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Kulturfenster Nr. 03|2020 - Juni 2020

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Poste Italiane SpA – Sped. in a.p.<br />

-70% – NE BOLZANO – 72. Jahrgang<br />

<strong>Nr</strong>. 3 | JUNI | <strong>2020</strong><br />

Zweimonatszeitschrift<br />

KulturFenster<br />

Blasmusik, Chorwesen und Heimatpflege in Südtirol<br />

Sei ein Adler<br />

Chorsingen in Sicht?<br />

Corona: Jetzt Schritte setzen<br />

ABGESAGT<br />

ES BLEIBT STILL<br />

OHNE KULTUR


• Geleitwort •<br />

• Inhalt •<br />

• Blasmusik<br />

Das Thema: Musik macht Mut 3<br />

Alles nur Spaß!? Jahreshauptversammlung<br />

des VSM-Bezirkes Schlanders 6<br />

71. Jahreshauptversammlung des<br />

VSM-Bezirkes Brixen 7<br />

Tacet – oder warum wir unsere<br />

Musikkapelle lieben 8<br />

Die neue VSM – Homepage 10<br />

Musik in Bewegung 11<br />

Die Jugendseite 12<br />

Blasinstrumente sind keine Virenschleudern 14<br />

Share the Repertoire – das Kulturservice<br />

für Dirigentinnen und Dirigenten 15<br />

Das Blasmusikstudio – eine Initiative<br />

der österreichischen Blasmusikjugend 16<br />

Magari – Sunnseit Brass veröffentlicht CD 16<br />

Gratulation Walter Ratzek zum 60er<br />

und Sigismund Seidl zum 70er 17<br />

Festkonzert der Musikkapelle Toblach<br />

unter besonderen Vorzeichen 18<br />

Ars Nova: Der Komponist Valentin Gasser<br />

lässt die Würfel rollen 20<br />

Musikpanorama 22<br />

Motivation als Zauberwort<br />

Motivation, das ist das zentrale Thema des<br />

VSM in dieser Ausgabe des KulturFensters.<br />

Autor eines bemerkenswerten Beitrages ist<br />

Stefan Süssenbacher, Jahrgang 1981, aus<br />

St- Veit an der Glan (Kärnten). Er hat mit der<br />

Seminararbeit über Motivation den Lehrgang<br />

für Führungskräfte des Österreichischen Blasmusikverbandes<br />

(ÖBV) abgeschlossen. Motivation<br />

ist für ihn – und nicht nur für ihn –<br />

fürwahr ein Zauberwort. Doch was bedeutet<br />

das? Motivation ist Leidenschaft, Kraft und<br />

Mut, „etwas aus dir herauszuholen“, stellt er<br />

fest. Man solle es dem Adler nachmachen.<br />

Der habe den Überblick, kämpfe für sein Interesse,<br />

motiviere sich und lasse sich motivieren.<br />

Und noch eine wichtiger Appell des<br />

Autors: Wenn du denkst, du kannst es, dann<br />

kannst du es auch. Sein Resümee: „Sei konsequent<br />

mit dir und mit dem, was du tust,<br />

dann wirst du auch erfolgreich sein.“<br />

Der Obmann des Südtiroler Chorverbandes,<br />

Erich Deltedesco, bedauert, dass Singen im<br />

Chor trotz gewisser Erleichterungen im Grunde<br />

noch nicht möglich ist. Und gemeinsam singen<br />

und nicht alleine, das sei vor allem das<br />

• Chorwesen<br />

Verbandsobmann Erich Deltedesco:<br />

Zusammengehörigkeitsgefühl<br />

im Chor wird wachsen 25<br />

Chorsingen in Coronazeiten 26<br />

Im Gedenken an Hildegard<br />

Pernter Kostner 28<br />

Konzertreise des Männerchores<br />

Brummnet nach Südafrika 29<br />

Fahnenweihe in Martell/Gratulation:<br />

Hermann Schölzhorn wurde 70 30<br />

Titelbild: Die Musikkapelle Reischach<br />

war eine der ersten Kapellen, die die<br />

Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie<br />

zu spüren bekommen<br />

haben – für das traditionelle Frühjahrskonzert<br />

am 7. März war bereits alles<br />

vorbereitet. Zwei Tage vor dem Konzerttermin<br />

hieß es aber: „Nichts geht<br />

mehr!" In der Folge mussten landauf<br />

landab die Instrumente schweigen, und<br />

die Konzertsäle bleiben leer.<br />

Schöne, Erhebende beim Singen im Chor.<br />

Zurzeit sei es so, dass höchstens Teilproben<br />

für gewisse Register stattfinden könnten.<br />

Eine Alternative, vor dem Computer zu singen,<br />

wird von manchen lanciert. Aber Proben<br />

und Konzerte mit realer Präsenz seien<br />

durch kein PC-Programm zu ersetzen. Deswegen<br />

hofft der Obmann, dass die ganz normale<br />

Probentätigkeit bei einer weiteren Lockerung<br />

der Einschränkungen bald wieder<br />

möglich sein werde.<br />

Der Heimatpfl egeverband hielt am 29. Mai<br />

im großen Saal des Waltherhauses in Bozen<br />

seine 70. Jahresversammlung ab. Infolge der<br />

Coronakrise war es ein Zusammentreffen in<br />

kleinstmöglichem Rahmen unter größtmöglichen<br />

Sicherheitsvorkehrungen. Bei der fälligen<br />

Neuwahl des Vorstandes wurde Claudia<br />

Plaikner mit überwältigender Mehrheit<br />

in ihrem Amt als Landesobfrau bestätigt. Sie<br />

sieht in der Coronakrise eine Chance zu einer<br />

nachhaltigen, bewussten Lebensweise.<br />

Von der Politik fordert sie eine nachhaltige<br />

zukunftstaugliche Sicht bei der Lösung von<br />

Problemen.<br />

• Heimatpflege<br />

Alfons Gruber<br />

Das Thema: Corona – Was kommt danach? 31<br />

Interview mit Georg Kaser: „Gegen den<br />

Klimawandel gibt es keinen Impfstoff“ 33<br />

Offen, kritisch und aktiv<br />

Ein Beitrag von Dr. Josef Vieider 35<br />

Droht ein Rückschritt? Geht es auch<br />

in Coronazeiten verpackungsfrei? 36<br />

Unsere Gewässer – unsere Zukunft 37<br />

70. Vollversammlung des HPV Südtirol<br />

im Waltherhaus Bozen 40<br />

Ein guter Tag für Langtaufers 41<br />

Ein Jahr Netzwerk Kulturerbe 42<br />

Fotowettbewerb: „Wildbach Innichen“ siegt 43<br />

Meran - die Gartenstadt und das grüne Erbe 44<br />

Heimatschutz heißt auch Naturschutz 46<br />

Wiesmair – Kapelle in Lana fertig restauriert 48<br />

Seiser Alm – Baggern trotz Krise 51<br />

Im Gedenken an<br />

Pfarrer Johann Oberhammer aus Taisten 52<br />

Im Gedenken an Franz Simeoni 53<br />

Im Gedenken Rosl Viehweider geb. Plattner 54<br />

Arge Volkstanz: Hereinspaziert 55<br />

2<br />

KulturFenster


Das Thema<br />

Blasmusik<br />

Musik macht Mut<br />

… oder wie man sich für (seine) Träume motivieren kann<br />

SEI EIN ADLER!<br />

Norwegischer Seeadler – Foto: Günther Kamelger<br />

Die Anforderungen an Führungskräfte steigen<br />

stetig. Nicht nur beruflich, sondern auch im<br />

Ehrenamt sind die Erwartungen an Vereinsobleute<br />

sehr hoch. Stefan Süssenbacher aus<br />

Kärnten hat vor einem Jahr den Lehrgang für<br />

Führungskräfte des Österreichischen Blasmusikverbandes<br />

(ÖBV) abgeschlossen. In<br />

seiner Abschlussarbeit hat er sich mit dem<br />

Thema „Motivation“ befasst. Im Folgenden<br />

hat er uns die Zusammenfassung seiner Seminararbeit<br />

zur Verfügung gestellt. Auf der<br />

ÖBV-Homepage ist die vollständige Arbeit<br />

abrufbar: https://www.blasmusik.at/seminardb/musik-macht-mut/<br />

Motivation<br />

Ein Wort begegnet uns heutzutage immer wieder:<br />

MOTIVATION. Doch was genau ist diese<br />

Motivation, wie bekomme ich sie, was kostet<br />

sie mir und was kann ich damit machen?<br />

Das Wort Motivation stammt ursprünglich<br />

aus dem lateinischen „movere“ und bedeutet<br />

so viel wie bewegen. Die Motivation<br />

ist also ein Beweggrund; DEINE Leidenschaft<br />

und DEINE Kraft etwas zu tun,<br />

etwas aus DIR herauszuholen.<br />

Wann warst du das erste Mal so richtig<br />

motiviert? Vermutlich kannst du dich<br />

nicht mehr genau daran erinnern! Es war<br />

mit ungefähr einem Jahr. Da wolltest du<br />

unbedingt laufen lernen! Nichts hat dich<br />

von deinem Ziel abgehalten. Viele Male<br />

bist du wieder auf deinem Hintern gelandet,<br />

um von Neuem immer wieder aufzustehen<br />

und endlich deinen ersten Schritt<br />

zu tun. Deine Eltern haben dich angefeuert,<br />

du selbst wolltest es unbedingt und so<br />

hast du dein großes Ziel erreicht. Du hast<br />

deinen ersten Schritt gemacht und konntest<br />

von nun an die Welt aus einer neuen<br />

Perspektive betrachten, andere Wege gehen,<br />

Hindernisse überwinden, die bis dahin<br />

unbezwingbar waren.<br />

Würden wir all unsere Vorhaben mit dieser<br />

Konsequenz angehen, wir könnten beinahe<br />

alles erreichen.<br />

Je älter man wird, desto leichter lässt<br />

man sich von Rückschlägen die Motivation<br />

nehmen. Oft hört man auch: „Das<br />

schaffst du nicht, das brauchst du nicht“,<br />

oder dergleichen.<br />

Was du schaffen willst, oder was du<br />

brauchst, entscheidest immer noch du<br />

selbst. Du alleine hast die Kraft und den<br />

Willen Dinge zu erreichen, die für andere<br />

unerreichbar sind.<br />

Welches Ziel hast du gerade jetzt vor Augen?<br />

Möchtest du deinen Schulabschluss<br />

machen, oder eine sportliche Herausforderung<br />

bewältigen? Gibt es ein besonderes<br />

Musikstück oder ein Musikinstrument, das<br />

du gerade erlernen möchtest?<br />

<strong>Nr</strong>. 02 | <strong>Juni</strong> <strong>2020</strong> 3


Das Thema<br />

I HAVE A DREAM<br />

Martin Luther King (1929 – 1968) setzte sich für die Bürgerrechte der Afroamerikaner in den USA ein, wobei er vor allem den<br />

gewaltfreien Kampf propagierte. Er wurde am 4. April 1968 in Memphis, Tennessie, bei einem Attentat ermordet. Legendär ist<br />

seine Rede „I have a dream“, die er 1963 vor mehr als 250.000 Menschen beim Lincoln Memorial in Washington D.C. hielt.<br />

Keine Herausforderung ist zu groß, du<br />

alleine bestimmst, welche Herausforderung<br />

du annehmen möchtest und mit<br />

welchem Aufwand, mit wie vielen Schritten,<br />

du dein Ziel erreichen wirst. Lass dir<br />

das Eine nicht nehmen: Deine Vision und<br />

deinen Traum!<br />

Träume!<br />

Ein weiteres Wort, das unmittelbar mit dem<br />

Thema Motivation in Verbindung steht, ist<br />

somit das Wort TRÄUMEN! Wer keine Visionen,<br />

Ziele und eben Träume hat, der<br />

Jürgen Höller, Jahrgang 1963,<br />

ein bekannter deutscher<br />

Motivationstrainer, hat trotz mehrerer<br />

Pleiten immer wieder erfolgreiche<br />

Unternehmen aufgebaut.<br />

kann auch nicht durch sich selbst oder<br />

andere motiviert werden.<br />

„I have a dream.“<br />

(Martin Luther King)<br />

Diesen Spruch prägte Martin Luther King.<br />

Im täglichen Leben ist es wichtig, Ziele<br />

zu haben und diese auch ständig neu zu<br />

definieren. Man wird nicht jedes Ziel erreichen,<br />

doch wird man erkennen, dass<br />

auf dem Weg zum Ziel vieles auf einen<br />

zukommen kann.<br />

Sich auf den bereits erarbeiteten Lorbeeren<br />

auszuruhen ist der falsche Weg.<br />

Nur durch neue Impulse und Erfahrungen<br />

können sich neue Ideen entfalten und<br />

neue Ziele gesteckt werden. Viele Male<br />

in deinem Leben kommst du an eine<br />

Wegkreuzung und du musst dich entscheiden,<br />

welchen Weg du gehen wirst.<br />

Du weißt nicht, was dich am Ende des<br />

Weges erwartet, doch nur du kannst es<br />

herausfinden.<br />

Sei ein Adler!<br />

„Einer alten indischen Schöpfungsgeschichte<br />

zufolge schuf Gott zunächst eine<br />

Muschel und legte sie auf den Meeresboden.<br />

Dort führte sie kein aufregendes Leben.<br />

Den ganzen Tag über tat sie nichts<br />

anderes, als ihre Klappe zu öffnen, etwas<br />

Meerwasser hindurchfließen zu lassen<br />

und dann wieder die Klappe zu schließen.<br />

Tagaus, tagein gab es für sie nichts anderes<br />

als Klappe auf, Klappe zu, Klappe<br />

auf, Klappe zu, Klappe auf, Klappe zu …<br />

Dann schuf Gott den Adler. Ihm gab<br />

er die Freiheit zu fliegen und selbst die<br />

höchsten Gipfel zu erreichen. Es existierte<br />

fast keine Grenze für ihn. Allerdings<br />

zahlte der Adler für diese Freiheit<br />

einen Preis: Täglich musste er um seine<br />

Beute kämpfen. Nichts fiel ihm einfach<br />

so zu. Wenn er Junge hatte, musste er<br />

oft tagelang jagen, um genügend Futter<br />

heranzuschaffen. Aber diesen Preis bezahlte<br />

er gerne. Schließlich schuf Gott<br />

Mary Kay Ash (1918 – 2001) hat 1963<br />

mit der Gründung der weltweit agierenden<br />

Firma „Mary Kay Ash Cosmetics“ den<br />

Beweis angetreten, dass auch Frauen<br />

erfolgreich Unternehmen leiten können.<br />

4<br />

KulturFenster


Blasmusik<br />

Zur Person:<br />

Stefan Süssenbacher, geboren am 26. <strong>Juni</strong> 1981 in<br />

St. Veit an der Glan ist Beamter des Amtes der Kärntner<br />

Landesregierung und seit Oktober 2019 Landesobmann-<br />

Stellvertreter des Kärntner Blasmusikverbandes (KBV).<br />

Er ist Mitglied des Eisenbahner-Musikvereins Stadtkapelle<br />

St. Veit an der Glan (Trompete und Flügelhorn) und seit<br />

2014 dessen Obmann. Zudem ist er EDV-Referent des KBV<br />

(seit 2004) und Pressereferent des Blasmusikverbandes<br />

St. Veit (seit 2018).<br />

den Menschen und führte ihn zuerst zu<br />

der Muschel und anschließend zum Adler.<br />

Dann forderte er ihn auf, sich zu entscheiden,<br />

welches Leben er führen wolle.“<br />

(Schäfer, 2003)<br />

Entscheide dich dazu, ein Adler zu<br />

sein! Adler sein bedeutet, nicht abgehoben<br />

zu sein, sondern einen Überblick<br />

zu haben; um sein Interesse zu kämpfen,<br />

sich zu motivieren und auch motivieren<br />

zu lassen.<br />

„Sei nie zu feige, etwas zu tun, was<br />

dein Leben verändern könnte, denn<br />

es könnte deine größte Chance sein,<br />

wenn du den Mut dafür aufbringst.“<br />

(Jürgen Höller)<br />

Verbünde dich mit deiner<br />

Motivation!<br />

Du musst für dich selbst entscheiden, ob<br />

du dich mit der Motivation verbündest.<br />

Wenn du es tust, dann wirst du auch Erfolg<br />

und Freude am Tun haben. Den Weg,<br />

den du eingeschlagen hast, ist noch niemand<br />

vor dir gegangen, es ist dein Weg.<br />

Du wirst stolpern, du wirst Steine auf deinem<br />

Weg finden, doch denke immer daran:<br />

Mit vielen Steinen kannst du dir einen<br />

Weg über den Fluss bauen und ihn<br />

überqueren; du kannst dir einen Berg<br />

erschaffen und diesen Berg bezwingen.<br />

Fliege wie ein Adler durch die Lüfte, betrachte<br />

dein Umfeld und erkenne den<br />

richtigen Weg für dich und deinen Musikverein.<br />

Sei offen für Neues und<br />

nimm es an!<br />

Es ist niemals zu spät, sich weiterzuentwickeln.<br />

Nutze deine Zeit sinnvoll. Was<br />

sind deine Visionen für die Zukunft? Stecke<br />

dir Ziele! Lass Träume zu! Stelle dich<br />

neuen Herausforderungen!<br />

Wir haben heute so viele Möglichkeiten<br />

uns weiterzubilden. Viel zu lange beschäftigen<br />

wir uns mit unwichtigen Dingen im<br />

Leben. Nur DU selbst kannst dich zu dem<br />

Menschen entwickeln, der du sein willst.<br />

„Wenn du denkst, du kannst etwas,<br />

kannst du es. Und wenn du denkst,<br />

du kannst es nicht, hast du recht.“<br />

(Mary Kay Ash)<br />

Denke also immer daran, dass du deine<br />

dir gestellten Aufgaben bewältigen kannst.<br />

Stelle dich auf deine eigenen Beine und<br />

nimm dein Leben in die Hand. Die Musik<br />

gibt dir die KRAFT, sie gibt dir MUT und<br />

sie gibt dir die MACHT. Nutze deine Fähigkeiten,<br />

die du durch das Spielen deines<br />

Instrumentes hast. Vieles, das man<br />

zum Erlernen eines Instrumentes benötigt,<br />

ist für dein ganzes Leben umsetzbar.<br />

Sei konsequent mit dir und dem, was du<br />

tust, dann wirst du erfolgreich sein!<br />

KulturFenster<br />

Redaktion KulturFenster<br />

Ihre Beiträge (Texte und Bilder) für die Blasmusikseiten senden Sie bitte an: kulturfenster@vsm.bz.it<br />

Redaktionsschluss für die nächste Ausgabe des KulturFensters ist Freitag 17. Juli <strong>2020</strong>.<br />

<strong>Nr</strong>. 02 | <strong>Juni</strong> <strong>2020</strong> 5


Aus Verband und Bezirken<br />

„Alles nur Spaß!?“<br />

Am Sonntag, 26. Januar, lud der Bezirk<br />

Schlanders des Verbandes Südtiroler Musikkapellen<br />

zu seiner diesjährigen Jahreshauptversammlung<br />

in den Vereinssaal von<br />

Tschengls ein.<br />

Bei musikalischer Umrahmung durch<br />

die gastgebende Musikkapelle Tschengls<br />

konnte sich Bezirksobmann Florian Müller<br />

über die vollzählige Teilnahme aller 23<br />

Mitgliedskapellen des Bezirkes freuen. Die<br />

Delegierten der Mitgliedskapellen vertraten<br />

dabei die 1.117 Mitglieder der Mitgliedska-<br />

Jahreshauptversammlung des<br />

VSM-Bezirks Schlanders in Tschengls<br />

pellen, was einer durchschnittlichen Mitgliederanzahl<br />

von 48,56 entspricht. Davon<br />

sind 612 Mitglieder männlich (54,79%) und<br />

505 Mitglieder weiblich (45,21%). Der Altersdurchschnitt<br />

liegt bei 33,13 Jahren, wobei<br />

das älteste Mitglied mit 88 Jahren noch<br />

aktiv ist und das jüngste bereits mit 9 Jahren<br />

musiziert.<br />

Wie bei Jahreshauptversammlungen üblich,<br />

wurde die Möglichkeit genutzt, um einen<br />

Rückblick auf das vergangene Musikjahr<br />

zu geben. Bezirksschriftführer Martin<br />

Bezirksjugendleiter Josef Kofler, Bezirkskapellmeister Dietmar Rainer, Bezirksobmann<br />

Florian Müller, Verbandsobmann Pepi Fauster, Verbandskapellmeister Meinhard<br />

Windisch (verdeckt) und Verbandsgeschäftsführer Andreas Bonell (v. l.) bei der<br />

Jahreshauptversammlung des VSM-Bezirkes Schlanders<br />

Punter ließ dieses bildlich und in Kurzform<br />

Revue passieren. Genauere Informationen<br />

zum Tätigkeitsjahr lieferten dazu die jeweiligen<br />

Fachbereichsleiter. Besonders erwähnenswert<br />

dabei war sicherlich die gelungene<br />

VSM-Marschmusikbewertung in Latsch. Der<br />

Bezirksobmann und der Bezirksstabführer<br />

Erwin Rechenmacher bedankten sich dabei<br />

vor allem bei der Bürgerkapelle Latsch<br />

für die tadellose Organisation vor Ort sowie<br />

bei allen teilnehmenden Kapellen, besonders<br />

jenen aus dem eigenen Bezirk, für die<br />

gelungene Veranstaltung.<br />

Im Fachbereich Jugend zeigte sich Bezirksjugendleiter<br />

Josef Kofler über einen<br />

neuen Teilnehmerrekord von 75 Jugendlichen<br />

bei den Bezirks-Jungbläsertagen in<br />

der Fürstenburg in Burgeis hoch erfreut.<br />

Zeitgleich lud er aber auch alle Mitgliedskapellen<br />

dazu ein, die Jugendlichen zu den<br />

Jungbläserwochen des Verbandes zu schicken,<br />

da sie das notwendige musikalische<br />

Niveau dafür besäßen.<br />

Bezirkskapellmeister Dietmar Rainer gelang<br />

es für das diesjährige Gastreferat den<br />

Verbandskapellmeister Meinhard Windisch<br />

zu gewinnen. Unter dem Thema „Alles nur<br />

Spaß!?“ gelang es ihm dabei in kurzweiliger<br />

und zum Teil amüsanter Art und Weise wertvolle<br />

Tipps zur Probenarbeit im Speziellen<br />

und dem Miteinander in einer Musikapelle<br />

im Allgemeinen zu geben.<br />

Ein Bestandteil jeder Bezirksversammlung<br />

sind auch die Berichte der Verbandsvorstandsmitglieder.<br />

Dabei wusste Verbandsobmann<br />

Pepi Fauster über den erneuten<br />

Stillstand bei der Reform des „Dritten Sektors“<br />

zu berichten. Verbandskapellmeister<br />

Meinhard Windisch hingegen zeigte sich<br />

erfreut über die positive Entwicklung der<br />

mittlerweile landesweit etablierten Kapellmeisterausbildung,<br />

während Verbandsstabführer<br />

Klaus Fischnaller eine neues Probenkonzept<br />

bei Marschierproben sowie<br />

das geplante Jugendfestival im Jahr 2021<br />

ankündigte, bei welchem unter anderem<br />

auch die Musik in Bewegung im Vordergrund<br />

stehen soll.<br />

Dank- und Grußworte überbrachten zudem<br />

Verena Tröger in ihrer Eigenschaft als<br />

Kulturreferentin der Gemeinde Laas sowie<br />

der Obmann der gastgebenden Musikkapelle<br />

Tschengls, Hans-Jürgen Riedl.<br />

Im Anschluss an die Jahreshauptversammlung<br />

lud die Musikkapelle Tschengls<br />

alle Delegierten zu einem gemeinsamen<br />

Mittagessen ein.<br />

Florian Müller<br />

6<br />

KulturFenster


Blasmusik<br />

71. Jahreshauptversammlung<br />

des VSM-Bezirkes Brixen<br />

Bernhard Reifer und Albuin Meraner sind die neuen Bezirkskapellmeister<br />

Gute Nachrichten kommen aus dem VSM-Bezirk<br />

Brixen, der heuer seine Jahreshauptversammlung<br />

am 29. Februar in Milland abhielt.<br />

Nachdem die Position des Bezirkskapellmeisters<br />

sowie dessen Stellvertreters<br />

im VSM-Bezirk Brixen für ein Jahr vakant<br />

geblieben war, ist der Ausschuss seit der<br />

heurigen 71. Jahreshauptversammlung<br />

wieder (fast) komplett. Bernhard Reifer von<br />

der Musikkapelle Peter Mayr Pfeffersberg<br />

wurde von der Vollversammlung einstimmig<br />

zum Bezirkskapellmeister gewählt, Albuin<br />

Meraner von der Musikkapelle Feldthurns<br />

zum Bezirkskapellmeister-Stellvertreter. Die<br />

Funktionen des Jugendleiter-Stellvertreters<br />

sowie des Schriftführers sind nach wie vor<br />

unbesetzt. Die Aufgaben des Schriftführers<br />

übernimmt inzwischen weiterhin Bezirksobmann<br />

Pepi Ploner.<br />

Bei der Bezirksversammlung in Milland<br />

waren alle 28 Mitgliedskapellen des Bezirkes<br />

vertreten. Vom Verbandsvorstand<br />

waren Obmannstellvertreter Christian<br />

Schwarz, Verbandskapellmeister Meinhard<br />

Windisch sowie Verbandsstabführer Klaus<br />

Fischnaller anwesend. Die Stadtgemeinde<br />

Brixen vertrat Stadträtin Paula Bacher. Einen<br />

herzlichen Willkommensgruß richtete<br />

Obmann Pepi Ploner auch an die Ehrenmitglieder<br />

Toni Profanter und Sepp Mitterrutzner.<br />

Stellvertretend für alle im vergangenen<br />

Jahr verstorbenen Musikanten des<br />

Bezirkes gedachte die Vollversammlung<br />

des langjährigen Mitgliedes im Bezirksvorstand,<br />

Walter Messner, der zudem 60<br />

Jahre lang aktiver Musikant der Musikkapelle<br />

Gufidaun war.<br />

Neben den protokollarisch vorgesehenen<br />

Berichten berichtete Bezirksjugendleiterin<br />

Anna Vonmetz über die Tätigkeit des<br />

vergangenen Jahres in Sachen Jugendarbeit.<br />

Neben der Prüfung zur Erlangung<br />

der Jungmusiker-Leistungsabzeichen am<br />

1. <strong>Juni</strong> waren die Bezirksjungbläserwoche<br />

„Summer Sounds“ Ende August sowie das<br />

Adventkonzert „Spiel in kleinen Gruppen“<br />

Anfang Dezember die Schwerpunkte.<br />

Die 71. Jahreshauptversammlung mit musikalischem Rückhalt: (v.l.) Bezirksobmann<br />

Pepi Ploner, Verbandskapellmeister Meinhard Windisch, Verbandsstabführer Klaus<br />

Fischnaller, Stadträtin Paula Bacher (verdeckt) und Bezirksstabführer-Stellvertreter<br />

Stefan Ploner vor dem Saxophonensemble der MK Milland<br />

Bezirksstabführer Oskar Zingerle berichtete<br />

über die inzwischen etablierten Neuerungen<br />

im Bereich der Stabführer-Ausbildung. Das<br />

Stabführer-Leitungsteam mit Oskar Zingerle<br />

und dessen Stellvertreter Stefan Ploner<br />

machte bei der Landesjungbläserwoche<br />

im Vinzentinum sowie bei der Bezirksjungbläserwoche<br />

in Natz den Nachwuchsmusikanten<br />

die Musik in Bewegung auf kurzweilige<br />

Art schmackhaft.<br />

Bezirksobmann Pepi Ploner bedankte sich<br />

abschließend bei allen für ihre Mitarbeit, besonders<br />

bei jenen Musikkapellen, die eine<br />

Veranstaltung des Bezirkes organisatorisch<br />

mitgetragen oder sonst einen Dienst erwiesen<br />

haben. Die 72. Jahreshauptversammlung<br />

des VSM Bezirkes Brixen findet nächstes<br />

Jahr in Mühlbach statt. Ein großer Dank<br />

gilt dem Saxophon-Ensemble der Musikkapelle<br />

von Milland für die musikalische Umrahmung<br />

der Versammlung. In<br />

diesem Sinne bedankte sich der<br />

Obmann bei allen und schloss<br />

die Jahreshauptversammlung<br />

mit dem Wunsch auf ein erfolgreiches<br />

Musikjahr <strong>2020</strong><br />

im Zeichen von Harmonie und<br />

Freude.<br />

Oskar Zingerle<br />

Bezirksjugendleiterin Anna<br />

Vonmetz und Bezirkskassier<br />

Helmuth Nitz<br />

<strong>Nr</strong>. 02 | <strong>Juni</strong> <strong>2020</strong> 7


Aus Verband und Bezirken<br />

Tacet - oder: Warum wir unsere<br />

Musikkapelle lieben<br />

Ein Lagebericht aus Vöran<br />

Die Musikkapelle Vöran hat kürzlich auf<br />

Facebook den folgenden Text veröffentlicht,<br />

der im Grunde uns allen aus der Seele<br />

spricht und wohl für alle unsere Musikkapellen<br />

steht:<br />

„TACET“ kommt aus dem Lateinischen<br />

und bedeutet er/sie/es schweigt. In der musikalischen<br />

Fachsprache bedeutet TACET,<br />

dass die Musizierenden pausieren. Es ist<br />

nur ein Wort und dennoch beschreibt es<br />

perfekt die aktuelle Situation. Wie ein Wirbelsturm<br />

ist dieses TACET plötzlich über<br />

uns hereingebrochen. Über die Erde, über<br />

Europa, über Italien, über Südtirol, über<br />

unser Dorf und letztendlich auch über die<br />

Musikkapelle Vöran. Es war Anfang März,<br />

wenige Wochen vor unserem Saisonhöhepunkt,<br />

dem Frühjahrskonzert. Rund zwei<br />

Monate intensiver Probenphase lagen<br />

schon hinter uns. Es war dieser Moment,<br />

in dem man merkt: Oha, jetzt wird’s langsam<br />

ernst, jetzt müssen wir noch gehörig<br />

Gas geben, damit wir die Stücke ordentlich<br />

über die Bühne bringen können. Es<br />

war der Moment, wo, wie in jedem Jahr,<br />

die Anspannung und das Kribbeln, aber<br />

auch die Vorfreude auf das Frühjahrskonzert<br />

merklich größer wurden. Kurzum –<br />

Endspurt war angesagt. Doch just in diesem<br />

Moment kam „Corona“ über uns, wie<br />

ein plötzliches Sommergewitter, auch wenn<br />

die dunklen Wolken bei genauem Hinsehen<br />

schon seit einiger Zeit am Himmel zu<br />

sehen gewesen waren. Am 05. März trafen<br />

wir eine in dieser Form noch nie da gewesene<br />

Entscheidung: Das für den 21. März<br />

angesagte Frühjahrskonzert <strong>2020</strong> wurde<br />

abgesagt, jegliche Probentätigkeit wurde<br />

von heute auf morgen eingestellt. Anfangs<br />

noch im Glauben, wir könnten das Konzert<br />

im April nachholen, wurden wir relativ<br />

schnell von der Realität eingeholt. Am<br />

14. April gab es eine weitere Premiere in<br />

der Geschichte der Musikkapelle Vöran:<br />

Die erste vollkommen digital abgehaltene<br />

Ausschusssitzung. Aufgrund der neuesten<br />

Entwicklungen war uns zu diesem Zeitpunkt<br />

klar, dass unser „TACET“ wohl länger andauern<br />

würde, und wir mussten die Einstellung<br />

unserer Tätigkeit bis auf Weiteres<br />

beschließen. Keine Proben, keine Konzerte,<br />

8<br />

KulturFenster


Blasmusik<br />

„Corona“ kam über uns wie ein<br />

plötzliches Sommergewitter.<br />

keine Veranstaltungen, keine Böhmische,<br />

keine Jugendkapelle. Von 100 auf (fast) 0<br />

innerhalb weniger Wochen. Die aufwendige<br />

Jahresplanung dahin. Eine nie da gewesene<br />

Situation seit Bestehen der Musikkapelle.<br />

Doch was sind die Folgen? Was<br />

macht das mit uns? Sicher, im Moment<br />

sind die Probleme andere. Viele bangen<br />

um die Gesundheit, um den Arbeitsplatz,<br />

schlicht und einfach um die Existenz. Da<br />

ist der Verein im Moment zweitrangig und<br />

doch stellt sich die Frage, was macht unser<br />

Leben aus? Ist es die Arbeit? Die Familie?<br />

Oder sind es nicht auch, oder sogar<br />

vor allem die sozialen Kontakte, die Hobbys,<br />

der Sport, einfach alles, was wir in unserer<br />

Freizeit gerne machen?<br />

Welche Rolle spielen die Vereine, ob<br />

nun Musikkapelle, Sportverein, Schützen,<br />

Feuerwehr, Kirchenchor, Tuning-<br />

Club usw. für unser eigenes und nicht<br />

zuletzt auch für unser gemeinsames gesellschaftliches<br />

Leben in Vöran? Das Beispiel<br />

Musikkapelle macht es deutlich. Oft<br />

fühlten wir uns vor Corona vielleicht gestresst,<br />

wenn wieder mal Probe angesagt<br />

war, obwohl wir uns lieber zuhause auf<br />

dem Sofa ausgeruht hätten. Häufig ärgerten<br />

wir uns, wenn die Probe wieder mal<br />

ein bisschen länger dauerte. Ja, ab und<br />

an kam dem einen oder anderen Musikanten<br />

auch mal der Gedanke, dass ihm<br />

alles zu viel wird. Und jetzt? Anfangs ging<br />

es noch. Man dachte sich: „Die paar Wochen<br />

werden wir schon überstehen." Ja,<br />

manch einer freute sich sogar über die ruhige<br />

Zeit, den fehlenden Stress, die viele<br />

Freizeit. Doch relativ schnell tat sich diese<br />

Leere auf. Das Instrument und die Noten<br />

lagen griffbereit, aber was sollte man damit<br />

tun? Üben? Klar, jetzt hatte man ja endlich<br />

mal Zeit dafür! Aber nach kurzer Zeit<br />

stellte sich die Frage, wofür? Für welches<br />

Ziel? Und so ließ das Übepensum relativ<br />

rasch nach. Plötzlich wurde jede Blasmusiksendung<br />

im Radio zur Qual, weil<br />

jede gehörte Polka die Sehnsucht nach<br />

gemeinsamem Musizieren weckte. Aufnahmen<br />

unserer Konzerte und YouTube<br />

wurden zur Rettung, wenn die Entzugserscheinungen<br />

allzu groß wurden. Aber<br />

neben dem Musizieren merkte man immer<br />

mehr, dass vor allem eins fehlte: der<br />

Kontakt zu den anderen Musikanten, den<br />

Gleichgesinnten, den Kollegen und Freunden,<br />

das gesellige Zusammensitzen nach<br />

den Proben und Auftritten, ja, man vermisste<br />

plötzlich sogar die manchmal auftretenden<br />

Meinungsverschiedenheiten.<br />

Oder, wie es eine Musikantin in unserer<br />

vereinsinternen WhatsApp-Gruppe treffend<br />

formulierte: „Des blede Redn vermisst<br />

men jo schun felli.“ Vielleicht ist das<br />

Ganze letztendlich ja eine Lehre für uns<br />

und wir lernen einige Dinge wieder (mehr)<br />

schätzen. Zum Beispiel, dass wir uns frei<br />

bewegen dürfen, dass wir arbeiten dürfen<br />

(und nicht müssen), aber vor allem, dass<br />

wir die Möglichkeit haben, unsere sozialen<br />

Kontakte zu pflegen, indem wir unserer<br />

Vereinstätigkeit (welcher Art auch<br />

immer) nachgehen. Vielleicht sollten wir<br />

in Zukunft mit dem Bewusstsein, dass wir<br />

dürfen und nicht müssen, zur Probe gehen,<br />

uns nicht mehr beschweren, wenn<br />

der Kapellmeister mal wieder überzieht<br />

und vor allem jeden Moment, den wir in<br />

unserem Verein verbringen dürfen, genießen,<br />

denn man weiß nie, wann das nächste<br />

TACET im Notenblatt des Lebens steht<br />

und wie lange es anhält.<br />

Liebe Vöranerinnen und Vöraner: Wir<br />

wissen nicht, wie lange diese Zeit anhält,<br />

wir wissen nicht, wann wir wieder musizieren,<br />

Veranstaltungen abhalten oder bei<br />

euch zuhause um eure Unterstützung bitten<br />

dürfen. Aber eines können wir zu diesem<br />

Zeitpunkt versprechen: Nach diesem TA-<br />

CET werden wir vielleicht in einem PIANO<br />

(leise) beginnen. Dies wird aber rasch in<br />

ein CRESCENDO (immer lauter werdend)<br />

übergehen und früher oder später wird daraus<br />

wieder ein FORTISSIMO (möglichst<br />

laut/stark) werden, das wir alle gemeinsam<br />

im Bewusstsein, was wir an uns haben,<br />

mehr denn je genießen werden.<br />

Eure Musikkapelle Vöran<br />

Wir bedanken uns bei der Musikkapelle<br />

Vöran, die uns den Text freundlicherweise<br />

zur Veröffentlichung freigegeben hat und<br />

somit auch jenen zur Verfügung stellt, die<br />

nicht in den Sozialen Medien präsent sind.<br />

Neben dem Musizieren merkte man immer mehr, dass vor allem eins fehlte: der<br />

