16.06.2020 Aufrufe

CONNECT Magazin 19-02

Am 5. Juli wurde die zweite CONNECT-Ausgabe des Jahres veröffentlicht. Die neueste Ausgabe des Magazins der Chinesischen Handelskammer in Deutschland (CHKD) beschäftigt sich mit dem Thema „Belt and Road“-Initiative (BRI). Die Titelstrecke beleuchtet die unterschiedlichen Facetten der Initiative – vom Ausbau der interkontinentalen Infrastruktur als Basis bis zur weiteren Entwicklung hin zu einer digitalen und ökologischen Seidenstraße. Neue Wege, neue Märkte – Im Fokus stehen außerdem Geschäftschancen für die deutsche Wirtschaft, die sich im Zuge der Seidenstraßen-Initiative ergeben. In einem Interview teilt Prof. Dr. Rainer Lindner von der Schaeffler AG seine Perspektiven und berichtet, wie sein Unternehmen, das in China bereits einer der größten Automobilzulieferer ist, mit seinen Technologien vom rasanten Ausbau der Infrastruktur, insbesondere der Bahnverbindungen, profitiert. Außerdem erhalten die Leserinnen und Leser wie gewohnt topaktuelle Informationen rund um die chinesisch-deutsche Wirtschaftszusammenarbeit, neue Infos aus dem CHKD-Beraternetzwerk, alle Infos rund um das Europe Forum 2019 in München u.v.m.

Am 5. Juli wurde die zweite CONNECT-Ausgabe des Jahres veröffentlicht. Die neueste Ausgabe des Magazins der Chinesischen Handelskammer in Deutschland (CHKD) beschäftigt sich mit dem Thema „Belt and Road“-Initiative (BRI).

Die Titelstrecke beleuchtet die unterschiedlichen Facetten der Initiative – vom Ausbau der interkontinentalen Infrastruktur als Basis bis zur weiteren Entwicklung hin zu einer digitalen und ökologischen Seidenstraße. Neue Wege, neue Märkte – Im Fokus stehen außerdem Geschäftschancen für die deutsche Wirtschaft, die sich im Zuge der Seidenstraßen-Initiative ergeben. In einem Interview teilt Prof. Dr. Rainer Lindner von der Schaeffler AG seine Perspektiven und berichtet, wie sein Unternehmen, das in China bereits einer der größten Automobilzulieferer ist, mit seinen Technologien vom rasanten Ausbau der Infrastruktur, insbesondere der Bahnverbindungen, profitiert.

Außerdem erhalten die Leserinnen und Leser wie gewohnt topaktuelle Informationen rund um die chinesisch-deutsche Wirtschaftszusammenarbeit, neue Infos aus dem CHKD-Beraternetzwerk, alle Infos rund um das Europe Forum 2019 in München u.v.m.

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20<strong>19</strong> / Ausgabe <strong>02</strong><br />

Das <strong>Magazin</strong> der Chinesischen Handelskammer in Deutschland<br />

www.chk-de.org<br />

NEUE WEGE, NEUE MÄRKTE<br />

BELT AND ROAD INITIATIVE FÖRDERT INTERKONTINENTALEN HANDEL<br />

Neue Projekte und Chancen<br />

Von Chinas Entwicklungsprogramm<br />

profitieren<br />

Digital und grün<br />

Die Zukunft der<br />

„Neuen Seidenstraße“<br />

Ein Tag im Leben von<br />

Sandy Zhou,<br />

TCL Deutschland


Impressum<br />

HERAUSGEBER<br />

CHKD | Die Chinesische Handelskammer in<br />

Deutschland e.V.<br />

POSTANSCHRIFT<br />

IHZ Hochhaus 7. Etage,<br />

Friedrichstraße 95, D-10117 Berlin<br />

Telefon: +49 30 20917522<br />

Fax: +49 30 20917340<br />

E-Mail: info@chk-de.org<br />

WEBADRESSE<br />

www.chk-de.org<br />

Redaktion: Jannik Dennier (CvD)<br />

CHEN Xiaowei<br />

Telefon: +49 30 20917522<br />

E-Mail: jannik.dennier@chk-de.org<br />

xiaowei.chen@chk-de.org<br />

AUTOREN DIESER AUSGABE<br />

Jannik Dennier<br />

CHEN Xiaowei<br />

Eva-Simona Fischkina<br />

Dr. Thomas Kiefer<br />

Die mit dem Namen des Verfassers oder seinen Initialen<br />

gezeichneten Beiträge geben die Meinung des<br />

Autors, aber nicht unbedingt die Ansicht der Chinesischen<br />

Handelskammer in Deutschland e.V. wieder.<br />

Nachdruck nur mit Genehmigung der Redaktion.<br />

Für unverlangt eingesandte Manuskripte übernimmt<br />

die Redaktion keine Gewähr.<br />

ANZEIGENVERWALTUNG<br />

EGGERT GROUP GmbH & Co. KG<br />

Steinstraße 4<br />

4<strong>02</strong>12 Düsseldorf<br />

Tel.: <strong>02</strong>11 / 95 23-230<br />

endries@eggert-group.de<br />

http://www.eggert-group.de<br />

Gültig sind die Mediadaten 20<strong>19</strong>.<br />

KONZEPT UND GESTALTUNG<br />

EGGERT GROUP GmbH & Co. KG, Düsseldorf<br />

DRUCK<br />

BMP Balta Media & Print e.K.<br />

Bahnhofstr.37, D-63457 Hanau am Main<br />

„CHKD <strong>CONNECT</strong>“ erscheint 4 x jährlich.<br />

BILDNACHWEISE<br />

Titelbild: Fotos Shutterstock<br />

Weitere Bildnachweise: Sofern nicht anders<br />

angegeben, handelt es sich um Firmenfotos.<br />

>> Die Chinesische Handelskammer in Deutschland e. V.<br />

PRÄSIDIUM*<br />

Industrial and Commercial Bank of China Frankfurt<br />

Branch (Präsident 20<strong>19</strong>)<br />

Chinese Railway Representative Office in Europe<br />

Hydraulics Drive Technology Beteiligungs GmbH<br />

KaiYuan Information & Business GmbH<br />

Minmetals Germany GmbH<br />

NIO GmbH<br />

Preh GmbH<br />

VORSTAND*<br />

Air China Ltd. Niederlassung in Deutschland<br />

AVIC International Holding Corporation Office<br />

in Germany<br />

Bank of China Ltd. Zweigniederlassung Frankfurt<br />

Baosteel Europe GmbH<br />

China Construction Bank Corporation<br />

Niederlassung Frankfurt<br />

China Council for the Promotion of International<br />

Trade/Chamber of International Commerce<br />

(CCPIT/CCOIC) Representative Office in Germany<br />

Contemporary Amperex Technology GmbH<br />

COSCO Shipping Europe GmbH<br />

European Representative Office<br />

State Grid Corporation of China<br />

Greatview Aseptic Packaging Manufacturing GmbH<br />

Hainan Airlines<br />

Huawei Technologies Deutschland GmbH<br />

*gewählt auf CHKD-Mitgliederversammlung 20<strong>19</strong> in Berlin


Editorial 1<br />

Die „Neue Seidenstraße“<br />

verstehen und mitgestalten<br />

Liebe Leserinnen und Leser,<br />

im April wurde das zweite „Belt and Road“-Forum (BRF) in Peking abgehalten. An dem Forum nahmen<br />

37 ausländische Staats- und Regierungschefs, zahlreiche Minister, darunter auch der deutsche<br />

Wirtschaftsminister Peter Altmaier, rund 5.000 Gäste aus über 150 Ländern und mehr als 90 internationale<br />

Organisationen teil. Nach dem Zusammentreffen wurden die konkreten Ergebnisse –<br />

283 an der Zahl – in einer gemeinsamen Erklärung veröffentlicht, darunter sowohl Initiativen, die von<br />

der chinesischen Seite ins Leben gerufen wurden als auch bilaterale und multilaterale Vereinbarungen<br />

und eine Reihe von Investitionsprojekten, die im Rahmen der „Belt and Road“-Initiative (BRI) realisiert<br />

werden sollen.<br />

Diese Zahlen verdeutlichen das stetig wachsende weltweite Interesse an der Seidenstraßen-Initiative,<br />

die erst im Jahr 2013 vom chinesischen Staatspräsiden XI Jinping gestartet wurde. Sie stehen jedoch<br />

auch im Kontrast zur ebenfalls wachsenden Kritik an dem Projekt, die teilweise auch aufgrund<br />

mangelnder Kenntnis über die vielen verschiedenen Bestandteile und Beteiligungsmöglichkeiten am<br />

Seidenstraßen-Projekt entstanden ist.<br />

Wie auch das diesjährige BRF versucht das vorliegende Heft, die unterschiedlichen Facetten der „Belt<br />

and Road“-Initiative aufzuzeigen. Die „Neue Seidenstraße“ ist ein weltweites Infrastrukturprojekt.<br />

Doch dies ist nur die Basis. Im Einklang mit dem Ausbau des Schienen- und Seeverkehrs sollen auch<br />

ökologische Aspekte berücksichtigt werden. Außerdem forciert China den Aufbau einer „digitalen<br />

Seidenstraße“, die die teilnehmenden Länder vernetzt und Unternehmen die Geschäfte entlang der<br />

„Neuen Seidenstraße“ erleichtern soll.<br />

Neben dem länderübergreifenden Warenaustausch soll außerdem der internationale Innovationsaustausch<br />

gefördert werden. So wird China in den kommenden fünf Jahren 5.000 innovative<br />

Persönlichkeiten aus dem In- und Ausland dabei unterstützen, in Austausch miteinander zu treten,<br />

sich weiterzubilden sowie Kooperationsmöglichkeiten zu erforschen. Von dieser wissenschaftlichtechnischen<br />

Kooperation sollen vor allem auch die BRI-Anrainerstaaten profitieren.<br />

ZHENG Donglin<br />

Präsident (seit März 20<strong>19</strong>)<br />

Die Chinesische Handelskammer<br />

in Deutschland e.V.<br />

Auch für die deutsche Wirtschaft ist die „Neue Seidenstraße“ von großer Bedeutung. Mit Duisburg<br />

und Hamburg liegen bereits zwei wichtige Logistik-Knotenpunkte in der Bundesrepublik. Für deutsche<br />

Unternehmen bringt die Seidenstraßen-Initiative neue Geschäftschancen. So hat Siemens im<br />

vergangenen Jahr eigens ein „Belt and Road“-Büro in Peking eröffnet, aber auch Unternehmen wie die<br />

Schaeffler AG, die in China bereits einer der größten Automobilzulieferer ist, profitiert mit ihren<br />

Technologien vom rasanten Ausbau der Infrastruktur, insbesondere der Bahnverbindungen, wo es<br />

bereits konkrete Projekte gibt.<br />

Foto: CHKD<br />

Neben diesen Titel-Themen finden Sie im aktuellen Heft wie gewohnt aktuelle Meldungen zur<br />

chinesisch-deutschen Wirtschaftszusammenarbeit, nützliche Informationen aus dem CHKD Beraternetzwerk,<br />

alle Informationen rund um die nächste Großveranstaltung der CHKD – das Europe Forum<br />

am 5. Juli in München u. v. m.<br />

Ich wünsche Ihnen eine gute und aufschlussreiche Lektüre!<br />

www.chk-de.org


2 Inhalt<br />

08<br />

08<br />

Titelstory<br />

„Neue Seidenstraße“<br />

aktiv mitgestalten<br />

04<br />

Kurzmeldungen<br />

Alles rund um Ansiedlungen, Kooperationen<br />

und Investitionen<br />

12<br />

Interview<br />

04 12<br />

…<br />

… mit Prof. Dr. Rainer Lindner,<br />

Schaeffler AG<br />

www.chk-de.org


3<br />

30<br />

Community<br />

30<br />

175 Jahre Zoo Berlin<br />

Kurzmeldungen<br />

04 CATL<br />

04 Daimler/Geely<br />

05 Porsche<br />

05 Deutsche Bank<br />

06 Cytovant/Medigene<br />

06 Biolight Meditech<br />

06 Unternehmensticker<br />

07 App CN<br />

07 China Logistics-Wilhelmshaven Hub<br />

Titelstory<br />

08 „Neue Seidenstraße“ aktiv mitgestalten<br />

12 Interview Prof. Dr. Rainer Lindner,<br />

Schaeffler AG<br />

14 Logistik der „Neuen Seidenstraße“<br />

16 BRI-Finanzierungskonzepte<br />

17 Grüne Seidenstraße<br />

18 Zahlen – Daten – Fakten<br />

20 Digitale Seidenstraße<br />

22 Doppel-Interview<br />

mit Professor LIU Zuokui<br />

und Marina Rudyak<br />

Services<br />

24 Neues Gesetz zum Schutz von<br />

Geschäftsgeheimnissen<br />

25 Investitionsprüfungen<br />

in BRI-relevanten Industrien<br />

25 Medienarbeit ist das A und O<br />

26 Europe Forum 20<strong>19</strong> Themen<br />

27 Europe Forum 20<strong>19</strong> Programm<br />

28 IFA 20<strong>19</strong> in Berlin<br />

29 Business und Investors Forum 20<strong>19</strong><br />

29 Veranstaltungskalender<br />

Community<br />

30 Kulturtipp<br />

Berliner Zoo<br />

31 Sporttipp:<br />

Formel 1 am Hockenheimring<br />

32 Reisetipp:<br />

Insel Rügen<br />

33 Genießertipp:<br />

Gut Kaltenbrunn am Tegernsee<br />

34 Ein Tag im Leben von<br />

Sandy Zhou, TCL<br />

36 Gastkommentar<br />

Rubriken<br />

01 Editorial<br />

U2 Impressum<br />

Weitere Informationen<br />

www.chk-de.org<br />

WeChat-Kanal<br />

www.chk-de.org


4 Kurzmeldungen<br />

CATL erwirbt Gelände von Solarworld am Erfurter Kreuz<br />

Das seit Monaten leerstehende Gelände<br />

des einstigen Zellenherstellers Solarworld<br />

am Erfurter Kreuz hat einen neuen<br />

Eigentümer gefunden. Die Hallen und die Flächen<br />

erwirbt der chinesische Batterieproduzent<br />

Contemporary Amperex Technology Co. Limited<br />

(CATL).<br />

Der chinesische Konzern hatte im Frühjahr 2018<br />

seine Entscheidung für den Thüringer Standort für<br />

den geplanten Bau einer Fabrik für Batterien für<br />

Elektroautos bekanntgegeben. Standorte in ganz<br />

Europa hatten auf den Zuschlag für diese Großinvestition<br />

gehofft. Letztlich gaben die zentrale<br />

Daimler und Geely Holding gründen ein globales<br />

Joint Venture zur Weiterentwicklung von smart<br />

Daimler und Geely gaben Ende März 20<strong>19</strong><br />

die Gründung eines global ausgerichteten<br />

50:50 Joint Venture bekannt. Ziel ist es,<br />

smart als führende Marke für Elektromobilität<br />

weiter zu entwickeln. Beide Unternehmen<br />

haben vereinbart, dass die neue Generation von<br />

smart Fahrzeugen vom weltweiten Mercedes-<br />

Benz Design Netzwerk entworfen und von<br />

den globalen Engineering Centers von Geely<br />

entwickelt wird. Die Produktion der nächsten<br />

Lage des Gewerbegebietes in Deutschland und<br />

Europa und die erschlossene Verkehrsanbindung<br />

den Ausschlag zugunsten Thüringens gegenüber<br />

den Mitbewerbern unter anderem aus Polen und<br />

aus Belgien.<br />

In einer ersten Phase will CATL rund 240 Millionen<br />

Euro in das Werk investieren und bis zu<br />

600 Arbeitsplätze schaffen. Bereits in diesem<br />

Jahr sollen die ersten Mitarbeiter eingestellt<br />

werden, teilte der Europachef des Unternehmens,<br />

Matthias Zentgraf der „Thüringer<br />

Allgemeinen“ mit. Perspektivisch wolle man<br />

nahezu eine Milliarde Euro für den neuen<br />

Generation von smart Elektromodellen wird in<br />

einer neuen, speziell dafür erbauten Elektroautofabrik<br />

in China erfolgen. Das Joint Venture<br />

wird voraussichtlich bis Ende des Jahres 20<strong>19</strong><br />

gegründet. Der globale Vertrieb soll dann im<br />

Jahr 2<strong>02</strong>2 beginnen.<br />

Dieter Zetsche, der ehemalige Vorsitzende des<br />

Vorstands der Daimler AG und Leiter des Geschäftsfeldes<br />

Mercedes-Benz Cars, sagte: „Wir<br />

Firmenstandort ausgeben und die Thüringer<br />

Niederlassung zur Zentrale der Europa-Aktivitäten<br />

des Unternehmens ausbauen.<br />

Dazu passt der jetzige Erwerb der Flächen und<br />

der Gebäude des einstigen Solarworld-Standortes.<br />

Hier sollen demnach – in der direkten<br />

Nachbarschaft zum künftigen Produktionswerk<br />

am Erfurter Kreuz – künftig die Logistik,<br />

das Lager und die Verwaltung einziehen.<br />

Quelle: Thüringer Allgemeine<br />

werden gemeinsam die nächste Generation<br />

elektrischer smart designen, entwickeln und in<br />

China für den Weltmarkt bauen – mit erstklassigen<br />

Produktionsstandards und dem hervorragenden<br />

Sicherheitsniveau von smart.“ LI Shufu,<br />

Chairman der Geely Holding, fügte hinzu: „Die<br />

Synergien aus dieser Kooperation werden<br />

beiden Seiten zugutekommen. Gleichzeitig<br />

werden wir Technologien für smart, auch im<br />

Bereich Konnektivität, weiterentwickeln, um<br />

in der Branche in Zeiten eines breiten Wandels<br />

auch künftig an der Spitze zu stehen.“<br />

Quelle: Daimer AG<br />

Vertragsunterzeichnung zur strategischen Kooperation für smart zwischen Daimler und Geely.<br />

