Kulturfenster Nr. 03|2020 - Juni 2020
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Poste Italiane SpA – Sped. in a.p.<br />
-70% – NE BOLZANO – 72. Jahrgang<br />
<strong>Nr</strong>. 3 | JUNI | <strong>2020</strong><br />
Zweimonatszeitschrift<br />
KulturFenster<br />
Blasmusik, Chorwesen und Heimatpflege in Südtirol<br />
Sei ein Adler<br />
Chorsingen in Sicht?<br />
Corona: Jetzt Schritte setzen<br />
ABGESAGT<br />
ES BLEIBT STILL<br />
OHNE KULTUR
• Geleitwort •<br />
• Inhalt •<br />
• Blasmusik<br />
Das Thema: Musik macht Mut 3<br />
Alles nur Spaß!? Jahreshauptversammlung<br />
des VSM-Bezirkes Schlanders 6<br />
71. Jahreshauptversammlung des<br />
VSM-Bezirkes Brixen 7<br />
Tacet – oder warum wir unsere<br />
Musikkapelle lieben 8<br />
Die neue VSM – Homepage 10<br />
Musik in Bewegung 11<br />
Die Jugendseite 12<br />
Blasinstrumente sind keine Virenschleudern 14<br />
Share the Repertoire – das Kulturservice<br />
für Dirigentinnen und Dirigenten 15<br />
Das Blasmusikstudio – eine Initiative<br />
der österreichischen Blasmusikjugend 16<br />
Magari – Sunnseit Brass veröffentlicht CD 16<br />
Gratulation Walter Ratzek zum 60er<br />
und Sigismund Seidl zum 70er 17<br />
Festkonzert der Musikkapelle Toblach<br />
unter besonderen Vorzeichen 18<br />
Ars Nova: Der Komponist Valentin Gasser<br />
lässt die Würfel rollen 20<br />
Musikpanorama 22<br />
Motivation als Zauberwort<br />
Motivation, das ist das zentrale Thema des<br />
VSM in dieser Ausgabe des KulturFensters.<br />
Autor eines bemerkenswerten Beitrages ist<br />
Stefan Süssenbacher, Jahrgang 1981, aus<br />
St- Veit an der Glan (Kärnten). Er hat mit der<br />
Seminararbeit über Motivation den Lehrgang<br />
für Führungskräfte des Österreichischen Blasmusikverbandes<br />
(ÖBV) abgeschlossen. Motivation<br />
ist für ihn – und nicht nur für ihn –<br />
fürwahr ein Zauberwort. Doch was bedeutet<br />
das? Motivation ist Leidenschaft, Kraft und<br />
Mut, „etwas aus dir herauszuholen“, stellt er<br />
fest. Man solle es dem Adler nachmachen.<br />
Der habe den Überblick, kämpfe für sein Interesse,<br />
motiviere sich und lasse sich motivieren.<br />
Und noch eine wichtiger Appell des<br />
Autors: Wenn du denkst, du kannst es, dann<br />
kannst du es auch. Sein Resümee: „Sei konsequent<br />
mit dir und mit dem, was du tust,<br />
dann wirst du auch erfolgreich sein.“<br />
Der Obmann des Südtiroler Chorverbandes,<br />
Erich Deltedesco, bedauert, dass Singen im<br />
Chor trotz gewisser Erleichterungen im Grunde<br />
noch nicht möglich ist. Und gemeinsam singen<br />
und nicht alleine, das sei vor allem das<br />
• Chorwesen<br />
Verbandsobmann Erich Deltedesco:<br />
Zusammengehörigkeitsgefühl<br />
im Chor wird wachsen 25<br />
Chorsingen in Coronazeiten 26<br />
Im Gedenken an Hildegard<br />
Pernter Kostner 28<br />
Konzertreise des Männerchores<br />
Brummnet nach Südafrika 29<br />
Fahnenweihe in Martell/Gratulation:<br />
Hermann Schölzhorn wurde 70 30<br />
Titelbild: Die Musikkapelle Reischach<br />
war eine der ersten Kapellen, die die<br />
Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie<br />
zu spüren bekommen<br />
haben – für das traditionelle Frühjahrskonzert<br />
am 7. März war bereits alles<br />
vorbereitet. Zwei Tage vor dem Konzerttermin<br />
hieß es aber: „Nichts geht<br />
mehr!" In der Folge mussten landauf<br />
landab die Instrumente schweigen, und<br />
die Konzertsäle bleiben leer.<br />
Schöne, Erhebende beim Singen im Chor.<br />
Zurzeit sei es so, dass höchstens Teilproben<br />
für gewisse Register stattfinden könnten.<br />
Eine Alternative, vor dem Computer zu singen,<br />
wird von manchen lanciert. Aber Proben<br />
und Konzerte mit realer Präsenz seien<br />
durch kein PC-Programm zu ersetzen. Deswegen<br />
hofft der Obmann, dass die ganz normale<br />
Probentätigkeit bei einer weiteren Lockerung<br />
der Einschränkungen bald wieder<br />
möglich sein werde.<br />
Der Heimatpfl egeverband hielt am 29. Mai<br />
im großen Saal des Waltherhauses in Bozen<br />
seine 70. Jahresversammlung ab. Infolge der<br />
Coronakrise war es ein Zusammentreffen in<br />
kleinstmöglichem Rahmen unter größtmöglichen<br />
Sicherheitsvorkehrungen. Bei der fälligen<br />
Neuwahl des Vorstandes wurde Claudia<br />
Plaikner mit überwältigender Mehrheit<br />
in ihrem Amt als Landesobfrau bestätigt. Sie<br />
sieht in der Coronakrise eine Chance zu einer<br />
nachhaltigen, bewussten Lebensweise.<br />
Von der Politik fordert sie eine nachhaltige<br />
zukunftstaugliche Sicht bei der Lösung von<br />
Problemen.<br />
• Heimatpflege<br />
Alfons Gruber<br />
Das Thema: Corona – Was kommt danach? 31<br />
Interview mit Georg Kaser: „Gegen den<br />
Klimawandel gibt es keinen Impfstoff“ 33<br />
Offen, kritisch und aktiv<br />
Ein Beitrag von Dr. Josef Vieider 35<br />
Droht ein Rückschritt? Geht es auch<br />
in Coronazeiten verpackungsfrei? 36<br />
Unsere Gewässer – unsere Zukunft 37<br />
70. Vollversammlung des HPV Südtirol<br />
im Waltherhaus Bozen 40<br />
Ein guter Tag für Langtaufers 41<br />
Ein Jahr Netzwerk Kulturerbe 42<br />
Fotowettbewerb: „Wildbach Innichen“ siegt 43<br />
Meran - die Gartenstadt und das grüne Erbe 44<br />
Heimatschutz heißt auch Naturschutz 46<br />
Wiesmair – Kapelle in Lana fertig restauriert 48<br />
Seiser Alm – Baggern trotz Krise 51<br />
Im Gedenken an<br />
Pfarrer Johann Oberhammer aus Taisten 52<br />
Im Gedenken an Franz Simeoni 53<br />
Im Gedenken Rosl Viehweider geb. Plattner 54<br />
Arge Volkstanz: Hereinspaziert 55<br />
2<br />
KulturFenster
Das Thema<br />
Blasmusik<br />
Musik macht Mut<br />
… oder wie man sich für (seine) Träume motivieren kann<br />
SEI EIN ADLER!<br />
Norwegischer Seeadler – Foto: Günther Kamelger<br />
Die Anforderungen an Führungskräfte steigen<br />
stetig. Nicht nur beruflich, sondern auch im<br />
Ehrenamt sind die Erwartungen an Vereinsobleute<br />
sehr hoch. Stefan Süssenbacher aus<br />
Kärnten hat vor einem Jahr den Lehrgang für<br />
Führungskräfte des Österreichischen Blasmusikverbandes<br />
(ÖBV) abgeschlossen. In<br />
seiner Abschlussarbeit hat er sich mit dem<br />
Thema „Motivation“ befasst. Im Folgenden<br />
hat er uns die Zusammenfassung seiner Seminararbeit<br />
zur Verfügung gestellt. Auf der<br />
ÖBV-Homepage ist die vollständige Arbeit<br />
abrufbar: https://www.blasmusik.at/seminardb/musik-macht-mut/<br />
Motivation<br />
Ein Wort begegnet uns heutzutage immer wieder:<br />
MOTIVATION. Doch was genau ist diese<br />
Motivation, wie bekomme ich sie, was kostet<br />
sie mir und was kann ich damit machen?<br />
Das Wort Motivation stammt ursprünglich<br />
aus dem lateinischen „movere“ und bedeutet<br />
so viel wie bewegen. Die Motivation<br />
ist also ein Beweggrund; DEINE Leidenschaft<br />
und DEINE Kraft etwas zu tun,<br />
etwas aus DIR herauszuholen.<br />
Wann warst du das erste Mal so richtig<br />
motiviert? Vermutlich kannst du dich<br />
nicht mehr genau daran erinnern! Es war<br />
mit ungefähr einem Jahr. Da wolltest du<br />
unbedingt laufen lernen! Nichts hat dich<br />
von deinem Ziel abgehalten. Viele Male<br />
bist du wieder auf deinem Hintern gelandet,<br />
um von Neuem immer wieder aufzustehen<br />
und endlich deinen ersten Schritt<br />
zu tun. Deine Eltern haben dich angefeuert,<br />
du selbst wolltest es unbedingt und so<br />
hast du dein großes Ziel erreicht. Du hast<br />
deinen ersten Schritt gemacht und konntest<br />
von nun an die Welt aus einer neuen<br />
Perspektive betrachten, andere Wege gehen,<br />
Hindernisse überwinden, die bis dahin<br />
unbezwingbar waren.<br />
Würden wir all unsere Vorhaben mit dieser<br />
Konsequenz angehen, wir könnten beinahe<br />
alles erreichen.<br />
Je älter man wird, desto leichter lässt<br />
man sich von Rückschlägen die Motivation<br />
nehmen. Oft hört man auch: „Das<br />
schaffst du nicht, das brauchst du nicht“,<br />
oder dergleichen.<br />
Was du schaffen willst, oder was du<br />
brauchst, entscheidest immer noch du<br />
selbst. Du alleine hast die Kraft und den<br />
Willen Dinge zu erreichen, die für andere<br />
unerreichbar sind.<br />
Welches Ziel hast du gerade jetzt vor Augen?<br />
Möchtest du deinen Schulabschluss<br />
machen, oder eine sportliche Herausforderung<br />
bewältigen? Gibt es ein besonderes<br />
Musikstück oder ein Musikinstrument, das<br />
du gerade erlernen möchtest?<br />
<strong>Nr</strong>. 02 | <strong>Juni</strong> <strong>2020</strong> 3
Das Thema<br />
I HAVE A DREAM<br />
Martin Luther King (1929 – 1968) setzte sich für die Bürgerrechte der Afroamerikaner in den USA ein, wobei er vor allem den<br />
gewaltfreien Kampf propagierte. Er wurde am 4. April 1968 in Memphis, Tennessie, bei einem Attentat ermordet. Legendär ist<br />
seine Rede „I have a dream“, die er 1963 vor mehr als 250.000 Menschen beim Lincoln Memorial in Washington D.C. hielt.<br />
Keine Herausforderung ist zu groß, du<br />
alleine bestimmst, welche Herausforderung<br />
du annehmen möchtest und mit<br />
welchem Aufwand, mit wie vielen Schritten,<br />
du dein Ziel erreichen wirst. Lass dir<br />
das Eine nicht nehmen: Deine Vision und<br />
deinen Traum!<br />
Träume!<br />
Ein weiteres Wort, das unmittelbar mit dem<br />
Thema Motivation in Verbindung steht, ist<br />
somit das Wort TRÄUMEN! Wer keine Visionen,<br />
Ziele und eben Träume hat, der<br />
Jürgen Höller, Jahrgang 1963,<br />
ein bekannter deutscher<br />
Motivationstrainer, hat trotz mehrerer<br />
Pleiten immer wieder erfolgreiche<br />
Unternehmen aufgebaut.<br />
kann auch nicht durch sich selbst oder<br />
andere motiviert werden.<br />
„I have a dream.“<br />
(Martin Luther King)<br />
Diesen Spruch prägte Martin Luther King.<br />
Im täglichen Leben ist es wichtig, Ziele<br />
zu haben und diese auch ständig neu zu<br />
definieren. Man wird nicht jedes Ziel erreichen,<br />
doch wird man erkennen, dass<br />
auf dem Weg zum Ziel vieles auf einen<br />
zukommen kann.<br />
Sich auf den bereits erarbeiteten Lorbeeren<br />
auszuruhen ist der falsche Weg.<br />
Nur durch neue Impulse und Erfahrungen<br />
können sich neue Ideen entfalten und<br />
neue Ziele gesteckt werden. Viele Male<br />
in deinem Leben kommst du an eine<br />
Wegkreuzung und du musst dich entscheiden,<br />
welchen Weg du gehen wirst.<br />
Du weißt nicht, was dich am Ende des<br />
Weges erwartet, doch nur du kannst es<br />
herausfinden.<br />
Sei ein Adler!<br />
„Einer alten indischen Schöpfungsgeschichte<br />
zufolge schuf Gott zunächst eine<br />
Muschel und legte sie auf den Meeresboden.<br />
Dort führte sie kein aufregendes Leben.<br />
Den ganzen Tag über tat sie nichts<br />
anderes, als ihre Klappe zu öffnen, etwas<br />
Meerwasser hindurchfließen zu lassen<br />
und dann wieder die Klappe zu schließen.<br />
Tagaus, tagein gab es für sie nichts anderes<br />
als Klappe auf, Klappe zu, Klappe<br />
auf, Klappe zu, Klappe auf, Klappe zu …<br />
Dann schuf Gott den Adler. Ihm gab<br />
er die Freiheit zu fliegen und selbst die<br />
höchsten Gipfel zu erreichen. Es existierte<br />
fast keine Grenze für ihn. Allerdings<br />
zahlte der Adler für diese Freiheit<br />
einen Preis: Täglich musste er um seine<br />
Beute kämpfen. Nichts fiel ihm einfach<br />
so zu. Wenn er Junge hatte, musste er<br />
oft tagelang jagen, um genügend Futter<br />
heranzuschaffen. Aber diesen Preis bezahlte<br />
er gerne. Schließlich schuf Gott<br />
Mary Kay Ash (1918 – 2001) hat 1963<br />
mit der Gründung der weltweit agierenden<br />
Firma „Mary Kay Ash Cosmetics“ den<br />
Beweis angetreten, dass auch Frauen<br />
erfolgreich Unternehmen leiten können.<br />
4<br />
KulturFenster
Blasmusik<br />
Zur Person:<br />
Stefan Süssenbacher, geboren am 26. <strong>Juni</strong> 1981 in<br />
St. Veit an der Glan ist Beamter des Amtes der Kärntner<br />
Landesregierung und seit Oktober 2019 Landesobmann-<br />
Stellvertreter des Kärntner Blasmusikverbandes (KBV).<br />
Er ist Mitglied des Eisenbahner-Musikvereins Stadtkapelle<br />
St. Veit an der Glan (Trompete und Flügelhorn) und seit<br />
2014 dessen Obmann. Zudem ist er EDV-Referent des KBV<br />
(seit 2004) und Pressereferent des Blasmusikverbandes<br />
St. Veit (seit 2018).<br />
den Menschen und führte ihn zuerst zu<br />
der Muschel und anschließend zum Adler.<br />
Dann forderte er ihn auf, sich zu entscheiden,<br />
welches Leben er führen wolle.“<br />
(Schäfer, 2003)<br />
Entscheide dich dazu, ein Adler zu<br />
sein! Adler sein bedeutet, nicht abgehoben<br />
zu sein, sondern einen Überblick<br />
zu haben; um sein Interesse zu kämpfen,<br />
sich zu motivieren und auch motivieren<br />
zu lassen.<br />
„Sei nie zu feige, etwas zu tun, was<br />
dein Leben verändern könnte, denn<br />
es könnte deine größte Chance sein,<br />
wenn du den Mut dafür aufbringst.“<br />
(Jürgen Höller)<br />
Verbünde dich mit deiner<br />
Motivation!<br />
Du musst für dich selbst entscheiden, ob<br />
du dich mit der Motivation verbündest.<br />
Wenn du es tust, dann wirst du auch Erfolg<br />
und Freude am Tun haben. Den Weg,<br />
den du eingeschlagen hast, ist noch niemand<br />
vor dir gegangen, es ist dein Weg.<br />
Du wirst stolpern, du wirst Steine auf deinem<br />
Weg finden, doch denke immer daran:<br />
Mit vielen Steinen kannst du dir einen<br />
Weg über den Fluss bauen und ihn<br />
überqueren; du kannst dir einen Berg<br />
erschaffen und diesen Berg bezwingen.<br />
Fliege wie ein Adler durch die Lüfte, betrachte<br />
dein Umfeld und erkenne den<br />
richtigen Weg für dich und deinen Musikverein.<br />
Sei offen für Neues und<br />
nimm es an!<br />
Es ist niemals zu spät, sich weiterzuentwickeln.<br />
Nutze deine Zeit sinnvoll. Was<br />
sind deine Visionen für die Zukunft? Stecke<br />
dir Ziele! Lass Träume zu! Stelle dich<br />
neuen Herausforderungen!<br />
Wir haben heute so viele Möglichkeiten<br />
uns weiterzubilden. Viel zu lange beschäftigen<br />
wir uns mit unwichtigen Dingen im<br />
Leben. Nur DU selbst kannst dich zu dem<br />
Menschen entwickeln, der du sein willst.<br />
„Wenn du denkst, du kannst etwas,<br />
kannst du es. Und wenn du denkst,<br />
du kannst es nicht, hast du recht.“<br />
(Mary Kay Ash)<br />
Denke also immer daran, dass du deine<br />
dir gestellten Aufgaben bewältigen kannst.<br />
Stelle dich auf deine eigenen Beine und<br />
nimm dein Leben in die Hand. Die Musik<br />
gibt dir die KRAFT, sie gibt dir MUT und<br />
sie gibt dir die MACHT. Nutze deine Fähigkeiten,<br />
die du durch das Spielen deines<br />
Instrumentes hast. Vieles, das man<br />
zum Erlernen eines Instrumentes benötigt,<br />
ist für dein ganzes Leben umsetzbar.<br />
Sei konsequent mit dir und dem, was du<br />
tust, dann wirst du erfolgreich sein!<br />
KulturFenster<br />
Redaktion KulturFenster<br />
Ihre Beiträge (Texte und Bilder) für die Blasmusikseiten senden Sie bitte an: kulturfenster@vsm.bz.it<br />
Redaktionsschluss für die nächste Ausgabe des KulturFensters ist Freitag 17. Juli <strong>2020</strong>.<br />
<strong>Nr</strong>. 02 | <strong>Juni</strong> <strong>2020</strong> 5
Aus Verband und Bezirken<br />
„Alles nur Spaß!?“<br />
Am Sonntag, 26. Januar, lud der Bezirk<br />
Schlanders des Verbandes Südtiroler Musikkapellen<br />
zu seiner diesjährigen Jahreshauptversammlung<br />
in den Vereinssaal von<br />
Tschengls ein.<br />
Bei musikalischer Umrahmung durch<br />
die gastgebende Musikkapelle Tschengls<br />
konnte sich Bezirksobmann Florian Müller<br />
über die vollzählige Teilnahme aller 23<br />
Mitgliedskapellen des Bezirkes freuen. Die<br />
Delegierten der Mitgliedskapellen vertraten<br />
dabei die 1.117 Mitglieder der Mitgliedska-<br />
Jahreshauptversammlung des<br />
VSM-Bezirks Schlanders in Tschengls<br />
pellen, was einer durchschnittlichen Mitgliederanzahl<br />
von 48,56 entspricht. Davon<br />
sind 612 Mitglieder männlich (54,79%) und<br />
505 Mitglieder weiblich (45,21%). Der Altersdurchschnitt<br />
liegt bei 33,13 Jahren, wobei<br />
das älteste Mitglied mit 88 Jahren noch<br />
aktiv ist und das jüngste bereits mit 9 Jahren<br />
musiziert.<br />
Wie bei Jahreshauptversammlungen üblich,<br />
wurde die Möglichkeit genutzt, um einen<br />
Rückblick auf das vergangene Musikjahr<br />
zu geben. Bezirksschriftführer Martin<br />
Bezirksjugendleiter Josef Kofler, Bezirkskapellmeister Dietmar Rainer, Bezirksobmann<br />
Florian Müller, Verbandsobmann Pepi Fauster, Verbandskapellmeister Meinhard<br />
Windisch (verdeckt) und Verbandsgeschäftsführer Andreas Bonell (v. l.) bei der<br />
Jahreshauptversammlung des VSM-Bezirkes Schlanders<br />
Punter ließ dieses bildlich und in Kurzform<br />
Revue passieren. Genauere Informationen<br />
zum Tätigkeitsjahr lieferten dazu die jeweiligen<br />
Fachbereichsleiter. Besonders erwähnenswert<br />
dabei war sicherlich die gelungene<br />
VSM-Marschmusikbewertung in Latsch. Der<br />
Bezirksobmann und der Bezirksstabführer<br />
Erwin Rechenmacher bedankten sich dabei<br />
vor allem bei der Bürgerkapelle Latsch<br />
für die tadellose Organisation vor Ort sowie<br />
bei allen teilnehmenden Kapellen, besonders<br />
jenen aus dem eigenen Bezirk, für die<br />
gelungene Veranstaltung.<br />
Im Fachbereich Jugend zeigte sich Bezirksjugendleiter<br />
Josef Kofler über einen<br />
neuen Teilnehmerrekord von 75 Jugendlichen<br />
bei den Bezirks-Jungbläsertagen in<br />
der Fürstenburg in Burgeis hoch erfreut.<br />
Zeitgleich lud er aber auch alle Mitgliedskapellen<br />
dazu ein, die Jugendlichen zu den<br />
Jungbläserwochen des Verbandes zu schicken,<br />
da sie das notwendige musikalische<br />
Niveau dafür besäßen.<br />
Bezirkskapellmeister Dietmar Rainer gelang<br />
es für das diesjährige Gastreferat den<br />
Verbandskapellmeister Meinhard Windisch<br />
zu gewinnen. Unter dem Thema „Alles nur<br />
Spaß!?“ gelang es ihm dabei in kurzweiliger<br />
und zum Teil amüsanter Art und Weise wertvolle<br />
Tipps zur Probenarbeit im Speziellen<br />
und dem Miteinander in einer Musikapelle<br />
im Allgemeinen zu geben.<br />
Ein Bestandteil jeder Bezirksversammlung<br />
sind auch die Berichte der Verbandsvorstandsmitglieder.<br />
Dabei wusste Verbandsobmann<br />
Pepi Fauster über den erneuten<br />
Stillstand bei der Reform des „Dritten Sektors“<br />
zu berichten. Verbandskapellmeister<br />
Meinhard Windisch hingegen zeigte sich<br />
erfreut über die positive Entwicklung der<br />
mittlerweile landesweit etablierten Kapellmeisterausbildung,<br />
während Verbandsstabführer<br />
Klaus Fischnaller eine neues Probenkonzept<br />
bei Marschierproben sowie<br />
das geplante Jugendfestival im Jahr 2021<br />
ankündigte, bei welchem unter anderem<br />
auch die Musik in Bewegung im Vordergrund<br />
stehen soll.<br />
Dank- und Grußworte überbrachten zudem<br />
Verena Tröger in ihrer Eigenschaft als<br />
Kulturreferentin der Gemeinde Laas sowie<br />
der Obmann der gastgebenden Musikkapelle<br />
Tschengls, Hans-Jürgen Riedl.<br />
Im Anschluss an die Jahreshauptversammlung<br />
lud die Musikkapelle Tschengls<br />
alle Delegierten zu einem gemeinsamen<br />
Mittagessen ein.<br />
Florian Müller<br />
6<br />
KulturFenster
Blasmusik<br />
71. Jahreshauptversammlung<br />
des VSM-Bezirkes Brixen<br />
Bernhard Reifer und Albuin Meraner sind die neuen Bezirkskapellmeister<br />
Gute Nachrichten kommen aus dem VSM-Bezirk<br />
Brixen, der heuer seine Jahreshauptversammlung<br />
am 29. Februar in Milland abhielt.<br />
Nachdem die Position des Bezirkskapellmeisters<br />
sowie dessen Stellvertreters<br />
im VSM-Bezirk Brixen für ein Jahr vakant<br />
geblieben war, ist der Ausschuss seit der<br />
heurigen 71. Jahreshauptversammlung<br />
wieder (fast) komplett. Bernhard Reifer von<br />
der Musikkapelle Peter Mayr Pfeffersberg<br />
wurde von der Vollversammlung einstimmig<br />
zum Bezirkskapellmeister gewählt, Albuin<br />
Meraner von der Musikkapelle Feldthurns<br />
zum Bezirkskapellmeister-Stellvertreter. Die<br />
Funktionen des Jugendleiter-Stellvertreters<br />
sowie des Schriftführers sind nach wie vor<br />
unbesetzt. Die Aufgaben des Schriftführers<br />
übernimmt inzwischen weiterhin Bezirksobmann<br />
Pepi Ploner.<br />
Bei der Bezirksversammlung in Milland<br />
waren alle 28 Mitgliedskapellen des Bezirkes<br />
vertreten. Vom Verbandsvorstand<br />
waren Obmannstellvertreter Christian<br />
Schwarz, Verbandskapellmeister Meinhard<br />
Windisch sowie Verbandsstabführer Klaus<br />
Fischnaller anwesend. Die Stadtgemeinde<br />
Brixen vertrat Stadträtin Paula Bacher. Einen<br />
herzlichen Willkommensgruß richtete<br />
Obmann Pepi Ploner auch an die Ehrenmitglieder<br />
Toni Profanter und Sepp Mitterrutzner.<br />
Stellvertretend für alle im vergangenen<br />
Jahr verstorbenen Musikanten des<br />
Bezirkes gedachte die Vollversammlung<br />
des langjährigen Mitgliedes im Bezirksvorstand,<br />
Walter Messner, der zudem 60<br />
Jahre lang aktiver Musikant der Musikkapelle<br />
Gufidaun war.<br />
Neben den protokollarisch vorgesehenen<br />
Berichten berichtete Bezirksjugendleiterin<br />
Anna Vonmetz über die Tätigkeit des<br />
vergangenen Jahres in Sachen Jugendarbeit.<br />
Neben der Prüfung zur Erlangung<br />
der Jungmusiker-Leistungsabzeichen am<br />
1. <strong>Juni</strong> waren die Bezirksjungbläserwoche<br />
„Summer Sounds“ Ende August sowie das<br />
Adventkonzert „Spiel in kleinen Gruppen“<br />
Anfang Dezember die Schwerpunkte.<br />
Die 71. Jahreshauptversammlung mit musikalischem Rückhalt: (v.l.) Bezirksobmann<br />
Pepi Ploner, Verbandskapellmeister Meinhard Windisch, Verbandsstabführer Klaus<br />
Fischnaller, Stadträtin Paula Bacher (verdeckt) und Bezirksstabführer-Stellvertreter<br />
Stefan Ploner vor dem Saxophonensemble der MK Milland<br />
Bezirksstabführer Oskar Zingerle berichtete<br />
über die inzwischen etablierten Neuerungen<br />
im Bereich der Stabführer-Ausbildung. Das<br />
Stabführer-Leitungsteam mit Oskar Zingerle<br />
und dessen Stellvertreter Stefan Ploner<br />
machte bei der Landesjungbläserwoche<br />
im Vinzentinum sowie bei der Bezirksjungbläserwoche<br />
in Natz den Nachwuchsmusikanten<br />
die Musik in Bewegung auf kurzweilige<br />
Art schmackhaft.<br />
Bezirksobmann Pepi Ploner bedankte sich<br />
abschließend bei allen für ihre Mitarbeit, besonders<br />
bei jenen Musikkapellen, die eine<br />
Veranstaltung des Bezirkes organisatorisch<br />
mitgetragen oder sonst einen Dienst erwiesen<br />
haben. Die 72. Jahreshauptversammlung<br />
des VSM Bezirkes Brixen findet nächstes<br />
Jahr in Mühlbach statt. Ein großer Dank<br />
gilt dem Saxophon-Ensemble der Musikkapelle<br />
von Milland für die musikalische Umrahmung<br />
der Versammlung. In<br />
diesem Sinne bedankte sich der<br />
Obmann bei allen und schloss<br />
die Jahreshauptversammlung<br />
mit dem Wunsch auf ein erfolgreiches<br />
Musikjahr <strong>2020</strong><br />
im Zeichen von Harmonie und<br />
Freude.<br />
Oskar Zingerle<br />
Bezirksjugendleiterin Anna<br />
Vonmetz und Bezirkskassier<br />
Helmuth Nitz<br />
<strong>Nr</strong>. 02 | <strong>Juni</strong> <strong>2020</strong> 7
Aus Verband und Bezirken<br />
Tacet - oder: Warum wir unsere<br />
Musikkapelle lieben<br />
Ein Lagebericht aus Vöran<br />
Die Musikkapelle Vöran hat kürzlich auf<br />
Facebook den folgenden Text veröffentlicht,<br />
der im Grunde uns allen aus der Seele<br />
spricht und wohl für alle unsere Musikkapellen<br />
steht:<br />
„TACET“ kommt aus dem Lateinischen<br />
und bedeutet er/sie/es schweigt. In der musikalischen<br />
Fachsprache bedeutet TACET,<br />
dass die Musizierenden pausieren. Es ist<br />
nur ein Wort und dennoch beschreibt es<br />
perfekt die aktuelle Situation. Wie ein Wirbelsturm<br />
ist dieses TACET plötzlich über<br />
uns hereingebrochen. Über die Erde, über<br />
Europa, über Italien, über Südtirol, über<br />
unser Dorf und letztendlich auch über die<br />
Musikkapelle Vöran. Es war Anfang März,<br />
wenige Wochen vor unserem Saisonhöhepunkt,<br />
dem Frühjahrskonzert. Rund zwei<br />
Monate intensiver Probenphase lagen<br />
schon hinter uns. Es war dieser Moment,<br />
in dem man merkt: Oha, jetzt wird’s langsam<br />
ernst, jetzt müssen wir noch gehörig<br />
Gas geben, damit wir die Stücke ordentlich<br />
über die Bühne bringen können. Es<br />
war der Moment, wo, wie in jedem Jahr,<br />
die Anspannung und das Kribbeln, aber<br />
auch die Vorfreude auf das Frühjahrskonzert<br />
merklich größer wurden. Kurzum –<br />
Endspurt war angesagt. Doch just in diesem<br />
Moment kam „Corona“ über uns, wie<br />
ein plötzliches Sommergewitter, auch wenn<br />
die dunklen Wolken bei genauem Hinsehen<br />
schon seit einiger Zeit am Himmel zu<br />
sehen gewesen waren. Am 05. März trafen<br />
wir eine in dieser Form noch nie da gewesene<br />
Entscheidung: Das für den 21. März<br />
angesagte Frühjahrskonzert <strong>2020</strong> wurde<br />
abgesagt, jegliche Probentätigkeit wurde<br />
