Alpsommer & Viehscheid 2020

editionallgaeu

Besonders während des Alpsommers, den unsere Rinder auf den Alpen in Mittel- und Hochlagen verbringen, und in der darauffolgenden Viehscheid-Saison zeigt sich das Allgäu von seiner buntesten Seite. Die Viehscheide, bei denen die Tiere wieder ihren Besitzern übergeben werden, sind für die Region eine Zeit der Feste. Nur noch im Allgäu und in einigen Orten in Vorarlberg und Tirol hat sich der alte Brauch erhalten.

www.edition-allgaeu.com

ALPSOMMER

Allgäuer Lebensart,

Tradition und Freizeit

&Viehscheid 2020

Kuhle Geschichten

Menschen,

Tiere, Traditionen

4,– EURO


Im Herzen des schönen Allgäus brauen wir seit

150 Jahren die Schäffler Bierspezialitäten.

Klein aber fein und traditionsbewusst –

dafür steht der gute Name Schäffler Bräu.

Unser Brauwasser aus eigener Quelle wird belebt nach Johann Grander

Brauerei Schäffl er · Hanspeter Graßl KG · Hauptstr. 17 · 87547 Missen · Tel. 08320 920-0 · www.schaeffl er-braeu.de · facebook.com/schaeffl erbraeu


KUH AM BERG

EINE BETRIEBSANLEITUNG

Manch Tourist kommt beim Urlaub im Allgäu das erste Mal mit ihr in

Kontakt – der »Bergkuh«. Nachdem der erste Schreck über die Farbe (braun

statt lila) überwunden ist, kann die erste vorsichtige Annäherung erfolgen. Wie,

erfahren Neulinge in unserer (nicht ganz ernstgemeinten) Betriebsanleitung.

4

3

2

1

10

5

7

8

6

9

1 FUTTERLUKE

Großes, schwarzes Loch.

Mag Bergkräuter, nimmt

notfalls auch Silage. Stets

offen für Neues.

2 KULLERAUGEN

Kommen zum Einsatz,

wenn Futterluke nicht

ordnungsgemäß befüllt

wird – Wimpernaufschlag

inklusive!

3 LAUSCHER

Werden automatisch

verschlossen, wenn der

Bauer zum Melken ruft.

4 TOURISTEN -

ABWEHRSYSTEM

Kann aufdringliche Zwei -

beiner schnell von der

Weide befördern – Kon -

takt besser vermeiden.

5 WECKER

Damit Kuh beim

Wiederkäuen nicht

einschläft und der

Wanderer den Weg

zur Alpe findet.

Illustration: Ramona Alger

6 ALPINES

ALLWETTER -

FAHRWERK

Zum Kraxeln, um auch

entlegene Bergblumen

der Futterluke

zuzuführen.

7 VIELSTOFF-

FUTTER -

VERWERTER

Mit vier Spezial -

abteilungen. Verbindet

Nummer 1 mit

Nummer 10.

8 MILCHLAGER

INKL. ZAPFHÄHNE

Wird vom Bauer regel -

mäßig entleert – wenn

er sich dumm anstellt,

kommt Nummer 9 auch

bei ihm zum Einsatz.

9 FLIEGEN -

KLATSCHE

Wehrt Fluginsekten

erfolgreich ab und schickt

sie zum Bauern weiter.

10 DÜNGE -

VORRICHTUNG

(BIO!)

Damit kann man

Wanderern tolle

Überraschungen auf

dem Pfad hinterlassen.

ALPSOMMER & Viehscheid 2020 3


INHALT

12

66

30

KÄSESPEZIAL

34

ALPSOMMER & VIEHSCHEID

12 Eine Stadt und das Vieh

Immenstadt und seine elf Alpen

18 Da geht’s bergab

Viehscheid-Termine im Allgäu und Umgebung

28 Lass die Kuh in Ruh’

Ein Alpen-Knigge

66 Hohe Häuser

Die schönsten Berghütten

74 Von Alp bis Zugschelle

Kleines ABC rund um den Viehscheid

NATUR

24 Und täglich grüßt ...

... das Alpenmurmeltier

76 »Surfende« Bergblumen

Wie kommt das Edelweiß an den Fluss?

78 Wandern im Bergdorf Hinterstein

Naturgenuss und Wanderlust

46 Gold im Keller

Wie kam der Käse ins Allgäu?

52 Die Kunst des Käsens

Wie wird aus Milch Käse?

54 »Käse ist mein Leben«

Die erste Allgäuer Käsesommelière

58 Das Allgäu auf dem Teller

Rezepte zum Nachkochen

62 Unterwegs auf der Allgäuer Käsestraße

Radeln und schlemmen im Westallgäu

KUNST & HANDWERK

30 Der Gamsbart

Dem Hut steht er gut

34 Den Beruf zum Hobby gemacht

Kunst von Fred Spahr

42 Der gute Ton will fein geschnitzt sein

Besuch beim Alphornbauer

BRAUCHTUM & HISTORIE

36 Der Sechsertanz

Ein uralter Reigen

82 Hoibat

Die Arbeit in der Schräge

4

ALPSOMMER & Viehscheid 2020


EDITORIAL

LIEBE LESERINNEN UND LESER,

82

46

FREIZEIT

6 Sommer im Allgäu

Hier kann man was erleben

38 Das große Allgäu-Quiz

20 Fragen für echte Allgäu-Kenner

72 Muhende Models und herrliche Aussichten

Kalender: Fenster zum Urlaub

88 Es glänzt nicht alles, was Gold ist

Lesegeschichte für Kinder

90 Zeit zum Schmökern

Buchtipps für Leseratten

Fotos: Alpsee-Immenstadt Tourimus GmbH, Archiv Heimatbund Allgäu, Dominik Ultes, Otto Bader/Schnellbach Foto & Büro, Kunst von Fred Spahr, Ramona Alger

heuer kam es für uns alle wirklich dicke.

Einschränkungen und Unsicherheit plagten,

ganze Existenzen hingen plötzlich am

seidenen Faden. Auch in unserer Redaktion

geriet der Alltag gehörig ins Stolpern:

Besprechungen mit Schutzmasken, lahmes

Internet im Homeoffice, Interviews

nur noch per Telefon. Und über alldem

schwebend die Fragen: Macht das heuer überhaupt einen Sinn?

Dürfen diesen Sommer Gäste ins Allgäu kommen, die das Magazin

lesen werden? Was, wenn alle Viehscheide abgesagt werden?

Das Magazin, das Sie nun in den Händen halten, ist ein Produkt

aus schier unerschöpflichem Optimismus – und einer Prise Kompromissbereitschaft.

Da bis zum Redaktionsschluss nicht feststand,

in welcher Form die Viehscheide stattfinden werden (manches

»Rindvieh« hält sich bekanntlich bedingt an Mindestabstand und

Social Distancing), haben wir uns in dieser Ausgabe auf den Sommer

in den Bergen konzentriert und das festliche »Runterkommen«

nur am Rande behandelt. Unser Magazin heißt nicht umsonst

»ALPSOMMER & Viehscheid«. Ersterer ist so verlockend vielfältig,

dass wir die lästigen Fragen letztlich munter fortwedeln und die

Finger doch noch über die Tastaturen tanzen lassen konnten.

So durfte sicherlich nicht nur ich im Homeoffice feststellen: Genuss

geht immer. Aus dieser Erkenntnis ist ein Käsespezial entstanden,

in dem Feinschmecker richtig auf ihre Kosten kommen. Von den

drei Pionieren, die den Allgäuer Bergkäse ins Rollen brachten über

ein schmackhaftes Menü zum Nachkochen bis zum Interview mit

der ersten Allgäuer Käsesommelière.

Alles Käse? Von wegen! Auch diejenigen, die dem Hüftgold zu Leibe

rücken wollen statt es zu erweitern, haben wir bedacht: Auf den

Touren zu den schönsten Berghütten im Allgäu verbrennt man ordentlich

Kalorien. Dafür belohnt die herrliche Aussicht.

Ins Schwitzen gekommen sind sicherlich auch die Bergbauern, die

noch vor wenigen Jahrzehnten und zum Teil bis heute die abgeschiedenen

Berghänge von Hand mähen und das gewonnene Heu

irgendwie ins Tal schaffen mussten. Der Oberstdorfer Fotograf Otto

Bader, dessen umfangreiches Archiv erst kürzlich wiederentdeckt

wurde, hat dieses Brauchtum der »Hoibat« auf Schwarzweißfotografien

festgehalten, die wir in einer Bildstrecke zeigen.

Für einen weiteren Brauchtumsbericht hat einer unserer Kollegen

den Hut nehmen müssen – glücklicherweise im wörtlichen Sinn.

Unsere Redakteurin Claudia Schöwe wollte wissen, was der stilbewusste

Allgäuer eigentlich »obenrum« trägt. Neben dem unangefochtenen

Klassiker, dem Gamsbart, gibt es noch mehr, was man

sich an den Hut stecken kann. Und da einer unserer Kollegen ein

waschechter Allgäuer mit einem würdigen Sortiment an Hutschmuck

ist, hat er uns seine alpinen Accessoires freundlicherweise

als Fotomodelle zur Verfügung gestellt.

Sie werden sehen: Noch facettenreicher als die Allgäuer Huttracht

ist der Alpsommer. Unser Magazin kann da wie immer nur ein Leitfaden

sein. Den Rest müssen Sie schon selbst entdecken. Wir wünschen

Ihnen viel Spaß dabei. Bleiben Sie gesund – und optimistisch.

Ihre Viola Elgaß

ALPSOMMER & Viehscheid 2020 5


FREIZEIT

SOMMER IM ALLGÄU

HIER KANN MAN WAS ERLEBEN

HÖHENLUST AUF DREI EBENEN

Der Alpsee und seine direkte Umgebung

sind nicht nur sehens-, sondern auch erlebenswert.

Noch ehe man das Ufer erreicht,

sticht ein großes Klettergerüst ins Auge. Auf

dem »Alpsee Skytrail« kommen Klettermaxe

auf ihre Kosten: Auf drei Ebenen in einer

Höhe von bis zu elf Metern lassen sich die

eigene Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und

Körperbeherrschung auf die Probe stellen.

Dabei sind die Besucher durchweg über

Gurte in einem modernen Schienensystem

gesichert – welches der insgesamt 42 Kletterelemente

man in Angriff nehmen oder

lieber auslassen möchte, bleibt einem selbst

überlassen. Die ganz kurzen Kletterkünstler

können sich derweil am Kinderparcous direkt

daneben versuchen.

www.alpseeskytrail.de

Foto: Stadt Immenstadt

ALLGÄUER ALPGENUSS

Foto: Allgäuer Alpgenuss, Pixabay

Ehrlichkeit, Ursprünglichkeit und Produkte

aus der Region, dafür steht der Verein »Allgäuer

Alpgenuss« mit seinen Partneralpen.

Den zugehörigen Älplern kommt Discounterware

nicht in die Tüte und schon gar nicht

auf den Tisch! Denn sie haben sich verpflichtet,

ihren Besuchern ausschließlich

Produkte aus der heimischen Alpwirtschaft

zu servieren. So

darf der Gast hauseigene

Erzeugnisse wie geschmackvollen Sennalpkäse,

frisches Brot vom Dorfbäcker, Wurst

vom Metzger im Tal und das gute Bier unserer

Heimatbrauereien genießen. Auf

diese Weise soll die traditionelle

Alpwirtschaft unterstützt werden.

Die aktuell 72 anerkannten

»Allgäuer Alpgenuss«-

Alpen erkennt man am Siegel

mit der schleckenden Kuh

und dem Motto: »Hier

schmeckt’s guat!«. Oder man

steuert die Alpgenuss-Alpen

und ihre regionalen Genusspartner

einfach direkt an: Auf der Vereinshomepage

gibt es nicht nur eine Auflis -

tung aller Partner und Lieferanten, sondern

auch Informationen zu Öffnungszeiten und

Wanderwege »zum Alpgenuss«.

www.alpgenuss.de

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ALPSOMMER & Viehscheid 2020


VOM ALLTAG DER ALPHIRTEN

Foto: Ernst Fesseler

WIE DIE LANDLEUTE FRÜHER LEBTEN

Nicht weit vom Bodensee entfernt, im Landkreis

Ravensburg, liegt das Bauernhaus-

Museum Wolfegg in einer über Jahrhunderte

entstandenen Kulturlandschaft. Als Spiegel

bäuerlicher Arbeit zeigt das zwölf Hektar

große Museumsgelände eine Fülle typischer

Landschaftselemente wie blühende Wiesen

und Weiden für das Vieh oder Felder und

Streuobstwiesen. Auch zahlreiche Tier- und

Pflanzenarten sind hier vertreten, die sonst

kaum mehr zu finden sind. Zudem können

insgesamt 30 historische Gebäude bestaunt

werden, die aus den verschiedensten Ecken

des Allgäus zusammengetragen wurden und

anhand derer der Besucher nachvollziehen

kann, wie die Landleute früher lebten und

arbeiteten. Zu erreichen ist das Bauernhaus-

Museum ganz klassisch mit dem Auto, aber

auch viele Rad- und Wanderwege führen

hierher. Und E-Bike-Fahrer können ihren

Elektroesel hier kostenlos aufladen.

www.bauernhausmuseum-wolfegg.de

Jeden Morgen zum Vieh, bergauf, bergab. Am Abend

das Gleiche und im Laufe des Tages viel Arbeit, die

Last und Lust gleichermaßen sein kann – so stellt

man sich den Alltag eines Alphirten vor. Wer Vor -

stellung und Wirklichkeit einmal miteinander verglei -

chen will, sollte sich die geführten Alpwanderungen

nicht entgehen lassen. Sie beginnen immer donners -

tags vom 9. Juli bis 10. September an der Gästeinformation

in Obermaiselstein. Die Wanderführerin zeigt

und erklärt die eindrucksvolle Flora und Fauna der

Alpweiden sowie die alpwirtschaftliche Arbeit.

Selbstverständlich darf dabei die Rast auf einer der

zahlreichen Alpen nicht fehlen, um dort dem Läuten

der Schellen zu lauschen, ein kühles Radler und eine

kräftige Brotzeit zu genießen. Sicherlich weiß auch

der Alphirt bei einem kleinen »Huigarte« (allgäu-

erisch für Gespräch) einiges von seinem rund 100

Tage dauernden Alpsommer zu berichten.

Weitere Infos und Anmeldung bei der

Gästeinformation Obermaiselstein (Tel. 08326 277;

Unkostenbeitrag 5 Euro pro Person).

www.hoernerdoerfer.de

Foto: Pixabay

AUF DEM »SCHIEFEN TURM VON OBERSTDORF«

Foto: Eren Karaman

Auch die Heini-Klopfer-Skiflugschanze hat

endlich wieder geöffnet. Dabei ist sie aber

nicht nur Skifliegern vorbehalten: Außerhalb

der Wettkampftage bringt ein Lift Besucher

auf eine 365-Grad-Aussichtsplattform

mit atemberaubendem Blick über den

Freibergsee und die umliegenden Berggipfel.

Ein weiteres Highlight ist das Virtual-

Reality-Erlebnis in der Anlaufspur: Dazu

nimmt man auf dem Balken Platz und erlebt

durch eine VR-Brille das Gefühl des

Skifliegens am eigenen Körper. Das einzigartige

Erlebnis findet am Wochenende und

in den Ferien täglich statt. Jeden Donnerstag

bieten erfahrene Guides um 14 Uhr eine

offene Schanzenführung an. Sie beginnt im

Schanzenauslauf und führt mit dem

Schrägaufzug und Lift ganz nach oben. Besucher

erhalten dabei einen Einblick in die

Geschichte des Skisports in Oberstdorf, die

Entwicklung des Skispringens und Skifliegens

und sicher auch das ein oder anderen

Geplauder »aus dem Nähkästchen«, denn

alle Guides sind eng mit dem Skisport verbunden.

www.skiflugschanze-oberstdorf.de

ALPSOMMER & Viehscheid 2020 7


FREIZEIT

EIN SPANNENDES ERLEBNIS

Foto: Tourismus Hörnerdörfer GmbH/ProVisionMedia

Vor etwa 14.000 Jahren schossen Menschen

das erste Mal mit Pfeil und Bogen. Bis heute

übt das Bogenschießen eine gewisse Faszi-

nation aus – auch wenn es nicht mehr wie

früher um Jagderfolg geht, sondern um Konzentration,

Spaß und Naturerlebnis. Im Hör-

nerdorf Bolsterlang kann man im Sommer

auf den Spuren von Robin Hood wandeln.

Nachwuchs-Bogenschützen sollte zuerst einen

einstündigen Grundkurs auf dem überdachten

Übungsplatz absolvieren. War der

ein Volltreffer, kann man sich in den »Sherwood-Forest«

begeben – einen Talparcours

mit zehn 3D-Schaumstoff-Zielen, an die

man sich heranpirschen muss. Wer es anspruchsvoller

mag: Wie wäre es mit dem 1.

Allgäuer Alpenparcours am Bolsterlanger

Horn? Auf 1340 Metern wird eine Bergtour

mit Bogenschießen verbunden. Wenn man

neben Abenteuerlust auch etwas Kondition

und festes Schuhwerk mitbringt, wird der

Alpenparcours – im wahrsten Sinne des

Wortes – zu einem spannenden Erlebnis.

www.bolsterlang.de

DEM STUIMÄNDLE FOLGEN

Foto: Gästeinformation Ofterschwang

»Steini«, das Steinmännchen vom Ofterschwanger

Horn, erwartet kleine und große

Wanderer auf einem abwechslungsreichen

Erlebniswanderweg am Ofterschwanger

Horn. An zwölf spannenden Stationen gibt

es Wissenswertes über Feuchtwiesen, Geologie,

Wasser und Wind sowie Kunst im

Wald zu entdecken. Spaß und Abenteuer beginnen

auf dem rund 3,6 Kilometer langen

Rundweg mit dem neuen Abenteuerspielplatz

an der Weltcup-Hütte der Bergstation.

Dann geht es 150 Höhenmeter bergauf und

bergab über einen Bohlenweg, eine Tobel-

Wackelstrecke, auf einen Bergwald

Hochsitz sowie einen Kletterturm mit

Hängebrücke und vorbei an Rutschvergnügen

für alle. Ist die

Wanderung entlang der

»Stuimändle« – wie der

Allgäuer die Steinmännchen

nennt – geschafft, wartet

mitten im Ort die Eisdiele

mit kalten Köstlichkeiten

aus Hüttenberger Heumilch.

www.hoernerdoerfer.de

UNTERTAGE WANDERN

Den »Wächter des Allgäus«, den Grünten, erforschen

und von innen sehen kann man in der Erzgruben-

Erlebniswelt. Bevor es in den Berg hineingeht, haben

Besucher die Möglichkeit im Museumsdorf mehr über

die Geologie des Berges, den Bergbau und die Schmie -

dekunst zu erfahren. Letzteres kann in der Schau -

schmiede sogar hautnah erlebt werden. Da nach ist es

Zeit, dem Grünten auf den Grund zu gehen: Bei einer

etwa zweistündigen Rund wan derung gibt es allerhand

Wissenswertes über den Andreas-Tagebau sowie die

Theresien- und die Anna- Grube. Ein Hinweis für

letztere: Hier ist Schwin del freiheit gefragt, denn am

Ende wartet nicht der Grubengrund, sondern ein

Po dest über einem zehn Meter tiefen Abgrund. Wer

danach müde Beine hat und keinen Schritt mehr

gehen mag, der kann im »Erzgrubenbähnle« Platz

nehmen. Das fährt vom Parkplatz Steinbruch über

den Dorfplatz zum Museumsdorf und weiter zur

Erz gruben-Erlebniswelt – und natürlich auch wieder

zurück.

www.erzgruben.de

Foto: Gabriele Fischer

8

ALPSOMMER & Viehscheid 2020


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Foto: Pfronten Tourismus

RITTER, PIRAT ODER DOCH ZIRKUSCLOWN?

Rund um Pfronten im Ostallgäu entführen insgesamt

zwölf Spielplätze in zahlreiche Fantasiewelten: Vom

Burgen- bis zum Computerspielplatz, von der »Schatz-

insel« mit Wasserspaß bis zum Hütten spiel platz an der

Gundhütte reicht das Angebot für die energie gela -

denen Gäste. Auch die ganz Kleinen kommen –

beispielsweise auf dem Märchen spiel platz – auf ihre

Kosten. Die Großen können sich im Klettergarten in

Pfronten-Kappel austoben. Nicht zuletzt warten auf

dem Indianerspielplatz im Vilstal unmittelbar am

Wildbach ein Wigwam, zwei Totem pfähle, ein großes

Pferd zum Klettern sowie ein Wackel floss darauf, von

den Kindern erobert zu werden. Auf den Themen -

spielplätzen »Ritter« und »Märchen« werden in der

Sommersaison wöchent lich betreute Spielmöglich -

keiten angeboten. Alle Spielplätze sind über gut

ausgebaute und kinder wagen taugliche Spazier- und

Wanderwege zu erreichen. Da steht dem Familientrip

nichts mehr im Wege.

www.pfronten.de

INTERNATIONALE KÜCHE

Unmittelbar neben der Kartause finden Sie bei uns

jugoslawische, italienische und deutsche Spezialitäten.

Busse sind herzlich Willkommen!

Parkmöglichkeiten stehen vor dem Haus zur Verfügung.

Wir bitten freundlich um vorherige Anmeldung.

Unsere Öffnungszeiten:

täglich von 11.30-14.00 Uhr und 17.00-22.00 Uhr

Mittwoch Ruhetag

Besuchen Sie unseren Biergarten

EIN DORF UNTER

DENKMALSCHUTZ

Wo auf der großen, weiten Welt findet man

einen Ort, der komplett unter Denkmalschutz

steht? Das einstige Bergbauerndorf

Gerstruben zählt heute vier Häuser und eine

Kapelle, die zwischen 400 und 500 Jahre alt

sind. Die noch bis zum 19. Jahrhundert von

Bergbauernfamilien bewohnte Siedlung ist

heute verlassen, wird jedoch instandgehalten

und kann teilweise besichtigt werden: Von

Oberstdorf führt ein rund zwölf Kilometer

langer Wanderweg (hin und zurück) an der

Trettach entlang bis zum Weiler Dietersberg.

Dort beginnt die Gerstruber Steige, die hinauf

zu der Ortschaft leitet. Statt dieser kann

man im Sommer auch den Weg durch die

schaurig-romantische Hölltobelschlucht

nehmen, der jedoch Trittsicherheit voraussetzt.

Nicht versäumen sollte man den Besuch

im »Jakobe-Hüs«: In liebevoller Kleinarbeit

wurde hier ein kleines Museum eingerichtet.

Die restaurierten Stuben, die Küche,

die Ställe, der Heuboden und die Tenne

sind von Mai bis Oktober immer donnerstags

von 13 bis 16 Uhr geöffnet. Eine urige

Einkehrmöglichkeit finden Wanderer im

Berggasthof Gerstruben, der ebenfalls von

Mai bis Oktober geöffnet ist.

www.oberstdorf.de, www.gerstruben.de

B

Foto: Pixabay

An der Kartause 2 | 87740 Buxheim | Tel. 0 83 31 / 72 69 0

www.gasthaus-sonne.net

KARTAUSE BUXHEIM

DEUTSCHES

KARTAUSENMUSEUM

Besuchen Sie das besterhaltene

ehemalige Kartäuserkloster

Deutschlands, die drei barocken

Kirchen der Gebrüder Zimmermann,

das weltberühmte hochbarocke

Chorgestühl, sowie das Kartausenmuseum

und das Sakralmuseum

www.kartause-buxheim.de

&

INFO:

1. April – 1. November

täglich 10 – 17 Uhr geöffnet

Führungen jeden Sonntag 14 Uhr,

sowie nach Vereinbarung

An der Kartause 15, 87740 Buxheim

Tel. 08331 / 61804

info@heimatdienst-buxheim.de

ALPSOMMER & Viehscheid 2020 9


FREIZEIT

SO SCHMECKT DER (ALP)SOMMER

Das Hochtal von Gunzesried, ein idyllisches

Seitental des Illertals, liegt mitten im Herzen

des Naturparks Nagelfluhkette und ist immer

einen Ausflug wert. Doch gerade im

Sommer – genauer gesagt in den Wochen

vom 1. Juni bis zum 20. September – zeigt

sich das Tal von seiner schönsten Seite und

heißt jeden herzlich willkommen, egal ob

nur für ein paar Stunden oder mehrere Tage.

Den sogenannten Käse-Kräuter-Sommer

sollte man sich auf jeden Fall nicht entgehen

lassen, denn er lockt mit intensiven Wandererlebnissen,

lukullischen Erfahrungen sowie

wohlduftenden Erholungsmöglichkeiten.

Zudem haben Gäste des Tals die Möglichkeit

Einblicke in die Allgäuer Tradition zu bekommen.

Da die fleißigen Bienchen aus dem

Gunzesrieder Tal das Angebotspaket zu Corona-Zeiten

geschnürt haben, kann es natürlich

zu Absagen kommen. Wer sich vorher

informiert, spart sich die Enttäuschung.

www.blaichach.de

Foto: Pixabay

IM ZWIESPALT

DES OBERALLGÄUS

Die Sturmannshöhle nahe Obermaiselstein ist die

einzige begehbare Spalthöhle im Allgäu – ab Juli ist

sie wieder für wagemutige Höhlenforscher geöffnet.

Am besten erreicht man dieses Naturerlebnis über

den Sagenweg: Er führt durch den naheliegenden

Wald und stellt spielerisch die Sagen und Mythen

rund um Obermaiselstein dar. Anschließend geht es

tief den Drachenrachen hinab. Nein, man muss keine

Angst haben, dass es einem wie Pinocchio mit dem

Wal ergeht: Die Rachenreise bezeichnet lediglich die

180 Stufen, die in die Sturmannshöhle führen. Hier

erwarten einen kühle vier bis acht Grad Celsius und

so manch nachtaktiver Höhlenbewohner, der

tagsüber gemütlich an der Wand abhängt. Eine

Erkundungstour der Spalthöhle ist nur im Rahmen

einer Führung möglich, doch bei dieser erfährt man

viel Interessantes über die Vergangenheit der Höhle.

Und wer weiß: Vielleicht findet jemand den

sagenumwobenen Schatz der Sturmannshöhle.

www.obermaiselstein.de

AUF DEN SPUREN DER

SCHWEIGENDEN MÖNCHE

Foto: Volker Wille

Foto: Tourismus Hörnerdörfer/F.Kjer

Die an der Oberschwäbischen Barockstraße

gelegene ehemalige Reichskartause Buxheim

beherbergt in ihren hohen Hallen Kunstwerke

internationalen Ranges: Architektonische

Meisterwerke der Brüder Dominikus und

Johann B. Zimmermann, Bilder von Johann

Sichelbein und Johann Bergmüller, Plastiken

von Anton Sturm, eine Terrakottamadonna

aus dem 15. Jahrhundert und allen voran das

barocke Chorgestühl des Tiroler Holzschnitzers

Ignaz Waibl in der Kartausenkirche, das

auf eine wechselhafte Geschichte zurückblicken

kann. Im Sakralmuseum informiert

eine Hörstation über das Buxheimer Orgel-

buch, das wichtigste Dokument für Tasteninstrumente

aus dem ausgehenden Mittelalter.

