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Leseprobe: Die Tschittiwiggl und der große Mock

Leseprobe zu Käthe Recheis: Die Tschittiwiggl und der große Mock

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<strong>Die</strong> <strong>Tschittiwiggl</strong>-Kin<strong>der</strong> hatten sich müde gespielt <strong>und</strong><br />

fanden, dass es an <strong>der</strong> Zeit war, sich auf <strong>der</strong> Veranda auszuruhen.<br />

Joggerle <strong>und</strong> Mopperle, die Zwillinge, hüpften voraus.<br />

Tschok, <strong>der</strong> ältere Bru<strong>der</strong>, setzte die kleine Ti auf seine<br />

Schulter <strong>und</strong> folgte ihnen nach.<br />

„Da seid ihr ja“, sagte <strong>der</strong> Vater, rückte zur Seite <strong>und</strong><br />

machte Platz.<br />

<strong>Die</strong> kleine Ti kletterte auf den Schoß <strong>der</strong> Mutter.<br />

Joggerle <strong>und</strong> Mopperle kuschelten sich an Tschok.<br />

Je<strong>der</strong> <strong>der</strong> drei hatte ein samtiges Pelzchen, Wuschelhaare<br />

am Kopf <strong>und</strong> kleine Nasen <strong>und</strong> Ohren.<br />

Der Pelz <strong>der</strong> kleinen Ti war noch flaumig wie bei einem<br />

Vogelkind. Näschen <strong>und</strong> Ohren waren winzig. Sie sah<br />

allerliebst aus <strong>und</strong> wurde von <strong>der</strong> ganzen <strong>Tschittiwiggl</strong>-<br />

Familie verwöhnt.<br />

Der Bach, <strong>der</strong> durch die Wiese floss, murmelte <strong>und</strong><br />

gluckste. <strong>Die</strong> <strong>Tschittiwiggl</strong>-Familie saß still da. Das Mondlicht<br />

hatte ihr Tal verzaubert <strong>und</strong> allen war feierlich zu<br />

Mute.<br />

Drinnen im Haus huschten Mäuse umher.<br />

Wie jeden Abend hatte die Mutter für sie Futter ausgestreut,<br />

da eine Krume <strong>und</strong> dort ein paar Körner. <strong>Die</strong><br />

Mäuse fraßen sich satt <strong>und</strong> schleppten, was übrig blieb, in<br />

ihre unterirdischen Höhlen im Wurzelgeflecht des alten<br />

Baumes.<br />

Ein paar Tagereisen vom Tal entfernt, am Fuß eines<br />

hohen Berges, lagerte in einer Mulde ein Geschöpf, das<br />

irgendwie aussah wie ein <strong>Tschittiwiggl</strong>, aber wie<strong>der</strong>um<br />

auch nicht. Alles schien ins Gegenteil verkehrt zu sein, war<br />

zu groß <strong>und</strong> zu plump geraten.<br />

Der Pelz war rau <strong>und</strong> drahtig, das Haar borstig, die Nase<br />

klobig. <strong>Die</strong> Ohren waren viel zu lang <strong>und</strong> standen steil<br />

aufrecht.<br />

Das Mondlicht ließ das langohrige Geschöpf nicht<br />

einschlafen. Es wälzte sich hin <strong>und</strong> her, aber nichts half, es<br />

wurde nur noch wacher.<br />

„Mondlicht!“, murrte das Geschöpf. „Wozu soll das<br />

nütze sein? <strong>Die</strong> Nacht ist zum Schlafen da! Und wie kann<br />

man schlafen, wenn es nicht dunkel ist!“<br />

Der <strong>große</strong> <strong>Mock</strong>, so hieß das langohrige Geschöpf,<br />

warf einen bitterbösen Blick zum Mond hinauf, dann<br />

vergrub er den borstigen Kopf in den Armen <strong>und</strong> presste<br />

die Augen zu. Schlafen musste er, damit er am Morgen bei<br />

Kräften war für den weiten Weg ins Tal <strong>der</strong> <strong>Tschittiwiggl</strong>.<br />

Dort hatten sich die <strong>Tschittiwiggl</strong> zur Ruhe begeben.<br />

Sie wussten nichts von kommendem Unheil, wussten<br />

nicht, dass in ihrem friedlichen Tal bald nichts mehr so<br />

sein würde, wie es immer gewesen war. Sie schliefen <strong>und</strong><br />

freuten sich in ihren Träumen auf den neuen Tag,<br />

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