145 Jahre Schodterer - Jubiläums-Meisterstücke 2020

schodterer

Meisterstücke-Jubiläums-Festschrift
Goldschmiede Schodterer - Bad Ischl

Robert Schodterer I – Der Erhalter (1881-1949)

Am 27. März 1881 wurde Robert Schodterer als ältester von drei Kindern in Bad Ischl geboren

– hinein in eine äußerst betriebsame Zeit des Aufbaus. Gemäß dem Wunsch seines Großvaters

Franz Krumpöck sollte Robert den Lehrerberuf ergreifen. Seine Lernschwierigkeiten in der

K.K. Oberrealschule in Linz, die man heute als „Legasthenie“ bezeichnen würde, vereitelten dies

jedoch und so trat er 1897 die Lehre bei seinem Vater an. Bei Meister Friedrich Hirsch in Wien

verfeinerte er bis 1901 seine handwerklichen Fertigkeiten.

Ein Brief an seinen Vater lässt uns die damalige Lehrzeit nachempfinden: „Lieber Vater! Ich will

Dir nur mittheilen, daß ich mit dem Fassen fertig bin. Mein Lehrer war mit mir sehr zufrieden, und

ich mit ihm. Er gab sich alle Mühe alle möglichen Arten der Fasskunst beizubringen, was er, wie er

sagte, einem Anderen nicht gezeigt hätte.“

Bis zur Übernahme der Goldschmiede im Jahr 1911 arbeitete er gemeinsam mit Engelbert und

übernahm die Traditionen seines Vaters. 1914-1918 diente er, wohl aufgrund seiner guten Französischkenntnisse,

in der Grenzschutzkompanie in Feldkirch, wurde nach Südtirol und Pilsen abkommandiert und überlebte leicht

verwundet die Schlacht am Isonzo. Während dieser Zeit führte sein Vater die einzige Goldschmiede des Bezirks weiter, zumindest

soweit dies möglich war. Verbrauchte Materialien konnte er kaum noch nachkaufen und die Inflation vernichtete einen Großteil des

Barvermögens. In einem Brief von Engelbert an Robert aus dem Jahr 1917 ist zu lesen: „Ich fürchte ohnehin, daß es mit der Arbeit nicht

so glatt abgehen wird, da mir das Silber jedenfalls zu wenig, und ich weiß noch nicht, ob ich Ersatz bekomme, noch zu welchem Preis.“

Den Zusammenbruch der Monarchie erlebte Robert Schodterer in der sicheren Heimat. 1920 heiratete er die Verkäuferin Franziska

Fuchshofer aus Salzburg. Aus der Ehe sollten zwei Kinder hervorgehen.

Mit dem Untergang der Monarchie verschwanden auch die adeligen

Kundschaften der Goldschmiede aus Ischl. Während der Weltwirtschaftskrise

und der Arbeitslosigkeit der

Zwanziger- und Dreißigerjahre

gelang es Robert Schodterer nur

mit Mühe und Not, Haus und

Geschäft zu erhalten. Das Einzige,

was nach den Kriegsjahren zur

Genüge zur Verfügung stand, war

Zeit – diese Zeit nutzte Robert,

dem eine ausgezeichnete Beobachtungsgabe,

unendliche Geduld und eine große Liebe zur Natur innewohnten, um seinen

unverkennbaren Jagdschmuck zu entwickeln. Feine Eichenlaubblätter wurden hergestellt und

zu Schmuckstücken zusammengefügt, die aussahen, als wären sie natürlich gewachsen. Nicht

einmal die Eichelhülsen fehlten, die noch eine Zeit lang am Baum verbleiben, nachdem die

Kerne bereits abgeworfen sind.

30

Mit dem spärlichen Lohn aus der Arbeit für die bäuerliche Bevölkerung der Umgebung, die ihm Silbermünzen und Jagdtrophäen

brachte, konnte er seine Familie in den Nachkriegsjahren gerade so über Wasser halten. Auch die Filigrantechnik war für die von

Armut und Entbehrungen geprägte Zeit ideal, da mit wenig Materialeinsatz

gearbeitet werden konnte. Er brachte diese Technik zur Meisterschaft

und fertigte sogar größere Gegenstände, wie beispielsweise eine vollkommen

transparente Schatulle.

Robert Schodterer begann die ornamentalen Entwürfe seines Vaters Engelbert

wieder hervorzuholen, entwickelte Schablonen und es entstanden erste

handgefertigte Kleinserien. Auch wenn es die Umstände nicht erlaubten, sich

durch herausragende Stücke einen guten

Namen zu machen, war die Vorarbeit für

den späteren „Original Ischler Jagd- und

Trachtenschmuck” – vor allem in Form

von Zeichnungen – eine sehr wesentliche und wichtige.

1937 verlegte er die Goldschmiede vom alten Pfarrhof am Auböckplatz in das in

der Pfarrgasse gelegene Rathaus, wo sie sich noch heute befindet. 1939 erschütterte

der zweite große Krieg die Welt und die wirtschaftliche Lage verschlechterte sich

dramatisch. Das Geschäft musste 1943, weil „nicht

kriegswichtig“, stillgelegt werden und durfte nur an

einem Tag pro Woche für Reparaturen öffnen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war es mit der „Sommerfrische“ erst einmal vorbei. Gut betuchte

Sommergäste blieben fern und die Stockwerke der großzügig erbauten Villa des Vaters wurden in

kleine, vermietbare Einheiten unterteilt, um finanziell über die Runden zu kommen. Während des

Neubeginns nach dem Krieg berfand sich ein Schild mit folgender Aufschrift im Schaufenster der

Goldschmiede: „Wir fertigen Schmuck aus mitgebrachtem Material.“

Am besten sind wohl die Worte von Alfred Komarek geeignet, um die Zeit der Kriege und ihre

Auswirkungen auf das Salzkammergut zu beschreiben: „Den Ersten Weltkrieg hatte das Salzkammergut

mit argen Schrammen, aber einer intakten Identität überlebt. Sogar ein ganz klein wenig kaiserlich

ging es noch zu. Der nächste große Krieg hatte auch mit dem letzten Abglanz einer schönen Vergangenheit

Schluss gemacht. Es gab die große Welt nicht mehr, welche die eleganten Luxushotels mit Leben

hätten erfüllen können, und das Salzkammergut der Künstler, der Mäzene, der Bohemiens, der mutigen

Investoren und der unterhaltsamen Bankrotteure war zerflattert. Zurück blieb eine Landschaft, schön

wie eh und je, zurück blieben leere Villen, herrschaftliches Gemäuer, mit dem niemand etwas Rechtes

anzufangen wusste.“

Im April 1949 starb Robert Schodterer an Herzversagen, er erlebte das Wirtschaftswunder der Fünfzigerjahre nicht mehr. Sein Leben

war von den Entbehrungen zweier Weltkriege gezeichnet. Seine Bescheidenheit und das Durchhaltevermögen machten es möglich, dass

sein Sohn Robert, der mit 28 Jahren gegen Taschengeld Geschäftsführer des Witwenbetriebes wurde, das Erbe seines Vaters antreten

und die Goldschmiede aus den Kriegswirren in eine bessere Zeit führen konnte, anfangs noch gemeinsam mit seiner Mutter.

31

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine