BOOKS Live - Das Buchmagazin

bookslive57194

Die Verführung zum Lesen

Ausgabe 1/2020

www.bookslive.de

Viel zum Lesen,

Stöbern und

Entdecken – für eine

entspannte Lesezeit

Ganz neu –

die informative Plattform

Für alle Liebhaber vielfältiger

Literaturangebote

Erotikromane im Wandel

Junge Frauen und

ihr Selbstbewusstsein

Autoren, die nicht

jeder kennt

Wo man Kostbarkeiten findet

Kurzgeschichten

Was macht einen

guten Krimi aus?

Wir haben AutorInnen

und LeserInnen gefragt

Rund ums Buch

Buchvorstellungen und

Rezensionen

Rätselspaß


www.bookslive.de

Kontakt

BOOKS Live

Bruns Verlagsprojekte · Sabine Bruns

Fehrenbruch 7 · 27446 Anderlingen · Das Büchermagazin

0 47 62 / 18 45 87

+49 173 740 5769


Inhalt · Editorial

Editorial

Inhalt

Liebe LeserInnen,

Inhalt .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3

Editorial . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3

Impressum .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33

n Das Buchmagazin & Netzwerk

Die Angst vor den Worten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4

Schreib Was – das Literaturmagazin aus Österreich .. . . . . . . . . . . . . . . . . 6

n Kurzgeschichten

Blumen für die Damen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8

Vollmond .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9

Das Fenster zur Straße .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12

Ein ungewöhnlicher Name . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20

n Krimi · Thriller

Der Krimi .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22

Was macht einen guten Krimi aus? .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23

Lesermeinungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24

n Erotik

Erotikliteratur damals und heute .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28

Erotikliteratur und Selfpublishing .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31

Hard & Love an der Elbmündung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33

n Historie

Historische Romane .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26

n Autoren & Blogger

Neues aus der Welt der Blogger .............................................. 16

Lesemarathon 2020 .................................................................. 26

n Rezensionen & Leseproben

Lifeline Games ............................................................................. 7

Noch keine Zeit zum Sterben ................................................. 18

Der Wert des Kois ..................................................................... 19

Eiskalter Zorn ............................................................................ 34

n Büchertisch

Neues vom Buchmarkt ............................................................. 21

n Soziales

Zukunft für Steng Hau e.V. ...................................................... 17

n SpaSS & Unterhaltung

Kreuz & Quer · Suchbild ......................................................... 27

Foto: @ Carola Stach

REDAKTION

Sabine Bruns

redaktion@bookslive.de

GESTALTUNG & ANZEIGEN

Carola Stach

anzeigen@bookslive.de

… ein gedrucktes Magazin in Zeiten,

in denen die Welt mehr und

mehr digitalisiert?

Kostenlos verteilen und sich

trotzdem einen hochwertigen

redaktionellen Inhalt leisten? Finanzierung

über Anzeigen bei

Preisen, die jedem ein Inserat

ermöglichen?

„Du bist verrückt. Das wird nichts.

Vertane Zeit ...“, bekam ich zu hören,

wenn ich von meinen Ideen

erzählte.

Doch dann traf ich Carola Stach, und gemeinsam stellten wir

BOOKS Live auf die Beine.

Der Name ist Programm. Bücher sind nicht tot und langweilig. Egal

ob gedruckt, oder als E-Book: Wer liest, betritt neue Welten, fiebert

in spannenden Krimis mit, genießt verträumte Liebesgeschichten

oder heiße Erotik.

Wir wollen die Magie lebendiger Bücher dort nahebringen, wo nicht

danach gesucht wird. Deshalb gibt es das BOOKS Live-Magazin

kostenlos überall da, wo Menschen Zeit haben, hineinzusehen und

sich inspirieren zu lassen.

Nach vielen Monaten mit durchgearbeiteten Nächten, interessanten

Gesprächen und dem Mitwirken toller neuer Freunde ist das erste

gedruckte BOOKS Live-Magazin fertig.

Zu Beginn unserer Aktivitäten war von Corona noch keine Rede.

Als dann der Virus unser aller Leben abrupt veränderte, stand die

Frage im Raum, die Planung des Magazins bis zum Ende des Ausnahmezustandes

ruhen zu lassen, doch wir glaubten daran, dass es

gerade in einer schweren Zeit wie dieser, Ideen und Perspektiven

für danach geben muss.

Vielen Dank allen, die mitgemacht haben und viel Spaß beim Lesen

dieses Heftes!

Wir freuen uns über Feedback, gerne per Mail oder über unsere

Seite bei Facebook.

Herzlichst

Sabine Bruns

Das Büchermagazin ·

Foto: @ Sabine Bruns

3


Inhalt · Editorial

Die Angst vor den Worten –

ein Aufruf zu mehr Mut beim Schreiben!

von Maria Zaffarana

Ein guter Autor ist wie ein Gärtner, der

eine öde Landschaft in eine kleine Naturoase

verwandelt. Wie er mäht und düngt

der Schriftsteller – sinnbildlich – den

Rasen, stutzt Bäume und arrangiert

Blumeninseln. Dadurch erschafft er ein

hübsch akzentuiertes Szenario, das Zuwendung

ein- und Zeit erfordert, damit es

schließlich zu einer Augenweide heranwächst.

Genügt dem engagierten Gärtner

sein Anspruch an die kurzlebige Ästhetik

nicht und er will Größeres, Auffallenderes

erschaffen, wird er das unkonventionelle,

couragierte Spiel mit der Fantasie

bemühen. Dann kombiniert er vielleicht

europäisches mit asiatischem Design,

melangiert klassische und traditionelle

Elemente, um seiner Grünanlage eine

kapriziöse Individualität einzuhauchen.

jeden Esprit. Buchstaben reihen sich vollkommen

entwurzelt und lustlos aneinander.

Sie ergeben zwar Sinn. Doch ihre

Wörter und Sätze, die sie am Ende zusammenzimmern,

wirken wie trockene Äste

eines sterbenden Bäumchens im Wind.

Worte wollen

allerdings glühen,

brennen, berühren.

Worte wollen allerdings glühen, brennen,

berühren. Sie möchten zünden und gezündet

werden zu einer hell leuchtenden

Flamme, um das lodernde Feuer guter Literatur

zu entfachen.

Bahn und entfesselt den Drang, aus den

selbst angelegten narrativen Korsetts auszubrechen:

mit ganz einfachen Mitteln

wie sublimer Provokation zum Beispiel

und eleganter Wort-Jonglage.

Dem eigenen Einfallsreichtum sind dabei

keine Grenzen gesetzt: Ein lakonischer

Erzählduktus wird mit metaphorischer

Bildersprache kombiniert, Groteskes

bruch stückhaft in eine nüchtern gehaltene

Handlung eingeflochten. Völlig

unerwar tete Sprünge, stilistische und inhaltliche

Übersteigerungen und syntaktische

Tabubrüche oder Verfremdungen

können einem kalkulierten Plot ebenfalls

die nötige Würze geben.

V

om Mut zu Neuem

lebt auch die Literatur.

Vom Mut zu Neuem lebt auch die Literatur:

Berührende, ja herausstechende Prägnanz

gilt es zu erschaffen. Vielen Texten

fehlt es dazu jedoch an Eigenwilligkeit, an

Seele! Sie kommen engmaschig wie ein

schmuckloser Wollpullover daher: nach

Mustervorlage gestrickt und damit ohne

Das allerdings geschieht nur, wenn dichterisches

Schreiben eben nicht nur den

vielen handwerklichen Regeln folgt oder

sich fast ausschließlich nach einem vermeintlichen

Zeitgeist richtet. Kunst setzt

voraus, das Vertrauen in die eigenen Ideen

zurückzugewinnen, dabei die Angst

vor dem Neuen zu verlieren mit dem

Ziel, beflügelt und motiviert seinen eingeschlagenen

literarischen Pfad zu finden

und zu erweitern. Einst gegeißelte Kreativität

bricht sich auf diese Weise wieder

Dr. Maria Zaffarana

Fotos: © Maria Zaffarana

4 · Das Büchermagazin


Das Buchmagazin & Netzwerk

Was zunächst wie Störfaktoren anmutet,

fügt sich im Ergebnis sanft in den Text

ein und erhebt ihn dadurch über das Gewöhnliche.

Er wird zu einem lebendigen,

vielschichtigen Werk, in das sich der Leser

hineinfallen lassen kann und an dem

er sich gleichzeitig reiben mag.

Bei europäischen Gärten mit asiatischen

Stilelementen dürfte das durchaus ähnlich

sein.

Kontakt Dr. Maria Zaffarana

Tel. 0 22 36 / 38 79 207

www.KorrektoratLektorat.de

ANZEIGE

Das Büchermagazin ·

5


Das Buchmagazin & Netzwerk

Schreib Was – das Literaturmagazin aus Österreich

Ein Interview mit Andrea Kammerlander

Aus der Idee einer Romanautorin ist ein

Literaturmagazin geworden, das in Österreich

bereits viele begeisterte LeserInnen

gefunden hat.

„Schreib Was“ ist …

Andrea Kammerlander, Schreib Was

Fotos: © Schreib Was

... ein junges Literaturmagazin für alle,

die derselben Leidenschaft verfallen sind:

dem Schreiben und Lesen.

Es bedeutet Literatur in jeder Form – Gedichte,

Romane, Kurzgeschichten, Drehbücher,

Satire, Theater, Märchen, Hintergrundberichte

zum Thema Schreiben

u.v.m.

Das Magazin berichtet über Neuerscheinungen,

Lesungen, Buchpräsentationen,

Buchmessen und Autorenstammtische.

Es präsentiert Interviews, Buchempfehlungen,

Buchzitate, Schreib ratgeber, Schreibtipps,

Buchvorstellungen, Schreibwettbewerbe,

Gewinnspiele u. a.

Autoren, Verlage, Blogger, Leser, Buchhandlungen

und Büchereien werden vorgestellt.

Außerdem wird die/der LeserIn

in jeder Ausgabe mit auf die Reise zu den

schönsten Plätzen Österreichs genommen.

Schreib Was berichtet über künstlerische

Talente und gibt Einblicke in die

Arbeit des Tierschutzvereins Libelle.

Erich Eichler von Tirolis Trendagentur, Bürgermeister Dietmar Wallner, Vizebürgermeisterin Inge

Meixner-Hammer, Andrea Kammerlander, Geschäftsstellenleiter der Sparkasse in Jenbach, Michael Deutsch.

„Schreib Was“ ist …

... frech, jung, bunt, witzig, informativ

und so vielseitig wie seine Autorinnen

und Autoren und hat nur ein Ziel vor Augen

– Ihnen stets eine bunte Vielfalt an

fantastischen Artikeln und interessanten

Neuigkeiten zu präsentieren.

Der steinige Weg …

… einer jungen Zeitschrift

Während wir an der Idee des BOOKS

Live Magazins bastelten, bastelte auch

Andrea Kammerlander an einem Literaturmagazin.

Wir wussten nichts voneinander,

umso mehr interessierte mich ein

Gespräch mit ihr.

Sabine Bruns: Liebe Andrea, du schreibst

seit vielen Jahren Romane. Wie bist du auf

die Idee gekommen, ein Literaturmagazin

zu gründen?

Andrea Kammerlander: Der Wunsch, ein

eigenes Literaturmagazin zu gründen,

wurde bereits 2013 geboren. Ich betreute

auf Facebook eine Literaturgruppe, was

mir großen Spaß machte. Da ich dort

meine Kreativität aber nicht so ausleben

durfte, wie ich wollte, gründete ich meine

eigene Gruppe und nannte sie „Schreib

Was – Literatur aus Österreich – Das Magazin“.

Die Gruppe stieß auf großes Interesse bei

Autoren, Lesern und Bloggern, weshalb

die Mitgliederzahl innerhalb kürzester

Zeit rasant anstieg. Ich lernte viele Autoren

aus Österreich und Deutschland

kennen, die noch nicht so bekannt und

erfolgreich waren und nach einer Möglichkeit

suchten, sich auch außerhalb

von Facebook zu präsentieren. Aus diesem

Wunsch wurde die Idee, ein eigenes

Literaturmagazin zu gründen, ein

6 · Das Büchermagazin


Magazin, das mir und meinen Kollegen

die Möglichkeit gab, uns einem breiten

Publikum in der „Nicht-virtuellen-Welt“

vorzustellen.

Sabine Bruns: Von der Idee zur Umsetzung

ist es ein weiter Weg. Wie bist du

vorgegangen?

Andrea Kammerlander: Anfang 2014 begann

ich nach Absprache mit anderen

Autoren, ein Layout zu erstellen, in das

ich die in der Gruppe geposteten Beiträge

einfügte. Es war schön, zu sehen, wie die

Idee langsam Gestalt annahm. Ich richtete

eine Website und eine Facebook-Seite

ein, versuchte mich in der Anfertigung

eines Titelblattes und holte Kostenvoranschläge

für den Druck ein.

Sabine Bruns: Aber bis zur Verwirklichung

des Printmagazins dauerte es noch

eine Weile?

Andrea Kammerlander: Ja, andere Dinge

verlangten meine Aufmerksamkeit.

Ich arbeitete zwar immer wieder an dem

Projekt, doch private Angelegenheiten,

familiäre Schicksalsschläge und Abgabetermine

für meine Romane brauchten

viel Energie und Kraft.

Sabine Bruns: Und 2019 war es dann endlich

so weit?

Andrea Kammerlander: Ja, im März 2019

schaffte ich es endlich, die erste „Schreib

Was“-Ausgabe zu veröffentlichen. Der

Weg zum Ziel war steinig und vollgepackt

mit traurigen Ereignissen, aber ich habe

nie aufgegeben, an meinen Traum vom

eigenen Literaturmagazin zu glauben.

Sabine Bruns: Wie waren die ersten Reaktionen

bei Erscheinen des ersten Heftes?

Andrea Kammerlander: Ganz toll. Die

dankbaren und lobenden Worte von Autoren

und Lesern bestätigen mir immer

wieder, dass es sich gelohnt hat, die Hürden

zu überwinden und mich immer wieder

aufzuraffen.

Website · Shop & Kontakt

www.schreibwas-dasmagazin.at

office-schreibwas@chello.at

Rezensionen

Lifeline Games · Toni Garber

Gelesen von Sabine Bruns

Ein Abenteuer für alle, die sich

gerne von Büchern auf eine Reise

in die eigene Phantasie entführen

lassen, sagt der Klappentext und ich

bin gespannt.

Simon ist ein dreizehnjähriger Junge,

der im Rollstuhl sitzt und begeisterter

Onlinespieler ist. Mit seinem Avatar Togar

bricht er regelmäßig sämtliche Rekorde.

Nach einer besonders erfolgreichen

Spielrunde erhält er eine Einladung für

die Lifeline Games. Schon bald entdeckt

Simon, dass sein Spiel über Leben und

Tod entscheidet, denn die Lifelines sind

Verbindungen zwischen Spielern und realen

Menschen.

Simon gibt alles, um einem Indianer

im beinahe aussichtslosen Kampf gegen

räuberische Wikinger zu helfen. Doch

zum Glück ist er nicht allein. Er hat einen

neuen Clan: Katta die Blutelfe, der Zwergenprinz

Kelim und ein geheimnisvoller

kleiner Engel.

Toni Garber lebt im oberbayrischen

Peißenberg, ist Softwareentwickler und

hegt eine Leidenschaft für spannende

und phantasievolle Geschichten. In seinem

Buch Lifeline Games hat er beides

zu einem mitreißenden Leseerlebnis

verknüpft. Bereits während ich die ersten

Seiten lese, beginnt die Handlung in

meinem Kopf zu leben ...

Lifeline Games ist ein Jugendbuch,

dass ich auch als grauhaarige Erwachsene

mit Genuss gelesen habe und sehr

gerne weiter empfehle.

Erschienen als

E-Book, gebundenes

Buch und

Taschenbuch.

ISBN 978-1099833618

Das Büchermagazin ·

7


Kurzgeschichten

Blumen für die Damen

von Christiane Kromp

„Monique!“ seufzte Aaron Gerber sehnsuchtsvoll,

als er erwachte. Voller Wärme

dachte er an seine neue Kollegin. Seine

Lippen formten ihren Namen noch einmal,

beinahe unbewusst: „Monique!“ Genüsslich

ließ er sich die Laute auf der

Zunge zergehen wie ein sahniges Stück

Schokolade. Er sah sie vor sich mit ihren

langen blonden Haaren, die wie goldene,

glänzende Flügel über ihren Schläfen lagen.

Ihre schlanke Gestalt schwebte auf

hohen Absätzen durch die Büros und

hinterließ einen blumig-süßen Parfümgeruch,

als ob ein Abbild ihrer Präsens im

Raum zurückgeblieben wäre.

Mechanisch brachte Aaron Bad und

Frühstück hinter sich. Dann brach er

zur Arbeit auf.

