Gemeindebrief_Sommer 2020

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Gemeindebrief

Sommer 2020


Wunderbar sind deine Werke;

das erkennt meine Seele.

Psalm 139, 14

Seite

3 Editorial

4 Angedacht

6 Gemeinde leben in ungewöhnlichen Zeiten

10 Gottesdienst mit dem Posaunenchor Enslingen und

dem Erlebt ­ Team

12 "Eigentlich wäre Konfirmation gewesen..."

14 Patenbrief von Katharine Schluchter

anlässlich ihrer Konfirmation im Jahre 1888

16 VDS Mitgliederversammlung

18 Ferienprogramm 2020

19 Vater­Kind­Camp 2020

20 Dietrich Bonhoeffer ­ ein Portrait

24 Gottesdienstplan, Termine und Impressum

27 Kinderseite

28 Einladung zum Theaterabend

2. Ausgabe 2020, 11. Jahrgang, Nr.52


Editorial

3

In einer Schwebezeit schreiben wir

diesen Gemeindebrief.

Die Quarantänezeiten liegen zurück,

zaghaft wird das „normale“ Leben

wiedereröffnet – aber: vieles ist noch

in der Schwebe. Geduld ist gefragt

und das ist bekanntlich eine

schwierige Übung. Manches hoffen

wir, aber wir wissen´s noch nicht:

Wird es im Sommer ein Kinderferienprogramm

geben (S. 18)? Können sich

die Jungscharen vor dem Sommer

noch mal treffen? Und kann die

Kinderkirche Kindergottesdienst feiern?

Ob man am 27. September schon

Konfirmation feiern kann mit allen in

der Kirche, vielleicht schon mit Singen?

Wahrscheinlich wissen Sie, wenn

Sie diesen Brief in der Hand halten,

da schon mehr als ich, während ich

dies schreibe.

Pfingsten habe ich dieses Jahr deutlicher

gespürt, bereits zu Ostern fing

es an: – neuer Schwung – frischer

Wind, neue Ideen, die Frohe Botschaft

auf vielfältigen Kanälen – das alles

mitten im Stillstand. Von dieser Zeit

mit seinen Erfahrungen erzählt der

Artikel „Glauben leben“ Seite 6‐9,

und berichten auch die Eindrücke

der Konfirmanden auf Seite 12 und

13.

Ein bisschen ist es grad wie nach der

Fastenzeit: Man freut sich doppelt

auf das, was wieder geht und

genießt es! Mit meiner Familie fahre

ich jetzt in den Pfingstferien an den

Brombachsee, eine Ferienwohnung –

juhuu! Wir wollen in 2 Etappen mit

dem Rad hinfahren, so was haben

wir noch nie gemacht. 1800

Autokilometer nach Südfrankreich

gespart – das ist auch mal gut, zumal

fürs Klima.

Überhaupt: Dankbar sein – Für vieles

war ich in diesen Wochen viel dankbarer,

eben weil es so gar nicht

selbstverständlich war: Danke, Gott,

für so vieles! – auch den Konfirmanden

ging es so:

„Ich merke, dass man noch intensiver

im Hier und Jetzt leben sollte

und sich an den sogenannten kleinen

Dingen erfreuen, wie z.B. an dem so

schön blühenden Apfelbaum bei uns

im Garten.“ (S 12)

Pfarrer Holger Stähle


4

Gemeinsam Gottes Liebe sichtbar machen –

Gedanken zum Gemeindelogo in einer Zeit

des Abstand­Haltens

Es ist ziemlich leicht, Bilder von „vor

Corona“ und danach zu unterscheiden.

Jeder Verein, jede Konzertagentur

– und auch fast alle

Gemeinden haben in ihren Gemeindebriefen,

auf ihren Homepages und in

sonstigen Veröffentlichungen Bilder

mit vielen Menschen, die fröhlich

beieinander stehen und lachend in

die Kamera schauen. Ob bei einem

Fest, einem Gottesdienst oder einem

Konzert – die Botschaft ist jedes Mal

schon durch das Bild gegeben: „Hier

ist es gut, hier fühlen sich Menschen

wohl, hier bist du willkommen.“

Die „Bilder der Corona‐Zeit“ sind da

genau das Gegenteil: Abstand ist angesagt,

Nähe auf einmal gleichbedeutend

mit Infektionsrisiko,

Gedankenlosigkeit und Leichtsinn.

Auch unser Logo mutet da auf einmal

ein bisschen wie aus der Zeit gefallen

an: Viele verschiedene Menschen, die

sich die Hand reichen, Junge und

Alte, und keiner auf Abstand bedacht.

Mir hat das Logo schon bei meiner

Bewerbung für die Pfarrstelle Untermünkheim

gut gefallen: das

Kreuz Christi in der Mitte, und

darum herum viel Leben. So soll Gemeinde

doch sein. Und jetzt?

Seit Mitte Mai sind Präsenzsitzungen

der Leitungsgremien wieder erlaubt.

Natürlich mit gutem Abstand,

aber nach drei Kirchengemeinderatssitzungen

per Videokonferenz

war es eine echte Freude, sich einander

wieder real gegenüberzusitzen.

Nach der Sitzung wollten

einige die dreizehn Einzeltische im

großen Saal im Dachgeschoss wieder

aufräumen, da sagte jemand. „Lasst

doch alles stehen, in den nächsten

Wochen stört das hier niemand!“

Es war ganz seltsam, aber in diesem

Augenblick wurde mir erst in der

Tiefe bewusst, was die Abstandsregeln

für die Gemeinde tatsächlich


5

bedeuten: Dass jetzt zwar wieder

Gottesdienste möglich sind (siehe S.

___ dieses Gemeindebriefes), dass

aber sonst viel von dem, was Gemeindeleben

ausmacht, noch länger

kaum gelebt werden kann.

„In den nächsten Wochen stört das

hier niemand!“ Sonst war im

Dachgeschoss jeden Dienstag Posaunenchorprobe,

sonntags TEN SING,

mittwochs meine Konfi‐Kleingruppe

und am Abend oft Chor. Es war

„Gottesdienst für KLEIN und Groß“

hier, beim Ferienprogramm waren 110

Kinder und 40 Mitarbeiter im Raum –

und jetzt können wir wochenlang die

Tische stehen lassen.