von heute auf morgen eingestellt. Anfangs<br />
noch im Glauben, wir könnten das Konzert<br />
im April nachholen, wurden wir relativ<br />
schnell von der Realität eingeholt. Am<br />
14. April gab es eine weitere Premiere in<br />
der Geschichte der Musikkapelle Vöran:<br />
Die erste vollkommen digital abgehaltene<br />
Ausschusssitzung. Aufgrund der neuesten<br />
Entwicklungen war uns zu diesem Zeitpunkt<br />
klar, dass unser „TACET“ wohl länger andauern<br />
würde, und wir mussten die Einstellung<br />
unserer Tätigkeit bis auf Weiteres<br />
beschließen. Keine Proben, keine Konzerte,<br />
8<br />
KulturFenster
Blasmusik<br />
„Corona“ kam über uns wie ein<br />
plötzliches Sommergewitter.<br />
keine Veranstaltungen, keine Böhmische,<br />
keine Jugendkapelle. Von 100 auf (fast) 0<br />
innerhalb weniger Wochen. Die aufwendige<br />
Jahresplanung dahin. Eine nie da gewesene<br />
Situation seit Bestehen der Musikkapelle.<br />
Doch was sind die Folgen? Was<br />
macht das mit uns? Sicher, im Moment<br />
sind die Probleme andere. Viele bangen<br />
um die Gesundheit, um den Arbeitsplatz,<br />
schlicht und einfach um die Existenz. Da<br />
ist der Verein im Moment zweitrangig und<br />
doch stellt sich die Frage, was macht unser<br />
Leben aus? Ist es die Arbeit? Die Familie?<br />
Oder sind es nicht auch, oder sogar<br />
vor allem die sozialen Kontakte, die Hobbys,<br />
der Sport, einfach alles, was wir in unserer<br />
Freizeit gerne machen?<br />
Welche Rolle spielen die Vereine, ob<br />
nun Musikkapelle, Sportverein, Schützen,<br />
Feuerwehr, Kirchenchor, Tuning-<br />
Club usw. für unser eigenes und nicht<br />
zuletzt auch für unser gemeinsames gesellschaftliches<br />
Leben in Vöran? Das Beispiel<br />
Musikkapelle macht es deutlich. Oft<br />
fühlten wir uns vor Corona vielleicht gestresst,<br />
wenn wieder mal Probe angesagt<br />
war, obwohl wir uns lieber zuhause auf<br />
dem Sofa ausgeruht hätten. Häufig ärgerten<br />
wir uns, wenn die Probe wieder mal<br />
ein bisschen länger dauerte. Ja, ab und<br />
an kam dem einen oder anderen Musikanten<br />
auch mal der Gedanke, dass ihm<br />
alles zu viel wird. Und jetzt? Anfangs ging<br />
es noch. Man dachte sich: „Die paar Wochen<br />
werden wir schon überstehen." Ja,<br />
manch einer freute sich sogar über die ruhige<br />
Zeit, den fehlenden Stress, die viele<br />
Freizeit. Doch relativ schnell tat sich diese<br />
Leere auf. Das Instrument und die Noten<br />
lagen griffbereit, aber was sollte man damit<br />
tun? Üben? Klar, jetzt hatte man ja endlich<br />
mal Zeit dafür! Aber nach kurzer Zeit<br />
stellte sich die Frage, wofür? Für welches<br />
Ziel? Und so ließ das Übepensum relativ<br />
rasch nach. Plötzlich wurde jede Blasmusiksendung<br />
im Radio zur Qual, weil<br />
jede gehörte Polka die Sehnsucht nach<br />
gemeinsamem Musizieren weckte. Aufnahmen<br />
unserer Konzerte und YouTube<br />
wurden zur Rettung, wenn die Entzugserscheinungen<br />
allzu groß wurden. Aber<br />
neben dem Musizieren merkte man immer<br />
mehr, dass vor allem eins fehlte: der<br />
Kontakt zu den anderen Musikanten, den<br />
Gleichgesinnten, den Kollegen und Freunden,<br />
das gesellige Zusammensitzen nach<br />
den Proben und Auftritten, ja, man vermisste<br />
plötzlich sogar die manchmal auftretenden<br />
Meinungsverschiedenheiten.<br />
Oder, wie es eine Musikantin in unserer<br />
vereinsinternen WhatsApp-Gruppe treffend<br />
formulierte: „Des blede Redn vermisst<br />
men jo schun felli.“ Vielleicht ist das<br />
Ganze letztendlich ja eine Lehre für uns<br />
und wir lernen einige Dinge wieder (mehr)<br />
schätzen. Zum Beispiel, dass wir uns frei<br />
bewegen dürfen, dass wir arbeiten dürfen<br />
(und nicht müssen), aber vor allem, dass<br />
wir die Möglichkeit haben, unsere sozialen<br />
Kontakte zu pflegen, indem wir unserer<br />
Vereinstätigkeit (welcher Art auch<br />
immer) nachgehen. Vielleicht sollten wir<br />
in Zukunft mit dem Bewusstsein, dass wir<br />
dürfen und nicht müssen, zur Probe gehen,<br />
uns nicht mehr beschweren, wenn<br />
der Kapellmeister mal wieder überzieht<br />
und vor allem jeden Moment, den wir in<br />
unserem Verein verbringen dürfen, genießen,<br />
denn man weiß nie, wann das nächste<br />
TACET im Notenblatt des Lebens steht<br />
und wie lange es anhält.<br />
Liebe Vöranerinnen und Vöraner: Wir<br />
wissen nicht, wie lange diese Zeit anhält,<br />
wir wissen nicht, wann wir wieder musizieren,<br />
Veranstaltungen abhalten oder bei<br />
euch zuhause um eure Unterstützung bitten<br />
dürfen. Aber eines können wir zu diesem<br />
Zeitpunkt versprechen: Nach diesem TA-<br />
CET werden wir vielleicht in einem PIANO<br />
(leise) beginnen. Dies wird aber rasch in<br />
ein CRESCENDO (immer lauter werdend)<br />
übergehen und früher oder später wird daraus<br />
wieder ein FORTISSIMO (möglichst<br />
laut/stark) werden, das wir alle gemeinsam<br />
im Bewusstsein, was wir an uns haben,<br />
mehr denn je genießen werden.<br />
Eure Musikkapelle Vöran<br />
Wir bedanken uns bei der Musikkapelle<br />
Vöran, die uns den Text freundlicherweise<br />
zur Veröffentlichung freigegeben hat und<br />
somit auch jenen zur Verfügung stellt, die<br />
nicht in den Sozialen Medien präsent sind.<br />
Neben dem Musizieren merkte man immer mehr, dass vor allem eins fehlte: der<br />
Kontakt zu den anderen Musikanten, den Gleichgesinnten, den Kollegen und<br />
Freunden, das gesellige Zusammensitzen nach den Proben und Auftritten …<br />
<strong>Nr</strong>. 02 | <strong>Juni</strong> <strong>2020</strong> 9
Aus Verband und Bezirken<br />
Die neue VSM-Homepage<br />
Am 29. Mai <strong>2020</strong> ist die neue VSM-Homepage freigeschaltet worden.<br />
Der Verband Südtiroler Musikkapellen ist<br />
seit 2004 im Internet mit einem eigenen<br />
Auftritt präsent.<br />
10 Jahre später wurde die VSM-Internetseite<br />
grundlegend erneuert und den damaligen<br />
Erfordernissen angepasst. Seit 1.<br />
<strong>Juni</strong> 2014 war die Homepage in der bisher<br />
bekannten Form online und wurde laufend<br />
mit den aktuellen Informationen und Daten<br />
bestückt. Um den heutigen, teils geänderten<br />
Anforderungen gerecht zu werden und auch<br />
neue Techniken nutzen zu können, wurde<br />
die Homepage nun grundlegend erneuert.<br />
In Zusammenarbeit mit der Werbeagentur<br />
„Effekt!“ aus Neumarkt haben die einzelnen<br />
Fachgruppen des VSM-Vorstandes in<br />
den letzten Monaten die Struktur und die<br />
Inhalte des Internetauftritts analysiert, besprochen,<br />
ergänzt und erneuert.<br />
Wer seit 29. Mai die Internetadresse<br />
„www.vsm.bz.it“ aufruft, dem öffnet sich<br />
die VSM-Homepage nicht nur in einem<br />
völlig neuen Erscheinungsbild, sondern<br />
auch mit neuen Inhalten und Angeboten.<br />
Zudem wird es möglich sein, in Zukunft<br />
die Anmeldungen zu den VSM-Kursen<br />
über das Onlineportal zu machen. Reinklicken<br />
lohnt sich!<br />
Stephan Niederegger<br />
VSM-Medienreferent<br />
10<br />
KulturFenster
Musik in Bewegung:<br />
Flexibel und kreativ<br />
Blasmusik<br />
24.–25.10.<strong>2020</strong><br />
Leistungsabzeichen<br />
<strong>2020</strong><br />
Prüfungstermine<br />
http://www.vsm.bz.it/<strong>2020</strong>/04/20/<br />
junipruefungenabgesagt/<br />
Aus der Corona-Not eine musikalische Tugend machen<br />
Das Logo von Musik in Bewegung<br />
Nachdem die im Frühjahr eingeführten Einschränkungen<br />
zur Eindämmung der CoronaPandemie<br />
nun schrittweise gelockert<br />
werden, hat sich auch Verbandsstabführer<br />
Klaus Fischnaller Gedanken um mögliche<br />
NeustartSzenarien in Sachen Musik in Bewegung<br />
gemacht. „Marschauftritte sind bekanntermaßen<br />
nach wie vor nicht erlaubt.<br />
Daher müssen wir als Stabführer kreativ<br />
sein und neue Wege fi nden, uns weiterzuentwickeln<br />
oder Musik in Bewegung trotz<br />
Einschränkungen möglich zu machen“, sagt<br />
Fischnaller.<br />
Online-Tools<br />
Für Aus- und Weiterbildungsangebote<br />
werden die Stabführer auf die inzwischen<br />
vielfach etablierten Online-Tools zurückgreifen.<br />
„Wir möchten einen Grundkurs<br />
für Interessierte im Einzelunterricht anbieten.<br />
Vielleicht können wir damit auch<br />
Musikantinnen und Musikanten ansprechen,<br />
für die die Anmeldung zu einem<br />
‚regulären‘ Kurs bisher eine zu große<br />
Hürde darstellte“, erklärt der Verbandsstabführer.<br />
Es gibt zwei bis drei Online-<br />
Einheiten. Auf Wunsch kommt ein Ausbilder<br />
für eine praktische Probe direkt<br />
zur jeweiligen Kapelle, sobald dies wieder<br />
machbar ist.<br />
Erprobten Stabführern bietet die Fachgruppe<br />
eigens zugeschnittene Online-Module<br />
an. Da es sich auch hier um Einzelmeetings<br />
handelt, kann der Inhalt sogar<br />
individuell abgestimmt werden. Konkret<br />
denke man an die Möglichkeit eines Stabführers,<br />
Zeichengebung und Stabführung<br />
zu verbessern: „Wir können Anregungen<br />
zur Probengestaltung geben“, präzisiert<br />
Fischnaller.<br />
Workshops<br />
Ob das geplante Jugendfestival am 25.<br />
und 26. April 2021 stattfindet, wird im Oktober<br />
<strong>2020</strong> entschieden. Unabhängig davon<br />
möchte Fischnaller ein Angebot für die<br />
Jugend zum Thema Filmmusik und Musical<br />
in Kombination mit Bewegung anbieten.<br />
Möglich wäre etwa ein Workshop<br />
mit den Kindern und Jugendlichen vor<br />
Ort. „Sollten es die Umstände wieder zulassen,<br />
soll es auch eine Aufführung geben“,<br />
so Fischnaller.<br />
Alle Angebote sind kostenlos und die<br />
Teilnahme freiwillig und werden den Be-<br />
dürfnissen der Teilnehmer angepasst. Es<br />
werden bewusst keine fi xen Termine ausgeschrieben,<br />
denn wir möchten uns so flexibel<br />
wie irgendwie möglich den Anfragen<br />
und Bedürfnissen anpassen.<br />
Marschierproben in kleinen<br />
Gruppen<br />
Als Gedankenanstöße für mögliche<br />
Neustart-Szenarien nennt der Verbandsstabführer<br />
zudem Marschproben in kleinen<br />
Gruppen mit Schwerpunkt auf Bewegungselemente,<br />
Flashmob-Auftritte mit<br />
Sicherheitsabstand, spontane Marschkonzerte,<br />
Musikwanderungen sowie Musik-Tanz<br />
und Show im Kleinen. „Versuchen<br />
wir doch gemeinsam die Musik mit<br />
Bewegung neu und interessant zu gestalten,<br />
wobei natürlich der gesundheitliche<br />
Aspekt im Vordergrund stehen muss.“ Für<br />
alle Fragen stehen Klaus Fischnaller sowie<br />
die Stabführer-Fachgruppe mit ihren Bezirksstabführern<br />
zur Verfügung.<br />
Stephan Niederegger<br />
VSM-Medienreferent<br />
<strong>Nr</strong>. 02 | <strong>Juni</strong> <strong>2020</strong> 11
Die Jugendseite<br />
Eine musikalische Erfolgsgeschichte<br />
rund um den Ploseberg<br />
Die JuKa Lüsen/St. Andrä<br />
Begeisterung für die Musik, aber auch Unterhaltung und Spaß, das alles gehört zum Programm der Jugendkapelle<br />
Lüsen/St. Andrä.<br />
Wie alles begann<br />
Als die drei jungen Frauen Carolin Profanter,<br />
Helene Astner und Lisa Fischnaller<br />
2012 in ihren jeweiligen Kapellen die<br />
Jugendleitung übernahmen, wurde zeitgleich<br />
der Wunsch nach einer gemeinsamen<br />
Jugendkapelle geboren und noch<br />
im selben Jahr in die Tat umgesetzt. Das<br />
dörferübergreifende Projekt mit den drei<br />
musikalischen Leiterinnen und den anfänglich<br />
rund 30 Jungmusikantinnen und<br />
–musikanten war bereits im ersten Jahr<br />
ein voller Erfolg.<br />
Schon bald war klar: Es sollte nicht nur<br />
bei einem Projekt bleiben. Die Anzahl der<br />
Mitglieder stieg stetig und die Jugendkapelle<br />
wurde um Jungmusiker aus Afers<br />
erweitert. 2014 übernahm die Lüsner Jugendleiterin<br />
Brigitte Kaneider die mittlerweile<br />
doch aufwändig gewordene Organisation.<br />
Zusammensitzen, Spaß haben,<br />
Musizieren und natürlich Konzerte spielen:<br />
das war von Anfang an das Motto der<br />
Jugendkapelle. Die bunt zusammengemischte<br />
Jugendkapelle vom Ploseberg<br />
und Lüsnertal ist mittlerweile ein eingespieltes<br />
Team, vom Dorfleben nicht mehr<br />
wegzudenken und über das Eisacktal hinaus<br />
bekannt. Die Jugendkapelle Lüsen/St.<br />
Andrä: ein Garant für coole Musik,<br />
mitreißende Konzerte und natürlich<br />
viel Spaß. Die musikalische Leitung obliegt<br />
zur Zeit Carolin Profanter, Annalena<br />
Larcher, Dominik Pramsohler und Kilian<br />
Kier. Neue Projekte, neuer Schwung und<br />
viel Begeisterung; so lässt sich die Jahresplanung<br />
der Jugendkapelle Lüsen/St.<br />
Andrä beschreiben.<br />
Die Jugendkapelle, ihre<br />
Tätigkeit und Organisation<br />
Die Jugendkapelle Lüsen/St. Andrä gibt<br />
es seit mttlerweile acht Jahren. Sie besteht<br />
aus insgesamt 44 jungen Musikantinnen<br />
(27) und Musikanten (17) - im<br />
Alter zwischen 10 und 19 Jahren, wobei<br />
das Durchschnittsalter 13 bis 14 Jahre<br />
beträgt. Die Besetzung umfasst alle Register,<br />
die in einer Musikkapelle bzw. Jugendkapelle<br />
üblich sind.<br />
Die Organisation liegt derzeit in den<br />
Händen von Brigitte Kaneider, in Zusammenarbeit<br />
mit Katharina Egger, Verena<br />
Prosch und Sandra Hofer.<br />
Begonnen wird meistens in der närrischen<br />
Zeit. Die Jugendkapelle begleitet<br />
die Faschingsumzüge in Lüsen und St.<br />
Andrä musikalisch mit anschließendem<br />
Kurzkonzert und Showeinlagen. In diese<br />
Zeit fällt ebenfalls die Instrumentenvorstellung,<br />
bei welcher sich unsere Jungmusikanten<br />
immer wieder gerne beteiligen.<br />
Anfang Juli startet unsere intensive<br />
Probenphase, das Highlight ist dabei unser<br />
mehrtägiges Hüttenlager.<br />
Dort holen wir uns den letzten Feinschliff,<br />
erleben tolle Abenteuer, genießen<br />
die Gemeinschaft und haben natürlich<br />
viel Spaß. Das Erlernte präsentieren<br />
wir dann bei Konzerten in Lüsen, St. Andrä,<br />
Afers und bei Austauschkonzerten<br />
mit anderen Jugendkapellen. Ein einzigartiges<br />
Projekt war das Musical „Paul der<br />
Pinguin" in Zusammenarbeit mit den vier<br />
Grundschulen der Dörfer. Im Dezember<br />
nehmen wir meistens am „Spiel in kleinen<br />
Gruppen", organisiert vom VSM-Bezirk<br />
Brixen, teil. Die Kinder werden für<br />
ihren tollen Einsatz mit einem lustigen<br />
Überraschungstag belohnt.<br />
Interview und Koordination:<br />
Hans Finatzer, VSM-Verbandsjugendleiter<br />
12<br />
KulturFenster
Blasmusik<br />
Die musikalische Leitung<br />
Zwei Kapellmeisterinnen und ebenso viele Kapellmeister stehen<br />
abwechselnd am Dirigentenpult der JuKa Lüsen/St. Andrä<br />
Sie kommen aus St. Andrä bzw. aus Lüsen.<br />
Carolin Profanter, von Beruf Lehrerin, spielt selbst Querflöte:<br />
„Meine erste Blasmusikerinnerung ist mein Papi, der mit Herz<br />
und Seele Musikant ist. Schon von klein auf war bzw. ist Musik<br />
ein Teil meines Lebens und spielt eine große Rolle.“<br />
Annalena Larcher ist ebenfalls Querflötistin und von Beruf technische<br />
Zeichnerin. Über ihre erste Blasmusikerfahrung sagt sie:<br />
„Als ich als kleines Kind zur Prozession gehen durfte, hat mir<br />
die musikalische Begleitung der Musikkapelle immer gefallen.“<br />
Kilian Kier ist Schüler und Posaunist:<br />
„Schon als kleiner Junge haben mich die verschiedenen Gruppen<br />
auf den Festen fasziniert, unter anderem das Osterkonzert<br />
und die Frühschoppen. Da mein großer Bruder Trompete<br />
lernte, und ich das toll fand, bin ich zu einer Instrumentenvorstellung<br />
gegangen, wo ich mich dann für das Erlernen der Posaune<br />
entschieden habe.“<br />
Ganz im Zeichen der Musik: die Jugendkapelle<br />
Lüsen/St. Andrä<br />
Für den Saxophonist Dominik Pramsohler – auch er ist Schüler<br />
– ist die erste Blasmusikerfahrung<br />
„das Stück ‚Jingle Bells‘ , welches ich im ersten Musikschuljahr<br />
zu Hause ständig geübt habe, damit ich es in der Grundschule<br />
vorspielen konnte. Mein Vorhaben war, bereits im Winter<br />
etwas vorspielen können. Es war auch das erste Stück, das<br />
ich auswendig spielen konnte.“<br />
Eine junge Musikantin stellt sich vor:<br />
EVA<br />
Mein Name: Eva Stockner<br />
Alter: 10<br />
Ich spiele: Klarinette<br />
Ich lerne dieses Instrument, weil es Spaß und Freude macht und cool ist.<br />
In meiner Freizeit höre ich gerne: alles bunt gemischt, Pop …<br />
Was gefällt dir besonders an der JuKa? Viele Freunde spielen mit, gemeinsam werden<br />
tolle Lieder gespielt, die Betreuer sind volle cool, die Hüttenlager<br />
3 Dinge, die du auf eine einsame Insel mitnehmen würdest: Klarinette, Wasser und<br />
eine Freundin<br />
Wenn ich einen Wunsch frei hätte … würde ich gerne unsichtbar sein.<br />
<strong>Nr</strong>. 02 | <strong>Juni</strong> <strong>2020</strong> 13
Blasmusik International<br />
Blasinstrumente sind keine<br />
Virenschleudern!<br />
Trompete, Klarinette & Co unter Verdacht<br />
Aufgrund der aktuellen Situation wurden<br />
Blasinstrumente vermehrt als „Virenschleudern“<br />
und „Virenduschen“ bezeichnet. Um<br />
politische Entscheidungsträger korrekt informieren<br />
zu können, aber auch die oben<br />
genannten Bezeichnungen mit fundiertem<br />
Expertenwissen zu widerlegen, hat der Österreichische<br />
Blasmusikverband (ÖBV) Prof.<br />
Wilfried Kausel von der Universität für Musik<br />
und darstellende Kunst Wien (MDW) um<br />
seine Expertise gebeten.<br />
Seinen Berechnungen und Experimenten<br />
nach gibt es mit Blasinstrumenten<br />
keinen Luftausstoß,<br />
der über das<br />
ruhige kräftige Atmen<br />
hinausgeht. Ob beim<br />
Schmettern im Fortissimo<br />
Tröpfchen<br />
in der Atemluft in<br />
kleinste Schwebeteilchen<br />
zerteilt werden,<br />
die sich in der<br />
Raumluft anreichern,<br />
wird noch getestet. Falls<br />
es sich bestätigt, könnte eine<br />
dünne Folie über das Schallstück geklebt<br />
werden. Die Expertise von Prof. Kausel ist<br />
über den untenstehenden Link abrufbar.<br />
Sein Kollege Matthias Bertsch hat versucht,<br />
mit seiner Trompete eine Kerze in 20 cm<br />
Entfernung auszublasen. Es ist ihm nicht<br />
gelungen. Ähnliche Experimente wurden<br />
mit Klarinetten durchgeführt. Maria Großbauer,<br />
Abgeordnete des Nationalrates und<br />
Bereichssprecherin für Kunst und Kultur<br />
in Österreich, gab die Meinung von<br />
Prof. Kausel in der Nationalratssitzung am<br />
28. April <strong>2020</strong> wieder und untermauerte,<br />
dass ein hoffentlich stattfindender Sommertourismus<br />
in Österreich nicht ohne die<br />
Kultur stattfinden darf.<br />
Österreichischer Blasmusikverband<br />
Erich Riegler, Präsident des ÖBV<br />
Helmut Schmid, ÖBV-Bundesjugendreferent<br />
Blasinstrumente als<br />
Virenschleudern? Der<br />
mehrfach geäußerte<br />
Verdacht konnte noch<br />
keineswegs erhärtet<br />
werden.<br />
Aktuelle Informationen dazu gibt es unter:<br />
Die Expertise von Prof. Kausel sowie das Video zum Experiment von Matthias Bertsch und der Ausschnitt<br />
aus der Wortmeldung von Maria Großbauer in der zitierten Nationalratssitzung vom 30.04.<strong>2020</strong> sind auf<br />
der VSM-Homepage abrufbar:<br />
www.vsm.bz.it/<strong>2020</strong>/04/30/blasinstrumente-sind-keine-virenschleudern/<br />
Infektionsgefahr beim Musizieren - Zwei neue Studien lassen Bläser aufatmen<br />
www.br-klassik.de/aktuell/news-kritik/corona-infektion-gefahr-musiker-blaeser-studie-charite-bundeswehr-100.html<br />
Wichtiges Update: aktualisierte #COVID19 sicherheitsbedingungen für Orchester<br />
orchesterland.wordpress.com/<strong>2020</strong>/05/07/wichtiges-update-aktualisierte-covid19-sicherheitsbedingungenfuer-orchester/<br />
14<br />
KulturFenster
Blasmusik<br />
Share The Repertoire<br />
Werk-Empfehlungen geben, Werk-Empfehlungen erhalten!<br />
Es gibt mittlerweile eine<br />
unübersehbare Menge an<br />
Blasmusikliteratur. Gute und<br />
schlechte, geeignete und ungeeignete<br />
– je nach Anlass<br />
und Orchester. Es ist unmöglich<br />
für Dirigentinnen und Dirigenten<br />
den Überblick zu behalten.<br />
Oft gehen gute Werke<br />
– vielleicht gerade auch von<br />
kleineren und regionalen Verlagen<br />
– einfach unter!<br />
Die Dirigentinnen und Dirigenten<br />
tauschen gerne Empfehlungen<br />
untereinander aus.<br />
Gerne vertraut man auf die Erfahrung<br />
der Kollegin bzw. des<br />
Kollegen. Nur, es fehlt an der<br />
Gelegenheit!<br />
Die Idee von „Share the Repertoire“<br />
setzt hier an: Die Idee hinter dieser<br />
Online-Aktion ist sehr einfach: Jeder<br />
Teilnehmer empfiehlt ein Werk. Stellt es<br />
vor, lässt eventuell ein paar Ausschnitte<br />
davon hören, erzählt, welche Schwierigkeiten<br />
und Besonderheiten es enthält,<br />
warum er gerade dieses Werk empfiehlt<br />
und wie es in der Blasorchester-Konzertprogrammierung<br />
eingesetzt werden kann.<br />
Insgesamt 12 Dirigentinnen und Dirigenten<br />
können sich zu diesem Zoom-<br />
Online-Meeting anmelden. Somit lernt<br />
jeder – im Idealfall, wenn alle Plätze besetzt<br />
sind – 11 neue Werke für Blasorchester<br />
kennen!<br />
Jede Dirigentin und jeder Dirigent bekommt<br />
maximal 10-15 Minuten Zeit, das<br />
von ihm gewählte Werk vorzustellen. Somit<br />
wird das Online-Meeting ca. 2,5 Stunden<br />
dauern. Die Werke gehören einem<br />
vorher bestimmten Genre und Schwierigkeitsgrad<br />
an (= Thema, wie zum Beispiel<br />
„Empfehlenswerte Unterhaltungsmusik<br />
bis max. Grad 3,5“, „Meine liebste<br />
Polka“, „Originalwerk für Blasorchester<br />
Grad 3“,, „Sammlungen für Jugendorchester“,<br />
„Choralbearbeitungen“, „Werke<br />
für den gelungenen Probeneinstieg“,<br />
„Werke in neuer Klangsprache“ oder,<br />
oder, oder….)<br />
Zudem ist es außerdem möglich, mit Dirigentinnen<br />
und Dirigenten aus dem ganzen<br />
deutschsprachigen Europa in Kontakt zu<br />
treten. Das kann auch die Basis für spätere<br />
reale Treffen und Kooperationen sein.<br />
Die Organisation und Moderation des<br />
Zoom-Online-Meetings übernimmt Alexandra<br />
Link, Kulturservice Link (Autorin<br />
des Blasmusikblog.com).<br />
Wie läuft SHARE THE REPERTOIRE genau ab?<br />
• Anmeldungen formlos an info@kulturservice.link<br />
mit folgenden Angaben:<br />
- Name, Ort, Land, Musikverein(e)/<br />
Blasorchester<br />
- Das Werk, das der Teilnehmer vorstellen<br />
möchte mit Titel / Komponist<br />
/ ggf. Arrangeur / Verlag<br />
• In einer Dropbox benötigt die Moderatorin<br />
eine Miniscore des Werks (PDF)<br />
sowie eine Demo-Aufnahme (mp3)<br />
• Bei doppelt angegebenen Werken gilt:<br />
wer zuerst kommt… Deshalb auch<br />
gerne schon einmal über eine Alternative<br />
nachdenken<br />
• Die Einladung zum Zoom-Meeting mit<br />
dem Zugangslink erhält jeder angemeldete<br />
und bestätigte Teilnehmer<br />
spätestens einen Tag vor dem Online-Meeting<br />
• Während des Meetings unterstützt die<br />
Moderatorin den jeweiligen Präsentator<br />
eines Werks mit dem Teilen der jeweiligen<br />
Miniscore sowie mit dem Abspielen<br />
der Musik.<br />
Dieses Online-Meeting wird nicht live veröffentlicht<br />
und wird auch danach nicht als<br />
Video veröffentlicht. Es findet also im geschützten,<br />
exklusiven Raum statt. Die Moderatorin<br />
wird alle vorgestellten Werke nach<br />
dem Online-Meeting in einem Blog-Beitrag<br />
auf dem Blasmusikblog.com veröffentlichen.<br />
So hat jede Teilnehmerin und jeder<br />
Teilnehmer ein Dokument der Veranstaltung<br />
und auch andere Dirigentinnen und<br />
Dirigenten haben etwas davon.<br />
Alexandra Link<br />
Kulturservice Link<br />
<strong>Nr</strong>. 02 | <strong>Juni</strong> <strong>2020</strong> 15
Blasmusik International<br />
Blasmusik lebt – das Blasmusikstudio<br />
… eine Initiative der Österreichischen Blasmusikjugend (ÖBJ)<br />
Mit diesem Slogan geht die ÖBJ gemeinsam<br />
mit den Kärntner Brass Boys in ein<br />
neues, spannendes Format - eine Videoreihe<br />
mit News, Infos, Gesichtern und last<br />
but not least: MUSIK<br />
Präsentiert wird die Sendung von zwei<br />
jungen Musikern, die direkt aus der<br />
Österreichischen Blasmusikjugend<br />
kommen. Die erste Folge ging am<br />
15. Mai online. Einmal im Monat<br />
(immer am 15.) wird es eine Sendung<br />
aus dem Blasmusikstudio geben.<br />
Der Inhalt der Videoreihe soll<br />
vielseitig, informativ und topaktuell<br />
aus der Blasmusikjugend kommen.<br />
Die monatlichen Videos werden auf der<br />
ÖBJ-Homepage [blasmusikjugend.at/studio/blasmusik-lebt-1-das-blasmusikstudio/]<br />
sowie auf dem Instagram Account<br />
[www.instagram.com/blasmusikstudio/],<br />
der Facebook-Seite Österreichische Blasmusikjugend<br />
[www.facebook.com/blasmusikjugend.at/]<br />
und dem YouTube Kanal<br />
veröffentlicht.<br />
Seid gespannt und schaut rein bei<br />
Blasmusik lebt – dem Blasmusikstudio!<br />
Jeder kann die Bewerbung unterstützen<br />
und die Beiträge in den Social Media Kanälen<br />
teilen und posten.<br />
Stefanie Lagger<br />
Bundesgeschäftsstelle ÖBV<br />
Neues<br />
„Magari“<br />