Foto: Daimler AG Foto: CATL


5<br />

Foto: Porsche AG<br />

Porsche fährt per Zug nach China<br />

Bahntransport auf der „Neuen Seidenstraße“ ersetzt Schiffspassage<br />

Porsche setzt für seine Logistik in Europa<br />

traditionell auf die Bahn. Ab April 20<strong>19</strong><br />

nutzt der Sportwagenhersteller den<br />

Schienenverkehr nun auch für die transkontinentale<br />

Logistik. So kommt ein Teil der für<br />

den chinesischen Markt vorgesehenen Fahrzeuge<br />

über die „Neue Seidenstraße“ zu den<br />

Kunden im „Reich der Mitte“ – bis zu drei<br />

Wochen schneller als bisher.<br />

China hat bei den Fahrzeugauslieferungen im<br />

Jahr 2018 einen Anteil von 31 Prozent und ist<br />

damit der volumenstärkste Einzelmarkt für<br />

Porsche. Bislang gehen jährlich 80.000<br />

Sportwagen auf den mehr als 10.000 Seemeilen,<br />

beziehungsweise 18.500 Kilometer<br />

langen Seeweg nach Guangzhou, Shanghai<br />

oder Tianjin. Die Transportlaufzeit vom Werk<br />

zu den Porsche Zentren in China über das<br />

Wasser beträgt gut 50 Tage. Von nun an werden<br />

elf Prozent der fabrikneuen Sportwagen<br />

über die neue Bahnverbindung entlang der<br />

Seidenstraße in den Südwesten Chinas exportiert.<br />

Die Bahnstrecke misst rund 11.000<br />

Kilometer und führt von Deutschland ostwärts<br />

über Polen, Weißrussland, Russland<br />

und Kasachstan bis in die südwestchinesische<br />

Metropole Chongqing. Von dort werden<br />

die Neufahrzeuge an die regionalen Händler<br />

ausgeliefert.<br />

Dem Transport über die „Neue Seidenstraße“<br />

sind erfolgreiche Tests vorausgegangen. „Unsere<br />

Kunden im Südwesten Chinas kommen<br />

deutlich schneller an ihr neues Fahrzeug“,<br />

erklärt Oliver Bronder, Leiter Logistik und<br />

Produktionssteuerung bei Porsche. „Der insgesamt<br />

20 Tage lange Bahntransport verkürzt<br />

die Fahrzeuglogistik – trotz verschiedener<br />

Spurweiten und mehrfachen Umsetzens der<br />

Container – um bis zu drei Wochen.“<br />

Quelle: Porsche AG<br />

Deutsche Bank wird erstes ausländisches Bankhaus mit Forex<br />

Weitere Öffnung im chinesischen Bankensektor führt zu Erleichterung bei Unternehmen<br />

China lässt seinen Ankündigungen, seine<br />

Märkte weiter zu öffnen und ein<br />

besseres Geschäftsumfeld für ausländische<br />

Finanzinstitutionen zu schaffen,<br />

Taten folgen. Die chinesische Zentralbank (PBoC)<br />

hat der Deutschen Bank als erstem Bankhaus<br />

weltweit die Erlaubnis erteilt, in Onshore-<br />

Renminbi (CNY) nominierte Forexprodukte<br />

allgemein in jeder Niederlassung<br />

anzubieten. Bisher musste jede Niederlassung<br />

ihre CNY-Forex-Transaktion einzeln registrieren<br />

und genehmigen lassen.<br />

Insbesondere für Geschäftskunden bedeutet<br />

diese Neuerung eine große Erleichterung. Künftig<br />

kann beispielsweise ein deutsches Unternehmen,<br />

das in China produziert, direkt in Deutschland<br />

CNY kaufen, um seine chinesischen Zulieferer zu<br />

bezahlen anstatt umständlich via Shanghai oder<br />

Hongkong zunächst Offshore-Renminbi (CNH)<br />

kaufen und dann konvertieren zu müssen. Auch<br />

die Rückführung von in China erzielten Gewinnen<br />

wird so deutlich erleichtert.<br />

Insgesamt wird das neue System die Transaktionskosten<br />

für Geschäfte mit China deutlich<br />

und nachhaltig sinken lassen. Auch Absicherungsmaßnahmen<br />

hinsichtlich des Währungsrisikos<br />

werden nun einfacher. Für Jerry Li, Head<br />

of Greater China, Asia Local Markets bei der<br />

Deutschen Bank, ist dies „ein großer Schritt für<br />

den Renminbi auf dem Weg zu einer globalen<br />

Währung.“<br />

Quelle: Deutsche Bank<br />

Foto: Deutsche Bank<br />

Deutsche Bank in Hongkong.<br />

www.chk-de.org


6 Kurzmeldungen<br />

Deutsch-Chinesische Partnerschaft zur<br />

Entwicklung von Zelltherapien gegründet<br />

Sinovant ist ein chinesisches biopharmazeutisches<br />

Unternehmen, das sich auf die<br />

Durchführung innovativer biomedizinischer<br />

Forschung und Entwicklung in China<br />

konzentriert, um den Bedürfnissen der Patienten<br />

in Großchina und der ganzen Welt gerecht zu<br />

werden. Anfang April gab das Unternehmen<br />

gemeinsam mit Roivant Sciences die Gründung<br />

von Cytovant Sciences in Hongkong bekannt,<br />

einem biopharmazeutischen Unternehmen, das<br />

sich auf die Entwicklung und Vermarktung<br />

innovativer zellulärer Therapeutika in Asien<br />

konzentriert. Gleichzeitig mit der Unternehmensgründung<br />

hat Cytovant eine Lizenzvereinbarung<br />

für mehrere Programme mit der<br />

Medigene AG abgeschlossen, einem Immunonkologie-Unternehmen<br />

mit klinischen Projekten<br />

fokussiert auf die Entwicklung T-Zell-gerichteter<br />

Krebstherapien.<br />

Quelle: Medigene AG<br />

Foto: Medigene AG<br />

Biolight Meditech errichtet neuen Produktionsstandort in Rostock-Laage<br />

Die Biolight Meditech Co., Ltd. ist ein an<br />

der Shanghaier Börse gelistetes Unternehmen,<br />

das unter anderem spezialisiert<br />

ist auf die Forschung, Marktführung und<br />

Herstellung modernster Dialysegeräte und<br />

ähnlicher Produkte. Das <strong>19</strong>93 gegründete<br />

Unternehmen mit Hauptsitz in Zhuhai, Guangdong<br />

verfügt über acht Produktionsstätten<br />

sowie etwa 900 Mitarbeiter. Das Geschäft umfasst<br />

lebenserhaltende Produkte wie klinische<br />

Überwachungsinstrumente sowie Geräte und<br />

Verbrauchsartikel für die Hämodialyse.<br />

Biolight Meditech vertreibt seine hochwertigen<br />

medizinischen Produkte in 135 Ländern. Um<br />

seine Präsenz im deutschen Markt auszubauen,<br />

hat das Unternehmen Ende 2018 eine neue<br />

Produktionsstätte in Rostock-Laage eröffnet.<br />

Darüber hinaus wurde im September 2017<br />

gemeinsam mit dem deutschen Partner MedTec<br />

Holding GmbH ein Joint-Venture-Vertrag zur<br />

Gründung der BM Bioscience Technology GmbH<br />

geschlossen. In dem Medizin-Unternehmen<br />

sollen ab 20<strong>19</strong> Filtersysteme zur Behandlung<br />

von Krankheiten für den internationalen Markt<br />

hergestellt werden.<br />

Entstanden ist ein Medizintechnik-Standort<br />

in Rostock-Laage mit einer Größe von 2 bis<br />

10 Hektar, an dem über 100 Arbeitsplätze<br />

entstanden sind. Im ersten Schritt wurden<br />

ca. 10 Millionen Euro investiert und 30 bis<br />

50 Arbeitsplätze geschaffen.<br />

Quelle: Invest in MV<br />

Unternehmensticker<br />

Aldi eröffnet erste China-Filialen in<br />

Shanghai<br />

Am 7. Juni eröffnete Aldi in Shanghai<br />

seine ersten beiden chinesischen Filialen.<br />

Insgesamt sollen im Jahr 20<strong>19</strong> 10<br />

Filialen in China öffnen.<br />

Quelle: Business Observer<br />

Niu und Volkswagen kooperieren<br />

bei E-Scootern<br />

Das chinesische Start-up und der deutsche<br />

Autokonzern tun sich zusammen, um<br />

das Elektro-Scooter-Modell „Streetmate“ zu<br />

produzieren.<br />

Quelle: WELT<br />

Alibaba Neuinvestor bei KONUX<br />

Alibaba beteiligt sich an Serie-B-Finanzierungsrunde<br />

des Münchner KI-Startups-<br />

KONUX, das dadurch seine internationale<br />

Marktexpansion beschleunigen, einschließlich<br />

der Ausdehnung nach China, möchte.<br />

Quelle: KONUX<br />

Villo Germany eröffnet Büro in Duisburg<br />

Der chinesische Industriestaubsauger-<br />

Spezialist aus Dongguan, Guangdong<br />

expandiert nach Deutschland, um den<br />

Vertrieb seiner Produkte und Anwendungen<br />

zu steuern. Im April wurde der<br />

Standort feierlich eröffnet.<br />

Quelle: NRW.INVEST<br />

NXP beteiligt sich an chinesischem<br />

Radarspezialisten Hawkeye<br />

NXP Semiconductors und Hawkeye<br />

Technology kooperieren künftig bei der<br />

Entwicklung von Referenzdesigns von<br />

Radarsystemen für den chinesischen<br />

Automobilmarkt.<br />

Quelle: NXP USA, Inc.<br />

LEVC und Geely planen weltweites<br />

Angebot an Elektro-Nutzfahrzeugen<br />

Die britische LEVC möchte gemeinsam mit<br />

der Nutzfahrzeugsparte von Geely Taxis,<br />

Lieferwagen für den internationalen Markt<br />

entwickeln, produzieren und vertreiben.<br />

Quelle: LEVC<br />

www.chk-de.org


7<br />

Foto: WFB/Pusch<br />

Von Bremen aus den chinesischen Markt erobern<br />

CHEN Jiani ist eine Weltenbummlerin. Von<br />

Peking aus hat es die junge Chinesin über<br />

eine Zwischenstation in Tel Aviv 2018 nach<br />

Bremen verschlagen. „Ich bin eine abenteuerlustige<br />

Person“, sagt sie von sich. In Bremen hat<br />

sie die App CN GmbH gegründet. Mit ihr ermöglicht<br />

sie es westlichen Firmen, den chinesischen<br />

App-Markt zu erschließen. Denn der ist riesig:<br />

Rund 800 Millionen Chinesinnen und Chinesen<br />

gehen täglich mit dem Smartphone ins Internet,<br />

zwei Drittel von ihnen zahlen mit dem Handy,<br />

viele davon fast ausschließlich. „In China gibt<br />

es den Google App Store nicht, dafür aber zahlreiche<br />

Kleinere. In ihnen präsent zu sein und<br />

viele Downloads und damit Geschäftsoptionen<br />

zu erzielen, ist gar nicht so einfach“, erklärt die<br />

24-jährige.<br />

Mit ihrem internationalen Team in Hangzhou<br />

hilft sie nicht nur die technischen und regulatorischen<br />

Hürden zu nehmen, sie unterstützt auch<br />

bei Werbung und Marketingaktivitäten in den<br />

chinesischen App-Stores. „Unsere Mobilkultur<br />

unterscheidet sich von der im Westen, was<br />

in den USA oder Deutschland gut funktioniert,<br />

kann in China schief gehen. Wir haben das nötige<br />

Fingerspitzengefühl.“ Von Bremen aus betreut<br />

sie Kunden aus der ganzen Welt – und will schon<br />

bald neue Mitarbeiter einstellen, denn der riesige<br />

Markt lockt viele Interessenten an.<br />

CHEN Jianni,<br />

Managing Director,<br />

App CN GmbH.<br />

Quelle:WFB/Pusch<br />

Chinesisches Logistikzentrum<br />

soll im GVZ<br />

JadeWeserPort entstehen<br />

I<br />

m Rahmen der transport logistic unterzeichneten<br />

LI Xiangyang, General Manager der<br />

China Logistics Co., Ltd., Andreas Bullwinkel,<br />

Geschäftsführer der Container Terminal Wilhelmshaven<br />

JadeWeserPort-Marketing GmbH &<br />

Co. KG und Herr TONG Laiming, Vizepräsident der<br />

Chengtong Group ein MoU über die Ansiedlung<br />

des Logistikzentrums „China Logistics-Wilhelmshaven<br />

Hub“. Auf 20 ha im Norden des GVZ soll das<br />

Logistikzentrum für den Umschlag chinesischer<br />

Waren angesiedelt werden. China Logistics mit<br />

Sitz in Peking ist eines der größten chinesischen<br />

Logistikunternehmen, das 58 Logistikzentren mit<br />

rund 8 Mio. qm Fläche betreibt, und eines von <strong>19</strong><br />

Tochterunternehmen der China Chengtong Group.<br />

„Das Logistikzentrum hat das Potenzial, mittelfristig<br />

eine Rolle in der „Belt and Road Initiative“<br />

einzunehmen“, so Andreas Bullwinkel.<br />

Quelle: JadeWeserPort<br />

„Die Transaktion ist geglückt. Dank BDO waren wir gut vorbereitet.“<br />

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www.chk-de.org


8 Titel<br />

Der große Sprung in<br />

die vernetzte Welt<br />

China Mobile, der größte Mobilfunkbetreiber der Welt, investiert massiv<br />

in neue Netze und setzt auf internationale Kooperationen<br />

In kurzer Zeit baute China Mobile das größte Mobilfunknetz der Welt auf. Ohne die unkomplizierten und schnellen<br />

Kommunikationsmöglichkeiten, die dadurch geschaffen wurden, wäre der schnelle wirtschaftliche Aufstieg<br />

des Landes kaum denkbar. Dahinter steht eine gewaltige technische Infrastruktur, welche China Mobile<br />

zusammen mit Partnern wie Huawei und ZTE aufbaute. Jetzt beginnt in China der Bau der Basisstationen für den<br />

schnellen 5G-Standard. Auch bei diesem Technologiesprung setzen die chinesischen Telekommunikationskonzerne<br />

auf internationale Kooperationen. Umgekehrt können andere Länder von den praktischen Erfahrungen und der<br />

Spitzentechnologie aus China profitieren.<br />

Kritiken, dies könne die nationale Sicherheit gefährden sind offensichtlich politisch motiviert, um vermeidlich in<br />

populistischer Manier die heimische Wirtschaft zu schützen. Doch Datensicherheit und Schutz der Mobilfunksysteme<br />

ist ein internationales Problem und lässt sich nur international durch Zusammenarbeit lösen. Alles andere<br />

wäre kontraproduktiv. Ohne internationale Kooperationen würden die etablierten Technologieanbieter eher von<br />

der schnellen technologischen Entwicklung abgehängt. Die Rechnung müssten die Nutzer zahlen: durch hohe<br />

Preise, schwache Netze und schleppenden Netzausbau.<br />

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9<br />

„Neue Seidenstraße“<br />

aktiv mitgestalten<br />

Der zweite Seidenstraßengipfel stärkte die Mitwirkung von internationalen<br />

Unternehmen<br />

Kooperation und internationale Zusammenarbeit für eine nachhaltige<br />

globale Entwicklung<br />

Foto: structuresxx/shutterstock<br />

V<br />

on manchen Wirtschaftsexperten wird die Seidenstraßen-Initiative als größtes wirtschaftliches Entwicklungsprojekt<br />

der Menschheitsgeschichte bezeichnet. Ein solch riesiges Projekt hat viele Nuancen, baut<br />

jedoch auch auf vorhandene Strukturen auf. Dies zeigt auch die Seidenstraßen-Initiative des Automobilund<br />

Maschinenbauzulieferers Schaeffler, der durch die mit der Initiative entstehenden neuen Projekte auch neue<br />

