04.06.2020 Aufrufe

Berner Kulturagenda - Freitagsausgabe

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www.bka.ch

Seite 24

«Grüsse aus dem Lockdown» von Lisa und

Remo Ubezio

Wolfgang Zwiauer über «Life at the Zoo»

«Inselpost» von Vera Urweider

Seiten 25

Corona-Lexikon #10

Junge Bühne Bern digital: «Die Bande»

«Pegelstand» von Sibylle Heiniger

Seite 26

Diese Veranstalter öffnen ihre Tore wieder

«Beat Tapes» von Julian Sartorius

Seite 27

Agenda Ausstellungen

Seite 28

Agenda Kino

Seite 29

Illustration von Blackyard

Seite 30

Markus Keller vom Theater an der

Effingerstrasse im Interview

Seite 31

Hans Ulrich Glarner im Gespräch

Helen Hirsch vom Kunstmuseum Thun

über die Wiedereröffnung

Kaspar Zehnder vom TOBS @Home

JMH Distributions

Endlich wieder Kinogefühle

Die Berner Kinos öffnen ab dem 6. Juni wieder ihre Türen mit einem facettenreichen

Programm. Bei Quinnie ist der Dokumentarfilm «Woman» von Yann Arthus-Bertrand

und Anastasia Mikova zu sehen, für den 2000 Frauen in 50 Ländern befragt wurden.

28

In der Schatzkammer der Patrizier

Florian Spring

Musiktipps von

Kate Birch

Unter dem Namen Kate Birch lanciert

die Berner Musikerin und Sängerin Laura

Schuler, die unter anderem mit ihrem

Jazz-Kammermusik-Trio Esche unterwegs

ist, ihr neues Soloprojekt. Bei Be-

Jazz hätte sie zudem Ende Mai das Album

«Metamorphosis» ihres Quartetts

getauft. Inspiration für ihr sphärisches

und elektronisch angehauchtes Soloalbum

«Sound of the City» hat sie sich

unter anderem während ihres Werkstipendiums

in New York geholt. www.

lauraschuler.net

Machen Sie den ersten Satz:

Was hast du gestern Nacht geträumt?

Und was soll der letzte sein?

Lebe dein Leben, hab keine Angst, atme!

Welche Songs empfehlen Sie für diese

Woche und weshalb?

1. «Jubilee Street» von Nick Cave

and the Bad Seeds: Ein bisschen geheimnisvolle

Melancholie tut gut im

Alltag und dieser Song ist ausserdem

musikalisch super aufgebaut.

2. «Mobius Streak» von Hiatus

Kaiyote: Weil es unglaublich groovt,

sexy und cool ist. Dieser Song macht

einfach gute Laune!

3. «Diamonds and Rust» von Joan

Baez: Etwas fürs Herz und für den

Kitsch.

Die Stiftung Schloss Jegenstorf feiert 2020 und 2021

das Jubiläum «300 Jahre Barockschloss». An der ersten

Sonderausstellung zeigt das Schlossmuseum 30 originelle

Objekte aus der Sammlung.

Der Berner Reichsgraf Albrecht Friedrich

von Erlach war 24 Jahre alt, als er

am 30. August 1720 für 100 000 Pfund

die «alte Veschti» in Jegenstorf erwarb.

Die Konditionen und Einzelheiten

zur Übergabe wurden damals in

einem ausführlichen und kunstvoll

verzierten Kaufbrief festgehalten. Mit

dieser Errungenschaft verfolgte der

ehemalige Offizier eine Vision, die er

in den darauffolgenden Jahren umsetzte:

Er liess die mittelalterliche

Wehrburg zu einem prächtigen Barockschloss

umbauen.

Siegelbeutel und Duellpistolen

Die besagte Kaufurkunde ist eines

von 30 Exponaten, die das Schlossmuseum

Jegenstorf im Rahmen seiner

Jubiläums-Sonderausstellung «300

Jahre – 30 Objekte. Schätze und Trouvaillen

aus der Sammlung» zur Schau

stellt. Auf dem Rundgang durch die

schmucken Zimmer des dreistöckigen

Schlosses gibt es neben dem historischen

Schriftstück etwa auch eine Statuette

der griechischen Göttin Artemis,

einen Fächer, Duellpistolen oder

eine Spielzeugkiste aus Paris zu entdecken.

«Die Gegenstände erzählen alle

ganz unterschiedliche Geschichten»,

sagt die Museumsleiterin und Kuratorin

Murielle Schlup. Bei der Platzierung

der Objekte hat sie darauf geachtet,

dass Bezüge zur Dauerausstellung

entstehen. So befinden sich zum Beispiel

die Bally-Kinderschuhe und das

Kinderlaufrad im Kinderzimmer, und

über einem Siegelbeutel hängt das

Porträt des damaligen Besitzers, Albrecht

Friedrich Fischer.

ZVG

An ausgewählten Terminen sowie auf

Anfrage bietet Schlup informative

Führungen durch die Wunderkammern

der Patrizier an. Wer sich allerdings

vom Reichsgrafen Albrecht

Friedrich von Erlach höchstpersönlich

durch das Schloss führen lassen mag,

der besucht oder bucht die szenische

Erlebnisführung «Audienz in Stärnebrächts

Residenz». Und speziell für

Kinder und Schulklassen gibt es das

Eine Spielzeugkiste aus Paris mit allerlei Unterhaltungsmaterial für die Schlosskinder.

neue, interaktive Vermittlungsangebot

«Ancien Régime – auf Spurensuche im

Barockschloss».

Schloss Jegenstorf

Di., 9.6. bis 18.10.

www.schloss-jegenstorf.ch

Stephan Ruch


24

Anzeiger Region Bern / Berner Kulturagenda Nr. 35 Freitag, 5. Juni 2020

Letzte Grüsse aus dem

Lockdown

Notgedrungen sitzen viele Kunstschaffende wegen des Lockdowns ohne Arbeit zu

Hause fest. In der neuen Rubrik «Grüsse aus dem Lockdown» stellen wir ihre

Projekte vor, die in diesem Rahmen entstanden sind.

Mark Nolan

Der Bassist Wolfgang Zwiauer freut sich darauf, Menschen wieder zu umarmen ohne «abzuscannen, wer jetzt wie drauf ist».

Old-School mit Weitsicht

Remo und Lisa Ubezio: «Einen ersten Schritt machen, ohne zu wissen, wohin er führt.»

Atelier Ubezio

Corona brachte auch Innovatives hervor: Der vielseitige Musiker Wolfgang Zwiauer,

der unter anderem bei Züri West und Shirley Grimes mitspielt, über sein Streaming-

Projekt «Life at the Zoo», das während des Lockdowns entstanden ist.

Das Fotografenpaar Lisa und Remo

Ubezio hat für sein Projekt #togetherathome

während der Coronazeit das

Zuhause von Wohngemeinschaften,

Paaren, Familien und Einzelpersonen

dokumentiert. Die fotografisch festgehaltenen

Wohnräume sind so vielfältig

wie die Menschen und Geschichten,

die sich darin bewegen. Auf der Website

www.togetherathome.ch kann

man sich durch die Bildergalerie klicken

und Interviewausschnitte lesen.

Einmal mehr zeigt sich, wie unterschiedlich

die Herausforderungen,

Träume und Lebenshaltungen der

porträtierten Menschen sind.

Was tun, wenn einem die Decke auf

den Kopf fällt?

Auf die Intuition hören und einen

ersten Schritt machen – ohne zu wissen,

wohin er führt.

Welches Projekt kommt voran?

Mit unserem Projekt #togetherathome

haben wir über 70 Wohngemeinschaften

dokumentiert und sind

nun in den letzten Überarbeitungen

der Texte und der Bilder. Es ist schön

und spannend zu sehen, wie sich diese

spontane Aktion zu einer so umfangreichen

Sammlung von unterschiedlichsten

Personen und Sichtweisen

entwickelt hat und wie sie zunehmend

auf Interesse stösst. Unsere Idee, die

Serie zu gegebener Zeit in einem Buch

und in einer Ausstellung zu veröffentlichen,

werden wir in den kommenden

Wochen und Monaten weiterverfolgen.

«Dieser Song erinnert mich

wehmütig an die verschobene

Burgund-Reise»

Welchen Song stimmen Sie am

Fenster an?

Lisa: «Guten Tag» von Wir sind

Helden.

Remo: «San Francisco» von Maxime

Le Forestier. Dieser Song erinnert

mich wehmütig an die verschobene

Burgund-Reise mit meinen Kollegen.

Was tun Sie auf dem Balkon?

Eigentlich so ziemlich alles ausser

schlafen, kochen und Wäsche waschen.

www.togetherathome.ch

www.ubezio.com

Sandra Dalto

Wolfgang Zwiauer ist ein Musiker, der

sich in den unterschiedlichsten Genres

und Kombos tummelt: Neben diversen

Jazz-Projekten spielte der Bassist in

der Vergangenheit im Studio für diverse

Pop-Platten und im Projekt von

Tinu Heiniger. Heute tritt er mit

Shirley Grimes und Mich Gerber auf

und ist seit vier Jahren Teil von Züri

West, ausserdem ist er Jazz-Dozent an

der Hochschule Luzern. Bei einem

Treffen im Murifeld-Quartier in Berns

Osten, wo Zwiauer seit 18 Jahren lebt,

sagt der besonnene Bassist: «Ich freue

mich nach Corona besonders darauf,

dass ich die Menschen wieder unbeschwert

umarmen und begrüssen

kann, ohne ständig abscannen zu

müssen, wer jetzt wie drauf ist.» Dass

man nicht immer in die Stadt gerannt

sei, um etwas zu holen, habe er wiederum

geschätzt: «Anstatt zu kaufen

wurde geflickt und geliehen. Diese Zeit

war irgendwie old-School», sagt er mit

ernsthaftem Ausdruck.

Studio im Pfadihaus

Auch die Aufnahmesessions «Life

at the Zoo», die der Berner gemeinsam

mit dem Journalisten und Dozenten

für Jazzgeschichte, Tom Steiger, und

Drummer Felix Wolf zwei Tage nach

dem Lockdown initiiert hat, sind irgendwie

retro. Das Aufnahmetempo

erinnert an die 60er-Jahre, als etwa

Aretha Franklin an einem Tag im Studio

spielte und die Platte bereits eine

Woche später gepresst war und im Radio

lief. Für das kooperative Projekt

«Life at the Zoo» laden Steiger, Wolf

und Zwiauer Musikschaffende aus der

ganzen Schweiz ein, ein Set in einem

ehemaligen Pfadihaus mit Blick ins

Grüne und viel Weitsicht in der Äusseren

Enge zu spielen. Dort richteten

sich die drei zusammen mit dem

Mundartmusiker Christoph Trummer,

dem Klangkünstler Robert Aeberhard

von Fitzgerald & Rimini und Jürg Frey

von der Band An Lár das Tonstudio

The Zoo ein, das seinen Namen bereits

an seinem früheren Standort in Zollikofen

erhielt.