Sunnseit Brass veröffentlicht erste CD<br />
Seit nunmehr drei Jahren rockt das junge<br />
Blechbläserensemble „Sunnseit Brass“<br />
die nationalen und internationalen Bühnen.<br />
Nun haben die sieben Musiker aus<br />
dem Eisacktal ihre erste CD veröffentlicht<br />
- „magari“ nicht die letzte.<br />
Matthias Sellemond (Feldthurns), Samuel<br />
Gamper (Schrambach), Martin<br />
Waldboth (Vahrn), Tobias Reifer (Vahrn),<br />
Gabriel Messner (Pinzagen), Lorenz Hilpold<br />
(Tils) und Tobias Psaier (Teis) haben<br />
ihre ersten musikalischen Erfahrungen<br />
in den örtlichen Musikkapellen<br />
gemacht. Obwohl sie mittlerweile in verschiedenen<br />
Ensembles und Orchestern<br />
spielen und auch als Solisten erfolgreich<br />
sind, haben sie sich vor rund drei Jahren<br />
einen gemeinsamen Traum erfüllt<br />
und sich zu einem Blechbläserensemble<br />
formiert: „Sunnseit Brass“ hat sich mittlerweile<br />
auch durch Auftritte beim Musikwettbewerb<br />
in Taisten, beim „Woodstock<br />
der Blasmusik“ in Oberösterreich<br />
und beim Wertungsspiel auf der Frankfurter<br />
Musikmesse einen Namen gemacht.<br />
Nun haben die sieben Freunde den<br />
nächsten musikalischen Schritt gewagt<br />
und ihren ersten Tonträger eingespielt. Der<br />
Südtiroler Italianismus „Magari“, was soviel<br />
heißt wie „vielleicht“, gibt der CD den<br />
Titel und zeugt auf liebevolle Weise von ihrer<br />
Liebe zur Südtiroler Heimat in all ihren<br />
Facetten. So stehen auch die Texte – von<br />
Lisa und Tobias Psaier - der drei gesungenen<br />
Lieder im Eisacktaler Dialekt und<br />
sind im Booklet eigens abgedruckt. Und<br />
weil alle sieben mit der Blasmusik aufgewachsen<br />
und ebenso überzeugt sind,<br />
dass dieses Genre „mehr kann als man<br />
vielleicht meint“, sprühen die 12 eingespielten<br />
Stücke nur so von jugendlichem<br />
Charme, Spielfreude und musikalischer<br />
Leidenschaft: traditionelle Marschrhythmen,<br />
glänzender Bläserklang, einfühlsame<br />
Balladen und anschmiegsame Polkamelodien,<br />
gepaart mit Ausflügen in die<br />
Welt des Swing und Jazz. Die zehn von<br />
Tobias Reifer komponierten und somit<br />
„Sunnseit Brass“ auf den Leib geschriebenen<br />
Beiträge werden von zwei bekannten<br />
Herbert-Pixner-Titeln ergänzt –<br />
ebenso arrangiert von Tobias Reifer: Der<br />
„Hochachtungsmarsch“ und der „Vierteljahrhundert<br />
Dreiviertler“-Walzer. Hineinhören<br />
lohnt sich allemal … und „alla fine“<br />
ist der Druck auf die Wiederholungstaste<br />
vorprogrammiert – Magari!<br />
Stephan Niederegger<br />
CD Cover „Magari“ - Sunnseit Brass<br />
16<br />
KulturFenster
Zur Person<br />
Blasmusik<br />
Am vergangenen 4. Mai feierte Walter Ratzek<br />
seinen 60-sten Geburtstag. Er ist Pianist,<br />
war jahrelang Leiter des Musikkorps der<br />
Deutschen Bundeswehr und ist derzeit Professor<br />
am Konservatorium in Bozen für den<br />
Studienlehrgang der Blasorchesterleitung.<br />
Von 1980 bis 1985 studierte Walter Ratzek<br />
Kapellmeister/Dirigieren bei Professor<br />
Wolfgang Trommer und Klavier in der<br />
Klasse von Prof. José Luis Prado - an der<br />
Robert-Schumann-Hochschule für Musik<br />
Düsseldorf. Anschließend durchlief er eine<br />
Karriere als Kapellmeister bei der Bundeswehr<br />
mit folgenden Stationen: Leiter des<br />
Kammerorchesters, Leiter des Heeresmusikkorps<br />
2 Kassel, Leiter des Ausbildungsmusikkorps,<br />
Leiter des repräsentativen<br />
Konzertorchesters und Leiter des Stabsmu-<br />
Walter Ratzek zum 60er<br />
„Dirigieren beinhaltet für mich Leiten,<br />
Führen, Überzeugen“<br />
sikkorps Berlin. Über 10 Jahre war er Präsident<br />
der Deutschen Sektion der WASBE<br />
(World Association for Symphonic Bands<br />
and Ensembles). Die künstlerische Leitung<br />
verschiedener Auswahlorchester wie das<br />
SBH Hessen (Sinfonisches Blasorchester<br />
Hessen), Leiter des Landesblasorchesters<br />
Baden-Württemberg, künstlerischer Leiter<br />
der Deutschen Bläserphilharmonie, unterstreichen<br />
sein Engagement in und um die<br />
konzertante Blasmusik in Deutschland. Seit<br />
seinem Ausscheiden aus der Bundeswehr<br />
(2014) ist er freischaffend tätig und hat im<br />
Dezember 2016 die Verantwortung über<br />
den Studiengang Instrumentieren/Blasorchesterleitung<br />
in Bozen am Konservatorium<br />
Claudio Monteverdi übernommen.<br />
Als Gastdirigent nationaler wie internationaler<br />
renommierter Orchester, Leiter von<br />
Workshops und diversen Fortbildungsmaßnahmen<br />
ist Ratzek sowohl als Dirigent als<br />
auch Pianist bekannt.<br />
Im Namen des Verbandes Südtiroler<br />
Musikkapellen gratulieren wir zum runden<br />
Geburtstag und wünschen weiterhin<br />
Gesundheit sowie viel Freude und Schaffenskraft<br />
in der musikalischen Tätigkeit:<br />
„Alles Gute, lieber Walter!“<br />
Stephan Niederegger<br />
Sigismund Seidl - dem Gardeoffizier zum 70er<br />
Der VSM gratuliert dem Freund und geschätzten Fachmann<br />
Am vergangenen 15. April feierte Sigismund<br />
Seidl seinen 70-sten Geburtstag. Er<br />
ist auch in Südtirol kein Unbekannter, war<br />
er doch mehrmals Gastreferent bei verschiedenen<br />
Tagungen des Verbandes Südtiroler<br />
Musikkapellen und gab auch mit seiner<br />
Militärmusik Kärnten viel beachtete Konzerte<br />
in Südtirol.<br />
1980 hat Sigismund Seidl als Nachfolger<br />
des damaligen Militärkapellmeisters Anton<br />
Othmar Sollfelner die Leitung der Militärmusik<br />
Kärnten in Klagenfurt übernommen.<br />
35 Jahre lang war er Dirigent und Chef dieses<br />
Klangkörpers - ein Rekord, denn er ist<br />
damit der längstdienende österreichische<br />
Militärkapellmeister seit Beginn der Donaumonarchie.<br />
Er war 12 Jahre lang Landeskapellmeister<br />
im Kärtner Blasmusikverband,<br />
von 2001 bis 2004 Bundeskapellmeister<br />
des Österreichischen Blasmusikverbandes,<br />
sechs Jahre lang Präsident der gemeinsamen<br />
Sektion Österreich/Deutschland im<br />
Weltverband WASBE (World Association for<br />
Symphonic Bands and Ensembles) und Lehrer<br />
am Kärntner Landeskonservatorium in<br />
Klagenfurt. Seidl hat die Entwicklung der<br />
Militärmusik und der Blasmusik über die<br />
Grenzen Österreichs hinaus maßgeblich<br />
beeinflusst. 2014 erhielt er von der Stadt<br />
Villach den hochdotierten Kulturpreis, den<br />
bisher noch nie einem seiner Zunft, einem<br />
Militärkapellmeister, zuerkannt wurde. Am<br />
30. November 2015 ist er in den wohlverdienten<br />
Ruhestand getreten, wohl auch<br />
mit etwas Wehmut im Herzen ob der damaligen<br />
leidvollen Diskussionen und ministeriellen<br />
Vorgaben zur Kürzung der Militärkapellen<br />
in Österreich.<br />
Mittlerweile ist es um das Geburtstagskind<br />
etwas ruhiger geworden. Seidl ist Ehrenmitglied<br />
des Österreichisches Blasmusikverbandes.<br />
Als Freund und geschätzter<br />
Fachmann reiht sich auch der Verband<br />
Südtiroler Musikkapellen in die Reihe der<br />
Gratulanten ein: "Alles Gute, lieber Sigi!"<br />
Stephan Niederegger<br />
<strong>Nr</strong>. 02 | <strong>Juni</strong> <strong>2020</strong> 17
Kritisch hingehört<br />
„Thank you for the Music“<br />
Festkonzert der Musikkapelle Toblach unter besonderen Vorzeichen<br />
Ein denkwürdiges Frühjahrskonzert<br />
- jenes der MK Toblach war eines<br />
der letzten für heuer in unserem<br />
Land. (Foto: ©wisthaler.com)<br />
©wisthaler.com<br />
Der 29. Februar <strong>2020</strong> wird den Musikantinnen<br />
und Musikanten der Musikkapelle<br />
Toblach wohl noch lange in Erinnerung bleiben.<br />
Als eine der letzten Musikkapellen des<br />
Landes spielte sie ihr traditionelles Jahreskonzert.<br />
Bereits eine Woche später ging in<br />
Südtirol gar nichts mehr und es sieht danach<br />
aus, als würde sich diesbezüglich in<br />
nächster Zeit kaum was ändern. Grund genug,<br />
dieses phantastische Konzert nochmals<br />
Revue passieren zu lassen.<br />
Kapellmeister Sigisbert Mutschlechner<br />
ist kein Freund von langen Vorbereitungen.<br />
Zwei Monate gibt er sich und<br />
seiner Truppe, um das Festkonzert einzulernen.<br />
Zwanzig Teil- und Gesamtproben,<br />
ein Probenwochenende, dann muss das<br />
Programm sitzen. Und wer Sigisbert Mutschlechner<br />
kennt, weiß, dass das ein anspruchsvolles<br />
ist.<br />
Im mittlerweile auf 74 Personen angewachsenen<br />
Klangkörper heißt es arbeiten. Proben,<br />
üben, wieder proben und noch einmal<br />
üben. Der Lohn für diese Mühen war<br />
einmal mehr ein voller Gustav-Mahler-Saal<br />
mit einem begeisterten Publikum. Als Eröffnungswerk<br />
hatte der Kapellmeister die<br />
„Jubel Ouvertüre“ des Schweizer Komponisten<br />
Stephan Jaeggi gewählt. Gleich an<br />
den ersten Tönen konnte man das Konzept<br />
des Abends und die Handschrift des<br />
Dirigenten erkennen: Originale Blasmusik<br />
aus den letzten hundert Jahren.<br />
Toni Taschler, eloquenter und sympathischer<br />
Toblacher Tausendsassa, führte<br />
gekonnt durch den musikalisch ansprechenden<br />
und anspruchsvollen Abend,<br />
der mit der „Third Suite for Band“ von<br />
Alfred Reed (ebenfalls ein Originalwerk)<br />
seine Fortsetzung fand. Einen ersten Höhepunkt<br />
erlebte der Konzertabend mit<br />
dem „Concerto für Bassposaune und Blasorchester“<br />
von Steven Verhelst. Nicht<br />
viele Blasorchester haben überhaupt einen<br />
Bassposaunisten, die „Toblinga“ sogar<br />
einen diplomierten. Thomas Baur ist<br />
gelernter Fliesenleger, hat seinen Traum<br />
vom Bassposaune-Spielen aber niemals<br />
aufgegeben und erst als „älteres Semester“<br />
am Konservatorium in Klagenfurt<br />
sein Studium begonnen.<br />
Aktuell spielt er in verschiedenen Ensembles<br />
im In- und Ausland. Wann immer<br />
es seine Zeit erlaubt, spielt er bei der Musikkapelle<br />
Toblach mit. Auf die Frage des<br />
Moderators, wer denn dieses nicht einfach<br />
zu spielende Konzert ausgewählt habe, antwortete<br />
er – mit einem schelmischen Seitenblick<br />
auf Kapellmeister Sigisbert Mutschlechner<br />
– „Ich.“<br />
18<br />
KulturFenster
Nach diesem wahrhaft gelungenen Solowerk<br />
hätte man keine Steigerung mehr<br />
erwartet. Doch diese kam. „Give Us This<br />
Day“ klingt im Nachhinein fast wie ein Manifest<br />
„Schenk uns diesen Tag“. Die Musikkapelle<br />
Toblach hat sich und ihrem Publikum<br />
einen Tag geschenkt, das kann man<br />
ohne Übertreibung sagen. Maslanka verbindet<br />
in seinem zweisätzigen Werk spirituelle<br />
Klänge mit aufwühlenden und dramatischen<br />
Gefühlsausbrüchen. Der Komponist<br />
entnimmt den Titel des Werkes dem „Vater<br />
unser“-Gebet, sagt jedoch, ein buddhistischer<br />
Mönch habe ihn zu diesem Stück<br />
inspiriert. Überraschend ist der Schluss,<br />
für den Maslanka die emotionale Klangvielfalt<br />
der Choralmelodie aus Johann Sebastian<br />
Bachs „Vater unser im Himmel“<br />
verwendet.<br />
Was wäre ein Festkonzert ohne Ehrungen.<br />
Eine gab es für Carmen Lanz, die für ihre<br />
15-jährige Mitgliedschaft geehrt wurde. Nicht<br />
mehr aufgehört hat es bei der Nennung der<br />
Jungmusikanten: Sage und schreibe sieben<br />
junge Damen und Herren spielen ihr<br />
erstes – und vorerst letztes – Konzert mit<br />
der Musikkapelle Toblach. „Das sind die ersten<br />
Früchte der Bläserklasse, die wir seit<br />
mehreren Jahren organisieren“, freute sich<br />
Obmann Stefan Taschler.<br />
Mit dem „March of the Black Sea“ von<br />
F. Akimow und einem weiteren Star-Wars-<br />
Intermezzo verabschiedete sich die Musikkapelle<br />
Toblach in die kleine Pause,<br />
die Zeit zum Luftholen vor den Proben für<br />
den Sommer bieten sollte. Keiner dachte<br />
in diesem Moment, dass diese Pause nicht<br />
nur bis Ende März dauern sollte. Keiner<br />
Blasmusik<br />
17.10.<strong>2020</strong><br />
72. Jahreshauptversammlung<br />
<strong>2020</strong><br />
www.vsm.bz.it<br />
fehlte. Bürgermeister Guido Bocher tierte die ganze Woche vor dem Konzert mit<br />
den Verantwortlichen der Musikkapelle, holte<br />
disku-<br />
Infos von offi zieller Seite ein, und rang sich<br />
schließlich als Hausherr des „Gustav-Mahler-Saales“<br />
dazu durch, die Veranstaltung<br />
durchführen zu lassen. Vor dem Eingang<br />
in den Saal standen Desinfektionsspender.<br />
Kapellmeister Sigisbert Mutschlechner blickt<br />
Thomas Baur ist nicht nur Profi beim Fliesenlegen, sondern auch auf<br />
der Bassposaune – hier als Solist beim „Concerto für Bassposaune<br />
und Blasorchester“ von Steven Verhelst. (Foto: ©wisthaler.com)<br />
©wisthaler.com<br />
Dass sich die junge Musikkapelle Toblach<br />
auch in Sachen Film- und Popmusik auskennt,<br />
bewies sie mit Ausschnitten aus<br />
„Star Wars“ und mit „ABBA Symphonic“<br />
von Michael Jerg. Vor allem das wenig bekannte<br />
„I Wonder“, fabelhaft interpretiert<br />
von Lisa Klocker auf dem Sopransaxophon,<br />
riss das Publikum zu Begeisterungsstürmen<br />
hin. „Thank you for the Music“ als<br />
Schlusspunkt des offi ziellen Konzertteiles<br />
hätte besser nicht passen können. Doch.<br />
„Thank you for the Musicians“.<br />
konnte sich in seinen kühnsten Träumen<br />
vorstellen, dass es keine kirchlichen Anlässe<br />
mehr gab, die die Musikkapelle normalerweise<br />
umrahmte. Das neue Probelokal<br />
konnte nicht mehr eingeweiht werden.<br />
Alles änderte sich.<br />
Im Nachhinein betrachtet, war beim Konzert<br />
nicht alles wie immer. Der Saal war zwar<br />
voll, aber nicht so voll wie sonst. Zum Fachsimpeln<br />
und diskutieren kamen viele Leute<br />
mit in die Bar, aber nicht so viele wie sonst.<br />
Das Publikum, das sonst von weit herkam,<br />
mit einem weinenden und einem lachenden<br />
Auge auf das Festkonzert zurück. „Ich bin<br />
sehr zufrieden damit, was wir geleistet haben“,<br />
sagt er, „eigentlich bin ich sogar ein<br />
bisschen stolz. Darauf hätte sich jetzt gut<br />
aufbauen lassen.“ Überzeugt davon, dass<br />
seine Musikkapelle übt und musiziert und<br />
voll motiviert ihre Tätigkeit aufnehmen wird,<br />
sobald die Umstände es zulassen, freut er<br />
sich schon aufs Weitermachen. In der Zwischenzeit<br />
sucht er neue Stücke aus.<br />
Michaela Grüner<br />
<strong>Nr</strong>. 02 | <strong>Juni</strong> <strong>2020</strong> 19
11.-25.07.<strong>2020</strong><br />
Jungbläserwochen<br />
<strong>2020</strong><br />
www.vsm.bz.it/<strong>2020</strong>/03/15/<br />
jugendkurswochen<strong>2020</strong><br />
Ars Nova<br />
Valentin Gasser lässt<br />
die Würfel rollen<br />
Eine experimentelle Klangsuche<br />
Obwohl er JazzKomposition studiert hat,<br />
hat er sich stets auch für andere Musikrichtungen<br />
interessiert. Von seinem musikalischen<br />
Werdegang in der Bürgerkapelle<br />
Gries über die Zusammenarbeit mit<br />
Rockbands bis hin zu Auftritten mit<br />
DJs, hat er als Interpret auch<br />
über den JazzBereich hinaus<br />
zahlreiche Erfahrungen<br />
gemacht.<br />
Als Komponist hat er<br />
während des Studiums<br />
hauptsächlich Jazz komponiert,<br />
sich aber zudem<br />
mit klassischer Musik, dabei<br />
hauptsächlich mit Klavierwerken,<br />
auseinandergesetzt.<br />
Im Hinterkopf war aber<br />
immer auch symphonische<br />
Blasmusik präsent, da er stets<br />
vorhatte, nach Südtirol zurückzukehren.<br />
Als er seinen Lebensmittelpunkt<br />
2018 nach<br />
Bozen verlegte, begann er<br />
konkret damit, Werke für<br />
Blas orchester zu schreiben.<br />
Neben Kirchenmusik handelt<br />
es sich vor allem um<br />
Auftragskompositionen,<br />
in denen er viel Wert<br />
darauf legt, eine harmonisch<br />
eigene Tonsprache<br />
zu finden.<br />
So versucht er stets,<br />
Elemente, die er im<br />
Rahmen seines Studiums<br />
erlernt hat, in seine<br />
Werke einfließen zu lassen.<br />
Die musikalische Präferenz<br />
von Valentin Gasser gilt dem<br />
Saxophon und dem Jazz.<br />
Musik ist mittlerweile sein primärer Lebensinhalt.<br />
Als er noch nicht professionell<br />
als Musiker gearbeitet hat, sei der<br />
Zugang zur Musik noch ein anderer, gewissermaßen<br />
unschuldiger, gewesen, sagt<br />
er. Jetzt gibt es durchaus Momente, wo er<br />
nicht unbedingt Lust dazu habe Klavier<br />
zu spielen oder ein bestimmtes Arrangement<br />
zu schreiben. „Aber es überwiegt<br />
eine tiefe Glückseligkeit darüber, dass<br />
ich es geschafft habe, Musik zu meinem<br />
Leben zu machen. Dafür bin ich jeden<br />
Tag dankbar.“<br />
„Roll the Dice – Alea iacta est“ -<br />
die Würfel sind gefallen<br />
Ein besonderes seiner Werke ist sicherlich<br />
„Roll the dice - Alea iacta est".<br />
Als Georg Thaler, der Kapellmeister der<br />
Bürgerkapelle Gries, im April 2019 mit<br />
der Frage an ihn herantrat, ob er es für<br />
möglich halte, beim nächsten Neujahrskonzert<br />
live ein Stück zu komponieren,<br />
war der junge Komponist gleich begeistert<br />
von der Idee. Doch er gibt zu, dass es<br />
definitiv zu den größten Aufregungen und<br />
Herausforderungen seines Lebens zählte.<br />
Über den Sommer wurde aus der Idee<br />
eine konkretere Vorstellung, wie das Ganze<br />
funktionieren könnte. Die Schwierigkeiten<br />
waren mehrere:<br />
• Wie soll man in 15 Minuten ein Stück<br />
schreiben, proben und aufführen?<br />
• Wie sollen die Musikantinnen und<br />
Musikanten in der Lage sein, das<br />
Stück zu spielen bzw. Noten zu erhalten?<br />
• Wie überzeugt man das Publikum davon,<br />
dass das Werk wirklich im Moment<br />
entstanden ist, und nicht vorher<br />
einstudiert wurde?<br />
Zuallererst wurde die Möglichkeit in Betracht<br />
gezogen, dass er am Klavier das<br />
Werk auf ein Notenblatt schreibt und<br />
20<br />
KulturFenster
Blasmusik<br />
die Noten in Echtzeit auf eine Leinwand<br />
hinter die Musikanten projiziert werden.<br />
Kopfzerbrechen bereitete Valentin, wie<br />
er das Element des Zufalls in das Werk<br />
integrieren könnte. Als ihm die Idee mit<br />
den Würfeln kam, hatte er zugleich auch<br />
schon den Titel für die Komposition gefunden.<br />
Durch das Zuordnen von Zahlen<br />
zu Tönen, konnte er das Ausgangsmotiv<br />
für seine Melodie (die ersten drei Töne)<br />
„erwürfeln“.<br />
Der Rest war dann vergleichsweise einfach,<br />
wenn man vom Zeitdruck absieht.<br />
Den formalen Ablauf besprach er vor<br />
Ort, wobei sich die Kapelle Notizen machte.<br />
So wurde aus den Elementen (eine Akkordfolge,<br />
ein rhythmisches Pattern, die<br />
Melodie und ein Begleitmotiv) ein fertiges<br />
Stück, das auch direkt zur Aufführung<br />
gelangte.<br />
Pater Urban Stillhart beschrieb das Konzerterlebnis<br />
folgendermaßen (siehe Tageszeitung<br />
„Dolomiten“ vom 09.01.<strong>2020</strong>,<br />
Seite 6): „Er schrieb eine achttaktige Melodie,<br />
inspiriert durch einen dreifachen<br />
Würfelschub, und schuf dazu Begleitakkorde<br />
und ein Rhythmusschema. Die Spielerinnen<br />
und Spieler schrieben die Vorlage<br />
ab, und es wurde dieses achttaktige<br />
Modul nach vorgegebenen Anweisungen<br />
Zur Person:<br />
musiziert. Es tat sich eine erstaunlich stimmig-sinnliche<br />
Klangwelt auf und führte<br />
zu einem schlüssigen Gesamtergebnis.“<br />
Stephan Niederegger<br />
Valentin Gasser ist am 16. Februar 1991 geboren und erhielt den ersten<br />
Saxophonunterricht von seinem Vater. Später besuchter er die Musikschule<br />
Bozen bei Hans Tutzer: „Ich habe meinen Lehrer Hans immer dafür bewundert,<br />
wie er es schafft, andere Menschen für die Musik zu begeistern.<br />
Und ich hatte den Eindruck, dass auch er selbst ein glücklicher Mensch<br />
ist.“ Von 2010 bis 2018 studierte er an der Konservatorium Wien Privatuniversität<br />
(später Universität für Musik und Kunst) - zuerst Jazz-Saxophon<br />
(bei Prof. Thomas Huber) und anschließend Jazz-Komposition und Arrangement<br />
(Prof. Andy Middleton). Es folgten zahlreiche Workshops in Mitteleuropa<br />
und Unterricht bei Bobby Watson, Bob Mintzer, Jim Snidero und<br />
Eric Alexander.<br />
Seit knapp 2 Jahren lebt Valentin Gasser wieder in Bozen, unterrichtet<br />
Saxophon und Klavier - spielt, komponiert und arrangiert für verschiedene<br />
Projekte (sowohl Jazz als auch Klassik und symphonische Blasmusik). Seit<br />
seinem 12. Lebensjahr ist er Mitglied der Bürgerkapelle Gries.<br />
… aber er fühlt sich auch in der Blasmusik „daheim“, sowohl als Musikant bei der Bürgerkapelle Gries als auch als Komponist<br />
von Blasmusikwerken. (Fotos: © Nilo Klotz)<br />
<strong>Nr</strong>. 02 | <strong>Juni</strong> <strong>2020</strong> 21
Musikpanorama<br />
65 Jahre Tracht der<br />
Musikkapelle Niederdorf<br />
Am Fronleichnamsfest 1955 erster Auftritt in der neuen Musiktracht<br />
So präsentierte sich die MK Niederdorf im vorigen Jahr 2019.<br />
Die Musikkapelle Niederdorf in der neuen Tracht 1956<br />
Die Musikkapelle Niederdorf käme heuer aus<br />
dem Feiern nicht mehr heraus, wäre da nicht<br />
die Corona-Krise, die jegliche Tätigkeit (vorerst)<br />
unterbrochen hat.<br />
Zu Jahresbeginn wurde anlässlich des<br />
heurigen 170-jährigen Gründungsjubiläum<br />
ein Musikkalender verteilt. Monat für Monat<br />
begleiten der jeweiligen Jahreszeit entsprechende<br />
Fotos aus den letzten Musiksaisonen<br />
durch das ganze Jahr hindurch.<br />
Durch Corona wurde er somit umso wertvoller,<br />
da dadurch die Musikkapelle in<br />
vielen Haushalten trotzdem präsent sein<br />
kann. Hingucker bleibt dabei die schmucke<br />
Tracht, die heuer ebenso ein kleines<br />
Jubiläum feiert: am Fronleichnamstag vor<br />
65 Jahren wurde die Musikantentracht zum<br />
ersten Mal getragen.<br />
Eine einheitliche Bekleidung erhielt die<br />
im Jahr 1850 gegründete Kapelle zu Beginn<br />
des 20. Jahrhunderts, als sich im Tiroler<br />
Raum das Tragen von Uniformen und<br />
Trachten bei den Musikkapellen zusehends<br />
eingebürgert hatte. Spätestens 1912 verfügte<br />
die Musikkapelle über die Pustertaler<br />
Tracht mit Kniebund-Lederhose, Ledergurt<br />
und hohem Stechhut mit Feder. Neben einer<br />
Vielzahl von Instrumenten kam auch die<br />
Tracht in den Kriegswirren des Ersten Weltkrieges<br />
vollständig abhanden. So trug die<br />
Musikkapelle in den 1920-er Jahren eine<br />
von der Freiwilligen Feuerwehr geliehene<br />
Uniformjacke mit Schildmütze. Anfang der<br />
1930-er Jahre wurde die Musikkapelle mit<br />
einer eigenen Musik-Uniform eingekleidet.<br />
Erst im Jahre 1953 wurde die Anschaffung<br />
einer Musik-Tracht in Erwägung gezogen.<br />
Gut eineinhalb Jahre sollte die Vorbereitung<br />
dauern, bis die Musikkapelle zur Fronleichnamsprozession<br />
1955 zum ersten Mal in ihrer<br />
neuen Pustertaler Tracht aufmarschieren<br />
konnte. Die Vereinschronik berichtete darüber:<br />
„Große feierliche Festtagsstimmung umgibt<br />
alljährlich diesen Tag. Das ganze Dorf<br />
hilft mit, um den Mittelpunkt dieses Festes,<br />
die Fronleichnamsprozession so feierlich wie<br />
nur möglich zu gestalten. Auch die Musikkapelle<br />
beteiligte sich alljährlich daran und<br />
heuer ist es ihr gewiss gelungen, dazu beizutragen,<br />
Festfreude und Gestaltung zu heben,<br />
als sie mit ihrer neuen, schmucken, farbenfrohen<br />
Tracht aufmarschierte.“<br />
Die alte Musik-Uniform wurde bis ins Jahr<br />
2004 beibehalten und wurde noch bei kleineren<br />
Auftritten getragen. Die Tracht wurde<br />
im Jahre 1970 mit federkielbestickten Trachtenschuhen<br />
für alle Musikanten ergänzt. Die<br />
Frauentracht wurde bis 1988 nur von den<br />
Marketenderinnen getragen. Seit 1985 spielen<br />
auch Frauen in der Kapelle, die jedoch<br />
eine unpassende Trachtenbekleidung und<br />
eine Uniform mit Damenrock trugen. 1992<br />
wurde endlich die Einführung einer passenden<br />
Pustertaler Frauentracht möglich.<br />
Alois Fauster<br />
22<br />
KulturFenster
Kirchtagskonzert der<br />
Musikkapelle Truden<br />
Blasmusik<br />
20.01. - 28.12.<strong>2020</strong><br />
VSM-Motiviert und fit?<br />
Funktionärsausbildung<br />
<strong>2020</strong> (NFA)<br />
www.vsm.bz.it<br />
Besonderes Konzert, außergewöhnliche<br />
Ehrungen, vier Neuzugänge<br />
Am 8. Februar <strong>2020</strong> fand das alljährliche<br />
Kirchtagskonzert der Musikkapelle Truden<br />
statt. Dieses Jahr stellte das Programm die<br />
Musik in den verschiedenen Formen und Stilrichtungen<br />
der letzten 120 Jahre dar; von<br />
traditionellen Märschen und Polkas bis hin<br />
zu Film und Rockmusik reichte die Palette.<br />
In chronologischer Reihenfolge begann<br />
die Musikkapelle unter der Leitung von Kapellmeister<br />
Fabio Riz mit „Schneidig vor“<br />
von Julius Fuicik, einem Marsch aus der<br />
Zeit Österreich-Ungarns, schloss die Beatles<br />
und die Beach Boys mit ein, gab Stücke<br />
aus den 1980er Jahren zum Besten und<br />
verabschiedete sich mit der Polka „Neue<br />
Wege“ des jungen zeitgenössischen Komponisten<br />
Martin Scharnagl. Bei den Popund<br />
Rock-Stücken begleiteten die Trudner<br />