Geschäftschancen sieht.<br />

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10 Titel<br />

Foto: B.Zhou/shutterstock<br />

Chendou, ein Startpunkt der „Neuen Seidenstraße“.<br />

Asien und Europa, Eurasien spielt die<br />

Hauptrolle in der weitreichenden<br />

durch China angeregten „Belt and<br />

Road“-Initiative (BRI). Doch die „Neue Seidenstraße“<br />

ist ein globales Projekt, dass die arabischen<br />

Länder, Afrika und auch Südamerika mit<br />

einbezieht. Besonders für die Schwellenländer<br />

könnte China zusammen mit den Industrieländern<br />

einmalige Erfahrungen in diese Entwicklungsinitiativen<br />

einbringen. China hatte<br />

in den vergangenen Jahren weltweit die größten<br />

Erfolge in der Armutsbekämpfung. Und<br />

Armutsbekämpfung führt zu mehr Konsum, zu<br />

steigendem Wirtschaftswachstum. Damit sind<br />

auch soziale und ökologische Fragen grundlegend<br />

für den langfristigen Erfolg, nicht nur<br />

für den der Seidenstraßen-Initiative, sondern<br />

auch für die nachhaltige Entwicklung der<br />

Menschheit und der Erde.<br />

In dieser Dimension ist eine internationale<br />

Entwicklungszusammenarbeit völlig neu.<br />

Für die Umsetzung braucht China mit seinen<br />

Partnern Erfahrungswissen. Nicht alles kann<br />

von Anfang an optimal laufen. Die weitere<br />

Öffnung Chinas und der Erfolg der BRI sind<br />

eng verknüpft. „Ein offeneres China wird sich<br />

weiter in die Welt integrieren und sowohl für<br />

China als auch für die Welt insgesamt größere<br />

Fortschritte und Wohlstand bringen“, erklärte<br />

Chinas Staatspräsident XI Jinping während des<br />

zweiten Seidenstraßen-Gipfels im April 20<strong>19</strong>.<br />

Er forderte eine ergebnisorientierte Umsetzung<br />

und gemeinsame Förderung einer hochqualitativen<br />

Kooperation bei der Seidenstraßen-Initiative.<br />

In seiner Rede nannte Xi auch<br />

eine Reihe detaillierter Maßnahmen zur weiteren<br />

Stärkung der Umsetzung der Kooperationen,<br />

einschließlich des Schutzes der Rechte<br />

des geistigen Eigentums, bessere Nachhaltigkeit<br />

im Umweltbereich und den Austausch von<br />

Fachkräften. Im Vergleich zum ersten Gipfel<br />

vor zwei Jahren, in dem die Grundkonzeption<br />

der Initiative den Themenschwerpunkt bildete,<br />

wurden mehr praktischere und detailliertere<br />

Entwicklungspläne vorgelegt.<br />

Der wirtschaftliche Erfolg Chinas basiert zu<br />

einem guten Teil auf dem Ausbau seiner Verkehrsinfrastruktur.<br />

Nur über gute und ausreichende<br />

Verkehrswege lassen sich Wohlstand<br />

und Güter gut verteilen. Die Wirtschaftsleistung<br />

und der Wohlstand steigen, gleichzeitig<br />

sinken die Transportkosten. In Verknüpfung<br />

mit den neuen Medien sind damit besonders<br />

für weniger entwickelte Länder große und<br />

nachhaltige Entwicklungssprünge möglich.<br />

Aber auch die Industrieländer brauchen eine<br />

verbesserte globale Infrastruktur. „Wir sind<br />

sehr auf den Zugang zu den weltweiten Märkten<br />

angewiesen und somit sind Investitionen<br />

in eine verbesserte Verkehrsinfrastruktur für<br />

die Schweiz nur von Vorteil. Aufgrund unserer<br />

guten Wettbewerbsfähigkeit schafft der Handel<br />

für unser Land Arbeit und Wohlstand“, erklärt<br />

Kurt Haerri, Vorstandsmitglied der Handelskammer<br />

Schweiz-China.<br />

Während die Politik zum Teil noch zögert sind<br />

viele Unternehmen aus Europa bereits in Sei-<br />

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11<br />

denstraßen-Projekten aktiv. Doch nicht nur<br />

durch die direkte Mitwirkung an den Projekten<br />

entstehen neue Geschäftschancen. Die „Neue<br />

Seidenstraße“ ist ein gigantisches, langfristig<br />

angelegtes Entwicklungsprojekt, welche durch<br />

modernste grenzüberschreitende Infrastrukturprojekte<br />

neue Märkte schafft und Märkte<br />

noch enger vernetzt. „Dieses Projekt wird der<br />

ganzen Welt dienen und wir freuen uns, dass<br />

wir einen bescheidenen Teil dafür leisten können.<br />

Es ist nicht das Projekt für mich, sondern es ist<br />

für die nächste und für die übernächste Generation“,<br />

sagte der Schweizer Bundespräsident<br />

Ueli Maurer in Peking, wo die Schweiz im April<br />

eine Absichtserklärung zum Beitritt zur „Belt<br />

and Road“-Initiative unterzeichnete.<br />

Für die beteiligten Länder entsteht nicht, wie<br />

von manchem westlichen Politiker gefürchtet,<br />

eine neue Dominanz durch China. Die Zeiten<br />

einer einseitigen Abhängigkeit der weniger<br />

entwickelten Staaten von den bisherigen Industrieländern<br />

gehen zu Ende und für die<br />

Seidenstraßen-Ländern ist es gut, mehrere<br />

Optionen für ihre nachholende Entwicklung<br />

zu haben. Durch Chinas Entwicklungsinitiative<br />

stellen jetzt auch die EU und einige große<br />

Länder neue und verbesserte Entwicklungsprogramme<br />

zusammen. Die verstärkte Konkurrenz<br />

ist im Endeffekt für alle beteiligten<br />

Ländern gut.<br />

Im Vordergrund der Seidenstraßen-Geschäfte<br />

steht nicht China First oder Europa First, sondern<br />

gleichwertige Kooperationen, welche bereits<br />

vor den eigentlichen Geschäftsabschlüssen<br />

beginnen. Dies ist kein Nullsummenspiel,<br />

mit dem sich durch Abschottung alte Geschäfte<br />

retten lassen. In den Schwellenländern sind<br />

mit der Seidenstraße-Initiative hohe Wachstumsraten<br />

der Wirtschaft zu erzielen, von der<br />

besonders europäische Industrie- und Baukonzerne,<br />

so wie bereits seit Jahrzehnten in<br />

China, profitieren können.<br />

Regierungen. Europäische Unternehmen sind<br />

bereits stark als Zulieferer und Dienstleister<br />

in den Seidenstraßen-Projekten aktiv. Mit der<br />

verstärkten internationalen Kooperation und<br />

der weiteren Öffnung können diese zukünftig<br />

auch als Hauptauftragnehmer noch mehr in<br />

Erscheinung treten. Je enger die Mitwirkung<br />

in der Seidenstraßen-Initiative erfolgt, umso<br />

größer sind die Geschäftschancen für europäische<br />

Unternehmen. Es gibt täglich neue Informationen<br />

und zahlreiche Veranstaltungen zur<br />

Seidenstraße, nicht nur in China, berichtet Ulrich<br />

Reichert, China-CEO des deutschen Maschinenbauers<br />

Wirtgen in einem Seidenstraßen-Onlinseminar<br />

der GTAI (Germany Trade &<br />

Invest). Wichtig ist es jedoch, vor Ort präsent<br />

zu sein, so Reichert.<br />

Siemens beispielsweise ist mit chinesischen<br />

Partnern im Energiebereich gut in Seidenstraßen-Projekten<br />

in Pakistan und Afrika vertreten.<br />

China-CEO Lothar Herrmann verweist<br />

in einer Studie der GTAI auf die langfristig<br />

angelegte Strategie der Seidenstraße und rät<br />

Unternehmen, welche mitwirken wollen, ebenfalls<br />

zu einer langfristigen Strategie und einer<br />

Schienenlagerprüfstand<br />

guten Präsenz vor Ort. In Peking unterhält Siemens<br />

ein eigenes Seidenstraßen-Verbindungsbüro.<br />

Auf dem jüngsten Seidenstraßen-Gipfel<br />

unterzeichnete der Konzern mit der National<br />

Development and Reform Commission (NDRC)<br />

eine umfassende Kooperationsvereinbarung.<br />

Aber auch ein Großteil der deutschen Industriekonzerne<br />

wirken bereits in Seidenstraßen-Projekten<br />

in zahlreichen Ländern mit und<br />

die Geschäfte in dieser Initiative dürften sich<br />

jetzt schnell ausweiten.<br />

Unternehmen, wie die Schaeffler AG, haben<br />

dafür eine gute Basis. Der Konzern aus Herzogenaurach<br />

ist in China nicht nur einer der<br />

größten Automobilzulieferer, der dort besonders<br />

stark seine Entwicklungskompetenz<br />

für Elektrofahrzeuge ausbaut. Schaeffler ist<br />

auch ein bedeutender Bahnzulieferer. Schaeffler-<br />

Technologie ist auch in chinesischen Zügen<br />

eingebaut, die auf den neuen Strecken in<br />

immer mehr Ländern der Seidenstraßen-<br />

Initiative rollen. Auch bei hochmoderner<br />

Bahninfrastruktur ist der deutsche Konzern<br />

gut im Geschäft.<br />

Foto: Schaeffler Group<br />

Ein Grundprinzip wird bei der Betrachtung der<br />

verschiedenen Facetten klar: Die Seidenstraße<br />

ist zwar von China initiiert, aber sie kann<br />

nur als internationale Initiative erfolgreich<br />

sein. Kooperationen sind gefragt und zwar<br />

zwischen Unternehmen, aber auch zwischen<br />

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12 Interview<br />

Interview<br />

PROF. DR. RAINER LINDNER<br />

Seit dem Jahr 2016 ist Prof. Dr. Rainer Lindner CEO der Subregion Mittel- & Osteuropa<br />

und Mittlerer Osten & Afrika der Schaeffler AG und damit zuständig für 1<strong>02</strong> Länder,<br />

von denen eine Vielzahl Teil der „Belt and Road“-Initiative (BRI) sind. Er ist außerdem<br />

aktiv in der „AG Eurasische Konnektivität“, die Schaeffler 2017 zusammen mit dem<br />

Auswärtigen Amt initiiert hat und inzwischen gemeinsam mit dem BDI koordiniert. Darin<br />

setzen sich Vertreter der Bundesregierung sowie von Unternehmen und Verbänden intensiv<br />

mit den Chancen der „Neuen Seidenstraße“ für die deutsche Wirtschaft<br />

auseinander. In seiner Zeit vor Schaeffler war Prof. Lindner Geschäftsführer beim<br />

Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft.<br />

1. Prof. Lindner, welche Chancen sieht<br />

Schaeffler in der Seidenstraßen-Initiative?<br />

Durch die „Belt and Road“-Initiative der chinesischen<br />

Regierung ändert sich geradezu täglich<br />

die Weltkarte für Logistik, Mobilität sowie die<br />

Distanzen in ganz Eurasien. Die Initiative<br />

erstreckt sich über mehr als 70 Länder in Asien,<br />

Europa, im Nahen Osten und in Afrika. Damit<br />

führt die „Neue Seidenstraße“ zu einer neuen<br />

Konnektivität zwischen Ländern und Kontinenten<br />

mit all ihren wirtschaftlichen Potenzialen und<br />

politischen Konflikten.<br />

2. Welche Herausforderungen und Probleme<br />

gibt es dabei?<br />

Wir beobachten im Hinblick auf die Initiative in<br />

einigen westeuropäischen Ländern und bei<br />

politischen Entscheidungsträgern in Brüssel<br />

eine gewisse Skepsis, nicht zuletzt aufgrund der<br />

Vergabeverfahren. Laut einer Studie gehen<br />

80 Prozent der Projektausschreibungen an chinesische<br />

Unternehmen. Dies erschwert den<br />

Zugang für europäische Unternehmen, sich an<br />

den Projekten zu beteiligen. Ausgehend vom<br />

Gesamtvolumen des Projektes stellt die Initiative<br />

„Neue Seidenstraße“ aber auch eine Chance für<br />

Unternehmen wie Schaeffler dar. Schließlich<br />

belief sich das Handelsvolumen zwischen der<br />

Volksrepublik China und Europa 2018 auf<br />

über 600 Milliarden Euro. Damit war die EU<br />

zum wiederholten Mal der größte und wichtigste<br />

Handelspartner der Volksrepublik. Um die<br />

gemeinsamen Chancen zu nutzen, strebt die<br />

Europäische Union trotz Skepsis eine Zusammenarbeit<br />

mit China im Rahmen von Infrastrukturinvestitionsprojekten<br />

an. Voraussetzung ist<br />

dabei, dass europäische Standards und Gesetze<br />

eingehalten werden.<br />

Foto: Schaeffler AG<br />

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13<br />

3. Was waren die interessantesten Punkte<br />

des zweiten Seidenstraßen-Gipfels im April<br />

für Schaeffler?<br />

In seiner Eröffnungsrede sicherte Staatschef XI<br />

Jingping zu, China werde der internationalen<br />

Kritik an seiner „Neuen Seidenstraße“ mit mehr<br />

Offenheit und Verbesserungen der Initiative<br />

begegnen. China möchte darüber hinaus die<br />

Kooperation mit den internationalen Institutionen<br />

intensivieren. Dies ist eine positive<br />

Botschaft. Daneben war auch die Einsicht<br />

wichtig, dass die Seidenstraßen-Initiative zwar<br />

unter Führung der chinesischen Regierung stehe,<br />

aber die Unternehmen als die wichtigsten und<br />

mit der Umsetzung betrauten Akteure auftreten<br />

und für die Finanzierung der Projekte Sorge<br />

tragen.<br />

4. Hat Schaeffler bereits Seidenstraßen-<br />

Projekte vereinbart. Was sind dabei die<br />

Schwerpunkte?<br />

Da aktuell der Schwerpunkt der Projekte<br />

entlang der „Neuen Seidenstraße“ vor allem auf<br />

Infrastrukturausbau liegt, sehen wir für Schaeffler<br />

insbesondere Potenzial bei den Projekten im<br />

Bereich Bahn und Bahninfrastruktur. Wir beteiligen<br />

uns an konkreten Infrastrukturprojekten<br />

in Indonesien, Malaysia, Thailand, in China und<br />

in Kasachstan. Wir sehen zukünftig aber auch<br />

weitere Chancen, uns als Technologiepartner<br />

mit Komponenten- und Systemverständnis für<br />

Projekte im Mittleren Osten, in Afrika und<br />

Zentralasien einzubringen.<br />

5. Wie kommt Schaeffler an Aufträge innerhalb<br />

der Seidenstraßen-Initiative?<br />

Seit 2016 beschäftigt sich eine interregionale<br />

und divisionsübergreifende Arbeitsgruppe mit<br />

dem kontinuierlichen Monitoring der Initiative<br />

und neu entstehender Projekte und der Bewertung<br />

der reellen Geschäftschancen. Darauf<br />

basierend eruieren wir gemeinsam mit unseren<br />

am Projekt beteiligten Partnern und Kunden<br />

Möglichkeiten der lokalen Zusammenarbeit.<br />

Daneben engagieren wir uns mit weiteren deutschen<br />

Unternehmen in einer gemeinsamen<br />

Initiative. Die Arbeitsgruppe „Eurasische<br />

Konnektivität“ wurde im Jahr 2017 von der<br />

Schaeffler Gruppe gemeinsam mit dem Auswärtigen<br />

Amt der Bundesrepublik Deutschland<br />

initiiert. Die Plattform dient zum Austausch<br />

zwischen Politik und Vertretern deutscher Unternehmen,<br />

Verbänden und Finanzinstitutionen<br />

zu der Frage, wie europäische Unternehmen zu<br />

den Projekten entlang der „Neuen Seidenstraße“<br />

beitragen können.<br />

6. Mit der Seidenstraßen-Initiative entstehen<br />

auch neue Frachtverbindungen zwischen<br />

Asien und Europa. Nutzt Schaeffler diese<br />

Verbindungen bereits?<br />

In der Tat hat Schaeffler generell ein hohes<br />

Transportvolumen von Europa nach China. Die<br />

neuen Frachtverbindungen bieten Schaeffler<br />

Vorteile, sowohl auf der Kosten- als auch auf<br />

der Zeitseite und werden seit einiger Zeit<br />

vermehrt genutzt.<br />

7. In einigen Ländern der Seidenstraßen-<br />

Initiative ist Schaeffler seit langem im<br />

Geschäft. Ist die Initiative dort neue Konkurrenz<br />

oder ergänzen sich die Geschäfte?<br />

Durch die chinesische Beteiligung entstehen<br />

sehr viele neue Projekte, sei es auf der Landroute<br />

oder auf der Seeroute. Viele dieser Länder<br />

stellen für Schaeffler Wachstumsmärkte dar.<br />

Länder der Eurasischen Wirtschaftsunion setzen<br />

beispielsweise große Hoffnung auf die „Neue<br />

Seidenstraße“, insbesondere hinsichtlich der<br />

Branchen Öl & Gas und Bahn. Für den Ausbau<br />

der Seeroute steht Afrika besonders im Zentrum<br />

der chinesischen Auslandsinvestitionen. An der<br />

afrikanischen Küste des Indischen Ozeans<br />

investiert China verstärkt in Hafenentwicklungsprojekte.<br />

Im Mittleren Osten entstehen<br />

neue Megastädte mit chinesischer Beteiligung.<br />

Diese Projekte bieten für uns als Automobilund<br />

Industriezulieferer und vor dem Hintergrund<br />

unseres bestehenden Engagements in<br />

den genannten Regionen viel Potenzial.<br />

Vielen Dank, Herr Prof. Lindner, für das<br />

Gespräch!<br />

Milestones<br />

PROF. DR. RAINER LINDNER<br />

• Studium, Promotion und Habilitation<br />

an den Universitäten Tübingen,<br />

Harvard, Konstanz<br />

• <strong>19</strong>94 bis <strong>19</strong>98 Berater der Bundesregierung<br />