Modelle zeigen die Herstellung von

Stuck, Stuckmarmor, Freskomalerei und

Vergoldung. Im Kreuzgang und in ehemaligen

Mönchszellen hat der Heimatdienst

Buxheim das Kartausenmuseum mit Informationen

über den Kartäuserorden und die

Kartause ausgestattet. Wer das Kartausenmuseum

besucht, sollte sich Zeit nehmen.

Buxheim ist mit vier von den Kartäusern angelegten

Weihern und ausgedehnten Wanderwegen

ein beliebtes Naherholungsgebiet.

www.kartause-buxheim.de

10

ALPSOMMER & Viehscheid 2020


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MUSEUMSBUMMEL

DURCH KEMPTEN

Auch wenn Corona den Museumsbesuch

ein bisschen ungewöhnlicher macht als sonst

– die Ausstellungen werden dadurch zum

Glück nicht weniger interessant. Auf die

Kemptener Museen trifft das jedenfalls zu:

Abwechslungsreiche Ausstellungen und museumspädagogische

Angebote machen sie zu

einem erlebnisreichen Ausflugsziel für Kinder

und Erwachsene. Neu hinzugekommen

ist 2019 das Kempten-Museum im Zumsteinhaus:

Äußerst vielfältig und modern

verbindet es die Geschichte der Stadt mit

dem Heute. Dabei kommen die Bürger im

»Wohnzimmer der Stadt« selbst zu Wort.

Die frühesten Bewohner Kemptens stehen

dagegen im Mittelpunkt des Archäologischen

Parks Cambodunum: Im Freilichtmuseum

mit Tempelbezirk, Thermen und Basilika

begibt man sich auf die Spuren der Römer.

Sportlicher geht es im Alpin-Museum

zu: Das größte alpingeschichtliche Museum

Europas entführt in die Erlebniswelt der

Berge. Es beherbergt außerdem die Dauerausstellung

»Leuchtendes Mittelalter«. Nicht

zuletzt sorgen die Erasmuskapelle, die

Kunsthalle Kempten, die Prunkräume der

Residenz sowie das Allgäuer Burgenmuseum

für die Qual der Wahl.

www.kempten-tourismus.de

Das Freilichtmuseum

für Schwaben und das Allgäu

www.bauernhofmuseum.de

Museumstraße 8 | 87758 Kronburg-Illerbeuren | Tel. (0 83 94) 14 55

... natürlich genießen über dem Hopfensee

Garten-SPA-Bereich:

innen & außen zum Relaxen

mit Zirben-Salz-Sauna

und Natur-Schwimm-Pool

„Day SPA”- Wellnesstag

inkl. Behandlung p.P. 98,- €

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87629 Füssen / Hopfen am See · Q0 8362 / 91030 · www.eggensberger.de

Urlaubsziel

Bogenschießen in Bolsterlang

• Bogenkurse für Anfänger und Fortgeschrittene

• Bogenübungsplatz im Dorf mit Zielscheiben und

überdachtem Abschuss

• 3-D-Parcours im Tal mit 10 Stationen

• 3-D-Parcours am Berg mit 32 Stationen

Foto: Claudia Schöwe

Gästeinformation Bolsterlang

Rathausweg 4 I 87538 Bolsterlang I Tel. 08326 8314

bolsterlang@hoernerdoerfer.de I www.bolsterlang.de

ALPSOMMER & Viehscheid 2020 11


ALPSOMMER

EINE STADT UND DAS VIEH

IMMENSTADT UND SEINE ELF ALPEN

Immenstadt ist die einzige Stadt in Deutschland, die einen Viehscheid hat.

Doch nicht nur das: Sie ist auch die einzige Stadt im ganzen Alpenraum,

die elf Alphütten ihr Eigen nennt. In den vergangenen Jahren sanierte

die Stadt diese Berghütten, ohne den Charakter der zum Teil uralten Gebäude

zu verändern. Auch der Zweck blieb gleich. Um die Hütten herum

verbringt das Jungvieh den Alpsommer in Freiheit.

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ALPSOMMER & Viehscheid 2020


ALPSOMMER & Viehscheid 2020 13


ALPSOMMER

DIE IMMENSTÄDTER ALPEN

Alpe Hinter der Schießstätte (823 Meter)

Alpe Wildegund (1095 Meter)

Alpe Seifenmoos (1355 Meter)

Alpe Alp (1320 Meter) und Alpe Kessel (1243 Meter)

als Doppelalpe

Alpe Große Starkatsgund (1211 Meter)

und Alpe Eggenberg als Doppelalpe

Alpe Kleine Starkatsgund (1150 Meter)

Alpe Mittag (1210 Meter)

Alpe Schönesreuth (814 Meter)

Sennalpe Hochried (910 Meter)


= mit Einkehrmöglichkeit

Eingeengt durch Immenstädter Horn,

Mittag und Kalvarienberg liegt das

14.000-Einwohner-Residenzstädtchen

Immenstadt im Zentrum des Oberallgäus.

So eng es im Tal zugeht, so vielfältig

gestaltet sich das Drumherum. Seit der

bayerischen Gebietsreform im Jahr 1972

gehören zur Stadt auch sechs Landgemeinden

mit zahlreichen Dörfern und Weilern,

die sich im Westen, Norden und Osten um

die Stadt gruppieren.

DER WILDE SÜDEN DER STADT

Aufmerksame Leser haben es sicherlich bemerkt:

Es fehlt der Süden. Hier gibt es keine

nennenswerten Ansiedlungen. Denn es geht

gleich am Stadtrand steil nach oben. Die

höchste Erhebung ist der 1749 Meter hohe

Stuiben. Der südliche Teil des Stadtgebietes

gehört zum Naturpark Nagelfluhkette – der

erste Naturpark, der sich über zwei Länder

erstreckt: Deutschland und Österreich. Im

Gegensatz zu den schroffen Allgäuer Hochalpen,

die sich zwischen Bad Hindelang und

Oberstdorf erstrecken, gibt es hier viele grüne

Bergweiden und ausgedehnte Wälder.

Beides macht Immenstadt in Deutschland

wohl einzigartig. Denn rund 1000 Hektar

Wald und elf Alpen gehören der Stadt.

ALM ODER ALPE?

Was für die Einheimischen selbstverständlich

ist, weiß nicht jeder Gast: Denn was im

restlichen Bayern »Alm« heißt, nennt der

Allgäuer »Alpe«. Gemeint sind in beiden

Fällen einfache Häuser, die von Weideflächen

umgeben sind.

Die Immenstädter Alpen im Naturpark befinden

sich auf Höhenlagen zwischen 900

und 1350 Metern und werden zwischen Juni

und September mit Jungvieh beschickt (als

Jungvieh werden Rinder bezeichnet, die

noch kein Kalb geboren haben). Solche

Jungvieh-Alpen werden hierzulande Galtalpen

genannt. Die Alpe Alp (1320 Meter) und

Alpe Kessel (1243 Meter) werden von einem

Pächter als »Doppelalpe« betrieben. Ebenso

die Alpe Große Starkatsgund (1211 Meter)

und die Alpe Eggenberg. Wie ein Großteil

der Immenstädter Alpen werden diese zwar

bewirtschaftet, haben jedoch kein gastronomisches

Angebot.

WO ZUR EINKEHR GELADEN WIRD

Lediglich die Alpen Hochried, Große Starkatsgund

und Schönesreuth bewirten Gäste

auf der Terrasse vor der Hütte. Hochried

liegt etwas unterhalb des Mittaggipfels auf

910 Metern und wird als Sennalpe geführt

– das bedeutet, dass auf dieser Alpe vornehmlich

Kühe gehalten werden, deren

Milch vor Ort weiterverarbeitet wird. Jeden

Sommer sind etwa 30 Milchkühe zusammen

mit Ziegen, einem Pferd und etwa 20

Schweinen am Berg. Für die Betreiber der

Hütte ist es wichtig, dass die Kühe noch

Hörner haben. Denn Wissenschaftler haben

herausgefunden, dass die Milch des Hornviehs

besonders gut verträglich ist. Die Milch

14

ALPSOMMER & Viehscheid 2020


Fotos: Ramona Alger, Dominik Ultes, Alpsee-Immenstadt Tourismus GmbH, Gerhard Honold

Oben: Die Alpe Schönesreuth

ist vom Tal in 20

Minuten erreichbar und

gilt als »Sonnenterasse

über dem Alpsee« (links)

Unten: Auch von der Alpe

Mittag aus genießt man

einen weiten Blick ins Tal

der Kühe auf der Alpe Hochried wird zu Käse

verarbeitet, wenn sie nicht gleich frisch von

den Bergwanderern getrunken wird.

GRUND UND BODEN SIND WERTVOLL

Die Stadträte und der Bürgermeister haben

vor gut vier Jahren eine weitsichtige Entscheidung

getroffen. Ihnen wurde eine Alpe

auf der anderen Seite des Großen Alpsees

zum Kauf angeboten – vorausgesetzt, sie

würde weiter mit Vieh bestückt. Diese Alpe

Schönesreuth macht ihrem Namen alle Ehre,

sie ist die einzige, die gänzlich auf der Sonnenseite

des Tales liegt und gerne als die

»Sonnenterasse über dem Großen Alpsee«

bezeichnet wird.

Man hat von ihr aus einen wunderbaren

Blick über den größten Natursee des Allgäus.

Da sie nur auf etwas über 800 Meter liegt, ist

sie vom Tal aus in 20 Minuten auf dem Fußweg

zu erreichen. Die Stadt hat beim Kauf

der Alpe erkannt, dass Grund und Boden

heutzutage der wertvolls te Besitz ist.

Mehrere Berghütten rund

um Immenstadt werden

als sogenannte Doppelalpen

bewirtschaftet. Auf

der Alpe Kessel kann man

leider nicht einkehren –

doch sie dient vielen als

Rastplatz auf der Wanderung

zwischen dem Immenstädter-

und

dem Geschwender

Horn

ALPSOMMER & Viehscheid 2020 15


ALPSOMMER

VIEHSCHEID IM STÄDTLE

Wenn die Nächte kühler werden, das Futter auf den

Hochweiden knapp und die ersten Kälteeinbrüche drohen,

heißt es auch für die Immenstädter Alp hirten und

ihr Vieh, vom Alpsommer Abschied zu nehmen. Nach

rund 100 Tagen »droben« wird es Zeit, sich auf den

Heimweg zu machen – runter ins Tal. In Immenstadt

ist es am 19. September 2020 soweit.

An diesem speziellen Samstag werden ab 9 Uhr morgens

rund 900 Stück Vieh auf dem Viehmarktplatz erwartet.

Dabei ist der Viehscheid »im Städtle«, wie die

Oberallgäuer liebevoll sagen, etwas ganz Besonderes:

Denn hier wird das Vieh nicht am Ortsrand entlang,

sondern mitten durch die Stadt getrieben. Deswegen

laden nicht wenige Immenstädter, die entlang der

Viehzugstrecke wohnen, alljährlich die gesamte Verwandtschaft

ein, die sich an diesem Tag dann neugierig

und mit Kameras bewaffnet aus den Fenstern lehnt.

Es ist auch jedes Jahr wieder ein beeindruckendes Erlebnis,

wenn Hunderte von Rindern mit Blumen und

bimmelnden Schellen geschmückt mitten durch die

Stadt getrieben werden. Danach ist auf dem Scheidplatz

für Unterhaltung gesorgt. Im Festzelt spielt ab

10 Uhr die Musikkapelle Stein, anschließend gegen 14

Uhr die Stadtkapelle Immenstadt. Um 15.30 Uhr findet

das traditionelle Scheidschellenwürfeln mit den Hirten

statt. In diesem Jahr sind diese Angaben natürlich aufgrund

der besonderen Umstände ohne Gewähr.

Tipp für Zuschauer

Hier zieht das Vieh durch: Steigbachtal –

Gottesackerstraße – Bräuhausstraße –

Bahnhofstraße – Rothenfelsstraße –

Viehmarktplatz (= Scheidplatz).

Aufgrund der tiefen Lage und der vielen

Sonne wächst auf Schönesreuth das Gras

früher und das Jungvieh wird oft schon ab

Anfang Mai hinauf getrieben. Wie bei der

Alpe Hochried kann man auf Schönesreuth

mit der ganzen Familie einkehren. Für die

Eltern gibt es eine deftige Brotzeit oder feine

Kuchen und die Kinder finden einen kleinen

Spielplatz und können den zahlreichen Tieren

zusehen – die da wären Hund, Katze,

Gänse, Hühner –, die um die Hütte herum zu

finden sind.

EIN BLICK IN DIE GESCHICHTE

Nicht jeder Besucher spürt bei seiner Einkehr,

dass er in jeder Alpe auch »geschichts -

trächtigen Boden« betritt. Einige der Immenstädter

Alpen sind schon mehrere Jahrhunderte

alt und haben schneereiche Winter

und raue Stürme nicht immer ganz unbeschadet

überstanden. Die Immenstädter Alpen

wurden in den letzten zwölf Jahren allesamt

renoviert und ausgebessert. Der Bürgermeister:

»Dabei halfen die Hüttenpächter

und die Stadt vorbildlich zusammen!«

In alten Dokumenten findet man Hinweise,

dass schon im 17. Jahrhundert auf den Bergen

über der Stadt im Sommer Vieh auf die

Alpen getrieben wurde. Dabei taten sich die

Bauern aus dem Tal zusammen und trieben

ihr Jungvieh gemeinsam auf die Alpen. Ein

Hirte und mehrere Gehilfen sorgten dafür,

dass die Tiere gut über den Sommer kamen.

Für die Bauern im Tal hatte das gleich zwei

Vorteile: Sie hatten mehr Zeit für die Heuernte

und andere wichtige Tätigkeiten und

Beim Immenstädter Viehscheid ziehen die

Herden quer durch die Stadt – ob das auch

heuer so sein wird, ist noch offen. Nur eines

steht fest: Runter kommen sie alle!

konnten mehr Heu für die Winterfütterung

einfahren. Denn das Jungvieh graste ja nicht

im Tal, sondern auf dem Berg.

EIN OFFENES ENDE: DER VIEHSCHEID

Der Bergsommer endet auch für die Immenstädter

Alpen mit dem Viehscheid in der ers -

ten Septemberhälfte. Dann bietet die Stadt

die Kulisse für ein einzigartiges Schauspiel.

Alle Alpen treiben ihre Herden nacheinander

mitten durch die Stadt auf dem Viehmarktplatz,

wo die Tiere wieder ihren Bauern

übergeben werden. Normalerweise findet

der Viehscheid in Immenstadt mit tausenden

von Zuschauern statt, und am

Scheidplatz ist ein großes Festzelt aufgebaut.

Drumherum gibt es einen Markt mit vielen

Verkaufsständen, wo von der Zuckerstange

bis zur Kuhschelle, von der Wurzelbürste bis

zum Andenken fast alles geboten wird, was

das Herz begehrt.

Wir schreiben ganz bewusst »normalerweise«.

Denn wie bei allen anderen Viehscheiden

im Allgäu weiß noch niemand, wie es

dieses Jahr sein wird. Erst in den Augustwochen

wird klar werden, ob Corona weiter

Einschränkungen vorgibt, ob es ein Festzelt

geben wird und ob der Markt stattfindet.

Nur eines ist sicher: Das Vieh kommt wie jedes

Jahr vom Berg herunter. Peter Elgaß

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ALPSOMMER & Viehscheid 2020


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VIEHSCHEIDORTE

UND TERMINE

1 BAD HINDELANG 11. SEPTEMBER

2 OBERSTDORF-SCHÖLLANG ABGESAGT

3 BALDERSCHWANG 11. SEPTEMBER

3

4 OBERSTAUFEN ABGESAGT

5 OBERSTDORF ABGESAGT

6 PFRONTEN-HEITLERN ABGESAGT

7 JUNGHOLZ (TANNHEIMER TAL) ABGESAGT

13

8 SEEG ABGESAGT

18

14

4

9 MAIERHÖFEN 12. SEPTEMBER

10 SCHWANGAU 12. SEPTEMBER

11 NESSELWANG ABGESAGT

22

12 KRANZEGG 15. SEPTEMBER

13 GUNZESRIED 17. SEPTEMBER

14 THALKIRCHDORF ABGESAGT

9

15 WERTACH 18. SEPTEMBER

16 ZELL (EISENBERG) 19. SEPTEMBER

17 GRÄN-HALDENSEE (TANNHEIMER TAL) 19. SEPTEMBER

24

18 IMMENSTADT ABGESAGT

19 RIEZLERN (KLEINWALSERTAL) 19. SEPTEMBER

20 OBERMAISELSTEIN 19. SEPTEMBER

21 SCHATTWALD (TANNHEIMER TAL) 19. SEPTEMBER

22 MISSEN 19. SEPTEMBER

23 RETTENBERG-UNTERMAISELSTEIN 19. SEPTEMBER

24 WEITNAU/WENGEN 19. SEPTEMBER

25 PFRONTEN-RÖFLEUTEN ABGESAGT

26 NESSELWÄNGLE (TANNHEIMER TAL) 20. SEPTEMBER

27 HASLACH AM GRÜNTENSEE ABGESAGT

28 TANNHEIM (TANNHEIMER TAL) 21. SEPTEMBER

29 BUCHING ABGESAGT

31 BOLSTERLANG 21. SEPTEMBER

32 HALDENWANG 26. SEPTEMBER

33 MEMHÖLZ 3. OKTOBER

Änderungen möglich, alle Angaben ohne Gewähr

ALPSOMMER

&Viehscheid 2020


VIEHSCHEID

HIER GEHT’S BERGAB

VIEHSCHEIDTERMINE

Kranzkühe, bimmelnde Zugschellen, kühles Bier und zünftig aufspielende

Musikkapellen: Wenn im Herbst das Jungvieh von den Alpen zurück ins

Tal getrieben wird, ist das im Allgäu traditioneller Anlass zum Feiern.

Dabei handhabt jedes Dorf seinen Scheid etwas anders. Eine Übersicht

der Viehscheide und Alpabtriebe in der Region finden Sie hier.

ABSAGEN WEGEN CORONA

Liebe Leser, aufgrund der besonderen Situation

werden einige der hier noch aufgeführten

Viehscheide heuer leider nicht stattfinden können.

Alle Termine, die bis zum Redaktionsschluss

abgesagt wurden, haben wir für Sie gekennzeichnet.

Leider ist es möglich, dass weitere Veranstalter ihren

Viehscheid nach dem Erscheinungstermin unseres

Magazins absagen oder das Programm ändern. Um

ganz sicherzugehen, möchten wir Sie bitten, sich

vorab bei den Gemeinden zu informieren, ob der

Viehscheid, den Sie besuchen möchten stattfindet.

Vielen Dank!

20

ALPSOMMER & Viehscheid 2020


FREITAG, 11. SEPTEMBER

BAD HINDELANG

8.30 Uhr, Viehscheidplatz auf der Aach

(nahe der Hornbahn), ca. 700 Tiere

- der Tag des Viehscheids gilt in Bad

Hindelang als Feiertag – sogar die

Schulen haben frei

- die Alpen Hasenegg, Stierbach, Kühbach,

Erzberg und Platte treiben ihr Vieh ins Tal

- großer Krämermarkt mit über 100

Ständen sowie Fahrgeschäfte und Festzelt

- Ab 19.30 Uhr sorgen die »Oberallgäuer

Musikanten« für Stimmung

BALDERSCHWANG

10 Uhr, Viehscheidplatz in der Ortsmitte,

ca. 100–150 Tiere

- jede Stunde trifft eine der drei Alpen ein

- Live-Musik im Festzelt, für das leibliche

Wohl sorgt die Freiwillige Feuerwehr

- ab ca. 15.30 Uhr Schellenverlosung für

Älpler und Gäste und Älplerabschied

OBERSTAUFEN (ABGESAGT!)

8.30 Uhr, Scheidplatz in Höfen

(Abzweigung nach Steibis), ca. 1000 Tiere

- mehr als 160 Alpen bilden um

Oberstaufen auf 3823 Hektar das größte

zusammenhängende Alpgebiet Bayerns

- ab 14 Uhr Bergsommerausklang mit

Schellenverlosung

- ab 20 Uhr Live-Musik und Festzeltbetrieb

bis 2 Uhr morgens

OBERSTDORF-SCHÖLLANG (ABGESAGT!)

9.30 Uhr, südlicher Ortseingang von

Schöllang, ca. 700 Tiere

- die Entschenalpe, die Hintere Seealpe, die

Gutenalpe und die Käseralpe treiben ihr

Vieh vom Berg

- im Festzelt sorgt die Musikkapelle

Schöllang für Unterhaltung

- ab 8 Uhr Pendelbusse zwischen Fischen

und Schöllang

- Tiere von sechs Alpen der

Weidegenossenschaft am Hochgrat

kommen ins Tal

- Viehscheid-Wochenende vom 11. bis zum

13. September mit buntem

Rahmenprogramm

OBERSTDORF (ABGESAGT!)

9.30 Uhr, Scheidplatz im Ried (Renksteg),

ca. 950 Tiere

- Herden von den Galtalpen Bierenwang,

Traufersberg, Haldenwang, Rappenalpe

und Biberalpe

- bis zu 20.000 Besucher

- ab 7.45 Uhr Pendelbusse vom Oberstdorf

Bahnhof zum Renksteg

- ab 9 Uhr Kutschfahrten vom Megèver

Platz zum Renksteg

PFRONTEN-HEITLERN (ABGESAGT!)

9 Uhr, Zentralschulweg 2–4 in Pfronten,

ca. 400 Tiere

- sieben Pfrontener Alpen treiben ihr Vieh

nach 100 Tagen Bergsommer ins Tal, mit

dabei sind etwa 15 Kranzkühe

- Festumzug mit über 1000 Teilnehmern

am Freitagabend läutet das Viehscheid-

Wochenende ein

- großer Krämermarkt und Festzelt

SCHWANGAU

12.30 Uhr, Ortsteil Hohenschwangau,

ca. 200 Tiere

- das Vieh von der Alpe Jägerhütte und der

Altenberger Alm zieht zu Füßen der

Königsschlösser in den Schwanseepark ein

- traditioneller Viehscheid ohne

Krämermarkt und Festzelt, die Bauern

feiern die Heimkehr ihres Viehs ganz

gemütlich mit einer Brotzeit und einem

kühlen Bier


SAMSTAG, 12. SEPTEMBER

Foto: Dominik Ultes, Illustration: Ramona Alger

JUNGHOLZ (A), (ABGESAGT!)

10 Uhr, Dorfplatz beim Feuerwehrhaus,

ca. 100 Tiere

MAIERHÖFEN

11.30 Uhr, Festplatz am Sportplatzgelände,

ca. 250 Tiere

- hier gibt es mit fast 30 Kilometern die

längste Treiberstrecke Deutschlands

ALPSOMMER & Viehscheid 2020 21


VIEHSCHEID

SEEG (ABGESAGT!)

13 Uhr, Festzeltplatz in der Hitzlerieder

Straße, ca. 70 Tiere

- ab 11 Uhr Bewirtung im Festzelt mit

Unterhaltungsmusik

- ab 13 Uhr trifft das Jungvieh von der Alpe

Beichelstein ein, anschließend

Kuhglockenverlosung und Empfang der

Tiere durch die Eigentümer

- bis 17 Uhr spielt die Harmoniemusik Seeg

im Zelt

DIENSTAG, 15. SEPTEMBER

NESSELWANG (ABGESAGT!)

10 Uhr, Parkplatz Alpspitzbahn,

ca. 100 Tiere

- nach dem Eintreffen des Viehs Tanz und

Unterhaltung beim Viehscheid-Hoigarte

im Festzelt

- Umrahmung durch das Nesselwanger

Herbstfest vom 15. bis 19. September mit

Umzug, Bieranstich und

Brauchtumsabend

RETTENBERG-KRANZEGG

9 Uhr, Viehscheidplatz, ca. 270 Tiere

- einziger Viehscheid mit drei Kuhherden

und einer Schafherde

- Krämermarkt vom Viehscheidplatz ins

Dorf

- um 14.30 Uhr Schellenübergabe an die

Hirten durch Spender, große

Schellenverlosung an die Besucher

- ab 17.30 Uhr Festzeltmusik

DONNERSTAG, 17. SEPTEMBER

GUNZESRIED

9 Uhr, Scheidplatz, ca. 1700 Tiere

- das Vieh kommt von insgesamt 19 Alpen

zurück ins Tal – der Viehscheid ist einer

der größten Alpabtriebe der Region

- Essen, Trinken, musikalische

Unterhaltung und Schellenverlosung im

großen Festzelt

- Krämermarkt mit regionalen Produkten

rund um das Festzelt

FREITAG, 18. SEPTEMBER

THALKIRCHDORF (ABGESAGT!)

9 Uhr, Festplatz Thalkirchdorf,

ca. 700 Tiere

- ab 10 Uhr Unterhaltung mit der

Musikkapelle Thalkirchdorf

- um 15 Uhr gibt es eine Schellenverlosung

- Bustransfer ab 19 Uhr vom Festplatz zum

Oberstaufener Bahnhof

- ab 20 Uhr Tanz und Stimmung mit Live-

Band (Eintritt an der Abendkasse)

WERTACH

9 Uhr, Scheidplatz, ca. 700 Tiere

- einer der ältesten und traditionsreichsten

Viehscheide der Region

- Rinder von den Alpen Sorg I und II,

Untere Reuterwanne, Untere Bichler-

Alpe, Schnitzlertalalp, Vordere Köllealp

- Umrahmung durch Herbstfest mit

Krämermarkt, Alphornblasen und

Maibaumversteigerung, sowie Ausstellung

»Wertacher Alpen« in der Tourist-Info

Wertach (am Scheidtag von 8–17 Uhr

geöffnet)

- ab 19.30 Uhr Scheidausklang mit

Livemusik

SAMSTAG, 19. SEPTEMBER

EISENBERG-ZELL

ab 10.15 Uhr, Ortsteil Zell, ca. 80 Tiere

- Almabtrieb von der Schlossbergalm

nach Zell

- Unterhaltung mit Musikkapelle und

Alphornbläsern

GRÄN-HALDENSEE

IM TANNHEIMER TAL (A)

11 Uhr, am Liftparkplatz Schachenlift,

ca. 190 Tiere

IMMENSTADT (ABGESAGT!)

