Stahlreport 2020.04

markushuneke

75. Jahrgang | April 2020

STAHLREPORT

Das BDS-Magazin für die Stahldistribution

04|20


WIR

fahr

en mit Ihnen

die Erfolge ein.

„In der Agrarwirtscha

aft wächst der

Wettbewerb stetig.

Wie aber macht man

Landmaschinen trotz

Kostendrucks immer

leistungsfähiger? Die

Antwort: mit speziellen

Werkstoffen und einer hochpräzisen An-

arbeitung von Klöckner.“

www.kloecknerdeut

tschland.dede

WIR machen den Mehrwert

.


Wir sagen Danke.

Allen Fachkräften, die mit

ihrem Einsatz helfen, die

Coronakrise zu bewältigen.

EDITORIAL

Liebe Leserinnen und Leser,

„Seit dem 2. Weltkrieg“, „seit mindestens

70 Jahren“, „seit der Spanischen Grippe“

– um die derzeit grassierende Corona-

Pandemie irgendwie einzuordnen, fallen

die Vergleiche in der Regel historisch

aus. Dabei sind nicht nur die Fallzahlen

selbst ohne jüngeres Beispiel, sondern

auch die Auswirkungen der Pandemie auf alle Bereiche des

Lebens und Wirtschaftens – Stichwort Lockdown. Wer hätte

gedacht, dass eine der fundamentalen Grundlagen unserer

Gesellschaft – das Funktionieren wirtschaftlicher Lieferketten

– einmal dadurch ins öffentliche Bewusstsein rückt, dass

sich das Toilettenpapier verknappt?

Der Stillstand ist für viele Selbstständige und viele Unternehmen

ein existenzielles Thema. Daher zeugen die bisherigen

von der Politik getroffenen Maßnahmen davon, dass

der Ernst der Lage klar und früh erkannt und darauf angemessen

reagiert wurde (für einen kurzen Überblick siehe

S. 34). Der Bundesfinanzminister hat die Bazooka hervorgeholt,

wie er selbst während einer Pressekonferenz sagte:

Kreditzusagen, Kurzarbeitergeld, Steuerstundungen – dass

dies richtige Schritte sind, daran besteht eigentlich kein

Zweifel.

Wie erfolgreich die angekündigten Maßnahmen allerdings

am Ende gewesen sein werden und ob man im Rückblick

wird sagen können, dass die Krise gut in wirtschaftlicher

Hinsicht gemeistert wurde, muss sich in der praktischen

Umsetzung all der Maßnahmen aber erst noch zeigen. Kommt

die versprochene Hilfe auch wirklich da an, wo sie benötigt

wird? Denn ein guter Wille ist nicht automatisch ein gutes

Ergebnis. Aber wir wollen in keine Unkenrufe einstimmen,

sondern optimistisch nach vorne sehen.

Denn ein Gutes zeigt sich in der Coronakrise (wie in Krisen

meist): Neben der Hamsterei auch eine große Solidarität

der Menschen untereinander, ein Zusammenrücken und

An-Andere-Denken. Und viele, die sich und ihre Gesundheit

einsetzen, damit wir alle durch eine schwierige Zeit kommen.

Danke!

Markus Huneke

Chefredakteur Stahlreport

INHALT

PERSÖNLICHES

4 Kurznachrichten

STAHLHANDEL

6 ArcelorMittal Stahlhandel –

Neue Strahlanlage voll einsatzfähig

8 E/D/E – Ergebnis verbessert

10 Günther + Schramm wird 90

12 Klöckner & Co – Umsatz zurückgegangen

STAHLPRODUKTION

14 Salzgitter AG –

Strategisch auf dem richtigen Weg

16 Thyssenkrupp – Wieder Fahrt aufnehmen

18 Schmolz+Bickenbach –

Rückläufige Nachfrage prägte 2019

ANARBEITUNG & LOGISTIK

20 Progress – Richtschneide-Biegemaschine für

spanischen Hochgeschwindigkeitsverkehr

23 Dalmec – Schwere Röhren einfach bewegen

24 Schwarze-Robitec – Intelligente Steuerung

reduziert Taktzeiten

25 Kaltenbach – Den Stahlbau technologisch

vorantreiben

26 Oxomi – Marketingmaterial immer aktuell halten

28 Stahlhärterei setzt neues Energiekonzept um

MESSEN UND MÄRKTE

30 Verschobene Messen – ein Überblick

34 Deutschland vor Rezession –

„Wir lassen niemanden alleine“

36 Werkzeugbau vor großen Herausforderungen

38 ELG Haniel – International zahlen per Cloud

BDS-BERUFSBILDUNG

39 Fernstudieren trotz Corona

BDS-RESEARCH

40 Als die Welt in Europa scheinbar

noch in Ordnung war

BDS-RECHT

42 Amtsschimmel reloaded –

Bauproduktenverordnung im Stahlhandel

44 Auswirkungen der Corona-Pandemie im

Arbeitsrecht

LIFESTEEL

48 Stahl für Biathlongewehre –

Geradezugverschluss für schnelles Repetieren

50 Impressum

Stahlreport 4|20

3


Persönliches

Kurznachrichten

Bild: SHS

Jörg Disteldorf

wird mit Wirkung vom 01.07.2020 für die

Dauer von 5 Jahren zum Mitglied des Vorstandes

in der Funktion des Personalvorstandes

und Arbeitsdirektors von Dillinger

und Saarstahl sowie

des Geschäftsführers

der SHS –

Stahl-Holding-Saar

ernannt. Jörg Disteldorf

ist seit 2003

bei Dillinger in der

Personalabteilung

beschäftigt und seit

2015 in Personalunion

Leiter des

Bereiches Personal und Soziales von Saarstahl

und Dillinger. Seit 2019 ist er zudem

Geschäftsführer und Arbeitsdirektor bei der

Saarschmiede GmbH Freiformschmiede.

Bild: SHS

Der bisherige Amtsinhaber Peter Schweda

wird sein Amt als Personalvorstand und

Arbeitsdirektor der

AG der Dillinger Hüttenwerke

(Dillinger)

und der Saarstahl AG

sowie als Geschäftsführer

der SHS –

Stahl-Holding-Saar

mit Wirkung vom

30.06.2020 niederlegen

und in den Ruhestand

treten.

Schweda war seit 2011 Personalvorstand

und Arbeitsdirektor von Dillinger und Saarstahl

und seit 2016 Mitglied der Geschäftsführung

der SHS – Stahl-Holding-Saar.

Kurt Wierscholowski

ergänzt seit 1. April 2020 das Führungsteam

des internationalen Rohstoffhändlers

Oryx Stainless. Er war 28 Jahre für die ELG-

Haniel-Gruppe tätig, zuletzt als Geschäftsführer

der Eisenlegierungen Handelsgesellschaft

mbH in Duisburg sowie der

Jewometaal Stainless Processing B.V. in

Rotterdam. „Kurt Wierscholowski hat sich in

seiner bisherigen Laufbahn einen außerordentlichen

Ruf und ein enormes Netzwerk

im Edelstahl- und Sonderlegierungsbereich

erarbeitet. Wir freuen uns sehr, dass dieser

sehr erfahrene Kollege von nun an seine

Stärken mit unseren Stärken kombinieren

wird“, erklärt Michael Pawlowski, Chairman

und Gesellschafter der Oryx Stainless

Group.

Florian Lendner

führt die Geschäfte der GFH GmbH seit Jahresbeginn

2020 alleine. Herr Anton Pauli,

der langjährige Geschäftsführer der GFH

GmbH, schied zum 31.12.2019 aus der

Geschäftsführung des Unternehmens aus.

Herr Pauli steht dem Unternehmen als

Gesellschafter weiterhin in beratender

Funktion zur Seite.

Hauptgesellschafter Herr Prof. Dr.-Ing. Hans

Joachim Helml dankt Herrn Anton Pauli für

seine „hervorragende Arbeit als Geschäftsführer“

und der

damit verbundenen

positiven Entwicklung

der GFH GmbH

zu einem der globalen

Markführer für

die Lasermikrobearbeitung.

„Wir sind

überzeugt, dass

Herr Florian Lendner

diese Erfolgsgeschichte

fortschreiben und mit seinem

Team das Unternehmen kunden- und marktorientiert

weiterentwickeln wird“, so Prof.

Dr.-Ing. Hans Joachim Helml.

Tuomo Hatakka

Senior Executive Vice President, Leiter des

Geschäftsbereichs Wärme- und Country

Manager von Vattenfall in Deutschland, wird

Ende 2020 in den Ruhestand treten.

„Tuomo Hatakka ist seit vielen Jahren ein

wichtiger Akteur bei der Entwicklung von

Vattenfall und wird

dies auch für den

Rest dieses Jahres

bleiben. Seine

Arbeit, um unser

Wärmegeschäft auf

ein neues Niveau zu

heben, umfasste

unter anderem die

Erstellung eines

Ausstiegsplans für

Kohle in Berlin und das kontinuierliche

Wachstum der Kunden, die unsere Wärmelösungen

kaufen. Ich bin sehr dankbar für

das Engagement von Tuomo, Vattenfall als

einen der führenden Fernwärmebetreiber

Europas zu erhalten „, sagt Magnus Hall,

Präsident und CEO von Vattenfall.

Tuomo Hatakka hat 18 Jahre in verschiedenen

Führungspositionen in Vattenfall gear-

Bild: Florian Lendner

Bild: vattenfall

beitet. Er wird bis Ende des Jahres die Energiewende

innerhalb des Wärmebetriebs von

Vattenfall vorantreiben, um ein fossilfreies

Leben innerhalb einer Generation zu ermöglichen.

Die Suche nach einem Nachfolger

wird vor dem Sommer beginnen.

Martina Merz

ist zum 1. April 2020 für drei Jahre zur Vorstandsvorsitzenden

der thyssenkrupp AG zu

bestellen. Damit endet ihre Entsendung aus

dem Aufsichtsrat. Merz wird ihr Aufsichtsratsmandat

entsprechend niederlegen. Prof.

Dr. Siegfried Russwurm, Vorsitzender des

Aufsichtsrats der

thyssenkrupp AG,

zur dauerhaften

Übernahme der

CEO-Rolle durch

Martina Merz: „Für

das Unternehmen

ist das die beste

denkbare Lösung.

Martina Merz hat

bewiesen, dass ihr

Ansatz richtig ist und ihre Konsequenz Wirkung

hat. Die Veränderungen im Unternehmen

sind deutlich erkennbar. Wir wollen,

dass sie genauso kraftvoll weitermacht.“

„Ich danke für das Vertrauen, dass der Aufsichtsrat

in mich und meine Arbeit setzt. Ich

bin dem Unternehmen sehr verbunden“,

sagte Martina Merz, die Vorstandsvorsitzende

der thyssenkrupp AG. „Den Veränderungsprozess

bei thyssenkrupp haben wir

gemeinsam angefangen. Und gemeinsam

mit den Mitarbeitenden, dem Führungsteam,

meinen Kollegen und dem Aufsichtsrat

möchte ich diesen Weg weitergehen.

Gemeinsam werden wir das Unternehmen

wieder erfolgreich machen.“

Annamaria Magri

Vizepräsidentin von Ori Martin und

Präsidentin von Ferrosider ist am

21. März 2020 verstorben.

Die ehemalige

Gymnasiallehrerin

mit einem

Doktorgrad der Philosophie

gehörte zur

Familie Martin, die

seit der Gründung

1911 durch den belgischen

Einwanderer

Bild: Ori Martin Bild: Martina Merz

4 Stahlreport 4|20


Oger Martin, hinter einem der größten Stahlunternehmens

Brescias, Ori Martin S.P.A.,

sowie Ferrosider S.p.A Socio Unico, steht -

und die Dr. Annamaria Magri als Vizepräsidentin

sowie Präsidentin geführt hat.

Armin Kempkes

wurde kürzlich zum weiteren Geschäftsführer

der AMEPA GmbH bestellt. Mit seiner

mehr als 20-jährigen Erfahrung in Leitungsfunktionen

bei einem Serviceprovider und

Hersteller von Mess- und Diagnosesystemen

– unter anderem für die vorausschauende

Instandhaltung in der Stahl- und Aluminiumindustrie

– ist er ausgewiesener

Fachmann für Messsysteme, die unter

rauen Umgebungsbedingungen zuverlässig

arbeiten müssen. Seine Aufgaben bei

AMEPA umfassen Produktion, Entwicklung

und Finanzen.

Bild: xxxxxxxxxxx

Armin Kempkes (li.) und Martin Fieweger

Martin Fieweger, der ebenfalls über umfangreiche

Erfahrung mit Prozesssteuerung,

Messtechnik und Automatisierung in Stahlund

Walzwerken verfügt, verantwortet weiterhin

die Bereiche Vertrieb, Service und

Engineering, Konstruktion sowie die Auftragsabwicklung.

Er ist auch für die Tochtergesellschaften

in USA und China verantwortlich

und will seinen Kunden einen

optimalen Service bieten. „Der Auftragseingang

aus China entwickelt sich sehr positiv,

deshalb weiten wir die Aktivitäten in China

jetzt mit einem umfassenden lokalen

Dienstleistungsspektrum, zum Beispiel für

die Inbetriebnahmen und den After-Sales-

Service vor Ort, deutlich aus. Entwicklung

und Fertigung bleiben nach wie vor in Würselen“,

so Martin Fieweger.

Bild: Nordwest

Andreas Ridder

und Jörg Simon

die Nordwest-Vorstände freuen sich über

die Auszeichnung „Top Employer 2020“.

Das unabhängige Top Employer Institut mit

Sitz in Amsterdam hatte das Unternehmen

in den vergangenen Monaten auf verschiedene

Kriterien geprüft und jetzt erfolgreich

zertifiziert. In einem sechsstufigen Zertifizierungsprozess

wurde eine Vielzahl von Themenfeldern

untersucht und bewertet. Dazu

gehörten die Bereiche Talentstrategie und

Talentakquise, Personalplanung und Onboarding,

Training und Entwicklung, Performance

Management, Führungskräfteentwicklung,

Karriere- und Nachfolgeplanung,

Compensation & Benefits sowie Unternehmenskultur.

Das Institut legte ein besonderes Augenmerk

auf die Maßnahmen und deren Kommunikation,

die innerhalb des Unternehmens

in den einzelnen Bereichen umgesetzt

werden. Insbesondere wurde auf das Vorleben

derer durch die Führungskräfte geachtet.

„Wir haben uns gezielt dem Zertifizierungsprozess

gestellt, um zu erfahren, wo

wir mit unseren bisherigen Maßnahmen stehen.

In der jüngeren Vergangenheit sind bei

Nordwest viele verschiedene Prozesse

angestoßen worden, um das Zusammenspiel

mit unseren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen

noch weiter zu verbessern. Auch

Unternehmenskultur und Arbeitgebermarke

fließen dabei mit ein.

Es war uns wichtig, diese Prozesse erstmals

unabhängig überprüfen zu lassen.

Dass Top Employer unsere Arbeit wertschätzt

und uns ausgezeichnet hat, macht

uns sehr stolz und zeigt uns, dass wir auf

dem richtigen Weg sind“, freuen sich die

Nordwest-Vorstände Andreas Ridder und

Jörg Simon. Nach bereits sieben Auszeichnungen

als „Ausgezeichneter Ausbildungsbetrieb“,

verliehen durch die Ertragswerkstatt

GmbH, sowie einer weiteren

Platzierung in den Top 100-Ausbildungsbetrieben

in Deutschland, ausgerufen von

Focus Money, erhält Nordwest nun zum

ersten Mal das Siegel Top Employer, das

jährlich auf internationaler Ebene verliehen

wird.

Stahlreport 4|20

5


Stahlhandel

Bericht

ArcelorMittal Stahlhandel: Millionen-Investition am Standort Neckarsulm

Neue Strahlanlage voll einsatzfähig

Die ArcelorMittal Stahlhandel-Niederlassung in Neckarsulm wird weiter modernisiert: Mit einer

Ersatzinvestition von knapp 1 Mio. € erhielt der Standort eine neue Strahl- und Primeranlage.

Nach der Ausstattung aller Lagerhallen mit LED-Beleuchtungen war dies der nächste Meilenstein.

In Neckarsulm bietet der Stahlhandel von ArcelorMittal Downstream Solutions eine breite

Produktpalette an kalt- und warmgefertigten Hohlprofilen, Rundrohren und Trägern aus Walzstahl

inklusive der erforderlichen Anarbeitungsmöglichkeiten.

[ Kontakt]

ArcelorMittal

Stahlhandel GmbH

Niederlassung

Neckarsulm

74172 Neckarsulm

+49 7132 390

https://stahlhandel.

arcelormittal.com

„Das Projekt konnte durch

eine sehr gute und enge Zusammenarbeit

zwischen ArcelorMittal und

GIETART innerhalb von nur drei

Monaten realisiert werden“, kommentierte

Franz-Günter Kleine, CEO

des ArcelorMittal Stahlhandels für

Deutschland und die Schweiz.

Jetzt im Einsatz: GIETART-

Strahlanlage Marathon A 1506

Eine neue GIETART-Hochleistungsstrahlanlage

vom Typ Marathon A

1506 mit je 22 kW Leistung pro Turbine

und zusätzlicher Frequenzre-

gelung hat ArcelorMittal am Standort

bereits in Betrieb genommen. Die

Durchlassöffnung beträgt 1.600 x

700 mm, die Produkte werden mit

einer Strahlqualität von SA 2,5

gestrahlt.

Die neue Anlage ersetzt ihren

Vorgänger aus dem Jahr 1992.

Höhere Leistung, bessere Arbeitsergebnisse

und vor allem eine

Umwelttechnik, die den Anforderungen

an eine moderne Produktion

entspricht, sind die Vorteile, die die

neue Anlage bietet. Mit der Strahlanlage

wurden gleich auch die

Sicherheitstechnik und die Schaltschränke

erneuert.

Zusätzlich neue Lackieranlage

Gleichzeitig wurde auch eine neue

Lackieranlage GIETART KPC1508

mit zwei separaten Farbsystemen

installiert. Hier können zwei unterschiedliche

wasserlösliche Farben

ohne Unterbrechung und ohne

manuellen Eingriff auf die Farbfässer

verarbeitet werden. Ab sofort verfügt

die ArcelorMittal Stahlhandel Niederlassung

Neckarsulm damit über

zwei Grundfarben (rot und grau).

6 Stahlreport 4|20


Über ArcelorMittal

Auch Sonderfarben sind auf Wunsch

möglich.

Um zu verhindern, dass Farbe

über das Material auf die Rollen der

Transportanlage außerhalb der

Lackieranlage kommt, wurde ein

automatischer Abstreifmechanismus

an der letzten Rolle in der Lackieranlage

eingebaut. Für die Stahlhandel-Kunden

bedeutet das mehr Wahlmöglichkeiten

und schnellere

Prozesse, zudem eine optimierte

Qualität – alles auf der Basis umweltund

sicherheitstechnisch höchster

Standards, so das Unternehmen. 2

ArcelorMittal ist das weltweit größte Stahl- und Bergbauunternehmen mit einer Präsenz in 60

Ländern und Stahlproduktionswerken in 18 Ländern. Im Jahr 2019 erzielte ArcelorMittal einen

Umsatz von 70,6 Mrd. USD und eine Rohstahlproduktion von 89,8 Mio. t, während die Eisenerzproduktion

57,1 Mio. t erreichte.

Der Konzern hat sich auf die Fahnen geschrieben, „mit intelligenteren Stählen zu einer besseren

Welt beizutragen. Stähle, die mit innovativen Verfahren hergestellt werden, die weniger

Energie verbrauchen, deutlich weniger CO 2 ausstoßen und Kosten senken. Stähle, die sauberer,

fester und wiederverwendbar sind. Stähle für Elektrofahrzeuge und Infrastruktur mit erneuerbarer

Energie, die Gesellschaften bei ihrem Wandel in diesem Jahrhundert unterstützen werden.“

Weitere Informationen finden Sie unter:

http://corporate.arcelormittal.com

Deutschland

Mit einem Produktionsvolumen von rund 8 Mio. t Rohstahl ist ArcelorMittal einer der größten

Stahlhersteller Deutschlands. Auto-, Bau- und Verpackungsindustrie gehören ebenso zum Kundenkreis

wie der Bereich Haushaltswaren. Das Unternehmen betreibt vier große Produktionsstandorte

in Deutschland. Dazu gehören zwei integrierte Flachstahlwerke in Bremen und Eisenhüttenstadt

sowie zwei Langstahlwerke in Hamburg und Duisburg. Außerdem unterhält der

Konzern mit ArcelorMittal Construction in Sandersdorf/Brehna einen Produktionsstandort mit

Vertrieb für Sandwichpaneele sowie Profilier-Anlagen für Kassetten-,Trapez-, Trag-, Design- und

Wellprofile. Darüber hinaus verfügt der Konzern über ein stark ausgeprägtes Vertriebsnetz in

Deutschland mit vier Stahl-Servicezentren sowie 13 Stahlhandelsstandorten. ArcelorMittal

beschäftigt in Deutschland rund 9.000 Angestellte.

Weitere Informationen finden Sie unter:

https://stahlhandel.arcelormittal.com

Höhere Leistung, bessere Arbeitsergebnisse

und vor allem eine moderne

Umwelttechnik: die neue GIETART-

Hochleistungsstrahlanlage Marathon A

1506 am ArcelorMittal Stahlhandel-

Standort Neckarsulm.

Ebenfalls wurde eine neue Lackieranlage mit

zwei separaten Farbsystemen installiert.

Damit verfügt die ArcelorMittal Stahlhandel-

Niederlassung Neckarsulm über zwei Grundfarben

– rot und grau -, auch Sonderfarben

sind auf Wunsch möglich.

Bilder: ArcelorMittal Stahlhandel

Stahlreport 4|20

7


Stahlhandel

Bericht

E/D/E-Gruppe: stabiles Handelsvolumen in 2019

Ergebnis verbessert

Mit über 6,3 Mrd. € hat sich das Handelsvolumen der E/D/E-Gruppe 2019 stabil zum

Vorjahr gezeigt, der Konzernjahresüberschuss konnte leicht gesteigert werden. Mit

14,7 Mio. € bewegt er sich über den Ergebnissen der beiden vorherigen Jahre, so die

Wuppertaler Verbundgruppe. Der Bereich Stahl hat dabei sein hohes Niveau gehalten.

Ein deutliches Wachstum

konnte die E/D/E-Gruppe im europäischen

Ausland verzeichnen. Insgesamt

wurden mit den Mitgliedsunternehmen

im Ausland rund 1,4

Mrd. € Handelsvolumen realisiert.

Neben den europäischen Aktivitäten

sei das PVH-Lagergeschäft ein

Wachstumstreiber. Der Lagerumsatz

stieg im vergangenen Jahr um knapp

20 Mio. € auf insgesamt 325 Mio. €.

Unter Berücksichtigung der prognostizierten

Marktentwicklungen

sowie der geplanten Aktivitäten

erwartet die E/D/E-Gruppe 2020 ein

solides Wachstum auf ein Handelsvolumen

von über 6,5 Mrd. €. Dabei

berücksichtigt sind allerdings noch

nicht die aktuellen Entwicklungen

durch die Covid-19-Pandemi.

Stahl hält hohes Niveau

Der Stahlbereich hat im vergangenen

Jahr sein hohes Niveau gehalten,

sagte Dr. Andreas Trautwein,

Vorsitzender der Geschäftsführung

der E/D/E-Gruppe. Erschwert worden

sei das Geschäft durch die EU-

Antidumping-Maßnahmen sowie

durch den Preisverfall bei Schrott.

Gegen diese exogenen Störfaktoren

konnten die Händler den mit E/D/E

abgerechneten Stahlabsatz aber steigern,

so Trautwein weiter. Durch

den Preisverfall an den Märkten

ging das Handelsvolumen – nach

deutlichen Steigerungen in den Vorjahren

– leicht zurück und lag mit

1,15 Mrd. € weiterhin auf hohem

Niveau.

Digitale Vertriebswege

und Prozesse

Mit dem Multishop stellt das E/D/E

seinen Mitgliedern speziell für die

Branche konfigurierte Webshops zur

Verfügung. Aktuell sind rund 300

Installationen aktiv. Das neueste

Release wurde auf der Basis von

mehr als 180 Anforderungen der

Shop-Betreiber konzipiert und ausgerollt.

Zudem wurden im vergangenen

Jahr zahlreiche Anbindungen

an die Handwerker-Software führender

Anbieter realisiert.

