Kulturfenster Nr. 03|2020 - Juni 2020

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Poste Italiane SpA – Sped. in a.p.

-70% – NE BOLZANO – 72. Jahrgang

Nr. 3 | JUNI | 2020

Zweimonatszeitschrift

KulturFenster

Blasmusik, Chorwesen und Heimatpflege in Südtirol

Sei ein Adler

Chorsingen in Sicht?

Corona: Jetzt Schritte setzen

ABGESAGT

ES BLEIBT STILL

OHNE KULTUR


• Geleitwort •

• Inhalt •

• Blasmusik

Das Thema: Musik macht Mut 3

Alles nur Spaß!? Jahreshauptversammlung

des VSM-Bezirkes Schlanders 6

71. Jahreshauptversammlung des

VSM-Bezirkes Brixen 7

Tacet – oder warum wir unsere

Musikkapelle lieben 8

Die neue VSM – Homepage 10

Musik in Bewegung 11

Die Jugendseite 12

Blasinstrumente sind keine Virenschleudern 14

Share the Repertoire – das Kulturservice

für Dirigentinnen und Dirigenten 15

Das Blasmusikstudio – eine Initiative

der österreichischen Blasmusikjugend 16

Magari – Sunnseit Brass veröffentlicht CD 16

Gratulation Walter Ratzek zum 60er

und Sigismund Seidl zum 70er 17

Festkonzert der Musikkapelle Toblach

unter besonderen Vorzeichen 18

Ars Nova: Der Komponist Valentin Gasser

lässt die Würfel rollen 20

Musikpanorama 22

Motivation als Zauberwort

Motivation, das ist das zentrale Thema des

VSM in dieser Ausgabe des KulturFensters.

Autor eines bemerkenswerten Beitrages ist

Stefan Süssenbacher, Jahrgang 1981, aus

St- Veit an der Glan (Kärnten). Er hat mit der

Seminararbeit über Motivation den Lehrgang

für Führungskräfte des Österreichischen Blasmusikverbandes

(ÖBV) abgeschlossen. Motivation

ist für ihn – und nicht nur für ihn –

fürwahr ein Zauberwort. Doch was bedeutet

das? Motivation ist Leidenschaft, Kraft und

Mut, „etwas aus dir herauszuholen“, stellt er

fest. Man solle es dem Adler nachmachen.

Der habe den Überblick, kämpfe für sein Interesse,

motiviere sich und lasse sich motivieren.

Und noch eine wichtiger Appell des

Autors: Wenn du denkst, du kannst es, dann

kannst du es auch. Sein Resümee: „Sei konsequent

mit dir und mit dem, was du tust,

dann wirst du auch erfolgreich sein.“

Der Obmann des Südtiroler Chorverbandes,

Erich Deltedesco, bedauert, dass Singen im

Chor trotz gewisser Erleichterungen im Grunde

noch nicht möglich ist. Und gemeinsam singen

und nicht alleine, das sei vor allem das

• Chorwesen

Verbandsobmann Erich Deltedesco:

Zusammengehörigkeitsgefühl

im Chor wird wachsen 25

Chorsingen in Coronazeiten 26

Im Gedenken an Hildegard

Pernter Kostner 28

Konzertreise des Männerchores

Brummnet nach Südafrika 29

Fahnenweihe in Martell/Gratulation:

Hermann Schölzhorn wurde 70 30

Titelbild: Die Musikkapelle Reischach

war eine der ersten Kapellen, die die

Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie

zu spüren bekommen

haben – für das traditionelle Frühjahrskonzert

am 7. März war bereits alles

vorbereitet. Zwei Tage vor dem Konzerttermin

hieß es aber: „Nichts geht

mehr!" In der Folge mussten landauf

landab die Instrumente schweigen, und

die Konzertsäle bleiben leer.

Schöne, Erhebende beim Singen im Chor.

Zurzeit sei es so, dass höchstens Teilproben

für gewisse Register stattfinden könnten.

Eine Alternative, vor dem Computer zu singen,

wird von manchen lanciert. Aber Proben

und Konzerte mit realer Präsenz seien

durch kein PC-Programm zu ersetzen. Deswegen

hofft der Obmann, dass die ganz normale

Probentätigkeit bei einer weiteren Lockerung

der Einschränkungen bald wieder

möglich sein werde.

Der Heimatpfl egeverband hielt am 29. Mai

im großen Saal des Waltherhauses in Bozen

seine 70. Jahresversammlung ab. Infolge der

Coronakrise war es ein Zusammentreffen in

kleinstmöglichem Rahmen unter größtmöglichen

Sicherheitsvorkehrungen. Bei der fälligen

Neuwahl des Vorstandes wurde Claudia

Plaikner mit überwältigender Mehrheit

in ihrem Amt als Landesobfrau bestätigt. Sie

sieht in der Coronakrise eine Chance zu einer

nachhaltigen, bewussten Lebensweise.

Von der Politik fordert sie eine nachhaltige

zukunftstaugliche Sicht bei der Lösung von

Problemen.

• Heimatpflege

Alfons Gruber

Das Thema: Corona – Was kommt danach? 31

Interview mit Georg Kaser: „Gegen den

Klimawandel gibt es keinen Impfstoff“ 33

Offen, kritisch und aktiv

Ein Beitrag von Dr. Josef Vieider 35

Droht ein Rückschritt? Geht es auch

in Coronazeiten verpackungsfrei? 36

Unsere Gewässer – unsere Zukunft 37

70. Vollversammlung des HPV Südtirol

im Waltherhaus Bozen 40

Ein guter Tag für Langtaufers 41

Ein Jahr Netzwerk Kulturerbe 42

Fotowettbewerb: „Wildbach Innichen“ siegt 43

Meran - die Gartenstadt und das grüne Erbe 44

Heimatschutz heißt auch Naturschutz 46

Wiesmair – Kapelle in Lana fertig restauriert 48

Seiser Alm – Baggern trotz Krise 51

Im Gedenken an

Pfarrer Johann Oberhammer aus Taisten 52

Im Gedenken an Franz Simeoni 53

Im Gedenken Rosl Viehweider geb. Plattner 54

Arge Volkstanz: Hereinspaziert 55

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KulturFenster


Das Thema

Blasmusik

Musik macht Mut

… oder wie man sich für (seine) Träume motivieren kann

SEI EIN ADLER!

Norwegischer Seeadler – Foto: Günther Kamelger

Die Anforderungen an Führungskräfte steigen

stetig. Nicht nur beruflich, sondern auch im

Ehrenamt sind die Erwartungen an Vereinsobleute

sehr hoch. Stefan Süssenbacher aus

Kärnten hat vor einem Jahr den Lehrgang für

Führungskräfte des Österreichischen Blasmusikverbandes

(ÖBV) abgeschlossen. In

seiner Abschlussarbeit hat er sich mit dem

Thema „Motivation“ befasst. Im Folgenden

hat er uns die Zusammenfassung seiner Seminararbeit

zur Verfügung gestellt. Auf der

ÖBV-Homepage ist die vollständige Arbeit

abrufbar: https://www.blasmusik.at/seminardb/musik-macht-mut/

Motivation

Ein Wort begegnet uns heutzutage immer wieder:

MOTIVATION. Doch was genau ist diese

Motivation, wie bekomme ich sie, was kostet

sie mir und was kann ich damit machen?

Das Wort Motivation stammt ursprünglich

aus dem lateinischen „movere“ und bedeutet

so viel wie bewegen. Die Motivation

ist also ein Beweggrund; DEINE Leidenschaft

und DEINE Kraft etwas zu tun,

etwas aus DIR herauszuholen.

Wann warst du das erste Mal so richtig

motiviert? Vermutlich kannst du dich

nicht mehr genau daran erinnern! Es war

mit ungefähr einem Jahr. Da wolltest du

unbedingt laufen lernen! Nichts hat dich

von deinem Ziel abgehalten. Viele Male

bist du wieder auf deinem Hintern gelandet,

um von Neuem immer wieder aufzustehen

und endlich deinen ersten Schritt

zu tun. Deine Eltern haben dich angefeuert,

du selbst wolltest es unbedingt und so

hast du dein großes Ziel erreicht. Du hast

deinen ersten Schritt gemacht und konntest

von nun an die Welt aus einer neuen

Perspektive betrachten, andere Wege gehen,

Hindernisse überwinden, die bis dahin

unbezwingbar waren.

Würden wir all unsere Vorhaben mit dieser

Konsequenz angehen, wir könnten beinahe

alles erreichen.

Je älter man wird, desto leichter lässt

man sich von Rückschlägen die Motivation

nehmen. Oft hört man auch: „Das

schaffst du nicht, das brauchst du nicht“,

oder dergleichen.

Was du schaffen willst, oder was du

brauchst, entscheidest immer noch du

selbst. Du alleine hast die Kraft und den

Willen Dinge zu erreichen, die für andere

unerreichbar sind.

Welches Ziel hast du gerade jetzt vor Augen?

Möchtest du deinen Schulabschluss

machen, oder eine sportliche Herausforderung

bewältigen? Gibt es ein besonderes

Musikstück oder ein Musikinstrument, das

du gerade erlernen möchtest?

Nr. 02 | Juni 2020 3


Das Thema

I HAVE A DREAM

Martin Luther King (1929 – 1968) setzte sich für die Bürgerrechte der Afroamerikaner in den USA ein, wobei er vor allem den

gewaltfreien Kampf propagierte. Er wurde am 4. April 1968 in Memphis, Tennessie, bei einem Attentat ermordet. Legendär ist

seine Rede „I have a dream“, die er 1963 vor mehr als 250.000 Menschen beim Lincoln Memorial in Washington D.C. hielt.

Keine Herausforderung ist zu groß, du

alleine bestimmst, welche Herausforderung

du annehmen möchtest und mit

welchem Aufwand, mit wie vielen Schritten,

du dein Ziel erreichen wirst. Lass dir

das Eine nicht nehmen: Deine Vision und

deinen Traum!

Träume!

Ein weiteres Wort, das unmittelbar mit dem

Thema Motivation in Verbindung steht, ist

somit das Wort TRÄUMEN! Wer keine Visionen,

Ziele und eben Träume hat, der

Jürgen Höller, Jahrgang 1963,

ein bekannter deutscher

Motivationstrainer, hat trotz mehrerer

Pleiten immer wieder erfolgreiche

Unternehmen aufgebaut.

kann auch nicht durch sich selbst oder

andere motiviert werden.

„I have a dream.“

(Martin Luther King)

Diesen Spruch prägte Martin Luther King.

Im täglichen Leben ist es wichtig, Ziele

zu haben und diese auch ständig neu zu

definieren. Man wird nicht jedes Ziel erreichen,

doch wird man erkennen, dass

auf dem Weg zum Ziel vieles auf einen

zukommen kann.

Sich auf den bereits erarbeiteten Lorbeeren

auszuruhen ist der falsche Weg.

Nur durch neue Impulse und Erfahrungen

können sich neue Ideen entfalten und

neue Ziele gesteckt werden. Viele Male

in deinem Leben kommst du an eine

Wegkreuzung und du musst dich entscheiden,

welchen Weg du gehen wirst.

Du weißt nicht, was dich am Ende des

Weges erwartet, doch nur du kannst es

herausfinden.

Sei ein Adler!

„Einer alten indischen Schöpfungsgeschichte

zufolge schuf Gott zunächst eine

Muschel und legte sie auf den Meeresboden.

Dort führte sie kein aufregendes Leben.

Den ganzen Tag über tat sie nichts

anderes, als ihre Klappe zu öffnen, etwas

Meerwasser hindurchfließen zu lassen

und dann wieder die Klappe zu schließen.

Tagaus, tagein gab es für sie nichts anderes

als Klappe auf, Klappe zu, Klappe

auf, Klappe zu, Klappe auf, Klappe zu …

Dann schuf Gott den Adler. Ihm gab

er die Freiheit zu fliegen und selbst die

höchsten Gipfel zu erreichen. Es existierte

fast keine Grenze für ihn. Allerdings

zahlte der Adler für diese Freiheit

einen Preis: Täglich musste er um seine

Beute kämpfen. Nichts fiel ihm einfach

so zu. Wenn er Junge hatte, musste er

oft tagelang jagen, um genügend Futter

heranzuschaffen. Aber diesen Preis bezahlte

er gerne. Schließlich schuf Gott

Mary Kay Ash (1918 – 2001) hat 1963

mit der Gründung der weltweit agierenden

Firma „Mary Kay Ash Cosmetics“ den

Beweis angetreten, dass auch Frauen

erfolgreich Unternehmen leiten können.

4

KulturFenster


Blasmusik

Zur Person:

Stefan Süssenbacher, geboren am 26. Juni 1981 in

St. Veit an der Glan ist Beamter des Amtes der Kärntner

Landesregierung und seit Oktober 2019 Landesobmann-

Stellvertreter des Kärntner Blasmusikverbandes (KBV).

Er ist Mitglied des Eisenbahner-Musikvereins Stadtkapelle

St. Veit an der Glan (Trompete und Flügelhorn) und seit

2014 dessen Obmann. Zudem ist er EDV-Referent des KBV

(seit 2004) und Pressereferent des Blasmusikverbandes

St. Veit (seit 2018).

den Menschen und führte ihn zuerst zu

der Muschel und anschließend zum Adler.

Dann forderte er ihn auf, sich zu entscheiden,

welches Leben er führen wolle.“

(Schäfer, 2003)

Entscheide dich dazu, ein Adler zu

sein! Adler sein bedeutet, nicht abgehoben

zu sein, sondern einen Überblick

zu haben; um sein Interesse zu kämpfen,

sich zu motivieren und auch motivieren

zu lassen.

„Sei nie zu feige, etwas zu tun, was

dein Leben verändern könnte, denn

es könnte deine größte Chance sein,

wenn du den Mut dafür aufbringst.“

(Jürgen Höller)

Verbünde dich mit deiner

Motivation!

Du musst für dich selbst entscheiden, ob

du dich mit der Motivation verbündest.

Wenn du es tust, dann wirst du auch Erfolg

und Freude am Tun haben. Den Weg,

den du eingeschlagen hast, ist noch niemand

vor dir gegangen, es ist dein Weg.

Du wirst stolpern, du wirst Steine auf deinem

Weg finden, doch denke immer daran:

Mit vielen Steinen kannst du dir einen

Weg über den Fluss bauen und ihn

überqueren; du kannst dir einen Berg

erschaffen und diesen Berg bezwingen.

Fliege wie ein Adler durch die Lüfte, betrachte

dein Umfeld und erkenne den

richtigen Weg für dich und deinen Musikverein.

Sei offen für Neues und

nimm es an!

Es ist niemals zu spät, sich weiterzuentwickeln.

Nutze deine Zeit sinnvoll. Was

sind deine Visionen für die Zukunft? Stecke

dir Ziele! Lass Träume zu! Stelle dich

neuen Herausforderungen!

Wir haben heute so viele Möglichkeiten

uns weiterzubilden. Viel zu lange beschäftigen

wir uns mit unwichtigen Dingen im

Leben. Nur DU selbst kannst dich zu dem

Menschen entwickeln, der du sein willst.

„Wenn du denkst, du kannst etwas,

kannst du es. Und wenn du denkst,

du kannst es nicht, hast du recht.“

(Mary Kay Ash)

Denke also immer daran, dass du deine

dir gestellten Aufgaben bewältigen kannst.

Stelle dich auf deine eigenen Beine und

nimm dein Leben in die Hand. Die Musik

gibt dir die KRAFT, sie gibt dir MUT und

sie gibt dir die MACHT. Nutze deine Fähigkeiten,

die du durch das Spielen deines

Instrumentes hast. Vieles, das man

zum Erlernen eines Instrumentes benötigt,

ist für dein ganzes Leben umsetzbar.

Sei konsequent mit dir und dem, was du

tust, dann wirst du erfolgreich sein!

KulturFenster

Redaktion KulturFenster

Ihre Beiträge (Texte und Bilder) für die Blasmusikseiten senden Sie bitte an: kulturfenster@vsm.bz.it

Redaktionsschluss für die nächste Ausgabe des KulturFensters ist Freitag 17. Juli 2020.

Nr. 02 | Juni 2020 5


Aus Verband und Bezirken

„Alles nur Spaß!?“

Am Sonntag, 26. Januar, lud der Bezirk

Schlanders des Verbandes Südtiroler Musikkapellen

zu seiner diesjährigen Jahreshauptversammlung

in den Vereinssaal von

Tschengls ein.

Bei musikalischer Umrahmung durch

die gastgebende Musikkapelle Tschengls

konnte sich Bezirksobmann Florian Müller

über die vollzählige Teilnahme aller 23

Mitgliedskapellen des Bezirkes freuen. Die

Delegierten der Mitgliedskapellen vertraten

dabei die 1.117 Mitglieder der Mitgliedska-

Jahreshauptversammlung des

VSM-Bezirks Schlanders in Tschengls

pellen, was einer durchschnittlichen Mitgliederanzahl

von 48,56 entspricht. Davon

sind 612 Mitglieder männlich (54,79%) und

505 Mitglieder weiblich (45,21%). Der Altersdurchschnitt

liegt bei 33,13 Jahren, wobei

das älteste Mitglied mit 88 Jahren noch

aktiv ist und das jüngste bereits mit 9 Jahren

musiziert.

Wie bei Jahreshauptversammlungen üblich,

wurde die Möglichkeit genutzt, um einen

Rückblick auf das vergangene Musikjahr

zu geben. Bezirksschriftführer Martin

Bezirksjugendleiter Josef Kofler, Bezirkskapellmeister Dietmar Rainer, Bezirksobmann

Florian Müller, Verbandsobmann Pepi Fauster, Verbandskapellmeister Meinhard

Windisch (verdeckt) und Verbandsgeschäftsführer Andreas Bonell (v. l.) bei der

Jahreshauptversammlung des VSM-Bezirkes Schlanders

Punter ließ dieses bildlich und in Kurzform

Revue passieren. Genauere Informationen

zum Tätigkeitsjahr lieferten dazu die jeweiligen

Fachbereichsleiter. Besonders erwähnenswert

dabei war sicherlich die gelungene

VSM-Marschmusikbewertung in Latsch. Der

Bezirksobmann und der Bezirksstabführer

Erwin Rechenmacher bedankten sich dabei

vor allem bei der Bürgerkapelle Latsch

für die tadellose Organisation vor Ort sowie

bei allen teilnehmenden Kapellen, besonders

jenen aus dem eigenen Bezirk, für die

gelungene Veranstaltung.

Im Fachbereich Jugend zeigte sich Bezirksjugendleiter

Josef Kofler über einen

neuen Teilnehmerrekord von 75 Jugendlichen

bei den Bezirks-Jungbläsertagen in

der Fürstenburg in Burgeis hoch erfreut.

Zeitgleich lud er aber auch alle Mitgliedskapellen

dazu ein, die Jugendlichen zu den

Jungbläserwochen des Verbandes zu schicken,

da sie das notwendige musikalische

Niveau dafür besäßen.

Bezirkskapellmeister Dietmar Rainer gelang

es für das diesjährige Gastreferat den

Verbandskapellmeister Meinhard Windisch

zu gewinnen. Unter dem Thema „Alles nur

Spaß!?“ gelang es ihm dabei in kurzweiliger

und zum Teil amüsanter Art und Weise wertvolle

Tipps zur Probenarbeit im Speziellen

und dem Miteinander in einer Musikapelle

im Allgemeinen zu geben.

Ein Bestandteil jeder Bezirksversammlung

sind auch die Berichte der Verbandsvorstandsmitglieder.

Dabei wusste Verbandsobmann

Pepi Fauster über den erneuten

Stillstand bei der Reform des „Dritten Sektors“

zu berichten. Verbandskapellmeister

Meinhard Windisch hingegen zeigte sich

erfreut über die positive Entwicklung der

mittlerweile landesweit etablierten Kapellmeisterausbildung,

während Verbandsstabführer

Klaus Fischnaller eine neues Probenkonzept

bei Marschierproben sowie

das geplante Jugendfestival im Jahr 2021

ankündigte, bei welchem unter anderem

auch die Musik in Bewegung im Vordergrund

stehen soll.

Dank- und Grußworte überbrachten zudem

Verena Tröger in ihrer Eigenschaft als

Kulturreferentin der Gemeinde Laas sowie

der Obmann der gastgebenden Musikkapelle

Tschengls, Hans-Jürgen Riedl.

Im Anschluss an die Jahreshauptversammlung

lud die Musikkapelle Tschengls

alle Delegierten zu einem gemeinsamen

Mittagessen ein.

Florian Müller

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KulturFenster


Blasmusik

71. Jahreshauptversammlung

des VSM-Bezirkes Brixen

Bernhard Reifer und Albuin Meraner sind die neuen Bezirkskapellmeister

Gute Nachrichten kommen aus dem VSM-Bezirk

Brixen, der heuer seine Jahreshauptversammlung

am 29. Februar in Milland abhielt.

Nachdem die Position des Bezirkskapellmeisters

sowie dessen Stellvertreters

im VSM-Bezirk Brixen für ein Jahr vakant

geblieben war, ist der Ausschuss seit der

heurigen 71. Jahreshauptversammlung

wieder (fast) komplett. Bernhard Reifer von

der Musikkapelle Peter Mayr Pfeffersberg

wurde von der Vollversammlung einstimmig

zum Bezirkskapellmeister gewählt, Albuin

Meraner von der Musikkapelle Feldthurns

zum Bezirkskapellmeister-Stellvertreter. Die

Funktionen des Jugendleiter-Stellvertreters

sowie des Schriftführers sind nach wie vor

unbesetzt. Die Aufgaben des Schriftführers

übernimmt inzwischen weiterhin Bezirksobmann

Pepi Ploner.

Bei der Bezirksversammlung in Milland

waren alle 28 Mitgliedskapellen des Bezirkes

vertreten. Vom Verbandsvorstand

waren Obmannstellvertreter Christian

Schwarz, Verbandskapellmeister Meinhard

Windisch sowie Verbandsstabführer Klaus

Fischnaller anwesend. Die Stadtgemeinde

Brixen vertrat Stadträtin Paula Bacher. Einen

herzlichen Willkommensgruß richtete

Obmann Pepi Ploner auch an die Ehrenmitglieder

Toni Profanter und Sepp Mitterrutzner.

Stellvertretend für alle im vergangenen

Jahr verstorbenen Musikanten des

Bezirkes gedachte die Vollversammlung

des langjährigen Mitgliedes im Bezirksvorstand,

Walter Messner, der zudem 60

Jahre lang aktiver Musikant der Musikkapelle

Gufidaun war.

Neben den protokollarisch vorgesehenen

Berichten berichtete Bezirksjugendleiterin

Anna Vonmetz über die Tätigkeit des

vergangenen Jahres in Sachen Jugendarbeit.

Neben der Prüfung zur Erlangung

der Jungmusiker-Leistungsabzeichen am

1. Juni waren die Bezirksjungbläserwoche

„Summer Sounds“ Ende August sowie das

Adventkonzert „Spiel in kleinen Gruppen“

Anfang Dezember die Schwerpunkte.

Die 71. Jahreshauptversammlung mit musikalischem Rückhalt: (v.l.) Bezirksobmann

Pepi Ploner, Verbandskapellmeister Meinhard Windisch, Verbandsstabführer Klaus

Fischnaller, Stadträtin Paula Bacher (verdeckt) und Bezirksstabführer-Stellvertreter

Stefan Ploner vor dem Saxophonensemble der MK Milland

Bezirksstabführer Oskar Zingerle berichtete

über die inzwischen etablierten Neuerungen

im Bereich der Stabführer-Ausbildung. Das

Stabführer-Leitungsteam mit Oskar Zingerle

und dessen Stellvertreter Stefan Ploner

machte bei der Landesjungbläserwoche

im Vinzentinum sowie bei der Bezirksjungbläserwoche

in Natz den Nachwuchsmusikanten

die Musik in Bewegung auf kurzweilige

Art schmackhaft.

Bezirksobmann Pepi Ploner bedankte sich

abschließend bei allen für ihre Mitarbeit, besonders

bei jenen Musikkapellen, die eine

Veranstaltung des Bezirkes organisatorisch

mitgetragen oder sonst einen Dienst erwiesen

haben. Die 72. Jahreshauptversammlung

des VSM Bezirkes Brixen findet nächstes

Jahr in Mühlbach statt. Ein großer Dank

gilt dem Saxophon-Ensemble der Musikkapelle

von Milland für die musikalische Umrahmung

der Versammlung. In

diesem Sinne bedankte sich der

Obmann bei allen und schloss

die Jahreshauptversammlung

mit dem Wunsch auf ein erfolgreiches

Musikjahr 2020

im Zeichen von Harmonie und

Freude.

Oskar Zingerle

Bezirksjugendleiterin Anna

Vonmetz und Bezirkskassier

Helmuth Nitz

Nr. 02 | Juni 2020 7


Aus Verband und Bezirken

Tacet - oder: Warum wir unsere

Musikkapelle lieben

Ein Lagebericht aus Vöran

Die Musikkapelle Vöran hat kürzlich auf

Facebook den folgenden Text veröffentlicht,

der im Grunde uns allen aus der Seele

spricht und wohl für alle unsere Musikkapellen

steht:

„TACET“ kommt aus dem Lateinischen

und bedeutet er/sie/es schweigt. In der musikalischen

Fachsprache bedeutet TACET,

dass die Musizierenden pausieren. Es ist

nur ein Wort und dennoch beschreibt es

perfekt die aktuelle Situation. Wie ein Wirbelsturm

ist dieses TACET plötzlich über

uns hereingebrochen. Über die Erde, über

Europa, über Italien, über Südtirol, über

unser Dorf und letztendlich auch über die

Musikkapelle Vöran. Es war Anfang März,

wenige Wochen vor unserem Saisonhöhepunkt,

dem Frühjahrskonzert. Rund zwei

Monate intensiver Probenphase lagen

schon hinter uns. Es war dieser Moment,

in dem man merkt: Oha, jetzt wird’s langsam

ernst, jetzt müssen wir noch gehörig

Gas geben, damit wir die Stücke ordentlich

über die Bühne bringen können. Es

war der Moment, wo, wie in jedem Jahr,

die Anspannung und das Kribbeln, aber

auch die Vorfreude auf das Frühjahrskonzert

merklich größer wurden. Kurzum –

Endspurt war angesagt. Doch just in diesem

Moment kam „Corona“ über uns, wie

ein plötzliches Sommergewitter, auch wenn

die dunklen Wolken bei genauem Hinsehen

schon seit einiger Zeit am Himmel zu

sehen gewesen waren. Am 05. März trafen

wir eine in dieser Form noch nie da gewesene

Entscheidung: Das für den 21. März

angesagte Frühjahrskonzert 2020 wurde

abgesagt, jegliche Probentätigkeit wurde

von heute auf morgen eingestellt. Anfangs

noch im Glauben, wir könnten das Konzert

im April nachholen, wurden wir relativ

schnell von der Realität eingeholt. Am

14. April gab es eine weitere Premiere in

der Geschichte der Musikkapelle Vöran:

Die erste vollkommen digital abgehaltene

Ausschusssitzung. Aufgrund der neuesten

Entwicklungen war uns zu diesem Zeitpunkt

klar, dass unser „TACET“ wohl länger andauern

würde, und wir mussten die Einstellung

unserer Tätigkeit bis auf Weiteres

beschließen. Keine Proben, keine Konzerte,

8

KulturFenster


Blasmusik

„Corona“ kam über uns wie ein

plötzliches Sommergewitter.

keine Veranstaltungen, keine Böhmische,

keine Jugendkapelle. Von 100 auf (fast) 0

innerhalb weniger Wochen. Die aufwendige

Jahresplanung dahin. Eine nie da gewesene

Situation seit Bestehen der Musikkapelle.

Doch was sind die Folgen? Was

macht das mit uns? Sicher, im Moment

sind die Probleme andere. Viele bangen

um die Gesundheit, um den Arbeitsplatz,

schlicht und einfach um die Existenz. Da

ist der Verein im Moment zweitrangig und

doch stellt sich die Frage, was macht unser

Leben aus? Ist es die Arbeit? Die Familie?

Oder sind es nicht auch, oder sogar

vor allem die sozialen Kontakte, die Hobbys,

der Sport, einfach alles, was wir in unserer

Freizeit gerne machen?