«Richtig im Flow»

«Die Musikerinnen und Musiker,

die sich teils nicht einmal kennen,

richten sich ein, spielen zwei bis drei

Stunden, wählen das Material für den

einstündigen Mix aus und fertig. Daraus

ist auch schon eine neue Platte

entstanden.» Zwiauers Rolle sei mit

der eines Produzenten zu vergleichen:

«Einerseits schreite ich ein, wenn genug

Material da ist. Andererseits ermutige

ich die Musikerinnen und Musiker,

die übrigens nicht alle aus dem

Jazzbereich kommen, dazu, weiterzumachen,

wenn ich das Gefühl habe, sie

seien gerade richtig im Flow.» Anschliessend

stelle er aus den Aufnahmen

das Set zusammen, das man auf

dem «Life at the Zoo»-Channel auf

Soundcloud streamen kann.

Die Sets können gratis angehört

werden, die Auftritte werden jedoch

mithilfe von Stiftungsgeldern entlöhnt,

so Zwiauer. «Ein Tropfen auf den heissen

Stein», wie er sagt. So lange sie

können, machen sie weiter. Zwiauer

verabschiedet sich nach dem Gespräch

mit einem Händedruck – dem ersten

seit einer gefühlten Ewigkeit.

∙ www.wolfgangzwiauer.

myportfolio.com

∙ www.soundcloud.com/

life-at-the-zo o

Lula Pergoletti

Inselpost

Lieber Ätti,

Santa Maria, 1.6.2020

immer wenn wir skypen bin ich fasziniert, dass auf

Mammas Tablet nun dieses Kommunikationsmittel

installiert ist. Du, der partout kein Handy will,

Mamma, die knapp mit ihrem Tastentelefon umgehen

kann. Es brauchte eine weltweite Pandemie, einen

Lockdown, eine auf einer Insel gestrandete Tochter und

eine wohl etwas hartnäckige andere Tochter zu Hause,

vielleicht auch drei Enkel in Bern, unbesuchbar, und

schwupps, winken wir uns endlich in Echtzeit zu. Alle

vorhergehenden Reisen durch Skandinavien, Südostafrika,

Südostasien, mein Jahr in Hamburg, eure

Camperreisen, all das reichte nicht.

Kurz vor dem Lockdown, als ich noch viel zu teuer nach

Hause telefonierte und es schon keine Flüge mehr in

die Schweiz gab, war einer Deiner ersten Sätze: «Wenn

du dich wohl fühlst, dann bleib wo du bist und schreib

vielleicht ein Buch.» Weisst Du, Ätti, Du kannst ja ein

echter Tärrgrind sein. Aber da, da warst Du, und bist

es noch, so unglaublich locker. So gelassen. Gleichzeitig

auch so voller Vertrauen mir, meinem Instinkt und

der Situation gegenüber. Ich erschrak ein bisschen

darüber. Und bin Dir unendlich dankbar dafür.

Irgendwann gegen Ende letzten Jahres erinnerte ich mich

an eine Aussage von Dir. Du fändest mich eine bemerkenswerte

Person, aber irgendwie in die falsche Zeit

geboren. Ich würde wohl am besten in die Zwanziger

passen. Ich war Teenager damals, irgendwo im Gymer,

auf der rastlosen Suche nach mir selbst. Ich glaubte nicht

an die Zwanziger. Wir glaubten an die 60er, 70er, an

Rock ’n’ Roll, an zu lange Haare und Röcke, an Lederjacke,

Schlaghose, Peacezeichen und an Glöckchenketten

um die immer blutten Füsse, an freie Liebe und Strassendemos

statt Schule. Deine Aussage überforderte mich,

prallte ab, und blieb doch irgendwo hängen.

Dezember 2019 also, dachte ich wieder an diesen Satz

und daran, dass ja jetzt wieder Zwanziger kämen.

Vielleicht unsere Zwanziger. Meine. Und jetzt sind sie

da, diese neuen Zwanziger, und alles steht still und ich

sitze auf einer Insel. Ich muss innerlich sehr laut

lachen, wenn ich mir das vor Augen führe. Anstatt

Roaring Twenties eben Coroaning Twenties. Schon seit

einem Weilchen verstehe ich, was Du wohl gemeint

hattest. Waren diese damaligen Zwanziger doch

geprägt von Übermut und Kreativität, von Lebendigkeit

und neuer Hoffnung, vom Erstarken der Frauen und

gleichzeitig modischer Eleganz. Und trotzdem drehte

die Welt damals noch weniger schnell als die heutige

bis kurz vor Corona. Diese Schnelligkeit, die mich

immerzu schwindelte. Die mich schmerzt. Der ich

hinterher renne. Ich bin froh um diese Inselpause.

Du sagtest mir, Du hättest Freude an den Briefen.

Schön! Ein Buch hab ich noch nicht geschrieben. Dafür

einen Text für das Magazin «Stoff für den Shutdown

Vol.3», das diesen Samstag erscheint, einen Tag vor dem

Schweizer Vatertag am 7. Juni. Mir war also noch keine

Sekunde langweilig zwischen all den Sandkörnern und

Reis und Fisch und Reis und Fisch und. Das ist ja

ohnehin ein Gefühl, das ich nicht kenne. Ich glaube, ich

hab auch Dich noch nie gelangweilt gesehen. War Dir

schon mal langweilig? Früher, als Du noch viel zu viel

gearbeitet hast, war ja eh keine Zeit dazu. Aber auch

seit der Pensionierung hätt ich das nie beobachtet. Du

sitzt oft einfach da, und nicht Duseiende verstehen das

manchmal nicht. Du sitzt da. Und denkst.

Ja, uns verbindet wohl mehr als die weiche runde Nase.

Ich weiss auch, es würde Dir hier auf den Kapverden

gefallen. Du bist ja etwas neidisch, hör ich aus Deinen

Zwischentönen. Warm, aber nicht zu heiss. Das

Wasser, das Du nicht so gerne magst, weil man nass

wird, ist auch warm und streckenweise gäbig flach.

Der frische Fisch. Und, ach, die Catxupa, ich weiss

immer noch nicht, wie man sie macht. Aber Du sollst

jaaa nicht einem Internetrezept glauben, hat man mir

gesagt. Das muss man erleben. Nicht erlesen. Und

schon gar nicht zu schnell ergoogeln.

Liebe Grüsse von der Insel

Deine Vera

Thomas Kromer

Vera Urweider schreibt und fotografiert

dort, wo sie gerade ist und das, was sie

gerade sieht. Nach einer Tanzschule

widmete sie sich der Bewegung im

Kopf: Sie studierte Medien, deutsche

Literatur und Ethnologie in Fribourg

und absolvierte die Journalistenschule

in Luzern und Hamburg. Momentan

versucht sie anstatt auf einer Theaterbühne

auf einem Kiteboard zu stehen.

Während sie auf der kapverdischen

Insel Sal in Insolation sitzt, schreibt

sie hier wöchentlich einen Brief von

ebenda. Wer mag, schreibt ihr einen

zurück: vera.urweider@gmail.com


Nr. 35 Freitag, 5. Juni 2020 Anzeiger Region Bern / Berner Kulturagenda 25

Zeuginnen des Lebens

Aus dem Corona-

Lexikon #10

Wie ist es, eine Frau zu sein? Im Dokumentarfilm «Woman» von Anastasia Mikova und

Yann Arthus-Bertrand erzählen Frauen aus der ganzen Welt von Situationen, die sie

aufgrund ihres Geschlechts erlebt haben, und die sie bis heute prägen.

«Ich liebe es, eine Frau zu sein», sagt

eine Protagonistin in «Woman» einmal.

Vor einem schwarzen Hintergrund

sitzen die Erzählerinnen im Dokumentarfilm,

der aus verschiedenen

kurzen Sequenzen besteht, in denen

die Frauen erzählen. Einige lachen,

andere denken nach und wieder andere

müssen weinen oder sind einfach

wütend. Aber wie ist das Leben als

Frau? So viele junge und alte, reiche

und arme Frauen es gibt, und in so unterschiedlichen

sozialen, politischen

und religiösen Strukturen sich ihr Leben

gestaltet, so unterschiedlich beantworten

die Protagonistinnen diese

Frage. Der Dokumentarfilm «Woman»

ist in Themen unterteilt, die abwechselnd

erschütternde, extrem traurige

und dann wieder schöne und ermächtigende

Geschichten, Anekdoten und

Überlegungen hervorbringen.

Freude und Trauma

So haben alle unterschiedliche Erinnerungen

an die Veränderung ihres

Körpers während der Pubertät. Während

die eine vor Freude aufschrie, als

sie ihre Menstruation zum ersten Mal

JMH Distributions

Die Choreografie des Lebens aus weiblicher Sicht.

bekam, versteckte die andere ihren

wachsenden Busen, da sie noch nicht

bereit war für den plötzlich sexualisierten

Körper. Viele Frauen erzählen

von der Ehe als der glücklichsten Zeit

ihres Lebes, für andere begann mit der

(Zwangs-)Heirat ein Albtraum. Die

Frauen reden über Liebe, Mutterschaft,

Sexualität, Bildung, Beruf oder

Gewalt und offenbaren Momente der

Freude sowie traumatische Erlebnisse.

Der Stil bleibt

Der Dokumentarfilm «Woman» von

Yann Arthus-Bertrand ist in Co-Regie

mit der ukrainischen Drehbuchautorin,

Regisseuren und Journalistin Anastasia

Mikova entstanden. Stilistisch ähnelt

«Woman» dem Vorgängerfilm

«Human» (2015) des französischen Filmemachers:

Neben den Interviewsequenzen

beleben bildstarke Alltagsszenen

der Frauen den Film. Obwohl es

sich bei den Interviews von 2000 Frauen

um lange Erzählungen zu handeln

scheint, fand jeweils lediglich die eine

prägendste oder mitreissendste Aussage

den weg in den fertigen Film, der

dadurch nie an Spannung verliert.

Vittoria Burgunder

CineMovie, Bern

Täglich ab Sa., 6.6., 12.30 und

17.15 Uhr

www.quinnie.ch

Eine Krise hat immer auch

kreative Konsequenzen.

Etwa punkto Wortschöpfungen.

Zur Meisterung der

neuen Alltagssprache

stellen wir ein kleines

Lexikon zusammen.

Coronadiktatur, die

Wortneuschöpfung aus verschwörungstheoretischen

Kreisen, bezeichnet

diktatorische Zustände, in denen der

Bundesrat allein regiert und die Einschränkung

der Grund-, Freiheits- und

Bewegungsrechte zu anderen Zwecken

als der eigentlichen Pandemiebekämpfung

nutzt.

Entängstigung, die

Aus der Meditationspraxis und der

Steinerschen Philosophie ins Coronasprech

übernommener Begriff zur Überwindung

der Angst. Aufgekommen im

Zusammenhang mit Lockerungsmassnahmen,

wobei «die Angst aus den Köpfen»

verbannt werden sollte (Simonetta

Sommaruga). Begleiterscheinungen der

Entängstigung: Partys, Ansammlungen

von Menschengruppen, Umarmungen,

Paartanz, Kulturkonsum, Demonstrationen,

aktive Ausflugsrentner, kurz: Normalität

fingieren, um diese wiederzuerlangen.

Nicht zu verwechseln mit

Entschleunigung

Mit meiner Bande

Der Jugendtheaterclub U14 der Jungen Bühne Bern zeigt

mit «Die Bande» ein digitales Stück über Freundschaft und

Zusammengehörigkeitsgefühl.

«I finges ech mega cool wemä immer

zämähautet und jedä isch für ä anger da

und mä isch nie allei. U mä cha eifach

nach dr Schu so öppis mit dr Bandä

machä»: Die Jugendlichen des Theaterclubs

U14 der Jungen Bühne Bern haben

sich für das neue Stück «Die Bande»

Gedanken über Freundschaft, Banden

und Gangs gemacht und sich vorgestellt,

wie ihre Traumbande aussehen könnte.