Kontakt zu den anderen Musikanten, den Gleichgesinnten, den Kollegen und<br />

Freunden, das gesellige Zusammensitzen nach den Proben und Auftritten …<br />

<strong>Nr</strong>. 02 | <strong>Juni</strong> <strong>2020</strong> 9


Aus Verband und Bezirken<br />

Die neue VSM-Homepage<br />

Am 29. Mai <strong>2020</strong> ist die neue VSM-Homepage freigeschaltet worden.<br />

Der Verband Südtiroler Musikkapellen ist<br />

seit 2004 im Internet mit einem eigenen<br />

Auftritt präsent.<br />

10 Jahre später wurde die VSM-Internetseite<br />

grundlegend erneuert und den damaligen<br />

Erfordernissen angepasst. Seit 1.<br />

<strong>Juni</strong> 2014 war die Homepage in der bisher<br />

bekannten Form online und wurde laufend<br />

mit den aktuellen Informationen und Daten<br />

bestückt. Um den heutigen, teils geänderten<br />

Anforderungen gerecht zu werden und auch<br />

neue Techniken nutzen zu können, wurde<br />

die Homepage nun grundlegend erneuert.<br />

In Zusammenarbeit mit der Werbeagentur<br />

„Effekt!“ aus Neumarkt haben die einzelnen<br />

Fachgruppen des VSM-Vorstandes in<br />

den letzten Monaten die Struktur und die<br />

Inhalte des Internetauftritts analysiert, besprochen,<br />

ergänzt und erneuert.<br />

Wer seit 29. Mai die Internetadresse<br />

„www.vsm.bz.it“ aufruft, dem öffnet sich<br />

die VSM-Homepage nicht nur in einem<br />

völlig neuen Erscheinungsbild, sondern<br />

auch mit neuen Inhalten und Angeboten.<br />

Zudem wird es möglich sein, in Zukunft<br />

die Anmeldungen zu den VSM-Kursen<br />

über das Onlineportal zu machen. Reinklicken<br />

lohnt sich!<br />

Stephan Niederegger<br />

VSM-Medienreferent<br />

10<br />

KulturFenster


Musik in Bewegung:<br />

Flexibel und kreativ<br />

Blasmusik<br />

24.–25.10.<strong>2020</strong><br />

Leistungsabzeichen<br />

<strong>2020</strong><br />

Prüfungstermine<br />

http://www.vsm.bz.it/<strong>2020</strong>/04/20/<br />

juni­pruefungen­abgesagt/<br />

Aus der Corona-Not eine musikalische Tugend machen<br />

Das Logo von Musik in Bewegung<br />

Nachdem die im Frühjahr eingeführten Einschränkungen<br />

zur Eindämmung der Corona­Pandemie<br />

nun schrittweise gelockert<br />

werden, hat sich auch Verbandsstabführer<br />

Klaus Fischnaller Gedanken um mögliche<br />

Neustart­Szenarien in Sachen Musik in Bewegung<br />

gemacht. „Marschauftritte sind bekanntermaßen<br />

nach wie vor nicht erlaubt.<br />

Daher müssen wir als Stabführer kreativ<br />

sein und neue Wege fi nden, uns weiterzuentwickeln<br />

oder Musik in Bewegung trotz<br />

Einschränkungen möglich zu machen“, sagt<br />

Fischnaller.<br />

Online-Tools<br />

Für Aus- und Weiterbildungsangebote<br />

werden die Stabführer auf die inzwischen<br />

vielfach etablierten Online-Tools zurückgreifen.<br />

„Wir möchten einen Grundkurs<br />

für Interessierte im Einzelunterricht anbieten.<br />

Vielleicht können wir damit auch<br />

Musikantinnen und Musikanten ansprechen,<br />

für die die Anmeldung zu einem<br />

‚regulären‘ Kurs bisher eine zu große<br />

Hürde darstellte“, erklärt der Verbandsstabführer.<br />

Es gibt zwei bis drei Online-<br />

Einheiten. Auf Wunsch kommt ein Ausbilder<br />

für eine praktische Probe direkt<br />

zur jeweiligen Kapelle, sobald dies wieder<br />

machbar ist.<br />

Erprobten Stabführern bietet die Fachgruppe<br />

eigens zugeschnittene Online-Module<br />

an. Da es sich auch hier um Einzelmeetings<br />

handelt, kann der Inhalt sogar<br />

individuell abgestimmt werden. Konkret<br />

denke man an die Möglichkeit eines Stabführers,<br />

Zeichengebung und Stabführung<br />

zu verbessern: „Wir können Anregungen<br />

zur Probengestaltung geben“, präzisiert<br />

Fischnaller.<br />

Workshops<br />

Ob das geplante Jugendfestival am 25.<br />

und 26. April 2021 stattfindet, wird im Oktober<br />

<strong>2020</strong> entschieden. Unabhängig davon<br />

möchte Fischnaller ein Angebot für die<br />

Jugend zum Thema Filmmusik und Musical<br />

in Kombination mit Bewegung anbieten.<br />

Möglich wäre etwa ein Workshop<br />

mit den Kindern und Jugendlichen vor<br />

Ort. „Sollten es die Umstände wieder zulassen,<br />

soll es auch eine Aufführung geben“,<br />

so Fischnaller.<br />

Alle Angebote sind kostenlos und die<br />

Teilnahme freiwillig und werden den Be-<br />

dürfnissen der Teilnehmer angepasst. Es<br />

werden bewusst keine fi xen Termine ausgeschrieben,<br />

denn wir möchten uns so flexibel<br />

wie irgendwie möglich den Anfragen<br />

und Bedürfnissen anpassen.<br />

Marschierproben in kleinen<br />

Gruppen<br />

Als Gedankenanstöße für mögliche<br />

Neustart-Szenarien nennt der Verbandsstabführer<br />

zudem Marschproben in kleinen<br />

Gruppen mit Schwerpunkt auf Bewegungselemente,<br />

Flashmob-Auftritte mit<br />

Sicherheitsabstand, spontane Marschkonzerte,<br />

Musikwanderungen sowie Musik-Tanz<br />

und Show im Kleinen. „Versuchen<br />

wir doch gemeinsam die Musik mit<br />

Bewegung neu und interessant zu gestalten,<br />

wobei natürlich der gesundheitliche<br />

Aspekt im Vordergrund stehen muss.“ Für<br />

alle Fragen stehen Klaus Fischnaller sowie<br />

die Stabführer-Fachgruppe mit ihren Bezirksstabführern<br />

zur Verfügung.<br />

Stephan Niederegger<br />

VSM-Medienreferent<br />

<strong>Nr</strong>. 02 | <strong>Juni</strong> <strong>2020</strong> 11


Die Jugendseite<br />

Eine musikalische Erfolgsgeschichte<br />

rund um den Ploseberg<br />

Die JuKa Lüsen/St. Andrä<br />

Begeisterung für die Musik, aber auch Unterhaltung und Spaß, das alles gehört zum Programm der Jugendkapelle<br />

Lüsen/St. Andrä.<br />

Wie alles begann<br />

Als die drei jungen Frauen Carolin Profanter,<br />

Helene Astner und Lisa Fischnaller<br />

2012 in ihren jeweiligen Kapellen die<br />

Jugendleitung übernahmen, wurde zeitgleich<br />

der Wunsch nach einer gemeinsamen<br />

Jugendkapelle geboren und noch<br />

im selben Jahr in die Tat umgesetzt. Das<br />

dörferübergreifende Projekt mit den drei<br />

musikalischen Leiterinnen und den anfänglich<br />

rund 30 Jungmusikantinnen und<br />

–musikanten war bereits im ersten Jahr<br />

ein voller Erfolg.<br />

Schon bald war klar: Es sollte nicht nur<br />

bei einem Projekt bleiben. Die Anzahl der<br />

Mitglieder stieg stetig und die Jugendkapelle<br />

wurde um Jungmusiker aus Afers<br />

erweitert. 2014 übernahm die Lüsner Jugendleiterin<br />

Brigitte Kaneider die mittlerweile<br />

doch aufwändig gewordene Organisation.<br />

Zusammensitzen, Spaß haben,<br />

Musizieren und natürlich Konzerte spielen:<br />

das war von Anfang an das Motto der<br />

Jugendkapelle. Die bunt zusammengemischte<br />

Jugendkapelle vom Ploseberg<br />

und Lüsnertal ist mittlerweile ein eingespieltes<br />

Team, vom Dorfleben nicht mehr<br />

wegzudenken und über das Eisacktal hinaus<br />

bekannt. Die Jugendkapelle Lüsen/St.<br />

Andrä: ein Garant für coole Musik,<br />

mitreißende Konzerte und natürlich<br />

viel Spaß. Die musikalische Leitung obliegt<br />

zur Zeit Carolin Profanter, Annalena<br />

Larcher, Dominik Pramsohler und Kilian<br />

Kier. Neue Projekte, neuer Schwung und<br />

viel Begeisterung; so lässt sich die Jahresplanung<br />

der Jugendkapelle Lüsen/St.<br />

Andrä beschreiben.<br />

Die Jugendkapelle, ihre<br />

Tätigkeit und Organisation<br />

Die Jugendkapelle Lüsen/St. Andrä gibt<br />

es seit mttlerweile acht Jahren. Sie besteht<br />

aus insgesamt 44 jungen Musikantinnen<br />

(27) und Musikanten (17) - im<br />

Alter zwischen 10 und 19 Jahren, wobei<br />

das Durchschnittsalter 13 bis 14 Jahre<br />

beträgt. Die Besetzung umfasst alle Register,<br />

die in einer Musikkapelle bzw. Jugendkapelle<br />

üblich sind.<br />

Die Organisation liegt derzeit in den<br />

Händen von Brigitte Kaneider, in Zusammenarbeit<br />

mit Katharina Egger, Verena<br />

Prosch und Sandra Hofer.<br />

Begonnen wird meistens in der närrischen<br />

Zeit. Die Jugendkapelle begleitet<br />

die Faschingsumzüge in Lüsen und St.<br />

Andrä musikalisch mit anschließendem<br />

Kurzkonzert und Showeinlagen. In diese<br />

Zeit fällt ebenfalls die Instrumentenvorstellung,<br />

bei welcher sich unsere Jungmusikanten<br />

immer wieder gerne beteiligen.<br />

Anfang Juli startet unsere intensive<br />

Probenphase, das Highlight ist dabei unser<br />

mehrtägiges Hüttenlager.<br />

Dort holen wir uns den letzten Feinschliff,<br />

erleben tolle Abenteuer, genießen<br />

die Gemeinschaft und haben natürlich<br />

viel Spaß. Das Erlernte präsentieren<br />

wir dann bei Konzerten in Lüsen, St. Andrä,<br />

Afers und bei Austauschkonzerten<br />

mit anderen Jugendkapellen. Ein einzigartiges<br />

Projekt war das Musical „Paul der<br />

Pinguin" in Zusammenarbeit mit den vier<br />

Grundschulen der Dörfer. Im Dezember<br />

nehmen wir meistens am „Spiel in kleinen<br />

Gruppen", organisiert vom VSM-Bezirk<br />

Brixen, teil. Die Kinder werden für<br />

ihren tollen Einsatz mit einem lustigen<br />

Überraschungstag belohnt.<br />

Interview und Koordination:<br />

Hans Finatzer, VSM-Verbandsjugendleiter<br />

12<br />

KulturFenster


Blasmusik<br />

Die musikalische Leitung<br />

Zwei Kapellmeisterinnen und ebenso viele Kapellmeister stehen<br />

abwechselnd am Dirigentenpult der JuKa Lüsen/St. Andrä<br />

Sie kommen aus St. Andrä bzw. aus Lüsen.<br />

Carolin Profanter, von Beruf Lehrerin, spielt selbst Querflöte:<br />

„Meine erste Blasmusikerinnerung ist mein Papi, der mit Herz<br />

und Seele Musikant ist. Schon von klein auf war bzw. ist Musik<br />

ein Teil meines Lebens und spielt eine große Rolle.“<br />

Annalena Larcher ist ebenfalls Querflötistin und von Beruf technische<br />

Zeichnerin. Über ihre erste Blasmusikerfahrung sagt sie:<br />

„Als ich als kleines Kind zur Prozession gehen durfte, hat mir<br />

die musikalische Begleitung der Musikkapelle immer gefallen.“<br />

Kilian Kier ist Schüler und Posaunist:<br />

„Schon als kleiner Junge haben mich die verschiedenen Gruppen<br />

auf den Festen fasziniert, unter anderem das Osterkonzert<br />

und die Frühschoppen. Da mein großer Bruder Trompete<br />

lernte, und ich das toll fand, bin ich zu einer Instrumentenvorstellung<br />

gegangen, wo ich mich dann für das Erlernen der Posaune<br />

entschieden habe.“<br />

Ganz im Zeichen der Musik: die Jugendkapelle<br />

Lüsen/St. Andrä<br />

Für den Saxophonist Dominik Pramsohler – auch er ist Schüler<br />

– ist die erste Blasmusikerfahrung<br />

„das Stück ‚Jingle Bells‘ , welches ich im ersten Musikschuljahr<br />

zu Hause ständig geübt habe, damit ich es in der Grundschule<br />

vorspielen konnte. Mein Vorhaben war, bereits im Winter<br />

etwas vorspielen können. Es war auch das erste Stück, das<br />

ich auswendig spielen konnte.“<br />

Eine junge Musikantin stellt sich vor:<br />

EVA<br />

Mein Name: Eva Stockner<br />

Alter: 10<br />

Ich spiele: Klarinette<br />

Ich lerne dieses Instrument, weil es Spaß und Freude macht und cool ist.<br />

In meiner Freizeit höre ich gerne: alles bunt gemischt, Pop …<br />

Was gefällt dir besonders an der JuKa? Viele Freunde spielen mit, gemeinsam werden<br />

tolle Lieder gespielt, die Betreuer sind volle cool, die Hüttenlager<br />

3 Dinge, die du auf eine einsame Insel mitnehmen würdest: Klarinette, Wasser und<br />

eine Freundin<br />

Wenn ich einen Wunsch frei hätte … würde ich gerne unsichtbar sein.<br />

<strong>Nr</strong>. 02 | <strong>Juni</strong> <strong>2020</strong> 13


Blasmusik International<br />

Blasinstrumente sind keine<br />

Virenschleudern!<br />

Trompete, Klarinette & Co unter Verdacht<br />

Aufgrund der aktuellen Situation wurden<br />

Blasinstrumente vermehrt als „Virenschleudern“<br />

und „Virenduschen“ bezeichnet. Um<br />

politische Entscheidungsträger korrekt informieren<br />

zu können, aber auch die oben<br />

genannten Bezeichnungen mit fundiertem<br />

Expertenwissen zu widerlegen, hat der Österreichische<br />

Blasmusikverband (ÖBV) Prof.<br />

Wilfried Kausel von der Universität für Musik<br />

und darstellende Kunst Wien (MDW) um<br />

seine Expertise gebeten.<br />

Seinen Berechnungen und Experimenten<br />

nach gibt es mit Blasinstrumenten<br />

keinen Luftausstoß,<br />

der über das<br />

ruhige kräftige Atmen<br />

hinausgeht. Ob beim<br />

Schmettern im Fortissimo<br />

Tröpfchen<br />

in der Atemluft in<br />

kleinste Schwebeteilchen<br />

zerteilt werden,<br />

die sich in der<br />

Raumluft anreichern,<br />

wird noch getestet. Falls<br />

es sich bestätigt, könnte eine<br />

dünne Folie über das Schallstück geklebt<br />

werden. Die Expertise von Prof. Kausel ist<br />

über den untenstehenden Link abrufbar.<br />

Sein Kollege Matthias Bertsch hat versucht,<br />

mit seiner Trompete eine Kerze in 20 cm<br />

Entfernung auszublasen. Es ist ihm nicht<br />

gelungen. Ähnliche Experimente wurden<br />

mit Klarinetten durchgeführt. Maria Großbauer,<br />

Abgeordnete des Nationalrates und<br />

Bereichssprecherin für Kunst und Kultur<br />

in Österreich, gab die Meinung von<br />

Prof. Kausel in der Nationalratssitzung am<br />

28. April <strong>2020</strong> wieder und untermauerte,<br />

dass ein hoffentlich stattfindender Sommertourismus<br />

in Österreich nicht ohne die<br />

Kultur stattfinden darf.<br />

Österreichischer Blasmusikverband<br />

Erich Riegler, Präsident des ÖBV<br />

Helmut Schmid, ÖBV-Bundesjugendreferent<br />

Blasinstrumente als<br />

Virenschleudern? Der<br />

mehrfach geäußerte<br />

Verdacht konnte noch<br />

keineswegs erhärtet<br />

werden.<br />

Aktuelle Informationen dazu gibt es unter:<br />

Die Expertise von Prof. Kausel sowie das Video zum Experiment von Matthias Bertsch und der Ausschnitt<br />

aus der Wortmeldung von Maria Großbauer in der zitierten Nationalratssitzung vom 30.04.<strong>2020</strong> sind auf<br />

der VSM-Homepage abrufbar:<br />

www.vsm.bz.it/<strong>2020</strong>/04/30/blasinstrumente-sind-keine-virenschleudern/<br />

Infektionsgefahr beim Musizieren - Zwei neue Studien lassen Bläser aufatmen<br />

www.br-klassik.de/aktuell/news-kritik/corona-infektion-gefahr-musiker-blaeser-studie-charite-bundeswehr-100.html<br />

Wichtiges Update: aktualisierte #COVID19 sicherheitsbedingungen für Orchester<br />

orchesterland.wordpress.com/<strong>2020</strong>/05/07/wichtiges-update-aktualisierte-covid19-sicherheitsbedingungenfuer-orchester/<br />

14<br />

KulturFenster


Blasmusik<br />

Share The Repertoire<br />

Werk-Empfehlungen geben, Werk-Empfehlungen erhalten!<br />

Es gibt mittlerweile eine<br />

unübersehbare Menge an<br />

Blasmusikliteratur. Gute und<br />

schlechte, geeignete und ungeeignete<br />

– je nach Anlass<br />

und Orchester. Es ist unmöglich<br />

für Dirigentinnen und Dirigenten<br />

den Überblick zu behalten.<br />

Oft gehen gute Werke<br />

– vielleicht gerade auch von<br />

kleineren und regionalen Verlagen<br />

– einfach unter!<br />

Die Dirigentinnen und Dirigenten<br />

tauschen gerne Empfehlungen<br />

untereinander aus.<br />

Gerne vertraut man auf die Erfahrung<br />

der Kollegin bzw. des<br />

Kollegen. Nur, es fehlt an der<br />

Gelegenheit!<br />

Die Idee von „Share the Repertoire“<br />

setzt hier an: Die Idee hinter dieser<br />

Online-Aktion ist sehr einfach: Jeder<br />

Teilnehmer empfiehlt ein Werk. Stellt es<br />

vor, lässt eventuell ein paar Ausschnitte<br />

davon hören, erzählt, welche Schwierigkeiten<br />

und Besonderheiten es enthält,<br />

warum er gerade dieses Werk empfiehlt<br />

und wie es in der Blasorchester-Konzertprogrammierung<br />

eingesetzt werden kann.<br />

Insgesamt 12 Dirigentinnen und Dirigenten<br />

können sich zu diesem Zoom-<br />

Online-Meeting anmelden. Somit lernt<br />

jeder – im Idealfall, wenn alle Plätze besetzt<br />

sind – 11 neue Werke für Blasorchester<br />

kennen!<br />

Jede Dirigentin und jeder Dirigent bekommt<br />

maximal 10-15 Minuten Zeit, das<br />

von ihm gewählte Werk vorzustellen. Somit<br />

wird das Online-Meeting ca. 2,5 Stunden<br />

dauern. Die Werke gehören einem<br />

vorher bestimmten Genre und Schwierigkeitsgrad<br />

an (= Thema, wie zum Beispiel<br />

„Empfehlenswerte Unterhaltungsmusik<br />

bis max. Grad 3,5“, „Meine liebste<br />

Polka“, „Originalwerk für Blasorchester<br />

Grad 3“,, „Sammlungen für Jugendorchester“,<br />

„Choralbearbeitungen“, „Werke<br />

für den gelungenen Probeneinstieg“,<br />

„Werke in neuer Klangsprache“ oder,<br />

oder, oder….)<br />

Zudem ist es außerdem möglich, mit Dirigentinnen<br />

und Dirigenten aus dem ganzen<br />

deutschsprachigen Europa in Kontakt zu<br />

treten. Das kann auch die Basis für spätere<br />

reale Treffen und Kooperationen sein.<br />

Die Organisation und Moderation des<br />

Zoom-Online-Meetings übernimmt Alexandra<br />

Link, Kulturservice Link (Autorin<br />

des Blasmusikblog.com).<br />

Wie läuft SHARE THE REPERTOIRE genau ab?<br />

• Anmeldungen formlos an info@kulturservice.link<br />

mit folgenden Angaben:<br />

- Name, Ort, Land, Musikverein(e)/<br />

Blasorchester<br />

- Das Werk, das der Teilnehmer vorstellen<br />

möchte mit Titel / Komponist<br />

/ ggf. Arrangeur / Verlag<br />

• In einer Dropbox benötigt die Moderatorin<br />

eine Miniscore des Werks (PDF)<br />

sowie eine Demo-Aufnahme (mp3)<br />

• Bei doppelt angegebenen Werken gilt:<br />

wer zuerst kommt… Deshalb auch<br />

gerne schon einmal über eine Alternative<br />

nachdenken<br />

• Die Einladung zum Zoom-Meeting mit<br />

dem Zugangslink erhält jeder angemeldete<br />

und bestätigte Teilnehmer<br />

spätestens einen Tag vor dem Online-Meeting<br />

• Während des Meetings unterstützt die<br />

Moderatorin den jeweiligen Präsentator<br />

eines Werks mit dem Teilen der jeweiligen<br />

Miniscore sowie mit dem Abspielen<br />

der Musik.<br />

Dieses Online-Meeting wird nicht live veröffentlicht<br />

und wird auch danach nicht als<br />

Video veröffentlicht. Es findet also im geschützten,<br />

exklusiven Raum statt. Die Moderatorin<br />

wird alle vorgestellten Werke nach<br />

dem Online-Meeting in einem Blog-Beitrag<br />

auf dem Blasmusikblog.com veröffentlichen.<br />

So hat jede Teilnehmerin und jeder<br />

Teilnehmer ein Dokument der Veranstaltung<br />

und auch andere Dirigentinnen und<br />

Dirigenten haben etwas davon.<br />

Alexandra Link<br />

Kulturservice Link<br />

<strong>Nr</strong>. 02 | <strong>Juni</strong> <strong>2020</strong> 15


Blasmusik International<br />

Blasmusik lebt – das Blasmusikstudio<br />

… eine Initiative der Österreichischen Blasmusikjugend (ÖBJ)<br />

Mit diesem Slogan geht die ÖBJ gemeinsam<br />

mit den Kärntner Brass Boys in ein<br />

neues, spannendes Format - eine Videoreihe<br />

mit News, Infos, Gesichtern und last<br />

but not least: MUSIK<br />

Präsentiert wird die Sendung von zwei<br />

jungen Musikern, die direkt aus der<br />

Österreichischen Blasmusikjugend<br />

kommen. Die erste Folge ging am<br />

15. Mai online. Einmal im Monat<br />

(immer am 15.) wird es eine Sendung<br />

aus dem Blasmusikstudio geben.<br />

Der Inhalt der Videoreihe soll<br />

vielseitig, informativ und topaktuell<br />

aus der Blasmusikjugend kommen.<br />

Die monatlichen Videos werden auf der<br />

ÖBJ-Homepage [blasmusikjugend.at/studio/blasmusik-lebt-1-das-blasmusikstudio/]<br />