Gitarristen Patrick Larger und Werner<br />
Stuppner die Musikkapelle. Besonders das<br />
Stück „80er Jahre Kult(tour)“ von Thiemo<br />
Kraas war für Musikanten und Zuhörer ein<br />
Leckerbissen.<br />
Mit einer Schweigeminute und dem<br />
Stück „Hymn to the Fallen“ wurde des<br />
verstorbenen ehemaligen Musikanten Mathias<br />
Stuppner gedacht.<br />
Einen Höhepunkt stellten die Ehrungen<br />
von Valentin und Hartmann Pernter durch<br />
den Bezirksobmann des Verbandes Südtiroler<br />
Musikkapellen, Stefan Sinn dar. Valentin<br />
Pernter erhielt das Verdienstzeichen<br />
in Silber für zehn Jahre Jugendleiter überreicht.<br />
In dieser Zeit hat Valentin mit Einsatz<br />
und Freude viele Kinder und Jugendliche<br />
ausgebildet und ihnen die Begeisterung<br />
am Musizieren weitergegeben. Hartmann<br />
Pernter hingegen wurde für seine 50 Jahre<br />
Mitgliedschaft mit dem Großen Ehrenzeichen<br />
in Gold ausgezeichnet. Im Jahr 1969<br />
trat Hartmann der Musikkapelle bei und<br />
ist seither ein wichtiger Eckpfeiler am 1.<br />
Flügelhorn. Obmann Hermann Stuppner<br />
und Bezirksobmann Stefan Sinn dankten<br />
den beiden Geehrten für ihren unermüdlichen<br />
Einsatz und wünschten ihnen<br />
noch viel Freude an der Blasmusik. Begrüßt<br />
wurden zudem einige Neuzugänge:<br />
Daniel Larger am Schlagzeug, Johannes<br />
Amplatz an der Trompete, Julia Thaler an<br />
der Querfl öte und Sibylle Daldoss als Marketenderin.<br />
MK Truden – Hermann Stuppner<br />
Bei der Verleihung des Großen Ehrenzeichens in Gold: - v. l. stehend -<br />
Bezirksobmann Stefan Sinn, Bürgermeister Michael Epp, der Geehrte Hartmann<br />
Pernter mit Frau Hanni; davor (v. l.) Kapellmeister Fabio Riz, Obmann Hermann<br />
Stuppner, Vize-Obmann Stefan Amplatz<br />
Bei der Verleihung des Verdienstzeichens in Silber: (v.l.) Bezirksobmann Stefan Sinn,<br />
Kapellmeister Fabio Riz, Bürgermeister Michael Epp, der Geehrte Valentin Pernter,<br />
Obmann Hermann Stuppner, Vize-Obmann Stefan Amplatz<br />
<strong>Nr</strong>. 02 | <strong>Juni</strong> <strong>2020</strong> 23
Musikpanorama<br />
70 + 70 + 60 … Drei Gründe zum Feiern<br />
Im Mai haben gleich drei Musikanten der MK St. Lorenzen einen runden Geburtstag gefeiert.<br />
Coronabedingt musste das obligatorische<br />
Geburtstagsständchen ausfallen. Nichtsdestotrotz<br />
hat Musikobmann Philipp Kofler<br />
den Jubilaren gratuliert, die besten Wünsche<br />
der gesamten Kapelle überbracht und<br />
einen Geschenkskorb als kleines Zeichen<br />
der Verbundenheit überreicht:<br />
Am 7. Mai feierte der ehemalige Hornist<br />
Richard Niedermair seinen 70-sten Geburtstag.<br />
Er war von 1964 bis 2014 Mitglied<br />
der Kapelle und wurde bei der Cäcilienfeier<br />
2015 zum Ehrenmitglied ernannt.<br />
sechs Tage später, am 13. Mai, brannten<br />
ebenfalls 70 Kerzen auf der Geburtstagstorte<br />
des Flügelhornisten Anton Hilber. Er<br />
spielt seit 1961 in der Kapelle und war auch<br />
lange Jahre Schriftführer und Vorstandsmitglied.<br />
Der Jüngste im Bunde ist der Saxofonist<br />
Alois Leitner, der am 19. Mai 60 Jahre alt<br />
wurde. Er ist seit 1975 Mitglied der Kapelle.<br />
Die Musikkapelle wünscht ihnen weiterhin<br />
beste Gesundheit, Gottes Segen und dass<br />
sie auch weiterhin der Kapelle musikalisch<br />
verbunden bleiben: „Der Geburtstagsmarsch<br />
wird nachgeholt, sobald es die Umstände<br />
wieder erlauben!“<br />
Philipp Kofler<br />
Obmann MK St. Lorenzen<br />
Feierten ihren runden Geburtstag (v.l.): Niedermair Richard, Hilber Anton und Leitner Alois<br />
Jugendkapelle geht online<br />
Coronakrise macht erfinderisch – Nachwuchswerbung übers Internet<br />
Im Frühjahr stehen an den Musikschulen<br />
die Einschreibungen für das kommende<br />
Schuljahr an. Es ist dies daher auch die<br />
beste Zeit für Nachwuchswerbung der Musikkapellen<br />
– so auch für die JuKaStL, die<br />
Jugendkapelle St. Lorenzen.<br />
Vielerorts besuchen die Musikantinnen und<br />
Musikanten die Grundschule oder laden zu<br />
einem Tag der offenen Tür ins Probelokal.<br />
Dabei werden den Schülerinnen und Schülern<br />
die Musikkapelle im Allgemeinen und<br />
das vielfältige Repertoire der Instrumente<br />
im Besonderen vorgestellt. Heuer ist wegen<br />
der Coronakrise alles anders: Musikkapellen<br />
haben seit Wochen ihre Tätigkeit<br />
eingestellt und Schulen ihre Tore geschlossen.<br />
Daher haben Kapellmeister Jakob Augschöll<br />
und Jugendleiter Martin Kolhaupt einen<br />
neuen Weg gesucht, um die Werbung<br />
der Musikkapelle St. Lorenzen doch noch an<br />
den Mann und die Frau bzw. an die Kinder<br />
und Eltern zu bringen. Mittlerweile sind im<br />
Internet zwei Videos veröffentlicht. Im ersten<br />
werden in unterhaltsamer Weise die Instrumente<br />
vorgestellt, und zwar hauptsächlich<br />
jene, die momentan besetzungsmäßig<br />
in der Kapelle benötigt werden. Im zweiten<br />
Video präsentieren die Musikantinnen und<br />
Musikanten den Party-Hit der Beach Boys<br />
„Barbara Ann“ und wollen damit ein bisschen<br />
gute Laune verbreiten und Lust aufs<br />
Musizieren machen.<br />
Video 1 =<br />
Instrumentenvorstellung:<br />
youtu.be/LEPcDx2Br4o<br />
Video 2 = Barbara Ann:<br />
youtu.be/oQOyIBdf3Co<br />
24<br />
KulturFenster
Vorweg<br />
Chorwesen<br />
„Zusammengehörigkeitsgefühl<br />
im Chor wird wachsen“<br />
Verbandsobmann Erich Deltedesco beschreibt die Situation<br />
der Chöre in der Corona-Zeit<br />
<strong>Kulturfenster</strong>: Wir alle wissen, dass sich<br />
die Corona-Vorsichtsmaßnahmen gerade<br />
auf das Chorwesen sehr stark auswirken.<br />
Wie schaut es derzeit mit der Tätigkeit der<br />
Chöre in Südtirol aus?<br />
E. Deltedesco: Die aktuelle Situation ist<br />
eine schwierige Zeit für alle Chorsängerinnen<br />
und Chorsänger. Die Tätigkeit der<br />
Chöre wurde mit der akuten Ausbreitung<br />
des Virus praktisch von einem Moment<br />
auf den anderen vollkommen ausgesetzt,<br />
alle geplanten Aktivitäten mit den verschiedensten<br />
Chorkonzerten und den vielen<br />
Mitgestaltungen von weltlichen und kirchlichen<br />
Feiern konnten leider nicht mehr<br />
stattfi nden. Gerade aber in Krisenzeiten<br />
ist das Singen im Chor besonders wichtig,<br />
ist oft auch ein Ventil für Emotionen. Ganz<br />
ohne Worte rufen Musik und Gesang Gefühle<br />
hervor, verborgene Emotionen werden<br />
geweckt, Spannungen in Körper und<br />
Seele gelöst und verschüttete Kräfte wieder<br />
belebt. Singen stiftet Identität und unterstützt<br />
unser Immunsystem. Und so haben<br />
viele Chöre diese Zwangspause mit<br />
verschiedensten digitalen Hilfsmitteln und<br />
technischen Lernhilfen überbrückt. Tolle<br />
Videos, die in dieser probefreien Zeit gemacht<br />
wurden, zeugen von der Kreativität<br />
unserer Chöre und ich bin ganz fest überzeugt,<br />
dass damit auch ein ganz neues Publikum<br />
angesprochen werden konnte. Für<br />
die vielen Mühen möchte ich allen ganz<br />
herzlich danken und gleichzeitig auch zu<br />
den gelungenen Ergebnissen gratulieren.<br />
KF: Ist Probentätigkeit in irgendeiner Form<br />
möglich?<br />
E. Deltedesco: Es gibt das Landesgesetz<br />
vom 8. Mai <strong>2020</strong>, <strong>Nr</strong>. 4, wo festgelegt wird,<br />
dass die künstlerischen und kulturellen<br />
Tätigkeiten unter Einhaltung aller Sicherheitsmaßnahmen<br />
(1/10 Regel, Mindestabstand,<br />
Mund- und Nasenschutz usw.)<br />
wieder aufgenommen werden können. Die<br />
unbedingt notwendige und auch wichtige<br />
Einhaltung der Schutzmaßnahmen und Regeln<br />
lassen die Aufnahme einer „normalen“<br />
Probentätigkeit leider noch nicht zu.<br />
Es gibt medizinische Abhandlungen, die<br />
besagen, dass gerade Chorsingen in der<br />
gewohnten Form sehr riskant ist. Aus diesem<br />
Grunde wird eine Chortätigkeit in der<br />
gewohnten Art und Weise wahrscheinlich<br />
leider so schnell nicht stattfi nden können.<br />
Aber alles hängt natürlich von der weiteren<br />
Entwicklung, von der Bewältigung des epidemiologischen<br />
Notstandes ab.<br />
KF: Werden Schulungen stattfinden?<br />
E. Deltedesco: Der Südtiroler Chorverband<br />
ist dauernd bestrebt, das Singen lebendig<br />
zu erhalten, sich zu öffnen für Weiterentwicklung<br />
und Weiterbildung. Auch für dieses<br />
Jahr hatten wir wiederum ein vielfältiges<br />
und hochqualifi ziertes Schulungsangebot<br />
ausgearbeitet. Aufgrund der derzeitigen<br />
Situation ist aber eine Durchführung der<br />
Fortbildungsangebote nicht möglich und<br />
so mussten alle zunächst einmal bis Ende<br />
September geplanten Schulungen und<br />
Veranstaltungen leider abgesagt werden.<br />
KF: Wie sehen Sie persönlich die Situation?<br />
Wird sich auch längerfristig für das Chorwesen<br />
etwas ändern?<br />
E. Deltedesco: Bereits seit über drei Monaten<br />
können sich die Chöre nicht mehr zur<br />
Probe treffen, das Frühjahrskonzert oder<br />
die festliche Mitgestaltung eines Gottesdienstes<br />
war und ist nicht möglich. Dieses<br />
regelmäßige Zusammentreffen in der<br />
Chorgemeinschaft fehlt gerade vom sozialen<br />
Gesichtspunkt her wohl allen Sängerinnen<br />
und Sängern, man möchte meinen,<br />
diese lange Pause möge vielleicht auch<br />
negative Auswirkungen auf den Weiterbestand<br />
des Chores haben. Das Singen gehört<br />
aber zur Natur des Menschen, Singen<br />
im Chor verbindet alle Gesellschaftsschichten,<br />
Bevölkerungsgruppen und Altersstufen,<br />
vermittelt vielseitige Geselligkeit und<br />
schenkt Geborgenheit. Tagtäglich höre ich<br />
von vielen Sängerinnen und Sängern wie<br />
sehr sie sich auf die Zeit freuen, wo regelmäßige<br />
Chorarbeit, gemeinsames Singen,<br />
Zusammentreffen möglich ist. Dies gibt mir<br />
die Gewissheit, dass der momentane Stillstand<br />
des Chorlebens längerfristig kaum<br />
etwas ändern wird. Ich bin sogar überzeugt,<br />
dass diese Abstinenz die Chorgemeinschaft<br />
zusätzlich fördert und das Zusammengehörigkeitsgefühl<br />
wachsen lässt<br />
Int: Paul Bertagnolli<br />
www.scv.bz.it<br />
<strong>Nr</strong>. 02 | <strong>Juni</strong> <strong>2020</strong> 25
Das Thema<br />
Chorsingen in Corona-Zeiten<br />
Ist Probentätigkeit noch möglich?<br />
Gemeinsam singen und nicht alleine – gerade<br />
das macht das Schöne an der Chormitgliedschaft<br />
aus, und gerade das ist seit<br />
der CoronaPandemie das größte Problem.<br />
Gemeinsam singen ist nicht dasselbe wie<br />
alleine singen. Im gemeinsamen Klang erleben<br />
die die Sängerinnen und Sänger<br />
eine ganz besondere Erfahrung von Gemeinschaft<br />
und Einheit, die so nicht zu ersetzen<br />
ist. Und diese Gemeinschaft ist gerade<br />
das Gefährliche.<br />
Deshalb sah das Abkommen zwischen<br />
der italienischen Bischofskonferenz und<br />
der Regierung Conte zwar vor, dass man<br />
wieder Messen feiern darf, von Orgelspiel<br />
begleitet, aber ohne Chorgesang. Aber<br />
auch die Probentätigkeit selbst ist nicht<br />
erlaubt. Der Südtiroler Chorverband überlegt<br />
auf den Grundlagen der Gesundheitsund<br />
Sicherheitsvorschriften einen Plan zu<br />
entwickeln, wie man Proben wieder abhalten<br />
könnte. Es ist aber nicht leicht, sagt<br />
Verbandsobmann Erich Deltedesco: „Die<br />
Pfl icht zum Mundschutz und der 2-Meter-Abstand<br />
widersprechen dem Prinzip<br />
des Chorsingens, ebenso dass je 10 Quadratmeter<br />
nur eine Person im Raum sein<br />
darf.“ Viele Probelokale sind nämlich eher<br />
klein, deshalb gibt es wohl keine Hoffnung<br />
für die Wiederaufnahme von Proben. „Es<br />
könnten höchstens Teilproben für einzelne<br />
Register stattfinden“, erklärt der Obmann.<br />
Aber warum ist gerade die Probentätigkeit<br />
von Chören so problematisch in<br />
Coronazeiten? Dass gerade das Chorwesen<br />
eingeschränkt ist, dafür gibt es mehrere<br />
Gründe. Das Problem ist die „Enge“<br />
in der Choraufstellung, aber auch die Tatsache,<br />
dass in den Chören, nicht nur in<br />
Südtirol, vor allem in den Kirchenchören,<br />
viele ältere Menschen singen, die zur Risikogruppe<br />
gehören.<br />
Ist Singen im Chor gefährlich?<br />
Der Blick auf Chöre und Corona in ganz Europa<br />
zeigt, dass die Sorgen berechtigt sind.<br />
So waren nach Proben und einer Aufführung<br />
von Bachs Johannes-Passion in Amsterdam,<br />
wie die Neue Zürcher Zeitung berichtet, am<br />
8. März 102 von 130 Mitgliedern von Het<br />
Amsterdams Gemengd Koor mit dem Coronavirus<br />
infiziert und erkrankten zum Teil<br />
auch schwer, vier Sänger starben. In der<br />
Nähe von Seattle starben zwei Sänger des<br />
Skagit Valley Chorale; bei einer Probe am<br />
10. März hatten sich insgesamt 45 von 60<br />
Sängern mit dem Virus angesteckt. Nach einer<br />
Probe der Berliner Domkantorei am 9.<br />
März zeigten 60 von 80 Teilnehmern Symptome,<br />
unter ihnen auch der Kantor und die<br />
Korrepetitorin, die bei der Probenarbeit ja<br />
einige Meter Abstand zum Chor gehalten<br />
hatten. Auch aus dem niedersächsischen<br />
Stade, dem bayrischen Hohenberg und dem<br />
französischen Hombourg-Haut, wurden vergleichbare<br />
Fälle bekannt.<br />
Wann werden Chorproben wieder möglich sein?<br />
26<br />
KulturFenster
Chorwesen<br />
Studien zur Virusübertragung<br />
beim Singen<br />
Studien untersuchten bereits die Frage,<br />
warum sich im Chor viele Personen leicht<br />
anstecken. Weitere Studien sind im Gange.<br />
Christian Kähler, Professor für Strömungsmechanik<br />
und Aerodynamik an der Universität<br />
der Bundeswehr München, hat am 7. Mai<br />
Resultate einer Testreihe zur Ausbreitung<br />
von Tröpfchen und Schwebeteilchen in der<br />
Luft, den Aerosolen, bei Instrumenten und<br />
Stimmen veröffentlicht und auch mit einem<br />
Video auf Youtube veranschaulicht. Seine<br />
Experimente zeigen, dass die Luft durch<br />
Gesang nur innerhalb eines sehr begrenzten<br />
Bereichs messbar verwirbelt wird, etwa<br />
50 Zentimeter. Sie bestätigen also die Beobachtung<br />
vom Test mit einer brennenden<br />
Kerze, die vor dem geöffneten Mund eines<br />
Singenden kaum ins Flackern gerät. Nach<br />
dieser Studie müsste ein Sicherheitsabstand<br />
von 1,5 Metern und eine versetzte Aufstellung<br />
im Chor ausreichen, um gegenseitige<br />
Infektionen selbst beim Husten zu vermeiden.<br />
Auch das Freiburger Institut für Musikermedizin<br />
hat inzwischen seine Risikoeinschätzung<br />
vom 25. April verändert, in der<br />
noch grundsätzlich vom Chorsingen abgeraten<br />
wurde; es empfi ehlt seit 6. Mai einen<br />
Abstand von zwei Metern.<br />
Die Studie berücksichtigt allerdings nicht<br />
besondere Eigenarten des Singens wie die<br />
Tatsache, dass Sängerinnen und Sänger<br />
besonders tief einatmen, dass sich die Viren<br />
in der Luft halten, da es sich ja um geschlossene<br />
Räume handelt. Dass sich Teilchen<br />
in der Luft halten, also nicht nur beim<br />
Singen selbst für Ansteckung sorgen, dafür<br />
sprechen die Untersuchungen der Forscherin<br />
Shelly Miller aus Colorado. Die Professorin<br />
für Mechanical and Environmental Engineering<br />
beschäftigt sich schon länger aus<br />
der Perspektive der Umweltwissenschaft mit<br />
Aerosolen; sie verweist auf die hohe Zahl<br />
von Covid-19-Infektionen in geschlossenen<br />
Räumen. In China war nur einer von 314<br />
dokumentierten Ausbrüchen nachweislich<br />
auf eine Ansteckung in freier Luft zurückführen.<br />
Japanische Forscher schätzen die<br />
Wahrscheinlichkeit, sich innerhalb eines<br />
Raumes anzustecken, als zwanzig Mal so<br />
hoch ein wie die Wahrscheinlichkeit einer<br />
Infektion im Freien. So wird man wohl trotz<br />
der eher positiv klingenden Studie der Bundeswehr<br />
vorerst besser auf die Nähe bei gemeinsamen<br />
Proben verzichten.<br />
Vor dem Computer singen?<br />
Auch wenn die Gemeinschaftserfahrung<br />
im Chor nicht möglich ist, so sollten Sängerinnen<br />
und Sänger die wissenschaftlich<br />
nachgewiesenen gesundheitsfördernden<br />
Wirkungen des Singens gerade in diesen<br />
Zeiten für sich nutzen. Neben den digitalen<br />
Projekten, in denen man mit anderen<br />
in Gemeinschaft singt, sollte man seine<br />
Stimme pflegen. Als Gesundheitseinrichtung<br />
für Sänger und Instrumentalisten stellt das<br />
Freiburger Institut für Musikermedizin (FIM)<br />
konkrete Anregungen für tägliche Übungen<br />
und Tipps auf seiner Website (unter «Aktuelles»)<br />
zur Verfügung. Viele Chöre verlagern<br />
ihre Tätigkeiten ins Netz mit Übeprogrammen<br />
wie Carus music App, die Übehilfen<br />
für größere Standardwerke enthält. Eine<br />
Möglichkeit ist auch, Probenideen-Midi-<br />
Dateien zu erstellen, um Übehilfen zu geben<br />
oder einzelne Stimmen einzuspielen<br />
und als Übehilfen zu verschicken. Eine weitere<br />
Möglichkeit ist die musikalische Analyse<br />
und das Besprechen von Texten in digitaler<br />
Konferenz. Für jede Stimme kann<br />
außerdem Rhythmus, Aussprache des<br />
Textes und Probenanweisung eingesprochen<br />
werden, ebenso Einzelstimmen und<br />
Tutti-Einspielungen. Diese werden dann<br />
zu den Probenzeiten den Mitgliedern online<br />
zur Verfügung gestellt. Technisch sind<br />
die Hürden für eine Online-Probe relativ gering,<br />
wenn man Computer und Internet hat.<br />
Doch das reicht nicht. Es braucht vor allem<br />
die Bereitschaft und das technische Können<br />
des Chorleiters, der Regie führen muss.<br />
Vor allem aber müssen alle die Sinnhaftigkeit<br />
solcher Treffen erkennen. Wenn man<br />
glaubt, dass eine reale Probe durch nichts<br />
zu ersetzen ist und solche Treffen eher als<br />
Belastung und unnatürlich angesehen werden,<br />
dann hat es wohl wenig Sinn. Außerdem<br />
ist die Disziplin wichtig: Probt gerade<br />
die eine Stimme, treten die gleichen Probleme<br />
auf wie in jeder normalen Chorprobe:<br />
Wer gerade nichts zu tun hat, macht was<br />
anderes. Zoom ermöglicht es, Teilnehmer<br />
stumm zu schalten und Gruppen zu bilden,<br />
um so mit den einzelnen Stimmen zu proben.<br />
Die Einteilung in einzelne Gruppen ermöglicht<br />
es, untereinander innerhalb dieser<br />
Gruppe zu proben, der Chorleiter kann sich<br />
dort dann jederzeit zuschalten.Zu Hause geprobt<br />
werden kann aber auch ganz ohne<br />
Videokonferenzen. Der Arrangement-Verlag<br />
stellt zum Beispiel einzelne Stimmen<br />
von Werken als Audiodatei zur Verfügung.<br />
Dass die Chorprobe und das Konzert mit<br />
realer Präsenz aller nicht zu ersetzen sind,<br />
darüber sind sich wohl alle einig. So bleibt<br />
nur, auf eine Zeit zu hoffen, dass dies wieder<br />
möglich ist. Da stellt sich aber eine andere<br />
Frage: Hören viele Menschen aus Angst<br />
vor Ansteckung mit dem Singen auf? Erich<br />
Deltedesco glaubt das nicht: „Wir werden<br />
besonders auf die Risiko-Gruppen Rücksicht<br />
nehmen. Ich bin mir sicher, dass alle wieder<br />
mit Freude und Begeisterung beim Chorsingen<br />
dabei sein werden – wenn die Gefahr<br />
einmal vorbei ist.“ Eine ganz normale Probentätigkeit<br />
wird aber erst wieder möglich<br />
sein, wenn weniger strenge Regeln gelten.<br />
Chorleiter/in gesucht!<br />
Der Ahrntaler Männerchor, der 2019 sein 40jähriges Jubiläum feierte, ist auf der<br />
Suche nach einem neuen Chorleiter oder einer Chorleiterin. Gegenwärtig hat der<br />
Chor 34 aktive Mitglieder und will nach Bewältigung der Corona-Krise neu durchstarten.<br />
Interessierte können jederzeit zusätzliche Informationen anfordern. Für hilfreiche<br />
Hinweise sind wir dankbar. Kontakt unter ahrn.maennerchor@gmail.com oder telefonisch<br />
bei Obmann Hermann Lunger (0474 671239 oder 3403316551), Ausschussmitglied<br />
Martin Rauchenbichler (3482258704) und Ausschussmitglied Hans Fischer (3478445513).<br />
<strong>Nr</strong>. 02 | <strong>Juni</strong> <strong>2020</strong> 27
im im Gedenken<br />
„Ich bin heimgegangen ins Licht …<br />
… Danke, dass ihr ein Stück Weg mit mir gegangen seid!“<br />
Mit diesen Worten und dem Bild einer<br />
warm leuchtenden Kerze hat Hildegard<br />
Pernter Kostner aus Truden in ihren letzten<br />
Lebenstagen einen Abschiedsgruß<br />
gestaltet.<br />
Auch viele Volksmusikfreunde aus Südtirol<br />
dürfen sich von diesem Gruß angesprochen<br />
fühlen! Hat Hildegard doch im<br />
Laufe der letzten Jahrzehnte immer wieder<br />
Freude und Dankbarkeit darüber geäußert,<br />
dass durch die Teilnahme an der<br />
Sing- und Musizierwoche in Burgeis im<br />
Jahre 1984 für sie eine neue Welt aufgegangen<br />
sei. Im großen Kreis der Volksmusikantenfamilie<br />
hat sie „Heimat“ gefunden,<br />
viele Erlebnisse mit sing- und<br />
musizierfreudigen Menschen haben ihr<br />
Leben bereichert. Über Jahre war sie bei<br />
den Südtiroler Singtagen und der Singund<br />
Wanderwoche dabei, einige Male<br />
auch beim Seminar für kleine Singgruppen<br />
in Mellaun; mit ihrem herzlichen und<br />
geselligen Wesen war sie bei Veranstaltern<br />
und Teilnehmern sehr beliebt.<br />
Als Altsängerin und Gitarristin hat sie mit<br />
Einsatzbereitschaft und Ausdauer bei<br />
verschiedenen Sing- und Musiziergruppen<br />
mitgewirkt: Schrofener Soatnmusig,<br />
Unterlandler Hausmusik, Chor der Grieser<br />
Bäuerinnen, Grieser Frauenxång,<br />
Pfarrchor Gries . . ., in Truden hat sie<br />
die Frauen- und Kindersinggruppe<br />
unterstützt, wenn sie darum gebeten<br />
wurde. Hildegard gehörte auch zu den<br />
treuesten Hörerinnen der Volksmusiksendungen<br />
der Rai Südtirol.<br />
Ich selbst habe Hildegard vor über 30<br />
Jahren bei den theologischen Kursen<br />
in Brixen kennengelernt, und diese<br />
Freundschaft hat zur Gründung des<br />
Viergesanges „Unterwegs“ geführt.<br />
Gemeinsam mit Walter Weissteiner<br />
aus Weitental und Paul Silbernagl aus<br />
Bozen waren wir von 1989 bis 1996<br />
schon allein zum Proben viel „unterwegs“,<br />
und Auftritte haben uns sogar<br />
bis nach Karlsruhe und nach Oberösterreich<br />
geführt. Hildegard hat nicht<br />
nur einmal lachend gemeint: „I bin<br />
ållm af der Schellrodl.“<br />
Anfang April <strong>2020</strong> ist Hildegards „Unterwegssein“<br />
auf dieser Erde leider zu<br />
Ende gegangen. Nach einem Jahr des<br />
Hoffens und Bangens ist sie infolge einer<br />
Krankheit in Frieden und Stille zu<br />
Gott heimgekehrt.<br />
Liebe Hildegard, mögest du nun in der<br />
Gemeinschaft der himmlischen Chöre<br />
aufgenommen sein und ewige Freude<br />
genießen dürfen!<br />
KulturFenster<br />
Redaktion KulturFenster<br />
Ihre Beiträge für das Chorwesen senden Sie bitte an: info@scv.bz.it (Südtiroler Chorverband)<br />
Redaktionsschluss für die nächste Ausgabe des KulturFensters ist Freitag 17. Juli <strong>2020</strong>.<br />
28<br />
KulturFenster
Stimmgabel<br />
Chorwesen<br />
Eine große Bereicherung für Brummnet<br />
Konzertreise des bekannten Männerchors nach Südafrika<br />
Brummnet, der Männerchor, ist eines der<br />
Aushängeschilder der Südtiroler Chorwelt.<br />
Der Männerchor aus dem Pustertal durfte zu<br />
seinem 15jährigen Jubiläum Ende Februar<br />
ein weiteres Highlight seiner Tätigkeit erleben:<br />
der Chor brach am 21. Februar zu einer<br />
achttägigen Konzertreise nach Südafrika auf.<br />
Die Wahl auf Südafrika war naheliegend,<br />
da einer der beiden Chorleiter (Johann van<br />
der Sandt) ein gebürtiger Südafrikaner ist und<br />
natürlich noch immer ausgezeichnete Kontakte<br />
zur dortigen Chorwelt hat. Von München<br />
startete das Ensemble mit fünfzehn<br />
Sängern und den beiden Chorleitern, Clara<br />
Sattler und Johann van der Sandt, über Dubai<br />
zum ersten Ziel der Reise nach Pretoria.<br />
Dort angekommen wurden die Sänger<br />
bei Gastfamilien untergebracht und durften<br />
so im persönlichen Kontakt die Kultur und<br />
Lebensart des Landes hautnah miterleben.<br />
Bei einem typischem „Braai“, einer südafrikanischen<br />
Grillfeier, wurden die Südtiroler<br />
Sänger von den Gastfamilien willkommen<br />
geheißen und durften sich von der Reise<br />
erholen. Am zweiten Tag der Reise standen<br />
dann schon die ersten Konzerte auf dem Programm.<br />
Das erste war die Mitgestaltung eines<br />
Gottesdienstes in der evangelischen Kirche<br />
„Stella Street“ im Stadtteil Brooklyn in Pretoria.<br />
Trotz der frühen Stunde und Restmüdigkeit<br />
war es für alle ein wunderbares Erlebnis<br />
und Brummnet kam so gut an, dass<br />
ein spontaner Auftritt beim zweiten Gottesdienst<br />
organisiert wurde. Am Nachmittag<br />
schließlich stand das nächste Konzert in der<br />
Kirche der deutschen Johannes-Gemeinde<br />
von Pretoria auf dem Programm. Das Konzert<br />
wurde zusammen mit dem „Resonanz<br />
Vocal Ensemble“ gestaltet. Das Ensemble ist<br />
eines von denjenigen, welches von brummnet-Chorleiter<br />
Johann van der Sandt während<br />
seines Schaffens in Südafrika geleitet<br />
wurde. Spätestens nach diesem Konzert war<br />
Brummnet in Südafrika angekommen und<br />
