienhütte Holding GmbH, sowie

die Professoren Gerhard Fels, Institut

der deutschen Wirtschaft, und Günter

Spur, Technische Universität Berlin. Die

zu: Deren Anteil liegt bei über 17 Prozent.

Wichtigste Ziele beim Online-Einkauf

sind die Steigerung von Effizienz und Effektivität.

Allerdings werden alle Ziele der

Unternehmen noch nicht zufrieden stellend

erreicht. Hier liegen noch Verbesserungspotenziale

für die Betreiber. Die Auswahl

eines konkreten Marktplatzes orientiert

sich vor allem am Preisniveau der Produkte,

der angebotenen Produktinformation

und der Bedienbarkeit der Plattform.

Zu den Hauptproblemen der Befragten

bei der Nutzung elektronischer

Marktplätze zählt bei Firmen mit unter 50

Mitarbeitern „mangelnde Informationen“

über weitere Marktplätze. In anderen Befragungsgruppen

spielte dieses Kriterium

nur eine untergeordnete Rolle.

In naher Zukunft werden elektronische

Marktplätze voraussichtlich noch

stärker genutzt, sowohl hinsichtlich des

darüber abgewickelten Beschaffungsvo-

18 Beiträge spiegeln eine große Bandbreite

von Meinungen wider, aber in der

Bewertung der Osterweiterung sind sich

alle einig: Der Mittelstand profitiert. Er

muss – wie Clemens Börsig vom Vor-

lumens als auch in Bezug auf die Anzahl

der genutzten Plattformen. Insgesamt

bewerten die Teilnehmer den Einkauf über

elektronische Marktplätze überaus positiv,

trotz der bisher unzureichend erfüllten

Ziele. Dennoch sind noch einige Schwierigkeiten

und Hemmnisse zu beseitigen,

die die Nutzung von elektronischen

Marktplätzen gerade in kleineren und

mittleren Unternehmen behindern.


Außenwirtschaftsinfo

>> Das Auswärtige Amt hat sein Informationsangebot

für die deutsche Außenwirtschaft

deutlich ausgeweitet. Auf

seiner Website lassen sich über eine

benutzerfreundliche Suchmaske länderspezifische

Wirtschaftsinformationen aufrufen.

Für jedes Land wird auch ein

Bericht zur allgemeinen Wirtschaftslage

angeboten. Darüber hinaus verbinden

Links die Wirtschaftsseiten mit weiterführenden

Informationen, unter anderem

zur politischen Lage, zu Einreisebestimmungen,

Sicherheits- und medizinischen

Hinweisen.

Online-Check zum Datenschutz

>> Datenschutz gehört nicht zum Kerngeschäft

eines Unternehmens und verursacht

zunächst nur Kosten. In vielen

Unternehmen wird daher der Datenschutz

vernachlässigt. Aber Datenschutz

steht zu 80 Prozent im unternehmerischen

Eigeninteresse. Denn der Missbrauch

von Daten birgt das Risiko des

Image- und Vertrauensverlustes, der Unzufriedenheit

von Kunden und Mitarbeitern

sowie von Kosten durch Bußgeld-,

Straf- und Schadenersatzverfahren.

Die Gesellschaft für Datenschutz und

Datensicherung e. V. (GDD) hat insbesondere

für mittelständische Unternehmen

einen kostenlosen Online-Check

zur Prüfung des Datenschutzniveaus erarbeitet.

Anhand von zehn Fragen kann

die Rechtmäßigkeit der Verarbeitung

personenbezogener Daten sowie der

Datenschutzorganisation überprüft werden.

Den Fragen sind jeweils die potenziellen

Risiken für das Unternehmen sowie

Empfehlungen, mit denen etwaige

Defizite abgestellt werden können, zugeordnet.


6 RKW MAGAZIN · SEPTEMBER 2003

KOMPAKT

RKW bildet aus

>> Zwei junge Frauen haben in der

Bundesgeschäftsstelle am 1. September

ihre Lehre zur Informatikkauffrau beziehungsweise

Bürokauffrau des RKW

begonnen. Damit bildet die Bundesgeschäftsstelle

insgesamt vier Lehrlinge

aus. Die Nachwuchsförderung genießt

einen hohen Stellenwert. Mit einem

Anteil von 4,5 Prozent der Beschäftigten

liegt die „Ausbildungsquote“ der Bundesgeschäftsstelle

ein halbes Prozent

über dem Durchschnitt für unternehmensnahe

Dienstleistungsunternehmen

in den alten Ländern. > Das Buch beschreibt die wechselvolle

Geschichte der Integration der neuen

Mitgliederländer in die EU vom Fall des

Eisernen Vorhangs, vom harten Weg der

Transformation, von übertriebenen Ängsten

der Menschen und realen Gefahren

bis zum Abschluss der Beitrittsverhandlungen

und gibt einen Ausblick auf die

Zukunft Europas. Gleichzeitig wird die

Entwicklung der europäischen Einheit

von Maastricht bis zum aktuellen Verfassungskonvent

sowie die Internationale

Entwicklung skizziert.

Die in Sachen Mittel- und Osteuropa

erfahrenen Autoren (Erhard Busek ist

Sonderkoordinator des Stabilitätspaktes

für Südosteuropa) weisen darauf hin,

dass bei der Betrachtung der globalen

Fragen dringend vom Eurozentrismus

Abstand genommen werden sollte.

Warum? „Weil wir schlicht und einfach

unsere ganze Welt verstehen sollten,

denn von der Globalisierung allein zu reden

wird nicht reichen. Was uns heute

wirklich fehlt, ist ein Verständnis für die

Seele des Ostens. … Mag sein“, schreiben

die Autoren, „dass uns Aufklärung,

Moderne und Postmoderne die Fähigkeit

genommen haben, diese eigene vielfältige

Tradition zu verstehen. … Die Enge

des Westens lässt uns die Weite des Ostens

nicht richtig erahnen.“ Dem entgegenzuwirken

trägt das Buch als aktuelles

Nachschlagewerk gut Rechnung.


Foto: Bob Krist/CORBIS

Die EU-Erweiterung wird

noch unterschätzt

>> Fast 90 Prozent der großen Unternehmen,

die in Mittel- und Osteuropa

tätig sind oder Waren in diese Länder liefern,

sind davon überzeugt, dass die

bevorstehende Erweiterung der Europäischen

Union ihr Geschäft beeinflussen

wird. Aber lediglich 14 Prozent

davon haben bisher bereits Mittel eingeplant,

um die dadurch entstehenden

Kosten zu decken, oder entsprechende

Zeitpläne aufgestellt. Das ergab eine

Untersuchung des Marktforschungsunternehmens

PricewaterhouseCoopers.

Mit umfassenden Restrukturierungen sei

vor allem in den Logistik- und Vertriebssystemen,

im Rechnungswesen und in

der betriebsinternen Berichterstattung

Geschäftsmöglichkeit:

Das UN-Beschaffungswesen

>> Die Vereinten Nationen sind weltweit

der größte Einkäufer von Waren und

Dienstleistungen. Im vergangenen Jahr

betrug das Beschaffungsvolumen allein

rund 4,6 Milliarden US-Dollar. Deutschland

belegt Rang zehn der großen Zulieferländer.

Insgesamt ergeben sich auf dem

UN-Markt noch zahlreiche Geschäftsmöglichkeiten

für deutsche Unterneh-

zu rechnen. Häufig werde auch noch

unterschätzt, wie groß die Veränderungen

sein müssen, um künftig den von

der europäischen Gesetzgebung gegebenen

Erfordernissen zu entsprechen,

heißt es. Lediglich 17 Prozent seien sich

bereits darüber im Klaren, dass die eigene

Firmenstruktur in Vorbereitung auf die

EU-Erweiterung grundlegend umgestaltet

werden müsse. Befragt wurden Topmanager

von rund 100 Unternehmen in

den Branchen Fahrzeug- und Maschinenbau,

Finanzdienstleistungen, Chemie

und Pharma, Groß- und Einzelhandel,

Telekommunikation, Informationstechnik,

Bauwirtschaft sowie Energie- und Wasserversorgung.

> Das Handbuch dokumentiert den

Prozess der Umgestaltung der Arbeitsbeziehungen

in den Beitrittsländern

und ihren aktuellen Entwicklungsstand.

Durch den Vergleich der arbeitsrechtlichen

Grundlagen und der Praxis

auf betrieblicher, sektoraler und

nationaler Ebene zeigt sich ein konturiertes

Bild der mittelosteuropäischen

Arbeitsbeziehungen. Im Ost-West-Vergleich

werden die zentralen arbeitsund

tarifpolitischen Aufgabenfelder der

erweiterten Union ebenso wie die Herausforderungen

an das „Europäische

Sozialmodell“ deutlich.


Foto: RKW Unternehmen

8 RKW MAGAZIN · SEPTEMBER 2003

SCHWERPUNKT

aus Deutschland –

in Europa zu Hause

>> Die Erweiterung der

Europäischen Union hat

lange vor dem 1. Mai 2004

begonnen und sie wird

über dieses Datum hinaus

dauern.

Dr. Peter M. Rudhart, Vorstandsvorsitzender

der Thyssen

Schachtbau GmbH, ist Mitglied

des RKW-Kuratoriums und

Präsident der European

Management Association (EMA).

(D)

ie Vorreiter der europäischen in Deutschland einkaufen und in Polen

Integration sind die Unterneh- anbieten. Ein Familienbetrieb stellt in der

men in Europa. Gleich nach Nähe von Warschau patentierte Ge-

dem Fall des Eisernen Vorhangs haben wächshäuser mit enormen Wachstums-

sich auch deutsche Unternehmen auf raten her und vertreibt sie in den Nach-

den teilweise steinigen Weg gemacht. barländern. An der Ostseeküste hat ein

Heute sind mehr als 6.000 deutsche landwirtschaftlicher Betrieb seine Pro-

Unternehmen allein in Poduktion

auf ökologische

len tätig. Die dauerhaft ho- JEDES DEUTSCHE Erzeugung umgestellt und

hen Wachstumsraten in

bietet in den Sommermo-

den künftigen EU-Mitglieds- UNTERNEHMEN naten „Urlaub auf dem

staaten zeigen, dass auch

Bauernhof“ für meist deut-

sie vom wirtschaftlichen SOLLTE SICH AUF sche Urlauber an. Im

Austausch mit der EU profi-

Westen stellen sich die

tieren. Aufholendes Wachs- DIE KÜNFTIGEN Herausforderungen und

tum ist dringend notwen-

Chancen für die Unternehdig,

denn die osteuropäi- CHANCEN UND men anders dar: Hier spüschen

Wirtschaften und

ren Unternehmen einen

Unternehmen stehen unter HERAUSFORDERUN- verstärkten Wettbewerbs-

einem enormen Anpasdruck,

vorwiegend durch

sungsdruck.

GEN DES WETT- niedrige Produktionskosten

im Osten. Teilweise

BEWERBS IN EUROPA verlagern sie ihre Produktion

nach Osten, um den

VORBEREITEN.

Wettbewerbsdruck in einen

Wettbewerbsvorteil zu

wandeln. Aber die Arbeitskosten

steigen dort vergleichsweise

schnell, auch für die einheimischen

Firmen.

Nur vordergründig geht

es um die Anpassung an

die europäischen Gesetze,

Standards und Normen.

Die eigentliche Aufgabe

heißt: schnell europäische

Wettbewerbsstärke erreichen. Hier ist

das Management der Unternehmen gefragt.

Ihre Chancen kennen sie: Freier

Zugang zu den aufnahmefähigen Absatzmärkten

und zum Kapitalmarkt in

der EU. Allerdings nützt ihnen ein ungehinderter

Marktzugang nichts ohne wettbewerbsfähige

Produkte. Dies mussten

die mittel- und osteuropäischen Hüttenund

Stahlindustrien ebenso erfahren wie

alle anderen ehemals staatlichen Produktionsbetriebe.

Die privaten Firmen dagegen profitieren.

In Polen sind dies beispielsweise Reiseveranstalter,

die günstige Pauschalreisen

Die deutschen Unternehmer sollten einerseits

die Ausgangslage der Unternehmen

in den Zielmärkten der künftigen

EU-Mitgliedsstaaten kennen und die

wirtschaftlichen Perspektiven verstehen

lernen. Zum anderen sollten sie sich

eingehend mit den dortigen Kunden

befassen, die sie häufig noch nicht als

solche sehen. Sie sollten sich vor

allem aber die Frage stellen, warum die

neuen Unternehmen in den neuen EU-

Ländern erfolgreich sind. Möglicherweise

sind sie erfolgreich, weil sie ihre


Geschäftstätigkeit von Beginn an auf

den europäischen Binnenmarkt ausrichten

– weil sie als europäische Firmen

agieren.

Wie europäisch sind eigentlich die

Unternehmen in Deutschland? Betrachtet

man die Statistiken, in denen

Deutschland Jahr für Jahr als Export-

Vizeweltmeister geführt wird, scheint die

Antwort leicht gegeben. Es ist jedoch ein

– vielleicht zukunftsentscheidender –

Unterschied, ob sich deutsche Unternehmen

erfolgreich mit ihren Produkten und

Dienstleistungen in Europa positionieren

und neue Märkte in Asien erschließen,

oder ob sie sich als europäische Unternehmen

verstehen und ihre Organisationen

auf Europa ausgerichtet haben.

Nicht jedes deutsche Unternehmen muss

sich im Ausland engagieren. Aber jedes

deutsche Unternehmen sollte sich auf

die künftigen Chancen und Herausforde-

rungen des Wettbewerbs in Europa vorbereiten.

Ein Beispiel: Der Friseurbetrieb

in Hannover hat keine direkten Wettbewerbsveränderungen

durch die Erweiterung

der EU zu erwarten. Hingegen macht

den deutschen Friseurbetrieben an der

deutsch-polnischen Grenze die Konkurrenz,

nur wenige Meter hinter den Schlagbäumen,

schon seit geraumer Zeit das

Überleben schwer. Der polnische Friseur

ist aber kein europäisch ausgerichtetes

Unternehmen, nur weil er den Lohnkostenvorteil

und die flexiblen Arbeitszeitregelungen

in Polen nutzt. Der deutsche

Friseur ist kein europäisch ausgerichtetes

Unternehmen, solange er nicht die

Marktlücke entdeckt, mit der er die spezifischen

Wünsche der deutschen – und

polnischen – Kunden nach Exklusivität,

Erlebnis oder Wellness in Gewinn umwandelt.