sowie auf dem Instagram Account<br />

[www.instagram.com/blasmusikstudio/],<br />

der Facebook-Seite Österreichische Blasmusikjugend<br />

[www.facebook.com/blasmusikjugend.at/]<br />

und dem YouTube Kanal<br />

veröffentlicht.<br />

Seid gespannt und schaut rein bei<br />

Blasmusik lebt – dem Blasmusikstudio!<br />

Jeder kann die Bewerbung unterstützen<br />

und die Beiträge in den Social Media Kanälen<br />

teilen und posten.<br />

Stefanie Lagger<br />

Bundesgeschäftsstelle ÖBV<br />

Neues<br />

„Magari“<br />

Sunnseit Brass veröffentlicht erste CD<br />

Seit nunmehr drei Jahren rockt das junge<br />

Blechbläserensemble „Sunnseit Brass“<br />

die nationalen und internationalen Bühnen.<br />

Nun haben die sieben Musiker aus<br />

dem Eisacktal ihre erste CD veröffentlicht<br />

- „magari“ nicht die letzte.<br />

Matthias Sellemond (Feldthurns), Samuel<br />

Gamper (Schrambach), Martin<br />

Waldboth (Vahrn), Tobias Reifer (Vahrn),<br />

Gabriel Messner (Pinzagen), Lorenz Hilpold<br />

(Tils) und Tobias Psaier (Teis) haben<br />

ihre ersten musikalischen Erfahrungen<br />

in den örtlichen Musikkapellen<br />

gemacht. Obwohl sie mittlerweile in verschiedenen<br />

Ensembles und Orchestern<br />

spielen und auch als Solisten erfolgreich<br />

sind, haben sie sich vor rund drei Jahren<br />

einen gemeinsamen Traum erfüllt<br />

und sich zu einem Blechbläserensemble<br />

formiert: „Sunnseit Brass“ hat sich mittlerweile<br />

auch durch Auftritte beim Musikwettbewerb<br />

in Taisten, beim „Woodstock<br />

der Blasmusik“ in Oberösterreich<br />

und beim Wertungsspiel auf der Frankfurter<br />

Musikmesse einen Namen gemacht.<br />

Nun haben die sieben Freunde den<br />

nächsten musikalischen Schritt gewagt<br />

und ihren ersten Tonträger eingespielt. Der<br />

Südtiroler Italianismus „Magari“, was soviel<br />

heißt wie „vielleicht“, gibt der CD den<br />

Titel und zeugt auf liebevolle Weise von ihrer<br />

Liebe zur Südtiroler Heimat in all ihren<br />

Facetten. So stehen auch die Texte – von<br />

Lisa und Tobias Psaier - der drei gesungenen<br />

Lieder im Eisacktaler Dialekt und<br />

sind im Booklet eigens abgedruckt. Und<br />

weil alle sieben mit der Blasmusik aufgewachsen<br />

und ebenso überzeugt sind,<br />

dass dieses Genre „mehr kann als man<br />

vielleicht meint“, sprühen die 12 eingespielten<br />

Stücke nur so von jugendlichem<br />

Charme, Spielfreude und musikalischer<br />

Leidenschaft: traditionelle Marschrhythmen,<br />

glänzender Bläserklang, einfühlsame<br />

Balladen und anschmiegsame Polkamelodien,<br />

gepaart mit Ausflügen in die<br />

Welt des Swing und Jazz. Die zehn von<br />

Tobias Reifer komponierten und somit<br />

„Sunnseit Brass“ auf den Leib geschriebenen<br />

Beiträge werden von zwei bekannten<br />

Herbert-Pixner-Titeln ergänzt –<br />

ebenso arrangiert von Tobias Reifer: Der<br />

„Hochachtungsmarsch“ und der „Vierteljahrhundert<br />

Dreiviertler“-Walzer. Hineinhören<br />

lohnt sich allemal … und „alla fine“<br />

ist der Druck auf die Wiederholungstaste<br />

vorprogrammiert – Magari!<br />

Stephan Niederegger<br />

CD Cover „Magari“ - Sunnseit Brass<br />

16<br />

KulturFenster


Zur Person<br />

Blasmusik<br />

Am vergangenen 4. Mai feierte Walter Ratzek<br />

seinen 60-sten Geburtstag. Er ist Pianist,<br />

war jahrelang Leiter des Musikkorps der<br />

Deutschen Bundeswehr und ist derzeit Professor<br />

am Konservatorium in Bozen für den<br />

Studienlehrgang der Blasorchesterleitung.<br />

Von 1980 bis 1985 studierte Walter Ratzek<br />

Kapellmeister/Dirigieren bei Professor<br />

Wolfgang Trommer und Klavier in der<br />

Klasse von Prof. José Luis Prado - an der<br />

Robert-Schumann-Hochschule für Musik<br />

Düsseldorf. Anschließend durchlief er eine<br />

Karriere als Kapellmeister bei der Bundeswehr<br />

mit folgenden Stationen: Leiter des<br />

Kammerorchesters, Leiter des Heeresmusikkorps<br />

2 Kassel, Leiter des Ausbildungsmusikkorps,<br />

Leiter des repräsentativen<br />

Konzertorchesters und Leiter des Stabsmu-<br />

Walter Ratzek zum 60er<br />

„Dirigieren beinhaltet für mich Leiten,<br />

Führen, Überzeugen“<br />

sikkorps Berlin. Über 10 Jahre war er Präsident<br />

der Deutschen Sektion der WASBE<br />

(World Association for Symphonic Bands<br />

and Ensembles). Die künstlerische Leitung<br />

verschiedener Auswahlorchester wie das<br />

SBH Hessen (Sinfonisches Blasorchester<br />

Hessen), Leiter des Landesblasorchesters<br />

Baden-Württemberg, künstlerischer Leiter<br />

der Deutschen Bläserphilharmonie, unterstreichen<br />

sein Engagement in und um die<br />

konzertante Blasmusik in Deutschland. Seit<br />

seinem Ausscheiden aus der Bundeswehr<br />

(2014) ist er freischaffend tätig und hat im<br />

Dezember 2016 die Verantwortung über<br />

den Studiengang Instrumentieren/Blasorchesterleitung<br />

in Bozen am Konservatorium<br />

Claudio Monteverdi übernommen.<br />

Als Gastdirigent nationaler wie internationaler<br />

renommierter Orchester, Leiter von<br />

Workshops und diversen Fortbildungsmaßnahmen<br />

ist Ratzek sowohl als Dirigent als<br />

auch Pianist bekannt.<br />

Im Namen des Verbandes Südtiroler<br />

Musikkapellen gratulieren wir zum runden<br />

Geburtstag und wünschen weiterhin<br />

Gesundheit sowie viel Freude und Schaffenskraft<br />

in der musikalischen Tätigkeit:<br />

„Alles Gute, lieber Walter!“<br />

Stephan Niederegger<br />

Sigismund Seidl - dem Gardeoffizier zum 70er<br />

Der VSM gratuliert dem Freund und geschätzten Fachmann<br />

Am vergangenen 15. April feierte Sigismund<br />

Seidl seinen 70-sten Geburtstag. Er<br />

ist auch in Südtirol kein Unbekannter, war<br />

er doch mehrmals Gastreferent bei verschiedenen<br />

Tagungen des Verbandes Südtiroler<br />

Musikkapellen und gab auch mit seiner<br />

Militärmusik Kärnten viel beachtete Konzerte<br />

in Südtirol.<br />

1980 hat Sigismund Seidl als Nachfolger<br />

des damaligen Militärkapellmeisters Anton<br />

Othmar Sollfelner die Leitung der Militärmusik<br />

Kärnten in Klagenfurt übernommen.<br />

35 Jahre lang war er Dirigent und Chef dieses<br />

Klangkörpers - ein Rekord, denn er ist<br />

damit der längstdienende österreichische<br />

Militärkapellmeister seit Beginn der Donaumonarchie.<br />

Er war 12 Jahre lang Landeskapellmeister<br />

im Kärtner Blasmusikverband,<br />

von 2001 bis 2004 Bundeskapellmeister<br />

des Österreichischen Blasmusikverbandes,<br />

sechs Jahre lang Präsident der gemeinsamen<br />

Sektion Österreich/Deutschland im<br />

Weltverband WASBE (World Association for<br />

Symphonic Bands and Ensembles) und Lehrer<br />

am Kärntner Landeskonservatorium in<br />

Klagenfurt. Seidl hat die Entwicklung der<br />

Militärmusik und der Blasmusik über die<br />

Grenzen Österreichs hinaus maßgeblich<br />

beeinflusst. 2014 erhielt er von der Stadt<br />

Villach den hochdotierten Kulturpreis, den<br />

bisher noch nie einem seiner Zunft, einem<br />

Militärkapellmeister, zuerkannt wurde. Am<br />

30. November 2015 ist er in den wohlverdienten<br />

Ruhestand getreten, wohl auch<br />

mit etwas Wehmut im Herzen ob der damaligen<br />

leidvollen Diskussionen und ministeriellen<br />

Vorgaben zur Kürzung der Militärkapellen<br />

in Österreich.<br />

Mittlerweile ist es um das Geburtstagskind<br />

etwas ruhiger geworden. Seidl ist Ehrenmitglied<br />

des Österreichisches Blasmusikverbandes.<br />

Als Freund und geschätzter<br />

Fachmann reiht sich auch der Verband<br />

Südtiroler Musikkapellen in die Reihe der<br />

Gratulanten ein: "Alles Gute, lieber Sigi!"<br />

Stephan Niederegger<br />

<strong>Nr</strong>. 02 | <strong>Juni</strong> <strong>2020</strong> 17


Kritisch hingehört<br />

„Thank you for the Music“<br />

Festkonzert der Musikkapelle Toblach unter besonderen Vorzeichen<br />

Ein denkwürdiges Frühjahrskonzert<br />

- jenes der MK Toblach war eines<br />

der letzten für heuer in unserem<br />

Land. (Foto: ©wisthaler.com)<br />

©wisthaler.com<br />

Der 29. Februar <strong>2020</strong> wird den Musikantinnen<br />

und Musikanten der Musikkapelle<br />

Toblach wohl noch lange in Erinnerung bleiben.<br />

Als eine der letzten Musikkapellen des<br />

Landes spielte sie ihr traditionelles Jahreskonzert.<br />

Bereits eine Woche später ging in<br />

Südtirol gar nichts mehr und es sieht danach<br />

aus, als würde sich diesbezüglich in<br />

nächster Zeit kaum was ändern. Grund genug,<br />

dieses phantastische Konzert nochmals<br />

Revue passieren zu lassen.<br />

Kapellmeister Sigisbert Mutschlechner<br />

ist kein Freund von langen Vorbereitungen.<br />

Zwei Monate gibt er sich und<br />

seiner Truppe, um das Festkonzert einzulernen.<br />

Zwanzig Teil- und Gesamtproben,<br />

ein Probenwochenende, dann muss das<br />

Programm sitzen. Und wer Sigisbert Mutschlechner<br />

kennt, weiß, dass das ein anspruchsvolles<br />

ist.<br />

Im mittlerweile auf 74 Personen angewachsenen<br />

Klangkörper heißt es arbeiten. Proben,<br />

üben, wieder proben und noch einmal<br />

üben. Der Lohn für diese Mühen war<br />

einmal mehr ein voller Gustav-Mahler-Saal<br />

mit einem begeisterten Publikum. Als Eröffnungswerk<br />

hatte der Kapellmeister die<br />

„Jubel Ouvertüre“ des Schweizer Komponisten<br />

Stephan Jaeggi gewählt. Gleich an<br />

den ersten Tönen konnte man das Konzept<br />

des Abends und die Handschrift des<br />

Dirigenten erkennen: Originale Blasmusik<br />

aus den letzten hundert Jahren.<br />

Toni Taschler, eloquenter und sympathischer<br />

Toblacher Tausendsassa, führte<br />

gekonnt durch den musikalisch ansprechenden<br />

und anspruchsvollen Abend,<br />

der mit der „Third Suite for Band“ von<br />

Alfred Reed (ebenfalls ein Originalwerk)<br />

seine Fortsetzung fand. Einen ersten Höhepunkt<br />

erlebte der Konzertabend mit<br />

dem „Concerto für Bassposaune und Blasorchester“<br />

von Steven Verhelst. Nicht<br />

viele Blasorchester haben überhaupt einen<br />

Bassposaunisten, die „Toblinga“ sogar<br />

einen diplomierten. Thomas Baur ist<br />

gelernter Fliesenleger, hat seinen Traum<br />

vom Bassposaune-Spielen aber niemals<br />

aufgegeben und erst als „älteres Semester“<br />

am Konservatorium in Klagenfurt<br />

sein Studium begonnen.<br />

Aktuell spielt er in verschiedenen Ensembles<br />

im In- und Ausland. Wann immer<br />

es seine Zeit erlaubt, spielt er bei der Musikkapelle<br />

Toblach mit. Auf die Frage des<br />

Moderators, wer denn dieses nicht einfach<br />

zu spielende Konzert ausgewählt habe, antwortete<br />

er – mit einem schelmischen Seitenblick<br />

auf Kapellmeister Sigisbert Mutschlechner<br />

– „Ich.“<br />

18<br />

KulturFenster


Nach diesem wahrhaft gelungenen Solowerk<br />

hätte man keine Steigerung mehr<br />

erwartet. Doch diese kam. „Give Us This<br />

Day“ klingt im Nachhinein fast wie ein Manifest<br />

„Schenk uns diesen Tag“. Die Musikkapelle<br />

Toblach hat sich und ihrem Publikum<br />

einen Tag geschenkt, das kann man<br />

ohne Übertreibung sagen. Maslanka verbindet<br />

in seinem zweisätzigen Werk spirituelle<br />

Klänge mit aufwühlenden und dramatischen<br />

Gefühlsausbrüchen. Der Komponist<br />

entnimmt den Titel des Werkes dem „Vater<br />

unser“-Gebet, sagt jedoch, ein buddhistischer<br />

Mönch habe ihn zu diesem Stück<br />

inspiriert. Überraschend ist der Schluss,<br />

für den Maslanka die emotionale Klangvielfalt<br />

der Choralmelodie aus Johann Sebastian<br />

Bachs „Vater unser im Himmel“<br />

verwendet.<br />

Was wäre ein Festkonzert ohne Ehrungen.<br />

Eine gab es für Carmen Lanz, die für ihre<br />

15-jährige Mitgliedschaft geehrt wurde. Nicht<br />

mehr aufgehört hat es bei der Nennung der<br />

Jungmusikanten: Sage und schreibe sieben<br />

junge Damen und Herren spielen ihr<br />

erstes – und vorerst letztes – Konzert mit<br />

der Musikkapelle Toblach. „Das sind die ersten<br />

Früchte der Bläserklasse, die wir seit<br />

mehreren Jahren organisieren“, freute sich<br />

Obmann Stefan Taschler.<br />

Mit dem „March of the Black Sea“ von<br />

F. Akimow und einem weiteren Star-Wars-<br />

Intermezzo verabschiedete sich die Musikkapelle<br />

Toblach in die kleine Pause,<br />

die Zeit zum Luftholen vor den Proben für<br />

den Sommer bieten sollte. Keiner dachte<br />

in diesem Moment, dass diese Pause nicht<br />

nur bis Ende März dauern sollte. Keiner<br />

Blasmusik<br />

17.10.<strong>2020</strong><br />

72. Jahreshauptversammlung<br />

<strong>2020</strong><br />

www.vsm.bz.it<br />

fehlte. Bürgermeister Guido Bocher tierte die ganze Woche vor dem Konzert mit<br />

den Verantwortlichen der Musikkapelle, holte<br />

disku-<br />

Infos von offi zieller Seite ein, und rang sich<br />

schließlich als Hausherr des „Gustav-Mahler-Saales“<br />

dazu durch, die Veranstaltung<br />

durchführen zu lassen. Vor dem Eingang<br />

in den Saal standen Desinfektionsspender.<br />

Kapellmeister Sigisbert Mutschlechner blickt<br />

Thomas Baur ist nicht nur Profi beim Fliesenlegen, sondern auch auf<br />

der Bassposaune – hier als Solist beim „Concerto für Bassposaune<br />

und Blasorchester“ von Steven Verhelst. (Foto: ©wisthaler.com)<br />

©wisthaler.com<br />

Dass sich die junge Musikkapelle Toblach<br />

auch in Sachen Film- und Popmusik auskennt,<br />

bewies sie mit Ausschnitten aus<br />

„Star Wars“ und mit „ABBA Symphonic“<br />

von Michael Jerg. Vor allem das wenig bekannte<br />

„I Wonder“, fabelhaft interpretiert<br />

von Lisa Klocker auf dem Sopransaxophon,<br />

riss das Publikum zu Begeisterungsstürmen<br />

hin. „Thank you for the Music“ als<br />

Schlusspunkt des offi ziellen Konzertteiles<br />

hätte besser nicht passen können. Doch.<br />

„Thank you for the Musicians“.<br />

konnte sich in seinen kühnsten Träumen<br />

vorstellen, dass es keine kirchlichen Anlässe<br />

mehr gab, die die Musikkapelle normalerweise<br />

umrahmte. Das neue Probelokal<br />

konnte nicht mehr eingeweiht werden.<br />

Alles änderte sich.<br />

Im Nachhinein betrachtet, war beim Konzert<br />

nicht alles wie immer. Der Saal war zwar<br />

voll, aber nicht so voll wie sonst. Zum Fachsimpeln<br />

und diskutieren kamen viele Leute<br />

mit in die Bar, aber nicht so viele wie sonst.<br />

Das Publikum, das sonst von weit herkam,<br />

mit einem weinenden und einem lachenden<br />

Auge auf das Festkonzert zurück. „Ich bin<br />

sehr zufrieden damit, was wir geleistet haben“,<br />

sagt er, „eigentlich bin ich sogar ein<br />

bisschen stolz. Darauf hätte sich jetzt gut<br />

aufbauen lassen.“ Überzeugt davon, dass<br />

seine Musikkapelle übt und musiziert und<br />

voll motiviert ihre Tätigkeit aufnehmen wird,<br />

sobald die Umstände es zulassen, freut er<br />

sich schon aufs Weitermachen. In der Zwischenzeit<br />

sucht er neue Stücke aus.<br />

Michaela Grüner<br />

<strong>Nr</strong>. 02 | <strong>Juni</strong> <strong>2020</strong> 19


11.-25.07.<strong>2020</strong><br />

Jungbläserwochen<br />

<strong>2020</strong><br />

www.vsm.bz.it/<strong>2020</strong>/03/15/<br />

jugendkurswochen­<strong>2020</strong><br />

Ars Nova<br />

Valentin Gasser lässt<br />

die Würfel rollen<br />

Eine experimentelle Klangsuche<br />

Obwohl er Jazz­Komposition studiert hat,<br />

hat er sich stets auch für andere Musikrichtungen<br />

interessiert. Von seinem musikalischen<br />

Werdegang in der Bürgerkapelle<br />

Gries über die Zusammenarbeit mit<br />

Rockbands bis hin zu Auftritten mit<br />

DJs, hat er als Interpret auch<br />

über den Jazz­Bereich hinaus<br />

zahlreiche Erfahrungen<br />

gemacht.<br />

Als Komponist hat er<br />

während des Studiums<br />

hauptsächlich Jazz komponiert,<br />

sich aber zudem<br />

mit klassischer Musik, dabei<br />

hauptsächlich mit Klavierwerken,<br />

auseinandergesetzt.<br />

Im Hinterkopf war aber<br />

immer auch symphonische<br />

Blasmusik präsent, da er stets<br />

vorhatte, nach Südtirol zurückzukehren.<br />

Als er seinen Lebensmittelpunkt<br />

2018 nach<br />

Bozen verlegte, begann er<br />

konkret damit, Werke für<br />

Blas orchester zu schreiben.<br />

Neben Kirchenmusik handelt<br />

es sich vor allem um<br />

Auftragskompositionen,<br />

in denen er viel Wert<br />

darauf legt, eine harmonisch<br />

eigene Tonsprache<br />

zu finden.<br />

So versucht er stets,<br />

Elemente, die er im<br />

Rahmen seines Studiums<br />

erlernt hat, in seine<br />

Werke einfließen zu lassen.<br />

Die musikalische Präferenz<br />

von Valentin Gasser gilt dem<br />

Saxophon und dem Jazz.<br />

Musik ist mittlerweile sein primärer Lebensinhalt.<br />

Als er noch nicht professionell<br />

als Musiker gearbeitet hat, sei der<br />

Zugang zur Musik noch ein anderer, gewissermaßen<br />

unschuldiger, gewesen, sagt<br />

er. Jetzt gibt es durchaus Momente, wo er<br />

nicht unbedingt Lust dazu habe Klavier<br />

zu spielen oder ein bestimmtes Arrangement<br />

zu schreiben. „Aber es überwiegt<br />

eine tiefe Glückseligkeit darüber, dass<br />

ich es geschafft habe, Musik zu meinem<br />

Leben zu machen. Dafür bin ich jeden<br />

Tag dankbar.“<br />

„Roll the Dice – Alea iacta est“ -<br />

die Würfel sind gefallen<br />

Ein besonderes seiner Werke ist sicherlich<br />

„Roll the dice - Alea iacta est".<br />

Als Georg Thaler, der Kapellmeister der<br />

Bürgerkapelle Gries, im April 2019 mit<br />

der Frage an ihn herantrat, ob er es für<br />

möglich halte, beim nächsten Neujahrskonzert<br />

live ein Stück zu komponieren,<br />

war der junge Komponist gleich begeistert<br />

von der Idee. Doch er gibt zu, dass es<br />

definitiv zu den größten Aufregungen und<br />

Herausforderungen seines Lebens zählte.<br />

Über den Sommer wurde aus der Idee<br />

eine konkretere Vorstellung, wie das Ganze<br />

funktionieren könnte. Die Schwierigkeiten<br />

waren mehrere:<br />

• Wie soll man in 15 Minuten ein Stück<br />

schreiben, proben und aufführen?<br />

• Wie sollen die Musikantinnen und<br />

Musikanten in der Lage sein, das<br />

Stück zu spielen bzw. Noten zu erhalten?<br />

• Wie überzeugt man das Publikum davon,<br />

dass das Werk wirklich im Moment<br />

entstanden ist, und nicht vorher<br />

einstudiert wurde?<br />

Zuallererst wurde die Möglichkeit in Betracht<br />

gezogen, dass er am Klavier das<br />

Werk auf ein Notenblatt schreibt und<br />

20<br />

KulturFenster


Blasmusik<br />

die Noten in Echtzeit auf eine Leinwand<br />

hinter die Musikanten projiziert werden.<br />

Kopfzerbrechen bereitete Valentin, wie<br />

er das Element des Zufalls in das Werk<br />

integrieren könnte. Als ihm die Idee mit<br />

den Würfeln kam, hatte er zugleich auch<br />

schon den Titel für die Komposition gefunden.<br />

Durch das Zuordnen von Zahlen<br />

zu Tönen, konnte er das Ausgangsmotiv<br />

für seine Melodie (die ersten drei Töne)<br />

„erwürfeln“.<br />

Der Rest war dann vergleichsweise einfach,<br />

wenn man vom Zeitdruck absieht.<br />

Den formalen Ablauf besprach er vor<br />

Ort, wobei sich die Kapelle Notizen machte.<br />

So wurde aus den Elementen (eine Akkordfolge,<br />

ein rhythmisches Pattern, die<br />

Melodie und ein Begleitmotiv) ein fertiges<br />

Stück, das auch direkt zur Aufführung<br />

gelangte.<br />

Pater Urban Stillhart beschrieb das Konzerterlebnis<br />

folgendermaßen (siehe Tageszeitung<br />

„Dolomiten“ vom 09.01.<strong>2020</strong>,<br />

Seite 6): „Er schrieb eine achttaktige Melodie,<br />

inspiriert durch einen dreifachen<br />

Würfelschub, und schuf dazu Begleitakkorde<br />

und ein Rhythmusschema. Die Spielerinnen<br />

und Spieler schrieben die Vorlage<br />

ab, und es wurde dieses achttaktige<br />

Modul nach vorgegebenen Anweisungen<br />

Zur Person:<br />

musiziert. Es tat sich eine erstaunlich stimmig-sinnliche<br />

Klangwelt auf und führte<br />

zu einem schlüssigen Gesamtergebnis.“<br />

Stephan Niederegger<br />

Valentin Gasser ist am 16. Februar 1991 geboren und erhielt den ersten<br />

Saxophonunterricht von seinem Vater. Später besuchter er die Musikschule<br />

Bozen bei Hans Tutzer: „Ich habe meinen Lehrer Hans immer dafür bewundert,<br />

wie er es schafft, andere Menschen für die Musik zu begeistern.<br />

Und ich hatte den Eindruck, dass auch er selbst ein glücklicher Mensch<br />

ist.“ Von 2010 bis 2018 studierte er an der Konservatorium Wien Privatuniversität<br />

(später Universität für Musik und Kunst) - zuerst Jazz-Saxophon<br />

(bei Prof. Thomas Huber) und anschließend Jazz-Komposition und Arrangement<br />

(Prof. Andy Middleton). Es folgten zahlreiche Workshops in Mitteleuropa<br />

und Unterricht bei Bobby Watson, Bob Mintzer, Jim Snidero und<br />

Eric Alexander.<br />

Seit knapp 2 Jahren lebt Valentin Gasser wieder in Bozen, unterrichtet<br />

Saxophon und Klavier - spielt, komponiert und arrangiert für verschiedene<br />

Projekte (sowohl Jazz als auch Klassik und symphonische Blasmusik). Seit<br />

seinem 12. Lebensjahr ist er Mitglied der Bürgerkapelle Gries.<br />

… aber er fühlt sich auch in der Blasmusik „daheim“, sowohl als Musikant bei der Bürgerkapelle Gries als auch als Komponist<br />

von Blasmusikwerken. (Fotos: © Nilo Klotz)<br />

<strong>Nr</strong>. 02 | <strong>Juni</strong> <strong>2020</strong> 21


Musikpanorama<br />

65 Jahre Tracht der<br />

Musikkapelle Niederdorf<br />

Am Fronleichnamsfest 1955 erster Auftritt in der neuen Musiktracht<br />

So präsentierte sich die MK Niederdorf im vorigen Jahr 2019.<br />

Die Musikkapelle Niederdorf in der neuen Tracht 1956<br />

Die Musikkapelle Niederdorf käme heuer aus<br />

dem Feiern nicht mehr heraus, wäre da nicht<br />

die Corona-Krise, die jegliche Tätigkeit (vorerst)<br />

unterbrochen hat.<br />

Zu Jahresbeginn wurde anlässlich des<br />

heurigen 170-jährigen Gründungsjubiläum<br />

ein Musikkalender verteilt. Monat für Monat<br />

begleiten der jeweiligen Jahreszeit entsprechende<br />

Fotos aus den letzten Musiksaisonen<br />

durch das ganze Jahr hindurch.<br />

Durch Corona wurde er somit umso wertvoller,<br />

da dadurch die Musikkapelle in<br />

vielen Haushalten trotzdem präsent sein<br />

kann. Hingucker bleibt dabei die schmucke<br />

Tracht, die heuer ebenso ein kleines<br />

Jubiläum feiert: am Fronleichnamstag vor<br />

65 Jahren wurde die Musikantentracht zum<br />

ersten Mal getragen.<br />

Eine einheitliche Bekleidung erhielt die<br />

im Jahr 1850 gegründete Kapelle zu Beginn<br />

des 20. Jahrhunderts, als sich im Tiroler<br />

Raum das Tragen von Uniformen und<br />

Trachten bei den Musikkapellen zusehends<br />

eingebürgert hatte. Spätestens 1912 verfügte<br />

die Musikkapelle über die Pustertaler<br />

Tracht mit Kniebund-Lederhose, Ledergurt<br />

und hohem Stechhut mit Feder. Neben einer<br />

Vielzahl von Instrumenten kam auch die<br />

Tracht in den Kriegswirren des Ersten Weltkrieges<br />

vollständig abhanden. So trug die<br />

Musikkapelle in den 1920-er Jahren eine<br />

von der Freiwilligen Feuerwehr geliehene<br />

Uniformjacke mit Schildmütze. Anfang der<br />

1930-er Jahre wurde die Musikkapelle mit<br />

einer eigenen Musik-Uniform eingekleidet.<br />

Erst im Jahre 1953 wurde die Anschaffung<br />

einer Musik-Tracht in Erwägung gezogen.<br />

Gut eineinhalb Jahre sollte die Vorbereitung<br />

dauern, bis die Musikkapelle zur Fronleichnamsprozession<br />

1955 zum ersten Mal in ihrer<br />

neuen Pustertaler Tracht aufmarschieren<br />

konnte. Die Vereinschronik berichtete darüber:<br />

„Große feierliche Festtagsstimmung umgibt<br />

alljährlich diesen Tag. Das ganze Dorf<br />

hilft mit, um den Mittelpunkt dieses Festes,<br />

die Fronleichnamsprozession so feierlich wie<br />

nur möglich zu gestalten. Auch die Musikkapelle<br />

beteiligte sich alljährlich daran und<br />

heuer ist es ihr gewiss gelungen, dazu beizutragen,<br />

Festfreude und Gestaltung zu heben,<br />

als sie mit ihrer neuen, schmucken, farbenfrohen<br />

Tracht aufmarschierte.“<br />

Die alte Musik-Uniform wurde bis ins Jahr<br />

2004 beibehalten und wurde noch bei kleineren<br />

Auftritten getragen. Die Tracht wurde<br />

im Jahre 1970 mit federkielbestickten Trachtenschuhen<br />

für alle Musikanten ergänzt. Die<br />

Frauentracht wurde bis 1988 nur von den<br />

Marketenderinnen getragen. Seit 1985 spielen<br />

auch Frauen in der Kapelle, die jedoch<br />

eine unpassende Trachtenbekleidung und<br />

eine Uniform mit Damenrock trugen. 1992<br />

wurde endlich die Einführung einer passenden<br />

Pustertaler Frauentracht möglich.<br />

Alois Fauster<br />

22<br />

KulturFenster


Kirchtagskonzert der<br />

Musikkapelle Truden<br />

Blasmusik<br />

20.01. - 28.12.<strong>2020</strong><br />

VSM-Motiviert und fit?<br />

Funktionärsausbildung<br />

<strong>2020</strong> (NFA)<br />

www.vsm.bz.it<br />

Besonderes Konzert, außergewöhnliche<br />

Ehrungen, vier Neuzugänge<br />

Am 8. Februar <strong>2020</strong> fand das alljährliche<br />

Kirchtagskonzert der Musikkapelle Truden<br />

statt. Dieses Jahr stellte das Programm die<br />

Musik in den verschiedenen Formen und Stilrichtungen<br />

der letzten 120 Jahre dar; von<br />

traditionellen Märschen und Polkas bis hin<br />

zu Film­ und Rockmusik reichte die Palette.<br />

In chronologischer Reihenfolge begann<br />

die Musikkapelle unter der Leitung von Kapellmeister<br />

Fabio Riz mit „Schneidig vor“<br />

von Julius Fuicik, einem Marsch aus der<br />

Zeit Österreich-Ungarns, schloss die Beatles<br />

und die Beach Boys mit ein, gab Stücke<br />

aus den 1980er Jahren zum Besten und<br />

verabschiedete sich mit der Polka „Neue<br />

Wege“ des jungen zeitgenössischen Komponisten<br />

Martin Scharnagl. Bei den Popund<br />

Rock-Stücken begleiteten die Trudner<br />

Gitarristen Patrick Larger und Werner<br />

Stuppner die Musikkapelle. Besonders das<br />

Stück „80er Jahre Kult(tour)“ von Thiemo<br />

Kraas war für Musikanten und Zuhörer ein<br />

Leckerbissen.<br />

Mit einer Schweigeminute und dem<br />

Stück „Hymn to the Fallen“ wurde des<br />

verstorbenen ehemaligen Musikanten Mathias<br />

Stuppner gedacht.<br />

Einen Höhepunkt stellten die Ehrungen<br />

von Valentin und Hartmann Pernter durch<br />

den Bezirksobmann des Verbandes Südtiroler<br />

Musikkapellen, Stefan Sinn dar. Valentin<br />

Pernter erhielt das Verdienstzeichen<br />

in Silber für zehn Jahre Jugendleiter überreicht.<br />

In dieser Zeit hat Valentin mit Einsatz<br />

und Freude viele Kinder und Jugendliche<br />

ausgebildet und ihnen die Begeisterung<br />

am Musizieren weitergegeben. Hartmann<br />

Pernter hingegen wurde für seine 50 Jahre<br />

Mitgliedschaft mit dem Großen Ehrenzeichen<br />

in Gold ausgezeichnet. Im Jahr 1969<br />

trat Hartmann der Musikkapelle bei und<br />

ist seither ein wichtiger Eckpfeiler am 1.<br />

Flügelhorn. Obmann Hermann Stuppner<br />

und Bezirksobmann Stefan Sinn dankten<br />

den beiden Geehrten für ihren unermüdlichen<br />

Einsatz und wünschten ihnen<br />

noch viel Freude an der Blasmusik. Begrüßt<br />

wurden zudem einige Neuzugänge:<br />

Daniel Larger am Schlagzeug, Johannes<br />

Amplatz an der Trompete, Julia Thaler an<br />

der Querfl öte und Sibylle Daldoss als Marketenderin.<br />

MK Truden – Hermann Stuppner<br />

Bei der Verleihung des Großen Ehrenzeichens in Gold: - v. l. stehend -<br />

Bezirksobmann Stefan Sinn, Bürgermeister Michael Epp, der Geehrte Hartmann<br />

Pernter mit Frau Hanni; davor (v. l.) Kapellmeister Fabio Riz, Obmann Hermann<br />

Stuppner, Vize-Obmann Stefan Amplatz<br />

Bei der Verleihung des Verdienstzeichens in Silber: (v.l.) Bezirksobmann Stefan Sinn,<br />

Kapellmeister Fabio Riz, Bürgermeister Michael Epp, der Geehrte Valentin Pernter,<br />

Obmann Hermann Stuppner, Vize-Obmann Stefan Amplatz<br />

<strong>Nr</strong>. 02 | <strong>Juni</strong> <strong>2020</strong> 23


Musikpanorama<br />

70 + 70 + 60 … Drei Gründe zum Feiern<br />

Im Mai haben gleich drei Musikanten der MK St. Lorenzen einen runden Geburtstag gefeiert.<br />

Coronabedingt musste das obligatorische<br />

Geburtstagsständchen ausfallen. Nichtsdestotrotz<br />

hat Musikobmann Philipp Kofler<br />

den Jubilaren gratuliert, die besten Wünsche<br />

der gesamten Kapelle überbracht und<br />

einen Geschenkskorb als kleines Zeichen<br />

der Verbundenheit überreicht:<br />

Am 7. Mai feierte der ehemalige Hornist<br />

Richard Niedermair seinen 70-sten Geburtstag.<br />

Er war von 1964 bis 2014 Mitglied<br />

der Kapelle und wurde bei der Cäcilienfeier<br />

2015 zum Ehrenmitglied ernannt.<br />

sechs Tage später, am 13. Mai, brannten<br />

ebenfalls 70 Kerzen auf der Geburtstagstorte<br />

des Flügelhornisten Anton Hilber. Er<br />

spielt seit 1961 in der Kapelle und war auch<br />

lange Jahre Schriftführer und Vorstandsmitglied.<br />

Der Jüngste im Bunde ist der Saxofonist<br />

Alois Leitner, der am 19. Mai 60 Jahre alt<br />

wurde. Er ist seit 1975 Mitglied der Kapelle.<br />

Die Musikkapelle wünscht ihnen weiterhin<br />

beste Gesundheit, Gottes Segen und dass<br />

sie auch weiterhin der Kapelle musikalisch<br />

verbunden bleiben: „Der Geburtstagsmarsch<br />

wird nachgeholt, sobald es die Umstände<br />

wieder erlauben!“<br />

Philipp Kofler<br />

Obmann MK St. Lorenzen<br />

Feierten ihren runden Geburtstag (v.l.): Niedermair Richard, Hilber Anton und Leitner Alois<br />

