Ulf Miehe - Facetten eines Autors

photeurberlin

Ulf Miehe – Facetten eines Autors ist der Versuch einer Biografie in Selbstzeugnissen und Dokumenten, die einen Überblick zu Leben, Persönlichkeit und Werk des Schriftstellers, Filmautors und Regisseurs Ulf Miehe (1940 Wusterhausen|Dosse – 1989 München) geben. Zitate verbinden sich mit Aussagen von Zeitzeugen, Interviews, Essays von renommierten heutigen Autoren und Bildzeugnissen. So entsteht ein facettiertes Bild von Ulf Miehes Denken und Schreiben.
Durch das hier zusammengetragene Material eines kreativen Lebens voller Wendepunkte werden auch die gesellschaftlichen Spannungen thematisiert, aus denen ein knappes Werk seine große Lebendigkeit schöpft.
Herausgegeben von Horst Kløver, Angelika Miehe und dem Wegemuseum Wusterhausen|Dosse.

Ausschnitt Titelblatt Supergarde, Droste, Düsseldorf 1969, Gestaltung Vagelis Tsakiridis

Wer war Ulf Miehe?

Interview von Peter Henning mit Angelika Miehe. Veröffentlicht in: Ulf Miehe, Puma. Mit Materialien zu Leben und Werk,

herausgegeben von Peter Henning, DuMont, Köln 2010

Während des Schreibens lebte er in seiner eigenen Geschichte

Angelika Miehe über das Schreibverständnis ihres Mannes und dessen Vorstellung vom deutschen Kriminalroman

Peter Henning: Wie sah sich Ulf Miehe – im Vergleich zu den seinerzeit schreibenden Kollegen: als reiner Kriminalautor?

Oder als einer, der mit dessen Mitteln die Wirklichkeit seiner Zeit zu erkunden suchte?

Angelika Miehe: Er fühlte sich eher als Handwerker, das bedeutete, mit höchster Disziplin und Konzentration seine Arbeit tun.

Es war ihm wichtig, in seinen Geschichten die politische und gesellschaftliche Wirklichkeit zu zeigen.

– Ulf Miehe hat als sogenannter „klassischer“ Erzähler begonnen. Über welchen Weg fand er zum Krimi?

– Seit seiner frühen Jugend hat er immer viel gelesen und sich Geschichten ausgedacht, die er anderen Kindern auf dem langen

gemeinsamen Schulweg erzählte. Zum Krimi fand er über das Lesen von Krimis und über das Sehen von Kinofilmen, z. B. Kriminalfilme

von Melville.

– Das Besondere seiner Romane ist, dass er nicht versucht hat, zum amerikanischen Krimi à la Chandler oder Hammett ein

deutsches Äquivalent zu liefern. Wie sah er den amerikanischen Krimi?

– Er hat fast alles, was er an guten amerikanischen Kriminalromanen finden konnte, wenn nicht in Deutsch lieferbar, dann im Original

interessiert gelesen. Er hat keinen Unterschied zwischen Krimi und sogenannter „hoher Literatur“ gemacht. Den amerikanischen

Krimi sah er als Anregung, wie man harte Wirklichkeit beobachten und direkt beschreiben kann, also eher als Inspiration.

Er musste die amerikanischen Kriminalromane, z. B. von Hammett oder Chandler, vergessen, um seinen eigenen Stil zu finden.

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