Auch der Friseurbetrieb in Hannover

kann europäisch handeln, indem

er zum Beispiel seine Leistungen und

sein Marketing für die Dauer der interna-

Krakau gilt als das kulturelle Zentrum Polens. Zu den

wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Krakau gehört der

Wawel: Auf einem 25 Meter hohen Kalkfelsen thronen

das Schloss und die Kathedrale aus dem 14. Jahrhundert.

tionalen Messen auf die ausländischen

Aussteller und Besucher ausrichtet.

Leicht ist es nicht, ein Unternehmen auf

Europa auszurichten. Der Verdrängungswettbewerb

auf allen Ebenen der Lieferketten

von Elektrotechnik und Automobilindustrie

legen davon Zeugnis ab.

Tempo wird zum Erfolgsfaktor für

die Zukunft. Welches Unternehmen hat

in dieser Situation die Zeit, sich mit Europa

zu befassen, Branchenentwicklungen

zu verfolgen, differenzierten Kundenwünschen

in zehn häufig noch sehr

unbekannten neuen Mitgliedsstaaten

Europas nachzugehen? Wen soll ein

Unternehmen mit diesen Zukunftsaufgaben

betrauen, wenn es jeden teuren

Mitarbeiter für das Tagesgeschäft dringend

benötigt? Dennoch, Unternehmer

sollten sich auch in der aktuellen wirtschaftlichen

Lage mehr um ihre unternehmerische

Zukunft in Europa kümmern.


Foto: RKW/Bechert

10 RKW MAGAZIN · SEPTEMBER 2003

SCHWERPUNKT

Erfahrung für Europa

>> 150 Unternehmen diskutierten mit dem RKW in

neun Foren über ihre Erwartungen an die EU-Erweiterung.

(D)

as Interesse an den Märkten

in den Beitrittsländern ist groß,

doch ebenso groß ist das

Informationsbedürfnis der kleinen und

mittleren Unternehmen. Daher begrüßten

alle Teilnehmer an den Unternehmerforen

die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch

und die branchenbezogenen

Informationen, die das RKW mit der Veranstaltungsreihe

bereitstellte. Auf dieser

Basis können die Unternehmen besser

abwägen, welche Chancen sie in den

Beitrittsländern Mittel- und Osteuropas

haben. Zwei Branchen dominierten unter

den Teilnehmern: die Automobilzulieferer

und die Umweltschutztechnik. In beiden

Bereichen sind deutsche Unternehmen

technisch führend, sehr unterschiedlich

ist jedoch ihre Auslandserfahrung. Die

Automobilzulieferindustrie verfügt über

deutlich mehr Auslandserfahrung als die

Unternehmen der Umweltschutztechnik.

Die deutsche Automobilindustrie muss

sich in einem schwierigen internationalen

Umfeld behaupten. Als eine Folge

davon hat sich die Wertschöpfungsverteilung

zwischen Fahrzeugherstellern,

Zulieferern und Vorlieferanten verändert.

Die Zulieferer müssen innovativ, flexibel

und kooperationsbereit sein und haben

nur geringe Spielräume bei der Preisgestaltung.

Dem Preisdruck begegnen die

Unternehmen durch Verlagerung von Pro-

Stahlproduktion in Huta Sendzimra mit Maschinen

der deutschen Firma SMS Schoemann Siemag.

duktionsbereichen ins Ausland. Bei der

Entscheidung, einzelne Produktionsbereiche

nach Osten zu verlagern, ist das

niedrige Lohnniveau das Hauptmotiv. Es

ist absehbar, dass der Unterschied der

Löhne zum westeuropäischen Niveau kleiner

wird. Für Unternehmen, die noch keine

eigenen Produktionsstandorte in den

Beitrittsländern haben, stellt sich daher

die Frage, ob sich ein so spätes Engagement

überhaupt noch lohnt, oder ob das

Unternehmen besser gleich in Rumänien

oder der Ukraine investieren sollte. Die

Verfügbarkeit von qualifizierten Arbeitskräften

und die infrastrukturelle Anbindung

des Produktionsstandortes sind

weitere Faktoren bei der Standortwahl.


Für Umweltschutztechnik-Anbieter aus

Deutschland ist ihre technologisch führende

Position das wichtigste Argument

bei der Erschließung von Auslandsmärkten.

Export spielt für die Mehrzahl der

Unternehmen in der Branche eine

zunehmend wichtige Rolle, gerade angesichts

sinkender Umsätze im Inland. In

den Beitrittsländern verfügen die Teilnehmer

an den Foren Umweltschutztechnik

jedoch über wenige und dann eher

schlechte Erfahrungen. Doch sehen die

Teilnehmer den großen Nachholbedarf

der Beitrittsländer bei der Umweltschutztechnik,

ausgelöst durch die vertraglich

vereinbarte Angleichung der

jeweiligen Normen an die EU-Standards.

Das begreifen die deutschen Unternehmen

zu Recht als Chance für ihre fortschrittlichen

Produkte und ihr Knowhow.

Deshalb sind sie so lebhaft daran

interessiert zu erfahren, wie Ausschreibungen

und Auftragsvergabe auf der

EU-Ebene funktionieren und wie sie

schnell und effizient an Informationen zu

den einzelnen Ländern kommen können.

Für die Informationsbeschaffung konnte

das RKW auf seine Internet-Guides zu

Polen, Tschechien und den baltischen

Staaten verweisen. Im Übrigen bietet die

bfai einen umfassenden Infopool zu vielen

Ländern.

Die Finanzierung ist die Achillesferse für

das Auslandsengagement der kleinen

Internationale

Kooperationsbörsen

Das Euro Info Center (EIC) der Investitionsbank

Hessen (IHB) lädt kleine und mittlere

Unternehmen zu Kooperationsbörsen ein,

um sie bei der Kontaktanbahnung zu Geschäftspartnern

in Europa zu unterstützen.

Die nächsten Termine:

■ „Elektronik – Elektrotechnik – IT“:

27./28. November 2003 in Regensburg

■ „Maschinen- und Anlagenbau“:

4./5. März 2004 in Chemnitz

■ „Umwelttechnik“

17./18. Juni 2004 in Dresden

■ www.eic.ibh-hessen.de

und mittleren Betriebe. Fragen nach Förder-

und Finanzierungshilfen spielten in

allen Diskussionen eine zentrale Rolle.

Sehr kritisch verlief sie bei den Automobilzulieferfirmen.

Viele negative Erfahrungen

kamen in den Beiträgen der Unternehmen

zutage. Hauptkritikpunkt: die

umständliche und langwierige Beantragung

von Fördermitteln in deutschen

und europäischen Programmen. Ohne

Unterstützung eines erfahrenen Fachmanns

sehen sich die meisten Unternehmen

nicht in der Lage, die oft komplizierten

Modalitäten zu überblicken. Um wie

viel schwieriger ist diese Hürde für die

Unternehmen der Umweltschutztechnik

zu nehmen, die weniger „gewieft“ sind

im Auslandsgeschäft. Sie forderten eine

effektive Unterstützung für Klein- und

Mittelbetriebe.

Das RKW wird an den wichtigsten Themen

dranbleiben. Der kritischste Teil für

das Auslandsengagement der kleinen

und mittelständischen Unternehmen sind

Finanzierung und Förderung von Auslandsgeschäften.

In Zeiten, in denen die

Mittelstandsfinanzierung überhaupt einem

immensen Strukturwandel unterliegt –

Stichwort „Basel II“ – dreht sich jede Unternehmensstrategie

„um das liebe Geld“.

Auch dem Thema Umweltschutztechnik

und der Förderung von Internationalisie-

EIC – Euro Info Center in Warschau.

rungsstrategien im Umwelttechnikbereich

wird sich das RKW weiterhin widmen.

Das auf Seite 18 beschriebene Besuchsprogramm

„Internationalisierung“

legt im kommenden Jahr einen Schwerpunkt

auf die Umweltschutztechnik.

Daneben unterstützt das RKW nach

Kräften die Unternehmen bei der Suche

nach Kooperationspartnern. In diesem

Sinne weisen wir auf die Veranstaltungen

der EIC und der DTSW hin.


12 RKW MAGAZIN · SEPTEMBER 2003

SCHWERPUNKT

Herausforderungen für kleine

und mittlere Unternehmen

GASTKOMMENTAR

von Rezzo Schlauch, Mittelstandsbeauftragter

der Bundesregierung und

Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit

(D)

ie bevorstehende EU-Osterweiterung

schafft neue, größere

und damit attraktivere

Märkte. Die EU-Beitrittskandidaten und

insbesondere die Nachbarländer Polen

und Tschechien bieten auch dem deutschen

Mittelstand interessante Marktpotenziale

als Absatz- und Beschaffungsmärkte.

Viele Unternehmen sind auf den

neuen Märkten bereits engagiert. Dennoch

sind die Chancen längst nicht

erschöpft. Das zeigen schon die Zahlen:

Die Wirtschaftskraft aller Beitrittsländer

ist derzeit nur so groß wie die der

Niederlande, dabei leben dort rund viermal

so viele Menschen. Der Anteil dieser

Länder an unserem Außenhandel übersteigt

mit 11,9 Prozent bereits heute

schon den Handel mit den USA (10,2 Prozent).

Der deutsche Außenhandel mit den

Beitrittskandidaten ist enorm gewachsen,

im vergangenen Jahr um 12,8 Prozent,

während unser gesamter Außenhandel

nur um 4,6 Prozent zunahm.

Wie können kleine und mittlere

Betriebe, die häufig nicht besonders

kapitalkräftig sind, von der Erweiterung

profitieren? Hier bieten sich in erster

Linie Kooperationen an. Mit einem Partner,

der Märkte und Kunden kennt, ist

der Schritt über die Grenze einfacher als

im Alleingang. Die deutschen Auslandshandelskammern

und Delegierten der

deutschen Wirtschaft in den Beitrittsländern,

die maßgeblich durch den Bund

unterstützt werden, bieten den mittelständischen

Unternehmen in Deutschland

Informationen, Beratung sowie Hilfestellung

bei der Partnersuche an. Die

Förderung von grenzüberschreitenden

Aktivitäten von kleinen und mittleren

Unternehmen, etwa durch einen intensiven

Informations- und Personalaustausch,

ist ebenso bedeutsam wie die

Durchführung internetgestützter Kooperationsbörsen

und die Messeförderung.

Für diesen Austausch auf Unternehmensebene

setze ich mich auch persönlich

ein. So werde ich in wenigen Wochen mit

Vertretern des deutschen Mittelstandes

eine Reise in die baltischen Staaten Estland,

Lettland und Litauen unternehmen.

Ziel ist es, die Chancen zu verdeutlichen,

die sich für die deutschen kleinen und

mittleren Unternehmen durch die Marktöffnung

und Zusammenarbeit mit den

Beitrittsländern eröffnen. Es geht darum,

Marktpotenziale zu eruieren, Kontakte zu

knüpfen und Chancen zu ergreifen. Denn

ich bin überzeugt: Mit einer offensiven

Foto: privat

zur Person

>> Rezzo Schlauch ist seit Oktober

2002 Parlamentarischer Staatssekretär

im Bundesministerium für

Wirtschaft und Arbeit und Mittelstandsbeauftragter

der Bundesregierung.

Der Rechtsanwalt ist seit

1990 Mitglied von Bündnis 90/Die

Grünen, deren Fraktionsvorsitzender

er von 1998 bis 2002 war.

Schlauch ist unter anderem auch

Mitglied des Republikanischen Anwaltsvereins

und des Wirtschaftsverbandes

Unternehmensgrün.

Strategie werden auch kleine Unternehmen

von der Osterweiterung profitieren!

Auch für die Grenzregionen bietet die

EU-Osterweiterung große Chancen, da

diese schrittweise aus ihrer Randlage

heraustreten und von ihrer neuen Rolle

als Bindeglied zu den Beitrittsländern

wirtschaftlich profitieren können.

Ein Blick über die Grenzen zeigt, dass

sich in verschiedenen Grenzregionen zwischen

Staaten mit wirtschaftlichem Wohlstandsgefälle

dynamische Wachstumsgebiete

entwickelt haben, etwa entlang

der mexikanisch-amerikanischen Grenze.

Dieses Wachstum wird nicht nur von den

größeren Unternehmen, sondern maßgeblich

auch von kleinen und mittleren

Unternehmen bestimmt. Richtig ist aber

auch, dass von der EU-Osterweiterung

ein zusätzlicher struktureller Anpassungsdruck

ausgeht, von dem die Grenzregionen

besonders betroffen sind. Hier

gibt es ein breites Spektrum von Maßnahmen

seitens der EU, des Bundes und

der Länder, um die Grenzregionen im

Erhalt ihrer Wettbewerbsfähigkeit zu

unterstützen.

Nicht nur in den Grenzregionen

machen Chancen und Herausforderungen

der EU-Osterweiterung eine frühzeitige

Anpassung kleiner und mittlerer

Unternehmen erforderlich. Die EU-Osterweiterung

sollte vielmehr von allen Unternehmen

zum Anlass genommen werden,

die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern.

Gefragt sind mehr denn je neue

Geschäftsstrategien, lokale, regionale oder

grenzüberschreitende Kooperationen, eine

Überprüfung der bisherigen Wertschöpfungskette

und die verstärkte Nutzung

neuer Technologien.

Ich bin mir sicher: Der Mittelstand hat

vielfältige Chancen, die EU-Osterweiterung

zu seinem Vorteil zu nutzen!


Innovativ und international – Auf der Suche nach

neuen Absatzmärkten in den EU-Beitrittsländern

>> Internationalisierung ist keine Frage der Größe: Die Firma „Klein Abwasser- und

Schlammtechnik GmbH“ erwirtschaftet mit 20 Mitarbeitern immerhin die Hälfte ihres

Gesamtumsatzes im Ausland. Jetzt steht das Unternehmen auf dem Sprung, um

seine Chancen in den EU-Beitrittsländern zu nutzen.

