2020-05-31 Bayreuther Sonntagszeitung

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Bayreuther Sonntagszeitung

Aktuell 31. Mai 2020 3

Gedanken zur Woche

Der Blick nach vorne –von Martin Gundermann, Pfarrer derStadtkirche Bayreuth

DieWeltist noch immerimCorona-Ausnahmezustand,

aber so

langsam öffnen sich viele Türen

wieder: die Biergärten z.B. und

Schulen, Spielplätze und Hotels.

Reisen ins europäische Ausland

scheinen bald möglich,und Gottesdienste

können wir wieder

„analog“ mit Gemeindegliedern

feiern –natürlich mit Hygienekonzept,

Abstand und Mundschutz.

In dieser Zeit der Öffnungen

wagen nun manche schon wieder

einen Blick nach vorne –allen

Unkenrufen von der Rückkehr

von Covid-19 in einer zweiten

Welle zum Trotz:

•Welche Erkenntnissewerden

wir aus dem Leben in der Krise

gewinnen?

• Was ist uns wirklich wichtig

geworden? -Wie wollen wir in

Zukunftleben?

Der Zukunftsforscher Matthias

Horx wagt in seinem Artikel „Die

Welt nach Corona“ einen Blick

nach vorne. Ermalt mit Worten

ein „Zukunftsbild“:

„Stellen wir uns eine Situation

im Herbst vor, sagen wir im September

2020.Wir sitzen in einem

Straßencafe in einer Großstadt.

Es istwarm …Ist alles so wie früher?

Schmeckt der Cocktail, …

der Kaffee, wieder wie früher?

Wie damals vorCorona?“

Und dann zählt er auf, was sich

alles zum Guten verändern wird:

„Kein Mensch –oder nur noch

wenige Hartgesottene –glauben

heute noch an die große digitale

Erlösung. Der große Technik-

Hype istvorbei. Wirrichten unsere

Aufmerksamkeiten wieder mehr

auf die humanen Fragen: Was

ist der Mensch? Was sind wir für

einander?“ Wir staunen rückwärts,

wieviel Humor und Mitmenschlichkeit

in den Tagen des

Virus tatsächlich entstanden ist.“

Wenn man seine Ausführungen

liest, dann klingen sie fast zu

schön, um wahr zu sein. Aber

dieser große Einschnitt hat Folgen

für das Miteinander und

viele stellen neu die Frage, was

wirklich wichtig istimLeben.

Ein großer Einschnitt, der

alles neu zusammengeordnet

hat, warzubiblischen Zeiten das

Pfingstfest. Eswar etwas geschehen,

das sich niemand zuvorhätte

ausmalen können.

Die Jünger öffneten wieder

ihre Türen, hinter denen sie sich

verunsichert zusammengefunden

hatten. Sie trauten sich

öffentlich aufzutreten und die

Botschaft vonJesus ohne Angst

lautstark verkündigen. Und Menschen

aus den verschiedenen

Ländern, mit unterschiedlicher

Herkunft und Sprache hörten

zu und konnten sich auf einmal

verstehen. Die Kraftdes Heiligen

Geisteswar so mächtig, dass sie

wie Feuer die Herzen der Menschen

berührte.

In der Apostelgeschichte (Kap.

2) wird als weitere Folge davon

berichtet:

„Alle aber, die gläubig geworden

waren, waren beieinander und

hatten alle Dinge gemeinsam. Sie

verkauften Güter und Habe und

teilten sie aus unter alle, je nachdem

es einer nötig hatte.“

Was für eine großartige Vorstellung

christlichen Lebens! Nun

wissen wir, dass, wenn überhaupt,

dieser Idealzustand des

einmütigen Miteinanders nicht

vonlanger Dauer war. Aber wichtig

ist soeine Vorstellung dennoch,

weil sie mehr istals nur ein

Wunschtraum ohne Bezug zur

Wirklichkeit.

Dann und wann ist sie nämlich

erfahrbar, diese große Vision,

in der Mitmenschlichkeit und

Liebe im Mittelpunkt unserer

Weltgemeinschaft stehen.

Damals in den ersten christlichen

Gemeinden, wie auch

heutebei uns: Wenn wir gemeinsam

Abendmahl feiern und Brot

und Wein teilen, was hoffentlich

bald wieder einmal der Fall sein

wirdz.B.. Oder wenn wir gemeinsambeten

und Gott loben.