Welche Rolle spielen die Vereine, ob

nun Musikkapelle, Sportverein, Schützen,

Feuerwehr, Kirchenchor, Tuning-

Club usw. für unser eigenes und nicht

zuletzt auch für unser gemeinsames gesellschaftliches

Leben in Vöran? Das Beispiel

Musikkapelle macht es deutlich. Oft

fühlten wir uns vor Corona vielleicht gestresst,

wenn wieder mal Probe angesagt

war, obwohl wir uns lieber zuhause auf

dem Sofa ausgeruht hätten. Häufig ärgerten

wir uns, wenn die Probe wieder mal

ein bisschen länger dauerte. Ja, ab und

an kam dem einen oder anderen Musikanten

auch mal der Gedanke, dass ihm

alles zu viel wird. Und jetzt? Anfangs ging

es noch. Man dachte sich: „Die paar Wochen

werden wir schon überstehen." Ja,

manch einer freute sich sogar über die ruhige

Zeit, den fehlenden Stress, die viele

Freizeit. Doch relativ schnell tat sich diese

Leere auf. Das Instrument und die Noten

lagen griffbereit, aber was sollte man damit

tun? Üben? Klar, jetzt hatte man ja endlich

mal Zeit dafür! Aber nach kurzer Zeit

stellte sich die Frage, wofür? Für welches

Ziel? Und so ließ das Übepensum relativ

rasch nach. Plötzlich wurde jede Blasmusiksendung

im Radio zur Qual, weil

jede gehörte Polka die Sehnsucht nach

gemeinsamem Musizieren weckte. Aufnahmen

unserer Konzerte und YouTube

wurden zur Rettung, wenn die Entzugserscheinungen

allzu groß wurden. Aber

neben dem Musizieren merkte man immer

mehr, dass vor allem eins fehlte: der

Kontakt zu den anderen Musikanten, den

Gleichgesinnten, den Kollegen und Freunden,

das gesellige Zusammensitzen nach

den Proben und Auftritten, ja, man vermisste

plötzlich sogar die manchmal auftretenden

Meinungsverschiedenheiten.

Oder, wie es eine Musikantin in unserer

vereinsinternen WhatsApp-Gruppe treffend

formulierte: „Des blede Redn vermisst

men jo schun felli.“ Vielleicht ist das

Ganze letztendlich ja eine Lehre für uns

und wir lernen einige Dinge wieder (mehr)

schätzen. Zum Beispiel, dass wir uns frei

bewegen dürfen, dass wir arbeiten dürfen

(und nicht müssen), aber vor allem, dass

wir die Möglichkeit haben, unsere sozialen

Kontakte zu pflegen, indem wir unserer

Vereinstätigkeit (welcher Art auch

immer) nachgehen. Vielleicht sollten wir

in Zukunft mit dem Bewusstsein, dass wir

dürfen und nicht müssen, zur Probe gehen,

uns nicht mehr beschweren, wenn

der Kapellmeister mal wieder überzieht

und vor allem jeden Moment, den wir in

unserem Verein verbringen dürfen, genießen,

denn man weiß nie, wann das nächste

TACET im Notenblatt des Lebens steht

und wie lange es anhält.

Liebe Vöranerinnen und Vöraner: Wir

wissen nicht, wie lange diese Zeit anhält,

wir wissen nicht, wann wir wieder musizieren,

Veranstaltungen abhalten oder bei

euch zuhause um eure Unterstützung bitten

dürfen. Aber eines können wir zu diesem

Zeitpunkt versprechen: Nach diesem TA-

CET werden wir vielleicht in einem PIANO

(leise) beginnen. Dies wird aber rasch in

ein CRESCENDO (immer lauter werdend)

übergehen und früher oder später wird daraus

wieder ein FORTISSIMO (möglichst

laut/stark) werden, das wir alle gemeinsam

im Bewusstsein, was wir an uns haben,

mehr denn je genießen werden.

Eure Musikkapelle Vöran

Wir bedanken uns bei der Musikkapelle

Vöran, die uns den Text freundlicherweise

zur Veröffentlichung freigegeben hat und

somit auch jenen zur Verfügung stellt, die

nicht in den Sozialen Medien präsent sind.

Neben dem Musizieren merkte man immer mehr, dass vor allem eins fehlte: der

Kontakt zu den anderen Musikanten, den Gleichgesinnten, den Kollegen und

Freunden, das gesellige Zusammensitzen nach den Proben und Auftritten …

Nr. 02 | Juni 2020 9


Aus Verband und Bezirken

Die neue VSM-Homepage

Am 29. Mai 2020 ist die neue VSM-Homepage freigeschaltet worden.

Der Verband Südtiroler Musikkapellen ist

seit 2004 im Internet mit einem eigenen

Auftritt präsent.

10 Jahre später wurde die VSM-Internetseite

grundlegend erneuert und den damaligen

Erfordernissen angepasst. Seit 1.

Juni 2014 war die Homepage in der bisher

bekannten Form online und wurde laufend

mit den aktuellen Informationen und Daten

bestückt. Um den heutigen, teils geänderten

Anforderungen gerecht zu werden und auch

neue Techniken nutzen zu können, wurde

die Homepage nun grundlegend erneuert.

In Zusammenarbeit mit der Werbeagentur

„Effekt!“ aus Neumarkt haben die einzelnen

Fachgruppen des VSM-Vorstandes in

den letzten Monaten die Struktur und die

Inhalte des Internetauftritts analysiert, besprochen,

ergänzt und erneuert.

Wer seit 29. Mai die Internetadresse

„www.vsm.bz.it“ aufruft, dem öffnet sich

die VSM-Homepage nicht nur in einem

völlig neuen Erscheinungsbild, sondern

auch mit neuen Inhalten und Angeboten.

Zudem wird es möglich sein, in Zukunft

die Anmeldungen zu den VSM-Kursen

über das Onlineportal zu machen. Reinklicken

lohnt sich!

Stephan Niederegger

VSM-Medienreferent

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KulturFenster


Musik in Bewegung:

Flexibel und kreativ

Blasmusik

24.–25.10.2020

Leistungsabzeichen

2020

Prüfungstermine

http://www.vsm.bz.it/2020/04/20/

juni­pruefungen­abgesagt/

Aus der Corona-Not eine musikalische Tugend machen

Das Logo von Musik in Bewegung

Nachdem die im Frühjahr eingeführten Einschränkungen

zur Eindämmung der Corona­Pandemie

nun schrittweise gelockert

werden, hat sich auch Verbandsstabführer

Klaus Fischnaller Gedanken um mögliche

Neustart­Szenarien in Sachen Musik in Bewegung

gemacht. „Marschauftritte sind bekanntermaßen

nach wie vor nicht erlaubt.

Daher müssen wir als Stabführer kreativ

sein und neue Wege fi nden, uns weiterzuentwickeln

oder Musik in Bewegung trotz

Einschränkungen möglich zu machen“, sagt

Fischnaller.

Online-Tools

Für Aus- und Weiterbildungsangebote

werden die Stabführer auf die inzwischen

vielfach etablierten Online-Tools zurückgreifen.

„Wir möchten einen Grundkurs

für Interessierte im Einzelunterricht anbieten.

Vielleicht können wir damit auch

Musikantinnen und Musikanten ansprechen,

für die die Anmeldung zu einem

‚regulären‘ Kurs bisher eine zu große

Hürde darstellte“, erklärt der Verbandsstabführer.

Es gibt zwei bis drei Online-

Einheiten. Auf Wunsch kommt ein Ausbilder

für eine praktische Probe direkt

zur jeweiligen Kapelle, sobald dies wieder

machbar ist.

Erprobten Stabführern bietet die Fachgruppe

eigens zugeschnittene Online-Module

an. Da es sich auch hier um Einzelmeetings

handelt, kann der Inhalt sogar

individuell abgestimmt werden. Konkret

denke man an die Möglichkeit eines Stabführers,

Zeichengebung und Stabführung

zu verbessern: „Wir können Anregungen

zur Probengestaltung geben“, präzisiert

Fischnaller.

Workshops

Ob das geplante Jugendfestival am 25.

und 26. April 2021 stattfindet, wird im Oktober

2020 entschieden. Unabhängig davon

möchte Fischnaller ein Angebot für die

Jugend zum Thema Filmmusik und Musical

in Kombination mit Bewegung anbieten.

Möglich wäre etwa ein Workshop

mit den Kindern und Jugendlichen vor

Ort. „Sollten es die Umstände wieder zulassen,

soll es auch eine Aufführung geben“,

so Fischnaller.

Alle Angebote sind kostenlos und die

Teilnahme freiwillig und werden den Be-

dürfnissen der Teilnehmer angepasst. Es

werden bewusst keine fi xen Termine ausgeschrieben,

denn wir möchten uns so flexibel

wie irgendwie möglich den Anfragen

und Bedürfnissen anpassen.

Marschierproben in kleinen

Gruppen

Als Gedankenanstöße für mögliche

Neustart-Szenarien nennt der Verbandsstabführer

zudem Marschproben in kleinen

Gruppen mit Schwerpunkt auf Bewegungselemente,

Flashmob-Auftritte mit

Sicherheitsabstand, spontane Marschkonzerte,

Musikwanderungen sowie Musik-Tanz

und Show im Kleinen. „Versuchen

wir doch gemeinsam die Musik mit

Bewegung neu und interessant zu gestalten,

wobei natürlich der gesundheitliche

Aspekt im Vordergrund stehen muss.“ Für

alle Fragen stehen Klaus Fischnaller sowie

die Stabführer-Fachgruppe mit ihren Bezirksstabführern

zur Verfügung.

Stephan Niederegger

VSM-Medienreferent

Nr. 02 | Juni 2020 11


Die Jugendseite

Eine musikalische Erfolgsgeschichte

rund um den Ploseberg

Die JuKa Lüsen/St. Andrä

Begeisterung für die Musik, aber auch Unterhaltung und Spaß, das alles gehört zum Programm der Jugendkapelle

Lüsen/St. Andrä.

Wie alles begann

Als die drei jungen Frauen Carolin Profanter,

Helene Astner und Lisa Fischnaller

2012 in ihren jeweiligen Kapellen die

Jugendleitung übernahmen, wurde zeitgleich

der Wunsch nach einer gemeinsamen

Jugendkapelle geboren und noch

im selben Jahr in die Tat umgesetzt. Das

dörferübergreifende Projekt mit den drei

musikalischen Leiterinnen und den anfänglich

rund 30 Jungmusikantinnen und

–musikanten war bereits im ersten Jahr

ein voller Erfolg.

Schon bald war klar: Es sollte nicht nur

bei einem Projekt bleiben. Die Anzahl der

Mitglieder stieg stetig und die Jugendkapelle

wurde um Jungmusiker aus Afers

erweitert. 2014 übernahm die Lüsner Jugendleiterin

Brigitte Kaneider die mittlerweile

doch aufwändig gewordene Organisation.

Zusammensitzen, Spaß haben,

Musizieren und natürlich Konzerte spielen:

das war von Anfang an das Motto der

Jugendkapelle. Die bunt zusammengemischte

Jugendkapelle vom Ploseberg

und Lüsnertal ist mittlerweile ein eingespieltes

Team, vom Dorfleben nicht mehr

wegzudenken und über das Eisacktal hinaus

bekannt. Die Jugendkapelle Lüsen/St.

Andrä: ein Garant für coole Musik,

mitreißende Konzerte und natürlich

viel Spaß. Die musikalische Leitung obliegt

zur Zeit Carolin Profanter, Annalena

Larcher, Dominik Pramsohler und Kilian

Kier. Neue Projekte, neuer Schwung und

viel Begeisterung; so lässt sich die Jahresplanung

der Jugendkapelle Lüsen/St.

Andrä beschreiben.

Die Jugendkapelle, ihre

Tätigkeit und Organisation

Die Jugendkapelle Lüsen/St. Andrä gibt

es seit mttlerweile acht Jahren. Sie besteht

aus insgesamt 44 jungen Musikantinnen

(27) und Musikanten (17) - im

Alter zwischen 10 und 19 Jahren, wobei

das Durchschnittsalter 13 bis 14 Jahre

beträgt. Die Besetzung umfasst alle Register,

die in einer Musikkapelle bzw. Jugendkapelle

üblich sind.

Die Organisation liegt derzeit in den

Händen von Brigitte Kaneider, in Zusammenarbeit

mit Katharina Egger, Verena

Prosch und Sandra Hofer.

Begonnen wird meistens in der närrischen

Zeit. Die Jugendkapelle begleitet

die Faschingsumzüge in Lüsen und St.

Andrä musikalisch mit anschließendem

Kurzkonzert und Showeinlagen. In diese

Zeit fällt ebenfalls die Instrumentenvorstellung,

bei welcher sich unsere Jungmusikanten

immer wieder gerne beteiligen.

Anfang Juli startet unsere intensive

Probenphase, das Highlight ist dabei unser

mehrtägiges Hüttenlager.

Dort holen wir uns den letzten Feinschliff,

erleben tolle Abenteuer, genießen

die Gemeinschaft und haben natürlich

viel Spaß. Das Erlernte präsentieren

wir dann bei Konzerten in Lüsen, St. Andrä,

Afers und bei Austauschkonzerten

mit anderen Jugendkapellen. Ein einzigartiges

Projekt war das Musical „Paul der

Pinguin" in Zusammenarbeit mit den vier

Grundschulen der Dörfer. Im Dezember

nehmen wir meistens am „Spiel in kleinen

Gruppen", organisiert vom VSM-Bezirk

Brixen, teil. Die Kinder werden für

ihren tollen Einsatz mit einem lustigen

Überraschungstag belohnt.

Interview und Koordination:

Hans Finatzer, VSM-Verbandsjugendleiter

12

KulturFenster


Blasmusik

Die musikalische Leitung

Zwei Kapellmeisterinnen und ebenso viele Kapellmeister stehen

abwechselnd am Dirigentenpult der JuKa Lüsen/St. Andrä

Sie kommen aus St. Andrä bzw. aus Lüsen.

Carolin Profanter, von Beruf Lehrerin, spielt selbst Querflöte:

„Meine erste Blasmusikerinnerung ist mein Papi, der mit Herz

und Seele Musikant ist. Schon von klein auf war bzw. ist Musik

ein Teil meines Lebens und spielt eine große Rolle.“

Annalena Larcher ist ebenfalls Querflötistin und von Beruf technische

Zeichnerin. Über ihre erste Blasmusikerfahrung sagt sie:

„Als ich als kleines Kind zur Prozession gehen durfte, hat mir

die musikalische Begleitung der Musikkapelle immer gefallen.“

Kilian Kier ist Schüler und Posaunist:

„Schon als kleiner Junge haben mich die verschiedenen Gruppen

auf den Festen fasziniert, unter anderem das Osterkonzert

und die Frühschoppen. Da mein großer Bruder Trompete

lernte, und ich das toll fand, bin ich zu einer Instrumentenvorstellung

gegangen, wo ich mich dann für das Erlernen der Posaune

entschieden habe.“

Ganz im Zeichen der Musik: die Jugendkapelle

Lüsen/St. Andrä

Für den Saxophonist Dominik Pramsohler – auch er ist Schüler

– ist die erste Blasmusikerfahrung

„das Stück ‚Jingle Bells‘ , welches ich im ersten Musikschuljahr

zu Hause ständig geübt habe, damit ich es in der Grundschule

vorspielen konnte. Mein Vorhaben war, bereits im Winter

etwas vorspielen können. Es war auch das erste Stück, das

ich auswendig spielen konnte.“

Eine junge Musikantin stellt sich vor:

EVA

Mein Name: Eva Stockner

Alter: 10

Ich spiele: Klarinette

Ich lerne dieses Instrument, weil es Spaß und Freude macht und cool ist.

In meiner Freizeit höre ich gerne: alles bunt gemischt, Pop …

Was gefällt dir besonders an der JuKa? Viele Freunde spielen mit, gemeinsam werden

tolle Lieder gespielt, die Betreuer sind volle cool, die Hüttenlager

3 Dinge, die du auf eine einsame Insel mitnehmen würdest: Klarinette, Wasser und

eine Freundin

Wenn ich einen Wunsch frei hätte … würde ich gerne unsichtbar sein.

Nr. 02 | Juni 2020 13


Blasmusik International

Blasinstrumente sind keine

Virenschleudern!

Trompete, Klarinette & Co unter Verdacht

Aufgrund der aktuellen Situation wurden

Blasinstrumente vermehrt als „Virenschleudern“

und „Virenduschen“ bezeichnet. Um

politische Entscheidungsträger korrekt informieren

zu können, aber auch die oben

genannten Bezeichnungen mit fundiertem

Expertenwissen zu widerlegen, hat der Österreichische

Blasmusikverband (ÖBV) Prof.

Wilfried Kausel von der Universität für Musik

und darstellende Kunst Wien (MDW) um

seine Expertise gebeten.

Seinen Berechnungen und Experimenten

nach gibt es mit Blasinstrumenten

keinen Luftausstoß,

der über das

ruhige kräftige Atmen

hinausgeht. Ob beim

Schmettern im Fortissimo

Tröpfchen

in der Atemluft in

kleinste Schwebeteilchen

zerteilt werden,

die sich in der

Raumluft anreichern,

wird noch getestet. Falls

es sich bestätigt, könnte eine

dünne Folie über das Schallstück geklebt

werden. Die Expertise von Prof. Kausel ist

über den untenstehenden Link abrufbar.

Sein Kollege Matthias Bertsch hat versucht,

mit seiner Trompete eine Kerze in 20 cm

Entfernung auszublasen. Es ist ihm nicht

gelungen. Ähnliche Experimente wurden

mit Klarinetten durchgeführt. Maria Großbauer,

Abgeordnete des Nationalrates und

Bereichssprecherin für Kunst und Kultur

in Österreich, gab die Meinung von

Prof. Kausel in der Nationalratssitzung am

28. April 2020 wieder und untermauerte,

dass ein hoffentlich stattfindender Sommertourismus

in Österreich nicht ohne die

Kultur stattfinden darf.

Österreichischer Blasmusikverband

Erich Riegler, Präsident des ÖBV

Helmut Schmid, ÖBV-Bundesjugendreferent

Blasinstrumente als

Virenschleudern? Der

mehrfach geäußerte

Verdacht konnte noch

keineswegs erhärtet

werden.

Aktuelle Informationen dazu gibt es unter:

Die Expertise von Prof. Kausel sowie das Video zum Experiment von Matthias Bertsch und der Ausschnitt

aus der Wortmeldung von Maria Großbauer in der zitierten Nationalratssitzung vom 30.04.2020 sind auf

der VSM-Homepage abrufbar:

www.vsm.bz.it/2020/04/30/blasinstrumente-sind-keine-virenschleudern/

Infektionsgefahr beim Musizieren - Zwei neue Studien lassen Bläser aufatmen

www.br-klassik.de/aktuell/news-kritik/corona-infektion-gefahr-musiker-blaeser-studie-charite-bundeswehr-100.html

Wichtiges Update: aktualisierte #COVID19 sicherheitsbedingungen für Orchester

orchesterland.wordpress.com/2020/05/07/wichtiges-update-aktualisierte-covid19-sicherheitsbedingungenfuer-orchester/

14

KulturFenster


Blasmusik

Share The Repertoire

Werk-Empfehlungen geben, Werk-Empfehlungen erhalten!

Es gibt mittlerweile eine

unübersehbare Menge an

Blasmusikliteratur. Gute und

schlechte, geeignete und ungeeignete

– je nach Anlass

und Orchester. Es ist unmöglich

für Dirigentinnen und Dirigenten

den Überblick zu behalten.

Oft gehen gute Werke

– vielleicht gerade auch von

kleineren und regionalen Verlagen

– einfach unter!

Die Dirigentinnen und Dirigenten

tauschen gerne Empfehlungen

untereinander aus.

Gerne vertraut man auf die Erfahrung

der Kollegin bzw. des

Kollegen. Nur, es fehlt an der

Gelegenheit!

Die Idee von „Share the Repertoire“

setzt hier an: Die Idee hinter dieser

Online-Aktion ist sehr einfach: Jeder

Teilnehmer empfiehlt ein Werk. Stellt es

vor, lässt eventuell ein paar Ausschnitte

davon hören, erzählt, welche Schwierigkeiten

und Besonderheiten es enthält,

warum er gerade dieses Werk empfiehlt

und wie es in der Blasorchester-Konzertprogrammierung

eingesetzt werden kann.

Insgesamt 12 Dirigentinnen und Dirigenten

können sich zu diesem Zoom-

Online-Meeting anmelden. Somit lernt

jeder – im Idealfall, wenn alle Plätze besetzt

sind – 11 neue Werke für Blasorchester

kennen!

Jede Dirigentin und jeder Dirigent bekommt

maximal 10-15 Minuten Zeit, das

von ihm gewählte Werk vorzustellen. Somit

wird das Online-Meeting ca. 2,5 Stunden

dauern. Die Werke gehören einem

vorher bestimmten Genre und Schwierigkeitsgrad

an (= Thema, wie zum Beispiel

„Empfehlenswerte Unterhaltungsmusik

bis max. Grad 3,5“, „Meine liebste

Polka“, „Originalwerk für Blasorchester

Grad 3“,, „Sammlungen für Jugendorchester“,

„Choralbearbeitungen“, „Werke

für den gelungenen Probeneinstieg“,

„Werke in neuer Klangsprache“ oder,

oder, oder….)

Zudem ist es außerdem möglich, mit Dirigentinnen

und Dirigenten aus dem ganzen

deutschsprachigen Europa in Kontakt zu

treten. Das kann auch die Basis für spätere

reale Treffen und Kooperationen sein.

Die Organisation und Moderation des

Zoom-Online-Meetings übernimmt Alexandra

Link, Kulturservice Link (Autorin

des Blasmusikblog.com).

Wie läuft SHARE THE REPERTOIRE genau ab?

• Anmeldungen formlos an info@kulturservice.link

mit folgenden Angaben:

- Name, Ort, Land, Musikverein(e)/

Blasorchester

- Das Werk, das der Teilnehmer vorstellen

möchte mit Titel / Komponist

/ ggf. Arrangeur / Verlag

• In einer Dropbox benötigt die Moderatorin

eine Miniscore des Werks (PDF)

sowie eine Demo-Aufnahme (mp3)

• Bei doppelt angegebenen Werken gilt:

wer zuerst kommt… Deshalb auch

gerne schon einmal über eine Alternative

nachdenken

• Die Einladung zum Zoom-Meeting mit

dem Zugangslink erhält jeder angemeldete

und bestätigte Teilnehmer

spätestens einen Tag vor dem Online-Meeting

• Während des Meetings unterstützt die

Moderatorin den jeweiligen Präsentator

eines Werks mit dem Teilen der jeweiligen

Miniscore sowie mit dem Abspielen

der Musik.

Dieses Online-Meeting wird nicht live veröffentlicht

und wird auch danach nicht als

Video veröffentlicht. Es findet also im geschützten,

exklusiven Raum statt. Die Moderatorin

wird alle vorgestellten Werke nach

dem Online-Meeting in einem Blog-Beitrag

auf dem Blasmusikblog.com veröffentlichen.

So hat jede Teilnehmerin und jeder

Teilnehmer ein Dokument der Veranstaltung

und auch andere Dirigentinnen und

Dirigenten haben etwas davon.

Alexandra Link

Kulturservice Link

Nr. 02 | Juni 2020 15


Blasmusik International

Blasmusik lebt – das Blasmusikstudio

… eine Initiative der Österreichischen Blasmusikjugend (ÖBJ)

Mit diesem Slogan geht die ÖBJ gemeinsam

mit den Kärntner Brass Boys in ein

neues, spannendes Format - eine Videoreihe

mit News, Infos, Gesichtern und last

but not least: MUSIK

Präsentiert wird die Sendung von zwei

jungen Musikern, die direkt aus der

Österreichischen Blasmusikjugend

kommen. Die erste Folge ging am

15. Mai online. Einmal im Monat

(immer am 15.) wird es eine Sendung

aus dem Blasmusikstudio geben.

Der Inhalt der Videoreihe soll

vielseitig, informativ und topaktuell

aus der Blasmusikjugend kommen.

Die monatlichen Videos werden auf der

ÖBJ-Homepage [blasmusikjugend.at/studio/blasmusik-lebt-1-das-blasmusikstudio/]

sowie auf dem Instagram Account

[www.instagram.com/blasmusikstudio/],

der Facebook-Seite Österreichische Blasmusikjugend

[www.facebook.com/blasmusikjugend.at/]

und dem YouTube Kanal

veröffentlicht.

Seid gespannt und schaut rein bei

Blasmusik lebt – dem Blasmusikstudio!

Jeder kann die Bewerbung unterstützen

und die Beiträge in den Social Media Kanälen

teilen und posten.

Stefanie Lagger

Bundesgeschäftsstelle ÖBV

Neues

„Magari“

Sunnseit Brass veröffentlicht erste CD

Seit nunmehr drei Jahren rockt das junge

Blechbläserensemble „Sunnseit Brass“

die nationalen und internationalen Bühnen.

Nun haben die sieben Musiker aus

dem Eisacktal ihre erste CD veröffentlicht

- „magari“ nicht die letzte.

Matthias Sellemond (Feldthurns), Samuel

Gamper (Schrambach), Martin

Waldboth (Vahrn), Tobias Reifer (Vahrn),

Gabriel Messner (Pinzagen), Lorenz Hilpold

(Tils) und Tobias Psaier (Teis) haben

ihre ersten musikalischen Erfahrungen

in den örtlichen Musikkapellen

gemacht. Obwohl sie mittlerweile in verschiedenen

Ensembles und Orchestern

spielen und auch als Solisten erfolgreich

sind, haben sie sich vor rund drei Jahren

einen gemeinsamen Traum erfüllt

und sich zu einem Blechbläserensemble

formiert: „Sunnseit Brass“ hat sich mittlerweile

auch durch Auftritte beim Musikwettbewerb

in Taisten, beim „Woodstock

der Blasmusik“ in Oberösterreich

und beim Wertungsspiel auf der Frankfurter

Musikmesse einen Namen gemacht.

Nun haben die sieben Freunde den

nächsten musikalischen Schritt gewagt

und ihren ersten Tonträger eingespielt. Der

Südtiroler Italianismus „Magari“, was soviel

heißt wie „vielleicht“, gibt der CD den

Titel und zeugt auf liebevolle Weise von ihrer

Liebe zur Südtiroler Heimat in all ihren

Facetten. So stehen auch die Texte – von

Lisa und Tobias Psaier - der drei gesungenen

Lieder im Eisacktaler Dialekt und

sind im Booklet eigens abgedruckt. Und

weil alle sieben mit der Blasmusik aufgewachsen

und ebenso überzeugt sind,

dass dieses Genre „mehr kann als man

vielleicht meint“, sprühen die 12 eingespielten

Stücke nur so von jugendlichem

Charme, Spielfreude und musikalischer

Leidenschaft: traditionelle Marschrhythmen,

glänzender Bläserklang, einfühlsame

Balladen und anschmiegsame Polkamelodien,

gepaart mit Ausflügen in die

Welt des Swing und Jazz. Die zehn von

Tobias Reifer komponierten und somit

„Sunnseit Brass“ auf den Leib geschriebenen

Beiträge werden von zwei bekannten

Herbert-Pixner-Titeln ergänzt –

ebenso arrangiert von Tobias Reifer: Der

„Hochachtungsmarsch“ und der „Vierteljahrhundert

Dreiviertler“-Walzer. Hineinhören

lohnt sich allemal … und „alla fine“

ist der Druck auf die Wiederholungstaste

vorprogrammiert – Magari!

Stephan Niederegger

CD Cover „Magari“ - Sunnseit Brass

16

KulturFenster


Zur Person

Blasmusik

Am vergangenen 4. Mai feierte Walter Ratzek

seinen 60-sten Geburtstag. Er ist Pianist,

war jahrelang Leiter des Musikkorps der

Deutschen Bundeswehr und ist derzeit Professor

am Konservatorium in Bozen für den

Studienlehrgang der Blasorchesterleitung.

Von 1980 bis 1985 studierte Walter Ratzek

Kapellmeister/Dirigieren bei Professor

Wolfgang Trommer und Klavier in der

Klasse von Prof. José Luis Prado - an der

Robert-Schumann-Hochschule für Musik

Düsseldorf. Anschließend durchlief er eine

Karriere als Kapellmeister bei der Bundeswehr

mit folgenden Stationen: Leiter des

Kammerorchesters, Leiter des Heeresmusikkorps

2 Kassel, Leiter des Ausbildungsmusikkorps,

Leiter des repräsentativen

Konzertorchesters und Leiter des Stabsmu-

Walter Ratzek zum 60er

„Dirigieren beinhaltet für mich Leiten,

Führen, Überzeugen“

sikkorps Berlin. Über 10 Jahre war er Präsident

der Deutschen Sektion der WASBE

(World Association for Symphonic Bands

and Ensembles). Die künstlerische Leitung

verschiedener Auswahlorchester wie das

SBH Hessen (Sinfonisches Blasorchester

Hessen), Leiter des Landesblasorchesters

Baden-Württemberg, künstlerischer Leiter

der Deutschen Bläserphilharmonie, unterstreichen

sein Engagement in und um die

konzertante Blasmusik in Deutschland. Seit

seinem Ausscheiden aus der Bundeswehr

(2014) ist er freischaffend tätig und hat im

Dezember 2016 die Verantwortung über

den Studiengang Instrumentieren/Blasorchesterleitung

in Bozen am Konservatorium

Claudio Monteverdi übernommen.