Manchmal erzählen Trauerfamilien,

dass sie so einen Augenblick des Begreifens

erst Wochen nach dem Abschied

erleben: Ein altes Foto, ein

Lied im Radio, ein Platz, an dem man

gemeinsam gerne war – und auf einmal

bricht sich im Herzen die Trauer

Bahn, der Verlust wird spürbar. Aber

dann wächst oft auch die Einsicht:

Das Leben geht trotzdem weiter.

Und so hat für mich das Logo einen

neuen Sinn bekommen:

‐ Die einzelnen Menschen sind zur

Zeit nicht direkt beieinander, aber sie

können doch verbunden sein: sich anrufen,

Nachrichten schicken, miteinander

laufen gehen. Wir müssen nicht

zulassen, dass aus Abstand Einsamkeit

wird.

‐ Das Logo ist für mich auch zum

Hoffnungsbild geworden: Was früher

selbstverständlich war, das wird auch

wieder sein – nicht gleich, aber irgendwann

ist es wieder soweit: Nähe

ohne Angst, Gespräche ohne

Abstandsregeln, viele Menschen versammelt

zum Singen und Feiern, Alt

und Jung zusammen, Ermutigung

durch einen Händedruck oder eine

Umarmung. Und bis dahin gilt:

‐ Das Kreuz ist und bleibt da, Christus

ist zugänglich für uns, ihn können wir

jederzeit aufsuchen. Gerade auch in

„leeren Zeiten“ ist seine Gegenwart

ein besonderes Geschenk. Und wir

können neu begreifen, dass Gemeinde

mehr ist als die Summe vieler

menschlicher Aktivitäten, dass sie von

ihrer Mitte her lebt, von Christus, der

uns sagt: „Siehe, ich bin bei Euch alle

Tage“ (Mt. 28,20).

Pfarrer Stefan Engelhart


6

Gemeinde leben in ungewöhnlichen Zeiten ...

Kirche in Zeiten von Corona / Persönliche Eindrücke von

Andrea Bleher, Thatjana Majer, Holger Stähle und Stefan Engelhart

Als wir den letzten Gemeindebrief

schrieben, kündigten wir noch fröhlich

Gottesdienste, Workshops und

Aktionen an, die es dann nie geben

sollte: Handlettering, Gitarren‐Workshop,

Roter Faden ... überall waren

Referenten eingeladen, Flyer

vorbereitet und gedruckt. Dann bat

der Landesbischof uns am 13. März,

keine Gottesdienste mehr zu feiern,

Gemeindehäuser und Kirchen wurden

geschlossen.

Holger Stähle: Eben konnten zu einer

Beerdigung 100 Menschen kommen –

schon ohne Händeschütteln und Kondolieren

am Grab. Dann waren nur

noch 10 Personen mit Pfarrer erlaubt.

Bitter besonders, wenn man Angehörige

im Pflegeheim nicht mehr besuchen

durfte. Zur Beerdigung dürfen

selbst enge Freunde nicht mehr ohne

besondere Erlaubnis kommen.

Plötzlich keine Termine mehr – für

mich auch eine befreiende Erfahrung:

Einerseits war das bitter: Konzerte,

Workshops, die lange vorbereitet

waren, viel Arbeit ‐ alles fiel aus.

Bei mir aber überwog ein ganz anderes

Gefühl: plötzlich Zeit – aufatmen

– Stille – Frühling – lesen – mal

aufräumen – beten – in Ruhe

nachdenken – mit Kollegen reden,

was wichtig ist – ältere Gemeindeglieder

anrufen, nachfragen, wie es

geht. Das hat mir auch gutgetan!

Eine Zeit mit vielen Ideen und

neuen Wegen folgte. Die erste Online‐Dienstbesprechung

mit Stefan

Engelhart und Tatjana Majer: Was

ist jetzt wichtig für die Menschen in

unserer Gemeinde?

Dass die Kirchenglocken läuten am

Abend. Dass der Pfarrer an alle einen

Brief schreibt, der mit dem Gemeindebrief

ausgeteilt wird, das

haben viele geschätzt und melden

das auch zurück. Gute Aktionen

werden weitergeschickt: Die erste

Youtube‐Predigt von Stefan Engelhart

stand auch in Steinbach auf

der Homepage ...

Plötzlich hingen Hoffnungsgedichte

statt Terminen im Schaukasten, Gebete

statt Plakate. Die Homepage

war gefüllt mit Links zu Andachten

und Angeboten.

Und es kam Luft & Lust, Neues auszuprobieren:

Die Ostergeschichte

als Abenteuergeschichte für Kinder

zu schreiben und zu erzählen, in 8


7

Folgen – das hat mir viel Spaß

gemacht – zu so etwas kommt man

normalerweise nie als Pfarrer an

Ostern.

Stefan Engelhart: Was einem gefällt,

kann man einfach weiterschicken.

Auch Freunde und Verwandte im Ausland

sehen plötzlich die Andachten

aus der Heimat. Und der Geist der

Nächstenliebe Jesu wehte weit über

Kirchengemeinden hinaus – viele

Menschen sortieren, was wirklich

wichtig ist für sie. Die große Welle

der Hilfsbereitschaft hat mich gefreut,

dass z.B. so schnell so viele zur

„Einkaufshilfe“ bereit waren, die

Magdalene Zimmermann organisiert

hat.

Andrea Bleher: Anfang März,

Faschingsferien, wir sind in Malaysia,

um unsere Tochter zu besuchen und

hören die ersten Nachrichten von

Corona‐ Infizierten in Deutschland. In

Asien ist das Tragen von Mundschutzmasken

nicht unüblich und

Desinfektionsmittel in Kaufhäusern

und Restaurants Standard. In der

Woche nach der Rückkehr kam dann

der Lockdown: Keine Sitzungen, kein

Konfi, keine Gottesdienste – ein leerer

Kalender für eine Woche – und

Home Office. Ich koche wieder mehr.

Aufgabe der Landessynode:

Der geschäftsführende Ausschuss der

Landessynode trifft sich, um Gesetze

wegen der ausfallenden Gottesdienste,

Verschiebung von Konfirmationen

und für digitale Sitzungen für

Kirchengemeinderäte und Bezirksgremien

zu beschließen. Die Gremien

sollen handlungsfähig bleiben, das ist

uns wichtig. Es ist für neun Wochen

die letzte Präsenzveranstaltung

gewesen.

YouTube Predigt mit Pfarrer Engelhart

Synode und OKR werden digitaler:

Als ein wahrer Segen erweist sich die

schon eingeführte papierlose Synode.