Und, so Gott will, wird die

Vision auch im Herbst 2020 erfahrbar

sein: Dass wir an einem

lauen Septemberabend in einem

Straßencafé inBayreuth sitzen

und einen Kaffee trinken. Der

schmeckt dann vermutlich anders

als vorCorona.

Er „schmeckt“ nach Trauer,

nach Erschöpfung, aber auch

nach Dankbarkeit, dass das

Martin Gundermann, Pfarrer der

der Stadtkirche Bayreuth

Schlimmste überstanden istund

viel Mitmenschlichkeit erlebbar

geworden ist. So viel, wie wir es

uns vorher niemals hätten träumen

lassen.

Ein gesegnetes Pfingstfest

wünscht Ihnen Pfr. Martin

Gundermann von der Stadtkirche.

VdK: Hoher Beratungsbedarf

Wann istHautleiden ein Berufskrankheit?

BAYREUTH. Der Bayreuther

VdK-Kreisgeschäftsführer Christian

Hartmann weist auf eine im

Mai vom Bundestag beschlossene

Gesetzesänderung hin und

rechnet mit einem erhöhten Beratungsbedarf

wegen in der Vergangenheit

abgelehnter Berufskrankheiten.

Die Heldinnen und Helden der

Coronakrisesind oft besonderen

gesundheitlichen Beeinträchtigungen

ausgesetzt. Das Risiko

als Pflegekraft oder in Ausübung

einer Friseurtätigkeit an einem

Hautekzem zu erkranken ist für

diese Berufsgruppen besonders

hoch.

Im Jahr 2018 prüften die Berufsgenossenschaften

insgesamt

21.406 Anzeigen wegen

möglicher beruflich verursachter

Hautschädigungen. Als Berufskrankheit

anerkannt wurden jedoch

nur 507Hautleiden.

Oft scheitert die Anerkennung

am sogenannten„Unterlassungszwang“:

Bei9der 80 möglichen

Berufskrankheiten fordert

das Gesetz die zwingende Aufgabe

der schädigenden Tätigkeit,

damit eine Berufskrankheit anerkanntwerden

kann.

Leidet z.B. eine Pflegekraft

aufgrund jahrelangen schweren

Hebens in Zwangshaltungen an

Nicht alle Hautleiden werden

zunächst als Berufskrankheit angesehen.

einer ausgeprägten Wirbelsäulenerkrankung

und arbeitet sie

Dank der angebotenen Präventionsmaßnahme

in ihrem Beruf

weiter, ist eine Anerkennung

durch die Berufsgenossenschaft

derzeit nichtmöglich.

Der 1961 eingeführte Unterlassungszwang

sollte ursprünglich

verhindern, dass

„Bagatellerkrankungen“ als Berufskrankheiten

angezeigt werden

und sich Arbeitnehmer durch

Fortsetzung ihrer bisherigen

Tätigkeit zwangsläufig an ihrer

Gesundheit schädigen. Aufgrund

verbesserter Präventionsmaßnahmen

führt der Unterlassungszwang

in der heutigen Zeit jedoch

oft zu unbefriedigenden Ergebnissen

für Arbeitnehmer und Arbeitgeber.„Der

VdKbegrüßtausdrücklich

die Gesetzesänderung,

welche zum 01.01.2021 den Unterlassungszwang

entfallen lässt.

Von den 80 gelisteten Berufskrankheiten

erfordern zwar auch

heutedie wenigsten die Aufgabe

der Tätigkeit, dennoch machen

gerade diese Berufskrankheiten

etwa 50 Prozent derangezeigten

Verdachtsfälle aus. Anerkennungen,

die in der Vergangenheit wegen

fehlender Aufgabe der schädigenden

Tätigkeit nicht erfolgen

konnten, sollen von Amtswegen

überprüftwerden, wenn sie nach

dem 1. Januar 1997 entschieden

worden sind. Leistungen werden

dann aber nur für die Zukunft

gewährt. Nicht nur Arbeitnehmer

mit Hauterkrankungen und

Wirbelsäulenbeschwerden profitieren

von der neuen Regelung,

sondern auch Arbeitnehmer die

berufsbedingt mit bestimmten

atemwegsreizenden Stoffen arbeiten

oder gearbeitet haben.“,

so der Kreisgeschäftsführer. Einen

wesentlichen Kritikpunkt hat

Hartmann aber trotzdem: „Der

Gesetzgeber hatauch dieses Mal

versäumt, Regelungen für die Anerkennung

psychischer Erkrankungen

zu schaffen.“ red

1,5m

Mitder AHA-Formelfür einen neuen Alltag!

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