Jugendkapelle geht online<br />

Coronakrise macht erfinderisch – Nachwuchswerbung übers Internet<br />

Im Frühjahr stehen an den Musikschulen<br />

die Einschreibungen für das kommende<br />

Schuljahr an. Es ist dies daher auch die<br />

beste Zeit für Nachwuchswerbung der Musikkapellen<br />

– so auch für die JuKaStL, die<br />

Jugendkapelle St. Lorenzen.<br />

Vielerorts besuchen die Musikantinnen und<br />

Musikanten die Grundschule oder laden zu<br />

einem Tag der offenen Tür ins Probelokal.<br />

Dabei werden den Schülerinnen und Schülern<br />

die Musikkapelle im Allgemeinen und<br />

das vielfältige Repertoire der Instrumente<br />

im Besonderen vorgestellt. Heuer ist wegen<br />

der Coronakrise alles anders: Musikkapellen<br />

haben seit Wochen ihre Tätigkeit<br />

eingestellt und Schulen ihre Tore geschlossen.<br />

Daher haben Kapellmeister Jakob Augschöll<br />

und Jugendleiter Martin Kolhaupt einen<br />

neuen Weg gesucht, um die Werbung<br />

der Musikkapelle St. Lorenzen doch noch an<br />

den Mann und die Frau bzw. an die Kinder<br />

und Eltern zu bringen. Mittlerweile sind im<br />

Internet zwei Videos veröffentlicht. Im ersten<br />

werden in unterhaltsamer Weise die Instrumente<br />

vorgestellt, und zwar hauptsächlich<br />

jene, die momentan besetzungsmäßig<br />

in der Kapelle benötigt werden. Im zweiten<br />

Video präsentieren die Musikantinnen und<br />

Musikanten den Party-Hit der Beach Boys<br />

„Barbara Ann“ und wollen damit ein bisschen<br />

gute Laune verbreiten und Lust aufs<br />

Musizieren machen.<br />

Video 1 =<br />

Instrumentenvorstellung:<br />

youtu.be/LEPcDx2Br4o<br />

Video 2 = Barbara Ann:<br />

youtu.be/oQOyIBdf3Co<br />

24<br />

KulturFenster


Vorweg<br />

Chorwesen<br />

„Zusammengehörigkeitsgefühl<br />

im Chor wird wachsen“<br />

Verbandsobmann Erich Deltedesco beschreibt die Situation<br />

der Chöre in der Corona-Zeit<br />

<strong>Kulturfenster</strong>: Wir alle wissen, dass sich<br />

die Corona-Vorsichtsmaßnahmen gerade<br />

auf das Chorwesen sehr stark auswirken.<br />

Wie schaut es derzeit mit der Tätigkeit der<br />

Chöre in Südtirol aus?<br />

E. Deltedesco: Die aktuelle Situation ist<br />

eine schwierige Zeit für alle Chorsängerinnen<br />

und Chorsänger. Die Tätigkeit der<br />

Chöre wurde mit der akuten Ausbreitung<br />

des Virus praktisch von einem Moment<br />

auf den anderen vollkommen ausgesetzt,<br />

alle geplanten Aktivitäten mit den verschiedensten<br />

Chorkonzerten und den vielen<br />

Mitgestaltungen von weltlichen und kirchlichen<br />

Feiern konnten leider nicht mehr<br />

stattfi nden. Gerade aber in Krisenzeiten<br />

ist das Singen im Chor besonders wichtig,<br />

ist oft auch ein Ventil für Emotionen. Ganz<br />

ohne Worte rufen Musik und Gesang Gefühle<br />

hervor, verborgene Emotionen werden<br />

geweckt, Spannungen in Körper und<br />

Seele gelöst und verschüttete Kräfte wieder<br />

belebt. Singen stiftet Identität und unterstützt<br />

unser Immunsystem. Und so haben<br />

viele Chöre diese Zwangspause mit<br />

verschiedensten digitalen Hilfsmitteln und<br />

technischen Lernhilfen überbrückt. Tolle<br />

Videos, die in dieser probefreien Zeit gemacht<br />

wurden, zeugen von der Kreativität<br />

unserer Chöre und ich bin ganz fest überzeugt,<br />

dass damit auch ein ganz neues Publikum<br />

angesprochen werden konnte. Für<br />

die vielen Mühen möchte ich allen ganz<br />

herzlich danken und gleichzeitig auch zu<br />

den gelungenen Ergebnissen gratulieren.<br />

KF: Ist Probentätigkeit in irgendeiner Form<br />

möglich?<br />

E. Deltedesco: Es gibt das Landesgesetz<br />

vom 8. Mai <strong>2020</strong>, <strong>Nr</strong>. 4, wo festgelegt wird,<br />

dass die künstlerischen und kulturellen<br />

Tätigkeiten unter Einhaltung aller Sicherheitsmaßnahmen<br />

(1/10 Regel, Mindestabstand,<br />

Mund- und Nasenschutz usw.)<br />

wieder aufgenommen werden können. Die<br />

unbedingt notwendige und auch wichtige<br />

Einhaltung der Schutzmaßnahmen und Regeln<br />

lassen die Aufnahme einer „normalen“<br />

Probentätigkeit leider noch nicht zu.<br />

Es gibt medizinische Abhandlungen, die<br />

besagen, dass gerade Chorsingen in der<br />

gewohnten Form sehr riskant ist. Aus diesem<br />

Grunde wird eine Chortätigkeit in der<br />

gewohnten Art und Weise wahrscheinlich<br />

leider so schnell nicht stattfi nden können.<br />

Aber alles hängt natürlich von der weiteren<br />

Entwicklung, von der Bewältigung des epidemiologischen<br />

Notstandes ab.<br />

KF: Werden Schulungen stattfinden?<br />

E. Deltedesco: Der Südtiroler Chorverband<br />

ist dauernd bestrebt, das Singen lebendig<br />

zu erhalten, sich zu öffnen für Weiterentwicklung<br />

und Weiterbildung. Auch für dieses<br />

Jahr hatten wir wiederum ein vielfältiges<br />

und hochqualifi ziertes Schulungsangebot<br />

ausgearbeitet. Aufgrund der derzeitigen<br />

Situation ist aber eine Durchführung der<br />

Fortbildungsangebote nicht möglich und<br />

so mussten alle zunächst einmal bis Ende<br />

September geplanten Schulungen und<br />

Veranstaltungen leider abgesagt werden.<br />

KF: Wie sehen Sie persönlich die Situation?<br />

Wird sich auch längerfristig für das Chorwesen<br />

etwas ändern?<br />

E. Deltedesco: Bereits seit über drei Monaten<br />

können sich die Chöre nicht mehr zur<br />

Probe treffen, das Frühjahrskonzert oder<br />

die festliche Mitgestaltung eines Gottesdienstes<br />

war und ist nicht möglich. Dieses<br />

regelmäßige Zusammentreffen in der<br />

Chorgemeinschaft fehlt gerade vom sozialen<br />

Gesichtspunkt her wohl allen Sängerinnen<br />

und Sängern, man möchte meinen,<br />

diese lange Pause möge vielleicht auch<br />

negative Auswirkungen auf den Weiterbestand<br />

des Chores haben. Das Singen gehört<br />

aber zur Natur des Menschen, Singen<br />

im Chor verbindet alle Gesellschaftsschichten,<br />

Bevölkerungsgruppen und Altersstufen,<br />

vermittelt vielseitige Geselligkeit und<br />

schenkt Geborgenheit. Tagtäglich höre ich<br />

von vielen Sängerinnen und Sängern wie<br />

sehr sie sich auf die Zeit freuen, wo regelmäßige<br />

Chorarbeit, gemeinsames Singen,<br />

Zusammentreffen möglich ist. Dies gibt mir<br />

die Gewissheit, dass der momentane Stillstand<br />

des Chorlebens längerfristig kaum<br />

etwas ändern wird. Ich bin sogar überzeugt,<br />

dass diese Abstinenz die Chorgemeinschaft<br />

zusätzlich fördert und das Zusammengehörigkeitsgefühl<br />

wachsen lässt<br />

Int: Paul Bertagnolli<br />

www.scv.bz.it<br />

<strong>Nr</strong>. 02 | <strong>Juni</strong> <strong>2020</strong> 25


Das Thema<br />

Chorsingen in Corona-Zeiten<br />

Ist Probentätigkeit noch möglich?<br />

Gemeinsam singen und nicht alleine – gerade<br />

das macht das Schöne an der Chormitgliedschaft<br />

aus, und gerade das ist seit<br />

der Corona­Pandemie das größte Problem.<br />

Gemeinsam singen ist nicht dasselbe wie<br />

alleine singen. Im gemeinsamen Klang erleben<br />

die die Sängerinnen und Sänger<br />

eine ganz besondere Erfahrung von Gemeinschaft<br />

und Einheit, die so nicht zu ersetzen<br />

ist. Und diese Gemeinschaft ist gerade<br />

das Gefährliche.<br />

Deshalb sah das Abkommen zwischen<br />

der italienischen Bischofskonferenz und<br />

der Regierung Conte zwar vor, dass man<br />

wieder Messen feiern darf, von Orgelspiel<br />

begleitet, aber ohne Chorgesang. Aber<br />

auch die Probentätigkeit selbst ist nicht<br />

erlaubt. Der Südtiroler Chorverband überlegt<br />

auf den Grundlagen der Gesundheitsund<br />

Sicherheitsvorschriften einen Plan zu<br />

entwickeln, wie man Proben wieder abhalten<br />

könnte. Es ist aber nicht leicht, sagt<br />

Verbandsobmann Erich Deltedesco: „Die<br />

Pfl icht zum Mundschutz und der 2-Meter-Abstand<br />

widersprechen dem Prinzip<br />

des Chorsingens, ebenso dass je 10 Quadratmeter<br />

nur eine Person im Raum sein<br />

darf.“ Viele Probelokale sind nämlich eher<br />

klein, deshalb gibt es wohl keine Hoffnung<br />

für die Wiederaufnahme von Proben. „Es<br />

könnten höchstens Teilproben für einzelne<br />

Register stattfinden“, erklärt der Obmann.<br />

Aber warum ist gerade die Probentätigkeit<br />

von Chören so problematisch in<br />

Coronazeiten? Dass gerade das Chorwesen<br />

eingeschränkt ist, dafür gibt es mehrere<br />

Gründe. Das Problem ist die „Enge“<br />

in der Choraufstellung, aber auch die Tatsache,<br />

dass in den Chören, nicht nur in<br />

Südtirol, vor allem in den Kirchenchören,<br />

viele ältere Menschen singen, die zur Risikogruppe<br />

gehören.<br />

Ist Singen im Chor gefährlich?<br />

Der Blick auf Chöre und Corona in ganz Europa<br />

zeigt, dass die Sorgen berechtigt sind.<br />

So waren nach Proben und einer Aufführung<br />

von Bachs Johannes-Passion in Amsterdam,<br />

wie die Neue Zürcher Zeitung berichtet, am<br />

8. März 102 von 130 Mitgliedern von Het<br />

Amsterdams Gemengd Koor mit dem Coronavirus<br />

infiziert und erkrankten zum Teil<br />

auch schwer, vier Sänger starben. In der<br />

Nähe von Seattle starben zwei Sänger des<br />

Skagit Valley Chorale; bei einer Probe am<br />

10. März hatten sich insgesamt 45 von 60<br />

Sängern mit dem Virus angesteckt. Nach einer<br />

Probe der Berliner Domkantorei am 9.<br />

März zeigten 60 von 80 Teilnehmern Symptome,<br />

unter ihnen auch der Kantor und die<br />

Korrepetitorin, die bei der Probenarbeit ja<br />

einige Meter Abstand zum Chor gehalten<br />

hatten. Auch aus dem niedersächsischen<br />

Stade, dem bayrischen Hohenberg und dem<br />

französischen Hombourg-Haut, wurden vergleichbare<br />

Fälle bekannt.<br />

Wann werden Chorproben wieder möglich sein?<br />

26<br />

KulturFenster


Chorwesen<br />

Studien zur Virusübertragung<br />

beim Singen<br />

Studien untersuchten bereits die Frage,<br />

warum sich im Chor viele Personen leicht<br />

anstecken. Weitere Studien sind im Gange.<br />

Christian Kähler, Professor für Strömungsmechanik<br />

und Aerodynamik an der Universität<br />

der Bundeswehr München, hat am 7. Mai<br />

Resultate einer Testreihe zur Ausbreitung<br />

von Tröpfchen und Schwebeteilchen in der<br />

Luft, den Aerosolen, bei Instrumenten und<br />

Stimmen veröffentlicht und auch mit einem<br />

Video auf Youtube veranschaulicht. Seine<br />

Experimente zeigen, dass die Luft durch<br />

Gesang nur innerhalb eines sehr begrenzten<br />

Bereichs messbar verwirbelt wird, etwa<br />

50 Zentimeter. Sie bestätigen also die Beobachtung<br />

vom Test mit einer brennenden<br />

Kerze, die vor dem geöffneten Mund eines<br />

Singenden kaum ins Flackern gerät. Nach<br />

dieser Studie müsste ein Sicherheitsabstand<br />

von 1,5 Metern und eine versetzte Aufstellung<br />

im Chor ausreichen, um gegenseitige<br />

Infektionen selbst beim Husten zu vermeiden.<br />

Auch das Freiburger Institut für Musikermedizin<br />

hat inzwischen seine Risikoeinschätzung<br />

vom 25. April verändert, in der<br />

noch grundsätzlich vom Chorsingen abgeraten<br />

wurde; es empfi ehlt seit 6. Mai einen<br />

Abstand von zwei Metern.<br />

Die Studie berücksichtigt allerdings nicht<br />

besondere Eigenarten des Singens wie die<br />

Tatsache, dass Sängerinnen und Sänger<br />

besonders tief einatmen, dass sich die Viren<br />

in der Luft halten, da es sich ja um geschlossene<br />

Räume handelt. Dass sich Teilchen<br />

in der Luft halten, also nicht nur beim<br />

Singen selbst für Ansteckung sorgen, dafür<br />

sprechen die Untersuchungen der Forscherin<br />

Shelly Miller aus Colorado. Die Professorin<br />

für Mechanical and Environmental Engineering<br />

beschäftigt sich schon länger aus<br />

der Perspektive der Umweltwissenschaft mit<br />

Aerosolen; sie verweist auf die hohe Zahl<br />

von Covid-19-Infektionen in geschlossenen<br />

Räumen. In China war nur einer von 314<br />

dokumentierten Ausbrüchen nachweislich<br />

auf eine Ansteckung in freier Luft zurückführen.<br />

Japanische Forscher schätzen die<br />

Wahrscheinlichkeit, sich innerhalb eines<br />

Raumes anzustecken, als zwanzig Mal so<br />

hoch ein wie die Wahrscheinlichkeit einer<br />

Infektion im Freien. So wird man wohl trotz<br />

der eher positiv klingenden Studie der Bundeswehr<br />

vorerst besser auf die Nähe bei gemeinsamen<br />

Proben verzichten.<br />

Vor dem Computer singen?<br />

Auch wenn die Gemeinschaftserfahrung<br />

im Chor nicht möglich ist, so sollten Sängerinnen<br />

und Sänger die wissenschaftlich<br />

nachgewiesenen gesundheitsfördernden<br />

Wirkungen des Singens gerade in diesen<br />

Zeiten für sich nutzen. Neben den digitalen<br />

Projekten, in denen man mit anderen<br />

in Gemeinschaft singt, sollte man seine<br />

Stimme pflegen. Als Gesundheitseinrichtung<br />

für Sänger und Instrumentalisten stellt das<br />

Freiburger Institut für Musikermedizin (FIM)<br />

konkrete Anregungen für tägliche Übungen<br />

und Tipps auf seiner Website (unter «Aktuelles»)<br />

zur Verfügung. Viele Chöre verlagern<br />

ihre Tätigkeiten ins Netz mit Übeprogrammen<br />

wie Carus music App, die Übehilfen<br />

für größere Standardwerke enthält. Eine<br />

Möglichkeit ist auch, Probenideen-Midi-<br />

Dateien zu erstellen, um Übehilfen zu geben<br />

oder einzelne Stimmen einzuspielen<br />

und als Übehilfen zu verschicken. Eine weitere<br />

Möglichkeit ist die musikalische Analyse<br />

und das Besprechen von Texten in digitaler<br />

Konferenz. Für jede Stimme kann<br />

außerdem Rhythmus, Aussprache des<br />

Textes und Probenanweisung eingesprochen<br />

werden, ebenso Einzelstimmen und<br />

Tutti-Einspielungen. Diese werden dann<br />

zu den Probenzeiten den Mitgliedern online<br />

zur Verfügung gestellt. Technisch sind<br />

die Hürden für eine Online-Probe relativ gering,<br />

wenn man Computer und Internet hat.<br />

Doch das reicht nicht. Es braucht vor allem<br />

die Bereitschaft und das technische Können<br />

des Chorleiters, der Regie führen muss.<br />

Vor allem aber müssen alle die Sinnhaftigkeit<br />

solcher Treffen erkennen. Wenn man<br />

glaubt, dass eine reale Probe durch nichts<br />

zu ersetzen ist und solche Treffen eher als<br />

Belastung und unnatürlich angesehen werden,<br />

dann hat es wohl wenig Sinn. Außerdem<br />

ist die Disziplin wichtig: Probt gerade<br />

die eine Stimme, treten die gleichen Probleme<br />

auf wie in jeder normalen Chorprobe:<br />

Wer gerade nichts zu tun hat, macht was<br />

anderes. Zoom ermöglicht es, Teilnehmer<br />

stumm zu schalten und Gruppen zu bilden,<br />

um so mit den einzelnen Stimmen zu proben.<br />

Die Einteilung in einzelne Gruppen ermöglicht<br />

es, untereinander innerhalb dieser<br />

Gruppe zu proben, der Chorleiter kann sich<br />

dort dann jederzeit zuschalten.Zu Hause geprobt<br />

werden kann aber auch ganz ohne<br />

Videokonferenzen. Der Arrangement-Verlag<br />

stellt zum Beispiel einzelne Stimmen<br />

von Werken als Audiodatei zur Verfügung.<br />

Dass die Chorprobe und das Konzert mit<br />

realer Präsenz aller nicht zu ersetzen sind,<br />

darüber sind sich wohl alle einig. So bleibt<br />

nur, auf eine Zeit zu hoffen, dass dies wieder<br />

möglich ist. Da stellt sich aber eine andere<br />

Frage: Hören viele Menschen aus Angst<br />

vor Ansteckung mit dem Singen auf? Erich<br />

Deltedesco glaubt das nicht: „Wir werden<br />

besonders auf die Risiko-Gruppen Rücksicht<br />

nehmen. Ich bin mir sicher, dass alle wieder<br />

mit Freude und Begeisterung beim Chorsingen<br />

dabei sein werden – wenn die Gefahr<br />

einmal vorbei ist.“ Eine ganz normale Probentätigkeit<br />

wird aber erst wieder möglich<br />

sein, wenn weniger strenge Regeln gelten.<br />

Chorleiter/in gesucht!<br />

Der Ahrntaler Männerchor, der 2019 sein 40jähriges Jubiläum feierte, ist auf der<br />

Suche nach einem neuen Chorleiter oder einer Chorleiterin. Gegenwärtig hat der<br />

Chor 34 aktive Mitglieder und will nach Bewältigung der Corona-Krise neu durchstarten.<br />

Interessierte können jederzeit zusätzliche Informationen anfordern. Für hilfreiche<br />

Hinweise sind wir dankbar. Kontakt unter ahrn.maennerchor@gmail.com oder telefonisch<br />

bei Obmann Hermann Lunger (0474 671239 oder 3403316551), Ausschussmitglied<br />

Martin Rauchenbichler (3482258704) und Ausschussmitglied Hans Fischer (3478445513).<br />

<strong>Nr</strong>. 02 | <strong>Juni</strong> <strong>2020</strong> 27


im im Gedenken<br />

„Ich bin heimgegangen ins Licht …<br />

… Danke, dass ihr ein Stück Weg mit mir gegangen seid!“<br />

Mit diesen Worten und dem Bild einer<br />

warm leuchtenden Kerze hat Hildegard<br />

Pernter Kostner aus Truden in ihren letzten<br />

Lebenstagen einen Abschiedsgruß<br />

gestaltet.<br />

Auch viele Volksmusikfreunde aus Südtirol<br />

dürfen sich von diesem Gruß angesprochen<br />

fühlen! Hat Hildegard doch im<br />

Laufe der letzten Jahrzehnte immer wieder<br />

Freude und Dankbarkeit darüber geäußert,<br />

dass durch die Teilnahme an der<br />

Sing- und Musizierwoche in Burgeis im<br />

Jahre 1984 für sie eine neue Welt aufgegangen<br />

sei. Im großen Kreis der Volksmusikantenfamilie<br />

hat sie „Heimat“ gefunden,<br />

viele Erlebnisse mit sing- und<br />

musizierfreudigen Menschen haben ihr<br />

Leben bereichert. Über Jahre war sie bei<br />

den Südtiroler Singtagen und der Singund<br />

Wanderwoche dabei, einige Male<br />

auch beim Seminar für kleine Singgruppen<br />

in Mellaun; mit ihrem herzlichen und<br />

geselligen Wesen war sie bei Veranstaltern<br />

und Teilnehmern sehr beliebt.<br />

Als Altsängerin und Gitarristin hat sie mit<br />

Einsatzbereitschaft und Ausdauer bei<br />

verschiedenen Sing- und Musiziergruppen<br />

mitgewirkt: Schrofener Soatnmusig,<br />

Unterlandler Hausmusik, Chor der Grieser<br />

Bäuerinnen, Grieser Frauenxång,<br />

Pfarrchor Gries . . ., in Truden hat sie<br />

die Frauen- und Kindersinggruppe<br />

unterstützt, wenn sie darum gebeten<br />

wurde. Hildegard gehörte auch zu den<br />

treuesten Hörerinnen der Volksmusiksendungen<br />

der Rai Südtirol.<br />

Ich selbst habe Hildegard vor über 30<br />

Jahren bei den theologischen Kursen<br />

in Brixen kennengelernt, und diese<br />

Freundschaft hat zur Gründung des<br />

Viergesanges „Unterwegs“ geführt.<br />

Gemeinsam mit Walter Weissteiner<br />

aus Weitental und Paul Silbernagl aus<br />

Bozen waren wir von 1989 bis 1996<br />

schon allein zum Proben viel „unterwegs“,<br />

und Auftritte haben uns sogar<br />

bis nach Karlsruhe und nach Oberösterreich<br />

geführt. Hildegard hat nicht<br />

nur einmal lachend gemeint: „I bin<br />

ållm af der Schellrodl.“<br />

Anfang April <strong>2020</strong> ist Hildegards „Unterwegssein“<br />

auf dieser Erde leider zu<br />

Ende gegangen. Nach einem Jahr des<br />

Hoffens und Bangens ist sie infolge einer<br />

Krankheit in Frieden und Stille zu<br />

Gott heimgekehrt.<br />

Liebe Hildegard, mögest du nun in der<br />

Gemeinschaft der himmlischen Chöre<br />

aufgenommen sein und ewige Freude<br />

genießen dürfen!<br />

KulturFenster<br />

Redaktion KulturFenster<br />

Ihre Beiträge für das Chorwesen senden Sie bitte an: info@scv.bz.it (Südtiroler Chorverband)<br />

Redaktionsschluss für die nächste Ausgabe des KulturFensters ist Freitag 17. Juli <strong>2020</strong>.<br />

28<br />

KulturFenster


Stimmgabel<br />

Chorwesen<br />

Eine große Bereicherung für Brummnet<br />

Konzertreise des bekannten Männerchors nach Südafrika<br />

Brummnet, der Männerchor, ist eines der<br />

Aushängeschilder der Südtiroler Chorwelt.<br />

Der Männerchor aus dem Pustertal durfte zu<br />

seinem 15­jährigen Jubiläum Ende Februar<br />

ein weiteres Highlight seiner Tätigkeit erleben:<br />

der Chor brach am 21. Februar zu einer<br />

achttägigen Konzertreise nach Südafrika auf.<br />

Die Wahl auf Südafrika war naheliegend,<br />

da einer der beiden Chorleiter (Johann van<br />

der Sandt) ein gebürtiger Südafrikaner ist und<br />

natürlich noch immer ausgezeichnete Kontakte<br />

zur dortigen Chorwelt hat. Von München<br />

startete das Ensemble mit fünfzehn<br />

Sängern und den beiden Chorleitern, Clara<br />

Sattler und Johann van der Sandt, über Dubai<br />

zum ersten Ziel der Reise nach Pretoria.<br />

Dort angekommen wurden die Sänger<br />

bei Gastfamilien untergebracht und durften<br />

so im persönlichen Kontakt die Kultur und<br />

Lebensart des Landes hautnah miterleben.<br />

Bei einem typischem „Braai“, einer südafrikanischen<br />

Grillfeier, wurden die Südtiroler<br />

Sänger von den Gastfamilien willkommen<br />

geheißen und durften sich von der Reise<br />

erholen. Am zweiten Tag der Reise standen<br />

dann schon die ersten Konzerte auf dem Programm.<br />

Das erste war die Mitgestaltung eines<br />

Gottesdienstes in der evangelischen Kirche<br />

„Stella Street“ im Stadtteil Brooklyn in Pretoria.<br />

Trotz der frühen Stunde und Restmüdigkeit<br />

war es für alle ein wunderbares Erlebnis<br />

und Brummnet kam so gut an, dass<br />

ein spontaner Auftritt beim zweiten Gottesdienst<br />

organisiert wurde. Am Nachmittag<br />

schließlich stand das nächste Konzert in der<br />

Kirche der deutschen Johannes-Gemeinde<br />

von Pretoria auf dem Programm. Das Konzert<br />

wurde zusammen mit dem „Resonanz<br />

Vocal Ensemble“ gestaltet. Das Ensemble ist<br />

eines von denjenigen, welches von brummnet-Chorleiter<br />

Johann van der Sandt während<br />

seines Schaffens in Südafrika geleitet<br />

wurde. Spätestens nach diesem Konzert war<br />

Brummnet in Südafrika angekommen und<br />

erfreute sich an der Herzlichkeit und Begeisterungsfähigkeit<br />

der Südafrikaner. Nach<br />

dem Konzert wurde mit den Mitgliedern der<br />

deutschen Gemeinde und den Sängern von<br />

Resonanz gefeiert und gesungen. Vor allem<br />

die Jodel-Künste von Clara Sattler werden<br />

wohl so einigen Südafrikanern lebenslang<br />

im Gedächtnis bleiben.<br />

Am nächsten Tag der Tour ging es für<br />

Brummnet zuerst in eine Schule in Pretoria,<br />

wo bei der wöchentlichen Schulversammlung<br />

ein Auftritt von brummnet eingeplant war.<br />

Vor einigen hundert Schülern begeisterte der<br />

Chor in gewohnter Manier mit musikalischer<br />

Perfektion. Nach dem letzten Stück, einem<br />

südafrikanischen Volkslied,<br />

gab es für die Schülerinnen<br />

und Schüler kein<br />

Halten mehr: erst nach langen<br />

Standing-Ovations und<br />

dem Einschreiten der Professoren<br />

war wieder an ein<br />

Fortführen des Schulalltages<br />

zu denken. Brummnet<br />

wurde danach noch<br />

eine Schulführung angeboten,<br />

bei der eine Klasse<br />

mit einem Exklusiv-Konzert beglückt wurde.<br />

Nach diesem wunderbaren Erlebnis fuhren<br />

die Männer ins „Lesedi-Kulturdorf“, wo sie<br />

die verschiedenen Stämme der Ureinwohner<br />

Südafrikas mit ihren verschiedenen Traditionen,<br />

Gesängen und Tänzen kennenlernen<br />

durften. Am Abend war es dann Zeit für<br />

den nächsten Höhepunkt. Brummnet traf auf<br />

den südafrikanischen "Vox Chamber Choir",<br />

(Beistrich!!) der von Franco Prinsloo geleitet<br />

wird. Herr Prinsloo ist ein junger südafrikanischer<br />

Komponist und Chorleiter, welcher<br />

auch für Brummnet ein Werk geschrieben<br />

hat. In der wunderbaren Atmosphäre der Kirche<br />

im Haus Nazareth wurde dem ausverkauften<br />

Haus feinste Chormusik präsentiert.<br />

Am Dienstag war es Zeit von den Gastfamilien<br />

Abschied zu nehmen. In den wenigen<br />

Tagen entstanden einige Freundschaften<br />

und der Abschied fi el alles andere als<br />

leicht. Für Brummnet ging es weiter zur Safari<br />

nach Dinokeng. Die unglaubliche Pflanzen-<br />

und Tierwelt des afrikanischen Kontinents<br />

konnte bestaunt und aufgesogen<br />

werden und hat bei den Sängern bleibende<br />

Eindrücke hinterlassen.<br />

Der Mittwoch stand im Zeichen der Weiterreise<br />

nach Kapstadt. Nach der Ankunft<br />

am Flughafen ging es direkt weiter zum Kap<br />

der guten Hoffnung. Natürlich wurde auch<br />

dort im besten „Brummnet-Style“ südtiroler<br />

und südafrikanisches Liedgut verbunden.<br />

Der Donnerstag sollte eigentlich auf dem<br />

berühmten Tafelberg beginnen. Doch aufgrund<br />

von Wolken und des starken Windes<br />

wurde stattdessen eine Rundfahrt durch<br />

Kapstadt organisiert. Am Abend gab es dann<br />

das letzte Konzert der Reise in der „Western<br />

Eine interessante Chorreise erlebten<br />

die Sänger vom Chor Brummnet.<br />

Preparatory School“ im Stadtteil Claremont.<br />

Was bei der Reise für die Südtiroler Männer<br />

natürlich nicht fehlen durfte, war der<br />

Vergleich der südafrikanischen Weine mit<br />

den Unsrigen. Hierzu wurden am letzten<br />

Tag der Reise zwei Weingüter besucht, bei<br />

denen die Verkostung der besten südafrikanischen<br />

Weine und zudem die Gemeinschaft<br />

im Vordergrund standen.<br />

Brummnet ist es bei dieser Reise nicht<br />

nur gelungen, feinste Südtiroler Chormusik<br />

zu präsentieren. Die Chormitglieder durften<br />

ein extrem musikbegeistertes Volk kennenlernen,<br />

das zudem sehr gastfreundlich ist.<br />

Die Eindrücke von Menschen und Kultur,<br />

aber auch der Gemeinschaft im Chor und<br />

die Schönheit des Chorsingens hinterließen<br />

bleibende Eindrücke, von denen die Mitglieder<br />

noch lange zehren können.<br />

Ein großer Dank geht an dieser Stelle an<br />

den Ausschuss von Brummnet unter der<br />

Obhut von Sieghard Amhof und den beiden<br />

Chorleitern Clara Sattler und natürlich Johann<br />

van der Sandt. Johann van der Sandt und<br />

Sieghard Amhof sind es gewesen, die den<br />

größten Teil der Reise perfekt organisiert haben.<br />

Diese Reise war ein richtiges "moerse"<br />

(afrikanisch) Abenteuer und eine wunderbare<br />

Bereicherung für den Chor.<br />

<strong>Nr</strong>. 02 | <strong>Juni</strong> <strong>2020</strong> 29


Stimmgabel<br />

Fahnenweihe in Martell<br />

Für den Chor „Schianbliamltol“<br />

Anlässlich des Patroziniums der hl. Walburga<br />

wurde am Sonntag, 1.März <strong>2020</strong> in<br />

Martell die neue Fahne des gemischten<br />

Chores „Schianbliamltol“ gesegnet und<br />

ihrer Bestimmung übergeben.<br />

Auf Anregung einiger Chormitglieder<br />

hin hat der Ausschuss vor einiger Zeit<br />

beschlossen, für besondere Feierlichkeiten<br />

eine Vereinsfahne für die Chorgemeinschaft<br />

anzuschaffen. Der Marteller<br />

Künstler Walter Kuenz wurde mit der<br />

Gestaltung der Fahne beauftragt. In seinen<br />

Vorschlägen und in der Ausführung<br />

hat er die sakrale (religiöse) und profane<br />

(weltliche) Ausrichtung des Chores aufgegriffen.<br />

Die Farben in der Fahne haben seinen<br />

Aussagen zufolge eine bestimmte Symbolik:<br />

Das Blau steht für Wasser, das Goldgelb<br />

für Feuer und den Sonnenaufgang<br />

und das Grau für Alter und Weisheit. Zentrales<br />

Motiv ist ein singender Engel mit<br />

Buch. Angefertigt wurde die Fahne vom<br />

Unternehmen IDEA in Naturns. Beim feierlichen<br />

Gottesdienst, der vom Chor mit<br />

der Gounod - Messe umrahmt wurde,<br />

segnete Hochwürden Josef Stricker die<br />

neue Fahne. Als Fahnenpatin konnte Gerlinde<br />

Fleischmann und als Fähnrich Armin<br />

Oberhofer gewonnen werden.<br />

Neben mehreren Ehrengästen konnte<br />

Obmann Stefan Kobald auch die Gemeindeverwaltung<br />

und den Verbandsobmann<br />

Hochwürden Josef Stricker segnete die Fahne.<br />

der Südtiroler Chöre, Herrn Erich Deltedesco,<br />

begrüßen. In seiner Ansprache<br />

ging Stefan Kobald auf die besondere<br />

Bedeutung einer Fahne ein: Sie ist ein<br />

Symbol, welches vereint, einer Gemeinschaft<br />

Wurzeln gibt und nicht zuletzt als<br />

Zeichen für innere Werte steht. Als Wahrzeichen<br />

des Chores soll sie bei freudigen,<br />

aber auch bei traurigen Ereignissen mitgetragen<br />

werden.<br />

Nach dem Festgottesdienst wurden<br />

die Chormitglieder von der Musikkapelle<br />

ins Bürgerhaus begleitet, wo sie<br />

sich im Rahmen der Kirchtagsfeier auch<br />

zum jährlichen Vereinsessen trafen. Für<br />

25 Jahre Chorsingen wurde Waltraud<br />

Spechtenhauser geehrt.Die Bäuerinnen<br />

verwöhnten alle mit schmackhaften Gerichten<br />

und köstlichen Kirchtagskrapfen.<br />

Der Obmann betont: „Ihnen und<br />

allen Sponsoren und Gönnern des Vereins<br />

sei an dieser Stelle nochmals herzlich<br />

gedankt! Wir Sängerinnen und Sänger<br />

hoffen und wünschen, dass unsere<br />

Fahne den Schianbliamltol - Chor viele<br />

Jahre begleitet und vorangetragen wird!“<br />

Hermann Schölzhorn wurde 70<br />

Kirchenchor Ridnaun<br />

Am 4. April feierte der allseits geschätzte<br />

Obmann des Kirchenchors Ridnaun Hermann<br />

Schölzhorn seinen 70. Geburtstag.<br />

Der Kirchenchor Ridnaun wünscht mit<br />

diesen Worten dem Obmann alles Gute:<br />

„Für das neue Lebensjahr wünschen wir<br />

dir gutes Gelingen in allen Dingen, viel<br />

Freude und das alles natürlich bei bester<br />

Gesundheit. Außerdem möchten wir diese<br />

besondere Gelegenheit nutzen, um dir im<br />

Namen aller Sängerinnen und Sänger ein<br />

großes Dankeschön zu sagen, für deinen<br />

unermüdlichen Einsatz für unseren Chor.<br />

Mögest du uns noch lange als begeisterter<br />

Sänger und als Obmann erhalten<br />

bleiben!“<br />

30<br />

KulturFenster


Das Thema<br />

Heimatpflege<br />

Corona – und was kommt danach?<br />

Die Krise als Chance für Maßnahmen zum Schutz unserer Heimat und Umwelt<br />

Eine Frage treibt uns alle auch nach der<br />

Aufhebung einiger Einschränkungen um:<br />

Wird es jemals wieder eine Art von „Normalität“<br />

geben, wie sie vor dem Ausbruch<br />

der Pandemie geherrscht hat? Und war<br />

das wirklich „normal“, was da letzthin so<br />

alles abgelaufen ist? Viele Wissenschaftler,<br />

Zukunftsforscher, Philosophen geben Antworten.<br />

Sie erklären Entwicklungen, geben<br />

mehr oder weniger hoffnungsfrohe Aussichten<br />

oder führen uns zu Überlegungen,<br />

die wir „früher“, in der Hektik unserer Tage,<br />

zumeist beiseite geschoben haben. Precht<br />

stellte diesbezüglich auch die Überlegung<br />

an, ob denn das, was wir gerade erleben,<br />

das große Erwachen aus unserem imaginären<br />

Lebensfilm sei und ob unsere nicht<br />

hinterfragten Alltagsroutinen, unsere übertriebenen<br />

Sorgen und überzogenen Wünsche<br />

jetzt sichtbar würden.<br />

Falsche Hoffnungen<br />

Sellajoch während der Mittwochssperre: Die Verkehrsreduzierung auf den Pässen ist<br />