Ein neues Angebot ist das Thema

ERP aus der Cloud. Das System versorgt

die teilnehmenden Mitgliedsunternehmen

mit Stamm- und Produktdaten,

automatisiert die

Bestellabwicklung sowie die Zentralregulierung,

informiert über

Lagerbestände und Preise im eLC,

zeigt die Offenen-Posten-Listen bei

der ETRIS BANK an, synchronisiert

sich mit Multishop, bindet sich an

das Clearing Center an und ermöglicht

datenbasierte Zusatzservices.

Das Geschäft des Online-Marktplatzes

Toolineo hat sich dem Unternehmen

zufolge 2019 stark entwickelt

und konnte ein Umsatzplus

von über 60 % aufweisen. Das Sortiment

wurde auf über 400.000 Artikel

verdoppelt.

Geschäftsführung erweitert

Seit Januar gehören der Geschäftsführung

der E/D/E GmbH Peter

Jüngst und Thomas Henkel sowie

Bettina Jakobi seit November neu

an. Damit konnte die funktionale

Ausdifferenzierung und fachliche

Spezialisierung in der Geschäftsführung

in der Ware (Jüngst), im

Bereich der IT (Henkel) und im

Bereich Personal (Jakobi) ausgebaut

werden. Hiermit ist das Ziel verbunden,

in diesen wichtigen Bereichen

eine noch größere operative Nähe

der Geschäftsführung zu gewährleisten.

2

E/D/E-Gruppe investiert 2020 weiter in Wuppertal

Mit Investitionen in die Logistik will die E/D/E-Gruppe den Standort

Wuppertal stärken. „2020 werden wir unsere Verpackungskapazitäten

ausbauen bei gleichzeitiger Verringerung von Verpackungs- und Füllmaterial.

Mit den Investitionen gehen wirtschaftliche und ökologische Nachhaltigkeitsaspekte

Hand in Hand. Mittelfristig verfolgen wir das Umsatzziel

von jährlich 500 Mio. € im Lagergeschäft“, erklärte Dr. Andreas

Trautwein.

8 Stahlreport 4|20


Bewehrungseisen für Versuchsaufbau der RWTH Aachen kostenlos zur Verfügung gestellt

Kerschgens unterstützt Forschungsprojekt

Wie verteilen sich Lastkräfte in einem

Einzelfundament, wenn der Lasteintrag nicht

zentriert, sondern außerhalb der Mitte, also

exzentrisch, erfolgt? Das ist eine Frage, der

zurzeit das Institut für Massivbau (IMB) der

RWTH Aachen in einem aktuellen Forschungsprojekt

nachgeht. Unterstützt wird das IMB

dabei vom Stolberger Werkstoffhändler

Kerschgens.

Kerschgens fertigte in seinem Betonstahlund

Biege-Center in Bitburg die Bewehrungseisen

für das im Versuchsaufbau vorgesehene

Stahlbetonfundament exakt

nach den Vorgaben des IMB – und stellte

sie dem Institut kostenlos zur Verfügung.

Das Material selbst wurde von den Badischen

Stahlwerken gesponsert. Die

Kerschgens Werkstoffe & Mehr GmbH und

die RWTH Aachen arbeiten seit vielen Jahren

in verschiedenen Projekten und

Kooperationen zusammen, etwa im

Bereich der Materialkunde, der Digitalisierung

und in der Bautechnik.

Bereits vor dem aktuellen Projekt des IMB

gab es experimentelle Forschungsprojekte

zu der Fragestellung, wie sich zum Beispiel

Querkräfte auf Einzelfundamente auswirken.

Bei diesen Modellen wurde jedoch ein

zentrischer Lasteintrag zugrunde gelegt,

der in der Praxis aus unterschiedlichen

bautechnischen und -physikalischen Gründen

allerdings eher die Ausnahme als die

Regel darstellt. Die für 2020 erwarteten

Ergebnisse der IMB-Untersuchungen sollen

nun die Ableitung eines konsistenten

Berechnungsmodells für exzentrisch belastete

Einzelfundamente für beliebige Laststellungen

und Fundamentgeometrien

ermöglichen.

Business-Software

für erfolgreiche

Unternehmen

www.nissen-velten.de


Stahlhandel

Bericht

1930 von Erich Günther und Emil Schramm gegründet, schreibt Günther + Schramm bis heute Erfolgsgeschichte.

Bilder: Günther + Schramm

Jubiläum im Stahlhandel

Günther + Schramm wird 90

Vom reinen Stahlhändler zu einem der führenden Systemdienstleister für Stahl, Edelstahl und

Aluminium: Im Laufe seiner 90-jährigen Geschichte hat sich das Leistungsspektrum von Günther +

Schramm stark weiterentwickelt. Mit seinem Full-Service-Konzept erwirtschaftete das Oberkochener

Unternehmen 2019 einen Umsatz von 100 Mio. € – gute Vorzeichen für das Jubiläumsjahr.

2019 hat das Unternehmen

stark investiert

und unter anderem

einen neuen

Hochleistungsglühofen

angeschafft.

Dass die Günther + Schramm

GmbH ihre Erfolgsgeschichte bis ins

Jahr 2020 fortsetzen kann, ist insbesondere

der strategischen Ausrichtung

als Komplettdienstleister

im Stahl-, Edelstahl- und Aluminiumhandel

zu verdanken. Das Unternehmen

agiert als Werkstoffhändler,

Metallbearbeiter und Lieferant. Auf

Kundenwunsch fungiert Günther +

Schramm als externes Lager und liefert

die benötigten Materialien just

in time an die Produktionslinie.

„Dank unseres Full-Service-Konzepts

sind wir seit Langem der führende

Systemdienstleister für Stahl und

Metalle im süddeutschen Raum. Um

unseren Erfolg in der zehnten

Dekade des Firmenbestehens fortzuführen,

müssen wir uns kontinuierlich

weiterentwickeln. Daher

haben wir 2019 große Investitionen

in unsere Servicekapazitäten getätigt“,

erklärt Bernd Seibold,

Geschäftsführer von Günter +

Schramm.

Neuer Glühofen und größere

Lagerfläche für Aluminium

Um die permanent steigende Nachfrage

nach Serviceleistungen abzudecken,

ist für das Unternehmen eine

stetige Erweiterung des Maschinenparks

erforderlich. Dabei unterstützt

Günther + Schramm seit letztem Jahr

ein neuer Hochleistungsglühofen im

Bearbeitungszentrum in Königsbronn.

Mit ihrem hohen Beladevolumen

und ihrer exakten Prozesssteuerung

ermöglicht die Anlage einen

optimalen Glühvorgang und eine

noch effizientere Prozessabwicklung.

Zusätzlich wurde an weiteren Standorten

in drei neue Sägen und ein

hochmodernes Regalbediengerät

investiert.

Darüber hinaus nahm Günther

+ Schramm eine Erhöhung der Lagerkapazitäten

vor und erweiterte den

Lagerstandort in Kornwestheim auf

rund 4.500 m². Hier bevorratet der

Systemdienstleister gepresste und

gezogene Stangen aus Aluminium.

„Angesichts des starken Wachstums

im Geschäftsfeld Aluminium stellen

wir mit der Lagererweiterung sicher,

dass wir unsere Kunden – sowohl

im Inland wie im Ausland – auch in

Zukunft zuverlässig und pünktlich

beliefern können“, sagt Seibold und

fügt hinzu: „Mit unseren Investitionen

in die Lagerstandorte, unsere

Fertigung und unser Serviceangebot

stellen wir die Weichen für ein weiteres

erfolgreiches Jahrzehnt.“ 2

[ Kontakt]

Günther + Schramm GmbH

73447 Oberkochen

+49 07364 24-0

www.gs-stahl.de

10 Stahlreport 4|20


Europäische Fachhandelspartner gestärkt

Stahlverbund Phoenix auch in Europa erfolgreich

Mit dem Stahlverbund Phoenix stärke

Nordwest auch im europäischen Ausland seine

Fachhandelspartner, so das Dortmuner Verbundunternehmen.

Mit persönlichen Treffen in jüngerer

Vergangenheit hat der Stahlverbund Phoenix die

internationale Zusammenarbeit weiter intensiviert.

Unter der Leitung von Vincent Wicker, seit September

bei Nordwest als Projektmanager Stahl

Westeuropa tätig, und in Begleitung der beiden

Geschäftsbereichsleiter Stahl, Christopher Rüther

und Claudio Kemper, fand Anfang Februar in Paris

ein erstes Strategietreffen mit den französischen

Fachhandelspartnern statt. Rund 20 Personen

folgten der Einladung, um über die Aktivitäten des

Stahlverbunds Phoenix zu diskutieren und diese

weiter erfolgreich voranzutreiben.

„Das Feedback unserer Fachhandelspartner in

Frankreich auf die vorgestellten Ideen und bereits

umgesetzten Maßnahmen ist überaus gut. Das

starke Engagement der Händler trägt sein Übriges

dazu bei, dass wir dort gemeinsam den Markt

erfolgreich bearbeiten“, berichteten die Nordwest-

Geschäftsbereichsleiter Stahl Christopher Rüther

und Claudio Kemper von der Tagung in Frank-

reichs Hauptstadt. Zu Beginn des vergangenen

Jahres konnte die Tonnage durch Gewinnung

neuer Lieferpartner bereits erheblich gesteigert

werden.

Künftige Zusammenarbeit

Auch die strategische Ausrichtung sei weiter definiert

und gemeinsam mit den Partnern erarbeitet

worden – so dass weiterhin Mengen gebündelt

würden, so das Unternehmen weiter. Zudem würden

Bonusvereinbarungen forciert, die auch für die

europäischen Fachhandelspartner im Stahlverbund

Phoenix ihre Gültigkeit haben. Der Ausbau der

Aktivitäten im europäischen Ausland und die

Unterstützung der dortigen Fachhandelspartner

werden mit dem Stahlverbund weiter in den Fokus

rückten. Neben der Tagung in Frankreich gab es

auch ein weiteres Treffen mit dem polnischen

Kooperationspartner ESG, bei dem weitere Maßnahmen

zur gemeinsamen Marktbearbeitung diskutiert

und vorangetrieben werden.

[ Kontakt]

NORDWEST Handel AG

44263 Dortmund

+49 231 2222-3001

www.nordwest.com

Supply Chain-

Lösungen für

Solarindustrie

Seit rund einem Jahr bietet thyssenkrupp

Materials Processing Europe

individuelle Supply Chain-Services für

Hersteller industrieller Solaranlagen,

die für nachhaltige Stromerzeugung

sorgen. Dabei berät das Unternehmen

Kunden bei Materialspezifikationen,

die speziell für Aufstellungsorte

mit besonders schwierigen Witterungsbedingungen

konfiguriert sind –

wie beispielsweise Anlagen in Meeresnähe.

Zum anderen werden der

Zulieferstrom mit den entsprechenden

Unterlieferanten koordiniert und

die Steuerung sowie Überwachung

der Logistik übernommen. In diesem

Jahr plant die Stahl- und Aluminium-

Service-Center-Gruppe ihren Absatz

in diesem Industriezweig um 30 % zu

steigern.

Die Weinmann Aach AG ist ein starker Partner für Stahl, Edelstahl, Aluminium

und Buntmetalle. Mit rund 50.000 Quadratmetern Gesamtlagerfläche, moderner

Lagertechnik und 50 firmeneigenen LKW sorgen wir dafür, dass Material

in allen erdenklichen Formen und Güten schnell und reibungslos an Sie ausgeliefert wird.

Weitere Infos unter www.weinmann-aach.de


Stahlhandel

Bericht

Kunde

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Grafik: Klöckner & Co SE, Bilanzpressekonferenz 10. März 2020

Klöckner & Co in schwierigem Marktumfeld

Umsatz zurückgegangen

Sinkende Stahlpreise und eine schwache Nachfrage haben im Geschäftsjahr 2019 bei Klöckner & Co SE

zu einem Umsatzrückgang von rund 7 % auf 6,3 Mrd. € geführt. Das sagte CEO Gisbert Rühl anlässlich

der Präsentation der Jahresergebnisse vor der Presse. Das operative Ergebnis (EBITDA) vor

wesentlichen Sondereffekten lag zwar innerhalb der prognostizierten Spanne bei 124 Mio. € (2018:

229 Mio. €), aber ebenso wie das Konzernergebnis (-55 Mio. € nach 69 Mio. €) deutlich unter Vorjahr.

[ Kontakt]

Klöckner & Co SE

47057 Duisburg

+49 203-307-0

www.kloeckner.com

Trotz des schwierigen Marktumfeldes

hat der Konzern die digitale

Transformation des Unternehmens

ungebremst vorangetrieben, sagte

Rühl. Der über digitale Kanäle

erzielte Umsatzanteil sei im vergangenen

Jahr folgerichtig erneut gestiegen

und lag im vierten Quartal 2019

bei 32 % (Q4 2018: 25 %).

Kloeckner Assistant könnte

Game Changer werden

Mit dem „Kloeckner Assistant“ hat

Klöckner zudem eine digitale Applikation

entwickelt, die über klassische

Kanäle wie Fax oder Telefon

eingehende Preisanfragen und

Bestellungen mit der Unterstützung

von Künstlicher Intelligenz automatisiert

und deutlich schneller bearbeitet.

Nahezu jeder Kunde wird auf

diese Weise zu einem digitalen Kunden,

ohne dass er seine Prozesse

anpassen muss.

Die von Klöckner & Co initiierte

offene Industrieplattform XOM Mate-

rials konnte im abgelaufenen

Geschäftsjahr erneut stark wachsen,

so Rühl. Zu Beginn des laufenden

Jahres hatten sich bereits mehr als

60 Lieferanten mit ca. 22.000 Produkten

und rund 700 Kunden auf

der Plattform registriert. Die Integration

weiterer Lösungen wie

eShops und eProcurement-Services

werde die Attraktivität der Plattform

weiter steigern und damit das

Wachstum zusätzlich beschleunigen,

sagte Rühl weiter.

Positiver Ausblick von

Corona getrübt

Für das laufende Geschäftsjahr 2020

erwartete Klöckner & Co ursprünglich

einen deutlichen Anstieg des

operativen Ergebnisses (EBITDA).

Aufgrund der weltweiten COVID-19-

Pandemie hat der Konzern seine positive

Prognose für 2020 wie viele

andere Industrieunternehmen allerdings

kassiert. Die bisherige Erwartung

für das laufende Geschäftsjahr

sei nicht mehr aufrechtzuerhalten,

teilte Klöckner & Co SE März mit.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen

der Pandemie seien momentan weder

hinreichend zu ermitteln, noch verlässlich

zu beziffern. Der Konzern

verfüge aber über „erhebliche Liquiditätsreserven,

um der Krise zu

begegnen“. Das Management habe

umgehend mit umfangreichen Maßnahmen

auf die Krise reagiert,um

einerseits die Gesundheit seiner Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter zu

schützen und andererseits das Unternehmen

für die Krise zu wappnen.

Dazu zählt auch eine vorübergehende

Einschränkung des Betriebs. Für

das erste Quartal 2020 rechnete

Klöckner & Co Ende März mit einem

EBITDA vor wesentlichen Sondereffekten

von 20 bis 30 Mio. €.

Der über digitale Kanäle erzielte

Umsatzanteil sollte ursprünglich im

laufenden Jahr auf über 40 % und

bis 2022 auf über 60 % gesteigert

werden. 2

12 Stahlreport 4|20


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Stahlproduktion

Bericht

Strategisches Ziel des Salzgitter-Konzerns für die Zukunft: Umsätze aus Stahl- und Nicht-Stahl-Bereichen noch mehr ins Gleichgewicht bringen.

Bilder: Salzgitter AG

Salzgitter AG – Geschäftsjahr 2019 von Sondereinflüssen geprägt

Strategisch auf dem richtigen Weg

Hohe politische Unsicherheit, verbunden mit Handelskonflikten sowie konjunkturellem Gegenwind,

stellte die Salzgitter AG im abgelaufenen Geschäftsjahr vor besondere Herausforderungen. Im Jahresverlauf

sukzessiv nachgebende Walzstahlerlöse bei temporär stark gestiegenen Eisenerzkosten, eine

rückläufige Nachfrage und nach wie vor hohe Stahl-Importmengen in den EU-Markt belasteten vor

allem die stahlerzeugenden und -verarbeitenden Gesellschaften des Konzerns.

[ Kontakt ]

Salzgitter AG

38239 Salzgitter

+49 5341 212300

www.salzgitter-ag.com

Darüber hinaus verhagelten

Sondereffekte das Ergebnis des Konzerns,

das für das vergangene Jahr

vor Steuern bei –253,3 Mio. € liegt.

Um die Sondereffekte bereinigt, hat

der Konzern 142,7 Mio. € erzielt –

und liegt damit im Rahmen der

ursprünglichen Prognose vom Februar

2019.

Der Außenumsatz der Salzgitter

AG reduzierte sich vor allem aufgrund

gesunkener Walzstahlerlöse

sowie niedrigerer Versandmengen

auf rund 8,5 Mrd. € (2018: rund 9.3

Mrd. €). Im Ergebnis vor Steuern

sind

-62,3 Mio. € Restrukturierungsaufwendungen,

–140,8 Mio. € Aufwand

für die einvernehmliche Beendigung

des Ermittlungsverfahrens zu mutmaßlichen

Kartellabsprachen sowie

Wertberichtigungen von – 192,9

Mio. € in den Geschäftsbereichen

Flachstahl, Grobblech/Profilstahl

und Mannesmann sowie bei der

Salzgitter Automotive Engineering

GmbH & Co. KG enthalten.

Gegenläufig wirkten vor allem

99,5 Mio. € (2018: 44,0 Mio. €) Beitrag

aus der nach der Equity-

Methode bilanzierten Beteiligung

an der Aurubis AG sowie der Gewinn

des Geschäftsbereiches Technologie

(32,7 Mio. €, 2018: 43,1 Mio. €).

„Bereinigt um die

negativen Einmaleffekte

haben wir ein noch

vorzeigbares operatives

Resultat erwirtschaftet.“

Prof. Dr.-Ing. Heinz Jörg Fuhrmann,

Vorstandsvorsitzender der Salzgitter AG

Die strategische Entscheidung, ein

Gleichgewicht zwischen den stahlnahen

und stahlferneren Aktivitäten

des Konzerns anzustreben, habe

einmal mehr ihre Richtigkeit bewiesen,

so der CEO Heinz Jörg Fuhrmann.

Die Salzgitter AG sei dank

einer nachhaltigen, konservativen

Geschäftspolitik und breiten Diversifizierung

der Kundenbranchen ein

nach wie vor international wettbewerbsfähiger

Konzern, der finanziell

und bilanziell solide sowie technisch

modern aufgestellt sei.

„Damit das so bleibt, werden wir

die unbedingt erforderliche weitere

Verbesserung unserer Strukturen

und Prozesse konsequent fortsetzten“,

so Fuhrmann weiter.

Ausblick 2020: ungewiss

Wegen des Coronavirus und seiner

Auswirkungen hat auch der Salzgitter-Konzern

seine ursprüngliche

Prognose für 2020 revidiert. Der

Geschäftsverlauf des relevanten

Umfeldes sei derzeit nicht seriös zu

prognostizieren, so der Konzern

Mitte März. Das Augenmerk gelte

zunächst der Gesundheit der Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter.

Gleichzeitig sei man bestrebt, den

14 Stahlreport 4|20


Geschäftsbetrieb der Konzerngesellschaften

„soweit wie möglich fortzuführen“,

hieß es in einer Mitteilung.

Weiterentwicklung

des Konzerns

Das mittel- bis langfristige Ziel der

Salzgitter AG ist, das Umsatz- und

Wertschöpfungsportfolio des Konzerns

von einem Verhältnis von

rund 60 % Stahl zu 40 % Nicht-Stahl

so zu entwickeln, so dass sich beide

Anteile in Richtung eines Gleichgewichtes

annähern.

Ein wesentlicher Eckpunkt der

Konzernentwicklung ist die Verringerung

der in der integrierten Stahlerzeugung

am Standort Salzgitter

anfallenden CO 2 -Emissionen. „Wir

verfolgen hierzu in Zusammenarbeit

mit der Fraunhofer-Gesellschaft und

weiteren Partnern das Projekt SAL-

COS ® (Salzgitter Low CO 2 Steelmaking)“,

erläuterte Fuhrmann.

Der technische Ansatz des Projekts

ist die direkte Vermeidung von

CO 2 -Emissionen („Carbon Direct

Avoidance“, CDA) im Herstellungsprozess

selbst, indem der bisher in

der Stahlerzeugung auf Basis von

Eisenerz notwendige Kohlenstoff

schrittweise durch Wasserstoff

ersetzt werden soll.

„Wir sind überzeugt, dass

die direkte Vermeidung

von entstehenden CO 2 -

Emissionen bei der Stahlerzeugung

nachhaltiger

und energetisch sinnvoller

als „Carbon Capture and

Usage“ oder „Carbon

Capture and Storage“

ist.“

Prof. Dr.-Ing. Heinz Jörg Fuhrmann,

Vorstandsvorsitzender der Salzgitter AG

ten Technologien basiert und daher

– technisch gesehen – zügig umgesetzt

werden kann, sobald die für

einen nachhaltigen Betrieb notwendigen

wirtschaftlichen Rahmenbedingungen

von Politik und

Gesellschaft geschaffen wurden.

In der ersten, bis 2025 umsetzbaren

Ausbaustufe könnte SALCOS

die CO 2 -Emissionen der Stahlerzeugung

am Standort Salzgitter um

rund ein Viertel und im finalen

Umsetzungsstand, perspektivisch

im Jahr 2050, um bis zu 95 % reduzieren.

2

MASCHINE

BOOSTER-

BOX

Salzgitter-Geschäftsjahr 2019:

Aufgrund von Sondereffekten im Minus.

MIT DER BOOSTER-BOX

DIE KRISE MEISTERN:

produktiv

aktiv

inaktiv

Nach aktuellem wissenschaftlichem

Stand biete SALCOS gegenüber

anderen industriellen Ansätzen

außerdem die beste Kombination

aus Energieeffizienz und CO 2 -Vermeidungspotenzial.

Ein Alleinstellungsmerkmal

des Konzepts sei, dass das Konzept

auf der Kombination von heute verfügbaren

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Stahlreport 4|20

15


Stahlproduktion

Bericht/Nachricht

Wertvolle Aufzug -

sparte: thyssenkrupp

Elevator

erwirtschaftete

2018/2019 einen

Umsatz von

8 Mrd. €.

Bilder: thyssenkrupp

thyssenkrupp verkauft Aufzuggeschäft an Bieterkonsortium

Wieder Fahrt aufnehmen

thyssenkrupp verkauft sein Aufzuggeschäft Elevator Technology vollständig an ein Konsortium um

Advent, Cinven und die RAG-Stiftung. Einer entsprechenden Entscheidung des Vorstands hat der Aufsichtsrat

der thyssenkrupp AG im Februar zugestimmt. Der Vollzug der Transaktion wird bis zum Ende

des laufenden Geschäftsjahres im Juni erwartet. Der Kaufpreis beträgt 17,2 Mrd €.

„Wir haben nicht nur einen

sehr guten Preis erzielt, sondern

werden die Transaktion auch zügig

abschließen können. Entscheidend

ist für uns jetzt, die bestmögliche

Balance für die Verwendung der

Mittel zu finden. Wir werden thyssenkrupp

so weit wie nötig entschulden

und gleichzeitig sinnvoll in die

Entwicklung des Unternehmens

investieren. Damit kann thyssenkrupp

wieder Fahrt aufnehmen“,

sagte Martina Merz, Vorstandsvorsitzende

der thyssenkrupp AG.

„Mit dem Verkauf

schaffen wir die

Voraussetzung, thyssenkrupp

erfolgreich zu machen.“

Martina Merz,

Vorstandsvorsitzende der thyssenkrupp AG

Die durch den Verkauf zufließenden

Mittel werden dem Konzern

zufolge im Unternehmen verbleiben

und zur Stärkung der Bilanz

verwendet werden. Darüber hinaus

sollen die Erlöse zur Weiterentwicklung

der verbleibenden

Geschäfte und des Portfolios eingesetzt

werden.

