27.05.2020 Aufrufe

Leseprobe: Die Tschittiwiggl und der große Mock

Leseprobe zu Käthe Recheis: Die Tschittiwiggl und der große Mock

Leseprobe zu Käthe Recheis: Die Tschittiwiggl und der große Mock

MEHR ANZEIGEN
WENIGER ANZEIGEN

Sie wollen auch ein ePaper? Erhöhen Sie die Reichweite Ihrer Titel.

YUMPU macht aus Druck-PDFs automatisch weboptimierte ePaper, die Google liebt.

„Was hast du gesagt?“, fragte <strong>der</strong> Großvater. „Reizend?<br />

Reizend soll <strong>der</strong> sein? Ha!“<br />

Der Große <strong>Mock</strong> stapfte zum Haus hin <strong>und</strong> blieb vor<br />

<strong>der</strong> Veranda stehen. Er schaute auf die <strong>Tschittiwiggl</strong> hinab,<br />

die sich plötzlich klein <strong>und</strong> hilflos vorkamen.<br />

Der Vater raffte sich auf. Er musste seiner Familie mit<br />

gutem Beispiel vorangehen <strong>und</strong> zeigen, dass er sich nicht<br />

einschüchtern ließ.<br />

„Mein Herr“, sagte er höflich, aber bestimmt, „dürfen<br />

wir Ihnen eine Tasse Tee anbieten? Zur Stärkung, bevor Sie<br />

weiterwan<strong>der</strong>n.“<br />

„Weiterwan<strong>der</strong>n?“, grollte <strong>der</strong> Große <strong>Mock</strong>. „Wozu?<br />

Ich bin dort angekommen, wo ich ankommen wollte.“<br />

Dem Vater war zumute wie einem, <strong>der</strong> friedlich im<br />

Sonnenschein liegt <strong>und</strong> auf den unvermutet ein Eimer<br />

eiskaltes Wasser geschüttet wird. Seiner Familie erging es<br />

nicht an<strong>der</strong>s.<br />

„Ohne Zweifel sind es <strong>Tschittiwiggl</strong>“, dachte <strong>der</strong> Große<br />

<strong>Mock</strong>. „Wenn sie auch etwas son<strong>der</strong>bar sind. Man könnte<br />

sie eher für ein Wuselvolk halten. Am besten ist es, ich<br />

fange sofort mit ihrer Erziehung an.“<br />

„Ich bin ein Großohr-<strong>Tschittiwiggl</strong>“, verkündete er.<br />

„Wir Großohren sind mit euch verwandt. Freilich nur<br />

entfernt. Aber immerhin. Ein <strong>Tschittiwiggl</strong> hat ordentlich,<br />

tüchtig <strong>und</strong> nützlich zu sein. Ihr scheint das nicht zu<br />

wissen. Aber keine Sorge, ich bringe es euch bei.“<br />

<strong>Die</strong> <strong>Tschittiwiggl</strong> standen stumm da <strong>und</strong> begriffen gar<br />

nichts. Joggerle <strong>und</strong> Mopperle begannen Purzelbäume zu<br />

schlagen. Warum, das wussten sie nicht. Sie konnten nicht<br />

an<strong>der</strong>s, sie mussten es tun.<br />

„Halt!“, schrie <strong>der</strong> Große <strong>Mock</strong>. Er war ausgesprochen<br />

unangenehm berührt. Noch nie hatte er gesehen, dass ein<br />

Großohr sich so unwürdig benahm. „Was soll das? Lasst<br />

diesen Unfug sein.“<br />

„Es ist kein Unfug“, wagte <strong>der</strong> Vater einzuwenden. „Sie<br />

schlagen Purzelbäume.“<br />

„Weil es lustig ist“, piepste die kleine Ti <strong>und</strong> klammerte<br />

sich an Tschok.<br />

„Ein <strong>Tschittiwiggl</strong> ist nicht auf <strong>der</strong> Welt, um lustig zu<br />

sein“, sagte <strong>der</strong> Große <strong>Mock</strong> streng.<br />

Joggerle <strong>und</strong> Mopperle suchten bei <strong>der</strong> Mutter Schutz.<br />

Sie legte die Arme um sie.<br />

Der Großvater begann wie wild zu schaukeln.<br />

„Großvater“, wisperte ihm <strong>der</strong> Vater ins Ohr, „beruhige<br />

dich! Er ist ein Verwandter von uns. Freilich nur entfernt<br />

verwandt <strong>und</strong> etwas w<strong>und</strong>erlich.“<br />

„Was hast du gesagt?“ Der Großvater hielt sich die Pfote<br />

hinters Ohr. „Entfernt verwandt? Ha! Dann soll er sich<br />

entfernen <strong>und</strong> zwar gleich!“<br />

„Schsch! Nicht so laut!“, wisperte <strong>der</strong> Vater.<br />

Der Große <strong>Mock</strong> maß den Großvater – samt Schaukelstuhl<br />

– von oben bis unten. Was er da sah, schien ihm<br />

20<br />

21

Hurra! Ihre Datei wurde hochgeladen und ist bereit für die Veröffentlichung.

Erfolgreich gespeichert!

Leider ist etwas schief gelaufen!