Dadurch ist die Technik verfügbar für

den sofortigen Start der Ausschussarbeit

mittels Videokonferenzen. Aus

anderen Landeskirchen erreichen

Württemberg Fragen, wie wir denn

arbeitsfähig sind.

Beraten wird, wie wir Familien

stärken können, das landeskirchliche

Klimakonzept und wie fernen und

nahen Menschen geholfen werden

kann, die durch die Pandemie in Not

ge‐ raten sind. Die Finanzen machen

Sorgen, weil die Kirchensteuereinnahmen

einbrechen.

Task Force – Herz, Verstand, Abstand

Im Oberkirchenrat wird von Mitte

März bis Mitte Mai eine Task Force

eingerichtet, die mit höchstem Einsatz

alle Fragen und unzählige Anliegen

aus den Gemeinden

bearbeitetet. Abstandsregelungen

und Maßnahmen des Landes werden

aus Überzeugung mitgetragen. Bischof

July sagt es so: „Herz, Ver‐


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stand, Abstand“. Kurz vor Ostern

dankt die Präsidentin der Synode den

kreativen Gemeinden im Land, die

Online‐ Andachten, abendliches

Singen, Einkaufshilfen und vieles

mehr für die Menschen auf die Beine

gestellt haben!

Nach den ersten spannenden Online‐

Sitzungen freue ich mich sehr auf die

realen Begegnungen, die wir z.B. als

neue Synode dringend brauchen, um

uns kennen zu lernen. Vieles lässt

sich in Worte fassen, schreiben und in

einen PC sprechen, aber nicht alles.

Stefan Engelhart: Schriftliche Predigten,

die wir in die Briefkästen verteilen,

Youtube‐Gottesdiente,

Seelsorge am Telefon, und abends

„Der Mond ist aufgegangen“ singen ‐

an vieles habe ich mich schnell

gewöhnt.

Richtig schwer gefallen ist mir die

Verschiebung der Konfirmation auf

Ende September, dass es zur Zeit

keinen Reli‐Unterricht gibt und die

Absagen von Taufen, Hochzeiten und

der Ostergottesdienste.

Umso schöner war es, dass unser

Kirchturm in der Osternacht erleuchtet

war, die Bläser morgens an

einigen Stellen „Christ ist erstanden“

gespielt haben und es auch

ohne unser Zutun Ostern wurde.

Denn Christus ist auferstanden – das

bleibt wahr, unabhängig von unseren

Aktionen, und die Botschaft vom

Neuen Leben, das über den Tod

siegt, hören wir in diesem Jahr bewusster

als sonst.

Thatjana Majer: Schnell reagieren in

kurzer Zeit: Innerhalb einer Woche

mussten alle Gruppen abgesagt werden.

Schnell entwickelten sich viele

gute Online Angebote für Kinder,

aber gleichzeitig wurde auch die

Schule Online gehalten. Daher wollte

ich für die Kinder aus unseren

Jungscharen etwas anbieten, bei

dem sie nicht am PC sitzen und im

Internet surfen. So entstand die

Jungschar per Post. Die Ostergeschichte

kam in Form von

Briefen nach Hause, bis Ostern gingen

vier Briefe an die Kinder. Inzwischen

wird jede Woche ein Brief an

die Jungschar‐Kinder unserer drei

Jungscharen gesendet oder verteilt.

Sendepause… oder doch nicht?

Zu „Jesus House“ vom EJW haben

wir unsere Konfis und „Teeny‐

Kreisler“ noch fleißig eingeladen,

doch dann der Schock: Das Schulzentrum

West wurde geschlossen. „Jesus

House“ wurde abgesagt und alle

mussten zuhause bleiben, es war

Sendepause!! Aber eine Woche

später gab es einen „Jesus House

Online Livestream“, die Sendepause

war schon vorbei! Nun hieß es fünf

Tage lang jeden Abend um 19:30 Uhr

YouTube einschalten.


9

Tägliche Impulse für die Mitarbeiter

im Kinder‐ und Jugendbereich: Wir

konnten uns nicht mehr treffen,

schreiben aber viel über WhatsApp.

Mit Bibelversen, Sprüchen, Videos,

Songs, einem Witz oder schönen

Bildern senden wir unseren Mitarbeitern

jeden Tag etwas zur Ermutigung.

Persönlich denke ich: Auch wenn alles

runtergefahren wurde, war es mir

doch nie langweilig. Ob Altes aufarbeiten,

mich um meine Prüfungsabgabe

kümmern, Neues entwickeln

oder Dinge überdenken, es gibt immer

etwas zu tun.

Und sehr freue ich mich darauf, mich

wieder persönlich und analog mit anderen

zu unterhalten, zu planen und

Aktionen machen zu können. Doch

„normal“ wird es so schnell nicht

werden. Das ist eine Umstellung, auf

die wir uns auch innerlich erst einstellen

müssen.

Stefan Engelhart: Freude, aber es ist

noch lange nicht „alles gut“

Anfang Mai kam die Nachricht, dass

Gottesdienste wieder möglich sind –

ohne Singen, mit zwei Meter Abstand

zwischen den Menschen und wenn

alle entsprechenden Regelungen im

Kirchengemeinderat beraten und

beschlossen sind. Am 10. Mai schon

gab es dann einen ersten Probelauf

auf dem Schulhof, am 17. Mai den

ersten Gemeindegottesdienst –

welche Freude.

Freilich: Viele hat es auch im kirchlichen

Umfeld hart getroffen: zum

Beispiel die „am Rande“: Behindertenwerkstätten,

Betreuungsangebote

für psychisch Angeschlagene –

all das war plötzlich weggebrochen

und kommt erst langsam wieder.

Vesperkirchen waren von heute auf

morgen geschlossen, und bei den Tagungsstätten

wie Hohebuch oder

Löwenstein fallen alle Einnahmen

weg. Und freiberufliche Referenten,

Musiker, Künstler sind in der Kirche

wohl noch länger ohne Auftrittsmöglichkeiten.


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Gottesdienst mit unserem Posaunenchor

Enslingen und dem Erlebt ­Team

GEMEINSAM statt EINSAM steht auf

dieser Bank vor der Grundschule, auf

der zwei Mitarbeiterinnen des Erlebt

Gottesdienst ‐Teams sitzen. Mit zwei

Erfahrungsberichten aus dem Publikum

möchten wir Sie mit hineinnehmen,

wie der erste Gottesdienst seit

langem war.

Sofa oder Schulhof?