(D)

as Konzept des Unternehmens

zur Schlammbehandlung

ist ebenso wirtschaftlich

wie ökologisch: Eindickung, Biogasgewinnung,

Entwässerung des Schlamms,

Trocknung und schließlich thermische

Verwertung des Endprodukts. Die Anlagen

für die innovative Schlammbehandlung

entwickelt Klein selber. Je nach

Größe können sie bis zu 50.000 Tonnen

Schlamm im Jahr behandeln. Von der

Genehmigungsplanung über die Montage

der Anlagen bis zu ihrer Inbetriebnahme

bietet Klein Fullservice aus einer

Hand.

Die Kunden – Kommunen, Kläranlagenbetreiber

und die Industrie – halten sich

zurzeit mit Investitionen zurück. Das

Unternehmen sucht daher nach neuen

Absatzmärkten für seine innovative

Technik. Gefunden hat es sie beispielsweise

in Polen. Geschäftsführer Manfred

Tomalla beabsichtigt, in Polen zusammen

mit einem einheimischen Vertriebspartner

ein Tochterunternehmen zu gründen.

Derzeit vertritt der die Klein Abwasser-

und Schlammtechnik in dem

EU-Beitrittsland und hat bereits einige

Aufträge an Land gezogen. „Der Nachholbedarf

bei der Umwelttechnik ist

riesig“, weiß Manfred Tomalla.

Den Weg, den die Klein Abwasser- und

Schlammtechnik auf den europäischen

Markt geht, entspricht einer weit verbreiteten

Vorgehensweise: Zunächst entstehen

einzelne Geschäftskontakte ins Ausland,

eher zufällig, ein Auftrag hier, ein

Auftrag dort. Dann zeigt sich, dass es in

einem Land besonders gut läuft. Also

wird hier der Markt genauer betrachtet.

Hilfreich sind dabei die umfangreichen

Informationen der bfai, des RKW und

anderer Anbieter. Ein erster Schritt der

systematischen Markterschließung ist

die Unterstützung durch einen lokalen

Partner. Im Fall der Firma Klein handelt

es sich um ein Vertriebsbüro. Bei der Zusammenarbeit

mit Einheimischen sichert

sich das Unternehmen deren intime

Marktkenntnis und umgeht zunächst das

Sprachproblem. Geschäftsführer Tomalla

ließ es aber nicht dabei, sondern vertiefte

sein Wissen und tauschte sich mit

anderen Anbietern von Umwelttechnik

über die Erfahrungen aus. Gelegenheit

bot ihm dazu eines der RKW-Unternehmerforen

des EFEU-Projekts.

Für das Unternehmen Klein stellt sich

nach den ersten Geschäftserfolgen in

Polen nun konkret die Frage, dort ein

Unternehmen zu gründen. Dabei ist klar,

dass Entwicklung und Know-how am

Standort in Deutschland bleiben. Dazu

Eine mobile Vorführanlage zur Schlammentwässerung

der Klein Abwasser- und Schlammtechnik GmbH

hier beim Einsatz auf der Kläranlage in Leipzig.

ist das Unternehmen mit seinen Mitarbeitern

auch viel zu fest in der Standort-

Gemeinde im Siegerland verankert. Aber

Teile der Montage und natürlich der Vertrieb

vor Ort könnten nach Polen verlagert

werden. Bestehende Geschäftskontakte

in das Beitrittsland Tschechei oder

sogar die nach Russland könnten von

dort aus weiter ausgebaut werden.

Gespräche mit dem lokalen Partner

laufen, die rechtliche Situation wird derzeit

geklärt. Bis Anfang 2004 soll anhand

der gewonnenen Erkenntnisse sowie

eines wirtschaftlichen Planspiels, in dem

die politischen und strukturellen Rahmenbedingungen

berücksichtigt werden,

über Art und Umfang der Aktivitäten in

Polen entschieden werden.


14 RKW MAGAZIN · SEPTEMBER 2003

SCHWERPUNKT

Die Wirtschaft ebnet

Europa den Weg

>> Die Europäische Union ist bei uns angekommen: Wir

haben den europäischen Binnenmarkt, die Grenzen sind

gefallen, der Frieden zwischen den Mitgliedsstaaten erscheint

uns heute selbstverständlich, der Euro ist für elf

Mitgliedsstaaten zum alltäglichen Zahlungsmittel geworden,

und Mitte Juli hat der EU-Verfassungskonvent

in Brüssel den Entwurf für eine europäische Verfassung

feierlich unterzeichnet. Aber wie steht es um die europäische

Integration? Eine Bestandsaufnahme.

(D)

er Prozess hin zu einem integrierten

Europa gestaltet sich

schwierig, das zeigte schon

das Ringen der Staats- und Regierungschefs

um den Vertrag von Nizza. Zurzeit

beraten die Mitgliedsstaaten über den

Entwurf der europäischen Verfassung,

der im Frühjahr 2004 endgültig beschlossen

werden soll. Auf seiner Grundlage

werden am 1. Mai des kommenden Jahres

zehn neue Mitgliedsstaaten in die EU

aufgenommen, die die Verfassung allesamt

ratifizieren müssen. 2005 soll sie

schließlich in Kraft treten.

Bis dahin sind noch zahlreiche Auseinandersetzungen

zu erwarten: Zwischen

den neuen und den alten Mitgliedern,

den großen und den kleinen, den

Mittelgebern und den -empfängern. Aber

genau das wird die Integration voranbringen:

„Gemeinsames Recht kann eine

große integrative Kraft entfalten“, gab

denn auch Joschka Fischer im Mai 2000

in seiner wichtigen Rede zur „Finalität

der europäischen Integration“ in der Berliner

Humboldt-Universität zu bedenken.

Noch ist es nicht so weit. Was ist es

aber, das Europa heute im Innersten

zusammenhält? Knappe Antwort: die

Wirtschaft.

Wirtschaftliche Integration

Seit der Kohle- und Stahlgemeinschaft in

den 50er Jahren haben sich immer mehr

europäische Länder durch ihre wirtschaftlichen

Verflechtungen zu einem

Wirtschaftsraum Europa integriert. Die-

ser wächst nun auf beinahe 500 Millionen

Einwohner an. „Damit entsteht der

weltweit größte einheitliche Markt, der

für die Herausforderungen des globalen

Wettbewerbs hervorragend gerüstet ist.

Das Wirtschaftspotenzial der Beitrittskandidaten

ist groß, die EU integriert mit

diesen Ländern ausgesprochene Wachstumsmärkte“,

verspricht das Auswärtige

Amt. Die gemeinsamen Spielregeln im

vergrößerten Wirtschaftsraum erleichterten

auch kleinen und mittleren Unternehmen

das wirtschaftliche Engagement.

Das bestätigt auch der Deutsche Industrie-

und Handelskammertag (DIHK): Seinen

Schätzungen zufolge wird sich der

Anteil des Auslandsgeschäftes am

Gesamtumsatz mittelständischer Firmen

von 2000 bis 2005 nahezu verdoppeln.

EU-weit sieht rund ein Drittel aller kleinen

und mittelständischen Unternehmen

mehr Vorteile als Nachteile im europäischen

Binnenmarkt, dagegen empfindet

lediglich ein Zehntel mehr Nachteile.

Auch die Bertelsmann Forschungsgruppe

Politik unterstreicht in ihrem

Diskussionspapier „Europas Reform

Denken“ die „Wachstumsgemeinschaft“

Europas – neben der EU als Sicherheitsgemeinschaft,

Solidaritätsgemeinschaft

und Verfassungsgemeinschaft – als

eines der vier „Großprojekte der Europäischen

Union“: Die Vergleichbarkeit der

Preise, sinkende Wechselkursrisiken und

Transaktionskosten hätten bereits den

Wettbewerb intensiviert und die Attraktivität

Europas als Investitionsstandort

Foto: Michael Kappler/ddp

erhöht. Jetzt entstehe „ein ökonomisches

Umfeld, das der Sicherung von

Preisstabilität, der Mobilisierung von

Wachstumskräften und der dringend benötigten

Modernisierung der europäischen

Volkswirtschaften förderlich ist.“

Allerdings müssten sich die Mitgliedsstaaten

in der Wirtschaftspolitik noch

besser koordinieren, die Außenvertretung

in der Wirtschafts- und Finanzpolitik

in eine Hand legen und die Grundlage

einer gemeinsamen Wirtschafts- und

Finanzordnung schaffen.

Soziale Integration

Mit dem Binnenmarkt und der Währungsunion

sei es aber noch nicht getan:

Die Europäische Union werde zunehmend

auch bei der „Sicherung persönlicher

Freiheit, allgemeinen Wohlstands

oder sozialer Gerechtigkeit in die Pflicht

genommen“. Keine leichte Aufgabe, zu-


mal Wohlstand in Portugal etwas anderes

bedeutet als in Deutschland und wieder

etwas anderes in Lettland und die

sozialen Standards in den verschiedenen

EU-Ländern alles andere als einheitlich

aussehen. Wie soll dies nun auf einen –

europäischen – Nenner gebracht werden?

Der Verfassungsentwurf sieht vor,

dass die Regeln für Asyl und Einwanderung

zukünftig auf EU-Ebene beschlossen

werden. Über die heikle Frage, welchen

Zugang Einwanderern zum Arbeitsmarkt

gewährt wird, entscheiden die

Mitgliedsstaaten aber weiterhin selbst.

Diese Ausnahme hatte insbesondere

Deutschland gefordert.

Insgesamt will die Europäische

Union jetzt aber stärker auf die Einbeziehung

sozialer Mindeststandards in Handelsvereinbarungen

achten. Darauf haben

sich die Außenminister der 15 Mitgliedsstaaten

Anfang August verständigt. Ein

Bundesratspräsident und Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt Wolfgang

Boehmer (Mitte) stellte sich vor Beginn der Bundesratssitzung am 11. Juli mit

den Botschaftern der EU-Kandidaten zum Gruppenbild. Der Bundesrat hat die

geplante Erweiterung der Europäischen Union und den Beitritt von sieben osteuropäischen

Staaten zur Nato gebilligt.

Vorschlag zielte zum Beispiel darauf,

Welthandelsorganisation (WTO) und

Internationale Arbeitsorganisation (ILO)

mehr einzubeziehen. Denn auch der Blick

nach außen ist wichtig zur Bildung der eigenen

Identität. Ein weiteres Beispiel:

Politische Integration

Der Streit um den Irak-Krieg hat Europa

vor eine Zerreißprobe gestellt: Am 31.

Januar dieses Jahres hatten unter Führung

Großbritanniens und Spaniens insgesamt

acht EU-Staaten und Beitrittsländer

den so genannten „Brief der

Acht“ formuliert, in dem sie ihre Unterstützung

der amerikanischen Außenpolitik

bekundeten und sich damit offen gegen

die politische „Marschrichtung“ von

Frankreich und Deutschland stellten.

Trotzdem konnte die EU von einem „politischen

Integrationsschub“ profitieren.

Experten gehen davon aus, dass der

Irak-Krieg erst die Erarbeitung einer

europäischen Sicherheitsstrategie angestoßen

hat. Richard von Weizsäcker nannte

Mitte August die Irak-Krise im Spiegel-

Interview gar eine „harte, notwendige und

am Ende fruchtbare Lehrstunde“.

Aber blicken wir wieder nach innen:

Die politischen Institutionen der EU wurden

für sechs Mitgliedsstaaten geschaffen.

Deshalb warnte Außenminister

Fischer in besagter Rede davor, „dass

eine Erweiterung auf 27 bis 30 Mitglieder

die Absorptionsfähigkeit der EU mit ihren

alten Institutionen und Mechanismen

überfordern wird, und dass es zu schweren

Krisen kommen kann.“ Eine Reform

dieser Institutionen sei deshalb dringend

erforderlich.

Die Demokratie-Frage

Im Lebensmittelrecht, Umweltschutz

und Wirtschaftsrecht trifft die Europäische

Union zurzeit die wesentlichen Entscheidungen,

ohne dass diese einer systematischen

öffentlichen Debatte unterzogen

würden. Peter Glotz, Direktor am

Institut für Medien- und Kommunikationsmanagement

der Universität St.

Gallen, kritisiert, dass der Rat nach einer

„vordemokratischen Struktur“ arbeite

und seine Entscheidungsabläufe nicht

transparent seien: „Eine wirksame Kritik

des Volkssouveräns an den Planungen

der Regierenden ist im Schnittmuster

der Nationen möglich, im Schnittmuster

der Europäischen Union (noch) nicht,

von Gesamteuropa ganz zu schweigen“,

so Glotz in einem Vortrag über „Interkulturelle

Kommunikation“.

Etwas mehr Demokratie als zuvor

hat die neue Verfassung den EU-Mitgliedsstaaten

zwar beschert: Statt in 35

wird das Europäische Parlament zukünftig

an der Gesetzgebung in 92 Politikfeldern

beteiligt sein. Außerdem wählt es

den Präsidenten der EU-Kommission,

die über die EU-Verträge wacht, und bekommt

mehr Macht in Fragen des Haushalts.

Die Bürger Europas sind damit

aber noch lange nicht in die Entscheidungsprozesse

eingebunden.

Wie geht es weiter?

Im Dezember vergangenen Jahres haben

alle EU-Regierungen das Beitrittsrecht

der Türkei noch einmal bekräftigt. Das

heißt – schaut man weiter in die Zukunft –,

dass auch der Ukraine, Weißrussland

und Moldawien irgendwann der EU-Beitritt

nicht mehr verwehrt werden kann.

Und wie sieht es aus mit Russland? „Der

Einwand, Europa ende am Ural, taugt

nach einem türkischen Beitritt erst recht

nicht mehr“, spitzt der Europaexperte

der Financial Times Deutschland, Thomas

Klau, diese Frage zu.

Aber wo endet Europa? Eine Antwort

gibt der Philosoph und Europa-Vordenker

Jürgen Habermas, indem er das Problem

viel abstrakter angeht. Er wünscht

sich eine „postnationale Demokratie“,

die „auf der gegenseitigen Anerkennung

der Differenzen zwischen stolzen Nationalkulturen

beruht“. Weder „Assimilation“

noch die bloße „Koexistenz“ seien

die Modelle, die zu der wechselhaften

Geschichte der europäischen Nationalstaaten

passten. Sondern eine „Solidarität

unter Fremden“. Wer das dann sein

wird, ist heute vielleicht noch gar nicht

wichtig.


16 RKW MAGAZIN · SEPTEMBER 2003

SCHWERPUNKT

Arbeitsmarktwirkungen

der EU-Osterweiterung

>> Die Folge der Arbeitskräfte-Freizügigkeit

beleuchtet Elmar Hönekopp vom Institut für Arbeitsmarkt

und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg.