erfreute sich an der Herzlichkeit und Begeisterungsfähigkeit<br />
der Südafrikaner. Nach<br />
dem Konzert wurde mit den Mitgliedern der<br />
deutschen Gemeinde und den Sängern von<br />
Resonanz gefeiert und gesungen. Vor allem<br />
die Jodel-Künste von Clara Sattler werden<br />
wohl so einigen Südafrikanern lebenslang<br />
im Gedächtnis bleiben.<br />
Am nächsten Tag der Tour ging es für<br />
Brummnet zuerst in eine Schule in Pretoria,<br />
wo bei der wöchentlichen Schulversammlung<br />
ein Auftritt von brummnet eingeplant war.<br />
Vor einigen hundert Schülern begeisterte der<br />
Chor in gewohnter Manier mit musikalischer<br />
Perfektion. Nach dem letzten Stück, einem<br />
südafrikanischen Volkslied,<br />
gab es für die Schülerinnen<br />
und Schüler kein<br />
Halten mehr: erst nach langen<br />
Standing-Ovations und<br />
dem Einschreiten der Professoren<br />
war wieder an ein<br />
Fortführen des Schulalltages<br />
zu denken. Brummnet<br />
wurde danach noch<br />
eine Schulführung angeboten,<br />
bei der eine Klasse<br />
mit einem Exklusiv-Konzert beglückt wurde.<br />
Nach diesem wunderbaren Erlebnis fuhren<br />
die Männer ins „Lesedi-Kulturdorf“, wo sie<br />
die verschiedenen Stämme der Ureinwohner<br />
Südafrikas mit ihren verschiedenen Traditionen,<br />
Gesängen und Tänzen kennenlernen<br />
durften. Am Abend war es dann Zeit für<br />
den nächsten Höhepunkt. Brummnet traf auf<br />
den südafrikanischen "Vox Chamber Choir",<br />
(Beistrich!!) der von Franco Prinsloo geleitet<br />
wird. Herr Prinsloo ist ein junger südafrikanischer<br />
Komponist und Chorleiter, welcher<br />
auch für Brummnet ein Werk geschrieben<br />
hat. In der wunderbaren Atmosphäre der Kirche<br />
im Haus Nazareth wurde dem ausverkauften<br />
Haus feinste Chormusik präsentiert.<br />
Am Dienstag war es Zeit von den Gastfamilien<br />
Abschied zu nehmen. In den wenigen<br />
Tagen entstanden einige Freundschaften<br />
und der Abschied fi el alles andere als<br />
leicht. Für Brummnet ging es weiter zur Safari<br />
nach Dinokeng. Die unglaubliche Pflanzen-<br />
und Tierwelt des afrikanischen Kontinents<br />
konnte bestaunt und aufgesogen<br />
werden und hat bei den Sängern bleibende<br />
Eindrücke hinterlassen.<br />
Der Mittwoch stand im Zeichen der Weiterreise<br />
nach Kapstadt. Nach der Ankunft<br />
am Flughafen ging es direkt weiter zum Kap<br />
der guten Hoffnung. Natürlich wurde auch<br />
dort im besten „Brummnet-Style“ südtiroler<br />
und südafrikanisches Liedgut verbunden.<br />
Der Donnerstag sollte eigentlich auf dem<br />
berühmten Tafelberg beginnen. Doch aufgrund<br />
von Wolken und des starken Windes<br />
wurde stattdessen eine Rundfahrt durch<br />
Kapstadt organisiert. Am Abend gab es dann<br />
das letzte Konzert der Reise in der „Western<br />
Eine interessante Chorreise erlebten<br />
die Sänger vom Chor Brummnet.<br />
Preparatory School“ im Stadtteil Claremont.<br />
Was bei der Reise für die Südtiroler Männer<br />
natürlich nicht fehlen durfte, war der<br />
Vergleich der südafrikanischen Weine mit<br />
den Unsrigen. Hierzu wurden am letzten<br />
Tag der Reise zwei Weingüter besucht, bei<br />
denen die Verkostung der besten südafrikanischen<br />
Weine und zudem die Gemeinschaft<br />
im Vordergrund standen.<br />
Brummnet ist es bei dieser Reise nicht<br />
nur gelungen, feinste Südtiroler Chormusik<br />
zu präsentieren. Die Chormitglieder durften<br />
ein extrem musikbegeistertes Volk kennenlernen,<br />
das zudem sehr gastfreundlich ist.<br />
Die Eindrücke von Menschen und Kultur,<br />
aber auch der Gemeinschaft im Chor und<br />
die Schönheit des Chorsingens hinterließen<br />
bleibende Eindrücke, von denen die Mitglieder<br />
noch lange zehren können.<br />
Ein großer Dank geht an dieser Stelle an<br />
den Ausschuss von Brummnet unter der<br />
Obhut von Sieghard Amhof und den beiden<br />
Chorleitern Clara Sattler und natürlich Johann<br />
van der Sandt. Johann van der Sandt und<br />
Sieghard Amhof sind es gewesen, die den<br />
größten Teil der Reise perfekt organisiert haben.<br />
Diese Reise war ein richtiges "moerse"<br />
(afrikanisch) Abenteuer und eine wunderbare<br />
Bereicherung für den Chor.<br />
<strong>Nr</strong>. 02 | <strong>Juni</strong> <strong>2020</strong> 29
Stimmgabel<br />
Fahnenweihe in Martell<br />
Für den Chor „Schianbliamltol“<br />
Anlässlich des Patroziniums der hl. Walburga<br />
wurde am Sonntag, 1.März <strong>2020</strong> in<br />
Martell die neue Fahne des gemischten<br />
Chores „Schianbliamltol“ gesegnet und<br />
ihrer Bestimmung übergeben.<br />
Auf Anregung einiger Chormitglieder<br />
hin hat der Ausschuss vor einiger Zeit<br />
beschlossen, für besondere Feierlichkeiten<br />
eine Vereinsfahne für die Chorgemeinschaft<br />
anzuschaffen. Der Marteller<br />
Künstler Walter Kuenz wurde mit der<br />
Gestaltung der Fahne beauftragt. In seinen<br />
Vorschlägen und in der Ausführung<br />
hat er die sakrale (religiöse) und profane<br />
(weltliche) Ausrichtung des Chores aufgegriffen.<br />
Die Farben in der Fahne haben seinen<br />
Aussagen zufolge eine bestimmte Symbolik:<br />
Das Blau steht für Wasser, das Goldgelb<br />
für Feuer und den Sonnenaufgang<br />
und das Grau für Alter und Weisheit. Zentrales<br />
Motiv ist ein singender Engel mit<br />
Buch. Angefertigt wurde die Fahne vom<br />
Unternehmen IDEA in Naturns. Beim feierlichen<br />
Gottesdienst, der vom Chor mit<br />
der Gounod - Messe umrahmt wurde,<br />
segnete Hochwürden Josef Stricker die<br />
neue Fahne. Als Fahnenpatin konnte Gerlinde<br />
Fleischmann und als Fähnrich Armin<br />
Oberhofer gewonnen werden.<br />
Neben mehreren Ehrengästen konnte<br />
Obmann Stefan Kobald auch die Gemeindeverwaltung<br />
und den Verbandsobmann<br />
Hochwürden Josef Stricker segnete die Fahne.<br />
der Südtiroler Chöre, Herrn Erich Deltedesco,<br />
begrüßen. In seiner Ansprache<br />
ging Stefan Kobald auf die besondere<br />
Bedeutung einer Fahne ein: Sie ist ein<br />
Symbol, welches vereint, einer Gemeinschaft<br />
Wurzeln gibt und nicht zuletzt als<br />
Zeichen für innere Werte steht. Als Wahrzeichen<br />
des Chores soll sie bei freudigen,<br />
aber auch bei traurigen Ereignissen mitgetragen<br />
werden.<br />
Nach dem Festgottesdienst wurden<br />
die Chormitglieder von der Musikkapelle<br />
ins Bürgerhaus begleitet, wo sie<br />
sich im Rahmen der Kirchtagsfeier auch<br />
zum jährlichen Vereinsessen trafen. Für<br />
25 Jahre Chorsingen wurde Waltraud<br />
Spechtenhauser geehrt.Die Bäuerinnen<br />
verwöhnten alle mit schmackhaften Gerichten<br />
und köstlichen Kirchtagskrapfen.<br />
Der Obmann betont: „Ihnen und<br />
allen Sponsoren und Gönnern des Vereins<br />
sei an dieser Stelle nochmals herzlich<br />
gedankt! Wir Sängerinnen und Sänger<br />
hoffen und wünschen, dass unsere<br />
Fahne den Schianbliamltol - Chor viele<br />
Jahre begleitet und vorangetragen wird!“<br />
Hermann Schölzhorn wurde 70<br />
Kirchenchor Ridnaun<br />
Am 4. April feierte der allseits geschätzte<br />
Obmann des Kirchenchors Ridnaun Hermann<br />
Schölzhorn seinen 70. Geburtstag.<br />
Der Kirchenchor Ridnaun wünscht mit<br />
diesen Worten dem Obmann alles Gute:<br />
„Für das neue Lebensjahr wünschen wir<br />
dir gutes Gelingen in allen Dingen, viel<br />
Freude und das alles natürlich bei bester<br />
Gesundheit. Außerdem möchten wir diese<br />
besondere Gelegenheit nutzen, um dir im<br />
Namen aller Sängerinnen und Sänger ein<br />
großes Dankeschön zu sagen, für deinen<br />
unermüdlichen Einsatz für unseren Chor.<br />
Mögest du uns noch lange als begeisterter<br />
Sänger und als Obmann erhalten<br />
bleiben!“<br />
30<br />
KulturFenster
Das Thema<br />
Heimatpflege<br />
Corona – und was kommt danach?<br />
Die Krise als Chance für Maßnahmen zum Schutz unserer Heimat und Umwelt<br />
Eine Frage treibt uns alle auch nach der<br />
Aufhebung einiger Einschränkungen um:<br />
Wird es jemals wieder eine Art von „Normalität“<br />
geben, wie sie vor dem Ausbruch<br />
der Pandemie geherrscht hat? Und war<br />
das wirklich „normal“, was da letzthin so<br />
alles abgelaufen ist? Viele Wissenschaftler,<br />
Zukunftsforscher, Philosophen geben Antworten.<br />
Sie erklären Entwicklungen, geben<br />
mehr oder weniger hoffnungsfrohe Aussichten<br />
oder führen uns zu Überlegungen,<br />
die wir „früher“, in der Hektik unserer Tage,<br />
zumeist beiseite geschoben haben. Precht<br />
stellte diesbezüglich auch die Überlegung<br />
an, ob denn das, was wir gerade erleben,<br />
das große Erwachen aus unserem imaginären<br />
Lebensfilm sei und ob unsere nicht<br />
hinterfragten Alltagsroutinen, unsere übertriebenen<br />
Sorgen und überzogenen Wünsche<br />
jetzt sichtbar würden.<br />
Falsche Hoffnungen<br />
Sellajoch während der Mittwochssperre: Die Verkehrsreduzierung auf den Pässen ist<br />
nur eine Maßnahme, die die Politik jetzt setzen sollte.<br />
Das Coronavirus hat das Leben der Menschen<br />
so radikal verändert, wie es seit dem Zweiten<br />
Weltkrieg nicht mehr passiert war. Neben<br />
Ängsten und Sorgen ebnen sich aber auch<br />
kleine Freuden und Hoffnungen den Weg in<br />
unser Bewusstsein. Wir Heimatpfleger haben<br />
die Hoffnung und den Wunsch, dass nicht nur<br />
die einfachen Bürger, sondern auch die Entscheidungsträger<br />
aus der Krise lernen und<br />
den Mut aufbringen, strenge Maßnahmen für<br />
eine bessere Welt zu ergreifen.<br />
Die Coronazeit war und ist für viele immer<br />
noch eine physische und emotionale<br />
Belastung, in der sie sich um ihr eigenes<br />
Wohl und jenes ihrer Familienangehörigen<br />
sorgen. Wir wissen nun alle, was es heißt,<br />
für eine geraume Zeit in der Bewegungsfreiheit<br />
und in den sozialen Kontakten eingeschränkt<br />
zu sein, gemeinsame kirchliche<br />
und andere Feste nicht feiern oder persönlich<br />
von Sterbenden Abschied nehmen zu<br />
können. Wer letzthin viel Zeit in den eigenen<br />
vier Wänden verbracht hat, musste<br />
zudem oft erst lernen, damit umzugehen.<br />
Manchen gab diese Zeit auch die Möglichkeit,<br />
ihren Blick weg vom Äußeren hin<br />
zum Inneren zu richten, sich neu kennenzulernen<br />
– ganz nach dem Motto des Philosophen<br />
Richard David Precht: „Wer bin<br />
ich, und wenn ja, wie viele?“<br />
Es geht auch um die wirtschaftliche, kulturelle<br />
und soziale Entwicklung unserer Gesellschaft.<br />
Wir haben die rigiden Maßnahmen,<br />
die die Politik nach Ausbruch der Pandemie<br />
getroffen hat, in der Regel anstandslos<br />
akzeptiert, weil unsere Tiefenangst uns<br />
um die eigene Gesundheit bangen ließ. Zu<br />
spüren war aber auch eine verstärkte Solidarität<br />
gegenüber Schwächeren und Alten<br />
in der Gesellschaft, was ein wertvolles Zeichen<br />
von Verantwortung darstellt.<br />
Was ist normal?<br />
Dass Corona uns unmittelbar bedroht, wissen<br />
wir erst seit Kurzem. Wir wissen aber<br />
schon seit Langem, dass, wenn wir so weiterleben<br />
und wirtschaften wie bisher, wenn<br />
wir mit den natürlichen Ressourcen unserer<br />
Erde weiterhin so leichtfertig umgehen,<br />
wenn wir unser Umweltverhalten nicht<br />
massiv verändern, auf eine Klimakatastrophe<br />
hinsteuern, die ein Stück weit gravierendere<br />
Auswirkungen haben wird, als die<br />
derzeitige Pandemie (siehe Interview mit<br />
Georg Kaser). Warum nimmt man die Warnungen<br />
der Wissenschaftler in dieser Materie<br />
nicht so ernst wie jetzt die der Virologen<br />
zu Corona?<br />
Winfrid Herbst, Vorsitzender des Naturschutzbundes<br />
Salzburg, hat das in seinem<br />
Artikel „Alte Wege endlich verlassen“ („Salzburger<br />
Nachrichten“, 6. April <strong>2020</strong>) damit<br />
erklärt, dass die Angst vor Pandemien im<br />
kollektiven Gedächtnis verankert sind, dass<br />
aber unser kollektiver Erfahrungsschatz im<br />
Umgang mit den Umweltgütern bei aller<br />
erkennbaren Bedrohung immer noch auf<br />
Hoffnung eingestellt ist. Aber genau das ist<br />
der Trugschluss, denn die Umweltproblematik<br />
ist wissenschaftlich vielfach bewiesen,<br />
real und in vielen Anzeichen – auch<br />
in unserer Gegend – schon spürbar. Allein<br />
die Tatsache, dass die Weltbevölkerung rasant<br />
wächst, bedeutet, dass der Druck auf<br />
die Ressourcen dieses Planeten immer stärker<br />
wird. Das Verhältnis zwischen dem ungehemmten<br />
Anspruch des Menschen auf<br />
der einen Seite und den natürlichen Mög-<br />
<strong>Nr</strong>. 02 | <strong>Juni</strong> <strong>2020</strong> 31
Das Thema<br />
Die positive Seite der Coronamaßnahmen: In vielen Gebieten Europas ist die Luftverschmutzung zurückgegangen, hier sichtbar an<br />
der verminderten Stickstoffdioxid-Konzentration über Italien. Quelle: ESA<br />
lichkeiten auf der anderen droht zu kippen<br />
– mit all den daraus folgenden apokalyptischen<br />
Folgen für Mensch und Natur: Es<br />
wird eng – im wörtlichen und übertragenen<br />
Sinn des Wortes.<br />
Jetzt handeln<br />
Man hat in der Coronakrise gesehen, dass<br />
sich Menschen ändern können, wenn sie<br />
es müssen bzw. wenn sie sich unmittelbar<br />
in Gefahr sehen. Und vor allem schaffen es<br />
Politiker, bis dato unvorstellbare, weil unpopuläre<br />
Maßnahmen zu ergreifen, wenn es<br />
die Notsituation erfordert. Es ist also jetzt<br />
ein sehr günstiger Augenblick für alle Entscheidungsträger,<br />
die Welt nach Corona zu<br />
denken: Wie es von einem Tag auf den anderen<br />
einschneidende Maßnahmen zum<br />
Personen- und Warenverkehr, zur Arbeit,<br />
zur Freizeit, zur medizinischen Versorgung<br />
usw. gegeben hat, so müsste es ab jetzt möglich<br />
sein, einschneidende und unpopuläre<br />
Maßnahmen zu ergreifen, wenn es um den<br />
Schutz der Natur und unserer Gesundheit<br />
vor Umweltbelastungen geht. Denn ein geschwächter<br />
Mensch ist anfälliger – auch für<br />
die nächste Krise. Jetzt müssen die Politiker<br />
den Mut aufbringen und überall dort, wo<br />
man schon seit Jahren weiß, dass das vernünftige<br />
Maß längst überschritten wurde,<br />
einen Stopp erlassen! Ausbaustopp in Skigebieten,<br />
Schließung der Pässe für den<br />
Individualverkehr, Einführung einer Obergrenze<br />
für den Tourismus, Kostenwahrheit<br />
im Warentransport, Bemautung der Transitrouten,<br />
Einhaltung der Schutzregeln in<br />
"Die reinste Form des<br />
Wahnsinns ist es, alles<br />
beim Alten zu belassen<br />
und gleichzeitig zu hoffen,<br />
dass sich etwas ändert."<br />
Albert Einstein<br />
den Bereichen Natur- und Umwelt – dies<br />
und vieles mehr fordern wir Heimatpfl eger<br />
bereits seit vielen Jahren.<br />
Vielleicht haben die Politiker jetzt erkannt,<br />
dass vergängliche Dinge wie Macht,<br />
Ruhm und Besitz kein Garant für das Glück<br />
sind, dass sich Stärke und Wohlstand nicht<br />
allein durch die Summe der äußeren Güter<br />
manifestiert, sondern dass es auf weitaus<br />
wichtigere Dinge im Leben eines jeden ankommt.<br />
Zu hoffen ist auch, dass die Menschen<br />
aufwachen und im täglichen Bemühen<br />
um eine gesunde Mitwelt mehr Mut<br />
an den Tag legen.<br />
Die Frage, ob es jemals wieder eine Art<br />
von Normalität geben wird, wie sie vor dem<br />
Ausbruch der Coronapandemie geherrscht<br />
hat, ist wohl zu verneinen. Wir werden alle<br />
mit mehr Vorsicht und mit mehr Augenmaß,<br />
vor allem aber mit mehr Respekt<br />
vor unserer Natur und unserem Mitmenschen<br />
handeln müssen, damit wir nicht<br />
bald wieder in die nächste schwere Wirtschafts-,<br />
Gesundheits- und Gesellschaftskrise<br />
stürzen.<br />
Dr. Claudia Plaikner,<br />
Landesobfrau des<br />
Heimatpfl egeverbandes<br />
KulturFenster<br />
Redaktion KulturFenster<br />
Ihre Beiträge für die Heimatpflege im KulturFenster senden Sie bitte an: fl orian@hpv.bz.it<br />
Für etwaige Vorschläge und Fragen erreichen Sie uns unter folgender Nummer: +39 0471 973 693 (Heimatpfl egeverband)<br />
32<br />
KulturFenster
Heimatpflege<br />
„Gegen den Klimawandel gibt<br />
es keinen Impfstoff“<br />
Südtiroler Klimaforscher Georg Kaser wirbt für ein Nachdenken vor dem Neuanfang<br />
Der „Lockdown“ im Zuge der Coronakrise<br />
hat die Wirtschaft zum Erliegen gebracht.<br />
Doch auch die Phase des Wiederaufbaues<br />
gestaltet sich schwierig. Vor allem der Tourismus<br />
wird noch lange an den Folgen der<br />
Pandemie leiden. Genau das wäre jetzt die<br />
Gelegenheit über Veränderungen nachzudenken,<br />
sagt der aus Meran gebürtige Klimaforscher<br />
Georg Kaser.<br />
<strong>Kulturfenster</strong>:Sie haben während der akuten<br />
Phase der Coronapandemie den Klimawandel<br />
als noch viel größere Herausforderung<br />
bezeichnet als die aktuelle Gesundheitskrise.<br />
Wie ist das zu verstehen?<br />
Georg Kaser: Die Coronapandemie ist<br />
schlimm und hat viele Opfer gefordert.<br />
Aber wir haben die Hoffnung, dass irgendwann<br />
ein Impfstoff oder ein Medikament<br />
gefunden wird, mit dem wir die Krankheit<br />
endgültig stoppen können. Beim Klimawandel<br />
ist das anders. Er wird, sofern wir nicht<br />
umgehend etwas dagegen unternehmen, in<br />
den nächsten Jahrzehnten Millionen Menschen<br />
die Lebensgrundlage entziehen. Die<br />
Opferzahl wird um ein Vielfaches höher liegen<br />
als wir sie jetzt bei Covid-19 beklagen.<br />
Die einen werden sterben, die anderen<br />
flüchten. Auch wir in den Industrieländern<br />
werden die Veränderungen stark spüren.<br />
Wir sollten uns deshalb bewusst sein: Gegen<br />
den Klimawandel gibt es weder einen<br />
Impfstoff noch ein Medikament.<br />
KF: Was kommt da auf uns zu?<br />
G. Kaser: Vom Anstieg des Meeresspiegels<br />
über Niederschlagsextreme und Trockenperioden<br />
bis zum Auftauen des Permafrostes<br />
gibt es zahlreiche Phänomene, die<br />
die Welt verändern werden. Wird die globale<br />
Erwärmung nicht bald schon stark eingedämmt,<br />
steht Teilen der Antarktis und der<br />
tropischen Regenwälder ein Kollaps bevor.<br />
Weil es in den Meeren sogenannte ozeanische<br />
Hitzewellen weiter zunehmen werden,<br />
kann kaum noch Sauerstoff in die tiefere<br />
Meeresschichten gelangen. Wenn aber<br />
im Meer Lebensräume zerstört werden, wirkt<br />
sich das massiv auf die Nahrungskette und<br />
auf das gesamte Ökosystem aus. Was das<br />
Auftauen des Permafrostes betrifft, beeinflusst<br />
das die Festigkeit des Gesteins, zudem<br />
entsteht beim Auftauen Methan. Das<br />
treibt die Treibhausgasmenge in die Höhe.<br />
Insgesamt gesehen, wird es immer weniger<br />
Plätze auf der Erde geben, wo Menschen<br />
überleben können …<br />
KF: Ein düsteres Bild. Sind Sie Optimist<br />
oder Pessimist?<br />
G. Kaser: Ich bin in erster Linie Wissenschaftler<br />
und sehe meine Verantwortung<br />
darin, auf die drohende Entwicklung aufmerksam<br />
zu machen. Tatsache ist, dass<br />
wir es schaffen müssten, die weitere globale<br />
Erwärmung unter 1,5 Grad Celsius<br />
zu halten. Nur dadurch könnten wir die<br />
Erde vor noch katastrophaleren Klimaveränderungen<br />
schützen als sie ohnehin anstehen.<br />
Im Moment steuern wir aber auf 3<br />
bis 4 Grad alleine bis 2100 zu. Nur wenn<br />
wir in den nächsten sechs bis acht Jahren<br />
den CO 2<br />
-Ausstoß in Relation zu 2010 um<br />
45 Prozent senken, hätten wir eine Chance,<br />
diese Kurve zu kriegen.<br />
Die Gletscher schmelzen – unaufhaltsam. Hier der Blick auf den Steinschlagferner im Schnalstal. Foto: Daniela Brugger<br />
<strong>Nr</strong>. 02 | <strong>Juni</strong> <strong>2020</strong> 33
Das Thema<br />
KF: Welches Szenario zeichnen Sie in den<br />
nächsten Jahrzehnten für Südtirol – Stichwort<br />
Gletscherschmelze?<br />
G. Kaser: Das völlige Abschmelzen der<br />
Gletscher ist jetzt schon nicht mehr aufzuhalten.<br />
Vermutlich wird es in 30 Jahren<br />
in Südtirol keinen Gletscher mehr geben.<br />
Aber dieses Phänomen wird sich weit<br />
weniger auswirken als etwa die Wetterextreme<br />
oder die Schwankungen bzw. Verschiebungen<br />
der Winterniederschläge. Es<br />
wird wärmere und trockenere Winter geben.<br />
Und wenn die Niederschläge wirklich<br />
fallen, dann in immer höheren Lagen<br />
vermehrt in Form von Regen statt Schnee.<br />
Das Wasser wird also schneller abfl ießen,<br />
es wird weniger saisonale Wasserspeicherung<br />
geben. Auch werden Regen im Winter<br />
und weiteres Auftauen von Permafrost<br />
zu vermehrten Bergstürzen und Vermurungen<br />
führen. Insgesamt müssen wir auf der<br />
Alpensüdseite mit mehr Trockenheit und,<br />
wie gesagt, mit Wetterextremen rechnen,<br />
deren Auswirkungen nur begrenzt kontrollierbar<br />
sind.<br />
KF: Warum haben Sie sich gerade jetzt öffentlich<br />
zum Klimawandel geäußert, da die<br />
Welt doch auf den ersten Blick ganz andere<br />
Probleme hat?<br />
G. Kaser: Ich finde, es war der richtige<br />
Zeitpunkt. Wir erleben im Moment, welche<br />
Folgen eine Globalisierung hat, die<br />
die Kontrolle den Märkten statt den Menschen<br />
überlässt, die eine gefährliche Abhängigkeit<br />
schafft, die unsere Wirtschaft<br />
und unsere Umwelt extrem fragil macht.<br />
Wir haben es bei der Schutzausrüstung<br />
gesehen, die von China importiert werden<br />
muss; wir sehen es seit Jahrzehnten bei<br />
den fossilen Brennstoffen. Jetzt hätten wir<br />
noch eine kleine Chance, etwas zu verändern.<br />
Man ist nach der akuten Phase der<br />
Pandemie an einem Punkt, an dem die<br />
Wirtschaft wieder hochgefahren wird. Das<br />
muss und wird notgedrungen langsam geschehen.<br />
Es wäre also genug Zeit, um Konzepte<br />
für eine neu orientierte, stabilere und<br />
sozial gerechtere Wirtschaft zu schaffen.<br />
KF: Wie konkret kann das passieren?<br />
G. Kaser: Da gibt es viele Möglichkeiten,<br />
auch für die Europäische Union, die Spielraum<br />
genug hat, um die Wirtschaft umzulenken.<br />
Man kann zum Beispiel Steuern<br />
auf fossile Brennstoffe erheben, man<br />
kann die Subventionen neu gestalten. Es<br />
gilt, jene Unternehmen zu fördern, die auf<br />
„Wir erleben im Moment, welche Folgen eine Globalisierung hat, die<br />
die Kontrolle den Märkten statt den Menschen überlässt,<br />
die eine gefährliche Abhängigkeit schafft, die unsere Wirtschaft und<br />
unsere Umwelt extrem fragil macht.“<br />
Nachhaltigkeit, Umwelt und soziale Gerechtigkeit<br />
setzen, die das Gemeinwohl in den<br />
Mittelpunkt stellen. Solche Unternehmen<br />
gibt es in größerer Zahl als man oft meint.<br />
KF: Brechen wir das Thema auf die aktuelle<br />
Situation in Südtirol herunter. Was könnte<br />
die Politik, was könnten die Unternehmen<br />
aus der Pandemie lernen?<br />
G. Kaser: Die Krise hat den Tourismus ganz<br />
besonders getroffen, und auch wenn die<br />
Betriebe zum Teil wieder geöffnet sind,<br />
wird das große Geschäft heuer ausbleiben.<br />
Dieses Jahr sollte man nutzen, um<br />
zu überlegen, welches „Produkt Südtirol“<br />
man den Besuchern künftig bieten möchte<br />
– und entsprechende Konzepte erstellen.<br />
Vielleicht sollte ein Südtirolurlaub echte<br />
Erholung sein und nicht Wochenendkonsum<br />
mit massiven Verkehrsbelastungen<br />
und riesigem CO 2<br />
-Fußabdruck. Da spielt<br />
auch die Kulturlandschaft eine große Rolle.<br />
Was machen wir damit? Können wir sie authentisch<br />
und nachhaltig erhalten und da-<br />
Zur Person<br />
Georg Kaser, 1953 in Meran geboren,<br />
zählt zu den einfl ussreichsten<br />
Klimaforschern weltweit. Sein Forschungsschwerpunkt<br />
galt immer<br />
schon den Gletschern.<br />
Zwar ist Kaser seit zwei Jahren in<br />
Rente, doch forscht er weiter und<br />
ist nach wie vor als Professor und<br />
als Dekan der Fakultät für Geo- und<br />
Atmosphärenwissenschaften an der<br />
Universität von Innsbruck tätig.<br />
Er erachtet den Klimawandel als<br />
noch weit größere Herausforderung<br />
als die Coronapandemie. Mit seiner<br />
Frau lebt Kaser in Karthaus.<br />
mit eine stabile Basis auch für die Tourismuswirtschaft<br />
bieten?<br />
KF: Ja, was machen wir mit der Kulturlandschaft?<br />
G. Kaser: Hier kommt die Landwirtschaft ins<br />
Spiel. Die Bauern werden ja oft als Landschaftspfl<br />
eger bezeichnet. Dabei könnten<br />
sie doch viel mehr als bisher zur regionalen<br />
Versorgung mit Lebensmitteln beibragen.<br />
Alles spricht jetzt wieder vom hohen Wert<br />
der kleineren Wirtschaftskreisläufe, der regionalen<br />
Versorgung. Dann wäre doch jetzt<br />
die Gelegenheit, die Unterstützungsmaßnahmen<br />
für die Landwirtschaft zu überdenken<br />
und wieder das zu fördern, was<br />
die ursprüngliche Aufgabe der Landwirtschaft<br />
war. Sonst verkommen die Holzhütten<br />
auf den Almen wirklich zur Dekoration.<br />
Interview: Edith Runer<br />
34<br />
KulturFenster
Heimatpflege<br />
Offen, kritisch und aktiv –<br />
auch nach Corona<br />
Ein Beitrag von Vorstandsmitglied Dr. Josef Vieider<br />
In folgendem Beitrag wirft Vorstandsmitglied<br />