Der Verkauf von Elevator stelle

nicht nur eine vorteilhafte Lösung

für das Unternehmen, seine Aktionäre,

Kunden und Mitarbeiter dar,

sondern auch für das Aufzuggeschäft

selbst. Mit dem Konsortium

habe thyssenkrupp neue Eigentümer

für das Elevator-Geschäft gefunden,

die umfassende industrielle

Expertise mitbringen und den

Beschäftigten ein hohes Maß an

Sicherheit bieten.

Unternehmenssitz soll

Deutschland bleiben

In Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern

und der IG Metall

haben sich die Käufer zu weitreichenden

Standort- und Beschäftigungsgarantien

verpflichtet. Darüber

hinaus wurde vereinbart, dass

die Käufer thyssenkrupp Elevator

als globalen Konzern weiterführen.

Außerdem verbleibt der Unternehmenssitz

in Deutschland und die

Arbeitnehmermitbestimmung soll

fortgeführt werden.

Mit dem Verkauf werde die

Eigenkapitalbasis von thyssenkrupp

deutlich gestärkt. Vorrangiges Ziel

sei es nun, die Leistungsfähigkeit

der Geschäfte schnell und substanziell

zu verbessern. Die dazu im laufenden

Geschäftsjahr notwendigen

Maßnahmen seien überwiegend

bereits in Umsetzung.

16 Stahlreport 4|20


Darüber hinaus hat thyssenkrupp angekündigt, konkrete

Pläne zur Weiterentwicklung der einzelnen

Geschäfte auszuarbeiten. Nach Erhalt des Kaufpreises

sei thyssenkrupp in der Lage, die Umsetzung der Maßnahmen

und damit den Umbau des Unternehmens konsequent

voranzutreiben. 2

Über thyssenkrupp Elevator

thyssenkrupp Elevator ist ein führender internationaler

Anbieter von Aufzugtechnik und an mehr als

1.000 Standorten weltweit tätig. Das Unternehmen

mit Hauptsitz in Essen erwirtschaftete im Geschäftsjahr

2018/2019 einen Umsatz von 8 Mrd. €. Das

Produktportfolio umfasst Personen- und Lastenaufzüge,

Fahrtreppen und Fahrsteige, Fluggastbrücken,

Treppen- und Plattformlifte sowie das Servicegeschäft

einschließlich der Wartung des gesamten

Portfolios.

Warum thyssenkrupp Elevator

für das Konsortium attraktiv ist

Die beiden privaten Beteiligungsgesellschaften

Advent International, ein US-amerikanisches Private

Equity-Unternehmen, sowie Cinven, eine britische

Gesellschaft, bilden zusammen mit der RAG-Stiftung

das Käuferkonsortium, das thyssenkrupp Elevator

übernimmt. Für den Erwerb sprechen dem Konsortium

zufolge vor allem folgende Gründe:

z Das Unternehmen ist stark in den Märkten USA,

Europa und Asien positioniert

z Mega-Trends wie die Urbanisierung sowie Mobilität

in Städten treiben die Nachfrage und führen zu

Wachstumsaussichten

z eine starke Fragmentierung des Marktes bietet

attraktive Akquisitions- und Konsolidierungsmöglichkeiten

z Investitionen in Forschung & Entwicklung, Produktportfolio

und geographische Expansion ermöglichen

weiteres Wachstum, insbesondere in Asien

sowie für die Entwicklung neuer energieeffizienter

Produkte

z Ausbaupotential des Servicegeschäfts für eigene

und Drittanbieter-Aufzüge

FÜR EINE

WELT DES

HANDELS.

Severstal investiert

in neues Drahtwerk

Der russische Stahlerzeuger Severstal hat den Bau eines

neuen Drahtwalzwerks am Standort Tscherepowez angekündigt.

Die Gesamtinvestition soll sich voraussichtlich

auf etwa 11 Mrd. russische Rubel belaufen – das sind

etwa 130 Mio. €. In einem stark umkämpften und volatilen

Markt müsse das Unternehmen in die Zukunft investieren,

kommentierte Alexander Scheweljew, CEO von

Severstal. Das neue Werk soll Draht mit Durchmessern

von 14 bis 32 mm produzieren und eine Jahreskapazität

von 1 Mio. t erzielen. Die Inbetriebnahme ist für die

zweite Hälfte des Jahres 2022 geplant.

Stahlreport 4|20

17

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Stahlproduktion

Bericht/Nachrichten

Schmolz + Bickenbach: Krise der Automobilindustrie zeigt Auswirkungen

Rückläufige Nachfrage

prägte abgelaufenes Geschäftsjahr

Ein ungewöhnlich starker und lang andauernder Nachfragerückgang – so charakterisierte CEO

Clemens Iller die Geschäftsentwicklung des Spezialstahl-Langprodukte-Herstellers Schmolz +

Bickenbach im vergangenen Jahr. Die Folgen auf das Ergebnis konnte der Konzern nicht vollumfänglich

auffangen. Für das laufende Jahr ist der Stahlhersteller mit Hauptsitz in der Schweiz verhalten

optimistisch – wenngleich die Ausmaße der Covid19-Pandemie noch nicht abzusehen seien.

Das Jahr 2019 war für den

Konzern maßgeblich von der schwachen

Nachfragesituation beeinflusst.

Mit rund 1,8 Mio. t wurde um 12,6 %

weniger Stahl verkauft als im Vorjahr

(2018: rund 2,1 Mio. t). Der

Rückgang beim Umsatz auf rund

3 Mrd. € betrug 10,0 % und ist damit

prozentual geringer ausgefallen. Als

Ursache für die negative Entwicklung

gibt der Konzern die allgemeine

Nachfrageschwäche und der damit

einhergehende Rückgang der

Absatzmengen in allen drei Produktgruppen

Qualitäts- & Edelbaustahl,

RSH-Stahl und Werkzeugstahl an.

Höherer Verkaufspreis,

sinkender Umsatz

Der durchschnittliche Verkaufspreis

je Tonne verkauftem Stahl betrug

dem Konzern zufolge 1.629 € und

war damit höher als im Vorjahr mit

1.583 €. Der Anstieg sei vor allem

auf den günstigeren Produktmix mit

einem größeren Anteil der höherpreisigen

Stahlgüten der Produktgruppe

RSH-Stahl zurückzuführen.

Dennoch ging der Umsatz gegenüber

dem Vorjahr um 10,0 % auf

rund 3 Mrd. € zurück, was hauptsächlich

auf die gedämpften Absatzmengen

beim Qualitäts- und Edelbaustahl

um 17,5 % zurückzuführen

war. Der Rückgang beim RSH-Stahl

betrug 2,6 % und beim Werkzeug-

2,093

Mio. t

1,830

Mio. t

51,2

Mio. €

236,7

Mio. €

Wertberichtigungen

schmälern

Konzernergebnis

Konzernergebniss

2019

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SCHMOLZ +

BICKENBACH AG

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Schweiz

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www.schmolzbickenbach.com

Ausgeprägter Nachfragerückgang:

-13 % abgesetzte

Stahlprodukte

2018 2019

Operatives

Ergebnis

(bereinigtes EBITDA)

-313

Mio. €

-521

Mio. €

18 Stahlreport 4|20


stahl 3,5 %. Geografisch betrachtet

mussten in fast allen Märkten rückläufige

Umsätze hingenommen

werden.

Jahresende 2019: Qualitäts- &

Edelbaustahl rückläufig

Im vierten Quartal 2019 hatte sich

die angespannte Marktlage für den

Stahlkonzern dabei weiter deutlich

auf die Finanzzahlen ausgewirkt.

Die Absatzmengen und damit einhergehend

der Umsatz seien aufgrund

der schwachen Nachfrage

im Vorjahresvergleich markant

gesunken.

So wurde im vierten Quartal

2019 mit 388.000 t um 22,1 % weniger

Stahl verkauft als im Vorjahresquartal

(Q4 2018: 498.000 t).

Dieser Rückgang war vor allem auf

um 26,5 % geringere Absatzmengen

bei Qualitäts- & Edelbaustahl

zurückzuführen, so der Konzern.

In dieser Produktgruppe habe sich

die Krise in der Automobilindustrie

und die abflachende Nachfrage aus

dem Maschinen- und Anlagenbau

deutlich niedergeschlagen.

Auch beim Werkzeugstahl und

beim RSH-Stahl (rost-, säure- und

hitzebeständiger Stahl) wurde mit

Rückgängen um 8,6 % beziehungsweise

7,7 % deutlich weniger verkauft

als im gleichen Quartal des

Vorjahres.

Der Umsatz des Konzerns sank

im letzten Quartal 2019 um 22,2 %

im Vergleich zum Vorjahresquartal

auf 619,0 Mio. €.

Ausblick auf 2020

Nach der erfolgreichen Kapitalerhöhung

zu Beginn des Jahres will

Schmolz + Bickenbach die Restrukturierung

weiter vorantreiben.

Für 2020 erwartet der Konzern

trotz eines anhaltend herausfordernden

Marktumfelds ein wesentlich

verbessertes bereinigtes

EBITDA im Vergleich zu 2019,

getrieben vom eingeleiteten

Restrukturierungsprogramm und

einer verbesserten Lagersituation

in den Endmärkten. Die Auswirkungen

des Coronavirus auf die

Endmärkte und auf den Konzern

seien Stand März 2020 allerdings

noch nicht abschätzbar. 2

Bild: Wuppermann AG

Produktions-Jubiläum bei Wuppermann Hungary

1.000.000ste Tonne vom Band gelaufen

Die Wuppermann-Gruppe hat am ungarischen Standort Győr-Gönyű im Januar 2020

die Produktion der 1.000.000ste Tonne auf der dortigen kombinierten Beiz- und Feuerverzinkungsanlage

gefeiert. Den Standort hat die Leverkusener Stahlgruppe 2017 eröffnet, er

ist der größte Produktionsstandort für Flachprodukte des Unternehmens.

Die Wuppermann Hungary liefert feuerverzinktes Breit- und Spaltband an Kunden in ganz

Europa – mit dem Schiff, Zug oder dem Lkw. Zu den Abnehmern zählen unter anderem die

Automobil- und Bauindustrie sowie die Beschlagtechnik, die Rohrfertigung und der Komponentenbau.

Die Bandbreiten liegen zwischen 600 und 1.650 mm und die Banddicken zwischen 1,0

und 6,0 mm. Darüber hinaus können aktuell Zinkauflagen bis Z600 produziert werden.

Die Wuppermann-Gruppe ist ein mittelständisches Familienunternehmen mit Sitz in Leverkusen,

das seit über 145 Jahren erfolgreich in der Stahlverarbeitung tätig ist. Zum Produktportfolio

zählen oberflächenveredelte Flachprodukte, Rohre und Rohrkomponenten aus

Stahl für den Maschinenbau, die Möbel-, Nahrungsmittel-, Verpackungs-, Fahrzeug-, Bauund

Solarindustrie sowie Wasser- und Abwassertechnik. Die Wuppermann-Gruppe verfügt

derzeit über fünf Produktionsstätten und mehr als 800 Mitarbeiter. Im Jahr 2019 erzielte

die Wuppermann-Gruppe einen Umsatz von rund 597 Millionen Euro.

Weitere Informationen unter

www.wuppermann.com

voestalpine Böhler Welding stärkt Marktposition

Hersteller für Schweißmaschinen akquiriert

Die Wuppermann

Hungary Kft.

im ungarischen

Győr-Gönyű.

voestalpine Böhler Welding, ein global tätiges Unternehmen im Bereich Schweißtechnik

und Teil des Technologiekonzerns voestalpine, beteiligt sich mehrheitlich am italienischen

Traditionsproduzenten für Schweißmaschinen Selco s.r.l. Damit baut voestalpine

Böhler Welding seine Marktposition, nach dem erfolgreichen Launch der Schweißmaschinenserien

„Böhler Welding“ im Juni 2019, weiter aus. Das meldete das Unternehmen

Anfang März.

Die nun erfolgte Beteiligung sei ein nächster Schritt für voestalpine Böhler Welding in der

strategischen Entwicklung zum Full Welding Solutions-Provider. „Wir freuen uns sehr, dass

wir damit unsere Kunden noch besser servicieren können und weiteres profitables Wachstum

für den Bereich Schweißtechnik möglich wird“, sagte Franz Kainersdorfer, Vorstandsmitglied

der voestalpine AG und Leiter der Metal Engineering Division, zu dem der Geschäftsbereich

Welding zählt. Das 1979 von Lino Frasson gegründete Unternehmen mit Fokus auf

Innovation und Qualität verfügt über 40 Jahre Know-how in der Produktion von Geräten und

Zubehör für Lichtbogen- und Plasmaschweißen. Von seinen Fertigungsstätten in Onara und

Cittadella in Italien aus werden Kunden in Europa, Südamerika und Australien beliefert.

Stahlreport 4|20

19


Anarbeitung

und Logistik

Bericht

Richtschneide-Biegemaschine MSR 25 zur

Verarbeitung von Betonstahl ab Ring mit der

progress Rotor-Richttechnik

Bilder: Tecozam, Progress Group

[ Kontakt]

Progress Maschinen &

Automation AG

Julius-Durst-Straße 100

39042 Brixen, Italien

+ 39 0472 979100

info@progress-m.com

www.progress-m.com

Ferrallas y Armados

Tecozam SLU

Av. de los Llanos, 79

49027 Zamora, Spanien

T + 34 980 514217

info@tecozam.com

www.tecozam.com

Ferrallas y Armados Tecozam vertraut auf Progress-Anlage

Richtschneide-Biegemaschine MSR 25 für

spanischen Hochgeschwindigkeitsverkehr

Seit 2005 verfügt die Tecozam-Group, eines der führenden spanischen Outsourcing-Unternehmen

im Bauingenieurwesen, mit Ferrallas y Armados Tecozam über eine eigene Biegerei. Damit trägt die

stark wachsende Unternehmensgruppe dem steigenden Bedarf an Bewehrung, vor allem im

Hochgeschwindigkeitsverkehr, Rechnung. Seit Ende 2019 arbeitet der Biegebetrieb im spanischen

Zamora mit einer MSR 25-Anlage aus dem Hause Progress Maschinen & Automation AG.

Mit der Zielvorgabe einer

umfangreichen Modernisierung der

bestehenden Bewehrungsproduktion

für gerichtete und gebogene Stäbe

entschied sich die spanische Biegerei

für die Inbetriebnahme einer

maßgefertigten Richtschneide-Biegemaschine

vom Typ MSR 25 von

progress Maschinen & Automation

AG, einem Unternehmen der

PROGRESS GROUP.

Sechs Niederlassungen

in vier Jahren

Die Tecozam-Group befindet sich

derzeit auf Erfolgskurs. In weniger

als vier Jahren gelang es, Niederlassungen

in sechs verschiedenen Ländern

in Europa und Amerika zu

eröffnen. Derzeit beschäftigt die spanische

Unternehmensgruppe weltweit

in etwa 470 Mitarbeiter und

der hauseigene Umsatz stieg auf

über 43 Mio. € an. Mit dem enormen

internationalen Wachstum wuchs

auch die Bedeutung der firmeneigenen

Biegerei für den nationalen

20 Stahlreport 4|20


Die Anlage verarbeitet Betonstahl vom Ring, was Progress zufolge einige wesentliche

Vorteile mit sich bringt: Lagerhaltungskosten werden reduziert, Platz wird eingespart,

Verschnitt fällt weg und unterschiedliche Stablängen können auf Maß produziert werden.

Bausektor. Derzeit verfügt Ferrallas

y Armados Tecozam über eine Produktionskapazität

von 150.000 kg

Betonstahl pro Tag.

Ein breites Portfolio

Ferrallas y Armados Tecozam ist

spezialisiert auf die Lieferung, Herstellung

und Montage von Stahlteilen

unterschiedlichster Art, verfügt über

eine umfangreiche Erfahrung im

Bauwesen auf nationalem sowie

internationalem Gebiet und beliefert

seit Jahren den Bausektor und das

Ingenieurwesen großer Teile

Europas sowie Amerikas mit innovativen

„Know-how“ und speziell

angefertigten Elementen. Das Unternehmen

punktet vor allem durch

seine komplette Ausführung samt

Planung großer Betonstrukturen und

realisiert unter anderem Land-,

q

Progress Maschinen & Automation AG hat den Trend zur Bearbeitung

immer größerer Durchmesser früh wahrgenommen und mit

der Entwicklung der entsprechenden Maschinen begonnen.

Stahlreport 4|20

21


Anarbeitung

und Logistik

Berichte

q Eisenbahn-, Hafen- und Flughafen -

infrastrukturen sowie große Wasserwerke.

Es bietet seine Dienstleistungen

derzeit neben Spanien auch

in Portugal, Großbritannien, der Slo-

Optimierte Produktion

dank neuer Richtschneide-

Biegemaschine MSR 25

Seit Ende 2019 arbeitet der

Biegebetrieb im spanischen

Zamora mit einer MSR 25-Anlage

wakei, Schweden, Finnland, Serbien,

Polen, den USA, Panama, und Katar

an.

Die erworbene Richtschneide-

Biegemaschine entstammt der neuesten

Generation der Modellreihe

MSR 25 der Progress Maschinen &

Automation AG. Die Anlage verarbeitet

den Betonstahl direkt vom Coil

und optimiert somit den kompletten

Produktionsfluss. Geringe Lagerhaltungskosten

sowie ein erleichtertes

Materialhandling fördern eine besonders

kosteneffiziente Produktion.

Die neue Modellreihe ist dem Hersteller

zufolge eine Antwort auf die

in den letzten Jahren ständig steigenden

Anforderungen an effizienten

Biegeanlagen und verfügt über

eine Reihe von technischen Lösungen,

welche für Sicherheit, eine hohe

Produktionsgeschwindigkeit, sowie

eine optimale Qualität des Endprodukts

sorgen sollen.

Hoher Automatisierungsgrad

macht wettbewerbsfähig

Ausgezeichnet durch die lang -

bewährte progress Rotor-Richttechnik,

einer technischen Lösung,

welche zu einer schnellen Produktionsgeschwindigkeit

und einer

hohen Qualität der Endprodukte beiträgt,

zeichnet sich die Anlage zudem

vor allem durch ihren hohen Automatisierungsgrad

aus. Zum Einsatz

kommen ausschließlich Elektroantriebe,

wodurch der Energiebedarf

und der Wartungsaufwand entsprechend

niedrig sind.

Flexibilität überzeugt

Das Unternehmen Ferrallas y Armados

Tecozam entschied sich für die

Anschaffung dieser Anlage nach dem

Besuch auf der Weltleitmesse für

Baumaschinen, der bauma in München.

Besonders die Möglichkeiten,

Betonstahl ab Ring mit einem Durchmesser

von bis zu 25 mm verarbeiten

zu können, haben es dem Unternehmen

angetan, so Nacor Guerra

Fernandez, Werksleiter der spanischen

Firma. Für einen wesentlichen

Mehrwert sorge die Anlage MSR 25

insbesondere durch die hohe Produktivität,

eine auftragsbezogene

Produktion, minimale Lagerhaltungskosten,

niedrige Stromanschlusswerte,

eine einfache Bedienung,

niedrige Wartungskosten,

keinen Verschnitt sowie eine hydraulikfreie

und optimale Richt- und Biegequalität.

2

22 Stahlreport 4|20


Bild: Dalmec GmbH

Der Manipulator

greift das Rohr mit

der eigens dafür ausgelegten

pneumatischen

Aufnahmevorrichtung

am

Außendurchmesser

und hebt es in der

horizontalen Lage von

der Rollenbahn ab.

Zur Ablage in einem

Transportbehälter

muss das Rohr

zusätzlich um 90°

geschwenkt werden,

damit dieses in vertikaler

Position abgestellt

werden kann.

Pneumatischer Manipulator greift bis zu 1.000 kg schwere Rohre

Schwere Röhren einfach bewegen

Bislang sind Kräne oder Industrieroboter die einzigen Möglichkeiten, schwere Rohre aus Stahl, Aluminium

und anderen Werkstoffen zu bewegen. Da die Kranseile jedoch oft ausschwingen und damit präzise

Bewegungen erschweren und Roboter teils sehr schnell arbeiten, wodurch Sicherheitszäune und

ständige Überwachung notwendig sind, hat die Dalmec GmbH einen Handhabungs-Manipulator konzipiert,

um große Metallrohre mit einem maximalen Gewicht von 1.000 kg umzusetzen. Der pneumatische

Handhabungs-Manipulator Megapartner kann in nahezu allen Industriezweigen eingesetzt

werden. Mit geringem Kraftaufwand lassen sich dem Unternehmen zufolge damit große, lange und

schwere Rohre zielgerichtet und vor allem sicher bewegen.

Der Megapartner verfügt über

eine rein pneumatische Steuerung,

die äußerst feine Positionierungen

erlaube. „Die pneumatische Greifereinheit

gibt dem Bediener die erforderliche

Sicherheit, das gewünschte

Lastgewicht heben und bewegen zu

können. Auf Grund der Länge der

Rohre ist zusätzlich ein großer

Arbeitshub erforderlich“, erläutert

Dieter Hager, Vertriebsleiter bei der

Dalmec GmbH.

Der maximale Arbeitsradius

beträgt dabei 5.000 mm, der vertikale

Hub bis zu 3.050 mm. Versorgt

wird der Megapartner mit trockener,

sauberer sowie öl- und schmutzfreier

Druckluft bei einem Arbeitsdruck

von 0,8 – 0,95 MPa.

Rohre zielgerichtet

und sicher bewegen

Der Megapartner erlaubt dem Bediener

eine ergonomische Arbeitsweise,

die vor allem in Sachen Arbeitssicherheit

punkten kann: „Zum einen

erlaubt der geringe Geräuschpegel

von weniger als 73 dB dem Werker

ein angenehmes Arbeiten. Zum

anderen ist die pneumatische Greifereinheit

konstruktiv ausgelegt worden,

um die erforderlichen Haltkräfte

beim Schwenken garantieren zu können

und somit ein Pendeln des Rohres

zu verhindern“, erklärt Hager.

Ein in der pneumatischen Aufnahmevorrichtung

integrierter

Spannzylinder, in Kombination mit

der Größe der korrekt dimensionierten

Greiferbacken, gewährleistet

somit eine sichere Lasthandhabung.

Die Geräte werden bereits in den

unterschiedlichsten Bereichen und

Branchen eingesetzt, so der Hersteller:

in der mechanischen Bearbeitung,

bei der Energiegewinnung für

Bohrstangen oder bei Bohrungen für

die Geothermie sowie für Hohlwellen

im Maschinenbau etwa bei der

Getriebemontage. 2

[ Kontakt]

Dalmec GmbH

85653 Aying bei München

+49 8085 9091-1

www.dalmec.de

Über Dalmec

Die Dalmec GmbH wurde 1986

als Tochtergesellschaft der Dalmec

S.p.A. gegründet, einem

Spezialbetrieb für pneumatische

Handhabungs-Manipulatoren mit

Sitz in Cles im Trentino. Das italienische

Mutterhaus ist mit insgesamt

acht Tochterunternehmen

in den wichtigsten

Industrieländern und mit Generalvertretungen

auf der ganzen

Welt vertreten. In Deutschland

sind 25 Mitarbeiter beschäftigt,

in der italienischen Zentrale

210.

Stahlreport 4|20

23


Anarbeitung

und Logistik

Berichte

Bild: ELB-Form GmbH

Mit der kürzlich von Schwarze-Robitec gelieferten

Rohrbiegemaschine CNC 80 E TB MR mit NxG-

Steuerung profitiert ELB-Form künftig von einer

deutlichen Zeitersparnis im Rohrbiegeprozess.

Schwarze-Robitec liefert effiziente Rohrbiegemaschine an ELB-Form

Intelligente Steuerung reduziert Taktzeiten

Mit einem Auftrag für eine neue Maschine von Schwarze-Robitec will ELB-Form Produktivität Effizienz steigern: Die neue

vollelektrische Multiradius-Rohrbiegemaschine CNC 80 E TB MR sorgt beim österreichischen Experten für Kalt- und

Warmformgebung für extrem kurze Taktzeiten. Ausschlaggebend ist die intelligente NxG-Steuerung der Maschine.

Sie senkt die Produktionszeit je nach Bauteil und gewünschter Rohrgeometrie um 20 bis 40 %.