(M)

it den Europaabkommen

von Anfang der 90er Jahre

wurde die Grundlage für die

wirtschaftliche Integration und auch

schon für eine Erweiterung der Europäischen

Union um die mittelosteuropäischen

Staaten geschaffen. Unterstützungen

durch die EU im Rahmen von

PHARE und bilaterale Aktivitäten zu den

Anpassungsmaßnahmen in den mittelosteuropäischen

Staaten haben den

Integrationsprozess erfolgreich vorangetrieben.

Handel und Kapitalverkehr zwischen

EU und den heutigen Beitrittsländern

unterliegen kaum mehr Beschränkungen

und haben sich hinsichtlich

Volumen und Strukturen in den Jahren

seit dem Fall des Eisernen Vorhangs

wesentlich verändert. Insofern ist in

wirtschaftlicher Hinsicht die Integration

bereits Realität. In dieser Hinsicht wird

die Erweiterung der Europäischen Union

nichts wesentlich Neues mehr bringen.

Von diesem Prozess ausgenommen

ist bisher der Austausch von Arbeitskräften

(ähnlich auch bei den Dienstleistungen).

Erst mit dem Beitritt der mittel- und

osteuropäischen Staaten zur Europäischen

Union wird die Arbeitnehmerfreizügigkeit

– eine der wesentlichen Grundfreiheiten

der Europäischen Union –

schrittweise auf die Beitrittsländer ausgedehnt.

Auch die Dienstleistungsfreiheit

wird in der Übergangsfrist zunächst mit

gewissen Einschränkungen eingeführt

werden.

Dennoch hatte die bisher erfolgte

wirtschaftliche Integration bereits spürbare

Arbeitsmarkteffekte: Die veränderten

ökonomischen Rahmenbedingungen

– dies zeigen die Erfahrungen in der

Europäischen Union – wirken sich deutlich

auf den Arbeitsmarkt und auf die

Beschäftigungsentwicklung aus. So hat

beispielsweise die Ausweitung des Außenhandels

eine Verstärkung des Trends

der Nachfrage nach hoch qualifizierten

Arbeitskräften und eine tendenziell verringerte

Nachfrage nach geringer qualifizierten

Arbeitskräften zur Folge. In einem

gewissen Umfang hat die Intensivierung

des Handels mit den östlichen Nachbarländern

auch Arbeitsplätze gesichert.

Schon bisher hat einiges an Beschäftigung

von Bürgern aus Osteuropäischen

Ländern (MOE) stattgefunden:

■ überwiegend in Deutschland und

Österreich (in diesen beiden Ländern

arbeiten 80 % aller in der EU beschäftigten

MOE-Arbeitskräfte),

■ bei einer Größenordnung in Deutschland

von ca. 200.000 bis aktuell (2002)

360.000 Personen pro Jahr (Programmarbeitnehmer,

vor allem Saison-,

Werkvertrag-, Grenz- und „neue“

Gastarbeitnehmer),

■ aber in stark reguliertem Rahmen,

innerhalb bilateraler Verträge/Vereinbarungen,

■ vor allem in einzelnen, definierten

Wirtschaftszweigen (Landwirtschaft,

Bau, Hotel-/Gaststättengewerbe).

Dies wird sich im Rahmen einer EU-Mitgliedschaft

und bei Wirksamwerden

der Arbeitskräfte-Freizügigkeit sicherlich

zwangsläufig anders entwickeln. Zumindest

bisher hat sich die stark zunehmende

Beschäftigung von Saisonarbeitnehmern

in der Landwirtschaft auf die Arbeitsmarktsituation

auch für Inländer in

diesem Sektor eher positiv ausgewirkt.

Mit dem Beitritt ist nicht die sofortige

Anwendbarkeit der Arbeitnehmerfreizügigkeit

verbunden, vielmehr wurde mit

den Beitrittsländern eine Übergangsfrist

von bis zu sieben Jahren vereinbart. Die

so genannte „2+3+2“-Regelung ermöglicht

es, die Arbeitnehmerfreizügigkeit

aufgrund von arbeitsmarktpolitischen Überlegungen

für bis zu sieben Jahre einzuschränken.

Ein Teil der heutigen EU-

Mitgliedsländer (wohl auf jeden Fall

Brückenschlag zwischen Ost und West:

Die Autobahnbrücke von Frankfurt an der

Oder und Slubice, Polen, wird auch zur

Verbindungsbrücke für Arbeitskräfte.

Deutschland und Österreich) wird diese

Möglichkeit in Anspruch nehmen.

In zwei aktuelleren umfassenden Studien

zu arbeitsmarkt- und sozialpolitischen

Auswirkungen der EU-Osterweiterung,

nämlich des European Integration

Consortium (DIW, IAB u. a., für die

Europäische Kommission) und des ifo-

Instituts (für das damalige Bundesministerium

für Arbeit) wurden Schätzungen

des Wanderungspotenzials von Arbeitskräften

aus ausgewählten Kandidatenländern

nach Deutschland vorgenommen.

Als Haupteinflussgrößen für die Projektion

des Wanderungspotenzials wurden

die Komplexe Wohlfahrts-/Einkommensunterschiede,

wirtschaftliche Entwicklung

und Arbeitsmarktsituation und -per-


spektiven in die Analyse einbezogen. Die

Wirtschafts- und Arbeitsmarktentwicklung

ist in den verschiedenen Beitrittsländern

sehr unterschiedlich verlaufen.

Die Wachstumsraten des Bruttoinlandsprodukts

lagen jedoch fast durchgängig

in den vergangenen Jahren wesentlich

über denen Deutschlands und der EU.

Insofern haben sich die Einkommensunterschiede

schon deutlich reduziert,

wenn sie auch immer noch beträchtlich

sind: Allerdings relativieren sich diese

Unterschiede mittlerweile in einem gewissen

Umfang, wenn man die Kaufkraftparitäten

in die Berechnungen einbezieht.

Auch die Entwicklungen auf den

Arbeitsmärkten sind sehr differenziert zu

betrachten: Einzelne Länder (insbesondere

Polen) haben hier derzeit mit erheb-

lichen Schwierigkeiten zu kämpfen, zum

Teil aus demografischen Gründen oder

wegen der Folgen von Strukturanpassungen

in verschiedenen Wirtschaftszweigen

(Landwirtschaft, Bergbau, Schwerindustrie).

Andere Länder, wie Ungarn und

Slowenien, weisen insgesamt ein recht

positives Erscheinungsbild auf. Aktuell

scheint dies auf einen gewissen Wanderungsdruck

hinzudeuten.

Für die Einschätzung des zukünftigen

Wanderungsanreizes ist aber zu berücksichtigen,

dass mit den momentanen

Wachstumsraten in den Beitrittsländern,

die deutlich über den Wachstumsraten

Deutschlands liegen, positive

Erwartungen auch hinsichtlich der wirtschaftlichen

Zukunft verbunden sind. Bei

den Vergleichen des Bruttoinlandsprodukts

pro Kopf beziehungsweise der

Nominallöhne in Deutschland und in

den Beitrittsstaaten müssen zudem die

beträchtlichen Kaufkraftunterschiede berücksichtigt

werden. Dies sind Faktoren,

die die Wanderungsneigung erheblich

verringern.

Im Ergebnis ist zwar auch für die

kommenden Jahre noch von signifikanten

Wanderungsanreizen auszugehen.

Diese liegen jedoch durchaus im Rahmen

der Größenordnungen, wie sie derzeit

in Deutschland gegeben sind.

Da in Deutschland eine Nachfrage nach

gut ausgebildeten Arbeitskräften besteht,

hätte deren Zuwanderung einen durchaus

positiven Effekt. Jedoch ist davon

auszugehen, dass nach der siebenjährigen

Übergangszeit die Volkswirtschaften

in den Beitrittsländern so gewachsen

sein werden, dass sie selbst ihre qualifizierten

Arbeitskräfte benötigen. Die aktuelle

Arbeitsmarktsituation zeigt schon

jetzt in diese Richtung. Wanderungsdruck

wird daher eher im Bereich der

niedrig qualifizierten Arbeitskräfte ausgeübt

werden, bei denen die Arbeitslosenquote

in den Beitrittsländern ähnlich

hoch ist wie in Deutschland.

Hinsichtlich der räumlichen Verteilung

ist zu erwarten, dass sich die

Zuwanderung auf die Ballungsräume

konzentrieren wird, da dort die größte

Nachfrage an Arbeitskräften besteht. Die

Hoffnung, dass mit der Osterweiterung

das Problem des Mangels an qualifizierten

Arbeitskräften in Deutschland behoben

werden kann, wird wohl enttäuscht

werden.

Besondere Probleme können sich in den

Grenzregionen zu den Beitrittsstaaten

ergeben. Derzeit spielt zwar die Beschäftigung

von Grenzpendlern (mit ca.

1,5 Prozent der Gesamtbeschäftigung

im bayerischen Grenzraum zur Tschechei)

wegen der sehr restriktiven Zugangsmöglichkeiten

zum Arbeitsmarkt

quantitativ keine besondere Rolle. Für

Tagespendler stellen aber die immer

noch recht hohen Nominallohnunterschiede

einen monetären Anreiz dar, in

Deutschland zu arbeiten. Die daraus

entstehende Problemlage muss aber

nach den Charakteristika der einzelnen

Regionen differenziert werden: Probleme

sind eher dort zu erwarten, wo eine

hohe Bevölkerungsdichte besteht, verbunden

mit relativ ungünstiger Arbeitsmarktlage,

wie im Grenzgebiet Böhmen-

Sachsen.

In anderen Regionen könnten zusätzliche

Arbeitnehmer benötigt werden,

um bis dahin möglicherweise sich entwickelnde

Engpässe auszugleichen, wie

in den mittleren und südlichen Regionen

des bayerisch-tschechischen Grenzgebiets.

Eine Studie zu den möglichen

Grenzpendlerpotenzialen kommt daher

auch zu relativ moderaten Größenordnungen

für diesen Grenzraum.


18 RKW MAGAZIN · SEPTEMBER 2003

SCHWERPUNKT

Von anderen lernen

as Auslandsengagement deutscher

Unternehmen ist vielfäl- (D) tig. Neben dem Export – der

häufigsten internationalen Geschäftsform

deutscher Unternehmen – gründen

sie Tochterunternehmen, übernehmen

bestehende Firmen im Ausland oder

bauen integrierte Distributions- und

Dienstleistungsorganisationen vor Ort

auf. Wie haben die Erfolgreichen begonnen?

Was war gut, was beurteilen sie

vielleicht auch als weniger erfolgversprechend?

Und was können andere daraus

lernen?

„One-Way-Know-how-Transfer“ sollen

die Besuche keineswegs sein, vom

Erfahrungsaustausch mit den Teilnehmern

profitieren auch die Gastgeber.

„Sehr oft erleben wir es bei dem organisierten

Erfahrungsaustausch, dass die

Beteiligten anschließend in Kontakt bleiben

und Möglichkeiten der Zusammenarbeit

ausloten“, berichtet Beate Schlink,

Referentin für das Besuchsprogramm.

Sie wirbt damit bei potenziellen Gastgebern.

Die einladenden Unternehmen

können ihr Expertenwissen im Auslandsgeschäft

imageträchtig vorstellen, Gleichgesinnte

kennen lernen und neue Impulse

von den Besuchern bekommen.

Die Methode ist bekannt und vielfältig

praktiziert. Ein Besuchsprogramm,

das sich explizit auf die Internationalisierung

der deutschen Mittelständler konzentriert,

gibt es bisher nicht. Das RKW

ist daher überzeugt, interessierten Unternehmen

einen nützlichen Service anzubieten.

Das Programm ist in die Außen-

>> Das RKW startet im Winter ein Benchmarking-

Programm „Internationalisierung –

der Weg zum Erfolg“. Mittelständler, die erfolgreich

internationalisiert haben, öffnen ihre Türen

für andere Unternehmen und präsentieren ihren

Weg auf europäische und weltweite Märkte.

wirtschaftsoffensive der Bundesregierung

„Weltweit aktiv“ eingebunden.

Im Fokus werden vorerst die Erfahrungen

in Ländern Ost- und Mitteleuropas

stehen. Diese Länder haben weltweit

das höchste Wachstumstempo. In

der vergangenen Dekade wuchsen dort

die ausländischen Direktinvestitionen um

jährlich 52 Prozent. 100 Millionen potenzielle

Konsumenten leben in den zehn

Beitrittsländern. Der Nachholbedarf ist

immens, die Volkswirtschaften werden in

den folgenden Jahren doppelt so schnell

wachsen wie die westlichen. Es wäre

sträflich, wenn deutsche Unternehmen

diese Märkte mit ihren enormen Absatz-

Aufbruch zu neuen Märkten: Das RKW-

Besuchsprogramm zeigt, wie es geht.

chancen vernachlässigen würden. Der

Branchenschwerpunkt liegt 2003/2004

auf der Umwelttechnik. In den folgenden

Jahren sollen andere Branchen im Zentrum

stehen. Mit dem neuen Besuchsprogramm

können kleine und mittelständische

Firmen erfahren, wie sie die

Markterschließung am besten angehen.

Unternehmen, die Gastgeber sein

möchten, aber auch die an der Teilnahme

interessierten Firmen erhalten weitere

Informationen von Beate Schlink oder

Gertraud Cellarius.


Expertenrat für

die Internationalisierung

>> Als fünfter Fachbeirat des RKW hat sich Anfang September der

Beirat Internationale Beziehungen konstituiert. Das Gremium berät

Geschäftsführung und Vorstand in fachlichen Fragen. Die entsprechende

Fachabteilung in der RKW-Bundesgeschäftsstelle diskutiert ihre

Arbeitsvorhaben mit dem Beirat und setzt seine Empfehlungen um.

(D)

ie europäische Integration

bleibt Schwerpunktthema für

das RKW. Daher hat der

RKW-Vorstand im vergangenen Jahr

beschlossen, auch für dieses Arbeitsgebiet

einen Beirat zu installieren, so wie es

ihn traditionell für die Arbeits- und Sozialwirtschaft,

die Betriebswirtschaft, Bauwirtschaft

und den Handel gibt. Der neue

Beirat wirkt daran mit, die Wettbewerbsfähigkeit

der Unternehmen durch neue

und bewährte Methoden der Internationalisierung

zu erhalten und zu fördern.