und des Bundestages am<br />

Deutschen Institut für Internationale<br />

Politik und Sicherheit der Stiftung<br />

Wissenschaft und Politik<br />

• seit 2008 außerplanmäßige Professur<br />

an der Universität Konstanz<br />

• 2008 bis 2015 Geschäftsführer des<br />

Ost-Ausschusses der Deutschen<br />

Wirtschaft<br />

• seit 2016 CEO der Subregion Mittel-<br />

& Osteuropa und Mittlerer Osten &<br />

Afrika, Schaeffler AG<br />

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14 Titel<br />

Internationaler Handel braucht<br />

ein neues, effizientes Logistiknetz<br />

Integrierte Wirtschaftsbeziehungen schaffen Arbeitsplätze vor Ort.<br />

Europäische Partner wirken in Drittstaaten mit.<br />

COSCO-Containerschiff am Hafen in Piräus<br />

Auf vielen deutschen Durchgangsbahnhöfen<br />

sind lange Frachtzüge mit<br />

Containern aus China ein alltägliches<br />

Bild. Bis Ende März 20<strong>19</strong> verkehrten<br />

14.691 Containerzüge zwischen China und Europa.<br />

Mehr als 40 Ziele in 15 europäischen Ländern<br />

sind so direkt mit über 60 Städten in China verbunden.<br />

Im Jahr 2017 waren es 3.673 Fahrten,<br />

mehr als in den vorangegangenen sechs Jahre<br />

zusammengerechnet. 2018 fuhren die Züge<br />

6.363 Mal zwischen China und Europa, was eine<br />

Steigerung von 73 Prozent gegenüber dem Vorjahr<br />

ausmacht, berichtet ein Sprecher der China<br />

Railway Container Transport Co., Ltd. (CRCT). Der<br />

Containerverkehr benötigt für die Strecke<br />

zwischen elf und zwanzig Tagen, während der<br />

Schiffsverkehr vier bis sechs Wochen dauert.<br />

Damit entsteht auch eine kostengünstige und<br />

umweltverträglichere Alternative zur Luftfracht.<br />

Neue Logistikstrukturen sind dringend notwendig.<br />

In den vergangenen vierzig Jahren hat der<br />

Handel zwischen China und Europa um den<br />

Faktor 250 zugenommen, und die EU ist seit<br />

fünfzehn Jahren in Folge Chinas größter Handelspartner,<br />

während China seit Jahren der zweitgrößte<br />

Handelspartner der EU ist, so Chinas<br />

Ministerpräsident LI Keqiang in einem Gastbeitrag<br />

im „Handelsblatt“.<br />

Doch nicht nur der mit dem Handel stark<br />

gestiegene Güterumschlag erfordert neue<br />

Logistikstrukturen. Der Handel ist nicht mehr<br />

nur ein einfacher Austausch von Waren,<br />

sondern verläuft immer mehr als Teil einer<br />

integrierten Wirtschaftsbeziehung, in der es<br />

um viel mehr als die Lieferung von fertigen<br />

Produkten geht. So zum Beispiel in Südfrankreich.<br />

„Wir machen den Chinesen ein Angebot<br />

und sie investieren in unseren Hafen. Unser<br />

Hafen ist ideal gelegen und wird zu einer<br />

Drehscheibe des chinesisch-europäischen<br />

Güterumschlags“, erklärt Philippe Guillaumet,<br />

Sprecher des Hafen Marseille.<br />

Im Umfeld des Hafens haben sich hunderte von<br />

chinesischen Händlern niedergelassen, welche<br />

schwerpunktmäßig im Modebereich Geschäfte<br />

machen. Dies in beide Richtungen, da hochwertige<br />

Mode aus Europa in China gefragt ist,<br />

ebenso wie Provence-Gewürze oder französische<br />

Weine. Auch Fabriken, beispielsweise für<br />

die Reifenproduktion entstehen in Hafennähe,<br />

mit denen die Container bei der Rückfahrt<br />

gefüllt werden. Allein im neuen Marseille<br />

International Fashion Center (MIF) sind bereits<br />

über 100 chinesische Firmen angesiedelt. „Es<br />

wird die größte Anlage dieser Art in Europa“,<br />

berichtet MIF-Vorsteher CHEN Dingguo.<br />

Chinas Präsident XI Jinping vereinbarte bei<br />

seinem Italienbesuch im März eine Zusammenarbeit<br />

beider Länder in der Seidenstraßen-<br />

Initiative. Hongkongs „South China Morning<br />

Post“ berichtete über vier maritime Projekte,<br />

neben Triest und Genua auch die Häfen Ravenna<br />

an der nördlichen Adriaküste und Palermo auf<br />

Sizilien. Norditalien soll sich zum großen Umschlagplatz<br />

für chinesische Exporte entwickeln.<br />

Die China COSCO Shipping Corporation Ltd.,<br />

kurz COSCO Shipping, hält bereits Beteiligungen<br />

an den Häfen von Valencia und Bilbao in<br />

Spanien und von Vado in Italien.<br />

Noch weiter östlich in Griechenland liegt mit<br />

Piräus der erste natürliche Tiefseehafen, den<br />

Containerschiffe aus Asien in Europa erreichen.<br />

Für 280 Millionen Euro kaufte COSCO Shipping<br />

vor zwei Jahren 51 Prozent an der bis dahin<br />

staatlichen Hafengesellschaft PPA. Im Gegenzug<br />

darf die viertgrößte Reederei der Welt jetzt in<br />

Fotos: klein: China Railway, Aerial-motion/shutterstock<br />

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15<br />

Piräus mehrere Container-, Auto- und Passagierterminals<br />

bis 2052 betreiben. Der Handel war Teil<br />

des Privatisierungsprogramms, das die EU und<br />

der Internationale Währungsfonds im Zuge der<br />

Schuldenkrise von Griechenland verlangten.<br />

Seit dem Einstieg von COSCO Shipping hat sich<br />

der Warenumschlag in Piräus mehr als verdreifacht.<br />

2017 waren es knapp 3,7 Millionen Container;<br />

2018 stieg der Umschlag um 18,4 Prozent<br />

auf 4.9 Millionen. Piräus ist der Hafen mit dem<br />

derzeit weltweit schnellsten Wachstum. Geht es<br />

in diesem Tempo weiter, dauert es nicht mehr<br />

lange bis Hamburg von Platz drei in Europa verdrängt<br />

ist. Die Schweiz und Österreich wickeln<br />

bislang einen Großteil ihres Außenhandels über<br />

die Nordhäfen ab. Zukünftig könnte dies schneller<br />

und kostengünstiger über die Mittelmeerhäfen<br />

laufen.<br />

wir natürlich ausbauen.“ Im Umfeld des Transport-Drehkreuzes<br />

haben sich bereits hunderte<br />

chinesische Unternehmen angesiedelt, berichtet<br />

Johannes Pflug, China-Beauftragter von<br />

Duisburg.<br />

Etwa die Hälfte aller Züge von China nach<br />

Europa enden in Duisburg, erklärt Markus Teuber,<br />

Generalbevollmächtigter der Duisburger Hafen<br />

AG. Die Duisburger sind über diese Initiative mit<br />

weiteren Projekten entlang der „Neuen Seidenstraße“<br />

verbunden. „Die Chinesen haben in<br />

Minsk ein riesiges Industriegebiet entwickelt, in<br />

denen sich mehr als 30 Produktionsbetriebe<br />

angesiedelt haben. China hat uns gebeten, dort<br />

ein bimodales Terminal zu entwickeln.“ Auch<br />

eine Beteiligung der Duisburger an dem Minskprojekt<br />

ist geplant und auch weitere Projekte,<br />

wie z. B. in Istanbul, sind angedacht, so Teuber.<br />

vorangetrieben, sondern in Duisburg sind auch<br />

300 neue Arbeitsplätze entstanden.<br />

Neueste Studien der Weltbank und anderer<br />

internationaler Institutionen legen nahe, dass die<br />

Kooperation im Rahmen der Seidenstraßen-<br />

Initiative die Kosten des weltweiten Handels<br />

um 1,1 bis 2,2 Prozent und des Handels entlang<br />

des Wirtschaftskorridors China-Zentralasien-<br />

Westasien um 10,2 Prozent senken wird. Doch<br />

der zukünftige Handel ist weit mehr als der<br />

massenhafte, schnelle Transport von Containern<br />

über die Kontinente. Er ist ein integriertes<br />

Wirtschaftssystem, in dem notwendigerweise<br />

Wertschöpfung und Arbeitsplätze vor Ort entstehen.<br />

Um dies zu etablieren, ist eine gegenseitige<br />

Offenheit für gleichberechtigte internationale<br />

Kooperationen erforderlich.<br />

Foto: China Railway<br />

Im Sommer 2018 meldete ein chinesisches<br />

Konsortium, an dem auch der chinesische Internetriese<br />

Alibaba beteiligt war, Interesse an Investitionen<br />

im Hamburger Hafen an, um diesen zu<br />

einer Logistik-Drehscheibe auszubauen. Dies<br />

kam nicht zustande und Alibaba investiert jetzt<br />

75 Millionen Euro in ein Logistikzentrum im<br />

belgischen Lüttich, von dem hauptsächlich europäische<br />

Markenprodukte nach China vermarket<br />

werden sollen.<br />

Die Schiffsrouten sollen mit Flug- und Zugverbindungen<br />

eine leistungsfähigere und kostengünstigere<br />

Infrastruktur schaffen. Dies geht nur<br />

in internationalen Kooperationen. Das China-<br />

Geschäft sei das wichtigste Wachstumssegment<br />

für Duisburg, sagte der Vorstandsvorsitzende der<br />

Duisburger Hafen AG, Erich Staake. „Das wollen<br />

Viele der Logistikimmobilen kann das Logistik-Großunternehmen<br />

Logicor optimal vernetzen,<br />

das 2017 von der China Investment Corporation<br />

für 12,25 Milliarden Euro aufgekauft wurde.<br />

„Logicor ist ein Asset-Paket, seine Pächter<br />

stammen vor allem aus den Bereichen Third<br />

Party Logistics, Transport, E-Commerce, Einzelhandel,<br />

Lebensmittelverarbeitung und industrielle<br />

Produktion. Deshalb ist dieses Projekt<br />

eng verbunden mit Konzepten wie Vernetzung,<br />

Schaffung von Arbeitsplätzen vor Ort sowie<br />

Aufwertung von Wirtschaft und Industrie“,<br />

erklärt CAI Zhiwei, Leiter der Abteilung für<br />

Immobilien der China Investment Corporation.<br />

Laut seinen Angaben besitzt Logicor mehr als<br />

20 Immobilien allein im Ruhrgebiet. Die wichtigste<br />

davon befindet sich in Duisburg und verfügt<br />

über eine Fläche von mehr als 60.000 Quadratmetern.<br />

Duisburg verfügt nicht nur über<br />

den größten Binnenhafen der Welt, sondern ist<br />

zugleich auch ein wichtiger Knotenpunkt für<br />

den Warenverkehr zwischen China und Europa.<br />

Inzwischen ist das weltweit größte Gütertransportunternehmen<br />

Kühne + Nagel langfristiger<br />

Pächter der Logistikeinrichtung von Logicor in<br />

Duisburg und bietet von dort aus für Kunden in<br />

aller Welt Third-Party-Logistics-Dienstleistungen<br />

an. Dadurch wird nicht nur die Entwicklung der<br />

Third-Party-Logistics-Branche im Ruhrgebiet<br />

China Railway Container<br />

Transport Corp., Ltd.<br />

(CRCT)<br />

Die China Railway Container Transport<br />

Corp., Ltd. (CRCT) ist ein<br />

staatseigenes Containertransportunternehmen,<br />

das zur China Railway<br />

Corporation gehört. CRCT ist die<br />

einheitliche Betriebs- und Serviceplattform<br />

von China Railway für die<br />

Zugverbindungen China-Europa und<br />

China-Asien.<br />

COSCO Shipping<br />

Corporation Ltd.<br />

Die China COSCO Shipping Corporation<br />

Ltd. entstand im Jahr 2016<br />

aus dem Zusammenschluss der beiden<br />

staatlichen Reedereikonzerne<br />

China Shipping Group und der China<br />

Ocean Shipping (Group) Company,<br />

kurz COSCO. Seit der Fusion ist<br />

COSCO Shipping die viertgrößte<br />

Reederei der Welt.<br />

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16 Titel<br />

Neue Finanzierungsinstrumente<br />

verringern Kreditrisiko<br />

Foto: Number1411/shutterstock<br />

Finanzkrise, Schuldenfalle oder Abhängigkeit<br />

ganzer Nationen wie Griechenland<br />

und Italien sind eher von westlichen<br />

Banken und Akteuren ausgelöst. „China<br />

versucht Mechanismen zu finden, um eine<br />

solche Schuldenfalle zu vermeiden“, so LI<br />

Chengwen, Botschafter des Kooperationsforums<br />

chinesisch-arabischer Staaten vom<br />

chinesischen Außenministerium während einer<br />

Sitzung des Weltwirtschaftsforums im März<br />

20<strong>19</strong> in Jordanien. Li wies darauf hin, dass sich<br />

bisher kein Land, das an der BRI teilnimmt, beschwert<br />

habe, in eine Falle chinesischer Kredite<br />

geraten zu sein.<br />

„Wenn Sie Ihre eigenen Interessen sicherstellen,<br />

werden Sie China nicht als unfairen Partner<br />

empfinden“, erklärte Shandana Gulzar Khan,<br />

Pakistans Handelssekretär. „Aber es kommt<br />

darauf an, wie gut du deine Hausaufgaben<br />

machst.“ In Pakistan habe der Wirtschaftskorridor<br />

China-Pakistan zehntausende von<br />

Arbeitsplätzen geschaffen und die Wirtschaft<br />

einer ganzen Region belebt, so Khan. Während<br />

der Sitzung kommentierte HE Wenping von der<br />

Chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften<br />

Lis Bemerkungen. „Die größte Sorge in<br />

Bezug auf die ‚Schuldenfallen-Diplomatie‘ sollte<br />

von Chinas Seite kommen, nicht von außen. Es<br />

ist das Geld der Steuerzahler“, sagte die chinesische<br />

Professorin.<br />

In der Praxis hatten Schwellenländer Probleme,<br />

günstige Kredite für Infrastrukturmaßnahmen<br />

von den durch die USA und Europa dominierten<br />

internationalen Banken zu bekommen. Daher<br />

entstand unter chinesischer Führung im Jahr<br />

2014 die Asian Infrastructure Investment Bank<br />

(AIIB), der bis Ende 2018 bereits 93 Länder<br />

beigetreten sind, unter anderem Deutschland.<br />

AIIB-Präsident JIN Liqun beschreibt das Projekt<br />

„Neue Seidenstraße“ und seine Bank als die zwei<br />

Motoren desselben Flugzeugs.<br />

Für die neuen Finanzierungsinstrumente sammelt<br />

China Erfahrung. Am Anfang lief nicht<br />

alles optimal und einige Finanzierungspakete<br />

werden nachbehandelt. Wichtig für gute Finanzierungsinstrumente<br />

ist eine verbesserte internationale<br />

Kooperation. Die chinesische Zentralbank<br />

(PBoC) hat im April der Deutschen Bank<br />

»Die Commerzbank und die<br />

Industrial and Commercial Bank<br />

of China haben eine Vereinbarung<br />

zur Unterstützung von<br />

Projekten im Rahmen der Neuen<br />

Seidenstraße vereinbart.«<br />

Nikolaus Giesbert, Bereichsvorstand Trade<br />

Finance & Cash Management, Commerzbank<br />

als erstem Bankhaus weltweit die Erlaubnis<br />

erteilt, in Onshore-Renminbi (CNY) nominierte<br />

Forexprodukte allgemein in jeder Niederlassung<br />

anzubieten. Mit dieser weiteren Öffnung von<br />

Chinas Finanzmarkt vereinfachen sich nicht nur<br />

Geschäfte in China, sondern auch Projekte mit<br />

chinesischen Konzernen innerhalb der Seidenstraßen-Initiative.<br />

Mit der China Development<br />

Bank (CDB) möchte die Deutsche Bank 3 Milliarden<br />

US-Dollar für Seidenstraßen-Projekte<br />

zur Verfügung stellen.<br />

Chinas Initiative führte dazu, dass jetzt auch<br />

andere Länder und Finanzgruppen neue und<br />

bessere Kreditmöglichkeiten anbieten. Kredite<br />

innerhalb der Seidenstraßen-Initiative sind<br />

in erster Linie Kredite wie andere auch und<br />

sollten zunächst mit der eigenen Hausbank<br />

abgesprochen werden, die auch bei Fragen zu<br />

konkreten Projekten helfen kann, so Nikolaus<br />

Giesbert, Bereichsvorstand Trade Finance &<br />

Cash Management bei der Commerzbank, dem<br />

Marktführer der deutschen Außenhandels-<br />

Finanzierung. „Wir als Commerzbank beraten<br />

und unterstützen unsere Kunden beim Thema<br />

„Neue Seidenstraße“ proaktiv durch unsere<br />

lokale Präsenz, unser Partnerbanken-Netzwerk<br />

und unsere langjährige Erfahrung in der Abwicklung<br />

von Auslandsgeschäften.“<br />

Gut ist es dabei auf internationale Konsortien<br />

zurückzugreifen. „Die Commerzbank und die<br />

Industrial and Commercial Bank of China<br />

haben eine Vereinbarung zur Unterstützung von<br />

Projekten im Rahmen der Neuen Seidenstraße<br />

vereinbart. Die Zusammenarbeit erstreckt sich<br />

über eine Reihe von Produktbereichen, darunter<br />

Kapitalmarktfinanzierung und -beratung sowie<br />

die Handelsfinanzierung. Die Commerzbank<br />

strebt an, in den nächsten fünf Jahren Projekte<br />

mit Bezug zur Seidenstraßen-Initiative in Höhe<br />

von insgesamt 5 Milliarden US-Dollar zu unterstützen“,<br />

berichtet Giesbert.<br />

Mit diesen Initiativen bestehen auch für Unternehmen<br />

und Länder verbesserte Finanzierungsmöglichkeiten.<br />

Eine Falle ist dies sicherlich<br />

nicht, da die Finanzierungen genauso, wie auch<br />

andere Finanzierungen darauf angelegt sind,<br />

zukünftig Gewinne zu erzielen.<br />

www.chk-de.org


17<br />

Grüne Seidenstraße<br />

Wirtschaftliche, soziale und ökologische Entwicklung als Einheit<br />

In der Entwicklung hin zu weltweitem<br />

grünem, nachhaltigem Wachstum zeigt sich<br />

ein gewaltiger Widerspruch. Einerseits gibt<br />

es große Fortschritte bei der Energieeffizienz.<br />

Andererseits nimmt die Zahl der Verbraucher<br />

und der Pro-Kopf-Verbrauch weltweit rasant<br />

zu. Allein in Indien steigt die Bevölkerungszahl<br />

jährlich um 12 Millionen Menschen.<br />

Dabei verbrauchen die über 1,3 Milliarden<br />

Einwohner des Subkontinents pro Kopf etwa<br />

0,5 Tonnen Öläquivalent, im asiatischen Singapur<br />

dagegen 13,8 Tonnen. Entwicklung<br />

bedeutet mehr Konsum für mehr Menschen,<br />

der nur mit verbesserter Energieeffizienz kaum<br />

klimaneutral ablaufen kann. Doch kann man es<br />

den Schwellenländern nicht verübeln, wenn sie<br />

pro Kopf nicht weniger Energieverbrauch als in<br />

den Industrieländern beanspruchen.<br />