Aaron war überpünktlich, aber Monique

kam wie immer ein paar Minuten

zu spät. Aaron ließ sie in sein Büro bitten,

nur um sie sich mit ihrem süßen französischen

Akzent entschuldigen zu hören:

„Mein Auto schprang nischt ahn, tut mirr

la-id!“

In seiner Mittagspause bestellte Aaron

im nächsten Blumenladen einen

Präsentkorb für sie. Da er noch einen eiligen

Termin einhalten musste, schrieb

er Moniques Adresse in großer Eile auf:

Frau M. Leblanc, Beierstr. 12. Auch einen

Brief und einen Flakon ihres Parfüms

ließ er da.

Monique Leblanc war inzwischen

schon auf dem Heimweg und sehr zufrieden

mit sich. Ihr Chef fraß ihr jetzt schon

aus der Hand. Wie dumm Männer doch

waren, dachte sie selbstgefällig. Es war

alles so einfach: Lange blonde Haare, französischer

Akzent, hohe Absätze, ein gutes

Parfüm, und schon konnte sie mit ihnen

machen, was sie wollte! Sie genoss dieses

Machtgefühl mit jedem Tag mehr. Zu

Hause erwartete sie eine Überraschung:

ein Korb stand vor ihrer Tür im 14. Stock.

Freudig hob sie ihn auf und nahm ihn

mit in ihre Wohnung. Als sie den Korb

aber öffnete, entströmte ihm ein so ekelhafter

Gestank nach fauligem Fisch, dass

sie sich beinahe übergeben hätte. Empört

und verärgert warf sie den Korb samt Inhalt

in ihre Mülltonne im Keller. Der Gestank

hing noch lange in ihrer Wohnung

und ihre Laune blieb im Keller.

Am nächsten Tag machte Monique

einen sehr missgelaunten Eindruck auf

Aaron. Um sie wieder aufzumuntern,

fragte er sie: „Wie hat Ihnen denn mein

Geschenk gefallen?“ Diese unschuldige

Frage verwandelte das sanfte Geschöpf

Monique in eine wütende Furie. Rot vor

Empörung kreischte sie: „Sie waren das

also! Finden Sie das witzig?! Ich nicht!“

Erschrocken fragte Aaron: „Habe ich

vielleicht nicht den richtigen Duft ausgewählt?“

Wenn irgend möglich, nahm Moniques

Gesicht jetzt einen noch dunkleren Rotton

an und ihre Stimme klang hysterisch,

als sie schrie: „Nie wieder sollen Sie mir

etwas schicken, hören Sie?“ Jede Wärme

und Zurückhaltung, auch der süße Akzent

waren aus ihrer Stimme verschwunden.

Aaron war verwirrt und tief enttäuscht.

Unmöglich konnte sie sich über sein Geschenk

so geärgert haben. Es musste etwas

im Blumenladen schiefgelaufen sein!

Kurz entschlossen rief er dort an und

fragte, an welche Adresse sein Präsentkorb

gegangen war. „Der ging an Frau

M. Leblanc, Buerstr. 12. Es liegt übrigens

auch ein Brief für Sie hier“, erwiderte die

Blumenfrau.

Verärgert holte Aaron nach der Arbeit

den Brief ab, riss ihn ungeduldig auf und

las:

„Lieber unbekannter Herr Gerber!

Vielen Dank für die Blumen, das Parfüm

Abb.: © Archiv Stach

und den netten Brief. Da ich Sie aber

nicht kenne, nehme ich an, dass sie sich

in der Adresse geirrt haben. Weil Sie mir

aber so viel unerwartete Freude gemacht

haben, lade ich Sie zu einem Kaffee bei

mir ein. Ihre Marion Leblanc.“

Ein netter Brief, fand Aaron und las

ihn noch einmal langsam durch. Jedes

freundliche Wort tat ihm jetzt doppelt

gut.

Monique hatte es sich gerade zu Hause

gemütlich gemacht, da klingelte es an

ihrer Haustür. Als sie mürrisch die Tür

öffnete, grinste das runzlige Gesicht ihrer

Nachbarin durch den Türspalt. „Wissen

Sie zufällig, wo mein Korb mit Fischabfällen

für meine Katzen geblieben ist?“

fragte sie freundlich. „Ach, ihnen gehört

dieser stinkende Korb?! Er ist in meiner

Mülltonne, aber Sie können ihn gerne

wieder haben!“ sagte Monique spitz.

„Ich bitte darum!“ antwortete die

Nachbarin pikiert.

Am Spätnachmittag fuhr Aaron zu

Monique, um das Missverständnis aufzuklären.

Ihre Wohnungstür im 14. Stock

fand er sofort. Auf sein Klingeln öffnete

ihm eine Frau mit unordentlichen blonden

Haaren und einem weißen, nachlässig

geschlossen Bademantel. Ein Handtuch

war um ihren Nacken gelegt. Ihr

ausdrucksloses Dutzendgesicht war noch

nass vom Duschen, ihre Haare seltsamerweise

aber trocken. „Ich möchte Monique

sprechen!“ stotterte Aaron verwirrt. „Moment!“

rief die Frau mit ihm wohlbekannter

Stimme. In die Tiefen der Wohnung

enteilend, zog sie das Handtuch aus ih-

8 · Das Büchermagazin


Kurzgeschichten

rem Nacken und – riss sich dabei eine

blonde Perücke vom Kopf, die ihre raspelkurzen,

schwarzen Haare freigab!

Verstört trat auch Aaron drei Schritte

zurück. Plötzlich schien ihm alles an ihr

so aufgesetzt wie die Perücke: der sanfte

Charakter, der Akzent und auch das aufgeschminkte

Gesicht! Entsetzt über diese

unerwartete Verwandlung trat Aaron panikartig

den Rückzug an, während eine

überraschte Monique ihm nachstarrte.

Nachdem er den ersten Schreck überwunden

hatte, fiel Aaron ein, dass er noch

eine Einladung zum Kaffee in der Tasche

hatte. Er suchte die nächstgelegene Konditorei

auf und kaufte vier Stücke seines

geliebten Apfelkuchens. Dann fuhr er zu

Marion Leblancs Wohnung und läutete.

Diese öffnete ihm und sah ihn zunächst

fragend an. Dann glitt ein verstehendes

Lächeln über ihr Gesicht. „Sie

waren das mit den Blumen?“ Er nickte

nur. Ihre Stimme klang warm und voll.

Blonde, kinnlange Haare umspielten ihr

Gesicht. Sie trat graziös zur Seite, um ihn

einzulassen.

Er genoss ihren Kaffee und sie zeigte

sich von seinem Apfelkuchen begeistert.

Aaron fühlte sich wie in einem schönen

Traum. Und morgens um sieben war die

Welt für ihn wieder in Ordnung.

Vollmond

von Christine Keller

«Vollmond» ist eine Variante der

Geschichte «Mondmetaphern» in

«Rent a Mantra».

Foto: © Carola Stach

Der Mond stand wie ein Punkt am Firmament. Seinem fahlen Schein

zu Ehren, welcher die ganze Wohnung erfüllte, hatte ich alle Lichter

gelöscht. Jetzt saß ich an meinem Laptop und versuchte zu dichten.

Offiziell war ich arbeitslos, doch auch Dichtung ist Arbeit, da stimmen

Sie mir sicher zu, oder?

Irgendwie musste ich die Zeit totschlagen, musste in Schwung bleiben,

denn meine Bewerbungen als Studienabgänger zielten meist

auf Stellen, in denen ich mit meiner Texterfähigkeit brillieren wollte.

Wollte oder sollte, das war die Frage, denn mein Herz schlug

eigentlich in wohl tönenden Jamben und Trochäen und nicht im

Lärm der ungeordneten prosaischen Aneinanderreihung von Wörtern.

Klar, in der Moderne schwinden Versmasse und Reime und

Experimente werden gewagt. Aber Poesie ist immer noch Poesie

und trägt das Verdichtungselement von Erfahrungen in sich.

In dieser Nacht sollte ich in der Tat einige Erfahrungen machen.

Doch alles der Reihe nach. Ich blickte also zu unserem Erdtrabanten

hoch und überlegte, ob ich noch ein weiteres Glas Blauburgunder

einschenken sollte. Es war mir nicht mehr ganz klar, ob es

das dritte oder vierte Glas war. Egal, Sie stimmen mir sicher zu,

dass Wein schon immer ein Hilfsmittel der Poeten war, der armen

wie der reichen, oder?

Darum goss ich fleißig ein in das stilsichere Glas mit rubinrotem

Fuß, eins von diesem Sixpack, einem Erbstück von Tante Frieda. Leider

hatte ich bereits einige Stück zerschlagen. Waren es zwei oder

drei, die in der Glassammlung gelandet waren? Egal.

Praktischerweise befand sich eine Glassammlung gleich neben

dem Haus und lieferte mir gratis und franko während 24 Stunden

eine filmreife Geräuschkulisse. Während andere genervt gewesen

wären, beflügelten mich solche Dinge immer. Egal. Vielleicht war

ich ein klein wenig angetrunken, als ich zu diesem Himmelskörper

hinaufstarrte und er mich so gar nicht inspirierte. Er erschien mir

erneut als abschließender Punkt und nicht wie eine Öffnung in eine

Welt der Sommernachtsträume.

Es war Sommer draußen, denn wenn es nicht klirrte neben dem

Haus in Sachen Glasentsorgung, erfüllte eindringliches Grillengezirp

die lauwarme Luft, die hier am Stadtrand vom leicht vergammelten,

süßlichen Duft der abgemähten Wiesen erfüllt war.

Nein, heute Nacht musste ich meinen inneren Widerstand überwinden.

Ich hatte ja bereits eine erste Zeile geschrieben, nein, gedichtet:

der Himmel bückt sich zu den Düften, die Sterne blinzeln

Na ja, das war schon etwas ungeschickt, finden Sie nicht auch? Immerhin

hatte ich bereits ein Bild gesetzt, ein romantisches dazu.

Doch „Düfte“ war vielleicht des Guten zu viel. Ich befand mich zeitlich

jedenfalls 180 Jahre entfernt von Eichendorff. Besser sollte ich

vom Ammoniak der Überdüngung schreiben oder vom Ozon. Die

Zeit rückte weiter Richtung Mitternacht, nur mein Gedicht blieb bei

der ersten Zeile stehen. Wenn mir doch jemand zu Hilfe eilen würde!

Da! Täuschte ich mich? War ich derart in Gedanken versunken, dass

mich mein Gehirn im Theta-Zustand der Meditation narrte? Jedenfalls

vernahm ich ein leises Pochen an der Wohnungstür. Bevor ich

mich ächzend von meinem Billigdrehstuhl erheben konnte, öffnete

sich die Türe und ein Mann trat ein.

Das Büchermagazin ·

9


Kurzgeschichten

„Ja, hallo, das ist Hausfriedensbruch“, wollte ich sogleich ausrufen.

Angesäuselt wie ich war, kam mir aber das Wort „Hausfriedensbruch“

kaum über die Lippen, also stand der Mann bereits bei „hallo“ neben

mir und starrte auf den leuchtenden Bildschirm des Laptops.

Der Anzug meines Besuchers war zerknittert und wirkte wie aus

dem Brockenhaus. Eine Art Gehrock und eine Halsbinde. Zudem

roch der Typ recht streng. Doch sein Gesicht kam mir bekannt vor.

„Eichendorff“ blitzte mir durch den Kopf. Eichendorff war ein berühmter

Dichter der Romantik.

Vielleicht befand ich mich sogar schon im Delirium der Trunkenheit.

Es war doch nicht normal, dass man Geister herbeirufen konnte?!

Eben klirrte es – nein, nicht von der Altglassammlung – sondern

zwölfmal von der nahen Kirchturmuhr, die sicher bald revidiert

werden musste.

Ich tat, was ich musste und bot meinem Gast ein Glas Wein an.

Das hätten Sie sicher auch getan, nicht wahr? Es würde sich ja

bald zeigen, ob dieser Geist nicht doch aus Fleisch und Blut war.

Ungefragt setzte er sich nun auf meinen bequemsten geflochtenen

Ikeasessel und lächelte mir etwas schmallippig zu. Seine Haare waren

in einer peinlichen Art drapiert und ich hätte ihm gerne die Adresse

meines Frisörs verraten, der mir monatlich den Kopf verschönerte,

dazu gratis, weil ich ihm Buchhaltung und Steuerer klärung

abnahm.

Aber solche Probleme kannte dieser adelige Herr sicher nicht, wobei

auch er seine finanziellen Hochs und Tiefs gehabt hatte, wie

ich aus seinem Lebenslauf wusste.

Er nippte zuerst und schlürfte dann ganz artig seinen Wein. Wenn er

etwas Besseres gewohnt war, dann ließ er es sich nicht anmerken.

Also war er doch kein Geist. Oder pflegte er einfach nach dem Tod

sein altes Trinkverhalten? Tante Frieda, die nicht nur selbst gerne

ein Gläschen gekippt hatte, war auch parapsychologisch bewandert

gewesen und hatte mir einiges über die verschiedenen Stadien

nach dem Tod erzählt. Leider hatte sie mich persönlich nach ihrem

eigenen Tod nur angeschwiegen. Mir schwirrte der Kopf. Vielleicht

war ich einfach nur betrunken – nicht nur vom Wein, sondern auch

von dieser Mondnacht.

„Die Trunkenheit der Mondnacht“, Eichendorff schien meinen Gedanken

zu lesen. Seine Stimme tönte seltsam und wie aus der Ferne. „In

meinem Gedicht Mondnacht“, betonte er, „leben die Bilder. Ihr aber,

mein guter Herr Studiosus, habt sie vollkommen wirr gemischt.“

„Ich arbeite nicht mit Klischees“, wollte ich entgegnen, war aber

nicht sicher, ob zu Eichendorffs Zeiten der Begriff „Klischee“ schon

bekannt gewesen war. Da nahm Eichendorff das Glas in die Hand

und rief in der Art eines Trinkspruchs: „Clemens und Achim müssen

diese Zeile, die ihr gedichtet habt, auch beurteilen!“

Seine Worte waren noch nicht verhallt, als sich meine Wohnungstüre

ohne vorheriges Klopfen erneut öffnete und zwei weitere Gestalten

eintraten. Eine meiner Semesterarbeiten in deutscher Romantik

ermöglichte mir in Bruchteilen von Sekunden in diesen zwei

Gestalten Clemens Brentano und Achim von Arnim zu erkennen.

„Ah, eine deutsche Tischgesellschaft!“ lobte letzterer, worauf ich

spontan eine politisch korrekte Antwort bereit hatte und auch lauthals

zum Besten gab. In der „deutschen Tischgesellschaft“ von 1811

waren nämlich nur Männer mit christlicher Religion zugelassen gewesen.

Meine Antwort, die ich hier nicht in aller Derbheit wiedergeben

will, musste Arnim offensichtlich mit einem Blauburgunderschluck

aus der Kaffeetasse herunterspülen. Ja, ich hatte ihm eine

prosaische Tasse anbieten müssen, da ich scheinbar bereits drei

Friedagläser zerdeppert hatte.

Ich wusste, ich musste nun ein Zeichen geben. Ein eindeutiges, sonst

würde mir das hier bald über den Kopf wachsen. Was ich brauchte,

war praktische Dichterhilfe. Also deutete ich zum offenen Fenster

hinaus zum Nachthimmel.

Bald hatten sich die drei um meine „schreibende Geistermaschine“

versammelt, stießen einander im Eifer zur Seite und konnten schon

artig in die Tasten hauen. Artig. Schon wieder! Mein Wortschatz

ANZEIGE

Christine Keller (*11.8.1959) ist Mutter eines Sohnes

und lebt mit ihrem Mann in der Schweiz.

Sie arbeitete als Lehrerin und studierte Germanistik an

der Universität Zürich. Ab 2000 war sie vermehrt selbstständig

tätig als Farbenforscherin („Die Regenbogenlogik,

eine ganz andere Farbenlehre“) und als sensitive

Lebensberaterin.

Künstlerische Tätigkeiten wie Malerei, Fotografie und

Lyrik begleiten sie durchs Leben. Die beiden Foto-Lyrik-

Bände „Baum-Sommer in Zürich“ und „Baum-Winter

in Zürich“ (Eigendruck, 2000/2001) erlebten mehrere

Auflagen.

2015 erschienen die Parodien „Rent a Mantra“ (Edition

Punktuell, Schwellbrunn), 2017 der Gedichtband „Lass

zwei Kirschen IN ZEITLUPE in Schokokrem fallen“ (Eigendruck)

und 2019 das Romandebüt „Blowing Across“

(Science Fiction, Franzius Verlag) sowie die alternativhumoristische

Sammlung „Lila Märchen gegen den

Blues“ (www.literaturprojekte.com).

Der Zyklus „Lyrik mal Pi – eine Prinzessin hat viele

Gesichter“ verbindet zarte, nachdenkliche und provokative

Seelenbilder. Lassen Sie sich von Christine Kellers

Sprachkunst verzaubern!