9 Uhr, Viehmarktplatz, ca. 700 Tiere

- einziger städtischer Viehscheid im Allgäu

- bereits am Freitagabend wird in

Immenstadt unter dem Motto »g'scheid

feiern« der Viehscheid eingeläutet

- Abtriebstrecke: Steigbachtal,

Gottesackerstraße, Bräuhausstraße,

Bahnhofstraße, Rothenfelsstraße,

Viehmarktplatz

- Unterhaltung auf dem Scheidplatz und im

Festzelt mit Musik, Krämermarkt und

Scheidschellenwürfeln am Nachmittag

MISSEN

9.30 Uhr, am Feststadel, ca. 400 Tiere

- im Feststadel sorgt die Musikkapelle

Missen-Wilhalms für gute Laune

- ab 14 Uhr werden unter den Hirten die

neuen Schellen ausgewürfelt und der

Trachtenverein »d' Bergstätter Börlas«

tritt auf

- ab 19 Uhr Gaudi im Feststadel

OBERMAISELSTEIN

ab 9 Uhr, Ortsmitte (»Am Scheid«),

ca. 1200 Tiere

- einer der größten und bekanntesten

Viehscheide im Allgäu – Rinder

von elf Alpen

- Viehscheidbus zwischen dem Busbahnhof

in Fischen und dem Obermaiselsteiner

Scheidplatz

- ab 10 Uhr Blasmusik im Festzelt

- ab 20 Uhr fröhlicher Scheidball im

Festzelt mit Live-Musik sowie große

Schellenverlosung

PFRONTEN-RÖFLEUTEN (ABGESAGT!)

ab 10 Uhr, beim Forsthaus an der

Peter-Heel-Straße, ca. 50-80 Tiere

- findet immer eine Woche nach dem

»großen« Viehscheid in Pfronten-

Heitlern statt

- Rinder von der Röfleuter Alpe

RETTENBERG-UNTERMAISELSTEIN

morgens, Untermaiselstein, ca. 300 Tiere

- kleiner, traditioneller Viehscheid

von drei Alpen

RIEZLERN IM KLEINWALSERTAL (A)

8.15 Uhr, Scheidplatz bei der

Breitachbrücke, ca. 700 Tiere

- Rinder von der Alpe Innerduura-Stierhof,

der Alpe Bärgunt, der Zwerenalpe-

Ausserkuhgehren und der Alpe

Galtöde-Schwarzwasser

- Die ersten Alpen erreichen um ca. 7.30

Uhr die Ortschaft Baad und ziehen dann

entlang der Bundesstraße bis Riezlern

- kleiner Bauern- und Krämermarkt

mit landwirtschaftlichen Artikeln

und zünftiger Live-Musik

22

ALPSOMMER & Viehscheid 2020


SCHATTWALD IM TANNHEIMER TAL (A)

13 Uhr, Feuerwehrhalle Dorfmitte,

ca. 90 Tiere

WEITNAU-WENGEN

ab 12.30 Uhr, Dorfhalle in Wengen,

ca. 120-140 Tiere

- Rinder von der Alpe Wenger Egg

- immer am dritten Samstag im September

- ab 10 Uhr Bauernmarkt

SONNTAG, 20. SEPTEMBER

NESSELWÄNGLE IM TANNHEIMER TAL (A)

14 Uhr, Feuerwehrhalle beim

Gemeindehaus, ca. 100 Tiere

- ab 11.30 Uhr Frühschoppen

MONTAG, 21. SEPTEMBER

BOLSTERLANG

8.30 Uhr, Dorflift-Parkplatz zwischen

Bolsterlang und Sonderdorf, ca. 500 Tiere

- kleines Festzelt mit musikalischer

Unterhaltung sowie Speis und Trank

- Vieh der drei Bolsterlanger Galtalpen: die

Alpe Hinteregg, die Alpe Zunkleiten und

die Alpe Bolgen

BUCHING (ABGESAGT!)

9.30 Uhr, Festplatz in Buching, ca. 30 Tiere

- der Buchinger Viehmarkt ist einzigartig

im Allgäu, es gibt jedoch keinen

Viehscheid!

- Einzug des geschmückten Alpviehs mit

der Musikkapelle, Reitern und dem

Festwagen des Allgäuer Brauhauses

- anschließend traditioneller Viehhandel

auf dem Marktplatz mit Krämermarkt

- ab 11 Uhr Stimmungsmusik mit der

Musikkapelle

- eingerahmt wird die Veranstaltung vom

Buchinger Herbstfest (vom 19. bis 21.

September)

HASLACH AM GRÜNTENSEE (ABGESAGT!)

11 Uhr, Feuerwehrhaus Haslach,

ca. 100 Tiere

- hier werden die Schumpen mitten durchs

Festzelt getrieben

- dazu gibt’s Essen, Trinken und

musikalische Unterhaltung

TANNHEIM IM TANNHEIMER TAL (A)

ab 12.30 Uhr, Liftparkplatz, ca. 700 Tiere

- Kühe und Jungtiere kehren von den sechs

Tannheimer Alpen in den Tiroler Ort

zurück und überwinden dabei bis zu 1000

Höhenmeter

- ab 11 Uhr Frühschoppen

SAMSTAG, 26. SEPTEMBER

HALDENWANG

10 Uhr, Scheidplatz am westlichen

Ortseingang (Neubaugebiet), ca. 110 Tiere

- der einzige Viehscheid mit einer

Raiffeisenbank als Veranstalter

- die Rinder kommen von der einzigen

Alpe in Haldenwang – der Alpe Berg

- der traditionelle Abtrieb und Viehscheid

erfolgt nur bei schönem Wetter

- örtliche Vereine sorgen für Bewirtung

SAMSTAG, 3. OKTOBER

MEMHÖLZ

11 Uhr, in Hupprechts am

Niedersonthofener See, ca. 40 Tiere

- immer am 3. Oktober und damit der

letzte Viehscheid im Allgäu

- neben dem Jungvieh ziehen von der

Wachters Alpe auch Ziegen und Ponys

mit ins Tal

- die Musikkapelle Memhölz und

Alphornbläser sorgen für die Bewirtung

und musikalische Unterhaltung

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NATUR

UND TÄGLICH GRÜSST …

Na, Sie wissen schon. Wenige Filmtitel haben es im deutschen Sprach -

gebrauch so weit gebracht wie die Komödie von Harold Ramis. Wenn

Murmeltiere nicht gerade damit beschäftigt sind, Bill Murray zu ärgern

oder fiese Stolperfallen für Älpler auszuheben – dann schlafen sie meistens.

Wenn sie nichts von all dem tun, kann man sie hin und wieder in den

Allgäuer Alpen beobachten.

24

ALPSOMMER & Viehscheid 2020


Ja, Murmeltiere haben es faustdick hinter

den winzigen Ohren. Apropos

Ohr: Davon kann Jonathan Freud,

Ex-Bürgermeister der Stadt Sun Prairie in

Wisconsin, ein Lied singen. Statt beim alljährlich

am 2. Februar stattfindenden (und

nicht erst seit dem Film gnadenlos touristisch

verheizten) Murmeltiertag den nahenden

Frühling anzukündigen, biss Jimmy,

Murmeltierwettervorhersager in elfter Generation,

den Bürgermeister herzhaft ins

Ohr. Eigentlich hätte er geheimnisvoll hineinmurmeln

sollen. Das ist zwar schon ein

paar Jahre her, zeigt aber deutlich, was die

niedlichen Nagetiere von dem amerikanischen

Brauch halten dürften.

Wie dem angeknabberten Bürgermeister

fällt es den meisten Menschen jedoch leicht,

Murmeltieren die eine oder andere Missetat

zu verzeihen – sie sind halt doch so putzig

mit dem Teddypelz, den großen Kulleraugen

und den kurzen Beinchen. Kein Wunder,

dass vor allem die hier beheimateten Alpenmurmeltiere

Zeit ihres Lebens unterschätzt

werden: Hinter den kugelrunden Kulleraugen

und dem entzückend zuckenden Näschen

verbirgt sich ein knallharter Überlebenskünstler,

ein Tiefbauer und Alpinist, der

gegen karge Lebensbedingungen und zahlreiche

Fressfeinde am Boden und aus der

Luft gewappnet ist. Der aber, wenn keiner

hinschaut, trotzdem gerne mit Mama kuschelt.

Hach.

DER, DER VIELES GENANNT

WERDEN DARF

Man ahnt es: Das Murmeltier ist ganz schön

vielseitig. Das zeigt sich schon an der großen

Zahl von Namen, die das Murmele im Alpenraum

trägt. In seinem Aufsatz »Allerlei

Ergötzliches und Wissenswertes über das

Alpenmurmeltier« listet Gerhard Aubrecht

stolze 45 Namen auf, darunter solche wie

Alpenmaus(ratte), Furmenta, Mangele, Marmotte,

Mistbellerle, Murmeli, Munk und

natürlich das im Allgäu gern verwendete

Der unauffällige Eingangsbereich lässt es kaum vermuten – aber die Nagerbauten sind stark verzweigt

und äußerst luxuriös eingerichtet. Drei Zimmer, Küche, Bad? Vielleicht für Murmeltiersingles!

Bergmännle – ein wahres Eldorado für alpine

Sprachforscher. Der Name »Murmeltier«

hat dabei etymologisch nichts mit der Murmel

oder »murmeln« zu tun, sondern geht

über mehrere Umwege auf das lateinische

mus montis, die »Bergmaus«, zurück. Es

geht noch tierischer: Das weibliche Murmeltier

wird »Katze«, das männliche »Bär« und

Jungtiere »Affe« oder »Äffchen« genannt.

MENSCH UND MURMEL

Die Namensvielfalt untermauert es: Den

herrschenden Zweibeiner und das Murmeltier

verbindet eine lange Geschichte – sowie

Murmeltiere leben in Familiengruppen. Sie bestehen

in der Regel aus einem Gründerpaar sowie deren

Nachkommen und können bis zu 20 Tiere umfassen

ALPSOMMER & Viehscheid 2020 25


NATUR

SPEZIALISIERT AUF TIEFBAU

Wenn man durch sie nicht gerade zu Fall

kommt, sind die Erdhöhlen von Familie

Murmel sogar überaus beeindruckend. Die

Natur war, was das angeborene Werkzeug

der Tiere betrifft, überaus großzügig: Kräftige

Beinchen, lange Krallen, eine flexible

Körperform sowie empfindliche Tasthaare

für das Zurechtfinden im Dunkeln machen

das Murmeltier zum idealen Tiefbauer.

Wenn in der warmen Jahreszeit nicht gerade

gefressen, gebalgt, geliebt oder gedöst wird,

erweitert man das unterirdische Eigenheim.

Über Generationen hinweg entstehen so

Bauten von bis zu 70 Metern Länge mit diversen

Ein- und Ausgängen, Schlafkammern,

Toiletten- und Fluchtröhren. Zum

Schutz vor Wintertemperaturen geht es bis

zu sieben Meter ins Erdreich hinab. Das ausgebaggerte

Bodenmaterial wird vor den Ausgängen

aufgetürmt und dient gleichermaßen

als Sonnenterrasse als auch als Wachturm.

Das Alpenmurmeltier (Marmota marmota) gleicht mehr einem Teddybären als einem Alpinisten.

Das ist wohl der Grund, weshalb die possierlichen Nager chronisch unterschätzt werden

eine eher durchwachsene Beziehung. Die

Bergmännle wurden fasziniert studiert, geliebt,

gejagt, gekocht – und kurz vor der Ausrottung

unter Schutz gestellt. Heute rächen

sie sich für das jahrelange Nachstellen (vor

allem ihr hart erarbeitetes Fett war für heilsame

Salben begehrt), indem sie manches

Loch auf der Bergweide hinterlassen. Insbesondere

Älpler sehen deswegen Murmeltiere

in großer Zahl nur ungern auf ihrem Grund

– denn für Alpvieh nimmt ein Stolpern am

Hang selten ein gutes Ende.

Im Allgäu stellt dies glücklicherweise nur ein

punktuelles Problem dar. Und für bodenbrütende

Vögel sind verlassene Tunnel und

Löcher wiederum ein Segen.

LEBEN AM LIMIT

Letzteren brauchen die Familienverbände

von bis zu zwanzig Tieren auch – wer klein

genug ist, von einem Steinadler verschleppt

zu werden, muss auf der Hut sein. Während

der Großteil der Gruppe dem üblichen (siehe

vorangehender Absatz) Tagwerk nachgeht,

hält ein erwachsenes Tier stets Ausschau

nach Gefahren aller Art: Fressfeinden,

Wanderern mit Hund, Reviereindringlingen

oder verdächtigen Schatten am Boden.

Wird etwas oder jemand als potentielle Bedrohung

erkannt, warnt der Wächter seine

Artgenossen per Pfiff: Ein scharfes, kurzes

Geräusch bedeutet »Luftangriff« und hat

den sofortigen Rückzug unter die Erde zur

Folge. Mehrere aufeinanderfolgende Pfiffe

sind je nach Bedrohungslevel und Feindnähe

abgestuft – ein bisschen wie die Einparkhilfe

im Auto, auch wenn die Mobilindustrie

jegliche Murmeltiervorbilder leugnet. Dabei

erkennen die Nager genau, welches Familienmitglied

Alarm schlägt – der ängstliche

Omegamurmel, der bereits dreimal wegen

einer Bergdohle in Panik geraten ist oder die

Rudelchefin, die bereits zwei Generationen

sicher durch den Sommer gepfiffen hat.

Dementsprechend viel Priorität messen die

Tiere dem Geräusch bei. Der mühevoll angefressene

Winterspeck will ja nicht verschwendet

sein.

GRUPPENKUSCHELN IM WINTER

Das Bergmännle ist ein Paradebeispiel dafür,

wie man das Beste aus einem Leben als klassisches

Beutetier in einem anspruchsvollen

Lebensraum machen kann: Denn auf über

tausend Höhenmetern pendelt man stets

zwischen sommerlichem Kräutergenuss,

Hitzestress, akuter Lebensgefahr durch fliegende

Fleischfresser und nicht zuletzt den

Winterfrost, wobei das Murmeltier letzteren

freilich verpennt.

Sein überaus ausgiebiger Schlaf ist letztlich

auch das, wofür das Murmeltier weit bekannt

ist – die Redensart »schlafen wie ein

Murmeltier « kommt nicht von ungefähr. Sie

zählen neben einigen Fledermausspezies zu

den wenigen Säugetierarten, die einen sogenannten

sozialen Winterschlaf halten – der

Fachterminus für monatelanges Gruppen -

26

ALPSOMMER & Viehscheid 2020


kuscheln. Von Oktober bis April schläft die

ganze Familie im gemütlich ausgepolsterten

und mit Erde verschlossenen Wohnkessel

und wartet auf bessere Zeiten. Mit einer Körpertemperatur

von wenigen Grad Celsius,

nur noch zwei bis drei Atemzügen und gerade

einmal fünf Herzschlägen pro Minute

fahren die Tiere ihren Energiebedarf um 90

Prozent zurück.

Erst, wenn der im Vorjahr angefressene

Speck aufgebraucht ist, endet der halbjährliche

Kühlschrankmodus und der Hunger

treibt die Tiere zurück ans grüne Büffet.

Auch im Allgäu dürften inzwischen allerorts

wieder schlanke Murmeltiere aus dem Boden

geschossen sein.

PELZIGE WEGGEFÄHRTEN

Tatsächlich fühlen sich Murmeltiere in unserer

bergigen Region augenscheinlich recht

wohl. So kann man die putzigen Nager im

Allgäu an vielen Orten antreffen. Allerdings

muss man dafür die Täler verlassen, denn

Fotos: Pixabay, Fotolia

unter 1000 Metern Höhe ist es den Tieren zu

heiß – 20 Grad Celsius Umgebungstemperatur

empfinden sie in etwa so wie ein Mensch

36 Grad auf der Veranda (ohne Sonnenschirm).

Je höher man also hinaufsteigt, desto

länger verlassen Murmeltiere bei warmen

Temperaturen ihren Bau. Rund um die

Rappenseehütte, die Kemptner Hütte, die

Mindelheimer Hütte und die Fiderepasshütte

bestehen gute Chancen auf eine Sichtung.

Auch um die Zipfelsalpe treiben sich einige

Murmeltiere herum. Wenn man das Pfeifen

hört, ist man freilich schon zu nah dran und

die Bergmännle mit Sicherheit auf Tauchstation.

Also: Fernglas nicht vergessen!

Viola Elgaß

Murmeltiere leben in

sozialen Familienverbänden

und sind begnadete

Gruppenkuschler –

kein Wunder, dass sie

sich zu einem alpinen

Wahrzeichen gemausert

haben. Darauf ein

Nasenküsschen!

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Berg

Limo

ALPSOMMER & Viehscheid 2020 27


ALPSOMMER

LASS DIE KUH IN RUH´

EIN KLEINER ALPEN-KNIGGE

Endlich Sommer, endlich raus in die Berge oder zumindest zur nächsten Alpe.

Oft führt der Weg zum (Gipfel-)Glück über eine Alpfläche mit Weide tieren.

Für manchen ist es die erste Begegnung mit den braunen Schönheiten und man

ist leicht gewillt, die Hand nach ihnen auszustrecken. Warum man das lieber

sein lassen und wie man sich richtig verhalten sollte, erklären wir hier.

2

DER WEG FÜHRT

ZUM ZIEL

1

SESAM SCHLIESSE

DICH

Hat man also der Kuh im sprichwörtlichen

Sinne die Tür vor der Nase zugeschlagen

– von einer wortwörtlichen Auslegung

ist unbedingt abzuraten – kann

sich auf den Weg über die Weide machen

und zwar nur auf den Weg. Selbst wenn

man eine vermeintliche Abkürzung quer

über die Wiese sieht, sollte man diese

Chance nicht nutzen. Die Weide gehört

schließlich der Kuh und alle anderen sind

nur geduldete Besucher.

Meist ist ein Zaun mit einem eingebauten

Tor ein untrügliches Zeichen dafür, dass

man gleich eine Wiese betritt, auf der sich

Kühe befinden. Zunächst einmal gilt:

Nach Betreten der Weide muss das Tor

unbedingt wieder geschlossen werden.

Denn nicht nur ein anderer Wanderer

freut sich, wenn ihm die Tür offen gehalten

wird, sondern auch das liebe Vieh.

Und es kann sein, dass es die Chance zum

Erkunden fremder Welten jenseits des

Zaunes nutzt.

3

NICHT AB DURCH

DIE MITTE

Aus diesem Grund sollte man den Kühen

auch nicht zu nahe kommen, schon gar

nicht wenn Kälber in der Nähe sind, auch

wenn Mutterkuhweiden im Allgäu selten

sind. Denn wenn Fremde sich ihren Kindern

nähern, können die Mütter zu Furien

werden – das ist bei Menschen ja

auch nicht anders. Zudem ist die Weide

quasi das (Sommer-)Wohnzimmer der

braunen Allgäuerinnen und wie würden

wir uns fühlen, wenn uns zuhause jemand

Fremdes einfach streichelt? Deshalb

ist ein gebührender Abstand von 20

bis 50 Metern ratsam.

28

ALPSOMMER & Viehscheid 2020


5

LAUF BELLO, LAUF!

Fotos: Ramona Alger, Dominik Ultes, Volker Wille, Pixabay

4

EIN LANGSAMER

RÜCKZUG

Auch wenn der Wanderer die nötige

Distanz wahrt, so kann es sein, dass die

Kuh ihren Meterstab vergessen hat und

dem Besucher zu nahe kommt. Dann

heißt es Ruhe bewahren. Steht das Rindvieh

mitten im Weg, sollte es mit größtmöglichem

Abstand umgangen werden –

dieser Fall setzt übrigens Regel Nr. 2 außer

Kraft. Sucht die Kuh dann auch noch

die Nähe des Menschen, sollte man ihr

nicht tief in die Augen blicken und sie

streicheln – das ist keine Anmache. Eher

gilt: Nicht den Rücken zudrehen und

langsam die Weide verlassen.

6

FREUNDLICHKEIT

MUSS SEIN

Es ist durchaus wahrscheinlich, dass man

auf einer Weide nicht nur Kühen und

Kälbern begegnet, sondern auch anderen

Wanderern. Diese sollten ebenfalls nicht

einfach gestreichelt werden, aber über ein

nettes »Griaß di« oder ein einfaches »Servus«

freuen sie sich allemal. Man sollte

übrigens auch nicht allzu sehr an Regel 2

festhalten, denn manchmal sind die Wege

so schmal, dass man nicht ohne weiteres

aneinander vorbeikommt. In diesem Falle

darf man sich gerne gegenseitig etwas

Platz machen.

Der Hund ist bekanntermaßen der beste

Freund des Menschen, auch wenn Katzenbesitzer

nun vermutlich leise bis laut

protestieren. Doch worüber sich alle einig

sein können: Er ist nicht der beste Freund

der Kühe. Deswegen ist es wichtig, dass

unsere vierbeinigen Freunde stets sicher

an der Leine über die Weideflächen geführt

werden und die Kühe genauso in

7

HINTERLASSENSCHAFT-

EN SIND UNERWÜNSCHT

Jeder stimmt wohl zu, wenn man sagt:

»Kuhfladen sind das Beschissenste auf

den Wegen.« Doch was soll die Kuh tun?

Sie wohnt hier schließlich und kann damit

tun und lassen, was sie will und wo

sie will. Gleiches gilt allerdings nicht für

den Menschen. Es ist wohl überflüssig zu

Ruhe lassen wie Menschen es tun sollten.

Fühlen sich die Weidebewohner dennoch

von Bello bedroht, sollte unbedingt die

Leine losgelassen werden, denn der Hund

ist garantiert schneller als die Kuh.

sagen, dass man als Besucher seine Notdurft

nicht auf der Weide verrichten sollte

(vor allem die anderen Wanderer und der

Älpler werden es einem danken). Aber

man sollte auch keinen anderen Müll hinterlassen.

Man hat es bis da getragen,

dann kann man es auch weitertragen.

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ALPSOMMER & Viehscheid 2020 29


HANDWERK

DER GAMSBART

DEM HUT STEHT ER GUT

Er erinnert so manchen an einen überdimensionierten Rasierpinsel und

ist fester Bestandteil vieler Trachten im Alpenraum, auch einige Jäger

schmücken sich voller Stolz mit ihm. Doch er ist nicht einfach ein modisches

Accessoire für Hutträger, sondern ein echtes Stück Handwerkskunst, das auf

eine lange und manchmal wilde Geschichte zurückblicken kann.

Der Gamsbart ist ein wahres

Schmuckstück und äußerst imposant.

Wenn man ihn sieht, ist man

fast gewillt seine Hand nach ihm auszustre -

cken und ihn zärtlich zu streicheln. Diese

Anziehungskraft übten der hübsche Hutschmuck

und sein Träger schon früher auf

die Menschen, vor allem die jungen Damen

aus. Nun mag man sich heute denken:

»Warum waren die Mädels so scharf auf ältere

Herren in Tracht?«. Die Antwort darauf

lautet: »Waren sie nicht.«

TOLLKÜHNE PROVOKATION

Denn lange bevor der Gamsbart ein fester

Bestandteil vieler Trachten wurde, trugen

ihn Wilderer. Sie zeigten damit den Jägern

und allen anderen, dass sie einen Gamsbock

erlegt hatten und brüsteten beziehungsweise

schmückten sich mit fremden Federn. Dazu

muss man wissen, dass das Jagdrecht seit

etwa dem 12. Jahrhundert in fast allen europäischen

Herrschaftsbereichen in Urkunden

und Jagdregalien schriftlich festgehalten war.

Damit wurde die Jagd zu einem exklusiven

Sport der Oberschicht beziehungsweise des

Adels und seiner Jäger. Genau wie heute,

konnte nicht einfach jeder Dahergelaufene

ein Tier erschießen (und das ist auch gut so),

doch genauso bedeutete es auch, dass die

30

ALPSOMMER & Viehscheid 2020


Nur im Winter tragen die Gämsen die langen Nackenund

Rückenhaare, die es für den Gamsbart braucht

Ein fertiger Gamsbart besteht aus mehreren tausend

Haaren. Um ihn am Hut zu befestigen, wird er in eine

Hülse gesteckt, die es in unterschiedlichen Größen gibt.

Die drei ganz rechts sind für Federn, nicht für Gamsbärte

Fotos: Pixabay, Ramona Alger

einfachen Leute nie die Möglichkeit hatten,

Jäger zu werden. Zumindest nicht offiziell,

beziehungsweise auf legalem Weg.

Und so zog manch Jungspund los, jagte eine

Gämse und kehrte mit einem ausgerupften

Haarbüschel am Hut zurück. Mit diesem

Schneid, den er an den Tag legte, provozierte

er zum einen die Jäger, denn die konnten seiner

nicht habhaft werden – das Haarbüschel

an der Kopfbedeckung reichte nicht als Beweis

der Wilderei –, und zum anderen imponierte

er den jungen Damen und hatte mit

seiner Tollkühnheit echten Erfolg bei diesen.

Da sieht man mal wieder, dass sich auch

schon früher Frauen von bösen Jungs angezogen

fühlten.

Kaiser Franz Josef – vielen bekannt als Mann

von Sissi – ging mit der Mode und trug den

Gamsbart am Hut. Auf bayerischer Seite

sorgten Prinzregent Luitpold sowie Prinz

Eugen Leopold von Bayern und dessen Frau

Prinzessin Hella dafür, dass das Gamsbarttragen

salonfähig wurde.

Es ist überliefert, dass die hochherrschaft -

lichen Jagdteilnehmer, dem erlegten Gamsbock

die längsten Haare vom Hals bis zum

Steiß ausrupften, sie zu einem kleinen Pinsel

banden und dann als Jagdtrophäe und

Schmuck an ihren Hut steckten. Damit folgten

sie im Groben der Vorgehensweise der

Wilderer – auch wenn sie es vermutlich

leugnen würden, schließlich waren die weit

unter ihrer Würde und sozialem Stand.

EINE HAARIGE ANGELEGENHEIT

Doch diese Vorgehensweise hat sich bis heute

bewährt: Nachdem der Gamsbock erlegt

wurde – meist Mitte bis Ende Dezember,

weil dann das Tier dank seines Winterfells

besonders lange Haare im Nacken und Rü -

cken hat – rupft der Jäger die begehrten Haare

heraus und wickelt diese in eine mitgebrachte

Zeitung, damit sie nicht knicken und

beschädigt werden. Anschließend wer-

VON WILDERERN

ZU PRINZEN UND KAISERN

Ob die Jäger neidisch auf den Erfolg der

Wilderer bei der Damenwelt waren, ist nicht

bekannt. Doch auch sie fingen irgendwann

damit an, sich mit einem Gamsbart am Hut

zu schmücken. Aber so richtig populär wurde

das haarige Accessoire erst durch die

Oberschicht. Bei unseren österreichischen

Nachbarn war der Erzherzog und Gams -

jäger Johann von Österreich (1782-1859) einer

der Ersten, der sich die Haare als Trophäe

an die Kopfbedeckung steckte. Auch

DABEI SEIN IST ALLES

Dass die Menschen im Alpenraum, vor allem in Bayern

und Österreich ein ganz besonderes Verhältnis zum

Gamsbart haben, zeigt sich an der Gamsbart-

Olympiade. Diese wird seit 1960 im Wechsel zwischen

Bad Goisern in Österreich und Berchtesgaden – seit

2008 in Mittenwald bei Garmisch-Partenkirchen –

durchgeführt. Die stolzen Bartbesitzer können sich in

verschiedenen Kategorien mit anderen messen und

zeigen, was sie haben. Dabei sind nicht nur Gamsbärte

für die Wertung zugelassen, sondern auch Hirsch- und

Dachsbärte – jedoch treten die drei nicht in

Konkurrenz zueinander an.