nur eine Maßnahme, die die Politik jetzt setzen sollte.<br />

Das Coronavirus hat das Leben der Menschen<br />

so radikal verändert, wie es seit dem Zweiten<br />

Weltkrieg nicht mehr passiert war. Neben<br />

Ängsten und Sorgen ebnen sich aber auch<br />

kleine Freuden und Hoffnungen den Weg in<br />

unser Bewusstsein. Wir Heimatpfleger haben<br />

die Hoffnung und den Wunsch, dass nicht nur<br />

die einfachen Bürger, sondern auch die Entscheidungsträger<br />

aus der Krise lernen und<br />

den Mut aufbringen, strenge Maßnahmen für<br />

eine bessere Welt zu ergreifen.<br />

Die Coronazeit war und ist für viele immer<br />

noch eine physische und emotionale<br />

Belastung, in der sie sich um ihr eigenes<br />

Wohl und jenes ihrer Familienangehörigen<br />

sorgen. Wir wissen nun alle, was es heißt,<br />

für eine geraume Zeit in der Bewegungsfreiheit<br />

und in den sozialen Kontakten eingeschränkt<br />

zu sein, gemeinsame kirchliche<br />

und andere Feste nicht feiern oder persönlich<br />

von Sterbenden Abschied nehmen zu<br />

können. Wer letzthin viel Zeit in den eigenen<br />

vier Wänden verbracht hat, musste<br />

zudem oft erst lernen, damit umzugehen.<br />

Manchen gab diese Zeit auch die Möglichkeit,<br />

ihren Blick weg vom Äußeren hin<br />

zum Inneren zu richten, sich neu kennenzulernen<br />

– ganz nach dem Motto des Philosophen<br />

Richard David Precht: „Wer bin<br />

ich, und wenn ja, wie viele?“<br />

Es geht auch um die wirtschaftliche, kulturelle<br />

und soziale Entwicklung unserer Gesellschaft.<br />

Wir haben die rigiden Maßnahmen,<br />

die die Politik nach Ausbruch der Pandemie<br />

getroffen hat, in der Regel anstandslos<br />

akzeptiert, weil unsere Tiefenangst uns<br />

um die eigene Gesundheit bangen ließ. Zu<br />

spüren war aber auch eine verstärkte Solidarität<br />

gegenüber Schwächeren und Alten<br />

in der Gesellschaft, was ein wertvolles Zeichen<br />

von Verantwortung darstellt.<br />

Was ist normal?<br />

Dass Corona uns unmittelbar bedroht, wissen<br />

wir erst seit Kurzem. Wir wissen aber<br />

schon seit Langem, dass, wenn wir so weiterleben<br />

und wirtschaften wie bisher, wenn<br />

wir mit den natürlichen Ressourcen unserer<br />

Erde weiterhin so leichtfertig umgehen,<br />

wenn wir unser Umweltverhalten nicht<br />

massiv verändern, auf eine Klimakatastrophe<br />

hinsteuern, die ein Stück weit gravierendere<br />

Auswirkungen haben wird, als die<br />

derzeitige Pandemie (siehe Interview mit<br />

Georg Kaser). Warum nimmt man die Warnungen<br />

der Wissenschaftler in dieser Materie<br />

nicht so ernst wie jetzt die der Virologen<br />

zu Corona?<br />

Winfrid Herbst, Vorsitzender des Naturschutzbundes<br />

Salzburg, hat das in seinem<br />

Artikel „Alte Wege endlich verlassen“ („Salzburger<br />

Nachrichten“, 6. April <strong>2020</strong>) damit<br />

erklärt, dass die Angst vor Pandemien im<br />

kollektiven Gedächtnis verankert sind, dass<br />

aber unser kollektiver Erfahrungsschatz im<br />

Umgang mit den Umweltgütern bei aller<br />

erkennbaren Bedrohung immer noch auf<br />

Hoffnung eingestellt ist. Aber genau das ist<br />

der Trugschluss, denn die Umweltproblematik<br />

ist wissenschaftlich vielfach bewiesen,<br />

real und in vielen Anzeichen – auch<br />

in unserer Gegend – schon spürbar. Allein<br />

die Tatsache, dass die Weltbevölkerung rasant<br />

wächst, bedeutet, dass der Druck auf<br />

die Ressourcen dieses Planeten immer stärker<br />

wird. Das Verhältnis zwischen dem ungehemmten<br />

Anspruch des Menschen auf<br />

der einen Seite und den natürlichen Mög-<br />

<strong>Nr</strong>. 02 | <strong>Juni</strong> <strong>2020</strong> 31


Das Thema<br />

Die positive Seite der Coronamaßnahmen: In vielen Gebieten Europas ist die Luftverschmutzung zurückgegangen, hier sichtbar an<br />

der verminderten Stickstoffdioxid-Konzentration über Italien. Quelle: ESA<br />

lichkeiten auf der anderen droht zu kippen<br />

– mit all den daraus folgenden apokalyptischen<br />

Folgen für Mensch und Natur: Es<br />

wird eng – im wörtlichen und übertragenen<br />

Sinn des Wortes.<br />

Jetzt handeln<br />

Man hat in der Coronakrise gesehen, dass<br />

sich Menschen ändern können, wenn sie<br />

es müssen bzw. wenn sie sich unmittelbar<br />

in Gefahr sehen. Und vor allem schaffen es<br />

Politiker, bis dato unvorstellbare, weil unpopuläre<br />

Maßnahmen zu ergreifen, wenn es<br />

die Notsituation erfordert. Es ist also jetzt<br />

ein sehr günstiger Augenblick für alle Entscheidungsträger,<br />

die Welt nach Corona zu<br />

denken: Wie es von einem Tag auf den anderen<br />

einschneidende Maßnahmen zum<br />

Personen- und Warenverkehr, zur Arbeit,<br />

zur Freizeit, zur medizinischen Versorgung<br />

usw. gegeben hat, so müsste es ab jetzt möglich<br />

sein, einschneidende und unpopuläre<br />

Maßnahmen zu ergreifen, wenn es um den<br />

Schutz der Natur und unserer Gesundheit<br />

vor Umweltbelastungen geht. Denn ein geschwächter<br />

Mensch ist anfälliger – auch für<br />

die nächste Krise. Jetzt müssen die Politiker<br />

den Mut aufbringen und überall dort, wo<br />

man schon seit Jahren weiß, dass das vernünftige<br />

Maß längst überschritten wurde,<br />

einen Stopp erlassen! Ausbaustopp in Skigebieten,<br />

Schließung der Pässe für den<br />

Individualverkehr, Einführung einer Obergrenze<br />

für den Tourismus, Kostenwahrheit<br />

im Warentransport, Bemautung der Transitrouten,<br />

Einhaltung der Schutzregeln in<br />

"Die reinste Form des<br />

Wahnsinns ist es, alles<br />

beim Alten zu belassen<br />

und gleichzeitig zu hoffen,<br />

dass sich etwas ändert."<br />

Albert Einstein<br />

den Bereichen Natur- und Umwelt – dies<br />

und vieles mehr fordern wir Heimatpfl eger<br />

bereits seit vielen Jahren.<br />

Vielleicht haben die Politiker jetzt erkannt,<br />

dass vergängliche Dinge wie Macht,<br />

Ruhm und Besitz kein Garant für das Glück<br />

sind, dass sich Stärke und Wohlstand nicht<br />

allein durch die Summe der äußeren Güter<br />

manifestiert, sondern dass es auf weitaus<br />

wichtigere Dinge im Leben eines jeden ankommt.<br />

Zu hoffen ist auch, dass die Menschen<br />

aufwachen und im täglichen Bemühen<br />

um eine gesunde Mitwelt mehr Mut<br />

an den Tag legen.<br />

Die Frage, ob es jemals wieder eine Art<br />

von Normalität geben wird, wie sie vor dem<br />

Ausbruch der Coronapandemie geherrscht<br />

hat, ist wohl zu verneinen. Wir werden alle<br />

mit mehr Vorsicht und mit mehr Augenmaß,<br />

vor allem aber mit mehr Respekt<br />

vor unserer Natur und unserem Mitmenschen<br />

handeln müssen, damit wir nicht<br />

bald wieder in die nächste schwere Wirtschafts-,<br />

Gesundheits- und Gesellschaftskrise<br />

stürzen.<br />

Dr. Claudia Plaikner,<br />

Landesobfrau des<br />

Heimatpfl egeverbandes<br />

KulturFenster<br />

Redaktion KulturFenster<br />

Ihre Beiträge für die Heimatpflege im KulturFenster senden Sie bitte an: fl orian@hpv.bz.it<br />

Für etwaige Vorschläge und Fragen erreichen Sie uns unter folgender Nummer: +39 0471 973 693 (Heimatpfl egeverband)<br />

32<br />

KulturFenster


Heimatpflege<br />

„Gegen den Klimawandel gibt<br />

es keinen Impfstoff“<br />

Südtiroler Klimaforscher Georg Kaser wirbt für ein Nachdenken vor dem Neuanfang<br />

Der „Lockdown“ im Zuge der Coronakrise<br />

hat die Wirtschaft zum Erliegen gebracht.<br />

Doch auch die Phase des Wiederaufbaues<br />

gestaltet sich schwierig. Vor allem der Tourismus<br />

wird noch lange an den Folgen der<br />

Pandemie leiden. Genau das wäre jetzt die<br />

Gelegenheit über Veränderungen nachzudenken,<br />

sagt der aus Meran gebürtige Klimaforscher<br />

Georg Kaser.<br />

<strong>Kulturfenster</strong>:Sie haben während der akuten<br />

Phase der Coronapandemie den Klimawandel<br />

als noch viel größere Herausforderung<br />

bezeichnet als die aktuelle Gesundheitskrise.<br />

Wie ist das zu verstehen?<br />

Georg Kaser: Die Coronapandemie ist<br />

schlimm und hat viele Opfer gefordert.<br />

Aber wir haben die Hoffnung, dass irgendwann<br />

ein Impfstoff oder ein Medikament<br />

gefunden wird, mit dem wir die Krankheit<br />

endgültig stoppen können. Beim Klimawandel<br />

ist das anders. Er wird, sofern wir nicht<br />

umgehend etwas dagegen unternehmen, in<br />

den nächsten Jahrzehnten Millionen Menschen<br />

die Lebensgrundlage entziehen. Die<br />

Opferzahl wird um ein Vielfaches höher liegen<br />

als wir sie jetzt bei Covid-19 beklagen.<br />

Die einen werden sterben, die anderen<br />

flüchten. Auch wir in den Industrieländern<br />

werden die Veränderungen stark spüren.<br />

Wir sollten uns deshalb bewusst sein: Gegen<br />

den Klimawandel gibt es weder einen<br />

Impfstoff noch ein Medikament.<br />

KF: Was kommt da auf uns zu?<br />

G. Kaser: Vom Anstieg des Meeresspiegels<br />

über Niederschlagsextreme und Trockenperioden<br />

bis zum Auftauen des Permafrostes<br />

gibt es zahlreiche Phänomene, die<br />

die Welt verändern werden. Wird die globale<br />

Erwärmung nicht bald schon stark eingedämmt,<br />

steht Teilen der Antarktis und der<br />

tropischen Regenwälder ein Kollaps bevor.<br />

Weil es in den Meeren sogenannte ozeanische<br />

Hitzewellen weiter zunehmen werden,<br />

kann kaum noch Sauerstoff in die tiefere<br />

Meeresschichten gelangen. Wenn aber<br />

im Meer Lebensräume zerstört werden, wirkt<br />

sich das massiv auf die Nahrungskette und<br />

auf das gesamte Ökosystem aus. Was das<br />

Auftauen des Permafrostes betrifft, beeinflusst<br />

das die Festigkeit des Gesteins, zudem<br />

entsteht beim Auftauen Methan. Das<br />

treibt die Treibhausgasmenge in die Höhe.<br />

Insgesamt gesehen, wird es immer weniger<br />

Plätze auf der Erde geben, wo Menschen<br />

überleben können …<br />

KF: Ein düsteres Bild. Sind Sie Optimist<br />

oder Pessimist?<br />

G. Kaser: Ich bin in erster Linie Wissenschaftler<br />

und sehe meine Verantwortung<br />

darin, auf die drohende Entwicklung aufmerksam<br />

zu machen. Tatsache ist, dass<br />

wir es schaffen müssten, die weitere globale<br />

Erwärmung unter 1,5 Grad Celsius<br />

zu halten. Nur dadurch könnten wir die<br />

Erde vor noch katastrophaleren Klimaveränderungen<br />

schützen als sie ohnehin anstehen.<br />

Im Moment steuern wir aber auf 3<br />

bis 4 Grad alleine bis 2100 zu. Nur wenn<br />

wir in den nächsten sechs bis acht Jahren<br />

den CO 2<br />

-Ausstoß in Relation zu 2010 um<br />

45 Prozent senken, hätten wir eine Chance,<br />

diese Kurve zu kriegen.<br />

Die Gletscher schmelzen – unaufhaltsam. Hier der Blick auf den Steinschlagferner im Schnalstal. Foto: Daniela Brugger<br />

<strong>Nr</strong>. 02 | <strong>Juni</strong> <strong>2020</strong> 33


Das Thema<br />

KF: Welches Szenario zeichnen Sie in den<br />

nächsten Jahrzehnten für Südtirol – Stichwort<br />

Gletscherschmelze?<br />

G. Kaser: Das völlige Abschmelzen der<br />

Gletscher ist jetzt schon nicht mehr aufzuhalten.<br />

Vermutlich wird es in 30 Jahren<br />

in Südtirol keinen Gletscher mehr geben.<br />

Aber dieses Phänomen wird sich weit<br />

weniger auswirken als etwa die Wetterextreme<br />

oder die Schwankungen bzw. Verschiebungen<br />

der Winterniederschläge. Es<br />

wird wärmere und trockenere Winter geben.<br />

Und wenn die Niederschläge wirklich<br />

fallen, dann in immer höheren Lagen<br />

vermehrt in Form von Regen statt Schnee.<br />

Das Wasser wird also schneller abfl ießen,<br />

es wird weniger saisonale Wasserspeicherung<br />

geben. Auch werden Regen im Winter<br />

und weiteres Auftauen von Permafrost<br />

zu vermehrten Bergstürzen und Vermurungen<br />

führen. Insgesamt müssen wir auf der<br />

Alpensüdseite mit mehr Trockenheit und,<br />

wie gesagt, mit Wetterextremen rechnen,<br />

deren Auswirkungen nur begrenzt kontrollierbar<br />

sind.<br />

KF: Warum haben Sie sich gerade jetzt öffentlich<br />

zum Klimawandel geäußert, da die<br />

Welt doch auf den ersten Blick ganz andere<br />

Probleme hat?<br />

G. Kaser: Ich finde, es war der richtige<br />

Zeitpunkt. Wir erleben im Moment, welche<br />

Folgen eine Globalisierung hat, die<br />

die Kontrolle den Märkten statt den Menschen<br />

überlässt, die eine gefährliche Abhängigkeit<br />

schafft, die unsere Wirtschaft<br />

und unsere Umwelt extrem fragil macht.<br />

Wir haben es bei der Schutzausrüstung<br />

gesehen, die von China importiert werden<br />

muss; wir sehen es seit Jahrzehnten bei<br />

den fossilen Brennstoffen. Jetzt hätten wir<br />

noch eine kleine Chance, etwas zu verändern.<br />

Man ist nach der akuten Phase der<br />

Pandemie an einem Punkt, an dem die<br />

Wirtschaft wieder hochgefahren wird. Das<br />

muss und wird notgedrungen langsam geschehen.<br />

Es wäre also genug Zeit, um Konzepte<br />

für eine neu orientierte, stabilere und<br />

sozial gerechtere Wirtschaft zu schaffen.<br />

KF: Wie konkret kann das passieren?<br />

G. Kaser: Da gibt es viele Möglichkeiten,<br />

auch für die Europäische Union, die Spielraum<br />

genug hat, um die Wirtschaft umzulenken.<br />

Man kann zum Beispiel Steuern<br />

auf fossile Brennstoffe erheben, man<br />

kann die Subventionen neu gestalten. Es<br />

gilt, jene Unternehmen zu fördern, die auf<br />

„Wir erleben im Moment, welche Folgen eine Globalisierung hat, die<br />

die Kontrolle den Märkten statt den Menschen überlässt,<br />

die eine gefährliche Abhängigkeit schafft, die unsere Wirtschaft und<br />

unsere Umwelt extrem fragil macht.“<br />

Nachhaltigkeit, Umwelt und soziale Gerechtigkeit<br />

setzen, die das Gemeinwohl in den<br />

Mittelpunkt stellen. Solche Unternehmen<br />

gibt es in größerer Zahl als man oft meint.<br />

KF: Brechen wir das Thema auf die aktuelle<br />

Situation in Südtirol herunter. Was könnte<br />

die Politik, was könnten die Unternehmen<br />

aus der Pandemie lernen?<br />

G. Kaser: Die Krise hat den Tourismus ganz<br />

besonders getroffen, und auch wenn die<br />

Betriebe zum Teil wieder geöffnet sind,<br />

wird das große Geschäft heuer ausbleiben.<br />

Dieses Jahr sollte man nutzen, um<br />

zu überlegen, welches „Produkt Südtirol“<br />

man den Besuchern künftig bieten möchte<br />

– und entsprechende Konzepte erstellen.<br />

Vielleicht sollte ein Südtirolurlaub echte<br />

Erholung sein und nicht Wochenendkonsum<br />

mit massiven Verkehrsbelastungen<br />

und riesigem CO 2<br />

-Fußabdruck. Da spielt<br />

auch die Kulturlandschaft eine große Rolle.<br />

Was machen wir damit? Können wir sie authentisch<br />

und nachhaltig erhalten und da-<br />

Zur Person<br />

Georg Kaser, 1953 in Meran geboren,<br />

zählt zu den einfl ussreichsten<br />

Klimaforschern weltweit. Sein Forschungsschwerpunkt<br />

galt immer<br />

schon den Gletschern.<br />

Zwar ist Kaser seit zwei Jahren in<br />

Rente, doch forscht er weiter und<br />

ist nach wie vor als Professor und<br />

als Dekan der Fakultät für Geo- und<br />

Atmosphärenwissenschaften an der<br />

Universität von Innsbruck tätig.<br />

Er erachtet den Klimawandel als<br />

noch weit größere Herausforderung<br />

als die Coronapandemie. Mit seiner<br />

Frau lebt Kaser in Karthaus.<br />

mit eine stabile Basis auch für die Tourismuswirtschaft<br />

bieten?<br />

KF: Ja, was machen wir mit der Kulturlandschaft?<br />

G. Kaser: Hier kommt die Landwirtschaft ins<br />

Spiel. Die Bauern werden ja oft als Landschaftspfl<br />

eger bezeichnet. Dabei könnten<br />

sie doch viel mehr als bisher zur regionalen<br />

Versorgung mit Lebensmitteln beibragen.<br />

Alles spricht jetzt wieder vom hohen Wert<br />

der kleineren Wirtschaftskreisläufe, der regionalen<br />

Versorgung. Dann wäre doch jetzt<br />

die Gelegenheit, die Unterstützungsmaßnahmen<br />

für die Landwirtschaft zu überdenken<br />

und wieder das zu fördern, was<br />

die ursprüngliche Aufgabe der Landwirtschaft<br />

war. Sonst verkommen die Holzhütten<br />

auf den Almen wirklich zur Dekoration.<br />

Interview: Edith Runer<br />

34<br />

KulturFenster


Heimatpflege<br />

Offen, kritisch und aktiv –<br />

auch nach Corona<br />

Ein Beitrag von Vorstandsmitglied Dr. Josef Vieider<br />

In folgendem Beitrag wirft Vorstandsmitglied<br />

Josef Vieider einen kritischen Blick auf so<br />

manche Leitsprüche und Schlagwörter, die<br />

im Zuge der Coronapandemie eine besondere<br />

Bedeutung bekommen – und andere,<br />

die an Bedeutung verlieren.<br />

Vielleicht ist sie nicht allen aufgefallen,<br />

die kleine Veränderung am Logo des<br />

Heimatpfl egeverbandes Südtirol: In den<br />

Balken des stilisierten HV prangen seit<br />

fast zwei Jahren die drei Worte „offen,<br />

kritisch, aktiv“, und die Jutetaschen, erhältlich<br />

im Verbandsbüro, tragen die Aufschrift<br />

„Für Kultur, Landschaft, Mitwelt“.<br />

Je drei kurze Schlagworte verdeutlichen<br />

die Arbeitsweise und<br />

das Einsatzgebiet unseres<br />

Verbandes – ein<br />

Teilergebnis der Klausurtagung<br />

von 2017.<br />

Wie eine uns allen<br />

aufgezwungene Klausur<br />

erscheint die über<br />

die Welt hereingebrochene<br />

Coronapandemie<br />

mit dem „Lockdown“ der letzten Wochen.<br />

Plötzlich hatten die meisten Leute<br />

Zeit zum Nachdenken, Nachlesen, zum<br />

Überlegen, was im Leben wichtig ist. Plötzlich<br />

standen die bedrohte Gesundheit, die<br />

sozialen Kontakte, die fehlende Kultur im<br />

Vordergrund. Plötzlich hieß die oberste<br />

Devise, gepredigt von Politikern und Virologen:<br />

„Aufeinander Rücksicht nehmen“.<br />

Welch ein Widerspruch zum bisher herrschenden<br />

Glaubenssatz der Wirtschafts-<br />

„Mit der noch gefährlicheren<br />

Krise im Rücken, der drohenden<br />

Klimakatastrophe, kann es ein<br />

„Weiter so“ nicht mehr geben.“<br />

weisen, der da lautet: „Konsumieren, wachsen<br />

und verdrängen“.<br />

Mit Corona ist unser bisheriges Wirtschaften<br />

plötzlich in die Sinnkrise geraten.<br />

Es geht die berechtigte Angst um, dass es<br />

nie wieder so sein wird wie vorher. „Schneller,<br />

höher, weiter“ gilt nicht mehr. Nach<br />

Corona wird es zwar ein nachholendes<br />

Konsumieren geben, aber unser globales<br />

Wirtschaftssystem hat den Höhepunkt des<br />

Wachstums wohl überschritten. Denn mit<br />

der noch gefährlicheren Krise im Rücken,<br />

der drohenden Klimakatastrophe, kann es<br />

ein „Weiter so“ nicht mehr geben. Entweder<br />

wir kommen mit einem niedrigeren Niveau<br />

von Wachstum und Konsum zurecht,<br />

oder es muss ein neues Wirtschaftssystem<br />

gefunden werden.<br />

Auch unsere Heimat, die wir lieben dürfen<br />

und kennen sollten, wird sich diesen<br />

globalen Veränderungen nicht entziehen<br />

können. Wie die vielen anderen Heimaten<br />

unseres Planeten werden auch wir die<br />

aktuelle Devise „Aufeinander Rücksicht<br />

nehmen“ weiter beherzigen müssen. Die<br />

überhebliche „Miar sein miar“-Mentalität,<br />

die sich nicht nur an Stammtischen,<br />

sondern auch in manch mächtigen Organisationen<br />

beheimatet fühlt, dürfte dabei<br />

nicht hilfreich sein. Kritik wird häufi g<br />

als Bedrohung empfunden oder als aufmüpfige<br />

Behinderung, aber selten als das<br />

wahrgenommen, was meistens gemeint<br />

ist, nämlich als Einsatz zur Verbesserung<br />

der Situation. Unverzichtbar wird Kritik<br />

aber bei einem menschenverachtenden<br />

Gedankengut, das oft recht banal daherkommt<br />

und dabei häufi g den Heimatbegriff<br />

missbraucht.<br />

Das maßlose Wachstum, die ausufernde<br />

Werbung und der Konsum haben auch in<br />

Südtirol unübersehbare Spuren hinterlassen.<br />

Wir haben teilweise hohen Wohlstand<br />

und Überfluss erreicht, aber dafür die Ausbeutung<br />

von Natur und Menschen, landschaftszerstörendes<br />

Bauen, Aushebelung<br />

von Schutzbestimmungen, Luftverschmutzung,<br />

Bodenverseuchung, Verschwendung<br />

der natürlichen Ressourcen und einen überbordenden<br />

Tourismus in Kauf genommen.<br />

Eine sozial und ökologisch nachhaltigere<br />

Entwicklung scheint dringend geboten.<br />

Die gegenwärtigen Krisen werden wir nur<br />

mit einer gesellschaftsübergreifenden Zusammenarbeit<br />

und Kraftanstrengung bewältigen<br />

können: Lokal handeln, global<br />

denken. Die Jugendbewegung „Fridays<br />

for Future“ stimmt dabei hoffnungsvoll.<br />

Und wir Heimatpflegerinnen und Heimatpfleger<br />

wollen unseren Beitrag offen, kritisch<br />

und aktiv leisten.<br />

Dr. Josef Vieider, Vorstandsmitglied im<br />

Heimatpfl egeverband Südtirol<br />

<strong>Nr</strong>. 02 | <strong>Juni</strong> <strong>2020</strong> 35


Das Thema<br />

Droht ein Rückschritt?<br />

Mit der Angst kommt auch das Einwegplastik wieder in die Haushalte<br />

Wo dieser Einweghandschuh eines Tages landen wird? Wohl im Meer! – Foto: Edith Runer<br />

Vom Handschuh über die Scheibe an der<br />

Ladenkasse bis zur Brille für Ärzte – Kunststoff<br />

schützt vor Covid-19, und Hygiene<br />

ist das Gebot der Stunde. Dennoch stellt<br />

sich die Frage, ob die Angst vor dem Virus<br />

die jahrelange Anstrengung in Richtung<br />

„Mehrweg“ und „Plastikfrei“ vergebens<br />

macht.<br />

Zerknüllte Einweghandschuhe, vom<br />

Wind verweht auf den Gehsteigen, sind<br />

in diesen Monaten gewissermaßen ein<br />

Symbol für das, was „man tun muss“.<br />

Sich und seine Umgebung vor dem gefährlichen<br />

Virus zu schützen, ist wichtig,<br />

und es rechtfertigt – zweifellos – auch<br />

die Benützung von Schutzmaterialien,<br />

die sonst nicht üblich sind.<br />

Es regt sich aber auch manche Stimme,<br />

dass die – zurzeit vielfach notwendige –<br />

Verwendung von Einwegkunststoff ein<br />

Freibrief für mächtige Konzerne sein<br />

könnte, die eben diese Kunststoffe produzieren.<br />

So heißt es auf der Internetseite<br />

„Klima der Gerechtigkeit“ (hinter<br />

der die deutsche Heinrich-Böll-Stiftung<br />

steht, die wiederum der grünen Bewegung<br />

zuzuordnen ist) unter anderem:<br />

„New York fordert die Aufhebung des<br />

landesweiten Verbotes von Plastiktüten,<br />

Ketten wie Starbucks und Dunkin Donuts<br />

setzen die Verwendung von wiederverwendbaren<br />

Bechern aus, Restaurants<br />

und Cafés stellen auf Einwegplastik (Taschen,<br />

Behälter, Becher, Besteck) um …“<br />

Es geht auch verpackungsfrei<br />

Tatsächlich ist der Plastikverbrauch und<br />

damit ein wichtiger Aspekt des Umweltschutzes<br />

im Zuge der Coronakrise als<br />

Thema in den Hintergrund gerückt. Was<br />

einerseits verständlich ist, wie Silke Raffeiner<br />

von der Verbraucherzentrale Südtirol<br />

meint: „Es besteht im Moment ein<br />

großes Bewusstsein für Hygiene. Und teilweise<br />

haben wir da gar keine Wahl, was<br />

die Verwendung von Einwegkunststoff anbelangt.“<br />

Dennoch fürchtet sie, was die<br />

Bemühungen um die Umwelt anbelangt,<br />

einen Rückschritt, zum Beispiel im Hinblick<br />

auf die Verpackungen: „Der Trend,<br />

wieder vermehrt in Plastik verpackte Lebensmittel<br />

einzukaufen – im Glauben,<br />

diese seien hygienischer –, ist spürbar.“<br />

Verpackungsfrei einzukaufen sei zwar<br />

schon bisher ein Nischentrend gewesen.<br />

Es habe aber im Zuge der Proteste gegen<br />

den Klimawandel und die Meeresverschmutzung<br />

Hoffnung auf eine gewisse<br />

Breitenwirkung bestanden. „Die schwindet<br />

nun wohl wieder“, fürchtet Raffeiner.<br />

Die Coronakrise spiele den Einweglösungen<br />

auf jeden Fall in die Hände. Allerdings:<br />

„Jene Gruppe von Menschen, die<br />

schon bislang auf Einwegverpackungen<br />

verzichtet oder diese auf ein Mindestmaß<br />

reduziert hat, ist nach wie vor sensibel<br />

für das Thema.“<br />

Auch in Südtirol gebe es bereits Geschäfte,<br />

die Lebensmittel unverpackt oder<br />

Wasch- und Putzmittel zum Abfüllen anbieten.<br />

Auf Einweghandschuhe dürfe man<br />

zurzeit beim Lebensmitteleinkauf nicht<br />

verzichten, weil es vorgeschrieben sei.<br />

Silke Raffeiner ist aber überzeugt: „Es<br />

wäre eigentlich wichtiger, sich die Hände<br />

oft zu waschen und sie vor und nach dem<br />

Einkaufen zu desinfizieren“, denn wenn<br />

die Einweghandschuhe nicht richtig anund<br />

ausgezogen würden, sei es mit dem<br />

Schutz nicht weit her.<br />

36<br />

KulturFenster


Heimatpflege<br />

Unsere Gewässer –<br />

unsere Zukunft<br />

Der Gewässerschutzplan steht kurz vor<br />

der Genehmigung<br />

Der Schutz und die Überwachung der Gewässer<br />

folgt dem „DPSIR“-Modell, das auf<br />

dem kausalen Zusammenhang von Umweltbelastungen,<br />

Qualitätszustand und Umweltmaßnahmen<br />

zur Erhaltung bzw. Erreichung<br />

der Umweltziele gründet.<br />

Der Gewässerschutzplan setzt die Richtlinie<br />

auf lokaler Ebene um und identifiziert<br />

und typisiert 297 Fließgewässer mit einem<br />

Einzugsgebiet von mehr als 10 km², 9 Seen<br />

über 0,5 km² Oberfläche und 39 Grundwässer.<br />

Diese Einteilung erleichtert in erster<br />

Linie die Verwaltung der Gewässer,<br />

die Schutzziele der Wasserrahmenrichtlinie<br />

gelten aber für alle Gewässer.<br />

2. Bestimmung der<br />

Gewässerqualität<br />

• Analyse der Belastungsquellen und ihre<br />

Auswirkungen auf die Gewässer<br />

Unsere Gewässer werden vor allem durch die Wasserentnahme, durch die Einleitung<br />

von Schad- bzw. Nährstoffen sowie durch morphologische Veränderungen belastet.<br />

Wenn von neuen Herausforderungen im Sinne des Klimaschutzes die Rede ist, dann spielt<br />

das Wasser eine große Rolle. Der Gewässerschutzplan soll eine geeignete Strategie für<br />

eine umweltfreundliche und ressourcenschonende Nutzung der Gewässer vorgeben.<br />