Seit zehn Wochen hat es in der Gemeinde

Untermünkheim keinen

Gottesdienst mehr gegeben. Zumindest

keinen, bei dem sich Bekannte,

Freunde und Familien am Sonntagmorgen

wie üblich in der Kirche treffen

konnten. Klar, es gab noch die

Angebote über das Internet. So viele

Gemeinden haben es tatsächlich

geschafft, in kürzester Zeit einen

„Online‐Gottesdienst“ auf die Beine

zu stellen. Aber ist das vergleichbar?

Ist der Gottesdienst über einen Bildschirm

der logische Ersatz zum

herkömmlichen Gottesdienst in der

Kirche? Diese Frage habe ich mir in

den letzten Wochen immer wieder

gestellt.

Vom Sofa oder Esstisch aus konnten

meine Frau und ich jede Woche

Predigten und Fürbittengebete

hören, ja sogar gemeinsam Singen.

Ganz unkompliziert und ohne Zeitstress.

Trotzdem fehlte mir hier etwas.

Das habe ich am letzten

Sonntag erkannt, als es im Schulhof

endlich wieder einen Gottesdienst

gab, bei dem wir mit anderen

Menschen zusammen vor Gott treten

konnten. Es ist die greifbare

Gemeinschaft. Hier sehe ich

Menschen, spüre ihre Anwesenheit,

freue mich über jedes Lächeln und

tauche ein ins gemeinsam gesprochene

Gebet.


11

Ein Gedanke, der mir erst am Sonntagnachmittag

bei Kaffee und Kuchen

kam: Schade, dass dieses Mal noch

nicht gesungen werden konnte – aber

so gibt es auch etwas, worauf ich

mich für die Zukunft freuen kann. Die

Zeit am Sonntagmorgen, wo ich dem

Alltag entfliehen und Gott lobpreisen

kann. Schließlich singt es sich in der

Gemeinschaft doch viel schöner als

zuhause auf dem Sofa.

Vielen Dank an alle, die den Gottesdienst

mit Leidenschaft möglich

machen.

(Hannes Hofer)

Von Marie‐Luise Horlacher hören wir:

„Es war sehr schön, dass überhaupt

mal wieder Gottesdienst stattgefunden

hat, da es auch ein Mini‐ Stück

Normalität zurückgibt, auch wenn der

Godi alles andere als normal war.

Wundervoll, wie der Gottesdienst von

Teilnehmern aller Altersstufen besucht

wurde. Man hat gemerkt, wie

viel das gemeinsame Singen im

Gottesdienst ausmacht und wie sehr

es gefehlt hat, denn wenn man gemeinsam

singt, werden alle mehr in

den Gottesdienst einbezogen. Irgendwie

gehört es auch zu einem „richtigen“

Gottesdienst dazu.

Dass Menschen Masken tragen und

Abstand halten, ist mittlerweile ja

nichts Ungewöhnliches mehr. Aber

im Rahmen eines Gottesdienstes war

es doch ungewohnt. Wenigstens besteht

durch die Masken die Möglichkeit,

zusammen, „in echt“,

Gottesdienste zu feiern. Das ist ja

eigentlich das Wichtigste.

Es war sehr schön, Menschen aus der

Gemeinde mal wieder zu sehen, die

man eben meist nur bei Gottesdiensten

trifft. Irgendwie fehlt

einem halt doch was, wenn dieser

Kontakt längere Zeit nicht bestehen

kann.“

Das Erlebt‐Team verabschiedet sich

in die Sommerpause.

Bis zur nächsten Session wünschen

wir Ihnen allen

viel Gesundheit und Gottes Segen

Euer Erlebt‐ Team


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„Eigentlich wäre Konfirmation gewesen …“

Wie in den meisten Evangelischen

Kirchengemeinden wären auch in Untermünkheim

in den Wochen nach

Ostern die Konfirmationen gewesen.

Sowohl die Segnung der jungen Gemeindeglieder

als auch die Familienfeste

sind jetzt erst einmal

verschoben. Das ist natürlich traurig.

Aber was ist eigentlich stattdessen?

Ich habe die Konfis Ende April bei einer

Videokonferenz gefragt: „Gibt es

etwas, worüber ihr heute anders

denkt als noch vor ein paar Wochen?"

Und die schriftlichen Antworten

geben einiges von dem wieder, was

stattdessen geschieht – auch an persönlicher

Lebenserfahrung.

Da ist ganz vorne die Erfahrung, die

Freunde zu vermissen. „Am Anfang

freut sich doch jeder, wenn man mal

Ferien hat. Aber irgendwann ging es

mir so, dass ich mich eingesperrt und

begrenzt gefühlt habe und mir fehlten

meine Freunde, mit denen man

auch über Sorgen und Probleme reden

kann“. „Ich habe gemerkt, wie

wichtig und wertvoll es ist, Freunde

zu haben. ‚Früher‘ habe ich sie jeden

Tag in der Schule gesehen. Wir konnten

uns umarmen, ganz einfach Gespräche

führen und miteinander

lachen. Jetzt spürte ich richtig, wie

diese für mich früher selbstverständlichen

Dinge mir fehlen.“

Aber vieles am Alltäglichen erscheint

auch wertvoller: „Ich merke, dass

man noch intensiver im Hier und

Jetzt leben sollte und sich an den sogenannten

kleinen Dingen erfreuen,

wie z.B. an dem so schön blühenden

Apfelbaum bei uns im Garten.“ „Ich

denke über die ganzen ‚Selbstverständlichkeiten‘

anders, da, wie man

sieht, ja eigentlich nichts selbstverständlich

ist.“

Und „es geht uns trotzdem gut. Ich

habe ein Zuhause und genug Essen

und Trinken. Der Rest ist eigentlich

‚Luxus‘“.

Und dann noch ein Gedanke: „Es ist

meiner Meinung nach so, dass die

Menschen immer mehr versucht

haben, der Natur und ihren Gesetzen

zu trotzen. Das hat bisher auch einigermaßen

gut geklappt, doch nun

haben wir dieses Virus, das fähig ist,

die ganze von Menschen geschaffte

Welt stillzulegen.“

Ob wir daraus etwas für die Zukunft

lernen? „Ich hoffe, dass wir hinterher

das normale Leben mehr schätzen

und nicht wegen jeder Kleinigkeit

rumheulen“. Das ist eine Hoffnung,

der ich mich ganz und gar anschließen

kann.