Taschenbuch 5,99 €

E-Book 2,99 €

Taschenbuch 12,90 €

E-Book 8,99 €

Gebundene Ausgabe.

Verlagshaus Schwellbrunn (CH) 28 Fr.

ISBN 978-3749477371 ISBN 978-3948464035 ISBN 978-3905724424

10 · Das Büchermagazin


Kurzgeschichten

schien retro zu taumeln und ich taumelte ihm nach aufs Klo, wo

ich meine Blase entleeren und von weitem dem Gestreite zuhören

konnte, ob der Mond nun über dem Wald, dem Fluss oder der Einsamkeit

der Heide erscheinen sollte. – Sollte ich nun für vier Personen

Spaghetti kochen, um für ein weiteres Kontingent an Wein

einen Boden zu legen?

Mich schien der Mond zu verfolgen, denn er leuchtete mir auch aus

einer Ecke des Badezimmerfensters zu. Ich sah, dass er bereits ein

Stück weitergewandert war. Klirr – gerade hinter dem Klokasten

wurde eben eine Flasche im freien Fall und einmal mehr nicht in

eine Containeröffnung entsorgt – was mich aufschrecken und die

Spülung betätigen ließ. – Was hatte ich gleich gedacht? Stimmt: Spaghetti.

Dann ertönte ein anderes Getöse, aber diesmal direkt aus

meinem Wohnzimmer.

Ich eilte dorthin, es schlug eben krächzend eins. War es ein Rabe?

War es die Kirchturmuhr? War ich es, der krächzte, weil ich nichts

mehr sah von diesem illustren Besuchertrio?

Mein Computer? Nein, ich war zwar betrunken, aber der beste aller

Laptops war immer noch fassbar da, ebenso drei Gläser, eine Tasse

und einige Rotweinabdrücke auf meinem Nussbaumtisch (ebenfalls

einem Erbstück, aber nicht von Tante Frieda). Der Drehstuhl

dreht sich noch leicht, wie wenn jemand sehr schnell und heftig

auf gestanden wäre.

Durch das Fenster wehte ein kalter Hauch.

Ach, ich musste mich aufs Sofa legen – zu meinem Gedichtband

aus der deutschen Romantik. Nur rasch warf ich einen Blick auf den

Bildschirm und las folgende Zeilen unter meinem Gedichtanfang:

es küssen sich Lippen

es drücken sich Rippen

es küssen sich Heide und Wald

es freut sich der Mond in runder Gestalt

Sie stimmen mir sicher zu, dass auch Lyriker von Rang und Namen

nicht immer Sternstunden haben, nicht einmal bei Vollmond! Meine

Feststellung beruhigte mich ungemein und ich drückte auf die Speichertaste.

Dann sicherte ich diese vier Zeilen zusätzlich noch auf einem

Stick. Eine Idee hatte in meinem sonst vernebelten Kopf Gestalt

angenommen. In esoterischen Kreisen ließen sich solche Geisterzeilen

nämlich prächtig vermarkten.

Träumte ich bereits oder war es ein Kopf, der schattenhaft am Fenster

auftauchte und in Brentanos Stimme flüsterte? „Nimm Rheinwein

das nächste Mal!“

HIER

könnte Ihre Anzeige stehen!

Kontakt

anzeigen@bookslive.de

0 47 61 / 92 42 088

Spende und werde ein Teil von uns.

seenotretter.de

#teamseenotretter

Anzeige 90 x 45.indd 1 17.05.18 14:27

Das Büchermagazin ·

11


Kurzgeschichten

Das Fenster zur Straße

von Carola Stach

Der Blick zur Uhr machte Nathalie nervös. Spätestens in fünf

Minuten musste sie los, falls sie ihren Bus erwischen wollte.

Wenn das so weiterging, würde sie eines Tages zu spät im Büro

ankommen. Noch 4 Minuten.

Schnell zog sie den linken Schuh an, ohne den Blick von

der Straße zu nehmen, und suchte blindlings den rechten. Ihr

großer Zeh ertastete ihn nach einigen bizarren Verrenkungen

unter dem Korbstuhl. „Aua!“, fluchte Nathalie leise, als sie sich

dabei am Heizkörper stieß.

Der Minutenzeiger bewegte sich längst im Risikobereich, da

sah sie durch das Fenster, wie sich gegenüber die schwere Holztür

öffnete. Ihr Herzschlag beschleunigte sich, als ER auf den

Gehweg trat.

Jeden Morgen sehnte sie diesen Moment herbei, um einen

Blick auf IHN zu erhaschen, wenn er durch die Eingangstür

kam, sich den Anzug glatt strich, seine Tasche in die andere Hand

nahm und eilig in Richtung der nahen Bahnlinie entschwand.

ER war der Mann ihrer heimlichen Wünsche oder zumindest

ein Trugbild davon.

Angefangen hatte es vor knapp zwei Monaten. An einem

Sonnabend stand ein Transporter auf der anderen Straßenseite.

Umzugshelfer trugen gerade ein kleines, gealtertes Sofa ins

Haus, da entdeckte sie IHN. Ein sonnengebräunter, großer Typ

mit dunklem leicht gewelltem Haar. Nathalie schätzte ihn auf

Ende zwanzig.

Mit sicherem Griff schnappte er sich Kartons und trug sie in

einem waghalsig hohen Stapel in das Treppenhaus. Was für ein

Anblick! Unter seinem eng anliegendem Shirt zeichneten sich

die Muskeln ab. Jede Bewegung dieses athletisch gebauten Körpers

registrierte Nathalie mit fast hungrigem Blick. Das geplante

Saubermachen ihres Appartements verkam zur vollkommenen

Bedeutungslosigkeit.

Wie lange sie an diesem Tag mit dem laufenden Staubsauger

in der Hand am geöffneten Fenster gestanden hatte, wusste sie

nicht, als der schöne Unbekannte seinen Blick in ihre Richtung

lenkte. Ertappt! Wie vom Blitz getroffen, zuckte Nathalie

zusammen. Da erst merkte sie, wie faszinierend diese Szene

und vor allem dieser Mann auf sie gewirkt hatten. Ein Kribbeln

zog durch ihren Körper. Ihre Wangen wurden heiß und schnell

wand sie sich vom Fenster ab und ihrer angefangenen Putzaktion

wieder zu.

Eines Morgens sah sie zufällig beim Einpacken ihrer Arbeitstasche

den Adonis aus dem Haus kommen. Sofort prickelte es

erneut in ihren Adern.

So etwas hatte sie bisher nicht erlebt. Das war ein Fremder!

Wieso starrte sie ihm hinterher? In diesem Moment drehte er

sich zu ihr herum.

Seit dem verging kein Werktag, der nicht mit schmachtendem

Blick zur großen Holztür für Nathalie begann, bevor sie

im Eiltempo den Weg zur Busstation nahm. So hatte sie sich

auch heute in diesem Moment verloren und hastete in Richtung

Haltestelle. Sie erreichte die offene Tür des Busses und ließ

sich völlig erschöpft auf die Sitzbank hinter dem Fahrer fallen.

„Das war aber knapp!“, bemerkte er mit einem Augenzwinkern.

Die Strecke fuhr sie seit zwei Jahren und war immer rechtzeitig

da.

Wieso ließ sie zu, dass jeder Morgen von diesem schönen

Unbekannten dirigiert wurde und sie womöglich deshalb eines

Tages verspätet in der Firma ankam. In ihrem Job als Marketingassistentin

waren Pünktlichkeit, Ordnung und gute Organisation

selbstverständlich. Warum brachte sie dieser Mann dermaßen

aus dem Konzept?

„Aaahh“, stöhnte sie bei diesem Gedanken. Die Frau neben

ihr schaute erschrocken aus ihrer Zeitschrift auf. „Ist alles okay

bei Ihnen? Sie haben ja einen knallroten Kopf!“

„Doch, doch! Alles okay“, erwiderte Nathalie und wollte auf

keinen Fall unangenehm in Erscheinung treten. Wieso ließ sie

zu, dass ein völlig Unbekannter ihren geplanten Tagesablauf

Bildmontage: © Carola Stach

12 · Das Büchermagazin


Kurzgeschichten

durcheinanderwirbelte? Sie musste sich eingestehen, dass sie

während ihrer Arbeit oft an ihn dachte.

Was hatte dieser Mann an sich, dass sie fesselte? Dabei wusste

er nicht einmal von ihrer Existenz, weil sie sich sorgsam jeden

Morgen hinter dem blickdichten Vorhang versteckte, um

winzige Sekunden den Anblick zu genießen, den der Schönling

bot. Diese gelackten Anzugträger mochte Nathalie überhaupt

nicht, eher Typen in Jeans, sportlich, kräftig, die gefahrlos ein

Werkzeug zur Hand nehmen … und natürlich etwas reparieren

konnten, egal, was kaputt war.

„Na, ist das nicht ihre Station?“, brummte der Busfahrer, der

sich ihr hinter der Glasscheibe zuwandte.

„Scheint nicht unbedingt Ihr Tag zu sein“, lachte er und griff

wieder zum Lenkrad. Nathalie schoss die Röte in die Wangen.

Schnell erhob sie sich und rannte zur Tür. Beim Aussteigen rief

sie dem Busfahrer ein „Danke!“ zu, bevor sie den restlichen Weg

zur Firma einschlug.

Sie hatte es geschafft und schlug die Wohnungstür beruhigt

hinter sich zu. Der Tag war mit allen Meetings und Telefonkonferenzen

unter Erfolg zu verbuchen. Nathalie freute sich auf die

Dusche, den entspannten Feierabend und das Wochenende. Zwei

freie Tage, für die sie allerdings keinen besonderen Plan hatte.

Auf dem Weg ins Bad sah sie im Flur das Telefon blinken. Ein

Anruf von ihrer Mutter, die sie auf dem Anrufbeantworter um

Rückruf bat. Sie liebte ihre Eltern, doch war sie genauso froh gewesen,

als sie aus der familiären Enge ausbrechen und sich diese

Wohnung mieten konnte, frei von der erdrückenden Fürsorge.

Die Dusche war eine Wohltat. Im kuscheligen Sweatshirt hatte

sie sich auf dem Sofa bequem ausgestreckt und strich sich eine

lange Locke ihres nassen Haares hinter das Ohr, bevor sie zum

Telefon griff. „Hallo Papa“, klang Nathalie erfreut, ihren immer

ausgeglichenen Vater am anderen Ende der Leitung zu haben.

„Hallo mein Liebling. Ach, da ist schon deine Mutter. Sie wollte

dich dringend sprechen. Na, dann tschüss und bis Morgen“,

beendete er das einseitige Gespräch.

Morgen, Sonnabend? Hatte sie etwas Wichtiges vergessen?

Sie musste nachher in den Kalender schauen. Doch schon vernahm

sie ein Knistern in der Leitung, bevor sie die hektische

Stimme ihrer Mutter hörte. „Oh Kind, gut, dass du gleich anrufst!

Ich bin hier noch am planen und morgen muss ich den

ganzen Einkauf mit Papa machen! Da ist noch so viel vorzubereiten

und ich muss alles sauber machen. Papa muss auf jeden

Fall noch den Rasen mähen und …“

„Mama, was ist denn bloß los?“, unterbrach Nathalie.

„Na, das Grillfest, das hatte ich dir doch schon vor Wochen

erzählt. Dabei hast du mir immer noch nicht gesagt, welchen

Salat du mitbringst“, klang es aufgeregt und vorwurfsvoll.

Ups, das hatte sie total vergessen. Die komplette Gartenparty

war ihr entfallen. Dabei war das für ihre Mutter der jährliche

Startschuss in die beginnende Sommersaison.

„Was machst du denn für einen Salat? Ich habe hier schon

Verschiedenes vorbereitet und auf meiner Liste stehen noch

einige ...“

„Ich mach den Frühlingssalat, den du so gerne magst“, fiel

Nathalie ihrer Mutter erneut ins Wort. Wahrscheinlich war sie

sonst nicht zu stoppen.

„Aber mach dich diesmal besonders chic“, änderte sich plötzlich

der Tonfall ihrer Mutter. Geradezu verschwörerisch klang

es aus dem Hörer „weiß du, es kommt noch jemand, den du

unbedingt kennenlernen …“

„Mama, jetzt reicht‘s!“ Genervt von den Verkupplungsversuchen,

hatte Nathalie einige ungezwungene arrangierte Familientreffen

über sich ergehen lassen müssen.

„Ich bin keine alte Jungfer, die unbedingt einen Mann abkriegen

muss … und schon gar nicht einen, den mir meine Mutter

ausgesucht hat!“

Sie drückte die Verbindungstaste und schmiss das Telefon an

das andere Ende der Couch. Tränen liefen ihr über das Gesicht.

Ihre Mutter meinte es ja gut, aber diese Art der Verkupplungstaktik

ging ihr auf die Nerven. Zwar war sie mit ihren 25 Jahren

kein Mauerblümchen, doch hatte sie es trotz ihres guten Aussehens

bisher nicht geschafft, eine längere Beziehung zu führen.

Sie war attraktiv, wie ihr die Blicke der Männer immer wieder

bestätigten. Ihr sonst so extrem ruhiges und zurückhaltendes

Wesen hatte aber eher abschreckend auf das andere Geschlecht

gewirkt. Oder sie war als einsames Opfer zurückgeblieben, kam

ihr ein verbitterter Gedanke. So heftig war Nathalie noch nie mit

ihrer Mutter aneinandergeraten. Es tat ihr leid und schon überlegte

sie, ob sie nochmals anrufen sollte, als das Telefon hinter

dem Sofakissen summte. Sie griff schnell danach. „Mama, ich ...“

„Nein, ich bin‘s“, hörte sie die beruhigende Stimme ihres Vaters.

„Was war denn eben los?“, wollte er wissen, nachdem seine

Frau weinend in der Küche verschwunden war.

„Ach Papa, ich will nicht immer verkuppelt werden!“, antwortete

Nathalie ebenso tränenreich.

„Sie meint es doch nur gut. Und du weißt, wie aufgeregt sie

immer mit ihrer Gartenparty ist. Dabei erleben wir das doch

jedes Jahr wieder“, lachte er. „Und nun hat sie seit ein paar Wochen

diesen netten jungen Kerl als Kollegen in der Bank. Sie

hat ihn zusammen mit den anderen eingeladen. Die kommen

doch auch immer. Da meinte sie, ... na, du weißt schon.“ Ein

leises Schnaufen war zu vernehmen. „Nimm es ihr nicht übel

und komm bitte her, ja?“

Selbstverständlich würde Nathalie ihre Eltern nicht enttäuschen

und das obligatorischen Grillfest besuchen. Sie wusste,

wie viel es besonders ihrer Mutter bedeutete. Nach dem Versprechen,

auf jeden Fall pünktlich da zu sein, verabschiedete sie

sich von ihrem Vater. Ein sehnsuchtsvoller Blick in Richtung

einer schweren Holztür erleichterte den Abend nicht wesentlich.

Das Büchermagazin ·

13


Kurzgeschichten

Eine schlaflose Nacht lag hinter Nathalie. Schlecht gelaunt

stand sie an ihrer Küchentheke und schrieb den Einkaufszettel,

den sie mit den Zutaten für den Frühlingssalat ergänzte.

Der Einkauf war schnell erledigt. Am frühen Morgen waren

nur wenige Leute in dem kleinen Markt unterwegs, in den sie

gerne ging. Dort gab es viele frische regionale Produkte im Angebot,

die sie besonders mochte. Mit ihrem vollen Einkaufsnetz

wäre sie zwar am liebsten gleich zurück nach Hause, schlug aber

kurz entschlossen den Weg zur Bahnstation ein, um die Fahrkarte

für den Nachmittag zu kaufen. Onlinebuchungen lehnte

sie ab, seit ihr Handy einmal bei der Kontrolle keinen Empfang

hatte.

Zufrieden steckte sie das Ticket in die Tasche. Da traute sie ihren

Augen nicht. Wenige Meter entfernt, an der Ecke zur Gepäckaufbewahrung,

stand der Traummann aus der Nachbarschaft.

Nathalie war total überrascht. Voller Aufregung überlegte

sie, wie sie die Situation für sich nutzen könnte. Diese Chance

durfte sie nicht ungenutzt verstreichen lassen, um den Mann

anzusprechen. Aber was sollte sie ihm sagen?

Ihre Gedanken sortierten sich noch, während sie den ersten

Schritt auf ihn zuging. Das Versteckspiel am Vorhang ihres

Fenster musste ein Ende finden, bevor ein morgendliches Beobachtungsritual

daraus wurde. Fest entschlossen ging sie weiter,

als sie direkt hinter den breiten Schultern des vermeintlichen

Zielobjektes die gut aussehende, elegante Frau entdeckte, die an

einem der Gepäckfächer stand. Nathalie schnappte die angefangene

Unterhaltung auf.

„... den Makler angerufen. Er meint, dass die Renovierung

bald abgeschlossen ist und wir dann endlich einziehen können.