Dieses Jahr musste die außergewöhnliche Olympiade

coronabedingt leider abgesagt werden. Ein Ersatz -

termin ist jedoch bereits in Planung. So können

spätestens 2021 wieder alle die haarigen Kunstwerke

bestaunen und sich am volkstümlichen Rahmen -

programm erfreuen.

www.alpenwelt-karwendel.de/

gamsbartolympiade-mittenwald

ALPSOMMER & Viehscheid 2020 31


HANDWERK

den die dünnen Kostbarkeiten zu einem

Gamsbartbinder gebracht, von denen es allerdings

nur noch wenige gibt. Was natürlich

schade ist, weil ein Stück Handwerkskunst

so langsam ausstirbt, aber auch nachvollzogen

werden kann, wenn man sich vor Augen

führt, welch Aufwand hinter einem Gamsbart

steckt.

Denn bevor der Binder binden kann, muss

er einiges an Vorarbeit leisten. Zunächst

werden die Haare ausgekämmt und von

Dreck befreit, dann mit Seife und Shampoo

vorsichtig gewaschen und anschließend zum

Trocknen ausgelegt. Danach beginnt eine

wahre Sisyphus-Arbeit: Das Sortieren der

einzelnen Haare nach Länge und das kann

sich hinziehen, denn für einen Bart werden

insgesamt etwa 10.000 Haare benötigt, die

von zehn bis 15 Gämserücken stammen.

Anschließend werden die vorsortierten Haare

zu kleinen Büscheln – je nach Gamsbartbinder

umfassen die 50 bis 150 Haare – zusammengebunden.

Zu guter Letzt werden

die Büschel ihrer Länge nach, beginnend mit

den kürzesten, zu dem großen Stück Handwerkskunst

zusammengebunden, mit dem

sich heute die Trachtenträger und Jäger so

gerne schmü cken.

Manches Schmuckstück hat

seinen fest angestammten

Platz am Hut: Beim Gams-

(liegt neben dem Hut) oder

Dachsrad ist es hinten links

MIT VORSICHT ZU GENIESSEN

Allerdings tragen sie ihren geschichtsträchtigen

Hutschmuck nicht alltäglich, sondern

nur zu besonderen Anlässen wie Hochzeiten,

runden Geburtstagen oder anderen

wichtigen Festen. Das liegt zum einen daran,

dass solch ein stattlicher Gamsbart sehr

teuer ist – kein Wunder, bei der aufwändigen

Herstellung. Zum anderen ist das haarige

Accessoire auch sehr empfindlich, handelt

es sich schließlich um sehr feine Haare.

Allzu häufiges Anstoßen, aber auch zu viel

Sonne oder Regen verzeiht einem dieser

Hutschmuck nicht. Deswegen sollte man es

auch tunlichst vermeiden seine Hand nach

ihm auszustrecken und ihn zu streicheln,

denn das verzeiht einem wiederum der

Gamsbartträger nicht und schon gar nicht,

wenn man ihn nicht kennt oder vorher um

Erlaubnis gefragt hat.

Wem der Gamsbart am Hut nicht genug ist, der hat die Qual der Wahl was die weiteren Accessoires betrifft:

Es gibt verschiedenste Anstecker, Hülsen für Gamsbärte und Federn sowie Flechten. Auch Zähne, Schnurrhaare,

Federn oder auch Krallen steckt sich der Allgäuer gern an seinen Hut

ECHTHEIT HAT IHREN PREIS

Wer allerdings nicht die Finger von ihm lassen

kann, der muss entweder darauf warten,

dass ihm einer vererbt wird, oder sich einen

eigenen kaufen. Dafür muss man allerdings

tief in die Tasche greifen und mehrere tausend

Euro auf den Tisch des Gamsbartbinders

legen.

Verlangt jemand deutlich weniger, so entpuppt

sich das vermeintliche Schnäppchen

oft als Fälschung, die der Laie zwar nicht erkennt,

der Profi aber mit Sicherheit. Dann

lieber doch der Devise »Nur gucken, nicht

anfassen« folgen und die echten Gamsbärte

bewundern, die es im Laufe der Geschichte

von Wildererhüten über die privilegierten

Köpfe hinweg bis an den Trachtenhut gebracht

haben.

Claudia Schöwe

32

ALPSOMMER & Viehscheid 2020


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ALPSOMMER & Viehscheid 2020 33


KUNST

KUNST VON FRED SPAHR

DEN BERUF ZUM HOBBY GEMACHT

Fred Spahr ist ein vielseitiger Künstler, der nicht nur malt, sondern auch fotografiert.

Mensch und Natur des Allgäus sind der Schwerpunkt seiner Arbeiten.

Eine motivische Vorliebe hat er für Kühe, deren Gelassenheit ihn fasziniert.

Wären Hörner sinnlos, hätte sie

der Schöpfer nicht geschaffen«,

steht auf einem Bild des Malers.

Fred Spahr, Vater von drei erwachsenden

Kindern, lebt mit seiner Frau seit 2005 auf

dem Sonnenbichl in Oy-Mittelberg. Vom

Südbalkon des Paars schweift der Blick über

die gesamte Alpenkette mit Schloss Neuschwanstein

und der Zugspitze im Osten.

»Da geht einem das Herz auf«, kommentiert

Spahr das grandiose Panorama. Aus der

Nähe von Stuttgart kommend, haben er und

seine Frau wie so viele Menschen vor ihnen

das Allgäu im Urlaub schätzen gelernt.

UNTERWEGS MIT DEM »LEIHHUND«

Der 79-Jährige malt und fotografiert schon

seit rund vierzig Jahren. Beruflich arbeitete

er jahrelang als Retuscheur und Farblithograf,

absolvierte zudem ein Fernstudium zur

Gebrauchsgrafik und Illustration an der Famous

Artist School in München.

Heute, nach vielen Berufsjahren im grafischen

Gewerbe und als Mediengestalter, hat

der Rentner sein kreatives Schaffen keineswegs

an den Nagel gehängt, sondern stattdessen

»seinen Beruf zum Hobby gemacht«.

Den Frühaufsteher zieht es bei jedem Wetter

mit seinem »Leihhund« Aponie, einer

Husky hündin aus der Nachbarschaft, hinaus

in die Natur. Das Ergebnis seiner Wanderungen

sind Fotos von prächtigen Sonnenaufgängen

und Nahaufnahmen von taubedeckten

Zweigen und Gräsern. Und von Rindern:

»Wenn man im Allgäu lebt, ist man im Sommer

von saftig grünen Wiesen umgeben, auf

denen braune oder graue Kühe grasen – ihre

wunderschönen Mandelaugen und flauschigen

Ohren inspirieren mich dazu, sie auf vielfältige

Art in großformatigen Bildern festzuhalten«,

sagt Fred Spahr.

DER RUHIGE AUGENBLICK

Wer den Künstler besser kennt, wundert sich

nicht darüber, dass er gerade die sanften Riesen

mit dem friedlichen Gemüt als Lieblingsmodelle

auserkoren hat. Unruhe ist

Fred Spahr zuwider. Schon sein Beruf verlangte

stets ein »ruhiges Händchen«.

Die Gelassenheit der Kühe kommt ihm bei

der Suche nach schönen Motiven entgegen.

In seinem Bild »Augen-Blick« hat er einen

Hirten gezeichnet, der gerade eine ruhige

Zwiesprache mit seinem Vieh hält.

34

ALPSOMMER & Viehscheid 2020


Fotos: Kunst von Fred Spahr, Thomas Niehörster

Großes Bild links: Der »Augen-Blick« zwischen Hirte und Vieh. Oben hat der Künstler

die starke Bindung zwischen Kalb und Kuh auf der Leinwand verewigt

Ganz oben: Den »Wilden in Menschenzoos« hat Fred

Spahr (darunter) eine ganze Serie gewidmet

Das Foto eines saugenden Kalbs ist dem

Wahlallgäuer besonders an Herz gewachsen,

da er dessen Geburt auf der Weide live miterleben

konnte. Es diente ihm später als Vorlage

für ein Gemälde. Zu diesem Erlebnis

passt ein weiteres Foto, welches die Berührung

einer Mutterkuh mit ihrem Kalb zeigt,

das in einem Kälberstall eingepfercht ist. Das

sind die realistischen Motive Spahrs.

»Beim Malen fasziniert mich wiederrum, die

Tiere auch einmal ‚farbverfälscht' wiederzugeben«,

erklärt der Bildkünstler und deutet

auf ein Bild mit goldenen Kühen, hinter denen

blau schillernd der Berg Säuling aufragt.

KRITISCHER BEOBACHTER

Inzwischen ist Spahr in die mystische Welt

des Allgäus vorgedrungen und entdeckt in

Bäumen, Steinen und Wasserläufen Wesen,

die vorbeieilenden Menschen verborgen bleiben:

»Kunst öffnet Augen und Sinne«, lautet

der Leitspruch seines Schaffens. Neben Kühen

porträtiert Spahr auch Menschen, malt

Pferde, Hühner, Hunde, wie sie ihm gerade

begegnen. Außerordentlich beeindruckt hat

ihn eine Reportage über afrikanische Eingeborene,

die bis ins 20. Jahrhundert als »Wilde

in Menschenzoos« zur Schau gestellt wurden.

Auch ihnen hat er eine Serie von Illustrationen

gewidmet.

Seine Bilder hat der Künstler bereits in mehreren

Galerien im Allgäu präsentiert. Außerhalb

dieser zeitlich begrenzten Ausstellungen

zeigt Fred Spahr die ganze Palette seines

Schaffens zusätzlich online unter »fred-spahr.

blogspot.com«. Thomas Niehörster

Ob beim »golden Highland Cattle« oder der »blauen

Kuh«: Fred Spahr liebt das ausrucksvolle Farbenspiel

ALPSOMMER & Viehscheid 2020 35


BRAUCHTUM

36

ALPSOMMER & Viehscheid 2020


ALLGÄUER SECHSERTANZ

EIN URALTER REIGEN

Ein nur noch zu besonderen Anlässen

gezeigter, doch tief im Allgäuer

Brauchtum verwurzelter Reigen ist

der »Allgäuer Sechsertanz«. Wie sein Name

sagt, ist der Tanz ursprünglich für drei Paare

gedacht, wird aber heute auch von sechs Paaren

getanzt – wie zum Beispiel in Bad Hindelang.

Der dortige Gebirgstrachtenverein

listet bis heute eine Sechsertanzgruppe. Hier

ist der Reigen besonders verankert. Kein

Wunder: Bereits im Jahr 1780 führten die

Hindelanger den Volkstanz vor dem damaligen

Kurfürsten und Bischof Clemens Wenzeslaus

auf, der des Öfteren als Gast und

Jagdherr im Ostrachtal weilte. Aufgezeichnet

wurde der Tanz erst im 20. Jahrhundert, doch

er gewann schnell Freunde – nicht nur bei

den Allgäuern. Prinzregent Luitpold von

Bayern lud die Oberallgäuer im Jahr 1910

sogar zum Oktoberfest nach München ein,

um den von ihm so geliebten Sechsertanz vor

dem Königszelt aufzuführen. Ein der Allgäuer

Version ähnelnder Sechsertanz wird

auch in Bregenz getanzt. Viola Elgaß

ALPSOMMER & Viehscheid 2020 37


FREIZEIT

DAS GROSSE ALLGÄU-QUIZ

20 FRAGEN FÜR ECHTE ALLGÄU-KENNER

Die schönsten Rinder im Allgäu sind braun und im September dreht sich hier

(fast) alles um den Viehscheid. So weit, so gut. Doch wie gut kennen Sie das

Allgäu wirklich? Vorsicht: Bei einigen Fragen kratzt sich sogar manch

Einheimischer ratlos den … wie sagt der Allgäuer nochmal zum »Kopf«?

1

WER ODER WAS IST DER »WÄCHTER

DES ALLGÄUS«?

a) Carl Hirnbein, ein Agrarreformer, der das

Allgäu als »Deutschlands Käseküche« etablierte.

b) Eine Bronzefigur in Bad Wörishofen, die

den Wasserdoktor Sebastian Anton Kneipp

darstellt.

c) Der Grünten, ein 1738 Meter hoher Berg

bei Burgberg im Oberallgäu.

d) Das ist der Titel eines Kriminalromans

von Peter Nowotny.

2

DAS SCHLOSS NEUSCHWANSTEIN IST

WELTWEIT ALS MÄRCHENSCHLOSS

BEKANNT. WELCHE DER FOLGENDEN

AUSSAGEN STIMMT?

3

WIE HEISST DER KOMMISSAR, DER

IN DER BELIEBTEN ROMANREIHE

DES AUTORENDUOS MICHAEL KOBR

UND VOLKER KLÜPFEL DIE HAUPT-

ROLLE SPIELT?

a) Herbert Knaup

b) Martin Langhammer

c) Adolphus »Bertele« Kneppinger

d) Adalbert Ignatius Kluftinger

4

ZUR WARMEN JAHRESZEIT LIEGT OFT

EIN GEWISSES »ODEUR« IN DER

ALLGÄUER LUFT. SO EIN GÜLLEFASS

ERFREUT NICHT JEDE NASE. ABER

WIE NENNT DER ALLGÄUER BAUER

DAS AUSBRINGEN VON (FLÜSSIGEM)

KUHMIST?

5

FÜR SEINE MINI-BRAUEREI ERHIELT

DIETER GRASSL IM JAHR 1996

EINEN EINTRAG INS GUINNESS BUCH

DER REKORDE. FÜR WELCHES ALL-

GÄUER TRADITIONSHAUS IST DER

BRAUMEISTER NOCH HEUTE TÄTIG?

a) Schäffler Bräu

b) Allgäuer Brauhaus

c) Meckatzer Löwenbräu

d) BernadiBräu

6

RUNDHERUM WEIDET DAS VIEH, DER

HIRTE ÜBERNACHTET HIER UND MIT-

UNTER KÖNNEN WANDERER SOGAR

EINKEHREN. WIE HEISSEN DIE SOM-

MERLICHEN BEHAUSUNGEN AUF DEN

ALLGÄUER BERGEN?

a) Der Märchenkönig Ludwig II. wählte hier

den Freitod.

b) Pro Jahr besichtigen etwa acht Millionen

Menschen das Schloss.

c) Viele amerikanische Besucher halten das

Schloss für eine Kopie des berühmten

Disney-Schlosses.

d) Joanne K. Rowling hatte hier die zündende

Idee für ihre Buchreihe »Harry Potter«.

a) B‘schütte

b) Jauche fahre

c) Heilig’s Dreckle

d) G’spotza

a) Almen

b) Alpen

c) Hütta

d) Sennereien

38

ALPSOMMER & Viehscheid 2020


7

BESONDERE REGIONALE PRODUKTE

WERDEN VON DER EU GESCHÜTZT.

DIE VIER GESCHÜTZTEN ALLGÄUER

KÄSESORTEN HEISSEN ALLGÄUER

BERGKÄSE, SENNALPKÄSE UND …?

a) Allgäuer Emmentaler und Weißlacker.

b) Allgäuer Romadur und Alpkäse.

c) Allgäuer Camembert und Oberstdorfer

Bergkäse.

d) Allgäuer Gouda und Berglarkönig.

8

a) Alpsee

b) Elbsee

c) Forggensee

d) Schrecksee

9

a) Bad Hindelang

b) Immenstadt

c) Gunzesried

d) Memhölz

WELCHER DIESER ALLGÄUER SEEN

IST FLÄCHENMÄSSIG AM GRÖSSTEN?

WER DIESES MAGAZIN AUFMERKSAM

STUDIERT, HAT ES BEI DIESER

FRAGE LEICHT. WO FINDET DER

GRÖSSTE VIEHSCHEID STATT,

GEMESSEN AN DER ANZAHL DER

TIERE? IN …

10

FRÜHER WAR HÄUFIG DIE REDE VOM

»BLAUEN ALLGÄU«. WORAUF FUSST

DIESE BEHAUPTUNG?

a) Früher war das Allgäu noch nicht für seine

Land- und Milchwirtschaft, sondern

vielmehr für seine zahlreichen Tal- und

Bergseen bekannt.

b) Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war das

Landschaftsbild vom blühenden, blauen

Flachs zur Leinenherstellung geprägt.

c) Die vielen schneebedeckten Gipfel der

Region schimmern im Winter bläulich.

d) Das Allgäu galt damals als derart trist und

arm, dass ein Großteil der Landbevölkerung

seinen Kummer in Bier ertränkte

und häufig »blau« war.

11

a) Wangen

b) Balderschwang

c) Mindelheim

d) Tannheim

12

WELCHER ORT LIEGT NICHT

IM ALLGÄU?

WER GILT ALS SCHUTZHEILIGER DES

ALLGÄUS?

a) Der heilige Magnus

b) Der heilige Markus

c) Der heilige Lukas

d) Die heilige Afra

13

a) Strohlikör

b) Heuschnaps

c) Graswein

d) Streuweizen

14

WELCHE DER FOLGENDEN SPEZIALI-

TÄTEN WIRD WIRKLICH IM ALLGÄU

HERGESTELLT?

ARIST DETHLEFFS AUS ISNY WAR ES,

DER 1931 DEN ERSTEN WOHNWAGEN

DEUTSCHLANDS KONSTRUIERTE.

DAS MODELL IST HEUTE IM ERWIN-

HYMER-MUSEUM IN BAD WALDSEE

AUSGESTELLT. DOCH WIE KAM DER

PEITSCHENHERSTELLER ÜBERHAUPT

AUF DIESE IDEE?

a) Seine Frau beklagte sich bei ihm: Sie wollte

ihn auf seinen häufigen Geschäftsreisen

begleiten.

b) Er schaute sich das Prinzip bei den aufkommenden

Viehtransportern ab.

c) In seiner Freizeit malte Dethleffs – mit

dem Gefährt konnte er tagelang an malerischen

Orten campieren, um das rechte

Licht abzuwarten.

d) Dethleffs war ein echter Pechvogel – sein

Wagen blieb innerhalb eines Jahres viermal

liegen. So ersann er eine Möglichkeit,

wie er zumindest halbwegs komfortabel

übernachten konnte.

ALPSOMMER & Viehscheid 2020 39


FREIZEIT

15

a) Kreizkipf

b) Muhagl

c) Zitron‘boaßer

d) Schumpa

WIE NENNT DER ALLGÄUER EINEN

MÜRRISCHEN, RECHT UNFREUNDLI-

CHEN MENSCHEN?

18

WIE HEISST EINE BEI WANDERERN

BELIEBTE BERGKETTE IM OBERALL-

GÄU, NACH DER AUCH DER ERSTE

GRENZÜBERSCHREITENDE NATUR-

PARK ZWISCHEN DEUTSCHLAND UND

ÖSTERREICH BENANNT WURDE?

a) Illerbergkette

b) Nagelfluhkette

c) Hammerfelskette

d) Nebelhornkette

20

ZU GUTER LETZT GEHT ES NOCH EIN-

MAL UM DEN VIEHSCHEID: WAS GILT

ALS UNVERZICHTBARES »ACCES-

SOIRE« FÜR DAS KRANZRIND?

a) Ein Strauß Buschröschen

b) Eine blauweiße Schleife

c) Ein Spiegel

d) Ein mit Edelweiß besticktes Halfter

IM JAHR 1927 IST GANZ OBERST-

16

SEIT JAHRZEHNTEN WETTEIFERN

KEMPTEN, MAINZ UND TRIER UM

DEN TITEL DER ȀLTESTEN STADT

DEUTSCHLANDS«. TATSÄCHLICH

BESITZT KEMPTEN DAS ÄLTESTE

SCHRIFTLICHE ZEUGNIS EINER

DEUTSCHEN STADT. DOCH WIE

NANNTEN DIE ALTEN RÖMER DEN

ORT DAMALS?

a) Cembidinium

b) Via Claudia

c) Roma Parva (»Klein-Rom«)

d) Cambodunum

17

WELCHES TIER LEBT NICHT

IM ALLGÄU?

a) Haselmaus

b) Steinadler

c) Alpensalamander

d) Weißwedelhirsch

19

DORF IN AUFRUHR. AUS WELCHEM

ANLASS?

a) Die Heini-Klopfer-Skiflugschanze, heute

die weltweit drittgrößte Skiflugschanze,

wird feierlich eröffnet.

b) Der »Oberstdorfer Edelweißkrieg« brandet

auf: Die Bergwacht geht gegen die Beinahe-Ausrottung

der streng geschützten

Gebirgspflanze vor, indem sie zahlreiche

Edelweißräuber auf den steilen Bergflanken

der Höfats stellt.

c) Auf der sogenannten Käseralp erlegen

Jäger den letzten Braunbären im Bereich

der Gemeinde.

d) Im Dezember tobt ein Schneesturm in

der Region. 14 Tage lang sind die Oberstdorfer

abgeschnitten von der Außenwelt.

Der Schneesturm endet schließlich am

Abend des 24. Dezembers: Das »Oberstdorfer

Weihnachtswunder« bleibt allen

im Gedächtnis.

DIE ANTWORTEN:

1c), 2c), 3d), 4a), 5a), 6b), 7a), 8c), 9c), 10b), 11d), 12a), 13b), 14a), 15b),

16d), 17d), 18b), 19b), 20c) … und den Kopf nennt der Allgäuer

übrigens »Grind«.

Fotos: Pixabay; Illustrationen: Ramona Alger

40

ALPSOMMER & Viehscheid 2020


HANDWERK

DER GUTE TON

WILL FEIN GESCHNITZT SEIN

Vom Tuten und Blasen hat Josef Wagner wirklich Ahnung. Der Oberstaufener

baut seit über 50 Jahren Alphörner. Und er war Zeitzeuge, als der König der

Alpeninstrumente den Sprung über die Schweizer Berge ins Allgäu schaffte.

Den Hang zum hölzernen Handwerk hat er an seinen Sohn weitergegeben.

Für heimatverbundene Allgäuer gehören

Hörner an den Berg wie auf den

Schädel einer Kuh. Wenn Josef Wagner

ins Bockshorn bläst, dann stellen seine

Kühe die Ohren auf. Die Töne dieses ebenso

uralten Instruments liegen ihnen in den

Genen. »Früher«, erinnert Wagner sich, »war

das unser ‚Handy', mit dem wir uns von Alpe

zu Alpe verständigten«. Heute baut der Bergbauer

Alphörner – das Hirtenhandy 2.0.

»Gab es vor Jahrzehnten einen Vorfall im Tal

und der Senn musste nach Hause kommen,

wurde mit dem Alphorn ein Signal gegeben«,

berichtet der 83-Jährige. Je nach

Windrichtung und Region kann man den

charakteristischen Ton bis zu zehn Kilometer

weit hören. »Ich war früher Hirte auf der

Alpe Simatsgund und habe oft durch das

Horn mit der Alpe Au kommuniziert.«

EIN TYPISCHER »MÄCHLAR«

Josef Wagner lebt mit seiner Familie auf dem

Alphornhof im Weißachtal, einem Weiler

bei Oberstaufen. Die Wagners vermieten

hier in Tallage gemütliche Gästezimmer mit

Panoramablick auf die Berge des Bregenzerwalds.

Dem Hof angegliedert ist die Alphornwerkstatt,

die der Senior mittlerweile

mit seinem Sohn Martin betreibt.

Josef Wagner ist ein »Mächlar«. So werden

im Allgäu die vielen Menschen bezeichnet,

die durch Herumbasteln und Auspro-

Josef Wagner und sein altes »Handy«,

ein Bockshorn, dessen Klang seine Kühe

noch regelmäßig aufhorchen lässt

42

ALPSOMMER & Viehscheid 2020


Das Mundstück – als

Bindeglied zwischen Alphorn

und Mensch – ist

ein wichtiger Bestandteil

des Instruments

Fotos: Archiv, Oberstaufen Tourismus, Thomas Niehörster

Ob nun als Augenschmaus,

zur leichteren

Unterscheidbarkeit nach

dem dritten Weizen oder

als Vereinssymbol – die

meisten Alphörner sind

verziert und einen genauen

Blick wert

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ALPSOMMER & Viehscheid 2020 43


HANDWERK

Dem Alphorn schöne (!) Töne zu entlocken, erfordert

etwas Übung und vor allem einen langen Atem

bieren Neues schaffen. Da viele Höfe früher

eher abgeschieden lagen, blieb den ansässigen

Bauern meist nichts anderes übrig, als

Dinge zu erfinden, die ihr Leben erleichterten

– oder in Wagners Fall musikalisch bereichern.

Ergebnisse seines Tüftelns sind

unter anderem eine Gitarre »Marke Eigenbau«

sowie eine kleine Orgel, ganz aus Holz

hergestellt. Diese Orgel, ein sogenanntes

Portativ, ist zerlegbar und kann von dem

rüstigen Oberallgäuer mit auf Feste genommen

werden. Wer nicht musikalisch ist,

baut keine ordentlichen Instrumente. Josef

Früh übt sich und wer ein echter Alphornbläser

ist, der führt sein Instrument immer mit sich –

notfalls eben am Hut

Wagner gehört daher seit »Urzeiten«, wie

er sagt, zu den Staufner Alphornbläsern,

die bei keinem festlichen Ereignis der Region

fehlen dürfen.

FICHTENHOLZ ALS TONTRÄGER

Damit die Tradition des Alphornbaus nicht

verloren geht, hat Josef Wagner sein Wissen

an seinen Sohn Martin weitergegeben. Der

hat als Forstwirtschaftsmeister ebenfalls eine

gewisse Affinität zum Holz, kennt seine Bäume

und die, die sich am besten für den Bau

von Alphörnern eignen: »Es ist eher eine

Mär, dass Alphörner aus Bäumen hergestellt

werden, die krumm am Hang gewachsen

sind. Das mag in den Anfangsjahren des

Alphornbaus so gewesen sein, um es sich

leichter zu machen. Die Krümmung von gebogen

gewachsenen Bäumen ist viel zu stark

von hartem Wurzelholz durchzogen, als das

es sich leicht bearbeiten lässt.«

Ideal zur Herstellung eines Alphorns geeignet

sind für den 38-Jährigen die langjährig

gewachsenen Fichten aus dem eigenen Wald:

»Sie haben nur wenig Astansätze, die auf einem

Alphorn als dunkle, ungewollte Flecken

erscheinen würden und zumeist enge Jahresringe.«

Freilich haben Vater und Sohn auch

mit anderen Holzsorten experimentiert. Die

Alphornbauer sind letztlich jedoch zur Überzeugung

gelangt, dass ein Instrument aus

Fichtenholz den Ton am besten trägt. Nicht

umsonst gilt Fichte als »Klangholz«. Auch die

Breite der Jahresringe habe einen großen

Einfluss auf die Qualität. Das Holz lagert das

Vater-Sohn-Gespann etwa fünf Jahre lang in

einer luftdurchlässigen Tenne, ehe es seine

musikalische Bestimmung findet.