In seiner Gesetzgebung hat sich China bereits<br />

einer „ökologischen Zivilisation“ verschrieben.<br />

In diesem Zusammenhang wurden als rechtliche<br />

Voraussetzung für alle wichtigen wirtschaftlichen<br />

Entwicklungsaktivitäten Strategische<br />

Umweltprüfungen (SUP) durchgeführt.<br />

Jetzt können die guten Umweltpraktiken, die<br />

bereits innerhalb der eigenen Grenzen vorgeschriebenen<br />

sind, auch für die Handelskorridore<br />

außerhalb des chinesischen Staatsgebietes<br />

genutzt werden. „Die Initiative Neue Seidenstraße<br />

könnte für China eine Chance zur Übernahme<br />

einer Führungsrolle bei der weltweiten<br />

Förderung der Nachhaltigkeit bedeuten“, fasst<br />

Henrique Pereira diese Initiative in der Studie<br />

„Environmental challenges for the Belt Road<br />

Initiative“, die im Jahr 2018 in der Zeitschrift<br />

„Nature Sustainability“ erschienen ist, zusammen.<br />

In der Praxis gibt diese Initiative auch europäischen<br />

Unternehmen gute Geschäftsmöglichkeiten,<br />

wenn sie die Mechanismen<br />

einer nachhaltigen, ökologisch ausgerichteten<br />

Entwicklung verstehen. Große ökologische<br />

Fortschritte verzeichnen auch beispielsweise<br />

die manchmal im Westen kritisch gesehenen<br />

Eisenbahnprojekte in Afrika. Gegenüber dem<br />

Transport auf der Straße verursachen diese<br />

weniger als die Hälfte der Emissionen für die<br />

gleiche Güterleistung. Sie bringen mehr Wohlstand,<br />

mehr Sicherheit. Wirtschaft, Soziales<br />

und Ökologie sind untrennbar in diesem<br />

Zukunftskonzept der Seidenstraße verbunden.<br />

Primärenergieverbrauch pro Kopf<br />

(in Tonnen Öläquivalent, 2014)<br />

Welt<br />

USA<br />

Deutschland<br />

China<br />

Indien<br />

Singapur<br />

1,79<br />

3,76<br />

2,14<br />

2,14<br />

7,04<br />

13,8<br />

Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung<br />

Den größten Einfluss auf die Energieeffizienz<br />

weltweit hat einer Studie der Internationalen<br />

Energieagentur (IEA) zufolge bereits China, wo<br />

sehr große Fortschritte erzielt worden sind.<br />

Durch den effizienteren Energieeinsatz ist<br />

allein im Jahr 2016 gegenüber dem Vorjahr eine<br />

Einsparung von 2,2 Billionen US-Dollar, etwa<br />

das Doppelte der Größe der australischen Wirtschaftsleistung,<br />

erzielt worden. China sieht diese<br />

wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen<br />

Entwicklungsprobleme im Zusammenhang und<br />

wirbt für eine verbesserte Energieeffizienz auf<br />

der grünen Seidenstraße. Nachdem sich die<br />

USA aus diesen Zukunftsthemen zurückziehen,<br />

übernimmt China jetzt die Führungsrolle bei der<br />

Eindämmung des weltweiten Klimawandels.<br />

Auf dem zweiten Seidenstraßengipfel im April<br />

dieses Jahres in Peking bekräftigte XI Jinping<br />

dieses Konzept. „Wir setzen auf grüne Infrastruktur<br />

und wollen grüne Investitionen vorantreiben.<br />

Wir wollen das gemeinsame Zuhause, in<br />

dem wir leben, schützen“, erklärte XI und kündigte<br />

an, dass die Seidenstraßen-Initiative grüner<br />

werden solle. Es gelte nicht nur bei der Durchführung<br />

der Projekte den Umweltschutz zu<br />

berücksichtigen, sondern ein besonderes<br />

Augenmerk darauf zu legen, dass die Projekte<br />

selbst zum Schutz der Umwelt beitrügen. „Die<br />

Menschheit ist gegenüber den Herausforderungen<br />

der ökologischen Umwelt eine Gemeinschaft<br />

mit geteilter Zukunft. Kein Land kann sie<br />

allein bewältigen“, so XI.<br />

In westlichen Medien wird die Initiative in<br />

Schlagzeilen oft noch einseitig als Gefahr für<br />

die Umwelt bezeichnet und einseitig Ratschläge<br />

nach Standards gegeben, die meist auf Verzicht<br />

hinauslaufen. China ist für Umweltstandards,<br />

die jedoch gemeinsam mit den Ländern<br />

entlang der „Neuen Seidenstraße“ entwickelt<br />

werden müssen und nicht einseitig vorgeschrieben<br />

werden können.<br />

Grüne Anlageprinzipien<br />

Beim 2. „Belt and Road“-Forum Ende<br />

April unterzeichneten 27 Finanzinstitute,<br />

darunter die Deutsche Bank, sogenannte<br />

grüne Anlageprinzipien für die<br />

„Neue Seidenstraße“. Sie verpflichten<br />

sich damit freiwillig zu möglichst nachhaltiger<br />

Finanzierung von Chinas Seidenstraßen-Vorhaben.<br />

Foto: archimede/shutterstock<br />

www.chk-de.org<br />

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18 Zahlen · Daten · Fakten<br />

www.chk-de.org


<strong>19</strong><br />

Steigendes Interesse<br />

Teilnehmer „Belt and Road“-Forum 2017 und 20<strong>19</strong><br />

2017<br />

29<br />

20<strong>19</strong><br />

37<br />

Staats-und Regierungschefs<br />

2017<br />

130<br />

20<strong>19</strong><br />

Teilnehmende Länder<br />

150<br />

2017<br />

20<strong>19</strong><br />

70<br />

Internationale Organisationen<br />

90<br />

Hohe Investitionen<br />

im Jahr 2018<br />

Quelle: www.beltandroadforum.org<br />

Nicht-finanzielle Investitionen<br />

chinesischer Unternehmen in<br />

56 BRI-Anrainerstaaten<br />

15,64 Mrd. US $<br />

(+8,9% im Vgl. zum<br />

Vorjahr)<br />

Vertragsprojekte in BRI-Ländern 7721<br />

Vertragssumme aller Projekte 125,78 Mrd. US $<br />

Mehr Handel<br />

und Kooperationen<br />

Quelle: MOFCOM<br />

Handelsvolumen zwischen<br />

China und den Regionen<br />

entlang der „Neuen Seidenstraße“<br />

(2013 bis 2018)<br />

BRI-Kooperationen<br />

seit 2013<br />

mehr als<br />

6 Billionen US $<br />

• 173 Kooperationsdokumente<br />

unterzeichnet<br />

• mit 125 Ländern<br />

und<br />

29 internationalen<br />

Organisationen<br />

Quelle: National Development and Reform Commission (NDRC)<br />

www.chk-de.org


20 Titel<br />

Digital<br />

und global<br />

Internationalisierung, Automation und Digitalisierung<br />

erzeugen völlig neue Bedingungen<br />

für internationale Geschäfte. Die digitale<br />

Infrastruktur muss dafür ebenso leistungsstark<br />

sein, wie die reale Infrastruktur. Das Projekt<br />

„Digitale Seidenstraße“ soll Unternehmen entlang<br />

der Seidenstraße durch die Digitalisierung<br />

Geschäfte erleichtern und die Handelsbeziehungen<br />

zwischen China und Europa stärken.<br />

Dafür bauen chinesische Betreiber die Netzwerkinfrastruktur<br />

immer weiter aus und vertiefen<br />

die Zusammenarbeit mit nationalen Partnern.<br />

Es geht darum, die Stärken beider Seiten zu<br />

nutzen und eine effektive Informations- und<br />

Kommunikationsbrücke zwischen Europa und<br />

Asien aufzubauen.<br />

Gleichzeitig unterstützen chinesische Netzbetreiber<br />

Unternehmen aus Europa und den Seidenstraßen-Ländern<br />

dabei, die Qualität ihrer<br />

Netzverbindungen weiter zu erhöhen. China<br />

Mobile, der nach Kundenanzahl größte Mobilfunkanbieter<br />

der Welt, hat auf dem heimischen<br />

Markt einmalige Erfahrung zum Aufbau von<br />

leistungsfähigen, sicheren und kostengünstigen<br />

mobilen Dienstleistungen. „Die Verwirklichung<br />

von globaler Konnektivität ist die ursprüngliche<br />

Absicht und Strategie von China Mobile in<br />

Übersee“, berichtet CHENG Lan, General Manager<br />

Western Europe, China Mobile International Ltd.<br />

„Unternehmenskunden und Carrier-Kunden<br />

bieten wir umfassende Cloud- und netzwerkintegrierte<br />

Kommunikationslösungen, darunter<br />

Standleitungen, MLPS VPN, Cloud-Verbindungen<br />

und SD WAN. In den letzten Jahren haben wir<br />

unseren Fokus auch auf die internationale Zusammenarbeit<br />

und Investitionen in die Kommunikationsinfrastruktur<br />

gesetzt. Das bedeutet<br />

insbesondere die Verlegung von Netzressourcen<br />

unter Wasser und auf dem Land. Damit errichten<br />

wir nicht nur eine ‚Seidenstraße der Informationen‘.<br />

Durch PoP-Knotenpunkte entlang<br />

der Neuen Seidenstraße errichten wir außerdem<br />

eine ‚Seidenstraße der Informations-Stationen‘.<br />

Hinzu kommt die Förderung von regionalen<br />

Datencentern, wodurch auch eine ‚Seidenstraße<br />

der Informationsverteilung‘ entsteht. Außerdem<br />

verstärken wir die globale Cloud-Rechenzentrum-<br />

Infrastruktur, mit der die globale Konnektivität<br />

verbessert und eine dichte, intelligente und<br />

globale Netzwerkstruktur geschaffen wird, um<br />

eine Seidenstraße der Informationen innerhalb<br />

von Europa zu errichten“, erklärt Cheng.<br />

CHENG Lan,<br />

General Manager Western Europe,<br />

China Mobile International Ltd.<br />

Besonders für mittelständische Unternehmen<br />

ist es wichtig, für ihr internationales Geschäft<br />

auf diese Infrastruktur und diese Erfahrungen<br />

zurückgreifen zu können. „In letzter Zeit haben<br />

wir bereits europäische Kunden gewinnen<br />

können, die mit unserer Cloud-Connectivity-<br />

Lösung ‚Cloud Connect‘ über angemietete<br />

Cloud-Knotenpunkte in und außerhalb Chinas<br />

einen virtuellen Verbindungsservice nutzen.<br />

Hier richten wir uns nach den individuellen<br />

Bedürfnissen unserer Kunden bei der Cloudserver-Kommunikation,<br />

Datensynchronisation<br />

und dem Verbindungsservice hinsichtlich Stabilität<br />

und Sicherheit. Das hilft ihnen, den länderspezifischen<br />

Regularien entsprechende crossborder<br />

Verbindungen und Datenaustausch<br />

herzustellen“, berichtet Cheng.<br />

Um Projekte in Kasachstan oder in Afrika aus<br />

einer Zentrale aus Europa gut und kostengünstig<br />

steuern zu können, ist eine solche<br />

einheitliche Infrastruktur notwendig. Zudem<br />

machen neue Projekte, besonders auch in der<br />

Fertigungs industrie in den Schwellenländern<br />

der Seidenstraße, einen gewaltigen digitalen<br />

Entwicklungssprung in Richtung vernetzte Fertigung.<br />

Dabei steht die Verknüpfung der wirtschaftlichen<br />

und digitalen Entwicklung erst am<br />

Anfang. Grenzüberschreitender Onlinehandel,<br />

Online-Zahlsysteme, aber auch die schnelle<br />

weltweite Informationsbeschaffung über das<br />

Internet lassen die Datenströme weiter anwachsen<br />

und eine gute, leistungsfähige Infrastruktur<br />

dafür entscheidet über den zukünftigen wirtschaftlichen<br />

Erfolg.<br />

Fotos: Pasko Maksim/shutterstock (oben), China Mobile (CHENG Lan)<br />

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22 Titel<br />

DOPPEL-<br />

INTERVIEW<br />

Prof. LIU Zuokui<br />

Director, Department of Central and Eastern European Studies, Institute of European Studies,<br />

Chinese Academy of Social Sciences (CASS)<br />

Marina Rudyak<br />

Sinologin, Uni Heidelberg (Forschungsschwerpunkt: Chinas<br />

Entwicklungszusammenarbeit), Politikberaterin, interkulturelle Moderatorin<br />

1. Ende April fand das zweite Belt and Road<br />

Forum (BRF) in Peking statt, das erneut große<br />

Aufmerksamkeit innerhalb und außerhalb<br />

China erzeugt hat. Wie fällt Ihr Fazit des<br />

diesjährigen Forums aus?<br />

Liu: Das zweite Forum fand genau zum richtigen<br />

Zeitpunkt statt. Auf dem Forum wurde nicht nur<br />

die erste Phase des Aufbaus der „Neuen Seidenstraße“<br />

zusammengefasst und analysiert,<br />

sondern auch die nächste Phase der Initiative<br />

projektiert und der weitere Weg geebnet. Nach<br />

den letzten fünf Jahren wird in den nächsten<br />

fünf Jahren - bei gleichzeitiger Bewahrung der<br />

guten Entwicklungsimpulse - mit der aktiven<br />

Optimierung begonnen. Das bedeutet, wo vorher<br />

nach Quantität gestrebt wurde, geht es<br />

jetzt um zusätzliches Wachstum und wo nach<br />

Geschwindigkeit gestrebt wurde, geht es jetzt<br />

um Qualität. Um ein Bild aus der chinesischen<br />

Malerei zu benutzen: Es geht um den Übergang<br />

von der „Freihand-Malerei“ (Xieyi) zur „Detailreichen<br />

Malerei“ (Gongbi). Der zweite Gipfel<br />

konzentrierte sich demzufolge auf die Lösung<br />

von Problemen, die in der ersten Aufbauphase<br />

aufgetreten sind, auf das Zusammenstellen<br />

und das Öffentlichmachen der Erfolge und<br />

Erfahrungen aus der ersten Phase und die<br />

Grundsteinlegung für die weitere Entwicklung.<br />

Rudyak: Das Forum hat gezeigt, dass die chinesische<br />

Regierung sich der kritischen Stimmen<br />

zu BRI sehr wohl bewusst ist. Chinas Präsident<br />

XI Jinping kündigte in seiner Eröffnungsrede<br />

Kurskorrekturen an. Dabei nannte er nahezu<br />

alle zuvor von China geforderten Punkte: Zum<br />

einen sollen die BRI-Prozesse in Zukunft offen,<br />

grün, sauber und finanziell transparent sein.<br />

Ferner sicherte Xi zu, dass China sich künftig<br />

an internationale Regeln und Standards halten<br />

und „Rahmen für Schuldennachhaltigkeit“<br />

eingerichtet wird. Der letztere soll sich an<br />

Standards des Internationalen Währungsfonds<br />

und der Weltbank orientieren. Zudem versprach<br />

er auch, mehr Länder, Partner und internationale<br />

Organisationen als „Teilhaber“ in BRI miteinzubeziehen.<br />

All das spiegelt einen Lern- und<br />

Anpassungsprozess wider. Es zeigt, dass China<br />

sehr wohl auf Kritik von außen reagiert, was<br />

ihm viele nicht zugetraut haben. Nun aber<br />

müssen Worten auch Taten folgen. Die große<br />

Frage dabei wird sein, inwieweit es China gelingt,<br />

die Einhaltung der Standards v. a. gegenüber<br />

eigenen Unternehmen durchzusetzen. Das aber<br />

wäre die Voraussetzung, um international mehr<br />

Vertrauen zu gewinnen.<br />

2. Wirtschaftsminister Altmaier, der als Vertreter<br />

der Bundesregierung an dem Forum<br />

teilnahm, warb für mehr Geschlossenheit<br />

innerhalb der EU und kritisierte Alleingänge<br />

von einzelnen Staaten wie Italien. Wie<br />

bewerten Sie die Uneinigkeit innerhalb der<br />

EU in dieser Sache? Ist eine gemeinsame<br />

Strategie der EU-Mitgliedsstaaten aktuell<br />

realistisch?<br />

Liu: Beim Aufbau der „Neuen Seidenstraße“<br />

geht es darum, gemeinsames Wachstum durch<br />

Diskussion und Zusammenarbeit zu schaffen.<br />

China ist offen für jegliche Form der Zusammenarbeit,<br />

sofern sie im Sinne der internationalen<br />

Zusammenarbeit ist. Solange es der<br />

bilateralen und multilateralen Entwicklung<br />

nutzt und Win-Win-Situationen fördert, wird<br />

es Unterstützung von allen Seiten innerhalb<br />

Chinas geben. China hat bereits Kooperationsvereinbarungen<br />

mit zahlreichen internationalen<br />

Organisationen, regionalen Organisationen, Finanzinstitutionen,<br />

Ländern und Unternehmen<br />

geschlossen und reichhaltige und vielfältige<br />

Kooperationen aufgebaut. Der Aufbau der „Belt<br />

and Road“-Initiative fußt nicht nur auf Bilateralismus,<br />

sondern schließt auch multilaterale<br />

und andere innovative Kooperationsmodelle<br />

mit ein.<br />

Rudyak: Ironischerweise sind es ja gerade deutsche<br />

Unternehmen, die seit Jahrzehnten stark<br />

von Chinas Aufstieg profitiert haben. Viele der<br />

jetzigen „Alleingänger“ haben das deutsche<br />

Beispiel im Blick. Italien hat das BRI-MoU in der<br />

Hoffnung auf mehr chinesische Investitionen<br />

unterzeichnet. In der Realität lagen die vereinbarten<br />

Investitionszusagen deutlich unter denjenigen,<br />

die China kurz darauf mit Frankreich<br />

vereinbarte – ganz ohne MoU. Wenn jedoch<br />

Zusammenarbeit mit China dazu führt, dass einzelne<br />

EU-Mitglieder oder EU-Unternehmen die<br />

Werte der EU preisgeben, ist es ein Problem. Nur<br />

ist China dabei nicht die Ursache, sondern nur<br />

ein Symptom für das ungelöste Entwicklungsgefälle<br />

innerhalb der EU. Er rückt in Lücken ein<br />

und bedient Bedarfe. Eine gemeinsame, tragfähige<br />

Lösung für dieses Gefälle zu finden ist<br />

die Voraussetzung dafür, dass eine gemeinsame<br />

Strategie gegenüber China einen Mehrwert für<br />

alle EU-Mitgliedsstaaten darstellt.<br />

3. Die „Neue Seidenstraße“ soll internationale<br />

Kooperationen weiter vertiefen. Sehen<br />

Sie mehr Chance oder mehr Risiko für europäische<br />

Unternehmen?<br />

Liu: Die BRI ist eine offene und integrative<br />

Initiative, sie ist ein chinesisches Programm<br />

zur Förderung der wirtschaftlichen Globalisierung<br />

und der internationalen Gemeinschaft,<br />

um gemeinsame Prosperität und Wohlstand<br />

zu schaffen. Sie bietet Lösungsansätze, um<br />

Schwachstellen bei der derzeitigen Vernetzung<br />

und Konnektivität zu beheben, mit denen man<br />

im Zuge der Globalisierung konfrontiert ist. Bei<br />

diesem Prozess sind alle Länder eingeladen, die<br />

Entwicklungsmöglichkeiten, -programme und<br />

-erfahrungen Chinas aktiv zu teilen. Es ist be-<br />

Quelle: LIU Zuokui, www.keskin-arts.com (Marina Rudyak), Hamidah Samutharangkoon/shutterstock,<br />