Wir hatten noch weitere Videokonferenzen,

für die z.B. einige schöne

Bilder von den Konfis entstanden. Allerdings

haben die meisten Konfis in

der achten Klasse fast täglich Unterricht

am Bildschirm, deshalb wollten

wir in dieser Richtung auch nicht

allzu oft etwas machen.

Und wie geht es weiter? Als neuen

Konfirmationstermin hat der

Kirchengemeinderat Sonntag, den 27.

September festgelegt. Wir hoffen,

dass die Familien Ende September

einigermaßen normal ihre Feste feiern

können, für den Gottesdienst

(oder zwei Gottesdienste hintereinander)

werden wir uns an dem ori‐


13

entieren, was dann erlaubt und guten

Gewissens machbar ist. Wir wollen

auf jeden Fall die Konfirmation des

aktuellen Jahrgangs nicht auf unabsehbare

Zeit aufschieben.

Für die Konfirmandinnen und Konfirmanden

des neuen Jahrgangs soll

nach den Sommerferien der Unterricht

beginnen. Sie werden sich vermutlich

eher in zwei bis drei kleineren

Gruppen parallel oder

hintereinander im Gemeindehaus

bzw. der Kirche treffen statt in der

Großgruppe. Es wird wohl etwas anders

sein als gewohnt – aber es kann

auf jeden Fall auch gut werden.

Pfarrer Stefan Engelhart


14

Patenbrief von Katharine Schluchter

anlässlich ihrer Konfirmation im Jahre 1888

In ‚normalen‘ Zeiten hätten wir Ende

April und Anfang Mai dieses Jahres

Konfirmation mit unseren 18 Konfirmanden

gefeiert – in diesem Jahr ist

alles anders: In diesen ’Coronazeiten‘

musste der Termin abgesagt werden.

Es dürfen derzeit keine Gottesdienste

abgehalten werden, die Familien sind

gezwungen, zu den bereits eingeladenen

Verwandten und Freunden

auf Distanz zu bleiben.

Wen und wie hat man früher zur Konfirmation

eingeladen? Bis Anfang der

1950er Jahre war es für die Konfirmanden

üblich, ganz speziell die

Paten – also den „Dout“ und die

„Doute“ – mit einem persönlichen

und besonderen Brief, dem Patenbrief,

zur Konfirmation einzuladen

und sich für die Übernahme der

Patenschaft zu bedanken. Mit der

Konfirmation endet ja das Patenamt

formal und die Taufpaten werden aus

der Verantwortung entlassen. Mit

dem bewussten Ja zur Taufe wird der

Konfirmierte ein erwachsener und

mündiger Christ.

Im 18./19. Jahrhundert hatte jedes

Kind nicht selten 3‐5 Taufpaten und

auf diese warteten bis zur Konfirmation

mitunter bedeutende Aufgaben:

Sie übernahmen Fürsorgepflichten,

etwa beim frühen Tod eines Elternteiles/der

Eltern. Und auch die Eltern

und Kinder erwarteten Unterstützung

von ihnen. So hoffte man nicht selten,

dass der Patenonkel den aus der

Schule entlassenen Konfirmanden in

seinen handwerklichen Betrieb als

Lehrbub aufnahm. Zeit also, Dank zu

sagen für die Begleitung von der

Taufe bis zur Konfirmation ‐ was

natürlich den Dank für die stets

großzügigen Geschenke an Weihnachten

und Geburtstagen mit

einschloss. Der Brief bot auch die

Möglichkeit, um ‚Abbitte‘, also

Verzeihung zu bitten. Die Paten

waren bis zu deren Lebensende

wichtige Bezugspersonen und wurden

stets als „Dout“ und „Doute“

angeredet und hervorgehoben.

Patendankbriefe waren früher immer

doppelseitige Schmuckbogen

mit Gold‐ oder Silberborten, mit

Blumenmotiven, manchmal auch

mit Stoffapplikationen, die vom

Konfirmanden in schönster Handschrift

mit Feder und Tinte

beschrieben wurden.

Den hier vorgestellten, aus dem

Ortsarchiv Übrigshausen stammende

Patenbrief, hat ein Mädchen aus

Heuholz bei Pfedelbach 1888 an

eine Patenfamilie in der früheren

Gemeinde Übrigshausen geschrieben.

Er ist optisch ein Hingucker.

Das Briefpapier ist von besonderer

Qualität und am Rand mit

einer ornamentalen Goldborte

verziert und geprägt. Oben links ist

ein Glanzbild mit einem Engel samt

Rosengebinde in einen floralen

Goldrahmen eingeklebt. Solche

Engel‐Oblaten oder andere, etwa

mit der letzten Abendmahlsszene

nach Leonardo da Vinci, sind typische

Motive auf den Patenbriefen

dieser Zeit.

„Geliebte Taufpathen“, so beginnt

der Brief der 14‐jährigen Katharine

in schönster gleichmäßiger Handschrift,

und sie fährt fort: „Der heilige

Tag an welchem ich meinen

Taufbund vor Gott und einer christ‐


15

lichen Gemeinde erneuern …. ist herangenaht……

Herzliche Sehnsucht und

Pflicht fordern es von mir wertheste

Taufpathen, mich an Euch zu

wenden, da ich am Sonntag den 22.

April konfirmiert werde, mit der innigsten

Bitte, auch diesem mir feierlichst

und wichtigstem Tage,

gefälligst in der Kirche zu erscheinen,

mich in Euer Gebet einzuschließen,

… daß ich dem

Taufgelübde, welches ich ablege,

fest und beständig treu bleibe ….

Meine theuersten Taufpaten, habet

Dank für Eure Liebe, die Ihr mir

schon erzeiget habet, Ihr seid es, die

mich in meinen ersten Lebensstunden

Gott vorgetragen haben …“

Das junge Mädchen schließt mit den

Worten:

„Euer stets dankbares Taufkind

Katharine Schluchter

Heuholz, den 23.März 1888“

Der Dankesbrief ist den Paten in der

Regel in einer Mappe mit Samtbezug

persönlich übergeben

worden. Manchmal montierte man

den Brief auch in einen Schmuckrahmen

und unter Glas, so dass er

im Wohnzimmer der Paten aufgehängt

werden konnte: ein Beispiel

religiöser Volkskunst in den letzten

Jahrhunderten. Patendankbriefe

beinhalten meist – wie auch in dem

hier vorgestellten ‐ am Ende ein

Gedicht, das man dem Paten auswendig

bei der Übergabe oder bei

der Konfirmation bei Tische aufsagte.