[ Kontakt]

Schwarze-Robitec

GmbH

51109 Köln

+49 221 89008-0

www.schwarzerobitec.com

Engste Toleranzen auch bei

komplexen Rohrgeometrien für enge

Raumverhältnisse: Bei der Produktion

abgasführender Rohre und Systeme

erfüllt ELB-Form mit Sitz im

österreichischen Vandans (Vorarlberg)

die hohen Ansprüche seiner

Kunden, etwa aus der Automobilund

Luftfahrtbranche. Dafür konzipierte

der Rohrbiegeexperte

Schwarze-Robitec für seinen langjährigen

Partner eine CNC 80 E TB

MR – allerdings mit einem entscheidenden

Unterschied zu den Maschinen,

die dieser bislang kannte. Erstmals

setzt ELB-Form jetzt eine

Rohrbiegemaschine mit intelligenter

NxG-Steuerung ein.

Zeit sparen beim Biegen

Die intelligente Steuerung prüft bei

jeder Biegesequenz vollautomatisch

das Zusammenspiel aller Achsen

und stimmt die Bewegungsabläufe

optimal aufeinander ab. Während

also ein Biegevorgang noch im

Gange ist, werden die Achsen für

die nachfolgenden Arbeitsschritte

schon vorbereitet. Die Produktionszeit

sinkt so je nach Bauteil und

gewünschter Rohrgeometrie um 20

bis 40 % – je komplexer die zu biegende

Geometrie, umso größer die

Ersparnis.

Wie enorm dieser Vorteil für

ELB-Form vereinzelt tatsächlich ausfällt,

zeigte sich bei der Vorabnahme

der Maschine: Für eine spezielle

Anwendung sank die Zeit für einen

Biegeprozess von 35 auf 16 s. Gerade

in der sehr auf Taktzeiten bedachten

Automotive-Branche stellt das einen

relevanten Vorteil für Zulieferer dar.

Weitere Sekunden spart ELB-

Form mit der neuen Maschine auch

dank kürzerer Rüstzeiten mit dem

Werkzeugschnellwechselsystem

Quick-Tool-Unlock zur schnellen

und einfachen Montage und Demontage

ohne weitere Hilfsmittel.

Das System wirkt sich auch positiv

auf das Biegeergebnis aus: Da

die Bediener die Zugstangen nicht

mehr selbst – mal fester, mal weniger

fest – einstellen, steigen Wiederholgenauigkeit

und Prozesssicherheit.

Zusätzlich implementierte

Schwarze-Robitec ein kundenspezifisches

Login-System per Chip,

um die Rohrbiegemaschine harmonisch

mit anderen unternehmensinternen

Prozessen wie der Zeiterfassung

zu verknüpfen.

Seit mehr als 20 Jahren vertrauen

die Vorarlberger auf

Schwarze-Robitec und haben mehrere

CNC-Maschinen im Einsatz.

Angesichts des enormen Produktivitätssprungs

mit der neuen CNC

80 E TB MR plant ELB-Form nun,

eine weitere Bestandsmaschine mit

der NxG-Steuerung nachzurüsten.

24 Stahlreport 4|20


HGG Profiling Equipment und KALTENBACH werden Partner

Den Stahlbau

technologisch vorantreiben

HGG Profiling Equipment, Spezialist für hochpräzises Hochgeschwindigkeits-Plasmaschneiden

und 3D-Profilierung, und KAL-

TENBACH, einer der weltweit führenden Maschinen-Hersteller für

den Stahlbau und -handel, haben eine strategische Zusammenarbeit

in einem geographisch großen Gebiet angekündigt. Die Partnerschaft

von KALTENBACH und HGG konzentriert sich auf Lösungen

für thermisches Schneiden, Ausklinken, Bohren und Sägen von

Profilen und Trägern.

„Um die Grenzen der Technologie

zu erweitern und immer einen

Schritt voraus zu sein, müssen Technologieunternehmen

einen hohen

Grad an Spezialisierung anbieten können.

Indem wir das Beste aus thermischem

Schneiden mit dem Besten aus

Sägen/Bohren kombinieren, schaffen

wir für unsere Kunden eine Komplettlösung,

welche ihnen einen deutlichen

Mehrwert bietet und sich von der Konkurrenz

abhebt“, kommentierte Daan

van Dee, HGG Global Channel Manager.

Neuer Ausklinkroboter

Kaltenbach wird einen neuen Ausklinkroboter

zu seinem Produktportfolio

hinzufügen – Powered by HGG.

Der neue Kaltenbach-Ausklinkroboter

sei der weltweit fortschrittlichste Thermoschneidroboter,

welcher die leistungsstarke

Software von HGG mit

modernsten Scanmethoden und intelligentem

Schneiden mit deutscher

Ingenieurs- und Fertigungsqualität

sowie jahrelanger Erfahrung im Stahlgeschäft

kombiniert, so die Unternehmen.

„Bei Kaltenbach streben wir an,

unseren Kunden für jede Technologie

die beste Lösung zu bieten. Im Bereich

des 3D-Ausklinkens ist HGG seit Jahren

als Technologieführer bekannt.

Indem wir diese Technologie in unsere

automatisierten Stahlverarbeitungssysteme

integrieren, werden wir die

Produktivität unserer Kunden erheblich

steigern“, sagte Matthias Rummel,

Kaltenbach-Geschäftsführer Vertrieb.

Die Partnerschaft habe sich von

Beginn an als positiv erwiesen und

sei vom Markt bereits sehr gut ange-

nommen worden. Durch die Kombination

der Entwicklungskräfte beider

Firmen sehen die beiden Unternehmen

erhebliche Möglichkeiten für

Kunden. 2

HHG Profiling Equipment

HGG Profiling Equipment BV, im

Jahr 1984 gegründet, ist Spezialist

für hochpräzises Hochgeschwindigkeits-Plasmaschneiden

und 3D-Profilierung. Das

Unternehmen bietet unter dem

Namen FitPerfect-Technologie

einsatzbereite Schweißverbindungen

ohne die Notwendigkeit

von Layouts. Mit Hauptsitz in

Wieringerwerf, Niederlande, ist

HGG weltweit einer der führenden

Anbieter von Rohrschneidemaschinen,

Roboterprofilschneidlinien

und zugehörige

Schneidausrüstungslösungen.

Weitere Infos unter

www.hgg-group.com

(v.r.) Matthias Rummel (KALTENBACH, CSO), Rein

Groot (HGG, CEO), Markus Leutloff (KALTENBACH,

CEO), Daan van Dee (HGG, Global Channel Manager)

Weltweit der fortschrittlichste Thermoschneidroboter, so die

Unternehmen: der neue Ausklinkroboter von Kaltenbach –

Powered by HGG

Kaltenbach GmbH + Co. KG

Das Produktspektrum des süddeutschen

Maschinenbauunternehmens

Kaltenbach umfasst

neben Kreis- und Bandsägemaschinen,

Profilträgerbohrmaschinen,

Profilbearbeitungsroboter,

Schweißroboter, Blechbearbeitungszentren

auch Stanz-Scheranlagen,

Strahlanlagen, Konservierungsanlagen,

Markiersysteme

sowie Mess- und Transportsysteme.

Die Produkte eigenen sich

für die Bearbeitung von Stahl, Aluminium

und anderen NE-Metallen

in den unterschiedlichsten Werkstückabmessungen.

Weieitere Infos unter

www.kaltenbach.com

[ Kontakt]

Kaltenbach GmbH +

Co. KG

79539 Lörrach

+49 7621 175-0

www.kaltenbach.com

Stahlreport 4|20

25


Anarbeitung

und Logistik

Bericht/Nachricht

OXOMI: Medienportal für Industrie, Handel und Handwerk

Marketingmaterial immer aktuell halten

Für Handel und Industrie ist es eine große Herausforderung, stets alle artikelbezogenen Daten,

die im Umlauf sind, aktuell zu halten. Artikel, Preise, Bilder, Videos, Dokumente – all diese Daten

müssen zur Verfügung stehen. Für die manuelle Handhabung ist das eine enorm ressourcen- und

damit kostenintensive Aufgabe. Eine unabhängige Lösung bietet die von der scireum GmbH

betriebene Plattform OXOMI.

[ Kontakt]

scireum GmbH

73630 Remshalden

+49 7151 9031610

www.scireum.de

Vor zehn Jahren startete scireum

mit dem Vorhaben, Kataloge

digital durchsuchbar zu machen.

Inzwischen habe sich Oxomi als Quasi-

Standard für den Austausch produktbezogener

Daten zwischen Handel und

Industrie etabliert, so das Unternehmen.

Dass die Medien-Plattform stetig

an Beliebtheit gewinnt, zeigen die Zahlen:

allein 2019 wurden über eine

halbe Milliarde Zugriffe auf Artikel

und Kataloge verzeichnet.

So funktioniert Oxomi

Das wichtigste Feature der Plattform

ist, die Aktualität produktbezogener

Informationen und Marketingmaterialien

zwischen Handel und Industrie

zu gewährleisten. Die Industrie stellt

dabei ihre Daten on demand für den

Handel zur Verfügung. Neben Katalogen,

Preislisten, technischen Datenblättern

und Prospekten können auch

Bilder, Exposés und sogar Videos über

Oxomi bereitgestellt werden.

Für beide Seiten biete dieses System

klare Vorteile, wirbt das Unternehmen:

Hersteller können die eigenen

digital produzierten Marketingund

Produktinformationen direkt am

„Das augenscheinlich

schlichte Katalogportal

mausert sich zunehmend

zu einem wahren

Medienportal.“

Michaela Schwandt, E/D/E

Das E/D/E-

Oxomi-Portal

mit Fischer-

Katalogen

Point-of-Sale in bester Qualität ausliefern.

Händler profitieren von einem

enorm reduzierten Pflegeaufwand und

stets aktuellen Daten. Auch Handwerkern

erleichtert Oxomi die tägliche

Arbeit, indem sie schnell und intuitiv

an die benötigten Informationen kommen.

Ein richtiges Medienportal

Innerhalb der letzten zehn Jahre habe

sich Oxomi bei Handelshäusern und

Markenherstellern in ganz Europa

einen Namen machen können. Beide

Seiten – Industrie und Handel – bewerten

den Nutzen der Plattform und die

Vorteile, die Oxomi mit sich bringt,

positiv: „Die Oxomi-Welt hat viel

(mehr) zu bieten. Das augenscheinlich

schlichte Katalogportal mausert sich

zunehmend zu einem wahren Medienportal.

Die zahlreichen funktionalen

Finessen bieten bei näherer Betrachtung

ungeahnte Möglichkeiten. Für

uns hat sich ein Deep Dive in die Möglichkeiten

der Oxomi-Welt gleich doppelt

gelohnt. Neben eigener Nutzung

der Software zur Unterstützung unserer

internen Informationsbedarfe

konnten wir verschiedenste Unterstützungs-

und Vernetzungsmodelle

für unsere Händlerschaft ableiten.

Somit bieten wir gute Lösungen zur

Prozessoptimierung und leisten wichtige

Unterstützung bei der Vertriebsdigitalisierung

unserer Mitglieder“,

urteilt Michaela Schwandt, Bereichsleitung

Business Development, E/D/E.

Die Entwicklung der Kennzahlen

zeige, dass das System funktioniert

und benötigt werde: So stellen mittlerweile

über 1.450 Markenhersteller

ihre Daten bereit. Mehr als 300 Großhändler,

Verbände und sonstige Partner

(u.a. Presse, Softwarepartner) greifen

hierauf zurück. 2

Bilder: scireum

26 Stahlreport 4|20


Jungheinrich veranstaltete

virtuelle Messe

The Show must go on

Das Coronavirus hat dazu geführt, dass

weltweit Veranstaltungen und Konferenzen

abgesagt wurden, darunter die LogiMAT 2020

in Deutschland. Deshalb hat Jungheinrich kurzfristig

eine virtuelle Online-Messe geschaffen,

die es den Teilnehmern ermöglicht, das Jungheinrich-Angebot

für die Intralogistikbranche

so zu betrachten, als wären sie tatsächlich vor

Ort. Die Messe war vom 10. bis 12. März 2020

virtuell in drei Zeitzonen live zu sehen.

Ziel sei es gewesen, Kunden und Interessenten

die Vernetzung der Produkte deutlich zu

machen, damit sie die richtige Lösung für

ihre Bedürfnisse finden, sagte Christian

Erlach, Jungheinrich-Vorstand für Marketing

und Vertrieb. Visuell wurden dabei Jungheinrich-Themenstände,

Keynote-Sessions und

Chat-Räume widergespiegelt, in denen sich

die Gäste mit Online-Experten austauschen

konnten.

Im Mittelpunkt des Jungheinrich-Standes

stand die Zukunftsfähigkeit der Lagerhal-

Jungheinrich hat wegen des Ausfalls der Messe Logimat 2020 Gäste und Interessenten kurzfristig im

März zu einer virtuellen Messe eingeladen.

tung. Der Intralogistik-Spezialist präsentierte

vernetzte Lösungen für das Lager

der Zukunft, wobei die Digitalisierung und

Automatisierung im Mittelpunkt steht. Ein

Schwerpunkt waren Fahrerassistenzsysteme,

mit denen Jungheinrich den Arbeitsalltag

seiner Kunden entlasten und die Effizienz

sowie die Sicherheit im Lager

erhöhen möchte. „Das derzeitige Klima

stellt zwar eine Herausforderung für globale

Veranstaltungen dar, aber wir wissen,

dass dies nur vorübergehend sein wird,

deshalb freuen wir uns darauf, in Zukunft

eine Mischung aus virtuellen und physischen

Veranstaltungen anzubieten“, so

Erlach.

Bild: Jungheinrich

zwanzigz

zwanzig

Die Nr.

1 Ko

onferenz für den Stahl-Einkauf

15% Rabatt für BDS-Mitglieder:

Bei Anmeldung mit Code „BDS“

G

konfer

www.mbi-infosource.d

de/stahl-tag-2020


Anarbeitung

und Logistik

Bericht

Wärmerückgewinnung, neues Beleuchtungskonzept, neues

Druckluftkonzept: damit konnte Stahlhärter Hugo Schmitz seine

Energiekosten reduzieren und rund 190 t CO 2 im Jahr einsparen.

Bild: Hugo Schmitz GmbH & Co. KG

Stahlproduktion: CO2 einsparen mit smarten Mitteln

Stahlhärterei setzt

neues Energiekonzept um

LEDs, Wärmerückgewinnung und moderne Software: Der Stahlhärter Hugo Schmitz hat gemeinsam

mit den Arnsberger Stadtwerken und dem Dienstleister Tilia ein umfassendes Energiekonzept

umgesetzt. Damit konnte das Unternehmen nicht nur seine Energiekosten enorm reduzieren – sondern

spart auch rund 190 t Kohlenstoffidioxid im Jahr.

[ Kontakt]

Hugo Schmitz GmbH

& Co. KG – Ein Unternehmen

der Risse +

Wilke-Firmengruppe

58119 Hagen-

Hohenlimburg

+49 2334 95890

www.hugoschmitz.de

Tilia GmbH

04103 Leipzig

+49 341 33976058

www.tilia.info

Die 1876 gegründete Hugo

Schmitz GmbH & Co. KG gehört seit

zwei Jahren zur Risse + Wilke-Unternehmensgruppe.

Ihre rund 60 Mitarbeiter

härten und walzen in Hagen-

Hohenlimburg Bandstähle. Die

Stähle werden verwendet um Sägen,

Werkzeuge und Federn herzustellen.

Sie gehen außerdem an die Stanzund

Biegeteilindustrie.

Temperaturen bis 1.000 °C

Die steigenden Energiekosten trafen

Hugo Schmitz besonders. Daher entschloss

sich das Unternehmen 2018

gemeinsam mit der Leipziger Tilia

GmbH ein Paket von Effizienzmaß-

nahmen zu entwickeln und umzusetzen.

Die Stadtwerke Arnsberg

finanzierten das Projekt im Rahmen

eines Einspar-Contracting über zehn

Jahre. Das Ziel der Zusammenarbeit:

Energieverbrauch, Kosten und CO 2 -

Emissionen signifikant reduzieren.

„Zum Auftakt haben wir im Werk

eine Bestandsaufnahme durchgeführt“,

berichtet KlausJoachim Pfeuffer,

Geschäftsführer der Tilia Effizienz

GmbH. „Wir haben analysiert,

wo Hugo Schmitz die Energieeffizienz

steigern kann – bei der

Beleuchtung, Heizung inklusive Einsatz

einer Wärmerückgewinnung

und der Druckluftbereitstellung.

Zusätzlich haben wir empfohlen, ein

softwaregestütztes Energiedatenmanagement

einzuführen und Unterzähler

zu installieren. Damit kann

das Unternehmen Energieflüsse und

Energiekosten transparent machen.“

LEDs sparen über 60 % Energie

Für die Beleuchtungsanlage in den

Werkhallen ermittelte Tilia eine

installierte Leistung von ca. 55 kW.

Das Problem: Die Anlage war relativ

alt und nicht mehr optimal auf die

veränderten Produktionsbedürfnisse

angepasst. Deshalb ersetzten die

Techniker die veralteten Hallenstrahler

und Leuchtstoffröhren durch

28 Stahlreport 4|20


moderne LED-Beleuchtung. An wichtigen Stellen gestalteten

sie außerdem die Beleuchtungssituation so um,

dass Effizienz und Ausleuchtung sich deutlich verbesserten.

Im Endeffekt konnte Hugo Schmitz die eingesetzte

Leistung bzw. den Stromverbrauch für die Beleuchtung

um ca. 62 % reduzieren. Ein positiver Nebeneffekt: LED-

Leuchten haben eine deutlich längere Lebensdauer als

konventionelle Leuchtmittel. So verringert sich neben

den Energiekosten der Aufwand für Wartung und

Instandsetzung.

Heißes Abgas sinnvoll nutzen

Teil des erarbeiteten Konzepts war die Wärmerückgewinnung

an einer der Härtelinien: „Heißes Abgas wurde

bisher einfach in die Umwelt abgegeben“, sagt Stephan

Werthschulte von der Tilia. „Jetzt nutzen wir die Wärme

für die Raumheizung und Warmwasserbereitung. Das

reduziert den Erdgaseinsatz in der Heizzentrale beträchtlich,

denn die industrielle Abwärme steht nahezu ganzjährig

zur Verfügung. Wenn keine Wärme nötig ist, sorgen

zwei Pufferspeicher mit jeweils 1.000 l für den

Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage.“

Zudem haben Hugo Schmitz und Tilia den mehr als

40 Jahre alten Heizkessel durch einen effizienten Gas-

Brennwert-Kessel ersetzt und um eine Trinkwarmwasserbereitung

ergänzt, die exakt auf den Bedarf ausgelegt

ist. Das spart Ressourcen.

Neben Potenzialen bei Beleuchtung und Wärme

hatte die Auftaktanalyse der Partner unverhältnismäßig

hohe Energieverbräuche für die bereitgestellte Druckluftmenge

ergeben. Die Ursachen: Durch Leckagen ging

viel Druckluft verloren, außerdem war der Kompressor

ungünstig platziert. Zudem verursachte die Drucklufterzeugung

in der Werkhalle mit schmutzbelasteter und

warmer Ansaugluft einen hohen Wartungsaufwand des

Kompressors und drückte die Effizienz der Drucklufterzeugung.

Weil das Bestandsnetz teilweise unzugänglich war,

mussten die Partner das Druckluftnetz komplett neu

errichten. „Wir haben den Kompressor im Außenbereich

platziert, so dass er nun saubere und kühlere Luft

ansaugt“, so Pfeuffer. „Die Kombination aller Maßnahmen

führt dazu, dass sich die Investition innerhalb

weniger Jahre amortisiert.“

JAHRE

Familienunternehmen

STAHLHANDEL

BEWÄHRTE LÖSUNGEN

Bewehrungsstahl kann trotz Schutzwirkung durch hohe Alkalitätt des

Betons unter Umständen korrodieren, was zu schwer oder gar nicht

sanierbaren Bauschäden führen kann. Feuerverzinkung – der pe

rfe

ek-

te „Bewehrungshelfer“ gemäß DIN EN ISO 1461 mit DIBt-Zulassung.

Meh hr unter

www w.coatinc.com

Potenziale für die Zukunft

Um den Energieverbrauch künftig in Echtzeit überwachen

zu können, führten die Partner ein Tool ein, womit

sie Energiedaten auswerten und erfassen können. Außerdem

installierten sie Unterzähler für Strom und Erdgas.

Das System bildet Energieverbrauchsdaten fortlaufend

ab und zeichnet sie so auf, dass Hugo Schmitz die Daten

für das Energiecontrolling und energierelevante Kennzahlen,

zum Beispiel zur Zertifizierung nach DIN EN

50001 nutzen kann. Energieverbräuche und Kosten

kann das Unternehmen jetzt Produktionsbereichen und

Produkten zuordnen – und so weitere Einsparpotenziale

für die Zukunft identifizieren. 2

Die neue KASTOmiwin.

Die neue Doppelgehrungsbandsäge für

die wirtschaftliche Profilbearbeitung.

Bei Gerad- und beidseitigen Gehrungsschnitten überzeugt die

neue Hochleistungs-Bandsägebaureihe KASTOmiwin mit einem

Gehrungsbereich von -45 bis + 60 Grad. Zahlreiche Funktionen

wie ein elektrischer Sägevorschubantrieb, automatische elektronische

Bandarmverstellung und opitimierte Schnittzeiten

durch KASTOrespond sind Garant für Effizienz und Präzision.

Stahlreport 4|20

29

Überzeugen Sie sich auf

www.kasto.com


Messen

und Märkte

Messetermine

Verschobene/abgesagte Messen

und Termine – ein Überblick

wire und Tube

Neuer Termin:

07.–11.12.2020

Die Messe Düsseldorf hat auf die aktuellen Entwicklungen und die Ausbreitung des

Corona-Virus Anfang März die beiden internationalen Weltleitmessen der Draht-, Kabelund

Rohrindustrie, wire und Tube, auf den 7. bis 11. Dezember 2020 verschoben. Die

Messe Düsseldorf betonte in ihrer Pressemitteilung dass bestehende Verträge mit der

Messe Düsseldorf bleiben auch für den neuen Termin gültig sind. Auch bereits gekaufte

Besuchertickets behalten ebenfalls ihre Gültigkeit. Erwartet werden insgesamt rund

2.600 Aussteller in 15 Messehallen, die neueste Maschinen und Anlagen zur Draht- und

Rohrherstellung, Be- und Verarbeitung, Endprodukte, Produkte und Dienstleistungen präsentieren.

Weitere Informationen unter: www.tube.de

LogiMAT 2020

Neuer Termin:

09.–11.03.21

Die LogiMAT – 18. Internationale Fachmesse

für Intralogistik-Lösungen und

Prozessmanagement 2020 ist aufgrund

einer behördlichen Anordnung abgesagt

worden. Es konnte für 2020 kein Ersatztermin

gefunden werden, so dass die

nächste LogiMAT erst wieder im Frühjahr

2021 in Stuttgart stattfinden wird. Die

LogiMAT gibt einen Überblick für den

innerbetrieblichen Materialfluss und die

IT-Steuerung von der Beschaffung über

die Produktion bis zur Auslieferung.

Weitere Informationen unter:

www.logimat-messe.de

HANNOVER MESSE 2020 fällt aus

Neuer Termin:

12.–16.04.21

Die Hannover Messe, größte Industriemesse der Welt, fällt dieses Jahr wegen des Coronavirus

aus. Einreisebeschränkungen, Kontaktverbote und eine Verfügung der Region

Hannover machten die Ausrichtung unmöglich, teilte die Deutsche Messe mit.

Weitere Informationen: www.hannovermesse.de

Internationale

Eisenwarenmesse

Neuer Termin:

21.–24.02.21

Die für Anfang März

2020 in Köln geplante

Internationale Eisenwarenmesse

ist auf

Februar 2021 verschoben

worden. Der Veranstalter

hat damit auf die weltweite

Lage rund um das Auftreten des Corona-

Virus reagiert. Die Internationale Eisenwarenmesse

ist die weltweit wichtigste

Innovations- und Geschäftsplattform der

Hartwarenbranche.

Weitere Informationen unter:

www.eisenwarenmesse.de

CastForge auf Juni 2021 verschoben

Neuer Termin:

08.–10.06.2021

Die Messe Stuttgart verschiebt die Cast-

Forge 2020, Fachmesse für Guss- und

Schmiedeteile mit Bearbeitung. Vom 8.

bis 10. Juni 2021 trifft sich die Branche

auf dem Stuttgarter Messegelände, um

ihr Leistungsspektrum zu präsentieren.