www.chk-de.org


23<br />

reits zu sehen, dass seit dem Start der Initiative<br />

eine Reihe deutscher Unternehmen an der „Belt<br />

and Road“-Initiative teilgenommen und davon<br />

profitiert haben. Siemens hat ein Büro in Peking<br />

eingerichtet, um sich besser an BRI-Projekten<br />

beteiligen zu können und diese zu identifizieren.<br />

Lufthansa ist aktiv am Bau der „Seidenstraße<br />

des Luftverkehrs“ beteiligt. Ein weiteres<br />

Beispiel ist die Stadt Duisburg, der sich durch<br />

die BRI ebenfalls größere Entwicklungschancen<br />

bietet, von denen die Stadt bereits profitiert.<br />

Rudyak: Diese Frage lässt sich nicht robust<br />

beantworten, solange es keine Definition der<br />

„Neuen Seidenstraße“ gibt. Zwar spricht XI Jinping<br />

in seinen Reden von Finanzen, Infrastruktur,<br />

Innovation, Handel, Transport, Nachhaltigkeit,<br />

und persönlichen Kontakten zwischen<br />

Menschen – aber die chinesische Regierung hat<br />

nie eine offizielle Definition davon vorgelegt,<br />

was genau ein BRI-Projekt ausmacht. Weder<br />

gibt es eine Liste anerkannter BRI-Teilnehmer<br />

und Projekte noch Indikatoren an Hand derer<br />

Zielerreichung evaluiert werden kann. Somit ist<br />

BRI faktisch nicht messbar. Ohne Indikatoren<br />

können keine Rechenschaft oder Haftung eingefordert<br />

werden. Die amerikanische Politologin<br />

Yuen Yuen Ang schrieb kürzlich in „Foreign<br />

Affairs“, BRI sei mitnichten eine großangelegte<br />

Strategie, sondern weise vielmehr alle Charakteristiken<br />

der in China üblichen „Kampagnen“<br />

auf: Visionssetzung, Massenmobilisierung und<br />

nachträgliche Rekalibrierung. Inwieweit das<br />

mehr Chance oder Risiko ist, hängt von der Unternehmenskultur<br />

ab. Im Kern ist BRI sehr nah<br />

am agilen Management. Die größten Chancen<br />

bieten sich daher v. a. für Unternehmen, die agil<br />

denken und handeln können.<br />

4. Welchen Einfluss hat die Seidenstraßen-Initiative<br />

auf die internationale Weltordnung?<br />

Liu: Bei der „Belt and Road“-Initiative geht<br />

es nicht darum, die bestehende internationale<br />

Ordnung anzufechten, sondern darum, das<br />

Friedens-, Entwicklungs- und Governancedefizit<br />

sowie das Vertrauensdefizit in der bestehenden<br />

internationalen Ordnung zu beheben.<br />

Der Grund, warum die BRI die internationale<br />

Ordnung nicht herausfordert, liegt darin, dass<br />

China aktiv an den vier Grundsätzen „Fairness<br />

und Rationalität“, „gemeinsame Interessen“,<br />

„gegenseitiges Verständnis“ und „gegenseitiger<br />

Nutzen“ festhält und sich damit für die Verbesserung<br />

des bestehenden internationalen Governance-Systems<br />

einsetzt. Gleichzeitig lässt<br />

die „Belt and Road“-Initiative die derzeit ungerechten<br />

und unrationalen Stellen in der internationalen<br />

Ordnung nicht außer Acht, sondern<br />

liefert aktiv chinesische Lösungsansätze, zu<br />

denen Chinas Wissen beiträgt.<br />

Rudyak: BRI hat bereits jetzt zwei grundlegende<br />

Wirkungen erzielt: Es hat die internationale<br />

Aufmerksamkeit auf Entwicklungsbedarfe in<br />

Asien und Afrika gelenkt, und dringend benötigte<br />

Ressourcen mobilisiert. Die EU hat seit<br />

2018 eine neue Strategie zur Konnektivität von<br />

Europa und Asien. Auch ihre neue Zentralasienstrategie<br />

stellt Konnektivität in den Fokus. In<br />

Abgrenzung zu China sollen die Projekte transparent,<br />

ökonomisch nachhaltig und umweltverträglich<br />

sein, und den Partnerländern keine<br />

überbordenden Schulden aufbürden. Die USA<br />

haben in 2018 die International Development<br />

Finance Corporation gegründet und 60 Mrd.<br />

US-Dollar zur Ko-finanzierung von v. a. Infrastruktur-<br />

und regenerativen Energieprojekten<br />

in Asien und Afrika bereitgestellt. Auch das war<br />

eine explizite Antwort auf China. Aber die Entwicklungsländer<br />

brauchen das neue EU- und<br />

US-Engagement nicht statt des chinesischen,<br />

sondern zusätzlich. Hier müssen wir radikal<br />

umdenken, erst recht angesichts der Klimakrise<br />

und den Flucht- und Migrationsursachen. Entwicklung<br />

ist nicht deren Problem, es ist direkt<br />

und unmittelbar unseres. Die „Fridays for Future“-Generation<br />

hat das verstanden.<br />

5. Seit 2013, dem Jahr in dem die „Belt and<br />

Road“-Initiative offiziell gestartet wurde,<br />

hat sich viel getan. Wie wird die „Neue Seidenstraße“<br />

in zehn Jahren aussehen?<br />

Liu: Zehn Jahre vergehen schnell. In der heutigen<br />

Zeit der rasanten Entwicklung von Wissenschaft<br />

und Technologie sind die nächsten zehn<br />

Jahre erneut eine Zeit, in dem sich die Welt<br />

enorm verändern kann. Für die nächsten zehn<br />

Jahre der Entwicklung der „Belt and Road“-Initiative<br />

können wir daher auch nur kühne Vorhersagen<br />

treffen. Erwartbar ist, dass die globale<br />

Konnektivität und Kommunikation weiter<br />

zunimmt und das „globale Dorf“ immer kleiner<br />

wird. Egal ob es sich um physische Infrastruktur,<br />

Kommunikation, Luftverbindung handelt<br />

oder es um die Vernetzung und Verbindung des<br />

Austauschs zwischen den Menschen geht, die<br />

Distanz und die Hindernisse zwischen den Menschen<br />

werden immer kleiner. Chinas Wort hat in<br />

vielen Bereichen der globalen Vernetzung mittlerweile<br />

Gewicht, die chinesischen Lösungen<br />

werden Schritt für Schritt zu globalen Lösungen<br />

und chinesisches Wissen wird allmählich zu<br />

universellem Wissen.<br />

Rudyak: Das hängt davon ab, ob es China gelingt,<br />

die Versprechen des BRI-Forums umzusetzen.<br />

Das bedeutet erstens, Prioritäten<br />

festzulegen. Denn, BRI kann nicht alles sein.<br />

Zweitens muss China Standards für Qualität,<br />

Transparenz und Rechenschaft definieren – und<br />

transparent machen, welche Projekte diese<br />

Standards erfüllen. Drittens muss die Qualität<br />

der Projekte gesteigert werden. Chinas Vorteil<br />

ist, dass es bei all dem aus der Erfahrung des<br />

eigenen Weges von der Armut zur zweitgrößten<br />

Volkswirtschaft der Welt schöpfen kann. Eine<br />

maßgebliche Rolle spielte dabei Experimentierpolitik.<br />

Gerade dieses Modell bietet viele Chancen<br />

für Entwicklungsländer. Insbesondere dann,<br />

wenn chinesische und europäische Unternehmen<br />

in trilateralen Pilotprojekten zusammenarbeiten<br />

und ihre komparativen Stärken einbringen.<br />

Selbst Konkurrenten könnten hierbei durch<br />

Co-opetition profitieren. Voraussetzung dafür<br />

ist aber die Bereitschaft zu Agilität. Genau das<br />

war übrigens DENG Xiaopings „Reform- und<br />

Öffnung“ – sich von Stein zu Stein tastend<br />

den Fluss überqueren. Gelingt das gemeinsam,<br />

könnte BRI für Entwicklungsländer das werden,<br />

was „Reform und Öffnung“ für China war.<br />

Lieber Prof. Liu, liebe Frau Rudyak, wir<br />

danken Ihnen vielmals für das Interview!<br />

www.chk-de.org


24 Services<br />

Neues aus dem<br />

Beraternetzwerk<br />

Der Schutz von Know-how und Geschäftsgeheimnissen –<br />

was Unternehmen in Zukunft beachten müssen<br />

Das Ende April 20<strong>19</strong> verabschiedete<br />

Gesetz zum Schutz von Geschäftsgeheimnissen<br />

setzt eine entsprechende<br />

EU-Richtlinie um, die den Know-how-Schutz<br />

in Europa harmonisieren soll. Der bisher in<br />

Deutschland nur fragmentarisch geregelte<br />

Schutz geheimer Informationen wird nun<br />

erstmals in einem eigenen Gesetz behandelt -<br />

und stellt Unternehmen vor einige Herausforderungen.<br />

Denn während bisher das bloße Interesse an<br />

der Geheimhaltung von sensiblen Informationen<br />

für deren Qualifizierung als Geschäftsgeheimnis<br />

ausreichte, müssen Unternehmen<br />

nunmehr zusätzlich den Umständen nach<br />

„angemessene Geheimhaltungsmaßnahmen“<br />

getroffen haben, um überhaupt gesetzlichen<br />

Schutz in Anspruch nehmen zu können.<br />

Diese Neuerung ist umso bedeutender, als das<br />

Erfordernis angemessener Geheimhaltungsmaßnahmen<br />

rückwirkend auch für bereits bestehende<br />

Geschäftsgeheimnisse gilt.<br />

Es wird daher vorrangige Aufgabe von Unternehmen<br />

sein, ihre bestehenden Schutzsysteme<br />

zu analysieren und etwaige Schwächen zu<br />

identifizieren. Schutzlücken müssen mit<br />

wirtschaftlich vertretbarem Aufwand und<br />

Blick auf Wert und Wesen des jeweiligen<br />

Geschäftsgeheimnisses geschlossen werden.<br />

Sofern schlüssige Schutzkonzepte noch nicht<br />

implementiert sind, sind Unternehmen nun<br />

gefordert, derartige Konzepte zu entwickeln<br />

und einzurichten. Im Rahmen dessen sind<br />

rechtliche Maßnahmen wie der verstärkte<br />

Einsatz von NDAs und Wettbewerbsverboten,<br />

aber auch begleitende technische und organisatorische<br />

Maßnahmen wie Einrichtung von<br />

Firewalls oder Zugangsbeschränkungen zu<br />

sensiblen Informationen auf strikter „needto-know“-Basis<br />

maßgebliche Säulen jedes<br />

Schutzkonzeptes. Auch die kontinuierliche<br />

Überwachung und Evaluierung des Schutzsystems<br />

wird das Schutzniveau von Geschäftsgeheimnissen<br />

künftig maßgeblich prägen.<br />

Die neue Rechtslage betrifft keinesfalls nur<br />

deutsche Unternehmen, sondern wird auch<br />

für chinesische Geschäftspartner relevant.<br />

Die vom deutschen Gesetzgeber aufgestellten<br />

Anforderungen gelten nicht nur in den für<br />

chinesische Unternehmen besonders bedeutenden<br />

Branchen wie Automotive, Gesundheit<br />

und Medizintechnik, sondern für sämtliche<br />

deutsch-chinesischen Geschäftsbeziehungen<br />

und Kooperationen. Der Aufwand lohnt sich<br />

jedoch: ist die Hürde der Qualifizierung als<br />

Geschäftsgeheimnis überwunden, steht<br />

Unternehmen ein umfassendes Regelungsregime<br />

zur Verfügung, um gegen die unbefugte<br />

Verwendung von Know-how effektiv<br />

vorzugehen.<br />

Dr. Christopher Maierhöfer,<br />

Roksana Hosseini und<br />

Dr. WANG Ximeng,<br />

Bird & Bird LLP<br />

Foto: NicoElNino/shutterstock<br />

www.chk-de.org


25<br />

Investitionsprüfungen in<br />

BRI-relevanten Industrien<br />

Quelle: r.classen/shutterstock<br />

Auf dem zweiten „Belt and Road“-Forum<br />

Ende April in Peking wurden zahlreiche<br />

Kooperationsvereinbarungen mit verschiedenen<br />

Ländern und Unternehmen unterzeichnet.<br />

Auch mit der Siemens AG wurde<br />

eine Vereinbarung zur Intensivierung der<br />

Zusammenarbeit unterzeichnet. Der deutsche<br />

Technologiekonzern kooperiert vor dem Hintergrund<br />

der „Belt and Road“-Initiative bereits<br />

seit längerem mit zahlreichen chinesischen<br />

Unternehmen in Nicht-EU-Ländern in den Bereichen<br />

Stromerzeugung, Energiemanagement<br />

und Smart Manufacturing. In Deutschland<br />

und Europa gibt es allerdings Vorbehalte gegen<br />

eine Zusammenarbeit im Rahmen der „Belt<br />

and Road“-Initiative. Seit Ende letzten Jahres<br />

gelten in Deutschland verschärfte Vorschriften<br />

zur Investitionsprüfung für kritische Infrastrukturen.<br />

Hierzu zählen vor allem Unternehmen<br />

aus den Bereichen Strom-, Gas- und Trinkwasserversorgung<br />

sowie Telekommunikation – also<br />

gerade die Industriebereiche, die wesentlich für<br />

die „Belt and Road“-Initiative sind. Deutschland<br />

hat die Prüfschwelle für einen Anteilserwerb<br />

durch ausländische Investoren in diesen Bereichen<br />

auf 10 Prozent gesenkt. Dies ermöglicht<br />

der Bundesregierung, bereits kleinere Beteiligungen<br />

ausländischer Investoren in besonders<br />

sensiblen Bereichen in einem früheren Stadium<br />

zu prüfen und entsprechende Maßnahmen<br />

einzuleiten. Auch auf EU-Ebene wird eine Ausweitung<br />

der Investitionsprüfung vorangetrieben.<br />

Trotz des allgemeinen Trends zu einer aktiveren<br />

Industriepolitik bleibt doch festzuhalten, dass<br />

ausländische Investitionen in Deutschland<br />

bislang nur in ganz wenigen Fällen untersagt<br />

wurden. Eine sorgfältige Prüfung etwaiger<br />

Meldepflichten und ggf. die Beantragung<br />

einer Unbedenklichkeitsbescheinigung beim<br />

Wirtschaftsministerium ist aber anzuraten.<br />

Greenfield Investments und andere Strukturen<br />

dürften im Rahmen von „Belt and Road“ zudem<br />

an Bedeutung gewinnen.<br />

Thomas Weidlich und<br />

Dr. SHEN Yuan,<br />

Luther Rechtsanwaltsgesellschaft mbH<br />

Medienarbeit ist das A und O<br />

Obwohl Bundeskanzlerin Angela Merkel<br />

das Infrastrukturprojekt „Neue Seidenstraße“<br />

zunächst als Mittel zur Sicherung<br />

von chinesischen Investitionen in Europa begrüßt<br />

hat, ist die Berichterstattung in den<br />

deutschen Medien trotzdem oft negativ.<br />

Presseberichten zufolge gilt das Infrastrukturprojekt<br />

„Neue Seidenstraße“ entweder als geopolitische<br />

Bedrohung oder als überambitioniertes<br />

Unterfangen.<br />

Solch eine negative Berichterstattung erschwert<br />

aus Sicht chinesischer Unternehmen den Markteintritt.<br />

Sie haben das Gefühl, deutsche Medien<br />

hätten ihnen gegenüber vorgefasste, subjektive<br />

und kritische Meinungen. Deswegen empfinden<br />

sie die deutschen Medien oft als eine große<br />

Herausforderung. Im Gegensatz dazu denken<br />

deutsche Medienvertreter, dass chinesische Unternehmen<br />

den Kontakt verweigern und nicht<br />

transparent sind. Solche Missverständnisse<br />

bringen die Beziehung zwischen den beiden<br />

Parteien in einen Teufelskreis.<br />

Unsere Empfehlungen für chinesische Unternehmen<br />

sind daher:<br />

• Haben Sie keine Angst vor den Medien. Sehen<br />

Sie Journalisten als Partner und seien Sie offen<br />

für Kommunikation.<br />

• Setzen Sie sich mit den journalistischen<br />

Richtlinien für Professionalität, Objektivität,<br />

Authentizität und Unabhängigkeit auseinander.<br />

• Lassen Sie sich von lokalen Experten für<br />

Öffentlichkeitsarbeit beim Aufbau Ihrer Medienbeziehungen<br />

unterstützen. Diese können<br />

auf ein bestehendes Netzwerk an Medienkontakten<br />

und Meinungsbildnern zurückgreifen<br />

und so Ihre Markenkommunikation effektiv<br />

vorantreiben, indem sie Ihnen beispielsweise<br />

helfen, Ihre Unternehmensgeschichte zu<br />

erzählen und ein verantwortungsvolles soziales<br />

Image aufzubauen.<br />

Michelle Liao,<br />

PIABO PR GmbH<br />

www.chk-de.org


26 Veranstaltungen und Termine<br />

Freitag, 5. Juli 20<strong>19</strong>, 13.30 – 17.30 Uhr<br />

BMW Welt<br />

Am Olympiapark 1, 80809 München<br />

CEIBS<br />

Insights 20<strong>19</strong><br />

The 5th<br />

Europe Forum<br />

Fresh Impetus for China-Germany Cooperation:<br />

Consumption Upgrading and Technological Revolution<br />

Das fünfte Europe Forum wird auch in diesem<br />

Jahr von der China Europe International Business<br />

School (CEIBS) und der Chinesischen Handelskammer<br />

in Deutschland (CHKD) organisiert.<br />

Die Veranstaltung zieht jedes Jahr zahlreiche<br />

hochrangige Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft<br />

und Wissenschaft sowie über 300 Gäste<br />

an. In Vorträgen und Podiumsdiskussionen tauschen<br />

sich Unternehmensvertreter und Experten<br />

über topaktuelle Themen der europäisch-chinesischen<br />

Wirtschaftszusammenarbeit aus.<br />

Die Veranstaltung findet wie immer in chinesischer<br />

und englischer Sprache mit Simultanübersetzung<br />

statt.<br />

BMW Welt<br />

Topics 20<strong>19</strong>:<br />

Fresh Impetus for China-Germany Cooperation:<br />

Consumption Upgrading and Technological<br />

Revolution<br />

• Panel I: New Retail Driven by<br />

Consumption Upgrade<br />

• Panel II: Consumption Upgrade<br />

Empowered by AI Technology<br />

Veranstalter<br />

China Europe International Business School (CEIBS)<br />

Foto: Michael Thaler/shutterstock<br />

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27<br />

Programm Europe Forum 20<strong>19</strong><br />

Fotos: Marius Ziubrys<br />

12:30 Registration<br />

13:30 Welcome Speech<br />

| Prof. LI Mingjun, President, CEIBS<br />

| ZHENG Donglin, President, CHKD, General Manager, ICBC Frankfurt Branch<br />

13:45 Opening Speech<br />

| WANG Weidong, Commercial Minister-Counsellor, Embassy of the People's Republic<br />

of China to Germany<br />

14:00 Keynote Speech I<br />

| Prof. XU Bin, Professor of Economics and Finance; Wu Jinglian Chair in Economics;<br />

