145 Jahre Schodterer - Jubiläums-Meisterstücke 2020

schodterer

Meisterstücke-Jubiläums-Festschrift
Goldschmiede Schodterer - Bad Ischl

Ein Auszug aus der damaligen Regionalzeitschrift „Echo aus den Bergen“ lässt vermuten,

warum Engelbert Schodterer diese Entscheidung traf: „Nirgends in der Welt sind die Elemente

der Geselligkeit mehr vorhanden, als in einer Badegesellschaft. Welche Unbekümmertheit trägt

da jede Physiognomie, der man begegnet. Hier geht glücklicher Weise Kunst und Natur Hand in

Hand […]. Daran reihen sich in würdiger Ausstattung die zahlreichen Kaufgewölbe, in denen

ausgestellt ist, was des Menschen Erfindungsgeist ersonnen und seiner Hände Kunstfleiß verfertigt

hat. Nicht in einer bedeutenden Stadt kann man Besseres oder Schöneres sehen.“ Auf seiner

Wanderschaft hatte Engelbert Schodterer viel gesehen und gelernt, sodass er alle Techniken

der Goldschmiedekunst meisterlich beherrschte. Vor allem im sakralen Bereich war er ein

gesuchter Mann.

Nach dem großen Hochwasser 1872, das bis zur Dreifaltigkeitssäule am Linzer Hauptplatz

vorgedrungen war und an der Säule großen Schaden verursacht hatte, wurde er für die

Renovierung der Goldschmiedearbeiten beauftragt. 1875 eröffnete Engelbert Schodterer

sein eigenes Juweliergeschäft im Pfarrhof am Kaiser Ferdinand Platz in Ischl (heute Auböckplatz).

1878 heiratete er seine Cousine Marie Sidonie, Tochter des Schullehrers Franz

Krumpöck aus Mähren.

Ab 1881 stand er seiner neuen Heimat auch als Ratsbürger und Vizebürgermeister mit

Schaffenskraft und Ideenreichtum zu Diensten. Als Wasserreferent wurde er zu einem der

wichtigsten Wegbereiter der „Wildenstein-Hochquellenleitung“ (1895), die auch heute

noch einen großen Teil der Ischler Wasserversorgung bewältigt. Als Dank für diese so wichtige Leistung „hat die Stadt Ischl dem

Juwelier Engelbert Schodterer die Ehrenbürgerschaft verliehen und demselben einen Springbrunnen in den

Garten setzen lassen“, der noch heute an sommerlichen Tagen

seine Funktion erfüllt und die Erinnerung an eine zukunftsweisende

Tat wachhält.

Sein Schaffen wies ein breites Spektrum auf

Im Jahre 1879 erhielt Engelbert Schodterer den Auftrag, die Tabernakel-Türen für den

1878 neu errichteten Hochaltar der Pfarrkirche zu St. Nikolaus anzufertigen. In der

Prohaska Chronik ist dazu Folgendes zu lesen: „Vor dem Krieg weilte in Ischl mit größter

Liebe und Anhänglichkeit Herzog Phillip la Renotiere Ferrari. Der Herzog galt allgemein

als Sonderling, besonders wegen seiner Gewohnheit, unter Kinder Geld zu werfen, weshalb

er heute noch im Volksmunde als ‚Geldausschmeißer‘ fortlebt. Dem Prälaten Weinmayr hatte

Ferrari eine Summe von 12.000 Gulden gegeben zur Erbauung des jetzigen Hochaltars und

Tabernakels in der Pfarrkirche zu St. Nikolaus.“

Die Tabernakel-Türen werden von vier großen Ornamentfeldern und sechs kleinen,

schlichten Feldern, in die längliche Labradorite eingelassen sind, verziert. Mit

Türkisen, Amethysten, Almandinen und Topasen besetzte Zierschrauben verbinden

die handwerklich aufwendige Silberarbeit mit den stahlgefütterten Holztüren. Das

Türschloss ist so geschickt eingearbeitet, dass es einer genauen Kenntnis bedarf, um

es zu finden. Die Mittelspange, die von einem ovalen Badbaradscha (orangefarbener

Saphir) dominiert wird, den die Kirche von einem unbekannten Spender erhielt,

wurde erst später eingesetzt.

In seiner Freizeit engagierte er sich im Gesangverein, im

Kirchenchor, spielte Theater und betätigte sich im Alpenverein.

Die Berge waren von Kindesbeinen an seine Leidenschaft.

Ein silberner Becher, der sich noch immer in unserem

kleinen Privat-Museum befindet, zeugt von seinen Bergfahrten.

So lesen wir: Pernsteinpyramide (1949), Radsteig,

Predigtstuhl und Hütteneck (1866), Rettenkogel, Teuflin

(1882) oder Vormauer und Schafberg (1893) usw.

Mit dem Bau der „Villa Schodterer“ im Jahre 1888, die viele Sommer lang vor allem als „Gästehaus“ für

die zahlreichen herrschaftlichen Kurgäste diente und in den Herbstmonaten ein Treffpunkt für Musikund

Literaturbegeisterte war, schuf er ein Bauwerk, das noch heute zu den schönsten Villen in Bad Ischl

zählt. Seit 2018 wird ein Teil der neu renovierten Villa wieder dem ursprünglichen Zweck zugeführt und

beherbergt Gäste aus aller Welt, die das Salzkammergut besuchen.

Am 18. August 1900 wurde Engelbert Schodterer von Kaiser Franz Josef I. für seine großen Verdienste um das Gemeinwohl mit dem

Silbernen Kaiserbecher und dem Kaiserlichen Verdienstkreuz geehrt.

Für die Anfertigung benötigte Engelbert

Schodterer 181 Tage. An Material verwendete

er 4.765 Gramm Silber, 14 ½ Dukaten

für die Feuervergoldung, 80 Türkise, 8

Amethyste, 8 Topase, 8 Almandine und 6

Labradorite. Der Preis betrug damals 1.845

Gulden, das wären mit heutigen Arbeitsund

Materialpreisen gerechnet rund eine Million Euro, abgesehen davon, dass es keinen

Goldschmied mehr gibt, der alle Arbeitstechniken beherrscht, um so ein Werk zu schaffen.

Wenn überhaupt, würde man mehrere Werkstätten für eine derartige Anfertigung benötigen.

1882 entwarf Engelbert Schodterer den Einband für ein Messbuch, das er gemeinsam mit

seinem Bruder Georg, dem Buchbindermeister, für eine Handwerksausstellung anfertigte

und das „am allerhöchsten Geburtsfeste Seiner Majestät, am 18. August 1882 zum ersten Male

in Gebrauch genommen wurde.“

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