Weitere Informationen unter:

www.castforge.de

METAV-Termin steht fest

Neuer Termin:

23.–26.03.21

Die METAV Internationale Messe für

Technologien der Metallbearbeitung

2020 ist auf den März 2021 verschoben

worden. Sie findet nunmehr vom 23. bis

26. März 2021 in Düsseldorf statt.

Weitere Informationen unter:

www.metav.de

METPACK 2020 verschoben

Neuer Termin:

23.–27.02.21

Die Weltleitmesse für Metallverpackungen

METPACK 2020 ist von Mai 2020

auf Februar 2021 verschoben worden.

Damit findet die internationale Fachmesse

für Metallverpackungen zeitgleich

mit der ebenfalls verschobenen interpack

statt.

30 Stahlreport 4|20


LASYS auf 2022

verschoben

Neuer Termin:

21.–23.06.22

Die nächste LASYS findet vom 21. bis

23. Juni 2022 auf dem Stuttgarter Messegelände

statt und fokussiert sich als

einzige internationale Fachmesse konsequent

auf Systemlösungen für die Laser-

Materialbearbeitung. Seit dem Messestart

im Jahr 2008 hat sie sich

erfolgreich als Anwenderplattform für

Laser-Systemlösungen und -Applikationen

etabliert. Branchen- und materialübergreifend

spricht die LASYS insbesondere

Entscheidungsträger aus der

internationalen Industrie an.

WTT-Expo 2020 erstmals am Standort Düsseldorf

Neuer Termin:

07.–09.12.2020

Industrielle Wärmerückgewinnung, Industriewärmetauscher und Wärmeträgertechnik-

Systeme stehen im Fokus der WTT-Expo, die vom 7. bis 9. Dezember 2020 zum ersten

Mal als Fachschau im Rahmen der Tube Düsseldorf stattfindet.

Weitere Informationen unter:

www.pp-publico.de sowie www.Tube.de

Weitere Informationen unter:

www.lasys-messe.de

MACH auf 2021 verschoben

Neuer Termin:

25.–28.01.21

Die ursprünglich für April angesetzte

MACH 2020, Internationale Fachmesse

für Werkzeugmaschinen und Fertigungstechnologie

in Birmingham ist auf Januar

2021 verschoben worden.

Weitere Informationen:

www.machexhibition.com

Control 2020 abgesagt

Neuer Termin:

04.–07.05.21

Die Messe Control 2020, Internationale

Fachmesse für Qualitätssicherung, die

jährlich in Stuttgart stattfindet, ist abgesagt.

Die nächste Control findet im Mai

2021 statt. Die Control ist eine international

wichtige Fachveranstaltung für alle

Themen rund um Visionstechnologie,

Bildverarbeitung, Sensortechnik sowie

Mess- und Prüftechnik.

Weitere Informationen:

www.control-messe.de

GRINDTEC

Neuer Termin:

10.–13.11.20

Die GrindTec 2020 Weltleitmesse für

Schleiftechnik findet nunmehr vom 10.

bis 13. November 2020 in der Messe

Augsburg statt. Der Veranstalter hatte

sich aufgrund der aktuellen Empfehlungen

des Robert Koch Instituts wegen der

Ausweitung des Coronavirus dazu entschlossen

die ursprünglich für März

2020 vorgesehene Messe in den November

2020 zu verschieben.

Weitere Informationen unter:

www.grindtec.de

PaintExpo

Neuer Termin:

12.–15.10.20

Die PaintExpo, Weltleitmesse für industrielle

Lackiertechnik, wird vom 12. bis

15. Oktober 2020 auf dem Messegelänge

Karlsruhe stattfinden. Der Veranstalter

FairFair GmbH hat die Messe, die

ursprünglich im April 2020 stattfinden

sollte, aufgrund der dynamischen Ausbreitung

des Coronavirus verschoben.

Weitere Informationen:

www.paintexpo.de

Verschiebung der KASTO-Jubiläumsfeier

Neuer Termin: N.N.

Aufgrund der aktuellen Entwicklung rund um das Coronavirus hat das Unternehmen

KASTO Maschinenbau GmbH & Co. KG sich dazu entschlossen ihre Jubiläumsveranstaltung

am 7. Mai 2020 auf unbestimmte Zeit zu verschieben. „Diese Entscheidung

ist uns äußerst schwergefallen. Jedoch ist es momentan nicht abzuschätzen, wie

sich die Situation in Deutschland und Europa weiterentwickelt – und wir möchten

weder unsere Mitarbeitenden noch unsere Gäste vermeidbaren Gefahren aussetzen.

Wir hoffen natürlich, dass sich die Lage zeitnah wieder entspannt und wir unsere Jubiläumsfeier

später im Jahr gemeinsam mit Ihnen nachholen können“, teilte Herr Armin

Stolzer Geschäftsführender Gesellschafter der KASTO Maschinenbau GmbH & Co. KG

mit.

Stahlreport 4|20

31


Messen

und Märkte

Messetermine

Alternativen zu

Messen und Co.

Innovationen in der Logistik

BVL.digital bietet Live-Webinare an

Das Live-Webinar „Herausforderungen

und Chancen für die Last-Mile-Logistik

der Zukunft“ am 28. April 2020 von 11:00

bis 12:00 Uhr beschäftigt sich mit den großen

Herausforderungen die die Logistiker

aufgrund von vollen Straßen, Umweltauflagen

und veränderte Kundenverhalten

bewältigen müssen.

Die Durchschnittsgeschwindigkeit im Straßenverkehr

ist in den letzten Jahren gesunken,

was kürzlich die gemeinsame Studie

mit HERE Technologies gezeigt hat. Hinzu

kommt, lange Lieferfenster über mehrere

Stunden werden von Kunden nicht mehr

akzeptiert. Welche Herausforderungen sich

in der Last-Mile-Logistik außerdem abzeichnen,

welche Lösungsszenarien es gibt und

wie effektiv diese sind, wird in diesem

Webinar gezeigt.

Inhalte des Webinars:

1. Entwicklung im Verkehr und wie sich das

Kundenverhalten ändert

2. Welche Anforderungen sich daraus ergeben

für die Last-Mile-Logistik

3. Lösungsszenarien und Bericht aus der

Praxis

4. Fragen und Diskussion

Am 12. Mai 2020 von 11:00 bis 12:30 Uhr

findet das Webinar „Data Science und

Machine Learning in der Logistik“ statt.

Artificial Intelligence (AI) und Machine Learning

sind für viele Logistiker Zukunftsmusik,

doch warum noch warten? Bereits heute

lassen sich mittels moderner Tools, die Flut

an Daten managen und Prozesse optimieren.

In Zeiten des Fachkräftemangels können

AI Tools Mitarbeiter entlasten und Prozesse

effizienter gestalten. In diesem

Webinar erhalten Sie Einblicke in die spannenden

Felder der AI sowie des Machine

Learnings.

Inhalte des Webinars:

1. Einführung in AI & Machine Learning

2. Ihre Reise zu AI mit passenden Tools, die

schnelle Ergebnisse liefern

3. Live-Demos:

Datenaufbereitung & Forecasting

Watson Services/Watson Assistant

Logistik Use Case

4. Erfolgsgeschichten unserer Kunden

5. Fragen und Diskussion

Weitere Informationen, Programme und

Anmeldungen zu den Webinaren unter

www.bvl-digital.de/webinare

Neue Webinar-Termine

von 3M

Wissen bedeutet Sicherheit, gerade wenn

es um Tätigkeiten in herausfordernden

Arbeitsumgebungen geht. Deshalb setzt

3M die Webinar-Reihe für Sicherheitsbeauftragte

in Unternehmen fort.

Vorhandenes Fachwissen auffrischen

oder gezielte Fortbildungsmöglichkeiten

nutzen: In der Webinarreihe „3M Science

of Safety“ vermitteln 3M Arbeitsschutz-

Experten fundiertes Fachwissen in kompakter

Form – von der Auswahl der

geeigneten PSA über ihre richtige Pflege

bis zu spezifischen Themen wie Schweißer-Arbeitsplätzen

oder dem sicheren

Arbeiten in der Höhe. Die Teilnehmer

können live dabei sein, ohne ihren

Arbeitsplatz verlassen zu müssen. Zusätzlich

stehen die Webinare online zum späteren

Abruf bereit.

Nissen & Velten startet Podcast-Reihe

„Digitalisierung im Großhandel“ heißt die neue Podcast-Reihe von Nissen & Velten. Die

erste veröffentlichte Folge von „Digitalisierung im Großhandel“ trägt den Titel „ERP-Software

erfolgreich einführen“. Lutz Thielemann gibt im Gespräch mit Rainer Hill Tipps und

Anregungen und zeigt auf, welche „To Do’s“ und „Not To Do’s“ mittelständische Unternehmen

bei ihrem ERP-Projekt im Auge behalten sollten. Die zweite Folge wird sich mit Künstlicher

Intelligenz im ERP-System auseinandersetzen. Die erste Podcast-Folge ist bereits auf

der Website von Nissen & Velten verfügbar.

Weitere Informationen unter:

www.nissen-velten.de

Gegen das Messe-Vakuum

Als neue Möglichkeit, sich auch ohne Messen weiter zu vernetzen und auszutauschen

gehen neue Online-Formate an den Start, z.B. die neue Plattform industrial generation network

. Die von IBM Deutschland GmbH angebotene Plattform verspricht:

z nehmen Sie bereits vereinbarte Termine zum persönlichen Gespräch risikofrei wahr

z finden und kontaktieren Sie relevante Branchenexperten und Unternehmen auf der

Grundlage Ihres persönlichen Profilssammeln und vergleichen Sie zielgerichtet Informationen

zu Unternehmen und Produkten

Weitere Informationen unter:

www.industrial-generation.network

Kostenfreie Teilnahme per Web

Jede Veranstaltung dauert etwa eine

Stunde und ist kostenlos. Zur Teilnahme

ist lediglich ein Computer mit Internetverbindung

erforderlich. Im Anschluss an

den Vortragsteil beantworten die Referenten

weitere Fragen der Teilnehmer.

Die Termine im Überblick (Beginn jeweils

um 14 Uhr):

z 22. April 2020: Schweißen – Gefährdungen

und Wahl der PSA

z 20. Mai 2020: Dichtsitzprüfungen

z 24. Juni 2020: Arbeiten in der Höhe

z 23. September 2020: Erarbeiten eines

effektiven Programms zur Erhaltung des

Gehörs

z 21. Oktober 2020: Effektives Programm

für den Schutz von Kopf, Augen und

Gesicht

z 18. November 2020: Einsatz, Pflege und

Instandhaltung von PSA

32 Stahlreport 4|20


Alle neuen Messetermine auf einen Blick

12. bis 14. Mai 2020 JEC World, Verbundstoffmesse Paris

12. bis 15. Oktober 2020 PaintExpo, Weltleitmesse für industrielle Lackiertechnik Karlsruhe

10. bis 13. November 2020 GRINDTEC, Weltleitmesse für Schleiftechnik Augsburg

7. bis 9. Dezember 2020 WTT-Expo 2020, Fachschau für industrielle Wärmerückgewinnung, Düsseldorf

Industriewärmetauscher und Wärmeträgertechnik-Systeme

7. bis 11. Dezember 2020 wire und Tube, Internationale Fachmesse für Rohr, Röhren, Herstellung und Düsseldorf

Verarbeitung sowie Internationale Messe der Draht- und Kabelindustrie

25. bis 28. Januar 2021 MACH, Internationale Fachmesse für Werkzeugmaschinen und Fertigungstechnologie Birmingham

21. bis 24. Februar 2021 Internationale Eisenwarenmesse Köln

23. bis 27. Februar 2021 METPACK, Weltleitmesse für Metallverpackungen Essen

9. bis 11. März 2021 LogiMAT, Fachmesse für Intralogistik-Lösungen und Prozessmanagement Stuttgart

23. bis 26. März 2021 METAV, Internationale Messe für Technologien der Metallbearbeitung Düsseldorf

12. bis 16. April 2021 Hannover Messe, Internationale Industriemesse Hannover

4. bis 7. Mai 2021 Control, Internationale Fachmesse für Qualitätssicherung Stuttgart

8. bis 10. Juni 2021 CastForge, Fachmesse für Guss- und Schmiedeteile mit Bearbeitung Stuttgart

21. bis 23. Juni 2022 LASYS Fachmesse für Systemlösungen für die Laser-Materialbearbeitung Stuttgart

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Das Stahlkonzept der NORDWEST Handel AG

für den privaten mittelständischen Stahlhandel.

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Stahlreport 4|20 33


Messen

und Märkte

Bericht

Deutschland vor Rezession – umfangreicher Schutzschirm für die Wirtschaft

„Wir lassen niemanden alleine“

„Corona“ hat zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses dieser Stahlreport-

Ausgabe (Ende März 2020) nicht nur den Alltag in Deutschland,

Europa und vielen Ländern und Regionen weltweit weitgehend still

gelegt, sondern auch die Wirtschaft. Niemand kann derzeit verlässlich

prognostizieren, welche Auswirkungen diese Krise tatsächlich

hat. Klar ist aber, dass die Folgen schon jetzt gravierend sind. Viele

Wirtschaftsforscher rechnen für dieses Jahr mit einer tiefen Rezession.

Um die Auswirkungen abzufedern und angesichts dieser außergewöhnlichen

Situation haben die Bundesregierung sowie die administrativen

Institutionen der EU wirtschaftliche Hilfsmaßnahmen auf den

Weg gebracht, die ohne Beispiel sind. Ein Überblick.

Was sagen die Wirtschaftsforscher?

Derzeit sind Wirtschaftsforschungsinstitute damit beschäftigt,

die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Wirtschaft

zu prognostizieren und geeignete Maßnahmen zu empfehlen

– unter anderen das ifo Institut – Leibniz-Institut

für Wirtschaftsforschung an der Universität München e.

V. und das IfW Kiel.

ifo Institut: Corona wird Deutschland Hunderte

von Milliarden Euro kosten

Das Coronavirus wird Deutschlands Wirtschaft Hunderte

von Milliarden Euro Produktionsausfälle bescheren, Kurzarbeit

und Arbeitslosigkeit in die Höhe schießen lassen

und den Staatshaushalt erheblich belasten. Zu diesem

Schluss kamen die Forscher des ifo Instituts Ende März.

„Die Kosten werden voraussichtlich alles übersteigen,

was aus Wirtschaftskrisen oder Naturkatastrophen der

letzten Jahrzehnte in Deutschland bekannt ist“, sagte ifo-

Präsident Clemens Fuest. „Je nach Szenario schrumpft

die Wirtschaft um 7,2 bis 20,6 %. Das entspricht Kosten

von 255 bis 729 Mrd. €.“

Ziel müsse es sein, die Teilschließung der Wirtschaft

zu verkürzen, ohne die Bekämpfung der Epidemie zu

beeinträchtigen. Es seien Strategien erforderlich, um eine

Wiederaufnahme der Produktion mit einer weiteren Eindämmung

der Epidemie zu verbinden.

Maßnahmen

ifo-Präsident Fuest formulierte mehrere Maßnahmen, um

den negativen Auswirkungen etwas entgegenzusetzen.

z selbstständige sowie kleine und mittlere Unternehmen

sollten einige Monate keine Steuern zahlen müssen

z Zusätzliche Hilfen für Beschäftigte, die ihr Einkommen

verlieren

z Liquiditätshilfen und staatliche Garantien

z Regeln des Insolvenzrechts vorübergehend lockern

z Bankenaufsicht sollte Spielräume der Banken vorüber-

gehend erweitern, um Dominoeffekt durch Kreditausfälle

zu vermeiden

z hoch verschuldete Länder konsequent stützen

IfW Kiel: Deutsches BIP dürfte 2020

zwischen 4,5 und 9 % einbrechen

Das IfW Kiel geht in seinen Konjunkturberechnungen

von zwei Szenarien aus: einen „Lockdown“ der deutschen

Wirtschaft einmal bis Ende April, einmal bis Ende Juli,

mit anschließender Erholung der Wirtschaft zurück auf

das vorherige Niveau.

Demzufolge fällt das deutsche Bruttoinlandsprodukt

(BIP) in diesem Jahr um 4,5 %, sofern die derzeitige Stresssituation

bis Ende April andauert und sich dann ab Mai

allmählich entspannt. Dies wäre ein Rückgang der Wertschöpfung

von 150 Mrd. €. Setzt die Erholung erst drei

Monate später im August ein, würde das deutsche BIP

um 8,7 % fallen, prognostiziert das Institut.

Wie sich die Krise tatsächlich auswirkt sei davon

abhängig, ob die dämpfenden Maßnahmen ab Mai allmählich

nachlassen, und die Corona-bedingten Produktionsausfälle

binnen sechs Monaten abklingen, oder ob

die Erholung erst später im August einsetzt und die Produktion

in den verschiedenen Branchen erst zu Beginn

des kommenden Jahres auf das Vor-Corona-Niveau zurückkehre.

Aufgrund der weltweiten Belastung der Konjunktur

sei mit keinen nennenswerten Nachholeffekten im weiteren

Jahresverlauf zu rechnen, so das Institut – auch wenn

dafür freie Kapazitäten verfügbar wären.

Schutzschirm für Unternehmen

Die Bundesregierung mit Bundesfinanzminister Olaf Scholz

und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hat angesichts

der außergewöhnlichen Situation eine Reihe von

Maßnahmen auf den Weg gebracht, um die wirtschaftlichen

Auswirkungen der Corona-Krise abzufedern. Ein klares

34 Stahlreport 4|20


„Für Kreditzusagen der KfW gibt

es keine Grenze nach oben. Das ist

die Bazooka, nach Kleinwaffen

schauen wir später.“

Olaf Scholz, Bundesfinanzminister, am 13. März 2020

Signal, das zugleich das Ausmaß der Krise zeigt, ist dabei

die Aufstockung der KfW-Kreditprogramme um 20 Mrd. €,

dazu kommen grundsätzlich im Bundeshaushalt zur Verfügung

stehende Garantien von 550 Mrd. €. Zum Vergleich:

In der Finanzkrise 2008/2009 hatte die Regierung 480

Mrd. € für die Bankenrettung bereitgestellt.

Bundeswirtschaftsminister Altmaier hat weiter einen

Drei-Stufen-Plan vorgelegt. Auf Stufe Eins greifen bislang

z finanzielle Soforthilfen für Kleinstunternehmen und

Soloselbstständige

z Ausweitung des Kurzarbeitergelds

z Liquiditätshilfen

z Steuerstundung

Werden die wirtschaftlichen Folgen des Virus gravierender,

könnten Kredite flexibler gestaltet und um weitere Milliarden

aufgestockt werden. Auf der dritten Stufe sollen

Konjunkturprogramme im großen Stil Unternehmen helfen,

die wegen des Corona-Virus ihre Produktion aufgrund

unterbrochener Lieferketten einstellen müssen und Insolvenzen

drohen.

Corona und Stahl

Die Corona-Krise wirkt sich massiv auch auf die Stahllieferketten

aus. Stahlhersteller in ganz Europa reagieren

mit Produktionskürzungen bis hin zu Werksschließungen.

So hat Arcelormittal Mitte März angekündigt, die Produktion

an den europäischen Flachstahlstandorten zu reduzieren.

Konkret betroffen sind in Deutschland MBI Stahl

Aktuell zufolge die Standorte Bremen, Bottrop sowie Eisenhüttenstadt.

Bei voestalpine ist durch „massive Kapazitätsreduktionen

bzw. laufende Produktionsstillstände in der Automobil-,

Luftfahrt-, Maschinenbau- sowie in der Öl- und

Gasindustrie“ die Nachfrage in den wichtigsten Kundensegmenten

innerhalb weniger Tage eingebrochen, wie

der Konzern Ende März meldete. Um der Situation Rechnung

zu tragen und Arbeitsplätze so gut wie möglich abzu-

sichern, hat der Stahlhersteller in rund 50 europäischen

Konzerngesellschaften Kurzarbeit angemeldet (neben

Österreich u.a. in Deutschland, Belgien und Frankreich).

thyssenkrupp meldet, dass wegen der COVID-19 Pandemie

eine verlässliche Einschätzung der Geschäftsentwicklung

des Geschäftsjahrs 2019/2020 derzeit nicht

möglich sei. Der Prognosebericht für den Konzern für das

Geschäftsjahr 2019/2020, den der Konzern im Geschäftsbericht

für das vergangene Geschäftsjahr veröffentlicht

hatte, werde nicht länger aufrecht erhalten. Ebenso äußerte

sich die Salzgitter AG.

Auch die beiden saarländischen Hersteller Dillinger

und Saarstahl haben ihre Produktion gedrosselt. Einige

der Produktionsbereiche und Aggregate – wie Hochofen

und Kokerei – werden, weil sie aus technischen Gründen

im Warmzustand und funktionsfähig gehalten werden

müssen, „an der technisch möglichen Grenze betrieben“.

Zum Gesamtbild gehört aber auch, dass viele Stahl

verarbeitende Unternehmen unter erschwerten Bedingungen,

so gut es geht und unter starken Vorsichtsmaßnahmen

weiterarbeiten. Zu einem wie in Italien Mitte

März verkündeten nahezu kompletten „Lockdown“ auch

industrieller Betriebe, soweit sie für die unmittelbare Versorgung

keine Rolle spielen, ist es in Deutschland bislang

noch nicht gekommen. 2

Info

Da sich in der Corona-Krise derzeit täglich neue Entwicklungen ergeben,

können die hier zusammengestellten Informationen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung

oder kurz darauf bereits veraltet sein. Wir haben uns dennoch

entschlossen, COVID-19 und seine wirtschaftlichen Auswirkungen zu

thematisieren, da die Pandemie derzeit ein so beherrschendes Thema ist,

dass nicht darauf einzugehen für uns keine Alternative war. Wir haben versucht,

nur solche Informationen aufzunehmen, die eine gewisse Halbwertszeit

zu bieten scheinen und die Situation aus längerfristigem Blickwinkel

betrachten.

Weitere Infos zu Krediten & Hilfsprogrammen:

KfW: bit.ly/infokfwkredite; Business Insider: bit.ly/businessinsiderinfo

Stahlreport 4|20

35


Messen

und Märkte

Bericht

Fehlende Aufträge durch Umstellung auf Elektrofahrzeuge

Werkzeugbau vor großen Herausforderungen

In vielen Werkzeugbauten, insbesondere in der Zuliefererkette Automobil, spitzt sich die wirtschaftliche Situation zu,

weil die Neuaufträge teilweise schon seit einem Dreivierteljahr zunehmend ausbleiben. Das sagte Volker Schäfer,

neuer stellvertretender Vorsitzender des Fachverbands Werkzeugbau des Verbands Deutscher Maschinen- und

Anlagenbau e.V. (VDMA). Viele Unternehmen hätten bereits mit der Freisetzung hochqualifizierter Facharbeiter

begonnen, die Anzahl der Insolvenzen und Übernahmen stiegen. Es drohe ein Dominoeffekt, wenn diese

Schlüsselbranche für die industrielle Serienproduktion nicht bald wieder auskömmliche Aufträge erhält, warnte Schäfer.

Alfred Zedtwitz, VDMA: Herr

Schäfer, Sie vertreten im Vorstand

des VDMA Werkzeugbau seit Dezember

2019 die Stanz- und Umformtechnik.

Wie ist die aktuelle Situation

in dieser Teilbranche?

Volker Schäfer: Unterschiedlich:

Im Kundensegment Automobil, zu

dem auch mein Unternehmen Kuhn

& Möhrlein gehört, ist es fünf vor

Zwölf. Seit etwa einem Jahr laufen

die Unternehmen leer, weil die Kunden

in der Umbruchphase, aufgrund

der Unsicherheit der zukünftigen

Richtung im Automobilbau, keine

Aufträge bei ihnen platzieren.

Es ist fünf vor Zwölf in

manchen Unternehmen

Die Anfragetätigkeit ist ebenfalls

extrem zurückgegangen. Anderen

Kundensegmenten, die nicht direkt

oder indirekt an der Automobilindustrie

hängen, geht es zum Glück

noch besser, aber auch sie spüren

teilweise schon den allgemeinen

Wirtschaftsabschwung in ihren Auftragsbüchern

und den Preisverfall.