Associate Dean (Research), CEIBS<br />

14:30 Keynote Speech II<br />

| Roland Weigert, State Secretary in the Bavarian Ministry of Economic Affairs,<br />

Regional Development and Energy<br />

15:00 Panel Discussion I: New Retail Driven by Consumption Upgrade<br />

| ZHU Yunwei, Design Manager, Jomoo Kitchen & Bath Deutschland GmbH<br />

| Maximilian Kaub, Director Marketing & Sales, Confiserie Burg Lauenstein GmbH<br />

| Clemens Pflanz, Founder and President, MEISTERKREIS<br />

| Christoph Winterer, Operating Partner China, Japan, India and Myanmar, Metro AG<br />

Moderator: Prof. Katherine Xin, Professor of Management; Bayer Chair in Leadership;<br />

Associate Dean (Europe); Director of Hospitality EMBA Program; Co-Director of Centre<br />

for Globalization of Chinese Companies, CEIBS<br />

16:10 Coffee Break<br />

16:30 Panel Discussion II: Consumption Upgrade Empowered by AI Technology<br />

| ZHANG Hui, Managing Director, NIO GmbH<br />

| David Wang, Deputy CEO, Huawei Technologies GmbH<br />

| Andreas Hube, Vice President, Head of China Liaison Office, SAP SE<br />

| Sisi Zheng, Head of China Technology Project, Deutsche Bahn AG,<br />

Innovation Manager DB Regio AG<br />

Moderator: Timon Ruban, Co-Founder and Managing Director, Luminovo GmbH<br />

17:40 Closing Drinks<br />

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28 Veranstaltungen und Termine<br />

IFA 20<strong>19</strong><br />

in Berlin<br />

Der Startschuss der IFA fiel am 4.12.<strong>19</strong>24.<br />

Auf der ersten „Großen Deutschen<br />

Funk-Ausstellung“ präsentierten sich<br />

242 Aussteller und 180.000 Besucher auf einer<br />

Fläche von 7.000 qm. Die Highlights damals:<br />

Detektorgeräte und die ersten Röhren-Rundfunkempfänger.<br />

Heute, fast ein Jahrhundert<br />

später, ist die „Internationale Funkausstellung“<br />

die weltweit bedeutendste Messe für Consumer<br />

und Home Electronics. Für das Jahr 20<strong>19</strong> werden<br />

ca. 1.800 Aussteller erwartet, die Trendthemen<br />

sind Konnektivität, Künstliche Intelligenz,<br />

Sprachsteuerung, 5G, u. v. m.<br />

China wird mehr und mehr zum weltweiten<br />

Innovationstreiber bei diesen Technologien.<br />

Im Zuge dessen verstärken chinesische Unternehmen<br />

von Jahr zu Jahr auch ihre Präsenz auf<br />

der IFA. Im Jahr 2018 präsentierten 680 chinesische<br />

Unternehmen ihre innovativen Produkte<br />

und schicken ihre klügsten Köpfe nach Berlin.<br />

So hat sich Richard Yu, Chief Executive Officer<br />

von Huawei für die diesjährige Messe angekündigt.<br />

Auch die Chinesische Handelskammer in<br />

Deutschland (CHKD) unterstützt chinesische<br />

Unternehmen bei ihrer Teilnahme an der IFA.<br />

In den vergangenen Jahren wurde ein Gemeinschaftsstand,<br />

der „China Brand Pavillion“, mit<br />

Hilfe der CHKD organisiert.<br />

Eines haben die Aussteller und Besucher von<br />

damals und heute – und egal woher sie kommen<br />

– in jedem Fall gemeinsam: Die Faszination für<br />

die neueste Technik und Innovationen.<br />

Fotos: Messe Berlin<br />

An experience<br />

beyond refueling<br />

NIO.com<br />

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29<br />

Veranstaltungskalender<br />

>> Termine<br />

Foto: NRW.INVEST<br />

Foto: NRW.INVEST<br />

Business and<br />

Investors Forum 20<strong>19</strong><br />

Smart City & Smart<br />

Innovation: Wie smart sind<br />

China und Deutschland<br />

wirklich?<br />

Am 12. September 20<strong>19</strong> ist es wieder<br />

soweit: Zum achten Mal findet das<br />

renommierte Business and Investors<br />

Forum China statt. Vertreter chinesischer und<br />

deutscher Unternehmen diskutieren in Köln<br />

darüber, wie smart China und Deutschland<br />

wirklich sind und in welchen Bereichen beide<br />

Länder kooperieren können. Die Teilnehmer<br />

erwarten neben der Vorstellung innovativer<br />

Konzepte spannende Diskussionen. Die CHKD ist<br />

auch in diesem Jahr Partner der Veranstaltung.<br />

Veranstalter<br />

Business and Investors<br />

Forum China 20<strong>19</strong><br />

Termin: 12. September 20<strong>19</strong><br />

Uhrzeit: ab 13:00 Uhr<br />

Ort: Flora, Köln<br />

Registrierung unter:<br />

https://events.nrwinvest.com/de/<br />

baifc-20<strong>19</strong><br />

Für Rückfragen wenden Sie sich an:<br />

Frau Liony Bauer<br />

<strong>02</strong>11-13000-130<br />

bauer@nrwinvest.com<br />

JULI<br />

4. Juli CHKD Akademie: Seminar<br />

„Interkulturelle Kommunikation<br />

– Reibungslose<br />

Zusammenarbeit mit<br />

chinesischen Vorgesetzten,<br />

Muttergesellschaften und<br />

Kollegen“ – IHK Köln<br />

4. Juli Salon der Wirtschaftsund<br />

Handelsabteilung der<br />

chinesischen Botschaft<br />

zur „chinesisch-deutschen<br />

Wirtschaftszusammenarbeit“<br />

– Berlin<br />

5. Juli CEIBS Insights 20<strong>19</strong> /<br />

The 5th Europe Forum –<br />

BMW Welt, München<br />

17. Juli Member Event „The<br />

Power of PR: How to Build<br />

Relations with German<br />

Media“ – PIABO, Berlin<br />

AUGUST<br />

22. August CHKD Akademie: Seminar<br />

30. August Member Event – Hamburg<br />

TBA:<br />

SEPTEMBER<br />

Member Event – München<br />

6. - 11. IFA 20<strong>19</strong> – Berlin<br />

September<br />

12. September Business and Investors<br />

Forum 20<strong>19</strong> – Köln<br />

28. September Member Event zum<br />

„Wilhelmshaven Sailing-<br />

CUP“ – Wilhelmshaven<br />

TBA:<br />

Member Event – Berlin<br />

CHKD Akademie: Seminar<br />

3. Fachseminar,<br />

CHKD Fachausschuss<br />

(Automobilindustrie)<br />

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30 Community<br />

Großer Panda Jiao Qing<br />

Großer Panda Meng Meng<br />

Ein aufregendes Zoo-Jahr<br />

Historischer Geburtstag und Panda-Nachwuchs<br />

Das Jahr 20<strong>19</strong> ist in vielerlei Hinsicht ein<br />

bedeutendes Jahr für den Zoo Berlin. Im<br />

Fokus steht sein 175. Jubiläum, das den<br />

Zoo Berlin zum ältesten Zoo in ganz Deutschland<br />

macht. Gleichzeitig gilt er als artenreichster<br />

Zoo der Welt. Zu seinen vielen tierischen<br />

Bewohnern zählen unter anderem die einzigen<br />

Großen Pandas in Deutschland, die 20<strong>19</strong><br />

erstmals auf wertvollen Nachwuchs hoffen<br />

dürfen!<br />

Mit berühmtem schwarz-weißen Fell, einem<br />

runden Gesicht und puscheligen Ohren, in<br />

einer bärenverrückten Stadt – seit ihrer Ankunft<br />

im (Panda-)Sommer 2017 gehören die beiden<br />

Großen Pandas Meng Meng (5) und Jiao Qing (8)<br />

zweifellos zu den Besucher-Lieblingen im Zoo<br />

Berlin. Nun könnte bald erster Nachwuchs das<br />

Berliner Panda-Wunder perfekt machen.<br />

Trotz niedlichem und „verkuscheltem“ Aussehen<br />

sind Große Pandas die meiste Zeit des Jahres<br />

alles andere als sozial. Sie leben als strenge<br />

Einzelgänger. Aus diesem Grund bewohnen die<br />

beiden Berliner Bambusbären auch zwei separate<br />

Anlagen im Panda Garden des Zoo Berlin.<br />

Einzig zur Paarungszeit im Frühjahr treffen<br />

Panda-Weibchen und -Männchen aufeinander –<br />

dann allerdings auch nur für höchstens 72<br />

Stunden, denn länger ist die paarungsbereite<br />

Phase der Weibchen nicht.<br />

Damit sich auch bald Deutschland über wertvollen<br />

Panda-Nachwuchs freuen darf, sind<br />

Ende März sogar zwei chinesische Fortpflanzungs-Experten<br />

nach Berlin gereist um das<br />

Team vor Ort bei der ersten Panda-Paarung zu<br />

unterstützen. Anfang April war es bei Meng<br />

Meng und Jiao Qing dann soweit und die<br />

beiden wurden erstmalig zusammengelassen.<br />

Um die Wahrscheinlichkeit einer Trächtigkeit<br />

bei der vom Aussterben bedrohten Tierart zu<br />

erhöhen, wurde im Anschluss eine künstliche<br />

Besamung durchgeführt. Nun könnte bereits<br />

im Juli oder August Berlins erster Panda-Nachwuchs<br />

geboren werden. Ob die Paarung<br />

überhaupt erfolgreich war und Meng Meng<br />

wirklich trächtig ist, kann jedoch frühestens<br />

vier Wochen vor Geburt festgestellt werden.<br />

Fotos: Zoo Berlin (oben links), Zoo Berlin/ Heiko Lehmann (oben rechts), Zoo Berlin/Frederic Schweizer (unten)<br />