Das Hauptthema des Stücks, Banden

und Gangs, hat die Theatergruppe der

Lockdown-Situation angepasst. Die Jugendlichen

treffen sich im Kurzfilm über

Zoom, weil sie sich vermissen und weil

ihnen zu Hause langweilig ist. Da sie

nicht zusammen um die Häuser ziehen

können, diskutieren sie online, was sie

im Alltag erleben und was sie gerade beschäftigt.

Präsentiert wird das Stück

nicht wie sonst, auf der Bühne, sondern

als Kurzfilm, auf dem YouTube-Kanal

der Jungen Bühne.

Dies war für die Leitenden des Jugendclubs

und für die Jugendlichen

eine neue Herausforderung: «Wir

mussten uns alle zuerst in diese neue

Situation reinfinden und haben viel im

Moment gearbeitet. Für den Kurzfilm

mussten wir immer wieder schauen,

was es noch braucht, damit die Zuschauenden

folgen können. Wir waren

mit den Jugendlichen zusammen ständig

auf der Suche, weil es für alle etwas

Neues war», sagt Vera Vanoni, Theaterpädagogin

und Co-Leiterin des Ensembles

U14.

Junge Bühne Bern

Auch Mutproben gehören zu einer richtigen Bande dazu.

Aufträge offen halten

Für die Proben hat sich die Gruppe

einmal pro Woche via Zoom getroffen

und gemeinsam am Stück gearbeitet.

«Wir probieren immer die Jugendlichen

miteinzubeziehen und auch die

Aufträge, welche wir ihnen geben, sehr

offen zu halten, sodass sie auch innerhalb

des Auftrags ihre Richtung selbst

wählen können», sagt Vanoni.

Da die Aufführungen derzeit noch

ohne Publikum stattfinden, fehlt der

Austausch zwischen den Schauspielenden

und dem Publikum. Um diesen

dennoch in einer Form zu ermöglichen,

gibt es nach der Aufführung die

Möglichkeit, sich via Zoom zu einer

grossen Videokonferenz zuzuschalten.

Dort kann man den Jugendlichen

Fragen stellen und sich über das Stück

austauschen.

Sandra Dalto

Brückenpfeiler, Bern

Premiere: Fr., 5.6., 20 Uhr

Vorstellungen bis So., 7.6. auf dem

Youtube-Kanal der Jungen Bühne

www.junge-buehne-bern.ch

Immunitätsausweis, der

Blanko-Ausweis für Corona-Genesene,

bescheinigt Bewegungsfreiheit und

Arbeitsfähigkeit, während Schutzmassnahmen

für alle Nichtinfizierten weiterhin

gelten. In Chile weltweit erstmalig

eingeführt im Rahmen des Plans «Sichere

Rückkehr» ( Lockerungsmassnahme),

entgegen Warnungen der

WHO. Im Falle Chiles fungiert der Immunitätsauweis

als Symbol für einen

agierenden, funktionstüchtigen Staatsapparat,

der die heftigen Proteste von

2019 scheinbar überstanden hat. Mögliche

verwandte Wortneuschöpfungen:

Impfnachweis, Immunitätsnachweis.

Wuhan-shake, der

Neuartige Begrüssungsform, aufgekommen

aufgrund von Social-Distancing-Auflagen.

Meint das kontaminationsfreie

Grüssen durch wech sel seiti ges,

überkreuztes Aneinanderschlagen der

Füsse. Wortherkunft: auf den chinesischen

Corona-Ausbruchsort Wuhan rekurrierender

Begriff, in Ableitung vom

engl. «handshake», Handschlag. Erfordert:

Gleichgewicht, Stehen auf einem

Bein, minimales Rhythmusgefühl. Stilregister:

casual, jung, privat, informell.

Hat ersetzt: Küsschen, Umarmung, Fist

bump, High five etc.

Katja Zellweger

Pegelstand

Kolumne

von Sibylle Heiniger

Plötzlich war er da, der Lockdown. In

der ersten Woche war ich antriebslos

und hatte keine Lust auf gar nichts. In

der zweiten Woche erwachten meine

Lebensgeister langsam wieder und ich

gab den Tagen meinen eigenen Rhythmus

– gespickt mit Onlinesitzungen,

von denen es viele gab. Langweilig war

mir nie, im Gegenteil: Ich genoss das

Wirken im beschränkten Radius, fühlte

mich beflügelt von Ideen und Spontanaktionen,

die virtuell oder real umgesetzt

wurden. Es gab vieles, das

umorganisiert, anders oder neu gedacht

werden musste.

Und so plötzlich er gekommen ist,

so schnell ist er wieder vorbei und ich

fühle mich so schlapp wie Mitte März.

Mein Aktionsradius ist wieder grösser.

«Straucheln wir in

einen übertriebenen

Aktionismus?»

Und der Produktionsdruck ist, kaum

wurden die Massnahmen gelockert,

wieder da: Probenvorbereitungen warten,

für eine Besprechung Zug fahren

anstatt den PC starten, Räume besichtigen,

Verhandlungen vor Ort, schnell

Texte redigieren, da eine abgesagte

Publikation nun doch in den Druck

geht … und wieder ins Theater gehen,

sich inspirieren lassen von Kolleginnen,

schauen, wie konstruktiv und

ideenreich mit den geltenden Schutzmassnahmen

umgegangen wird.

Doch was findet in den Häusern

statt, wenn sie nochmals die Tore öffnen

vor der Sommerpause? Werden

die öffentlichen Anlagen diesen Sommer

von kulturellen Angeboten überschwemmt?

Straucheln wir in einen

übertriebenen Aktionismus um zu zeigen,

dass die Kunst unter den fast gleichen

Bedingungen wie vorher besteht?

Um nicht in Vergessenheit zu geraten

und in der nächsten, schon angedrohten

Sparrunde nicht leer auszugehen?

Oder hängt es mit der überraschenden

Aufhebung der Kurzarbeitsentschädigung

für Inhaberinnen von Kulturunternehmen

per Ende Mai zusammen,

die zu Recht um ihre Existenz bangen?

Oder schlicht mit dem gesellschaftlichen

Druck auf die Kunstschaffenden,

immer was aus der Kiste zaubern zu

können?

Ich plädiere für Entschleunigung,

das Standhalten, auch gegen den

Druck, sofort wieder (re-)produzieren

zu müssen. Auf Neues, auf Anderes,

nicht nur in der Kultur!

Sibylle Heiniger ist Regisseurin und

Produzentin und engagiert sich bei t.

Bern, dem Berufsverband fürs freie professionelle

Theaterschaffen. Sie ist zudem

Mitglied der städtischen Tanz- und

Theaterkommission. Da am neuen

Wohnort Biel die geliebte Aare zum See

wird, lernt sie nun segeln.

Illustration: Rodja Galli, a259


26

Anzeiger Region Bern / Berner Kulturagenda Nr. 35 Freitag, 5. Juni 2020

Zwischensaison vor Saisonende

Kinos, Tierpark und Botanischer Garten öffnen wieder und

auch Veranstaltungen bis zu 300 Personen dürfen durchgeführt

werden – mit Einhaltung der Schutzkonzepte. Aktueller

Stand: Entschlacktes Kulturprogramm, grosse

Open-Air-Hoffnungen und enttäuschte Clubbetreiber.

Am 27. Mai hat der Bundesrat beschlossen,

dass Veranstaltungen bis zu

300 Personen ab dem 6. Juni mit Einhaltung

der Schutzkonzepte oder mit

Contact Tracing wieder stattfinden

dürfen. Bereits geöffnet haben seit dem

12.5. die Museen und diverse Galerien

und ab 6.6. auch die Kinos. Bei Redaktionsschluss

war für viele Veranstaltende

noch nicht klar, wann und ob

wieder Konzerte, Theater- oder Clubabende

statt finden werden. Eine Veranstaltungsagenda

finden Sie deshalb

erst wieder in der nächsten BKA, die

am 10.6. erscheint. Eine vorläufige

Übersicht:

Julian Sartorius, unter dem Namen

«Beat Tapes» veröffentlichen Sie ein

Album als Serie, jeden Monat

erscheinen vier bis sechs neue

Tracks. Wie kam es dazu?

Es ist eine Lockdown-Idee, als ich

als Musiker keine Konzerte spielen

konnte und Veröffentlichungen von

Alben, an denen ich beteiligt war, auf

später verschoben wurden. Auf allen

Onlinekanälen ploppten auf einmal

gratis Livemusikdarbietungen und

Streamings auf, da hab ich mir halt

überlegt, wie man das auch noch anders

machen könnte.

Indem man ein Album im Abo

anbietet?

Genau. Auf meiner Bandcamp-Seite

kann man sich registrieren und erhält

dann exklusiv und nur als Abonnentin,

als Abonnent monatlich für

vier Euro neue Stücke. Man kann sich

jederzeit anmelden und jeden Monat

kündigen.

Bühne: «Phönixe» und Radioopern

Konzert Theater Bern setzt den ganzen

Juni hindurch auf einen alternativen

Spielplan. Zu sehen sind Monologe

in entschlacktem Bühnenbild aus

«FIFA – Glaube, Liebe, Korruption»,

«Tod eines Handlungsreisenden» und

«Schuld und Sühne». Die Tanzcompagnie

wird ebenfalls ein auf die ungewöhnlichen

Auftrittsbedingungen zugeschnittenes

Programm zeigen und

musikalisch stehen neben Liederabenden

und dem geplanten Beethoven-Festival

in angepasster Form, die

Radiooper «The Old Maid and the

Thief» auf dem Programm.

Auch das Theater Orchester Biel Solothurn

startet in die ungewöhnliche

Zwischensaison vor Saisonende (9. bis

17.6.) mit Theater und Musik. Ebenso

das Theater an der Effingerstrasse, das

am 13.6. Premiere des Stücks «Ich bin

wie ihr, ich liebe Äpfel» von Theresia

Walser feiert. Im Schlachthaus Theater

zeigt der Kinderclub seine Produktion

«Gueti Frag!» (ab 12.6.). Abhilfe für ausgehungerte

Kleinkunstliebhaberinnen

und -liebhaber schafft das La Cappella

mit dem vierteiligen All-Star-Programm

«Phönix» (9.6. bis 6.7.) und das

Reberhaus Bolligen, das am 9.6. mit

dem neuen Programm von Schertenlaib

& Jegerlehner, «Textur», eröffnet.

Der Kleeplatz vor dem Kapitel wird zur vorerst nur gastronomischen Stadtoase.

Nun ist das Wort «Album» vielleicht

etwas irreführend, da ja nicht ein

klassisch geschlossenes Werk mit

zwölf Titeln oder so geplant ist. Wie

lange ist die Serie denn angedacht?

Ich möchte die Serie bewusst offen

laufen lassen. Einige Monate, vielleicht

Jahre? Das Album soll stetig

wachsen und sich entwickeln. Es sind

keine Archivstücke, sondern immer

frisch komponierte und aufgenommene.

Vielleicht entsteht ja daraus mal

Musik: Im Gärtli und im Wartemodus

Am herausforderndsten stellt sich

die Situation für die Musikclubs dar.