60 STUNDEN FÜR EIN ALPHORN

Selbst nach jahrelanger Übung braucht der

Bau eines einzigen Alphorns immer noch

rund 60 Stunden. Die meisten Produktionsschritte

erfolgen in reiner Handarbeit. Das

etwa zehn Zentimeter lange Kesselmundstück

drechseln Josef und Martin Wagner zumeist

aus Ulmenholz oder Ahorn. Früher wurde es

manchmal aus Kuhhorn hergestellt.

Für den Trichter am unteren Teil des Alphorns,

auch Krümmling genannt, benutzen

die Wagners zwei Fichtenhölzer, welche sie

zu einem großen Block zusammenkleben.

Dieser wird in die typische Trichterform gebracht,

anschließend wieder getrennt und

innen ausgeschnitzt.

Beim Aushöhlen mit Stemmeisen und Messer

ist viel Fingerspitzengefühl gefragt. Ein

Alphorn sollte eine Wandstärke von sechseinhalb

bis sieben Millimetern haben. Wenn

die Wände zu dünn werden, flattere der Ton

und die Harmonie gehe verloren, erzählt Josef

Wagner. Das lange Mittelstück des Horns

wird auf die gleiche Weise hergestellt wie der

Trichter. Die »Rohrhälften« werden nach

dem Ausschnitzen zu einem Stück verleimt.

Zwei bis drei dieser Rohre machen das 3,68

Meter lange Alphorn mit dem landestypischen

Grundton F aus. Sie werden später mit

Messingbuchsen zusammengesteckt. Ein

Horn am Stück könnte man auch nur äußerst

mühsam transportieren. Für ein Alphorn

muss man etwa 1200 bis 2000 Euro be-

44

ALPSOMMER & Viehscheid 2020


DAS ALPHORN –

EIN RÜCKKEHRER

Wie Didgeridoos, indianische Bambus- oder Holz -

trompeten und afrikanische Holzhörner gehören

auch Alphörner zu den ursprünglichen Blas instru -

menten aus Holz. Die älteste Abbildung eines Alp -

horns im Allgäu ist in der Anbetung Christi in der

Bergkapelle St. Anna im Rohrmoos aus dem Jahr

1568 zu sehen. Im 18. Jahrhundert verschwand das

Alphorn jedoch aus unbekannten Gründen nördlich

der Alpen. Bis 1958 kannte man sie schließlich nur

noch in der Schweiz. Das wollte der Heimatbund

Allgäu ändern und das Blasinstrument im Allgäu

wieder einführen, erinnert sich Josef Wagner. Doch

gekaufte Alphörner waren für den Tüftler zu lang -

weilig und hatten nichts Eigenes. Darum begann

er mit 22 Jahren, selbst welche zu bauen: »Das ist

kein Hexenwerk, so etwas zu machen.« Damit war

Josef Wagner wohl einer der ersten Alphornbauer

im Allgäu.

In der Werkstatt werkelt jetzt auch Martin Wagner mit –

die Leidenschaft für den Alphornbau hat er vom Vater

zahlen. »In der Schweiz kostet es ein bisschen

mehr, aber da ist ja alles teurer«,

schmunzelt der 83-Jährige.

DIE LÄNGE MACHT’S

Die Tonart eines Alphorns entscheidet sich

über die Länge. Je länger es ist, desto tiefer

ist der Grundton. Die längsten Hörner von

Josef Wagner waren rund acht Meter lang.

Das längste Alphorn der Welt stammt vom

Schweizer Alphornbauer Josef Stocker und

misst ganze 47 Meter – gibt allerdings keinen

Ton von sich. Zu lang ist halt auch nix.

Ebenso erstaunt sind viele Laien, wenn sie

ein Alphorn aus der Wagner-Werkstatt anheben:

»Das ist ja so leicht!« Tatsächlich wiegt

ein Alphorn wegen seiner dünnen Wände

durchschnittlich nur zwei Kilogramm.

Gar nicht leicht ist es hingegen, dem Alphorn

(schöne) Töne zu entlocken. Da das Horn im

Gegensatz zu einer Trompete oder Posaune

weder Klappen noch Ventile hat, wird es allein

mit Lippenspannung und Atemtechnik

gespielt. Ein geübter Spieler entlockt dem

Alphorn vier Oktaven, wobei die Länge auch

hier sinngemäß den Ton angibt.

Apropos Ton angeben: Die meisten beschwerlichen

Arbeiten wie das Aushöhlen

der Alphörner übernimmt mittlerweile Martin

Wagner. Der Vater schaut ihm dabei aber

gewohnheitsmäßig immer noch auf die Finger.

Und erinnert sich: »Bereits als kleiner

Bub war Martin viel bei mir in der Werkstatt,

ist in die Sägespäne ‚hineingejuckt‘ und hatte

seinen Spaß. Es ist schön zu wissen, dass er

meine Leidenschaft teilt und den Alphornbau

künftig fortführt.«

Thomas Niehörster, Viola Elgaß

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Urlaubsglück und Heimatgefühl

Wer Urlaub im Hörnerdorf Ofterschwang macht, tut dies mit allen Sinnen.

Saftige grüne Bergwiesen und schmucke Bauernhäuser prägen den Ort. Kuhschellen spielen

ein harmonisches Lied und klingen von den Hängen. Der Duft zahlreicher Blumen und

Bergkräuter hängt in der Luft. Eine sanfte Brise weht ihn ins Tal.

Würziger Bergkäse entfaltet sein kräftiges und abwechslungsreiches Aroma und schmilzt

auf der Zunge. Bei einer deftigen Brotzeit nach einer schönen Wanderung in einer unserer

zahlreichen Hütten schmeckt er besonders gut. Spürbar sind die Kraft und die Freiheit,

dafür stehen unsere Gipfel.

Für all das steht Ofterschwang. Alle diese Eindrücke sind erlebbar bei zahlreichen Unternehmungen,

ob zu Fuß, mit dem Rad, bequem mit der Bergbahn oder bei einer gemütlichen Einkehr. Ofterschwang ist

so vielseitig und vielfältig wie die Wünsche seiner Gäste. Finden Sie ein Stückchen Heimat in Ihrem Urlaub.

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ALPSOMMER & Viehscheid 2020 45


KÄSESPEZIAL

GOLD IM KELLER

WIE KAM DER KÄSE INS ALLGÄU?

Blühende Bergwiesen, muhende Milchkühe, Sennereien und das

schmackhafte Endprodukt, der Käse: Sie alle sind aus dem Allgäu nicht

wegzudenken. Dabei ist die Tradition der Milchwirtschaft hier gerade

einmal 150 Jahre jung. Seinen Aufstieg zur »Käseküche Deutschlands«

hat das Allgäu vor allem drei ehrgeizigen Männern zu verdanken.

46

ALPSOMMER & Viehscheid 2020


Die Alp- und Milchwirtschaft prägen

ohne jeden Zweifel das Allgäu.

Die Kulturlandschaft, der Tourismus,

der Alpsommer und natürlich das

damit einhergehende Brauchtum des Viehscheids

– das alles ist hier eng miteinander

verknüpft. Ohne die jahrelange nachhaltige

Bewirtschaftung der Höhenlagen sähe unsere

Region ganz anders aus. Die Älpler und

ihr Weidevieh sorgen dafür, dass die Bergwiesen

nicht »verbuschen« – ein Landschaftswandel,

der nicht nur uns Menschen

zahlreiche aussichtsreiche Wanderwege von

Alpe zu Alpe, sondern außerdem eine Reihe

von seltenen Tier- und Pflanzenarten ihren

Lebensraum kosten würde.

In den Käsekellern der Sennalpen reifen

die goldenen Räder – die Hauptzutat

kommt von den Milchkühen vor Ort

DAS ALLGÄU IM WANDEL DER ZEIT

Das alles untermalende Schellengeläut des

grasenden Braunviehs, die Einkehr auf einer

der urigen Alphütten, der würzige Bergkäse,

der zum Teil hier oben, zum Teil unten im

Tal hergestellt wird: Das ist es, was die meis -

ten im Kopf haben, wenn sie an das Allgäu

denken. Heute. Noch vor 150 Jahren hätte

dieses gedankliche Bild völlig anders ausgesehen.

Denn bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts

war das Allgäu eine bitterarme

Region. Der Flachshandel war mit der Erfindung

des mechanischen Webstuhls quasi

zum Erliegen gekommen. Selbst die zähesten

Mäuse nagten hier eher am Hungertuch als

am Käse. Wer nicht im Allgäu geboren worden

war oder wegen einer dringenden

Angelegenheit hierher musste, der machte

einen Bogen um die Gegend. Tourismus und

Fremdenverkehr waren noch nicht mal am

bergigen Horizont auszumachen. Der Käse,

der war zwar schon da. Allerdings war er

noch nicht so recht ins Rollen gekommen.

Der Reihe nach …

»KELTISCHER KÄSE«

UND DIE ERSTEN ÄLPLER

Stellt man die Frage, wann denn der Käse in

dieser Region »erfunden« beziehungsweise

eingeführt wurde, müssen selbst geschichtskundige

Allgäuer zugeben: Eigentlich war er

irgendwie schon immer da.

So hatten sich wohl bereits vor Christi Geburt

die Kelten, welche die Region damals

großräumig besiedelten, so weitgehend mit

der Milchwirtschaft befasst, dass sie mit entsprechenden

Produkten handeln konnten.

Das bezeugt zumindest der altgriechische

Geschichtsschreiber Strabo, der Käse als

wichtigstes Tauschobjekt der damaligen Bewohner

aufführt. Freilich hielt Strabo sich,

wie die meisten Autoren seiner Zeit, nicht

mit genauen Belegen oder Beschreibungen

der damaligen Wirtschaftsform auf. Doch

keltische Tonscherben lassen schon eine Käseproduktion

im römischen Cambodunum,

heute Kempten, vermuten.

Dennoch vergehen etwa tausend Jahre, bis

erste Urkunden und Briefe das Wirken der

Käser im Alpenraum nachweislich bestätigen.

Schriftstücke aus dem Kloster St. Gallen

belegen: In hauseigenen Käseküchen wurde

im 12. Jahrhundert ein »Alpkäse« für

Fotos: Adobe Stock, Gemeinde Weitnau, Lala Aufsberg (Archiv Heimatbund Allgäu), Ramona Alger

ALPSOMMER & Viehscheid 2020 47


KÄSESPEZIAL

Lange bestimmte der

Viehhandel die Märkte

(oben ein Holzstich aus

Sonthofen) im Allgäu.

Dabei wurden nicht nur

Rinder, sondern auch

Schafe und Pferde auf

den Alpen gesömmert

und anschließend gewinnbringend

verkauft

den Eigenbedarf und auch für den Export

hergestellt. Belegt ist auch beispielsweise die

Lieferpflicht von Älplern aus dem Gunzesrieder

Tal an ihre fränkischen Landesherren

im Jahre 820. Irgendwo in diesem Zeitraum

darf man die »Geburtsstunde des Allgäuer

Käses« wohl ausmachen.

VIEHHANDEL STATT KÄSEKÜCHE

Er spielte jedoch über Jahrhunderte hinweg

eine untergeordnete Rolle als Handelsprodukt.

Das bisschen Käse, das die Allgäuer

herstellten, aßen sie in der Regel selber. Die

einfachen Berghütten und -weiden, die es

damals schon gab, wurden hauptsächlich zur

Aufzucht von Geißen, Schafen, Rindern und

Pferden genutzt. Das meiste Vieh gehörte jedoch

nicht den Allgäuern, sondern kam aus

umliegenden Regionen, sömmerte unter ihrer

Aufsicht auf den Alpen und wurde anschließend

gewinnbringend verkauft – der

Wert eines Weideviehs, das den Sommer

über nahrhafte Bergkräuter zu sich genommen

hatte, war zu diesem Zeitpunkt bereits

wohlbekannt.

Bis zur Eisenbahnzeit zählte beispielsweise

Sonthofen zu den bedeutendsten Viehumschlagplätzen

im deutschen Alpenraum.

Von hier aus verkauften Bauern ihre besten

Rinder über die Alpen bis nach Italien – gut

möglich, dass die alten Römer in ihrer Heimat

doch noch vom schmackhaften Allgäuer

Käse berichtet hatten.

Auch die Pferdezucht war bis zu Beginn des

19. Jahrhunderts noch ein Wirtschaftsfaktor

in einigen Teilen des Allgäus. Das sieht man

beispielweise am Oberstdorfer Wappen mit

einem weißen Pferd auf rotem Grund. Die

großen Viehmärkte im Tal gelten heute übrigens

als erste Vorläufer der Viehscheide,

wie man sie heute kennt.

Das große Geld ist dabei jedoch selten an

den hiesigen Alphirten kleben geblieben.

Von manchem Hütebuben ist beispielsweise

bekannt, dass er sich mangels Schuhwerk am

kalten Morgen die Füße in einem frischen

Kuhfladen wärmen musste.

WER HATS ERFUNDEN? DIE SCHWEIZER?

Man kann ruhig sagen: Bis um 1800 war das

Leben der Bergbauern und Alphirten im

Allgäu eher lausig. Die Landwirtschaft

brachte nur geringe Erträge, Kraut, Getreide

und Flachs wuchsen in bescheidenem Ausmaß.

Die größte Einnahmequelle bestand

nach wie vor in der Viehzucht. Doch als

wäre das Leben nicht schwer genug, wurde

kurz darauf von der französischen Besatzung

unter Bonaparte eine Viehkrankheit eingeschleppt,

an der allein in Oberstdorf 800

Stück Vieh verendeten – ein nicht unwesentlicher

Teil des gesamten Viehbestands. Der

eingangs erwähnte mechanische Webstuhl,

der bereits im Jahr 1786 in England erfunden

worden war und mittlerweile den

Sprung über den Ärmelkanal geschafft hatte,

brach den meisten Allgäuer Familien finanziell

endgültig das Genick.

Mancher schielte nun neidisch in die

Schweiz – wie viel besser lebten die Landwirte

dort! Milchbauern nannten sie sich, behielten

ihr Vieh und molken es regelmäßig,

statt es möglichst jung und fett zu verkaufen.

Der Schweizer Käse hatte sich seit dem späten

Mittelalter zum Exportschlager entwi -

ckelt. Und bald sollten verbesserte Infrastrukturen

und findige »Käse-Pioniere« dafür

Sorge tragen, dass der Milchwohlstand

herüberschwappte.

DREI BRACHTEN

DEN KÄSE INS ROLLEN

Als ein solcher Pionier gilt der Käsehändler

Josef Aurel Stadler (1778–1837) aus Oberstaufen.

Der emsige Geschäftsmann hatte

schon lange die Fühler ausgestreckt und seine

»Sennbuben« mit Emmentaler-Rezepten

experimentieren lassen, die den Schweizerischen

nachempfunden waren. Der Erfolg

motivierte ihn, seinen Handel ganz auf

48

ALPSOMMER & Viehscheid 2020


Neben dem Jungvieh

nahmen die Älpler stets

ein paar Milchkühe auf

die Alpe mit – die Milch

deckte früher vornehmlich

dem Eigenbedarf auf den

Berghütten und

Bauernhöfen

In Kupferkesseln wird die

Milch mit verschiedenen

Zutaten angerührt und

zur Reifung in großen

Käsekellern gelagert

CARL HIRNBEIN

Ein Lesewerk für alle, die mehr über den Mann er fahren

möchten, der als »Notwender« in die Allgäuer

Geschichts bücher einging, ist die Biografie »Carl

Hirnbein: Der Allgäu-Pionier« von Leo Hiemer. Der

Kaufbeurer Regisseur, der mit Filmen wie »Leni muss

fort« einen gewissen Kultstatus im Allgäu erreichte,

begab sich für das Buch nicht nur auf die Spuren

Hirnbeins: Er beschreibt die wirtschaftliche, politische

und touristische Entwicklung des Allgäus und macht

Lust, selbst auf historische Entdeckungsreise zu gehen.

Die Biografie ist auch interessant für jene, die erste

Eindrücke von der Ge schichte des Allgäu sammeln

wollen. Für eine weitere Spurensuche ist dann das um -

fassen de Quellen verzeichnis da. Die Biografie ist im

Buch handel oder online unter www.edition-allgäu.com

erhältlich.

»Carl Hirnbein: Der Allgäu-Pionier«

von Leo Hiemer, 136 Seiten, Hardcover,

ISBN 978-3-931951-70-2;

Preis: 19,80 Euro

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ALPSOMMER & Viehscheid 2020 49


KÄSESPEZIAL

Carl Hirnbein ließ mit der Grüntenhütte das

erste Hotel in den Allgäuer Alpen erbauen

AUF DEM KÄSEWEG

Wer sich auf die Spuren eines Käse-Pioniers begeben

möchte, besucht seinen Heimatort Missen-Wilhams.

Im Carl-Hirnbein-Museum erhält man einen guten

Überblick über das Leben des Gutsbesitzers. Auf dem

Carl-Hirnbein-Weg von Missen nach Weitnau werden

kleine und große Wanderer mit Geschichten über

Land und Leute unterhalten. Und im Maienhof, der

Mitte des 19. Jahrhunderts von Hirnbeins Vater

erbaut wurde, stellt heute die Allgäuer Hof Milch

GmbH Produkte aus regionaler Heumilch her.

diese neue Sorte zu verlagern. Dazu holte er

ein »Schweizer Original« ins Westallgäu: den

Meistersenn Johann Althaus (1798–1876)

aus Lauperswyl im Emmental. Durch dessen

Fachwissen gelang der »Allgäuer Emmentaler«

in mehreren Sennereien im Allgäu und

zeichnete sich alsbald durch hohe Qualität

aus. Das »goldene Handwerk« gedieh endlich

auch im Allgäu.

Dennoch dauerte es noch 20 Jahre, bis ein

Mann die große Wende in der Allgäuer

Landwirtschaft erwirkte. Der Missener

Kaufmann Carl Hirnbein (1807–1871) begann,

in großem Stil Weichkäse zu produzieren.

Seine Rezepturen hatte er von seinen

Reisen aus Belgien mitgebracht. Noch heute

bezeugen Käsesorten wie Allgäuer Romadur

oder Limburger ihre Herkunft. Dabei hatte

der einfallsreiche Geschäftsmann schweres

Gerät zur Unterstützung im Ärmel: Die Eisenbahn

erschloss, zunächst von Kempten

aus, neue Handelswege.

VOM BLAUEN ZUM GRÜNEN ALLGÄU:

EIN MYTHOS?

Im Jahr 1852 erbaute Hirnbein mit dem

Grüntenhaus das erste Hotel in den Allgäuer

Alpen und legte damit den Grundstein für

einen weiteren maßgeblichen Wirtschaftsfaktor:

die touristische Erschließung. Obwohl

Carl Hirnbein das (Käse-)Rad nicht

gänzlich neu erfunden hatte, so brachte er

doch immense Veränderungen und wurde

daher als »Notwender« im Allgäu bekannt.

Wo bisher Viehzucht, Getreideanbau und

Flachsfelder das Bild der Region beherrscht

hatten, rückten Milchkühe auf grünen Wiesen

und Sennalpen mit Gastwirtschaft in

den Vordergrund.

Heute weiß man, dass das in diesem Zusammenhang

gern zitierte »blaue Allgäu« zuvor

eher bunt war – der Flachsanbau war für die

meisten Landwirte mehr ein zweites Standbein

nebst Viehzucht. Doch die weiten, blauen

Flachsfelder sind den meisten eben besser

im Gedächtnis geblieben als die matschigen

Kartoffeläcker. Aus diesem Grund hat die

Redewendung ihre Gültigkeit wahrscheinlich

auch nie richtig verloren.

EINE ERFOLGSGESCHICHTE

Auch, wenn sie den Käse im Allgäu nicht erfunden

haben – sie stießen maßgeblich die

wirtschaftliche und touristische Weiterentwicklung

unserer Region an. So sind die Namen

Stadler, Althaus und Hirnbein mindes -

50

ALPSOMMER & Viehscheid 2020


Die Erschließung der

Berge führte dazu, dass

immer mehr Menschen

das Allgäu als Urlaubsort

wahrnahmen

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tens genauso mit dem Allgäu verbunden wie

die regionalen Käsesorten, die von ihnen geprägt

wurden. Generell spricht man heute

daher nicht von den besonderen neuen Allgäuer

Käsesorten, vielmehr führten die verbesserte

Herstellung – und vielleicht auch

der ein oder andere Zufall – zu handwerklich

hochwertigerem Käse auf Basis der Allgäuer

Milch.

Ohne Anstrengungen, wie beispielsweise des

im Jahr 1887 gegründeten Milchwirtschaftlichen

Vereins Allgäu, wäre der zur Mitte des

19. Jahrhunderts aufkommende Titel »Käse-

küche Deutschlands« jedoch bald verloren

gegangen. Unter der Massenproduktion begann

die Qualität des Käses zu leiden, sodass

Ende des 19. Jahrhunderts qualitätssichernde

Maßnahmen wie Lehrsennereien, Milchliefer-

und Stallordnungen eingeführt wurden.

Diese und weitere »Schutzmaßnahmen«

sichern die Qualität des Allgäuer Käses

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ALPSOMMER & Viehscheid 2020 51


KÄSESPEZIAL

DIE KUNST DES KÄSENS

WIE WIRD AUS MILCH KÄSE?

Von Harfenspiel bis Reifeprüfung: Wie entsteht er eigentlich,

der schmackhafte Käse aus dem Allgäu, der Gästen und Einheimischen

gleichermaßen das Wasser im Munde zusammenlaufen lässt? Das zeigt

uns die Sennerei Schweineberg bei Ofterschwang: Dort entstehen

die goldenen Räder nach althergebrachter Rezeptur.

1. VORBEREITUNGEN FÜRS KÄSEMACHEN

Wie seit gut 170 Jahren bezieht die Sennerei Schweineberg ihre Heumilch

ausschließlich aus den heimischen Bergbauerngebieten. In ihren

Betrieben bereiten die Käser sich wie jeden Morgen auf die Ankunft

der Milch vor, die von den Bergbauernhöfen zur Käserei gebracht

wird. Der Arbeitstag in der Käserei beginnt meist sehr früh

morgens gegen 4 Uhr.

2. ES BEGINNT IM KUPFERKESSEL

Die nicht entrahmte Rohmilch wird in den Kupferkessel eingebracht

und unter langsamem Rühren behutsam auf rund 33 °C erwärmt.

Die Käser geben Bakterienkulturen zu – und das aus dem Magen von

Kälbern gewonnene Enzymgemisch Lab. Jetzt verwandelt sich die

Milch allmählich in Käse. Dank der richtigen Temperatur im Kupferkessel

vermehren sich die Kulturen und das Milcheiweiß gerinnt.

Diesen natürlichen Prozess nennen wir das »Dicklegen der Milch«.

Fotos: Albert Herz GmbH, Pixabay

3. DAS SPIEL DER HARFE

Nun wird die eingedickte Milch zerteilt. Dazu verwendet man eine

sogenannte Käseharfe. Mit ihr wird gleichmäßig zerteilt und gerührt,

dadurch trennt sich der Käsebruch von der Molke. Anschließend

wird diese dickliche Masse mit einem feinmaschigen Käsetuch aus

dem Kessel gehoben und in runde Laibformen gepresst. Dabei fließt

die Molke ab, der noch junge Käsebruch wächst unter Druck zu echtem

Käse zusammen.

4. ZEIT DER REIFE

Die Laibe kommen ins Salzbad, welches dem Käse weitere Molke

entzieht. Die nächsten 48 Stunden verbringen die Laibe zur Unterstützung

der Rindenbildung in der Salzlake. Schließlich kommt der

junge Käse für mindestens vier Monate bei 15 ºC und 95 Prozent

Luftfeuchtigkeit in den Gärkeller, wo er gewendet und wöchentlich

mit Salzwasser »geschmiert« wird. Hier entwickelt der Käse sein

wundervolles Aroma und reift zu einer echten Spezialität heran.

52

ALPSOMMER & Viehscheid 2020


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ALPSOMMER & Viehscheid 2020 53


KÄSESPEZIAL

ERSTE ALLGÄUER KÄSESOMMELIÈRE

»KÄSE IST MEIN LEBEN«

Bei Roswitha Boppeler ist alles Käse. Im Juni 2010 erhielt die gebürtige

Allgäuerin das Diplom zur Käsesommelière. Im Interview erzählt sie von

ihrem äußerst schmackhaften Berufsleben, das sie rundum erfüllt.

Frau Boppeler, Ihr Motto lautet: »Käse ist

mein Leben«. Ihr Berufsweg begann aber

hinter der Fleischertheke. Wie kamen Sie

zum Käsehandwerk?

Das stimmt, im Jahr 1982 begann ich eine

Ausbildung zur Fleischfachverkäuferin. Als

ich mich Jahre später bei einem Lebensmittelunternehmen

im Schwarzwald bewarb,

hieß es: »Sie kommen doch aus dem Allgäu,

Sie kennen sich sicherlich mit Käse aus.« So

erhielt ich die Stelle – nicht ahnend, dass sie

mich auf einen neuen Lebensweg führen

würde. Bis 1995 arbeitete ich als Gebietsleiterin

im Feinkosthandel, danach als Käsefachberaterin

im Innen- und Außendienst.

Und später wurden Sie die erste Käsesommelière

des Allgäus. Diese Qualifikation

gab es zu diesem Zeitpunkt in Deutschland

noch gar nicht.

Ja, es ist erstaunlich, dass es bis heute in

Deutschland keine fundierte Ausbildung zur

Käsefachverkäuferin gibt. Es gibt Fachver-

54

ALPSOMMER & Viehscheid 2020


Schon seit 1998 sind Sie selbständige Käsefachberaterin

– was begeistert Sie am Käse?

Guter Käse ist für mich ein Hochgenuss, dessen

feine Nuancen ich vermitteln möchte. Es

gibt so viele Qualitäts- und Geschmacksunterschiede.

Apropos Hochgenuss: Diese Leidenschaft

teilen Sie mit Ihrem Ehemann.

käufer für Fleischwaren, Bäckereien, aber

nicht für Käse. Also habe ich mich in Seminaren

fortgebildet. Mein Diplom zur Käsesommelière

2010 habe ich dann allerdings in

Hohenems in Vorarlberg machen müssen.

Fotos: Roswitha Boppeler, Janine Schmitz/photothek.net, Schulungszentrum Oberallgäu/Fotostudio Sattelberger

Mein Mann, Alexander Holdenried, ist Winzer

und Weinverkäufer. Wein und Käse harmonieren

hervorragend. Bei verschiedenen

Veranstaltungen und Messen, wie der Allgäuer

Festwoche in Kempten oder Food &

Life in München, können die Besucher diese

Harmonie kennen lernen und genießen. Im

Oktober 2019 haben ich und mein Ehemann

die Urkunde des Deutschen Patentamts in

München für Bild und Markenrecht »Harmonie

der Genüsse« erhalten.