Wasser ist das Lebenselixier schlechthin.<br />

Ohne Wasser ist kein Organismus, auch<br />

nicht der Mensch, lebensfähig. Südtirol<br />

ist im Vergleich zu anderen Regionen mit<br />

qualitativ hochwertigem Trinkwasser gut<br />

versorgt. Das wird von der Bevölkerung<br />

als selbstverständlich empfunden und das<br />

Wasser nicht entsprechend wertgeschätzt.<br />

Durch den Wasserkreislauf stehen die<br />

Oberflächen- und Grundwässer miteinander<br />

in Verbindung. Unser Trinkwasser ist<br />

Teil dieses Kreislaufes, weshalb der Gewässerschutzplan<br />

das Ziel hat, die hohe<br />

Qualität dieser Ressource zu garantieren.<br />

Die Aufgabe des Gewässerschutzplanes<br />

ist es, im Interesse der gesamten Bevölkerung,<br />

einen guten Kompromiss zwischen<br />

Gewässerschutz und Gewässernutzung zu<br />

gewährleisten.<br />

1. Rahmenbedingungen<br />

Auf europäischer Ebene wurde im Jahr<br />

2000 mit der Wasserrahmenrichtlinie ein<br />

gemeinschaftliches Bekenntnis zum Gewässerschutz<br />

verfasst. Die Richtlinie verpflichtet<br />

die Mitgliedsstaaten, den guten Zustand<br />

der Gewässer zu erhalten bzw. zu erreichen.<br />

Sie gibt europaweit vergleichbare Methoden<br />

zur Bewertung der Gewässerqualität<br />

vor. Um Gewässer vergleichen zu können,<br />

wurde die Bezugseinheit „Wasserkörper“<br />

eingeführt. Ein Wasserkörper ist ein homogener<br />

Abschnitt oder Teil eines Gewässers<br />

(Fließgewässer, See oder Grundwasser),<br />

der ähnliche hydromorphologische und<br />

geologische Eigenschaften aufweist, ähnlichen<br />

Belastungen ausgesetzt ist und dadurch<br />

eine vergleichbare Einheit darstellt.<br />

Im Gewässerschutzplan wurden über die<br />

Belastungsanalyse 24 Indikatoren untersucht<br />

und jene Belastungen ausfindig gemacht,<br />

die für unsere Gewässer das Risiko<br />

darstellen, die geforderten Umweltziele<br />

nicht zu erreichen. Dabei hat sich ergeben,<br />

dass etwa 70% unserer Wasserkörper Belastungen<br />

aufweisen, die zwar noch keine<br />

Beeinträchtigung des Qualitätszustandes<br />

bewirken, die aber eine erhöhte Sensibilität<br />

des Gewässerökosystems gegenüber<br />

neuen Beeinträchtigungen bedeuten und<br />

eine „potenzielle Belastung“ darstellen.<br />

Unsere Gewässer werden vor allem<br />

durch die Wasserentnahme für die verschiedenen<br />

Nutzungen, durch die Einleitung<br />

von Schad- bzw. Nährstoffen sowie<br />

durch morphologische Veränderungen belastet.<br />

Der stark angestiegene Wasserbedarf<br />

für die Bewässerung landwirtschaftlicher<br />

Flächen, für Industrie- und Kühlzwecke,<br />

für den Tourismus, für Beschneiungsanlagen,<br />

aber auch für die Produktion elektrischer<br />

Energie setzen unsere Fließgewässer,<br />

Seen und das Grundwasser stark<br />

unter Druck.<br />

Es ist davon auszugehen, auch im Hinblick<br />

auf den Klimawandel, dass die Nutzungsinteressen<br />

zunehmen werden. Ohne<br />

Planung und nachhaltige Bestimmung der<br />

Nutzungsmengen ist zu befürchten, dass<br />

einerseits die ökologische Funktionsfähigkeit<br />

der Gewässer nicht mehr gegeben sein<br />

wird und es andererseits zu größeren Konflikten<br />

zwischen den einzelnen Nutzungsarten<br />

kommen wird.<br />

<strong>Nr</strong>. 02 | <strong>Juni</strong> <strong>2020</strong> 37


Das Thema<br />

Die Überwachung des Qualitätszustandes der Wasserköper: Beprobung aquatischer Wirbelloser und Erhebung des Fischbestandes<br />

mittels Bootsbefischung (Fotos: Agentur für Umwelt und Klimaschutz, Amt für Jagd und Fischerei)<br />

Neben dieser mengenmäßigen Belastung<br />

wird die Gewässerqualität durch den Eintrag<br />

von Nährstoffen sowie umwelt- und<br />

gesundheitsgefährdenden Schadstoffen<br />

beeinträchtigt. Darüber hinaus wird die Lebensraumqualität<br />

und Biodiversität durch<br />

die Verbauungen für den Hochwasserschutz<br />

und den leichtsinnigen Umgang mit<br />

den Uferlebensräumen gefährdet, wodurch<br />

auch die Ökosystemleistungen leiden. Unter<br />

Ökosystemleistungen versteht man unter<br />

anderem die Selbstreinigungskraft der<br />

Gewässer, die ohne menschliches Zutun<br />

und fi nanziellen Aufwand eine „Klärung“<br />

der Gewässer schafft. Aber auch die positiven<br />

kleinklimatischen Verhältnisse, die in<br />

der Nähe von Gewässern herrschen, oder<br />

die erholsame Wirkung, die ein Gewässer<br />

auf Menschen hat, sind nützliche Ökosystemleistungen.<br />

• Die Komponenten der Gewässerqualität<br />

Die Oberfl ächen- und Grundwässer werden<br />

von der Agentur für Umwelt und Klimaschutz<br />

mit Unterstützung der Abteilung<br />

Forstwirtschaft und der Agentur für Bevölkerungsschutz<br />

sowie der Hygiene- und<br />

Gesundheitsdienste überwacht. Entsprechend<br />

den gesetzlichen Vorgaben wird für<br />

die Oberfl ächengewässer der ökologische<br />

und chemische Zustand bestimmt, während<br />

für die Grundwässer der chemische<br />

und quantitative Zustand ermittelt wird.<br />

Der chemische Zustand in Oberflächen-<br />

und Grundwässern gibt Auskunft<br />

über die Verunreinigung durch verschiedene<br />

Schadstoffe (wie Pflanzenschutzmittel,<br />

polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe<br />

u.v.m.). Werden die europäischen<br />

bzw. die staatlichen Grenzwerte eingehalten,<br />

ist der Zustand gut. Werden sie überschritten,<br />

ist er nicht gut.<br />

Die Bewertung des ökologischen Zustandes<br />

für die Oberflächengewässer erfolgt in mehreren<br />

Stufen und vereint die Ergebnisse von<br />

biologischen Qualitätskomponenten (Kieselalgen,<br />

aquatische wirbellose Kleinlebewesen<br />

und Fische) mit unterstützenden chemisch-physikalischen<br />

Parametern. Dabei<br />

bestimmt er die Abweichung von einem<br />

unbeeinträchtigten naturnahen Gewässer,<br />

die in fünf Qualitätsstufen wiedergegeben<br />

wird: sehr gut, gut, mäßig, unbefriedigend<br />

und schlecht.<br />

Beim quantitativen Zustand der Grundwässer<br />

darf nicht mehr Grundwasser für die<br />

verschiedenen Nutzungen entnommen werden<br />

als durch Niederschläge wieder ausgeglichen<br />

werden kann. Zudem dürfen die an<br />

das Grundwasser gebundenen aquatischen<br />

und terrestrischen Ökosysteme in ihrer Funktion<br />

und Bedeutung nicht gefährdet bzw.<br />

darf ihr Zustand nicht beeinträchtigt werden.<br />

• Kontrollen und Analysen<br />

Basierend auf den Ergebnissen der Belastungsanalyse<br />

wurden die Überwachungspunkte<br />

und die Parameter festgelegt. Die<br />

Bestimmung der Qualitätskomponenten erfolgt<br />

auf mehr als 200 Überwachungspunkten.<br />

Für die Bewertung des chemischen<br />

Zustandes werden jährlich ca. 33.000 Einzelanalysen,<br />

für den biologischen Zustand<br />

etwa 500 Analysen durchgeführt. Die Messungen<br />

der Grundwasserstände werden<br />

kontinuierlich an landesweit 83 Messpunkten<br />

aufgezeichnet. Zusätzlich werden für<br />

die Überwachung der Kläranlagen jährlich<br />

etwa 16.000 und für die industriellen Abwässer<br />

etwa 8.200 Einzelanalysen durchgeführt.<br />

Die Badetauglichkeit der Badeseen<br />

wird regelmäßig kontrolliert, und in Hochgebirgsseen<br />

werden spezifi sche Untersuchungen<br />

durchgeführt.<br />

• Ergebnisse<br />

Die Überwachung des Qualitätszustandes<br />

folgt einem sechsjährigen Zyklus. Er wird in<br />

den Zeitfenstern 2015, 2021 und 2027 bestimmt.<br />

Bis 2015 haben in Südtirol 98% der<br />

typisierten Wasserkörper einen guten chemischen<br />

Zustand und 93% der typisierten<br />

Wasserkörper einen guten oder sehr guten<br />

ökologischen Zustand erreicht. Der quantitative<br />

Zustand aller Grundwasserköper war<br />

gut. Die Erhebungen bis 2019 bestätigen<br />

im Großen und Ganzen diese gute Bilanz.<br />

Einzelne Gewässer verfehlten jedoch<br />

die Qualitätsziele aufgrund von Trockenlegung<br />

oder chemischer Verunreinigung mit<br />

Pfl anzenschutzmitteln. Seit 2018 müssen<br />

für den chemischen Zustand zwölf neue<br />

Substanzen bzw. Substanzgruppen untersucht<br />

werden. Darunter befi ndet sich die<br />

Perflouroctansulfonsäure (kurz PFOS), die<br />

im Verdacht steht, krebserregend zu sein.<br />

Für diese Substanzgruppe wurden Überschreitungen<br />

an zwei Gräben festgestellt.<br />

Derzeit laufen die Untersuchungen, den<br />

Ursprung dieser Verunreinigungen ausfi<br />

ndig zu machen.<br />

3. Maßnahmen zur Erhaltung<br />

und zum Erreichen<br />

der Umweltziele<br />

Obwohl das Gesamtergebnis positiv ist,<br />

muss das Hauptaugenmerk auf jene Wasserkörper<br />

gelegt werden, die das Umweltziel<br />

nicht erreicht haben. Verbesserungsmaßnahmen<br />

sind hier unumgänglich. Für<br />

alle übrigen Gewässer sind Erhaltungsmaßnahmen<br />

notwendig, die den guten<br />

Qualitätszustand mit Berücksichtigung<br />

der Nutzungen und der Veränderungen<br />

durch den Klimawandel auch zukünftig<br />

gewährleisten.<br />

38<br />

KulturFenster


Heimatpflege<br />

Für die hydroelektrische Nutzung wurden<br />

Sensibilitätsklassen bestimmt, die angeben,<br />

inwieweit eine zusätzliche Nutzung<br />

möglich ist. Weitere Maßnahmen regeln das<br />

Stauraummanagement und die Schwallabflüsse.<br />

Für die Beregnung und die technische<br />

Schneeerzeugung müssen im Hinblick<br />

auf die klimatischen Veränderungen<br />

nachhaltige Lösungen gefunden werden.<br />

Kriterien zur Begrenzung der maximalen<br />

Ableitungsmenge und die Errichtung von<br />

Speichern sind notwendig.<br />

Für die Erhaltung und Verbesserung des<br />

Gewässerlebensraumes für die Marmorierte<br />

Forelle wurde im Gewässerschutzplan deren<br />

prioritärer Wanderraum abgegrenzt. Innerhalb<br />

dieser Gewässerabschnitte werden in<br />

den nächsten Jahren die künstlichen Hindernisse<br />

abgebaut, damit die freie Fischwanderung<br />

wieder möglich ist.<br />

Für die Uferzonen der Gewässer und für<br />

die Gräben der Talsohle wurden Leitbilder<br />

entwickelt, an denen sich die zukünftige<br />

Bewirtschaftung oder Neugestaltung orientieren<br />

soll.<br />

An diesem Punkt schließt sich der Kreis<br />

des DPSIR-Modelles wieder: Die Auswirkungen<br />

der in der Belastungsanalyse ausfindig<br />

gemachten Belastungen wurden in<br />

der Zustandsbewertung gemessen und<br />

durch Erhaltungs- und Verbesserungsmaßnahmen<br />

korrigiert. Ihre Wirksamkeit<br />

wird durch die regelmäßige Zustandsüberwachung<br />

kontrolliert, sodass bei Bedarf<br />

regulierend eingegriffen werden kann.<br />

4. Der Gewässerschutzplan<br />

Auf Landesebene gibt der Gewässerschutzplan<br />

die Strategie für eine umweltfreundliche,<br />

ressourcenschonende Nutzung der<br />

Gewässer vor und baut auf bereits geltende<br />

Regelungen auf. Im „Landesplan<br />

zur Klärung der Abwässer“ 1980 stand<br />

die Errichtung von Kläranlagen im Vordergrund.<br />

Derzeit sind 50 öffentliche Kläranlagen<br />

für ca. 1.740.000 EW (Einwohnerwerte)<br />

in Betrieb, wobei alle gesetzlichen<br />

Vorgaben auch in Bezug auf den Nährstoffabbau<br />

(Phosphor und Stickstoff) eingehalten<br />

werden. Der Anschlussgrad an<br />

die Kanalisation beträgt über 98%, wobei<br />

für die Realisierung der Kläranlagen und<br />

Hauptkanalisationen in den vergangenen<br />

30 Jahren seitens des Landes Südtirol ca.<br />

1 Mrd. Euro investiert worden sind.<br />

In der Zwischenzeit wurden weitere normative<br />

Maßnahmen erlassen (LG 8/2002,<br />

"Überwachungspunkt an der Talfer bei Bozen für den chemischen und biologischen<br />

Zustand sowie Hydrometrische Messstation"<br />

Durchführungsbestimmungen im DLH<br />

6/2008, Wassernutzungsplanes D.P.R.<br />

vom 22.6.2017). Im vorliegenden Gewässerschutzplan<br />

wurde den genannten<br />

Bestimmungen und der Wasserrahmenrichtlinie<br />

Rechnung getragen. Der Plan<br />

wurde mit Beschluss der Landesregierung<br />

<strong>Nr</strong>. 1174 vom 30. Dezember 2019<br />

als Entwurf genehmigt und am 30. Jänner<br />

<strong>2020</strong> im Amtsblatt der Region <strong>Nr</strong>.5, Beiblatt<br />

<strong>Nr</strong>.2 veröffentlicht. Alle Planunterlagen<br />

sind auf der Homepage der Agentur<br />

für Umwelt und Klimaschutz https://umwelt.provinz.bz.it/wasser/gewaesserschutzplan.asp<br />

einzusehen.<br />

Ab diesem Zeitpunkt startet das Genehmigungsverfahren<br />

laut LG 13/1997 (Raumordnung)<br />

und Landesgesetz 17/2017 (Umweltprüfung<br />

für Pläne, Programme und<br />

Projekte), bei dem die Bürger, die Interessensvertreter<br />

und Gemeinden Stellung<br />

nehmen können. Die Termine für die Abgabe<br />

der Stellungnahmen von Seiten der<br />

Bevölkerung und der Interessensvertreter<br />

wurde aufgrund der Coronakrise auf 21.<br />

<strong>Juni</strong> <strong>2020</strong> verschoben, jener für die Gemeinden<br />

auf 20. August <strong>2020</strong>. Nach der<br />

Erstellung des Gutachtens des Umweltbeirates<br />

erfolgt die endgültige Genehmigung<br />

des Gewässerschutzplanes durch die Landesregierung.<br />

Tanja B. Nössing, Robert Schifferegger<br />

(Biologen der Agentur für Umwelt<br />

und Klimaschutz)<br />

Der Druck auf unsere Gewässer nimmt zu, zwischen Gewässerschutz und<br />

Nutzungsinteressen müssen nachhaltige Lösungen gefunden werden. (Foto: Agentur<br />

für Umwelt und Klimaschutz)<br />

<strong>Nr</strong>. 02 | <strong>Juni</strong> <strong>2020</strong> 39


Informiert und Reflektiert<br />

„Wir müssen es wollen!“<br />

70. Vollversammlung – Claudia Plaikner bleibt Landesobfrau<br />

Der neue Vorstand des Heimatpflegeverbandes Südtirol: Georg Hörwarter, Claudia<br />

Plaikner, Franz Fliri, Agnes Andergassen, Johannes Ortner und Valentine Kostner<br />

(v.l., es fehlt Josef Vieider)<br />

Die 70. Vollversammlung des Heimatpflegeverbandes<br />

Südtirol am 29. Mai musste der<br />

Coronakrise Tribut zollen und fand deshalb<br />

in kleinstmöglichem Rahmen unter Einhaltung<br />

rigider Sicherheitsvorkehrungen im<br />

großen Theatersaal des Waltherhauses in<br />

Bozen statt.<br />

„Das Wort Krise setzt sich im Chinesischen<br />

aus zwei Schriftzeichen zusammen – das<br />

eine bedeutet Gefahr und das andere Gelegenheit.“<br />

Mit diesem Zitat von J. F. Kennedy<br />

leitete Landesobfrau Claudia Plaikner<br />

ihren Vortrag ein. Eine „Gelegenheit“ sei die<br />

erzwungene Verschnaufpause auf jeden Fall,<br />

um die Nachhaltigkeit in vielen Bereichen<br />

als allgemein akzeptiertes Kriterium forcieren.<br />

Die Landesobfrau betonte dabei: „Wir<br />

müssen es aber wollen.“ Von den Politikern<br />

müsse man einfordern, dass sie ihren Entscheidungen<br />

eine ganzheitliche, zukunftstaugliche<br />

Sicht zugrunde legen.<br />

Neue Kommunikationskampagne<br />

Der Heimatpflegeverband arbeitet derzeit<br />

an einer Kommunikationskampagne<br />

für den Verband. Damit sollen u.a. auch<br />

junge Menschen für die Themen der Heimatpflege<br />

und Heimatkunde begeistert<br />

werden. Außerdem gilt es, das bisherige<br />

Image der Heimatpflege als „Verhinderer“<br />

in Richtung „Bewahrer“ und „Gestalter“<br />

zu verändern.<br />

Neu, aber eigentlich eine Wiederauflage,<br />

ist das Projekt „Steinzeichen“ das<br />

„vorbildhafte öffentliche und private Neuund<br />

Umbauten“.<br />

Tätigkeitsbericht<br />

Im Tätigkeitsbericht, den Geschäftsführer<br />

Josef Oberhofer vorstellte, wurde u. a. die<br />

Ablehnung der Skiverbindung Langtaufers<br />

Unter Einhaltung aller Regeln zum Schutz vor Covid-19 trafen sich die Vorsitzenden<br />

der Mitgliedsvereine, der Landesvorstand sowie die Rechnungsprüfer und<br />

Schiedsrichter zur 70. Vollversammlung.<br />

– Kaunertal durch die Landesregierung genannt<br />

(siehe eigenen Bericht), der Einsatz<br />

des Verbandes in Sachen Tourismuszonen<br />

im Grünen und das neue Raumordnungsgesetz,<br />

das nach wie vor die Gefahr von negativen<br />

Auswirkungen auf die Natur- und Kulturlandschaft<br />

birgt.<br />

Im Jahr 2019 gab es eine Annäherung<br />

zur Stiftung Südtirol durch eine gemeinsame<br />

Büroführung. Mit dem Landesdenkmalamt<br />

wird zurzeit an einem Leitfaden zum Denkmalschutz<br />

für Eigentümer von Objekten gearbeitet.<br />

Eine schöne Aktion, die in den vergangenen<br />

Jahren reaktiviert wurde, sind die Ortsbegehungen.<br />

2019 wurden in Tramin, St.<br />

Pankraz und Burgstall abgehalten.<br />

Die Arbeitsgemeinschaft Lebendige Tracht<br />

hat 2019 die Musikkapelle St. Pauls und die<br />

Musikkapelle Pfunders bei der Neuanschaffung<br />

bzw. Ergänzung ihrer Tracht beraten.<br />

Zudem war sie an der Herausgabe eines Ratgebers<br />

zum richtigen Tragen und zur Pflege<br />

der Tracht sowie eines Folders über die Pustertaler<br />

Männertracht beteiligt.<br />

Die Bilanz 2019 im Bereich der Landschaftspflege<br />

lautet: 460 bearbeitete Beitragsansuchen<br />

und betreute Antragsteller für die<br />

Sanierung und Wiedererrichtung von bäuerlichen<br />

Kleindenkmälern und die Vermittlung<br />

von rund 1,2 Millionen Euro an Beiträgen.<br />

Zwei neue Vorstandsmitglieder<br />

Auch die Neuwahl des Landesvorstandes<br />

stand heuer auf der Tagesordnung. Claudia<br />

Plaikner wurde mit überwältigender Mehrheit<br />

für weitere drei Jahre als Landesobfrau<br />

bestätigt. Franz Fliri und Josef Vieider werden<br />

ihr auch weiterhin als Stellvertreter zur<br />

Seite stehen. Neu in den Landesvorstand<br />

gewählt wurden Valentine Kostner aus Gröden<br />

und Georg Hörwarter aus Meran. Agnes<br />

Andergassen und Johannes Ortner wurden<br />

als Vorstandsmitglieder bestätigt. Auch Egon<br />

Fischnaller als Rechnungsprüfer und Oswald<br />

Brunelli, Peter von Hellberg und Herald<br />

Kleewein als Schiedsrichter werden<br />

für den Heimatpflegeverband weitere drei<br />

Jahre im Einsatz sein.<br />

40<br />

KulturFenster


Heimatpflege<br />

Ein guter Tag für Langtaufers<br />

Skiverbindung Langtaufers – Kaunertal ist (hoffentlich) endlich weg vom Tisch<br />