Wird auch Zeit, oder?“ Mit diesen Worten drehte sich die Frau

zu einem Jungen von geschätzten sechs Jahren um, der mit den

verdrehten Trägern seines bunt bedruckten Rucksacks kämpfte.

Ein glückliches Lächeln, das eine Zahnlücke entblößte, strahlte

den Traummann an. „Und dann baust du mit mir die Hundehütte

für Max, ja? Das hast du mir versprochen!“

„Aber klar, mein Großer! Max soll es doch auch schön haben,

wenn er im Garten spielt.“ Nathalie vernahm eine angenehme

tiefe Stimme, die sich gleich änderte.

„He, können Sie nicht aufpassen?“ Das klang verärgert. Sie

merkte erst jetzt, dass sie weiter gegangen war. Dabei hatte sie

das Objekt ihrer Träume angerempelt. Mit leicht geöffnetem

Mund, stand sie ziemlich irritiert da und stammelte „E... Entschuldigung!“,

bevor sie sich panisch umdrehte und den Rückzug

antrat.

Beschämt und ohne einen klaren Gedanken zu fassen, war

Nathalie wieder in ihrer Wohnung angekommen. Was hatte sie

sich denn bloß dabei gedacht? – Eben nichts! Wie eine dumme

Kuh war sie drauflos marschiert und hatte sich als genau diese

blamiert bis auf die Knochen! Dämlich traf es eher, dachte sie

voller Groll gegen sich. Diese Enttäuschung! Klar, dass ein so

toller Mann nicht alleine war. Was hatte sie erwartet? Einen

wunderschönen Junggesellen, der ausschließlich auf sie wartete,

... dazu auch noch in der Nachbarschaft? Wie idiotisch sie

sich verhalten hatte, ging ihr wie eine schwere Bleischnur durch

den Kopf.

Das Netz mit dem gesamten Einkauf lag als trauriges Stillleben

auf dem Küchentresen und passte zur Gewitterstimmung

in dem Appartement. Es war nicht sonderlich sanft dort gelandet

und mindestens ein Ei war dem aufgestauten Frust zum Opfer

gefallen. Das Eiweiß kroch zäh durch die Fäden des Netzes und

verteilte sich wie in Zeitlupe auf der Arbeitsplatte. Erst als ein

großer Tropfen auf den Boden platschte, bemerkte Nathalie das

Malheur. Sie nutzte es als Startschuss zum Wohnungsputz, für

die Zubereitung des Salats und raffte sich aus ihrer Lethargie auf.

Vielleicht hatte ihre Mutter recht, dass sie es allein nie zu einer

richtigen Beziehung schaffen würde. Die Enttäuschung nagte

an ihr, während sie das Gemüse in eine Schüssel schnippelte.

Die Wohnung war geputzt wie lange nicht. Die frisch gewaschene

Wäsche hing bereits im Schrank. Und Nathalie sah nach

einer Dusche um einiges erholter aus und fühlte sich wesentlich

besser. Aus dem Frust des Morgens hatte sie jede Menge Energie

gewonnen, viel geschafft und drehte sich nun vor dem großen

Spiegel, zufrieden mit dem, was sie darin erblickte.

Der Weg zur Bahnstation war weniger angenehm. Zum einen

dachte sie an die Blamage in der Bahnhofshalle und zum anderen

wurde die Schüssel mit dem Salat mit jedem Meter schwerer. Ihr

Schritt verlangsamte sich ständig, sodass sie den ersten Zug verpasste

und eine Viertelstunde auf den nächsten warten musste.

Zum Glück dauerte die Fahrt nicht lang und der Weg zu ihren

Eltern war nur zwei Querstraßen vom Bahnhof weg. Die totale

Idylle eines hübschen Vorortes, mit viel Grün, für Nathalies Geschmack

allerdings zu spießig. Ihr Vater umarmte seine Tochter

liebevoll, nachdem er sie von der Last der schweren Salatschüssel

befreit hatte. Da kam ihre Mutter durch die Terrassentür.

„Ach Kind …“, schluchzte sie gleich los.

„Mama, es tut mir leid.“ Weiter kam Nathalie nicht. Denn

ihre Mutter legte ihr den Finger auf den Mund, wie sie es früher

oft getan hatte.

„Alles gut!“ Damit führte sie Nathalie am Arm in den Garten,

wo unzählige Gäste am großen runden Grill anstanden. Erst

als der Duft von gebratenem Fleisch und leckerem Gemüse zu

ihr herüberwehte, merkte Nathalie, welchen Hunger sie hatte,

nachdem sie heute noch keinen einzigen Bissen essen konnte.

Sie stürmte mit Messer und Gabel bewaffnet auf ihren Vater

zu, der ihr mit einem Teller in der Hand zuwinkte.

„Au!“, hörte sie eine tiefe Stimme verärgert neben sich. Ohne

nach links oder rechts zu schauen, war sie ihrer Nase gefolgt.

14 · Das Büchermagazin


Kurzgeschichten

Vor Schreck ließ sie fast das Steakmesser fallen, mit dem

sie den vor ihr stehen Kerl malträtiert hatte. Sie sah auf einen

breitschultrigen durchtrainierten Körper, der in Jeans und

schwarzem Shirt steckte und sich in dem Moment erschrocken

herum drehte.

Nein! Der schöne Mann aus der Nachbarschaft! Die Fragen

in ihrem Kopf überschlugen sich ...

„Nathalie, … ach, ihr habt euch schon kennengelernt?“, fragte

ihre Mutter etwas erstaunt. Keine Antwort. Nur verstörte oder

verärgerte Blicke.

„Das ist mein neuer Kollege Fabian, der seit Kurzem wieder

hier wohnt.

„Aber ...“, stotterte Nathalie, während sie diesen Adonis geradezu

anstarrte.

„Heute Morgen?“, hörte sie diese tiefe Stimme. „Das war meine

Schwester, die sich mit ihrer Familie ganz in der Nähe ein

Haus gekauft hat.“ Dabei zwinkerte er ihr verschwörerisch zu.

„Was machst du eigentlich sonst so, wenn du niemanden

anrempelst, fast mit dem Messer aufspießt ... oder vom Fenster

her heimlich beobachtest …?“

Mit einem unglaublichen Lächeln um die Mundwinkel schob

Fabian die sprachlose Nathalie zu einem Tisch. „Ich glaube, wir

haben uns sehr viel zu erzählen!“

ANZEIGE

Das Büchermagazin ·

15


Autoren & Blogger

Neues aus der Welt der Blogger

von Sabine Bruns

In den letzten Jahren hat sich innerhalb

der Sozialen Netzwerke eine Community

gebildet, von der Bücherfreunde, die sich

ausschließlich im stationären Buchhandel

ihre Bücher kaufen, nichts mitbekommen.

Die Rede ist von Bloggern, die sich auf

das Rezensieren von Büchern spezialisiert

haben.

Ein Blog ist eine Website, auf der der/

die InhaberIn mittels regelmäßiger Artikel

über Neues aus seinem/ihrem Bereich

informiert, dabei aber nicht objektiv ist,

sondern seine/ihre persönliche Meinung

weiter gibt.

BuchbloggerInnen sind in erster Linie

leidenschaftliche LeserInnen. Sie suchen

den Kontakt zu Verlagen und Autoren und

bekommen Rezensionsexemplare neuer

Bücher.

Ein Blogger liest ein Buch und gibt dann

innerhalb einer Rezension seine Meinung

wieder.

Für Leser und Leserinnen

sind Bücherblogs eine tolle

Möglichkeit, sich über Neuerscheinungen

zu informieren.

Foto: © Stefanie Brandt

Im stationären Buchhandel sieht man

nur das, was im Regal steht. Ein(e) BuchhändlerIn

kann nicht alle Bücher anbieten,

die es gibt, denn er/sie hat nur begrenzten

Raum zur Verfügung. Er/sie

muss also eine Auswahl darüber treffen,

welche Bücher er/sie verkaufen will und

nur die sieht auch der/die Leser(in), der/

die im Laden nach neuem Lesestoff sucht.

Im BOOKS Live Büchermagazin

stellen wir Blogger

vor und in unserem Netzwerk

auf www.bookslive.de finden sich

die Internetseiten von Bloggern.

Wenn ein(e) LeserIn jedoch die Seiten von

Bloggern im Internet kennt, wird das Angebot

sehr viel größer, denn Blogger lesen

auch Bücher von Selfpublishern und

kleinen Verlagen, die es nicht in die Regale

der Buchhandlungen schaffen, aber

sehr wohl über den Buchhandel bestellt

werden können.

Heute haben wir uns mit Stefanie Brandt

von www.steffis-buchecke.de unterhalten.

Steffi ist 37 Jahre jung, wohnt im Norden

von Thüringen, ist Single und hat keine

Kinder. Der Blog ist ihr Hobby. Ihr eigentlicher

Beruf ist medizinische Fachangestellte,

den sie allerdings seit vier Jahren

aus gesundheitlichen Gründen nicht

mehr ausübt. Seit einem Jahr ist Steffi im

Nebenberuf selbstständige Buchkorrektorin,

was ihr viel Freude bereitet.

Kontakt

Steffi hat ihren Buchblog im Jahre 2016

gegründet. Es war eine Spontanidee.

Sie hat sich nicht auf ein Genre festgelegt,

sondern liest neben Liebes- und Erotikromanen,

BDSM, Dark Romance, auch

Thriller, Kurzgeschichten und Fantasy.

Für ihre Blog-Aktivitäten kommuniziert

Steffi mit Verlagen und Autoren. Hierbei

wird auch gern über einzelne Passagen

von Buchinhalten diskutiert.

„Was machst du, wenn du ein Buch gelesen

hast, was du total mies fandest. Ist

dir das schon mal passiert?“, fragen wir

während des Gesprächs. Sie lacht.

„Aber klar ist mir das schon einmal passiert.

Wenn ich es rezensieren muss,

schreibe ich dem/der AutorIn eine Nachricht,

wo ich demjenigen meine Meinung

dazu mitteile.“

Die Belohnung ihrer Arbeit als Bloggerin

ist für Steffi vor allem das Feedback von

Lesern und Autoren. Es macht großen

Spaß, sich miteinander auszutauschen.

Manche Autoren kommunizieren nicht

mit ihren Lesern, weil sie meinen, alles

besser zu wissen. Dies ist Steffis Erfahrungen

nach nicht zeitgemäß, denn über

die sozialen Netzwerke ist die Kommunikation

miteinander selbstverständlich

geworden, was auch Autoren sinnvoll

nutzen sollten, anstatt sich in ihrer Ehre

gekränkt zu fühlen.

Was wünschst du dir für deinen Blog, Autoren

und Leser?

Ich wünsche mir ehrlich gesagt mehr Zusammenhalt

zwischen Blog, Autor und

Leser. In den meisten Fällen klappt das.

Stefanie Brandt

www.steffis-buchecke.de

16 · Das Büchermagazin


Inhalt · Editorial

Fotos: © Steng Hau e.V.

Zukunft für Steng Hau e.V.“ –

Hilfe zur Selbsthilfe in Kambodscha · von Sabine Nerling

Kambodscha: Ein kleines Land, zwischen

Thailand und Vietnam gelegen und in der

Wahrnehmung in Deutschland fast vergessen.

In diesem Land herrschte von 1975

bis 1979 das totalitäre Regime der Roten

Khmer unter dem kommunistischen Diktator

Pol Pot. Ca. 2 Millionen Menschen,

ein Viertel der damaligen Bevölkerung

Kambodschas, verloren ihr Leben durch

Hunger, Folter oder Hinrichtung. Noch

bis zu Pol Pots Tod im Jahr 1998 lebten

die Menschen in Angst und Schrecken,

denn die Roten Khmer versuchten, durch

Überfälle auf Dörfer und Entführungen die

Macht erneut an sich zu reißen.

Von diesem Trauma erholt sich das Land

nur langsam, zumal fast alle Kultur- und

Bildungsträger – Ärzte, Lehrer, Mönche,

Künstler, Beamte, Studierende, ja jeder,

der auch nur seinen Namen schreiben

konnte – den Roten Khmer zum Opfer

gefallen waren.

Doch trotz seiner grausamen Vergangenheit

ist Kambodscha auch ein Land der

Hoffnung. Es hat eine lebensfrohe, herzliche

und sehr junge Bevölkerung mit einem

Durchschnittsalter von ca. 25 Jahren

(Deutschland: ca. 45 Jahre). Und diese jungen

Menschen sind begierig zu lernen und

den Anschluss an den Rest der Welt wieder

zu erlangen. Hierbei wollen wir sie mit Hilfe

zur Selbsthilfe unterstützen.

Es begann im September 2006 mit der Finanzierung

von außerschulischem täglichem

Englischunterricht für eine Klasse

im Distrikt Steng Hau in der Provinz

Sihanoukville. Dieser einen Klasse folgten

schnell weitere – zeitweilig finanzierte

unser inzwischen gegründeter Verein

„Zukunft für Steng Hau e. V.“ sieben Englischklassen

in verschiedenen Dörfern von

Steng Hau, denn der Bedarf ist groß. Aktuell

haben wir fünf Englischklassen.

Seit dem Jahr 2008 haben wir außerdem

ein Stück Land gepachtet, auf dem wir ein

Tageszentrum für die Kinder der Region

eröffnet haben, mit Angeboten zum Spielen

und Lernen in geschützter Atmosphäre,

mit einem Spielplatz und zwei Sozialarbeiterinnen,

die sich um die Kinder

kümmern und in schwierigen Situationen

auch Hausbesuche bei den Eltern vornehmen.

Und natürlich macht die neue Zeit auch

vor Kambodscha nicht halt: Computerkenntnisse

sind enorm wichtig, um in der

modernen Arbeitswelt bestehen zu können.

Daher bieten wir seit Ende 2010 in

unserem Tageszentrum auch täglich zwei

Computerkurse in Word, Excel und PowerPoint

an.

Wer sich intensiver über unsere Arbeit

informieren möchte, kann uns gern kontaktieren:

info@zukunft-stenghau.org

oder sich auf unserer Webseite (www.

zukunft-stenghau.de) und unserem Blog

(zukunftstenghau.wordpress.com) umschauen.

Bitte unterstützt uns dabei, unsere wichtige

Arbeit in Steng Hau weiterzuführen!

Spenden gehen an

„Zukunft für Steng Hau e.V.“

IBAN DE14 2007 0024 0744 1819 00

BIC: DEUTDEDBHAM

Das Büchermagazin Spenden sind von · der Steuer absetzbar.

17


Rezensionen

Noch keine Zeit zum Sterben

Gelesen von Carola Stach

Ute Mahler-Leddin

präsentiert Ihren

Mut-Mach-Ratgeber,

erschienen bei Edition Falkenberg.

Foto: © Sabine Bruns

ISBN 978-3-95494-205-3

Taschenbuch 14,90 €

Ute Mahler-Leddin

Lächeln ist die beste Art, dem

Krebs die Zähne zu zeigen

Ein Tagebuch über die wohl

schwerste Zeit im Leben einer Frau

Diagnose Brustkrebs. Wie soll es für eine 46-jährige,

berufstätige und ehrenamtlich engagierte

Frau weitergehen? In einem schonungslos

offenen Tagebuch hat die zweifache Mutter

alles aufgeschrieben, was ihr nach der Diagnose

durch den Kopf ging, wie die Chemotherapie,

Operationen, Bestrahlungen, Antikörper- und

Antihormontherapien verlaufen sind, …

www.mahler-leddin.de

Das Buch habe ich in Etappen gelesen. Es macht betroffen. Es

macht Mut. Es zeigt einen schweren Weg, den es zu bewältigen

gilt.

Ute Mahler-Leddin, eine starke Frau, die mitten im Leben steht,

wird mit der Erkrankung Krebs konfrontiert, die viele wie aus

dem Nichts mit einer gewaltigen Wucht trifft und aus der Normalität

in ein Vakuum katapultiert. Sie beschreibt anderthalb

Jahre, angefangen vom Schock der Diagnose, über das stufenweise

Begreifen des Befundes, die detaillierten Therapien, die

Operationen und alle Stationen, die sich während dieser Zeit

brutal vor ihr aufbäumen.

Emotional kommen die unzähligen Ängste zum Ausdruck, die

sich um die Krankheit aber auch sehr um die Sorgen drehen,

vielleicht die Zukunft der eigenen Kinder nicht mehr erleben zu

können. Weitere Schicksalsschläge, die zusetzen, die die dringend

benötigte Kraft rauben, unvorhergesehen, nicht planbar.

Das Tagebuch bringt viele Wiederholungen, ein immer wiederkehrender

Tagesablauf, der von Arztbesuchen, dem ständigen

Begleiter Angst, den körperlichen Beschwerden und den gesamten

Begleiterscheinungen der Erkrankung erzählt – und dem

Kraftakt, die sonst so normalen Dinge des Alltags unter höchster

Anstrengung erfolgreich zu meistern.