Zeigten sich die Paten doch

beim Konfirmationsgeschenk immer

großzügig: ein ledergebundenes

Gesangbuch, eine Armbanduhr oder

ein silbernes Kettchen, das war

durchaus auch die Erwartung.

Heute wird man die Briefform eines

solchen Patendankbriefes verständlicherweise

für überholt halten, zumal

manche Sätze vorformuliert

erscheinen und wohl nicht aus eigener

Feder stammen: Traditionen

und Bräuche abzuschaffen ist jedoch

immer sehr einfach – Neues

und Besseres zu schaffen oft aber

sehr viel schwieriger.

Die Einladung zur Konfirmation erfolgt

heute häufig in Form einer

persönlichen Bildkarte: Das finde

ich zeitgemäß und auch passend.

Wenn dann der Konfirmand am

Tisch während des Mittagessens

oder beim Nachmittagskaffee noch

ein paar persönliche Dankesworte

an die Eltern und die Paten richtet

‐ ich habe das so bei einer Konfirmation

erlebt ‐ dann kommt das sicher

bei allen Gästen, auch heute

noch oder wieder, gut an.

Dr. Eberhard Rau


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Verein für Diakonie und Seelsorge –

Mitgliederversammlung am 12.03.2020

Die diesjährige Mitgliederversammlung

des Vereins für Diakonie

und Seelsorge stand schon ganz im

Zeichen der Corona‐Pandemie, die zu

diesem Zeitpunkt erst ihren Anfang

nahm.

Um die Besucher der Versammlung zu

schützen, wurde auf eine Bestuhlung

mit Tischen verzichtet und auch auf

die geplante Bewirtung mit einem

kleinen Imbiss. Die Anzahl der Mitglieder,

die an der Mitgliederversammlung

teilnahmen, war

verständlicherweise deutlich geringer

als in den letzten Jahren.

Es war ein prall gefüllter Abend, viele

wichtige Themen mussten angesprochen

werden und die Wahl des

neuen Vorstands stand an. Nach der

Begrüßung durch Stefan Engelhart

gab es Berichte aus den verschiedenen

Aufgabengebieten des Vereins:

Rose Kuch berichtete vom Mittagstisch

für Jung und Alt, der im Moment

coronabedingt nicht

stattfindet. Sr Martina Neber von

Diakonie daheim erzählte begeistert

von „ihrem“ Begegnungsnachmittag

für Menschen mit Demenz, der

wöchentlich im Gemeindehaus

stattfindet. Von Magdalene Zimmermann

gab es Informationen zum

großen Projekt „Sorgende Gemeinde“,

das immer mehr Form annimmt.

Der Rechnungsabschluss und der

Haushaltsplan für 2020 wurde von

Dieter Zimmermann vorgestellt und

Stefan Engelhart erklärte den anwesenden

Mitgliedern, warum eine

Satzungsänderung des VDS notwendig

ist und welche Änderungen

in der Satzung vorgenommen wurden.

Unser Bürgermeister, Herr

Maschke, war an diesem Abend

ebenfalls zu Gast und hat nach

einem Grußwort an die Anwesenden

den Vorstand „mit Freuden“

entlastet.

Ein wichtiger Teil des Abends war

die Verabschiedung von Frau Rose

Kuch und Frau Iris Pflugfelder aus

dem Vorstand. Mit warmen Worten,

herzlichen Grüßen und einem Blumenstrauß

bedankte sich Magdalene

Zimmermann bei den Beiden für

ihre lange und engagierte Mitarbeit

im Vorstand des VDS.


Ein weiteres wichtiges Thema des

Abends war die Wahl des Vorstands.

Magdalene Zimmermann informierte

die anwesenden Mitglieder, dass sie

sich nach 15 Jahren als stellvertretende

Vorsitzende des Vereins nicht

mehr für diesen Posten zur Wahl stellen

möchte. Sie wird aber weiterhin

im Vorstand bleiben und mitarbeiten.

Bei den Vorstandsitzungen wurde in

den letzten Monaten überlegt und

beschlossen, die sehr umfangreiche

Arbeit, die Magdalene Zimmermann

geleistet hat, auf alle Mitglieder des

Vorstands zu verteilen.

Für die ausgeschiedenen Vorstandsmitglieder

stellten sich Frau

Ute Klimsa‐Beck und Frau Karin Kraft

zur Wahl. Beide stellten sich am

Abend persönlich vor.

Unter Leitung von Herrn Maschke

wurden folgende Vorstandsmitglieder

gewählt:

Elke Gruber, Regine Hammer

(Diakonie‐Beauftragte), Ilona Hofmann,

Fritz Hornig, Ute Klimsa‐Beck,

Karin Kraft, Magdalene Zimmermann

Regine Hammer wurde als Vorstandsvorsitzende

gewählt. Stellvertreter

sind Elke Gruber und Fritz Hornig.

Kraft Amtes gehören dem Vorstand

an: Pfarrer Stefan Engelhart,

Kirchenpfleger Dieter Zimmermann

und die leitende Schwester von

Diakonie daheim, Team Kochertal.

Pfarrer Engelhart sprach Frau Magdalene

Zimmermann seinen herzlichen

Dank für ihre umfangreiche

Arbeit als stellvertretende Vorsitzende

des Vereins aus, die sie mit

viel Liebe und Hingabe all die Jahre

geleistet hat und bedankte sich mit

einer schönen Bibelausgabe bei ihr.

Der Name Magdalene Zimmermann

ist untrennbar mit dem Verein für

Diakonie und Seelsorge verbunden!

Nach so vielen organisatorischen

Themen kam nun der Teil des

Abends, auf den sich sicher viele

gefreut hatten: der Vortrag von

Frau Karin Öchslen zum Thema „Fit

in den Frühling mit frischem Grün“

.

Es war eine Freude, Frau Öchslen

zuzuhören, die uns mit viel Fachwissen

und praktischen Tipps in die

Welt der Heilpflanzen und ihrer Anwendung

im Alltag mitnahm. Anhand

von Fotos der Pflanzen, die

wir fast alle im Garten haben, gab

sie viele Anregungen, diese einzusetzen.

Es war – nach all den eher schweren

Themen des Abends und der Verunsicherung

durch Corona – ein

wunderbarer Abschluss dieser langen

Mitgliederversammlung.

Regine Hammer

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Dietrich Bonhoeffer

Was uns an ihm beeindruckt:

In diesem Jahr jährte sich am 9. April

zum 75. Mal die Hinrichtung Bonhoeffers

durch den Nationalsozialistischen

Staat. Anlass genug, an das

Lebensbeispiel und die Gedanken

dieses bedeutenden Protestanten zu

erinnern.

