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Leseprobe Pepe Wasserschwein

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BAND 341

Tasch en b u c h

Die österreichische Kinderbibliothek


Pädagogische Arbeitsblätter zu diesem Titel downloadbar auf

www.obelisk-verlag.at


Franz Sales Sklenitzka

Kein Wasserschwein

ist gern allein

Mit Illustrationen

von Henning Löhlein

Tasch en b u c h

OBELISK VERLAG


Redaktion der ClubTaschenbuchreihe:

Inge Auböck

Umschlaggestaltung: Carola Holland

Lektorat: Regina Zwerger

Neue Rechtschreibung

© 2020 Taschenbuchausgabe by Obelisk Verlag, Innsbruck – Wien

Alle Rechte vorbehalten.

© 2012 Arena Verlag GmbH Würzburg

Druck und Bindung: Finidr, s.r.o., Český Těšín, Tschechien

ISBN 978-3-85197-944-2


„So kann’s nicht weitergehen“,

sagt Opa.

„Es muss was geschehen.

Der Junge braucht ein Haustier.“

Der Junge heißt Olaf.

Ja, denkt Olaf.

Ein Haustier wäre gut.

Das findet auch Mama.

Aber welches?

Am besten ein Hund.

Ein großer Hund,

der Einbrecher abschreckt.

Seit Papa weggezogen ist,

fürchtet sich Olaf vor Einbrechern.

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Ein Hund wäre da prima.

Allerdings gibt es ein Problem:

Olaf fürchtet sich nicht nur vor Einbrechern,

er fürchtet sich auch vor Hunden.

Besonders vor großen hat er Angst.

Ein kleiner verscheucht

aber keine Einbrecher.

Sarah hat wenigstens einen Kater,

den dicken Goliath.

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Sarah ist Olafs Freundin.

Sie geht mit Olaf in dieselbe Klasse.

Aber Olaf kann sie nie besuchen,

obwohl sie Nachbarn sind.

Er verträgt keine Katzen.

Wenn eine Katze in der Nähe ist,

bekommt Olaf rote Augen

und muss ständig niesen.

„Wir besorgen ihm ein Meerschweinchen“,

sagt Opa.

Mama ist einverstanden.

Seit sein Papa weggezogen ist,

hat sich Olaf sehr verändert.

Er trödelt schon morgens beim Aufstehen

und beim Anziehen.

Olaf trödelt beim Essen

und bei den Hausaufgaben sowieso.

Er trödelt auch beim Schlafengehen.

Eigentlich trödelt er von früh bis spät.

Wenn Mama mit ihm sprechen will,

hört er manchmal gar nicht zu.

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Das ist auch Olafs Lehrerin,

Frau Schneider, aufgefallen.

Sie hat zu Olafs Mama gesagt:

„Olaf kommt mir ein bisschen verloren vor.

Er ist nicht bei der Sache.

Der Junge träumt nur vor sich hin.

Und – hat er keine Freunde?“

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Vielleicht bringt ihn ein Haustier

wirklich auf andere Gedanken.

Deswegen erlaubt Mama ihm

ein Meerschweinchen.

Sie sagt:

„Meinetwegen dürfen es sogar

zwei Meerschweinchen sein.

Dann hat Olaf endlich Ablenkung.“

„Gut“, sagt Opa.

„Wir fahren ins Tierheim

und fragen dort mal nach.“

Olaf weiß noch nicht,

ob er sich freuen soll.

Ein Meerschweinchen wird keinen

Einbrecher abschrecken.

Auch zwei Meerschweinchen

können das nicht.

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Aber ein Meerschweinchen ist besser

als kein Meerschweinchen.

Und zwei Meerschweinchen

sind besser als eins.

Im Tierheim geht es ziemlich laut zu.

Große und kleine Hunde

bellen durcheinander.

Schwarze und weiße Katzen,

getigerte und gefleckte

hocken in ihren Käfigen

und miauen.


Ein Papagei krächzt.

Es ist, als würden alle rufen:

„Nimm mich mit, Olaf!“

Olaf hält sich die Ohren zu.

Am liebsten würde er umdrehen

und gehen.

Aber er kann jetzt nicht kneifen.

Zum Glück ist Opa da

und nimmt ihn an der Hand.

Er fragt die junge Frau am Eingang:

„Haben Sie Meerschweinchen?“

Sie nickt.

„Ja, da hinten, zweite Reihe links.“

Opa und Olaf sehen sich suchend um.

Auf einmal bleibt Olaf stehen.

Was ist das denn?

Vor ihm hockt eine Monster-Maus!

Ein Mäuse-Monster!

Eine braune Riesenratte ohne Schwanz!

Aber eine Ratte kann es nicht sein.

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Und eine Maus schon gar nicht.

Zwischen den Zehen

hat das Tier winzige Schwimmhäute.

Olaf staunt.

Opa staunt auch.

„Wer … Was ist das?“,

fragt Opa überrascht.

Die junge Frau lacht.

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„Das ist Pepe“, sagt sie.

„Wenn Sie Meerschweinchen suchen …

Pepe ist mehr als ein Meerschweinchen.