Die Autorin klärt den Laien durch eigene Erfahrungen über

den Dschungel an medizinischen Fachbegriffen auf. Sie klagt

die häufig erlebte schlechte Organisation in den medizinischen

Praxen an, ebenso die Bürokratie im Verwaltungsapparat. Genauso

werden die positiven Erlebnisse geschildert, die manchmal

geradezu erstaunen ob der Möglichkeiten im zwischenmenschlichen

Kontakt. Der Mensch als Patientenakte oder als

Patient, der wahrgenommen werden möchte mit seinen Fragen

und Sorgen.

Mit einer großen Portion schwarzem Humor schreibt Ute Mahler-Leddin

über die immer häufiger auftretenden „Baustellen“

und stellt sich den großen Herausforderungen, den Tiefschlägen

und kleinen Freuden, die jeder neue Tag mit sich bringt.

Ganz deutlich wird jedoch ihre Enttäuschung über das soziale

Umfeld, das sich bis dato als sogenannter Freundeskreis zeigte.

Der Unterschied zwischen den wenigen verbliebenen echten

Freunden, die sich kümmern, aufmuntern und einfach da

sind und den Bekannten, die sich aus den unterschiedlichsten

Gründen zurückzogen, wird schmerzlich klar. Die Ignoranz tut

weh. Hier greift die Autorin die Bitte an alle auf, die sich damit

angesprochen fühlen, keine Angst oder Hemmungen zu haben,

sondern offen auf Erkrankte zuzugehen. Mit der nötigen Sensibilität

Fragen stellen ist tröstender, als die eigene Verlegenheit

oder Hilflosigkeit als Entschuldigung zu nutzen.

Sie schreibt sehr herzlich „von Freundschaften und noch keine

Zeit zum Sterben zu haben“. Ute Mahler-Leddin macht Mut,

sowohl den Patienten, als auch den Familien und Freunden.

Das Buch endet mit den echten Anfängen der Genesung, dem

wachsenden Optimismus, einigen Rückblicken auf eine anstrengende

und emotional sehr heftige Zeit und dem Blick in die Zukunft,

wie es „nach dem Tagebuch“ weitergeht.

Abgerundet werden die 230 Seiten mit persönlichen „selbst getesteten

Überlebenstricks“ auf dem langen steinigen Weg des

Gesundwerdens.

Ute Mahler-Leddin zeigt viele Facetten und eine Achterbahn der

Gefühle, die mit einer Prise Humor das Lesen leichter machen.

Ich sehe das Buch als Hilfe für alle, die sich dem Thema „schwerer

Krankheit“ im weitesten Sinn stellen wollen oder müssen,

als Ratgeber, wie man mit Betroffenen umgeht und selbst etwas

tun kann, um rundherum das Leben in solchen kritischen Situationen

freundlicher zu gestalten.

ANZEIGE

18 · Das Büchermagazin


Leseprobe

Der Wert des Kois

Leseprobe eines Romans von Daniela M. Fiebig

PR-ANZEIGE

Den neunzehnten Juni sollte es nicht geben.

Wenigstens sollte er übersprungen

werden, wie das dreizehnte Stockwerk eines

Hochhauses und die Sitzreihe dreizehn

in Flugzeugen. Der Tag forderte immer

einen Tribut, und seine Forderung

wurde stetig höher.

Früher begnügte er sich, mir Kopfschmerzen

oder eine Sommergrippe zu

bescheren, doch vorletztes Jahr hatte ich

einen Unfall mit dem Wagen und im vergangenen

Jahr knickte ich auf dem Weg

zur Arbeit um und zerrte mir die Bänder.

Entsprechend meiner Befürchtung

für den heutigen neunzehnten Juni, war

meine Nacht unruhig und von Albträumen

bestimmt. Kurz nach fünf Uhr früh

riss mich einer davon aus dem Schlaf. Ich

wusste nur noch, dass ich im Traum auf

der Suche gewesen war. Keine Ahnung

wonach, aber ich war fast irre geworden,

weil ich »es« nicht finden konnte und

wachte schweißgebadet auf.

Natürlich hatte ich mich längst daran gewöhnt,

dass meine Mutter nicht mehr da

war; ihr Unfall lag schon lange zurück …

Aber an manchen Tagen war ich wieder

so verletzlich wie der von allen verlassene

Teenager, als den ich mich damals sah.

Dabei konnte ich die Gedanken an Mams

Tod doch die meisten Tage im Jahr erfolgreich

ausblenden. Doch an den unvermeidbaren

Feier- und Familientagen, die

mir das Erinnern an die Vergangenheit

aufzwangen, und heute, am Jahrestag ihres

Todes, legte mein Verlust an Gewicht

zu, dass er sich nicht mehr ignorieren

ließ.

Eine Stunde lang quälte ich mich durch

den Tagesspiegel, aber keine einzige Meldung

blieb in meinem Kopf hängen. Trotz

der großen Menge Koffein, die meinen

Puls rasen ließ, war ich noch immer

schlaftrunken, zumindest redete ich mir

das ein. Meiner falschen Logik folgend

nahm ich mir eine weitere Tasse Kaffee,

er schmeckte bitter und brandig, weil der

Espressokocher zu lange auf dem Herd

gestanden hatte. Kalt war er inzwischen

auch. Seufzend goss ich den Kaffeerest in

den Ausguss.

Ablenkung suchend setzte ich mich an

meinen Esstisch, der mir auch als Zeichentisch

diente. Aus dem Kinderbuch-

Manuskript Nanu, der kleine Koi, das ich

für die Autorin Elke Schlupf illustrieren

wollte, wählte ich einen Abschnitt, den

ich bisher vermieden hatte:

Teil I

Nanu entdeckt, dass sein Freund auf der

Seite liegend und mit stumpfen Augen an

der Wasseroberfläche treibt und von einer

merkwürdig aussehenden Fächerkoralle,

die in Wahrheit ein Köcher ist, aus dem

Teich gefischt wird. Nanu zittert und versteckt

sich im Sumpfgras.

Meine Zeichnung sollte die Angst des jungen

Fisches transportieren, ohne bedrohlich

zu wirken. Ich gestaltete die Szene

auf grobem Papier. Mit fahrigen, viel zu

kräftigen Strichen, dass meine Zeichenkohle

unter dem Druck bröselte – und der

Entwurf war hinüber. Verärgert schlug

ich meinen Skizzenblock zu, so ungestüm,

dass ich eine Ecke des Deckblatts

abknickte. Grübelnd strich ich mit dem

Finger über den Knick, der den Werbeaufdruck

verunstaltete. Zeit für Kreatives.

S.N., lautete er. Es waren der Slogan und

das Logo meines Arbeitgebers. Wieder

stieß es mir sauer auf, wie wenig Einfluss

ich bei Nörthens auf die Gestaltung der

Kampagnen hatte. Die engen Vorgaben

ließen meiner Kreativität jedenfalls keinen

Raum. Ich fragte mich immer häufiger,

ob Felix recht gehabt hatte, als er

sagte, ich würde mein Talent verschwenden.

Daniela M. Fiebig

Der Wert des Kois

Ein tragischer Todesfall, eine Reise in die Vergangenheit

und eine bittere Wahrheit.

Nach dem Selbstmord eines guten Freundes sucht Johanna

nach den Gründen für seine Verzweiflungstat und findet

eine schicksalhafte Verknüpfung ihrer Familien.

Ein intensiver Roman über das Verdrängen emotionaler

Last und ein hoffnungsvolles Plädoyer fürs Loslassen.

Eine Leserstimme:

»Ein Buch, das mir auch

nach dem Lesen immer

wieder durch den Kopf ging,

kein leichtes Fast Food,

sondern echte Literatur,

mit Figuren, die bei einem

bleiben.«

ISBN 9783752943986

Taschenbuch 12,50 €

E-Book 5,99 €

www.danielamfiebig.de

Das Büchermagazin ·

19


Kurzgeschichten

Ein ungewöhnlicher Name

von Britta Bendixen

»Wo bleibt mein Essen?«

»Sei nicht so ungeduldig, es ist gleich fertig.«

Rose Palmer reichte ihrer Mutter einen

Brief. »Du hast wieder Post aus New

York. Willst du mir nicht endlich erzählen,

wer diese Meredith Fenworthy ist?“

»Nein, will ich nicht. Das geht dich nichts

an.«

Rose seufzte. »Ich brauche Geld zum Einkaufen,

Mutter. Wir haben kaum noch etwas

im Haus. Ich dachte, ich könnte gehen,

wenn Dr. Jones kommt, um dich zu

untersuchen.«

»Schlag dir das aus dem Kopf. Ich will

nicht mit dem Kerl allein im Haus sein.«

»Mutter, Dr. Jones ist -«

»Du bleibst hier, bis er gegangen ist, verstanden?

Und hol mir endlich mein Mittagessen,

auch wenn es wieder grässlich

schmeckt. Ich verhungere.«

Roses Hände ballten sich zu Fäusten. Sie

verließ den Raum und stieg die schmale,

knarrende Treppe hinunter. Wie sie das

alte Weib verabscheute! Rose war fünfunddreißig

und ihr einziger Lebensinhalt

war die Pflege ihrer herzkranken, streitsüchtigen

Mutter. Den Traum von einer

eigenen Familie hatte sie längst begraben.

»Gib mir die Schatulle«, befahl ihre Mutter

nach dem Essen, an dem sie wie üblich

herumgemäkelt hatte. Rose holte die

Kiste aus dem Nachttisch und legte sie

auf die Bettdecke. Die knochigen Finger

der alten Frau tasteten nach dem Schlüssel,

den sie an einer Kette um den Hals

trug. Rose musste wie immer am Fuß des

Bettes warten, während ihre Mutter ein

paar Scheine aus der Schatulle nahm und

den jüngsten Brief hineinlegte. Nachdem

die Holzschachtel wieder an ihrem Platz

war, gab sie Rose das Geld. »Das sollte

reichen. Aber du bleibst, bis der Arzt gegangen

ist.«

»Natürlich, Mutter. Jetzt ruh dich aus, du

hast doch so schlecht geschlafen letzte

Nacht.«

Dr. Jones kam pünktlich. Er untersuchte

seine Patientin, ermahnte sie, sich weiterhin

zu schonen und verabschiedete sich.

Rose brachte ihn zur Tür.

»Doktor, meine Mutter schläft in letzter

Zeit nicht sehr gut«, sagte sie, als sie dem

Arzt seinen Hut reichte. »Was kann ich

tun? Warme Milch und frische Luft helfen

nicht.«

Dr. Jones überlegte, dann öffnete er seine

Tasche und holte eine kleine Papiertüte

hervor. »Das ist ein leichtes Schlafmittel.

Geben Sie Ihrer Mutter abends eine Messerspitze

davon in den Tee.«

»Danke, Doktor«, sagte Rose.

Auf dem Weg zum Einkaufen kam sie

am Hafen vorbei. Ein gewaltiges Schiff

war eingelaufen. Rose stand staunend

davor, beobachtete, wie Passagiere die

steile Gangway auf- und abgingen oder

sich über die Reling beugten. Sie seufzte

sehnsüchtig. Damit zu reisen war gewiss

wunderbar.

»Wo warst du so lange?«, fuhr ihre Mutter

Rose an, kaum dass sie zurück war. »Ich

habe mich beschmutzt, und das ist allein

deine Schuld.«

Die nächste Stunde verbrachte Rose damit,

das übelriechende Bett und die zeternde

alte Frau zu säubern. Statt auf deren

Vorwürfe einzugehen träumte sie sich

auf das wunderschöne Schiff, das, wie sie

gehört hatte, am nächsten Mittag auslaufen

sollte.

Am Abend gab sie etwas von der Medizin

in den Tee, ehe sie ihrer Mutter das

Abendbrot brachte. Es wirkte, die alte

Frau schlief rasch ein.

Kontakt www.brittabendixen.de

Britta Bendixen, Foto: © B. Bendixen

Als der Arzt ihr das Pulver gegeben hatte,

war ein Plan in Rose gereift. Nun war es

an der Zeit, ihn umzusetzen. Sie wartete

noch ein Weilchen, dann holte sie die Kiste

hervor, suchte vorsichtig im Ausschnitt

des Nachthemds ihrer Mutter nach dem

Schlüssel und öffnete das Schloss.

Mit hämmerndem Herzen eilte sie in die

Küche, setzte sich an den Tisch und hob

neugierig den Deckel an. Endlich würde

sie erfahren, was ihre Mutter vor ihr geheim

hielt.

Mehrere hundert Pfund waren in der

Schatulle. So viel Geld! Rose fand einen

Stapel Briefe und obendrein teuer wirkenden

Schmuck. Sie nahm einen Rubinring

und probierte ihn an. Wie wunderschön

das aussah! Ohne ihn abzunehmen stöberte

sie weiter und entdeckte ganz unten

einen Brief ohne Umschlag. Sie faltete

das Schreiben auseinander und begann

zu lesen.

Kurz darauf brachte sie die Kiste zurück

an ihren Platz. Dann trat sie an das Bett

und betrachtete das im Schlaf so friedlich

wirkende Gesicht.

»Jetzt weiß ich endlich, wer Meredith

Fenworthy ist«, flüsterte sie, griff nach

einem Kissen und drückte es fest auf

Mund und Nase der schlafenden Frau.

Dabei ging ihr wieder und wieder der Inhalt

des Briefes durch den Kopf.

»Geliebte Schwester,

ich danke dir, dass du dich um mein Baby

kümmern willst, wenn ich nach Amerika

gehe. George Fenworthy würde mich

20 · Das Büchermagazin


Büchertisch

niemals heiraten, wenn er von dem Kind

wüsste. Ich werde dir regelmäßig Geld

schicken, du weißt ja, dass mein Verlobter

vermögend ist. Den Schmuck, den Mutter

mir vermacht hat, lasse ich nun dir, damit

du ihn an meine Tochter weitergeben

kannst, wenn sie alt genug ist.

In Liebe, Meredith.«

Endlich nahm Rose das Kissen vom Gesicht

der alten Frau. Sie atmete nicht

mehr.

»Schluss mit den Lügen, Mutter«, sagte

Rose kalt. Dann verließ sie den Raum.

Mit einem Koffer, in dem sich neben Kleidung

auch der Schmuck, die Briefe und

das Geld befanden, stand Rose am Hafen

und holte tief Luft. Ein neues, wunderbares

Leben lag vor ihr.

Während sie die Gangway zu dem großen

Schiff hinaufstieg, betrachtete sie lächelnd

den strahlend weißen Schriftzug

am Bug des Schiffes. Titanic, las sie.

Was für ein ungewöhnlicher Name.

ISBN 9783827195432

Taschenbuch 15,00 €

E-Book 7,99 €

Britta Bendixen

Der Tote im Camper

Ermittlungen zwischen Vorzelt

und Ostseestrand

Die Flensburger Kommissare Andresen und

Weichert haben einen neuen Fall. Auf dem Campingplatz

in Holnis wurde der Wiener Junggeselle

Marlon Schubert tot aufgefunden und beraubt.

Ausgerechnet Kommissar Weichert wird dazu

verdonnert, undercover Nachforschungen anzustellen.

Auf dem Campingplatz macht dem Schöngeist

mit der empfindlichen Haut nicht nur die

Hitze des Rekordsommers schwer zu schaffen ...

www.brittabendixen.de

ISBN 9783960501886

Taschenbuch 14,90 €

Franzius Verlag GmbH

Monica Heinz

Das Zugticket

Anna ist mit ihrem Leben alles andere als zufrieden.

Von ihrem Ehemann und ihren erwachsenen

Kindern kaum noch beachtet, sehnt sie sich danach,

aus dem täglichen Trott auszubrechen. Als sie in

einem Schaufenster eine rote Handtasche entdeckt,

ahnt sie nicht, dass deren Kauf ihr Leben radikal verändern

wird. Denn mithilfe der Tasche verlässt Anna

ihr Dorf und ihren Mann und begibt sich auf eine

turbulente Reise durch die schottischen Highlands,

auf der sie nicht nur neue Freundschaften findet,

sondern auch ein Verbrechen aufklärt und einer

neuen Liebe begegnet. Erhält Anna die unverhoffte

Chance, noch einmal ganz von vorne zu beginnen?

www.monicaheinz.ch

ANZEIGEN

Bettina Lausen

Das Geheimnis der Reformatorin

Sara-Maria Lukas

Liebe atmet Mut

ISBN 978-3-7408-0964-5

Taschenbuch 14,00 €

E-Book 9,99 €

1522: Die Reformatorin Jonata reist zurück nach

Köln, um den Mörder ihres Vaters zu finden.