Während der BeJazz Club auf das am

28.7. beginnende Festival BeJazzSommer

im Innenhof des Berner Generationenhauses

hofft, lädt der Kulturhof

Schloss Köniz Ende Juni in den Schlosshof

zu Konzerten unter der Linde, Kinderkonzerten,

Kleinkunst aufführungen

und allenfalls einer Open-Air-Silent-

Disco. Auch im Mokka in Thun werden

ab dem 10.6. im «Sommergarten» wieder

kleine, hauptsächlich akustische

Konzerte und DJs zu hören sein.

Schwierig gestaltet es sich in Musikclubs,

die über keinen bespielbaren

Aussenraum verfügen. Im ISC etwa

verzichtet man vorerst auf Livekonzerte

und Partys. Jacqueline Brügger vom

ISC sagt über die Richtlinien für Clubs:

«Es ist irgendwie bitzli wie antiautoritäre

Erziehung: Kind, wir verbieten dir

das nicht. Aber wir wären enttäuscht,

wenn du's trotzdem tust.» Auch Dino

Dragic-Dubois vom Kapitel am Bollwerk

ist enttäuscht und hofft, spätestens

ab August wieder einen mehr oder

weniger normalen Clubbetrieb planen

zu können. «Wir heissen ja nicht umsonst

Nachtclub. Ab Mitternacht ist

Sense – um die Zeit öffnen wir regulär

unseren Club. Diese Mitternachts-

Sperrstunde ist absolut unverständlich,

bringt nichts und schränkt auch

unseren Restaurantbetrieb stark und

«Ich liebe den rohen, satten Sound»

Er trommelt sich um die Welt, tüftelt an Klang, Farbe und

Rhythmus. Schlagzeuger und Improvisationskünstler Julian

Sartorius’ Diskografie ist lang: Er arbeitet als Solist, als

Studiomusiker und ist in diverse Bandprojekte involviert.

Nun entsteht ein neues Experiment: ein Album auf Zeit.

Alles übers Ohr: Julian Sartorius.

ZVG

Tabea Reusser

Schertenlaib & Jegerlehner spielen zur Wiedereröffnung im Reberhaus Bolligen.

was Physisches. Ein Mehrteiler. Oder

eine kleine Auswahl. Jetzt bin ich, zusammen

mit meinen ersten fünf Abonnenten,

noch ganz am Anfang. Es ist

ein Experiment.

Sie experimentieren ja auch sonst

gerne, mit Instrumenten beispielsweise


… oder mit Aufnahmeformen, ja.

Sie haben sich auf akustische

Instrumente spezialisiert. Für «Beat

Tapes» haben Sie sich nun an die

Drummachine gewagt.

Ich habe schon länger damit getüftelt,

wollte aber vorsichtig sein mit

elektronischen Beats. Mir ist es wichtig,

dass die Sounds präzise ausgearbeitet

sind. Ein Ziel von «Beat Tapes»

ist, dass Akustik und Elektronik eine

Gleichwertigkeit bekommen. Dass ich

auf eine Ebene komme, wo sich beide

so vermischen, dass man gar nicht

mehr merkt, was jetzt was ist. Ich bin

stets auf Klangsuche.

Auch bei der Aufnahmeform.

Wie der Name «Beat Tapes» ja erahnen

lässt, spiele ich die Tracks analog

auf Kassette ein und digitalisiere

nur das fertige Stück. Ich liebe den rohen,

satten Sound. Und was cool ist:

unnötig ein.» Auch die Realisation von

sogenannten «Daydances» sieht er mit

den jetzigen Einschränkungen als

kaum durchführbar. Bis wieder getanzt

werden darf, überbrückt das Kapitel

auf dem Kleeplatz vor dem Club

bis auf Weiteres mit einem Gastroangebot

in der Stadtoase.

Sarah Sartorius

Aktualisierte Informationen finden

Sie laufend auf den Webseiten der

Veranstalter

Janosch Abel

Monologe aus «FIFA» auf der Bühne.

Ich arbeite so ohne Bildschirm. Alles

geht übers Ohr und nichts übers Auge.

Ich muss im Moment der Aufnahme

genau abliefern, kann nicht später einfach

eine Tonspur austauschen oder

Schläge editieren.

Kommt das gar einem Konzertmoment

nahe?

Zumindest viel näher als die digitale

Studioarbeit, ja, da ich eben nicht

beliebig Spuren aufnehmen kann und

die Mittel begrenzt sind. Man sitzt hin,

spielt und fängt so die Rohheit und Lebendigkeit

eines einzelnen Momentes

ein. Das ist auch «Beat Tapes». Eine

Momentaufnahme.

Interview: Vera Urweider

www.juliansartorius.bandcamp.com

www.juliansartorius.com

Grosse Dramen

Zufall? Ein John Henry schickte

Kulturschaffenden per Mail

herzliche Grüsse und eine

Spende «in Höhe von zwei

Meter».

Silvano Cerutti

Reto Camenisch

Undurchsichtig

Milla, die Reporterin vom Schweizer

Fernsehen, dreht gerade eine Reportage

über einen schrägen Typen, der mit

Magic Mushrooms experimentiert, als

ihr Partner in Crime Nathaniel, sie anruft

um ihr mitzuteilen, dass etwas

mit Carole, die jahrelang im Koma lag

und nun plötzlich verschwunden ist,

nicht stimmen kann. Derweil wird der

Polizeichef gerufen, weil sich an der

Aare jemand erhängt hat. Diese drei

Handlungsstränge verfolgt Christine

Brand («Blind») in ihrem neuen Krimi

«Die Patientin». Schnell wird klar,

dass die Ereignisse alle miteinander

verflochten sind. Was anfänglich wie

Suizid wirkt, entpuppt sich als Mord,

und die Umstände des Verschwindens

der Komapatientin werden immer

mysteriöser. Die für Bernerinnen und

Berner vertrauten Handlungsschauplätze

wie das Marzilibad, lassen einen

noch tiefer in das Geschehen eintauchen

– sodass sich der nächste

Spaziergang an der Aare fast etwas

unheimlich anfühlt.

san

Christine Brand «Die Patientin»

2019, Blanvalet Verlag

www.christinebrand.ch

Unvergessen

Kaum ein Hüne hat die Rockszene so

geprägt wie Lemmy Kilmister von

Motörhead, welcher 2015 verstarb: authentisch,

kompromisslos und für zig

Musiker eine Inspiration. Die Metalund

Punkwelt bleibt dem mit Stiefeletten

und Rickenbacker-Bass ausgestatteten

Musiker mit der Reibeisenstimme

verbunden. Die Lücke klafft, auch fünf

Jahre später, gilt die Band doch als Gesicht

des Rock ’n’ Roll. «Don’t forget

us», so bedankte sich Kilmister jeweils

beim Publikum, unaufhörlich. Er war

Stammgast auf Bühnen weltweit und

am Wacken Open Air oft Headliner

(Bild). Der Film «Lemmy» (2010) offenbart

das Leben eines sensiblen, sehr

gescheiten Musikers und lässt dabei

diverse Protagonisten der Rockindustrie

zu Wort kommen. «Stage Fright»

titelt der in Düsseldorf produzierte

Mit schnitt von 2005 und zeigt die wilde

Show. Nicht minder leise liest sich

«White Line Fever», die Autobiografie

wird von Fans als Bibel verehrt. sg

Unerbittlich

ICS Festival Service GmbH

«Und wenn ich in meinen Erinnerungsfäden

spazieren gehe, befällt mich ein

tiefes Glücksgefühl, emotionelle, prägende

Geschichten sind plötzlich wieder

nah und farbig, ich fühle mich lebendig»

schreibt Christa Spycher in der

Einleitung ihres Buches «Er-Leben-

Dig». Die gebürtige Burgdorferin verbrachte

20 Jahre ihres Lebens in Lateinamerika,

wo sie als Ärztin im

Entwicklungsbereich tätig war. Sie lebte

in Lima, Honduras und Nicaragua.

Der tagebuchartige Text beschreibt in

bunter und lieblicher Sprache die verschiedenen

Stationen ihres Lebens, von

denen eine auch ihre Heimat, Bern, ist.

Hier arbeitete sie schliesslich im Bereich

der Frauenfragen und -förderung,

die Grundsteine legte sie, etwa beim

Aufbau eines Frauenhauses, bereits in

Südamerika.

lup

Zu bestellen bei www.orellfuessli.ch


Nr. 35 Freitag, 5. Juni 2020 Anzeiger Region Bern / Berner Kulturagenda 27

Ausstellungen

Christine Moor, Bernisches Historisches Museum

Museums-Souffleusen

Kennen Sie den Moment, in dem man sich einen Souffleur wünscht,

der einem schlagfertige Antworten, fehlenden Text oder wie in diesem

Fall zusätzliche Information liefert? Das Bernische Historische

Museum bietet genau das: «exklusive, spontane, überraschende

Kurzführungen» für Familien oder Gruppen von vier Leuten durch

seine Dauerausstellungen sowie die Wechselausstellungen «Lebe

besser!» und «Homo migrans».

Bernisches Historisches Museum

Sa., 6., So., 7., 13. und 14.6., 11 bis 16.30 Uhr

Bern

Alpines Museum der Schweiz

Helvetiaplatz 4. Biwak#25 Iran Winter.

Abseits der Piste. Die Ausstellung lässt

Iranerinnen und Iraner über «ihre» Berge

erzählen: Sie finden dort nebst Pulverschnee

auch unerwartete Freiräume.

Outdoorunternehmer, Alpinistinnen und

ein Journalist berichten.

BIS SO, 23.08. TÄGLICH AUSSER MO 10-17.

JUGENDKULTURPASS 16-26

• Fundbüro für Erinnerungen, No 1

Skifahren. Ob du Pistenrowdy, Schönwetterfahrerin

oder Stubenhocker bist:

Entdecke die Geschichten hinter den

Ski-Objekten und hilf uns beim Füllen

der Lücken. Die Publikums-Geschichten

stehen im Zentrum.

BIS SO, 25.04. TÄGLICH AUSSER MO 10-17.

JUGENDKULTURPASS 16-26

• Werkstatt Alpen. Von Macherinnen

und Machern. Die Ausstellung stellt

Handwerkerinnen und Handwerker aus

den Schweizer Alpen vor und fragt: Was

bedeutet es, in einer digitalisierten und

globalisierten Welt ein Produkt mit den

Händen herzustellen?

BIS SO, 10.01. TÄGLICH AUSSER MO 10-17.

JUGENDKULTURPASS 16-26

Berner GenerationenHaus

Bahnhofplatz 2. forever young. Willkommen

im langen Leben. Mit einem

multimedialen Rundgang und einem

vielfältigen Veranstaltungsprogramm

lädt das Berner Generationenhaus zum

Dialog über das lange Leben.

BIS SO, 28.03. TÄGLICH AUSSER MO 10-18.

Bernisches Historisches Museum

Helvetiaplatz 5. Dauerausstellungen

Bernisches Historisches Museum. Zehn

Ausstellungen zu Geschichte, Archäologie

und Ethnografie reichen von der

Steinzeit bis zur Gegenwart und berichten

von Kulturen aller Erdteile.

BIS SO, 28.06. TÄGLICH AUSSER MO 10-17.

JUGENDKULTURPASS 16-26

• Einstein Museum. Begleiten Sie Albert

Einstein auf seinem Lebensweg und

lernen Sie den genialen Physiker in all

seinen Facetten kennen.

BIS SO, 28.06. TÄGLICH AUSSER MO 10-17.