Eingang Elefantentor


31<br />

Königsklasse im Motodrom –<br />

Formel 1 am Hockenheimring<br />

Weitere Informationen zum Formel-1-Grand-Prix am Hockenheimring<br />

und zum Ticket-Verkauf finden Sie unter: www.hockenheimring.de<br />

Fotos: © Hockenheim-Ring GmbH, Hintergrund N1chEZ/shutterstock<br />

Ausverkaufte Tribünen, ein Fahnenmeer<br />

im Motodrom, die Stimmung am Siedepunkt.<br />

So erlebten Fans den letztjährigen<br />

Formel-1-Grand-Prix am Hockenheimring.<br />

Die Zutaten zum Erfolg waren ein spannender<br />

Kampf um den Weltmeistertitel zwischen<br />

Sebastian Vettel und Lewis Hamilton und ein<br />

breites Erlebnisangebot für die Besucher. So<br />

macht Formel 1 richtig Spaß. Und weil’s so<br />

schön war, steht bereits mit dem Formula 1®<br />

Mercedes-Benz Großer Preis von Deutschland<br />

vom 26. bis 28. Juli 20<strong>19</strong> das nächste deutsche<br />

Rennen im F1-Kalender.<br />

Am Hockenheimring kann man seine Formel-1-Idole<br />

nicht nur von der Tribüne aus anfeuern,<br />

sondern ihnen auch hautnah bei Autogrammstunden<br />

begegnen. Auch rund ums<br />

Rennen wird der Erlebniswert für die Zuschauer<br />

nochmals gesteigert: Mit Tribünen-Hopping,<br />

Autogrammen, Partymeile, Boxenbesuchen,<br />

attraktiven Ticketangeboten für Nachwuchsfans<br />

– und vielem mehr.<br />

Im Ticket ist eine Vielzahl höchst attraktiver<br />

Aktivitäten enthalten, etwa am Donnerstag<br />

vor dem Rennen der Pitwalk. Die Zuschauer<br />

dürfen dann in die Boxengasse und einen Blick<br />

in die Teamgaragen werfen. Der Zugang zu den<br />

Stehplatzbereichen rund um die Strecke ist<br />

während der gesamten Veranstaltung frei. Die<br />

offizielle F1-Fanzone wird mit Modulen und<br />

Mitmach-Aktionen begeistern. Ein Schmankerl<br />

am Freitag ist das populäre Tribünen-Hopping,<br />

wenn man andere Tribünen und damit unterschiedliche<br />

Perspektiven testen darf (ohne Anspruch<br />

auf einen bestimmten Sitzplatz).<br />

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32 Community<br />

Kurhaus Binz<br />

Kreidefelsen Jasmund<br />

Seebrücke Sellin<br />

Backsteingotik, Bäderstil und Betoneleganz<br />

Wenn Rügen ein Haus wäre, wäre Stralsund das<br />

Eingangstor. Majestätisch spannt sich von<br />

hier die Rügenbrücke über den Strelasund.<br />

Sie verbindet das Festland mit der Insel, die mit ihrer<br />

Naturfülle und ihrem architektonischen Erbe jedes Jahr<br />

Entdecker und Erholungsuchende lockt. Wenn Rügen<br />

ein Haus wäre, wäre die Natur ihr Baumeister. Die Meeresbrandung,<br />

die atemberaubende Steilküsten formt.<br />

Eiszeiten, die Hügel und Täler schufen. Buchenwälder,<br />

deren Blätterdächer sich zu weitläufigen Hallen verbinden.<br />

Salzwiesen, Sand- und Steinstrände, die einen<br />

bunten Teppich bilden.<br />

Doch nicht nur die Natur prägt den einzigartigen<br />

Charakter der norddeutschen Schönheit. Eine facettenreiche<br />

Architektur setzt ihre ganz individuellen<br />

Akzente in die malerische Landschaft. Die vielfältigen<br />

Bauwerke Rügens reizen nicht allein wegen ihrer Kunstfertigkeit<br />

oder ihrer Ästhetik. Ob Fischerkaten, Schloss,<br />

Leuchtturm, Bushaltestelle oder Villa – jedes Objekt ist<br />

ein Zeugnis seiner Zeit. Es weiß seine Geschichte zu<br />

erzählen.<br />

Mehr Informationen:<br />

www.ruegen.de<br />

Ein Ufo am Strand, ein UNESCO-Welterbezentrum mitten<br />

im Wald, Seebrücken zum Heiraten sowie einige der<br />

ältesten Bauwerke Mecklenburg-Vorpommerns – Die<br />

Insel Rügen hat mehr zu bieten als Sandburgen und Luftschlösser.<br />

Architektur sendet Botschaften an den Betrachter.<br />

Sie verrät, wie ihre Bewohner wahrgenommen<br />

werden wollen. Dabei spiegelt sie sowohl die Gesellschaft<br />

als auch die Zeit wider, in der sie entstand. Eine Reise zu<br />

den Sehenswürdigkeiten Rügens bedeutet Eintauchen in<br />

über 200 Jahre Geschichte.<br />

Die Sankt Marienkirche in Bergen und Waase oder die Sankt<br />

Johanneskirche in Schaprode gehören zu den eindrucksvollsten<br />

Beispielen der Backsteingotik. Neben Schinkels<br />

klassizistischem Leuchtturm am Kap Arkona zählen sie zu<br />

den ältesten Gebäuden Mecklenburg-Vorpommerns. Von<br />

Steinmeyers pompösem Jagdschloss in Granitz ließ schon<br />

die Putbuser Fürstenfamilie den Blick in Ferne schweifen.<br />

In die nähere Vergangenheit entführen elegante<br />

Betondächer des Binzer Landbaumeisters Ulrich Müther.<br />

Bei geführten Wanderungen werden die architektonischen<br />

Schätze Rügens erlebbar.<br />

Fotos: Tourismuszentrale Rügen/Christian Thiele<br />

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33<br />

Das Juwel am Tegernsee<br />

Gut Kaltenbrunn verkörpert bayerische Lebensart und beste Kulinarik<br />

Fotos: Käfer<br />

Gut Kaltenbrunn ist ein magischer Ort, an dem<br />

bayerische Lebensart, Kultur und Genuss zusammentreffen.<br />

Der historische Vierseithof liegt<br />

erhöht und mit freiem Blick auf Tegernsee und Berge an<br />

einem der schönsten Plätze nur ein paar hundert Meter<br />

außerhalb von Gmund. Mit viel Liebe zum Detail gestaltet,<br />

empfängt das Gut seine Besucher mit herzlicher Gastfreundschaft<br />

in Wirtshaus, Gast- und Biergarten.<br />

Die Region um den Tegernsee ist zutiefst demokratisch und<br />

kennt keine Standesdünkel. Dort war es schon immer<br />

Brauch, dass der Herzog mit seinen Jägern im gleichen<br />

Lokal gesessen ist. Dieser Tradition verpflichtet, ist Gut<br />

Kaltenbrunn ein Treffpunkt für alle - die Einheimischen<br />

fühlen sich ebenso wohl wie auswärtige Gäste. Seit 2015<br />

betreibt die bekannte Münchner Gastronomenfamilie Käfer<br />

das denkmalgeschützte Ensemble und hat ihm neues<br />

Leben eingehaucht. Der zentrale Königsbau umfasst zwei<br />

gemütliche Wirtsstuben, ein Salettl und einen bedienten<br />

Gastgarten. Viel altes Holz, Antiquitäten, Kachelöfen und<br />

große Fenster sorgen für eine einladende Gemütlichkeit.<br />

Auf den Tisch kommt traditionelle, saisonale Gutsküche<br />

von einfach bis raffiniert. Viele der Produkte bezieht das<br />

Gut von Erzeugern aus der Region, die Forellen werden<br />

sogar direkt auf dem Gelände gezüchtet. Darüber hinaus<br />

Gut Kaltenbrunn<br />

Kaltenbrunn 1, 87303 Gmund<br />

Täglich ab 11.00 Uhr geöffnet,<br />

durchgehend warme Küche.<br />

www.feinkost-kaefer.de<br />

Impressionen vom Biergarten Gut Kaltenbrunn<br />

werden in der offenen Backstube Kuchen, Törtchen und<br />

Desserts täglich frisch vor den Augen der Gäste zubereitet.<br />

Im großen Biergarten kann man an rustikalen Holztischen<br />

neben spritzigem Radler, Weißbier oder Hellem<br />

traditionelle bayerische Schmankerl wie Wurstsalat,<br />

Hendl, Leberkäse, Würstl, Schweinshaxe oder Steckerlfisch<br />

genießen. Service gibt es hier keinen, man holt sich<br />

alles selbst an der Ausgabe und kann sich dann einen<br />

Platz in der Sonne oder unter schattenspendenden<br />

Bäumen suchen. Und wie es in den bayerischen Biergärten<br />

üblich ist, können die Gäste ihre Speisen natürlich auch<br />

selbst mitbringen.<br />

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34 Community<br />

Ein Tag im Leben von<br />

Sandy Zhou<br />

Von China nach Deutschland, so verlief das Leben von<br />

ZHOU Weiwei, der Geschäftsführerin von TCL Deutschland.<br />

Im Jahr 2017 kam Sandy Zhou, wie sie sich außerhalb<br />

von China nennt, nach Düsseldorf und ist seitdem<br />

als „Chinesin unter Deutschen“ für ein 15-köpfiges<br />

Team zuständig. Innerhalb von zwei Jahren schaffte<br />

sie es, die unterschiedliche Unternehmenskulturen zu<br />

verbinden und TCL als namhaften Anbieter von Fernsehgeräten<br />

in Deutschland zu etablieren.<br />

Sandy Zhou hat etwas Besonderes an sich. Sie ist selbstbewusst,<br />

zielstrebig und hat keine Zeit zu verlieren. Zhou<br />

spricht in fließendem Englisch zwei- oder dreimal so<br />

schnell wie andere. Schaut man sich die junge, selbstsichere<br />

Frau an, dann weiß man, warum TCL, der chinesische<br />

Fernseh- und Haushaltsgerätehersteller, in den letzten<br />

zwei Jahren so erfolgreich in Deutschland war.<br />

Anfang 2017 wurde Zhou von der Zentrale in Shenzhen<br />

nach Düsseldorf berufen, um die Marke TCL in Deutschland<br />

aufzubauen. Unter ihrer Leitung wurden bereits<br />

Ende 2017 TCL-Fernseher erfolgreich in die Elektrofachhandel-Ketten<br />

Saturn und MediaMarkt eingeführt und<br />

werden mittlerweile in 150 MSD-Läden in Deutschland<br />

angeboten. Heute sind die Produkte auch in Geschäften<br />

wir Euronics, Expert, Edeka, Real und über Online-Plattformen<br />

wie Amazon oder OTTO erhältlich. Laut dem<br />

Marktforschungsinstitut GFK ist der Umsatz von TCL in<br />

»Das Beste aus der<br />

chinesischen und<br />

deutschen Unternehmenskultur<br />

zu verbinden, das<br />

ist unser Wettbewerbsvorteil.«<br />

Sandy Zhou<br />

Deutschland in zwei aufeinanderfolgenden Jahren um<br />

mehr als 100 Prozent gestiegen. 2018 erzielte das Unternehmen<br />

einen Umsatz von 50 Millionen Euro.<br />

Diese Bilanz kann sich sehen lassen, hinter ihr, so wird im<br />

Gespräch mit Sandy Zhou deutlich, steckt jedoch auch<br />

jede Menge (Team-)Arbeit und Herzblut. Insbesondere<br />

2017, das erste Jahr in Deutschland, war sehr intensiv für<br />

Zhou: Tagsüber kümmerte sie sich um die Koordination<br />

des Teams und um die Kundengeschäfte, abends erstellte<br />

sie Arbeitspläne. „Um es vereinfacht zu sagen, im ersten<br />

Jahr habe ich außer zwischendurch mal geschlafen nur<br />

gearbeitet“, fasst Frau Zhou die Anfangszeit zusammen.<br />

Heute sieht es schon ein wenig anders aus. Seitdem die<br />

Geschäfte angelaufen sind, ist auch Sandy Zhous Leben<br />

regelmäßiger geworden: Obwohl Überstunden unvermeidbar<br />

sind, besteht sie darauf, zweimal pro Woche ins<br />

Fitnessstudio zu gehen und sich gelegentlich Zeit zu<br />

nehmen, um Tischtennis und Badminton mit Freunden zu<br />

spielen und am Wochenende wandern zu gehen.<br />

Erfolg durch harte Arbeit und die Kombination von<br />

Unternehmenskulturen<br />

Derzeit sind bei TCL Deutschland 15 Mitarbeiter beschäftigt,<br />

mit der Besonderheit, dass Sandy Zhou die einzige<br />

„Ausländerin“ ist und der Rest des Teams aus deutschen<br />

Foto: Eva-Simona Fischkina<br />

www.chk-de.org


35<br />

Foto: Sandy Zhou Foto: TCL<br />

TCL Android TV<br />

Kollegen besteht. Mit ihrem ehrgeizigen und<br />

offenen Managementstil hat es Frau Zhou aber<br />

auch geschafft, ihrem Team eine chinesische<br />

Mentalität und Arbeitsweise beizubringen. Der<br />

Anspruch dabei ist es, deutschen Kunden einen<br />

„chinesischen Service“ zu bieten. Jegliche Kundenanfragen<br />

per Mail oder Telefon müssen<br />

noch am selben Tag beantwortet werden. Eine<br />

Effektivität, die in Deutschland seinesgleichen<br />

sucht. Und darauf ist Sandy Zhou sehr stolz:<br />

„Unser Team vereint deutsche Zuverlässigkeit<br />

mit chinesischer Flexibilität. Dadurch arbeiten<br />

wir schnell, genau und solide. Das Beste aus der<br />

chinesischen und deutschen Unternehmenskultur<br />

zu verbinden, das ist unser Wettbewerbsvorteil“,<br />

sagt Zhou stolz.<br />

Besonders sorgfältig geht Sandy Zhou bei der<br />

Zusammenstellung ihres Teams vor. Von ihren<br />

Mitarbeitern erwartet sie, dass sie ehrgeizige<br />

Ziele verfolgen, schenkt ihnen aber auch großes<br />

Vertrauen und fördert sie bei der persönlichen<br />

Weiterentwicklung. Das sind für Zhou wichtige<br />

Voraussetzungen, damit ihre Mitarbeiter leistungsfähig<br />

bleiben. Dass ihre Mitarbeiter sich<br />

trotz Abwerbeversuchen durch die Konkurrenz<br />

dafür entscheiden, bei TCL zu bleiben, macht<br />

beide Seiten stolz und bestätigen sowohl Frau<br />

Zhou in ihrer Auswahl als auch die Mitarbeiter<br />

in ihrer Wertigkeit für das Unternehmen.<br />

TCL – ein Unternehmen mit großen Zielen<br />

Der deutsche Fernsehmarkt ist hart umkämpft:<br />

Samsung, LG, Sony, Panasonic, Grundig und<br />

viele weitere Unternehmen kämpfen um Kunden.<br />

Doch trotz starker Konkurrenz steigt der<br />

Marktanteil von TCL-Fernsehern in Deutschland<br />

von Monat zu Monat weiter an. Im vierten<br />

Quartal 2018 waren es bereits knapp vier Prozent.<br />

Doch das Unternehmen will mehr: Das Ziel<br />

für 20<strong>19</strong> liegt bei fünf Prozent und für nächstes<br />

Jahr bei sieben Prozent Marktanteil. Mittelfristig<br />

wird erwartet, dass TCL im Jahr 2<strong>02</strong>2 – also<br />

fünf Jahre nach Markteintritt – der drittgrößte<br />

Anbieter in Deutschland ist.<br />

„Unser Ziel ist, dass es unseren europäischen<br />

Kunden an nichts fehlt. Wir versuchen, auf die<br />

speziellen Bedürfnisse unserer Kunden vor Ort<br />

einzugehen und mit Hilfe unserer Forschung<br />

und Produktion dies umzusetzen“, betont Sandy<br />

Zhou. Um sich stärker dem deutschen Markt<br />

zuwenden zu können und die Markenpräsenz zu<br />

stärken, wurde Verkauf und Vermarktung<br />

Schritt für Schritt lokalisiert. Mit einem Design-Forschungsteam<br />

in Polen wurde an der<br />

Produkt-Ästhetik gearbeitet und die Nutzungsgewohnheiten<br />

deutscher Verbraucher analysiert.<br />

Auch Kommentare von Online-Plattformen<br />

wie Amazon oder OTTO werden vom<br />

F&E-Team zusammengefasst und analysiert.<br />

Die Ergebnisse werden dann ausgewertet und<br />

schnellstmöglich umgesetzt, um die Produkteigenschaften<br />

und das Design zu optimieren.<br />

Neben den traditionellen Fernsehprodukten ist<br />

TCL auch ein aktiver Förderer von „Smart<br />

Home“-Systemen. Mit Google hat man bereits<br />

zusammengearbeitet, um ein Android-TV zu<br />

entwickeln. Neben Fernsehern wird TCL zukünftig<br />

aber auch Klimaanlagen, Kopfhörer, Audiound<br />

Schönheitsgeräte, intelligente Zahnbürsten<br />

und weitere Produkte auf den deutschen Markt<br />

bringen. „Da die Nachfrage nach smarthome-Produkten<br />

immer weiter steigt und TCL<br />

hier bereits sehr gut aufgestellt ist, werden wir<br />

unsere Produktpalette zukünftig erweitern“,<br />

berichtet Sandy Zhou.<br />

Natürlich schläft die Konkurrenz auch in diesen<br />

Segmenten nicht. Doch klar ist: Die Zielstrebigkeit<br />

und das bereits gezeigte Management-Geschick<br />

werden Frau Zhou sicherlich dabei helfen,<br />

auch in Zukunft erfolgreich zu sein.<br />

TCL Gruppe<br />

Die TCL Gruppe ist seit den <strong>19</strong>90er<br />

Jahren weltweit im Einsatz und gehört<br />

zu den ersten chinesischen<br />

Unternehmen, die sich im Ausland<br />

angesiedelt haben. Im Jahr 2018 lag<br />

der weltweite TV-Absatz von TCL bei<br />

über 27,85 Millionen Einheiten und<br />

damit weltweit an zweiter Stelle.<br />

Mehr als 55 Prozent des Konzernumsatzes<br />

wurden in Übersee erzielt.<br />

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36 Gastkommentar<br />

„Belt and Road“–Initiative,<br />

eine Chance für Europa und Zukunft!<br />

Um das Projekt der „Belt and Road“-Initiative voll zu<br />

erfassen, ist es erforderlich, das Projekt in einem historischen<br />

Kontext zu erfassen und zu bewerten. Zudem<br />

dominiert eine Betrachtungsweise auf der ersten<br />

Wahrnehmungsebene, die primär genutzt wird, um<br />

im Westen Ängste zu schüren. Die Kunst der Analyse<br />

beruht auf Abstraktion, indem die weiteren Wirkungsebenen<br />

im Rahmen von Sekundär- und Tertiäreffekten<br />

in die Betrachtung inkludiert werden mit dem Ziel,<br />

eine sachliche und unbestechliche Würdigung dieses<br />

Projekts zu ermöglichen.<br />

China agiert anders als die westlich geprägte Welt, die<br />

ihr Heil in der Kurzfristigkeit der Bilanzierung (GAAP,<br />

IFRS) und Planung gesucht hat. Damit bewegt sich<br />

China im Kontext der Anforderungen, die an Wirtschaft und<br />

Gesellschaft im Rahmen des Generationenvertrags gestellt<br />

sind, der Westen nicht! Mit der Öffnung Chinas ging eine<br />

lernbereite Adaption vonstatten. Man analysierte die Fehler<br />

anderer aufstrebender Länder in der jüngeren Nachkriegsgeschichte.<br />

Regelmäßig führten Verschuldungsszenarien zu<br />

Brüchen der Erholung dieser Länder. Als Konsequenz wurde<br />

China zur Werkbank der Welt. In dieser Phase machte sich<br />

China über aktive Handelsbilanzen, Leistungsbilanzen und<br />

den Aufbau massiver Devisenreserven weitgehend unangreifbar.<br />

Nach Abschluss dieser Entwicklung, die auf<br />

quantitative Merkmale abhob, ergab sich eine erfolgreiche<br />

Wendung hin zum qualitativen Wachstum. Der Dienstleistungssektor<br />

wuchs von 2007 bis 2017 von 42,9 % auf<br />

51,6 % des BIP. Im Technologiesektor sind chinesische Unternehmen<br />

zu großen Teilen auf Augenhöhe mit dem Westen.<br />

Da der Westen die internationalen Strukturen, unter ihnen<br />

IWF und Weltbank primär für eigene Interessen nutzte, ergab<br />

sich hier für China im Namen der aufstrebenden Länder<br />

Handlungsbedarf. Im Zuge einer Emanzipation vom Westen,<br />

der Teilhabe in diesen Gremien versprach, aber nicht lieferte,<br />

wurden Alternativen für die aufstrebenden Länder etabliert.<br />

So wurde die New Development Bank als Alternative zum<br />

IWF installiert. Es wurde die AIIB als Pendant zur Weltbank<br />

geschaffen und es wurde das Zahlungssystem CIPS gegründet,<br />

um selbstbestimmte Entwicklungen zu forcieren. Alle<br />

diese Institutionen sind heute handlungsfähig.<br />

Der nächste konsequente Schritt war das Projekt der<br />

„Belt and Road“-Initiative. Der Westen hat seit Ende der<br />

Folker Hellmeyer<br />

gilt als einer der profiliertesten<br />

Volkswirte und Chefanalysten<br />

Deutschlands. Seit<br />

Anfang 2018 ist er als Chefanalyst<br />

bei der SOLVECON<br />

INVEST GMBH tätig.<br />

Quelle: SOLVECON<br />

40er Jahre gerne lokale, aber nicht übergreifende Projekte in<br />

den Entwicklungsländern unter dem Aspekt Eigennutz und<br />

Cash-Flow unterstützt, ebenso wie autokratische Regime,<br />

die Zugriff auf Rohstoffbasen und günstige Arbeitskosten<br />

vor Ort gewährleisteten. Das nachhaltige Potential dieser<br />

Länder wurde nicht entwickelt. China geht mit dem „Belt<br />

and Road“-Projekt neue Wege, die eine Herausforderung für<br />

den Westen darstellen, da damit die ehemaligen westlichen<br />

Einflusssphären sukzessive entzogen werden. Die aufstrebenden<br />

Länder haben eine Chance, „erwachsen“ zu werden.<br />

Nachhaltiges Potential von Volkswirtschaften lässt sich nur<br />

über umfassende Infrastruktur erschließen. Dazu gehört<br />

auch die Theorie der Wirtschaftsclusterbildung, die China<br />

erfolgreich implementierte. Als ein Paradebeispiel darf der<br />

Hafen von Piräus angeführt werden. 2009 übernahm COSCO<br />

den ersten Teil des Hafens. Der Umschlag des Hafens von<br />

Piräus stieg von 2009 bis 2018 von 665.000 TEU auf 4,9<br />

Millionen TEU. 20<strong>19</strong> wird Piräus voraussichtlich der umsatzstärkste<br />

Hafen des Mittelmeers. An diesem Projekt wird die<br />

„Win/Win“-Situation deutlich. Wo stünde der Hafen ohne<br />

COSCO/China? Deswegen will jetzt auch Italien Kooperation<br />

mit China, das anders als der Westen (USA) bisher nicht in<br />

die Innenpolitik der Länder eingreift. China implementiert<br />

und festigt mit den Investitionen in Wirtschafts- und nicht<br />

in Politprojekte den Multilateralismus.<br />

Wandel und Prosperität durch Handel, Investitionen und<br />

Vernetzung sind das Motto Chinas, nicht Sanktionen ohne<br />

Grundlage und blutige Regime-Change-Politik. Hatten die<br />

aufstrebenden Länder <strong>19</strong>90 bei dem Beginn der sportlichen<br />

Globalisierung nach Fall des Kommunismus circa 20 % Anteil<br />

an der Weltwirtschaft, stellt sich ihr Teil heute auf mehr<br />

als 62 % des Welt-BIP (Basis Kaufkraftparität). Diese Länder<br />

stellen 85 % der Weltbevölkerung und kontrollieren 70 %<br />

der Weltdevisenreserven. Diese Länder wachsen mindestens<br />

doppelt so schnell wie der Westen.<br />

Wo muss sich Europa vor dem Hintergrund der Chancen<br />

aufstellen? Noch sind wir als Hort der „Hidden Champions“<br />

attraktiv und in der Lage, an diesem historisch einmaligen<br />

Projekt teilzunehmen, aber wer zu spät kommt und Partner<br />

hat, die uns sanktionieren und erpressen, den bestraft das<br />

Leben!<br />

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