Als Gastdirigent nationaler wie internationaler

renommierter Orchester, Leiter von

Workshops und diversen Fortbildungsmaßnahmen

ist Ratzek sowohl als Dirigent als

auch Pianist bekannt.

Im Namen des Verbandes Südtiroler

Musikkapellen gratulieren wir zum runden

Geburtstag und wünschen weiterhin

Gesundheit sowie viel Freude und Schaffenskraft

in der musikalischen Tätigkeit:

„Alles Gute, lieber Walter!“

Stephan Niederegger

Sigismund Seidl - dem Gardeoffizier zum 70er

Der VSM gratuliert dem Freund und geschätzten Fachmann

Am vergangenen 15. April feierte Sigismund

Seidl seinen 70-sten Geburtstag. Er

ist auch in Südtirol kein Unbekannter, war

er doch mehrmals Gastreferent bei verschiedenen

Tagungen des Verbandes Südtiroler

Musikkapellen und gab auch mit seiner

Militärmusik Kärnten viel beachtete Konzerte

in Südtirol.

1980 hat Sigismund Seidl als Nachfolger

des damaligen Militärkapellmeisters Anton

Othmar Sollfelner die Leitung der Militärmusik

Kärnten in Klagenfurt übernommen.

35 Jahre lang war er Dirigent und Chef dieses

Klangkörpers - ein Rekord, denn er ist

damit der längstdienende österreichische

Militärkapellmeister seit Beginn der Donaumonarchie.

Er war 12 Jahre lang Landeskapellmeister

im Kärtner Blasmusikverband,

von 2001 bis 2004 Bundeskapellmeister

des Österreichischen Blasmusikverbandes,

sechs Jahre lang Präsident der gemeinsamen

Sektion Österreich/Deutschland im

Weltverband WASBE (World Association for

Symphonic Bands and Ensembles) und Lehrer

am Kärntner Landeskonservatorium in

Klagenfurt. Seidl hat die Entwicklung der

Militärmusik und der Blasmusik über die

Grenzen Österreichs hinaus maßgeblich

beeinflusst. 2014 erhielt er von der Stadt

Villach den hochdotierten Kulturpreis, den

bisher noch nie einem seiner Zunft, einem

Militärkapellmeister, zuerkannt wurde. Am

30. November 2015 ist er in den wohlverdienten

Ruhestand getreten, wohl auch

mit etwas Wehmut im Herzen ob der damaligen

leidvollen Diskussionen und ministeriellen

Vorgaben zur Kürzung der Militärkapellen

in Österreich.

Mittlerweile ist es um das Geburtstagskind

etwas ruhiger geworden. Seidl ist Ehrenmitglied

des Österreichisches Blasmusikverbandes.

Als Freund und geschätzter

Fachmann reiht sich auch der Verband

Südtiroler Musikkapellen in die Reihe der

Gratulanten ein: "Alles Gute, lieber Sigi!"

Stephan Niederegger

Nr. 02 | Juni 2020 17


Kritisch hingehört

„Thank you for the Music“

Festkonzert der Musikkapelle Toblach unter besonderen Vorzeichen

Ein denkwürdiges Frühjahrskonzert

- jenes der MK Toblach war eines

der letzten für heuer in unserem

Land. (Foto: ©wisthaler.com)

©wisthaler.com

Der 29. Februar 2020 wird den Musikantinnen

und Musikanten der Musikkapelle

Toblach wohl noch lange in Erinnerung bleiben.

Als eine der letzten Musikkapellen des

Landes spielte sie ihr traditionelles Jahreskonzert.

Bereits eine Woche später ging in

Südtirol gar nichts mehr und es sieht danach

aus, als würde sich diesbezüglich in

nächster Zeit kaum was ändern. Grund genug,

dieses phantastische Konzert nochmals

Revue passieren zu lassen.

Kapellmeister Sigisbert Mutschlechner

ist kein Freund von langen Vorbereitungen.

Zwei Monate gibt er sich und

seiner Truppe, um das Festkonzert einzulernen.

Zwanzig Teil- und Gesamtproben,

ein Probenwochenende, dann muss das

Programm sitzen. Und wer Sigisbert Mutschlechner

kennt, weiß, dass das ein anspruchsvolles

ist.

Im mittlerweile auf 74 Personen angewachsenen

Klangkörper heißt es arbeiten. Proben,

üben, wieder proben und noch einmal

üben. Der Lohn für diese Mühen war

einmal mehr ein voller Gustav-Mahler-Saal

mit einem begeisterten Publikum. Als Eröffnungswerk

hatte der Kapellmeister die

„Jubel Ouvertüre“ des Schweizer Komponisten

Stephan Jaeggi gewählt. Gleich an

den ersten Tönen konnte man das Konzept

des Abends und die Handschrift des

Dirigenten erkennen: Originale Blasmusik

aus den letzten hundert Jahren.

Toni Taschler, eloquenter und sympathischer

Toblacher Tausendsassa, führte

gekonnt durch den musikalisch ansprechenden

und anspruchsvollen Abend,

der mit der „Third Suite for Band“ von

Alfred Reed (ebenfalls ein Originalwerk)

seine Fortsetzung fand. Einen ersten Höhepunkt

erlebte der Konzertabend mit

dem „Concerto für Bassposaune und Blasorchester“

von Steven Verhelst. Nicht

viele Blasorchester haben überhaupt einen

Bassposaunisten, die „Toblinga“ sogar

einen diplomierten. Thomas Baur ist

gelernter Fliesenleger, hat seinen Traum

vom Bassposaune-Spielen aber niemals

aufgegeben und erst als „älteres Semester“

am Konservatorium in Klagenfurt

sein Studium begonnen.

Aktuell spielt er in verschiedenen Ensembles

im In- und Ausland. Wann immer

es seine Zeit erlaubt, spielt er bei der Musikkapelle

Toblach mit. Auf die Frage des

Moderators, wer denn dieses nicht einfach

zu spielende Konzert ausgewählt habe, antwortete

er – mit einem schelmischen Seitenblick

auf Kapellmeister Sigisbert Mutschlechner

– „Ich.“

18

KulturFenster


Nach diesem wahrhaft gelungenen Solowerk

hätte man keine Steigerung mehr

erwartet. Doch diese kam. „Give Us This

Day“ klingt im Nachhinein fast wie ein Manifest

„Schenk uns diesen Tag“. Die Musikkapelle

Toblach hat sich und ihrem Publikum

einen Tag geschenkt, das kann man

ohne Übertreibung sagen. Maslanka verbindet

in seinem zweisätzigen Werk spirituelle

Klänge mit aufwühlenden und dramatischen

Gefühlsausbrüchen. Der Komponist

entnimmt den Titel des Werkes dem „Vater

unser“-Gebet, sagt jedoch, ein buddhistischer

Mönch habe ihn zu diesem Stück

inspiriert. Überraschend ist der Schluss,

für den Maslanka die emotionale Klangvielfalt

der Choralmelodie aus Johann Sebastian

Bachs „Vater unser im Himmel“

verwendet.

Was wäre ein Festkonzert ohne Ehrungen.

Eine gab es für Carmen Lanz, die für ihre

15-jährige Mitgliedschaft geehrt wurde. Nicht

mehr aufgehört hat es bei der Nennung der

Jungmusikanten: Sage und schreibe sieben

junge Damen und Herren spielen ihr

erstes – und vorerst letztes – Konzert mit

der Musikkapelle Toblach. „Das sind die ersten

Früchte der Bläserklasse, die wir seit

mehreren Jahren organisieren“, freute sich

Obmann Stefan Taschler.

Mit dem „March of the Black Sea“ von

F. Akimow und einem weiteren Star-Wars-

Intermezzo verabschiedete sich die Musikkapelle

Toblach in die kleine Pause,

die Zeit zum Luftholen vor den Proben für

den Sommer bieten sollte. Keiner dachte

in diesem Moment, dass diese Pause nicht

nur bis Ende März dauern sollte. Keiner

Blasmusik

17.10.2020

72. Jahreshauptversammlung

2020

www.vsm.bz.it

fehlte. Bürgermeister Guido Bocher tierte die ganze Woche vor dem Konzert mit

den Verantwortlichen der Musikkapelle, holte

disku-

Infos von offi zieller Seite ein, und rang sich

schließlich als Hausherr des „Gustav-Mahler-Saales“

dazu durch, die Veranstaltung

durchführen zu lassen. Vor dem Eingang

in den Saal standen Desinfektionsspender.

Kapellmeister Sigisbert Mutschlechner blickt

Thomas Baur ist nicht nur Profi beim Fliesenlegen, sondern auch auf

der Bassposaune – hier als Solist beim „Concerto für Bassposaune

und Blasorchester“ von Steven Verhelst. (Foto: ©wisthaler.com)

©wisthaler.com

Dass sich die junge Musikkapelle Toblach

auch in Sachen Film- und Popmusik auskennt,

bewies sie mit Ausschnitten aus

„Star Wars“ und mit „ABBA Symphonic“

von Michael Jerg. Vor allem das wenig bekannte

„I Wonder“, fabelhaft interpretiert

von Lisa Klocker auf dem Sopransaxophon,

riss das Publikum zu Begeisterungsstürmen

hin. „Thank you for the Music“ als

Schlusspunkt des offi ziellen Konzertteiles

hätte besser nicht passen können. Doch.

„Thank you for the Musicians“.

konnte sich in seinen kühnsten Träumen

vorstellen, dass es keine kirchlichen Anlässe

mehr gab, die die Musikkapelle normalerweise

umrahmte. Das neue Probelokal

konnte nicht mehr eingeweiht werden.

Alles änderte sich.

Im Nachhinein betrachtet, war beim Konzert

nicht alles wie immer. Der Saal war zwar

voll, aber nicht so voll wie sonst. Zum Fachsimpeln

und diskutieren kamen viele Leute

mit in die Bar, aber nicht so viele wie sonst.

Das Publikum, das sonst von weit herkam,

mit einem weinenden und einem lachenden

Auge auf das Festkonzert zurück. „Ich bin

sehr zufrieden damit, was wir geleistet haben“,

sagt er, „eigentlich bin ich sogar ein

bisschen stolz. Darauf hätte sich jetzt gut

aufbauen lassen.“ Überzeugt davon, dass

seine Musikkapelle übt und musiziert und

voll motiviert ihre Tätigkeit aufnehmen wird,

sobald die Umstände es zulassen, freut er

sich schon aufs Weitermachen. In der Zwischenzeit

sucht er neue Stücke aus.

Michaela Grüner

Nr. 02 | Juni 2020 19


11.-25.07.2020

Jungbläserwochen

2020

www.vsm.bz.it/2020/03/15/

jugendkurswochen­2020

Ars Nova

Valentin Gasser lässt

die Würfel rollen

Eine experimentelle Klangsuche

Obwohl er Jazz­Komposition studiert hat,

hat er sich stets auch für andere Musikrichtungen

interessiert. Von seinem musikalischen

Werdegang in der Bürgerkapelle

Gries über die Zusammenarbeit mit

Rockbands bis hin zu Auftritten mit

DJs, hat er als Interpret auch

über den Jazz­Bereich hinaus

zahlreiche Erfahrungen

gemacht.

Als Komponist hat er

während des Studiums

hauptsächlich Jazz komponiert,

sich aber zudem

mit klassischer Musik, dabei

hauptsächlich mit Klavierwerken,

auseinandergesetzt.

Im Hinterkopf war aber

immer auch symphonische

Blasmusik präsent, da er stets

vorhatte, nach Südtirol zurückzukehren.

Als er seinen Lebensmittelpunkt

2018 nach

Bozen verlegte, begann er

konkret damit, Werke für

Blas orchester zu schreiben.

Neben Kirchenmusik handelt

es sich vor allem um

Auftragskompositionen,

in denen er viel Wert

darauf legt, eine harmonisch

eigene Tonsprache

zu finden.

So versucht er stets,

Elemente, die er im

Rahmen seines Studiums

erlernt hat, in seine

Werke einfließen zu lassen.

Die musikalische Präferenz

von Valentin Gasser gilt dem

Saxophon und dem Jazz.

Musik ist mittlerweile sein primärer Lebensinhalt.

Als er noch nicht professionell

als Musiker gearbeitet hat, sei der

Zugang zur Musik noch ein anderer, gewissermaßen

unschuldiger, gewesen, sagt

er. Jetzt gibt es durchaus Momente, wo er

nicht unbedingt Lust dazu habe Klavier

zu spielen oder ein bestimmtes Arrangement

zu schreiben. „Aber es überwiegt

eine tiefe Glückseligkeit darüber, dass

ich es geschafft habe, Musik zu meinem

Leben zu machen. Dafür bin ich jeden

Tag dankbar.“

„Roll the Dice – Alea iacta est“ -

die Würfel sind gefallen

Ein besonderes seiner Werke ist sicherlich

„Roll the dice - Alea iacta est".

Als Georg Thaler, der Kapellmeister der

Bürgerkapelle Gries, im April 2019 mit

der Frage an ihn herantrat, ob er es für

möglich halte, beim nächsten Neujahrskonzert

live ein Stück zu komponieren,

war der junge Komponist gleich begeistert

von der Idee. Doch er gibt zu, dass es

definitiv zu den größten Aufregungen und

Herausforderungen seines Lebens zählte.

Über den Sommer wurde aus der Idee

eine konkretere Vorstellung, wie das Ganze

funktionieren könnte. Die Schwierigkeiten

waren mehrere:

• Wie soll man in 15 Minuten ein Stück

schreiben, proben und aufführen?

• Wie sollen die Musikantinnen und

Musikanten in der Lage sein, das

Stück zu spielen bzw. Noten zu erhalten?

• Wie überzeugt man das Publikum davon,

dass das Werk wirklich im Moment

entstanden ist, und nicht vorher

einstudiert wurde?

Zuallererst wurde die Möglichkeit in Betracht

gezogen, dass er am Klavier das

Werk auf ein Notenblatt schreibt und

20

KulturFenster


Blasmusik

die Noten in Echtzeit auf eine Leinwand

hinter die Musikanten projiziert werden.

Kopfzerbrechen bereitete Valentin, wie

er das Element des Zufalls in das Werk

integrieren könnte. Als ihm die Idee mit

den Würfeln kam, hatte er zugleich auch

schon den Titel für die Komposition gefunden.

Durch das Zuordnen von Zahlen

zu Tönen, konnte er das Ausgangsmotiv

für seine Melodie (die ersten drei Töne)

„erwürfeln“.

Der Rest war dann vergleichsweise einfach,

wenn man vom Zeitdruck absieht.

Den formalen Ablauf besprach er vor

Ort, wobei sich die Kapelle Notizen machte.

So wurde aus den Elementen (eine Akkordfolge,

ein rhythmisches Pattern, die

Melodie und ein Begleitmotiv) ein fertiges

Stück, das auch direkt zur Aufführung

gelangte.

Pater Urban Stillhart beschrieb das Konzerterlebnis

folgendermaßen (siehe Tageszeitung

„Dolomiten“ vom 09.01.2020,

Seite 6): „Er schrieb eine achttaktige Melodie,

inspiriert durch einen dreifachen

Würfelschub, und schuf dazu Begleitakkorde

und ein Rhythmusschema. Die Spielerinnen

und Spieler schrieben die Vorlage

ab, und es wurde dieses achttaktige

Modul nach vorgegebenen Anweisungen

Zur Person:

musiziert. Es tat sich eine erstaunlich stimmig-sinnliche

Klangwelt auf und führte

zu einem schlüssigen Gesamtergebnis.“

Stephan Niederegger

Valentin Gasser ist am 16. Februar 1991 geboren und erhielt den ersten

Saxophonunterricht von seinem Vater. Später besuchter er die Musikschule

Bozen bei Hans Tutzer: „Ich habe meinen Lehrer Hans immer dafür bewundert,

wie er es schafft, andere Menschen für die Musik zu begeistern.

Und ich hatte den Eindruck, dass auch er selbst ein glücklicher Mensch

ist.“ Von 2010 bis 2018 studierte er an der Konservatorium Wien Privatuniversität

(später Universität für Musik und Kunst) - zuerst Jazz-Saxophon

(bei Prof. Thomas Huber) und anschließend Jazz-Komposition und Arrangement

(Prof. Andy Middleton). Es folgten zahlreiche Workshops in Mitteleuropa

und Unterricht bei Bobby Watson, Bob Mintzer, Jim Snidero und

Eric Alexander.

Seit knapp 2 Jahren lebt Valentin Gasser wieder in Bozen, unterrichtet

Saxophon und Klavier - spielt, komponiert und arrangiert für verschiedene

Projekte (sowohl Jazz als auch Klassik und symphonische Blasmusik). Seit

seinem 12. Lebensjahr ist er Mitglied der Bürgerkapelle Gries.

… aber er fühlt sich auch in der Blasmusik „daheim“, sowohl als Musikant bei der Bürgerkapelle Gries als auch als Komponist

von Blasmusikwerken. (Fotos: © Nilo Klotz)

Nr. 02 | Juni 2020 21


Musikpanorama

65 Jahre Tracht der

Musikkapelle Niederdorf

Am Fronleichnamsfest 1955 erster Auftritt in der neuen Musiktracht

So präsentierte sich die MK Niederdorf im vorigen Jahr 2019.

Die Musikkapelle Niederdorf in der neuen Tracht 1956

Die Musikkapelle Niederdorf käme heuer aus

dem Feiern nicht mehr heraus, wäre da nicht

die Corona-Krise, die jegliche Tätigkeit (vorerst)

unterbrochen hat.

Zu Jahresbeginn wurde anlässlich des

heurigen 170-jährigen Gründungsjubiläum

ein Musikkalender verteilt. Monat für Monat

begleiten der jeweiligen Jahreszeit entsprechende

Fotos aus den letzten Musiksaisonen

durch das ganze Jahr hindurch.

Durch Corona wurde er somit umso wertvoller,

da dadurch die Musikkapelle in

vielen Haushalten trotzdem präsent sein

kann. Hingucker bleibt dabei die schmucke

Tracht, die heuer ebenso ein kleines

Jubiläum feiert: am Fronleichnamstag vor

65 Jahren wurde die Musikantentracht zum

ersten Mal getragen.

Eine einheitliche Bekleidung erhielt die

im Jahr 1850 gegründete Kapelle zu Beginn

des 20. Jahrhunderts, als sich im Tiroler

Raum das Tragen von Uniformen und

Trachten bei den Musikkapellen zusehends

eingebürgert hatte. Spätestens 1912 verfügte

die Musikkapelle über die Pustertaler

Tracht mit Kniebund-Lederhose, Ledergurt

und hohem Stechhut mit Feder. Neben einer

Vielzahl von Instrumenten kam auch die

Tracht in den Kriegswirren des Ersten Weltkrieges

vollständig abhanden. So trug die

Musikkapelle in den 1920-er Jahren eine

von der Freiwilligen Feuerwehr geliehene

Uniformjacke mit Schildmütze. Anfang der

1930-er Jahre wurde die Musikkapelle mit

einer eigenen Musik-Uniform eingekleidet.

Erst im Jahre 1953 wurde die Anschaffung

einer Musik-Tracht in Erwägung gezogen.

Gut eineinhalb Jahre sollte die Vorbereitung

dauern, bis die Musikkapelle zur Fronleichnamsprozession

1955 zum ersten Mal in ihrer

neuen Pustertaler Tracht aufmarschieren

konnte. Die Vereinschronik berichtete darüber:

„Große feierliche Festtagsstimmung umgibt

alljährlich diesen Tag. Das ganze Dorf

hilft mit, um den Mittelpunkt dieses Festes,

die Fronleichnamsprozession so feierlich wie

nur möglich zu gestalten. Auch die Musikkapelle

beteiligte sich alljährlich daran und

heuer ist es ihr gewiss gelungen, dazu beizutragen,

Festfreude und Gestaltung zu heben,

als sie mit ihrer neuen, schmucken, farbenfrohen

Tracht aufmarschierte.“

Die alte Musik-Uniform wurde bis ins Jahr

2004 beibehalten und wurde noch bei kleineren

Auftritten getragen. Die Tracht wurde

im Jahre 1970 mit federkielbestickten Trachtenschuhen

für alle Musikanten ergänzt. Die

Frauentracht wurde bis 1988 nur von den

Marketenderinnen getragen. Seit 1985 spielen

auch Frauen in der Kapelle, die jedoch

eine unpassende Trachtenbekleidung und

eine Uniform mit Damenrock trugen. 1992

wurde endlich die Einführung einer passenden

Pustertaler Frauentracht möglich.

Alois Fauster

22

KulturFenster


Kirchtagskonzert der

Musikkapelle Truden

Blasmusik

20.01. - 28.12.2020

VSM-Motiviert und fit?

Funktionärsausbildung

2020 (NFA)

www.vsm.bz.it

Besonderes Konzert, außergewöhnliche

Ehrungen, vier Neuzugänge

Am 8. Februar 2020 fand das alljährliche

Kirchtagskonzert der Musikkapelle Truden

statt. Dieses Jahr stellte das Programm die

Musik in den verschiedenen Formen und Stilrichtungen

der letzten 120 Jahre dar; von

traditionellen Märschen und Polkas bis hin

zu Film­ und Rockmusik reichte die Palette.

In chronologischer Reihenfolge begann

die Musikkapelle unter der Leitung von Kapellmeister

Fabio Riz mit „Schneidig vor“

von Julius Fuicik, einem Marsch aus der

Zeit Österreich-Ungarns, schloss die Beatles

und die Beach Boys mit ein, gab Stücke

aus den 1980er Jahren zum Besten und

verabschiedete sich mit der Polka „Neue

Wege“ des jungen zeitgenössischen Komponisten

Martin Scharnagl. Bei den Popund

Rock-Stücken begleiteten die Trudner

Gitarristen Patrick Larger und Werner

Stuppner die Musikkapelle. Besonders das

Stück „80er Jahre Kult(tour)“ von Thiemo

Kraas war für Musikanten und Zuhörer ein

Leckerbissen.

Mit einer Schweigeminute und dem

Stück „Hymn to the Fallen“ wurde des

verstorbenen ehemaligen Musikanten Mathias

Stuppner gedacht.

Einen Höhepunkt stellten die Ehrungen

von Valentin und Hartmann Pernter durch

den Bezirksobmann des Verbandes Südtiroler

Musikkapellen, Stefan Sinn dar. Valentin

Pernter erhielt das Verdienstzeichen

in Silber für zehn Jahre Jugendleiter überreicht.

In dieser Zeit hat Valentin mit Einsatz

und Freude viele Kinder und Jugendliche

ausgebildet und ihnen die Begeisterung

am Musizieren weitergegeben. Hartmann

Pernter hingegen wurde für seine 50 Jahre

Mitgliedschaft mit dem Großen Ehrenzeichen

in Gold ausgezeichnet. Im Jahr 1969

trat Hartmann der Musikkapelle bei und

ist seither ein wichtiger Eckpfeiler am 1.

Flügelhorn. Obmann Hermann Stuppner

und Bezirksobmann Stefan Sinn dankten

den beiden Geehrten für ihren unermüdlichen

Einsatz und wünschten ihnen

noch viel Freude an der Blasmusik. Begrüßt

wurden zudem einige Neuzugänge:

Daniel Larger am Schlagzeug, Johannes

Amplatz an der Trompete, Julia Thaler an

der Querfl öte und Sibylle Daldoss als Marketenderin.

MK Truden – Hermann Stuppner

Bei der Verleihung des Großen Ehrenzeichens in Gold: - v. l. stehend -

Bezirksobmann Stefan Sinn, Bürgermeister Michael Epp, der Geehrte Hartmann

Pernter mit Frau Hanni; davor (v. l.) Kapellmeister Fabio Riz, Obmann Hermann

Stuppner, Vize-Obmann Stefan Amplatz

Bei der Verleihung des Verdienstzeichens in Silber: (v.l.) Bezirksobmann Stefan Sinn,

Kapellmeister Fabio Riz, Bürgermeister Michael Epp, der Geehrte Valentin Pernter,

Obmann Hermann Stuppner, Vize-Obmann Stefan Amplatz

Nr. 02 | Juni 2020 23


Musikpanorama

70 + 70 + 60 … Drei Gründe zum Feiern

Im Mai haben gleich drei Musikanten der MK St. Lorenzen einen runden Geburtstag gefeiert.

Coronabedingt musste das obligatorische

Geburtstagsständchen ausfallen. Nichtsdestotrotz

hat Musikobmann Philipp Kofler

den Jubilaren gratuliert, die besten Wünsche

der gesamten Kapelle überbracht und

einen Geschenkskorb als kleines Zeichen

der Verbundenheit überreicht:

Am 7. Mai feierte der ehemalige Hornist

Richard Niedermair seinen 70-sten Geburtstag.

Er war von 1964 bis 2014 Mitglied

der Kapelle und wurde bei der Cäcilienfeier

2015 zum Ehrenmitglied ernannt.

sechs Tage später, am 13. Mai, brannten

ebenfalls 70 Kerzen auf der Geburtstagstorte

des Flügelhornisten Anton Hilber. Er

spielt seit 1961 in der Kapelle und war auch

lange Jahre Schriftführer und Vorstandsmitglied.

Der Jüngste im Bunde ist der Saxofonist

Alois Leitner, der am 19. Mai 60 Jahre alt

wurde. Er ist seit 1975 Mitglied der Kapelle.

Die Musikkapelle wünscht ihnen weiterhin

beste Gesundheit, Gottes Segen und dass

sie auch weiterhin der Kapelle musikalisch

verbunden bleiben: „Der Geburtstagsmarsch

wird nachgeholt, sobald es die Umstände

wieder erlauben!“

Philipp Kofler

Obmann MK St. Lorenzen

Feierten ihren runden Geburtstag (v.l.): Niedermair Richard, Hilber Anton und Leitner Alois

Jugendkapelle geht online

Coronakrise macht erfinderisch – Nachwuchswerbung übers Internet

Im Frühjahr stehen an den Musikschulen

die Einschreibungen für das kommende

Schuljahr an. Es ist dies daher auch die

beste Zeit für Nachwuchswerbung der Musikkapellen

– so auch für die JuKaStL, die

Jugendkapelle St. Lorenzen.

Vielerorts besuchen die Musikantinnen und

Musikanten die Grundschule oder laden zu

einem Tag der offenen Tür ins Probelokal.

Dabei werden den Schülerinnen und Schülern

die Musikkapelle im Allgemeinen und

das vielfältige Repertoire der Instrumente

im Besonderen vorgestellt. Heuer ist wegen

der Coronakrise alles anders: Musikkapellen

haben seit Wochen ihre Tätigkeit

eingestellt und Schulen ihre Tore geschlossen.

Daher haben Kapellmeister Jakob Augschöll

und Jugendleiter Martin Kolhaupt einen

neuen Weg gesucht, um die Werbung

der Musikkapelle St. Lorenzen doch noch an

den Mann und die Frau bzw. an die Kinder

und Eltern zu bringen. Mittlerweile sind im

Internet zwei Videos veröffentlicht. Im ersten

werden in unterhaltsamer Weise die Instrumente

vorgestellt, und zwar hauptsächlich

jene, die momentan besetzungsmäßig

in der Kapelle benötigt werden. Im zweiten

Video präsentieren die Musikantinnen und

Musikanten den Party-Hit der Beach Boys

„Barbara Ann“ und wollen damit ein bisschen

gute Laune verbreiten und Lust aufs

Musizieren machen.

Video 1 =

Instrumentenvorstellung:

youtu.be/LEPcDx2Br4o

Video 2 = Barbara Ann:

youtu.be/oQOyIBdf3Co

24

KulturFenster


Vorweg

Chorwesen

„Zusammengehörigkeitsgefühl

im Chor wird wachsen“

Verbandsobmann Erich Deltedesco beschreibt die Situation

der Chöre in der Corona-Zeit

Kulturfenster: Wir alle wissen, dass sich

die Corona-Vorsichtsmaßnahmen gerade

auf das Chorwesen sehr stark auswirken.