JUGENDKULTURPASS 16-26

• Wechselausstellung «Homo migrans.

Zwei Millionen Jahre unterwegs». Die

Ausstellung schlägt einen grossen zeitlichen

Bogen von den ersten Menschen in

Afrika über den Beginn ihrer Verbreitung

vor zwei Millionen Jahren bis in die

Gegenwart der Schweiz.

BIS SO, 28.06. TÄGLICH AUSSER MO 10-17.

JUGENDKULTURPASS 16-26

• Wechselausstellung «Lebe besser!

Auf der Suche nach dem idealen Leben».

Vegan, fit, umweltbewusst – nicht erst

heute, sondern bereits vor über 100

Jahren suchten Anhänger und Anhängerinnen

der Lebensreformbewegung den

Weg zu einem gesünderen Leben und

einer besseren Welt.

BIS SO, 05.07. TÄGLICH AUSSER MO 10-17.

JUGENDKULTURPASS 16-26

Inserat

Berns

Konzertkalender für

klassische Musik

www.konzerte-bern.ch

Galerie am Königweg

Königweg 2A. Hedwig Hayoz-Häfeli: «Frischer

Wind». Hedwig Hayoz-Häfeli zeigt

Bilder und Bronzeskulpturen.

BIS DO, 25.06. DO/SO 14-17.

Kindermuseum Creaviva,

Zentrum Paul Klee

Monument im Fruchtland 3. Interaktive

Ausstellung «Farbe wagen». In der interaktiven

Ausstellung «Farben wagen» im

Creaviva zur ZPK-Ausstellung mit Werken

der US-amerikanischen Künstlerin Lee

Krasner können Farben auf aussergewöhnliche

Art erlebt werden.

BIS FR, 14.08. TÄGLICH AUSSER MO

10-16.30.

Kunstmuseum Bern

Hodlerstrasse 8–12. Alles zerfällt.

Schweizer Kunst von Böcklin bis Vallotton.

Anhand von Werken der Sammlung

des Kunstmuseum wirft die Ausstellung

ein neues Licht auf Prozesse der Entfetischisierung

des menschlichen Subjektes

in der Schweizer Kunst des 19. und

frühen 20. Jh.

BIS SO, 20.09. DO-SO/MI 10-17 | DI 10-21.

• El Anatsui. Triumphant Scale. In

Kooperation mit dem Haus der Kunst,

München zeigt das Kunstmuseum Bern

eine grossangelegte Ausstellung des

ghanaischen Künstlers El Anatsui.

BIS SO, 21.06. DO-SO/MI 10-17 | DI 10-21.

• Teruko Yokoi. Tokyo–New York–Paris–

Bern. Die monografische Schau zeichnet

die Geschichte einer enorm produktiven

und dynamischen Künstlerin nach.

BIS SO, 02.08. DO-SO/MI 10-17 | DI 10-21.

JUGENDKULTURPASS 16-26

• Teruko Yokoi: Tokyo–New York–Paris–

Bern. Die monografische Schau zeichnet

die Geschichte einer enorm produktiven

und dynamischen Künstlerin Teruko

Yokoi nach.

BIS SO, 02.08. DO-SO/MI 10-17 | DI 10-21.

Museum für Kommunikation

Helvetiastrasse 16. Schweinehunde und

Spielverderber. Die Ausstellung über

Hemmungen (verlängert bis 2. August).

Wir alle kennen das Gefühl: Plötzlich

wird es unangenehm. Darf man das

sagen? Will ich das tun? Was denken die

anderen?

BIS SO, 02.08. TÄGLICH AUSSER MO 10.

JUGENDKULTURPASS 16-26

• Von Höhenfeuern, Smartphones und

Cyborgs. Die Kernausstellung im Museum

für Kommunikation in Bern.

BIS SA, 31.07. TÄGLICH AUSSER MO 10-17.

JUGENDKULTURPASS 16-26

Naturhistorisches Museum Bern

Bernastrasse 15. Barry – der legendäre

Bernhardinerhund. Vor 200 Jahren starb

der berühmteste Rettungshund der Welt:

Barry.

BIS FR, 31.07. DO-FR/DI 9-17 |

SA-SO 10-17 | MO 14-17 | MI 9-18.

• Weltuntergang – Ende ohne Ende.

Die Sonderausstellung «Weltuntergang

– Ende ohne Ende» versammelt Bilder,

Funde und Erzählungen aus Wissenschaft

und Kunst – zwischen Angst und

Faszination.

BIS FR, 31.07. DO-FR/DI 9-17 | SA-SO 10-17 |

MO 14-17 | MI 9-18.

Psychiatrie-Museum Bern inside /

outside im Progr, WEST Raum 009

Speichergasse 4. Figuren aus Ton und

Holz aus der Sammlung Morgenthaler,

Figuren stellen in der Sammlung des

Psychiatrie-Museums Bern einen

Schwerpunkt dar. Die Werke a befassen

sich mit Personendarstellungen.

BIS SA, 27.06. DO-FR/MI 16-19 | SA 14-16.

Nino Doborjginidze

Holz, Bronze, Farbe

Kontrastierende und trotzdem zusammen harmonierende Werke

zeigt die Galerie Kunstreich in ihrer nächsten Doppelausstellung.

Einerseits zeigt der mit der Galerie Vedo Arte in Locarno basierte

Bildhauer und Künstler Pascal Murer seine Holz- und Bronzeskulpturen.

Andererseits sind die Malereien der Künstlerin und Mitbegründerin

der Galerie, Nino Doborjginidze, zu sehen, welche mit

kräftigen und leuchtenden Farben zarte Bilder schafft (Bild).

Galerie Kunstreich, Bern. Vernissage: Sa., 6.6., 13 Uhr

Ausstellung bis 4.7.

Robert Walser-Zentrum

Marktgasse 45. Thomas Schütte im Robert

Walser-Zentrum. In den Büroräumen

des Robert Walser-Zentrums werden

14 Aquarelle und drei Skulpturen des

deutschen Gegenwartskünstlers Thomas

Schütte gezeigt.

BIS FR, 25.09. DO-FR/MI 13-17.

• Walsers Briefe. Die zwanzig bald

feinsinnigen, bald frivolen Schreiben,

die Robert Walser an Therese Breitbach,

eine junge Verehrerin seiner Werke

richtet, werden in dieser Ausstellung

erstmals öffentlich gezeigt.

BIS FR, 26.02. DO-FR/MI 13-17.

Schweizer Schützenmuseum Bern

Bernastrasse 5. PERSPEKTIVE KUNST.

Waffen aus den Sammlungen, fotografiert

von Hrvoje Pavelic. Ausstellung

verlängert bis am 06.09.2020. Der

Eintritt in die Ausstellung ist frei.

BIS SO, 06.09. TÄGLICH.

Zentrum Paul Klee

Monument im Fruchtland 3. Jenseits

von Lachen und Weinen. Klee, Chaplin,

Sonderegger. Die Ausstellung beleuchtet

den Austausch zwischen Paul Klee und

seinem Freund Jacques Ernst Sonderegger

– einem Schweizer Künstler, Karikaturisten,

Schriftsteller und Sammler.

BIS SO, 06.09. TÄGLICH AUSSER MO 10-17.

• Lee Krasner. Living Colour. Das Zentrum

Paul Klee zeigt die erste Retrospektive

der amerikanischen Künstlerin Lee

Krasner in der Schweiz.

BIS SO, 16.08. TÄGLICH AUSSER MO 10-17.

JUGENDKULTURPASS 16-26

gepard14

Schützenstrasse 14. Véronique

Zussau 46°55’51.50«N 7°25’20.47»E.

Eine Raum installation im Kunstraum

gepard14

BIS SO, 07.06. FR 16-18 | SA 14-17 |

SO 11-18.

Burgdorf

Museum Franz Gertsch

Platanenstrasse 3. Franz Gertsch.

Die Siebziger. Ausstellung.

BIS SO, 04.10. TÄGLICH 10-17.

• Luciano Castelli. Reckenbühl.

Ausstellung.

BIS SO, 04.10. TÄGLICH 10-17.

Fraubrunnen

Karl Schenk Museum

Bernstrasse 5. Karl Schenk Museum

Schloss Fraubrunnen. Karl Schenk

1905–1973, Bildhauer und Maler

geboren in Bern. Informationen über die

Öffnungszeiten und Führungen www.

karlschenkmuseum.ch. Auf Anfrage

bzw. ab 12. Juni 2020 wieder geöffnet.

Sonderausstellung Leihgaben.

BIS SA, 28.11. FR-SA 13-17.

Grenchen

Kunsthaus Grenchen

Bahnhofstrasse 53. 20 Jahre Kupferdruckwerkstatt

Gentinetta (Jubiläumsprojekt).

Die Ausstellung in der Villa

Girard präsentiert druckgrafische Werke

von Kunstschaffenden, die regelmässig

in der Kupferdruckwerkstatt Gentinetta

an der Eglistrasse 8 in Zürich arbeiten.

BIS SO, 20.09. DO-SA/MI 14-17 | SO 11-17.

• 20 m 2 – Fenster ins Atelier von Marion

Nyffenegger. Die Solothurner Animationsfilmerin

Marion Nyffenegger (*1995)

wird ihren neuesten Film «Das Leben

ist eines der Leichtesten» präsentieren,

sowie Einblick geben in die Entstehung

ihrer Animationen.

BIS SO, 20.09. DO-SA/MI 14-17 | SO 11-17.

• Rebekka Steiger – boxing the

compass. Im Neubau des Kunsthaus

Grenchen wird die jungen Malerin Rebekka

Steiger (*1993, lebt und arbeitet in

Zürich, Luzern und Peking) ihre neuesten

grossformatigen Gemälde präsentieren.

BIS SO, 20.09. DO-SA/MI 14-17 | SO 11-17.

Interlaken

Kunsthaus Interlaken

Jungfraustrasse 55. Peter Somm und

Adolf Dietrich - Eine Wahlverwandtschaft.

WIEDERERÖFFNUNG der aussergewöhnlichen

Ausstellung, die Werke der

beiden Künstler Peter Somm (*1940)

und Adolf Dietrich (1877–1957) auf überraschende

Art einander gegenüberstellt.

BIS SA, 08.08. DO-SA/MI 14-18 | SO 11-17.

Jegenstorf

Schloss Jegenstorf

• General-Guisanstrasse 5. 300 Jahre –

30 Objekte. Schätze und Trouvaillen der

Sammlung. Die Sonderausstellung zum

300-jährigen Jubiläum des Barockschlosses,

setzt Schätze und Trouvaillen

der Sammlung von Schloss Jegenstorf

vom Zeitraum zwischen 1720 und 2020

in Szene.

BIS SO, 18.10. DI-MI 13.30-17.30.

• Wohn- und Lebenswelten im Berner

Barockschloss. Die Dauerausstellung im

Schloss Jegenstorf präsentiert nobles

Interieur aus dem 18. Jahrhundert, barocke

Kachelöfen und bernische Porträts.

BIS SO, 18.10. DI-MI 13.30-17.30.

Mürren

Schaufenster

Dorfstrasse. Vo Niedrigmatten uf

Suppen – Mürrner Flurnamen. Die

Ausstellung befasst sich mit den 288

Flurnamen, dem immateriellen Kulturgut

von Mürren. Sie sind aus dem Alltag der

Bergbauern in der Alpwirtschaft entstanden

und gelten bis heute.