Auch die Magd Figen hat einst ihren Vater

verloren – weil sie nicht lesen konnte. Um

anderen Frauen solch ein Schicksal zu ersparen,

eröffnet sie eine Mädchenschule. Als sie ihren

Herrn tot auffindet, müssen sie und Jonata

schnellstens den Täter finden, um die Zukunft

von Figens Schützlingen zu retten. Doch bald

ist ihnen die Inquisition auf den Fersen ...

www.bettinalausen.de

ISBN 978-9963539246

Taschenbuch 12,99 €

E-Book 4,99 €

Was passiert, wenn ein Journalist bei der Trennung

von seiner Frau beschuldigt wird, nicht so zu sein wie

die Männer in Liebesromanen? Er wird stinksauer und

macht sich auf die Suche nach der Schriftstellerin

Hanna, die unter dem Pseudonym Romy Scott solche

Romane schreibt. Was als Recherche für eine böse Story

beginnt, löst eine Lawine dramatischer Ereignisse aus,

denn Simon weiß nicht, dass er Hanna in Todesgefahr

bringt, wenn er ihre wahre Identität öffentlich macht.

Und dann ziehen ihn seine Gefühle auch noch unweigerlich

hin zu dieser Frau, die selbst gegen die Geister

ihrer Vergangenheit zu kämpfen hat. Hat Simon seine

Chance verspielt und ihr Vertrauen unwiederbringlich

verloren?

Verlag Bookshouse

Sabine Bruns

Mörderische Psychospiele:

Zwischen Bremen und der Nordsee

Dr. Marianne Skarics

Enneagramm und Hochsensibilität

Die neun Persönlichkeitstypen und ihr Entwicklungspotenzial

ISBN 978-3-96050-173-2

Taschenbuch 16,90 €

E-Book 8,99 €

Norddeutschland. In Hemmoor, einem kleinen

Ort im Elbe-Weser-Dreieck, wird eine seit Jahren

leer stehende Villa abgerissen. Dabei findet

man die Leiche einer lange vermissten Frau.

Lokalreporter Mark Hansen und Redakteurin

Elisabeth (Lissy) Wilhelm aus der Kleinstadt

Zeven recherchieren.

Louisa Kemper, Psychologiestudentin in Bremen,

lässt sich auf ein Experiment zum Thema

Stockholmsyndrom ein …

www.bruns-lukas.de

ISBN 978-3960501701

Taschenbuch 14,99 €

E-Book 19,90 €

Das Enneagramm ist ein sehr altes System zur Selbstfindung

und zum besseren Verständnis unserer Persönlichkeitsmuster.

Es unterscheidet neun grundlegende

Charaktertypen und zahlreiche Untertypen.

Frau Dr. Skarics stellt in diesem Buch das Enneagramm in

seiner ganzen Tiefe und Komplexität umfangreich vor, und

sie verbindet erstmals dessen neun Persönlichkeitstypen mit

der Thematik der Hochsensibilität.

Mit zahlreichen Tipps und Übungen für alle Enneagrammtypen

sowie Zusatzübungen für die hochsensiblen Vertreter

aller Typen stellt es eine wertvolle praktische Lebenshilfe

und Anregung zu persönlichem Wachstum dar.

Als E-Book und Taschenbuch überall im Handel

zu bestellen und bei amazon prime-fähig.

Das Büchermagazin ·

21


Krimi · Thriller

Der Krimi

von Sabine Bruns

Der Begriff Krimi ist die Abkürzung

für Kriminalroman und eins der meistgelesenen

Genres in Deutschland.

Unter dem Sammelbegriff verbergen

sich Gangster geschichten, Polizeigeschichten,

Spio nagegeschich ten. Es

geht um Verbrechen und deren Aufklärung.

Im Allgemeinen geschieht am Anfang

eines Krimis ein Verbrechen. Im Laufe

des Buches ermitteln Polizisten oder Detektive,

wobei der Reiz beim Lesen darin

besteht, mitzuraten. Zum Schluss kommt

es zur Aufklärung.

Bei einem gut gemachten Krimi werden

die Hinweise auf den oder die Täter/Täterinnen

im Buch verteilt, sodass

ein aufmerksamer Leser die Chance hat,

mit dem ermittelnden Kommissar ein Erfolgserlebnis

zu haben, wenn er ebenfalls

auf die richtigen Idee zur Aufklärung des

Verbrechens gekommen ist.

Seit einigen Jahren

erfreuen sich

Regionalkrimis immer

größerer Beliebtheit.

Statt an fremden, unbekannten Orten

finden Verbrechern in der direkten

Nachbarschaft statt, oder in dem Ort, in

dem ich meinen letzten Sommerurlaub

verbracht habe. So entsteht ein ganz besonderer

Lesegenuss, wenn ein Leser

beispielsweise am Nordseestrand in der

Sonne liegt und über einen Mordfall liest,

der genau an dieser Stelle stattgefunden

… hat … oder haben könnte.

Das Genre Krimi hat keine festen

Grenzen. Oft stehen die Inhalte auch

für das Genre des Dramas, wenn es beispielsweise

um Verbrechen geht, bei denen

Familiengeschichten über Generationen

hinweg Einfluss haben.

Auch der Thriller gehört

als Typ zu den

Kriminalgeschichten.

Jedoch ist hier das Verbrechen nicht

„abgeschlossen“ und die Ermittlung steht

im Vordergrund, sondern Opfer und/

oder Ermittler schweben in Gefahr und

die direkte Auseinandersetzung, der

Kampf gegen den „Bösen“ bildet den Höhepunkt

des Buches. Besonders spannend

ist ein Thriller, wenn der Leser bereits

ahnt, wer der Verbrecher ist und

Zeuge wird, wie das Opfer und/oder der

Ermittler weiterhin in Gefahr schwebt, bis

der „Böse“ endlich ausgeschaltet oder

verhaftet werden kann.

Fotos: © Archiv Stach / www.freepik.de

22 · Das Büchermagazin


Krimi · Thriller

Was macht einen guten Krimi aus?

Sabine Bruns im Gespräch mit Alex Winter

Wir wollten in diesem Heft das Thema

Krimi von allen Seiten beleuchten,

wobei natürlich die wichtigsten

Fragen sind: Wann ist ein Krimi gut?

Was braucht ein Krimi, um den Leser

mitzureißen. Wir haben uns mal

umgehört.

Am bekanntesten ist wohl seine Krimireihe

über den australischen Detective

Daryl Simmons, der unter den Aborigines

aufgewachsen ist. Er versteht sich aufs

Spurenlesen, kennt die Überlebenstricks

der Eingeborenen und beherrscht ihre

Jagdtechniken ebenso perfekt wie sie.

Wir haben Alex Winter gefragt, was aus

seiner Sicht als Autor einen guten Krimi

ausmacht. Hier ist seine Antwort:

Spannung von der ersten bis zur letzten

Seite, eine fesselnde, tiefgründige Story

und interessante, authentische Charaktere

sind die Grundpfeiler eines guten

Krimis. Je nach Untergenre – und davon

gibt es beim Krimi viele – gilt es noch weitere

wichtige Stützen einzubauen.

Ein Beispiel: Meine Australienkrimi-

Reihe handeln stets im Outback, dabei

Alex Winter ist Krimiautor und lebt in sind oft australische Ureinwohner in die

der Schweiz. Er absolvierte die Kunstgewerbeschule

in Zürich und arbeitete zubungen

von Landschaft, Flora und Fau-

Fälle involviert. Würde ich den Beschreinächst

in verschiedenen Berufen im In- na und den Sitten und Gebräuchen der

und Ausland, bis er mit der Schreiberei Aborigines nicht genügend Beachtung

anfing.

widmen, ginge die Authentizität verloren

und meine LeserInnen könnten erst

gar nicht in die Geschichten eintauchen.

In einem Politkrimi hingegen sind Landschafts-

und Naturbeschreibungen nicht

von Belang, hier sorgen andere Dinge für

Glaubwürdigkeit und Spannung.

Egal also, ob es sich um einen Regional-,

Ethno-, Polit-, Historien-, Gerichts-,

Sein neuster Krimi erschien im Herbst 2019, „Eisige

Hölle – verschollen in Island“. Ist ein Thriller, in dem

ein Mann seine verschollene Frau sucht.

Alex Website ist zu finden unter: alex-winter.com

Fotos/Abb.: © Alex Winter

Die Australienreihe ist im BOOKSHOUSE Verlag

erschienen.

Jugend- oder Mysterykrimi handelt, er

im australischen Outback, in einem idyllischen

Dorf auf dem Lande, in einer pulsierenden

Megacity oder irgendeinem

anderen Ort auf der Erde angesiedelt

ist, ob seine Protagonisten Polizeibeamte,

Privatdetektive, Agenten, Pathologen,

Anwälte, Geistliche oder zivile Hobbyermittler

sind, weiblich oder männlich, alt

oder jung, Helden, Schurken oder Antihelden,

eins gilt für alle Krimigenres: Dass

die Autoren erkennen, welche Erwartungen

die LeserInnen in das jeweilige Krimigenre

setzten und wie sie diese erfüllen

können.

Die Faszination des Krimis liegt somit

in der schier unendlichen Vielfalt der Verbrechen,

Tatorte und der Protagonisten.

Werden diese fesselnd in Szene gesetzt

und endet der Kampf zwischen Gut gegen

Böse, indem die Wahrheit ans Licht

kommt und der Gerechtigkeit Genüge

getan wird, endet die Geschichte auch

für die LeserInnen als ein Erfolgserlebnis,

das – besonders bei Serien – Lust

auf mehr macht.

Das Büchermagazin ·

23


Krimi · Thriller

Lesermeinungen

Was erwarten Leser und Leserinnen

von einem guten Krimi. Wir haben

bei Facebook eine Umfrage gemacht

und persönliche Befragungen durchgeführt.

Man darf nie erahnen was als Nächstes

kommt. Die Auflösung selbst dann soll

einen kalt treffen.

„Die Lesefreude wird mir verhagelt wenn

keine Spannung aufkommt und man den

Ausgang schon erahnen kann. Außerdem

nerviges Liebesgeplänkel“, schreibt Susi

auf unserer Facebookseite.

Sabrina drückt es so aus: „Was mir die

Stimmung verhagelt wenn ich einen Krimi

oder einen Thriller lese ist, wenn er

zu langatmig erzählt wird und erst ganz

kurz vor Schluss Fahrt aufkommt. Und

wenn das Ende dann nicht so richtig zur

Erzählung passen will.“

„Spannung ist das wichtigste“, sagen alle

Leser, mit denen wir gesprochen haben,

doch da gibt es noch große Unterschiede.

Viele LeserInnen möchten einen Ermittler,

der auf keinen Fall einen langweiligen

Charakter haben darf. Dann

möchten sie mit diesem Ermittler bei

dessen Arbeit mitraten und mitüberlegen.

Enttäuschend ist es, wenn in einem Krimi

ab der ersten Seite Spuren gelegt werden,

denen der Leser mitfolgt, mitdenkt,

mitkombiniert und zum Schluss kommt

dann ein etwas vollkommen aus der Luft

gegriffenes anderes Ende. Die Auflösung

soll überraschend, aber nachvollziehbar

sein.

Viele Leser mögen es, wenn ein Krimi in

einer Umgebung spielt, in der man selbst

nicht lebt, beispielsweise in einem Land,

dass man aus dem Urlaub kennt. Oder die

Story spielt im eigenen Land aber in einer

gesellschaftlichen Schicht, die dem Leser

fremd ist. Das interessante Umfeld macht

den Krimi noch spannender.

Extrem wichtig sind natürlich die beteiligten

Personen, die nicht langweilig, aber

schon authentisch sein müssen. Ist ein

Krimi-Charakter zu unrealistisch, kann

man sein Handeln nicht nachvollziehen

und dann entsteht auch kein Kopfkino

– und das laut einhelliger LeserInnen-

Meinung das Wichtigste für einen guten

Krimi.

Während man sich beim Krimi relativ gefahrlos

auf der Couch beim Lesen dem Raten

hingeben kann, muss ein Thriller so

spannend sein, dass man das Buch nicht

mehr aus der Hand legt und zwischendurch

aufsteht, um zu kontrollieren, ob

die Wohnungstür abgeschlossen ist.

24 · Das Büchermagazin


Krimi · Thriller

Bei einem Thriller spürt man die Angst

und Panik des Opfers, man spannt beim

Lesen den Körper in Fluchtbereitschaft

an oder zieht sich die Decke über den

Kopf, weil es so gruselig ist.

Es gibt nichts Schlimmeres, als einen

Thriller zu kaufen und dann festzustellen,

dass es gar kein Thriller ist, sondern

nur als einer deklariert wurde, um den

Verkauf zu fördern.

Einen guten Krimi

oder Thriller

zu schreiben, ist also

nicht einfach.

Die Schreibtrainerin Anette Huesmann

hat in ihrem Blog www.die-schreibtrainerin.de

einen tollen Artikel zum Thema

Krimi veröffentlicht, der für jeden

interessant ist, der Ambitionen hat,

selber einen Krimi zu schreiben.

Fazit

Ich selber habe, nachdem ich mehrere

Jahre lang romantische und erotische

Geschichten geschrieben habe, in 2019

meinen ersten Thriller geschrieben und

das war sehr interessant. Während man

in einem Roman oftmals nicht von vornherein

eine ganze Geschichte durchplant

und sie auch schon mal eine Eigendynamik

entwickelt, der man als Autorin

folgen kann, funktioniert das beim Krimi

oder Thriller nicht.

Hier ist die Planung vor dem Schreiben

ein elementarer Faktor, der mir so viel

Spaß gemacht, hat, dass ich mich in Zukunft

beiden Genres sehr ausgiebig widmen

werde.

Kontakt Anette Huesmann

www.die-schreibtrainerin.de

„Am Ende eines Krimis sollten die

Leser*innen 1. überrascht sein und 2.

glauben, sie hätten das Ende erraten

können“, schreibt Anette Huesmann.

Das heißt, ein guter Krimi braucht einen

logischen Schluss. Das spiegelt auch die

Meinungen der Leser*innen, die wir gefragt

haben.

Zum Thema Figuren des Krimis empfiehlt

die Schreibtrainerin: „Die Figuren

brauchen eine gewisse Tiefe, sie müssen

interessant sein und ihre Handlungen

glaubwürdig. Das betrifft die ermittelnde

Hauptfigur ebenso wie den Täter.

Um die nötige Tiefe hinzukriegen, sollte

man vorab ein psychologisches und soziales

Profil der Figuren erstellen.“

Auch dieser Aspekt entspricht dem, was

LeserInnen uns erzählt haben. Die Menschen

in der Geschichte müssen echt

sein und das geht nur, wenn der Autor

sein Handwerk versteht.

Bildmontagen: © Carola Stach

Das Büchermagazin ·

25


Historie

Bettina Lausen schreibt historische Romane

von Sabine Bruns

Foto: © Bettina Lausen

Als ich mit Bettina Lausen über ihre Romane

sprach, wurde eins sehr schnell

klar, diese Frau liebt, was sie tut. Wer historische

Romane schreiben will, muss viel

Arbeit, Zeit und Aufwand betreiben, um

zu recherchieren, denn Leser und Leserinnen

sollen in eine längst vergangene

Zeit eintauchen und das Leben und Fühlen

der Menschen in ihrer alten Kultur

nachempfinden können.

Woher beziehen AutorInnen historischer

Romane ihre Informationen?

Bettina Lausen hat Kulturwissenschaften

mit den Schwerpunkten Literatur und

Geschichte studiert, verfügt also über

einen „Pool“ an Grundwissen. Doch das

reicht ihr nicht. Bevor sie sich für ihren

aktuellen Roman an die Tastatur setzte,

hat sie ein Jahr lang recherchiert. Reisen

nach Köln und Wittenberg, Besuche von

Museen und Stadtbüchereien, sowie die

Lektüre unzähliger Bücher waren nötig,

bevor sie mit dem Schreiben begann. Die

Liebe zum Detail ist wichtig, damit die

Welt, in der die Geschichte spielt, für den

Leser / die Leserin lebendig wird, erklärt

sie mir.

Ihr neuer Roman, „Das Geheimnis der

Reformatorin“, erscheint im August 2020

beim Verlag Emons und spielt in Köln im

Jahre 1522. Die Hauptfiguren ihrer Geschichten

sind zwar fiktiv, doch die Welt,

in der sie leben, ist die „echte“ alte Zeit.

Der Klappentext:

Die Reformatorin Jonata reist zurück in

ihre Heimatstadt, um den Mörder ihres

Vaters zu finden. Auch die junge Magd

Figen hat einst ihren Vater verloren –

weil sie nicht lesen konnte. Um anderen

Frauen ein ähnliches Schicksal zu ersparen,

eröffnet sie eine Mädchenschule. Als

sie ihren Dienstherrn mit aufgeschlitzter

Kehle findet, kommt ihr Jonata zu Hilfe.

Schnellstens müssen sie den Täter finden,

um die Zukunft von Figens Schützlingen

zu retten. Doch schon bald ist ihnen nicht

nur die Inquisition auf den Fersen ...

Lesemarathon 2020

Live-Lesungen auf Facebook

Eingefleischte Facebook-Nutzer

wissen es natürlich längst, auf Facebook

kann man auf unkomplizierte

Weise Live-Übertragungen erstellen.