Konkret schlägt sich das in der Arbeit

der Fachabteilung Internationale Beziehungen

nieder. Sie stellt kleinen und

mittleren Unternehmen Informationen,

Kontakte, Tipps über das unternehmerische

Engagement in den neuen Mitgliedsstaaten

der EU zur Verfügung und

organisiert den Erfahrungsaustausch.

Die Mitglieder des Beirats

Internationale Beziehungen

■ Bettina Ardelt, Geschäftsführerin des RKW Hessen

Dies versetzt auch die kleineren Unternehmen

in Deutschland in die Lage, sich

auf Europa auszurichten. Die zukünftigen

Projekte konzentrieren sich auf die

■ Bernd Dittmann, Leiter der BDI-Vertretung bei der Europäischen Kommission

■ Dr. Dieter Eich, Geschäftsführer des DGB-Bildungswerks

■ Axel Henkel, Leiter der Abteilung Außenwirtschaft im Hessischen Ministerium

für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung

■ Dr. Gerd Herx, Direktor der Bundesagentur für Außenwirtschaft

■ Wolfram Klein, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der

Deutsch-Ungarischen Industrie- und Handelskammer

■ Helga Manneck, Leiterin des Referats VIII A 2 Europäische Mittelstandspolitik

im Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit

■ Jens Nagel, Referent Abteilung Export, Europapolitik, Regionalinitiativen,

Absatzförderung, Außenhandelsstatistik beim Bundesverband des Deutschen

Groß- und Außenhandels e. V.

■ Dr. Peter Rudhart, Vorsitzender des Vorstandes der Thyssen Schachtbau GmbH,

Präsident EMA/CECIOS

Der neue Beirat Internationale

Beziehungen wählte Dr. Peter Rudhart

(Mitte) zu seinem Vorsitzenden.

Unternehmensbereiche Marketing und

Finanzierung, auf den Wirtschaftssektor

Umwelttechnik sowie auf den Erfahrungsaustausch

in und zwischen Betrieben.

Dabei verfolgt das RKW die politischen

Entscheidungen in den Institutionen

der EU und die jeweiligen Antworten

und Entwicklungen in Europa. Es filtert

daraus für die Unternehmen nützliche Informationen

heraus und bereitet sie auf.

Der Fachbeirat diskutiert bei seiner jährlichen

Sitzung Projektvorschläge des

RKW und entwickelt selber Vorschläge

für Zukunftsthemen. Die Mitglieder können

sich an der Umsetzung der Vorhaben

beteiligen, sie begleiten und helfen

beim Transfer der Ergebnisse in die

Unternehmen. Zugleich stärkt er das

internationale Netzwerk des RKW, indem

er das RKW bei der Zusammenarbeit mit

den vertretenen Organisationen oder deren

Partnern unterstützt und allen Beteiligten

eine Plattform für den Erfahrungsaustausch

untereinander bietet.


Grafik: RKW

20 RKW MAGAZIN · SEPTEMBER 2003

SCHWERPUNKT

Großbritannien will

bester Standort werden

>> „Bis zum Jahr 2005 soll Großbritannien zum besten Standort in der Welt für

Gründer und Besitzer von Unternehmen werden.“ Mit diesem Ziel hat die Regierung

von Tony Blair in Großbritannien die Agentur „Small Business Service“ eingerichtet,

die eine unternehmerisch geprägte Gesellschaft aufbauen soll, in der alle

Kleinunternehmen gedeihen und ihr tatsächliches Potenzial ausschöpfen können.

ie Agentur „Small Business

Service“ (SBS) ist derzeit die (D) zentrale Koordinationsstelle für

die britische Unterstützung kleiner und

mittlerer Unternehmen bei der Gründung

und in allen Phasen ihrer Entwicklung. Sie

entstand aus der Evaluation der Unterstützungsstruktur

im Jahr 2000. Während der

Krise der britischen Volkswirtschaft vor

1980 wurden von der damaligen Regierung

unter Premierministerin Margaret

Thatcher erste Schritte eingeleitet, um junge

britische Unternehmen mit Weiterbildung

und Beratung zu unterstützen. Der

Ansatz unterscheidet sich grundsätzlich

vom deutschen: An die Unternehmen fließen

keine direkten Subventionen, sondern

>> National Regional and Local Business

Support Infrastruktur

Government

Departments

and National

Bodies

Regional

Organisations

Dept for Educations &

Science (DES)

Learning & Skills

Council (LSC)

Local Learning

and Skills Council

branches

Co-terminus

Territories

es wurde eine Struktur aufgebaut, die speziell

durch Training und Beratung die Wettbewerbsfähigkeit

der Unternehmen vergrößern

und die Zahl neuer erfolgreicher

Unternehmen erhöhen sollte. Dafür wurden

lokale „Small Business Institutes“ gegründet,

die als Teile von „University Business

Schools“ meist dem Hochschulsektor

angegliedert sind. Seitdem wurde die

Struktur mehrfach an die aktuellen Erfordernisse

angepasst. Zugute kam der Regierung

dabei, dass es in Großbritannien

keine etablierte und mächtige Organisation

wie hierzulande die Kammern gibt.

Die Small Business Service-Agentur ist

direkt dem Minister für Handel und Industrie

unterstellt, bei Bedarf mit direktem Zu-

Dept for Trade

und Industry (DTI)

Small Business

Service (SBS)

SBS Regional

Management

Teams

Business Links

LSC subcontracts to Business Links

Dept for Local

Government

and the Regions

(DLTR)

Regional

Development

Agencies (RDAs)

RDAs sub-contracts to

other organisations including

Business Links

Local Economic

Partners

gangsrecht zum britischen Premierminister.

Sie hat etwa 500 Angestellte und einen

Jahresetat von rund 410 Millionen Pfund

Sterling. Sie arbeitet auf lokaler Ebene eng

mit den „Local Learning and Skills Branches“

des Ministeriums für Erziehung und

Wissenschaft sowie mit „Local Economic

Partners“ des Ministeriums für Regionalentwicklung

zusammen.

Die SBS-Zentrale ist das Sprachrohr

der kleinen und mittleren Betriebe im

Zentrum des Regierungsapparates, soll

die Deregulierung und den Bürokratieabbau

vorantreiben sowie den Service der regionalen

und lokalen Einheiten koordinieren,

hohe Qualitätsstandards durchsetzen

und für kontinuierliche Verbesserungsprozesse

in der Arbeit der lokalen Agenturen

sorgen.

Das Aufgabenspektrum der SBS ist

mit dem des RKW vergleichbar: Erforschung

des sich ständig wandelnden

Bedarfs an Serviceleistungen, Entwicklung

von Schlüsselindikatoren für die sachgerechte

Erfüllung der Service-Nachfrage,

internationales Benchmarking der Unterstützungsstrukturen,

Hilfestellung beim Zugang

zu angemessenen Finanzierungsformen

für kleine und mittlere Unternehmen,

Unterstützung bei der Nutzung von E-

Commerce. Darüber hinaus soll die SBS

eine Hochschule für die Ausbildung von

Business Support-Spezialisten aufbauen

und die Gesetzgebungs-, Verordnungsund

Regulierungsprozesse auch auf EU-

Ebene im Sinne der kleinen und mittleren

Unternehmen beeinflussen. Das SBS

„Steering Board“ berät den Minister für

Handel und Industrie im Hinblick auf die

effektive Erfüllung der Arbeit des SBS und

überwacht das operative Geschäft der

Agentur. Daneben besteht das „Small Business

Council“, dessen 23 Mitglieder


überwiegend selbstständige Unternehmer

sind, und das für die strategische Ausrichtung

der SBS zuständig ist.

Die SBS-Zentrale steuert einige Projekte

wie einen Fonds für nicht rückzahlbare

Kredite für Forschung und Entwicklung, ein

Kreditprogramm nur für erfolgversprechende

Unternehmensvorschläge, die trotz eingehender

Prüfung keine Bankkredite erhalten,

sowie einen Venture Capital Fonds.

Sie hat ein nationales Praktikantenprogramm

für Oberstufenschüler, die so betriebliche

Praxis kennen lernen können.

Daneben bestehen ein Benchmark-Index

und ein dem deutschen TOP-Programm

vergleichbarer Service. Die SBS führt ein

nationales Consultants Register, in dem

alle britischen Berater für Mittelständler gelistet

sind.

Weitaus bedeutender sind die Dienstleistungen

auf regionaler und lokaler Ebene.

43 regionale Büros betreuen durchschnittlich

potenziell 40.000 Unternehmen.

Die Büros („Business Link Operators“) sind

unabhängige private Non-Profit-Firmen mit

eigenen Aufsichtsgremien aus regionalen

Organisationen, Hochschulen und – dies

ist ein absolutes MUSS – mehrheitlich aus

Vertretern der regionalen Unternehmen.

Diese Manager sollen die jeweilige Struktur

der Wirtschaft in ihrer Region widerspie-

In Großbritannien ist mit dem „Small Business Service“ ein System

zur Unterstützung für Existenzgründer entwickelt worden.

geln. Die SBS-Zentrale hat die regionalen

Büros auf der Basis strikter Ausschreibungsverfahren

eingerichtet und Dreijahresverträge

mit ihnen abgeschlossen. Die

Arbeit der Business Link Operator kontrolliert

die Agentur anhand regelmäßiger

Berichte über die Entwicklung der quantitativen

und qualitativen Markterschließung,

der Anzahl der Start-ups in der Region, die

Serviceleistungen erhielten, den Umfang

der Beratungs- und Weiterbildungsmaßnahmen

bei bestehenden Unternehmen

und die Kundenzufriedenheit. Großer Wert

wird darauf gelegt, die zunächst beratungsresistenten

Firmen zu erreichen.

Die Überlebensrate von Unternehmen

in den ersten fünf Jahren, denen seit ihrer

Gründung geholfen wurde, ist eine weitere

wichtige Kennziffer für den Erfolg. Sie liegt

bei bis zu 78 Prozent und damit deutlich

höher als in Deutschland (50 Prozent). Der

intensive Wettbewerb der Büros untereinander

trägt dazu entscheidend bei,

schließlich wollen sie nach drei Jahren ihre

Lizenz verlängert bekommen. Die Agentur

betreibt effektive Qualitätskontrolle, hat seit

2000 alle Büros auf die Standards von

EFQM als Werkzeuge kontinuierlicher Qualitätsverbesserung

verpflichtet. Zusätzlich

erfolgen jährliche Besuche von Audit-

Teams aus der Zentrale bei den lokalen

Einheiten zur Leistungsverbesserung und

zur Stärkung des gesamten Netzwerks.

Die Bezahlung der Einzelleistungen der

Business Link Operators durch die Kunden

erfolgt nach einem abgestuften System.

Man folgt der Regel, dass volle Kostenerstattung

dann erforderlich sei, wenn dies

tatsächlich möglich ist, beispielsweise bei

florierenden Unternehmen, die im Bereich

E-Commerce beraten werden wollen.

Andererseits wird der Service kostenlos

gewährt, wenn geringe finanzielle Mittel

vorhanden sind. Mit privaten Anbietern

vergleichbarer Dienstleistungen dürfen die

lokalen, staatlich finanzierten Büros nicht

konkurrieren, um den Wettbewerb nicht zu

verzerren.

Das britische System der Unterstützung

für Existenzgründer und mittelständische

Unternehmen ist erfolgreich, doch

leider lässt sich das System nicht einfach

von Land zu Land übertragen, das verbieten

schon unterschiedliche Strukturen wie

der gewachsene Föderalismus. Ein Blick

über die Grenzen kann trotzdem anregend

sein, speziell dann, wenn der Problemdruck

neue Ansätze und Lösungen erfordert.


Foto: Schenck Rotec GmbH

22 RKW MAGAZIN · SEPTEMBER 2003

SCHWERPUNKT

Gegenmittel zur Konjunkturflaute

>> RKW-Projekt unterstützt produktionsnahe Dienstleister

bei der Akquisition von internationalen Projekten.

(D)

ie Konjunkturflaute trifft auch

die Dienstleistungsbranche.

Wären die Wertschöpfungsprozesse

internationaler, könnte dies die

Situation der Unternehmen stabilisieren.

Produktionsnahe Dienstleistungen sind

charakteristisch für die Volkswirtschaften

in industrialisierten Ländern. Deutsche

Anbieter sind aber trotz ihres innovativen

Charakters international schwach vertreten:

Beim Handel mit diesen anspruchsvollen

Diensten schneidet Deutschland

im Vergleich zu anderen führenden

Deutsche Dienstleister sind international unterrepräsentiert.

Das RKW-Projekt soll das ändern helfen.

Industrienationen schlecht ab. Angesichts

der schwierigen konjunkturellen

Lage im Dienstleistungssektor könnte

die Internationalisierung von produktionsnahen

Dienstleistungen hilfreich

sein, um die Unternehmen zu erhalten

und zu stabilisieren. Bei der Akquisition

von internationalen Projekten konnten

einige Unternehmen umfassende Unterstützung

vom RKW in Anspruch nehmen.

Die Firmen kamen aus den Bereichen

Logistik und Automation.

In zwei Stufen haben die Unternehmen

bestimmt, welche Unterstützung sie

haben möchten. Zunächst wurden 500

Firmen mit durchschnittlich 30 Mitarbeitern

nach ihren Strategien im Internationalisierungsprozess

sowie ihrem Bedarf

an akquisitionsunterstützenden Leistungen

befragt. Anschließend diskutierten 16

Unternehmen in einem Workshop die

Ergebnisse der Befragung, konkretisierten

sie und definierten mit dem RKW entsprechende

Unterstützungsmaßnahmen.

Alle befragten Unternehmen befürworten

Fördermaßnahmen, allerdings

mit unterschiedlichen Schwerpunkten.

Sprachschulung für die Mitarbeiter wünschen

sich 86 Prozent der Automation-

Anbieter, aber nur 43 Prozent der Logistikunternehmen.

27 beziehungsweise 29

Prozent der Unternehmen erkennen die

wichtige Rolle von Kultur und Mentalität

für das Auslandsengagement an.

Brancheninformationen, Marktinformationen,

Ausschreibungen, Kooperationen

und allgemeine Informationen über wirtschaftliche

und politische Entwicklungen

des jeweiligen Landes stehen für die

Unternehmen eindeutig an erster Stelle,

um sich an die Markterschließung heranzutrauen.