Wie schaut es derzeit mit der Tätigkeit der

Chöre in Südtirol aus?

E. Deltedesco: Die aktuelle Situation ist

eine schwierige Zeit für alle Chorsängerinnen

und Chorsänger. Die Tätigkeit der

Chöre wurde mit der akuten Ausbreitung

des Virus praktisch von einem Moment

auf den anderen vollkommen ausgesetzt,

alle geplanten Aktivitäten mit den verschiedensten

Chorkonzerten und den vielen

Mitgestaltungen von weltlichen und kirchlichen

Feiern konnten leider nicht mehr

stattfi nden. Gerade aber in Krisenzeiten

ist das Singen im Chor besonders wichtig,

ist oft auch ein Ventil für Emotionen. Ganz

ohne Worte rufen Musik und Gesang Gefühle

hervor, verborgene Emotionen werden

geweckt, Spannungen in Körper und

Seele gelöst und verschüttete Kräfte wieder

belebt. Singen stiftet Identität und unterstützt

unser Immunsystem. Und so haben

viele Chöre diese Zwangspause mit

verschiedensten digitalen Hilfsmitteln und

technischen Lernhilfen überbrückt. Tolle

Videos, die in dieser probefreien Zeit gemacht

wurden, zeugen von der Kreativität

unserer Chöre und ich bin ganz fest überzeugt,

dass damit auch ein ganz neues Publikum

angesprochen werden konnte. Für

die vielen Mühen möchte ich allen ganz

herzlich danken und gleichzeitig auch zu

den gelungenen Ergebnissen gratulieren.

KF: Ist Probentätigkeit in irgendeiner Form

möglich?

E. Deltedesco: Es gibt das Landesgesetz

vom 8. Mai 2020, Nr. 4, wo festgelegt wird,

dass die künstlerischen und kulturellen

Tätigkeiten unter Einhaltung aller Sicherheitsmaßnahmen

(1/10 Regel, Mindestabstand,

Mund- und Nasenschutz usw.)

wieder aufgenommen werden können. Die

unbedingt notwendige und auch wichtige

Einhaltung der Schutzmaßnahmen und Regeln

lassen die Aufnahme einer „normalen“

Probentätigkeit leider noch nicht zu.

Es gibt medizinische Abhandlungen, die

besagen, dass gerade Chorsingen in der

gewohnten Form sehr riskant ist. Aus diesem

Grunde wird eine Chortätigkeit in der

gewohnten Art und Weise wahrscheinlich

leider so schnell nicht stattfi nden können.

Aber alles hängt natürlich von der weiteren

Entwicklung, von der Bewältigung des epidemiologischen

Notstandes ab.

KF: Werden Schulungen stattfinden?

E. Deltedesco: Der Südtiroler Chorverband

ist dauernd bestrebt, das Singen lebendig

zu erhalten, sich zu öffnen für Weiterentwicklung

und Weiterbildung. Auch für dieses

Jahr hatten wir wiederum ein vielfältiges

und hochqualifi ziertes Schulungsangebot

ausgearbeitet. Aufgrund der derzeitigen

Situation ist aber eine Durchführung der

Fortbildungsangebote nicht möglich und

so mussten alle zunächst einmal bis Ende

September geplanten Schulungen und

Veranstaltungen leider abgesagt werden.

KF: Wie sehen Sie persönlich die Situation?

Wird sich auch längerfristig für das Chorwesen

etwas ändern?

E. Deltedesco: Bereits seit über drei Monaten

können sich die Chöre nicht mehr zur

Probe treffen, das Frühjahrskonzert oder

die festliche Mitgestaltung eines Gottesdienstes

war und ist nicht möglich. Dieses

regelmäßige Zusammentreffen in der

Chorgemeinschaft fehlt gerade vom sozialen

Gesichtspunkt her wohl allen Sängerinnen

und Sängern, man möchte meinen,

diese lange Pause möge vielleicht auch

negative Auswirkungen auf den Weiterbestand

des Chores haben. Das Singen gehört

aber zur Natur des Menschen, Singen

im Chor verbindet alle Gesellschaftsschichten,

Bevölkerungsgruppen und Altersstufen,

vermittelt vielseitige Geselligkeit und

schenkt Geborgenheit. Tagtäglich höre ich

von vielen Sängerinnen und Sängern wie

sehr sie sich auf die Zeit freuen, wo regelmäßige

Chorarbeit, gemeinsames Singen,

Zusammentreffen möglich ist. Dies gibt mir

die Gewissheit, dass der momentane Stillstand

des Chorlebens längerfristig kaum

etwas ändern wird. Ich bin sogar überzeugt,

dass diese Abstinenz die Chorgemeinschaft

zusätzlich fördert und das Zusammengehörigkeitsgefühl

wachsen lässt

Int: Paul Bertagnolli

www.scv.bz.it

Nr. 02 | Juni 2020 25


Das Thema

Chorsingen in Corona-Zeiten

Ist Probentätigkeit noch möglich?

Gemeinsam singen und nicht alleine – gerade

das macht das Schöne an der Chormitgliedschaft

aus, und gerade das ist seit

der Corona­Pandemie das größte Problem.

Gemeinsam singen ist nicht dasselbe wie

alleine singen. Im gemeinsamen Klang erleben

die die Sängerinnen und Sänger

eine ganz besondere Erfahrung von Gemeinschaft

und Einheit, die so nicht zu ersetzen

ist. Und diese Gemeinschaft ist gerade

das Gefährliche.

Deshalb sah das Abkommen zwischen

der italienischen Bischofskonferenz und

der Regierung Conte zwar vor, dass man

wieder Messen feiern darf, von Orgelspiel

begleitet, aber ohne Chorgesang. Aber

auch die Probentätigkeit selbst ist nicht

erlaubt. Der Südtiroler Chorverband überlegt

auf den Grundlagen der Gesundheitsund

Sicherheitsvorschriften einen Plan zu

entwickeln, wie man Proben wieder abhalten

könnte. Es ist aber nicht leicht, sagt

Verbandsobmann Erich Deltedesco: „Die

Pfl icht zum Mundschutz und der 2-Meter-Abstand

widersprechen dem Prinzip

des Chorsingens, ebenso dass je 10 Quadratmeter

nur eine Person im Raum sein

darf.“ Viele Probelokale sind nämlich eher

klein, deshalb gibt es wohl keine Hoffnung

für die Wiederaufnahme von Proben. „Es

könnten höchstens Teilproben für einzelne

Register stattfinden“, erklärt der Obmann.

Aber warum ist gerade die Probentätigkeit

von Chören so problematisch in

Coronazeiten? Dass gerade das Chorwesen

eingeschränkt ist, dafür gibt es mehrere

Gründe. Das Problem ist die „Enge“

in der Choraufstellung, aber auch die Tatsache,

dass in den Chören, nicht nur in

Südtirol, vor allem in den Kirchenchören,

viele ältere Menschen singen, die zur Risikogruppe

gehören.

Ist Singen im Chor gefährlich?

Der Blick auf Chöre und Corona in ganz Europa

zeigt, dass die Sorgen berechtigt sind.

So waren nach Proben und einer Aufführung

von Bachs Johannes-Passion in Amsterdam,

wie die Neue Zürcher Zeitung berichtet, am

8. März 102 von 130 Mitgliedern von Het

Amsterdams Gemengd Koor mit dem Coronavirus

infiziert und erkrankten zum Teil

auch schwer, vier Sänger starben. In der

Nähe von Seattle starben zwei Sänger des

Skagit Valley Chorale; bei einer Probe am

10. März hatten sich insgesamt 45 von 60

Sängern mit dem Virus angesteckt. Nach einer

Probe der Berliner Domkantorei am 9.

März zeigten 60 von 80 Teilnehmern Symptome,

unter ihnen auch der Kantor und die

Korrepetitorin, die bei der Probenarbeit ja

einige Meter Abstand zum Chor gehalten

hatten. Auch aus dem niedersächsischen

Stade, dem bayrischen Hohenberg und dem

französischen Hombourg-Haut, wurden vergleichbare

Fälle bekannt.

Wann werden Chorproben wieder möglich sein?

26

KulturFenster


Chorwesen

Studien zur Virusübertragung

beim Singen

Studien untersuchten bereits die Frage,

warum sich im Chor viele Personen leicht

anstecken. Weitere Studien sind im Gange.

Christian Kähler, Professor für Strömungsmechanik

und Aerodynamik an der Universität

der Bundeswehr München, hat am 7. Mai

Resultate einer Testreihe zur Ausbreitung

von Tröpfchen und Schwebeteilchen in der

Luft, den Aerosolen, bei Instrumenten und

Stimmen veröffentlicht und auch mit einem

Video auf Youtube veranschaulicht. Seine

Experimente zeigen, dass die Luft durch

Gesang nur innerhalb eines sehr begrenzten

Bereichs messbar verwirbelt wird, etwa

50 Zentimeter. Sie bestätigen also die Beobachtung

vom Test mit einer brennenden

Kerze, die vor dem geöffneten Mund eines

Singenden kaum ins Flackern gerät. Nach

dieser Studie müsste ein Sicherheitsabstand

von 1,5 Metern und eine versetzte Aufstellung

im Chor ausreichen, um gegenseitige

Infektionen selbst beim Husten zu vermeiden.

Auch das Freiburger Institut für Musikermedizin

hat inzwischen seine Risikoeinschätzung

vom 25. April verändert, in der

noch grundsätzlich vom Chorsingen abgeraten

wurde; es empfi ehlt seit 6. Mai einen

Abstand von zwei Metern.

Die Studie berücksichtigt allerdings nicht

besondere Eigenarten des Singens wie die

Tatsache, dass Sängerinnen und Sänger

besonders tief einatmen, dass sich die Viren

in der Luft halten, da es sich ja um geschlossene

Räume handelt. Dass sich Teilchen

in der Luft halten, also nicht nur beim

Singen selbst für Ansteckung sorgen, dafür

sprechen die Untersuchungen der Forscherin

Shelly Miller aus Colorado. Die Professorin

für Mechanical and Environmental Engineering

beschäftigt sich schon länger aus

der Perspektive der Umweltwissenschaft mit

Aerosolen; sie verweist auf die hohe Zahl

von Covid-19-Infektionen in geschlossenen

Räumen. In China war nur einer von 314

dokumentierten Ausbrüchen nachweislich

auf eine Ansteckung in freier Luft zurückführen.

Japanische Forscher schätzen die

Wahrscheinlichkeit, sich innerhalb eines

Raumes anzustecken, als zwanzig Mal so

hoch ein wie die Wahrscheinlichkeit einer

Infektion im Freien. So wird man wohl trotz

der eher positiv klingenden Studie der Bundeswehr

vorerst besser auf die Nähe bei gemeinsamen

Proben verzichten.

Vor dem Computer singen?

Auch wenn die Gemeinschaftserfahrung

im Chor nicht möglich ist, so sollten Sängerinnen

und Sänger die wissenschaftlich

nachgewiesenen gesundheitsfördernden

Wirkungen des Singens gerade in diesen

Zeiten für sich nutzen. Neben den digitalen

Projekten, in denen man mit anderen

in Gemeinschaft singt, sollte man seine

Stimme pflegen. Als Gesundheitseinrichtung

für Sänger und Instrumentalisten stellt das

Freiburger Institut für Musikermedizin (FIM)

konkrete Anregungen für tägliche Übungen

und Tipps auf seiner Website (unter «Aktuelles»)

zur Verfügung. Viele Chöre verlagern

ihre Tätigkeiten ins Netz mit Übeprogrammen

wie Carus music App, die Übehilfen

für größere Standardwerke enthält. Eine

Möglichkeit ist auch, Probenideen-Midi-

Dateien zu erstellen, um Übehilfen zu geben

oder einzelne Stimmen einzuspielen

und als Übehilfen zu verschicken. Eine weitere

Möglichkeit ist die musikalische Analyse

und das Besprechen von Texten in digitaler

Konferenz. Für jede Stimme kann

außerdem Rhythmus, Aussprache des

Textes und Probenanweisung eingesprochen

werden, ebenso Einzelstimmen und

Tutti-Einspielungen. Diese werden dann

zu den Probenzeiten den Mitgliedern online

zur Verfügung gestellt. Technisch sind

die Hürden für eine Online-Probe relativ gering,

wenn man Computer und Internet hat.

Doch das reicht nicht. Es braucht vor allem

die Bereitschaft und das technische Können

des Chorleiters, der Regie führen muss.

Vor allem aber müssen alle die Sinnhaftigkeit

solcher Treffen erkennen. Wenn man

glaubt, dass eine reale Probe durch nichts

zu ersetzen ist und solche Treffen eher als

Belastung und unnatürlich angesehen werden,

dann hat es wohl wenig Sinn. Außerdem

ist die Disziplin wichtig: Probt gerade

die eine Stimme, treten die gleichen Probleme

auf wie in jeder normalen Chorprobe:

Wer gerade nichts zu tun hat, macht was

anderes. Zoom ermöglicht es, Teilnehmer

stumm zu schalten und Gruppen zu bilden,

um so mit den einzelnen Stimmen zu proben.

Die Einteilung in einzelne Gruppen ermöglicht

es, untereinander innerhalb dieser

Gruppe zu proben, der Chorleiter kann sich

dort dann jederzeit zuschalten.Zu Hause geprobt

werden kann aber auch ganz ohne

Videokonferenzen. Der Arrangement-Verlag

stellt zum Beispiel einzelne Stimmen

von Werken als Audiodatei zur Verfügung.

Dass die Chorprobe und das Konzert mit

realer Präsenz aller nicht zu ersetzen sind,

darüber sind sich wohl alle einig. So bleibt

nur, auf eine Zeit zu hoffen, dass dies wieder

möglich ist. Da stellt sich aber eine andere

Frage: Hören viele Menschen aus Angst

vor Ansteckung mit dem Singen auf? Erich

Deltedesco glaubt das nicht: „Wir werden

besonders auf die Risiko-Gruppen Rücksicht

nehmen. Ich bin mir sicher, dass alle wieder

mit Freude und Begeisterung beim Chorsingen

dabei sein werden – wenn die Gefahr

einmal vorbei ist.“ Eine ganz normale Probentätigkeit

wird aber erst wieder möglich

sein, wenn weniger strenge Regeln gelten.

Chorleiter/in gesucht!

Der Ahrntaler Männerchor, der 2019 sein 40jähriges Jubiläum feierte, ist auf der

Suche nach einem neuen Chorleiter oder einer Chorleiterin. Gegenwärtig hat der

Chor 34 aktive Mitglieder und will nach Bewältigung der Corona-Krise neu durchstarten.

Interessierte können jederzeit zusätzliche Informationen anfordern. Für hilfreiche

Hinweise sind wir dankbar. Kontakt unter ahrn.maennerchor@gmail.com oder telefonisch

bei Obmann Hermann Lunger (0474 671239 oder 3403316551), Ausschussmitglied

Martin Rauchenbichler (3482258704) und Ausschussmitglied Hans Fischer (3478445513).

Nr. 02 | Juni 2020 27


im im Gedenken

„Ich bin heimgegangen ins Licht …

… Danke, dass ihr ein Stück Weg mit mir gegangen seid!“

Mit diesen Worten und dem Bild einer

warm leuchtenden Kerze hat Hildegard

Pernter Kostner aus Truden in ihren letzten

Lebenstagen einen Abschiedsgruß

gestaltet.

Auch viele Volksmusikfreunde aus Südtirol

dürfen sich von diesem Gruß angesprochen

fühlen! Hat Hildegard doch im

Laufe der letzten Jahrzehnte immer wieder

Freude und Dankbarkeit darüber geäußert,

dass durch die Teilnahme an der

Sing- und Musizierwoche in Burgeis im

Jahre 1984 für sie eine neue Welt aufgegangen

sei. Im großen Kreis der Volksmusikantenfamilie

hat sie „Heimat“ gefunden,

viele Erlebnisse mit sing- und

musizierfreudigen Menschen haben ihr

Leben bereichert. Über Jahre war sie bei

den Südtiroler Singtagen und der Singund

Wanderwoche dabei, einige Male

auch beim Seminar für kleine Singgruppen

in Mellaun; mit ihrem herzlichen und

geselligen Wesen war sie bei Veranstaltern

und Teilnehmern sehr beliebt.

Als Altsängerin und Gitarristin hat sie mit

Einsatzbereitschaft und Ausdauer bei

verschiedenen Sing- und Musiziergruppen

mitgewirkt: Schrofener Soatnmusig,

Unterlandler Hausmusik, Chor der Grieser

Bäuerinnen, Grieser Frauenxång,

Pfarrchor Gries . . ., in Truden hat sie

die Frauen- und Kindersinggruppe

unterstützt, wenn sie darum gebeten

wurde. Hildegard gehörte auch zu den

treuesten Hörerinnen der Volksmusiksendungen

der Rai Südtirol.

Ich selbst habe Hildegard vor über 30

Jahren bei den theologischen Kursen

in Brixen kennengelernt, und diese

Freundschaft hat zur Gründung des

Viergesanges „Unterwegs“ geführt.

Gemeinsam mit Walter Weissteiner

aus Weitental und Paul Silbernagl aus

Bozen waren wir von 1989 bis 1996

schon allein zum Proben viel „unterwegs“,

und Auftritte haben uns sogar

bis nach Karlsruhe und nach Oberösterreich

geführt. Hildegard hat nicht

nur einmal lachend gemeint: „I bin

ållm af der Schellrodl.“

Anfang April 2020 ist Hildegards „Unterwegssein“

auf dieser Erde leider zu

Ende gegangen. Nach einem Jahr des

Hoffens und Bangens ist sie infolge einer

Krankheit in Frieden und Stille zu

Gott heimgekehrt.

Liebe Hildegard, mögest du nun in der

Gemeinschaft der himmlischen Chöre

aufgenommen sein und ewige Freude

genießen dürfen!

KulturFenster

Redaktion KulturFenster

Ihre Beiträge für das Chorwesen senden Sie bitte an: info@scv.bz.it (Südtiroler Chorverband)

Redaktionsschluss für die nächste Ausgabe des KulturFensters ist Freitag 17. Juli 2020.

28

KulturFenster


Stimmgabel

Chorwesen

Eine große Bereicherung für Brummnet

Konzertreise des bekannten Männerchors nach Südafrika

Brummnet, der Männerchor, ist eines der

Aushängeschilder der Südtiroler Chorwelt.

Der Männerchor aus dem Pustertal durfte zu

seinem 15­jährigen Jubiläum Ende Februar

ein weiteres Highlight seiner Tätigkeit erleben:

der Chor brach am 21. Februar zu einer

achttägigen Konzertreise nach Südafrika auf.

Die Wahl auf Südafrika war naheliegend,

da einer der beiden Chorleiter (Johann van

der Sandt) ein gebürtiger Südafrikaner ist und

natürlich noch immer ausgezeichnete Kontakte

zur dortigen Chorwelt hat. Von München

startete das Ensemble mit fünfzehn

Sängern und den beiden Chorleitern, Clara

Sattler und Johann van der Sandt, über Dubai

zum ersten Ziel der Reise nach Pretoria.

Dort angekommen wurden die Sänger

bei Gastfamilien untergebracht und durften

so im persönlichen Kontakt die Kultur und

Lebensart des Landes hautnah miterleben.

Bei einem typischem „Braai“, einer südafrikanischen

Grillfeier, wurden die Südtiroler

Sänger von den Gastfamilien willkommen

geheißen und durften sich von der Reise

erholen. Am zweiten Tag der Reise standen

dann schon die ersten Konzerte auf dem Programm.

Das erste war die Mitgestaltung eines

Gottesdienstes in der evangelischen Kirche

„Stella Street“ im Stadtteil Brooklyn in Pretoria.

Trotz der frühen Stunde und Restmüdigkeit

war es für alle ein wunderbares Erlebnis

und Brummnet kam so gut an, dass

ein spontaner Auftritt beim zweiten Gottesdienst

organisiert wurde. Am Nachmittag

schließlich stand das nächste Konzert in der

Kirche der deutschen Johannes-Gemeinde

von Pretoria auf dem Programm. Das Konzert

wurde zusammen mit dem „Resonanz

Vocal Ensemble“ gestaltet. Das Ensemble ist

eines von denjenigen, welches von brummnet-Chorleiter

Johann van der Sandt während

seines Schaffens in Südafrika geleitet

wurde. Spätestens nach diesem Konzert war

Brummnet in Südafrika angekommen und

erfreute sich an der Herzlichkeit und Begeisterungsfähigkeit

der Südafrikaner. Nach

dem Konzert wurde mit den Mitgliedern der

deutschen Gemeinde und den Sängern von

Resonanz gefeiert und gesungen. Vor allem

die Jodel-Künste von Clara Sattler werden

wohl so einigen Südafrikanern lebenslang

im Gedächtnis bleiben.

Am nächsten Tag der Tour ging es für

Brummnet zuerst in eine Schule in Pretoria,

wo bei der wöchentlichen Schulversammlung

ein Auftritt von brummnet eingeplant war.

Vor einigen hundert Schülern begeisterte der

Chor in gewohnter Manier mit musikalischer

Perfektion. Nach dem letzten Stück, einem

südafrikanischen Volkslied,

gab es für die Schülerinnen

und Schüler kein

Halten mehr: erst nach langen

Standing-Ovations und

dem Einschreiten der Professoren

war wieder an ein

Fortführen des Schulalltages

zu denken. Brummnet

wurde danach noch

eine Schulführung angeboten,

bei der eine Klasse

mit einem Exklusiv-Konzert beglückt wurde.

Nach diesem wunderbaren Erlebnis fuhren

die Männer ins „Lesedi-Kulturdorf“, wo sie

die verschiedenen Stämme der Ureinwohner

Südafrikas mit ihren verschiedenen Traditionen,

Gesängen und Tänzen kennenlernen

durften. Am Abend war es dann Zeit für

den nächsten Höhepunkt. Brummnet traf auf

den südafrikanischen "Vox Chamber Choir",

(Beistrich!!) der von Franco Prinsloo geleitet

wird. Herr Prinsloo ist ein junger südafrikanischer

Komponist und Chorleiter, welcher

auch für Brummnet ein Werk geschrieben

hat. In der wunderbaren Atmosphäre der Kirche

im Haus Nazareth wurde dem ausverkauften

Haus feinste Chormusik präsentiert.

Am Dienstag war es Zeit von den Gastfamilien

Abschied zu nehmen. In den wenigen

Tagen entstanden einige Freundschaften

und der Abschied fi el alles andere als

leicht. Für Brummnet ging es weiter zur Safari

nach Dinokeng. Die unglaubliche Pflanzen-

und Tierwelt des afrikanischen Kontinents

konnte bestaunt und aufgesogen

werden und hat bei den Sängern bleibende

Eindrücke hinterlassen.

Der Mittwoch stand im Zeichen der Weiterreise

nach Kapstadt. Nach der Ankunft

am Flughafen ging es direkt weiter zum Kap

der guten Hoffnung. Natürlich wurde auch

dort im besten „Brummnet-Style“ südtiroler

und südafrikanisches Liedgut verbunden.

Der Donnerstag sollte eigentlich auf dem

berühmten Tafelberg beginnen. Doch aufgrund

von Wolken und des starken Windes

wurde stattdessen eine Rundfahrt durch

Kapstadt organisiert. Am Abend gab es dann

das letzte Konzert der Reise in der „Western

Eine interessante Chorreise erlebten

die Sänger vom Chor Brummnet.

Preparatory School“ im Stadtteil Claremont.

Was bei der Reise für die Südtiroler Männer

natürlich nicht fehlen durfte, war der

Vergleich der südafrikanischen Weine mit

den Unsrigen. Hierzu wurden am letzten

Tag der Reise zwei Weingüter besucht, bei

denen die Verkostung der besten südafrikanischen

Weine und zudem die Gemeinschaft

im Vordergrund standen.

Brummnet ist es bei dieser Reise nicht

nur gelungen, feinste Südtiroler Chormusik

zu präsentieren. Die Chormitglieder durften

ein extrem musikbegeistertes Volk kennenlernen,

das zudem sehr gastfreundlich ist.

Die Eindrücke von Menschen und Kultur,

aber auch der Gemeinschaft im Chor und

die Schönheit des Chorsingens hinterließen

bleibende Eindrücke, von denen die Mitglieder

noch lange zehren können.

Ein großer Dank geht an dieser Stelle an

den Ausschuss von Brummnet unter der

Obhut von Sieghard Amhof und den beiden

Chorleitern Clara Sattler und natürlich Johann

van der Sandt. Johann van der Sandt und

Sieghard Amhof sind es gewesen, die den

größten Teil der Reise perfekt organisiert haben.

Diese Reise war ein richtiges "moerse"

(afrikanisch) Abenteuer und eine wunderbare

Bereicherung für den Chor.

Nr. 02 | Juni 2020 29


Stimmgabel

Fahnenweihe in Martell

Für den Chor „Schianbliamltol“

Anlässlich des Patroziniums der hl. Walburga

wurde am Sonntag, 1.März 2020 in

Martell die neue Fahne des gemischten

Chores „Schianbliamltol“ gesegnet und

ihrer Bestimmung übergeben.

Auf Anregung einiger Chormitglieder

hin hat der Ausschuss vor einiger Zeit

beschlossen, für besondere Feierlichkeiten

eine Vereinsfahne für die Chorgemeinschaft

anzuschaffen. Der Marteller

Künstler Walter Kuenz wurde mit der

Gestaltung der Fahne beauftragt. In seinen

Vorschlägen und in der Ausführung

hat er die sakrale (religiöse) und profane

(weltliche) Ausrichtung des Chores aufgegriffen.

Die Farben in der Fahne haben seinen

Aussagen zufolge eine bestimmte Symbolik:

Das Blau steht für Wasser, das Goldgelb

für Feuer und den Sonnenaufgang

und das Grau für Alter und Weisheit. Zentrales

Motiv ist ein singender Engel mit

Buch. Angefertigt wurde die Fahne vom

Unternehmen IDEA in Naturns. Beim feierlichen

Gottesdienst, der vom Chor mit

der Gounod - Messe umrahmt wurde,

segnete Hochwürden Josef Stricker die

neue Fahne. Als Fahnenpatin konnte Gerlinde

Fleischmann und als Fähnrich Armin

Oberhofer gewonnen werden.

Neben mehreren Ehrengästen konnte

Obmann Stefan Kobald auch die Gemeindeverwaltung

und den Verbandsobmann

Hochwürden Josef Stricker segnete die Fahne.

der Südtiroler Chöre, Herrn Erich Deltedesco,

begrüßen. In seiner Ansprache

ging Stefan Kobald auf die besondere

Bedeutung einer Fahne ein: Sie ist ein

Symbol, welches vereint, einer Gemeinschaft

Wurzeln gibt und nicht zuletzt als

Zeichen für innere Werte steht. Als Wahrzeichen

des Chores soll sie bei freudigen,

aber auch bei traurigen Ereignissen mitgetragen

werden.

Nach dem Festgottesdienst wurden

die Chormitglieder von der Musikkapelle

ins Bürgerhaus begleitet, wo sie

sich im Rahmen der Kirchtagsfeier auch

zum jährlichen Vereinsessen trafen. Für

25 Jahre Chorsingen wurde Waltraud

Spechtenhauser geehrt.Die Bäuerinnen

verwöhnten alle mit schmackhaften Gerichten

und köstlichen Kirchtagskrapfen.

Der Obmann betont: „Ihnen und

allen Sponsoren und Gönnern des Vereins

sei an dieser Stelle nochmals herzlich

gedankt! Wir Sängerinnen und Sänger

hoffen und wünschen, dass unsere

Fahne den Schianbliamltol - Chor viele

Jahre begleitet und vorangetragen wird!“

Hermann Schölzhorn wurde 70

Kirchenchor Ridnaun

Am 4. April feierte der allseits geschätzte

Obmann des Kirchenchors Ridnaun Hermann

Schölzhorn seinen 70. Geburtstag.

Der Kirchenchor Ridnaun wünscht mit

diesen Worten dem Obmann alles Gute:

„Für das neue Lebensjahr wünschen wir

dir gutes Gelingen in allen Dingen, viel

Freude und das alles natürlich bei bester

Gesundheit. Außerdem möchten wir diese

besondere Gelegenheit nutzen, um dir im

Namen aller Sängerinnen und Sänger ein

großes Dankeschön zu sagen, für deinen

unermüdlichen Einsatz für unseren Chor.

