Ulf Miehe - Facetten eines Autors

photeurberlin

Ulf Miehe – Facetten eines Autors ist der Versuch einer Biografie in Selbstzeugnissen und Dokumenten, die einen Überblick zu Leben, Persönlichkeit und Werk des Schriftstellers, Filmautors und Regisseurs Ulf Miehe (1940 Wusterhausen|Dosse – 1989 München) geben. Zitate verbinden sich mit Aussagen von Zeitzeugen, Interviews, Essays von renommierten heutigen Autoren und Bildzeugnissen. So entsteht ein facettiertes Bild von Ulf Miehes Denken und Schreiben.
Durch das hier zusammengetragene Material eines kreativen Lebens voller Wendepunkte werden auch die gesellschaftlichen Spannungen thematisiert, aus denen ein knappes Werk seine große Lebendigkeit schöpft.
Herausgegeben von Horst Kløver, Angelika Miehe und dem Wegemuseum Wusterhausen|Dosse.

Fatima Igramhan-Parsons: Wie ist das denn,

vom Schreibtisch hinter die Kamera?

Ulf Miehe: Schmerzhaft wie jede Veränderung,

erleichternd, wenn man sie schafft,

richtig schafft, nicht bloß im Kopf. Wim

Wenders hat mal gesagt, daß er ohne

seine Leute ein Träumer geblieben wäre.

Mir haben bei meinem ersten Film alle geholfen.

Heiner Angermeier, Joachim von

Vietinghoff, Johannes Schaaf, der wohl

letztlich den Sender überzeugte, mir den

Film anzuvertrauen, immerhin eine Dreiviertelmillion.

[…] Wir haben es geschafft.

Mir hat die Spannung vorher am meisten

zu schaffen gemacht. Als das Team da war,

hab ich mich hingestellt und ihnen nichts

vorgemacht. Ich bin der Anfänger, ihr

seid hier, weil es nicht euer erster Film ist.

Wenn ich meine Fehler mache, sagt sie mir,

helft, sie zu vermeiden. Sie haben mir eine

Chance gegeben, alle, und ich mir Mühe.

Jürgen Jürges z. B., der Kameramann,

hat die Bilder so gesehen, wie ich sie ihm

mit Wörtern meistens kaum beschreiben

konnte; er hat nicht bloß „gesehen wie

ich“, er hat mehr, weil genauer, nämlich

mit seinem Bleistift, der Kamera, gesehen.

Der Kameramann, das sind meine Augen;

[…] Ohne Jürgen Jürges geht nix. Der Tonmann,

das sind meine Ohren, das ist der

Martin, Captain Müller. Der Cutter, das

ist dein Herzschlag, der Atem. Peter Przygodda,

der schmeißt sich in den Film, der

hält sich nicht raus, der setzt sich aus. Vom

berühmten Rädchen im Getriebe zu reden

kommt mir vor wie das Gestammel von den

Schmetterlingen, aber es ist so. […] Allein

schaffst du‘s nicht.

Aus einem Gespräch im Deutschen Interview,

Ende 1977, auch in: Dumont Noir Nr. 5,

Puma, Köln 1999

Der Kameramann Jürgen Jürges und Ulf Miehe

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Ulf Miehe und der Cutter Peter Przygodda, 1975 (beide Fotos privat)

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