Sie bekamen umfangreiche

Info-Pakete, die das RKW aus eigenen

Informationsquellen sowie aus nationalen

und internationalen Datenbanken

recherchiert und aufbereitet hat. Diese

Informationen wurden individuell für

jedes Unternehmen zusammengestellt

und waren daher wesentlich nützlicher

als die allgemein zugänglichen Branchen-,

Markt- oder Länderinformationen.

Das belegte die Nachfrage bei den Unternehmen:

Zehn der 16 haben mit Hilfe der

Informationen begonnen, ausländische

Märkte für sich zu erschließen. Die sechs

Unternehmen, die die Informationen

nicht direkt dafür nutzen, stecken entweder

inzwischen in zu großen Schwierigkeiten

oder haben eine so große Nachfrage

im Inland, dass sie Auslandsaktivitäten

jetzt überfordern würden.


Foto: Mauritius

Mama ist Chefin

>> RKW präsentiert Beispiele auf der

START-Messe für Existenzgründer.

(B)

eruflicher Erfolg verlangt von

Frauen immer noch, den Spagat

zwischen Arbeit und Kindergarten

zu bewältigen. Prekäre

Arbeitsverhältnisse, Teilzeit – das sind

häufig die Lösungen mit dem entscheidenden

Nachteil, dass der Verdienst beispielsweise

Alleinerziehenden zum Leben

nicht reicht. Eine Alternative könnte

die Unternehmensgründung sein.

Als ihre eigene Chefin bestimmt Frau

selber, wann sie arbeitet und wann sie

für die Kinder da ist. Das Bundesministerium

für Wirtschaft und Arbeit möchte

mehr Frauen zum Schritt in die Selbstständigkeit

ermuntern. Auf der START-

Messe für Existenzgründer in Essen ver-

Workshop

am 26. September 2003

10.30 bis 13.00 Uhr

START-Messe Essen,

Congresscenter Ost, Konferenzraum C

Um Kind und Berufstätigkeit zu vereinen,

ist die Selbstständigkeit eine gute Alternative.

anstalten RKW und BMWA gemeinsam

einen Workshop „Unternehmerinnen

zwischen Beruf und Familie“.

Drei Beispiele präsentiert

das RKW, um die

verschiedenen Modelle

der Vereinbarkeit von Beruf

und Familie zu zeigen.

Kinder im Unternehmen – für männliche

Chefs oft einfach unmöglich. Für Frauen

– und übrigens auch für Männer – eine

gute Möglichkeit, bei Bedarf jederzeit für

die Kleinen im wörtlichen Sinne „greifbar“

zu sein. Betreuungsangebote im

Unternehmen lassen sich auch für wenige

Kinder einrichten. Warum soll eine Tagesmutter

nicht im Betrieb die Kinder

der Beschäftigten betreuen? Denkbar ist

doch auch, dass mehrere kleine Unternehmen

in einem Gewerbegebiet gemeinsam

ein solches Angebot ermöglichen.

Familienfreundlichkeit ist auch ein

starkes Argument bei der Werbung qualifizierter

Mitarbeiterinnen.

NETZWERK

Ich-AG-Unternehmerinnen sind bei der

Betreuung ihrer Kinder immer auf

öffentliche Einrichtungen angewiesen.

Sie können für sich die Vereinbarkeit von

Unternehmen und Familie nur herstellen,

indem sie ihre Arbeitszeiten an die Öffnungszeiten

der Betreuungseinrichtungen

anpassen. Für die doch relativ

hohen Kosten bei den geringen Einnahmen

aus der Ich-AG bieten die Förderinstrumente

der Bundesanstalt für Arbeit

Hilfen an.

Unternehmerinnen gründen oft bescheiden,

meistens im Handel oder mit personenbezogenen

Dienstleistungen. Daran

ist auch die Doppelbelastung mit Beruf

und Familie schuld. Um so erfreulicher,

wenn der Partner beruflich zurücksteckt,

um der Frau die Karriere zu erleichtern.

Auch dafür gibt es gute Beispiele, denn

Zurückstecken heißt keinesfalls „Hausmann“.

Die Arbeitswelt ist so flexibel und

vielfältig geworden, dass sich eigentlich

viel mehr Paare eine Berufslösung

„stricken“ können, bei der beide Partner

beruflich vorankommen und die Kinder

trotzdem zu ihrem Recht kommen.

Zum Workshop am 26. September

sind alle Messebesucher eingeladen.

Auch wenn die Vereinbarkeit von Familie

und Beruf manchem Existenzgründer als

ein Thema „Nice to have“ erscheint, sollte

niemand vergessen,

dass sich familienfreundlichePersonalpolitik

auch wirtschaftlich

rentiert.

Image und Personalbeschaffungprofitieren,

damit Wettbewerbsfähigkeit und

Erfolg. Von Anfang an eingeplant und

konsequent umgesetzt, können auch

neue Unternehmen ihre Familienfreundlichkeit

unter Beweis stellen.


24 RKW MAGAZIN · SEPTEMBER 2003

NETZWERK

>> Der Kurs zwischen gewinnbringendem und nachhaltigem Wirtschaften

ist für viele Unternehmen wie eine Passage durch den Isthmus von Korinth.

Mit der Sustainable Balanced Scorecard (SBS), einer Entwicklung des RKW

Hessen, navigieren kleine und mittlere Unternehmen jetzt sicher zu ihren

Unternehmenszielen. Und damit zu mehr Erfolg.

(W)

Sicher durch enge Passagen: Die

Balanced Scorecard ist ein optimales

Hilfsmittel zur Unternehmenssteuerung.

(Bild: Isthmus von Korinth).

Ideales Steuerungsinstrument

für den Erfolg

ir waren auf der Suche Pilotunternehmen exemplarisch durch-

nach dem optimalen Komgeführt, durch ein Team aus Unternehpromiss“,

blickt Thomas mens- und Managementberatern beglei-

Payer zurück, der sich bei der Wagner & tet, durch drei Hochschullehrer für Wirt-

Co. Solartechnik GmbH um Controlling schaft wissenschaftlich unterstützt – und

und Finanzen kümmert. Das Unterneh- jetzt abgeschlossen.

men aus Cölbe bei Marburg ist im Erste Erfahrungen aus den Pilot-

Bereich der ökologischen Haustechnik betrieben liegen vor, Zeit für ein Fazit:

aktiv und hat sich schon deswegen das „Die teilnehmenden Unternehmen haben

Thema „Nachhaltigkeit” auf die Fahnen uns gesagt, dass sie die Herangehens-

geschrieben. Auf der Suche

weise mit SBS enorm

nach dem richtigen Naviga- MIT HILFE DER weitergebracht hat. In

tionsgerät für den optimalen

diesem Maße hatten wir

Kurs stießen die Cölber auf SBS LÄSST SICH das gar nicht erwartet“,

die „Sustainable Balanced

ist RKW-Projektleiter Ale-

Scorecard“ – kurz SBS –, DIE ZIELRICHTUNG xander von Boguslawski

eine um den Aspekt „Nach-

zufrieden. Die Nachfrage

haltigkeit“ erweiterte Fas- DES UNTERNEHMENS nach SBS ist groß: Für

sung der bewährten „Balan-

weitere interessierte Unterced

Scorecard“.

KONSEQUENTER nehmen wird jetzt ein

Um es gleich vorweg zu

Leitfaden geschrieben

nehmen: Es handelt sich da- UMSETZEN,

und in der zweiten Jahbei

nicht um „noch so ein

reshälfte eine Workshopsinnloses

Managementinstrument“, wie Reihe zum Themenbereich Balanced

viele Mittelständler abwinken mögen: Scorecard/Sustainable Balanced Score-

„Die Arbeit mit der SBS bringt keinen card angeboten. Außerdem nimmt das

zusätzlichen Aufwand“, hat Thomas RKW Hessen die Unterstützung bei

Payer festgestellt. „Es geht hier um viele SBS-Einführungen in das Portfolio seiner

Dinge, die man sowieso erledigen muss, Dienstleistungen auf. Kostenpunkt?

die man bisher aber nicht so zielgerichtet „Das kommt ganz auf den Coachingerledigt

hat.“ Mit Hilfe der SBS lässt Bedarf an“, erklärt von Boguslawski. Der

sich, so Payer, die Zielrichtung des falle bei den Unternehmen sehr unter-

Unternehmens konsequenter umsetzen, schiedlich aus.

was letztendlich zu mehr Erfolg führe. Für das Pilotprojekt wählte das RKW

Einer der Urheber dieses neuen Hessen Mittelständler aus, die Steue-

Steuerungsinstrumentes ist das RKW rungsinstrumente wie ISO 9000 bereits

Hessen. Mit einer Förderung des eingeführt hatten, die sich regelmäßig für

Bundesministeriums für Bildung und Umwelt und Soziales engagieren und bei

Forschung wurde das Projekt im März denen sich die Geschäftsführung per-

2001 aus der Taufe gehoben, bei fünf sönlich für das SBS interessiert und

engagiert zeigte. Dann konnte der SBS-

Prozess starten – und diese Vorgehensweise

soll in Zukunft auch beibehalten

werden: Im ersten Schritt führt das RKW

Hessen Gespräche vor Ort und stellt ein

passendes Beraterteam zusammen. „Die

Chemie zwischen Entscheider und Berater

muss einfach stimmen“, weiß von

Boguslawski. In Schritt 2 geht es darum,

die Unternehmensstrategie klar zu definieren

und zu dokumentieren, und zwar

sowohl unter wirtschaftlichen als auch

unter ökologischen und sozialen Aspekten.

Dabei werden vier verschiedene

Perspektiven in den Blick genommen:

■ In der Finanzperspektive werden finanzielle

Ziele festgelegt, wie das Unternehmensergebnis

oder die Kostenstruktur.

■ In der Kundenperspektive geht es

darum, die Kunden und Marktsegmente

unter die Lupe zu nehmen.

Welcher Kunde bringt welchen Umsatz?

Welche Marktsegmente sollen

neu „erobert“ werden?

■ Die Prozessperspektive richtete sich

auf Optimierungspotenzial in Produktion,

Verwaltung, Forschung und Entwicklung,

Logistik und Kundendienst.

■ Die Mitarbeiterperspektive zielt auf

das Lern- und Entwicklungspotenzial

und die Arbeitszufriedenheit der

Belegschaft.

Wenn diese Ziele fixiert sind, müssen sie

– das ist Schritt 3 – in Messgrößen und

Zielwerte umgewandelt werden. Denn

nur was sich messen lässt, kann auch

Erfolge zeigen. Außerdem wird festgelegt,

was konkret getan werden muss

und wer dafür zuständig ist. „Es dauert


und sechs Monate, bis alle Instrumente

festgelegt sind“, so von Boguslawski.

Die Umsetzung der Maßnahmen nehme

noch einmal eineinhalb bis zwei Jahre in

Anspruch. „Es war für uns zunächst

schwierig, die geeigneten Messgrößen

zu finden und festzulegen“, bestätigt

Thomas Payer von Wagner & Co. Solartechnik.

Aber der Aufwand lohnt sich.

Aus drei Gründen:

1. Alternative Märkte erkennen

und erschließen

„Wenn es knallhart kommt, ist es für viele

Unternehmen schon zu spät“, weiß

Projektleiter von Boguslawski. Wenn

kleinere Unternehmen ihren Hauptauftraggeber

verlieren, geht bei vielen sofort

das Licht aus. Viele meinen, sie könnten

sich allein auf ihre unternehmerische

Intuition, auf „ihren Bauch“ verlassen.

„Aber die meisten kommen irgendwann

an den Punkt, wo sie nicht mehr weiter

wissen“, ist von Boguslawski überzeugt.

Hier kann SBS helfen: Im Zuge der systematischen

Marktanalyse stellt sich

bei vielen kleinen und mittleren Unternehmen

heraus, dass sie auch Kunden

aus ganz anderen Branchen gewinnen

könnten. Warum sollte ein Zulieferer der

Automobilindustrie nicht auch Hersteller

geriatrischer Instrumente beliefern können?

„Man muss den Horizont öffnen für

andere Märkte“, empfiehlt von Bogus-

lawski. Gute Ideen dafür fänden sich

beispielsweise, indem man „mit offenen

Augen über andere Messen geht“.

2. Bessere Karten für Basel II

In Zeiten von „Basel II“ werden transparente

Unternehmensstrategien immer

wichtiger. Mit SBS lassen sich diese

Strategien entwickeln und systematisch

verfolgen. Wer seine Strategien und Ziele

vor seinen Banken offen legen kann,

hat bessere Chancen auf einen Kredit.

3. Wirksames Führen mit Zielen

„Seit einigen Jahren versuchen wir, mit

Zielen zu führen, aber unsere Ansätze

sind immer wieder im Sande verlaufen“,

sagt Thomas Payer. „Mithilfe der SBS

gelingt uns gerade das jetzt recht gut.“

Das Managementinstrument SBS ermögliche

als unerwarteter Nebeneffekt

– endlich ein wirksames Führen mit Zielen.

Weil die Mitarbeiter an der Festlegung

der Strategie und der Ziele beteiligt

waren, ergebe sich eine viel höhere Akzeptanz.

Außerdem sei die Marschrichtung

des Unternehmens jetzt so klar formuliert

und auf die Ziele der einzelnen

Abteilungen heruntergebrochen worden,

dass die Mitarbeiter eine viel konkretere

Vorstellung von ihrer Aufgabe und vom

Gesamtunternehmen hätten. „Die Frage:

‚Warum mache ich das hier eigentlich!?’

stellt sich jetzt für niemanden mehr“, hat

Payer festgestellt. Neben den fünf Pilotunternehmen,

zu denen auch die Wagner

& Co. Solartechnik GmbH zählt, hat

das RKW Hessen eine Seminarreihe mit

elf „Transferunternehmen“ veranstaltet.

Ulrich Jonas, Geschäftsführer der Resotec

Realtime Software Technik GmbH

mit Sitz in Baunatal-Rengershausen, hat

daran teilgenommen. SBS ist bei Resotec

noch nicht vollständig umgesetzt, der

Prozess ist Jonas zufolge aber schon

„recht weit gediehen“. Erste Erfolge sind

sichtbar: „Wir haben unsere Geschäftspläne

neu ausgerichtet und können jetzt

viel stringenter vorgehen“, fasst Jonas

zusammen. Wichtig findet er die Koordination

des SBS-Prozesses mit der Qualitätssicherung:

„SBS und Qualitätsmanagement

müssen zusammenspielen“,

so Jonas. Das eine könne das andere

nicht ersetzen. Aber so sinnvoll SBS

auch als Navigationshilfe der Unternehmensführung

sei: „Die Definition der Ziele

ist ganz allein Sache des Geschäftsführers.