Die Ruhe, die intakte Natur, das Wasser,<br />

die saubere Luft – das sind die Stärken<br />

von Langtaufers. Eine Skiverbindung<br />

würde sie allesamt zunichte machen.<br />

In der Sitzung der Landesregierung am<br />

15. April wurde die geplante Skiverbindung<br />

Langtaufers – Kaunertal abgelehnt.<br />

Das ist eine sehr gute Nachricht für Langtaufers<br />

und ein Gewinn für alle: für die Bevölkerung<br />

und für einen intakten hochalpinen<br />

Lebensraum.<br />

Der Alpenverein Südtirol, der Dachverband<br />

für Natur- und Umweltschutz, der<br />

Heimatpflegeverband Südtirol und die Umweltschutzgruppe<br />

Vinschgau setzen sich<br />

bereits seit Jahren dafür ein, die noch intakten<br />

Bereiche des Südtiroler Hochgebirges<br />

im Sinne der Alpenkonvention als<br />

Ruhezonen zu bewahren, auf intensivtouristische<br />

Erschließungen im Melagtal zu<br />

verzichten und auf umweltverträgliche Alternativen<br />

in Langtaufers zu setzen. Daher<br />

begrüßen die Vereine und Verbände die<br />

wegweisende Entscheidung im Sinne der<br />

Umwelt durch Landesrätin Maria Hochgruber<br />

Kuenzer und die Landesregierung<br />

ausdrücklich.<br />

Stille als Stärke<br />

Das haben die meisten Langtauferer und<br />

die Ferienregion Reschenpass schon seit<br />

längerer Zeit erkannt: Moderne Ansätze, wie<br />

ein familienorientierter Winter- und Sommertourismus<br />

und die Bewerbung als schneesichere<br />

Langlaufdestination in Langtaufers<br />

bieten langfristige Wirtschaftsperspektiven<br />

für die lokale Bevölkerung bei gleichzeitiger<br />

Schonung der Natur- und Kulturlandschaft.<br />

Langtauferer Bürger bringen es auf den<br />

Punkt, wenn sie sagen: „Wir kommen aus<br />

kleinstrukturierten bäuerlichen Verhältnissen<br />

und wissen, dass die Ruhe, die intakte<br />

Natur, das Wasser, die saubere Luft und die<br />

Stille unsere Stärken sind. Die Skiverbindung<br />

Langtaufers – Kaunertal würde uns zu Befehlsempfängern<br />

degradieren. Wir hätten<br />

dadurch vom Gleichen mehr und nehmen<br />

uns die Vielfalt des touristischen Angebotes.“<br />

Nachhaltiger Tourismus<br />

Die Anzahl der Skifahrer geht europaund<br />

weltweit zurück bzw. stagniert. Dieser<br />

Trend ist seit vielen Jahren bekannt<br />

und vielfach belegt. Deshalb ist im Grunde<br />

jede Investition in eine Erweiterung bzw.<br />

in einen quantitativen Ausbau eines Skigebietes<br />

eine Investition gegen benachbarte<br />

Skigebiete. Die Landesregierung täte<br />

gut daran, dieser Entwicklung nicht nur<br />

in Langtaufers Rechnung zu tragen, sondern<br />

auch bei anderen geplanten Erweiterungen.<br />

Öffentliche Beiträge sind eindeutig<br />

besser investiert, wenn sie einen<br />

nachhaltigen, umwelt- und sozialverträglichen<br />

Tourismus fördern und nicht skitechnische<br />

Neuerschließungen von Großinvestoren.<br />

Melagtal: hochalpines Kleinod<br />

Das Melagtal ist ein ökologisch wertvoller<br />

hochalpiner Lebensraum. Gefährdete Tierarten<br />

wie Schnee- und Steinhuhn finden<br />

hier Brutgebiete und Lebensraum. Solche<br />

Kleinode werden in den Alpen leider zunehmend<br />

seltener. Umso erfreulicher ist<br />

es, dass Langtaufers von der Skiverbindung<br />

Langtaufers-Kaunertal verschont<br />

bleibt – zumindest vorläufi g. Davon kann<br />

sich jeder bei einer Wanderung durch<br />

das Melagtal und einem Besuch in Langtaufers<br />

ein Bild machen – und gleichzeitig<br />

den lokalen Weg eines sanften Tourismus<br />

unterstützen.<br />

Florian Trojer<br />

<strong>Nr</strong>. 02 | <strong>Juni</strong> <strong>2020</strong> 41


Informiert und Reflektiert<br />

Ein Jahr Netzwerk Kulturerbe<br />

…denn das Schöne liegt so nah<br />

Simona Kettmair, Verena Mumelter, Carl<br />

Philipp von Höhenbühel und Claudia<br />

Plaikner bei der Vorstellung des Netzwerk<br />

Kulturerbe.<br />

Am 20. Mai 2019 wurde unser „Netzwerk<br />

Kulturerbe“ offi ziell gegründet und der Öffentlichkeit<br />

vorgestellt. Ziel der vier darin zusammengeschlossenen<br />

Organisationen, des<br />

Südtiroler Burgeninstitutes, des Fondo Ambiente<br />

Italiano, des Verbandes der Restauratoren<br />

und Konservatoren Südtirols und des<br />

Heimatpfl egeverbandes Südtirol, ist es, das<br />

Gedankengut, das dem Europäischen Kulturerbe­Jahr<br />

2018 zugrunde gelegen hat, weiterzuspinnen<br />

und wachzuhalten.<br />

Das Netzwerk, das sich als offene Plattform<br />

versteht, hat sich zur Aufgabe gestellt,<br />

in den kommenden Jahren mindestens einmal<br />

jährlich eine Veranstaltung zu organisieren,<br />

um auf das vielfältige materielle und<br />

immaterielle Kulturerbe in unserem Lande<br />

und darüber hinaus hinzuweisen. Vor allem<br />

geht es dem „Netzwerk Kulturerbe“ aber<br />

darum, in Synergie der vier Verbände ein<br />

gemeinsames Sprachrohr bei der Sensibilisierungsarbeit<br />

für die Erhaltung und Weiterentwicklung<br />

unserer Kulturlandschaft zu<br />

haben und mit Nachdruck die Wertschätzung<br />

für das den Menschen bereichernde<br />

Kulturengagement zu heben.<br />

Nicht nur Brot allein …<br />

Nun hat freilich die Coronakrise auch die<br />

Aktivitäten des Netzwerkes eingeschränkt.<br />

Die erste gemeinsam organisierte Veranstaltung,<br />

der Fotowettbewerb zum Thema „Heimat<br />

im Fokus • Natur-Denkmal-Mensch<br />

• offen-kritisch-spielerisch“ konnte Ende<br />

Februar – leider ohne öffentliche Präsentation<br />

– mit Erfolg abgeschlossen werden.<br />

Wir Initiatoren des „Netzwerkes Kulturerbe“<br />

betrachten es als wichtige Aufgabe,<br />

auch in Krisenzeiten den Wert von Kulturarbeit<br />

hervorzuheben, denn nicht das Brot<br />

allein ist für den Menschen wichtig, sondern<br />

vor allem auch Sinnstiftung durch<br />

Kulturverständnis und Kulturarbeit. Albert<br />

Schweitzer – Arzt, Theologe, Musiker, Kulturphilosoph<br />

und Friedensnobelpreisträger<br />

– meinte: „Das Verhängnis unserer Kultur<br />

ist, dass sie sich materiell viel stärker entwickelt<br />

hat als geistig. Ihr Gleichgewicht<br />

ist gestört.“<br />

Wertschätzung und mehr<br />

Viele Menschen haben in der gegenwärtigen<br />

Krise wieder zu ihren künstlerischen<br />

Hobbys gefunden oder ein neues begonnen,<br />

sie haben mit Balkonkonzerten und<br />

Auftritten im Internet Zeichen der Wertschätzung<br />

für das Sanitätspersonal und<br />

die Nahversorgung gesetzt.<br />

Wertschätzung, Rücksicht, Bedachtsamkeit<br />

sind zu neuen, wichtigen Parametern<br />

im Umgang untereinander geworden. Und<br />

das gilt es auch, auf die verschiedenen<br />

Ausformungen der kulturellen Tätigkeit zu<br />

übertragen:<br />

- Wertschätzung für unsere einzigartige<br />

Naturlandschaft mit all ihrem Facettenreichtum,<br />

- Wertschätzung für unsere Bräuche und<br />

Traditionen – jetzt, da wir so vieles nicht<br />

ausüben können, erkennen wir erst richtig<br />

ihre Wichtigkeit,<br />

- Wertschätzung für unsere historische<br />

Baukultur und Geschichte,<br />

- Rücksicht auf Tier und Mensch und Bedachtsamkeit<br />

im Umgang mit den natürlichen<br />

Ressourcen und bei der Gestaltung<br />

der öffentlichen und privaten Räume.<br />

Das „Netzwerk Kulturerbe“ spricht sich in<br />

diesen Krisenzeiten aber auch dafür aus,<br />

dass die vorhandenen öffentlichen Mittel<br />

nicht nur zur möglichst schnellen Wiederinstandsetzung<br />

der Wirtschaft aufgebracht<br />

werden, sondern dass zur Förderung einer<br />

nachhaltigen, ganzheitlichen und sinnstiftenden<br />

Umwelt der Kulturbereich ebenso<br />

gefördert wird wie die Wirtschaft und nicht<br />

zum Luxusgut erklärt wird, auf das man<br />

verzichten kann.<br />

Das vermeintlich<br />

Unscheinbare<br />

Diese merkwürdigen Zeiten bergen auch<br />

eine Chance für Wirtschaft und Kultur, für<br />

uns alle, nämlich unser Land mit dem von<br />

unseren Vorfahren Geschaffenen in seiner<br />

Einzigartigkeit bewusst wahrzunehmen, zu<br />

erleben und zu begreifen. So lädt unser<br />

„Netzwerk Kulturerbe“ zur unbefangenen<br />

Neugier auf das vermeintlich Unscheinbare<br />

ein: vielleicht eine kleine museale Kostbarkeit<br />

von nebenan, vielleicht ein wunderbarer<br />

alter Siedlungsplatz oder auch eine<br />

Burg, die wir immer schon einmal besuchen<br />

wollten; sich bewusst sein, wo wir uns gerade<br />

befinden oder wo wir hin wollen, was<br />

bisher in unserer Schnelllebigkeit übersehen<br />

oder „nur“ aufgeschoben wurde. So<br />

wünscht sich das „Netzwerk Kulturerbe“<br />

für unsere nahe Zukunft, dass das Lokale<br />

und Regionale, das Naturbelassene<br />

durch die Bevölkerung mit Interesse und<br />

Freude erfasst wird, die Kenntnis über unser<br />

Land vertieft und aus dieser Kenntnis<br />

die Wertschätzung für unsere Kultur und<br />

Natur wächst.<br />

Für das Netzwerk<br />

Dr. Claudia Plaikner<br />

42<br />

KulturFenster


Heimatpflege<br />

„Wildbad Innichen“ siegt<br />

Fotowettbewerb des „Netzwerkes Kulturerbe“ abgeschlossen<br />

Der Fotowettbewerb zum Thema „Heimat<br />

im Fokus • Natur-Denkmal-Mensch • offenkritisch-spielerisch“<br />

des „Netzwerkes Kulturerbe“<br />

wurde Ende Februar abgeschlossen.<br />

Gewonnen hat ein Foto des Wildbades<br />

Innichen. Es dokumentiert eindrucksvoll<br />

den Zerfall eines einzigartigen Baudenkmals<br />

im oberen Pustertal.<br />

Mit großer Wahrscheinlichkeit haben<br />

bereits die Illyrer und Römer die Heilquellen<br />

des Wildbades Innichen<br />

aufgesucht.<br />

Seit dem ausgehenden<br />

Mittelalter<br />

ist dort ein Badebetrieb<br />

belegt.<br />

Die Geschichte<br />

des Grandhotels geht<br />

auf das Jahr 1854<br />

zurück, als der Arzt<br />

Dr. Johann Scheiber<br />

das Wildbad erwarb<br />

und in ein modernes<br />

Sanatorium umbauen<br />

ließ, das bald<br />

weit über die Grenzen<br />

des Pustertales<br />

hinaus Berühmtheit<br />

erlangte. Auch der<br />

österreichische und<br />

preußische Hochadel<br />

wie Kaiser Franz<br />

Josef I. und Thronfolger<br />

Franz Ferdinand<br />

sowie Kaiser Friedrich<br />

III. von Preußen<br />

statteten dem<br />

Wildbad Besuche ab.<br />

In Folge der zunehmenden<br />

Beliebtheit<br />

des Bades wurde es in der zweiten Hälfte<br />

des 19. Jahrhunderts mehrmals umgebaut<br />

und erweitert. Mit dem Ersten Weltkrieg<br />

begann der Niedergang des Grandhotels.<br />

Um 1939 wurde das Bad versteigert und<br />

seitdem dem Verfall überlassen.<br />

Fünf verschiedene Quellen gibt es im<br />

Bereich des Wildbades Innichen. Von der<br />

mineralreichen Schwefelquelle erhofften<br />

sich die einstigen Gäste durch Sitz-,<br />

Vollbäder und Umschläge Linderung bei<br />

Hautkrankheiten, Gelenksentzündungen<br />

und Frauenleiden. Die anderen vier Quellen<br />

(Kaiserwasser, Lavaredo, Candida und<br />

Eisenquelle) werden als Mineralwasser<br />

vermarktet. Die Eisenquelle wurde erst<br />

1820 durch den Innichner Apotheker<br />

Josef Stapf entdeckt.<br />

Das Foto des Wildbades Innichen wurde<br />

zum Siegerbild und Carlo Trentini somit<br />

zum Sieger des Fotowettbewerbes gewählt.<br />

Die Aufnahme dokumentiert deutlich und<br />

erschreckend den schleichenden Verlust<br />

von wertvoller historischer Bausubstanz<br />

sowie die Vernachlässigung der mit diesem<br />

Gebäude eng verbundenen Sozialund<br />

Wirtschaftsgeschichte. Man bleibt<br />

sprachlos angesichts solcher Ignorierung<br />

und Verwahrlosung eines einstmals so<br />

glänzenden und weitum bekannten Kur-<br />

bades. Es gehört zur Grundausrichtung<br />

der im „Netzwerk Kulturerbe“ zusammengeschlossenen<br />

Verbände, sich dafür<br />

einzusetzen, die Sensibilität für die<br />

Erhaltung solcher wichtiger Zeugen der<br />

Vergangenheit zu steigern, dem Verlust<br />

von wertvoller historischer Bausubstanz<br />

Einhalt zu gebieten und die Wertschätzung<br />

für unsere Geschichte und Kultur<br />

zu unterstützen.<br />

Einst ein berühmtes Grandhotel,<br />

heute ein völlig vernachlässigtes<br />

Stück Geschichte und Kultur: das<br />

Wildbad Innichen, fotografiert von<br />

Carlo Trentini.<br />

<strong>Nr</strong>. 02 | <strong>Juni</strong> <strong>2020</strong> 43


Aus Verband & Bezirken<br />

Die Gartenstadt und das<br />

grüne Erbe<br />

Meran und die neue Raumordnung – Möglichkeiten und Grenzen<br />

Die Grünanlagen und Villenbauten von Oberund<br />

Untermais sind ein Freistellungsmerkmal<br />

der Kurstadt Meran und machen einen<br />

Großteil ihres Charmes aus. Wie bereits im<br />

KulturFenster vom Jänner 2018 berichtet,<br />

hat die Gartenstadt Meran seit 1995 rund<br />

30 Prozent ihres privaten Grüns verloren.<br />

Gründe dafür sind die Bauverdichtung (Ausschöpfung<br />

der gesamten zu verbauenden<br />

Kubatur) sowie die Überalterung bzw. Vernachlässigung<br />

der aus exotischen Gehölzen<br />

bestehenden Gärten.<br />

Bauverdichtung in Mais<br />

Die Bevölkerung von Meran reagiert sensibel<br />

auf Baumfällungen und die Verbauung<br />

der Gärten. Eigentlich ein erfreuliches Zeichen,<br />

denn Baumschutz liegt den Meranerinnen<br />

und Meranern offenbar am Herzen.<br />

Auf Fällungen von Alleebäumen (K.-Wolf-<br />

Straße) oder monumentalen Zedern (zuletzt<br />

am Waalweg, beim Hotel Bayerischer Hof,<br />

in Kürze auch am Palace-Hotel) wird mit<br />

Unverständnis reagiert, man empört sich<br />

in den sozialen Netzwerken. Während das<br />

öffentliche Grün regelmäßig nachgepflanzt<br />

wird – auch bisher unbepflanzte Straßen erhalten<br />

Bäume –, ist der Verlust eines Gartens<br />

ein bleibender. Seit 10 bis 15 Jahren<br />

ist ein sich beschleunigender Prozess der<br />

Bauverdichtung in Unter- und Obermais<br />

zu beobachten. Der Heimatschutzverein<br />

Meran verlangt daher schon seit Jahren<br />

eine Änderung des Bauleitplanes und die<br />

Einführung der strengen Schutzkategorie<br />

Am Rand des Maiser Villenviertels zwischen Schlossgarten und Obstwiesen<br />

„Gartenstadt“. In einem solchen Stadtteil<br />

würde die Bauverdichtung gering gehalten<br />

werden und die Gärten blieben möglichst<br />

unangetastet.<br />

Neue Gemeindebauordnung<br />

Mit zwei Änderungen in der Gemeinde-<br />

Bauordnung (2019, <strong>2020</strong>) reagierte die<br />

Gemeinde Meran nun auf den schleichenden<br />

Verlust des privaten Grüns. Seit<br />

2004 ist pro 1000 Quadratmeter Grundfläche<br />

ein hochstämmiger Baum zu pflanzen,<br />

seit 2019 allen neuen Bauprojekten<br />

ein Grünplan beizulegen. Für alle Projekte<br />

mit größeren durchlässigen, d. h. nicht versiegelten<br />

Grünflächen ist seit Mai <strong>2020</strong> zusätzlich<br />

ein Baum pro 150 Quadratmeter<br />

verpflichtend. Im Falle des Maiser Villenviertels<br />

müssen bei neuen Projekten nun<br />

bis zu doppelt so viele mittel- und hochstämmige<br />

Bäume wie bisher gesetzt werden.<br />

Dies sind gute Ansätze beim Baumschutz.<br />

Der Haken: Bei neuen Bauprojekten<br />

ist kaum nicht versiegelte Restfläche übrig!<br />

Außerdem müsste die Behörde die Einhaltung<br />

der Vorschriften penibel kontrollieren,<br />

und dies ist beim Personalmangel<br />

und der Arbeitsüberlastung der Stadtgärtnerei<br />

alles andere als gesichert.<br />

Das neue Gesetz Raum und<br />

Landschaft<br />

In den nächsten Monaten und Jahren<br />

müssen die Planungsinstrumente der Gemeinde<br />

Meran (Masterplan, Bauleitplan,<br />

Landschaftsplan) im künftigen „Gemein-<br />

Bauverdichtung in der St.-Markus-Straße (1999 – 2017)<br />

44<br />

KulturFenster


Heimatpflege<br />

deentwicklungsprogramm“ Berücksichtigung<br />

finden und im neuen „Gemeindeplan<br />

Raum und Landschaft“ aufgehen.<br />

Das Gesetz für Raum und Landschaft, das<br />

im Juli <strong>2020</strong> in Kraft tritt, definiert u. a. mit<br />

der Einführung einer Siedlungsgrenze, wo<br />

künftig gebaut werden darf und wo nicht.<br />

Der 2019 von der Landesregierung beschlossene<br />

Masterplan beinhaltet die Leitlinien<br />

zur künftigen Stadtentwicklung: Der<br />

fransenartige Übergang des Maiser Villenviertels<br />

in das landwirtschaftliche Grün<br />

muss als solcher erhalten werden. Denn<br />

gerade dadurch bleiben die Sichtachsen<br />

auf Garten-Schloss-Ensembles wie jene<br />

von Schloss Pienzenau, Schloss Rubein,<br />

Villa Hoffmann oder Villa Praderhof intakt.<br />

Die festzulegende Siedlungsgrenze im<br />

Gesetz zu Raum und Landschaft schlägt<br />

eigentlich in dieselbe Kerbe. Bleibt zu<br />

hoffen, dass diese Siedlungsgrenze nicht<br />

im Widerstreit verschiedenster Interessen<br />

und Lobbys aufgeweicht wird. Eine solche<br />

Siedlungsgrenze mit einem weitestgehenden<br />

Baustopp außerhalb davon ist<br />

notwendig, sieht man sich beispielsweise<br />

den ungeregelten Wildwuchs im Streuweiler<br />

Hagen an.<br />

Wie überall gibt es aber auch hier eine<br />

Kehrseite der Medaille. Eine definierte Siedlungsgrenze<br />

erhöht den Baudruck im Inneren<br />

zusätzlich. Innerhalb des Siedlungsgrenze<br />

sind die Gemeinden zuständig: Dort<br />

ist man flexibel, während man außen penibel<br />

zu sein vorhat. Die vom neuen Gesetz<br />

für Raum und Landschaft vorgesehene<br />

Baudichten-Erhöhung von bisher<br />

1,0 (Zone B6) bzw. 1,3 (Zone B5) auf 1,5<br />

Kubikmeter/Quadratmeter würde sich auf<br />

die Gartenstadt Meran verheerend auswirken.<br />

Gerade innerhalb der Siedlungen befinden<br />

sich die so wichtigen Freiflächen: in<br />

den Landgemeinden die letzten Obst änger<br />

mit hochstämmigen Bäumen, im Maiser<br />

Villenviertel die wertvollen exotischen Gärten,<br />

die dem neuen Gesetz vermehrt zum<br />

Opfer fallen könnten.<br />

Wildwuchs im bäuerlichen Hagen (Untermais)<br />

in den vergangenen Jahren durch Sanierungen<br />

Wohnraum wiedergewonnen werden,<br />

eine Erhöhung der Gemeindeimmobiliensteuer<br />

für Eigentümer von Leerständen<br />

würde solche Wiedergewinnungen aber<br />

nochmals deutlich beschleunigen.<br />

Mit Hilfe einer klugen Stadtplanung<br />

würde sich auch das bisher vernachlässigte<br />

Bahnhofsareal in Meran zu einem gesellschaftlichen,<br />

kulturellen und wirtschaftlichen<br />

Zentrum entwickeln. Qualitätsvolle<br />

Wohnbauten, die Nähe zu geplanten Kultur-<br />

und Jugendzentren (Schlachthof, Alter<br />

Schießstand) und die Drehscheiben Busund<br />

Zugbahnhof könnten sich zu einem<br />

anregenden Meraner Treffpunkt mausern.<br />

Ebenfalls könnte das weitläufige Kasernenareal<br />

mit seinem bereits bestehenden<br />

Grünanteil mittelfristig zu einem Ökostadtviertel<br />

umgestaltet werden – mit Nahversorgung,<br />

sanfter Mobilität und Freizeitan-<br />

geboten in der Nähe (Pferderennplatz,<br />

Schwimmanlagen). Das abseits gelegene<br />

Kasernenareal müsste planerisch allerdings<br />

an den Siedlungskern von Untermais angebunden<br />

werden.<br />

Die Gartenstadt Meran darf nicht zum<br />

Spielball verschiedenster Interessen werden.<br />

Illusionslos muss konstatiert werden,<br />

dass Bauwirtschaft und Tourismus vordergründig<br />

von monetären Interessen geleitet<br />

sind. Mit dem Label „Gartenstadt“ wird<br />

dabei geworben, um den Preis möglichst<br />

hochzutreiben. Durch rücksichtslose Verbauung,<br />

der es oft genug an architektonischem<br />

Gespür fehlt, wird aber genau<br />

das zunichte gemacht, mit dem man vorher<br />

geworben hat: das grüne Erbe von Meran,<br />

für das sich der Meraner Heimatschutz<br />

weiterhin stark machen wird.<br />

Johannes Ortner<br />

Obmann Heimatschutzverein Meran<br />

Leerstände in der Altstadt –<br />

Bahnhofs- und Kasernenareal<br />

Wie könnte nun der Königsweg für eine<br />

gedeihliche Entwicklung der wachsenden<br />

Stadt Meran aussehen? Ein nicht ausgeschöpftes<br />

Wohnpotenzial liegt in den zahlreichen<br />

Wohnungs-Leerständen der Altstadt<br />

(Lauben, Steinach). Zwar konnte<br />

Abholzung eines historischen Gartens am Winkelweg<br />

<strong>Nr</strong>. 02 | <strong>Juni</strong> <strong>2020</strong> 45


Aus Verband und Bezirken<br />

Heimatschutz heißt auch<br />

Naturschutz<br />

Im Gespräch mit zwei „Neuen“ im Heimatpflegeverein Marling<br />

Eva Ladurner (47) und Veronika Wetzel (40) sitzen seit kurzem im Vorstand des Heimatpflegevereines<br />

Marling. Sie gehören zur jüngeren Generation im Verband und haben<br />

spannende Ideen, mit denen auch junge Menschen zum Mitdenken und Mitgestalten animiert<br />

werden könnten.<br />

Artenvielfalt schützen<br />

KulturFenster: Was hat Sie dazu bewogen,<br />

im Heimatpflegeverein Marling mitzuarbeiten?<br />

Eva Ladurner: Ich bin Biologin, interessiere<br />

mich aber auch sehr für Kulturgeschichte<br />

und Tradition. Als mich der Obmann des<br />

Heimatpflegevereines, Franz Kröss, gefragt<br />

hat, ob ich mitarbeiten würde, habe ich<br />

gern zugesagt. Nun freue ich mich darauf,<br />

im Zuge der Vereinsarbeit Neues und<br />

Spannendes über „mein“ Dorf zu erfahren.<br />

Und ich hoffe, dass ich mit meinem<br />

Eva Ladurner: „Ein wichtiges Anliegen ist es mir, die heimische Artenvielfalt zu<br />

schützen und zu fördern und die Leute dafür zu sensibilisieren.“<br />

beruflichen Hintergrund auch dem Naturschutz<br />

in der Heimatpflege eine Stimme<br />

geben kann.<br />

KF: Welche Möglichkeiten sehen Sie da<br />

im lokalen Rahmen eines Dorfes wie<br />

Marling?<br />

E. Ladurner: Zunächst bin ich gespannt,<br />

was mich im Verein erwartet – zumal Corona<br />

gleich nach den Wahlen alles gestoppt<br />

hat. Grundsätzlich denke ich, dass man<br />

mit kleinen, praktischen Aktionen bei den<br />

Bürgern einiges bewirken kann. Ein wichtiges<br />

Anliegen ist es mir, die heimische Artenvielfalt<br />

zu schützen und zu fördern und<br />

die Leute dafür zu sensibilisieren. Gerade<br />

im intensiv genutzten Talboden ist das dringendst<br />

notwendig. Oft reichen Kleinigkeiten.<br />

KF: Welche Möglichkeiten fallen Ihnen<br />

spontan ein?<br />

E. Ladurner: Spontan denke ich hier an das<br />

Pflanzen von heimischen Sträuchern oder<br />

von kleinen Blühstreifen am Rand der Obstanlagen.<br />

Sie stellen nicht nur eine Bereicherung<br />

für unser Landschaftsbild dar, sondern<br />

bieten gleichzeitig Unterschlupf und<br />

Nahrungsquellen für Tiere, die oft auch<br />

Nützlinge für uns Menschen sind. Auch<br />

die Wasserreservoire, die sogenannten<br />

Tschöttn, könnten ein Thema sein. Sie sind<br />

für viele Amphibien auf der Suche nach<br />

Laichplätzen oft tödliche Fallen. Mit einfachen<br />

Mitteln und ohne Einschränkung<br />

für den Zweck des Reservoirs kann man<br />

diese Fallen in wertvolle „Feuchtgebiete“<br />

für Kröten, Feuersalamander oder Grasfrösche<br />

verwandeln. Ähnliches gilt für so<br />

manche betonierten bzw. verrohrten Abschnitte<br />

am Marlinger Waalweg. Spannend<br />

für Gartenbesitzer kann zum Beispiel die<br />

Gestaltung eines naturnahen Ecks im Garten<br />

sein, in dem sich die heimische Tierund<br />

Pflanzenwelt wohlfühlt. Das sind aber<br />

nur erste Ideen.<br />

KF: Stichwort Corona – gibt es neben den<br />

vielen Entbehrungen auch etwas Positives,<br />

das Sie aus der Zeit mitnehmen?<br />

E. Ladurner: Ich habe viel Positives aus dieser<br />

Zeit mitgenommen. Ganz stark wahrgenommen<br />

habe ich die saubere Luft und<br />

die Stille, die nur durch Vogelgezwitscher<br />

durchbrochen wurde. Das macht schon<br />

nachdenklich. Und es ist mir aufgefallen,<br />

wie gut man auch mit weniger Mobilität<br />

auskommt. Ich hoffe, dass ich und andere<br />

auch in Zukunft an dieses „Weniger<br />

ist mehr“ denken werden, wenn der gewohnte<br />

Alltag wieder dominiert.<br />

46<br />

KulturFenster


Heimatpflege<br />

Oma hat es vorgelebt<br />

Veronika Wetzel: „Ich glaube sehr wohl, dass die<br />

Jugend mitreden und ihr Dorf mitgestalten möchte.“<br />

KulturFenster: Was hat Sie dazu bewogen,<br />

im Heimatpfl egeverein Marling mitzuarbeiten?<br />

Veronika Wetzel: Der Heimatpfl egeverein<br />

Marling hat mich von der Kindheit an begleitet.<br />

Meine Oma, Maridl Innerhofer, war<br />

im Verein stark engagiert. Sie hat oft von<br />

ihrer Arbeit erzählt. Ich erinnere mich,<br />

dass sie mit ihrer Kamera durch das Dorf<br />

spaziert ist, Veränderungen dokumentiert<br />

und diese, wenn notwendig, auch lautstark<br />

kritisiert hat. Sie hat mir vorgelebt,<br />

wie wichtig das Bewahren ist, auch wenn<br />

Veränderungen oft notwendig sind. Mitverändern,<br />

mitgestalten und in Entscheidungen<br />

eingebunden werden kann man<br />

nur, wenn man sich einbringt. Deshalb bin<br />

ich wie meine Eltern<br />

Vereinsmitglied.<br />

Als ich gefragt<br />

wurde, ob<br />

ich auch im Vorstand<br />

mitarbeiten<br />

möchte, habe ich<br />

Ja gesagt.<br />

KF: In welchen<br />

Bereichen möchten<br />

Sie sich besonders<br />

engagieren?<br />

V. Wetzel: Die<br />

Umwelt ist mir<br />

ein großes Anliegen.<br />

Ich habe<br />

mich auch an der Fridays-for-Future-Bewegung<br />

beteiligt und hoffe, dass sie jetzt<br />

bald wieder sichtbar und aktiv sein kann –<br />

und gehört wird. Zudem glaube ich, dass<br />

es hier in unserem Dorf auch Möglichkeiten<br />

gibt, in Sachen Umwelt etwas zu<br />

verbessern oder zu verändern.<br />

KF: Sie sind die Jüngste im Vorstand des<br />

Heimatpfl egevereines Marling. Ist dieser<br />

Verein für einen jungen Menschen überhaupt<br />

attraktiv?<br />

V. Wetzel: Ich muss zugeben, dass ich mir<br />

während meiner Studienzeit in Wien eine<br />

Rückkehr nach Südtirol gar nicht vorstellen<br />

wollte. Es hat dann eine Weile gedauert,<br />

bis ich gemerkt habe, dass ich nicht<br />

in die große, weite Welt gehöre, sondern<br />

in dieses kleine Marling. So ähnlich wird<br />

es vielleicht auch anderen jungen Menschen<br />

gehen. Dennoch glaube ich sehr<br />

wohl, dass die Jugend mitreden und ihr<br />

Dorf mitgestalten möchte. Andere traditions-<br />

und heimatbewusste Vereine wie<br />

die Schützenkompanien oder die Musikkapellen<br />

fi nden großen Zuspruch unter<br />

den Jugendlichen. Vielleicht ist ihnen der<br />

Heimatpfl egeverein nur nicht so bekannt.<br />

KF: Wie könnte man junge Menschen dazu<br />

animieren, beim Heimatpfl egeverein mitzuwirken?<br />

V. Wetzel: Ich habe vor allem während der<br />

corona-bedingten Einschränkungen gemerkt,<br />

wie wichtig die sozialen Netzwerke<br />

sind, vor allem für Jugendliche, aber nicht<br />

nur für sie. Eine Möglichkeit wäre es, aktiver<br />

in diesen Netzwerken zu sein, eventuell<br />

Projekte und Veranstaltungen dort anzukündigen,<br />

nach Meinungen zu fragen<br />

und auf diesem Weg Kontakte aufzubauen.<br />

5 ‰ für die Natur- und Kulturlandschaft<br />

5 ‰ für den Heimatpflegeverband<br />

Seit heuer ist der Heimatpflegeverband in die Liste der möglichen 5­Promille­Empfänger eingetragen. Damit hat man die Möglichkeit,<br />

die Heimatpflege auch über die Steuererklärung zu fördern.<br />

Der Heimatpfl egeverband setzt sich für den Erhalt unserer Natur­ und Kulturlandschaft und der historischen Baukultur, für eine<br />

offene und traditionsbewusste Gesellschaft, für die Förderung der Volkskultur, der Tracht und der Mundart, für die Heimat ein.<br />

Unterstützen auch Sie die Tätigkeit des Heimatpflegeverbandes, indem Sie bei der Steuererklärung (Mod. CUD, Mod 730 oder<br />

Mod. UNICO) ganz einfach und unkompliziert im entsprechenden Feld die Steuernummer 80006000212 des Heimatpfl egeverbandes<br />