26 · Das Büchermagazin

Seit diesem Jahr nutzen Autoren und Autorinnen

diese Funktion vermehrt, um

Live-Lesungen zu halten. Dies ist für Leser

und Leserinnen eine tolle Möglichkeit, ihren

Lieblingsautoren persönlich zu erleben

oder neue Autoren kennenzulernen.

Live-Lesungen kann man als Facebook Veranstaltung

oder innerhalb von Gruppen organisieren.

LeserInnen haben die Möglichkeit,

direkt Feedback zu geben oder Fragen

zu stellen.

Später kann der Autor die Lesung als Video

veröffentlichen, sodass sie auch im Nachhinein

noch besucht werden kann.

Neal Skye ist Krimiautor beim Bremer Franzius

Verlag und hat im April einen Live-Lesemarathon

organisiert, an dem 15 Autoren und Autorinnen teilgenommen

haben (wie nebenstehend aufgeführt).

Wir haben uns über diese Aktion unterhalten.

Mehr dazu im Video unter http://blog.bookslive.de/

Neal Skye – Das Spanische Schwert,

US-Krimi mit Cherry Loster

Eckard Klages – Beate,

Kurzkrimi aus der teilweise tödlich-Reihe

Yngra Wieland – Der Tanz der Schäfflerin,

Historischer Roman

Linda Marie Haupt – Teil 3 aus Pinselchens großer

Traum, Ostermärchen für Kinder und Erwachsene

Nathalie C. Kutscher – Katzen-Fratzen,

Das pinkesten Buch aller Zeiten

Christiane (Chrissy) Kromp – Netz der Korruption,

Kurzgeschichte aus Sieben Grenzen

Jaden Quinn – Blake McLain: Flucht, Thriller

Ulrike Ritter – Den Träumen ganz nah, Liebesroman

mit viel Turbulenzen

Peter Dumat – Das Labyrinth des Narren,

(Sur)realer Roman

Steintór Rassmussen – Hass stirbt nie, Färöer- Krimi

– Übersetzt und gelesen von Martin Schürholz

Carolin Sandner – Hauen Sie sich auf die Flöte und

singen Sie, Einblicke in den Alltag einer Logo pädin

Jenny Rubus – Redric, Thriller für Young Adult –

gelesen von Detlev Schultz

Roland Blümel – Klassentreffen mit tödlichem

Ausgang, Krimi

Sigrid Wohlgemuth – Ein Stück Süden für dich,

Kreta erleben


SpaSS & Unterhaltung

Kreuz & Quer

VERTIKAL

2. Heilpflanze

3. kostenlos

5. beliebte Freizeitbeschäftigung

7. wohlwollendes Verhalten

gegenüber jemandem

8. Ausgabe eines Buches

9. unweiter Ausspannungsort

10. Art eines Tagebuchs

12. inniges Gefühl der Zuneigung

14. Eigenschaft, vorbehaltlos

ehrlich zu kommunizieren

15. Urheber eines Schriftwerks

19. Nadelbaum

20. schriftliche Druckvorlage

21. Oper von Verdi

23. Singvogel

25. Buchhülle

30. eventuell

HORIZONTAL

1. großer deutscher Dichter

des 18. Jh.

4. Rohstoff zur Papierherstellung

6. lobende Würdigung

11. Überzeugung/Verwirklichung

von ethischen Werten

13. Buchstabe einer

Schreibmaschine

16. zeitlich begrenzte

Anwesenheit an einem Ort

17. Büchersammlung

18. aufrichtig

22. Computer

24. gegenseitiges Verhältnis

der Zuverlässigkeit

26. Monogamie in einer Beziehung

27. sich entspannen

28. Abschnitt eines Buches

29. Achtung gegenüber

einer anderen Person

LÖSUNGSWORTE

Suchbild Finde 10 Unterschiede!

Die Auflösungen finden Sie unter

www.bookslive.de/lesespass-raetsel.html#aufloesung

Das Büchermagazin ·

27


Inhalt · Editorial

Bildmontagen: © Carola Stach

28 · Das Büchermagazin


Erotik

Erotikliteratur damals und heute

Bei Plaisir d‘Amour schreiben Frauen für Frauen

2004 wurde der Plaisir d‘Amour Verlag

gegründet und widmet sich seitdem dem

damals in Deutschland noch unbekannten

Genre „Erotic Romance“, dem erotischen

Liebesroman.

Der Verlag arbeitete von Anfang an mit

deutschsprachigen Autorinnen, die damals

im Unterhaltungsgenre noch unterrepräsentiert

waren, wie Inhaberin

Angela Weiß erzählt.

Innerhalb weniger Monate nach Verlagsgründung

fand der Verlag seine Nische

und einen festen Kreis von Leserinnen,

der sich kontinuierlich vergrößert.

Plaisir d‘Amour ist in vielerlei Hinsicht

Pionier in Bezug auf erotische Literatur

in Deutschland.

Die Romane „Zuckermond“ von Astrid

Martini, „Bestrafe mich!“ von Nina Jansen

und „Liebessklavin“ von Jazz Winter

werden bereits zu den modernen deutschsprachigen

Erotikklassikern gezählt.

Außerdem erschien im Jahr 2005 die

ersten erotischen Vampirromanzen in

Deutschland bei Plaisir d‘Amour, die

übersinnliche Romantik mit explizitem

Sex verbanden.

Schnell wurden große Publikumsverlage

auf Autorinnen und Verlagsprogramm

aufmerksam. Seit 2006 wurden über hundert

Lizenzen an die Großverlage Heyne,

Ullstein, Rowohlt, Mira und den Bertelsmann

Club vergeben, außerdem Hörbuchlizenzen

an verschiedene Hörbuchverlage.

Zahlreiche Autorinnen schafften über

Plaisir d‘Amour den Sprung in die großen

Verlagshäuser.

Der Plaisir d‘Amour Verlag beschäftigt

heute drei feste Mitarbeiterinnen und

mehrere freie Mitarbeiter.

Fragen an Inhaberin Angela Weiß:

BOOKS Live: Wie kam es zur Gründung

von Plaisir d‘Amour? Ihr Verlag war Vorreiter

in vielerlei Hinsicht. Haben deutsche

Frauen vor der Jahrtausendwende

keine erotischen Romane gelesen?

Ich stieß Ende der 90er Jahre auf dieses

Thema, als ich für die deutsche Liebesroman-Website

(die erste ihrer Art, nebenbei

bemerkt) einer Freundin Rezensionen

und Autoreninterviews anfertigte. Ich begann

dann gezielt Verlagsprogramme im

deutsch- und englischsprachigen Raum

nach „frauentauglichen“ Erotikromanen

zu durchforsten und sie auf einer eigenen

Website vorzustellen. Daraus entwickelte

sich eine Eigendynamik. Ich organisierte

von 2003 bis 2013 die Booklover Conference,

die in den ersten fünf Jahren eine

Liebesroman-Convention nach US-Vorbild

(dort die Romantic Times Convention)

war, und sich später in einen Fachkongress

wandelte. Durch die Tätigkeit

für die Bücher-Website und die Veranstaltung

hatte ich so viel Fachwissen und

Kontakte, dass mich eine Bekannte aus

diesem Umfeld eines Tages fragte: „Warum

gründest du eigentlich keinen eigenen

Verlag für erotische Liebesromane?“

Ein halbes Jahr später war der Verlag bei

der zuständigen Gemeinde angemeldet.

Und natürlich haben Frauen vor der Jahrtausendwende

auch erotische Romane gelesen.

Das Kind hatte damals jedoch einen

anderen Namen und man muss etwas

ausholen.

Zwischen Beginn der 60er Jahre und Ende

der 90er gab es als Säulen nur die Genres

Historical Romance (Historischer Liebesroman),

Contemporary Romance (Zeitgenössischer

Liebesroman) und Gothic

Romance (Schauer-Romanze; populärste

Autorinen: Victoria Holt, Dorothy Eden,

Dorothy Daniels, Virginia Coffman).

Heute gibt es – abgesehen von Gothic Romance

– nach wie vor die beiden Säulen

Historical und Contemporary, aber darunter

gibt es unzählige Subgenres, die

in Epochen, Settings oder Themen auf-

Der Verlag Plaisir d‘Amour hat sich auf die Veröffentlichung

romantischer erotischer Romane mit

hohem Qualitätsanspruch spezialisiert.

Das Büchermagazin ·

29


Erotik

gedröselt sind. Der Gothic Romance wurde

hingegen, nachdem er über zwanzig

Jahre überaus erfolgreich war, unpopulär

und ging in andere Genres über, z.B.

Romantic Suspense (romantische Spannungsromane)

oder Victorian Romance,

also in der viktorianischen Ära angesiedelten

Liebesromanen.

„Geboren“ jedoch hat das Erotic Romance-

Genre die britische Autorin Edith Maude

Hull mit ihrem Roman „Der Scheich“.

1919 erschien der Roman um die Britin

Diana Mayo, die in der Wüste von dem

sexy Scheich Ahmed entführt, gefangen

gehalten und vergewaltigt wird (Letzteres

gefällt der Heldin aber ganz gut). Nach

einigem Hin und Her gestehen sich die

beiden ihre Liebe – Happy End.

Der Roman traf den Nerv der weiblichen

Leser ähnlich wie vor einigen Jahren „50

Shades of Grey“. Der Roman wurde zum

Weltbestseller und die Verfilmung machte

Rudolf Valentino, der den Ahmed verkörperte,

zum Star und Sexsymbol.

Damals wurde der Roman als „erotischer

Roman“ eingestuft, auch wenn die Sexszenen

nur angedeutet sind. Aber trotz

allem hat der Roman bis heute seinen

Reiz und beeinflusst die Autorinnen (das

Genre ist in Frauenhand) wissentlich

und unwissentlich. Auch der sogenannte

„Sheikh Romance“ ist bis heute eines

der populärsten Genres im Liebesroman-

Genre – das Strickmuster dieser Romane

ist nach wie vor das aus „Der Scheich“.

Nach „Der Scheich“ passierte jedoch erst

einmal über 50 Jahre gar nichts. Bis dann

Kathleen E. Woodiwiss mit ihren Welterfolgen

„Wohin der Sturm uns trägt“,

„Shanna“ und „Der Wolf und die Taube“

in den 70er Jahren eine wahre Lawine

lostrat.

Hilflose Heldin, mutiger Alpha-Held und

leidenschaftlicher Sex – die Kombination

flutete ab sofort den Buchmarkt! Diese

Art der Romane nannte man fortan im

Englischen „Bodice Ripper“ – also „Miederreißer“

– und im deutschen Verlagssprech

„Nackenbeißer“.

Der Begriff Nackenbeißer entstand durch

die Aufmachung der Bücher: Gemalte Cover

mit halbnackten Menschen in historischen

Kostümen, auf denen der Mann

sich meist über die schmachtende Frau

beugte. Ein häufig gebuchtes männliches

Model für diese Cover war der Italiener

Fabio Lanzoni, der auf mehreren

tausend Covern in den USA abgebildet

ist und dessen alte Cover heute noch von

Verlagen verwendet werden (neulich sah

ich erst wieder ein Cover von ihm bei einem

E-Book-Verlag).

Was wir heute „erotischer Liebesroman“

nennen, waren die sexlastigeren „Nackenbeißer“

in den 70er und 80er Jahren. Abwertend

wurden sie auch gerne mal als

Hausfrauenpornos bezeichnet. Durch die

nach der Jahrtausendwende entstehende

wachsende Subgenre-Vielfalt bei den Liebesromanen

bekamen diese ihre eigene

Nische und konnten sich innerhalb ihrer

Nischen fortentwickeln. Richtig knackigen

Sex und Bad Boys gab es aber auch

schon vor 30 Jahren in den Romanen von

z.B. Shirlee Busbee, Kat Martin oder Johanna

Lindsey.

Was es allerdings tatsächlich nicht gab,

das war das Genre BDSM Romance, also

Liebesromane mit BDSM-Schwerpunkt.

Dieses Genre ist mir erst um die Jahrtausendwende

in den USA über den Weg gelaufen.

Seit „Shades of Grey“ gibt es hiervon

eine große Vielfalt, aber vor 2010 war

das ein Genre, das nur am Rande existierte

und wir waren in Deutschland so ziemlich

die Einzigen, die dieses Genre verlegten.

BOOKS Live: Was muss ein Manuskript

haben, damit Sie es in ihrem Verlag veröffentlichen

möchten?

Wir sind immer auf der Suche nach leidenschaftlichen

Autorinnen, die in dem

Genre Erotic Romance, also erotischer

Liebesroman, und seinen Subgenres schreiben.

Wichtig sind uns aussagekräftige

Exposés und ansprechende Leseproben,

wenn diese es schaffen, uns zu verführen,

steht einer Zusammenarbeit nichts

im Wege.

BOOKS Live: Was möchten Frauen lesen

und was schreckt Frauen ab? Was ist

Erotik und was Porno?

Wahrscheinlich liebt ziemlich jede Frau

es, wenn ihre Fantasie angeregt wird.

Generell lässt sich die Antwort auf die

Frage „Was möchten Frauen lesen“ aber

nicht pauschalisieren, da Geschmäcker

bekanntlich verschieden sind. Was für

die eine Erotik ist, ist für die andere Por-

Für Plaisir d‘Amour schreiben nur Autorinnen, hier

ein Schnappschuss von der Frankfurter Buchmesse

2019. Foto: @ Plaisier d‘Amour

30 · Das Büchermagazin


Erotik

no und umgekehrt. Wir verlegen daher

Romane nach unserem Geschmack, die

sowohl sinnlich als auch ästhetisch und

niveauvoll sind – und unbedingt ein Happy

End haben Eine vulgäre Wortwahl ist

daher ein No-Go.

Uns ist die Lust am Lesen und das daraus

entstehende Prickeln wichtig. Ob eine

Frau dabei explizite Vanilla-Sexszenen

oder lieber harten BDSM mag, überlassen

wir ihr – wir bedienen jedenfalls beide

Geschmäcker.

BOOKS Live: Dark Romance ist ein

neues Genre. Was halten Sie davon?

Viele lieben sie, die Bad Boys, doch was

ist, wenn der Bad Boy wirklich bad ist?

Genau wie viele Leserinnen und Leser finden

auch wir das Thema „Dark Romance“

interessant. Gerade das Verbotene, Düstere

und manchmal auch Brutale in diesen

Geschichten kann ein Prickeln auslösen,

das wir so noch nicht erlebt haben. Der

Fantasie und den Vorlieben sind keine

Grenzen gesetzt, daher ziehen wir bei diesem

Genre ebenfalls keine, zumal Dark

Romance nicht zwangsläufig heißt, dass

es für die Protagonisten kein Happy End

gibt. Da speziell eine unserer jungen Kolleginnen

großes Interesse an dem Genre

hat und sich wünscht, dass wir mehr Romane

aus diesem Genre verlegen, würden

wir uns freuen, passende Manuskripte zu

finden.

Fun Fact: Dark Romance ist kein neues

Genre, sondern diese Romane gibt es

schon seit Jahrzehnten. Teilweise im Genre

Gothic Romance, und teils im Genre

Historical Romance. Eine bekannte Autorin

von Dark Romance-Romanen in den

80er und 90er Jahren war die Historical

Romance-Autorin Katherine Sutcliffe, deren

Bücher in Deutschland leider vergriffen

sind. Doch lohnt sich die Suche nach

alten Exemplaren der Romane „Begierde

kennt keine Grenzen“ oder „Verführung

am Amazonas“. Ihre allesamt sehr düsteren

Romane lassen so manche heutige

Dark Romance-Autorin blass aussehen.

Vielen Dank an Angela Weiß für das

Gespräch.

Erotikliteratur und Selfpublishing

Gespräch mit zwei Autorinnen

Die Frauen, die heute Erotikliteratur

für Frauen schreiben, sind emanzipiert,

selbstbewusst und offen. Sie

schreiben und veröffentlichen, was

Ihnen gefällt und damit haben sie viel

Erfolg. Zwei von Ihnen stellen wir in

diesem Heft vor.

Philippa L. Anderson und Maya Sturm habe

ich auf der Buchmesse Berlin 2019 kennengelernt,

auf der wir zufällig Standnachbarn

waren und uns auf Anhieb gut verstanden.

Maya Sturm wohnt seit 2010 am Stadtrand

von Berlin. „Uns trennen hier vielleicht noch

fünfhundert Meter zu Brandenburg. Wir haben

zwei Kids, zwei Katzen und ein Haus

und fühlen uns hier sehr, sehr wohl“, erzählt

sie. Während die Kids in der Schule

sind und ihr Mann im Büro arbeitet, nutzt

Maya die Zeit zum Schreiben ihrer Romane.

Mayas erstes Buch erschien im Mai 2014,

aber schon davor hat sie viel geschrieben,

Maya Sturm, Foto: © Autorin

ohne jedoch jemandem davon zu erzählen.