Aber auch ein Nagetier,

vielmehr ein Riesen-Nager.

Pepe ist ein junges Wasserschwein.“

„Aha“, sagt Opa.

„Wie kommt Pepe denn ins Tierheim?“,

will Olaf wissen.

„So wie die meisten.“ Die junge Frau seufzt.

„Seine Besitzerin will ihn nicht mehr.

Pepe war ein Geschenk ihres Freundes

aus Brasilien.

Dorthin ist er jetzt wieder zurück.

Und so ist Pepe bei uns gelandet.

Das Wasserschwein aus dem Dschungel.

Die Leute vergessen,

dass so ein Tier Arbeit macht,

Futter braucht

und viel Platz.

Mehr Platz,

als wir haben.“

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Olaf ist begeistert.

Pepe ist aus Brasilien!

Dort gibt es Wasserschweine?

Das hat Olaf noch nie gehört.

Die junge Frau will wissen,

ob sie einen Garten haben.

„Ja, einen großen“, ruft Olaf schnell.

Bevor Opa Nein sagen kann, erklärt er:

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„Einen Garten mit Teich.

Und Zaun drum herum.“

Die Frau ist begeistert:

„Prima!

Genau richtig für Pepe!“

Olaf sieht das Wasserschwein an.

Das Wasserschwein sieht Olaf an.

„He!

Willst du mich mitnehmen?

Du schaust nett aus“,

quiekt das Tier auf einmal leise

und zuckt mit seinen Mause-Ohren.

Es hat eine hohe, piepsende Stimme.

Olaf ist verwirrt.

Ein Wasserschwein,

das sprechen kann?

Fragend schaut er zu Opa.

Aber der hat anscheinend nichts gehört

und nichts verstanden.

Dabei versteht er sonst so vieles.

Doch Olaf kann das Tier verstehen!

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Ehrlich:

Er würde es hier auch nicht länger aushalten

als nötig.

Da piepst das Wasserschwein:

„Nimm mich mit!“

Olaf hört es ganz deutlich!

Aufgeregt flüstert er zurück:

„O ja! Wir nehmen dich mit.“

Und zu Opa sagt er:

„Gut, dass du einen großen Kombi hast.

Das Wasserschwein will zu uns kommen!“

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Opa runzelt die Stirn.

Er brummt:

„Meinst du?“

Olaf nickt.

„Bist du sicher?“

Wieder nickt Olaf.

Er ist sich ganz sicher.

Pepe mag Menschen“,

mischt sich die Frau ein.

„Er ist sehr gesellig

und gar nicht scheu.“

Das überzeugt Opa.

„Na gut“, murmelt er.

Er holt sich noch ein paar Tipps,

was so ein Wasserschwein alles frisst.

Und er verspricht,

sich im Internet schlau zu machen.

Opas Auto hält in der Einfahrt.

Olaf öffnet den Kofferraum,

Opa den Käfig.

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Sofort springt Pepe heraus

und sieht sich um.

Dann trippelt er furchtlos den Weg

zum Haus entlang.

Ein mutiger Pepe!

Der hat bestimmt keine Angst

vor Einbrechern!

Pepe weiß, dass er jetzt hier wohnen wird“,

ruft Olaf aufgeregt.

„Klaro“, piepst Pepe

und zuckt mit den Öhrchen.

„Hier werde ich wohnen. Wo sonst?“

Olaf ist begeistert.

„Es gefällt ihm bei uns!“

Da steht Pepe schon auf der Terrasse.

„Was … Was um Himmels willen ist das?“,

fragt Mama.

Sie steht in der Tür

und reißt die Augen auf.

Olaf sagt stolz:

„Darf ich vorstellen? Pepe Wasserschwein.“

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Mama schnappt nach Luft.

„Vater!“,

sagt sie streng.

„Wir müssen reden!“

Sie holt Opa ins Haus.

Aber die Tür bleibt offen.

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Olaf kann alles hören,

worüber Mama und Opa reden.

Mama ist wütend.

„Geht’s dir noch gut?

Bist du bei Sinnen?

Zwei kleine Meerschweinchen

sollte Olaf bekommen!

Und du kommst mit einem Schwein daher,

das aussieht wie …

wie eine Riesen-Ratte

oder ein Biber ohne Schwanz!?“

Opa verteidigt sich:

„Es ist kein Schwein.

Es heißt nur so.“

Dann erklärt er:

„Es ist ein Nagetier.

Und für ein junges Wasserschwein

ist es ziemlich klein.“

„Aus kleinen Wasserschweinen

werden große“,

schimpft Mama.

„Wo soll es denn hin?“

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„Den Sommer über

kann es im Garten wohnen“,

erklärt Opa weiter.

„Oh ja!“, sagt Mama zornig.

„Und meine Blumen fressen

und die Wasserpflanzen

im Schwimmteich, wie?“

Opa versucht, sie zu beruhigen:

„Ich werde Pepe

nicht aus den Augen lassen.

Wenn wir ihn gut füttern,

verschont er deine Pflanzen.

Ich baue ihm einen Stall.

Und vergiss nicht:

Was er vorn frisst,

wird er hinten wieder los.