Sie sind ständig unterwegs von einer Käsetheke

zur nächsten, beraten Verkäufer,

sind auf Messen anzutreffen. Verfolgt man

Ihren Weg, kann man Sie mit Fug und

Recht als »Allgäuer Käsebotschafterin«

bezeichnen.

(Schmunzelt) Das stimmt schon. Auf der

größten Endverbrauchermesse der Welt für

Landwirtschaft und Ernährung informiere

ich die Besucher über die Herkunft, Herstellung

und die verschiedenen Geschmacksrichtungen.

Man glaubt es kaum, aber ich

habe während der Grünen Woche Besucher,

die dort schon seit Jahren Allgäuer Käse kaufen.

Als selbstständige Beraterin werde ich

von Unternehmen wie auch Sennereien engagiert,

die neben der Produktschulung

Wert auf die Präsentation in der Verkaufs-

Eine echte »Genuss-Ehe«: Roswitha Boppeler und ihr

Mann Alexander Holdenried passen so gut zusammen

wie Käse und Wein. Daher gründeten die Käsefach -

beraterin und der Winzer die »Harmonie der Genüsse«

theke legen, die dem Charakter der einzelnen

Käsesorten entspricht.

Wie muss man sich das vorstellen?

Beim Arrangieren von Käseplatten muss ich

überlegen: Welche Mengen an Käse benötige

ich und wie viel Garnitur, zum Beispiel Feigen,

Trauben, Walnüsse? Wie lege ich die

Käseplatte an, damit sie attraktiv aussieht?

Denn auch hier gilt: »Das Auge isst mit«.

Darüber hinaus muss ich immer auf der

Höhe der Zeit bleiben, aktuelle Trends erkennen.

Ist die eine Messe vorbei, beginnen

bald darauf schon wieder die Planungen für

die gleiche Messe im nächsten Jahr.

Sie erwähnten Trends. Welche gibt es hier

aktuell?

In Deutschland gibt es über 1200 Sorten

Käse. Genug Auswahl ist also für jeden da.

Anschließend haben Sie den nachfolgenden

Käsesommeliers den Weg bereitet.

Das kann man wohl so sagen. Durch eine

Initiative von mir startete im Februar 2012

die Weiterbildung zum Käsesommelier bei

der Landesvereinigung der Bayerischen

Milchwirtschaft und dem Kompetenzzentrum

für Ernährung. Seitdem begleite ich als

Referentin und Prüferin die Kurse. Nach

Schließung der Landesvereinigung im Dezember

2017 werden diese Kurse jetzt von

der Genussakademie Bayern in Kulmbach

durchgeführt. Seither wurden 150 Käsesommeliers

ausgebildet.

SCHÜTZENSWERTE STINKER

Wussten Sie, dass einige Käsesorten europaweit eine

»geschützte Ursprungsbezeichnung« (g.U.) genießen?

Sie dürfen nur unter strengen Kriterien in einer be -

stimm ten Region hergestellt und außerdem als ein zi -

ge unter ihrem jeweiligen Namen verkauft werden.

Damit sind diese Käsesorten vor Nachahmern

geschützt. Aktuell gibt es sechs deutsche Käsesorten

mit geschützter Ursprungsbezeichnung – vier davon

kommen aus dem Allgäu: Allgäuer Emmentaler,

Allgäuer Bergkäse, Allgäuer Sennalpkäse und Allgäuer

Weißlacker tragen das rote Siegel. Nicht nur die

Käsesommelière Roswitha Boppeler hält das für eine

»beachtliche Auszeichnung« für das Allgäu als

Deutschlands Käseküche.

Ebenfalls geschützt sind der Altenburger Ziegenkäse

sowie der Odenwälder Frühstückskäse.

ALPSOMMER & Viehscheid 2020 55


KÄSESPEZIAL

Wie in allen Bereichen unserer Gesellschaft

steigt auch der Anspruch an den Genuss. Ein

Trend ist, dass die ältere Generation Käsesorten

ohne Zugabe von Gewürzen wie Pfeffer

oder Chili – letzteres liegt ebenfalls im

Trend – bevorzugt und eher zu einem länger

gereiften Bergkäse greift, während die jüngere

Generation vielleicht einen hippen

Heublumenkäse bevorzugt. Wenn Käse

nicht gerade Teil einer Brotzeitplatte ist, lässt

er sich genussvoll zelebrieren, wenn man

ihm einen entsprechend qualitativen, runden

Wein zur Seite stellt.

Wie sieht eine derartige »Harmonie der

Genüsse« aus?

Ich denke da spontan an den Edelpilzkäse

»Grand Noir« aus der Oberallgäuer Käserei

Champignon mit einem Portwein aus Portugal

– 19 Prozent Alkohol, mindestens fünf

Jahre gereift. Die Kombination von diesem

Käse und dem Portwein schmeckt einfach

wunderbar.

Jeder Käufer will ein Stück vom Laib möglichst

ohne Käserinde. Das erzeugt manchmal

Unmut an der Käsetheke.

schnitten wie eine Torte. Nach dem Motto:

»Für jeden Kunden gleich schöne Stücke«.

Zuhause kann das »Tortenstück« im Uhrzeigersinn

in genussvolle Käsespitzen zerteilt

werden. Der Österreicher zelebriert das

schon seit Jahren. Der Geschmack beginnt

an der Spitze des Käsestücks. Das Geschmackserlebnis

ist anders als bei einem

Käsewürfel. Mit dieser Schneidetechnik

bleibt auch kein Rest mit Rinde übrig. Bei

den Deutschen bleibt das Endstück mit der

Rinde ja leider immer im Kühlschrank liegen,

weil es nicht mehr appetitlich aussieht

und keiner es essen möchte.

Als teuerster Käse der Welt gilt ein Käse

aus Eselsmilch. Ein Kilo davon soll angeblich

um die 1000 Euro kosten. Was halten

Sie davon?

Das ist vielleicht etwas für Gourmets, die

den besonderen Genuss suchen. In einem

Kurs hatten wir einmal den Käse aus Esels-

Käseanschnitt auf der

Grünen Woche (v.l.):

Roswitha Boppeler, Bundesminister

Gerd Müller,

der ehemalige Oberallgäuer

Landrat Anton Klotz,

Alexander Holdenried und

die bayerische Milchprinzessin

Melanie Maier

Der Deutsche liebt nach wie vor seinen »Käsewürfel«.

Ein länglicher Käse in Form einer

Stange beziehungsweise eines Brots wird

auch in gerade Scheiben geschnitten. Ein

runder Käselaib allerdings, der wird aufgemilch

zur Verkostung – was keine nachhaltige

Erinnerung bei mir hinterlassen hat.

Doch die Geschmäcker sind sehr unterschiedlich

und das ist auch gut so, ansonsten

würden wir diese große Vielfalt an Käsesorten

in den Ländern nicht brauchen.

Da haben Sie natürlich Recht. Vielen Dank

für das Gespräch, Frau Boppeler.

TIPP DER KÄSESOMMELIÈRE:

SO SCHNEIDET MAN SCHNITTKÄSE IN FEINE SPITZEN

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ALPSOMMER & Viehscheid 2020


KÄSESPEZIAL

DAS ALLGÄU

AUF DEM TELLER

Ein Stück Allgäu mit nach Hause nehmen: Das geht ganz leicht,

zumindest kulinarisch gesehen. Mit den folgenden Rezepten

können Sie ein Drei-Gänge-Menü aus Allgäuer Gerichten

zaubern – natürlich spielen die Milcherzeugnisse unseres

bildschönen Braunviehs dabei die Hauptrolle.

VORSPEISE:

KÄSE-KRÄUTERFLÄDLE-SUPPE

BENÖTIGTE ZUTATEN:

100 g Mehl

2 Eier

¼ l Milch

50 g Bergkäse (fein gerieben)

2 EL Kräuter (fein gehackt):

Petersilie, Schnittlauch

Butter

Fleischbrühe

ZUBEREITUNG:

Mehl und Milch miteinander vermischen und

glatt rühren. Dann die Eier mit der Masse verrühren,

den Käse zugeben und abschließend

die Hälfte der Kräuter unterheben.

Butter in einer Pfanne schmelzen und darin

dünne Pfannkuchen, die Flädle, ausbraten.

Danach müssen diese ein wenig abkühlen,

um anschließend in kleine, etwa 4 cm lange

Streifen geschnitten zu werden.

Die Käse-Kräuterflädle in heißer Fleischbrühe

und mit den restlichen Kräutern servieren.

Fotos: Brack Verlag, Pixabay

58

ALPSOMMER & Viehscheid 2020


DAS HEILIGTUM

DER ALLGÄUER KÜCHE

Die Kässpatzen gehören zum Allgäu wie die Kuh

zum Berg. Dabei legen die Allgäuer großen Wert

auf die korrekte Bezeichnung: Hier bestellt man

keine Käsespätzle, Käsknöpfle, Kasnudln und schon

gar keine Käsespätzchen! Wenn die Allgäuer von

ihrer traditionellen Leibspeise sprechen, nennen

sie diese liebevoll: Kässpatzen. Für die gibt es

kein einheitliches Rezept – jeder Haushalt und

jede Wirtschaft nutzt eine eigene Käsemischung.

Die folgenden Käsesorten werden im Allgäu für

Kässpatzen verwendet:

Allgäuer Emmentaler: Eine der bekanntesten

Sorten. Der Käse muss mindestens drei Monate

gereift sein und darf nur im Allgäu aus silofreier

Rohmilch hergestellt werden. Sein Aroma ist mild,

leicht süß und nussig.

Allgäuer Bergkäse: Noch ein Klassiker unserer

Region. Der Bergkäse darf, wie sein Name schon

verrät, nur in den Allgäuer Alpen hergestellt werden.

Auch die Milch für die Produktion muss von dort

stammen. Sein Geschmack ist noch nussiger und

würziger als der des Emmentalers.

HAUPTSPEISE: KÄSSPATZEN

BENÖTIGTE ZUTATEN:

500 g Mehl

5-6 Eier

⅛ l Wasser

1 Prise Salz

Muskatnuss (fein gerieben)

Pfeffer (am besten aus der Mühle)

200 g gut gereifter Bergkäse (fein gerieben)

100 g trockener Emmentaler (groß gerieben)

150 g Butter

4 Zwiebeln

3 EL Schnittlauch (fein gehackt)

Außerdem benötigen Sie

einen Spatzenhobel.

ZUBEREITUNG:

Mehl, Eier, Wasser und Gewürze zu einem

zähflüssigen Teig vermengen und diesen solange

»schlagen« bis sich Luftblasen bilden.

Die Masse dann eine ¼ Stunde ruhen lassen.

In einem Topf Salzwasser aufkochen und den

Teig durch einen Spatzenhobel drücken. Alles

aufkochen lassen und warten bis die Spatzen

oben schwimmen – dann sind sie fertig.

Mit einem Schaumlöffel die Spatzen aus dem

Wasser holen. Nun beginnt das Anrichten in

einer vorgewärmten Schüssel: eine Lage

Spatzen, darauf eine Lage Käse und das Ganze

zwei- bis dreimal wiederholen.

Die Schüssel dann in den vorgewärmten

Backofen (200 °C) geben und warten bis der

Käse geschmolzen ist. In der Zwischenzeit

die Zwiebel in Würfel oder Ringe schneiden

und in der Pfanne mit Butter braun rösten.

Ist der Käse geschmolzen, kommen die Spatzen

auf den Teller und werden mit den Röstzwiebeln

und dem Schnittlauch serviert.

Dazu wird im Allgäu gerne ein grüner Salat

serviert.


Weisslacker: Der ist nichts für schwache Nasen –

der Schnittkäse reift 12 bis 15 Monate und

entwickelt dabei seinen pikanten und scharfen

Geschmack. Auch sein Odeur ist nicht ohne: Den

Spitznamen »Aristokrat unter den Stinkkäsen«

trägt er zurecht.

Limburger und Romadur: Auch bei diesen

beiden »Stinkern« darf man nicht allzu geruchs -

empfind lich sein. Durch das Herstellungsverfahren

mit Rotschmierbakterien entwickeln diese beiden

Käsesorten nicht nur ein kräftig-deftiges und

würziges Aroma, sondern auch einen intensiven

Geruch.

ALPSOMMER & Viehscheid 2020 59


KÄSESPEZIAL

IMMER NOCH KÄSEHUNGER?

NACHSPEISE: QUARKNUDELN MIT APFELKOMPOTT

BENÖTIGTE ZUTATEN:

100 g weiche Butter

50 g Zucker

2 Eier

40 g frische Hefe

3 EL Milch

350 g Quark

300 g Mehl

1 Prise Salz

2 EL Rosinen

Butterschmalz

ZUBEREITUNG:

Die weiche Butter mit dem Zucker und den

Eiern vermengen und schaumig rühren.

Die Hefe mit 1 TL Zucker zusammen in der

lauwarmen Milch auflösen. Die aufgelöste

Hefe und Quark, Mehl, Rosinen und Salz

mit der schaumig gerührten Butter gut vermengen.

Alles einmal kräftig »durchschlagen«

und dann zugedeckt ruhen lassen.

Einen Esslöffel in das Butterschmalz tauchen

und damit aus dem Teig ovale Nudeln abstechen

und diese nebeneinander in eine gefettete

Form legen. Nochmals ruhen lassen.

Anschließend die Nudeln im Backofen bei

200 °C ungefähr 35 Minuten backen. Danach

mit Puderzucker bestreuen und mit

Apfelkompott servieren. Es kann natürlich

auch Apfelmus dazu gereicht werden.

Claudia Schöwe

Diese und weitere tolle Rezepte hat Küchenmeister

Ortwin Adam in seinem Käsekochbuch zusammen -

gestellt und zeigt damit, wie vielfältig und phanta -

sie voll Allgäuer Käse in der Küche verarbeitet

werden kann. Der Autor macht deutlich, dass Allgäuer

Käse nicht nur für Kässpatzen Verwendung findet,

sondern auch deftigen Suppen, knackigen Salaten,

leckeren Snacks, buntem Gemüse, überbackenen

Gerichten, Fleisch, Nudeln sowie Süßspeisen und

Desserts ein individuelles Aroma verleiht. In über

100 Rezepten verrät er, wie Sie für sich und Ihre

Gäste Gaumenfreuden zaubern, wie etwa Käs-

Erdäpfel, Käsepressknödel, Kohlrabischnitzel im

Käse-Knusperkleid, oder wie Sie süße Genuss -

freuden wie Quarkpudding mit Johannisbeersauce,

Ufzogne Flädle mit Mostschaum und vieles andere

mehr kreieren. Außerdem finden Sie in diesem Buch

wichtige Informationen zur Käseherstellung, viel

Historisches und Allgemeines über den Käse sowie

Tipps über die Aufbewahrung von Käse.

Ortwin Adam, 144 Seiten, Hardcover,

Preis 14,80 Euro; ISBN 978-3-930323-72-2,

Brack Verlag

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ALPSOMMER & Viehscheid 2020


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und erreichen nach ca. 2 km Schweineberg.

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ALPSOMMER & Viehscheid 2020 61


KÄSESPEZIAL

UNTERWEGS

AUF DER ALLGÄUER KÄSESTRASSE

Eine der schmackhaftesten Erlebnisrouten überhaupt führt

durchs westliche Allgäu: Auf der Allgäuer Käsestraße zwischen

Oberstaufen, Scheidegg, Lindau, Wangen und Isny kann man

den Weg des Käses von der Heu- bis zur Besteckgabel hautnah

mitverfolgen – und natürlich probieren!

Gefühlt ticken die Uhren im Allgäu

ein bisschen langsamer. Und das

ist gut so. Denn ohne Zeit und

Maß könnte der einzigartige Alpkäse hier

nicht zur köstlichen Vollendung reifen. Über

40 Sennalpen gibt es noch im Allgäu, die die

Bergweiden zwischen 900 und 1800 Metern

Seehöhe mit Milchkühen in nahezu unberührter

Natur bewirtschaften. Die Allgäuer

Käsestraße ist jedoch nicht nur ein Zusammenschluss

der Senner und Käser und schon

gar kein »normaler« Wanderweg durch den

Die Käsestraße ist als Erlebnisroute angelegt: Auf ihr

können die Gäste den Weg von der Kuh bis zum Käse

mitverfolgen – und dabei herrliche Ausblicke genießen

62

ALPSOMMER & Viehscheid 2020


Fotos: Allgäuer Käsestraße, Oberstaufen Tourismus

Westen unserer Genussregion, sondern sie

zeigt in individuell zusammenstellbaren Erlebnispunkten

den Weg von Milch und Käse,

und zwar von der Bergweide bis auf den

Brotzeitteller.

ZWISCHEN ALPEN UND BODENSEE

Auf einem Streckennetz von 200 Kilometern

trifft man zwischen Alpen und Bodensee

Käsepilgerer wandernd, per Fahrrad auf Themen-Radtouren,

auf dem Motorrad oder im

Auto. Sie allesamt sind unterwegs auf ihren

ganz persönlichen Genusstouren, informieren

sich bei Führungen oder legen beim Käsen

oder bei Kochkursen selbst Hand an.

Die Reisenden verbindet allesamt ein

Gedanke: Sie wollen ihren Urlaub im Allgäu

schmecken, genießen, erleben und bestaunen.

Auf der Allgäuer Käsestraße warten

nämlich zahlreiche Sehenswürdigkeiten auf

ihre Entdeckung – 13 lokale Sennereien und

Molkereien, fünf Hofkäsereien, bäuerliche

Direktvermarkter, Brauereien und Hofläden

öffnen ihre Türen jederzeit für neugierige

und hungrige Besucher.

KÄSE AUS REINER HEUMILCH

Alle Sennereien der Allgäuer Käsestraße

produzieren ihren Käse ausschließlich aus

Heumilch: Das bedeutet, dass die Milchkühe

keine Silage zu fressen bekommen, sondern

saftige Gräser und Kräuter, getrocknetes

Heu sowie mineralstoffreichen Getreideschrot.

Seit Urzeiten wurden die Tiere auf

diese Weise gefüttert – bis Mitte des 20. Jahrhunderts

der Trend zur Gärfütterung – der

Silage – kam. Damit ist die Herstellung von

Heumilch die ursprünglichste Form der

Milchgewinnung. Und das schmeckt man

auch: Das Weidefutter gibt der Milch und

damit dem Heumilchkäse einen besonders

intensiven Geschmack. Übrigens werden in

der gesamten EU nur drei Prozent der Milch

als silofreie Heumilch produziert.

ZAHLEN UND FAKTEN

ENTLANG DER

ALLGÄUER KÄSESTRASSE

• 105 Milchbauern sind Mitglied bei der Allgäuer

Käsestraße.

• Ihre rund 2500 Kühe geben Milch, aus der …

• … rund 1480 Tonnen Käse im Jahr produziert

werden. Genauer:

• 56 Tonnen Allgäuer Emmentaler,

• 755 Tonnen Allgäuer Bergkäse,

• 318 Tonnen Schnittkäse,

• 260 Tonnen Weichkäse,

• und 91 Tonnen im weiteren Käsesortiment.

ALPSOMMER & Viehscheid 2020 63


KÄSESPEZIAL

KÄSESTRASSE

IM BREGENZERWALD

Die Allgäuer sind glücklicherweise nicht die einzigen,

die das Käsehandwerk schätzen und schützen. Wer

sich am Käse gar nicht sattsehen beziehungsweise

- essen kann, der sollte auch unserer Nachbarregion,

dem Bregenzerwald, einen Besuch abstatten: Seit

1998 finden Genusswanderer dort die »KäseStrasse

Bregenzerwald«, die verschiedene Straßenzüge

Vorarlbergs umfasst und über 200 Mitglieder zählt.

Auch hier stehen die bäuerlichen Erzeuger im Mittel -

punkt: Bauernhöfe mit Hofläden, Dorf sennereien,

Alpsennereien sowie interessante Gewerbebetriebe

mit traditionellen und zeitgemäßen Erzeugnissen.

Sie alle führen das KäseStrassen-Schild und bieten

thema tisch passende Besichtigungen und Produkte

an oder servieren Spezialitäten aus regio nalen

Zutaten. Nicht weniger als 100 Erlebnis programme

pro Woche, im Sommer wie im Winter, machen

das Angebot der »Erlebniswelt KäseStrasse« rund.

Bereits im Jahr 2005 wurde die KäseStrasse

Bregenzerwald zur Genussregion Österreich gekürt,

die als »kulinarische Heimat« gilt.

www.kaesestrasse.at

Ebenfalls entlang der Käsestraße liegen insgesamt

über 20 Gasthäuser, die kulinarisch

traditionell oder modern zeigen, wie aus

diesem Heumilchkäse herzhafte Schmankerl

werden.

TEIL DER KULTURLANDSCHAFT

Um die traditionelle, regionale Landwirtschaft,

die nicht nur ein touristisches Alleinstellungsmerkmal

ist, in einem Zusammenschluss

zu bewahren und zu fördern, wurde

bereits im Jahr 1997 der Verein »Westallgäuer

Käsestraße« gegründet (der später zur

»Allgäuer Käsestraße« umfirmierte). Denn

die traditionelle Milcherzeugung und -verarbeitung

prägt seit Jahrhunderten die Kulturlandschaft

des Westallgäus. 15 Orte auf

600 bis 1000 Metern Höhe bilden diese Region.

Die weiten grünen Wiesen und Weiden

werden vom Frühjahr bis Herbst bewirtschaftet.

Hinzu kommen in den Sommermonaten

die Hochalpen in der Nagelfluhkette

bis auf 1800 Metern Höhe: Kühe, Kälber,

Stiere, Ochsen, Schafe, Ziegen, Gänse und

Pferde gehören wesentlich zum Bild des

Westallgäus.

Die Landwirtschaft wird hauptsächlich von

kleinen Strukturen und der genossenschaftlichen

Zusammenarbeit getragen. Ein Westallgäuer

Bauer besitzt im Durchschnitt lediglich

20 Milchkühe, durchschnittlich 20 Hektar

Wiese und drei Hektar Wald. Die Wirtschaftsart

sichert dem Vieh frisches Futter

auf den Weiden zwischen Mai und Oktober,

die Allgäuer Wiesen liefern zudem das Heu

für den Winter.

Damit auch Außenstehende an dieser nachhaltigen

Bewirtschaftungsform und der damit

einhergehenden Kulturlandschaft teilhaben

können, zieht sich die Käsestraße wie

ein gelber Faden durch das Westallgäu.

SELBST KÄSEN IN DER KÄSESCHULE

Wer sich beispielsweise schon immer gefragt

hat, wie die vielen Löcher in den Käse

kommen und was nun genau der Unterschied

zwischen Alp- und Bergkäse ist, der

kann in einem der vielen Schaubetriebe den

Sennern direkt über die Schulter schauen.

Alle Sennerein der Allgäuer Käsestraße bieten

Käsereibesichtigungen und Verkostungen

an.

Wem die Theorie zu trocken ist, der kann

sich auch selbst als Käsehersteller in der Käseschule

versuchen: In den eigens dafür eingerichteten,

urigen Räumen der Käseschulen

Thalkirchdorf und Scheidegg erfahren die

Teilnehmer von den beiden Käsemeistern

Georg Gründl und Heinz Reischmann alles

rund ums »goldene Handwerk«. Doch probieren

geht bekanntlich über studieren: In

einem kleinen Kupferkessel stellen die Schüler

aus drei Litern Milch ihren eigenen

Weichkäse her, den sie im Anschluss mit

64

ALPSOMMER & Viehscheid 2020


Ob selber käsen in der

Käseküche oder dem

Senn über die Schulter

schauen – am besten lassen

sich die Erlebnisorte

per Drahtesel erkunden

nach Hause nehmen können. Nebenbei gibt

es regionale Käsespezialitäten und – für die

trockene Kehle – dazu passende geistige Getränke

zu verkosten. Zuhause kann man die

mitgegebenen Rezepte problemlos nach -

kochen und bei der nächsten Familienfeier

ordentlich Eindruck schinden.

RADELN AUF ACHT GENUSSWEGEN

Besonders gut lässt sich die Genussregion

mit dem Fahrrad erkunden: Acht verschiedene

Touren hat der Verein Allgäuer Käsestraße

e. V. für Käseliebhaber auf dem

Drahtesel zusammengestellt. Sie alle führen

mindestens an einer Heumilchsennerei vorbei

und können selbstverständlich ebenso zu

Fuß oder motorisiert erkundet werden. Dabei

ist auch nicht alles Käse: Spannende kulturelle

Zwischenstationen, Brauereien und

Schnapsbrennereien, tolle Aussichten oder

Kräutergärten liegen am Weg der Touren,

die dementsprechend stimmungsvolle Namen

wie »Käse und Kuh-ltur« oder »Käse,

Wein und feine Brände« tragen.

Wer beispielsweise unterwegs in Stiefenhofen

ist, sollte unbedingt einen Stopp im

Kräutergarten Artemisia oder auf dem Skywalk

Allgäu, einem Baumwipfelpfad bei

Scheidegg einlegen. Auf dem Weg liegt auch

immer ein Gasthof oder Bräustüble zum

Einkehren. Um hier typisch bayerische und

Allgäuer Küche zu erleben, sollte man selbstverständlich

die Allgäuer Kässpatzen probieren

– ein Klassiker, der aus der Region nicht

wegzudenken ist. Wer das verpasst hat, für

den haben wir glücklicherweise noch die

passenden Rezepte auf den Seiten 58 bis 60

parat. Die verschiedenen Rad- beziehungsweise

Wandertouren können kostenlos auf

www.allgäuer-käsestrasse.de angesehen, ausgedruckt

und als GPS-Tracks gedownloadet

werden.

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ALPSOMMER & Viehscheid 2020


ALPSOMMER & Viehscheid 2020 67


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Riezlern

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geöffnet von Anfang Juni bis Mitte Oktober

Kanzelwand

Rappenalptal

Breitengehrenalpe

Birgsau

Einödsbach

Anatswald

Die Mindelheimer Hütte hoch über dem

Rappenalptal wurde vor 100 Jahren erbaut.