BIS MO, 30.11. TÄGLICH 17-16.

Oberhofen am Thunersee

Schloss Oberhofen

Kinderwelten. Ein Fenster in die Welt der

Kinder, die einst im Schloss gelebt habe.

BIS SO, 01.11. TÄGLICH AUSSER MO 11-17.

• Schlossräume und Schlossträume.

Anhand der ehemaligen Schlossbewohner

und -bewohnerinnen führt die

Ausstellung durch die über 800-jährige

Geschichte des Schlosses Oberhofen.

BIS SO, 01.11. TÄGLICH AUSSER MO 11-17.

• Stets zu Diensten. Wer die Räume des

lange nicht zugänglichen Dienstbotentrakts

betritt, taucht in eine unbekannte

Geschichte ein.

BIS SO, 01.11. TÄGLICH AUSSER MO 11-17.

• Vom Orient begeistert. Faszination

Orient im Schloss Oberhofen

BIS SO, 01.11. TÄGLICH AUSSER MO 11-17.

Filigrane Verbindungen

Véronique Zussau hat in den letzten Monaten im Kunstraum

Gepard14 die Arbeit «46°55'51.50"N 7°25'20.47"E» realisiert. Ausgangspunkt

für die Rauminstallation war für Zussau das Material.

Sie arbeitet mit Standardbaustoffen und Naturelementen. Diese

verbindet sie mit filigran winkenden Verbindungssystemen. In einem

Auszug ihres Arbeitstagebuchs beschreibt sie die Rauminstallation

als eine Verbindung zwischen Decke und Boden und als

«eine instabil hängende Stellungnahme».

Kunstraum Gepard 14, Liebefeld

Ausstellung bis 7.6.

Riggisberg

Abegg-Stiftung

• Werner Abeggstrasse 67. Arabische

Weber – Christliche Könige. Mittelalterliche

Textilien aus Spanien . Die

Ausstellung präsentiert spanische

Textilien des 12. bis 15. Jahrhunderts,

untern anderem Seidengewebe von

muslimischen Webern, die sich in einem

christlichen Kontext erhalten haben.

BIS SO, 08.11. TÄGLICH 14-17.30.

• Villa Abegg – In den Salons eines

Sammlerpaares. Geführte Rundgänge

für max. 2 Personen durch das ehemalige

Wohnhaus von Werner und Margaret

Abegg, den Gründern der Abegg-Stiftung.

Reservation: 031 808 12 01.

BIS FR, 31.07. DO-FR/MO-MI 14.35-15.20,

15.30-16.15, 16.30-17.15 | SA-SO 14.05-

14.50, 15-15.45, 16-16.45.

Sigriswil

Paradiesli und Galerie Eulenspiegel

Feldenstrasse 87. Künstler der Galerie.

Lisa Amble, Bendicht Friedli, Caspar Abt,

Reinhard Voss, Helen Dellers, Benji’s

Street Art, Josua Wechsler, Jakob Engler,

Christoph Freimann, Andrea Huber.

BIS SO, 14.06. SA 14-19 | SO 11-18.

Spiez

Schloss Spiez

Schlossstrasse 16. Schlossmuseum

Schloss Spiez. 1300 Jahre Geschichte.

BIS SA, 31.10. TÄGLICH.

Thun

Véronique Zussau

Kunstmuseum Thun

Hofstettenstrasse 14. Christine Streuli:

Lange Arme, kurze Beine und Sarah

Oppenheimer: N-01.

BIS SO, 12.07. DO-SO/DI 10-17 | MI 10-19.

Thun-Panorama

Schadaupark. Thun-Panorama. Der Basler

Künstler Marquard Wocher erschafft

1814 das erste Panorama der Schweiz.

BIS SO, 29.11. TÄGLICH AUSSER MO 11-17.

Utzenstorf

Schloss Landshut

Schlossstrasse 17. Grimms Tierleben –

Vom Wildgetier in Wald und Feld. Im

Zauberwald unsere einheimischen

Wildtiere in Märchen und Forschung

kennenlernen.

BIS SO, 11.10. DI-MI 14-17.

• Schloss Landshut /Schweizer Museum

für Wild und Jagd. Das im Schloss Landshut

beheimatete Schweizer Museum für

Wild und Jagd zeigt jagdliche Sammlungen

und Ausstellungen.

BIS SO, 11.10. DO-SA/DI-MI 14-17 |

SO 10-17

Wabern

Infozentrum Eichholz

Strandweg 60. Rabenvögel – Schlaue

Biester. Ausstellung über schlaue Vögel,

die manchmal ganz schön frech und

nervig sind.

AB SA, 6.6.

MI/SA/SO 13.30-17.30



11.5.–8.11.2020 –


ch

Inserat


28

Anzeiger Region Bern / Berner Kulturagenda Nr. 35 Freitag, 5. Juni 2020

Kino

Cinejoy Movies

Bevor das Summen verstummt

Hatidze überlässt ihren Bienen stets die Hälfte des Honigs, den sie

gesammelt hat. Ihr Leben im nordmazedonischen Gebirge ist hart,

zumal sie neben ihrer Arbeit als Imkerin noch ihre schwerkranke

Mutter pflegt. «Honeyland» (2019) ist ein berührender und stiller

Dokumentarfilm von Tamara Kotevska und Ljubomir Stefanov, der

an einen respektvollen Umgang mit den Ressourcen der Natur appelliert

und aufgrund sorgfältiger Machart, wie etwa der subtil eingesetzten

Musik, enorm eindrücklich ist.

Cinématte, Bern. Premiere: Sa., 6.6., 18.30 Uhr

ZVG

Namenloser Held

Der Film «Hero» (2002) von Zhang Yimou nimmt Bezug auf ein historisches

Moment und handelt davon, wie König Qin im dritten Jahrhundert

v.Chr. versucht, die Herrschaft über ganz China zu erlangen.

Doch nicht alle lassen ihn gewähren. Mutige Schwertkämpfer wie

«Fliegender Schnee» und «Zerbrochenes Schwert» leisten Widerstand

und versuchen den König zu töten. Die in leuchtend grüne,

blaue oder rote Gewänder gekleideten Schwertkämpfer verleihen

dem Film eine unerwartete Bildgewalt und eine poetische Ästhetik.

Kino Lichtspiel, Bern. Mi., 10.6., 20 Uhr

ZVG

Ein Zweifler für das grosse Amt

Den im Mai mit 94 Jahren verstorbenen französischen Schauspieler

Michel Piccoli zeichnen seine Experimentierlust, seine Fähigkeit,

ganz unterschiedliche Figuren zu verkörpern, aus. In über 200 Filmen

sehr unterschiedlicher Couleur stellte er das unter Beweis. Das

Kino Rex ehrt Piccoli mit einer Hommage und zeigt ihn unter anderem

in seiner letzten Hauptrolle, in der Komödie «Habemus Papam»

(2011) von Nanni Moretti. Darin mimt er einen neu gewählten

Papst, der ob des verantwortungsvollen Amtes in Zweifel gerät.

Kino Rex, Bern. Sa., 6. bis 14.6.

CINEABC

Moserstr. 24, 031 386 17 17,

www.quinnie.ch

14.00 (SA-SO) D AB 8/6 J.

Onward

Ian bekommt zu seinem 16. Geburtstag

ein magisches Geschenk von seinem

verstorbenen Vater.

17.00 (SA-SO), 20.00 (MO-MI) O/D/F AB

10 J.

The Farewell

Eine chinesische Familie verheimlicht

der Grossmutter ihre unheilbare

Krankheit.

20.00 (SA-SO) O/D/F AB 16/14 J.

PARASITE

Einer arbeitslosen Familie gelingt es,

sich Jobs zu erschleichen – mit überraschenden

Folgen.

CINECLUB

Laupenstr. 17, 031 386 17 17,

www.quinnie.ch

10.00 (SO) I/D

MARIA STUARDA (MET)

Im berühmten Duell der Königinnen, die

sich in Wirklichkeit nie begegnet sind,

stehen sich Diana Damrau (Sopran) und

Jamie Barton (Mezzosopran) gegenüber.

Bei dieser Begegnung eskalieren die

Rivalitäten, es kommt zu hasserfüllten

Beleidigungen. Hier fasst Elisabeth den

Entschluss, Mary töten zu lassen.

CINEMATTE

Wasserwerkgasse 7, 031 312 45 46,

www.cinematte.ch

18.30 (SA) O/D AB 10 J.

Honeyland

Doku: In Mazedonien führt eine Imkerin

ein beschauliches Leben – bis sie neue

Nachbarn bekommt.

13.30 (SO) F/D AB 12 J.

Hors Normes

Bruno und Malik bilden junge Menschen

aus benachteiligten Verhältnissen zu

Betreuern aus.

21.00 (SA) O/D/F AB 16/14 J.

PARASITE

Einer arbeitslosen Familie gelingt es,

sich Jobs zu erschleichen – mit überraschenden

Folgen.

CINEMOVIE

Seilerstrasse 4, 031 386 17 17,

www.quinnie.ch

15.30/20.30 (SA-MI) D AB 6 J.

Die Känguru-Chroniken

Die Kreuzberger WG von Marc-Uwe und

dem Känguru ist durch ein riesiges

Immobilienprojekt bedroht.

16.30 (SA-MI) E/D/F AB 10/6 J.

Emma

England zu Beginn des 19. Jahrhunderts:

Die charmante Emma versucht

sich als Heiratsvermittlerin.

12.00 (SA-MI) F/D AB 16 J.

La Fille au bracelet

Die 17-jährige Lise (Mélissa Guers)

wird beschuldigt, ihre beste Freundin

ermordet zu haben. Zwei Jahre nach

der Tat lebt sie mit einer elektronischen

Fussfessel zuhause und der Mord-Prozess

steht an.

13.30/19.45 (SA-MI) F/D AB 14/12 J.

Notre dame

Der neue Film von und mit Valérie Donzelli

ist eine frech-verspielte Komödie

rund um eine der berühmtesten

Kirchen der Welt.

18.00 (SA-MI) DIALEKT/F AB 14/12 J.

Platzspitzbaby

Nach der Aufl ösung des Platzspitzes

ziehen Mia und ihre drogenabhängige

Mutter ins Zürcher Oberland.

20.00 (SA-MI), 14.15 (MO-DI) E/D/F AB 12 J.

Richard Jewell

Ein Wachmann meldet den Behörden

1996 ein Attentat – doch war vielleicht

er der Täter?

14.30 (SA-SO/MI) D AB 6/0 J.

Trolls World Tour

Die Welt der Trolls gerät aus den Fugen,

als sie merken, dass sie nur eine von

sechs Trolls-Arten sind.

12.30/17.15 (SA-MI) O/D/F AB 12/10 J.

Woman

In intimen Interviews enthüllen Frauen

aus aller Welt ihre innersten Gefühle,

berichten von den Herausforderungen

des Lebens und erklären, was es für sie

heißt, Frau zu sein.

KINO REX

Schwanengasse 9, 031 311 75 75,

www.rexbern.ch/

14.30 (SA/MI) D AB 8 J.

Die Schwarzen Brüder

Die Adaption von «Die Schwarzen Brüder»

zeigt ein düsteres Kapitel Tessiner

Sozialgeschichte.

20.30 (SA-SO), 11.30 (SO), 21.00 (MO-MI)

SPANISCH/D/F AB 16 J.