Sein weiter Horizont: Ökumene &

Friedensengagement

Nach dem Studium war Dietrich Bonhoeffer

zu jung, um als Pfarrer anfangen

zu können. Und so ging er für

ein Jahr zum Auslandsstudium an das

Union Theological Seminary nach

New York. Dort erfuhr er in den

Kirchengemeinden Harlems, wie die

Weltwirtschaftskrise besonders die

Afroamerikaner traf. Er lernte dort

konkrete Gemeindearbeit vor Ort

kennen und mit ihr den „Blick von unten“

aus der Perspektive der Opfer.

Die Erfahrungen in Amerika halfen

ihm später, viel klarer als die meisten

evangelischen Pfarrer zu erkennen

und zu benennen, dass der Umgang

der Nationalsozialisten mit den Juden

nicht mit dem Evangelium zu vereinbaren

ist. Sie verhalfen ihm zu Zivilcourage

und mutigem Engagement.

Und: Nach seiner Rückkehr gründete

er selbst eine „Jugendstube“ für

arbeitslose Jugendliche in einem

Arbeiterviertel. Sie wurde 1933 von

den Nationalsozialisten aufgelöst.

Durch den strikten Pazifismus seines

französischen Mitstudenten Jean

Lasserre begann er sich außerdem mit

dem Thema Frieden auseinanderzusetzen.

Dass insbesondere in Deutschland

für einen Krieg gerüstet wurde,

erkannte Bonhoeffer früher als die

meisten und sah es als seine Aufgabe,

dem durch eine ökumenische

Friedensbewegung entgegenzuarbeiten.

Um selbst Friedensengagement einzuüben,

schrieb er an Mahatma

Ghandi und bat, ihn besuchen zu

dürfen und eine Zeit bei ihm leben

zu können, um so von ihm zu lernen

und dieses Friedensengagement

dann ins kriegsbedrohte Europa

mitzunehmen.

Dass er doch nicht nach Indien fuhr,

lag daran, dass er ein noch dringenderes

Anliegen hatte: selbst

junge Pfarrer auszubilden, und zwar

abseits der gleichgeschalteten Universität

– in gemeinsamem Leben

und Studieren in Finkenwalde.

Dabei war Nachfolge Bonhoeffer

ein ernstes Herzensanliegen. Religiöse

Seelengemeinschaft reicht

nicht, man muss den Glauben

miteinander einüben & als Jesu

Leib leben, mit allen persönlichen

Konsequenzen.

Seine Vorlesungen als Professor

begann er zur Überraschung seiner

Studenten mit einem Gebet.

1931 wurde er Jugendsekretär des

ökumenischen Weltbundes. Später

nutzte er seine vielfältigen ökumenischen

Kontakte nach England

für sein Engagement im Widerstand.

Auf dem Weg zur Hinrichtung

richtete er folgende Botschaft an

seinen englischen Freund, Bischof

Bell:


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„Sagen Sie ihm, dass dies für mich

das Ende, aber auch der Anfang ist.

Mit ihm glaube ich an das Prinzip unserer

universellen christlichen

Brüderlichkeit, die über alle nationalen

Interessen hinausgeht, und

dass unser Sieg sicher ist.“

Klarsicht und Widerstand, während

alle „Hurra!“ schrien

Schon 1933 benennt Bonhoeffer (im

Radio!) die Gefahr, dass der Führer

zum Verführer werden kann. Die

Sendung wurde mittendrin abgeschaltet.

Die allermeisten Pfarrer seiner Zeit

waren national‐konservativ und antijüdisch

eingestellt. Das Versprechen

Hitlers, die Nation zu einen, fand

überwiegend Zuspruch. Auch in der

Kriegsführung glaubte man gern der

Propaganda und unterstützte – vermeintlich

– die eigene Nation. Die

Größe Bonhoeffers bestand darin,

schärfer zu sehen und ethisch zu hinterfragen,

was geschah. Konkret: den

Hass gegen die Juden, den Führerkult

und den Krieg. Von vielen Pfarrern

wurde er wegen seiner Haltung als

Vaterlandsverräter betrachtet.

Er war lernfähig und hinterfragte die

eigenen Positionen

Bonhoeffer als Vorbild für Trump?

Viele schmücken sich in diesem 75.

Todesjahr mit Bonhoeffer als Vorbild.

Eric Metaxas, ein amerikanischer Biograph,

sieht gar eine Linie von Bonhoeffer

zu Donald Trump – und zwar

in der mutigen Entscheidung des Einzelnen.

Den entscheidenden Unterschied zu

Donald Trump übersieht er dabei freilich:

Bonhoeffer hat intensiv um

seine Entscheidungen gerungen, oft

mit Selbstzweifeln, und sich selbst

und seine Meinung hinterfragt. Er hat

seine Haltung stets ethisch begründet

– genau das macht m.E. den

entscheidenden Unterschied zwischen

den einsamen Entscheidungen

Bonhoeffers und Trumps aus.

‐ Holger Stähle ‐

Suche nach Gottes Willen in

Entscheidungssituationen

Zu Weihnachten 1942 schrieb Bonhoeffer:

„Die letzte verantwortliche

Frage ist nicht, wie ich mich heroisch

aus der Affäre ziehen, sondern

wie eine kommende Generation

weiterleben soll. Nur aus dieser

geschichtlichen verantwortlichen

Frage können fruchtbare – wenn

auch vorübergehend sehr demütige –

Lösungen entstehen.“

Das ist nur eines von vielen wegweisenden

Zitaten, die sich bei Dietrich

Bonhoeffer finden. Aber etwas

Wahres zu sagen ist das eine, danach

zu handeln noch einmal etwas anderes.

Dass Bonhoeffer für seine

Überzeugung bereit war, auch sein

Leben aufs Spiel zu setzten, hat

mich an ihm am meisten

beeindruckt.

Eine besondere Entscheidungsstunde

lag im Sommer 1939. Die Gefahren,

die ihm in Deutschland drohten,

waren da schon klar zu sehen: 1936

Entzug der Lehrbefugnis an der Universität,

1937 Verbot des Seminars

in Finkenwalde, seit 1938 hatte er

Aufenthaltsverbot in der Reichshauptstadt

Berlin – obwohl sein

Vater dort ein allseits bekannter

Psychiater an der Berliner Charité

war.