Pepe kann dir Dünger liefern.

Und deine Tomaten werden

besonders groß und dick.“

Mama rümpft die Nase.

„Waaarum?“, fragt sie

und stemmt die Hände in die Hüften.

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„Warum in aller Welt

bringst du dieses Vieh nach Hause?

Haben wir nicht Arbeit genug

mit Haus und Garten und Schwimmteich?

Tun es nicht auch zwei Meerschweinchen?“

„Es war Olafs Wunsch“,

verteidigt sich Opa.

„Liebe auf den ersten Blick,

wenn du mich fragst.

Die beiden sprechen sogar miteinander.“

„Ach“, meint Mama spöttisch.

„Mein Sohn spricht Wasserschweinisch?

Und hör mir bloß auf

mit Liebe auf den ersten Blick!

Ein Wasserschwein ist das Letzte,

was wir brauchen!

Bitte bring das Vieh zurück!“

Olaf hält es nicht mehr auf der Terrasse aus.

Er reißt die Tür auf.

Pepe ist ein Dschungel-Tier!“,

schreit er.

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„Du sagst doch immer,

unser Garten ist ein Urwald!

Und Pepe ist ein Pflanzenfresser.

Wie du, Mama!

Er passt zu uns.“

Pepe hat inzwischen das Haus betreten.

Es gefällt ihm anscheinend gut.

Furchtlos streift er durch alle Räume.

Dabei probiert er aus,

wie ein Tischbein schmeckt.

„Nicht!“,

sagt Olaf.

„Warum nicht?“,

zwitschert Pepe.

„Das ist kein Futter!“

Pepe schnüffelt weiter.

In Olafs Zimmer

liegt ein dickes Buch auf dem Boden,

ein Tierlexikon.

Es ist aufgeschlagen bei M.

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M wie Meerschweinchen.

Pepe beschnuppert das Buch

und benagt es ein bisschen.

„Nein, Pepe!“,

sagt Olaf streng.

„Das ist kein Futter!

Das ist ein Buch.

Da drin steht was über dich.

Was du frisst.

Und was nicht.“

Da piepst Pepe:

„Und was ist das?“


Schon wieder hat er was im Maul.

„Nein, Pepe!“

Zu spät.

Schwupps!

Das Ding ist verschwunden.

„Das ist, äh, war mein Radiergummi“,

seufzt Olaf.

Am nächsten Morgen

holt Opa einen Sack Hafer

und einen Sack Gerste.

Ein Wasserschwein kann ja nicht gut

von Büchern und Tischbeinen leben

oder von Radiergummis.

Opa staunt nicht schlecht,

als er zum Tor kommt.

Daran ist ein Schild befestigt,

ein Schild mit einem Bild.

Und darunter steht:

„VORSICHT! WASSERSCHWEIN!“

Auf dem Bild ist Pepe zu sehen.

Olaf hat ihn wirklich gut getroffen!

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PEPE-LESERÄTSEL

Ihr habt nun das ganze Buch gelesen und könnt wohl

diese 6 Fragen beantworten. Setzt die Wörter in die

passenden Zeilen des Kreuzworträtsels ein.

1. Wer könnte Einbrecher verjagen?

2. Wie heißt Olafs Freundin?

3. Pepe wird jetzt bei Olaf … .

4. Wo kommt Pepe her?

5. Wie heißt Sarahs Kater?

6. Pepe liefert für Mamas Garten den … .

1.

2.

3.

4.

5.

6.

Im senkrechten grünen Balken

steht das Lösungswort:

So sieht Mamas Garten vor Pepes Ankunft aus.

Lösungswörter: 1. HUND, 2. SARAH, 3. WOHNEN, 4. BRASILIEN, 5. GOLIATH, 6. DÜNGER


DER AUTOR

FRANZ SALES SKLENITZKA,

geboren am 20.Dezember 1947

in Lilienfeld, NÖ, zählt zu den

bekanntesten und beliebtesten

Kinder- und Jugendbuchautoren

Österreichs. Nach der Reifeprüfung

an der Lehrerbildungsanstalt in St. Pölten unterrichtete er

viele Jahre an einer Volksschule. Heute arbeitet Sklenitzka freiberuflich

als Schriftsteller, Illustrator, Cartoonist, Hörspiel- und

Schulbuchautor. Für seine Bücher, die er oft selbst bebildert und

die bisher in 15 Sprachen übersetzt wurden (unter anderem ins

Chinesische, Japanische, Koreanische und Russische), erhielt er

zahlreiche Preise. 2001 wurde der gefragte „Lese-Animator“

mit dem Würdigungspreis für Literatur des Landes Niederösterreich

ausgezeichnet. Für sein bekanntestes Werk „Drachen haben

nichts zu lachen“ erhielt der Autor 2004 das „goldene Buch“.

DER ILLUSTRATOR

HENNING LÖHLEIN

ist ein deutscher Illustrator, lebt

und arbeitet in Bristol. Seine

Arbeiten sind in vielen Zeitungen

und Magazinen erschienen,

unter anderem The Guardian,

Hörzu, Financial Times, Die

Welt, und er hat bisher dreißig

Bücher illustriert.

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