Mögest du uns noch lange als begeisterter

Sänger und als Obmann erhalten

bleiben!“

30

KulturFenster


Das Thema

Heimatpflege

Corona – und was kommt danach?

Die Krise als Chance für Maßnahmen zum Schutz unserer Heimat und Umwelt

Eine Frage treibt uns alle auch nach der

Aufhebung einiger Einschränkungen um:

Wird es jemals wieder eine Art von „Normalität“

geben, wie sie vor dem Ausbruch

der Pandemie geherrscht hat? Und war

das wirklich „normal“, was da letzthin so

alles abgelaufen ist? Viele Wissenschaftler,

Zukunftsforscher, Philosophen geben Antworten.

Sie erklären Entwicklungen, geben

mehr oder weniger hoffnungsfrohe Aussichten

oder führen uns zu Überlegungen,

die wir „früher“, in der Hektik unserer Tage,

zumeist beiseite geschoben haben. Precht

stellte diesbezüglich auch die Überlegung

an, ob denn das, was wir gerade erleben,

das große Erwachen aus unserem imaginären

Lebensfilm sei und ob unsere nicht

hinterfragten Alltagsroutinen, unsere übertriebenen

Sorgen und überzogenen Wünsche

jetzt sichtbar würden.

Falsche Hoffnungen

Sellajoch während der Mittwochssperre: Die Verkehrsreduzierung auf den Pässen ist

nur eine Maßnahme, die die Politik jetzt setzen sollte.

Das Coronavirus hat das Leben der Menschen

so radikal verändert, wie es seit dem Zweiten

Weltkrieg nicht mehr passiert war. Neben

Ängsten und Sorgen ebnen sich aber auch

kleine Freuden und Hoffnungen den Weg in

unser Bewusstsein. Wir Heimatpfleger haben

die Hoffnung und den Wunsch, dass nicht nur

die einfachen Bürger, sondern auch die Entscheidungsträger

aus der Krise lernen und

den Mut aufbringen, strenge Maßnahmen für

eine bessere Welt zu ergreifen.

Die Coronazeit war und ist für viele immer

noch eine physische und emotionale

Belastung, in der sie sich um ihr eigenes

Wohl und jenes ihrer Familienangehörigen

sorgen. Wir wissen nun alle, was es heißt,

für eine geraume Zeit in der Bewegungsfreiheit

und in den sozialen Kontakten eingeschränkt

zu sein, gemeinsame kirchliche

und andere Feste nicht feiern oder persönlich

von Sterbenden Abschied nehmen zu

können. Wer letzthin viel Zeit in den eigenen

vier Wänden verbracht hat, musste

zudem oft erst lernen, damit umzugehen.

Manchen gab diese Zeit auch die Möglichkeit,

ihren Blick weg vom Äußeren hin

zum Inneren zu richten, sich neu kennenzulernen

– ganz nach dem Motto des Philosophen

Richard David Precht: „Wer bin

ich, und wenn ja, wie viele?“

Es geht auch um die wirtschaftliche, kulturelle

und soziale Entwicklung unserer Gesellschaft.

Wir haben die rigiden Maßnahmen,

die die Politik nach Ausbruch der Pandemie

getroffen hat, in der Regel anstandslos

akzeptiert, weil unsere Tiefenangst uns

um die eigene Gesundheit bangen ließ. Zu

spüren war aber auch eine verstärkte Solidarität

gegenüber Schwächeren und Alten

in der Gesellschaft, was ein wertvolles Zeichen

von Verantwortung darstellt.

Was ist normal?

Dass Corona uns unmittelbar bedroht, wissen

wir erst seit Kurzem. Wir wissen aber

schon seit Langem, dass, wenn wir so weiterleben

und wirtschaften wie bisher, wenn

wir mit den natürlichen Ressourcen unserer

Erde weiterhin so leichtfertig umgehen,

wenn wir unser Umweltverhalten nicht

massiv verändern, auf eine Klimakatastrophe

hinsteuern, die ein Stück weit gravierendere

Auswirkungen haben wird, als die

derzeitige Pandemie (siehe Interview mit

Georg Kaser). Warum nimmt man die Warnungen

der Wissenschaftler in dieser Materie

nicht so ernst wie jetzt die der Virologen

zu Corona?

Winfrid Herbst, Vorsitzender des Naturschutzbundes

Salzburg, hat das in seinem

Artikel „Alte Wege endlich verlassen“ („Salzburger

Nachrichten“, 6. April 2020) damit

erklärt, dass die Angst vor Pandemien im

kollektiven Gedächtnis verankert sind, dass

aber unser kollektiver Erfahrungsschatz im

Umgang mit den Umweltgütern bei aller

erkennbaren Bedrohung immer noch auf

Hoffnung eingestellt ist. Aber genau das ist

der Trugschluss, denn die Umweltproblematik

ist wissenschaftlich vielfach bewiesen,

real und in vielen Anzeichen – auch

in unserer Gegend – schon spürbar. Allein

die Tatsache, dass die Weltbevölkerung rasant

wächst, bedeutet, dass der Druck auf

die Ressourcen dieses Planeten immer stärker

wird. Das Verhältnis zwischen dem ungehemmten

Anspruch des Menschen auf

der einen Seite und den natürlichen Mög-

Nr. 02 | Juni 2020 31


Das Thema

Die positive Seite der Coronamaßnahmen: In vielen Gebieten Europas ist die Luftverschmutzung zurückgegangen, hier sichtbar an

der verminderten Stickstoffdioxid-Konzentration über Italien. Quelle: ESA

lichkeiten auf der anderen droht zu kippen

– mit all den daraus folgenden apokalyptischen

Folgen für Mensch und Natur: Es

wird eng – im wörtlichen und übertragenen

Sinn des Wortes.

Jetzt handeln

Man hat in der Coronakrise gesehen, dass

sich Menschen ändern können, wenn sie

es müssen bzw. wenn sie sich unmittelbar

in Gefahr sehen. Und vor allem schaffen es

Politiker, bis dato unvorstellbare, weil unpopuläre

Maßnahmen zu ergreifen, wenn es

die Notsituation erfordert. Es ist also jetzt

ein sehr günstiger Augenblick für alle Entscheidungsträger,

die Welt nach Corona zu

denken: Wie es von einem Tag auf den anderen

einschneidende Maßnahmen zum

Personen- und Warenverkehr, zur Arbeit,

zur Freizeit, zur medizinischen Versorgung

usw. gegeben hat, so müsste es ab jetzt möglich

sein, einschneidende und unpopuläre

Maßnahmen zu ergreifen, wenn es um den

Schutz der Natur und unserer Gesundheit

vor Umweltbelastungen geht. Denn ein geschwächter

Mensch ist anfälliger – auch für

die nächste Krise. Jetzt müssen die Politiker

den Mut aufbringen und überall dort, wo

man schon seit Jahren weiß, dass das vernünftige

Maß längst überschritten wurde,

einen Stopp erlassen! Ausbaustopp in Skigebieten,

Schließung der Pässe für den

Individualverkehr, Einführung einer Obergrenze

für den Tourismus, Kostenwahrheit

im Warentransport, Bemautung der Transitrouten,

Einhaltung der Schutzregeln in

"Die reinste Form des

Wahnsinns ist es, alles

beim Alten zu belassen

und gleichzeitig zu hoffen,

dass sich etwas ändert."

Albert Einstein

den Bereichen Natur- und Umwelt – dies

und vieles mehr fordern wir Heimatpfl eger

bereits seit vielen Jahren.

Vielleicht haben die Politiker jetzt erkannt,

dass vergängliche Dinge wie Macht,

Ruhm und Besitz kein Garant für das Glück

sind, dass sich Stärke und Wohlstand nicht

allein durch die Summe der äußeren Güter

manifestiert, sondern dass es auf weitaus

wichtigere Dinge im Leben eines jeden ankommt.

Zu hoffen ist auch, dass die Menschen

aufwachen und im täglichen Bemühen

um eine gesunde Mitwelt mehr Mut

an den Tag legen.

Die Frage, ob es jemals wieder eine Art

von Normalität geben wird, wie sie vor dem

Ausbruch der Coronapandemie geherrscht

hat, ist wohl zu verneinen. Wir werden alle

mit mehr Vorsicht und mit mehr Augenmaß,

vor allem aber mit mehr Respekt

vor unserer Natur und unserem Mitmenschen

handeln müssen, damit wir nicht

bald wieder in die nächste schwere Wirtschafts-,

Gesundheits- und Gesellschaftskrise

stürzen.

Dr. Claudia Plaikner,

Landesobfrau des

Heimatpfl egeverbandes

KulturFenster

Redaktion KulturFenster

Ihre Beiträge für die Heimatpflege im KulturFenster senden Sie bitte an: fl orian@hpv.bz.it

Für etwaige Vorschläge und Fragen erreichen Sie uns unter folgender Nummer: +39 0471 973 693 (Heimatpfl egeverband)

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KulturFenster


Heimatpflege

„Gegen den Klimawandel gibt

es keinen Impfstoff“

Südtiroler Klimaforscher Georg Kaser wirbt für ein Nachdenken vor dem Neuanfang

Der „Lockdown“ im Zuge der Coronakrise

hat die Wirtschaft zum Erliegen gebracht.

Doch auch die Phase des Wiederaufbaues

gestaltet sich schwierig. Vor allem der Tourismus

wird noch lange an den Folgen der

Pandemie leiden. Genau das wäre jetzt die

Gelegenheit über Veränderungen nachzudenken,

sagt der aus Meran gebürtige Klimaforscher

Georg Kaser.

Kulturfenster:Sie haben während der akuten

Phase der Coronapandemie den Klimawandel

als noch viel größere Herausforderung

bezeichnet als die aktuelle Gesundheitskrise.

Wie ist das zu verstehen?

Georg Kaser: Die Coronapandemie ist

schlimm und hat viele Opfer gefordert.

Aber wir haben die Hoffnung, dass irgendwann

ein Impfstoff oder ein Medikament

gefunden wird, mit dem wir die Krankheit

endgültig stoppen können. Beim Klimawandel

ist das anders. Er wird, sofern wir nicht

umgehend etwas dagegen unternehmen, in

den nächsten Jahrzehnten Millionen Menschen

die Lebensgrundlage entziehen. Die

Opferzahl wird um ein Vielfaches höher liegen

als wir sie jetzt bei Covid-19 beklagen.

Die einen werden sterben, die anderen

flüchten. Auch wir in den Industrieländern

werden die Veränderungen stark spüren.

Wir sollten uns deshalb bewusst sein: Gegen

den Klimawandel gibt es weder einen

Impfstoff noch ein Medikament.

KF: Was kommt da auf uns zu?

G. Kaser: Vom Anstieg des Meeresspiegels

über Niederschlagsextreme und Trockenperioden

bis zum Auftauen des Permafrostes

gibt es zahlreiche Phänomene, die

die Welt verändern werden. Wird die globale

Erwärmung nicht bald schon stark eingedämmt,

steht Teilen der Antarktis und der

tropischen Regenwälder ein Kollaps bevor.

Weil es in den Meeren sogenannte ozeanische

Hitzewellen weiter zunehmen werden,

kann kaum noch Sauerstoff in die tiefere

Meeresschichten gelangen. Wenn aber

im Meer Lebensräume zerstört werden, wirkt

sich das massiv auf die Nahrungskette und

auf das gesamte Ökosystem aus. Was das

Auftauen des Permafrostes betrifft, beeinflusst

das die Festigkeit des Gesteins, zudem

entsteht beim Auftauen Methan. Das

treibt die Treibhausgasmenge in die Höhe.

Insgesamt gesehen, wird es immer weniger

Plätze auf der Erde geben, wo Menschen

überleben können …

KF: Ein düsteres Bild. Sind Sie Optimist

oder Pessimist?

G. Kaser: Ich bin in erster Linie Wissenschaftler

und sehe meine Verantwortung

darin, auf die drohende Entwicklung aufmerksam

zu machen. Tatsache ist, dass

wir es schaffen müssten, die weitere globale

Erwärmung unter 1,5 Grad Celsius

zu halten. Nur dadurch könnten wir die

Erde vor noch katastrophaleren Klimaveränderungen

schützen als sie ohnehin anstehen.

Im Moment steuern wir aber auf 3

bis 4 Grad alleine bis 2100 zu. Nur wenn

wir in den nächsten sechs bis acht Jahren

den CO 2

-Ausstoß in Relation zu 2010 um

45 Prozent senken, hätten wir eine Chance,

diese Kurve zu kriegen.

Die Gletscher schmelzen – unaufhaltsam. Hier der Blick auf den Steinschlagferner im Schnalstal. Foto: Daniela Brugger

Nr. 02 | Juni 2020 33


Das Thema

KF: Welches Szenario zeichnen Sie in den

nächsten Jahrzehnten für Südtirol – Stichwort

Gletscherschmelze?

G. Kaser: Das völlige Abschmelzen der

Gletscher ist jetzt schon nicht mehr aufzuhalten.

Vermutlich wird es in 30 Jahren

in Südtirol keinen Gletscher mehr geben.

Aber dieses Phänomen wird sich weit

weniger auswirken als etwa die Wetterextreme

oder die Schwankungen bzw. Verschiebungen

der Winterniederschläge. Es

wird wärmere und trockenere Winter geben.

Und wenn die Niederschläge wirklich

fallen, dann in immer höheren Lagen

vermehrt in Form von Regen statt Schnee.

Das Wasser wird also schneller abfl ießen,

es wird weniger saisonale Wasserspeicherung

geben. Auch werden Regen im Winter

und weiteres Auftauen von Permafrost

zu vermehrten Bergstürzen und Vermurungen

führen. Insgesamt müssen wir auf der

Alpensüdseite mit mehr Trockenheit und,

wie gesagt, mit Wetterextremen rechnen,

deren Auswirkungen nur begrenzt kontrollierbar

sind.

KF: Warum haben Sie sich gerade jetzt öffentlich

zum Klimawandel geäußert, da die

Welt doch auf den ersten Blick ganz andere

Probleme hat?

G. Kaser: Ich finde, es war der richtige

Zeitpunkt. Wir erleben im Moment, welche

Folgen eine Globalisierung hat, die

die Kontrolle den Märkten statt den Menschen

überlässt, die eine gefährliche Abhängigkeit

schafft, die unsere Wirtschaft

und unsere Umwelt extrem fragil macht.

Wir haben es bei der Schutzausrüstung

gesehen, die von China importiert werden

muss; wir sehen es seit Jahrzehnten bei

den fossilen Brennstoffen. Jetzt hätten wir

noch eine kleine Chance, etwas zu verändern.

Man ist nach der akuten Phase der

Pandemie an einem Punkt, an dem die

Wirtschaft wieder hochgefahren wird. Das

muss und wird notgedrungen langsam geschehen.

Es wäre also genug Zeit, um Konzepte

für eine neu orientierte, stabilere und

sozial gerechtere Wirtschaft zu schaffen.

KF: Wie konkret kann das passieren?

G. Kaser: Da gibt es viele Möglichkeiten,

auch für die Europäische Union, die Spielraum

genug hat, um die Wirtschaft umzulenken.

Man kann zum Beispiel Steuern

auf fossile Brennstoffe erheben, man

kann die Subventionen neu gestalten. Es

gilt, jene Unternehmen zu fördern, die auf

„Wir erleben im Moment, welche Folgen eine Globalisierung hat, die

die Kontrolle den Märkten statt den Menschen überlässt,

die eine gefährliche Abhängigkeit schafft, die unsere Wirtschaft und

unsere Umwelt extrem fragil macht.“

Nachhaltigkeit, Umwelt und soziale Gerechtigkeit

setzen, die das Gemeinwohl in den

Mittelpunkt stellen. Solche Unternehmen

gibt es in größerer Zahl als man oft meint.

KF: Brechen wir das Thema auf die aktuelle

Situation in Südtirol herunter. Was könnte

die Politik, was könnten die Unternehmen

aus der Pandemie lernen?

G. Kaser: Die Krise hat den Tourismus ganz

besonders getroffen, und auch wenn die

Betriebe zum Teil wieder geöffnet sind,

wird das große Geschäft heuer ausbleiben.

Dieses Jahr sollte man nutzen, um

zu überlegen, welches „Produkt Südtirol“

man den Besuchern künftig bieten möchte

– und entsprechende Konzepte erstellen.

Vielleicht sollte ein Südtirolurlaub echte

Erholung sein und nicht Wochenendkonsum

mit massiven Verkehrsbelastungen

und riesigem CO 2

-Fußabdruck. Da spielt

auch die Kulturlandschaft eine große Rolle.

Was machen wir damit? Können wir sie authentisch

und nachhaltig erhalten und da-

Zur Person

Georg Kaser, 1953 in Meran geboren,

zählt zu den einfl ussreichsten

Klimaforschern weltweit. Sein Forschungsschwerpunkt

galt immer

schon den Gletschern.

Zwar ist Kaser seit zwei Jahren in

Rente, doch forscht er weiter und

ist nach wie vor als Professor und

als Dekan der Fakultät für Geo- und

Atmosphärenwissenschaften an der

Universität von Innsbruck tätig.

Er erachtet den Klimawandel als

noch weit größere Herausforderung

als die Coronapandemie. Mit seiner

Frau lebt Kaser in Karthaus.

mit eine stabile Basis auch für die Tourismuswirtschaft

bieten?

KF: Ja, was machen wir mit der Kulturlandschaft?

G. Kaser: Hier kommt die Landwirtschaft ins

Spiel. Die Bauern werden ja oft als Landschaftspfl

eger bezeichnet. Dabei könnten

sie doch viel mehr als bisher zur regionalen

Versorgung mit Lebensmitteln beibragen.

Alles spricht jetzt wieder vom hohen Wert

der kleineren Wirtschaftskreisläufe, der regionalen

Versorgung. Dann wäre doch jetzt

die Gelegenheit, die Unterstützungsmaßnahmen

für die Landwirtschaft zu überdenken

und wieder das zu fördern, was

die ursprüngliche Aufgabe der Landwirtschaft

war. Sonst verkommen die Holzhütten

auf den Almen wirklich zur Dekoration.

Interview: Edith Runer

34

KulturFenster


Heimatpflege

Offen, kritisch und aktiv –

auch nach Corona

Ein Beitrag von Vorstandsmitglied Dr. Josef Vieider

In folgendem Beitrag wirft Vorstandsmitglied

Josef Vieider einen kritischen Blick auf so

manche Leitsprüche und Schlagwörter, die

im Zuge der Coronapandemie eine besondere

Bedeutung bekommen – und andere,

die an Bedeutung verlieren.

Vielleicht ist sie nicht allen aufgefallen,

die kleine Veränderung am Logo des

Heimatpfl egeverbandes Südtirol: In den

Balken des stilisierten HV prangen seit

fast zwei Jahren die drei Worte „offen,

kritisch, aktiv“, und die Jutetaschen, erhältlich

im Verbandsbüro, tragen die Aufschrift

„Für Kultur, Landschaft, Mitwelt“.

Je drei kurze Schlagworte verdeutlichen

die Arbeitsweise und

das Einsatzgebiet unseres

Verbandes – ein

Teilergebnis der Klausurtagung

von 2017.

Wie eine uns allen

aufgezwungene Klausur

erscheint die über

die Welt hereingebrochene

Coronapandemie

mit dem „Lockdown“ der letzten Wochen.

Plötzlich hatten die meisten Leute

Zeit zum Nachdenken, Nachlesen, zum

Überlegen, was im Leben wichtig ist. Plötzlich

standen die bedrohte Gesundheit, die

sozialen Kontakte, die fehlende Kultur im

Vordergrund. Plötzlich hieß die oberste

Devise, gepredigt von Politikern und Virologen:

„Aufeinander Rücksicht nehmen“.

Welch ein Widerspruch zum bisher herrschenden

Glaubenssatz der Wirtschafts-

„Mit der noch gefährlicheren

Krise im Rücken, der drohenden

Klimakatastrophe, kann es ein

„Weiter so“ nicht mehr geben.“

weisen, der da lautet: „Konsumieren, wachsen

und verdrängen“.

Mit Corona ist unser bisheriges Wirtschaften

plötzlich in die Sinnkrise geraten.

Es geht die berechtigte Angst um, dass es

nie wieder so sein wird wie vorher. „Schneller,

höher, weiter“ gilt nicht mehr. Nach

Corona wird es zwar ein nachholendes

Konsumieren geben, aber unser globales

Wirtschaftssystem hat den Höhepunkt des

Wachstums wohl überschritten. Denn mit

der noch gefährlicheren Krise im Rücken,

der drohenden Klimakatastrophe, kann es

ein „Weiter so“ nicht mehr geben. Entweder

wir kommen mit einem niedrigeren Niveau

von Wachstum und Konsum zurecht,

oder es muss ein neues Wirtschaftssystem

gefunden werden.

Auch unsere Heimat, die wir lieben dürfen

und kennen sollten, wird sich diesen

globalen Veränderungen nicht entziehen

können. Wie die vielen anderen Heimaten

unseres Planeten werden auch wir die

aktuelle Devise „Aufeinander Rücksicht

nehmen“ weiter beherzigen müssen. Die

überhebliche „Miar sein miar“-Mentalität,

die sich nicht nur an Stammtischen,

sondern auch in manch mächtigen Organisationen

beheimatet fühlt, dürfte dabei

nicht hilfreich sein. Kritik wird häufi g

als Bedrohung empfunden oder als aufmüpfige

Behinderung, aber selten als das

wahrgenommen, was meistens gemeint

ist, nämlich als Einsatz zur Verbesserung

der Situation. Unverzichtbar wird Kritik

aber bei einem menschenverachtenden

Gedankengut, das oft recht banal daherkommt

und dabei häufi g den Heimatbegriff

missbraucht.

Das maßlose Wachstum, die ausufernde

Werbung und der Konsum haben auch in

Südtirol unübersehbare Spuren hinterlassen.

Wir haben teilweise hohen Wohlstand

und Überfluss erreicht, aber dafür die Ausbeutung

von Natur und Menschen, landschaftszerstörendes

Bauen, Aushebelung

von Schutzbestimmungen, Luftverschmutzung,

Bodenverseuchung, Verschwendung

der natürlichen Ressourcen und einen überbordenden

Tourismus in Kauf genommen.

Eine sozial und ökologisch nachhaltigere

Entwicklung scheint dringend geboten.

Die gegenwärtigen Krisen werden wir nur

mit einer gesellschaftsübergreifenden Zusammenarbeit

und Kraftanstrengung bewältigen

können: Lokal handeln, global

denken. Die Jugendbewegung „Fridays

for Future“ stimmt dabei hoffnungsvoll.

Und wir Heimatpflegerinnen und Heimatpfleger

wollen unseren Beitrag offen, kritisch

und aktiv leisten.

Dr. Josef Vieider, Vorstandsmitglied im

Heimatpfl egeverband Südtirol

Nr. 02 | Juni 2020 35


Das Thema

Droht ein Rückschritt?

Mit der Angst kommt auch das Einwegplastik wieder in die Haushalte

Wo dieser Einweghandschuh eines Tages landen wird? Wohl im Meer! – Foto: Edith Runer

Vom Handschuh über die Scheibe an der

Ladenkasse bis zur Brille für Ärzte – Kunststoff

schützt vor Covid-19, und Hygiene

ist das Gebot der Stunde. Dennoch stellt

sich die Frage, ob die Angst vor dem Virus

die jahrelange Anstrengung in Richtung

„Mehrweg“ und „Plastikfrei“ vergebens

macht.

Zerknüllte Einweghandschuhe, vom

Wind verweht auf den Gehsteigen, sind

in diesen Monaten gewissermaßen ein

Symbol für das, was „man tun muss“.

Sich und seine Umgebung vor dem gefährlichen

Virus zu schützen, ist wichtig,

und es rechtfertigt – zweifellos – auch

die Benützung von Schutzmaterialien,

die sonst nicht üblich sind.

Es regt sich aber auch manche Stimme,

dass die – zurzeit vielfach notwendige –

Verwendung von Einwegkunststoff ein

Freibrief für mächtige Konzerne sein

könnte, die eben diese Kunststoffe produzieren.

So heißt es auf der Internetseite

„Klima der Gerechtigkeit“ (hinter

der die deutsche Heinrich-Böll-Stiftung

steht, die wiederum der grünen Bewegung

zuzuordnen ist) unter anderem:

„New York fordert die Aufhebung des

landesweiten Verbotes von Plastiktüten,

Ketten wie Starbucks und Dunkin Donuts

setzen die Verwendung von wiederverwendbaren

Bechern aus, Restaurants

und Cafés stellen auf Einwegplastik (Taschen,

Behälter, Becher, Besteck) um …“

Es geht auch verpackungsfrei

Tatsächlich ist der Plastikverbrauch und

damit ein wichtiger Aspekt des Umweltschutzes

im Zuge der Coronakrise als

Thema in den Hintergrund gerückt. Was

einerseits verständlich ist, wie Silke Raffeiner

von der Verbraucherzentrale Südtirol

meint: „Es besteht im Moment ein

großes Bewusstsein für Hygiene. Und teilweise

haben wir da gar keine Wahl, was

die Verwendung von Einwegkunststoff anbelangt.“

Dennoch fürchtet sie, was die

Bemühungen um die Umwelt anbelangt,

einen Rückschritt, zum Beispiel im Hinblick

auf die Verpackungen: „Der Trend,

wieder vermehrt in Plastik verpackte Lebensmittel

einzukaufen – im Glauben,

diese seien hygienischer –, ist spürbar.“

Verpackungsfrei einzukaufen sei zwar

schon bisher ein Nischentrend gewesen.

Es habe aber im Zuge der Proteste gegen

den Klimawandel und die Meeresverschmutzung

Hoffnung auf eine gewisse

Breitenwirkung bestanden. „Die schwindet

nun wohl wieder“, fürchtet Raffeiner.

Die Coronakrise spiele den Einweglösungen

auf jeden Fall in die Hände. Allerdings:

„Jene Gruppe von Menschen, die

schon bislang auf Einwegverpackungen

verzichtet oder diese auf ein Mindestmaß

reduziert hat, ist nach wie vor sensibel

für das Thema.“

Auch in Südtirol gebe es bereits Geschäfte,

die Lebensmittel unverpackt oder

Wasch- und Putzmittel zum Abfüllen anbieten.

Auf Einweghandschuhe dürfe man

zurzeit beim Lebensmitteleinkauf nicht

verzichten, weil es vorgeschrieben sei.

Silke Raffeiner ist aber überzeugt: „Es

wäre eigentlich wichtiger, sich die Hände

oft zu waschen und sie vor und nach dem

Einkaufen zu desinfizieren“, denn wenn

die Einweghandschuhe nicht richtig anund

ausgezogen würden, sei es mit dem

Schutz nicht weit her.

36

KulturFenster


Heimatpflege

Unsere Gewässer –

unsere Zukunft

Der Gewässerschutzplan steht kurz vor

der Genehmigung

Der Schutz und die Überwachung der Gewässer

folgt dem „DPSIR“-Modell, das auf

dem kausalen Zusammenhang von Umweltbelastungen,

Qualitätszustand und Umweltmaßnahmen

zur Erhaltung bzw. Erreichung

der Umweltziele gründet.

Der Gewässerschutzplan setzt die Richtlinie

auf lokaler Ebene um und identifiziert

und typisiert 297 Fließgewässer mit einem

Einzugsgebiet von mehr als 10 km², 9 Seen

über 0,5 km² Oberfläche und 39 Grundwässer.

Diese Einteilung erleichtert in erster

Linie die Verwaltung der Gewässer,

die Schutzziele der Wasserrahmenrichtlinie

gelten aber für alle Gewässer.

2. Bestimmung der

Gewässerqualität

• Analyse der Belastungsquellen und ihre

Auswirkungen auf die Gewässer

Unsere Gewässer werden vor allem durch die Wasserentnahme, durch die Einleitung

von Schad- bzw. Nährstoffen sowie durch morphologische Veränderungen belastet.

Wenn von neuen Herausforderungen im Sinne des Klimaschutzes die Rede ist, dann spielt

das Wasser eine große Rolle. Der Gewässerschutzplan soll eine geeignete Strategie für

eine umweltfreundliche und ressourcenschonende Nutzung der Gewässer vorgeben.

Wasser ist das Lebenselixier schlechthin.

Ohne Wasser ist kein Organismus, auch

nicht der Mensch, lebensfähig. Südtirol

ist im Vergleich zu anderen Regionen mit

qualitativ hochwertigem Trinkwasser gut

versorgt. Das wird von der Bevölkerung

als selbstverständlich empfunden und das

Wasser nicht entsprechend wertgeschätzt.