Auch den Teilelieferanten für die

Fahrzeugproduktion geht es nicht

mehr gut. Deshalb gibt es bereits

von Tier-1-Kunden den Versuch, sich

beim Werkzeugbau Liquidität zu

besorgen. So etwas ist allerdings

zum Scheitern verurteilt, denn einem

nackten Mann kann man nicht in

die Tasche greifen, will sagen, die

meisten Werkzeughersteller sind

bereits am Ende ihrer eigenen Liquidität

angelangt und müssen demnächst

mit Entlassung beginnen,

bzw. haben schon in erheblichem

Umfang Personal abgebaut. Das hat

allerdings dramatische Auswirkungen

auf ihre zukünftige Lieferfähigkeit

und Wettbewerbsfähigkeit am

Weltmarkt.

Es kommen doch weiterhin neue

Fahrzeuge auf den europäischen

Markt, so dass die Autohersteller

eigentlich auch neue Werkzeuge

benötigen müssten. Was verändert

sich da gerade?

Ihren Ankündigungen entsprechend

wollen die meisten Autohersteller

in den nächsten Jahren mit neuen,

teilweise elektrisch oder hybrid

angetriebenen Fahrzeugen auf den

europäischen Markt kommen und

diese auch in Europa produzieren.

Die Durststrecke ist lang,

für einige wahrscheinlich

zu lang

Dann werden auch wieder Werkzeuge

gebraucht – doch die „Durststrecke“

ist sehr lang, für einige Firmen

wahrscheinlich zu lang.

Damit wird die strategische Bedeutung

des Werkzeugbaus verkannt,

denn wie sagt es Bob Williamson, der

Präsident des Werkzeugweltverbands

ISTMA immer wieder so schön: „Es

gibt keine Serienproduktion ohne

Werkzeugbau!“ Er kommt aus Südafrika,

wo in den letzten Jahren mit

viel Geld und Mühe der Werkzeugbau

als Schlüsselbranche für die heimische

Industrieproduktion neu aufgebaut

worden ist.

Wie lange können die Werkzeugbauten

den aktuellen Zustand noch überleben?

Wird es in absehbarer Zeit zu

einem regelrechten Werkzeugbausterben

kommen, wenn die Kunden

ihre Bestellungen noch weiter herauszögern?

Uns läuft tatsächlich gerade die Zeit

davon. Wir müssen leider davon ausgehen,

dass den meisten Unternehmen

in den kommenden drei Monaten

die Liquidität knapp wird und einzelne

deutsche Unternehmen unwiederbringlich

vom Markt verschwinden.

Danach werden die Kunden sich

woanders in der Welt nach Karosseriewerkzeugen

umsehen müssen.

Weiterhin ist mit dem Verlust des

jahrzehntelang aufgebauten Knowhows

der Branche zu rechnen, das

bis heute noch eine extrem hohe

Werkzeugqualität und die mit den

Werkzeugen produzierte Teilequalität

garantiert.

36 Stahlreport 4|20


Wo werden die Autohersteller dann

in Zukunft ihre Werkzeuge beziehen,

wenn es keine ausreichende Kapazität

in Deutschland/Europa mehr gibt?

In China existieren bereits staatlich

subventionierte, vollautomatisierte

Werkzeugfabriken, die in den letzten

Jahren zunehmend mit heftigen Preiskämpfen

die europäischen Werkzeugbauten

in arge Bedrängnis gebracht

haben. Dort entsteht gerade eine

marktmächtige Werkzeugbaubranche,

in deren Abhängigkeit unsere

Kunden gelangen könnten.

Es spricht nichts

gegen Wettbewerb –

wenn er fair ist

Im Grunde spricht nichts gegen Wettbewerb

– und wenn dieser fair ist,

dann stellen wir uns diesem auch

gerne mit unseren hervorragenden

Produkten.

Bezüglich China habe ich da aber

so meine Bedenken ob der Fairness.

Wir fordern ein Level-playing-field!

Gefährlich für den Standort

Deutschland und Europa ist auch,

dass der politische Einfluss der chinesischen

Regierung auf solche teilstaatlichen

Unternehmen nicht zu

unterschätzen sein dürfte. Und ich

kann mir gut vorstellen, dass ausländische

Konkurrenten der chinesischen

Fahrzeughersteller als B-Kunden

hinter der chinesischen

Konkurrenz rangieren. Daher ist zu

befürchten, dass die europäischen

Fahrzeughersteller heftige Wettbewerbsnachteile

auf dem Weltmarkt

in allen Fahrzeugsegmenten – auch

in der Oberklasse! – haben werden.

Das hätte gegebenenfalls Folgen für

andere automobilnahe Arbeitsplätze.

Sind die chinesischen Werk zeug -

(bau)fabriken den deutschen Werkzeugbauten

überlegen und bieten den

Kunden einen Mehrwert?

Bislang sind die Werkzeuge aus ihrer

Fertigung in technischer Hinsicht

noch nicht ganz auf unserem Niveau.

Aber die chinesische Konkurrenz hat

– auch auf Grund ihrer staatlichen

Alimentierung – einen wesentlich

längeren Atem als unsere mittelständischen

Unternehmen und mittlerweile

aufgrund ihres hohen Automa-

tisierungsgrads und der niedrigen

Löhne Kostenvorteile.

Werkzeugbau ist in

China Teil der

staatlichen Strategie

Hierzu muss man wissen, dass Werkzeugbau

in China Teil einer zentralen,

staatlichen Strategie ist, um die eigene

Industrieproduktion und deren Stellung

auf dem Weltmarkt zu fördern.

Und wenn die chinesischen Werkzeugbauten

erst einmal ausreichend

Marktmacht aufgebaut haben, könnten

die Preise nach oben korrigiert

werden. Das haben wir in anderen

Bereichen der Industrie bereits häufig

erlebt, insbesondere dann, wenn

keine Wettbewerber mehr lieferfähig

sind.

Was können die deutschen/europäischen

Werkzeugbauten und ihre Kunden

in der aktuellen Situation tun,

um das schlimmste noch abzuwenden?

Wir müssen noch wettbewerbsfähiger

werden, innovativer werden, stärker

automatisieren – uns hier durchaus

China zum Vorbild nehmen – und

dann auf einem fairen Markt mit unseren

Produkten weltweit die Kunden

überzeugen.

Wir müssen wettbewerbsfähiger

werden, aber

kurzfristig geht es um

Liquidität

Entwicklung des Werkzeugbaus 2019

Die Produktion der Werkzeugbauten ist 2019 im Schnitt um rund 8 %

gesunken. Allerdings dürfe man dem ermittelten Durchschnitt nicht

trauen, denn viele Unternehmen, die überwiegend in die Automobilbranche

liefern, kämpften aktuell ums Überleben, sagte Marco Schülken, Vorsitzender

VDMA Werkzeugbau im Januar.

Weltweit entwickelten sich die Umsätze im Projektgeschäft mit der Automobilindustrie,

dem Maschinenbau und der Luftfahrtindustrie 2019 negativ.

Selbst aus dem Bereich der Medizintechnik meldet die Branche

leichte Absatzrückgänge und die Kunststoffindustrie ist ähnlich wie die

Automobilindustrie in einem Umbruch.

Kurzfristig benötigen wir Liquidität

– bevorzugt durch private Investoren

und Banken – und Instrumente wie

die Kurzarbeit, um Zeiten knapper

Aufträge zu überbrücken. Hier brauchen

wir auch die Unterstützung der

Politik. Nur gemeinsam sind wir stark!

Unterstützung der Politik

ist gefragt

Jeder Unternehmer und Entscheider

muss seine Wahlkreiskandidaten aller

Parteien persönlich darauf aufmerksam

machen, dass wir im Begriff sind,

nicht nur eine Schlüsselindustrie für

unsere Industrieproduktion zu verlieren,

sondern dass dies auch zu

einem Dominoeffekt führen kann, der

viele weitere hochqualifizierte

Arbeitsplätze in der automobilnahen

Industrie gefährdet.

Außerdem haben wir im VDMA

die Initiative Fairness+ gestartet, die

allen Beteiligten entlang der Wertschöpfungskette

vom Werkzeug bis

zum Endprodukt als Plattform für

eine partnerschaftliche Zusammenarbeit

offensteht. Deshalb fordere ich

alle Ausrüster, Teileproduzenten und

Kunden auf, unserer Initiative beizutreten

und auf Basis der dort formulierten

Werte und Maßnahmen

gemeinsam ihre Wettbewerbsfähigkeit

am Weltmarkt auszubauen. Denn

es muss allen Entscheidern von Autoherstellern

und ihren System- sowie

Komponenten-Lieferanten klar sein,

dass sie hier in Europa nur in einer

echten Partnerschaft auf Augenhöhe

überhaupt eine Chance haben,

gemeinsam mit den Werkzeugbauten

zu überleben.“

Das Interview führte Alfred Zedtwitz,

Referent Werkzeug- und Formenbau

sowie Kommunikation, Betriebswirtschaft

und Volkswirtschaft des Fachverbands

Präzisionswerkzeuge im

VDMA, Anfang März.

Stahlreport 4|20

37


Messen

und Märkte

Bericht

ELG Haniel setzt auf Zahlungsplattform TIS

International zahlen per Cloud

ELG Haniel, weltweit agierendes Unternehmen für Handel, Aufbereitung und Recycling von Rohstoffen

für die Edelstahlindustrie sowie Hochleistungswerkstoffen, hat die cloudbasierte Zahlungsverkehrsplattform

von TIS eingeführt. Zahlungsverkehr und Bankkontenmanagement über seine 50 Standorte

weltweit kann ELG damit zentral als Payment Factory administrieren.

[ Kontakt]

Treasury Intelligence

Solutions

GmbH

69190 Walldorf

+49 6227 698240

www.tis.biz

Um seinen internationalen

Zahlungsverkehr zu organisieren,

arbeitete ELG zuvor mit einem externen

Softwareanbieter zusammen.

Dieser hatte jedoch insbesondere

mit der Bereitstellung der für den

internationalen Zahlungsverkehr

erforderlichen Zahlungsformate Probleme.

Die IT- und Treasury-Abteilungen

der ELG mussten die fehlenden

Formate in der Folge selbst

entwickeln.

Partner für internationalen

Zahlungsverkehr

„Nach zwei Jahren entschieden wir

uns daher, auf die Cloud-Plattform

der TIS zu wechseln“, erklärt Christian

Riha, Head of Treasury bei ELG.

„TIS ist der beste Partner für Unternehmen

mit einem breitgefächerten

internationalen Zahlungsverkehr.“

Mit ihrer nahtlosen ERP-Integration,

der breiten Bankkonnektivität

sowie einer umfangreichen Bibliothek

von Zahlungsformaten bot die

Treasury Intelligence Solutions

GmbH dem Unternehmen die für

seine Zwecke bestgeeignete Lösung.

Erworben wurde ein Komplettpaket

aus Bank Account Manager, Bank

Transaction Manager, Bank Statement

Manager und Business Discovery

Manager.

ERP-Systeme

und Banken vernetzt

Die neue Lösung verbindet verschiedene

ERP-Systeme mit 85 Konten

bei 32 Banken weltweit und leitet

Zahlungen an diese weiter. So kann

ELG Haniel über die neue Zahlungsplattform

seine Bankkommunikation,

Kontoauszüge und Zahlungen

zentral organisieren, und dies weltweit

mit allen Finanzinstituten vom

Single-Point-ofContact aus.

Jörg Wiemer, CEO und Mitgründer

der TIS: „Wir sehen immer wieder,

wie vor allem große Unternehmen

mit einem stark internationalen

Fokus vom Einsatz unserer Lösung

profitieren. Diese haben in der Regel

sehr komplexe Anforderungen an

ihren Zahlungsverkehr, denen wir

mit unserer Cloud-Plattform am besten

begegnen. Die hohe Zahl an DAX-

Unternehmen, die mittlerweile damit

arbeiten, sowie die Verbreitung im

Mittelstand spricht für sich.“ 2

Über TIS

Die TIS (Treasury Intelligence

Solutions GmbH), 2010 in Walldorf

gegründet, ist ein weltweit

agierendes Unternehmen für das

Management von Corporate Payments,

das von der Financial

Times 2019 und 2020 als eine

von „Europe’s Fastest Growing

Companies“ ausgezeichnet

wurde. Die TIS-Lösung wird als

Software-as-a-Service (SaaS)

angeboten und ist eine umfassende,

hoch skalierbare Cloud-

Plattform für unternehmensweite

Zahlungen und Cash

Management. Die TIS-Lösung

werde seit vielen Jahren in großen

und mittelständischen

Unternehmen wie Adecco

Group, Hugo Boss, Fresenius,

Fugro, Lanxess, OSRAM und

QIAGEN erfolgreich eingesetzt

38 Stahlreport 4|20


BDS

XXXXX Berufsbildung A XXXXX

Start des neuen Jahrgangs 2020

Anmelden zur Karrierechance

bis 30. April 2020!

BDS-Fernstudium Betriebswirt/in 2020 startet im Juli

Fernstudieren trotz Corona

Im Juli 2020 startet der neue Jahrgang des BDS-Fernstudiums

Betriebswirt/in Stahlhandel (BDS). Das Fernstudium bietet angehenden

Führungskräften in der Stahldistribution die Möglichkeit,

sich für kommende Aufgaben mit einem in der Branche anerkannten

und etablierten Abschluss zu qualifizieren. Anmeldungen für den

Jahrgang 2020 sind noch bis Ende April möglich. Vom technischen

Ablauf ist das Fernstudium so konzipiert, dass es trotz Corona starten

kann, falls auch im Juli immer noch Einschränkungen bestehen.

Es ist wegen

der Corona-Pandemie

gerade alles unklar.

Kann ich mich jetzt

zum Fernstudium

anmelden?

Beate Wynands:

Selbstverständlich

dürfen Sie sich weiterhin

zum Fernstudium

anmelden. Wir

planen den Start des

neuen Jahrgangs zum

01.07.2020.

Was passiert, wenn

die Einschränkungen

weiter anhalten?

Startet das Fernstudium dann

überhaupt?

Das ist der Vorteil eines Fernstudiums

– lernen, wann und wo Sie wollen.

Unsere Studierenden nutzen die Lernplattform

OpenOLAT, um an die Studienmodule

zu gelangen und Aufgaben

zu bearbeiten. Die aktuelle Situation

schränkt nicht die Nutzung unserer

Lernplattform ein! Voraussetzung für

den Beginn eines neuen Jahrgangs ist

lediglich die Mindestteilnehmerzahl:

Wenn uns bis zum 30.04.2020 zehn

bestätigte Anmeldungen vorliegen,

können wir mit Ihnen gemeinsam im

Juli 2020 starten.

Beate Wynands, Referentin Berufsbildung

beim BDS, zu aktuellen

Fragen rund um den Start des

BDS-Fernstudiums im Juli.

fernstudium

Betriebswirt

Stahlhandel (BDS)

Was ist mit der

Auftaktveranstaltung.

Die kann

doch sicher nicht

stattfinden?

Wir gehen zu diesem

Zeitpunkt davon aus,

dass die Auftaktveranstaltung

als Präsenzseminar

vom

05.-07.07.2020 in

Düsseldorf stattfinden

kann. Sollte dies

nicht der Fall sein,

so werden wir

Anfang Juli eine Einführung

in das Fernstudium

als Online-

Seminar in verkürzter Form anbieten.

Wie komme ich eigentlich an alle

Unterlagen und Informationen, wenn

ich als Fernstudent angemeldet bin?

Die Bereitstellung der Inhalte sowie

die Bearbeitung und Bewertung der

gestellten Aufgaben erfolgt seit drei

Jahren über die elektronische Lernplattform

OpenOLAT. Darüber hinaus

bieten wir Video-Vorlesungen zur Wissensvertiefung

an, die sich die Studierenden

je nach Bedarf anschauen können.

Auch alle Informationen, die die

Organisation des Fernstudiums betreffen,

finden Sie dort. 2

Betriebswirt Stahlhandel (BDS)

Das BDS-Fernstudium – bewährt seit 25 Jahren

Der BDS bietet das berufsbegleitende Fernstudium seit

25 Jahren an. Mehr als 500 Absolventen/-innen haben

bereits gezeigt, dass Karriere im Stahlgroßhandel auf der

Basis einer Dualen Ausbildung mit einem Fernstudium für

höhere Aufgaben qualifiziert. Zahlreiche Absolventen

übernehmen heute verantwortungsvolle Positionen im

Stahlhandel.

Ablauf

z Dauer 3 Jahre. Start: 5.7. bis 7.7.2020 in Düsseldorf

z Im Rahmen des Fernstudiums werden 5 Präsenzphasen

mit insgesamt rund 20 Tagen absolviert, die aus

Seminaren und Prüfungen bestehen.

z Die Wissensvermittlung in den drei Fach bereichen

Technik, Wirtschaft und Methoden erfolgt über 50 Studienmodule.

z Der Lernerfolg muss im Rahmen von drei Prüfungen

(je schriftlich und mündlich) sowie in Form einer

Studienarbeit nach gewiesen werden.

Voraussetzungen

z mindestens eine abgeschlossene Berufs ausbildung

z zum Zeitpunkt der Abschlussprüfung min destens fünf

Jahre Berufspraxis inkl. Aus bildungszeit

z studienbegleitende Berufstätigkeit in der Branche

z internetfähiger Arbeits-/Lernplatz

z Nachweis der Ausbildereignungsprüfung zum Zeitpunkt

der Abschlussprüfung

Kosten:

ab 15.510,00 € (Mitgliedsunternehmen; exkl. Reise-, Verpflegungs-

und Unterbrin gungskosten der Präsenzphasen)

Alternative zum Hochschulstudium

z Unternehmen müssen auf studierende Mitarbeiter nicht

verzichten. Sie arbeiten parallel zum Lernen weiter.

z Fortbestehende Arbeitsverhältnisse und Einkommen

sind Vorteile für Unternehmen und Studierende.

z Der hohe Praxisbezug im Großhandel sichert eine

optimale Qualifikation für alle Beteiligten und hält

den Theorieanteil in sinnvollen Grenzen.

Ziele und Inhalte

z Technik – insbesondere Werkstoff- und Produktkunde

z Wirtschaft – kaufmännische Fähigkeiten und

Führungsfähigkeit

z Methoden – Selbst- und Sozialkompetenz

Ziel des Fernstudiums ist die Befähigung zur Lösung

von neuen komplexen Aufgaben und die eigenverantwortliche

Steuerung von Prozessen.

Studienbeginn: 05.07.2020 · Weitere Infos und Anmeldung

unter: www. stahlhandel.com/fernstudium oder

bei BDS-Referentin Berufsbildung, Beate Wynands,

Tel. +49 211 86497-0, wynands-bds@stahlhandel.com

Stahlreport 4|20

39

Wie

Tel

ww


BDS

XXXXX Research A XXXXX

Neueste Zahlen aus dem Bereich Research

Als die Welt in Europa

scheinbar noch in Ordnung war

Nach Mengenzuwächsen in drei aufeinanderfolgenden Jahren ließ die Stahlnachfrage im Jahr 2019 nach. In fast jedem

Monat des Jahres 2019 wurden Mengenrückgänge im Vergleich zum Vorjahresmonat verzeichnet. Einzig der September

brachte etwas mehr Volumen. Ursächlich für diese Entwicklung war eine weltweite konjunkturelle Eintrübung flankiert

von immer weiter zunehmenden Handelshemmnissen. Besonders die deutsche Automobilindustrie, aber auch der

Maschinenbau waren spürbar betroffen. Gut beschäftigt waren weiterhin die baunahen Wirtschaftszweige. Der Start ins

Jahr 2020 war für die deutsche Stahldistribution hingegen recht vielversprechend.

Foto: privat

Jörg Feger, Bereichsleiter

Research im

Bundesverband

Deutscher Stahlhandel

(BDS), berichtet

zusammenfassend

angesichts der ihm

bis einschließlich

Januar 2019 vorliegenden

Zahlen.

Fragen zu den

genannten

statistischen Größen

beantwortet im

Bundesverband

Deutscher Stahl -

handel (BDS) Jörg

Feger, Bereichsleiter

Research:

Feger-BDS@stahlhandel.com

Die Stimmung in der Wirtschaft

hatte sich zum Jahresbeginn 2020

etwas aufgehellt. Man hatte den Eindruck,

gewisse Nachholeffekte vom

Jahresende 2019 beflügelten das

Geschäft zum Jahresstart 2020.

Lagerabsatz

Schon der Start in das Jahr 2019 verlief

für die deutsche Stahldistribution mengenmäßig

verhalten. Im ersten Quartal

wurde mit durchschnittlich 930.000 t

Lagerabsatz bei Walzstahlfertigerzeugnissen

der Vorjahreswert um gut 4 %

unterschritten. Mit 6 % fiel das Minus

im zweiten Quartal noch etwas höher

aus. Durchschnittlich 910.000 t wurden

geliefert.

Das stärkste Quartal war das dritte.

Hier wurde mit 945.000 t Monatsschnitt

fast der Wert des Vorjahresquartals

erreicht. Dafür verlief das

vierte Quartal dann wieder schwächer.

Mit durchschnittlich 785.000 t lag der

monatliche Lagerabsatz über 6 % unter

dem Wert der vergleichbaren Periode

aus dem Jahr 2018.

Insgesamt wurden im Jahr 2019

10,7 Mio. t Walzstahlfertigerzeugnisse

abgesetzt. Dies sind 4,3 % weniger als

im Vorjahr. Besonders der Absatz von

Flachprodukten und Stabstahl zeigte

sich schwächer. Als einziges Produkt

konnte der Betonstahl weiter zulegen.

Der Jahresauftakt 2020 hingegen

verlief recht dynamisch. Im Januar

wurden 975.000 t Walzstahlfertigerzeugnisse

abgesetzt. Dies entspricht

einem Plus von 2,4 % im Vergleich

zum Januar 2019. Ursächlich war hier-

für unter anderem die niedrige

Bestandslage in Händler- und Verarbeiterlagern

zum Jahreswechsel. Zulegen

konnte baukonjunktur- und witterungsbedingt

einmal mehr der

Betonstahl. Auch bei Trägern war der

Absatz ordentlich. Schwächer verlief

hingegen das Geschäft bei Stabstahl

und warmgewalzten Blechen. Oberflächenveredelte

Bleche lagen hingegen

deutlich im Plus.

Lagerbestand

Im Dezember 2018 beliefen sie sich

die bundesweiten Lagerbestände auf

2,22 Mio. t. Zwischen Januar und März

2019 erfolgte der übliche Lageraufbau.

Im April und Mai wurden nur noch

geringe Mengen aufgebaut. Im Juni

und Juli konnte dann ein leichter Rückgang

der Bestände beobachtet werden.

Im August wurden die Bestände spürbar

zurückgefahren. Dieser Trend

setzte sich bis zum Jahresende fort.

Ende Dezember 2019 wurden 2,03

Mio. t Bestand gemeldet. Dies ist der

niedrigste Jahresendbestand seit dem

Jahr 1996. Im Januar 2020 erfolgte ein

moderater Bestandsaufbau, der bei

allen Produktgruppen zu beobachten

war. Zum 31. Januar 2020 wurde ein

Gesamtbestand von 2,11 Mio. t gemeldet.

Dies sind knapp 12 % weniger als

im Januar 2019.

Lagerreichweite

Die durchschnittliche Lagerreichweite

bei Walzstahlfertigerzeugnissen lag

im Jahr 2019 bei 2,7 Monaten bzw. 81

Tagen. Damit lag die Reichweite in

etwa auf dem Niveau des Vorjahrs. Im

Januar 2020 lag die Lagerreichweite

bei guten Absätzen und immer noch

geringen Beständen bei niedrigen 2,2

Monaten bzw. 66 Tagen (vgl. Abbildung

1).

Lagerverkaufspreise

Den Angaben des BDS-Marktinformationsverfahrens

für durchschnittliche

Verkaufspreise im kleinlosigen Bereich

zufolge konnten in den ersten beiden

Monaten des Jahres 2018 bei fast allen

Produkten Preissteigerungen festgestellt

werden. Zwischen März und Mai

des vergangenen Jahres gestaltete sich

das Bild differenzierter. Große Veränderungen

wurden dabei jedoch nicht

festgestellt.

In den Monaten Juni bis September

2018 waren die Preise bei fast allen

Produkten wieder im Aufwärtstrend.

Der Oktober, November und Dezember

zeigten sich uneinheitlich. Mitunter

wurden auch sinkende Preise beobachtet.

In den meisten Monaten des

Jahres 2019 gaben die Preise bei

nahezu allen Produkten nach. Diese

Rückgänge waren bei Rohren und den

meisten Flachprodukten ausgeprägter

als bei Langprodukten. Gegen Ende

des Jahres konnten vereinzelt auch

wieder leichte Preissteigerungen festgestellt

werden.