Ema

Eine Tänzerin sucht in den Strassen

Valparaísos nach ihrer persönlichen

Befreiung.

18.00 (MO) F/D AB 16/0 J.

Habemus Papam

Nanni Morettis dramatisch angehauchte

Komödie um einen frisch gewählten

Papst, der sich vor dem Amt drücken

möchte.

21.00 (SA), 12.00 (SO) O

Have You Seen My Movie?

Der Filmregisseur und bildende Künstler

Paul Anton Smith montierte Filmszenen

aus über 100 Werken der Filmgeschichte,

die im Kino spielen, zu einer Ode ans

Kino und Filmeschauen.

18.00 (SO) F/D

La belle noiseuse

Michel Piccoli schlüpft in die Haut eines

mürrischen und zarten Malers. Jacques

Rivette nimmt sich vier Stunden Zeit,

um den künstlerischen Schöpfungsprozess

selbst auf die Leinwand zu bannen.

Das gelingt ihm mit atemberaubender

Authentizität.

18.00 (DI) O/D

Le journal d’une femme de chambre

(2004)

Eine Kammerzofe trifft bei ihrer neuen

Stelle auf das Panoptikum einer verfallenden,

präfaschistischen Gesellschaft.

Michel Piccoli in einer seiner Rollen, in

denen er sich der Lust ausserhalb der

Normen hingibt.

18.00 (SA) F/D AB 16/0 J.

Le mépris

Meisterhafte Satire von Jean-Luc Godard

mit Brigitte Bardot und Fritz Lang.

18.00 (MI) F/D

Max et les ferrailleurs

In Claudes Sautets vorzüglich inszeniertem

Krimi spielt Piccoli einen hinterhältigen

und manipulativen Perversen,

der mit Romy Schneider alias Lily ein

seltsames und paradoxes Paar bildet.

Eine seiner schwindelerregendsten

Leistungen.

Inserat

14.30 (SO-DI) O/D/F AB 12 J.

Om det oändliga

Roy Andersson denkt über das menschliche

Leben in all seiner Schönheit und

Grausamkeit nach.

17.30 (SA-MI) O/D/F AB 12/0 J.

The Perfect Candidate

Die junge saudi-arabische Ärztin

Maryam lässt sich aus Frustration als

erste weibliche Kandidatin für den

Stadtrat aufstellen.

15.00 (SA-MI), 20.30 (MO-MI) O/D/F

AB 16 J.

You Will Die at 20

In einem Dorf zwischen Blauem und

Weissem Nil verheisst der religiöse

Führer der Mutter eines Neugeborenen,

dass ihr Sohn mit 20 sterben werde.

Visuell betörend und mit grossem

Respekt vor der Tradition erzählt der

in Venedig und Fribourg preisgekrönte

Film – der erste aus Sudan sein 40

Jahren! –, von Aberglaube und Glaube,

Schicksal und Prophezeiung.

LICHTSPIEL

Inserat

20.00 (MI) O/D

Hero (2002)

Im dritten Jahrhundert vor Christus

versucht der – historisch verbürgte und

von den Geschichtsschreibern als Tyrann

porträtierte – König Qin, die Herrschaft

über ganz China zu erringen. Seine Gegner

setzen Attentäter wie Flying Snow

und Broken Sword auf ihn an. Zehn Jahre

halten diese den Herrscher in Schach.

Doch dann kommt der Provinz-Hauptmann

Nameless an den Hof. Er offeriert

dem Kaiser die Lösung seines Problems.

20.00 (SO) O

Kurze Filme aus dem

Lichtspiel-Archiv

20.00 (MO) F/E

La mort de Mario Ricci

Auf einer Baustelle kommt der Motorradfahrer

Mario Ricci zu Tode; der Gelehrte

Henri Kremer, der in nächster Umgebung

lebt, gerät darüber in ein Schweigen;

und ein Journalist wiederum, der

sich für ebendiesen Wissenschaftler

interessiert, gerät ob diesem Schweigen

ins Grübeln.

Sandrainstrasse 3

www.lichtspiel.ch

18.15 (MI) O

Die 00er-Jahre: Neue Heldinnen zum

Jahrtausendwechsel

Die Comicverfi lmung Persepolis von

Marjane Satrapi und der Kampfkunstfi lm

Hero von Zhang Yimou bilden künstlerische

Gegenpole zur amerikanischen

Maschinerie und gewinnen weltweit

zahlreiche Festivalpreise.

Inserat

Samstag 8.00 – 11.00 Uhr

Mit Bruce & Gästen


Nr. 35 Freitag, 5. Juni 2020 Anzeiger Region Bern / Berner Kulturagenda 29

Look down, luck up

Illustration: Blackyard, www.blackyard.ch


30

Anzeiger Region Bern / Berner Kulturagenda Nr. 35 Freitag, 5. Juni 2020

«Mir ist es fast nicht recht,

dass es uns so gut geht»

Markus Keller, Inhaber und künstlerischer Leiter des

Theaters an der Effingerstrasse, berührt es, dass die

Abonnenten dem Theater trotz Lockdown treu sind.

Markus Keller, zum ersten Mal

produziert das Theater an der

Effingerstrasse ein Stück, das

sowohl als Film als auch auf der

Bühne funktionieren muss. Es

dreht sich um die Kolumnen

«Business Class» des Schweizer

Schriftstellers Martin Suter. Was

war die grösste Herausforderung?

Das Stück ist eine Fortsetzungsgeschichte,

deren einzelne Folgen

man online als Film oder möglicherweise

später mal im Theater anschauen

kann. Sowohl für die Zuschauer

als auch für uns, ist das eine

neue Form. Für mich als Theatermacher

ist die Herausforderung dabei

weniger gross als für die Filmschaffenden.

Ich bleibe ganz der Theaterregisseur,

der entsprechende Anweisungen

gibt. Für die Filmequipe ist

die Aufgabe schwieriger: Sie produziert

einen Film, bei dem man gleichzeitig

spüren soll, dass es ein Theater

ist. Das ist keine einfache Aufgabe.

Im Stück nehmen Sie Bezug auf die

aktuelle Situation der Corona-

Pandemie und verweben diese mit

Episoden aus «Business Class». Die

Topmanager im Stück können wegen

des Lockdowns nicht nach Hause

fliegen, stranden am Flughafen und

stehen plötzlich mit leerer Agenda

da. Was machen leere Agenden mit

Menschen?

Dafür gibt es wohl keine allgemeingültige

Antwort. Im Stück ist es

so, dass die beiden Topmanager auf

sich selber zurückgeworfen werden.

In meinem Fall zum Beispiel war es

aber gerade umgekehrt: Wir hatten

während des Lockdowns mehr zu tun

als in normalen Zeiten, es gab keine

leere Agenda. Wir mussten unsere

Abonnentinnen und Abonnenten

pflegen, die Administration rund um

die Kurzarbeit hat uns gefordert und

dazwischen fanden die Theaterproben

statt.

Hätten Sie demnach gerne etwas

mehr Leere in Ihrer Agenda?

Es ist nicht so, dass mich die

Mehrarbeit belastet hat. Unsere Arbeit

hat allen im Team, trotz der besonderen

Umstände, Spass gemacht.

Ganz ehrlich: Mir ist es fast nicht

recht, dass es uns trotz der schwierigen

Zeit so gut geht. 92 Prozent unserer

Abonnenten wollten beispielsweise

das Geld für die verpassten

Aufführungen nicht zurück. Das hat

mich sehr berührt.

Sie übergeben die künstlerische

Leitung des Theaters im Sommer an

Ihren Nachfolger Alexander Kratzer.

Sind Sie froh, dass es nun etwas

ruhiger wird?

Das wird es nicht, mein Terminkalender

bleibt weiterhin voll (lacht).

Ich bleibe ja Inhaber des Theaters und

behalte damit die Oberaufsicht. Zudem

werde ich weiterhin bei zwei Stücken

pro Jahr Regie führen. Ich möchte

mich zudem künftig gerne vermehrt

dem Freilichttheater widmen und das

eine oder andere Stück für eine entsprechende

Produktion schreiben. Bis

anhin hatte ich einfach stets zu wenig

Zeit dafür.

Markus Keller: «Mit dem Theater bin ich frisch geblieben.»

Rückblickend auf Ihre eigene Karriere:

Was haben Sie durch «Business

Class» neu über Karriereplanung

gelernt, das Sie gar nicht wussten?

Severin Nowacki

Ich kann nur anhand meines eigenen

Beispiels sagen, was mir für eine

Karriere wichtig erscheint: Möglichst

kreativ und flexibel bleiben, auch

wenn es schwierig wird. Wir sind in

den vergangenen Jahren von einer

Kultureinrichtung zu einem richtigen

Kleinunternehmen geworden, mit

steigendem Umsatz. Das fordert einen

heraus. Früher hatten wir drei Eigenproduktionen

und ein Gastspiel, jetzt

machen wir alle Stücke selber. Unser

Administrationsaufwand hat enorm

zugenommen.

Das heisst, Ihre Arbeit ist anstrengender

geworden?

Das Wort anstrengend würde ich

nie verwenden. Die Arbeit hat mir immer

Spass gemacht. Mit dem Theater

bin ich frisch geblieben.

Sie waren einst Zeichner, dann

Sozialarbeiter, und haben später

nebst Theaterstücken auch Hörspiele

und Serien produziert. Ist ein

so vielfältiger Berufsweg heute noch

möglich?

Ich denke schon. Heute ist es viel

selbstverständlicher als damals, dass

man seinen erlernten Beruf nicht sein

ganzes Leben lang ausübt. Erstaunlich

finde ich hingegen, wie viele Menschen

heute Kunst machen wollen

oder das Gefühl haben, Künstler zu

sein. Da hat sich eindeutig etwas verändert.

Was braucht es, um als Künstlerin

oder Künstler durchzustarten?

Hartnäckigkeit. Man muss an sich

selbst und eine Idee glauben und bereit

sein, alles dafür zu geben. Eine

Garantie, Erfolg zu haben, ist das aber

nicht.

Interview: Mireille Guggenbühler

«Business Class» Online:

www.dastheater-effingerstr.ch

Impressum

www.facebook.com/simon.gruenig

Herausgeber: Verein Berner Kulturagenda

Die Berner Kulturagenda ist ein unabhängiges

Engagement des Vereins Berner Kulturagenda.

Sie erscheint wöchentlich mit dem Anzeiger Region

Bern und dem Fraubrunner Anzeiger in einer

Gesamtauflage von 172 270 Ex.

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Vittoria Burgunder (vit), vittoria.burgunder@bka.ch

Praktikum: Sandra Dalto (san), sandra.dalto@bka.ch

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieser

Ausgabe:

Blackyard, Silvano Cerutti, Beat Glur, Mireille

Guggenbühler, Sibylle Heiniger, Stephan Ruch,

Vera Urweider

Layout: prepress@anzeigerbern.ch

Druckvorstufe: prepress@anzeigerbern.ch

Verlag/Inserate: Simon Grünig,

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Über die Aufnahme in die Berner Kulturagenda

entscheidet die Redaktion der Berner Kulturagenda.

Verleger: Gemeindeverband Anzeiger Region

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und Inserate, die in der Berner Kulturagenda abgedruckt

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Die Berner Kulturagenda dankt der Stadt Bern

für die finan zielle Unterstützung.

Die Welle bäumt sich vor Fotograf Simon Grünig auf, bevor sie bricht: Der Zugang des Zentrums Paul Klee war lange menschenleer. Nun herrscht wieder Betrieb.