Südtirol eintragen und Ihre Unterschrift daruntersetzen.<br />

Vielen Dank für die Unterstützung!<br />

<strong>Nr</strong>. 02 | <strong>Juni</strong> <strong>2020</strong> 47


Aus Verband und Bezirken<br />

Wiesmair-Kapelle fertig restauriert<br />

Heimatschutzverein Lana – Wertvolle Freskenfunde im Inneren<br />

Die Wiesmair-Kapelle in der<br />

Metzgergasse vor…<br />

…und nach der Restaurierung<br />

Die Wiesmair-Kapelle wurde im frühen 18.<br />

Jahrhundert errichtet und nun restauriert. Vor<br />

dieser Kapelle wurde einst für die aus Rateis<br />

über den alten Völlaner Weg nach Lana<br />

gebrachten Verstorbenen Totenrast gehalten.<br />

Der einfache Bildstock mit Rundbogenöffnung,<br />

einem überfangenen Dreiecksgiebel<br />

an der Straßenseite und einem wenig<br />

einspringenden Altarerker liegt am oberen<br />

Ende der Metzgergasse an der Kreuzung<br />

zur Gampenstraße. Die Sterne im<br />

Abschlussgitter weisen zudem auf ein Marienpatrozinium<br />

hin.<br />

Vorarbeiten, Lokalaugenscheine,<br />

Kostenvoranschläge<br />

Bereits im Jahr 2014 fanden konkrete Gespräche<br />

zur umfangreichen und fachgerechten<br />

Restaurierung der Wiesmair-Kapelle<br />

in Oberlana statt. Seit 2016 wurde<br />

dann eifrig gearbeitet. Der Obmann des<br />

Heimatschutzvereines Lana, Albert Innerhofer,<br />

hatte sich bereits zuvor seit Jahren<br />

(seit 2004!) darum bemüht, dass diese Kapelle<br />

am oberen Eingang zur „guten Stube“,<br />

dem Gries, endlich restauriert würde. So<br />

konnten zunächst an dieser um 1750 errichteten<br />

Marienkapelle nach dem Besitzerwechsel<br />

im Jahr 2015 mit der Entfeuchtung,<br />

Trockenlegung und Anlegung einer<br />

fachgerechten Drainage durch die Firma<br />

Harald Haller die ersten wichtigen Maßnahmen<br />

ergriffen werden. Zudem erfolgten<br />

die komplette Erneuerung des Dachstuhles<br />

und die Neueindeckung mit Mönch-und-<br />

Nonne-Ziegeln durch die Zimmerei Roland<br />

Platter. Die Spenglerarbeiten mit der<br />

Anbringung neuer Dachrinnen übernahm<br />

Günther Husnelder. 2016 begann Albert<br />

Innerhofer damit, das Inventar der denkmalgeschützten<br />

Wiesmair-Kapelle sicherzustellen<br />

und restaurieren zu lassen. So<br />

wurde zunächst die Herz-Jesu-Statue,<br />

die der in Altrei geborene Bildhauer Alois<br />

Zwerger 1904 in seiner Werkstatt in St. Ulrich<br />

in Gröden geschaffen hatte, von Karl<br />

Hofer restauriert.<br />

Barockes Bild<br />

„Maria Immaculata“<br />

Im Jahr 2017 ließ der Heimatschutzverein<br />

Lana das einmalig schöne und kostbare barocke<br />

Ölbild „Jungfrau Maria mit Darstellung<br />

der Tugenden“, das in einem Holzrahmen<br />

auf Leinwand gespannt ist, von Hubert<br />

Mayr fachgerecht restaurieren. Dabei wurden<br />

bei diesem Altarbild, das bereits seit<br />

Jahrzehnten aus Sicherheitsgründen privat<br />

untergebracht war, auch die Vergoldungen<br />

48<br />

KulturFenster


Heimatpflege<br />

Das barocke Altarbild „Maria<br />

Immaculata“<br />

am Rahmen freigelegt und ergänzt. Während<br />

dieser Restaurierungsarbeiten kam<br />

weder eine Jahreszahl der Bildentstehung<br />

noch eine Signatur des Malers zum Vorschein.<br />

Daher wandte sich Obmann Albert<br />

Innerhofer an die Kunsthistorikerin Maria<br />

Stifter und bat sie, sich dieses Altarbild näher<br />

anzuschauen.<br />

Dieses Bild im rundbogigen Abschluss mit<br />

den Maßen 172 x 122 cm zeigt im Mittelpunkt<br />

die Maria Immaculata auf einer Wolkenbank<br />

und auf der Mondsichel stehend.<br />

Sie ist mit dem wallenden weißen Kleid der<br />

Unschuld angetan und in einen blauen Mantel<br />

gehüllt. Mit ihrer rechten Hand hält sie<br />

geziert ein spitz zulaufendes Mantelende,<br />

in ihrer nach unten ausgestreckten linken<br />

Hand umfasst sie die weiße Lilie. Die Lilie ist<br />

das Symbol ihrer Seelenreinheit, Unschuld,<br />

Jungfräulichkeit und Keuschheit. Ihre Augen<br />

blicken in Richtung Himmel. Maria ist<br />

von acht Putten begleitet, die sie umgeben<br />

und emporheben. Diese Putten verweisen<br />

händehaltend auf verschiedene Symbole:<br />

Spiegel, Bundeslade, Turm, weiße und rote<br />

Rose und leuchtenden Stern. Zudem hat der<br />

Maler im unteren Bildbereich Mondgesicht,<br />

Totenkopf und aufgehende Sonne festgehalten.<br />

Im Halbrund des Tafelbildes oben hat<br />

der Künstler noch das Emblem der Dreifaltigkeit<br />

mit dem Auge Gottes eingebracht.<br />

Die Zuweisung an einen Künstler<br />

Aufgrund vieler Übereinstimmungen mit<br />

anderen Werken des Meisters kann man<br />

dieses Altarbild der Werkstatt von Matthias<br />

Pußjäger (1654–1734), dem bedeutenden<br />

Maler des Hochbarocks, zuschreiben. Die<br />

Gründe für eine Zuschreibung sind folgende:<br />

Nach seiner Ausbildung in Rottenbuch<br />

bei seinem Vater, in Augsburg<br />

bei Heinrich Schönfeld und in der Werkstatt<br />

von Carl Loth in Venedig (ein Aufenthalt<br />

in Rom ist nicht gesichert) wird. Pußjäger<br />

1662 Bürger von Meran; 1689 kaufte<br />

er das Rautscherhaus und errichtete dort<br />

seine Werkstätte. Er malte zahlreiche Altarbilder<br />

für seine Heimat, aber als Bürger<br />

von Meran auch eine Anzahl von Altarbildern<br />

für Südtirol und Nordtirol. Für<br />

die Kapuzinerkirche in Lana schuf er das<br />

Giebelbild des Hochaltars mit dem hl. Felix.<br />

In der alten Pfarrkirche von Niederlana<br />

steht der Hochaltar mit dem Hochaltarblatt<br />

„Die Himmelfahrt Mariens“, das ehemalige<br />

Hochaltarblatt der Meraner Pfarrkirche.<br />

In St. Lorenz in Lana wird das Altarbild<br />

der Werkstatt zugewiesen. Sohn Joachim<br />

Pußjäger werden auch die Altarbilder der<br />

Kirche zum hl. Johannes von Nepomuk<br />

in Lana zugewiesen. Durch die geografische<br />

Nähe zu Meran kann es durchaus<br />

sein, dass Matthias Pußjäger den Auftrag<br />

auch für dieses Bild in Lana bekam, nachdem<br />

er in Lana schon andere Werke angefertigt<br />

hatte.<br />

Eine weitere Begründung für die mögliche<br />

Zuschreibung des Immaculata-Bildes<br />

an die Werkstatt von Matthias Pußjäger ist<br />

die figurenreiche Komposition dieses Bildes<br />

(Maria als Hauptfigur von schwebenden Engelgruppen<br />

umgeben), zudem sind es die<br />

Farbgebung und der Faltenwurf. Ein interessantes<br />

Indiz ist die Farbgebung, da die<br />

Hauptgestalten des Meisters oft aus einem<br />

Hintergrund von gelblich-bräunlichen oder<br />

bläulich-grünen Farbtönen herauswachsen.<br />

Satte Töne und scharfe Konturen der Gewandung<br />

zeigt hingegen der blaue Mantel<br />

von Maria, der mit seinem typischen<br />

bauschigen Faltenwurf eine harmonische<br />

Wirkung erzielt.<br />

Zusätzlich wurden im selben Jahr die<br />

zwei monstranzartigen Reliquienschreine,<br />

die auch kostbare Klosterarbeiten hinter<br />

Glas und geschnitzte Büstenreliefs von Jesus<br />

und Maria beinhalten, gereinigt und<br />

restauriert. Die Fenster mit Eingangstür<br />

und Oberlichte ließ der Heimatschutzverein<br />

Lana ebenfalls herrichten und entrosten<br />

bzw. neu bemalen. Die Firma Icejet<br />

führte die Sandstrahlarbeiten am Gitter<br />

aus, während Christoph Gabrieli und Karl<br />

Freigelegtes Fresko mit dem hl. Antonius<br />

von Padua<br />

Hofer Fenster, Oberlichte und Tür ausbesserten,<br />

neu verkitteten, das Eisengitter und<br />

die Rahmen neu strichen und anschließend<br />

montierten. Die zwölf Sterne am Abschlussgitter<br />

wurden vergoldet. Diese zwölf<br />

Sterne sind ein Symbol der Immaculata,<br />

verweisen auf die zwölf Stämme Israels,<br />

die das Volk Gottes bilden (Joh. Offb. 12,1-<br />

6). Zudem wurde auch das Türschloss mit<br />

Schlüssel erneuert.<br />

Wertvolle Fresken kommen<br />

zum Vorschein<br />

Im Frühjahr 2018 begann Restaurator Stefan<br />

Wörz mit seinen Mitarbeitern mit der<br />

Innenrestaurierung der Malereien. Dabei<br />

wurden einige sehr interessante und vor<br />

Jahrzehnten übermalte Fresken und Malereien<br />

wiederentdeckt. So erkennt man<br />

nun außen am Dreiecksgiebel Gottvater,<br />

der seine Arme schützend ausbreitet, mit<br />

Taube und mehreren Putten. Im Kapelleninneren<br />

kam rechts ein sehr qualitätsvolles<br />

Fresko mit der Figur des Heiligen<br />

Antonius in braunem Ordenskleid zum<br />

Vorschein, der eine Lilie in der Hand hält,<br />

mit Blick auf die Antonius-Basilika in Padua.<br />

Darüber befinden sich Freskenmalereien<br />

mit verschiedenem Rankenwerk<br />

und Dekormalereien aus der Entstehungszeit.<br />

Im Gewölbe kam der blaueingefärbte<br />

Himmel heraus.<br />

Diese äußerst wichtige Freilegung beanspruchte<br />

doppelt so viel Zeit und Kosten<br />

als ursprünglich angenommen. Auf<br />

<strong>Nr</strong>. 02 | <strong>Juni</strong> <strong>2020</strong> 49


Aus Verband und Bezirken<br />

Kosten und Dank<br />

Die Herz-Jesu-Statue des Bildhauers<br />

Alois Zwerger, 1904<br />

der linken Innenseite waren durch Feuchtigkeitsschäden<br />

die Malereien leider bereits<br />

verloren gegangen. Zudem musste<br />

die Firma Harald Haller sämtliche durch<br />

Wasserschäden beeinträchtige Mauern<br />

innen und außen abschlagen, anschließend<br />

alles verputzen und malen.<br />

Eine der monstranzartigen<br />

Klosterarbeiten<br />

Zwei Kernbohrungen durch die Firma eXakt<br />

wurden an der Westfront vorgenommen,<br />

damit in Zukunft eine bessere Durchlüftung<br />

stattfinden kann. Das restaurierte<br />

Altarbild „Maria Immaculata“, die neue<br />

Konsole für die Herz-Jesu-Statue und die<br />

ebenfalls restaurierte Altarmensa wurden<br />

schließlich im Herbst 2019 montiert. Abschließend<br />

fertigte der Tischler Michael<br />

Mair eine neue Altarplatte und das Holzpodest<br />

in Lärche an, und die zwei Reliquienschreine<br />

wurden montiert.<br />

Die Gesamtkosten für die fachgerechte<br />

Restaurierung dieses wertvollen Kleinodes<br />

am Gries betrugen, bedingt durch<br />

zusätzliche Restaurierungsarbeiten, über<br />

51.000 Euro. Die Kosten konnten durch<br />

die Besitzerfamilie, den Heimatschutzverein<br />

Lana, durch einen außerordentlichen<br />

Beitrag der Marktgemeinde Lana,<br />

das Landesdenkmalamt und zahlreiche<br />

Spender sowie einige beteiligte Firmen<br />

aufgebracht werden.<br />

Ein herzliches Vergelt´s Gott allen, die<br />

mit ihrer Spende zum guten Gelingen dieser<br />

notwendigen und sehr umfangreichen<br />

Restaurierungsarbeiten bei der Wiesmair-<br />

Kapelle beigetragen haben, die nun wiederum<br />

in neuem Glanz erstrahlt. Die Segnung<br />

der restaurierten Kapelle wird aufgrund<br />

der derzeitigen Situation zu einem späteren<br />

Zeitpunkt erfolgen.<br />

Text & Fotos:<br />

Albert Innerhofer<br />

Quellen:<br />

- Dr. Maria Stifter,<br />

Altarbild Wiesmair-Kapelle,<br />

15. Februar <strong>2020</strong><br />

- Leo Andergassen,<br />

Lana Sakral, S. 212, 1997<br />

- Albert Innerhofer, Jahresberichte<br />

Heimatschutzverein Lana 2014 bis <strong>2020</strong><br />

- Briefverkehr: Heimatschutzverein Lana,<br />

Gemeinde Lana und Landesdenkmalamt<br />

seit 2004<br />

Marterl restauriert<br />

Der Heimatschutzverein Lana berichtet<br />

Heuer waren es genau 50 Jahre, dass der<br />

Straßenwächter Karl Unterholzner aus Lana<br />

ums Leben kam. Das Marterle, mit dem ihm<br />

gedacht wird, wurde nun restauriert.<br />

Karl Unterholzner, geboren am 9. September<br />

1921, starb bei einem tragischen<br />

Unglück in der Bozner Straße am 12. Jänner<br />

1970. Der Familienvater hinterließ<br />

seine Frau und sieben unmündige Kinder.<br />

Der Verunglückte stand damals im<br />

49. Lebensjahr.<br />

Der Heimatschutzverein Lana hat nun das<br />

in die Jahre gekommene Marterle fachgerecht<br />

und originalgetreu durch den Malermeister<br />

Karl Christanell aus Algund restaurieren<br />

lassen.<br />

Es wurde kürzlich wiederum am Kapellenbildstock<br />

an der Kreuzung Boznerstraße<br />

– Zollstraße angebracht.<br />

Text & Foto:<br />

Albert Innerhofer<br />

50<br />

KulturFenster


Heimatpflege<br />

Baggern trotz Krise<br />

Naturreservate drohen, der Wirtschaft zum Opfer zu fallen<br />

In Coronazeiten erleben wir, wie schon lange<br />

nicht mehr, unsere wechselseitige Verwundbarkeit.<br />

In der Krise gibt es keinen sicheren<br />

Schutzmantel gegen die soziale Isolation und<br />

die Vertiefung bestehender Ungleichheiten<br />

trotz staatlicher Maßnahmen. Die wirtschaftlichen<br />

und politischen Folgen sind gravierend<br />

und werden tiefe Kerben hinterlassen.<br />

Dennoch lässt Corona nun zu, was vor<br />

dieser Zäsur kaum möglich war. So bekommen<br />

Phänomene wie die Globalisierung,<br />

der Turbokapitalismus und der Massentourismus<br />

plötzlich einen schalen Beigeschmack.<br />

Der Zauber des Wirtschaftswachstums<br />

ist zum Teil verfl ogen und wird<br />

immer häufiger auch von der Wirtschaftswissenschaft<br />

infrage gestellt. Die CO 2<br />

-Emissionen<br />

sind rückläufi g bei gleichzeitig erhöhter<br />

Müllproduktion.<br />

Die Coronakrise zu verklären, wäre aber<br />

ein Denkfehler. Sie sollte ganz nüchtern<br />

als das betrachtet werden, was sie ist: als<br />

Zeit der schmerzhaften Verluste, der Veränderung<br />

und Lernerfahrung mit offenem<br />

Ausgang, gewiss nicht als Gegenschlag der<br />

geschundenen Erde gegen den rücksichtslosen<br />

weltweiten Raubbau an der Natur.<br />

Zweifelhafte Gesetzesmanöver<br />

Zu unserem Entsetzen entnehmen wir<br />

der Presse, wie Unternehmen und Politik<br />

Beschlüsse fassen, die die Errichtung einer<br />

wohlgemerkt neuen Zahnradbahnverbindung<br />

der beiden Skizonen Seiser Alm<br />

und Monte Pana – Ciampinoi – Sellajoch<br />

ermöglichen. Die Abänderung des Artikels<br />

2, Absatz 2, Buchstabe b) des Landesgesetzes<br />

vom 23. November 2010, <strong>Nr</strong>. 14 bietet<br />

die rechtliche Grundlage für die Eintragung<br />

des Vorhabens in den Skipistenplan.<br />

Durch ein ausgeklügeltes Gesetzesmanöver<br />

erhält die Zahnradbahn als Transportmittel<br />

den Status einer gewöhnlichen Aufstiegsanlage<br />

mit Skibetrieb. Damit umgeht<br />

man die Eintragung in den Fach- bzw. Bauleitplan<br />

sowie eine europaweite Ausschreibung<br />

des Projektes.<br />

Mitten in der Coronakrise fuhren auf der Seiser Alm die Bagger auf.<br />

Es handelt sich hierbei um eine Verbindung,<br />

die eine der letzten naturbelassenen<br />

Zonen durchdringen und die das Wasserschutzgebiet<br />

„Cunfi n“ gefährden würde.<br />

Dort entspringt die Wasserquelle, die das<br />

ganze Dorf St. Ulrich, die Ortschaften Überwasser<br />

und Runggaditsch mit Trinkwasser<br />

versorgt und deren größtes ökologisches<br />

Lebensgut gefährden würde. Diese Investition<br />

würde sich nur rechnen, wenn große<br />

Menschenmassen diese Infrastruktur auch<br />

nützen würden.<br />

Und damit kommen wir zum springenden<br />

Punkt: Der neu entstandene Trubel würde<br />

einer unberührten Naturlandschaft fernab<br />

von Lärm und Hektik arg zusetzen.<br />

Es drängt sich die Frage auf, ob Bürgerinnen<br />

und Bürger der betroffenen Gemeinden<br />

Kastelruth und St. Christina diese<br />

Verbindung überhaupt wünschen, oder ob<br />

sich die Gemeindepolitikerinnen und -politiker<br />

durch ihre positiv gefassten Beschlüsse<br />

zu den eingereichten Projekten primär den<br />

übermächtigen Investoren und Interessengruppen<br />

fügen.<br />

Ein weiteres Bauvorhaben lässt aufhorchen:<br />

Am 6. April haben auf der Seiser Alm<br />

vor dem Hotel „Adler Lodge“ die Bauarbeiten<br />

für eine Unterführung der Straße begonnen.<br />

Auf der schönsten und größten<br />

Alm Europas wird wieder massiv gebaggert,<br />

ungeachtet der aktuellen Notlage und<br />

der zu erwartenden schweren Rezession.<br />

Naturbelassene<br />

Erholungsgebiete sichern<br />

Anderen Presseberichten zufolge soll das<br />

Hotel „Alpina Dolomites“ auf der Seiser Alm<br />

von einem Großinvestor aus Singapur übernommen<br />

worden sein. An diesem Beispiel<br />

lässt sich veranschaulichen, welche Folgen<br />

Kubaturverlegungen (Ex-Schutzhaus Dialer<br />

im Naturpark Schlern –Rosengarten) mit<br />

qualitativer und quantitativer Erweiterung<br />

in einem Landschaftsschutzgebiet haben<br />

können. Hierzu befragte HGV-Vertreter klingen<br />

merkwürdig verhalten.<br />

Wir rufen dringend dazu auf, ökologische<br />

Anliegen vor jenen der Wirtschaft<br />

zu beherzigen. Die naturbelassenen Erholungsräume<br />

sichern jene Grundlage,<br />

die lebenswertes Leben und Wirtschaften<br />

erst ermöglicht. Besonders in Krisenzeiten<br />

sollten wir keineswegs unsere letzten<br />

und wertvollsten Naturreservate sehr<br />

kurzfristigen Geschäftsinteressen opfern.<br />

Die Cunfinböden zählen zu jenen Rückzugsgebieten,<br />

in denen sich Mensch, Tiere<br />

und Pflanzen erholen können und eine gesunde<br />

Entschleunigung stattfi nden kann.<br />

Deshalb plädieren wir dafür, dass dieses<br />

gesamte Gebiet um das Langkofelmassiv<br />

als Naturpark ausgewiesen werden soll.<br />

Wir fühlen uns verpflichtet, dieses Areal<br />

– im Ausgleich zur intensiven Nutzung der<br />

Talsohle – als hochalpines Ruhe- und Naherholungsgebiet,<br />

frei von Luft- und Lärmverschmutzung,<br />

zu erhalten, und nicht leichtfertig<br />

und unwiederbringlich zu zerstören.<br />

Unsere Kinder und Enkel werden es<br />

uns danken.<br />

Sara Stuflesser (Gemeinderätin von<br />

St. Ulrich), Engelbert Mauroner (Vorsitzender<br />

der „Lia per Natura y Usanzes“),<br />

Hubert Mayrl (Vorsitzender der AVS-Sektion<br />

Schlern) zusammen mit der „Gruppe<br />

zum Erhalt unserer Berggebiete“<br />

<strong>Nr</strong>. 02 | <strong>Juni</strong> <strong>2020</strong> 51


im Gedenken<br />

Er hatte ein Herz für Kultur und Natur<br />

Pfarrer Johann Oberhammer – Ein persönlicher Nachruf von Claudia Plaikner<br />

Pfarrer Oberhammer im regen<br />

Gedankenaustausch mit Claudia<br />

Plaikner. Das Foto entstand in der<br />

„Alten Turnhalle“, wo die Ausstellung<br />

„Weiterbauen auf dem Land“ lief.<br />

Pfarrer Johann Oberhammer ist am 26. April<br />

<strong>2020</strong> im Alter von 81 Jahren verstorben. Er<br />

war ein kunstsinniger, engagierter und bescheiden-liebenswürdiger<br />

Diener im Garten<br />

des Herrn.<br />

Pfarrer Johann Oberhammer ist am 26.<br />

April <strong>2020</strong> im Alter von 81 Jahren verstorben.<br />

Er wusste seit einiger Zeit, dass er den<br />

Kampf gegen den Krebs nicht mehr gewinnen<br />

wird. Während der Weihnachtsfeiertage<br />

2019 brach Pfarrer Hans bei der Vorbereitung<br />

zu einer Messe in der Kirche von Taisten<br />

zusammen und kam zuerst ins Spital von<br />

Innichen und dann nach Bruneck; dort hat<br />

er seine letzten Lebenswochen verbracht.<br />

Ich habe ihn gemeinsam mit Heimatpfleger<br />

Albert Willeit am Krankenbett besucht.<br />

Und wie waren wir berührt von der Stärke<br />

und Klarheit seiner Aussagen. Selbst in dieser<br />

für ihn persönlich so schweren Situation<br />

war es ihm wichtig, uns ein „Vermächtnis“<br />

zu hinterlassen: Wir sollten weiterhin auf die<br />

Heimat schauen. Ganz besonders legte er<br />

uns die Pfarrhäuser – von denen ja immer<br />

mehr leer stehen – ans Herz: Sie sollten in<br />

Zukunft nicht veräußert werden, sondern<br />

dem Dorf und für öffentliche Zwecke zur<br />

Verfügung stehen. Die Salvatorkapelle beim<br />

Wildbad Innichen war ihm ein besonderes<br />

Anliegen und natürlich die Umgebung der<br />

Kirche und des Friedhofes in Taisten, ganz<br />

besonders der angrenzende Park.<br />

Der Schutz dieser grünen Oase mitten im<br />

Herzen von Taisten war auch unser letztes<br />

gemeinsames Projekt: Wir führten 2019<br />

einen Lokalaugenschein mit ihm und anderen<br />

Personen durch, beteiligten uns an<br />

einer Bürgerversammlung. In gewohnter<br />

Manier erlebte ich Pfarrer Hans bei diesen<br />

seinen Auftritten als Verfechter eines modernen<br />

Naturschutzgedankens, der einmal<br />

mehr den Beteiligten vor Augen führte, was<br />

Wert und Bestand hat, ja, haben muss, was<br />

ein Dorf lebenswert und besonders macht<br />

und ihm eine langfristige Perspektive für<br />

diese Erhaltung von Lebensqualität gibt: der<br />

Schutz der Natur auch im Siedlungsgebiet,<br />

die Ruhe eines nicht zweckoptimierten naturbelassenen<br />

Parks, der Respekt vor der –<br />

in diesem Fall – spirituellen Umgebung von<br />

Friedhof, Kirche und Pfarrhaus. Wie war ich<br />

ein anderes Mal erstaunt, als ich in unmittelbarer<br />

Nähe des religiösen Zentrums von<br />

Taisten sah, dass es hier Wiesen gibt, die<br />

durch einen leider sonst kaum mehr vorzufindenden<br />

Artenreichtum an Gräsern und<br />

Blumen hervorstechen. Pfarrer Hans, der 33<br />

Jahre lang diese Pfarrei betreute, erzählte<br />

mir, dass er die von der Pfarrei verpachteten<br />

Gründe um einen günstigen Pachtzins<br />

vergibt, dafür aber einfordert, dass auf diesen<br />

Wiesen kein Kunstmist und keine Gülle<br />

zum Einsatz kommen.<br />

Das „ökologische“ Herz von Pfarrer Hans<br />

schlug auch ganz stark für die Erhaltung<br />

und Weiterentwicklung unserer Kunst und<br />

Kultur. Sein großes Wissen um Geschichte<br />

und Kunst machte ihn zu einer Institution<br />

in Fragen der Bewertung, Gestaltung und<br />

Fortschreibung des architektonischen und<br />

kunstgeschichtlichen Erbes. Pfarrhaus und<br />

Kirche samt Interieur geben Zeugnis von seiner<br />

Kenntnis und Achtung vor der mittelalterlichen<br />

und barocken Kunst, ebenso aber<br />

von der Aufgeschlossenheit für moderne<br />

Kunst. Ein besonders evidentes Beispiel<br />

ist die Gestaltung des Friedhofes in Taisten,<br />

der aufgrund der Symbiose von natürlichen<br />

und künstlerischen Elementen, aufgrund der<br />

stimmig-individuell gestalteten Grabstätten<br />

eine Sonderrolle unter den Südtiroler Friedhöfen<br />

einnimmt. Katalogware verabscheute<br />

Pfarrer Hans ebenso wie kopflose Angepasstheit<br />

und sterile Uniformität.<br />

Hans Oberhammer, der nach seiner Priesterweihe<br />

1968 zuerst Kooperator in Taufers<br />

i. P. und in Schlanders, dann Pfarrer in<br />

Lichtenberg und Matsch war, war auch als<br />

Seelsorger immer ein „Selbstdenker“, der<br />

sich weder von weltlichen noch von geistlichen<br />

Autoritäten eine Meinung aufoktroyieren<br />

ließ, wenn diese nicht mit seiner innersten<br />

Überzeugung in Einklang zu bringen<br />

war. Oft galt sein Einsatz auch der Verteidigung<br />

ideeller angestammter Rechte. Ich erinnere<br />

mich lebhaft an das Jahr 2006, als<br />

der Verkauf des Klarissenklosters St. Josef<br />

in Taisten anstand. Pfarrer Hans machte<br />

sich mit einer Gruppe örtlicher Mitstreiterinnen<br />

und Mitstreiter zum Befürworter<br />

des Erhaltes des historischen Gebäudes für<br />

die Dorfbevölkerung, z. B. für die Nutzung<br />

durch lokale religiöse Vereinigungen. Die<br />

in vielen Jahrzehnten gewachsene starke<br />

Bindung der örtlichen Bevölkerung an das<br />

Kloster und die ideelle und finanzielle Unterstützung<br />

desselben brachte Pfarrer Hans<br />

als Argumente vor, was aber von der kirchlichen<br />

Obrigkeit ignoriert wurde.<br />

Pfarrer Hans haben Rückschläge aber<br />

nie entmutigt: Sich für das einzusetzen,<br />

was keine Lobby hat, gehörte ebenso zu seinem<br />

Credo wie dass der Mensch in seiner<br />

Würde stets im Vordergrund stehen muss.<br />

In Pfarrer Hans paarte sich auf eindrucksvolle<br />

Weise die Kunst der Beharrlichkeit, Aufrichtigkeit<br />

und des klaren Standpunktes mit<br />

einem zuvorkommenden und freundlichen<br />

Umgang mit Menschen, speziell auch mit<br />

solchen, die es im Leben nicht leicht hatten<br />

oder haben.<br />

Sich selber schonte er nie, fragte nie danach,<br />

welche Nachteile ihm aus seiner Haltung<br />

erwachsen würden. Seine Aktivitäten<br />

beschränkten sich nie auf die sogenannten<br />

Sonntagsreden, er selbst legte stets offen<br />

Zeugnis von seinen Wertvorstellungen ab,<br />

was sogar so weit führte, dass er sich angesichts<br />

der Baggerschaufeln, die dem altehrwürdigen<br />

Gerichtsgebäude in Welsberg um<br />

die Jahrtausendwende den Garaus machten,<br />

physisch dagegen stellte.<br />

Pfarrer Hans wird mir fehlen – seine Persönlichkeit<br />

hat mich und viele von uns bereichert.<br />

Er hat Vertrauen in uns gesetzt: In seinem<br />

Sinne auf unsere Heimat zu schauen,<br />

also sein „Testament“ umzusetzen, das soll<br />

weiterhin unser Ziel sein.<br />

52<br />

KulturFenster


im Gedenken<br />

Heimatpflege<br />

Er war ein Menschenfreund<br />

In memoriam Franz Simeoni<br />

Im 63. Lebensjahr ist Franz Simeoni, der<br />

viele Jahre als Landesvorstand, Ausschussmitglied<br />

des Bezirkes Überetsch Unterland<br />

und als Ortsbeauftragter in Neumarkt für die<br />

Heimatpflege tätig war, am 6. Mai <strong>2020</strong><br />

verstorben. Ein Nachruf von Luis Walter.<br />

Aus heiterem Himmel kam die Botschaft:<br />

Franz Simeoni ist tot. Noch kurz zuvor hatte<br />

man ihn im Dorf getroffen. Franz war ein<br />

Menschenfreund, als solcher suchte er die<br />

Menschen. Er kannte viele Menschen, und<br />

umgekehrt kannten viele Menschen Franz.<br />

Franz war ein kommunikativer Mensch, er<br />

ging auf die Menschen zu, ein Gespräch<br />

entstand bald, man freute sich.<br />

In jungen Jahren machte er die Prüfung<br />

zum Gemeindesekretär, was dann<br />

auch sein Beruf wurde, in den letzten Jahren<br />

war er dies in Margreid. Franz war in<br />

Neumarkt geboren und blieb mit Leib und<br />

Seele Neumarkter. Als solcher hat er die<br />

Politik in der Gemeinde Neumarkt der vergangenen<br />

20 Jahre verfolgt – und oft auch<br />

den Unmut vieler Menschen zu spüren bekommen,<br />

die den eingeschlagenen politischen<br />

Weg so nicht mittragen wollten. Die<br />

Folge war, dass sich Menschen, vor allem<br />

junge Menschen, zusammentaten und das<br />

Bündnis Neumarkt gründeten, um in der<br />

volkstumspolitischen Mitte in der Gemeindestube<br />

von Neumarkt ein Korrektiv zu<br />

sein, zur – wie sie es sahen – identitätslos<br />

gewordenen SVP-Führung von Neumarkt.<br />

Franz Simeoni war zwei Amtsperioden<br />

lang für das Bündnis Neumarkt Fraktionschef<br />

im Gemeinderat, wo er einige Funktionen<br />

innehatte, u. a. Vorsitzender der<br />

Kommission für Ehrungen verdienter Mitbürger<br />

und der Kommission für Verordnungen.<br />

Franz hat sich in seiner ehrenamtlichen<br />

und politischen Tätigkeit nicht<br />

nur Freunde gemacht, was aus seiner<br />

Sicht auch nicht der Zweck der Sache sein<br />

konnte. Respektiert als Mensch hat man<br />

ihn allemal. Franz war ein Homo Politicus,<br />

durch und durch. Politik war ein Teil seines<br />

Lebens, war seine Leidenschaft. Dabei<br />

gehörte er keiner Partei an, war parteilos,<br />

was nicht heißen soll, dass er keinen<br />

Standpunkt hatte. Er hatte sehr wohl Standpunkte,<br />

die er stets mit stichfesten Argumenten<br />

vertreten und verteidigen konnte.<br />

Er besaß eine Gabe, die heute vielfach bedeutungslos<br />

zu sein scheint: die Gabe, im<br />

tiefsten seines Herzens ein aufrechter Tiroler<br />

zu sein und im Zweifelsfalle, auch danach<br />

zu handeln.<br />

Franz war ein Mensch, den man für eine<br />

gute Sache begeistern konnte. Er war offen,<br />

nicht nur für Politik, er war offen für<br />

Kunst, für Literatur, Theater und Film, er<br />

war immer offen für ein ernstes Gespräch,<br />

wie auch für ein humorvolles.<br />

Ein Vorbild für die Heimatpflege<br />

Nun ist Franz nicht mehr, er wird fehlen.<br />

Er wird seiner Familie fehlen. Er wird den<br />

Freunden im Fleimstal fehlen mit denen ihn<br />

tiefe Wertschätzung verband. Er wird im Gemeinderat<br />

von Neumarkt fehlen, denn er<br />

war dort vielfach das Salz in der Suppe. Er<br />

wird in der Heimatpflege fehlen. Er wird in<br />

Neumarkt fehlen, er wird im Südtiroler Unterland<br />

fehlen, dem er sich im tiefsten Herzen<br />

eng verbunden fühlte. Er war ein Menschenfreund.<br />

Er möge ruhen in Frieden.<br />

Luis Walter<br />

Ausschuss Heimatpflege Bezirk Unterland Überetsch gedenkt Franz Simeoni<br />

Tief erschüttert über den so plötzlichen Tod unseres lieben Freundes und Mitstreiters<br />

Franz Simeoni möchten wir der Familie und den Angehörigen unser tief empfundenes<br />

Mitgefühl und Beileid aussprechen.<br />

Franz ist und war uns ein Vorbild im Einsatz für das Unterland, für Südtirol, für die<br />

Heimat und die Erde, auf der wir leben.<br />

Seine Initiativen, seine Ideen, sein Mut, sein Wissen und seine Arbeit sind unersetzlich<br />

und werden uns unermesslich fehlen. Wir können und wollen nach seinem<br />

Vorbild weitermachen, um in seinem Sinne weiter auf unsere Umwelt zu hören<br />

und zu achten. Franz wird uns weiter Vorbild sein. Seine Worte und Aktionen<br />

sowie seine vorgelebte Freundschaft werden uns im Vorstand der Heimatpflege<br />

Unterland weiterhin stärken und begleiten.<br />

<strong>Nr</strong>. 02 | <strong>Juni</strong> <strong>2020</strong> 53


Arge Lebendige Tracht<br />

Die Tracht lag ihr am Herzen<br />

Rosl Viehweider geb. Plattner aus Gries/Bozen zum Gedenken<br />

Rosl Viehweider geb. Plattner<br />

(1937–<strong>2020</strong>)<br />

Wenn wir heute viele Bäuerinnen in ihren<br />

schmucken Trachten sehen, so ist das keine<br />

Selbstverständlichkeit. Es brauchte Frauen<br />

wie Rosl Viehweider geb. Plattner, die sich<br />

in fachkundiger Weise und mit viel Eifer jahrzehntelang<br />

für die Tracht eingesetzt haben.<br />

Ganze 18 Jahre lang hat sie ihr Wissen und<br />

Können in die Arbeitsgemeinschaft Lebendige<br />

Tracht eingebracht. Am 6. <strong>Juni</strong> <strong>2020</strong><br />

ist Rosl Viehweider im Alter von 82 Jahren<br />

verstorben.<br />

Erste Vertreterin der<br />

Bäuerinnen-Organisation<br />

Ein neues Statut hatte es möglich gemacht,<br />

dass Vertreter der drei bäuerlichen Organisationen<br />

in die Arbeitsgemeinschaft Lebendige<br />

Tracht aufgenommen werden konnten.<br />

Rosl Viehweider war die erste Vertreterin<br />

der Südtiroler Bäuerinnenorganisation. Sie<br />

kam 1985 in die Arbeitsgemeinschaft und<br />

blieb bis 2003. Ein wertvoller Zugewinn,<br />

war sie doch die stellvertretende Landesbäuerin<br />

unter Maria Leiner aus Marling. Als<br />

Ortsbäuerin von Gries/Bozen hatte sie sich<br />

als Fachfrau für Dirndl und Tracht bzw. für<br />

das Nähen von Trachtenhemden einen Namen<br />

gemacht. Dass die Musikkapelle Gries<br />

handgestrickte Stutzen nach einem alten<br />

Muster im Bozner Stadtmuseum trägt, ist<br />

auch ihr Verdienst.<br />

Gediegene Ausbildung<br />

Rosl Viehweider war Anfang 20, als sie die<br />

Haushaltungsschule in Steinach am Brenner<br />

besuchen durfte. Dort hatte sie gut nähen<br />

gelernt und als Meisterstück für sich<br />

selbst eine Bozner Tracht genäht. Von da<br />

an begleitete sie der Eifer für den Erhalt der<br />

Tracht ihr ganzes Leben lang. Sie vertiefte<br />

ihre Nähkenntnisse noch an einer italienischen<br />

Nähschule in Bozen. Nun hatte sie<br />

einen guten Blick für das richtige Sitzen einer<br />

Tracht und begann, für andere Trachten<br />

zu nähen. So kam sie durch ihr Hobby<br />

auch noch zu einem kleinen Zuverdienst.<br />

Vielseitig engagiert<br />

Rosl war viele Jahre lang Sängerin im<br />

Stiftspfarrchor St. Augustin in Gries. Dass<br />

sie an Feiertagen die Tracht trug, war für<br />

sie selbstverständlich. Sie fühlte sich wohl<br />

darin. Durch ihr gutes Beispiel angeregt,<br />

schafften sich viele eine Tracht an. Rosl<br />

half überall mit, wenn religiöse, kulturelle<br />

oder soziale Veranstaltungen eine helfende<br />

Hand brauchten. Dabei sah man<br />

sie oft auch im Dirndl. Ihre Freude waren<br />

die Berge.<br />

60 Jahre lang war sie Mitglied beim Südtiroler<br />

Alpenverein. Ganz besonders liebte<br />

sie Blumen. Wer erinnert sich nicht an die<br />

bunten Blumensträuße aus ihrem Garten,<br />

die sie an ihrem Obst- und Gemüsestand<br />

am Bozner Bauernmarkt verkaufte!<br />

Eifrige Trachtenpionierin<br />

Wer mit Rosl in der Arbeitsgemeinschaft<br />

Lebendige Tracht zusammenarbeitete,<br />

wird sich stets gerne an sie erinnern. Auf<br />

Rosl war immer Verlass. Sie hat sich nie<br />

vorgedrängt, hat einfach gearbeitet. Eine<br />

wunderbare Frau!<br />

Leider konnten wir uns von Rosl nicht in<br />

gebührender Weise verabschieden. Was<br />

bleibt, ist der Dank an eine engagierte<br />

Pionierin des Südtiroler Trachtenwesens<br />

und die Erinnerung an eine liebenswerte<br />

Trachtenfreundin.<br />

Agnes Andergassen<br />

54<br />

KulturFenster


Arge Volkstanz<br />

Heimatpflege<br />

Hereinspaziert<br />

• Almtanz der ARGE Volkstanz in Südtirol auf dem Würzjoch am 19. Juli <strong>2020</strong>.<br />

• Tanzleiterausbildung Modul 1 am 5. September <strong>2020</strong> in der Lichtenburg/Nals.<br />

• „Gsung, gspielt, gitonzt und drzehlt“ im Volkskundemuseum Dietenheim am 13. September <strong>2020</strong> in Zusammenarbeit mit dem<br />

Südtiroler Volksmusikkreis Bezirk Pustertal.<br />

• Modul 3 ­ Ausbildung Kinder­ und Jugendtanzleiter in Pfalzen am 24. und 25. Oktober <strong>2020</strong>.<br />

• Landeskathreintanz am 14. November <strong>2020</strong> im Kursaal von Meran mit der Musikgruppe „Tanzig“. Die Pausengestaltung<br />

übernimmt der Bezirk Überetsch/ Unterland.<br />

• Winterlehrgang vom 26.Dezember <strong>2020</strong> bis 1. Jänner 2021 im Haus der Familie in Lichtenstern.<br />

Weitere Infos im Büro der Arbeitsgemeinschaft Volkstanz, Tel.: 0471/970555 oder info@arge­volkstanz.org<br />

KulturFenster<br />

Blasmusik, Chorwesen und Heimatpflege in Südtirol<br />

Redaktion KulturFenster<br />

Redaktionsschluss für die nächste<br />

Ausgabe des KulturFensters<br />

ist Freitag, 17. Juli <strong>2020</strong>.<br />

Bitte Termin genau beachten!<br />

<strong>Nr</strong>. 02 | <strong>Juni</strong> <strong>2020</strong> 55


Danke<br />

Danke an alle Rettungskräfte<br />

Danke an alle Pflegekräfte<br />

Danke an alle, die im Supermarkt arbeiten.<br />

Danke an alle Polizisten<br />

Danke an alle Ärzte<br />

Danke an alle Menschen,<br />

die durch ihre Arbeit dem Coronavirus ausgesetzt sind,<br />

aber trotzdem weitermachen!<br />

Ohne euch ginge es nicht!<br />

Impressum<br />

Mitteilungsblatt des Verbandes Südtiroler<br />

Musikkapellen, des Südtiroler Chorverbandes<br />

und des Heimapflegeverbandes Südtirol<br />

Eigentümer und Herausgeber:<br />

Verband Südtiroler Musikkapellen, Bozen<br />

Ermächtigung Landesgericht Bozen<br />

<strong>Nr</strong>. 27/1948<br />

Schriftleiter und im Sinne des Pressegesetzes<br />

verantwortlich:<br />

Dr. Alfons Gruber<br />

Als Pressereferenten für die Darstellung der<br />

entsprechenden Verbandsarbeit zuständig:<br />

VSM: Stephan Niederegger,<br />

E-Mail: kulturfenster@vsm.bz.it<br />

SCV: Paul Bertagnolli,<br />

E-Mail: info@scv.bz.it<br />

HPV: Florian Trojer,<br />

E-Mail: fl orian@hpv.bz.it<br />

Unverlangt eingesandte Bilder und Texte<br />

werden nicht zurückerstattet.<br />

Redaktion und Verwaltung:<br />

Verband Südtiroler Musikkapellen,<br />

I-39100 Bozen, Schlernstraße 1, Waltherhaus<br />

Tel. 0471 976387 - Fax 0471 976347<br />

E-Mail: info@vsm.bz.it<br />

Einzahlungen sind zu richten an:<br />

Verband Südtiroler Musikkapellen, Bozen,<br />

Waltherhaus<br />

Raiffeisen-Landesbank, BZ<br />

IBAN: IT 60S03493 11600 0003000 11771<br />

SWIFT­BIC: RZSBIT2B<br />

Jahresbezugspreis: Euro 20<br />

Gefördert von der Kulturabteilung<br />

der Südtiroler Landesregierung.<br />

Druck: Ferrari-Auer, Bozen<br />

Das Blatt erscheint als Zweimonatszeitschrift,<br />

und zwar jeweils am 15. Februar, April, <strong>Juni</strong>,<br />

August, Oktober und Dezember.<br />

Redaktionsschluss ist der 15. des jeweiligen<br />

Vormonats.<br />

56<br />

KulturFenster

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