Josef Vieider einen kritischen Blick auf so<br />
manche Leitsprüche und Schlagwörter, die<br />
im Zuge der Coronapandemie eine besondere<br />
Bedeutung bekommen – und andere,<br />
die an Bedeutung verlieren.<br />
Vielleicht ist sie nicht allen aufgefallen,<br />
die kleine Veränderung am Logo des<br />
Heimatpfl egeverbandes Südtirol: In den<br />
Balken des stilisierten HV prangen seit<br />
fast zwei Jahren die drei Worte „offen,<br />
kritisch, aktiv“, und die Jutetaschen, erhältlich<br />
im Verbandsbüro, tragen die Aufschrift<br />
„Für Kultur, Landschaft, Mitwelt“.<br />
Je drei kurze Schlagworte verdeutlichen<br />
die Arbeitsweise und<br />
das Einsatzgebiet unseres<br />
Verbandes – ein<br />
Teilergebnis der Klausurtagung<br />
von 2017.<br />
Wie eine uns allen<br />
aufgezwungene Klausur<br />
erscheint die über<br />
die Welt hereingebrochene<br />
Coronapandemie<br />
mit dem „Lockdown“ der letzten Wochen.<br />
Plötzlich hatten die meisten Leute<br />
Zeit zum Nachdenken, Nachlesen, zum<br />
Überlegen, was im Leben wichtig ist. Plötzlich<br />
standen die bedrohte Gesundheit, die<br />
sozialen Kontakte, die fehlende Kultur im<br />
Vordergrund. Plötzlich hieß die oberste<br />
Devise, gepredigt von Politikern und Virologen:<br />
„Aufeinander Rücksicht nehmen“.<br />
Welch ein Widerspruch zum bisher herrschenden<br />
Glaubenssatz der Wirtschafts-<br />
„Mit der noch gefährlicheren<br />
Krise im Rücken, der drohenden<br />
Klimakatastrophe, kann es ein<br />
„Weiter so“ nicht mehr geben.“<br />
weisen, der da lautet: „Konsumieren, wachsen<br />
und verdrängen“.<br />
Mit Corona ist unser bisheriges Wirtschaften<br />
plötzlich in die Sinnkrise geraten.<br />
Es geht die berechtigte Angst um, dass es<br />
nie wieder so sein wird wie vorher. „Schneller,<br />
höher, weiter“ gilt nicht mehr. Nach<br />
Corona wird es zwar ein nachholendes<br />
Konsumieren geben, aber unser globales<br />
Wirtschaftssystem hat den Höhepunkt des<br />
Wachstums wohl überschritten. Denn mit<br />
der noch gefährlicheren Krise im Rücken,<br />
der drohenden Klimakatastrophe, kann es<br />
ein „Weiter so“ nicht mehr geben. Entweder<br />
wir kommen mit einem niedrigeren Niveau<br />
von Wachstum und Konsum zurecht,<br />
oder es muss ein neues Wirtschaftssystem<br />
gefunden werden.<br />
Auch unsere Heimat, die wir lieben dürfen<br />
und kennen sollten, wird sich diesen<br />
globalen Veränderungen nicht entziehen<br />
können. Wie die vielen anderen Heimaten<br />
unseres Planeten werden auch wir die<br />
aktuelle Devise „Aufeinander Rücksicht<br />
nehmen“ weiter beherzigen müssen. Die<br />
überhebliche „Miar sein miar“-Mentalität,<br />
die sich nicht nur an Stammtischen,<br />
sondern auch in manch mächtigen Organisationen<br />
beheimatet fühlt, dürfte dabei<br />
nicht hilfreich sein. Kritik wird häufi g<br />
als Bedrohung empfunden oder als aufmüpfige<br />
Behinderung, aber selten als das<br />
wahrgenommen, was meistens gemeint<br />
ist, nämlich als Einsatz zur Verbesserung<br />
der Situation. Unverzichtbar wird Kritik<br />
aber bei einem menschenverachtenden<br />
Gedankengut, das oft recht banal daherkommt<br />
und dabei häufi g den Heimatbegriff<br />
missbraucht.<br />
Das maßlose Wachstum, die ausufernde<br />
Werbung und der Konsum haben auch in<br />
Südtirol unübersehbare Spuren hinterlassen.<br />
Wir haben teilweise hohen Wohlstand<br />
und Überfluss erreicht, aber dafür die Ausbeutung<br />
von Natur und Menschen, landschaftszerstörendes<br />
Bauen, Aushebelung<br />
von Schutzbestimmungen, Luftverschmutzung,<br />
Bodenverseuchung, Verschwendung<br />
der natürlichen Ressourcen und einen überbordenden<br />
Tourismus in Kauf genommen.<br />
Eine sozial und ökologisch nachhaltigere<br />
Entwicklung scheint dringend geboten.<br />
Die gegenwärtigen Krisen werden wir nur<br />
mit einer gesellschaftsübergreifenden Zusammenarbeit<br />
und Kraftanstrengung bewältigen<br />
können: Lokal handeln, global<br />
denken. Die Jugendbewegung „Fridays<br />
for Future“ stimmt dabei hoffnungsvoll.<br />
Und wir Heimatpflegerinnen und Heimatpfleger<br />
wollen unseren Beitrag offen, kritisch<br />
und aktiv leisten.<br />
Dr. Josef Vieider, Vorstandsmitglied im<br />
Heimatpfl egeverband Südtirol<br />
<strong>Nr</strong>. 02 | <strong>Juni</strong> <strong>2020</strong> 35
Das Thema<br />
Droht ein Rückschritt?<br />
Mit der Angst kommt auch das Einwegplastik wieder in die Haushalte<br />
Wo dieser Einweghandschuh eines Tages landen wird? Wohl im Meer! – Foto: Edith Runer<br />
Vom Handschuh über die Scheibe an der<br />
Ladenkasse bis zur Brille für Ärzte – Kunststoff<br />
schützt vor Covid-19, und Hygiene<br />
ist das Gebot der Stunde. Dennoch stellt<br />
sich die Frage, ob die Angst vor dem Virus<br />
die jahrelange Anstrengung in Richtung<br />
„Mehrweg“ und „Plastikfrei“ vergebens<br />
macht.<br />
Zerknüllte Einweghandschuhe, vom<br />
Wind verweht auf den Gehsteigen, sind<br />
in diesen Monaten gewissermaßen ein<br />
Symbol für das, was „man tun muss“.<br />
Sich und seine Umgebung vor dem gefährlichen<br />
Virus zu schützen, ist wichtig,<br />
und es rechtfertigt – zweifellos – auch<br />
die Benützung von Schutzmaterialien,<br />
die sonst nicht üblich sind.<br />
Es regt sich aber auch manche Stimme,<br />
dass die – zurzeit vielfach notwendige –<br />
Verwendung von Einwegkunststoff ein<br />
Freibrief für mächtige Konzerne sein<br />
könnte, die eben diese Kunststoffe produzieren.<br />
So heißt es auf der Internetseite<br />
„Klima der Gerechtigkeit“ (hinter<br />
der die deutsche Heinrich-Böll-Stiftung<br />
steht, die wiederum der grünen Bewegung<br />
zuzuordnen ist) unter anderem:<br />
„New York fordert die Aufhebung des<br />
landesweiten Verbotes von Plastiktüten,<br />
Ketten wie Starbucks und Dunkin Donuts<br />
setzen die Verwendung von wiederverwendbaren<br />
Bechern aus, Restaurants<br />
und Cafés stellen auf Einwegplastik (Taschen,<br />
Behälter, Becher, Besteck) um …“<br />
Es geht auch verpackungsfrei<br />
Tatsächlich ist der Plastikverbrauch und<br />
damit ein wichtiger Aspekt des Umweltschutzes<br />
im Zuge der Coronakrise als<br />
Thema in den Hintergrund gerückt. Was<br />
einerseits verständlich ist, wie Silke Raffeiner<br />
von der Verbraucherzentrale Südtirol<br />
meint: „Es besteht im Moment ein<br />
großes Bewusstsein für Hygiene. Und teilweise<br />
haben wir da gar keine Wahl, was<br />
die Verwendung von Einwegkunststoff anbelangt.“<br />
Dennoch fürchtet sie, was die<br />
Bemühungen um die Umwelt anbelangt,<br />
einen Rückschritt, zum Beispiel im Hinblick<br />
auf die Verpackungen: „Der Trend,<br />
wieder vermehrt in Plastik verpackte Lebensmittel<br />
einzukaufen – im Glauben,<br />
diese seien hygienischer –, ist spürbar.“<br />
Verpackungsfrei einzukaufen sei zwar<br />
schon bisher ein Nischentrend gewesen.<br />
Es habe aber im Zuge der Proteste gegen<br />
den Klimawandel und die Meeresverschmutzung<br />
Hoffnung auf eine gewisse<br />
Breitenwirkung bestanden. „Die schwindet<br />
nun wohl wieder“, fürchtet Raffeiner.<br />
Die Coronakrise spiele den Einweglösungen<br />
auf jeden Fall in die Hände. Allerdings:<br />
„Jene Gruppe von Menschen, die<br />
schon bislang auf Einwegverpackungen<br />
verzichtet oder diese auf ein Mindestmaß<br />
reduziert hat, ist nach wie vor sensibel<br />
für das Thema.“<br />
Auch in Südtirol gebe es bereits Geschäfte,<br />
die Lebensmittel unverpackt oder<br />
Wasch- und Putzmittel zum Abfüllen anbieten.<br />
Auf Einweghandschuhe dürfe man<br />
zurzeit beim Lebensmitteleinkauf nicht<br />
verzichten, weil es vorgeschrieben sei.<br />
Silke Raffeiner ist aber überzeugt: „Es<br />
wäre eigentlich wichtiger, sich die Hände<br />
oft zu waschen und sie vor und nach dem<br />
Einkaufen zu desinfizieren“, denn wenn<br />
die Einweghandschuhe nicht richtig anund<br />
ausgezogen würden, sei es mit dem<br />
Schutz nicht weit her.<br />
36<br />
KulturFenster
Heimatpflege<br />
Unsere Gewässer –<br />
unsere Zukunft<br />
Der Gewässerschutzplan steht kurz vor<br />
der Genehmigung<br />
Der Schutz und die Überwachung der Gewässer<br />
folgt dem „DPSIR“-Modell, das auf<br />
dem kausalen Zusammenhang von Umweltbelastungen,<br />
Qualitätszustand und Umweltmaßnahmen<br />
zur Erhaltung bzw. Erreichung<br />
der Umweltziele gründet.<br />
Der Gewässerschutzplan setzt die Richtlinie<br />
auf lokaler Ebene um und identifiziert<br />
und typisiert 297 Fließgewässer mit einem<br />
Einzugsgebiet von mehr als 10 km², 9 Seen<br />
über 0,5 km² Oberfläche und 39 Grundwässer.<br />
Diese Einteilung erleichtert in erster<br />
Linie die Verwaltung der Gewässer,<br />
die Schutzziele der Wasserrahmenrichtlinie<br />
gelten aber für alle Gewässer.<br />
2. Bestimmung der<br />
Gewässerqualität<br />
• Analyse der Belastungsquellen und ihre<br />
Auswirkungen auf die Gewässer<br />
Unsere Gewässer werden vor allem durch die Wasserentnahme, durch die Einleitung<br />
von Schad- bzw. Nährstoffen sowie durch morphologische Veränderungen belastet.<br />
Wenn von neuen Herausforderungen im Sinne des Klimaschutzes die Rede ist, dann spielt<br />
das Wasser eine große Rolle. Der Gewässerschutzplan soll eine geeignete Strategie für<br />
eine umweltfreundliche und ressourcenschonende Nutzung der Gewässer vorgeben.<br />
Wasser ist das Lebenselixier schlechthin.<br />
Ohne Wasser ist kein Organismus, auch<br />
nicht der Mensch, lebensfähig. Südtirol<br />
ist im Vergleich zu anderen Regionen mit<br />
qualitativ hochwertigem Trinkwasser gut<br />
versorgt. Das wird von der Bevölkerung<br />
als selbstverständlich empfunden und das<br />
Wasser nicht entsprechend wertgeschätzt.<br />
Durch den Wasserkreislauf stehen die<br />
Oberflächen- und Grundwässer miteinander<br />
in Verbindung. Unser Trinkwasser ist<br />
Teil dieses Kreislaufes, weshalb der Gewässerschutzplan<br />
das Ziel hat, die hohe<br />
Qualität dieser Ressource zu garantieren.<br />
Die Aufgabe des Gewässerschutzplanes<br />
ist es, im Interesse der gesamten Bevölkerung,<br />
einen guten Kompromiss zwischen<br />
Gewässerschutz und Gewässernutzung zu<br />
gewährleisten.<br />
1. Rahmenbedingungen<br />
Auf europäischer Ebene wurde im Jahr<br />
2000 mit der Wasserrahmenrichtlinie ein<br />
gemeinschaftliches Bekenntnis zum Gewässerschutz<br />
verfasst. Die Richtlinie verpflichtet<br />
die Mitgliedsstaaten, den guten Zustand<br />
der Gewässer zu erhalten bzw. zu erreichen.<br />
Sie gibt europaweit vergleichbare Methoden<br />
zur Bewertung der Gewässerqualität<br />
vor. Um Gewässer vergleichen zu können,<br />
wurde die Bezugseinheit „Wasserkörper“<br />
eingeführt. Ein Wasserkörper ist ein homogener<br />
Abschnitt oder Teil eines Gewässers<br />
(Fließgewässer, See oder Grundwasser),<br />
der ähnliche hydromorphologische und<br />
geologische Eigenschaften aufweist, ähnlichen<br />
Belastungen ausgesetzt ist und dadurch<br />
eine vergleichbare Einheit darstellt.<br />
Im Gewässerschutzplan wurden über die<br />
Belastungsanalyse 24 Indikatoren untersucht<br />
und jene Belastungen ausfindig gemacht,<br />
die für unsere Gewässer das Risiko<br />
darstellen, die geforderten Umweltziele<br />
nicht zu erreichen. Dabei hat sich ergeben,<br />
dass etwa 70% unserer Wasserkörper Belastungen<br />
aufweisen, die zwar noch keine<br />
Beeinträchtigung des Qualitätszustandes<br />
bewirken, die aber eine erhöhte Sensibilität<br />
des Gewässerökosystems gegenüber<br />
neuen Beeinträchtigungen bedeuten und<br />
eine „potenzielle Belastung“ darstellen.<br />
Unsere Gewässer werden vor allem<br />
durch die Wasserentnahme für die verschiedenen<br />
Nutzungen, durch die Einleitung<br />
von Schad- bzw. Nährstoffen sowie<br />
durch morphologische Veränderungen belastet.<br />
Der stark angestiegene Wasserbedarf<br />
für die Bewässerung landwirtschaftlicher<br />
Flächen, für Industrie- und Kühlzwecke,<br />
für den Tourismus, für Beschneiungsanlagen,<br />
aber auch für die Produktion elektrischer<br />
Energie setzen unsere Fließgewässer,<br />
Seen und das Grundwasser stark<br />
unter Druck.<br />
Es ist davon auszugehen, auch im Hinblick<br />
auf den Klimawandel, dass die Nutzungsinteressen<br />
zunehmen werden. Ohne<br />
Planung und nachhaltige Bestimmung der<br />
Nutzungsmengen ist zu befürchten, dass<br />
einerseits die ökologische Funktionsfähigkeit<br />
der Gewässer nicht mehr gegeben sein<br />
wird und es andererseits zu größeren Konflikten<br />
zwischen den einzelnen Nutzungsarten<br />
kommen wird.<br />
<strong>Nr</strong>. 02 | <strong>Juni</strong> <strong>2020</strong> 37
Das Thema<br />
Die Überwachung des Qualitätszustandes der Wasserköper: Beprobung aquatischer Wirbelloser und Erhebung des Fischbestandes<br />
mittels Bootsbefischung (Fotos: Agentur für Umwelt und Klimaschutz, Amt für Jagd und Fischerei)<br />
Neben dieser mengenmäßigen Belastung<br />
wird die Gewässerqualität durch den Eintrag<br />
von Nährstoffen sowie umwelt- und<br />
gesundheitsgefährdenden Schadstoffen<br />
beeinträchtigt. Darüber hinaus wird die Lebensraumqualität<br />
und Biodiversität durch<br />
die Verbauungen für den Hochwasserschutz<br />
und den leichtsinnigen Umgang mit<br />
den Uferlebensräumen gefährdet, wodurch<br />
auch die Ökosystemleistungen leiden. Unter<br />
Ökosystemleistungen versteht man unter<br />
anderem die Selbstreinigungskraft der<br />
Gewässer, die ohne menschliches Zutun<br />
und fi nanziellen Aufwand eine „Klärung“<br />
der Gewässer schafft. Aber auch die positiven<br />
kleinklimatischen Verhältnisse, die in<br />
der Nähe von Gewässern herrschen, oder<br />
die erholsame Wirkung, die ein Gewässer<br />
auf Menschen hat, sind nützliche Ökosystemleistungen.<br />
• Die Komponenten der Gewässerqualität<br />
Die Oberfl ächen- und Grundwässer werden<br />
von der Agentur für Umwelt und Klimaschutz<br />
mit Unterstützung der Abteilung<br />
Forstwirtschaft und der Agentur für Bevölkerungsschutz<br />
sowie der Hygiene- und<br />
Gesundheitsdienste überwacht. Entsprechend<br />
den gesetzlichen Vorgaben wird für<br />
die Oberfl ächengewässer der ökologische<br />
und chemische Zustand bestimmt, während<br />
für die Grundwässer der chemische<br />
und quantitative Zustand ermittelt wird.<br />
Der chemische Zustand in Oberflächen-<br />
und Grundwässern gibt Auskunft<br />
über die Verunreinigung durch verschiedene<br />
Schadstoffe (wie Pflanzenschutzmittel,<br />
polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe<br />
u.v.m.). Werden die europäischen<br />
bzw. die staatlichen Grenzwerte eingehalten,<br />
ist der Zustand gut. Werden sie überschritten,<br />
ist er nicht gut.<br />
Die Bewertung des ökologischen Zustandes<br />
für die Oberflächengewässer erfolgt in mehreren<br />
Stufen und vereint die Ergebnisse von<br />
biologischen Qualitätskomponenten (Kieselalgen,<br />
aquatische wirbellose Kleinlebewesen<br />
und Fische) mit unterstützenden chemisch-physikalischen<br />
Parametern. Dabei<br />
bestimmt er die Abweichung von einem<br />
unbeeinträchtigten naturnahen Gewässer,<br />
die in fünf Qualitätsstufen wiedergegeben<br />
wird: sehr gut, gut, mäßig, unbefriedigend<br />
und schlecht.<br />
Beim quantitativen Zustand der Grundwässer<br />
darf nicht mehr Grundwasser für die<br />
verschiedenen Nutzungen entnommen werden<br />
als durch Niederschläge wieder ausgeglichen<br />
werden kann. Zudem dürfen die an<br />
das Grundwasser gebundenen aquatischen<br />
und terrestrischen Ökosysteme in ihrer Funktion<br />
und Bedeutung nicht gefährdet bzw.<br />
darf ihr Zustand nicht beeinträchtigt werden.<br />
• Kontrollen und Analysen<br />
Basierend auf den Ergebnissen der Belastungsanalyse<br />
wurden die Überwachungspunkte<br />
und die Parameter festgelegt. Die<br />
Bestimmung der Qualitätskomponenten erfolgt<br />
auf mehr als 200 Überwachungspunkten.<br />
Für die Bewertung des chemischen<br />
Zustandes werden jährlich ca. 33.000 Einzelanalysen,<br />
für den biologischen Zustand<br />
etwa 500 Analysen durchgeführt. Die Messungen<br />
der Grundwasserstände werden<br />
kontinuierlich an landesweit 83 Messpunkten<br />
aufgezeichnet. Zusätzlich werden für<br />
die Überwachung der Kläranlagen jährlich<br />
etwa 16.000 und für die industriellen Abwässer<br />
etwa 8.200 Einzelanalysen durchgeführt.<br />
Die Badetauglichkeit der Badeseen<br />
wird regelmäßig kontrolliert, und in Hochgebirgsseen<br />
werden spezifi sche Untersuchungen<br />
durchgeführt.<br />
• Ergebnisse<br />
Die Überwachung des Qualitätszustandes<br />
folgt einem sechsjährigen Zyklus. Er wird in<br />
den Zeitfenstern 2015, 2021 und 2027 bestimmt.<br />
Bis 2015 haben in Südtirol 98% der<br />
typisierten Wasserkörper einen guten chemischen<br />
Zustand und 93% der typisierten<br />
Wasserkörper einen guten oder sehr guten<br />
ökologischen Zustand erreicht. Der quantitative<br />
Zustand aller Grundwasserköper war<br />
gut. Die Erhebungen bis 2019 bestätigen<br />
im Großen und Ganzen diese gute Bilanz.<br />
Einzelne Gewässer verfehlten jedoch<br />
die Qualitätsziele aufgrund von Trockenlegung<br />
oder chemischer Verunreinigung mit<br />
Pfl anzenschutzmitteln. Seit 2018 müssen<br />
für den chemischen Zustand zwölf neue<br />
Substanzen bzw. Substanzgruppen untersucht<br />
werden. Darunter befi ndet sich die<br />
Perflouroctansulfonsäure (kurz PFOS), die<br />
im Verdacht steht, krebserregend zu sein.<br />
Für diese Substanzgruppe wurden Überschreitungen<br />
an zwei Gräben festgestellt.<br />
Derzeit laufen die Untersuchungen, den<br />
Ursprung dieser Verunreinigungen ausfi<br />
ndig zu machen.<br />
3. Maßnahmen zur Erhaltung<br />
und zum Erreichen<br />
der Umweltziele<br />
Obwohl das Gesamtergebnis positiv ist,<br />
muss das Hauptaugenmerk auf jene Wasserkörper<br />
gelegt werden, die das Umweltziel<br />
nicht erreicht haben. Verbesserungsmaßnahmen<br />
sind hier unumgänglich. Für<br />
alle übrigen Gewässer sind Erhaltungsmaßnahmen<br />
notwendig, die den guten<br />
Qualitätszustand mit Berücksichtigung<br />
der Nutzungen und der Veränderungen<br />
durch den Klimawandel auch zukünftig<br />
gewährleisten.<br />
38<br />
KulturFenster
Heimatpflege<br />
Für die hydroelektrische Nutzung wurden<br />
Sensibilitätsklassen bestimmt, die angeben,<br />
inwieweit eine zusätzliche Nutzung<br />
möglich ist. Weitere Maßnahmen regeln das<br />
Stauraummanagement und die Schwallabflüsse.<br />
Für die Beregnung und die technische<br />
Schneeerzeugung müssen im Hinblick<br />
auf die klimatischen Veränderungen<br />
nachhaltige Lösungen gefunden werden.<br />
Kriterien zur Begrenzung der maximalen<br />
Ableitungsmenge und die Errichtung von<br />
Speichern sind notwendig.<br />
Für die Erhaltung und Verbesserung des<br />
Gewässerlebensraumes für die Marmorierte<br />
Forelle wurde im Gewässerschutzplan deren<br />
prioritärer Wanderraum abgegrenzt. Innerhalb<br />
dieser Gewässerabschnitte werden in<br />
den nächsten Jahren die künstlichen Hindernisse<br />
abgebaut, damit die freie Fischwanderung<br />
wieder möglich ist.<br />
Für die Uferzonen der Gewässer und für<br />
die Gräben der Talsohle wurden Leitbilder<br />
entwickelt, an denen sich die zukünftige<br />
Bewirtschaftung oder Neugestaltung orientieren<br />
soll.<br />
An diesem Punkt schließt sich der Kreis<br />
des DPSIR-Modelles wieder: Die Auswirkungen<br />
der in der Belastungsanalyse ausfindig<br />
gemachten Belastungen wurden in<br />
der Zustandsbewertung gemessen und<br />
durch Erhaltungs- und Verbesserungsmaßnahmen<br />
korrigiert. Ihre Wirksamkeit<br />
wird durch die regelmäßige Zustandsüberwachung<br />
kontrolliert, sodass bei Bedarf<br />
regulierend eingegriffen werden kann.<br />
4. Der Gewässerschutzplan<br />
Auf Landesebene gibt der Gewässerschutzplan<br />
die Strategie für eine umweltfreundliche,<br />
ressourcenschonende Nutzung der<br />
Gewässer vor und baut auf bereits geltende<br />
Regelungen auf. Im „Landesplan<br />
zur Klärung der Abwässer“ 1980 stand<br />
die Errichtung von Kläranlagen im Vordergrund.<br />
Derzeit sind 50 öffentliche Kläranlagen<br />
für ca. 1.740.000 EW (Einwohnerwerte)<br />
in Betrieb, wobei alle gesetzlichen<br />
Vorgaben auch in Bezug auf den Nährstoffabbau<br />
(Phosphor und Stickstoff) eingehalten<br />
werden. Der Anschlussgrad an<br />
die Kanalisation beträgt über 98%, wobei<br />
für die Realisierung der Kläranlagen und<br />
Hauptkanalisationen in den vergangenen<br />
30 Jahren seitens des Landes Südtirol ca.<br />
1 Mrd. Euro investiert worden sind.<br />
In der Zwischenzeit wurden weitere normative<br />
Maßnahmen erlassen (LG 8/2002,<br />
"Überwachungspunkt an der Talfer bei Bozen für den chemischen und biologischen<br />
Zustand sowie Hydrometrische Messstation"<br />
Durchführungsbestimmungen im DLH<br />
6/2008, Wassernutzungsplanes D.P.R.<br />
vom 22.6.2017). Im vorliegenden Gewässerschutzplan<br />
wurde den genannten<br />
Bestimmungen und der Wasserrahmenrichtlinie<br />
Rechnung getragen. Der Plan<br />
wurde mit Beschluss der Landesregierung<br />
<strong>Nr</strong>. 1174 vom 30. Dezember 2019<br />
als Entwurf genehmigt und am 30. Jänner<br />
<strong>2020</strong> im Amtsblatt der Region <strong>Nr</strong>.5, Beiblatt<br />
<strong>Nr</strong>.2 veröffentlicht. Alle Planunterlagen<br />
sind auf der Homepage der Agentur<br />
für Umwelt und Klimaschutz https://umwelt.provinz.bz.it/wasser/gewaesserschutzplan.asp<br />
einzusehen.<br />
Ab diesem Zeitpunkt startet das Genehmigungsverfahren<br />
laut LG 13/1997 (Raumordnung)<br />
und Landesgesetz 17/2017 (Umweltprüfung<br />
für Pläne, Programme und<br />
Projekte), bei dem die Bürger, die Interessensvertreter<br />
und Gemeinden Stellung<br />
nehmen können. Die Termine für die Abgabe<br />
der Stellungnahmen von Seiten der<br />
Bevölkerung und der Interessensvertreter<br />
wurde aufgrund der Coronakrise auf 21.<br />
<strong>Juni</strong> <strong>2020</strong> verschoben, jener für die Gemeinden<br />
auf 20. August <strong>2020</strong>. Nach der<br />
Erstellung des Gutachtens des Umweltbeirates<br />
erfolgt die endgültige Genehmigung<br />
des Gewässerschutzplanes durch die Landesregierung.<br />
Tanja B. Nössing, Robert Schifferegger<br />
(Biologen der Agentur für Umwelt<br />
und Klimaschutz)<br />
Der Druck auf unsere Gewässer nimmt zu, zwischen Gewässerschutz und<br />
Nutzungsinteressen müssen nachhaltige Lösungen gefunden werden. (Foto: Agentur<br />
für Umwelt und Klimaschutz)<br />
<strong>Nr</strong>. 02 | <strong>Juni</strong> <strong>2020</strong> 39
Informiert und Reflektiert<br />
„Wir müssen es wollen!“<br />
70. Vollversammlung – Claudia Plaikner bleibt Landesobfrau<br />
Der neue Vorstand des Heimatpflegeverbandes Südtirol: Georg Hörwarter, Claudia<br />
Plaikner, Franz Fliri, Agnes Andergassen, Johannes Ortner und Valentine Kostner<br />
(v.l., es fehlt Josef Vieider)<br />
Die 70. Vollversammlung des Heimatpflegeverbandes<br />
Südtirol am 29. Mai musste der<br />
Coronakrise Tribut zollen und fand deshalb<br />
in kleinstmöglichem Rahmen unter Einhaltung<br />
rigider Sicherheitsvorkehrungen im<br />
großen Theatersaal des Waltherhauses in<br />
Bozen statt.<br />
„Das Wort Krise setzt sich im Chinesischen<br />
aus zwei Schriftzeichen zusammen – das<br />
eine bedeutet Gefahr und das andere Gelegenheit.“<br />
Mit diesem Zitat von J. F. Kennedy<br />
leitete Landesobfrau Claudia Plaikner<br />
ihren Vortrag ein. Eine „Gelegenheit“ sei die<br />
erzwungene Verschnaufpause auf jeden Fall,<br />
um die Nachhaltigkeit in vielen Bereichen<br />
als allgemein akzeptiertes Kriterium forcieren.<br />
Die Landesobfrau betonte dabei: „Wir<br />
müssen es aber wollen.“ Von den Politikern<br />
müsse man einfordern, dass sie ihren Entscheidungen<br />
eine ganzheitliche, zukunftstaugliche<br />
Sicht zugrunde legen.<br />
Neue Kommunikationskampagne<br />
Der Heimatpflegeverband arbeitet derzeit<br />
an einer Kommunikationskampagne<br />
für den Verband. Damit sollen u.a. auch<br />
junge Menschen für die Themen der Heimatpflege<br />
und Heimatkunde begeistert<br />
werden. Außerdem gilt es, das bisherige<br />
Image der Heimatpflege als „Verhinderer“<br />
in Richtung „Bewahrer“ und „Gestalter“<br />
zu verändern.<br />
Neu, aber eigentlich eine Wiederauflage,<br />
ist das Projekt „Steinzeichen“ das<br />
„vorbildhafte öffentliche und private Neuund<br />
Umbauten“.<br />
Tätigkeitsbericht<br />
Im Tätigkeitsbericht, den Geschäftsführer<br />
Josef Oberhofer vorstellte, wurde u. a. die<br />
Ablehnung der Skiverbindung Langtaufers<br />
Unter Einhaltung aller Regeln zum Schutz vor Covid-19 trafen sich die Vorsitzenden<br />
der Mitgliedsvereine, der Landesvorstand sowie die Rechnungsprüfer und<br />
Schiedsrichter zur 70. Vollversammlung.<br />
– Kaunertal durch die Landesregierung genannt<br />
(siehe eigenen Bericht), der Einsatz<br />
des Verbandes in Sachen Tourismuszonen<br />