„Damals waren Liebes-und Erotikgeschichten

nicht so angesagt und wurden eher belächelt.

Dafür einen Verlag zu finden, war

quasi unmöglich und ich hätte mich im Leben

nicht getraut, mein Manuskript überhaupt

einzureichen“, erzählt sie.

„Aber dann kam Shades of Grey und alles

änderte sich, es gab plötzlich das Selfpublishing

und damit eine gute Möglichkeit zu

testen, ob man überhaupt gelesen wird.“

Inzwischen hat Maya eine Menge Bücher

veröffentlicht, fünfzehn längere Geschichten,

eine Kurzgeschichtensammlung, eine

Novelle und einen Sammelband.

Philippa L. Anderson wohnt ebenfalls in

Berlin. Ihr ganzes Leben dreht sich ums

Schreiben und die bunte Autorenwelt, was

gleichzeitig Beruf, Berufung und Hobby ist.

Philippa arbeitet in ihrer kleinen gemütlichen

Stadtwohnung. Wer aber nun glaubt,

eine blasse, stille Eigenbrötlerin vor sich

zu haben, unterliegt einem Vorurteil, denn

neben der Schreiberei macht Philippa alles

das gerne, was jeder so macht: Freunde

treffen, ausgehen, joggen, lesen, eben ein

ganz normales Leben führen.

„Ich liebe, was ich tue, und ich widme mich

lieber einer Sache mit ganzer Kraft, als zwei

Sachen mit halber“, ist ihr Motto.

Philippa hat bereits während ihrer Schulzeit

erste Schreibversuche unternommen, pro-

Das Büchermagazin ·

31


Erotik

fessionell schreibt sie seit fast zehn Jahren.

Mittlerweile sind über zwanzig Romane und

Kurzgeschichten entstanden.

Schwerpunkte sind bei ihr die Genres Erotic

Romance und BDSM Romance. Philippa

liebt es, wenn ihre Protagonisten neue Erfahrungen

sammeln, ihren Platz im Leben

finden, ihre Leidenschaft entdecken und ihr

folgen. Und natürlich müssen alle Bücher

ein Happy End haben.

Maya schreibt Liebes- und Erotikromane.

Es gibt reine Erotikgeschichten, wie zum

Beispiel die „Hexe á la carté“ von ihr, aber

auch Liebesromane ganz ohne Erotik, denn

es gibt Leser und Leserinnen, die erotische

Szenen in den Liebesgeschichten nicht mögen.

Philippa L. Anderson, Foto: © Autorin

„Am liebsten ist mir aber eine Kombination

aus beidem, denn ich finde, dass gute

Erotikszenen in einen Liebesroman durchaus

hineingehören. Sie müssen nur zur gesamten

Handlung passen und dürfen nicht

aufgesetzt wirken“, sagt Maya, die ihre Geschichten

gern im normalen Alltag ansiedelt.

„Vor den Zeiten des Selfpublishings und der

Digitalisierung waren die Autoren, deren

Bücher man im Buchhandel kaufen konnte,

für den „normalen Menschen“ kaum erreichbar.

Wie Fernsehstars sah man sie nur

auf Fotos oder als BesucherIn einer Lesung,

wenn man sich dafür die Eintrittskarte leistete.

Heute sieht das ganz anders aus.“

„Was ist Eurer Ansicht nach der Unterschied

zwischen moderner erotischer Literatur

und erotischer Literatur im letzten

Jahrhundert?“, frage ich.

Philippa meint, die Zeiträume sind zu groß,

um sie direkt miteinander vergleichen zu

können. Doch einige Faktoren fallen ihr

durchaus auf: „Ich denke, der größte Unterschied

liegt nicht bei den Werken, sondern

bei der Rezeption und den LeserInnen

selbst. So sind heute Themen wie BDSM, die

zuvor eher Nischenthemen waren, plötzlich

im Mainstream angekommen. Außerdem

sind die LeserInnen erotischer Literatur

deutlich jünger als noch vor einigen

Jahrzehnten.“

„Seit Shades of Grey hat sich viel verändert“,

meint Maya. „Man kann von dem Buch natürlich

halten, was man möchte. Aber man

kann nicht von der Hand weisen, dass Erotik

in Büchern danach alltagstauglicher wurde

und sogar in der Öffentlichkeit gelesen

wird. Davor war das eher so eine „unter der

Bettdecke Lektüre“, auch wenn ich denke,

dass es sehr wohl Geschichten gab. Man

denke nur an die „Geschichte der O“, die

damals einen Riesenskandal lostrat, oder

an die ganzen Cora-Heftchen über Wikinger

und Piraten. Ich kann mich noch erinnern,

dass die Mutter einer Freundin einen ganzen

Dachboden voll hatte mit diesen Büchern.

Die Szenen waren allesamt zwar eindeutig,

aber anders beschrieben.“

Wir Autorinnen heute nutzen eine eindeutigere,

vielleicht auch teilweise derbere Sprache

und benennen Dinge eben beim Namen.

Wörter wie „Lustschwert“ sind kaum

noch zu finden. Es ist dann eben einfach der

Schwanz. Was sich aber nicht geändert hat,

ist die Vorliebe für Bad-Boys. Damals war es

der verwegene Freibeuter der Meere, heute

eben das Gangmitglied. Der weiße Prinz in

seiner glänzenden Rüstung war scheinbar

nie so gefragt, auch wenn er für die Prinzessin

den Drachen erlegt. Heute und damals

würden wir wohl lieber mit dem Drachen,

der natürlich ein Gestaltwandler ist, durchbrennen

oder uns, ohne mit der Wimper zu

zucken, von einem Vampir beißen lassen.

Das Dunkle war doch schon immer interessanter.

Nur können wir es heute frei zugeben,

damals sah das sicher anders aus.“

„Wie wichtig ist Euch die Kommunikation

mit euren LeserInnen?“, frage ich Maya

und Philippa.

„Sehr wichtig“, sagt Philippa, „schließlich

sollen meine Geschichten ja am Ende nicht

nur mir, sondern vor allem auch ihnen gefallen.

Persönlich bin ich daher auf Messen

wie der BuchBerlin, der Leipziger und der

Frankfurter Buchmesse zu greifen. Digital

können mich alle jederzeit auf Facebook

oder Instagram anschreiben, mir auf meinem

Newsletter antworten oder mir auch

direkt eine Mail schreiben. Ich antworte in

der Regel am gleichen Tag, und aus einigen

Bekanntschaften sind mittlerweile Freundschaften

geworden. Dazu kommen Storys

in den sozialen Medien, in denen ich mich

immer mal wieder zwischen Tür und Angel

und ganz ungezwungen melde und kleine

Einblicke in meinem Alltag gebe.“

Auch Maya mag es, LeserInnen persönlich

kennenzulernen, steht sehr gerne via Mail,

Facebook, Instagram usw in Kontakt mit ihren

LeserInnen und freut sich über jedes

Feedback. „Weil ich dann einfach ein Gesicht

im Kopf habe, wenn man sich per Mail

oder Chat verständigt“, sagt sie. „Dafür sind

natürlich Messen bestens geeignet.“

Beide Autorinnen sind auf der nächsten

BuchBerlin wieder auf einem gemeinsamen

Stand anzutreffen und ich werde sie ganz

sicher dort besuchen.

Mehr davon?

… in unserem BOOKS Live-TV kann man

sich das Interview mit Maya Sturm anschauen.

– www.bookslive.de/blog

32 · Das Büchermagazin


Erotik

Kontakt Philippa L. Anderson

Website: https://philippalandersson.de/

Facebook: https://www.facebook.com/philippalandersson

Instagram: https://www.instagram.com/philippal.andersson

Amazon: https://www.amazon.de/Philippa-L.-Andersson/e/B00C5K5V52/

Kontakt Maya Sturm

Website: https://maya-sturm.de

Facebook: https://www.facebook.com/autorinmayasturm/

Instagram: https://www.instagram.com/mayasturm/

Amazon: https://www.amazon.de/Maya-Sturm/e/B00K5LSBFK/

Hard & Love an der Elbmündung

Erotikroman mal anders

Impressum

BOOKS LIVE · Das Büchermagazin

Herausgeber:

Bruns Verlagsprojekte · Sabine Bruns

Fehrenbruch 7

27446 Anderlingen

0 47 62 / 18 45 87

redaktion@bookslive.de

UST-Id: DE258734965

Verteilung: an diversen Auslege- und

Verteilerstellen

Redaktion: Sabine Bruns

Fotos: Sabine Bruns,

Archiv Stach-Grafik, Adobe Stock,

Freepik

Satz und Layout: Carola Stach

www.stach-grafik.de

Druck: Karl Schmidt Druckerei

GmbH Humburg Media Group

Haftungshinweis:

Trotz sorgfältiger Inhaltlicher Kontrolle

übernehmen wir keine Haftung

für die Inhalte externer Artikel.

Die Bekanntgabe von Terminen und

Veranstaltungen erfolgt ohne Gewähr.

Alle rechte vorbehalten. Jegliche Vervielfältigung

oder Weiterverbreitung

in anderen Medien im Ganzen oder

eine teilweise Darstellung bedarf der

schriftlichen Zustimmung des Herausgebers.

Anzeigen & Gestaltungsservice:

Carola Stach · www.stach-grafik.de

Wir beraten Sie gerne – kostenlos.

Von der ersten Idee bis zur fertigen

Reinzeichnung helfen wir Ihnen, gestalten

Ihre Werbung und bereiten

Ihnen die entsprechenden Daten für

das gewünschte Medium auf.

Für die jeweilige Dienstleistung kalkulieren

wir Ihnen im Vorfeld ein

entsprechendes Angebot.

Sie wünschen weitere Informationen

und benötigen Beratung?

Melden Sie sich bitte hier:

anzeigen@bookslive.de

Fünf Brüder aus den USA, einer heißer als der andere, erben

einen Resthof auf dem platten Land zwischen Elbe und Nordsee,

da wo den Menschen schon mal ein kräftiger Wind um die

Nase pfeift.

Die Fünf stehen auf fantasiereiche SM – Spiele in der Liebe,

mögen anschmiegsame Frauen und leben ihre Gesinnung auf

pragmatisch humorvolle Weise aus, ohne sich dafür zu schämen,

dass sie einen weiblichen Po gerne spanken, bevor sie die dazugehörige

Herzallerliebste anschließend ins Bettchen befördern.

Im norddeutschen Flachland treffen die Jungs allerdings auf

eher freche weibliche Wesen, deren Sprache sie erst mal lernen

müssen, da „Moin“, „Klei mi doch an Mors“ oder „Dösbaddel“ in

der amerikanischen SM Szene eher unbekannte Ausdrücke sind.

Wer – um Himmels Willen – kommt auf die Idee, Shades of

Grey nach Stade und Otterndorf zu verpflanzen?

Die Autorin, Sara-Maria Lukas, heißt im wirklichen Leben

Sabine Bruns und ist eine echte 58 Jahre alte norddeutsche

Deern. Sie lebt mit ihrem Partner und diversen großen und

kleinen Vierbeinern zwischen Bremen und Hamburg, war zwanzig

Jahre lang als Tierphysiotherapeutin aktiv, hat als Dozentin

gearbeitet, Fachbücher geschrieben und kann Hühnern das

Xylofonspielen beibringen.

Abb.: © Carola Stach

Wie kommt so eine Frau dazu, SM Erotik mit integriertem Plattdeutsch

zu schreiben?

„Ich finde, es ist ein schöner Weg, LeserInnen die Philosophie

einer Welt voller Humor, Toleranz, Mut zur Individualität und

ganz viel Herz schmackhaft zu machen“, erklärt Sabine Bruns.

„Dringend notwendig heutzutage“, fügt sie seufzend hinzu und

lacht, „Aber vor allem schreibe ich einfach aus Spaß.“

Und Spaß haben anscheinend auch die LeserInnen, denn die

Romanreihe verkauft sich bestens.

Das Büchermagazin ·

33


Rezensionen

Eiskalter Zorn

Gelesen von Lisa, Buchbloggerin – mexiis-leseparadies.de

Klappentext

Besiegt Liebe den Hass, den zwei Väter ihren Kindern aufgebürdet

haben?

Als Samantha erfährt, dass die Familie des millionenschweren

Unternehmers Joseph Coburn, der ihren Vater einst in den Ruin

und Selbstmord trieb, eine Haushälterin sucht, bewirbt sie sich

unter falschem Namen. Endlich hat sie die Chance, heimlich

Beweise zu sammeln, um Coburn hinter Gitter zu bringen.

In der Villa des Clans lernt sie William kennen, den gleichermaßen

attraktiven wie auch misstrauischen Sohn des verhassten

Familienoberhauptes. Trotz ihrer Angst, dass der reiche Unternehmer

ihre Tarnung durchschaut, fühlt Samantha sich zu ihm

hingezogen. Es prickelt bei jedem Aufeinandertreffen zwischen

William und Samantha, obwohl sich beide aus unterschiedlichen

Motiven gegen ihre Gefühle wehren.

Doch dann erwischt William sie beim Spionieren und erfährt

Samanthas wahre Identität …

allen Ebenen bestens unterhalten. Eine klare Handlung, ein roter

Faden, authentische Charaktere und wie gewohnt jede Menge

Erotik und Leidenschaft, die sehr gut und sinnlich beschrieben

wird. Aber auch jede Menge Gefühl und Emotionen, die Autorin

schreibt mit Herzblut, erschafft ihre Charaktere mit sehr viel Liebe

und das finde ich, spürt man als Leser sehr deutlich.

Samantha und William nehmen euch mit auf ihre Reise, die von

Anfang an verspricht, unterhaltsam und spannend zu werden.

Zum Inhalt mag ich nichts groß sagen, manchmal sollte man

einfach den Klappentext entscheiden lassen, ob es einen anspricht

oder nicht und danach sich voll und ganz dem Buch anvertrauen,

von den Protas gefangen nehmen lassen und sich zurücklehnen

und genießen …

Zwei Charaktere, die eigentlich völlig unterschiedlich sind und

doch auf den zweiten Blick so viel gemeinsam haben bzw. perfekt

zueinander passen würden. Samantha ist eine taffe, starke und

authentische junge Frau, die alles daran setzt ihren schmerzlichen

Verlust zu rächen … sie ist ein Steh-Auf-Männchen und

sieht nun endlich die perfekte Chance Rache zu nehmen … doch

William, der Sohn, des Mannes an dem sie sich rächen will, bringt

sie ganz schön durcheinander. Ist Rache das Wesentliche? Würde

sie danach endlich Frieden finden oder ist William der Friede für

ihr verletztes Herz … es wird spannend, manchmal etwas schnell,

aber dann doch wieder genau richtig.

Abb.: © Carola Stach

Meine Meinung

Das Cover gefiel mir direkt richtig gut. Eine tolle Farbgestaltung,

ein interessanter Titel – eiskalt und Sommer macht schon neugierig,

und ein attraktiver Typ auf dem Titelbild. Auch der Klappentext

ist treffend formuliert, genau richtig, sodass die Neugierde geweckt

ist und man mehr wissen will … viel mehr …

Längst nicht mehr mein erstes Buch und dennoch war ich aufgespannt,

ob die Autorin mich wieder voll und ganz überzeugen

kann. Und ich muss sagen, oh ja das hat sie. Ich wurde wieder auf

Fazit

Ein mitreißender, fesselnder und erotischer Roman der Autorin,

der aber auch wieder emotional und absolut tiefgründig

den Leser mitnimmt und ihn selbst nach der letzten gelesenen

Seite noch nicht loslässt. Lange Zeit habe ich nichts mehr von

der Autorin gelesen, umso froher bin ich nun, wieder einmal

in ihren tollen Schreibstil und in ihre Welt ihrer Protas hineingeschlüpft

zu sein.

Vielen Dank an den Plaisir d´Amour Verlag für das bereitgestellte

Exemplar, dies beeinflusst meine ehrliche Meinung jedoch in

keiner Weise.

Kontakt

Lisa ist Buchbloggerin aus Leidenschaft. Ihren Blog betreibt sie

seit über drei Jahren. Das Lesen und Rezensieren ist ihr Hobby.

Man findet ihre Rezensionen auf fast allen großen Portalen.

Lisas Blog ist zu finden unter https://mexiis-leseparadies.de/

34 · Das Büchermagazin


Das Büchermagazin ·


Die nächste Ausgabe des BOOKS Live-Magazins

erscheint im April 2021.

Für die Weihnachtszeit planen wir ein Extraheft!

Schicken Sie uns Ihre Weihnachtsgeschichte, Ihr Weihnachtsgedicht,

Kurzgeschichten, die sich um die besinnliche Zeit des

Advents und den Jahreswechsel drehen.

Informationen zu

Inhalten und den technischen Daten

finden Sie unter www.bookslive.de

Günstige Weihnachtspreise

für Anzeigen!

06 · 2020

www.bookslive.de

Ähnliche Magazine