Durch den Wasserkreislauf stehen die

Oberflächen- und Grundwässer miteinander

in Verbindung. Unser Trinkwasser ist

Teil dieses Kreislaufes, weshalb der Gewässerschutzplan

das Ziel hat, die hohe

Qualität dieser Ressource zu garantieren.

Die Aufgabe des Gewässerschutzplanes

ist es, im Interesse der gesamten Bevölkerung,

einen guten Kompromiss zwischen

Gewässerschutz und Gewässernutzung zu

gewährleisten.

1. Rahmenbedingungen

Auf europäischer Ebene wurde im Jahr

2000 mit der Wasserrahmenrichtlinie ein

gemeinschaftliches Bekenntnis zum Gewässerschutz

verfasst. Die Richtlinie verpflichtet

die Mitgliedsstaaten, den guten Zustand

der Gewässer zu erhalten bzw. zu erreichen.

Sie gibt europaweit vergleichbare Methoden

zur Bewertung der Gewässerqualität

vor. Um Gewässer vergleichen zu können,

wurde die Bezugseinheit „Wasserkörper“

eingeführt. Ein Wasserkörper ist ein homogener

Abschnitt oder Teil eines Gewässers

(Fließgewässer, See oder Grundwasser),

der ähnliche hydromorphologische und

geologische Eigenschaften aufweist, ähnlichen

Belastungen ausgesetzt ist und dadurch

eine vergleichbare Einheit darstellt.

Im Gewässerschutzplan wurden über die

Belastungsanalyse 24 Indikatoren untersucht

und jene Belastungen ausfindig gemacht,

die für unsere Gewässer das Risiko

darstellen, die geforderten Umweltziele

nicht zu erreichen. Dabei hat sich ergeben,

dass etwa 70% unserer Wasserkörper Belastungen

aufweisen, die zwar noch keine

Beeinträchtigung des Qualitätszustandes

bewirken, die aber eine erhöhte Sensibilität

des Gewässerökosystems gegenüber

neuen Beeinträchtigungen bedeuten und

eine „potenzielle Belastung“ darstellen.

Unsere Gewässer werden vor allem

durch die Wasserentnahme für die verschiedenen

Nutzungen, durch die Einleitung

von Schad- bzw. Nährstoffen sowie

durch morphologische Veränderungen belastet.

Der stark angestiegene Wasserbedarf

für die Bewässerung landwirtschaftlicher

Flächen, für Industrie- und Kühlzwecke,

für den Tourismus, für Beschneiungsanlagen,

aber auch für die Produktion elektrischer

Energie setzen unsere Fließgewässer,

Seen und das Grundwasser stark

unter Druck.

Es ist davon auszugehen, auch im Hinblick

auf den Klimawandel, dass die Nutzungsinteressen

zunehmen werden. Ohne

Planung und nachhaltige Bestimmung der

Nutzungsmengen ist zu befürchten, dass

einerseits die ökologische Funktionsfähigkeit

der Gewässer nicht mehr gegeben sein

wird und es andererseits zu größeren Konflikten

zwischen den einzelnen Nutzungsarten

kommen wird.

Nr. 02 | Juni 2020 37


Das Thema

Die Überwachung des Qualitätszustandes der Wasserköper: Beprobung aquatischer Wirbelloser und Erhebung des Fischbestandes

mittels Bootsbefischung (Fotos: Agentur für Umwelt und Klimaschutz, Amt für Jagd und Fischerei)

Neben dieser mengenmäßigen Belastung

wird die Gewässerqualität durch den Eintrag

von Nährstoffen sowie umwelt- und

gesundheitsgefährdenden Schadstoffen

beeinträchtigt. Darüber hinaus wird die Lebensraumqualität

und Biodiversität durch

die Verbauungen für den Hochwasserschutz

und den leichtsinnigen Umgang mit

den Uferlebensräumen gefährdet, wodurch

auch die Ökosystemleistungen leiden. Unter

Ökosystemleistungen versteht man unter

anderem die Selbstreinigungskraft der

Gewässer, die ohne menschliches Zutun

und fi nanziellen Aufwand eine „Klärung“

der Gewässer schafft. Aber auch die positiven

kleinklimatischen Verhältnisse, die in

der Nähe von Gewässern herrschen, oder

die erholsame Wirkung, die ein Gewässer

auf Menschen hat, sind nützliche Ökosystemleistungen.

• Die Komponenten der Gewässerqualität

Die Oberfl ächen- und Grundwässer werden

von der Agentur für Umwelt und Klimaschutz

mit Unterstützung der Abteilung

Forstwirtschaft und der Agentur für Bevölkerungsschutz

sowie der Hygiene- und

Gesundheitsdienste überwacht. Entsprechend

den gesetzlichen Vorgaben wird für

die Oberfl ächengewässer der ökologische

und chemische Zustand bestimmt, während

für die Grundwässer der chemische

und quantitative Zustand ermittelt wird.

Der chemische Zustand in Oberflächen-

und Grundwässern gibt Auskunft

über die Verunreinigung durch verschiedene

Schadstoffe (wie Pflanzenschutzmittel,

polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe

u.v.m.). Werden die europäischen

bzw. die staatlichen Grenzwerte eingehalten,

ist der Zustand gut. Werden sie überschritten,

ist er nicht gut.

Die Bewertung des ökologischen Zustandes

für die Oberflächengewässer erfolgt in mehreren

Stufen und vereint die Ergebnisse von

biologischen Qualitätskomponenten (Kieselalgen,

aquatische wirbellose Kleinlebewesen

und Fische) mit unterstützenden chemisch-physikalischen

Parametern. Dabei

bestimmt er die Abweichung von einem

unbeeinträchtigten naturnahen Gewässer,

die in fünf Qualitätsstufen wiedergegeben

wird: sehr gut, gut, mäßig, unbefriedigend

und schlecht.

Beim quantitativen Zustand der Grundwässer

darf nicht mehr Grundwasser für die

verschiedenen Nutzungen entnommen werden

als durch Niederschläge wieder ausgeglichen

werden kann. Zudem dürfen die an

das Grundwasser gebundenen aquatischen

und terrestrischen Ökosysteme in ihrer Funktion

und Bedeutung nicht gefährdet bzw.

darf ihr Zustand nicht beeinträchtigt werden.

• Kontrollen und Analysen

Basierend auf den Ergebnissen der Belastungsanalyse

wurden die Überwachungspunkte

und die Parameter festgelegt. Die

Bestimmung der Qualitätskomponenten erfolgt

auf mehr als 200 Überwachungspunkten.

Für die Bewertung des chemischen

Zustandes werden jährlich ca. 33.000 Einzelanalysen,

für den biologischen Zustand

etwa 500 Analysen durchgeführt. Die Messungen

der Grundwasserstände werden

kontinuierlich an landesweit 83 Messpunkten

aufgezeichnet. Zusätzlich werden für

die Überwachung der Kläranlagen jährlich

etwa 16.000 und für die industriellen Abwässer

etwa 8.200 Einzelanalysen durchgeführt.

Die Badetauglichkeit der Badeseen

wird regelmäßig kontrolliert, und in Hochgebirgsseen

werden spezifi sche Untersuchungen

durchgeführt.

• Ergebnisse

Die Überwachung des Qualitätszustandes

folgt einem sechsjährigen Zyklus. Er wird in

den Zeitfenstern 2015, 2021 und 2027 bestimmt.

Bis 2015 haben in Südtirol 98% der

typisierten Wasserkörper einen guten chemischen

Zustand und 93% der typisierten

Wasserkörper einen guten oder sehr guten

ökologischen Zustand erreicht. Der quantitative

Zustand aller Grundwasserköper war

gut. Die Erhebungen bis 2019 bestätigen

im Großen und Ganzen diese gute Bilanz.

Einzelne Gewässer verfehlten jedoch

die Qualitätsziele aufgrund von Trockenlegung

oder chemischer Verunreinigung mit

Pfl anzenschutzmitteln. Seit 2018 müssen

für den chemischen Zustand zwölf neue

Substanzen bzw. Substanzgruppen untersucht

werden. Darunter befi ndet sich die

Perflouroctansulfonsäure (kurz PFOS), die

im Verdacht steht, krebserregend zu sein.

Für diese Substanzgruppe wurden Überschreitungen

an zwei Gräben festgestellt.

Derzeit laufen die Untersuchungen, den

Ursprung dieser Verunreinigungen ausfi

ndig zu machen.

3. Maßnahmen zur Erhaltung

und zum Erreichen

der Umweltziele

Obwohl das Gesamtergebnis positiv ist,

muss das Hauptaugenmerk auf jene Wasserkörper

gelegt werden, die das Umweltziel

nicht erreicht haben. Verbesserungsmaßnahmen

sind hier unumgänglich. Für

alle übrigen Gewässer sind Erhaltungsmaßnahmen

notwendig, die den guten

Qualitätszustand mit Berücksichtigung

der Nutzungen und der Veränderungen

durch den Klimawandel auch zukünftig

gewährleisten.

38

KulturFenster


Heimatpflege

Für die hydroelektrische Nutzung wurden

Sensibilitätsklassen bestimmt, die angeben,

inwieweit eine zusätzliche Nutzung

möglich ist. Weitere Maßnahmen regeln das

Stauraummanagement und die Schwallabflüsse.

Für die Beregnung und die technische

Schneeerzeugung müssen im Hinblick

auf die klimatischen Veränderungen

nachhaltige Lösungen gefunden werden.

Kriterien zur Begrenzung der maximalen

Ableitungsmenge und die Errichtung von

Speichern sind notwendig.

Für die Erhaltung und Verbesserung des

Gewässerlebensraumes für die Marmorierte

Forelle wurde im Gewässerschutzplan deren

prioritärer Wanderraum abgegrenzt. Innerhalb

dieser Gewässerabschnitte werden in

den nächsten Jahren die künstlichen Hindernisse

abgebaut, damit die freie Fischwanderung

wieder möglich ist.

Für die Uferzonen der Gewässer und für

die Gräben der Talsohle wurden Leitbilder

entwickelt, an denen sich die zukünftige

Bewirtschaftung oder Neugestaltung orientieren

soll.

An diesem Punkt schließt sich der Kreis

des DPSIR-Modelles wieder: Die Auswirkungen

der in der Belastungsanalyse ausfindig

gemachten Belastungen wurden in

der Zustandsbewertung gemessen und

durch Erhaltungs- und Verbesserungsmaßnahmen

korrigiert. Ihre Wirksamkeit

wird durch die regelmäßige Zustandsüberwachung

kontrolliert, sodass bei Bedarf

regulierend eingegriffen werden kann.

4. Der Gewässerschutzplan

Auf Landesebene gibt der Gewässerschutzplan

die Strategie für eine umweltfreundliche,

ressourcenschonende Nutzung der

Gewässer vor und baut auf bereits geltende

Regelungen auf. Im „Landesplan

zur Klärung der Abwässer“ 1980 stand

die Errichtung von Kläranlagen im Vordergrund.

Derzeit sind 50 öffentliche Kläranlagen

für ca. 1.740.000 EW (Einwohnerwerte)

in Betrieb, wobei alle gesetzlichen

Vorgaben auch in Bezug auf den Nährstoffabbau

(Phosphor und Stickstoff) eingehalten

werden. Der Anschlussgrad an

die Kanalisation beträgt über 98%, wobei

für die Realisierung der Kläranlagen und

Hauptkanalisationen in den vergangenen

30 Jahren seitens des Landes Südtirol ca.

1 Mrd. Euro investiert worden sind.

In der Zwischenzeit wurden weitere normative

Maßnahmen erlassen (LG 8/2002,

"Überwachungspunkt an der Talfer bei Bozen für den chemischen und biologischen

Zustand sowie Hydrometrische Messstation"

Durchführungsbestimmungen im DLH

6/2008, Wassernutzungsplanes D.P.R.

vom 22.6.2017). Im vorliegenden Gewässerschutzplan

wurde den genannten

Bestimmungen und der Wasserrahmenrichtlinie

Rechnung getragen. Der Plan

wurde mit Beschluss der Landesregierung

Nr. 1174 vom 30. Dezember 2019

als Entwurf genehmigt und am 30. Jänner

2020 im Amtsblatt der Region Nr.5, Beiblatt

Nr.2 veröffentlicht. Alle Planunterlagen

sind auf der Homepage der Agentur

für Umwelt und Klimaschutz https://umwelt.provinz.bz.it/wasser/gewaesserschutzplan.asp

einzusehen.

Ab diesem Zeitpunkt startet das Genehmigungsverfahren

laut LG 13/1997 (Raumordnung)

und Landesgesetz 17/2017 (Umweltprüfung

für Pläne, Programme und

Projekte), bei dem die Bürger, die Interessensvertreter

und Gemeinden Stellung

nehmen können. Die Termine für die Abgabe

der Stellungnahmen von Seiten der

Bevölkerung und der Interessensvertreter

wurde aufgrund der Coronakrise auf 21.

Juni 2020 verschoben, jener für die Gemeinden

auf 20. August 2020. Nach der

Erstellung des Gutachtens des Umweltbeirates

erfolgt die endgültige Genehmigung

des Gewässerschutzplanes durch die Landesregierung.

Tanja B. Nössing, Robert Schifferegger

(Biologen der Agentur für Umwelt

und Klimaschutz)

Der Druck auf unsere Gewässer nimmt zu, zwischen Gewässerschutz und

Nutzungsinteressen müssen nachhaltige Lösungen gefunden werden. (Foto: Agentur

für Umwelt und Klimaschutz)

Nr. 02 | Juni 2020 39


Informiert und Reflektiert

„Wir müssen es wollen!“

70. Vollversammlung – Claudia Plaikner bleibt Landesobfrau

Der neue Vorstand des Heimatpflegeverbandes Südtirol: Georg Hörwarter, Claudia

Plaikner, Franz Fliri, Agnes Andergassen, Johannes Ortner und Valentine Kostner

(v.l., es fehlt Josef Vieider)

Die 70. Vollversammlung des Heimatpflegeverbandes

Südtirol am 29. Mai musste der

Coronakrise Tribut zollen und fand deshalb

in kleinstmöglichem Rahmen unter Einhaltung

rigider Sicherheitsvorkehrungen im

großen Theatersaal des Waltherhauses in

Bozen statt.

„Das Wort Krise setzt sich im Chinesischen

aus zwei Schriftzeichen zusammen – das

eine bedeutet Gefahr und das andere Gelegenheit.“

Mit diesem Zitat von J. F. Kennedy

leitete Landesobfrau Claudia Plaikner

ihren Vortrag ein. Eine „Gelegenheit“ sei die

erzwungene Verschnaufpause auf jeden Fall,

um die Nachhaltigkeit in vielen Bereichen

als allgemein akzeptiertes Kriterium forcieren.

Die Landesobfrau betonte dabei: „Wir

müssen es aber wollen.“ Von den Politikern

müsse man einfordern, dass sie ihren Entscheidungen

eine ganzheitliche, zukunftstaugliche

Sicht zugrunde legen.

Neue Kommunikationskampagne

Der Heimatpflegeverband arbeitet derzeit

an einer Kommunikationskampagne

für den Verband. Damit sollen u.a. auch

junge Menschen für die Themen der Heimatpflege

und Heimatkunde begeistert

werden. Außerdem gilt es, das bisherige

Image der Heimatpflege als „Verhinderer“

in Richtung „Bewahrer“ und „Gestalter“

zu verändern.

Neu, aber eigentlich eine Wiederauflage,

ist das Projekt „Steinzeichen“ das

„vorbildhafte öffentliche und private Neuund

Umbauten“.

Tätigkeitsbericht

Im Tätigkeitsbericht, den Geschäftsführer

Josef Oberhofer vorstellte, wurde u. a. die

Ablehnung der Skiverbindung Langtaufers

Unter Einhaltung aller Regeln zum Schutz vor Covid-19 trafen sich die Vorsitzenden

der Mitgliedsvereine, der Landesvorstand sowie die Rechnungsprüfer und

Schiedsrichter zur 70. Vollversammlung.

– Kaunertal durch die Landesregierung genannt

(siehe eigenen Bericht), der Einsatz

des Verbandes in Sachen Tourismuszonen

im Grünen und das neue Raumordnungsgesetz,

das nach wie vor die Gefahr von negativen

Auswirkungen auf die Natur- und Kulturlandschaft

birgt.

Im Jahr 2019 gab es eine Annäherung

zur Stiftung Südtirol durch eine gemeinsame

Büroführung. Mit dem Landesdenkmalamt

wird zurzeit an einem Leitfaden zum Denkmalschutz

für Eigentümer von Objekten gearbeitet.

Eine schöne Aktion, die in den vergangenen

Jahren reaktiviert wurde, sind die Ortsbegehungen.

2019 wurden in Tramin, St.

Pankraz und Burgstall abgehalten.

Die Arbeitsgemeinschaft Lebendige Tracht

hat 2019 die Musikkapelle St. Pauls und die

Musikkapelle Pfunders bei der Neuanschaffung

bzw. Ergänzung ihrer Tracht beraten.

Zudem war sie an der Herausgabe eines Ratgebers

zum richtigen Tragen und zur Pflege

der Tracht sowie eines Folders über die Pustertaler

Männertracht beteiligt.

Die Bilanz 2019 im Bereich der Landschaftspflege

lautet: 460 bearbeitete Beitragsansuchen

und betreute Antragsteller für die

Sanierung und Wiedererrichtung von bäuerlichen

Kleindenkmälern und die Vermittlung

von rund 1,2 Millionen Euro an Beiträgen.

Zwei neue Vorstandsmitglieder

Auch die Neuwahl des Landesvorstandes

stand heuer auf der Tagesordnung. Claudia

Plaikner wurde mit überwältigender Mehrheit

für weitere drei Jahre als Landesobfrau

bestätigt. Franz Fliri und Josef Vieider werden

ihr auch weiterhin als Stellvertreter zur

Seite stehen. Neu in den Landesvorstand

gewählt wurden Valentine Kostner aus Gröden

und Georg Hörwarter aus Meran. Agnes

Andergassen und Johannes Ortner wurden

als Vorstandsmitglieder bestätigt. Auch Egon

Fischnaller als Rechnungsprüfer und Oswald

Brunelli, Peter von Hellberg und Herald

Kleewein als Schiedsrichter werden

für den Heimatpflegeverband weitere drei

Jahre im Einsatz sein.

40

KulturFenster


Heimatpflege

Ein guter Tag für Langtaufers

Skiverbindung Langtaufers – Kaunertal ist (hoffentlich) endlich weg vom Tisch

Die Ruhe, die intakte Natur, das Wasser,

die saubere Luft – das sind die Stärken

von Langtaufers. Eine Skiverbindung

würde sie allesamt zunichte machen.

In der Sitzung der Landesregierung am

15. April wurde die geplante Skiverbindung

Langtaufers – Kaunertal abgelehnt.

Das ist eine sehr gute Nachricht für Langtaufers

und ein Gewinn für alle: für die Bevölkerung

und für einen intakten hochalpinen

Lebensraum.

Der Alpenverein Südtirol, der Dachverband

für Natur- und Umweltschutz, der

Heimatpflegeverband Südtirol und die Umweltschutzgruppe

Vinschgau setzen sich

bereits seit Jahren dafür ein, die noch intakten

Bereiche des Südtiroler Hochgebirges

im Sinne der Alpenkonvention als

Ruhezonen zu bewahren, auf intensivtouristische

Erschließungen im Melagtal zu

verzichten und auf umweltverträgliche Alternativen

in Langtaufers zu setzen. Daher

begrüßen die Vereine und Verbände die

wegweisende Entscheidung im Sinne der

Umwelt durch Landesrätin Maria Hochgruber

Kuenzer und die Landesregierung

ausdrücklich.

Stille als Stärke

Das haben die meisten Langtauferer und

die Ferienregion Reschenpass schon seit

längerer Zeit erkannt: Moderne Ansätze, wie

ein familienorientierter Winter- und Sommertourismus

und die Bewerbung als schneesichere

Langlaufdestination in Langtaufers

bieten langfristige Wirtschaftsperspektiven

für die lokale Bevölkerung bei gleichzeitiger

Schonung der Natur- und Kulturlandschaft.

Langtauferer Bürger bringen es auf den

Punkt, wenn sie sagen: „Wir kommen aus

kleinstrukturierten bäuerlichen Verhältnissen

und wissen, dass die Ruhe, die intakte

Natur, das Wasser, die saubere Luft und die

Stille unsere Stärken sind. Die Skiverbindung

Langtaufers – Kaunertal würde uns zu Befehlsempfängern

degradieren. Wir hätten

dadurch vom Gleichen mehr und nehmen

uns die Vielfalt des touristischen Angebotes.“

Nachhaltiger Tourismus

Die Anzahl der Skifahrer geht europaund

weltweit zurück bzw. stagniert. Dieser

Trend ist seit vielen Jahren bekannt

und vielfach belegt. Deshalb ist im Grunde

jede Investition in eine Erweiterung bzw.

in einen quantitativen Ausbau eines Skigebietes

eine Investition gegen benachbarte

Skigebiete. Die Landesregierung täte

gut daran, dieser Entwicklung nicht nur

in Langtaufers Rechnung zu tragen, sondern

auch bei anderen geplanten Erweiterungen.

Öffentliche Beiträge sind eindeutig

besser investiert, wenn sie einen

nachhaltigen, umwelt- und sozialverträglichen

Tourismus fördern und nicht skitechnische

Neuerschließungen von Großinvestoren.

Melagtal: hochalpines Kleinod

Das Melagtal ist ein ökologisch wertvoller

hochalpiner Lebensraum. Gefährdete Tierarten

wie Schnee- und Steinhuhn finden

hier Brutgebiete und Lebensraum. Solche

Kleinode werden in den Alpen leider zunehmend

seltener. Umso erfreulicher ist

es, dass Langtaufers von der Skiverbindung

Langtaufers-Kaunertal verschont

bleibt – zumindest vorläufi g. Davon kann

sich jeder bei einer Wanderung durch

das Melagtal und einem Besuch in Langtaufers

ein Bild machen – und gleichzeitig

den lokalen Weg eines sanften Tourismus

unterstützen.

Florian Trojer

Nr. 02 | Juni 2020 41


Informiert und Reflektiert

Ein Jahr Netzwerk Kulturerbe

…denn das Schöne liegt so nah

Simona Kettmair, Verena Mumelter, Carl

Philipp von Höhenbühel und Claudia

Plaikner bei der Vorstellung des Netzwerk

Kulturerbe.

Am 20. Mai 2019 wurde unser „Netzwerk

Kulturerbe“ offi ziell gegründet und der Öffentlichkeit

vorgestellt. Ziel der vier darin zusammengeschlossenen

Organisationen, des

Südtiroler Burgeninstitutes, des Fondo Ambiente

Italiano, des Verbandes der Restauratoren

und Konservatoren Südtirols und des

Heimatpfl egeverbandes Südtirol, ist es, das

Gedankengut, das dem Europäischen Kulturerbe­Jahr

2018 zugrunde gelegen hat, weiterzuspinnen

und wachzuhalten.

Das Netzwerk, das sich als offene Plattform

versteht, hat sich zur Aufgabe gestellt,

in den kommenden Jahren mindestens einmal

jährlich eine Veranstaltung zu organisieren,

um auf das vielfältige materielle und

immaterielle Kulturerbe in unserem Lande

und darüber hinaus hinzuweisen. Vor allem

geht es dem „Netzwerk Kulturerbe“ aber

darum, in Synergie der vier Verbände ein

gemeinsames Sprachrohr bei der Sensibilisierungsarbeit

für die Erhaltung und Weiterentwicklung

unserer Kulturlandschaft zu

haben und mit Nachdruck die Wertschätzung

für das den Menschen bereichernde

Kulturengagement zu heben.

Nicht nur Brot allein …

Nun hat freilich die Coronakrise auch die

Aktivitäten des Netzwerkes eingeschränkt.

Die erste gemeinsam organisierte Veranstaltung,

der Fotowettbewerb zum Thema „Heimat

im Fokus • Natur-Denkmal-Mensch

• offen-kritisch-spielerisch“ konnte Ende

Februar – leider ohne öffentliche Präsentation

– mit Erfolg abgeschlossen werden.

Wir Initiatoren des „Netzwerkes Kulturerbe“

betrachten es als wichtige Aufgabe,

auch in Krisenzeiten den Wert von Kulturarbeit

hervorzuheben, denn nicht das Brot

allein ist für den Menschen wichtig, sondern

vor allem auch Sinnstiftung durch

Kulturverständnis und Kulturarbeit. Albert

Schweitzer – Arzt, Theologe, Musiker, Kulturphilosoph

und Friedensnobelpreisträger

– meinte: „Das Verhängnis unserer Kultur

ist, dass sie sich materiell viel stärker entwickelt

hat als geistig. Ihr Gleichgewicht

ist gestört.“

Wertschätzung und mehr

Viele Menschen haben in der gegenwärtigen

Krise wieder zu ihren künstlerischen

Hobbys gefunden oder ein neues begonnen,

sie haben mit Balkonkonzerten und

Auftritten im Internet Zeichen der Wertschätzung

für das Sanitätspersonal und

die Nahversorgung gesetzt.

Wertschätzung, Rücksicht, Bedachtsamkeit

sind zu neuen, wichtigen Parametern

im Umgang untereinander geworden. Und

das gilt es auch, auf die verschiedenen

Ausformungen der kulturellen Tätigkeit zu

übertragen:

- Wertschätzung für unsere einzigartige

Naturlandschaft mit all ihrem Facettenreichtum,

- Wertschätzung für unsere Bräuche und

Traditionen – jetzt, da wir so vieles nicht

ausüben können, erkennen wir erst richtig

ihre Wichtigkeit,

- Wertschätzung für unsere historische

Baukultur und Geschichte,

- Rücksicht auf Tier und Mensch und Bedachtsamkeit

im Umgang mit den natürlichen

Ressourcen und bei der Gestaltung

der öffentlichen und privaten Räume.

Das „Netzwerk Kulturerbe“ spricht sich in

diesen Krisenzeiten aber auch dafür aus,

dass die vorhandenen öffentlichen Mittel

nicht nur zur möglichst schnellen Wiederinstandsetzung

der Wirtschaft aufgebracht

werden, sondern dass zur Förderung einer

nachhaltigen, ganzheitlichen und sinnstiftenden

Umwelt der Kulturbereich ebenso

gefördert wird wie die Wirtschaft und nicht

zum Luxusgut erklärt wird, auf das man

verzichten kann.

Das vermeintlich

Unscheinbare

Diese merkwürdigen Zeiten bergen auch

eine Chance für Wirtschaft und Kultur, für

uns alle, nämlich unser Land mit dem von

unseren Vorfahren Geschaffenen in seiner

Einzigartigkeit bewusst wahrzunehmen, zu

erleben und zu begreifen. So lädt unser

„Netzwerk Kulturerbe“ zur unbefangenen

Neugier auf das vermeintlich Unscheinbare

ein: vielleicht eine kleine museale Kostbarkeit

von nebenan, vielleicht ein wunderbarer

alter Siedlungsplatz oder auch eine

Burg, die wir immer schon einmal besuchen

wollten; sich bewusst sein, wo wir uns gerade

befinden oder wo wir hin wollen, was

bisher in unserer Schnelllebigkeit übersehen

oder „nur“ aufgeschoben wurde. So

wünscht sich das „Netzwerk Kulturerbe“

für unsere nahe Zukunft, dass das Lokale

und Regionale, das Naturbelassene

durch die Bevölkerung mit Interesse und

Freude erfasst wird, die Kenntnis über unser

Land vertieft und aus dieser Kenntnis

die Wertschätzung für unsere Kultur und

Natur wächst.

Für das Netzwerk

Dr. Claudia Plaikner

42

KulturFenster


Heimatpflege

„Wildbad Innichen“ siegt

Fotowettbewerb des „Netzwerkes Kulturerbe“ abgeschlossen

Der Fotowettbewerb zum Thema „Heimat

im Fokus • Natur-Denkmal-Mensch • offenkritisch-spielerisch“

des „Netzwerkes Kulturerbe“

wurde Ende Februar abgeschlossen.

Gewonnen hat ein Foto des Wildbades

Innichen. Es dokumentiert eindrucksvoll

den Zerfall eines einzigartigen Baudenkmals

im oberen Pustertal.

Mit großer Wahrscheinlichkeit haben

bereits die Illyrer und Römer die Heilquellen

des Wildbades Innichen

aufgesucht.

Seit dem ausgehenden

Mittelalter

ist dort ein Badebetrieb

belegt.