im Grünen und das neue Raumordnungsgesetz,<br />
das nach wie vor die Gefahr von negativen<br />
Auswirkungen auf die Natur- und Kulturlandschaft<br />
birgt.<br />
Im Jahr 2019 gab es eine Annäherung<br />
zur Stiftung Südtirol durch eine gemeinsame<br />
Büroführung. Mit dem Landesdenkmalamt<br />
wird zurzeit an einem Leitfaden zum Denkmalschutz<br />
für Eigentümer von Objekten gearbeitet.<br />
Eine schöne Aktion, die in den vergangenen<br />
Jahren reaktiviert wurde, sind die Ortsbegehungen.<br />
2019 wurden in Tramin, St.<br />
Pankraz und Burgstall abgehalten.<br />
Die Arbeitsgemeinschaft Lebendige Tracht<br />
hat 2019 die Musikkapelle St. Pauls und die<br />
Musikkapelle Pfunders bei der Neuanschaffung<br />
bzw. Ergänzung ihrer Tracht beraten.<br />
Zudem war sie an der Herausgabe eines Ratgebers<br />
zum richtigen Tragen und zur Pflege<br />
der Tracht sowie eines Folders über die Pustertaler<br />
Männertracht beteiligt.<br />
Die Bilanz 2019 im Bereich der Landschaftspflege<br />
lautet: 460 bearbeitete Beitragsansuchen<br />
und betreute Antragsteller für die<br />
Sanierung und Wiedererrichtung von bäuerlichen<br />
Kleindenkmälern und die Vermittlung<br />
von rund 1,2 Millionen Euro an Beiträgen.<br />
Zwei neue Vorstandsmitglieder<br />
Auch die Neuwahl des Landesvorstandes<br />
stand heuer auf der Tagesordnung. Claudia<br />
Plaikner wurde mit überwältigender Mehrheit<br />
für weitere drei Jahre als Landesobfrau<br />
bestätigt. Franz Fliri und Josef Vieider werden<br />
ihr auch weiterhin als Stellvertreter zur<br />
Seite stehen. Neu in den Landesvorstand<br />
gewählt wurden Valentine Kostner aus Gröden<br />
und Georg Hörwarter aus Meran. Agnes<br />
Andergassen und Johannes Ortner wurden<br />
als Vorstandsmitglieder bestätigt. Auch Egon<br />
Fischnaller als Rechnungsprüfer und Oswald<br />
Brunelli, Peter von Hellberg und Herald<br />
Kleewein als Schiedsrichter werden<br />
für den Heimatpflegeverband weitere drei<br />
Jahre im Einsatz sein.<br />
40<br />
KulturFenster
Heimatpflege<br />
Ein guter Tag für Langtaufers<br />
Skiverbindung Langtaufers – Kaunertal ist (hoffentlich) endlich weg vom Tisch<br />
Die Ruhe, die intakte Natur, das Wasser,<br />
die saubere Luft – das sind die Stärken<br />
von Langtaufers. Eine Skiverbindung<br />
würde sie allesamt zunichte machen.<br />
In der Sitzung der Landesregierung am<br />
15. April wurde die geplante Skiverbindung<br />
Langtaufers – Kaunertal abgelehnt.<br />
Das ist eine sehr gute Nachricht für Langtaufers<br />
und ein Gewinn für alle: für die Bevölkerung<br />
und für einen intakten hochalpinen<br />
Lebensraum.<br />
Der Alpenverein Südtirol, der Dachverband<br />
für Natur- und Umweltschutz, der<br />
Heimatpflegeverband Südtirol und die Umweltschutzgruppe<br />
Vinschgau setzen sich<br />
bereits seit Jahren dafür ein, die noch intakten<br />
Bereiche des Südtiroler Hochgebirges<br />
im Sinne der Alpenkonvention als<br />
Ruhezonen zu bewahren, auf intensivtouristische<br />
Erschließungen im Melagtal zu<br />
verzichten und auf umweltverträgliche Alternativen<br />
in Langtaufers zu setzen. Daher<br />
begrüßen die Vereine und Verbände die<br />
wegweisende Entscheidung im Sinne der<br />
Umwelt durch Landesrätin Maria Hochgruber<br />
Kuenzer und die Landesregierung<br />
ausdrücklich.<br />
Stille als Stärke<br />
Das haben die meisten Langtauferer und<br />
die Ferienregion Reschenpass schon seit<br />
längerer Zeit erkannt: Moderne Ansätze, wie<br />
ein familienorientierter Winter- und Sommertourismus<br />
und die Bewerbung als schneesichere<br />
Langlaufdestination in Langtaufers<br />
bieten langfristige Wirtschaftsperspektiven<br />
für die lokale Bevölkerung bei gleichzeitiger<br />
Schonung der Natur- und Kulturlandschaft.<br />
Langtauferer Bürger bringen es auf den<br />
Punkt, wenn sie sagen: „Wir kommen aus<br />
kleinstrukturierten bäuerlichen Verhältnissen<br />
und wissen, dass die Ruhe, die intakte<br />
Natur, das Wasser, die saubere Luft und die<br />
Stille unsere Stärken sind. Die Skiverbindung<br />
Langtaufers – Kaunertal würde uns zu Befehlsempfängern<br />
degradieren. Wir hätten<br />
dadurch vom Gleichen mehr und nehmen<br />
uns die Vielfalt des touristischen Angebotes.“<br />
Nachhaltiger Tourismus<br />
Die Anzahl der Skifahrer geht europaund<br />
weltweit zurück bzw. stagniert. Dieser<br />
Trend ist seit vielen Jahren bekannt<br />
und vielfach belegt. Deshalb ist im Grunde<br />
jede Investition in eine Erweiterung bzw.<br />
in einen quantitativen Ausbau eines Skigebietes<br />
eine Investition gegen benachbarte<br />
Skigebiete. Die Landesregierung täte<br />
gut daran, dieser Entwicklung nicht nur<br />
in Langtaufers Rechnung zu tragen, sondern<br />
auch bei anderen geplanten Erweiterungen.<br />
Öffentliche Beiträge sind eindeutig<br />
besser investiert, wenn sie einen<br />
nachhaltigen, umwelt- und sozialverträglichen<br />
Tourismus fördern und nicht skitechnische<br />
Neuerschließungen von Großinvestoren.<br />
Melagtal: hochalpines Kleinod<br />
Das Melagtal ist ein ökologisch wertvoller<br />
hochalpiner Lebensraum. Gefährdete Tierarten<br />
wie Schnee- und Steinhuhn finden<br />
hier Brutgebiete und Lebensraum. Solche<br />
Kleinode werden in den Alpen leider zunehmend<br />
seltener. Umso erfreulicher ist<br />
es, dass Langtaufers von der Skiverbindung<br />
Langtaufers-Kaunertal verschont<br />
bleibt – zumindest vorläufi g. Davon kann<br />
sich jeder bei einer Wanderung durch<br />
das Melagtal und einem Besuch in Langtaufers<br />
ein Bild machen – und gleichzeitig<br />
den lokalen Weg eines sanften Tourismus<br />
unterstützen.<br />
Florian Trojer<br />
<strong>Nr</strong>. 02 | <strong>Juni</strong> <strong>2020</strong> 41
Informiert und Reflektiert<br />
Ein Jahr Netzwerk Kulturerbe<br />
…denn das Schöne liegt so nah<br />
Simona Kettmair, Verena Mumelter, Carl<br />
Philipp von Höhenbühel und Claudia<br />
Plaikner bei der Vorstellung des Netzwerk<br />
Kulturerbe.<br />
Am 20. Mai 2019 wurde unser „Netzwerk<br />
Kulturerbe“ offi ziell gegründet und der Öffentlichkeit<br />
vorgestellt. Ziel der vier darin zusammengeschlossenen<br />
Organisationen, des<br />
Südtiroler Burgeninstitutes, des Fondo Ambiente<br />
Italiano, des Verbandes der Restauratoren<br />
und Konservatoren Südtirols und des<br />
Heimatpfl egeverbandes Südtirol, ist es, das<br />
Gedankengut, das dem Europäischen KulturerbeJahr<br />
2018 zugrunde gelegen hat, weiterzuspinnen<br />
und wachzuhalten.<br />
Das Netzwerk, das sich als offene Plattform<br />
versteht, hat sich zur Aufgabe gestellt,<br />
in den kommenden Jahren mindestens einmal<br />
jährlich eine Veranstaltung zu organisieren,<br />
um auf das vielfältige materielle und<br />
immaterielle Kulturerbe in unserem Lande<br />
und darüber hinaus hinzuweisen. Vor allem<br />
geht es dem „Netzwerk Kulturerbe“ aber<br />
darum, in Synergie der vier Verbände ein<br />
gemeinsames Sprachrohr bei der Sensibilisierungsarbeit<br />
für die Erhaltung und Weiterentwicklung<br />
unserer Kulturlandschaft zu<br />
haben und mit Nachdruck die Wertschätzung<br />
für das den Menschen bereichernde<br />
Kulturengagement zu heben.<br />
Nicht nur Brot allein …<br />
Nun hat freilich die Coronakrise auch die<br />
Aktivitäten des Netzwerkes eingeschränkt.<br />
Die erste gemeinsam organisierte Veranstaltung,<br />
der Fotowettbewerb zum Thema „Heimat<br />
im Fokus • Natur-Denkmal-Mensch<br />
• offen-kritisch-spielerisch“ konnte Ende<br />
Februar – leider ohne öffentliche Präsentation<br />
– mit Erfolg abgeschlossen werden.<br />
Wir Initiatoren des „Netzwerkes Kulturerbe“<br />
betrachten es als wichtige Aufgabe,<br />
auch in Krisenzeiten den Wert von Kulturarbeit<br />
hervorzuheben, denn nicht das Brot<br />
allein ist für den Menschen wichtig, sondern<br />
vor allem auch Sinnstiftung durch<br />
Kulturverständnis und Kulturarbeit. Albert<br />
Schweitzer – Arzt, Theologe, Musiker, Kulturphilosoph<br />
und Friedensnobelpreisträger<br />
– meinte: „Das Verhängnis unserer Kultur<br />
ist, dass sie sich materiell viel stärker entwickelt<br />
hat als geistig. Ihr Gleichgewicht<br />
ist gestört.“<br />
Wertschätzung und mehr<br />
Viele Menschen haben in der gegenwärtigen<br />
Krise wieder zu ihren künstlerischen<br />
Hobbys gefunden oder ein neues begonnen,<br />
sie haben mit Balkonkonzerten und<br />
Auftritten im Internet Zeichen der Wertschätzung<br />
für das Sanitätspersonal und<br />
die Nahversorgung gesetzt.<br />
Wertschätzung, Rücksicht, Bedachtsamkeit<br />
sind zu neuen, wichtigen Parametern<br />
im Umgang untereinander geworden. Und<br />
das gilt es auch, auf die verschiedenen<br />
Ausformungen der kulturellen Tätigkeit zu<br />
übertragen:<br />
- Wertschätzung für unsere einzigartige<br />
Naturlandschaft mit all ihrem Facettenreichtum,<br />
- Wertschätzung für unsere Bräuche und<br />
Traditionen – jetzt, da wir so vieles nicht<br />
ausüben können, erkennen wir erst richtig<br />
ihre Wichtigkeit,<br />
- Wertschätzung für unsere historische<br />
Baukultur und Geschichte,<br />
- Rücksicht auf Tier und Mensch und Bedachtsamkeit<br />
im Umgang mit den natürlichen<br />
Ressourcen und bei der Gestaltung<br />
der öffentlichen und privaten Räume.<br />
Das „Netzwerk Kulturerbe“ spricht sich in<br />
diesen Krisenzeiten aber auch dafür aus,<br />
dass die vorhandenen öffentlichen Mittel<br />
nicht nur zur möglichst schnellen Wiederinstandsetzung<br />
der Wirtschaft aufgebracht<br />
werden, sondern dass zur Förderung einer<br />
nachhaltigen, ganzheitlichen und sinnstiftenden<br />
Umwelt der Kulturbereich ebenso<br />
gefördert wird wie die Wirtschaft und nicht<br />
zum Luxusgut erklärt wird, auf das man<br />
verzichten kann.<br />
Das vermeintlich<br />
Unscheinbare<br />
Diese merkwürdigen Zeiten bergen auch<br />
eine Chance für Wirtschaft und Kultur, für<br />
uns alle, nämlich unser Land mit dem von<br />
unseren Vorfahren Geschaffenen in seiner<br />
Einzigartigkeit bewusst wahrzunehmen, zu<br />
erleben und zu begreifen. So lädt unser<br />
„Netzwerk Kulturerbe“ zur unbefangenen<br />
Neugier auf das vermeintlich Unscheinbare<br />
ein: vielleicht eine kleine museale Kostbarkeit<br />
von nebenan, vielleicht ein wunderbarer<br />
alter Siedlungsplatz oder auch eine<br />
Burg, die wir immer schon einmal besuchen<br />
wollten; sich bewusst sein, wo wir uns gerade<br />
befinden oder wo wir hin wollen, was<br />
bisher in unserer Schnelllebigkeit übersehen<br />
oder „nur“ aufgeschoben wurde. So<br />
wünscht sich das „Netzwerk Kulturerbe“<br />
für unsere nahe Zukunft, dass das Lokale<br />
und Regionale, das Naturbelassene<br />
durch die Bevölkerung mit Interesse und<br />
Freude erfasst wird, die Kenntnis über unser<br />
Land vertieft und aus dieser Kenntnis<br />
die Wertschätzung für unsere Kultur und<br />
Natur wächst.<br />
Für das Netzwerk<br />
Dr. Claudia Plaikner<br />
42<br />
KulturFenster
Heimatpflege<br />
„Wildbad Innichen“ siegt<br />
Fotowettbewerb des „Netzwerkes Kulturerbe“ abgeschlossen<br />
Der Fotowettbewerb zum Thema „Heimat<br />
im Fokus • Natur-Denkmal-Mensch • offenkritisch-spielerisch“<br />
des „Netzwerkes Kulturerbe“<br />
wurde Ende Februar abgeschlossen.<br />
Gewonnen hat ein Foto des Wildbades<br />
Innichen. Es dokumentiert eindrucksvoll<br />
den Zerfall eines einzigartigen Baudenkmals<br />
im oberen Pustertal.<br />
Mit großer Wahrscheinlichkeit haben<br />
bereits die Illyrer und Römer die Heilquellen<br />
des Wildbades Innichen<br />
aufgesucht.<br />
Seit dem ausgehenden<br />
Mittelalter<br />
ist dort ein Badebetrieb<br />
belegt.<br />
Die Geschichte<br />
des Grandhotels geht<br />
auf das Jahr 1854<br />
zurück, als der Arzt<br />
Dr. Johann Scheiber<br />
das Wildbad erwarb<br />
und in ein modernes<br />
Sanatorium umbauen<br />
ließ, das bald<br />
weit über die Grenzen<br />
des Pustertales<br />
hinaus Berühmtheit<br />
erlangte. Auch der<br />
österreichische und<br />
preußische Hochadel<br />
wie Kaiser Franz<br />
Josef I. und Thronfolger<br />
Franz Ferdinand<br />
sowie Kaiser Friedrich<br />
III. von Preußen<br />
statteten dem<br />
Wildbad Besuche ab.<br />
In Folge der zunehmenden<br />
Beliebtheit<br />
des Bades wurde es in der zweiten Hälfte<br />
des 19. Jahrhunderts mehrmals umgebaut<br />
und erweitert. Mit dem Ersten Weltkrieg<br />
begann der Niedergang des Grandhotels.<br />
Um 1939 wurde das Bad versteigert und<br />
seitdem dem Verfall überlassen.<br />
Fünf verschiedene Quellen gibt es im<br />
Bereich des Wildbades Innichen. Von der<br />
mineralreichen Schwefelquelle erhofften<br />
sich die einstigen Gäste durch Sitz-,<br />
Vollbäder und Umschläge Linderung bei<br />
Hautkrankheiten, Gelenksentzündungen<br />
und Frauenleiden. Die anderen vier Quellen<br />
(Kaiserwasser, Lavaredo, Candida und<br />
Eisenquelle) werden als Mineralwasser<br />
vermarktet. Die Eisenquelle wurde erst<br />
1820 durch den Innichner Apotheker<br />
Josef Stapf entdeckt.<br />
Das Foto des Wildbades Innichen wurde<br />
zum Siegerbild und Carlo Trentini somit<br />
zum Sieger des Fotowettbewerbes gewählt.<br />
Die Aufnahme dokumentiert deutlich und<br />
erschreckend den schleichenden Verlust<br />
von wertvoller historischer Bausubstanz<br />
sowie die Vernachlässigung der mit diesem<br />
Gebäude eng verbundenen Sozialund<br />
Wirtschaftsgeschichte. Man bleibt<br />
sprachlos angesichts solcher Ignorierung<br />
und Verwahrlosung eines einstmals so<br />
glänzenden und weitum bekannten Kur-<br />
bades. Es gehört zur Grundausrichtung<br />
der im „Netzwerk Kulturerbe“ zusammengeschlossenen<br />
Verbände, sich dafür<br />
einzusetzen, die Sensibilität für die<br />
Erhaltung solcher wichtiger Zeugen der<br />
Vergangenheit zu steigern, dem Verlust<br />
von wertvoller historischer Bausubstanz<br />
Einhalt zu gebieten und die Wertschätzung<br />
für unsere Geschichte und Kultur<br />
zu unterstützen.<br />
Einst ein berühmtes Grandhotel,<br />
heute ein völlig vernachlässigtes<br />
Stück Geschichte und Kultur: das<br />
Wildbad Innichen, fotografiert von<br />
Carlo Trentini.<br />
<strong>Nr</strong>. 02 | <strong>Juni</strong> <strong>2020</strong> 43
Aus Verband & Bezirken<br />
Die Gartenstadt und das<br />
grüne Erbe<br />
Meran und die neue Raumordnung – Möglichkeiten und Grenzen<br />
Die Grünanlagen und Villenbauten von Oberund<br />
Untermais sind ein Freistellungsmerkmal<br />
der Kurstadt Meran und machen einen<br />
Großteil ihres Charmes aus. Wie bereits im<br />
KulturFenster vom Jänner 2018 berichtet,<br />
hat die Gartenstadt Meran seit 1995 rund<br />
30 Prozent ihres privaten Grüns verloren.<br />
Gründe dafür sind die Bauverdichtung (Ausschöpfung<br />
der gesamten zu verbauenden<br />
Kubatur) sowie die Überalterung bzw. Vernachlässigung<br />
der aus exotischen Gehölzen<br />
bestehenden Gärten.<br />
Bauverdichtung in Mais<br />
Die Bevölkerung von Meran reagiert sensibel<br />
auf Baumfällungen und die Verbauung<br />
der Gärten. Eigentlich ein erfreuliches Zeichen,<br />
denn Baumschutz liegt den Meranerinnen<br />
und Meranern offenbar am Herzen.<br />
Auf Fällungen von Alleebäumen (K.-Wolf-<br />
Straße) oder monumentalen Zedern (zuletzt<br />
am Waalweg, beim Hotel Bayerischer Hof,<br />
in Kürze auch am Palace-Hotel) wird mit<br />
Unverständnis reagiert, man empört sich<br />
in den sozialen Netzwerken. Während das<br />
öffentliche Grün regelmäßig nachgepflanzt<br />
wird – auch bisher unbepflanzte Straßen erhalten<br />
Bäume –, ist der Verlust eines Gartens<br />
ein bleibender. Seit 10 bis 15 Jahren<br />
ist ein sich beschleunigender Prozess der<br />
Bauverdichtung in Unter- und Obermais<br />
zu beobachten. Der Heimatschutzverein<br />
Meran verlangt daher schon seit Jahren<br />
eine Änderung des Bauleitplanes und die<br />
Einführung der strengen Schutzkategorie<br />
Am Rand des Maiser Villenviertels zwischen Schlossgarten und Obstwiesen<br />
„Gartenstadt“. In einem solchen Stadtteil<br />
würde die Bauverdichtung gering gehalten<br />
werden und die Gärten blieben möglichst<br />
unangetastet.<br />
Neue Gemeindebauordnung<br />
Mit zwei Änderungen in der Gemeinde-<br />
Bauordnung (2019, <strong>2020</strong>) reagierte die<br />
Gemeinde Meran nun auf den schleichenden<br />
Verlust des privaten Grüns. Seit<br />
2004 ist pro 1000 Quadratmeter Grundfläche<br />
ein hochstämmiger Baum zu pflanzen,<br />
seit 2019 allen neuen Bauprojekten<br />
ein Grünplan beizulegen. Für alle Projekte<br />
mit größeren durchlässigen, d. h. nicht versiegelten<br />
Grünflächen ist seit Mai <strong>2020</strong> zusätzlich<br />
ein Baum pro 150 Quadratmeter<br />
verpflichtend. Im Falle des Maiser Villenviertels<br />
müssen bei neuen Projekten nun<br />
bis zu doppelt so viele mittel- und hochstämmige<br />
Bäume wie bisher gesetzt werden.<br />
Dies sind gute Ansätze beim Baumschutz.<br />
Der Haken: Bei neuen Bauprojekten<br />
ist kaum nicht versiegelte Restfläche übrig!<br />
Außerdem müsste die Behörde die Einhaltung<br />
der Vorschriften penibel kontrollieren,<br />
und dies ist beim Personalmangel<br />
und der Arbeitsüberlastung der Stadtgärtnerei<br />
alles andere als gesichert.<br />
Das neue Gesetz Raum und<br />
Landschaft<br />
In den nächsten Monaten und Jahren<br />
müssen die Planungsinstrumente der Gemeinde<br />
Meran (Masterplan, Bauleitplan,<br />
Landschaftsplan) im künftigen „Gemein-<br />
Bauverdichtung in der St.-Markus-Straße (1999 – 2017)<br />
44<br />
KulturFenster
Heimatpflege<br />
deentwicklungsprogramm“ Berücksichtigung<br />
finden und im neuen „Gemeindeplan<br />
Raum und Landschaft“ aufgehen.<br />
Das Gesetz für Raum und Landschaft, das<br />
im Juli <strong>2020</strong> in Kraft tritt, definiert u. a. mit<br />
der Einführung einer Siedlungsgrenze, wo<br />
künftig gebaut werden darf und wo nicht.<br />
Der 2019 von der Landesregierung beschlossene<br />
Masterplan beinhaltet die Leitlinien<br />
zur künftigen Stadtentwicklung: Der<br />
fransenartige Übergang des Maiser Villenviertels<br />
in das landwirtschaftliche Grün<br />
muss als solcher erhalten werden. Denn<br />
gerade dadurch bleiben die Sichtachsen<br />
auf Garten-Schloss-Ensembles wie jene<br />
von Schloss Pienzenau, Schloss Rubein,<br />
Villa Hoffmann oder Villa Praderhof intakt.<br />
Die festzulegende Siedlungsgrenze im<br />
Gesetz zu Raum und Landschaft schlägt<br />
eigentlich in dieselbe Kerbe. Bleibt zu<br />
hoffen, dass diese Siedlungsgrenze nicht<br />
im Widerstreit verschiedenster Interessen<br />
und Lobbys aufgeweicht wird. Eine solche<br />
Siedlungsgrenze mit einem weitestgehenden<br />
Baustopp außerhalb davon ist<br />
notwendig, sieht man sich beispielsweise<br />
den ungeregelten Wildwuchs im Streuweiler<br />
Hagen an.<br />
Wie überall gibt es aber auch hier eine<br />
Kehrseite der Medaille. Eine definierte Siedlungsgrenze<br />
erhöht den Baudruck im Inneren<br />
zusätzlich. Innerhalb des Siedlungsgrenze<br />
sind die Gemeinden zuständig: Dort<br />
ist man flexibel, während man außen penibel<br />
zu sein vorhat. Die vom neuen Gesetz<br />
für Raum und Landschaft vorgesehene<br />
Baudichten-Erhöhung von bisher<br />
1,0 (Zone B6) bzw. 1,3 (Zone B5) auf 1,5<br />
Kubikmeter/Quadratmeter würde sich auf<br />
die Gartenstadt Meran verheerend auswirken.<br />
Gerade innerhalb der Siedlungen befinden<br />
sich die so wichtigen Freiflächen: in<br />
den Landgemeinden die letzten Obst änger<br />
mit hochstämmigen Bäumen, im Maiser<br />
Villenviertel die wertvollen exotischen Gärten,<br />
die dem neuen Gesetz vermehrt zum<br />
Opfer fallen könnten.<br />
Wildwuchs im bäuerlichen Hagen (Untermais)<br />
in den vergangenen Jahren durch Sanierungen<br />
Wohnraum wiedergewonnen werden,<br />
eine Erhöhung der Gemeindeimmobiliensteuer<br />
für Eigentümer von Leerständen<br />
würde solche Wiedergewinnungen aber<br />
nochmals deutlich beschleunigen.<br />
Mit Hilfe einer klugen Stadtplanung<br />
würde sich auch das bisher vernachlässigte<br />
Bahnhofsareal in Meran zu einem gesellschaftlichen,<br />
kulturellen und wirtschaftlichen<br />
Zentrum entwickeln. Qualitätsvolle<br />
Wohnbauten, die Nähe zu geplanten Kultur-<br />
und Jugendzentren (Schlachthof, Alter<br />
Schießstand) und die Drehscheiben Busund<br />
Zugbahnhof könnten sich zu einem<br />
anregenden Meraner Treffpunkt mausern.<br />
Ebenfalls könnte das weitläufige Kasernenareal<br />
mit seinem bereits bestehenden<br />
Grünanteil mittelfristig zu einem Ökostadtviertel<br />
umgestaltet werden – mit Nahversorgung,<br />
sanfter Mobilität und Freizeitan-<br />
geboten in der Nähe (Pferderennplatz,<br />
Schwimmanlagen). Das abseits gelegene<br />
Kasernenareal müsste planerisch allerdings<br />
an den Siedlungskern von Untermais angebunden<br />
werden.<br />
Die Gartenstadt Meran darf nicht zum<br />
Spielball verschiedenster Interessen werden.<br />
Illusionslos muss konstatiert werden,<br />
dass Bauwirtschaft und Tourismus vordergründig<br />
von monetären Interessen geleitet<br />
sind. Mit dem Label „Gartenstadt“ wird<br />
dabei geworben, um den Preis möglichst<br />
hochzutreiben. Durch rücksichtslose Verbauung,<br />
der es oft genug an architektonischem<br />
Gespür fehlt, wird aber genau<br />
das zunichte gemacht, mit dem man vorher<br />
geworben hat: das grüne Erbe von Meran,<br />
für das sich der Meraner Heimatschutz<br />
weiterhin stark machen wird.<br />
Johannes Ortner<br />
Obmann Heimatschutzverein Meran<br />
Leerstände in der Altstadt –<br />
Bahnhofs- und Kasernenareal<br />
Wie könnte nun der Königsweg für eine<br />
gedeihliche Entwicklung der wachsenden<br />
Stadt Meran aussehen? Ein nicht ausgeschöpftes<br />
Wohnpotenzial liegt in den zahlreichen<br />
Wohnungs-Leerständen der Altstadt<br />
(Lauben, Steinach). Zwar konnte<br />
Abholzung eines historischen Gartens am Winkelweg<br />
<strong>Nr</strong>. 02 | <strong>Juni</strong> <strong>2020</strong> 45
Aus Verband und Bezirken<br />
Heimatschutz heißt auch<br />
Naturschutz<br />
Im Gespräch mit zwei „Neuen“ im Heimatpflegeverein Marling<br />
Eva Ladurner (47) und Veronika Wetzel (40) sitzen seit kurzem im Vorstand des Heimatpflegevereines<br />
Marling. Sie gehören zur jüngeren Generation im Verband und haben<br />
spannende Ideen, mit denen auch junge Menschen zum Mitdenken und Mitgestalten animiert<br />
werden könnten.<br />
Artenvielfalt schützen<br />
KulturFenster: Was hat Sie dazu bewogen,<br />
im Heimatpflegeverein Marling mitzuarbeiten?<br />
Eva Ladurner: Ich bin Biologin, interessiere<br />
mich aber auch sehr für Kulturgeschichte<br />
und Tradition. Als mich der Obmann des<br />
Heimatpflegevereines, Franz Kröss, gefragt<br />
hat, ob ich mitarbeiten würde, habe ich<br />
gern zugesagt. Nun freue ich mich darauf,<br />
im Zuge der Vereinsarbeit Neues und<br />
Spannendes über „mein“ Dorf zu erfahren.<br />
Und ich hoffe, dass ich mit meinem<br />
Eva Ladurner: „Ein wichtiges Anliegen ist es mir, die heimische Artenvielfalt zu<br />
schützen und zu fördern und die Leute dafür zu sensibilisieren.“<br />
beruflichen Hintergrund auch dem Naturschutz<br />
in der Heimatpflege eine Stimme<br />
geben kann.<br />
KF: Welche Möglichkeiten sehen Sie da<br />
im lokalen Rahmen eines Dorfes wie<br />
Marling?<br />
E. Ladurner: Zunächst bin ich gespannt,<br />
was mich im Verein erwartet – zumal Corona<br />
gleich nach den Wahlen alles gestoppt<br />
hat. Grundsätzlich denke ich, dass man<br />
mit kleinen, praktischen Aktionen bei den<br />
Bürgern einiges bewirken kann. Ein wichtiges<br />
Anliegen ist es mir, die heimische Artenvielfalt<br />
zu schützen und zu fördern und<br />
die Leute dafür zu sensibilisieren. Gerade<br />
im intensiv genutzten Talboden ist das dringendst<br />
notwendig. Oft reichen Kleinigkeiten.<br />
KF: Welche Möglichkeiten fallen Ihnen<br />
spontan ein?<br />
E. Ladurner: Spontan denke ich hier an das<br />
Pflanzen von heimischen Sträuchern oder<br />
von kleinen Blühstreifen am Rand der Obstanlagen.<br />
Sie stellen nicht nur eine Bereicherung<br />
für unser Landschaftsbild dar, sondern<br />
bieten gleichzeitig Unterschlupf und<br />
Nahrungsquellen für Tiere, die oft auch<br />
Nützlinge für uns Menschen sind. Auch<br />
die Wasserreservoire, die sogenannten<br />
Tschöttn, könnten ein Thema sein. Sie sind<br />
für viele Amphibien auf der Suche nach<br />
Laichplätzen oft tödliche Fallen. Mit einfachen<br />
Mitteln und ohne Einschränkung<br />
für den Zweck des Reservoirs kann man<br />
diese Fallen in wertvolle „Feuchtgebiete“<br />
für Kröten, Feuersalamander oder Grasfrösche<br />
verwandeln. Ähnliches gilt für so<br />
manche betonierten bzw. verrohrten Abschnitte<br />
am Marlinger Waalweg. Spannend<br />
für Gartenbesitzer kann zum Beispiel die<br />
Gestaltung eines naturnahen Ecks im Garten<br />
sein, in dem sich die heimische Tierund<br />
Pflanzenwelt wohlfühlt. Das sind aber<br />