Betrieben wird sie vom wohl dienstältesten

Hüttenwirt des Allgäus – nach 40 Jahren hat

sich Jochen Krupinski immer noch nicht am

Allgäuer Hauptkamm sattgesehen. Dem Allgäuer

»Mächlar« (zu deutsch Tüftler) gelang

es, eine für diese Höhenlage bisher einzigartige

Kombination von Solarenergie, Pflanzenöl-,

Blockheizkraftwerk und Regenwassernutzung

zu entwickeln, um die Hütte umweltgerecht

zu versorgen. Seine Hütte ist ein

beliebtes Ziel für Bergsteiger und Kletterer –

in direkter Nähe befinden sich mehr als 60

Kletterrouten. Das Matratzenlager mit 120

Schlafplätzen verbucht fast 10.000 Übernachtungen

pro Jahr (mit Reservierung).

www.mindelheimer-huette.de

Start: Parkplatz Fellhornbahn,

Faistenoy 10, 87561 Oberstdorf

Länge & Dauer: 13,7 km, 5 Stunden und 30 Minuten

Schwierigkeit: schwer

Fotos: Alpe Oberberg, Dominik Ultes, Pfronten Tourismus, lukafo.de, Ramona Alger, Sylivia Beyer, Volker Wille

Mindelheimer

Hütte

68

ALPSOMMER & Viehscheid 2020


merweg

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Rauhornweg

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Schla

Hinterstein

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Auf der der H

der H

Auf Auf Höh Höh

Aussicht Köpfle

(1100)

Giebelstraße

NEU

Öffentliche Führung

jeden Donnerstag

14 Uhr

Giebelstraße

Giebelstraß

Giebelstra

Gie

Vog

Vogelba

Vo

Vogelbach

Willersbach

Willersbach

Willersbach

Faszination Skifliegen

Betreiber: Sportstätten Oberstdorf|Roßbichlstraße 2 - 6|87561 Oberstdorf

DIE KÖNIGLICHE

Willersalpe, 1456 Meter,

geöffnet von Ende Mai bis Ende Oktober

Jubiläumswe

Jubilä

J

Jubiläumsweg

Jubiläums

Im Jahr 1997 kamen drei Brüder aus dem

Allgäu in königlichen Besitz: Als der kinderlose

Prinz Eugen von Bayern starb, kauften

die Berteles seine Willersalpe und errichteten

dort ein kleines Reich, das nach ganz eigenwilligen

Regeln funktioniert. Denn die

urige Hütte nahe Hinterstein ist eine der

letzten Sennalpen, zu der kein Fahrweg, keine

Seilbahn führt – hierher gelangt man nur

klassisch auf Schusters Rappen. Als beliebtes

Wanderziel oder Zwischenstation wird sie

von vielen Wanderern aufgesucht. Im Matratzenlager

mit 30 Schlafplätzen sind nach

telefonischer Reservierung Übernachtungen

möglich.

www.hinterstein.de/partner/willersalpe

Start: Parkplatz Auf der Höh,

Rauhornweg 11, 87541 Hinterstein

Länge & Dauer: 3,27 km, 1 Stunde und 45 Minuten

Schwierigkeit: mittelschwer


Exklusive Einblicke & atemberaubende Ausblicke

Barrierefreier Schrägaufzug|Turmaufzug|Kampfrichterturm

VirtualReality-Erlebnis|Erlebnisweg|Gruppenangebote

Schanzen-Bistro & Terrasse|Picknick-Bereiche

Öffnungszeiten täglich

09:30 bis 17:30 Uhr (April bis Oktober)

09:30 bis 16:30 Uhr (November bis März)

Ein spannendes Erlebnis bei jeder Witterung!

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Zimmeroy 1 | D - 87561 Oberstdorf

Tel. +49 (0) 8322 / 700 - 5201

info@skiflugschanze-oberstdorf.de

www.skiflugschanze-oberstdorf.de

Kreuzbichel

(1444)

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Heini-Klopfer-Skiflugschanze

Willersalpe

ALPSOMMER & Viehscheid 2020 69

G


ALPSOMMER

Mittagbahn

Talstation

DIE GUT ERREICHBARE

Sennalpe Oberberg, 1305 Meter,

geöffnet vom 1. Mai bis Anfang November

Die Alpe Oberberg wird bereits in fünfter

Generation von Familie Beck bewirtschaftet.

Erbaut wurde sie im Jahr 1875 – doch erst

zwei Jahre vor der Jahrtausendwende wurde

sie durch einen Zufahrtsweg von Immenstadt

her erschlossen. Seitdem kommen die

Wanderer gerne vorbei, um den herrlichen

Bergkäse zu kosten. Der wird »droben am

Berg« nach traditioneller Art hergestellt.

Etwa 33 Kühe liefern die Milch, aus der pro

Alpsommer an die sieben Tonnen Käse und

andere Milchprodukte entstehen. Nach Ankündigung

lässt der Senn Neugierige sogar

einen Blick in die Sennküche werfen.

www.alpe-oberberg.de

Start: Gipfelstation der Mittagbahn,

Mittagstraße 30, 87509 Immenstadt im Allgäu

Länge & Dauer: 1,11 km ab Gipfel,

ca. 20 Minuten (inkl. Bergbahn: 1 Stunde)

Schwierigkeit: leicht

Sesselbahn

Fußweg

Mittagbahn

Bergstation

Sennalpe

Oberberg

Pfronten

Kappel

Kappeler Alp

Höllschlucht

Hündeleskopfhütte

70

ALPSOMMER & Viehscheid 2020


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das ideale Feriendomizil!

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• Sommerbergbahnticket kostenlos am Anreisetag erhältlich

• WLAN, Bettwäsche und Handtücher sind inklusive

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Wir freuen uns auf Ihr Kommen!

Pfarrstraße 4 | 87561 Oberstdorf | Tel: 08322-7172

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Bolgenstr. 9 & 16 | 87538 Bolsterlang

Tel. +49 (0) 83 26 / 76 77 | Fax +49 (0) 83 26 / 13 77

info@landhaus-exquisit.de | www.landhaus-exquisit.de

DIE VEGETARISCHE

Hündeleskopfhütte, 1180 Meter

ganzjährig geöffnet

Sennalpe

Sennalpe

Sonnhalde

Sonnhalde

DEMETER-Alpe seit 1989

Die Hündeleskopfhütte oberhalb des Pfrontener

Ortsteils Kappel ist eine Alpe wie aus

dem Bilderbuch: Herzlich, urig … und vegetarisch?

Tatsächlich. Seit Silvia Beyer vor

fünf Jahren das Zepter in die Hand genommen

hat, erhalten die Gäste auf der ersten

vegetarischen Hütte in den Alpen fleischlose

Kost: Schupfnudeln statt Schnitzel, Kässpatzen

statt Kaminwurz. Eingefleischte Bergfreunde

mussten das erst einmal verdauen.

Doch Konzept und Kochkunst von Beyer

kommen an – sogar Skeptiker ziehen satt

von dannen. Wer sich ungern Öffnungszeiten

merkt: »Wir haben geöffnet, wenn unsere

Hüttenfahne gehisst ist. Die sieht man von

vielen Punkten im Tal aus.«

www.huendeleskopfhuette.de

© Büro Janner 2020

... ein

guter Platz

für fröhliche

Einkehr ...

© Büro Janner 2018

Start: Parkplatz am Waldseilgarten, Bürgermeister-

Franz-Keller-Straße, 87459 Pfronten-Kappel

Länge & Dauer: 7,1 km, 3 Stunden

Schwierigkeit: mittelschwer

Telefon Alpe: 08386 962 418 | Info-Telefon: 0151 513 68515

www.alpe-sonnhalde.de | E-Mail: buero@alpenbogen.eu

ALPSOMMER & Viehscheid 2020 71


FREIZEIT

MUHENDE MODELS

UND HERRLICHE AUSSICHTEN

Seit Jahren begleiten die Heimatkalender der EDITION ALLGÄU

die Menschen in ihren vier Wänden durch die vier Jahreszeiten.

Der unangefochtene Bestseller: der Allgäuer Kuhkalender mit seinen

Braunvieh-Schönheiten. Neu hinzu kommt für 2021 der Bildkalender:

Das Allgäu – Faszination Wasser.

Das Allgäu hat so viele Motive und

Ausblicke zu bieten, dass man sie

unmöglich alle in einem Urlaub

festhalten kann. Da gibt es nur zwei Lösungen:

Jedes Jahr wiederkommen oder ein

Stück Allgäu nach Hause mitnehmen. Im

Fall der Allgäuer Heimatkalender kann man

sich das gute Stück sogar an die Wand hängen

und jeden Monat die neue Aussicht genießen.

Im Kuhkalender dreht sich

alles um das liebe Vieh –

vor herrlicher Allgäuer

Kulisse

ALLGÄUER SCHÖNHEITSKÖNIGINNEN

Besonders beliebt und mittlerweile schon

fast Ku(h)lt ist der Allgäuer Kuhkalender:

Wer sich in diesem Magazin und während

des Viehscheids am bildhübschen Braunvieh

immer noch nicht satt gesehen hat, holt sich

mit diesem Kalender die schönsten Wiederkäuerinnen

einfach ins Wohnzimmer – und

dass, ohne im Anschluss die Mistgabel

schwingen zu müssen. Der Kuhkalender erscheint

für das Jahr 2021 in zwölfter Auflage

und zeigt wieder unterschiedlichste Motive

mit Allgäuer Braunvieh im Fokus. Ob Jungvieh

im Schnee, verspielte Kälber auf der

Frühjahrsweide oder sömmernd auf der

Alpe. Natürlich dürfen die besonders festlich

geschmückten Damen beim Viehscheid im

Herbst nicht fehlen.

Das Juni-Motiv aus

»Faszination Wasser«:

Wasserfall in der

Höll schlucht bei Pfronten

Fotos: Heinrich Haberstock, Siegfried Bruckmeier, Bruno Günther

72

ALPSOMMER & Viehscheid 2020


Das August-Motiv des

Panoramakalenders zeigt

den Blick von der Schochenspitze

hinunter auf

die Seen Lache mit der

Landsberger Hütte, Traualpsee

und Vilsalpsee

wegte Bilder eine faszinierende Ruhe und

werden besonders stimmungsvoll. Damit

Abwechslung in die Formate der Kalender

aus der EDITION ALLGÄU kommt, ist

dieser neue Kalender im Hochformat DIN-

A3 angelegt.

DEN BLICK SCHWEIFEN LASSEN

Wem das übers Jahr hinweg etwas zu feucht

wird, wird landschaftlich natürlich trotzdem

fündig: Das Allgäu in seiner ganzen jahreszeitlichen

Vielfalt zeigen der Allgäuer Bildkalender

sowie der Panoramakalender »Allgäuer

Ansichten«. Letzterer braucht etwas

mehr Platz an der Wand, zeigt er unsere Region

doch auf einer Länge von einem Meter

– als würde man den Blick über die Bergwelt

schweifen lassen. Der Fotograf Siegfried

Bruckmeier hat sich auf diese extragroßen

Motive spezialisiert. Hier wird nicht mit

WUNDERVOLLE WASSERWELTEN

Wer während seines Aufenthalts in unserer

Region eher die Landschaft genossen hat,

wird beim Neuzugang im Verlag fündig:

Bekannte Seen des Allgäus aus einer neuen

Perspektive, geheimnisvolle Wasserfälle, eisige

Ufer, Lichtspiele bei Sonnenuntergang

– diese Szenen sind im neuen Kalender der

EDITION ALLGÄU eingefangen. Zwölf

Bilder, zwölf Perspektiven und ein faszinierendes

Thema: Die beiden Landschafts -

fotografen Sascha Mohr aus Martinszell

und Bruno Günther aus Durach rücken die

Wasserwelt ins Blickfeld. Bei ihren Streifzügen

in der Natur sind die beiden immer

auf der Suche nach dem perfekten Motiv.

Nicht nur einmal haben sie sich dabei nasse

Füße geholt. Am liebsten arbeiten sie mit

Langzeitbelichtung, um das Wasser einzufangen.

Durch diese Technik erhalten betechnischen

Tricks im Studio gewerkelt – die

Motive sind sorgsam ausgewählt und zum

Teil mehrfach besucht worden, bis die richtige

Stimmung vor die Linse kam.

Nostalgikern und Bierfreunden seien die

beiden »Evergreens« der EDITION ALL-

GÄU ans Herz gelegt: »Das Allgäu wie es

früher war« und »Hopfen und Malz – Gott

erhalt’s«. Beide Kalender enthalten Holz -

stiche aus früheren Zeiten und sind zeitlos,

denn man kann sie jedes Jahr wiederverwenden.

Während der eine Szenen aus Allgäuer

Wirtschaften enthält und dabei von

alten Bier-Weisheiten begleitet wird, wurden

für den anderen aus einer riesigen

Sammlung historischer Stiche, die teilweise

über 100 Jahre alt sind, 13 Motive ausgewählt:

zum Beispiel Lindau, Isny, Kempten,

die Mindelburg, Hohenschwangau und

Neuschwanstein.

Alle Kalender sind im Buchhandel erhältlich oder online unter www.edition-allgaeu.com

»Kuhkalender 2021«:

14 Blätter, 42x30 Zentimeter,

ISBN 978-3-95805-065-5;

Preis: 15,80 Euro

»Das Allgäu –

Faszination Wasser 2021«:

14 Blätter, 30x42 Zentimeter,

ISBN 978-3-95805-067-9;

Preis: 19,80 Euro

»Hopfen und Malz –

Gott erhalt's«

(Allgäuer Bier-Kalender):

13 historische Stiche aus Allgäuer

Wirtshäusern, 42x30 Zentimeter,

ISBN 978-3-95805-016-7;

Preis: 14,80 Euro

»Das Allgäu wie es früher war«:

13 historische Stiche

aus dem Allgäu,

42x30 Zentimeter,

ISBN 978-3-95805-042-6;

Preis: 14,80 Euro

»Allgäuer Ansichten 2021«

»Allgäu 2021«:

14 Blätter, 42x30 Zentimeter,

ISBN 978-3-95805-066-2;

Preis: 15,80 Euro

(Panorama-Kalender):

14 Blätter, 100x34 Zentimeter,

ISBN 978-3-95805-064-8;

Preis: 29,80 Euro

ALPSOMMER & Viehscheid 2020 73


VIEHSCHEID

ABC

RUND UM DEN VIEHSCHEID

Was geschieht beim Älplerletze? Was ist der Unterschied zwischen einer

Weide- und einer Zugschelle? Und was zum Kuckuck ist ein Schumpen?

Einen kleinen Überblick über die Begriffe, die der Allgäuer beim Viehscheid

fallen lässt, finden Sie hier.

ÄLPLERLETZE

Nach dem Alpabtrieb und nachdem die

Berghütten winterfest gemacht wurden,

kommen die Hirten und Helfer ein letztes

Mal zusammen, um den Alpsommer würdig

zu verabschieden.

ALPABTRIEB

Zum Ende des Alpsommers wird das Vieh

zurück ins Tal getrieben, wo es beim anschließenden

Viehscheid feierlich den Besitzern

zurückgegeben wird.

ALPE

Damit sind sowohl die Bergweiden als auch

die darauf befindliche Unterkunft für Hirten

und Vieh (Alphütte mit Ställen) gemeint.

In Nieder- und Oberbayern sowie

Österreich wird der Begriff »Alm« benutzt

– die Bedeutung ist dieselbe, doch wer im

Allgäu »Alm« sagt, enttarnt sich als unwissender

Tourist.

ALPSOMMER

Der Alpsommer dauert im Allgäu etwa 100

Tage. Zwischen Mai und Juni treiben die

Bauern ihr Vieh hinauf auf die Bergweiden,

die Alpen. Hier »sömmert« das Vieh bis zum

Viehscheid im Herbst.

BRAUNVIEH

Das Allgäuer Braunvieh ist das Markenzeichen

unserer Region und während

des Alpsommers vornehmlich in

den Bergen anzutreffen. Hier hat

das Rindvieh die ältesten Rechte,

und die gilt es auch in der Hektik des

21. Jahrhunderts zu respektieren (mehr

zur Etikette am Berg auf Seite 28).

GALTALPE

Eine Alpe, auf der nur

Galtvieh beziehungsweise

Jungvieh gehalten wird.

So wird in der Regel das

weibliche Rind bezeichnet, das keine Milch

gibt, weil es noch nie gekalbt hat.

HIRTE, HÜTEBUB

Die Alphirten sind mit der Betreuung der

Tiere am Berg beauftragt, während die eigentlichen

Besitzer, die Bauern, im Tal ihrem

Tagwerk nachgehen. Es gibt eine klare Befehlskette

unter den Hirten, anpacken

müssen aber

alle. Die »Kleinhirten«,

die Hütebuben,

sind oft

Sprösslinge der Landwirte

und Hirten und nur

während der Sommerferien

»oben«.

74

ALPSOMMER & Viehscheid 2020


Foto und Illustration: Ramona Alger

KRANZRIND, KRANZKUH

Ein festlich geschmücktes Rind, das

die Herde beim Alpabtrieb anführt.

Auf Galtalpen wird diese Aufgabe

dem schönsten Tier übertragen

– auf Sennalpen der

Kuh, die am meis -

ten Milch gegeben

hat. Für die

Bauern ist es eine

große Ehre, wenn ihr

Vieh zum Kranzrind

gekürt wird. Überhaupt

kein Kranzrind

gibt es, wenn es

während des Bergsommers

einen Unfall

(z.B. Absturz) gegeben

hat.

KRANZSCHMUCK

Der Schmuck für die

Kranzkuh. Er wird von

Hand aus Zweigen, Blumen

und Silberdisteln geflochten. Mit eingearbeitet

werden traditionell ein Kreuz für

den göttlichen Beistand und ein Spiegel, der

böse Geister fernhalten soll.

KUH

Weibliches Rind, das mindestens einmal gekalbt

hat und somit Milch gibt. Wird dementsprechend

auch als Milchkuh bezeichnet.

MISCHALPE

Alpe, auf der neben Kühen und Jungvieh

zum Teil auch andere Tiere wie Ziegen,

Schafe und Pferde gesömmert werden.

OCHSE

Vor der Kastration war der Ochse ein Stier –

ein männliches Rind, das früher als Arbeitstier,

heute hauptsächlich zur Fleischproduktion

gehalten wird.

Die Kastration wird

durchgeführt,

weil die verträglicheren

Tiere auf der

Weide gehalten

werden

können und

ihr Fleisch

»zarter«

wächst.

SENN, SENNERIN

Verarbeitet die auf der

Alpe gemolkene Milch

zu Butter, Käse und

Quark, der im Allgäu auch Zieger

heißt.

SENNALPE

Alpe, auf der Kühe gehalten

werden, deren Milch vom

Senn direkt vor Ort weiterverarbeitet

wird. Oft kann man

den hier entstandenen Käse direkt

auf der Alpe erwerben.

SCHUMPEN

Allgäuer Dialektbezeichnung

für

weibliches Jungvieh,

bis es etwa

ein Jahr alt ist.

VIEHSCHEID

Feierliche Rückgabe der einzelnen Tiere aus

den Herden, die den Sommer auf der Alpe

verbrachten. Der Hirte scheidet (trennt) das

Vieh und ruft den Namen des Bauern auf,

dem dieses Tier gehört.

VORSÄSS

Das Vieh zieht während des Alpsommers oft

mehrmals um – die Vorsäßalpe ist die am tiefsten

gelegene Alpe, wo das Bergwetter noch

nicht ganz so rau ist. Im Laufe der Jahreszeit

geht es auf die Mittel- und Obersäß und im

Spätsommer stufenweise wieder hinab.

WEIDESCHELLE

Eine kleine Schelle (keine Glocke, die wird

in der Regel aus Messing in einem Stück gegossen)

aus Blech, die für das Weiden auf der

Alpe angelegt wird. Sie ist nötig, um bei

schlechten Sichtverhältnissen das Rind

schnell wiederzufinden, wenn es sich am

Berg verlaufen oder verstiegen hat.

ZUGSCHELLE

Große, aus Schwarzblech

gefertigte, Schelle die speziell für

den Viehscheid angelegt wird.

Durch das laute Geläut »zieht« die

Herde besser nach. Es gibt verschiedene

Modelle (z.B. Hindelanger,

Vorarlberger, Tiroler und

Schweizer Schellen).

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B19 Ausfahrt Sonthofen Süd

Töpferweg 16

87527 Altstädten bei Sonthofen

Kuh-Geschirr

www.allgaeuer-keramik.de

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ALPSOMMER & Viehscheid 2020 75


NATUR

Der Lech(weg) bietet ein einzigartiges

Naturerlebnis – und

dient auch zahlreichen Alpenschwemmlingen

als Reiseroute

SURFENDE BERGBLUMEN

EDELWEISS AM FLUSSUFER?

Herrlich, so eine Wanderung durch eines der Flusstäler im Allgäu. Naturfreunde

können entlang der Fließgewässer so einiges entdecken: Haubentaucher

und Wasseramseln, idyllische Auenlandschaften und Flusspflanzen wie die Sumpfdotterblume,

das Edelweiß … Moment, was hat diese Bergpflanze hier zu suchen?

Die Natur geht manchmal ungewöhnliche

Wege. So werden beispielsweise

Samen von typischen

Bergpflanzen als »blinde Passagiere« übers

Wasser ins Tal getragen. Dort gedeihen sie

überraschend prächtig – und plötzlich findet

man Silberwurz und Edelweiß an Orten, wo

man sie gar nicht vermutet hätte.

Vor allem der Lech und die Wertach sind in

Expertenkreisen dafür bekannt, dass in ihren

Auwäldern Blühpflanzen wachsen, die

eigentlich nur in Höhenlagen der Lechtaler

und Allgäuer Alpen zu finden sind. Die

Schneeschmelze spült nicht nur Wasser vom

Berg herunter, sondern greift bei dieser

Gelegenheit auch zahlreiche Samen und

Wurzelwerk dort wachsender Pflanzen auf.

Auf ihrer langen Reise mit dem »Wassertaxi«

werden manche dieser Saaten bis an die

Flussufer im Tal geschwemmt. Aus diesem

Grund nennt man die verirrten Pflanzen

auch »Alpenschwemmlinge«.

WEIL SICH AUWALD UND

BERGWIESE ERSTAUNLICH ÄHNELN

Es klingt seltsam, aber in den Auwäldern

finden die jungen Grünlinge ähnliche klimatische

Verhältnisse vor wie in ihrem eigentlichen

Lebensraum, den Bergwiesen: starke

Winde und Kälte im Winter, große Hitze im

Sommer. Helle Steine im Flussbett und in

den Auwäldern reflektieren den UV-Anteil

des Sonnenlichts und imitieren so eine

Strahlung wie in den Höhenlagen. Und ob-

wohl direkt nebenan ein Fluss fließt, haben

einige Auwälder sehr trockene Böden. Im

Bereich der Voralpen ist dies vor allem dann

der Fall, wenn die Aue aus kiesigem oder

sandigem Material aufgebaut ist. Bei Niedrigwasser

kann der Grundwasserspiegel im

Kiesboden so stark absinken, dass das Wasser

für die Wurzeln vieler Pflanzen kaum

noch erreichbar ist.

Gerade in den Auen der aus den Alpen kommenden

Flüsse in Bayern – wie dem Lech –

finden sich extrem bodentrockene Schneeheide-Kiefernwälder.

Lokal kann der Boden

so stark austrocknen, dass »bergtypische«

Magerrasen entstehen. Verbauungen schränken

den Reiseweg der Alpenschwemmlinge

leider oft ein und ihre Lebensräume gehen

76

ALPSOMMER & Viehscheid 2020


4 , – Euro

inklusive

4,– EURO

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Die Weiße Silberwurz und

manche Enzianart sind entlang

von Flüssen zu finden

verloren. Dennoch findet hier und da doch

noch ein Samen seinen Weg in bislang unbekannte

Gefilde.

VOM GIPFEL- ZUM TALSTÜRMER

So trifft man bei seiner Talwanderung auf

Silberwurz, Aurikel, verschiedene Enziane

und das Katzenpfötchen, welches man im

Allgäu normalerweise in Höhenlagen auf

über 2000 Metern, zum Beispiel am Südostgrat

der Höfats, findet.

Da diese Pflanzen besonders trickreiche

Überlebenskünstler sind, funktionieren ihre

Strategien auch an ihren neuen unwirtlichen

Standorten: Mit langen Wurzeln erreicht der

Natternkopf das Wasser aus tiefen Bodenschichten.

Labkraut, Aurikel und Silberwurz

schützen ihre Blätter mit einem Wachsüberzug

gegen starke Verdunstung, und Orchideen

wie die Mücken-Händelwurz verfügen

über Wurzelknollen als Speicherorgane. Der

blaugrüne Steinbrech hat viele kleine Blättchen,

die ganz eng am Boden zu einem halbkugelförmigen

Polster verwachsen. Im Inneren

des Polsters sind Luftfeuchtigkeit und

Temperatur höher – sozusagen eine selbstgebaute

»Fußheizung«.

UND DAS EDELWEISS?

Ja, sogar die symbolträchtigste Blühpflanze

der Alpen, das Edelweiß, ist mancherorts ins

Tal abgestiegen. So staunte ein Wanderer im

Naturpark Tiroler Lech nicht schlecht, als er

die berühmte Bergpflanze in einem Auwald

entdeckte. Der genaue Wuchsort der streng

geschützten Alpenpflanze wird an dieser

Stelle nicht verraten. Doch auch im Allgäu

wird so manch blühende Perle vom Berg ins

Tal gespült. Es gilt also: Augen offenhalten.

Und natürlich wie am Gipfel: Kamera mitnehmen

und das Blümlein für den nächsten

Naturfreund stehen lassen. Viola Elgaß

Fotos: Verein Werbegemeinschaft Lech-Wege, Pixabay

Die Aurikel wächst gerne

in Felsspalten und auf Kies

– ein Habitat, das auch in

der Nähe von Fließgewässern

zu finden ist

Hier geht’s

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ALPSOMMER & Viehscheid 2020 77


NATUR

WANDERN

IM BERGDORF HINTERSTEIN

Nicht hinter den sieben Bergen, bei den sieben Zwergen – sondern

»hinterstui«, hinter dem Stein, liegt ein wunderschönes Bergdorf

im Oberallgäu. Hier auf 866 Meter Höhe endet zwar die Straße,

zugleich ist es aber auch das »Tor zu den Alpen«.

Von Hinterstein aus sind die hochalpinen

Sehnsuchtsziele für Bergfreunde

gut erreichbar. Bergwanderungen

von leicht bis anspruchsvoll führen in die

Welt von Murmeltieren, Gämsen und Adlern.

Kein Durchgangsverkehr, kein Liftbetrieb stören

die Ruhe. Allein eine Mautstraße, die nur

ein Bus befahren darf, führt am oberen Tal

der Ostrach zum Giebelhaus. Das urgemütliche

Gasthaus mit natürlicher Sonnenterrasse

ist Ausgangspunkt für verschiedene Wanderungen

und Bergtouren in das größte Naturschutzgebiet

Deutschlands: die Allgäuer

Hochalpen. Mit ein wenig Glück lassen sich

hier bereits Steinadler beobachten. Dazu hat

der Vogelschutzbund (LBV) neben dem Haus

eine Beobachtungshütte aufgebaut. Hier beginnen

zahlreiche Alpinisten ihre Hochwanderungen,

wie zur Fuchskarspitze (2314

Meter) oder zum Hochvogel (2592 Meter).

Insbesondere die Tour zum »Matterhorn des

Allgäus«, wie letzterer auch genannt wird,

gilt als eine der schönsten auf dem Allgäuer

Hauptkamm, darf aber nicht unterschätzt

werden. Wer sich seines Könnens nicht ganz

sicher ist, der sollte einen Bergführer engagieren.

Der ist preiswerter als ein Rückflug

im Rettungshubschrauber.