Die Geschichte

des Grandhotels geht

auf das Jahr 1854

zurück, als der Arzt

Dr. Johann Scheiber

das Wildbad erwarb

und in ein modernes

Sanatorium umbauen

ließ, das bald

weit über die Grenzen

des Pustertales

hinaus Berühmtheit

erlangte. Auch der

österreichische und

preußische Hochadel

wie Kaiser Franz

Josef I. und Thronfolger

Franz Ferdinand

sowie Kaiser Friedrich

III. von Preußen

statteten dem

Wildbad Besuche ab.

In Folge der zunehmenden

Beliebtheit

des Bades wurde es in der zweiten Hälfte

des 19. Jahrhunderts mehrmals umgebaut

und erweitert. Mit dem Ersten Weltkrieg

begann der Niedergang des Grandhotels.

Um 1939 wurde das Bad versteigert und

seitdem dem Verfall überlassen.

Fünf verschiedene Quellen gibt es im

Bereich des Wildbades Innichen. Von der

mineralreichen Schwefelquelle erhofften

sich die einstigen Gäste durch Sitz-,

Vollbäder und Umschläge Linderung bei

Hautkrankheiten, Gelenksentzündungen

und Frauenleiden. Die anderen vier Quellen

(Kaiserwasser, Lavaredo, Candida und

Eisenquelle) werden als Mineralwasser

vermarktet. Die Eisenquelle wurde erst

1820 durch den Innichner Apotheker

Josef Stapf entdeckt.

Das Foto des Wildbades Innichen wurde

zum Siegerbild und Carlo Trentini somit

zum Sieger des Fotowettbewerbes gewählt.

Die Aufnahme dokumentiert deutlich und

erschreckend den schleichenden Verlust

von wertvoller historischer Bausubstanz

sowie die Vernachlässigung der mit diesem

Gebäude eng verbundenen Sozialund

Wirtschaftsgeschichte. Man bleibt

sprachlos angesichts solcher Ignorierung

und Verwahrlosung eines einstmals so

glänzenden und weitum bekannten Kur-

bades. Es gehört zur Grundausrichtung

der im „Netzwerk Kulturerbe“ zusammengeschlossenen

Verbände, sich dafür

einzusetzen, die Sensibilität für die

Erhaltung solcher wichtiger Zeugen der

Vergangenheit zu steigern, dem Verlust

von wertvoller historischer Bausubstanz

Einhalt zu gebieten und die Wertschätzung

für unsere Geschichte und Kultur

zu unterstützen.

Einst ein berühmtes Grandhotel,

heute ein völlig vernachlässigtes

Stück Geschichte und Kultur: das

Wildbad Innichen, fotografiert von

Carlo Trentini.

Nr. 02 | Juni 2020 43


Aus Verband & Bezirken

Die Gartenstadt und das

grüne Erbe

Meran und die neue Raumordnung – Möglichkeiten und Grenzen

Die Grünanlagen und Villenbauten von Oberund

Untermais sind ein Freistellungsmerkmal

der Kurstadt Meran und machen einen

Großteil ihres Charmes aus. Wie bereits im

KulturFenster vom Jänner 2018 berichtet,

hat die Gartenstadt Meran seit 1995 rund

30 Prozent ihres privaten Grüns verloren.

Gründe dafür sind die Bauverdichtung (Ausschöpfung

der gesamten zu verbauenden

Kubatur) sowie die Überalterung bzw. Vernachlässigung

der aus exotischen Gehölzen

bestehenden Gärten.

Bauverdichtung in Mais

Die Bevölkerung von Meran reagiert sensibel

auf Baumfällungen und die Verbauung

der Gärten. Eigentlich ein erfreuliches Zeichen,

denn Baumschutz liegt den Meranerinnen

und Meranern offenbar am Herzen.

Auf Fällungen von Alleebäumen (K.-Wolf-

Straße) oder monumentalen Zedern (zuletzt

am Waalweg, beim Hotel Bayerischer Hof,

in Kürze auch am Palace-Hotel) wird mit

Unverständnis reagiert, man empört sich

in den sozialen Netzwerken. Während das

öffentliche Grün regelmäßig nachgepflanzt

wird – auch bisher unbepflanzte Straßen erhalten

Bäume –, ist der Verlust eines Gartens

ein bleibender. Seit 10 bis 15 Jahren

ist ein sich beschleunigender Prozess der

Bauverdichtung in Unter- und Obermais

zu beobachten. Der Heimatschutzverein

Meran verlangt daher schon seit Jahren

eine Änderung des Bauleitplanes und die

Einführung der strengen Schutzkategorie

Am Rand des Maiser Villenviertels zwischen Schlossgarten und Obstwiesen

„Gartenstadt“. In einem solchen Stadtteil

würde die Bauverdichtung gering gehalten

werden und die Gärten blieben möglichst

unangetastet.

Neue Gemeindebauordnung

Mit zwei Änderungen in der Gemeinde-

Bauordnung (2019, 2020) reagierte die

Gemeinde Meran nun auf den schleichenden

Verlust des privaten Grüns. Seit

2004 ist pro 1000 Quadratmeter Grundfläche

ein hochstämmiger Baum zu pflanzen,

seit 2019 allen neuen Bauprojekten

ein Grünplan beizulegen. Für alle Projekte

mit größeren durchlässigen, d. h. nicht versiegelten

Grünflächen ist seit Mai 2020 zusätzlich

ein Baum pro 150 Quadratmeter

verpflichtend. Im Falle des Maiser Villenviertels

müssen bei neuen Projekten nun

bis zu doppelt so viele mittel- und hochstämmige

Bäume wie bisher gesetzt werden.

Dies sind gute Ansätze beim Baumschutz.

Der Haken: Bei neuen Bauprojekten

ist kaum nicht versiegelte Restfläche übrig!

Außerdem müsste die Behörde die Einhaltung

der Vorschriften penibel kontrollieren,

und dies ist beim Personalmangel

und der Arbeitsüberlastung der Stadtgärtnerei

alles andere als gesichert.

Das neue Gesetz Raum und

Landschaft

In den nächsten Monaten und Jahren

müssen die Planungsinstrumente der Gemeinde

Meran (Masterplan, Bauleitplan,

Landschaftsplan) im künftigen „Gemein-

Bauverdichtung in der St.-Markus-Straße (1999 – 2017)

44

KulturFenster


Heimatpflege

deentwicklungsprogramm“ Berücksichtigung

finden und im neuen „Gemeindeplan

Raum und Landschaft“ aufgehen.

Das Gesetz für Raum und Landschaft, das

im Juli 2020 in Kraft tritt, definiert u. a. mit

der Einführung einer Siedlungsgrenze, wo

künftig gebaut werden darf und wo nicht.

Der 2019 von der Landesregierung beschlossene

Masterplan beinhaltet die Leitlinien

zur künftigen Stadtentwicklung: Der

fransenartige Übergang des Maiser Villenviertels

in das landwirtschaftliche Grün

muss als solcher erhalten werden. Denn

gerade dadurch bleiben die Sichtachsen

auf Garten-Schloss-Ensembles wie jene

von Schloss Pienzenau, Schloss Rubein,

Villa Hoffmann oder Villa Praderhof intakt.

Die festzulegende Siedlungsgrenze im

Gesetz zu Raum und Landschaft schlägt

eigentlich in dieselbe Kerbe. Bleibt zu

hoffen, dass diese Siedlungsgrenze nicht

im Widerstreit verschiedenster Interessen

und Lobbys aufgeweicht wird. Eine solche

Siedlungsgrenze mit einem weitestgehenden

Baustopp außerhalb davon ist

notwendig, sieht man sich beispielsweise

den ungeregelten Wildwuchs im Streuweiler

Hagen an.

Wie überall gibt es aber auch hier eine

Kehrseite der Medaille. Eine definierte Siedlungsgrenze

erhöht den Baudruck im Inneren

zusätzlich. Innerhalb des Siedlungsgrenze

sind die Gemeinden zuständig: Dort

ist man flexibel, während man außen penibel

zu sein vorhat. Die vom neuen Gesetz

für Raum und Landschaft vorgesehene

Baudichten-Erhöhung von bisher

1,0 (Zone B6) bzw. 1,3 (Zone B5) auf 1,5

Kubikmeter/Quadratmeter würde sich auf

die Gartenstadt Meran verheerend auswirken.

Gerade innerhalb der Siedlungen befinden

sich die so wichtigen Freiflächen: in

den Landgemeinden die letzten Obst änger

mit hochstämmigen Bäumen, im Maiser

Villenviertel die wertvollen exotischen Gärten,

die dem neuen Gesetz vermehrt zum

Opfer fallen könnten.

Wildwuchs im bäuerlichen Hagen (Untermais)

in den vergangenen Jahren durch Sanierungen

Wohnraum wiedergewonnen werden,

eine Erhöhung der Gemeindeimmobiliensteuer

für Eigentümer von Leerständen

würde solche Wiedergewinnungen aber

nochmals deutlich beschleunigen.

Mit Hilfe einer klugen Stadtplanung

würde sich auch das bisher vernachlässigte

Bahnhofsareal in Meran zu einem gesellschaftlichen,

kulturellen und wirtschaftlichen

Zentrum entwickeln. Qualitätsvolle

Wohnbauten, die Nähe zu geplanten Kultur-

und Jugendzentren (Schlachthof, Alter

Schießstand) und die Drehscheiben Busund

Zugbahnhof könnten sich zu einem

anregenden Meraner Treffpunkt mausern.

Ebenfalls könnte das weitläufige Kasernenareal

mit seinem bereits bestehenden

Grünanteil mittelfristig zu einem Ökostadtviertel

umgestaltet werden – mit Nahversorgung,

sanfter Mobilität und Freizeitan-

geboten in der Nähe (Pferderennplatz,

Schwimmanlagen). Das abseits gelegene

Kasernenareal müsste planerisch allerdings

an den Siedlungskern von Untermais angebunden

werden.

Die Gartenstadt Meran darf nicht zum

Spielball verschiedenster Interessen werden.

Illusionslos muss konstatiert werden,

dass Bauwirtschaft und Tourismus vordergründig

von monetären Interessen geleitet

sind. Mit dem Label „Gartenstadt“ wird

dabei geworben, um den Preis möglichst

hochzutreiben. Durch rücksichtslose Verbauung,

der es oft genug an architektonischem

Gespür fehlt, wird aber genau

das zunichte gemacht, mit dem man vorher

geworben hat: das grüne Erbe von Meran,

für das sich der Meraner Heimatschutz

weiterhin stark machen wird.

Johannes Ortner

Obmann Heimatschutzverein Meran

Leerstände in der Altstadt –

Bahnhofs- und Kasernenareal

Wie könnte nun der Königsweg für eine

gedeihliche Entwicklung der wachsenden

Stadt Meran aussehen? Ein nicht ausgeschöpftes

Wohnpotenzial liegt in den zahlreichen

Wohnungs-Leerständen der Altstadt

(Lauben, Steinach). Zwar konnte

Abholzung eines historischen Gartens am Winkelweg

Nr. 02 | Juni 2020 45


Aus Verband und Bezirken

Heimatschutz heißt auch

Naturschutz

Im Gespräch mit zwei „Neuen“ im Heimatpflegeverein Marling

Eva Ladurner (47) und Veronika Wetzel (40) sitzen seit kurzem im Vorstand des Heimatpflegevereines

Marling. Sie gehören zur jüngeren Generation im Verband und haben

spannende Ideen, mit denen auch junge Menschen zum Mitdenken und Mitgestalten animiert

werden könnten.

Artenvielfalt schützen

KulturFenster: Was hat Sie dazu bewogen,

im Heimatpflegeverein Marling mitzuarbeiten?

Eva Ladurner: Ich bin Biologin, interessiere

mich aber auch sehr für Kulturgeschichte

und Tradition. Als mich der Obmann des

Heimatpflegevereines, Franz Kröss, gefragt

hat, ob ich mitarbeiten würde, habe ich

gern zugesagt. Nun freue ich mich darauf,

im Zuge der Vereinsarbeit Neues und

Spannendes über „mein“ Dorf zu erfahren.

Und ich hoffe, dass ich mit meinem

Eva Ladurner: „Ein wichtiges Anliegen ist es mir, die heimische Artenvielfalt zu

schützen und zu fördern und die Leute dafür zu sensibilisieren.“

beruflichen Hintergrund auch dem Naturschutz

in der Heimatpflege eine Stimme

geben kann.

KF: Welche Möglichkeiten sehen Sie da

im lokalen Rahmen eines Dorfes wie

Marling?

E. Ladurner: Zunächst bin ich gespannt,

was mich im Verein erwartet – zumal Corona

gleich nach den Wahlen alles gestoppt

hat. Grundsätzlich denke ich, dass man

mit kleinen, praktischen Aktionen bei den

Bürgern einiges bewirken kann. Ein wichtiges

Anliegen ist es mir, die heimische Artenvielfalt

zu schützen und zu fördern und

die Leute dafür zu sensibilisieren. Gerade

im intensiv genutzten Talboden ist das dringendst

notwendig. Oft reichen Kleinigkeiten.

KF: Welche Möglichkeiten fallen Ihnen

spontan ein?

E. Ladurner: Spontan denke ich hier an das

Pflanzen von heimischen Sträuchern oder

von kleinen Blühstreifen am Rand der Obstanlagen.

Sie stellen nicht nur eine Bereicherung

für unser Landschaftsbild dar, sondern

bieten gleichzeitig Unterschlupf und

Nahrungsquellen für Tiere, die oft auch

Nützlinge für uns Menschen sind. Auch

die Wasserreservoire, die sogenannten

Tschöttn, könnten ein Thema sein. Sie sind

für viele Amphibien auf der Suche nach

Laichplätzen oft tödliche Fallen. Mit einfachen

Mitteln und ohne Einschränkung

für den Zweck des Reservoirs kann man

diese Fallen in wertvolle „Feuchtgebiete“

für Kröten, Feuersalamander oder Grasfrösche

verwandeln. Ähnliches gilt für so

manche betonierten bzw. verrohrten Abschnitte

am Marlinger Waalweg. Spannend

für Gartenbesitzer kann zum Beispiel die

Gestaltung eines naturnahen Ecks im Garten

sein, in dem sich die heimische Tierund

Pflanzenwelt wohlfühlt. Das sind aber

nur erste Ideen.

KF: Stichwort Corona – gibt es neben den

vielen Entbehrungen auch etwas Positives,

das Sie aus der Zeit mitnehmen?

E. Ladurner: Ich habe viel Positives aus dieser

Zeit mitgenommen. Ganz stark wahrgenommen

habe ich die saubere Luft und

die Stille, die nur durch Vogelgezwitscher

durchbrochen wurde. Das macht schon

nachdenklich. Und es ist mir aufgefallen,

wie gut man auch mit weniger Mobilität

auskommt. Ich hoffe, dass ich und andere

auch in Zukunft an dieses „Weniger

ist mehr“ denken werden, wenn der gewohnte

Alltag wieder dominiert.

46

KulturFenster


Heimatpflege

Oma hat es vorgelebt

Veronika Wetzel: „Ich glaube sehr wohl, dass die

Jugend mitreden und ihr Dorf mitgestalten möchte.“

KulturFenster: Was hat Sie dazu bewogen,

im Heimatpfl egeverein Marling mitzuarbeiten?

Veronika Wetzel: Der Heimatpfl egeverein

Marling hat mich von der Kindheit an begleitet.

Meine Oma, Maridl Innerhofer, war

im Verein stark engagiert. Sie hat oft von

ihrer Arbeit erzählt. Ich erinnere mich,

dass sie mit ihrer Kamera durch das Dorf

spaziert ist, Veränderungen dokumentiert

und diese, wenn notwendig, auch lautstark

kritisiert hat. Sie hat mir vorgelebt,

wie wichtig das Bewahren ist, auch wenn

Veränderungen oft notwendig sind. Mitverändern,

mitgestalten und in Entscheidungen

eingebunden werden kann man

nur, wenn man sich einbringt. Deshalb bin

ich wie meine Eltern

Vereinsmitglied.

Als ich gefragt

wurde, ob

ich auch im Vorstand

mitarbeiten

möchte, habe ich

Ja gesagt.

KF: In welchen

Bereichen möchten

Sie sich besonders

engagieren?

V. Wetzel: Die

Umwelt ist mir

ein großes Anliegen.

Ich habe

mich auch an der Fridays-for-Future-Bewegung

beteiligt und hoffe, dass sie jetzt

bald wieder sichtbar und aktiv sein kann –

und gehört wird. Zudem glaube ich, dass

es hier in unserem Dorf auch Möglichkeiten

gibt, in Sachen Umwelt etwas zu

verbessern oder zu verändern.

KF: Sie sind die Jüngste im Vorstand des

Heimatpfl egevereines Marling. Ist dieser

Verein für einen jungen Menschen überhaupt

attraktiv?

V. Wetzel: Ich muss zugeben, dass ich mir

während meiner Studienzeit in Wien eine

Rückkehr nach Südtirol gar nicht vorstellen

wollte. Es hat dann eine Weile gedauert,

bis ich gemerkt habe, dass ich nicht

in die große, weite Welt gehöre, sondern

in dieses kleine Marling. So ähnlich wird

es vielleicht auch anderen jungen Menschen

gehen. Dennoch glaube ich sehr

wohl, dass die Jugend mitreden und ihr

Dorf mitgestalten möchte. Andere traditions-

und heimatbewusste Vereine wie

die Schützenkompanien oder die Musikkapellen

fi nden großen Zuspruch unter

den Jugendlichen. Vielleicht ist ihnen der

Heimatpfl egeverein nur nicht so bekannt.

KF: Wie könnte man junge Menschen dazu

animieren, beim Heimatpfl egeverein mitzuwirken?

V. Wetzel: Ich habe vor allem während der

corona-bedingten Einschränkungen gemerkt,

wie wichtig die sozialen Netzwerke

sind, vor allem für Jugendliche, aber nicht

nur für sie. Eine Möglichkeit wäre es, aktiver

in diesen Netzwerken zu sein, eventuell

Projekte und Veranstaltungen dort anzukündigen,

nach Meinungen zu fragen

und auf diesem Weg Kontakte aufzubauen.

5 ‰ für die Natur- und Kulturlandschaft

5 ‰ für den Heimatpflegeverband

Seit heuer ist der Heimatpflegeverband in die Liste der möglichen 5­Promille­Empfänger eingetragen. Damit hat man die Möglichkeit,

die Heimatpflege auch über die Steuererklärung zu fördern.

Der Heimatpfl egeverband setzt sich für den Erhalt unserer Natur­ und Kulturlandschaft und der historischen Baukultur, für eine

offene und traditionsbewusste Gesellschaft, für die Förderung der Volkskultur, der Tracht und der Mundart, für die Heimat ein.

Unterstützen auch Sie die Tätigkeit des Heimatpflegeverbandes, indem Sie bei der Steuererklärung (Mod. CUD, Mod 730 oder

Mod. UNICO) ganz einfach und unkompliziert im entsprechenden Feld die Steuernummer 80006000212 des Heimatpfl egeverbandes

Südtirol eintragen und Ihre Unterschrift daruntersetzen.

Vielen Dank für die Unterstützung!

Nr. 02 | Juni 2020 47


Aus Verband und Bezirken

Wiesmair-Kapelle fertig restauriert

Heimatschutzverein Lana – Wertvolle Freskenfunde im Inneren

Die Wiesmair-Kapelle in der

Metzgergasse vor…

…und nach der Restaurierung

Die Wiesmair-Kapelle wurde im frühen 18.

Jahrhundert errichtet und nun restauriert. Vor

dieser Kapelle wurde einst für die aus Rateis

über den alten Völlaner Weg nach Lana

gebrachten Verstorbenen Totenrast gehalten.

Der einfache Bildstock mit Rundbogenöffnung,

einem überfangenen Dreiecksgiebel

an der Straßenseite und einem wenig

einspringenden Altarerker liegt am oberen

Ende der Metzgergasse an der Kreuzung

zur Gampenstraße. Die Sterne im

Abschlussgitter weisen zudem auf ein Marienpatrozinium

hin.

Vorarbeiten, Lokalaugenscheine,

Kostenvoranschläge

Bereits im Jahr 2014 fanden konkrete Gespräche

zur umfangreichen und fachgerechten

Restaurierung der Wiesmair-Kapelle

in Oberlana statt. Seit 2016 wurde

dann eifrig gearbeitet. Der Obmann des

Heimatschutzvereines Lana, Albert Innerhofer,

hatte sich bereits zuvor seit Jahren

(seit 2004!) darum bemüht, dass diese Kapelle

am oberen Eingang zur „guten Stube“,

dem Gries, endlich restauriert würde. So

konnten zunächst an dieser um 1750 errichteten

Marienkapelle nach dem Besitzerwechsel

im Jahr 2015 mit der Entfeuchtung,

Trockenlegung und Anlegung einer

fachgerechten Drainage durch die Firma

Harald Haller die ersten wichtigen Maßnahmen

ergriffen werden. Zudem erfolgten

die komplette Erneuerung des Dachstuhles

und die Neueindeckung mit Mönch-und-

Nonne-Ziegeln durch die Zimmerei Roland

Platter. Die Spenglerarbeiten mit der

Anbringung neuer Dachrinnen übernahm

Günther Husnelder. 2016 begann Albert

Innerhofer damit, das Inventar der denkmalgeschützten

Wiesmair-Kapelle sicherzustellen

und restaurieren zu lassen. So

wurde zunächst die Herz-Jesu-Statue,

die der in Altrei geborene Bildhauer Alois

Zwerger 1904 in seiner Werkstatt in St. Ulrich

in Gröden geschaffen hatte, von Karl

Hofer restauriert.

Barockes Bild

„Maria Immaculata“

Im Jahr 2017 ließ der Heimatschutzverein

Lana das einmalig schöne und kostbare barocke

Ölbild „Jungfrau Maria mit Darstellung

der Tugenden“, das in einem Holzrahmen

auf Leinwand gespannt ist, von Hubert

Mayr fachgerecht restaurieren. Dabei wurden

bei diesem Altarbild, das bereits seit

Jahrzehnten aus Sicherheitsgründen privat

untergebracht war, auch die Vergoldungen

48

KulturFenster


Heimatpflege

Das barocke Altarbild „Maria

Immaculata“

am Rahmen freigelegt und ergänzt. Während

dieser Restaurierungsarbeiten kam

weder eine Jahreszahl der Bildentstehung

noch eine Signatur des Malers zum Vorschein.

Daher wandte sich Obmann Albert

Innerhofer an die Kunsthistorikerin Maria

Stifter und bat sie, sich dieses Altarbild näher

anzuschauen.

Dieses Bild im rundbogigen Abschluss mit

den Maßen 172 x 122 cm zeigt im Mittelpunkt

die Maria Immaculata auf einer Wolkenbank

und auf der Mondsichel stehend.

Sie ist mit dem wallenden weißen Kleid der

Unschuld angetan und in einen blauen Mantel

gehüllt. Mit ihrer rechten Hand hält sie

geziert ein spitz zulaufendes Mantelende,

in ihrer nach unten ausgestreckten linken

Hand umfasst sie die weiße Lilie. Die Lilie ist

das Symbol ihrer Seelenreinheit, Unschuld,

Jungfräulichkeit und Keuschheit. Ihre Augen

blicken in Richtung Himmel. Maria ist

von acht Putten begleitet, die sie umgeben

und emporheben. Diese Putten verweisen

händehaltend auf verschiedene Symbole:

Spiegel, Bundeslade, Turm, weiße und rote

Rose und leuchtenden Stern. Zudem hat der

Maler im unteren Bildbereich Mondgesicht,

Totenkopf und aufgehende Sonne festgehalten.

Im Halbrund des Tafelbildes oben hat

der Künstler noch das Emblem der Dreifaltigkeit

mit dem Auge Gottes eingebracht.

Die Zuweisung an einen Künstler

Aufgrund vieler Übereinstimmungen mit

anderen Werken des Meisters kann man

dieses Altarbild der Werkstatt von Matthias

Pußjäger (1654–1734), dem bedeutenden

Maler des Hochbarocks, zuschreiben. Die

Gründe für eine Zuschreibung sind folgende:

Nach seiner Ausbildung in Rottenbuch

bei seinem Vater, in Augsburg

bei Heinrich Schönfeld und in der Werkstatt

von Carl Loth in Venedig (ein Aufenthalt

in Rom ist nicht gesichert) wird. Pußjäger

1662 Bürger von Meran; 1689 kaufte

er das Rautscherhaus und errichtete dort

seine Werkstätte. Er malte zahlreiche Altarbilder

für seine Heimat, aber als Bürger

von Meran auch eine Anzahl von Altarbildern

für Südtirol und Nordtirol. Für

die Kapuzinerkirche in Lana schuf er das

Giebelbild des Hochaltars mit dem hl. Felix.

In der alten Pfarrkirche von Niederlana

steht der Hochaltar mit dem Hochaltarblatt

„Die Himmelfahrt Mariens“, das ehemalige

Hochaltarblatt der Meraner Pfarrkirche.

In St. Lorenz in Lana wird das Altarbild

der Werkstatt zugewiesen. Sohn Joachim

Pußjäger werden auch die Altarbilder der

Kirche zum hl. Johannes von Nepomuk

in Lana zugewiesen. Durch die geografische

Nähe zu Meran kann es durchaus

sein, dass Matthias Pußjäger den Auftrag

auch für dieses Bild in Lana bekam, nachdem

er in Lana schon andere Werke angefertigt

hatte.

Eine weitere Begründung für die mögliche

Zuschreibung des Immaculata-Bildes

an die Werkstatt von Matthias Pußjäger ist

die figurenreiche Komposition dieses Bildes

(Maria als Hauptfigur von schwebenden Engelgruppen

umgeben), zudem sind es die

Farbgebung und der Faltenwurf. Ein interessantes

Indiz ist die Farbgebung, da die

Hauptgestalten des Meisters oft aus einem

Hintergrund von gelblich-bräunlichen oder

bläulich-grünen Farbtönen herauswachsen.

Satte Töne und scharfe Konturen der Gewandung

zeigt hingegen der blaue Mantel

von Maria, der mit seinem typischen

bauschigen Faltenwurf eine harmonische

Wirkung erzielt.

Zusätzlich wurden im selben Jahr die

zwei monstranzartigen Reliquienschreine,

die auch kostbare Klosterarbeiten hinter

Glas und geschnitzte Büstenreliefs von Jesus

und Maria beinhalten, gereinigt und

restauriert. Die Fenster mit Eingangstür

und Oberlichte ließ der Heimatschutzverein

Lana ebenfalls herrichten und entrosten

bzw. neu bemalen. Die Firma Icejet

führte die Sandstrahlarbeiten am Gitter

aus, während Christoph Gabrieli und Karl

Freigelegtes Fresko mit dem hl. Antonius

von Padua

Hofer Fenster, Oberlichte und Tür ausbesserten,

neu verkitteten, das Eisengitter und

die Rahmen neu strichen und anschließend

montierten. Die zwölf Sterne am Abschlussgitter

wurden vergoldet. Diese zwölf

Sterne sind ein Symbol der Immaculata,

verweisen auf die zwölf Stämme Israels,

die das Volk Gottes bilden (Joh. Offb. 12,1-

6). Zudem wurde auch das Türschloss mit

Schlüssel erneuert.

Wertvolle Fresken kommen

zum Vorschein

Im Frühjahr 2018 begann Restaurator Stefan

Wörz mit seinen Mitarbeitern mit der

Innenrestaurierung der Malereien. Dabei

wurden einige sehr interessante und vor

Jahrzehnten übermalte Fresken und Malereien

wiederentdeckt. So erkennt man

nun außen am Dreiecksgiebel Gottvater,

der seine Arme schützend ausbreitet, mit

Taube und mehreren Putten. Im Kapelleninneren

kam rechts ein sehr qualitätsvolles

Fresko mit der Figur des Heiligen

Antonius in braunem Ordenskleid zum

Vorschein, der eine Lilie in der Hand hält,

mit Blick auf die Antonius-Basilika in Padua.

Darüber befinden sich Freskenmalereien

mit verschiedenem Rankenwerk

und Dekormalereien aus der Entstehungszeit.

Im Gewölbe kam der blaueingefärbte

Himmel heraus.

Diese äußerst wichtige Freilegung beanspruchte

doppelt so viel Zeit und Kosten

als ursprünglich angenommen. Auf

Nr. 02 | Juni 2020 49


Aus Verband und Bezirken

Kosten und Dank

Die Herz-Jesu-Statue des Bildhauers

Alois Zwerger, 1904

der linken Innenseite waren durch Feuchtigkeitsschäden

die Malereien leider bereits

verloren gegangen. Zudem musste

die Firma Harald Haller sämtliche durch

Wasserschäden beeinträchtige Mauern

innen und außen abschlagen, anschließend

alles verputzen und malen.