Diese leicht positive Tendenz setzte

sich am Anfang des Jahres 2020 fort.

Vor allem im Februar konnte ein leichter

Preisaufbau festgestellt werden, der

sich über alle Produktgruppen er -

streckte (vgl. Abbildungen 2 und 3). 2

40 Stahlreport 4|20


Quelle: Statistisches Bundesamt/BDS

Lagerabsatz und Lagerreichweite der Stahldistribution Abb. 1

140

120

100

80

60

40

20

0

n Absatzindex (2007 = 100)

89

Ø

2015

90

Ø

2016

97

Ø

2017

94

Ø

2018

90

78 78 75 81 81

Ø

2019

n Lagerreichweite in Tagen

95

100

91 93 93 93

85 90 94 94

89

98

200

180

160

140

120

100

54

80

75 81 81 81 78 87 72 78 72 72 72 114 66

60

40

20

0

Jan. Feb. März April Mai Juni Juli Aug. Sep. Okt. Nov. Dez. Jan.

2019 2019 2019 2019 2019 2019 2019 2019 2019 2019 2019 2019 2020

Absatz und Lagerreichweite

der

Stahldistribution

Preisentwicklung bei Langprodukten Abb. 2

160

150

140

130

120

110

100

90

Index (Januar 2010 = 100)

Preisentwicklung

bei Langprodukten

1. Q. 2010

2. Q. 2010

3. Q. 2010

4. Q. 2010

1. Q. 2011

2. Q. 2011

3. Q. 2011

4. Q. 2011

1. Q. 2012

2. Q. 2012

3. Q. 2012

4. Q. 2012

1. Q. 2013

2. Q. 2013

3. Q. 2013

4. Q. 2013

1. Q. 2014

2. Q. 2014

3. Q. 2014

4. Q. 2014

1. Q. 2015

2. Q. 2015

3. Q. 2015

4. Q. 2015

1. Q. 2016

2. Q. 2016

3. Q. 2016

4. Q. 2016

1. Q. 2017

2. Q. 2017

3. Q. 2017

4. Q. 2017

1. Q. 2018

2. Q. 2018

3. Q. 2018

4. Q. 2018

1. Q. 2019

2. Q. 2019

3. Q. 2019

4. Q. 2019

1. Q. 2020

Formstahl Breitflanschträger Stabstahl Betonstahl in Stäben Betonstahlmatten

Preisentwicklung bei Flachprodukten und Rohren Abb. 3

Index (Januar 2010 = 100)

150

140

130

120

110

100

90

80

Preisentwicklung bei

Flachprodukten und

Rohren

Quelle Bild 2 u. 3: BDS

1. Q. 2010

2. Q. 2010

3. Q. 2010

4. Q. 2010

1. Q. 2011

2. Q. 2011

3. Q. 2011

4. Q. 2011

1. Q. 2012

2. Q. 2012

3. Q. 2012

4. Q. 2012

1. Q. 2013

2. Q. 2013

3. Q. 2013

4. Q. 2013

1. Q. 2014

2. Q. 2014

3. Q. 2014

4. Q. 2014

1. Q. 2015

2. Q. 2015

3. Q. 2015

4. Q. 2015

1. Q. 2016

2. Q. 2016

3. Q. 2016

4. Q. 2016

1. Q. 2017

2. Q. 2017

3. Q. 2017

4. Q. 2017

1. Q. 2018

2. Q. 2018

3. Q. 2018

4. Q. 2018

1. Q. 2019

2. Q. 2019

3. Q. 2019

4. Q. 2019

1. Q. 2020

Quartoblech Bandblech Kaltgewalztes Blech OV Blech Quad. & RE-Rohr Nahtloses Rohr

Stahlreport 4|20

41


BDS

Recht

Die Bauproduktenverordnung im Stahlhandel

Amtsschimmel reloaded

Für längere Zeit war es aus Sicht des Stahlhandels still um die Bauproduktenverordnung (VO (EU) 305/2011). So

schienen zum Zeitpunkt ihres Inkrafttretens in 2013 die „Fronten“ im Wesentlichen geklärt. Zuletzt mussten

einige BDS-Mitgliedsunternehmen erfahren: Dem ist nicht so. Rechtsanwalt Alexander Bartsch, Partner der Kanzlei

Henseler & Partner, hat die Entwicklungen für den BDS begleitet und berichtet darüber.

Als Händler und Importeure sind

zahlreiche BDS-Mitgliedsunternehmen

grundsätzlich von dem Pflichtenkatalog

der Bauproduktenverordnung

(BauPVO) erfasst, müssen insbesondere

CE-Kennzeichnungen an

ihre Kunden weitergeben und die

jeweiligen Leistungserklärungen

zur Verfügung stellen (Artikel 13

und 14 BauPVO).

Was das für die Praxis bedeutet,

stimmte der BDS gemeinsam mit dem

Wirtschaftsverband Großhandel Metallhalbzeug

e.V. (WGM) bereits im ersten

Halbjahr 2013 ab – unter anderem mit

dem bei der Umsetzung der BauPVO in

Deutschland federführenden Deutschen

Institut für Bautechnik (DIBt). Nach damaliger

Sprachregelung hatte der jeweilige Abnehmer den

Händler explizit darauf aufmerksam zu machen, wenn

er ein CE-gekennzeichnetes Produkt benötigte. Der Handel

war demnach nicht verpflichtet, dies aktiv in Erfahrung

zu bringen.

Behörde beanstandete Einhaltung der BauPVO

Seit etwa 2015 haben bei einigen BDS-Mitgliedsunternehmen,

vor allem mit Sitz bzw. Niederlassung in Baden-

Württemberg, Stichprobenkontrollen hinsichtlich der

Einhaltung der BauPVO stattgefunden. Im Nachgang

Rechtsanwalt Alexander

Bartsch, Partner der Kanzlei

Henseler & Partner mbB

erhob die jeweilige Marktüberwachungsbehörde

– wenn auch teilweise erst

Jahre später – verschiedene Beanstandungen.

Foto: Henseler & Partner

Problem: die Auslegung des

Begriffs „Bauprodukt“

Unter anderem das für die Marktüberwachung

in Baden-Württemberg

zuständige Regierungspräsidium

Tübingen hat dabei im Kern

folgenden Standpunkt vertreten: Zum

einen habe der Händler von Bauprodukten

dem Kunden die jeweilige CE-

Kennzeichnung unaufgefordert mitzuliefern

sowie die Leistungserklärung

anzubieten.

Zum anderen – viel gravierender –

gelten diese Pflichten aus Sicht des Regierungspräsidiums

Tübingen unabhängig davon, ob das jeweilige Produkt

überhaupt in den Bausektor verkauft wird. Dass das

Produkt nicht – weder dauerhaft noch vorübergehend

– in ein Bauwerk oder in Teile davon eingebaut wird,

und sich daher auch nicht auf die Leistung eines Bauwerks

auswirken kann, spiele keine Rolle. Ein Bauprodukt

gemäß Art. 2 Nr. 1 BauPVO liege vielmehr bereits dann

vor, wenn das jeweilige Halbzeug unter einer harmonisierten

Norm hergestellt worden ist. Mit anderen Worten:

Wenn sich der Hersteller einmal dafür entscheide, dass

42 Stahlreport 4|20


das Produkt grundsätzlich im Baubereich

eingesetzt werden kann,

indem er es nach einer harmonisierten

Norm herstellt, ist hieran aus

Sicht der Behörden die gesamte

Abnehmerkette gebunden. Die

Pflichten aus Art. 13 und 14 BauPVO

träfen die Distribution damit auch

bei Nachweis einer außerhalb des

Bausektors liegenden Verwendung.

Kritik des BDS

und seiner Mitglieder

Diese Position ist nach Ansicht des

BDS und seiner betroffenen Mitglieder

zweifelhaft, wird sie doch weder

vom Wortlaut noch vom Sinn und

Zweck der Verordnung gespiegelt:

Gemäß der Begriffsbestimmung des

Art. 2 Nr. 1 BauPVO ist ein Bauprodukt

„jedes Produkt (…), das (…) hergestellt

und in Verkehr gebracht

wird, um dauerhaft in Bauwerke

oder Teile davon eingebaut zu werden,

und dessen Leistung sich auf

die Leistung des Bauwerks im Hinblick

auf die Grundanforderungen

an Bauwerke auswirkt“.

Bauwerke sind gemäß Art. 2 Nr.

3 BauPVO „sowohl Bauten des Hochals

auch des Tiefbaus“ – von harmonisierten

Normen ist dort nicht die

Rede.

Im Übrigen ist Sinn und Zweck

der Verordnung allein die „Sicherheit

von Bauwerken“ – nicht jeglicher

Stahlbaukonstruktion und erst recht

nicht des Maschinen- und Anlagenbaus

oder des Automotive-Sektors.

Material mit grundsätzlich hybridem

Verwendungszweck (Einsatzfähigkeit

sowohl im Bau- als auch

im Nichtbaubereich), jedoch ausdrücklich

definiertem und nachweislichem

Einsatz im Nicht-Baubereich,

sollte demnach kein Bauprodukt

(mehr) sein. Jedenfalls macht es

dann keinen Sinn, dass die Marktüberwachung

auf der Weiterreichung

der von der BauPVO geforderten

Dokumentation besteht.

Viele BDS-Mitgliedsunternehmen

liefern vor allem – manche

sogar nahezu ausschließlich – an

verarbeitende Abnehmer aus dem

Nicht-Baubereich, darunter vor allem

an Automobilzulieferer, die Luftfahrtindustrie,

Maschinen- und Anla-

genbaubetriebe oder andere Eisen,

Blech und Metall verarbeitende

Unternehmen. Dass auch in diesen

Fällen eine CE-Kennzeichnung mitgeliefert

und eine Leistungserklärung

zur Verfügung gestellt werden

muss, um die Tauglichkeit des

Erzeugnisses als Bauprodukt nachzuweisen,

ist aus Sicht des BDS fragwürdig.

Bürokratieaufbau zu Lasten

des Mittelstands

So erfordert das – bei Belieferung

mit Material aus mehreren Produktionschargen

– standardmäßige Weiterreichen

vieler Seiten Unterlagen

einen erheblichen Mehraufwand bei

der Abwicklung einer Bestellung:

Nach dem Kommissionieren muss

der Vertrieb die zu den betreffenden

Schmelzen gehörenden CE-Kennzeichnungen

und Leistungserklärungen

heraussuchen und mitliefern.

Dass dies auch unabhängig vom

Baubereich erfolgen soll, verträgt

sich erkennbar nicht mit dem auch

in der BauPVO verankerten Selbstanspruch

der Europäischen Kommission,

insbesondere sogenannten

Kleinen und Mittleren Unternehmen

(KMU) möglichst nicht „das Leben

schwer“ zu machen.

Gespräche statt gerichtlicher

Auseinandersetzungen

Seit 2017 hat der BDS gemeinsam

mit dem ebenfalls betroffenen WGM

zahlreiche Gespräche mit den entsprechenden

Stellen geführt, darunter

mehrfach mit Vertreterinnen und

Vertretern des DIBt, des Regierungspräsidums

Tübingen sowie der Generaldirektion

Binnenmarkt der Europäischen

Kommission und des

Bundesministeriums des Innern

(BMI).

Insbesondere die zuständige

Stelle des BMI äußerte großes Verständnis

für die Position des Stahlund

NE-Metallhandels. Die EU-Kommission

erkannte das Problem ebenfalls.

Auch wenn diese sich zwar

nicht in der Lage sah, den deutschen

Marktüberwachungsbehörden zu

empfehlen, deren Position zu überdenken,

konnten wir in Abstimmung

mit ihr eine alternative Lösung erarbeiten,

die zumindest für einige Mitglieder

einen Weg aus dem Dilemma

bieten sollte.

Mögliche Lösung: Zweckbestimmung

als Nicht-Bauprodukt

Der Lösungsvorschlag lehnt sich an

ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs

(EuGH) zur Medizinprodukterichtlinie

vom 22.11.2012 (Az.

C-219/11) an. So fällt nach übereinstimmender

Auffassung der Generaldirektion

Binnenmarkt der EU-

Kommission, des BMI sowie des BDS

ein Stahlerzeugnis mit hybridem Einsatzzweck

durch eine besondere

Zweckbestimmung als Nicht-Bauprodukt

aus dem Anwendungsbereich

der VO (EU) 305/2011 heraus.

Hierzu ist in der Praxis wie folgt

vorzugehen:

z Der Händler bestellt beim Hersteller

wie gewohnt ein Produkt nach

Norm, allerdings verbunden mit

dem (sinngemäßen) Textzusatz

„ausschließlich für Verwendung

im Automotive-Bereich bzw.

Maschinen-/Anlagenbau“.

z Der Hersteller bestätigt diese Spezifikation

wortgleich in seiner Auftragsbestätigung

und

z kennzeichnet das Material im Rahmen

der Produktion bzw. vor Auslieferung

entsprechend auf dem

Lieferschein und auf dem Warenetikett.

Damit dürfte das jeweilige Erzeugnis

nach jeder Betrachtung von vornherein

kein Bauprodukt sein, mit der

Folge, dass dann auch die Pflichten

aus der BauPVO nicht gelten.

Der BDS geht davon aus, dass

das genannte Vorgehen von der

Marktüberwachung nicht zu beanstanden

ist.

Dem Verfasser ist bewusst, dass

der Vorschlag nicht für alle BDS-

Mitglieder praktikabel sein wird –

ist doch häufig zum Zeitpunkt der

Bestellung beim Werk noch nicht

(abschließend) klar, ob und inwieweit

das Material wirklich nicht in

den Bausektor geht. Für diejenigen

Händler, bei denen der Bausektor

allerdings keine oder eine nur stark

untergeordnete Rolle spielt, mag der

Vorschlag ein pragmatischer Ansatz

sein, um Problemen mit der Marktüberwachung

vorzubeugen. 2

Stahlreport 4|20

43


BDS

Recht

Antworten auf die wichtigsten Fragen

Auswirkungen der Corona-Pandemie

im Arbeitsrecht

Die Coronavirus-Pandemie betrifft, direkt oder indirekt, inzwischen jeden Betrieb, jeden Arbeitnehmer

und Arbeitgeber. Kontaktsperren, Quarantänepflichten, teilweise Betriebsschließungen etwa im Einzelhandel

– diese Ausnahmesituation bedeutet auch arbeitsrechlich Neuland. In einer Info-Mitteilung

des BDS im März an seine Mitgliedsunternehmen haben die Rechtsanwältinen Dr. Almut Riemann und

Sabine Krumme von der Rechtsanwaltskanzlei Henseler & Partner Antworten auf die wichtigsten Fragen

gegeben: Welche Rechte und Pflichten haben Arbeitgeber und Arbeitnehmer in dieser besonderen

Lage? Wir veröffentlichen das Rundschreiben hier nochmal als Stahlreport-Beitrag.

1Welche Schutzpflichten treffen

den Arbeitgeber in Bezug

auf Corona / COVID-19?

Der Arbeitgeber hat gegenüber seinen

Arbeitnehmern allgemeine Für-

Dr. Almut Riemann,

Rechtsanwältin bei Henseler&Partner

Rechtsanwälte mbB

sorgepflichten, § 618 BGB, § 4

Arbeitsschutzgesetz („ArbSchG“).

Insbesondere muss er seinen

gesundheitlichen Schutzpflichten

nachkommen. Verletzt er sie, kann

Sabine Krumme,

Rechtsanwältin bei Henseler&Partner

Rechtsanwälte mbB

dies zu Schadensersatzansprüchen

des Arbeitnehmers bei Infizierung

im Betrieb führen. Der Arbeitgeber

hat grundsätzlich die Verpflichtung,

die Gefahren für die Sicherheit und

Gesundheit für seine Arbeitnehmer

zu beurteilen (die sogenannte

Gefährdungsbeurteilung) und die

ihm zumutbaren Maßnahmen

daraus abzuleiten. Praktische Maßnahmen

sind die Bereitstellung von

Desinfektionsmitteln an geeigneten

Standorten (Eingang, Toiletten), Hinweise

zu deren Benutzung und verstärktes

Hinwirken auf die Einhaltung

der Hygienestandards.

Unabhängig von einem konkreten

Verdachtsfall hat der Arbeitgeber

die Arbeitnehmer über Symptome,

Risiken und Präventionsmaßnahmen

aufzuklären, § 12, 81 Satz 2

ArbSchG. Besteht eine konkrete

Infektionsgefahr, muss der Arbeitgeber

darüber in seinem Betrieb

44 Stahlreport 4|20


informieren. Die damit verbundene

Verarbeitung personenbezogener

Daten ist aus datenschutzrechtlicher

Sicht unbedenklich, da der Schutz

vor einer weiteren Ausbreitung das

Geheimhaltungsinteresse des Arbeitnehmers

überwiegen dürfte, Art. 6

Abs.1 lit. b), d) und f) / Art. 9 Abs.

1 DSGVO i. V. m. § 26 Abs. 3 Bundesdatenschutzgesetz

(„BDSG“).

Ob und in welchem Umfang

darüber hinaus Maßnahmen zu

ergreifen sind, ist jeweils anhand

der Art des Betriebes, der Anzahl

der Beschäftigten sowie des Verdachtsgrades

einer Infektion zu entscheiden.

Der Verdacht einer Infektion

verdichtet sich etwa bei

Rückkehr von Arbeitnehmern aus

einem Risikogebiet. Als Risikogebiete

sind unter anderem solche

anzuerkennen, für die das Auswärtige

Amt eine Reisewarnung erteilt.

Letztlich gilt: Je größer die Gefahrenlage

ist, desto umfassender sind

die Schutzpflichten des Arbeitgebers

ausgeprägt. Konkrete Hinweise für

vom Arbeitgeber zu ergreifende Maßnahmen

finden sich zum Beispiel

im nationalen Pandemieplan auf der

Webseite des Robert-Koch-Instituts

(www.rki.de) oder der Bundesanstalt

für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

(www.baua.de). Hat der Arbeitgeber

Kenntnis von der Erkrankung

eines Arbeitnehmers, muss er ihn

umgehend nach Hause schicken.

2

Bestehen aufgrund der allgemeinen

Gefahrenlage

besondere Pflichten für den

Arbeitnehmer?

Auch der Arbeitnehmer hat die

Nebenpflicht, Nachteile gegenüber

seinem Arbeitgeber abzuwenden,

§ 241 Abs. 2 BGB. Unseres Erachtens

sollte der Arbeitnehmer dem Arbeitgeber

zum Beispiel eine Infizierung

offenlegen müssen, auch wenn dies

aus datenschutzrechtlichen Gründen

fraglich und daher rechtlich umstritten

ist.

In jedem Fall kann die fehlende

Aufklärung des Arbeitnehmers über

krankheitsrelevante Informationen

zu erheblichen Haftungsrisiken führen.

Er kann wegen fahrlässiger Verursachung

einer Ansteckung ande-

rer Beschäftigter haften. Dies kann

zum Beispiel zu einer Schadensersatzpflicht

wegen Entgeltfortzahlung

für andere Arbeitnehmer im Krankheitsfall

führen. Denkbar wäre auch,

dass wegen einer Ansteckung bzw.

Ansteckungsgefahr der gesamte

Betrieb des Arbeitgebers stillgelegt

werden muss, was zu immensen

wirtschaftlichen Schäden führen

kann.

Nach den Grundsätzen des innerbetrieblichen

Schadensausgleiches

zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer

kommt es je nach Fahrlässigkeitsgrad

an Verursachungs- und

Verschuldensbeiträgen zu einer Quotelung

oder Alleinhaftung. Wenn der

Arbeitnehmer im Wissen einer

Erkrankung an COVID-19 andere

Beschäftigte im Betrieb ansteckt und

dies billigend in Kauf nimmt, haftet

er seinen Kollegen gegenüber vollumfänglich

aus Delikt. Ein sozialrechtlicher

Haftungsausschluss

greift in diesem Fall nicht, § 105

Abs. 1 S. 1 a.E. Sozialgesetzbuch

(„SGB“) VII.

Zur Verhütung von Haftung und

Schäden ist eine einvernehmliche

Kooperation von Arbeitgeber und

Arbeitnehmer dringend zu empfehlen.

3Besteht bei einer Coronaerkrankung

eine behördliche

Meldepflicht?

Eine solche besteht für den Arbeitgeber

oder Arbeitnehmer aufgrund

datenschutzrechtlicher Bestimmungen

(bisher) grundsätzlich nicht. Das

Infektionsschutzgesetz sieht eine

Meldepflicht bei den Gesundheitsämtern

nur für Ärzte vor.

4Darf der Arbeitgeber den

Arbeitnehmer vorsorglich

von der Arbeit freistellen?

Grundsätzlich besteht ein Beschäftigungsanspruch

des Arbeitnehmers,

soweit kein sachlicher Grund für

eine Freistellung durch den Arbeitgeber

vorliegt. Der Beschäftigungsanspruch

des Arbeitnehmers kann

mit den gesundheitlichen Schutzpflichten

des Arbeitgebers korrelieren.

Bei auf Tatsachen gestützten

Verdachtsmomenten für eine Infektion,

etwa bei Auftreten einzelner

Krankheitssymptome oder vorherigem

Aufenthalt des Arbeitnehmers

in einem Risikogebiet, wird regelmäßig

ein sachlicher Grund für eine

Freistellung vorliegen.

5Hat ein Arbeitnehmer

Anspruch auf Vergütung,

wenn der Arbeitgeber ihn

wegen des Virus von der Arbeit

freistellt?

Ja. Bei einer Freistellung durch den

Arbeitgeber behalten Arbeitnehmer

immer ihren Vergütungsanspruch.

6Behält der Arbeitnehmer

seinen Vergütungsanspruch,

wenn er aus Furcht vor

einer Corona-Ansteckung von

sich aus zu Hause bleibt?

Nein. Der Arbeitnehmer verliert den

Vergütungsanspruch. Zudem würde

er unentschuldigt von der Arbeit

fernbleiben, was zu arbeitsrechtlichen

Konsequenzen führen kann.

Es besteht kein allgemeines Leistungsverweigerungsrecht

bei drohenden

Pandemien. Anders verhält

es sich, wenn dem Arbeitnehmer die

Erbringung seiner Leistung unzumutbar

ist, wobei hier ein strenger

Maßstab gilt, § 275 Abs. 3 BGB. Dies

dürfte nur dann anzunehmen sein,

wenn die Verrichtung der Arbeit

zumindest einen ernsthaften objektiv

begründeten Verdacht der erheblichen

Gefährdung für die eigene

Gesundheit darstellt.

7Hat ein Arbeitnehmer

Anspruch auf Vergütung,

wenn er lediglich mittelbar

wegen Corona nicht arbeiten

kann?

Die Schulen und Kitas schließen und

die Eltern müssen die Betreuung

selbst übernehmen. Haben sie trotzdem

weiter einen Vergütungsanspruch?

Jedenfalls liegt kein Fall des

Entschädigungsanspruchs nach dem

Infektionsschutzgesetz („IfSG“) vor.

Ggf. käme ein Anspruch nach § 616

BGB in Betracht (Vergütung bei Verhinderung

des Arbeitnehmers für

Stahlreport 4|20

45


BDS

Recht

vorübergehend kurze Zeit aus persönlichen

Gründen).

Fraglich ist hier, ob die Verhinderung

noch als „vorübergehend“

anzusehen ist. Ein Zeitraum von bis

zu zehn Tagen wird als eine „verhältnismäßig

nicht erhebliche Zeit“

im Sinne des § 616 Satz 1 BGB angesehen.

Die Schließung des Kindergartens

für sogleich zwei Wochen

oder länger fällt daher nicht mehr

unter § 616 BGB. In jedem Fall ist

es ratsam, § 616 BGB vertraglich

oder per Betriebsvereinbarung abzubedingen.

Da das Kind selbst weder krank

noch pflegebedürftig ist, besteht kein

Anspruch der Arbeitnehmer auf

„Krankengeld wegen Erkrankung

des Kindes“ gemäß § 45 SGB V oder

auf „Pflegeunterstützungsgeld“ ge -

mäß § 44a Abs. 3 SGB XI.

8Hat ein Arbeitnehmer

Anspruch auf Vergütung,

wenn er wegen des Virus seinen

Arbeitsplatz nicht erreichen

kann, etwa weil der ÖPNV

lahmgelegt ist?