PER PEDES PAUSIEREN

Doch es muss ja nicht gleich eine Gewalttour

sein. Auch die Täler, die man vom Giebelhaus

aus erreichen kann, locken. Und zwar

Radfahrer, Fußgänger und Kinderwagen-

Schieber gleichermaßen, wobei sie im Bärgündeletal

schon zu Beginn die Kraftreserven

anzapfen müssen. Aber dann ist es auf

den geteerten Wegen ein gutes Vorankommen

und man kann die Natur genießen: Die

Alpenblumen blühen, die Murmel pfeifen

und in der Höhe kreisen die Alpendohlen.

Sehr selten schauen auch einmal ein Gänsegeier

und der mit noch größerer Spannweite

(bis knapp 3 Meter) versehene Bartgeier vorbei.

Im Bärgündeletal wartet am Ende des

Tales eine gleichnamige Alpe zur Einkehr,

im Obertal sind es die Alpen Laufbichl und

Plättele-Alpe.

78

ALPSOMMER & Viehscheid 2020


Hinterstein (links) ist fast rundum von Bergen umgeben

– im Westen lockt der Iseler mit Weitblicken

Das Giebelhaus ist ein beliebter Startpunkt für

zahlreiche Wanderungen und Bergtouren

Wer mit dem Bus Richtung Giebelhaus fährt,

kann sich kurz zuvor bei der Haltestelle am

Sommerweg absetzen lassen, um in etwa

zwei Stunden die Schwarzenberghütte auf

1380 Meter zu erreichen.

IM PARADIES

Der Schwarzenberg wird übrigens »im Paradies«

genannt und das vollkommen zu

Recht: Hier wächst, wie ganz selten, prächtiger

Bergahorn in größeren Beständen. Die

Hütte und ihre Umgebung eignen sich zu

jeder Jahreszeit hervorragend für einen Familienaufenthalt,

da sie eine der wenigen

Alpenvereinshütten in den Allgäuer Alpen

ist, die auch im Winter geöffnet hat.

Zu einer weiteren Tour, die zum Schrecksee

auf 1813 Meter führt, nimmt man den Giebelhausbus

bis zur Haltstelle Auele E-Kraftwerk.

Die Strecke ist ab hier markiert. Der

Aufstieg, der einiges an Kondition verlangt,

dauert etwa zweieinhalb Stunden. Man

kann auch schon in Hinterstein mit der

Wanderung beginnen – dann ist man aber

dementsprechend länger unterwegs. Wie

man es hält: Am Ende wird der Kletterer

mit einem wunderbaren Blick auf den

Anzeigen

Gunzesrieder Käse-Kräuter-Sommer

1. Juni - 30. September

Kräuter-Workshop

geführte Kräuterwanderungen

Wellness- & Kneippangebote

Käse-Kräuter-Genuss auf Alpen & in der Gastronomie

Tourist-Info Blaichach | 08321 6076950 | www.blaichach.de

ALPSOMMER & Viehscheid 2020 79


NATUR

Die bildschöne Ostrach begleitet einen

auf den meisten »bodenständigen« Touren

blaugrünen See mit einer kleinen Insel in

der Mitte belohnt.

IN DER HÖLLE

Da verständlicherweise nicht jeder den

Gämsen Konkurrenz machen möchte, wandern

viele lieber in Tallage. Ein beliebter (besonders

bei Familien mit Kindern, die selber

laufen können) Wanderweg ist der Weg in

die Hölle und zurück. Doch keine Sorge, mit

Flammenmeeren muss man auf dem »Höllrundweg«

nicht rechnen. Vom Parkplatz

»Auf der Höh« geht es abwärts Richtung

Ostrach. Hier trifft man auf das Sträßchen

»Im Schlauchen«. Weiter führt der Weg vorbei

an einem Kiosk links über eine Wiese bis

BEWIRTSCHAFTETE ALPEN

RUND UM HINTERSTEIN

Alpe Bärgündele, Alpe Engeratsgund ,Alpe Plättele

Berggasthof Giebelhaus, Schwarzenberghütte

Sennalpe Laufbichl, Willersalpe, Zipfelsalpe

Infos beim Fremdenverkehrsverein Hinterstein:

Tel. 082324 8920

zur Brücke über die Ostrach. Ab hier ist der

Weg ausgeschildert. Im späten Frühjahr

blüht hier der Frauenschuh, eine streng geschützte

Orchidee. Der Weg führt weiter am

wildromantischen Bach – mit einem Teufelskopf

an der Felswand. Nach etwa sieben Kilometern

und zwei Stunden Gehzeit ist man

der Hölle wieder entkommen und zurück

am Ausgangspunkt.

BADEN WIE EIN PRINZ

Weitere Rundwege führen natürlich durch

das Bergdorf selbst und entlang der Ostrach.

Sehenswert ist die Kirche St. Antonius in

Hinterstein und auch ein Blick in die vier

Kapellen des Ortes lohnt sich. Und wer gar

nicht laufen mag, der kann sich mit einer

Pferdekutsche zum Giebelhaus oder durch

das Ostrachtal kutschieren lassen.

Ist man nach einem aktivitätsreichen Tag in

und um Hinterstein erschöpft, macht man

es am besten den Adligen nach und springt

ins kühle Nass beziehungsweise in die Gumpe.

Die ist im Allgäuer Sprachgebrauch ein

»Wasserloch« und, wenn in ein solches

Wasserloch ein Prinz hineinspringt, ist es

eben eine »Prinze-Gumpe«. Und über eine

solche verfügt Hinterstein, seitdem der

Bayerische Prinzregent Luitpold (1821-

Oben: Am Höllrundweg wartet der Höllenfürst

persönlich auf Besucher, entspannter geht es

hingegen beim Baden in der Prinze-Gumpe zu

1912) sich nach der Jagd im Hintersteiner

Tal dort abkühlte. Gespeist wird das wässrige

Loch vom Zipfelsbachfall. Ehemals als

reines Schwimmbad betrieben, wurde die

Prinze-Gumpe 1998 zu einem der schönsten

Bergbäder im Allgäu umgebaut. Hier

lässt es sich nicht nur gut schwimmen, sondern

auch gut speisen.

DIE WILDEN FRÄULEIN

Wer sich anschließend sitt und satt ins Hotelbett

begibt, hat in Hinterstein womöglich

sagenhafte Träume von den Wilden Fräulein.

Diese lebten einst – so erzählt man sich

– oberhalb des Bergdorfs in einer Höhle. Sie

hießen Rezabell, Stuttzemutz, Hurlahutsch,

Ahudlamuzz und Gertrudle und halfen den

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DAMIT MAN NICHT ZUM

»WANDERBUFFET« WIRD

Tipp: Mücken und Zecken können den

Wandertag gründlich vermiesen. Deshalb

sollte man rechtzeitig an den Insekten -

schutz denken. »Ballistol Stichfrei« hält

Mücken, Zecken und Bremsen bis zu

acht Stunden fern. Es duftet nach

Limone, enthält einen sonnenschutz -

aktiven UV-B-Filter mit Lichtschutz -

faktor 6 und schützt die Haut vor dem

Austrocknen.

Preis ca. 7 Euro, erhältlich im Fach- und

Einzelhandel. Weitere Informationen

gibt es unter www.ballistol.de

Fotos: Bad Hindelang Tourismus/Wolfgang B. Kleiner, Thomas Niehörster, Pixabay

Öffnungszeiten

Mittwoch bis Freitag ab 14.30 Uhr | Samstag ab 10 Uhr

NEU: Sonntags von 11.30 Uhr bis 20.30 Uhr

(Küche von 12 bis 19 Uhr)

Neben der Brotzeitkarte mit kleinen Schmankerln und den

vollmundigen Bernardi Bräu Bierspezialitäten aus der

Braumanufaktur erwarten Sie weitere besondere Highlights:

Mittwochs

Kässpatzenessen

ab 17 Uhr

(mit Anmeldung)

Donnerstags

Bier und Tier

ab 17 Uhr

Freitags

Brauereiführung

ab 15 Uhr

(mit Anmeldung: 2 Tage vorher)

Samstags

Weißwurstfrühstück

ab 10 Uhr

Bauern im Tal bei der Ernte und den Frauen

bei der Geburt. Woher sie kamen und wohin

sie gingen, weiß niemand mehr. Aber ihre

Höhle, die aus mehreren Kammern besteht,

kann man heute noch besuchen. Ein großer

Spaß für Kinder.

Um dorthin zu gelangen, folgt man in Hinterstein

vom Gasthaus Grüner Hut aus einem

Bergweg, der in vielen Kehren bergan

führt. Bei einer Gabelung geht man in Richtung

»Wildfräuleinstein« und gelangt an den

schönen Aussichtspunkt »Köpfle«. Von hier

aus verläuft der Pfad am Hang entlang fast

eben bis zum Wildfräuleinstein. Hier kann

man seiner Fantasie freien Lauf lassen und

die Natur genießen – wie überall in und um

»Hinterstui«. Thomas Niehörster

Feiern Sie bei uns:

Events wie Betriebs- oder Vereinsausüge, Firmenevents,

Veranstaltungen rund um’s Bier oder Geburtstage

Bier Alp BernardiBräu

Petra und Berni Göhl

Kammeregger Weg 7

87549 Rettenberg /Kranzegg

Telefon 0 83 27 / 9 32 61-80

Bierverkauf

Mittwoch und Samstag

10 bis 12 Uhr

Mittwoch bis Freitag

14 bis 18 Uhr


HISTORIE

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»HOIBAT«

HISTORISCHE BILDERSERIE

Eigentlich war Otto Bader gelernter Schuster. Doch wenn er in

die Berge ging, dann niemals ohne seine große Liebe: eine Leicaflex,

die erste Spiegelreflexkamera der Firma Leica. Mit der hielt der

Oberstdorfer zahlreiche Motive seiner Heimat fest – wie die gefährliche

Heuernte am Berg, oder, wie der Oberallgäuer sagt, »Hoibat«.

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HISTORIE

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Fotos: Otto Bader, Schnellbach Foto & Büro

Linke Seite: Gras wird am Steilhang mit der Sense

gemäht. Auf dieser Doppelseite hat Otto Bader den

mühsamen Transport und die Lagerung des Heus

mit der Kamera festgehalten


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aktuelle Informationen unter www.bauernhaus-museum.de

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HISTORIE

Das getrocknete Heu

wurde zum Teil in einfachen

Holzhütten am Berg

zwischengelagert, weil

der Transport ins Tal erst

im Winter möglich war

Wenn Futter im Tal

knapp wurde und genug

Schnee lag, wurde das

Heu mit Hörnerschlitten

vom Berg geholt

Otto Bader wurde am ersten Weihnachtstag

im Jahr 1911 in Oberstdorf

geboren. Seine Eltern

betrieben eine kleine Landwirtschaft. Wie so

viele Kinder musste Otto hier von klein auf

mit anpacken und wurde früh mit den Bergen

vertraut gemacht. Als guter Bergsteiger

– seine »Schusters Rappen« wusste er nach

seiner Lehre zum Schuhmacher ja bestens zu

pflegen – kannte Otto jeden Winkel der Allgäuer

Alpen, die er mit seiner späteren Frau

Luise und guten Freunden erwanderte. Der

Oberstdorfer war äußerst eng mit seiner

Heimat verbunden – so ist es eigentlich kein

Wunder, dass er die Eigenheiten dieser Bergwelt

und das damit eng verknüpfte Brauchtum

für die Nachwelt festhalten wollte.

Oft begleitete er die heimischen Bergbauern

bei ihrer »Arbeit in der Schräge«: Über Jahrhunderte

hatten diese der Natur die Bergwiesen

abgetrotzt, kultiviert, gemäht und gepflegt.

Dadurch ist uns bis in die heutige Zeit

ein abwechslungsreiches und artenreiches

Landschaftsbild erhalten geblieben. Doch

wie viel Aufwand in der Bewirtschaftung der

höhergelegenen, oft weiter entfernten, Bergwiesen

steckt, das ist heute nur noch den

Bergbauern bewusst, die dieser Tätigkeit

weiterhin nachgehen. Die Abhängigkeit von

Temperatur und Witterung, das mühsame

Mähen, meist mit der Sense, an Steilhängen,

das zeitaufwendige Wenden und Rechen des

Grases, bis es endlich zu trockenem Heu geworden

ist, machen die Arbeit auf diesen artenreichen

Wiesen so besonders schwierig.

Hinzu kommt der gefährliche und mühsame

Abtransport der Heuernte. Nur sehr wenigen

Menschen ist heute noch bekannt, dass

das Bergheu traditionell in Holzhütten – im

Allgäu »Heuschinden« genannt – eingelagert

und erst im Winter mit Schlitten ins Tal gebracht

wurde. Auch diesen winterlichen

Heutransport hat Otto Bader auf zahlreichen

Dias festgehalten, wie die Bilder auf diesen

Seiten zeigen.

Da der Oberstdorfer recht früh viele Abnehmer

für seine Bilder fand, nannte er sich

»Schuhmacher und Lichtbildner«. Selbst

heikle Passagen wie die Höfatsüberschreitung

meisterte er mit der Kamera. Zeitlebens

hatte er auch ein Auge für seltene Alpen -

blumen. Er suchte die Nähe zu den Bergbauern

und die Menschen im Dorf waren für

ihn mehr als nur ein Fotomotiv. Dieses erfüllte

Leben als Lichtbildner hat er uns in

wunderschönen Aufnahmen hinterlassen.

Rudolf Schnellbach/Viola Elgaß

INFO

Die hier gezeigten und weitere Motive von

Otto Bader können im Fotofachgeschäft

Schnellbach in Oberstdorf erworben werden:

Schnellbach Foto & Büro, Frohmarkt 1,

87561 Oberstdorf, www.foto-schnellbach.de

Otto Bader (unten) war Schuhmacher, Lichtbildner

und Heimatfreund – vor allem seine

geliebten Berge hielt er für die Nachwelt fest

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FREIZEIT

ES GLÄNZT NICHT ALLES,

WAS GOLD IST

Während Neles Freunde an spannende Orte im Ausland reisen,

muss sie in einem Jugendlager in den Allgäuer Bergen versauern.

Doch dann begegnet sie einem geheimnisvollen Bergmann …

War ja klar: kein Netz!« Frustriert

stopft Nele ihr Smartphone zurück

in die Hosentasche. Jugendleiter

Ben lächelt nur. »Macht nichts.

Auf der Hütte gibt es eh keinen Strom.« Nele

verdreht die Augen. Was für eine Überraschung.

Ihre Eltern haben sie hinter den

Mond geschickt! Während ihre Freundinnen

Reisen nach Mallorca oder Disneyland unternehmen,

muss sie ihr Dasein in dieser

instagramlosen Einöde fristen. Noch schlimmer,

sie muss sogar dorthin wandern!

»Da vorne ist unsere Alphütte!«, verkündet

Ben nach zwei Stunden. Nele rümpft die

Nase. Das kleine Holzhaus, das auf einer

grünen, weiten Bergweide vor einem Hügel

steht, sieht aus wie ein Ziegenstall, nur ein

bisschen größer.

Während die anderen Kinder ihre Rucksäcke

im Matratzenlager (nicht mal richtige Betten!)

auspacken, mit Ben Kennenlernspiele

spielen und um die Hütte tollen, verbringt

Nele den Nachmittag mit Schmollen. Sie findet

es unfair, dass sie die nächsten Tage mit

blöden Naturspielen und Bergwandern verbringen

muss, statt wie alle anderen coolen

Mädchen in ihrer Schule Fotos vom Strandurlaub

zu posten.

NELE AM ENDE DER WELT!

Okay, die Aussicht aus dem Fenster im Matratzenlager

ist gar nicht so übel – über endlos

weite Wiesen kann man fast bis ins Tal

gucken. Nele hat davon sogar ein paar Fotos

gemacht. Aber ohne Netz kann sie die ja

nicht mal mit ihren Freunden teilen. »Ir-

gendwo hier muss man doch Empfang kriegen«,

murrt sie und hält ihr Telefon mal

nach links, mal nach rechts, während sie zu

einem Wäldchen unweit der Hütte stapft.

Wenn sie nur ihre Eltern erreichen und lange

genug jammern könnte, würden die sich

ja vielleicht doch erbarmen und sie aus der

Steinzeit befreien …

»Bei den sieben Edelsteinen, kommst du

wohl da herunter!«, schimpft jemand. Nele

schaut sich irritiert um. Klingt, als würde die

Stimme aus dem Wäldchen kommen. Neugierig

tritt sie näher, während die Stimme

munter weiter schimpft. Als sie den Verursacher

der Schimpftirade erblickt, bleibt sie

wie angewurzelt stehen. Da steht ein kleiner

Mann, nein, eher ein Männlein, kaum so

groß wie Nele. Es hat einen langen, stahl-

Illustration: Ramona Alger

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grauen Bart und trägt feine, aber irgendwie

altmodische Kleidung. Sogar Nele erkennt,

dass dieses Wams aus Samt und vor allem

die kleinen Stiefelchen mit der gebogenen

Spitze nicht sehr bergtauglich sein können.

Gerade will sie sich umdrehen und den seltsamen

Mann hinter sich lassen, als er sie entdeckt.

»He, Mädchen! Kannst du klettern?«

Nele schluckt. »Äh. Ja?«, antwortet sie. Da

hellt sich die Miene des Zwergs abrupt auf.

»Trefflich! Wärst du so gut und würdest mir

mein Werkzeug von diesem Felsen herunterholen?

Ich bin abgerutscht und da ist es mir

entglitten.« Nele sieht zu der Stelle, auf die

er deutet. Der »Fels« ist eher ein großer Stein

und keine große Herausforderung für das

sportliche Mädchen. Mit zwei, drei beherzten

Griffen ist sie oben. Doch als sie das

»Werkzeug« des Männleins findet ... »Da liegt

nur ein Spiegel!«, ruft sie hinunter. »Genau

den brauche ich! Bring ihn mir, aber achte

gut auf ihn!«, erwidert der Zwerg aufgeregt.

Nele zuckt die Schultern und greift nach

dem gläsernen Schmuckstück. Schön ist es,

mit einem verschnörkelten, goldenen Rahmen,

der sich zu einem Handgriff verjüngt.

EIN SCHATZ IN DEN BERGEN?

Als sie unten angekommen ist, schließt das

Männlein den Spiegel erleichtert in seine

Arme. »Vorzüglich, hübsches Fräulein! Ich

bin dir zu tiefem Dank verpflichtet. Gerne

möchte ich dir dafür einen Wunsch erfüllen.«

Da muss Nele lachen. Das ist ja wie in

einem dieser uralten Märchen. »Schon gut,

falls du mich nicht nach Disneyland zaubern

kannst, brauche ich nichts.«

Das Zwerglein runzelt die Stirn. »Ich fürchte,

dieses geheimnisvolle Disneyland entzieht

sich meiner sonst vortrefflichen Ortskenntnis.

Wie wäre es stattdessen mit dem … Gold

der Berge?« Nele kriegt große Augen.

»Gold?« Hat sie sich verhört? Oder ist der

Alte verrückt? Aber sein komischer Spiegel

ist schließlich auch golden und verdächtig

schwer.

Das Männlein nickt. »Steig morgen früh,

wenn es noch dunkel ist, auf den großen Hügel

da, gleich hinter der Hütte. Dort wird dir

der Berg seinen größten Schatz offenbaren.«

Damit dreht der geheimnisvolle Zwerg sich

um und lässt eine verwirrte Nele zurück …

AM NÄCHSTEN MORGEN ...

... zieht Nele fröstelnd den Reißverschluss ihrer

Jacke höher. Zum Glück hat ihre Wecker-

App funktioniert, sonst hätte sie verschlafen.

Nun muss sie auch noch feststellen, dass der

komische kleine Kerl sie offenbar veräppelt

hat. Die Sonne geht gleich auf und hier ist

rein gar nichts. Kein Schatz, kein Gold. Sie

hat sich völlig umsonst aus der Hütte geschlichen.

Seufzend hockt Nele sich ins Gras.

»Wäre ja zu schön gewesen«, murmelt sie.

Da wird ihr plötzlich ein ganz klein wenig

warm am Rücken. Nele dreht sich um und

blinzelt. »Wow«, flüstert sie.

Die Sonne schiebt sich langsam, ganz langsam,

hinter einem Bergrücken hervor. Ein

Lichtstrahl nach dem anderen erscheint,

wirft helle Streifen in den Himmel und

macht die Welt um Nele farbiger.

Das ist wunderschön. Nele zückt ihr

Smartphone, doch als sie das Bild auf dem

Display mit dem Original vergleicht, lässt sie

es wieder sinken. Nichts kann diesen Sonnenaufgang

so einfangen, wie er wirklich ist.

Um die Sonne leuchten der Himmel und die

Berggipfel … in hellem Gold. Das war es,

was der Zwerg gemeint hat! Nele atmet die

klare, kühle Bergluft tief ein. Die anderen

werden wohl erst in ein paar Stunden aufstehen.

Vielleicht sollte sie Ben fragen, ob sie

morgen Früh alle gemeinsam hierher kommen

können, damit die anderen das »Gold

der Berge« auch sehen können. Aber heute,

jetzt in diesem Augenblick, gehört der

Schatz nur ihr allein. Viola Elgaß

DER SAGENHAFTE SCHATZ

DER VENEDIGERMÄNNLE

Sogenannte Venedigermännle kommen in vielen

Legenden im Alpenraum vor. Tatsächlich durch -

streiften in früheren Zeiten viele Mineraliensucher

aus Venedig die Berge, um wertvolle Mineralien

und Steine zu finden. Ihre Fundstücke untersuchten

sie mit Lupen. Das gemeine Bergvolk wusste jedoch

nicht, welchen Zweck diese Lupen hatten

und hielt sie für magische Spiegel, mit denen

die geheimnisvollen Männer in den Berg

hineinsehen und Schätze entdecken konnten.

So rankten sich immer mehr Sagen um die

Venedigermännle, die bis heute noch

erzählt werden.

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Neuerscheinungen

/Edition.Allgaeu

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FREIZEIT

URLAUB:

ZEIT ZUM SCHMÖKERN

Wer sich auf den Urlaub im Allgäu einstimmen oder ihn

hingegen schon wieder ausklingen lassen muss, für den eignen

sich unsere Lesetipps. Dabei haben wir sowohl Reisende (auch

auf vier Rädern), Feinschmecker sowie Krimifans bedacht.

REISEFÜHRER ALLGÄU

Wer sich nicht entscheiden kann,

was er im vielfältigen Allgäu unternehmen

will, findet in diesem handlichen

Führer eine willkommene

Orientierung. Autor Ralph-Raymond

Braun beginnt seine Reise

im Allgäuer Flachland rund um

Mindelheim und führt Schritt für

Schritt in die Berge. Besonders

lesenswert und mit vielen historischen

Fakten garniert sind seine Stadtrundgänge.

Von Ralph-Raymond Braun, 360 Seiten,

38 Detailkarten, ISBN 978-3-956547164,

Preis: 18,90 €

SEEALPMORD

(ALLGÄUKRIMI)

Das Highlight des Jahres steht in

Oberstdorf an: Der Alpabtrieb und

die Kür der schönsten Kuh im Allgäu.

Das lässt sich Kommissar Egi

Huber nicht entgehen. Doch plötzlich

nimmt das Spektakel eine kuriose

wie tragische Wendung. Zwei

Leichen landen, an Gleitschirmen befestigt, in der Menschenmenge.

Nur langsam und mit ungebetener Hilfe der

Kripo Kempten kommt Egi dem Täter auf die Spur ...

Von Nicki Fleischer, Softcover, 344 Seiten,

ISBN: 978-3-95819-281-2, Preis: 15 €

WOCHENEND UND

WOHNMOBIL

Die Urlaubsregion Allgäu hat viel zu

bieten: historische Städte, aussichtsreiche

Wanderungen und deftige Allgäuer

Schmankerl. Dieses Buch ist der

ideale Ratgeber für die Wohnmobil-

Reisenden unter unseren Gästen. Es enthält alles, was man

für einen Kurztrip mit dem mobilen Zuhause braucht:

die schönsten Ziele der Region, Infos zu Campingplätzen

und praktische Tipps zu Aktivitäten rund um

die Stellplätze.

Von Mareike Busch, Softcover, 160 Seiten,

ISBN: 978-3-73431-688-3, Preis: 13,99 €

MEIN ALLGÄU-KOCHBUCH

Unzählige Fans hat die Küche des Allgäus gewonnen,

weil sie so einfach und ehrlich ist wie das Allgäu selbst.

Christian Henze, TV-Spitzenkoch und Allgäuer

mit Herz und Seele, präsentiert in

seinem Buch die Lieblingsgerichte der Region.

Behutsam hat er sie ins Hier und

Jetzt geholt, aber zugleich ihren authentischen

Geschmack bewahrt – mit Gelinggarantie

am heimischen Herd.

Von Christian Henze, Hardcover,

192 Seiten, ISBN 978-3-95453-

190-5, Preis: 26 €

MORDSKLAMM

(ALLGÄUKRIMI)

Ausgerechnet beim 10-jährigen Brauereijubiläumsfest

entdeckt der Braumeister des

Baschtl-Bräu nahe der Starzlachklamm eine

Leiche im Sudkessel. Dabei lautet sein Werbeslogan

doch: »Kristallklar wie das Wasser

der Starzlach!« Wer ist der Tote? Gibt es

einen Konkurrenten, der dem noch jungen,

aber erfolgreichen Brauhaus schaden

will? Hauptkommissar Forster ermittelt fieberhaft in

Brauereien, Biergärten und sogar auf der Allgäuer

Festwoche …

Von Mia C. Brunner, 284 Seiten,

Paperback, ISBN 978-3-8392-2739-8,

Preis: 14 €

IMPRESSUM

VERLAG & HERSTELLUNG:

Verlag HEPHAISTOS

EDITION ALLGÄU

Lachener Weg 2

87509 Immenstadt-Werdenstein

Tel. 08379/728016

Fax 08379/728018

info@heimat-allgaeu.info

www.edition-allgaeu.com

REDAKTION:

Viola Elgaß (v.i.S.d.P.), Claudia

Schöwe, Thomas Niehörster

Tel. 08379/728016,

viola.elgass@heimat-allgaeu.info

Gekennzeichnete Beiträge stellen

die Meinung des Ver fassers,

nicht aber des Verlages dar.

LAYOUT:

Ramona Alger, Bianca Elgaß,

Joshua Riedisser

TITELFOTOGRAF:

Heinrich Haberstock

ANZEIGEN:

Carolin Mathes,

carolin.mathes@heimat-allgaeu.info

Christian Vu,

christian.vu@heimat-allgaeu.info

Tel. 08379/728016;

gültige Anzeigenpreisliste: 1/2019

BANKVERBINDUNG

VERLAG:

Raiffeisenbank

Kempten-Oberallgäu eG,

IBAN: DE97733699200007126999,

BIC: GENODEF1SFO

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HOLZMANN DRUCK GmbH & Co. KG

Gewerbestraße 2

D-86825 Bad Wörishofen

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Kleines HELLES.

Großer GENUSS.

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