Eine der monstranzartigen

Klosterarbeiten

Zwei Kernbohrungen durch die Firma eXakt

wurden an der Westfront vorgenommen,

damit in Zukunft eine bessere Durchlüftung

stattfinden kann. Das restaurierte

Altarbild „Maria Immaculata“, die neue

Konsole für die Herz-Jesu-Statue und die

ebenfalls restaurierte Altarmensa wurden

schließlich im Herbst 2019 montiert. Abschließend

fertigte der Tischler Michael

Mair eine neue Altarplatte und das Holzpodest

in Lärche an, und die zwei Reliquienschreine

wurden montiert.

Die Gesamtkosten für die fachgerechte

Restaurierung dieses wertvollen Kleinodes

am Gries betrugen, bedingt durch

zusätzliche Restaurierungsarbeiten, über

51.000 Euro. Die Kosten konnten durch

die Besitzerfamilie, den Heimatschutzverein

Lana, durch einen außerordentlichen

Beitrag der Marktgemeinde Lana,

das Landesdenkmalamt und zahlreiche

Spender sowie einige beteiligte Firmen

aufgebracht werden.

Ein herzliches Vergelt´s Gott allen, die

mit ihrer Spende zum guten Gelingen dieser

notwendigen und sehr umfangreichen

Restaurierungsarbeiten bei der Wiesmair-

Kapelle beigetragen haben, die nun wiederum

in neuem Glanz erstrahlt. Die Segnung

der restaurierten Kapelle wird aufgrund

der derzeitigen Situation zu einem späteren

Zeitpunkt erfolgen.

Text & Fotos:

Albert Innerhofer

Quellen:

- Dr. Maria Stifter,

Altarbild Wiesmair-Kapelle,

15. Februar 2020

- Leo Andergassen,

Lana Sakral, S. 212, 1997

- Albert Innerhofer, Jahresberichte

Heimatschutzverein Lana 2014 bis 2020

- Briefverkehr: Heimatschutzverein Lana,

Gemeinde Lana und Landesdenkmalamt

seit 2004

Marterl restauriert

Der Heimatschutzverein Lana berichtet

Heuer waren es genau 50 Jahre, dass der

Straßenwächter Karl Unterholzner aus Lana

ums Leben kam. Das Marterle, mit dem ihm

gedacht wird, wurde nun restauriert.

Karl Unterholzner, geboren am 9. September

1921, starb bei einem tragischen

Unglück in der Bozner Straße am 12. Jänner

1970. Der Familienvater hinterließ

seine Frau und sieben unmündige Kinder.

Der Verunglückte stand damals im

49. Lebensjahr.

Der Heimatschutzverein Lana hat nun das

in die Jahre gekommene Marterle fachgerecht

und originalgetreu durch den Malermeister

Karl Christanell aus Algund restaurieren

lassen.

Es wurde kürzlich wiederum am Kapellenbildstock

an der Kreuzung Boznerstraße

– Zollstraße angebracht.

Text & Foto:

Albert Innerhofer

50

KulturFenster


Heimatpflege

Baggern trotz Krise

Naturreservate drohen, der Wirtschaft zum Opfer zu fallen

In Coronazeiten erleben wir, wie schon lange

nicht mehr, unsere wechselseitige Verwundbarkeit.

In der Krise gibt es keinen sicheren

Schutzmantel gegen die soziale Isolation und

die Vertiefung bestehender Ungleichheiten

trotz staatlicher Maßnahmen. Die wirtschaftlichen

und politischen Folgen sind gravierend

und werden tiefe Kerben hinterlassen.

Dennoch lässt Corona nun zu, was vor

dieser Zäsur kaum möglich war. So bekommen

Phänomene wie die Globalisierung,

der Turbokapitalismus und der Massentourismus

plötzlich einen schalen Beigeschmack.

Der Zauber des Wirtschaftswachstums

ist zum Teil verfl ogen und wird

immer häufiger auch von der Wirtschaftswissenschaft

infrage gestellt. Die CO 2

-Emissionen

sind rückläufi g bei gleichzeitig erhöhter

Müllproduktion.

Die Coronakrise zu verklären, wäre aber

ein Denkfehler. Sie sollte ganz nüchtern

als das betrachtet werden, was sie ist: als

Zeit der schmerzhaften Verluste, der Veränderung

und Lernerfahrung mit offenem

Ausgang, gewiss nicht als Gegenschlag der

geschundenen Erde gegen den rücksichtslosen

weltweiten Raubbau an der Natur.

Zweifelhafte Gesetzesmanöver

Zu unserem Entsetzen entnehmen wir

der Presse, wie Unternehmen und Politik

Beschlüsse fassen, die die Errichtung einer

wohlgemerkt neuen Zahnradbahnverbindung

der beiden Skizonen Seiser Alm

und Monte Pana – Ciampinoi – Sellajoch

ermöglichen. Die Abänderung des Artikels

2, Absatz 2, Buchstabe b) des Landesgesetzes

vom 23. November 2010, Nr. 14 bietet

die rechtliche Grundlage für die Eintragung

des Vorhabens in den Skipistenplan.

Durch ein ausgeklügeltes Gesetzesmanöver

erhält die Zahnradbahn als Transportmittel

den Status einer gewöhnlichen Aufstiegsanlage

mit Skibetrieb. Damit umgeht

man die Eintragung in den Fach- bzw. Bauleitplan

sowie eine europaweite Ausschreibung

des Projektes.

Mitten in der Coronakrise fuhren auf der Seiser Alm die Bagger auf.

Es handelt sich hierbei um eine Verbindung,

die eine der letzten naturbelassenen

Zonen durchdringen und die das Wasserschutzgebiet

„Cunfi n“ gefährden würde.

Dort entspringt die Wasserquelle, die das

ganze Dorf St. Ulrich, die Ortschaften Überwasser

und Runggaditsch mit Trinkwasser

versorgt und deren größtes ökologisches

Lebensgut gefährden würde. Diese Investition

würde sich nur rechnen, wenn große

Menschenmassen diese Infrastruktur auch

nützen würden.

Und damit kommen wir zum springenden

Punkt: Der neu entstandene Trubel würde

einer unberührten Naturlandschaft fernab

von Lärm und Hektik arg zusetzen.

Es drängt sich die Frage auf, ob Bürgerinnen

und Bürger der betroffenen Gemeinden

Kastelruth und St. Christina diese

Verbindung überhaupt wünschen, oder ob

sich die Gemeindepolitikerinnen und -politiker

durch ihre positiv gefassten Beschlüsse

zu den eingereichten Projekten primär den

übermächtigen Investoren und Interessengruppen

fügen.

Ein weiteres Bauvorhaben lässt aufhorchen:

Am 6. April haben auf der Seiser Alm

vor dem Hotel „Adler Lodge“ die Bauarbeiten

für eine Unterführung der Straße begonnen.

Auf der schönsten und größten

Alm Europas wird wieder massiv gebaggert,

ungeachtet der aktuellen Notlage und

der zu erwartenden schweren Rezession.

Naturbelassene

Erholungsgebiete sichern

Anderen Presseberichten zufolge soll das

Hotel „Alpina Dolomites“ auf der Seiser Alm

von einem Großinvestor aus Singapur übernommen

worden sein. An diesem Beispiel

lässt sich veranschaulichen, welche Folgen

Kubaturverlegungen (Ex-Schutzhaus Dialer

im Naturpark Schlern –Rosengarten) mit

qualitativer und quantitativer Erweiterung

in einem Landschaftsschutzgebiet haben

können. Hierzu befragte HGV-Vertreter klingen

merkwürdig verhalten.

Wir rufen dringend dazu auf, ökologische

Anliegen vor jenen der Wirtschaft

zu beherzigen. Die naturbelassenen Erholungsräume

sichern jene Grundlage,

die lebenswertes Leben und Wirtschaften

erst ermöglicht. Besonders in Krisenzeiten

sollten wir keineswegs unsere letzten

und wertvollsten Naturreservate sehr

kurzfristigen Geschäftsinteressen opfern.

Die Cunfinböden zählen zu jenen Rückzugsgebieten,

in denen sich Mensch, Tiere

und Pflanzen erholen können und eine gesunde

Entschleunigung stattfi nden kann.

Deshalb plädieren wir dafür, dass dieses

gesamte Gebiet um das Langkofelmassiv

als Naturpark ausgewiesen werden soll.

Wir fühlen uns verpflichtet, dieses Areal

– im Ausgleich zur intensiven Nutzung der

Talsohle – als hochalpines Ruhe- und Naherholungsgebiet,

frei von Luft- und Lärmverschmutzung,

zu erhalten, und nicht leichtfertig

und unwiederbringlich zu zerstören.

Unsere Kinder und Enkel werden es

uns danken.

Sara Stuflesser (Gemeinderätin von

St. Ulrich), Engelbert Mauroner (Vorsitzender

der „Lia per Natura y Usanzes“),

Hubert Mayrl (Vorsitzender der AVS-Sektion

Schlern) zusammen mit der „Gruppe

zum Erhalt unserer Berggebiete“

Nr. 02 | Juni 2020 51


im Gedenken

Er hatte ein Herz für Kultur und Natur

Pfarrer Johann Oberhammer – Ein persönlicher Nachruf von Claudia Plaikner

Pfarrer Oberhammer im regen

Gedankenaustausch mit Claudia

Plaikner. Das Foto entstand in der

„Alten Turnhalle“, wo die Ausstellung

„Weiterbauen auf dem Land“ lief.

Pfarrer Johann Oberhammer ist am 26. April

2020 im Alter von 81 Jahren verstorben. Er

war ein kunstsinniger, engagierter und bescheiden-liebenswürdiger

Diener im Garten

des Herrn.

Pfarrer Johann Oberhammer ist am 26.

April 2020 im Alter von 81 Jahren verstorben.

Er wusste seit einiger Zeit, dass er den

Kampf gegen den Krebs nicht mehr gewinnen

wird. Während der Weihnachtsfeiertage

2019 brach Pfarrer Hans bei der Vorbereitung

zu einer Messe in der Kirche von Taisten

zusammen und kam zuerst ins Spital von

Innichen und dann nach Bruneck; dort hat

er seine letzten Lebenswochen verbracht.

Ich habe ihn gemeinsam mit Heimatpfleger

Albert Willeit am Krankenbett besucht.

Und wie waren wir berührt von der Stärke

und Klarheit seiner Aussagen. Selbst in dieser

für ihn persönlich so schweren Situation

war es ihm wichtig, uns ein „Vermächtnis“

zu hinterlassen: Wir sollten weiterhin auf die

Heimat schauen. Ganz besonders legte er

uns die Pfarrhäuser – von denen ja immer

mehr leer stehen – ans Herz: Sie sollten in

Zukunft nicht veräußert werden, sondern

dem Dorf und für öffentliche Zwecke zur

Verfügung stehen. Die Salvatorkapelle beim

Wildbad Innichen war ihm ein besonderes

Anliegen und natürlich die Umgebung der

Kirche und des Friedhofes in Taisten, ganz

besonders der angrenzende Park.

Der Schutz dieser grünen Oase mitten im

Herzen von Taisten war auch unser letztes

gemeinsames Projekt: Wir führten 2019

einen Lokalaugenschein mit ihm und anderen

Personen durch, beteiligten uns an

einer Bürgerversammlung. In gewohnter

Manier erlebte ich Pfarrer Hans bei diesen

seinen Auftritten als Verfechter eines modernen

Naturschutzgedankens, der einmal

mehr den Beteiligten vor Augen führte, was

Wert und Bestand hat, ja, haben muss, was

ein Dorf lebenswert und besonders macht

und ihm eine langfristige Perspektive für

diese Erhaltung von Lebensqualität gibt: der

Schutz der Natur auch im Siedlungsgebiet,

die Ruhe eines nicht zweckoptimierten naturbelassenen

Parks, der Respekt vor der –

in diesem Fall – spirituellen Umgebung von

Friedhof, Kirche und Pfarrhaus. Wie war ich

ein anderes Mal erstaunt, als ich in unmittelbarer

Nähe des religiösen Zentrums von

Taisten sah, dass es hier Wiesen gibt, die

durch einen leider sonst kaum mehr vorzufindenden

Artenreichtum an Gräsern und

Blumen hervorstechen. Pfarrer Hans, der 33

Jahre lang diese Pfarrei betreute, erzählte

mir, dass er die von der Pfarrei verpachteten

Gründe um einen günstigen Pachtzins

vergibt, dafür aber einfordert, dass auf diesen

Wiesen kein Kunstmist und keine Gülle

zum Einsatz kommen.

Das „ökologische“ Herz von Pfarrer Hans

schlug auch ganz stark für die Erhaltung

und Weiterentwicklung unserer Kunst und

Kultur. Sein großes Wissen um Geschichte

und Kunst machte ihn zu einer Institution

in Fragen der Bewertung, Gestaltung und

Fortschreibung des architektonischen und

kunstgeschichtlichen Erbes. Pfarrhaus und

Kirche samt Interieur geben Zeugnis von seiner

Kenntnis und Achtung vor der mittelalterlichen

und barocken Kunst, ebenso aber

von der Aufgeschlossenheit für moderne

Kunst. Ein besonders evidentes Beispiel

ist die Gestaltung des Friedhofes in Taisten,

der aufgrund der Symbiose von natürlichen

und künstlerischen Elementen, aufgrund der

stimmig-individuell gestalteten Grabstätten

eine Sonderrolle unter den Südtiroler Friedhöfen

einnimmt. Katalogware verabscheute

Pfarrer Hans ebenso wie kopflose Angepasstheit

und sterile Uniformität.

Hans Oberhammer, der nach seiner Priesterweihe

1968 zuerst Kooperator in Taufers

i. P. und in Schlanders, dann Pfarrer in

Lichtenberg und Matsch war, war auch als

Seelsorger immer ein „Selbstdenker“, der

sich weder von weltlichen noch von geistlichen

Autoritäten eine Meinung aufoktroyieren

ließ, wenn diese nicht mit seiner innersten

Überzeugung in Einklang zu bringen

war. Oft galt sein Einsatz auch der Verteidigung

ideeller angestammter Rechte. Ich erinnere

mich lebhaft an das Jahr 2006, als

der Verkauf des Klarissenklosters St. Josef

in Taisten anstand. Pfarrer Hans machte

sich mit einer Gruppe örtlicher Mitstreiterinnen

und Mitstreiter zum Befürworter

des Erhaltes des historischen Gebäudes für

die Dorfbevölkerung, z. B. für die Nutzung

durch lokale religiöse Vereinigungen. Die

in vielen Jahrzehnten gewachsene starke

Bindung der örtlichen Bevölkerung an das

Kloster und die ideelle und finanzielle Unterstützung

desselben brachte Pfarrer Hans

als Argumente vor, was aber von der kirchlichen

Obrigkeit ignoriert wurde.

Pfarrer Hans haben Rückschläge aber

nie entmutigt: Sich für das einzusetzen,

was keine Lobby hat, gehörte ebenso zu seinem

Credo wie dass der Mensch in seiner

Würde stets im Vordergrund stehen muss.

In Pfarrer Hans paarte sich auf eindrucksvolle

Weise die Kunst der Beharrlichkeit, Aufrichtigkeit

und des klaren Standpunktes mit

einem zuvorkommenden und freundlichen

Umgang mit Menschen, speziell auch mit

solchen, die es im Leben nicht leicht hatten

oder haben.

Sich selber schonte er nie, fragte nie danach,

welche Nachteile ihm aus seiner Haltung

erwachsen würden. Seine Aktivitäten

beschränkten sich nie auf die sogenannten

Sonntagsreden, er selbst legte stets offen

Zeugnis von seinen Wertvorstellungen ab,

was sogar so weit führte, dass er sich angesichts

der Baggerschaufeln, die dem altehrwürdigen

Gerichtsgebäude in Welsberg um

die Jahrtausendwende den Garaus machten,

physisch dagegen stellte.

Pfarrer Hans wird mir fehlen – seine Persönlichkeit

hat mich und viele von uns bereichert.

Er hat Vertrauen in uns gesetzt: In seinem

Sinne auf unsere Heimat zu schauen,

also sein „Testament“ umzusetzen, das soll

weiterhin unser Ziel sein.

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KulturFenster


im Gedenken

Heimatpflege

Er war ein Menschenfreund

In memoriam Franz Simeoni

Im 63. Lebensjahr ist Franz Simeoni, der

viele Jahre als Landesvorstand, Ausschussmitglied

des Bezirkes Überetsch Unterland

und als Ortsbeauftragter in Neumarkt für die

Heimatpflege tätig war, am 6. Mai 2020

verstorben. Ein Nachruf von Luis Walter.

Aus heiterem Himmel kam die Botschaft:

Franz Simeoni ist tot. Noch kurz zuvor hatte

man ihn im Dorf getroffen. Franz war ein

Menschenfreund, als solcher suchte er die

Menschen. Er kannte viele Menschen, und

umgekehrt kannten viele Menschen Franz.

Franz war ein kommunikativer Mensch, er

ging auf die Menschen zu, ein Gespräch

entstand bald, man freute sich.

In jungen Jahren machte er die Prüfung

zum Gemeindesekretär, was dann

auch sein Beruf wurde, in den letzten Jahren

war er dies in Margreid. Franz war in

Neumarkt geboren und blieb mit Leib und

Seele Neumarkter. Als solcher hat er die

Politik in der Gemeinde Neumarkt der vergangenen

20 Jahre verfolgt – und oft auch

den Unmut vieler Menschen zu spüren bekommen,

die den eingeschlagenen politischen

Weg so nicht mittragen wollten. Die

Folge war, dass sich Menschen, vor allem

junge Menschen, zusammentaten und das

Bündnis Neumarkt gründeten, um in der

volkstumspolitischen Mitte in der Gemeindestube

von Neumarkt ein Korrektiv zu

sein, zur – wie sie es sahen – identitätslos

gewordenen SVP-Führung von Neumarkt.

Franz Simeoni war zwei Amtsperioden

lang für das Bündnis Neumarkt Fraktionschef

im Gemeinderat, wo er einige Funktionen

innehatte, u. a. Vorsitzender der

Kommission für Ehrungen verdienter Mitbürger

und der Kommission für Verordnungen.

Franz hat sich in seiner ehrenamtlichen

und politischen Tätigkeit nicht

nur Freunde gemacht, was aus seiner

Sicht auch nicht der Zweck der Sache sein

konnte. Respektiert als Mensch hat man

ihn allemal. Franz war ein Homo Politicus,

durch und durch. Politik war ein Teil seines

Lebens, war seine Leidenschaft. Dabei

gehörte er keiner Partei an, war parteilos,

was nicht heißen soll, dass er keinen

Standpunkt hatte. Er hatte sehr wohl Standpunkte,

die er stets mit stichfesten Argumenten

vertreten und verteidigen konnte.

Er besaß eine Gabe, die heute vielfach bedeutungslos

zu sein scheint: die Gabe, im

tiefsten seines Herzens ein aufrechter Tiroler

zu sein und im Zweifelsfalle, auch danach

zu handeln.

Franz war ein Mensch, den man für eine

gute Sache begeistern konnte. Er war offen,

nicht nur für Politik, er war offen für

Kunst, für Literatur, Theater und Film, er

war immer offen für ein ernstes Gespräch,

wie auch für ein humorvolles.

Ein Vorbild für die Heimatpflege

Nun ist Franz nicht mehr, er wird fehlen.

Er wird seiner Familie fehlen. Er wird den

Freunden im Fleimstal fehlen mit denen ihn

tiefe Wertschätzung verband. Er wird im Gemeinderat

von Neumarkt fehlen, denn er

war dort vielfach das Salz in der Suppe. Er

wird in der Heimatpflege fehlen. Er wird in

Neumarkt fehlen, er wird im Südtiroler Unterland

fehlen, dem er sich im tiefsten Herzen

eng verbunden fühlte. Er war ein Menschenfreund.

Er möge ruhen in Frieden.

Luis Walter

Ausschuss Heimatpflege Bezirk Unterland Überetsch gedenkt Franz Simeoni

Tief erschüttert über den so plötzlichen Tod unseres lieben Freundes und Mitstreiters

Franz Simeoni möchten wir der Familie und den Angehörigen unser tief empfundenes

Mitgefühl und Beileid aussprechen.

Franz ist und war uns ein Vorbild im Einsatz für das Unterland, für Südtirol, für die

Heimat und die Erde, auf der wir leben.

Seine Initiativen, seine Ideen, sein Mut, sein Wissen und seine Arbeit sind unersetzlich

und werden uns unermesslich fehlen. Wir können und wollen nach seinem

Vorbild weitermachen, um in seinem Sinne weiter auf unsere Umwelt zu hören

und zu achten. Franz wird uns weiter Vorbild sein. Seine Worte und Aktionen

sowie seine vorgelebte Freundschaft werden uns im Vorstand der Heimatpflege

Unterland weiterhin stärken und begleiten.

Nr. 02 | Juni 2020 53


Arge Lebendige Tracht

Die Tracht lag ihr am Herzen

Rosl Viehweider geb. Plattner aus Gries/Bozen zum Gedenken

Rosl Viehweider geb. Plattner

(1937–2020)

Wenn wir heute viele Bäuerinnen in ihren

schmucken Trachten sehen, so ist das keine

Selbstverständlichkeit. Es brauchte Frauen

wie Rosl Viehweider geb. Plattner, die sich

in fachkundiger Weise und mit viel Eifer jahrzehntelang

für die Tracht eingesetzt haben.

Ganze 18 Jahre lang hat sie ihr Wissen und

Können in die Arbeitsgemeinschaft Lebendige

Tracht eingebracht. Am 6. Juni 2020

ist Rosl Viehweider im Alter von 82 Jahren

verstorben.

Erste Vertreterin der

Bäuerinnen-Organisation

Ein neues Statut hatte es möglich gemacht,

dass Vertreter der drei bäuerlichen Organisationen

in die Arbeitsgemeinschaft Lebendige

Tracht aufgenommen werden konnten.

Rosl Viehweider war die erste Vertreterin

der Südtiroler Bäuerinnenorganisation. Sie

kam 1985 in die Arbeitsgemeinschaft und

blieb bis 2003. Ein wertvoller Zugewinn,

war sie doch die stellvertretende Landesbäuerin

unter Maria Leiner aus Marling. Als

Ortsbäuerin von Gries/Bozen hatte sie sich

als Fachfrau für Dirndl und Tracht bzw. für

das Nähen von Trachtenhemden einen Namen

gemacht. Dass die Musikkapelle Gries

handgestrickte Stutzen nach einem alten

Muster im Bozner Stadtmuseum trägt, ist

auch ihr Verdienst.

Gediegene Ausbildung

Rosl Viehweider war Anfang 20, als sie die

Haushaltungsschule in Steinach am Brenner

besuchen durfte. Dort hatte sie gut nähen

gelernt und als Meisterstück für sich

selbst eine Bozner Tracht genäht. Von da

an begleitete sie der Eifer für den Erhalt der

Tracht ihr ganzes Leben lang. Sie vertiefte

ihre Nähkenntnisse noch an einer italienischen

Nähschule in Bozen. Nun hatte sie

einen guten Blick für das richtige Sitzen einer

Tracht und begann, für andere Trachten

zu nähen. So kam sie durch ihr Hobby

auch noch zu einem kleinen Zuverdienst.

Vielseitig engagiert

Rosl war viele Jahre lang Sängerin im

Stiftspfarrchor St. Augustin in Gries. Dass

sie an Feiertagen die Tracht trug, war für

sie selbstverständlich. Sie fühlte sich wohl

darin. Durch ihr gutes Beispiel angeregt,

schafften sich viele eine Tracht an. Rosl

half überall mit, wenn religiöse, kulturelle

oder soziale Veranstaltungen eine helfende

Hand brauchten. Dabei sah man

sie oft auch im Dirndl. Ihre Freude waren

die Berge.

60 Jahre lang war sie Mitglied beim Südtiroler

Alpenverein. Ganz besonders liebte

sie Blumen. Wer erinnert sich nicht an die

bunten Blumensträuße aus ihrem Garten,

die sie an ihrem Obst- und Gemüsestand

am Bozner Bauernmarkt verkaufte!

Eifrige Trachtenpionierin

Wer mit Rosl in der Arbeitsgemeinschaft

Lebendige Tracht zusammenarbeitete,

wird sich stets gerne an sie erinnern. Auf

Rosl war immer Verlass. Sie hat sich nie

vorgedrängt, hat einfach gearbeitet. Eine

wunderbare Frau!

Leider konnten wir uns von Rosl nicht in

gebührender Weise verabschieden. Was

bleibt, ist der Dank an eine engagierte

Pionierin des Südtiroler Trachtenwesens

und die Erinnerung an eine liebenswerte

Trachtenfreundin.

Agnes Andergassen

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KulturFenster


Arge Volkstanz

Heimatpflege

Hereinspaziert

• Almtanz der ARGE Volkstanz in Südtirol auf dem Würzjoch am 19. Juli 2020.

• Tanzleiterausbildung Modul 1 am 5. September 2020 in der Lichtenburg/Nals.

• „Gsung, gspielt, gitonzt und drzehlt“ im Volkskundemuseum Dietenheim am 13. September 2020 in Zusammenarbeit mit dem

Südtiroler Volksmusikkreis Bezirk Pustertal.

• Modul 3 ­ Ausbildung Kinder­ und Jugendtanzleiter in Pfalzen am 24. und 25. Oktober 2020.

• Landeskathreintanz am 14. November 2020 im Kursaal von Meran mit der Musikgruppe „Tanzig“. Die Pausengestaltung

übernimmt der Bezirk Überetsch/ Unterland.

• Winterlehrgang vom 26.Dezember 2020 bis 1. Jänner 2021 im Haus der Familie in Lichtenstern.

Weitere Infos im Büro der Arbeitsgemeinschaft Volkstanz, Tel.: 0471/970555 oder info@arge­volkstanz.org

KulturFenster

Blasmusik, Chorwesen und Heimatpflege in Südtirol

Redaktion KulturFenster

Redaktionsschluss für die nächste

Ausgabe des KulturFensters

ist Freitag, 17. Juli 2020.

Bitte Termin genau beachten!

Nr. 02 | Juni 2020 55


Danke

Danke an alle Rettungskräfte

Danke an alle Pflegekräfte

Danke an alle, die im Supermarkt arbeiten.

Danke an alle Polizisten

Danke an alle Ärzte

Danke an alle Menschen,

die durch ihre Arbeit dem Coronavirus ausgesetzt sind,

aber trotzdem weitermachen!

Ohne euch ginge es nicht!

Impressum

Mitteilungsblatt des Verbandes Südtiroler

Musikkapellen, des Südtiroler Chorverbandes

und des Heimapflegeverbandes Südtirol

Eigentümer und Herausgeber:

Verband Südtiroler Musikkapellen, Bozen

Ermächtigung Landesgericht Bozen

Nr. 27/1948

Schriftleiter und im Sinne des Pressegesetzes

verantwortlich:

Dr. Alfons Gruber

Als Pressereferenten für die Darstellung der

entsprechenden Verbandsarbeit zuständig:

VSM: Stephan Niederegger,

E-Mail: kulturfenster@vsm.bz.it

SCV: Paul Bertagnolli,

E-Mail: info@scv.bz.it

HPV: Florian Trojer,

E-Mail: fl orian@hpv.bz.it

Unverlangt eingesandte Bilder und Texte

werden nicht zurückerstattet.

Redaktion und Verwaltung:

Verband Südtiroler Musikkapellen,

I-39100 Bozen, Schlernstraße 1, Waltherhaus

Tel. 0471 976387 - Fax 0471 976347

E-Mail: info@vsm.bz.it

Einzahlungen sind zu richten an:

Verband Südtiroler Musikkapellen, Bozen,

Waltherhaus

Raiffeisen-Landesbank, BZ

IBAN: IT 60S03493 11600 0003000 11771

SWIFT­BIC: RZSBIT2B

Jahresbezugspreis: Euro 20

Gefördert von der Kulturabteilung

der Südtiroler Landesregierung.

Druck: Ferrari-Auer, Bozen

Das Blatt erscheint als Zweimonatszeitschrift,

und zwar jeweils am 15. Februar, April, Juni,

August, Oktober und Dezember.

Redaktionsschluss ist der 15. des jeweiligen

Vormonats.

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KulturFenster

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