Hier muss er ganz frei entscheiden

können“, unterstreicht Jonas. „Ein

paar Daten in die EDV laden, und dann

rechnet der Computer das Ziel aus – das

wäre nicht der richtige Weg.“


Grafik: Profilwerkstatt/RKW

26 RKW MAGAZIN · SEPTEMBER 2003

NETZWERK

Bücher für die Praxis

>> Rund 150 Titel, von „Arbeitszeitkonten“ bis „Zuwanderung“, führt

der RKW Verlag in seinem Katalog auf. Auch in diesem Jahr präsentiert

er sich auf der Frankfurter Buchmesse: Ein kleiner Verlag mit einer langen

Tradition und einigen Publikationen, die Schrittmacher für die Wettbewerbsfähigkeit

kleiner und mittlerer Unternehmen waren.

(V)

eröffentlichungen waren und

sind für das RKW ein wichtiger

Weg, um Rationalisierungswissen

zu verbreiten. Die ersten

RKW-Schriften erschienen in den 20er

Jahren und befassten sich unter anderem

mit den „Einheits-A-B-C-Regeln“,

nach denen bis heute Namen im Telefonbuch

einsortiert werden. Die nachhaltigste

Wirkung dürfte jedoch „Der Kontenrahmen“

von Eugen Schmalenbach gehabt

haben, das Buch – Nr. 43 der

RKW-Veröffentlichungen – erschien erstmals

1926. Auf den von Schmalenbach

entwickelten Prinzipien beruht bis heute

jeder Kontenrahmen. Anfangs hatten die

Unternehmen große Vorbehalte dagegen,

denn sie befürchteten zu viel Transparenz

für die Steuerprüfung ...

In den Jahren der Weimarer Republik

bediente sich das RKW gelegentlich anderer

Verlage, vermutlich, um deren Vertriebswege

zu nutzen und so für eine

größere Verbreitung der Bücher zu

sorgen. Auch heute kooperiert der

RKW-Verlag hin und wieder mit anderen

Verlagen.

Rund 30 Titel erschienen pro Jahr,

bis auf den heutigen Tag. Gut 2.000 Publikationen

sind so in der über 80-jährigen

Geschichte des RKW entstanden.

Sie richten sich an den Praktiker im Betrieb,

egal ob es sich um „Zweckmäßige

Schmierverfahren“ (1927)

oder „Visualisierung in der

Produktion“ (2003) handelt.

Im Fokus stehen nachvollziehbare

Beschreibungen,

Leitfäden für die Umsetzung,Handlungsanweisungen,

Checklisten. „Mit den Theorien der

Wissenschaftler können die kleinen und

mittleren Unternehmen nichts anfangen.

Sie haben nie die Zeit, daraus das Wichtige

für ihre Bedürfnisse herauszufiltern“,

sagt Natascha Bremer, Verlagsleiterin

beim RKW. „Das RKW-Fachbuch setzt

da an, wo die Theorie aufhört: Mit praxisbezogenen

Schritten, umsetzungsorientiert“,

so bringt sie das Verlagsprogramm

auf den Punkt.

Eine weitere Säule des Verlages ist

die Präsentation von „Good Practice“.

Wegweisend waren darin in den 50er

>> Entwicklung der Fachbuch-Veröffentlichungen

RKW Verlag ■ Mensch und Arbeit

70

60

64

■ Qualifizierung

■ Betriebsführung

■ Betriebswirtschaft

■ Beschaffung/Marketing

■ Technik

50

48

■ Bauwirtschaft

■ sonstiges

40

30

20

10

0

33

17

14

7

14

20

8

10

39

24

21

1965 1980 2003

30

10

34

20

7

35

10

DAS RKW-FACHBUCH

Jahren die 90 Bände der so genannten

„Blauen Reihe“. Das RKW organisierte

im Rahmen des Marshall-Planes Studienreisen

deutscher Fach- und Führungskräfte

in die USA. Über ihre Erfahrungen

mussten die Teilnehmer Berichte verfassen,

die in Buchform erschienen,

damit möglichst

viele Daheimgebliebene

von den Erfahrungen profitieren

konnten. Unternehmensführung

wurde ebenso

behandelt wie technische

Fragen. Kaum eine Branche blieb

unberücksichtigt, die Wirkung auf die

Modernisierung der deutschen Wirtschaft

und Gewerkschaften war immens.

Die erste sozialliberale Koalition stieß

in den 70er Jahren ein sehr umfassendes

Projekt „Humanisierung der Arbeit“ an.

Das neutrale RKW mit seiner sozialpartnerschaftlichen

Plattform war der richtige

Partner für umfassende Grundlagenund

Zuarbeit für dieses Vorhaben. Über

70 Bände umfasst die „Gelbe Reihe“, in

der die Ergebnisse publiziert wurden. Sie

führten in der Folgezeit zu zahlreichen

Projekten im Bereich der Arbeits- und

Sozialwirtschaft im RKW. Die Anzahl der

Schriften zum Themenfeld „Mensch und

Arbeit“ stieg 1980 auf 39 Veröffentlichungen

an. Heute, mit dem moderneren

Titel „Inqa“ – Initiative neue Qualität

der Arbeit sind die Themen von damals

so aktuell wie eh und je.

Sehr groß war die Nachfrage nach

RKW-Büchern vor allem dann, wenn

Neuerungen in den Betrieben eingeführt

wurden, die weit reichende Folgen für

Abläufe und Organisation hatten. In den

20er Jahren war der Transport innerhalb

der Fabrikation bis hin zum Fließband so

ein wichtiges Thema. Die Auswirkungen

reichten bis in die Lohnberechnung am

einzelnen Arbeitsplatz. In den 80er Jahren

begann der Siegeszug der Datenver-

SETZT DA AN, WO DIE

THEORIE AUFHÖRT.

16

12

8

21


arbeitung in der Produktion mit PPS. Für

viele alte Produktionsexperten war Produktionsplanung

und -steuerung ein

„rotes Tuch“, bis sie das sechsbändige

Werk „PPS-Fachmann“ des RKW-Verlages

kennen lernten. Auf 2.500 Seiten beschrieben

die Autoren umfassend, was

der Praktiker wissen musste. Zwei Auflagen

erlebte der „PPS-Fachmann“, den

das RKW zusammen mit dem TÜV

Rheinland herausgegeben hatte.

Ein Kernthema des RKW – die betriebswirtschaftlichen

Fragen in kleinen

und mittleren Unternehmen – hat sich

seit den 30er Jahren in den RKW-Veröffentlichungen

widergespiegelt. Begonnen

hat es mit dem RKW-Handbuch,

das 1931 erstmals erschien und auch

noch nach dem Krieg Neuauflagen erlebte.

Ein absoluter Renner war in den

80er und Anfang der 90er Jahre die

RKW-Führungsmappe“. In Form eines

Ordners hatte das Werk aus der Feder

des Beraters Hermann Remele von vornherein

den Charakter einer Arbeitsunterlage.

Von neun Auflagen der Führungsmappe

wurden 3.200 Stück verkauft.

Heutzutage erfüllt die CD-ROM eher die

Anforderungen an Arbeitsunterlagen. Im

RKW-Verlag ergänzt sie manches Buch,

beispielsweise das „Unternehmer-Jahrbuch“

oder die „Personal- und Organisations-Diagnose“.

Damit die Veröffentlichungen im beruflichen

Alltag tatsächlich Nutzen stiften

können, greift der RKW-Verlag auch auf

ungewöhnliche Buchformen zurück. So

wurde im Jahr 2000 die Sammlung von

150 guten Praxisbeispielen für die Zusammenarbeit

von Unternehmen und

Kommunen in Form von Karteikarten gedruckt.

In den 90er Jahren entstand in

Kooperation mit dem europäischen Sender

„arte“ eine Video-Kollektion unter

dem Titel „Innovation“.

Die Themenschwerpunkte in den

Unternehmen haben sich verändert, die

Entwicklung der Veröffentlichungen des

RKW spiegelt diesen Trend. Technische

Fragen hatten ihren Aufschwung in den

80er Jahren, heute sind sie weniger

wichtig. Damals endete fast jedes RKW-

Projekt in einer Veröffentlichung. Heute

spielen andere Transferwege, das Internet

und Veranstaltungen beispielsweise,

Verschiedene Generationen von RKW-Büchern:

„Vom Sinn der Rationalisierung“ bis zu den Bestsellern

von heute.

eine wichtige Rolle. Auch die Art der Projekte

der Bundesgeschäftsstelle hat sich

verändert, stärker als früher befassen sie

sich mit Rahmenbedingungen für Unternehmen

und weniger mit konkreten Aufgaben

im Unternehmen. Beispielsweise

erschien im Frühsommer im RKW-Verlag

die erste Branchenuntersuchung für das

Zahntechniker-Handwerk. Diese größte

Branche des Gesundheitshandwerks

steht zwischen Markt und Gesundheitspolitik

und muss sich auf die neue Situation

einstellen. Initiiert von der IG Metall

und der Hans-Böckler-Stiftung wendet

sich dieses Buch vor allem an die Branchenverbände,

die Arbeitnehmervertreter,

Gesundheitspolitiker und Sozialwissenschaftler.

Die Fachbücher zu betriebswirtschaftlichen

Fragen oder zur Unternehmensführung

haben heute einen geringeren

Anteil als in den 50er und 60er

Jahren. Gleichwohl reagiert das RKW auf

Trendthemen rasch und kompetent. So

war der RKW Verlag der erste, der zur

neuen Qualitätsnorm ISO 9000:2000

unmittelbar nach deren Inkrafttreten ein

Buch auf den Markt brachte.

Absoluter Bestseller seit Jahren ist

jedoch das „dicke Schnäppchen“, wie

das manager magazin in einer Rezension

schrieb: der „Projektmanagement-Fachmann“.

Anfang des Jahres kam die siebte

aktualisierte Auflage des zweibändigen

Buches heraus. „Bisher haben wir

5.600 Exemplare verkauft, eine beachtliche

Zahl für einen Verlag, der kaum Werbung

im Buchhandel macht“, freut sich

Natascha Bremer.

Am schnellsten kommen die Kunden

zu ihrem Buch, wenn sie es direkt beim

RKW bestellen, per Fax oder über das

Internet. „Natürlich sind alle Bücher auch

über jede Buchhandlung zu beziehen, 28

Prozent setzen wir so ab“, ergänzt die

Verlagsleiterin. In den vergangenen Jahren

haben sich die Umsätze nach oben

und die Kosten nach unten entwickelt.

Zwar spürt auch der RKW-Verlag die

Folgen der Wirtschaftsflaute, „aber mit

unseren sehr praxisorientierten, knappen

Büchern finden wir immer noch genug

Leser in den kleinen und mittleren Unternehmen“,

davon ist Natascha Bremer

überzeugt. Und schließlich gehört der

Verlag, der seit 1976 Mitglied im Börsenverein

des deutschen Buchhandels ist,

zu den Kernbestandteilen des RKW.


Foto: RKW

28 RKW MAGAZIN · SEPTEMBER 2003

NETZWERK

Projektmanagement

für Schulen

>> Pisa-Schock, Schulprofil, Bildungsreform – alle Schulen stehen unter

einem enormen Veränderungsdruck. Schnell müssen sie sich auf höhere

und einheitliche Bildungsstandards ausrichten. Gut, wenn die Schulen

dafür ein geeignetes Werkzeug haben. Einige hessische Schulleiter verfügen

inzwischen darüber: Sie haben an einem zweitägigen Seminar des

RKW „Projektmanagement für Schulleiter“ teilgenommen.

Neuer Kurs

Projektmanagement

Am 27. Oktober beginnt ein neuer Fernlehrgang

Projektmanagement. Teilnehmen können

Projektmitarbeiter aus allen Branchen,

sie sollten lediglich drei Jahre Berufserfahrung

haben. Am 2. April 2004 endet der Kurs

mit der Abschlussprüfung. Dann liegen vier

jeweils dreitägige Präsenzseminare und intensive

Heimarbeit hinter den erfolgreichen

Absolventen. Mit dem Zertifikat „Projektmanagement-Fachmann/-frau

(RKW/GPM)“

können sie ihr erworbenes profundes Projektmanagement-Wissen

dokumentieren.

Anmeldeschluss ist der 10. Oktober 2003.

Mehr Informationen auf der Homepage

www.rkw.de/prveranstaltungen.

Die neue Broschüre

enthält alles Wissenswerte

zum Projektmanagement-Lehrgang.

Anfordern unter

Telefon

(06106) 495-245.

(P)

rojektmanagement ist eine der

Stärken des RKW. Seit über

zehn Jahren führt es erfolgreich

einen Fernlehrgang Projektmanagement

durch. Mehrere tausend Absolventen

des Lehrgangs sprechen für

seine fachliche und methodische Qualität.

Der Wissensspeicher zum Projektmanagement

hat das RKW auf mehr als

1.200 Seiten veröffentlicht, die beiden

Bände sind das deutsche Standardwerk

zum Projektmanagement. Die Übertragung

auf die Schulen ist erneut ein empirischer

Beleg dafür, dass Projektmanagement

universell einsetzbar ist, wenn

komplexe oder umfangreiche Veränderungen

oder solche unter Zeitdruck gemanagt

werden müssen. Der „Werkzeugkasten“

erlaubt es, für jeden Anwendungsfall

das geeignete auszuwählen

und jedes Projekt so zum erfolgreichen

Abschluss zu führen.

Defizite in dieser Richtung haben

Unternehmen offensichtlich immer noch.

81 Prozent bezeichneten in einer Studie

der Unternehmensberatung Droege &

Comp. ihre Projekte als nicht erfolgreich.

Verzögerungen von bis zu 50 Prozent

nannten sie als einen Grund. Diese Terminüberschreitungen

können sich die

Schulen kaum leisten. Das RKW hat daher

die Probe gemacht und an der Modellschule

Obersberg in Bad Hersfeld die Einführung

mit einem Teamcoaching begleitet

und 60 Lehrer zu Moderatoren ausgebildet.