Hier gilt der allgemeine Grundsatz

im Arbeitsrecht, dass der Arbeitnehmer

das Risiko trägt, dass er zu

seinem Arbeitsplatz gelangt (sogenanntes

Wegerisiko). Kann der

Arbeitnehmer aufgrund von allgemein

angeordneten Maßnahmen seinen

Arbeitsplatz nicht oder nur verspätet

erreichen und somit seine

Arbeitsleistung nicht erbringen, entfällt

sein Vergütungsanspruch (§

326 Abs. 1 BGB), wenn arbeits- oder

tarifvertraglich nicht etwas anders

vereinbart worden ist.

9Gelten besondere Fürsorgepflichten

für Arbeitgeber,

die aus China, Italien oder

einem anderen Gefahrengebiet

zurückkehrende Arbeitnehmer

beschäftigen?

Kehren Arbeitnehmer aus Risikogebieten

(China, Italien, Iran usw., und

weitere, zum Beispiel bundesdeutsche

Risikogebiete) in den Betrieb

zurück, wird man Arbeitgeber trotz

der besonderen datenschutzrechtlichen

Pflichten bei der Preisgabe personenbezogener

Daten der Arbeitnehmer

für verpflichtet halten, die

anderen Arbeitnehmer darüber zu

informieren (§ 26 Abs. 1 Satz 1 BDSG

und § 26 Abs. 3 Satz 1 BDSG im

Krankheits- oder Verdachtsfall).

Sinnvollerweise sollten die

zurückkehrenden Arbeitnehmer –

zumindest von der Rückkehr aus

den vorgenannten Risikogebieten

und gegebenenfalls noch bekannt

werdenden Risikogebieten – für

einige Tage freigestellt werden, ärztlich

untersucht werden (Schnelltest),

um eine Ansteckung auszuschließen.

Da die Zeit bis zum Auftreten

der Symptome 14 Tage betragen

kann, genügt die Beobachtung in

diesen besonderen Situationen nicht.

Hat ein Arbeitnehmer in

10 Zeiten von Corona

Anspruch auf Arbeit im Home -

office?

Nein, ein Anspruch besteht nicht.

Von sich aus darf der Arbeitnehmer

nicht im Homeoffice arbeiten. Allerdings

können sich Arbeitgeber und

Arbeitnehmer auf eine Tätigkeit im

Homeoffice einigen. Es ist davon auszugehen,

dass der Druck, Homeoffice-Regelungen

zuzulassen bzw.

auszuweiten, steigen wird. Der

Arbeitgeber hat dann zu prüfen, dass

der Arbeitnehmer über technisches

Equipment verfügt, der Datenschutz

gewährleistet ist und die Wohnung

des Arbeitnehmers für eine Tätigkeit

im Homeoffice geeignet ist.

Hat der Arbeitnehmer die

11 Pflicht, Dienstreisen in

Risikogebiete bzw. Geschäftstermine

mit Kunden aus Risikogebieten

wahrzunehmen?

Bei einer derartigen Anweisung muss

der Arbeitgeber billiges Ermessen

anwenden, § 106 Gewerbeordnung.

Der Arbeitgeber hat die Individualinteressen

des Arbeitnehmers mit

den betrieblichen Interessen abzuwägen.

Dabei sind die gesundheitlichen

Fürsorgepflichten des Arbeitgebers

zu beachten. Ein starkes Indiz

für die Unzumutbarkeit von Dienstreisen

sind offizielle Reisewarnungen

des Auswärtigen Amtes.

Hat der Arbeitnehmer

12 gegen den Arbeitgeber

einen Vergütungsanspruch,

wenn er nachweislich aufgrund

des Coronavirus erkrankt und

damit arbeitsunfähig ist?

Liegen weder staatliche noch

behördliche Anordnungen vor, hat

der Arbeitnehmer bei Erkrankung

den üblichen Vergütungsanspruch

aus dem Entgeltfortzahlungsgesetz

(„EntgFG“), § 3 EntgFG.

Hat der Arbeitnehmer

13 gegen den Arbeitgeber

einen Vergütungsanspruch,

wenn eine Behörde gegen ihn

ein Tätigkeitsverbot verhängt?

Wenn gegen den am Corona-Virus

erkrankten Arbeitnehmer zugleich

ein Tätigkeitsverbot angeordnet worden

ist (§ 31 Satz 2 IfSG), konkurrieren

der Entgeltfortzahlungsanspruch

des Arbeitnehmers gemäß

§ 3 EntgFG mit dem Entschädigungsanspruch

nach dem IfSG (§ 56 Abs.

1 IfSG).

Danach entschädigt der Staat

den Verdienstausfall für die Dauer

von sechs Wochen. Bei Arbeitnehmern

hat nach § 56 Abs. 5 IfSG der

Arbeitgeber die Entschädigung in

Geld zu leisten (§§ 57 ff IfSG). Der

Arbeitgeber kann dann innerhalb

von drei Monaten nachträglich bei

der zuständigen Behörde Erstattung

der geleisteten Beträge beantragen.

Das Verhältnis des Entgeltfortzahlungsanspruchs

gemäß EntgFG und

des Erstattungsanspruchs gemäß IfSG

ist nicht höchstrichterlich geklärt.

Unseres Erachtens spricht viel dafür,

dass das infektionsschutzrechtliche

Tätigkeitsverbot wegen der öffentlich-rechtlichen

Zwangswirkung der

Erkrankung des Arbeitnehmers vorgeht.

Zudem greift der Erstattungsanspruch

gemäß IfSG nach der gesetzlichen

Konzeption grundsätzlich

unabhängig davon, ob Arbeitnehmer

tatsächlich erkrankt sind. Unseres

Erachtens sollte daher der Erstattungsanspruch

vorgehen gemäß IfSG

und in jedem Fall ein Antrag auf

Erstattung gestellt werden.

Der Entschädigungsanspruch

gemäß IfSG ist auch dann fraglich,

46 Stahlreport 4|20


wenn der Arbeitgeber aus anderen

Gründen ohnehin zur Entgeltfortzahlung

verpflichtet ist: Etwa aufgrund

von § 616 BGB – Vergütung

bei Verhinderung des Arbeitnehmers

für vorübergehend kurze Zeit

aus persönlichen Gründen. Vereinzelt

haben Gerichte die Anwendung

des § 616 BGB bei Infektionen angenommen,

so u.a. der BGH bei an Salmonellen

erkranktem Metzgergesellen

und das LG Düsseldorf bei

Paratyphusfällen.

Jedenfalls soweit mehrere Arbeitnehmer

von einem Tätigkeitsverbot

erfasst sind, dürfte kein individuelles,

sondern ein objektives Leistungshindernis

vorliegen. In diesem Fall

scheidet eine Verpflichtung zur Entgeltfortzahlung

nach § 616 BGB aus.

Die Behörde ist dann zur Entschädigungsleistung

nach § 56 IfSG verpflichtet.

In jedem Fall ist es ratsam,

§ 616 BGB vertraglich oder per

Betriebsvereinbarung abzubedingen.

Ein Tätigkeitsverbot kann auch

bei Verdacht auf eine Ansteckung

angeordnet werden. Dann besteht

ebenfalls ein Entschädigungsanspruch

nach § 56 IfSG. Ursache für

die Arbeitsverhinderung ist dann

das Tätigkeitsverbot, nicht die nur

vermutete Krankheit.

Ferner kann infolge einer Quarantäne

(§ 30 IfSG) ein Tätigkeitsverbot

ausgesprochen werden, das

wiederum zu einem Entschädigungsanspruch

gem. § 56 IfSG führt.

Hat der Arbeitnehmer

14 bei einer behördlichen

Betriebsschließung einen Vergütungsanspruch

gegen den

Arbeitgeber?

Die Behörde kann aufgrund einer

akuten Gefahrenlage im Einzelfall

einen Betrieb stilllegen, § 28 Abs.

1, S. 1 u. 2 IfSG. Dies kann der Fall

sein, wenn ein Infektionsrisiko im

gesamten Betrieb oder für eine

Gruppe von Arbeitnehmern besteht.

Der Arbeitgeber kann dagegen einen

Rechtsbehelf einlegen, § 16 Abs. 8

IfSG, wobei die Schließung dadurch

vorerst nicht verhindert werden

kann. Zur Beurteilung, ob in solchen

Fällen weiterhin ein Vergütungsan-

Arbeitgeber-Maßnahmen im nationalen Pandemieplan

Weitere Informationen zu den vom Arbeitgeber zu ergreifenden Maßnahmen

in der Corona-Pandemie finden Sie zum Beispiel im nationalen Pandemieplan

auf der Webseite des Robert-Koch-Instituts (www.rki.de) oder

direkt unter bit.ly/pandemieplancorona.

spruch des Arbeitnehmers besteht,

dürfte nach der (bereits vom Reichsgericht

entwickelten) sogenannten

Betriebsrisikolehre zu beurteilen

sein. Hiernach trägt der Arbeitgeber

das Risiko infolge behördlicher Maßnahmen

– also der Betriebsschließung

–, wenn dieses Risiko im

Betrieb durch dessen besondere Art

angelegt gewesen war.

Es kommt damit auf die Eigenart

des Betriebes an. Soweit die Schließungsanordnung

aufgrund besonderer

Umstände zum Betriebsrisiko

des Arbeitgebers gehört, ist er zur

Fortzahlung der Vergütung verpflichtet.

Nicht zum Betriebsrisiko gehören

allgemeine Gefahrenlagen wie

Kriege, Unruhen und Terroranschläge.

Vereinzelt werden auch Epidemien

hierzu gezählt. Von der

Rechtsprechung ist dies noch nicht

höchstrichterlich geklärt.Unseres

Erachtens spricht viel dafür, dass es

sich bei einer Schließung aufgrund

einer Epidemie bzw. Pandemie um

eine allgemeine Gefahrenlage handelt,

die alle Betriebe gleichermaßen

betrifft.

Ausnahmen dürften gegebenenfalls

für Betriebe mit einem notwendigerweise

breiten Personenkontakt

auch mit Personen

bestehen, die Infekte haben oder

der Verdacht eines Infektes besteht,

wie bei Krankenhäusern, Arztpraxen

etc. Hier könnte die Eigenart

der Betriebe als Betriebsrisiko des

Arbeitgebers anzusehen sein, so

dass der Arbeitgeber den Vergütungsanspruch

der Arbeitnehmer

weitertragen muss.

In jedem Fall ist zu empfehlen, Entschädigungsansprüche

nach § 56

IfSG zu beantragen, um den Versuch

der Schadensbegrenzung zu unternehmen.

Je nach Entwicklung und

Ausweitung des Virus sind hier vielleicht

auch Maßnahmen der Politik

zu erwarten.

Hat der Arbeitnehmer

15 gegen den Arbeitgeber

einen Vergütungsanspruch,

wenn aufgrund von Corona ein

Auftrags- oder Rohstoffmangel

vorliegt?

Ja. Der Arbeitgeber trägt das sogenannte

Wirtschaftsrisiko. Das sind

Fälle, in denen der Betrieb technisch

weitergeführt werden könnte, wegen

Auftrags- oder Absatzmangel aber

ein Arbeitsausfall eintritt. Ein solcher

Fall liegt zum Beispiel vor, wenn Lieferanten

ihre Vorprodukte nicht

anliefern können und daher die Produktion

ausfällt. Der Arbeitnehmer

behält damit seinen vertraglichen

Vergütungsanspruch, wenn der

Arbeitnehmer seine Leistung anbietet,

§ 615 S.1 BGB.

Können Arbeitgeber aufgrund

von Corona Kurz-

16

arbeitergeld (KUG) beantragen?

Grundsätzlich kommt der Bezug von

KUG in Betracht, wenn in einem

Betrieb ein erheblicher Arbeitsausfall

zu verzeichnen ist. Ein Arbeitsausfall

ist erheblich, wenn er auf

wirtschaftlichen Gründen oder auf

einem unabwendbaren Ereignis

beruht, er vorübergehend und nicht

vermeidbar ist und im jeweiligen

Kalendermonat (Anspruchszeitraum)

mindestens 10 % der in dem

Betrieb beschäftigten Arbeitnehmerinnen

und Arbeitnehmer von einem

Entgeltausfall von jeweils mehr als

10 % ihres monatlichen Bruttoentgelts

betroffen ist (§ 96 SGB III).

Insgesamt wurden die Bezugsvoraussetzungen

durch das „Arbeitvon-Morgen-Gesetz“

vom 13.03.2020

erheblich erleichtert. 2

Stahlreport 4|20

47


Lifesteel

Bericht

Stahl für Biathlongewehre: mit Steeltec aufs Siegertreppchen

Geradezugverschluss ermöglicht schnelles Repetieren

Ob für den norwegischen Rekordweltmeister Ole Einar Bjørndalen oder die deutsche Doppel-Olympiasiegerin Laura

Dahlmeier: Im Biathlon zählt Schnelligkeit, sowohl auf der Loipe als auch am Schießstand. Die Erfolgsgeschichte der

Wintersportart ist eng mit einer Idee des oberbayerischen Büchsenmachermeisters Peter Fortner verknüpft: Denn erst

der von ihm erfundene moderne Geradezugverschluss ermöglicht das schnelle Repetieren, das Nachladen des Gewehres.

Damit die Verschlussteile der enormen Beanspruchung im Biathlon standhalten, setzt Einzelunternehmer Fortner seit

mehr als 30 Jahren auf Spezialblankstahl von Steeltec, einem Unternehmen der SCHMOLZ + BICKENBACH-Gruppe.

Gold, Silber, Bronze: Mit

gleich drei Medaillen war der Biathlet

Peter Angerer 1984 von den

Olympischen Winterspielen in Sarajevo

nach Hause gekehrt – beklagte

aber die im internationalen Vergleich

veraltete Technik der deutschen

Gewehre. Um nachzuladen, mussten

die Sportler umständlich umgreifen,

den Verschluss nach oben klappen,

zurückziehen, nach vorn schieben

und wieder herunterklappen – ein

zeitintensives und unruhiges Prozedere

im Wettkampf, in dem doch

gerade Schnelligkeit und eine ruhige

Hand zum Sieg führen. Über einen

gemeinsamen Freund lernte der

Olympionike den Büchsenmachermeister

Peter Fortner aus dem oberbayerischen

Rohrdorf kennen – und

vermittelte ihm den Auftrag des

Deutschen Skiverbands, ein besseres

System zu finden.

Alle Olympiamedaillen für Schützen

mit Fortner-Verschluss

Fortner entwickelte ein System, mit

dem die Wintersportler bequem und

schnell repetieren können: Nach

einem Schuss zieht der Biathlet den

48 Stahlreport 4|20


GmbH & Co. KG den Fortner-Verschluss

in zahlreichen seiner

Modelle – etwa in der unter Jägern

beliebten Anschütz 1727F oder im

Sportmodell 1927F. Den Marktanteil

des Verschlusssystems bei internationalen

Biathlon-Wettkämpfen

beziffert Fortner auf etwa 95 % und

fügt hinzu: „Bei den Olympischen

Winterspielen 2017/2018 gingen

100 % der Biathlon-Medaillen an Athleten

mit Gewehren mit Fortner-Verschluss.“

Kammerstängel an der Gewehrseite

mit dem Zeigefinger zurück und gibt

so die leere Patronenhülse aus dem

Lager frei. Danach schiebt er den

Verschluss mit dem Daumen wieder

nach vorn in die Ausgangsposition.

Dabei wird aus dem Magazin eine

neue Patrone ins Lager geführt. Die

Waffe ist für den nächsten Schuss

bereit. Das Gewehr ruht währenddessen

in Schussposition an der

Schulter.

Noch 1984 ließ Fortner seinen

revolutionären Geradezugverschluss

patentieren und gründete sein Unternehmen

für Jagd- und Sportwaffentechnik.

Bei Wettkämpfen im folgenden

Winter kam das System

erstmals zum Einsatz.

Damals wie heute verbaut der

renommierte Ulmer Jagd- und Sportwaffenhersteller

J.G. Anschütz

Hohe Festigkeiten ohne Wärmebehandlung

gefordert

Rund 15.000 Schuss pro Jahr feuert

ein Biathlet nach Schätzung von

Peter Fortner ab, dazu kommen zahlreiche

Trockenbewegungen ohne

eingelegte Patrone. Die Sportwaffe

ist einer enorm hohen Beanspruchung

ausgesetzt. Im Winter müssen

die Oberflächen zudem sowohl der

kalten Witterung als auch Feuchtigkeit

und Handschweiß trotzen.

„Wer sich ein Sportgewehr zu -

legt, will es gerne mindestens 25

Jahre lang benutzen“, weiß Fortner

aus Erfahrung. „Entsprechend langlebig

müssen unsere Verschlüsse

sein, deswegen brauchen wir einen

widerstandsfähigen und beständigen

Stahl.“

Die dafür geforderten hohen Festigkeiten

lassen sich in der Regel

mit Wärmebehandlungen erreichen.

Die wiederum bergen aber das Risiko

von Materialverzug – der nicht nur

für die Zielgenauigkeit im Biathlon

zu vermeiden ist, sondern auch aufwendige

Nachbearbeitung mit sich

bringt. Um dieses komplexe Problem

zu umgehen, setzt Fortner für seine

Gewehrverschlüsse auf Spezialblankstahl

des Blankstahlanbieters

Steeltec aus dem schweizerischen

Emmenbrücke.

Für eine rationelle Fertigung verarbeitet

Fortner die hoch- und höherfesten

Spezialstähle ETG ® 100 und

HSX ® Z12 sowie den Einsatzstahl

ESP 65 von Steeltec. Das Verschlusshinterteil,

das den Verschluss verriegelt,

fertigt Fortner aus ETG ® 100.

HSX ® Z12 und ESP 65 verwendet

der Waffenzulieferer für den größeren

Teil des Repetiersystems, die

Systemhülse, in der die ganze Ver-

schlusseinheit geführt wird. Sie

schließt die Kammer, in der die

eigentliche Explosion beim Schuss

stattfindet, nach hinten ab.

Diese Gewehrteile sind im Biathlon

einer immensen Belastung ausgesetzt,

insbesondere wegen der

außerordentlich hohen Schusszahlen.

Daher muss das Material, aus

dem die Verschlussteile gefertigt

sind, eine hohe Festigkeit aufweisen.

Außerdem zählt hohe Präzision.

Denn jeglicher Verzug verschlechtert

die Leichtgängigkeit des ganzen Systems.

q

Von oben: Geradezugverschluss,

Systemhülse

und Verschlusshinterteil

Bilder, 3: Fortner

Stahlreport 4|20

49


Lifesteel

XXXXX Nachricht A XXXXX

Bequem und

schnell repetieren:

Sportler mit

Waffe im

Anschlag mit

angebautem

Tragegestell

Bild: Fortner

q Spezialstahl spart Kosten, Zeit

und logistischen Aufwand

Die Stahlsorten von Steeltec bieten

schon im Lieferzustand die geforderte

Zugfestigkeit – bei ETG ® 100 liegt sie

bei 960 bis 1.100 MPa, bei HSX ® Z12

zwischen 950 und 1.200 MPa.

Anders, als wenn konventioneller

Vergütungsstahl verwendet wird,

müssen die Bauteile nach der Fertigung

nicht mehr wärmebehandelt

werden. Dadurch entfallen auch nachbearbeitende

Schritte wie Nachrichten,

Schleifen und Entgraten.

Für ausreichenden Rostschutz

nitriert Fortner die Verschlussteile –

eine einfache Wärmebehandlung ohne

Verzugsrisiko. „Unsere Spezialstähle

sind hoch- beziehungsweise höherfest,

lassen sich aber trotzdem gut zerspanen.

Weil keine Wärmebehandlung

und entsprechende Nachbearbeitung

nötig sind, spart Fortner in der Produktion

Kosten, Zeit und logistischen

Aufwand“, so fasst Account Manager

Wolfgang Birke von Steeltec die Vorteile

zusammen.

Auch den Einsatzstahl ESP 65

setzt Fortner für die Systemhülsen

ein. Eine Wärmebehandlung bleibt

bei diesem zerspanungsoptimierten

Stahl nach wie vor nötig. Dafür lassen

sich aber sehr hohe Festigkeiten erreichen.

Die Eigenschaftsqualität bleibt

über Chargen hinweg gleich, der Einsatzstahl

garantiert eine hohe Prozesssicherheit.

Andere Stahlsorten werden den

Anforderungen nicht gerecht

Anfangs griff Fortner auf schlechter

zerspanbare Werkstoffe wie etwa

1.7131 (16MnCr5) und die Vergütungsstähle

1.7225 und 1.7227

(45CrMo4 beziehungsweise

45CrMoS4) zurück.

Auf Steeltec als Problemlöser

stieß der Waffenspezialist vor mehr

als 30 Jahren über den süddeutschen

Systemdienstleister für Stahl, Edelstahl

und Aluminium Günther +

Schramm. Der liefert den Spezialblankstahl

als Stangenmaterial mit

einem Durchmesser von 32 mm an.

Fortner trennt die Stangen in

200 mm lange Rohlinge und dreht

und fräst sie anschließend in die

gewünschten Formen. Andere Stahlsorten

kommen nicht in Frage:

„Eigenschaftsgleiche Alternativen

haben wir einmal getestet und uns

sofort dagegen entschieden. Schon

beim Nitrieren mussten wir einen

leichten Verzug feststellen“, erinnert

sich der Büchsenmachermeister.

Präzision, Zuverlässigkeit und

Schnelligkeit – worauf es Biathleten

im Wettkampf ankommt, das bietet

Steeltec auch Fortner für die Produktion

seines revolutionären Geradezugverschlusses.

Im internationalen

Wettbewerb hat sich die

Zusammenarbeit bewährt – und so

stehen die hoch- und höherfesten

Stähle von Steeltec im Winter regelmäßig

auf dem Siegertreppchen. 2

Impressum

STAHLREPORT

Das BDS-Magazin für die Stahldistribution

Stahlhandel | Stahlproduktion |

Stahlverarbeitung

Offizielles Organ des BDS-Fernstudiums

Herausgeber:

Bundesverband Deutscher Stahlhandel

Wiesenstraße 21

40549 Düsseldorf

Redaktion:

Markus Huneke (Chefredakteur)

Telefon +49 211 86497-24

E-Mail: Huneke-BDS@stahlhandel.com

Anzeigen:

Ksenija Sandek

Telefon+49 211 86497-21

E-Mail: Sandek-BDS@stahlhandel.com

Verlag:

BDS AG

Wiesenstraße 21

40549 Düsseldorf

Telefon +49 211 86497-0

Telefax +49 211 86497-22

Layout:

auhage|schwarz, Leichlingen

Druck:

Hellendoorn, Bad Bentheim

Erscheinungsweise:

monatlich (10 Hefte/Jahr)

Bezugspreis:

Jährlich 65 € im Inland und 70 € im Ausland

zuzüglich Versandspesen und Mehrwertsteuer.

Abbestellungen sind lediglich unter Einhaltung

einer dreimonatigen Kündigungsfrist zum Jahres -

ende möglich. Für die Mitglieder des BDS und die

Teilnehmer im BDS-Fernstudium ist der Bezug

eines Exemplars der Fachzeitschrift „Stahlreport

im Mitgliedsbeitrag bzw. in der Studien gebühr

enthalten. Ein Nachdruck ist nur mit ausdrücklicher

Genehmigung der Redaktion gestattet.

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verwendet und entsprechende Begriffe häufig

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International Standard Serial Number:

ISSN 0942-9336

Diese Zeitschrift wurde aus umwelt schonendem

Papier hergestellt.

Beilagenhinweis:

Dieser Ausgabe liegt eine Beilage vom Bundesverband

Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik

e.V. (BME) bei

50 Stahlreport 4|20


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2020

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Stahlkunde (Seminar) 11.-13.08. Gröditz

Qualitäts- und Edelstahl (Seminar) 31.08.-01.09. Soltau

Stahleinkauf (Seminar/Kooperation) 08.-09.09. Duisburg

Verkauf I (Seminar) 19.-20.10. Köln

Nichtrostende Stähle (Seminar) 11.-12.11. Darmstadt

Betonstahl (Seminar) 18.-19.11. Duisburg

Stahlkunde (Seminar) 01-03.12. Gengenbach

Stahleinkauf (Seminar/Kooperation) 08.-09.12. Duisburg

Diese Übersicht gibt den Stand der Planungen für Seminarveranstaltungen

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Änderungen sind vorbehalten. Über weitere Details sowie zu den Anmeldemöglichkeiten

informieren Sie sich bitte über unsere Website www.stahlhandel.com.

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