Doch dann bot sich für Dietrich Bonhoeffer

ein Ausweg: Freunde am

Union Theological Seminary in New

York machten sich Sorgen und luden

ihn als Gastdozenten in die USA ein,

Anfang Juni 1939 machte er sich auf

den Weg.


22

Er wurde dort herzlich empfangen,

luxuriös untergebracht und war der

Stargast des Kollegs, innerlich aber

von Tag zu Tag zerrissener und

zweifelnd an seiner Entscheidung. Er

sucht Klarheit durch den Besuch verschiedenster

Gottesdiente, aber erst

eine ganz einfache Predigt in einer

armen Erweckungsgemeinde ließ ihn

zur Ruhe kommen. „Mit dieser Predigt

tut sich mir ein bisher ganz unbekantes

Amerika auf. … Es wird wohl

nur durch Beten gehen. Gott, schenke

mir in den nächsten Wochen Klarheit

über meine Zukunft und erhalte mich

in der Gemeinschaft des Gebets der

Brüder“ notierte er am Abend in sein

Tagebuch. Und langsam reift der

Entschluss, nach Deutschland zurückzukehren.

Auf dem Schiff schrieb er (7.7.1939):

„Wahrscheinlich wird sich diese Reise

sehr bei mir auswirken.“ (9.7.1939):

„Seit ich auf dem Schiff bin, hat

die innere Entzweiung über die

Zukunft aufgehört. … Die Losung:

‚Ich danke dir, dass du mich

gedemütigt hast und lehrst mich

deine Rechte‘ (Ps 119, 71). Aus

meinem liebsten Psalm eins der mir

liebsten Worte.“

So hatte Bonhoeffer eine

Entscheidung getroffen, die ihm

schließlich den Tod einbrachte, die

er aber immer als Gottes Willen

verstanden hatte.

Wer ich auch bin – dein bin ich, o

Gott

Ein großer Schatz sind bis heute die

Schriften Dietrich Bonhoeffers.

Zum einen die beiden Bücher „Gemeinsames

Leben“ und

„Nachfolge“, die er für die Seminaristen

von Finkenwalde verfasste

und die bis heute Christen verschiedenster

Konfessionen und unterschiedlichster

theologischer

Richtungen auf dem Weg des

Glaubens inspirieren.

Vor allem aber sind es die unter

dem Titel „Widerstand und Ergebung“

von seinem Freund Eberhard

Bethge herausgegebenen Aufzeichnungen

Bonhoeffers aus der

Gestapo‐Haft, die bis heute

nachwirken.

Es finden sich faszinierende theologische

Gedanken über die Zukunft

des Christentums in einer zunehmend

säkularen Welt, aber

auch mehrere Gedichte. Das

bekannteste ist das später vertonte

„Von guten Mächten“, das Bonhoeffer

zum Jahreswechsel 1944/45 für

seine Verlobte Maria von Wedemeyer

schrieb. Mindestens genauso bewegend

ist für mich „Wer bin ich“

aus dem Sommer 1944:


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„Wer bin ich? Sie sagen mir oft,

ich träte aus meiner Zelle

gelassen und heiter und fest,

wie ein Gutsherr aus seinem Schloss.

Wer bin ich? Sie sagen mir auch,

ich trüge die Tage des Unglücks

gleichmütig lächelnd und stolz,

wie einer, der Siegen gewohnt ist.

Bin ich das wirklich,

was andere von mir sagen?

Oder bin ich nur das,

was ich selbst von mir weiß?

Unruhig, sehnsüchtig, krank,

wie ein Vogel im Käfig, …

dürstend nach guten Worten,

nach menschlicher Nähe,

Wer bin ich? Der oder jener?

Bin ich denn heute dieser

und morgen ein andrer?

Bin ich beides zugleich?

Vor Menschen ein Heuchler

Und vor mir selbst ein verächtlich

wehleidiger Schwächling?

Wer bin ich? Einsames Fragen treibt

mit mir Spott.

Wer ich auch bin, Du kennst mich,

Dein bin ich, o Gott!“

‐ Stefan Engelhart ‐

Infokasten

Dietrich Bonhoeffers Lebensdaten:

1906 wurde Bonhoeffer in Breslau geboren und wuchs später in Berlin

auf

1923­1930 Studium und Ausbildung. Mit 17 machte er das Abitur und mit 23

seinen Doktortitel in Theologie

1931 Auslandsstudium in New York und Jugendsekretär des

Weltkirchenbundes

1932 Bonhoeffer wird Professor in Berlin und treibende Kraft im

Kirchenkampf der Bekennenden Kirche

1933­1935 Bonhoeffer emigriert (enttäuscht von seiner Kirche) nach London

1935­1937 Finkenwalde: Bonhoeffer leitet das dortige Predigerseminar der

bekennenden Kirche

Seit 1938 beteiligt am aktiven Widerstand gegen den Nationalsozialismus

1943­1945 Haftzeit und Hinrichtung


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Gottesdienstplan


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26

Impressum

Pfarramt Untermünkheim

Stefan Engelhart

( Geschäftsführender Pfarrer )

Hohenloher Str. 22

74547 Untermünkheim

0791 6805

stefan.engelhart@elkw.de

Pfarrer zur Dienstaushilfe

Holger Stähle

0791 3892

holger.staehle@elkw.de

Pfarramt Enslingen

­ Vakant ­

Vertretung Pfarramt Untermünkheim

Vorsitzender

Kirchengemeinderat

Lorenz Kraft

Im Bühl 15, Untermünkheim

0791 97 150 17

lorenz.kraft@kraft­sha.de

Jugendreferentin

Thatjana Majer

0177 1637364

jugendreferentin2@gmail.com

Kirchenpflege/Finanzen

Dieter Zimmermann

Moorstein 47, Obermünkheim

0791 6523

Sekretariat in Untermünkheim

Andrea Munz

Öffnungszeiten:

Di.+Do. 08.30 ­ 11.30 Uhr

Do. 14:30 ­ 16:00 Uhr

0791 6805

pfarramt.untermuenkheim@elkw.de

Bankverbindung:

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VR­Bank Schwäbisch Hall

Gemeindebriefredaktion

V.i.S.d.P: Pfr. Holger Stähle

Team: Helga Elsässer, Oliver Kraft, Dirk Schaefer,

Christof Weber, Birgit Zorn

gemeindebrief.untermuenkheim@t­online.de

www.kirchengemeinde­untermuenkheim.de


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