Nr. 35 Freitag, 5. Juni 2020 Anzeiger Region Bern / Berner Kulturagenda 31

«Diese Fragen treiben uns alle um»

Der gebürtige Aargauer, Hans Ulrich Glarner, Vorsteher Amt für Kultur des Kantons Bern, lebt heute in Bern. In «normalen» Zeiten ist er an Kunstvernissagen,

Konzerten oder in Theatern anzutreffen. Im Moment aber kümmert er sich um ganz andere Dinge, wie Ausfallentschädigungen, Gesuche

und die Zukunft der Kultur im Kanton Bern.

Hans Ulrich Glarner, Vorsteher Amt für Kultur des Kantons Bern.

Hans Ulrich Glarner, nach zwei

Monaten Stillstand kommt die

Kultur «süferli» wieder in Fahrt. War

das Amt für Kultur in dieser Zeit

des Lockdowns ebenfalls zur

Untätigkeit verdammt? Oder gab es

genug zu tun? Oder gar mehr als

sonst?

Für uns war es eine sehr intensive

Zeit. Die Unterstützungsmassnahmen

für den Kultursektor mussten

innert kürzester Zeit umgesetzt werden.

Nebst dem Tragen der Verantwortung

für den Vollzug im Kanton

Bern, leite ich die Delegation der

Kantone. Deshalb bin ich in engem

ZVG

Kontakt mit meinen Amtskolleginnen

in den 25 anderen Kantonen und

mit dem Bund.

Waren Sie und die Mitarbeitenden

im Amt für Kultur im Homeoffice?

Und sind inzwischen wieder alle

zurück in ihren Büros?

Die Mehrheit ist bis zum 8. Juni im

Homeoffice, was sehr gut funktioniert.

Einige Aufgaben – vor allem im

Archäologischen Dienst – können jedoch

nur analog wahrgenommen werden.

Ich selber bin tagsüber im Büro,

Homeoffice mache ich an den Wochenenden.

Der Bundesrat hat im Lockdown für

die Kultur insgesamt 280 Millionen

Franken gesprochen. Wieviel davon

ging an den Kanton Bern? Wieviel

von diesem Geld hat der Kanton

bereits verteilt? Reicht das Geld für

alle, die es nötig haben?

Für die erste Phase stehen uns für

Ausfallentschädigungen 30 Millionen

Franken zur Verfügung, 15 Millionen

vom Bund und 15 Millionen hat der Regierungsrat

des Kantons Bern bewilligt.

Bis zum 18. Mai konnten wir bereits

gut 1,1 Millionen zusprechen.

Noch kann keine verlässliche Prognose

für den weiteren Verlauf gemacht

werden.

Neben den nicht-rückzahlbaren

Ausfallentschädigungen konnten

Kulturbetriebe ja auch noch Gesuche

für rückzahlbare Darlehen stellen.

Beantragen Kulturbetriebe zusätzlich

auch Darlehen?

Ausfallentschädigungen werden

ganz klar bevorzugt. Zu den genannten

30 Millionen Franken kommen noch

die Bundesmittel für rückbezahlbare

Darlehen, die aber kaum nachgefragt

sind und deshalb nicht über den

20. Mai hinaus angeboten wurden.

Der Bundesrat hat die Geltungsdauer

seiner Unterstützung bis Mitte

September verlängert – mehr Geld

gibt es jedoch nicht. Dieser Entscheid

hat in der Kulturszene für

Unverständnis gesorgt. Wie geht der

Kanton damit um?

Der Bundesrat hat am 13. Mai zusätzlich

50 Millionen Franken für

Ausfallentschädigungen bewilligt,

die vorher für Soforthilfen reserviert

waren. Die Kantone sind nun gefordert,

ihrerseits nochmals 50 Millionen

Franken zu sprechen. Wenn das

überall klappt, stehen insgesamt

100 Millionen zusätzlich für Ausfallentschädigungen

zur Verfügung. Damit

kann sehr viel bewirkt werden.

Immerhin überwiegt in der Szene der

Eindruck, dass in der Anfangsphase

unbürokratisch und grosszügig

vorgegangen wurde. Unsicherheit,

ja gar Angst, herrscht jedoch die

Zukunft betreffend. Was, wenn eine

zweite Welle kommt? Was, wenn die

Corona-Regeln, etwa der Zwei-

Meter-Abstand zwischen Künstlern

und Besuchenden auch in Zukunft

eingehalten werden müssen?

Das sind tatsächlich Fragen, die uns

alle umtreiben und auf die es noch keine

Antworten gibt. Viele Kulturschaffende

und Kulturinstitutionen haben

spontan sehr kreativ auf die enormen

Herausforderungen reagiert. Doch

auch in den kommenden Monaten wird

vieles nicht oder nur in veränderter

Form stattfinden können. Ich hoffe auf

das Publikum, dass es ebenso experimentierfreudig

und anpassungsfähig

wie die Schaffenden sein wird.

Konkret: Werden die Subventionen

auch nächstes Jahr ausbezahlt, selbst

wenn die Kultur Corona-bedingt da

und dort immer noch nur teilweise

oder gar nicht stattfinden kann?

Der Kulturkanton Bern war bis

jetzt ein verlässlicher Partner. Ich hoffe,

dass er dies auch unter den erschwerten

Bedingungen bleiben

kann. Wir werden aber alle – Kulturschaffende,

Publikum und Förderer –

ausserordentlich gefordert sein, uns

den Veränderungen anzupassen.

Ganz privat: Was tun Sie, der Sie

sonst regelmässig an Kunstvernissagen,

Lesungen, Konzerten oder im

Theater anzutreffen sind, nun an den

vielen freien Abenden?

Ich habe spielerisch mein Französisch

wieder etwas aufgemöbelt und

endlich wieder mehr Zeitung gelesen.

Doch der Arbeitstag zieht sich oft in

den Abend hinein, was mich aber

nicht stört: Die Motivation ist gross, in

dieser Krisenzeit sinnstiftend wirken

zu können.

www.erz.be.ch

Interview: Beat Glur

Hans Ulrich Glarner wurde 1959

in Wildegg AG geboren und lebt

heute in Bern. Er studierte

Germanistik, Geschichte und

Kulturmanagement in Zürich

und Salzburg. Er arbeitete als

Kulturredaktor beim «Aargauer

Tagblatt», war Leiter des

Stapferhauses in Lenzburg und

von 2002 bis 2013 Kulturbeauftragter

des Kantons Aargau. Seit

Herbst 2013 ist er Vorsteher des

Amts für Kultur des Kantons Bern.

«Ich bin froh, mich draussen bewegen

zu können»

Helen Hirsch, Direktorin Kunstmuseum Thun, arbeitet nach wie vor auch im Homeoffice,

kocht am Abend oft, liest und freut sich über die aktuellen Ausstellungen «Lange Arme,

kurze Beine», «N-01» und «enter».

Helen Hirsch, gibt es trotz behördlich

verordneter Schliessung im

Betrieb zu tun, oder ist man als

Veranstalterin zur Langeweile

gezwungen?

Nein, im Gegenteil! Die Schliessung

des Kunstmuseums Thun mit gut besuchten

Ausstellungen und des

Thun-Panoramas war für alle Beteiligten

ernüchternd und verlangte ein

schnelles Umdenken. Wöchentliche

Änderung der Programmplanung und

ständige neue Beurteilungen mit Erarbeiten

von Plan B (oder auch C!) gehören

zur Tagesordnung. Im Hintergrund

haben wir unter anderem im

Depot gearbeitet, Aufräumarbeiten

erledigt oder Kataloge zu den aktuellen

Ausstellungen von Christine

Streuli und Sarah Oppenheimer realisiert.

Auch die Ausstellung und der Katalog

der bevorstehenden Ausstellung

ab 8. August, «Johannes Itten & Thun»

mit vielen Leihgaben wird auf Hochtouren

vorbereitet.

Hat das Kunstmuseum Thun trotz

verschlossener Türen den Besucherinnen

und Besuchern etwas

geboten?

Wir haben schnell auf die neue Situation

reagiert und sind auf die umfassenden

Möglichkeiten der digitalen

Vermittlung und Kommunikation

ausgewichen.

Carolina Piasecki

Helen Hirsch

Wann wurde der Betrieb wieder

aufgenommen und mit welchem

Programm wurde wiedereröffnet?

Es freut uns, dass wir seit dem

12. Mai die Ausstellungen «Lange

Arme, kurze Beine» von Christine

Streuli, «N-01» von Sarah Oppenheimer

und im Projektraum «enter», mit

der Schenkung von Hans und Marlis

Suter, wieder zeigen können. Auch

das Thun-Panorama öffnete seine

Türen wieder. Leider mussten wir alle

Veranstaltungen und Führungen bis

Ende Juni streichen.

Kommt das Kunstmuseum Thun

finanziell über die Runden oder wäre

es ohne staatliche Hilfe längst im

Minus?

Ohne Unterstützung durch Stadt,

Kanton und den Gemeindeverband

wären das Museum und das Panorama

nicht finanzierbar. Wir sind eine

städtische Institution mit regionaler,

nationaler und internationaler Ausstrahlung.

Wie verbringen Sie zurzeit Ihre

Abende daheim, hat sich seit dem

Corona-Lockdown etwas verändert?

Ich koche viel mehr als sonst, lese

und bin nach einem Tag im Homeoffice

sehr froh, wenn ich mich

draussen bewegen oder Velo fahren

kann.

www.kunstmuseumthun.ch

gl

kaspar.zehnder@home

Kaspar Zehnder, Flötist, Chefdirigent, Theater Orchester Biel-Solothurn (TOBS)

«‹Ich bin glücklich, und ich freue mich

auf morgen!› sagte mir neulich meine

fünfjährige Tochter vor dem Einschlafen.

Auf meine Frage, was denn morgen

sei, antwortete sie: ‹Morgen ist

ein neuer Tag.›

Dieser unfreiwillig philosophische

Ausspruch schlug wie eine Bombe in

mein verstummtes Musikzimmer ein.

Ende der Schockstarre!

Nach der Talsohle kommt wieder

der Aufstieg, aber auf einen neuen

Berg mit neuem Ausblick. Die Aussichten

werden nicht mehr dieselben

sein wie zuvor.

Auf dem Weg in einen neuen Alltag

kann ich mir viel Zeit nehmen, das

Repertoire zukünftiger Konzerte zu

erarbeiten. Welch ein Luxus!

Ich analysiere sinfonische Werke

von Mahler und Bruckner, Strawinsky,

Enescu, Janáček, Bartók, Nielsen,

Prokofjew, Sibelius, Schostakowitsch,

und bereite sie für späteren praktischen

Gebrauch vor, dazu studiere ich

zahlreiche geistliche Werke, von Bach

bis Kodály, und viele Opern, von Wozzeck

bis Peter Grimes. Grossartig!

Gewiss: es schmerzt, dass ich meine

beiden Festivals absagen musste,

und ausfallende Konzerte werfen auch

existentielle Fragen auf. Gleichzeitig

aber erlebe ich die Zeit des Lernens

und Entdeckens zu Hause als enorm

inspirierend, und tatsächlich freue

auch ich mich auf jeden neuen Tag.» gl

www.tobs.ch

«Morgen ist ein neuer Tag»: Kaspar Zehnder ist inspiriert von seiner Tochter.

ZVG

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