Rund 1.500 Schüler besuchen die

Modellschule, die allgemeine und berufliche

Bildung verzahnen will. Gymnasiale

Oberstufe und kaufmännische Berufsschule

bieten verschiedene Qualifikationen

von den kaufmännischen Ausbil-

dungsabschlüssen und dem „klassischen“

Abitur über eines, das den theoretischen

Teil der Kaufmannsgehilfenprüfung

umfasst, bis hin zu einem Assistenten

für Wirtschaftsinformatik nach einem

14. Schuljahr. Das vielfältige und anspruchsvolle

Profil der Schule weiterzuentwickeln

verlangt effiziente Teamarbeit

des Kollegiums. „Reformdruck zur

Schulentwicklung“ nennt Schulleiter Karl

Weber als Motiv, sich an dem Modell zu

beteiligen. Außerdem ist er sehr froh,

dass mithilfe der Moderatoren ein Konflikt

zwischen dem Kollegium und der

Schulleitung einvernehmlich gelöst werden

konnte. Im Übrigen habe das Teamcoaching

und die Moderatorenschulung

auch Auswirkungen auf den Unterricht,

ein durchaus positiver „Nebeneffekt“.

Angestoßen wurde die Prozessbegleitung

an Schulen vom Hessischen Landesinstitut

für Pädagogik zusammen mit

der Landesarbeitsgemeinschaft Schule-

Wirtschaft der hessischen Arbeitgeberverbände.

Mit dem RKW wurde außerdem

noch ein Online-Fortbildungsmodul „Betriebsgründungen“

entwickelt.

Wegen der großen Nachfrage finden

derzeit Gespräche zwischen RKW und

Hessischem Kultusministerium über ein

Folgeprojekt statt. Themen wie Personalentwicklung

und Zielvereinbarungen

werden auch für Schulen zukünftig eine

Rolle spielen und brauchen externe

Unterstützung.


Spitze bei Innovationen

>> Innovationen zahlen sich aus. Die Unternehmen des Innovationswettbewerbs

Top 100 stellen das wieder einmal unter Beweis.

(P)

atente sammeln reicht nicht.

Erst wenn technologische

Kompetenz mit ökonomischer

Umsetzung gepaart ist, wird aus der

Erfindung eine Innovation. Die TOP-100-

Unternehmen schaffen diesen Balanceakt

vorbildlich. Mehr als die Hälfte ihres

Gewinns erwirtschaften sie mit Innovationen,

das ergab die Benchmark-Studie

zum Wettbewerb. Zum Beispiel SMP Sintermetalle

Prometheus: Das Unternehmen

erhielt den Spezialpreis für die systematische

und konsequente Umsetzung

des strategischen Anspruchs Innovation.

„Das ist für ein Unternehmen mit 56 Mitarbeitern

unendlich viel schwieriger als

für große Unternehmen, trotzdem ist das

SMP hervorragend gelungen“, begründete

Ingrid Voigt, stellvertretende RKW-Geschäftsführerin

und Mitglied der Jury, in

ihrer Laudatio den Spezialpreis für SMP.

In kurzer Zeit hat sich das Spin-off aus einer

Universität zu einem der weltweit

wichtigsten Anbieter von weichmagnetischen

Werkstoffen für industrielle Anwendungen

entwickelt. Heute läuft der Knowhow-Transfer

in die entgegengesetzte

Richtung: Die Hochschule profitiert vom

Prozesswissen des Unternehmens. Bei

Pulververbundwerkstoffen hat SMP inzwischen

sogar weltweite Standards gesetzt.

In Motoren, im ICE und in unterbrechungsfreien

Stromversorgungen finden

sich die Bauelemente. Von einer Wachstumserwartung

wie bei SMP von acht bis

zehn Prozent in diesem Jahr können andere

nur träumen.

Entscheidend für den Erfolg von SMP

ist unter anderem die hohe Motivation

der Mitarbeiter. Über Zielvereinbarungen

und ein Prämiensystem nutzt SMP das

kreative Potenzial der Mitarbeiter. Bei den

zehn Besten in der Benchmark-Studie

macht durchschnittlich jeder Mitarbeiter

pro Jahr einen Verbesserungsvorschlag.

Dazu kommen hohe Investitionen in Forschung

und Entwicklung. 15 Prozent des

Umsatzes steckt beispielweise Endress +

Hauser Conducta GmbH + Co. KG gezielt

in diesen Bereich, in dem 50 Ingenieure

permanent an neuen Produkten ar-

Foto: Compamedia

beiten. E+H Conducta wurde bei TOP

100 als Innovator des Jahres ausgezeichnet.

Aus den Anfängen im südbadischen

Lörrach in den 50er Jahren wurde ein

weltweit tätiges Familienunternehmen.

Hergestellt werden Messinstrumente für

die Flüssigkeitsanalyse in der Nahrungsmittel-,

Chemie- und Pharmaindustrie.

Ausschlaggebend für die Auszeichnung

war die durchgängige, auf allen Ebenen

gelebte Innovationskultur.

Insgesamt zeigt die Analyse des

Innovationspotenzials in den vier Kategorien

Innovationsklima, innovative Prozesse

und Organisation, innovationsförderndes

Top-Management und Innovationsmarketing,

dass keines der einbezogenen

Unternehmen sein Potenzial zu

Neue Runde TOP 100

Bewerben können sich Unternehmen mit

bis zu 5.000 Mitarbeitern. Entscheidend für

den Sprung in die TOP-100-Riege ist der

Grad, in welchem vorhandenes Innovationspotenzial

genutzt wird, die Innovationskultur

und natürlich auch der Markterfolg

neuer Produkte oder Dienstleistungen.

Das Einführen neuer Organisationsstrukturen

oder Geschäftsprozesse wird ebenfalls

in die Waagschale geworfen. Selbstredend

werden Unternehmensgröße, Branche oder

das Marktsegment bei der Auswertung berücksichtigt.

Bewerbungsunterlagen unter

www.top100.de

Den Sonderpreis nahm

Vasilios Gemenetzis,

Geschäftsführer von

SMP Sintermetalle

Prometheus, entgegen.

Es gratulierten Laudatorin

und Jury-Mitglied

Dr. Ingrid Voigt vom

RKW (links), Schirmherr

Prof. Dr. Lothar Späth

(2. von links) und der

wissenschaftliche

Leiter Prof. Dr. Nikolaus

Franke (rechts).

100 Prozent ausschöpft. Die Studie von

Professor Dr. Nikolaus Franke von der

Wiener Wirtschaftsuniversität attestiert

den untersuchten Mittelständlern große

Stärken in den Bereichen Top-Management

und Innovationsmarketing. Nachholbedarf

besteht hingegen beim Innovationsklima

sowie bei den innovativen

Prozessen und der Organisation.

Immerhin 60 Prozent haben im

Bereich innovative Prozesse und Organisationen

zumindest eine Innovationsstrategie.

Auch damit heben sich die Innovatoren

deutlich von der Masse ab: Denn

obwohl die deutschen Top-Manager die

Optimierung der internen Unternehmensstrukturen

laut Studie „Operational Excellence

2003“ als absolut notwendig erachten,

werden sie nach wie vor stiefmütterlich

behandelt. Dabei schlummert gerade

in diesem Bereich enormes Potenzial, für

90 Prozent der Befragten ist das Verbessern

der gesamten Prozesskette gar das

zentrale Instrument zur Krisenbewältigung.

Ziel sind schlankere Strukturen,

optimale Prozesse und klarere Verantwortlichkeiten.

Wie das in einem erfolgreichen Unternehmen

aussieht, können Interessierte nachlesen.

Das Buch TOP 100 zum Preis von

19,90 Euro im Buchhandel ist bei

allen bedeutenden Online-Shops oder

direkt beim Wirtschaftsverlag Carl

Ueberreuter erhältlich. Herausgeber ist

Lothar Späth, ehemaliger baden-württembergischer

Ministerpräsident und Ex-

Vorstandschef von der Jenoptik AG.


TERMINE/VORSCHAU

Veranstaltungen

25. SEPTEMBER

„Gesund und sicher starten –

Mit Netz und doppeltem Boden“

Doris Scholz

Tel. (06196) 495-260

25. UND

26. SEPTEMBER

Frankfurter Bautage

Günter Blochmann

Tel. (06196) 495-310

26. SEPTEMBER

START-Messe in Essen

Workshop Familie und Beruf

Margarete Schreurs

Tel. (06196) 495-268

Infos zu allen Veranstaltungen auf www.rkw.de/prveranstaltungen

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Titel

30 RKW MAGAZIN · SEPTEMBER 2003

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65760 Eschborn, Fax (06196) 495-300.

Bestellungen werden auch per E-Mail

entgegengenommen:

ipv@rkw.de

10. OKTOBER

Fachtagung

„Effizientes Marketing im Internet“

Wolfgang Schröter

Tel. (06196) 495-314

11. NOVEMBER

Fachtagung „Managing Cultural

Diversity – Vielfalt verstehen und

lenken“

Marlies Kuchenbecker

Tel. (06196) 495-253

13. NOVEMBER

Fachtagung

„Älter werden im Betrieb“

(siehe Seite 2)

Ingra Freigang-Bauer

Tel. (06196) 495-278

Vorschau

Das nächste RKW-Magazin mit dem Schwerpunktthema

18. NOVEMBER

Fachtagung

„Familienfreundliche Arbeitswelt“

Margarete Schreurs

Tel. (06196) 495-268

18. UND

19. NOVEMBER

Fachtagung

„Entwicklungschancen

grenznaher Regionen im

Rahmen der EU-Erweiterung“

Jörg Hentrich

Tel. (06196) 495-280

„Innovationen braucht das Land“ erscheint am

>> 20. DEZEMBER 2003


Auch Erfahrung zählt

>> Zukunft mit älteren Mitarbeiterinnen

und Mitarbeitern gestalten

Der Vorruhestand ist für viele Unternehmen

ein Instrument, sich von

älteren Beschäftigten auf sozial verträgliche

Weise zu trennen. Mit dem

vorzeitigen Ausstieg aus dem

Erwerbsleben gehen andererseits

Erfahrung und Know-how verloren.

Diese Veröffentlichung gibt

Geschäftsführern, Führungskräften,

Personalverantwortlichen und Betriebsräten

aus kleinen und mittelständischen

Unternehmen Anregungen

und praktische Hinweise, wie ein längerer

Verbleib älterer Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter im Betrieb organisiert

werden kann.

Klaus Dieckhoff / Margarete

Schreurs / Wolfgang Schröter

Auch Erfahrung zählt

Zukunft mit älteren Mitarbeiterinnen

und Mitarbeitern gestalten

2003. 59 Seiten, 14,80 Euro

RKW-Nr. 1463

ISBN 3-89644-210-4

RKW Internet-Guides

>> Außenwirtschaftsinformation

im Internet – die RKW Internet-

Guides Polen, Baltikum und Tschechische

Republik bieten einen strukturierten

Zugang zu den notwendigen

Informationen. Die gezielte Erschließung

der Inhalte wird durch die Beschreibungen

einzelner Internetadressen unterstützt.

RKW VERLAG

Ermittlung des Qualifizierungsbedarfs

in der Produktion

>> Schriftenreihe: Produktivität

steigern in mittelständischen

Unternehmen

■ Wie wird ein Qualifizierungskonzept

entwickelt?

■ Wie wird die Qualifizierung organisiert?

■ Welche Instrumente können eingesetzt

werden?

■ Welche Voraussetzungen sind nötig?

Arbeit innovativ gestalten

>> Die Broschüre gibt Informationen

und Handlungsempfehlungen zur innovativen

Arbeitsgestaltung in mittelständischen

Unternehmen. Sie richtet sich

an Geschäftsführer, Betriebsräte, Fachund

Führungskräfte.

Sie finden Links zu

Botschaften / Länderseiten / Wirtschaftsdaten

/ Messegeschehen / Wirtschaftsund

Marktforschung / Förderung und

Finanzierung / Politik / Fachmedien / Datenbanken

und Suchmöglichkeiten.

Nutzen Sie mit dem Einsatz der Internet-Guides

die Möglichkeiten des

Internet zur Vorbereitung und Durchführung

Ihrer außenwirtschaftlichen

Aktivitäten.

Diese kleine Schrift wendet sich an die

Akteure in der Produktion, die den Qualifizierungsbedarf

ihrer Mitarbeiter systematisch

ermitteln und ein ganzheitliches

Konzept erstellen wollen.

Marius-Florian Bora

Ermittlung des Qualifizierungsbedarfs

in der Produktion

Schriftenreihe: Produktivität steigern

in mittelständischen Unternehmen

2003. 53 Seiten, 14,80 Euro

RKW-Nr. 1455

ISBN 3-89644-202-3

Klaus Dieckhoff / Thomas

Hoffmann / Margarete Schreurs /

Wolfgang Schröter

Arbeit innovativ gestalten

Empfehlungen und Hinweise

zur Arbeitsgestaltung

2003. 55 Seiten, 14,80 Euro

RKW-Nr. 1462

ISBN 3-89644-209-0

RKW Internet-Guide Tschechische

Republik, RKW Nr. 602

RKW Internet-Guide Polen,

RKW Nr. 603

RKW Internet-Guide Baltikum,

RKW Nr. 600

je 10,– Euro

31


Frankfurt

Buchmesse 2003

vom 8. bis 13. Oktober

Der RKW Verlag präsentiert

gemeinsam mit dem AWV-Verlag

Fachbücher und Diskussionen

am Stand B414 in Halle 4.2

Wir laden die Messebesucher ein, unsere Neuerscheinungen

kennen zu lernen und in bewährten Fachbüchern

zu stöbern, mit Autoren und Experten ins

Gespräch zu kommen und die Diskussionsrunden zu

verfolgen:

■ Russland und die EU – Konkurrent oder Partner?

am 9. Oktober um 11 Uhr

■ Public Private Partnership im erweiterten Europa –

neue Märkte, neue Chancen am 9. Oktober um

15 Uhr

■ E-Mail-Sicherheit im privaten und beruflichen

Umfeld am 10. Oktober um 11 Uhr

■ Europa: Perspektiven für eine soziale Identität

am 10. Oktober um 14 Uhr

Publikumstage:

Freitag 16 bis 20.30 Uhr

Samstag/Sonntag 9 bis 18.30 Uhr

Montag 9 bis 13 Uhr

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