nur erste Ideen.<br />
KF: Stichwort Corona – gibt es neben den<br />
vielen Entbehrungen auch etwas Positives,<br />
das Sie aus der Zeit mitnehmen?<br />
E. Ladurner: Ich habe viel Positives aus dieser<br />
Zeit mitgenommen. Ganz stark wahrgenommen<br />
habe ich die saubere Luft und<br />
die Stille, die nur durch Vogelgezwitscher<br />
durchbrochen wurde. Das macht schon<br />
nachdenklich. Und es ist mir aufgefallen,<br />
wie gut man auch mit weniger Mobilität<br />
auskommt. Ich hoffe, dass ich und andere<br />
auch in Zukunft an dieses „Weniger<br />
ist mehr“ denken werden, wenn der gewohnte<br />
Alltag wieder dominiert.<br />
46<br />
KulturFenster
Heimatpflege<br />
Oma hat es vorgelebt<br />
Veronika Wetzel: „Ich glaube sehr wohl, dass die<br />
Jugend mitreden und ihr Dorf mitgestalten möchte.“<br />
KulturFenster: Was hat Sie dazu bewogen,<br />
im Heimatpfl egeverein Marling mitzuarbeiten?<br />
Veronika Wetzel: Der Heimatpfl egeverein<br />
Marling hat mich von der Kindheit an begleitet.<br />
Meine Oma, Maridl Innerhofer, war<br />
im Verein stark engagiert. Sie hat oft von<br />
ihrer Arbeit erzählt. Ich erinnere mich,<br />
dass sie mit ihrer Kamera durch das Dorf<br />
spaziert ist, Veränderungen dokumentiert<br />
und diese, wenn notwendig, auch lautstark<br />
kritisiert hat. Sie hat mir vorgelebt,<br />
wie wichtig das Bewahren ist, auch wenn<br />
Veränderungen oft notwendig sind. Mitverändern,<br />
mitgestalten und in Entscheidungen<br />
eingebunden werden kann man<br />
nur, wenn man sich einbringt. Deshalb bin<br />
ich wie meine Eltern<br />
Vereinsmitglied.<br />
Als ich gefragt<br />
wurde, ob<br />
ich auch im Vorstand<br />
mitarbeiten<br />
möchte, habe ich<br />
Ja gesagt.<br />
KF: In welchen<br />
Bereichen möchten<br />
Sie sich besonders<br />
engagieren?<br />
V. Wetzel: Die<br />
Umwelt ist mir<br />
ein großes Anliegen.<br />
Ich habe<br />
mich auch an der Fridays-for-Future-Bewegung<br />
beteiligt und hoffe, dass sie jetzt<br />
bald wieder sichtbar und aktiv sein kann –<br />
und gehört wird. Zudem glaube ich, dass<br />
es hier in unserem Dorf auch Möglichkeiten<br />
gibt, in Sachen Umwelt etwas zu<br />
verbessern oder zu verändern.<br />
KF: Sie sind die Jüngste im Vorstand des<br />
Heimatpfl egevereines Marling. Ist dieser<br />
Verein für einen jungen Menschen überhaupt<br />
attraktiv?<br />
V. Wetzel: Ich muss zugeben, dass ich mir<br />
während meiner Studienzeit in Wien eine<br />
Rückkehr nach Südtirol gar nicht vorstellen<br />
wollte. Es hat dann eine Weile gedauert,<br />
bis ich gemerkt habe, dass ich nicht<br />
in die große, weite Welt gehöre, sondern<br />
in dieses kleine Marling. So ähnlich wird<br />
es vielleicht auch anderen jungen Menschen<br />
gehen. Dennoch glaube ich sehr<br />
wohl, dass die Jugend mitreden und ihr<br />
Dorf mitgestalten möchte. Andere traditions-<br />
und heimatbewusste Vereine wie<br />
die Schützenkompanien oder die Musikkapellen<br />
fi nden großen Zuspruch unter<br />
den Jugendlichen. Vielleicht ist ihnen der<br />
Heimatpfl egeverein nur nicht so bekannt.<br />
KF: Wie könnte man junge Menschen dazu<br />
animieren, beim Heimatpfl egeverein mitzuwirken?<br />
V. Wetzel: Ich habe vor allem während der<br />
corona-bedingten Einschränkungen gemerkt,<br />
wie wichtig die sozialen Netzwerke<br />
sind, vor allem für Jugendliche, aber nicht<br />
nur für sie. Eine Möglichkeit wäre es, aktiver<br />
in diesen Netzwerken zu sein, eventuell<br />
Projekte und Veranstaltungen dort anzukündigen,<br />
nach Meinungen zu fragen<br />
und auf diesem Weg Kontakte aufzubauen.<br />
5 ‰ für die Natur- und Kulturlandschaft<br />
5 ‰ für den Heimatpflegeverband<br />
Seit heuer ist der Heimatpflegeverband in die Liste der möglichen 5PromilleEmpfänger eingetragen. Damit hat man die Möglichkeit,<br />
die Heimatpflege auch über die Steuererklärung zu fördern.<br />
Der Heimatpfl egeverband setzt sich für den Erhalt unserer Natur und Kulturlandschaft und der historischen Baukultur, für eine<br />
offene und traditionsbewusste Gesellschaft, für die Förderung der Volkskultur, der Tracht und der Mundart, für die Heimat ein.<br />
Unterstützen auch Sie die Tätigkeit des Heimatpflegeverbandes, indem Sie bei der Steuererklärung (Mod. CUD, Mod 730 oder<br />
Mod. UNICO) ganz einfach und unkompliziert im entsprechenden Feld die Steuernummer 80006000212 des Heimatpfl egeverbandes<br />
Südtirol eintragen und Ihre Unterschrift daruntersetzen.<br />
Vielen Dank für die Unterstützung!<br />
<strong>Nr</strong>. 02 | <strong>Juni</strong> <strong>2020</strong> 47
Aus Verband und Bezirken<br />
Wiesmair-Kapelle fertig restauriert<br />
Heimatschutzverein Lana – Wertvolle Freskenfunde im Inneren<br />
Die Wiesmair-Kapelle in der<br />
Metzgergasse vor…<br />
…und nach der Restaurierung<br />
Die Wiesmair-Kapelle wurde im frühen 18.<br />
Jahrhundert errichtet und nun restauriert. Vor<br />
dieser Kapelle wurde einst für die aus Rateis<br />
über den alten Völlaner Weg nach Lana<br />
gebrachten Verstorbenen Totenrast gehalten.<br />
Der einfache Bildstock mit Rundbogenöffnung,<br />
einem überfangenen Dreiecksgiebel<br />
an der Straßenseite und einem wenig<br />
einspringenden Altarerker liegt am oberen<br />
Ende der Metzgergasse an der Kreuzung<br />
zur Gampenstraße. Die Sterne im<br />
Abschlussgitter weisen zudem auf ein Marienpatrozinium<br />
hin.<br />
Vorarbeiten, Lokalaugenscheine,<br />
Kostenvoranschläge<br />
Bereits im Jahr 2014 fanden konkrete Gespräche<br />
zur umfangreichen und fachgerechten<br />
Restaurierung der Wiesmair-Kapelle<br />
in Oberlana statt. Seit 2016 wurde<br />
dann eifrig gearbeitet. Der Obmann des<br />
Heimatschutzvereines Lana, Albert Innerhofer,<br />
hatte sich bereits zuvor seit Jahren<br />
(seit 2004!) darum bemüht, dass diese Kapelle<br />
am oberen Eingang zur „guten Stube“,<br />
dem Gries, endlich restauriert würde. So<br />
konnten zunächst an dieser um 1750 errichteten<br />
Marienkapelle nach dem Besitzerwechsel<br />
im Jahr 2015 mit der Entfeuchtung,<br />
Trockenlegung und Anlegung einer<br />
fachgerechten Drainage durch die Firma<br />
Harald Haller die ersten wichtigen Maßnahmen<br />
ergriffen werden. Zudem erfolgten<br />
die komplette Erneuerung des Dachstuhles<br />
und die Neueindeckung mit Mönch-und-<br />
Nonne-Ziegeln durch die Zimmerei Roland<br />
Platter. Die Spenglerarbeiten mit der<br />
Anbringung neuer Dachrinnen übernahm<br />
Günther Husnelder. 2016 begann Albert<br />
Innerhofer damit, das Inventar der denkmalgeschützten<br />
Wiesmair-Kapelle sicherzustellen<br />
und restaurieren zu lassen. So<br />
wurde zunächst die Herz-Jesu-Statue,<br />
die der in Altrei geborene Bildhauer Alois<br />
Zwerger 1904 in seiner Werkstatt in St. Ulrich<br />
in Gröden geschaffen hatte, von Karl<br />
Hofer restauriert.<br />
Barockes Bild<br />
„Maria Immaculata“<br />
Im Jahr 2017 ließ der Heimatschutzverein<br />
Lana das einmalig schöne und kostbare barocke<br />
Ölbild „Jungfrau Maria mit Darstellung<br />
der Tugenden“, das in einem Holzrahmen<br />
auf Leinwand gespannt ist, von Hubert<br />
Mayr fachgerecht restaurieren. Dabei wurden<br />
bei diesem Altarbild, das bereits seit<br />
Jahrzehnten aus Sicherheitsgründen privat<br />
untergebracht war, auch die Vergoldungen<br />
48<br />
KulturFenster
Heimatpflege<br />
Das barocke Altarbild „Maria<br />
Immaculata“<br />
am Rahmen freigelegt und ergänzt. Während<br />
dieser Restaurierungsarbeiten kam<br />
weder eine Jahreszahl der Bildentstehung<br />
noch eine Signatur des Malers zum Vorschein.<br />
Daher wandte sich Obmann Albert<br />
Innerhofer an die Kunsthistorikerin Maria<br />
Stifter und bat sie, sich dieses Altarbild näher<br />
anzuschauen.<br />
Dieses Bild im rundbogigen Abschluss mit<br />
den Maßen 172 x 122 cm zeigt im Mittelpunkt<br />
die Maria Immaculata auf einer Wolkenbank<br />
und auf der Mondsichel stehend.<br />
Sie ist mit dem wallenden weißen Kleid der<br />
Unschuld angetan und in einen blauen Mantel<br />
gehüllt. Mit ihrer rechten Hand hält sie<br />
geziert ein spitz zulaufendes Mantelende,<br />
in ihrer nach unten ausgestreckten linken<br />
Hand umfasst sie die weiße Lilie. Die Lilie ist<br />
das Symbol ihrer Seelenreinheit, Unschuld,<br />
Jungfräulichkeit und Keuschheit. Ihre Augen<br />
blicken in Richtung Himmel. Maria ist<br />
von acht Putten begleitet, die sie umgeben<br />
und emporheben. Diese Putten verweisen<br />
händehaltend auf verschiedene Symbole:<br />
Spiegel, Bundeslade, Turm, weiße und rote<br />
Rose und leuchtenden Stern. Zudem hat der<br />
Maler im unteren Bildbereich Mondgesicht,<br />
Totenkopf und aufgehende Sonne festgehalten.<br />
Im Halbrund des Tafelbildes oben hat<br />
der Künstler noch das Emblem der Dreifaltigkeit<br />
mit dem Auge Gottes eingebracht.<br />
Die Zuweisung an einen Künstler<br />
Aufgrund vieler Übereinstimmungen mit<br />
anderen Werken des Meisters kann man<br />
dieses Altarbild der Werkstatt von Matthias<br />
Pußjäger (1654–1734), dem bedeutenden<br />
Maler des Hochbarocks, zuschreiben. Die<br />
Gründe für eine Zuschreibung sind folgende:<br />
Nach seiner Ausbildung in Rottenbuch<br />
bei seinem Vater, in Augsburg<br />
bei Heinrich Schönfeld und in der Werkstatt<br />
von Carl Loth in Venedig (ein Aufenthalt<br />
in Rom ist nicht gesichert) wird. Pußjäger<br />
1662 Bürger von Meran; 1689 kaufte<br />
er das Rautscherhaus und errichtete dort<br />
seine Werkstätte. Er malte zahlreiche Altarbilder<br />
für seine Heimat, aber als Bürger<br />
von Meran auch eine Anzahl von Altarbildern<br />
für Südtirol und Nordtirol. Für<br />
die Kapuzinerkirche in Lana schuf er das<br />
Giebelbild des Hochaltars mit dem hl. Felix.<br />
In der alten Pfarrkirche von Niederlana<br />
steht der Hochaltar mit dem Hochaltarblatt<br />
„Die Himmelfahrt Mariens“, das ehemalige<br />
Hochaltarblatt der Meraner Pfarrkirche.<br />
In St. Lorenz in Lana wird das Altarbild<br />
der Werkstatt zugewiesen. Sohn Joachim<br />
Pußjäger werden auch die Altarbilder der<br />
Kirche zum hl. Johannes von Nepomuk<br />
in Lana zugewiesen. Durch die geografische<br />
Nähe zu Meran kann es durchaus<br />
sein, dass Matthias Pußjäger den Auftrag<br />
auch für dieses Bild in Lana bekam, nachdem<br />
er in Lana schon andere Werke angefertigt<br />
hatte.<br />
Eine weitere Begründung für die mögliche<br />
Zuschreibung des Immaculata-Bildes<br />
an die Werkstatt von Matthias Pußjäger ist<br />
die figurenreiche Komposition dieses Bildes<br />
(Maria als Hauptfigur von schwebenden Engelgruppen<br />
umgeben), zudem sind es die<br />
Farbgebung und der Faltenwurf. Ein interessantes<br />
Indiz ist die Farbgebung, da die<br />
Hauptgestalten des Meisters oft aus einem<br />
Hintergrund von gelblich-bräunlichen oder<br />
bläulich-grünen Farbtönen herauswachsen.<br />
Satte Töne und scharfe Konturen der Gewandung<br />
zeigt hingegen der blaue Mantel<br />
von Maria, der mit seinem typischen<br />
bauschigen Faltenwurf eine harmonische<br />
Wirkung erzielt.<br />
Zusätzlich wurden im selben Jahr die<br />
zwei monstranzartigen Reliquienschreine,<br />
die auch kostbare Klosterarbeiten hinter<br />
Glas und geschnitzte Büstenreliefs von Jesus<br />
und Maria beinhalten, gereinigt und<br />
restauriert. Die Fenster mit Eingangstür<br />
und Oberlichte ließ der Heimatschutzverein<br />
Lana ebenfalls herrichten und entrosten<br />
bzw. neu bemalen. Die Firma Icejet<br />
führte die Sandstrahlarbeiten am Gitter<br />
aus, während Christoph Gabrieli und Karl<br />
Freigelegtes Fresko mit dem hl. Antonius<br />
von Padua<br />
Hofer Fenster, Oberlichte und Tür ausbesserten,<br />
neu verkitteten, das Eisengitter und<br />
die Rahmen neu strichen und anschließend<br />
montierten. Die zwölf Sterne am Abschlussgitter<br />
wurden vergoldet. Diese zwölf<br />
Sterne sind ein Symbol der Immaculata,<br />
verweisen auf die zwölf Stämme Israels,<br />
die das Volk Gottes bilden (Joh. Offb. 12,1-<br />
6). Zudem wurde auch das Türschloss mit<br />
Schlüssel erneuert.<br />
Wertvolle Fresken kommen<br />
zum Vorschein<br />
Im Frühjahr 2018 begann Restaurator Stefan<br />
Wörz mit seinen Mitarbeitern mit der<br />
Innenrestaurierung der Malereien. Dabei<br />
wurden einige sehr interessante und vor<br />
Jahrzehnten übermalte Fresken und Malereien<br />
wiederentdeckt. So erkennt man<br />
nun außen am Dreiecksgiebel Gottvater,<br />
der seine Arme schützend ausbreitet, mit<br />
Taube und mehreren Putten. Im Kapelleninneren<br />
kam rechts ein sehr qualitätsvolles<br />
Fresko mit der Figur des Heiligen<br />
Antonius in braunem Ordenskleid zum<br />
Vorschein, der eine Lilie in der Hand hält,<br />
mit Blick auf die Antonius-Basilika in Padua.<br />
Darüber befinden sich Freskenmalereien<br />
mit verschiedenem Rankenwerk<br />
und Dekormalereien aus der Entstehungszeit.<br />
Im Gewölbe kam der blaueingefärbte<br />
Himmel heraus.<br />
Diese äußerst wichtige Freilegung beanspruchte<br />
doppelt so viel Zeit und Kosten<br />
als ursprünglich angenommen. Auf<br />
<strong>Nr</strong>. 02 | <strong>Juni</strong> <strong>2020</strong> 49
Aus Verband und Bezirken<br />
Kosten und Dank<br />
Die Herz-Jesu-Statue des Bildhauers<br />
Alois Zwerger, 1904<br />
der linken Innenseite waren durch Feuchtigkeitsschäden<br />
die Malereien leider bereits<br />
verloren gegangen. Zudem musste<br />
die Firma Harald Haller sämtliche durch<br />
Wasserschäden beeinträchtige Mauern<br />
innen und außen abschlagen, anschließend<br />
alles verputzen und malen.<br />
Eine der monstranzartigen<br />
Klosterarbeiten<br />
Zwei Kernbohrungen durch die Firma eXakt<br />
wurden an der Westfront vorgenommen,<br />
damit in Zukunft eine bessere Durchlüftung<br />
stattfinden kann. Das restaurierte<br />
Altarbild „Maria Immaculata“, die neue<br />
Konsole für die Herz-Jesu-Statue und die<br />
ebenfalls restaurierte Altarmensa wurden<br />
schließlich im Herbst 2019 montiert. Abschließend<br />
fertigte der Tischler Michael<br />
Mair eine neue Altarplatte und das Holzpodest<br />
in Lärche an, und die zwei Reliquienschreine<br />
wurden montiert.<br />
Die Gesamtkosten für die fachgerechte<br />
Restaurierung dieses wertvollen Kleinodes<br />
am Gries betrugen, bedingt durch<br />
zusätzliche Restaurierungsarbeiten, über<br />
51.000 Euro. Die Kosten konnten durch<br />
die Besitzerfamilie, den Heimatschutzverein<br />
Lana, durch einen außerordentlichen<br />
Beitrag der Marktgemeinde Lana,<br />
das Landesdenkmalamt und zahlreiche<br />
Spender sowie einige beteiligte Firmen<br />
aufgebracht werden.<br />
Ein herzliches Vergelt´s Gott allen, die<br />
mit ihrer Spende zum guten Gelingen dieser<br />
notwendigen und sehr umfangreichen<br />
Restaurierungsarbeiten bei der Wiesmair-<br />
Kapelle beigetragen haben, die nun wiederum<br />
in neuem Glanz erstrahlt. Die Segnung<br />
der restaurierten Kapelle wird aufgrund<br />
der derzeitigen Situation zu einem späteren<br />
Zeitpunkt erfolgen.<br />
Text & Fotos:<br />
Albert Innerhofer<br />
Quellen:<br />
- Dr. Maria Stifter,<br />
Altarbild Wiesmair-Kapelle,<br />
15. Februar <strong>2020</strong><br />
- Leo Andergassen,<br />
Lana Sakral, S. 212, 1997<br />
- Albert Innerhofer, Jahresberichte<br />
Heimatschutzverein Lana 2014 bis <strong>2020</strong><br />
- Briefverkehr: Heimatschutzverein Lana,<br />
Gemeinde Lana und Landesdenkmalamt<br />
seit 2004<br />
Marterl restauriert<br />
Der Heimatschutzverein Lana berichtet<br />
Heuer waren es genau 50 Jahre, dass der<br />
Straßenwächter Karl Unterholzner aus Lana<br />
ums Leben kam. Das Marterle, mit dem ihm<br />
gedacht wird, wurde nun restauriert.<br />
Karl Unterholzner, geboren am 9. September<br />
1921, starb bei einem tragischen<br />
Unglück in der Bozner Straße am 12. Jänner<br />
1970. Der Familienvater hinterließ<br />
seine Frau und sieben unmündige Kinder.<br />
Der Verunglückte stand damals im<br />
49. Lebensjahr.<br />
Der Heimatschutzverein Lana hat nun das<br />
in die Jahre gekommene Marterle fachgerecht<br />
und originalgetreu durch den Malermeister<br />
Karl Christanell aus Algund restaurieren<br />
lassen.<br />
Es wurde kürzlich wiederum am Kapellenbildstock<br />
an der Kreuzung Boznerstraße<br />
– Zollstraße angebracht.<br />
Text & Foto:<br />
Albert Innerhofer<br />
50<br />
KulturFenster
Heimatpflege<br />
Baggern trotz Krise<br />
Naturreservate drohen, der Wirtschaft zum Opfer zu fallen<br />
In Coronazeiten erleben wir, wie schon lange<br />
nicht mehr, unsere wechselseitige Verwundbarkeit.<br />
In der Krise gibt es keinen sicheren<br />
Schutzmantel gegen die soziale Isolation und<br />
die Vertiefung bestehender Ungleichheiten<br />
trotz staatlicher Maßnahmen. Die wirtschaftlichen<br />
und politischen Folgen sind gravierend<br />
und werden tiefe Kerben hinterlassen.<br />
Dennoch lässt Corona nun zu, was vor<br />
dieser Zäsur kaum möglich war. So bekommen<br />
Phänomene wie die Globalisierung,<br />
der Turbokapitalismus und der Massentourismus<br />
plötzlich einen schalen Beigeschmack.<br />
Der Zauber des Wirtschaftswachstums<br />
ist zum Teil verfl ogen und wird<br />
immer häufiger auch von der Wirtschaftswissenschaft<br />
infrage gestellt. Die CO 2<br />
-Emissionen<br />
sind rückläufi g bei gleichzeitig erhöhter<br />
Müllproduktion.<br />
Die Coronakrise zu verklären, wäre aber<br />
ein Denkfehler. Sie sollte ganz nüchtern<br />
als das betrachtet werden, was sie ist: als<br />
Zeit der schmerzhaften Verluste, der Veränderung<br />
und Lernerfahrung mit offenem<br />
Ausgang, gewiss nicht als Gegenschlag der<br />
geschundenen Erde gegen den rücksichtslosen<br />
weltweiten Raubbau an der Natur.<br />
Zweifelhafte Gesetzesmanöver<br />
Zu unserem Entsetzen entnehmen wir<br />
der Presse, wie Unternehmen und Politik<br />
Beschlüsse fassen, die die Errichtung einer<br />
wohlgemerkt neuen Zahnradbahnverbindung<br />
der beiden Skizonen Seiser Alm<br />
und Monte Pana – Ciampinoi – Sellajoch<br />
ermöglichen. Die Abänderung des Artikels<br />
2, Absatz 2, Buchstabe b) des Landesgesetzes<br />
vom 23. November 2010, <strong>Nr</strong>. 14 bietet<br />
die rechtliche Grundlage für die Eintragung<br />
des Vorhabens in den Skipistenplan.<br />
Durch ein ausgeklügeltes Gesetzesmanöver<br />
erhält die Zahnradbahn als Transportmittel<br />
den Status einer gewöhnlichen Aufstiegsanlage<br />
mit Skibetrieb. Damit umgeht<br />
man die Eintragung in den Fach- bzw. Bauleitplan<br />
sowie eine europaweite Ausschreibung<br />
des Projektes.<br />
Mitten in der Coronakrise fuhren auf der Seiser Alm die Bagger auf.<br />
Es handelt sich hierbei um eine Verbindung,<br />
die eine der letzten naturbelassenen<br />
Zonen durchdringen und die das Wasserschutzgebiet<br />
„Cunfi n“ gefährden würde.<br />
Dort entspringt die Wasserquelle, die das<br />
ganze Dorf St. Ulrich, die Ortschaften Überwasser<br />
und Runggaditsch mit Trinkwasser<br />
versorgt und deren größtes ökologisches<br />
Lebensgut gefährden würde. Diese Investition<br />
würde sich nur rechnen, wenn große<br />
Menschenmassen diese Infrastruktur auch<br />
nützen würden.<br />
Und damit kommen wir zum springenden<br />
Punkt: Der neu entstandene Trubel würde<br />
einer unberührten Naturlandschaft fernab<br />
von Lärm und Hektik arg zusetzen.<br />
Es drängt sich die Frage auf, ob Bürgerinnen<br />
und Bürger der betroffenen Gemeinden<br />
Kastelruth und St. Christina diese<br />
Verbindung überhaupt wünschen, oder ob<br />
sich die Gemeindepolitikerinnen und -politiker<br />
durch ihre positiv gefassten Beschlüsse<br />
zu den eingereichten Projekten primär den<br />
übermächtigen Investoren und Interessengruppen<br />
fügen.<br />
Ein weiteres Bauvorhaben lässt aufhorchen:<br />
Am 6. April haben auf der Seiser Alm<br />
vor dem Hotel „Adler Lodge“ die Bauarbeiten<br />
für eine Unterführung der Straße begonnen.<br />
Auf der schönsten und größten<br />
Alm Europas wird wieder massiv gebaggert,<br />
ungeachtet der aktuellen Notlage und<br />
der zu erwartenden schweren Rezession.<br />
Naturbelassene<br />
Erholungsgebiete sichern<br />
Anderen Presseberichten zufolge soll das<br />
Hotel „Alpina Dolomites“ auf der Seiser Alm<br />
von einem Großinvestor aus Singapur übernommen<br />
worden sein. An diesem Beispiel<br />
lässt sich veranschaulichen, welche Folgen<br />
Kubaturverlegungen (Ex-Schutzhaus Dialer<br />
im Naturpark Schlern –Rosengarten) mit<br />
qualitativer und quantitativer Erweiterung<br />
in einem Landschaftsschutzgebiet haben<br />
können. Hierzu befragte HGV-Vertreter klingen<br />
merkwürdig verhalten.<br />
Wir rufen dringend dazu auf, ökologische<br />
Anliegen vor jenen der Wirtschaft<br />
zu beherzigen. Die naturbelassenen Erholungsräume<br />
sichern jene Grundlage,<br />
die lebenswertes Leben und Wirtschaften<br />
erst ermöglicht. Besonders in Krisenzeiten<br />
sollten wir keineswegs unsere letzten<br />
und wertvollsten Naturreservate sehr<br />
kurzfristigen Geschäftsinteressen opfern.<br />
Die Cunfinböden zählen zu jenen Rückzugsgebieten,<br />
in denen sich Mensch, Tiere<br />
und Pflanzen erholen können und eine gesunde<br />
Entschleunigung stattfi nden kann.<br />
Deshalb plädieren wir dafür, dass dieses<br />
gesamte Gebiet um das Langkofelmassiv<br />
als Naturpark ausgewiesen werden soll.<br />
Wir fühlen uns verpflichtet, dieses Areal<br />
– im Ausgleich zur intensiven Nutzung der<br />
Talsohle – als hochalpines Ruhe- und Naherholungsgebiet,<br />
frei von Luft- und Lärmverschmutzung,<br />
zu erhalten, und nicht leichtfertig<br />
und unwiederbringlich zu zerstören.<br />
Unsere Kinder und Enkel werden es<br />
uns danken.<br />
Sara Stuflesser (Gemeinderätin von<br />
St. Ulrich), Engelbert Mauroner (Vorsitzender<br />
der „Lia per Natura y Usanzes“),<br />
Hubert Mayrl (Vorsitzender der AVS-Sektion<br />
Schlern) zusammen mit der „Gruppe<br />
zum Erhalt unserer Berggebiete“<br />
<strong>Nr</strong>. 02 | <strong>Juni</strong> <strong>2020</strong> 51
im Gedenken<br />
Er hatte ein Herz für Kultur und Natur<br />
Pfarrer Johann Oberhammer – Ein persönlicher Nachruf von Claudia Plaikner<br />
Pfarrer Oberhammer im regen<br />
Gedankenaustausch mit Claudia<br />
Plaikner. Das Foto entstand in der<br />
„Alten Turnhalle“, wo die Ausstellung<br />
„Weiterbauen auf dem Land“ lief.<br />
Pfarrer Johann Oberhammer ist am 26. April<br />
<strong>2020</strong> im Alter von 81 Jahren verstorben. Er<br />
war ein kunstsinniger, engagierter und bescheiden-liebenswürdiger<br />
Diener im Garten<br />
des Herrn.<br />
Pfarrer Johann Oberhammer ist am 26.<br />
April <strong>2020</strong> im Alter von 81 Jahren verstorben.<br />
Er wusste seit einiger Zeit, dass er den<br />
Kampf gegen den Krebs nicht mehr gewinnen<br />
wird. Während der Weihnachtsfeiertage<br />
2019 brach Pfarrer Hans bei der Vorbereitung<br />
zu einer Messe in der Kirche von Taisten<br />
zusammen und kam zuerst ins Spital von<br />
Innichen und dann nach Bruneck; dort hat<br />
er seine letzten Lebenswochen verbracht.<br />
Ich habe ihn gemeinsam mit Heimatpfleger<br />
Albert Willeit am Krankenbett besucht.<br />
Und wie waren wir berührt von der Stärke<br />
und Klarheit seiner Aussagen. Selbst in dieser<br />
für ihn persönlich so schweren Situation<br />
war es ihm wichtig, uns ein „Vermächtnis“<br />
zu hinterlassen: Wir sollten weiterhin auf die<br />
Heimat schauen. Ganz besonders legte er<br />
uns die Pfarrhäuser – von denen ja immer<br />
mehr leer stehen – ans Herz: Sie sollten in<br />
Zukunft nicht veräußert werden, sondern<br />
dem Dorf und für öffentliche Zwecke zur<br />
Verfügung stehen. Die Salvatorkapelle beim<br />
Wildbad Innichen war ihm ein besonderes<br />
Anliegen und natürlich die Umgebung der<br />
Kirche und des Friedhofes in Taisten, ganz<br />
besonders der angrenzende Park.<br />
Der Schutz dieser grünen Oase mitten im<br />
Herzen von Taisten war auch unser letztes<br />
gemeinsames Projekt: Wir führten 2019<br />
einen Lokalaugenschein mit ihm und anderen<br />
Personen durch, beteiligten uns an<br />
einer Bürgerversammlung. In gewohnter<br />
Manier erlebte ich Pfarrer Hans bei diesen<br />
seinen Auftritten als Verfechter eines modernen<br />
Naturschutzgedankens, der einmal<br />
mehr den Beteiligten vor Augen führte, was<br />
Wert und Bestand hat, ja, haben muss, was<br />
ein Dorf lebenswert und besonders macht<br />
und ihm eine langfristige Perspektive für<br />
diese Erhaltung von Lebensqualität gibt: der<br />
Schutz der Natur auch im Siedlungsgebiet,<br />
die Ruhe eines nicht zweckoptimierten naturbelassenen<br />
Parks, der Respekt vor der –<br />
in diesem Fall – spirituellen Umgebung von<br />
Friedhof, Kirche und Pfarrhaus. Wie war ich<br />
ein anderes Mal erstaunt, als ich in unmittelbarer<br />
Nähe des religiösen Zentrums von<br />
Taisten sah, dass es hier Wiesen gibt, die<br />
durch einen leider sonst kaum mehr vorzufindenden<br />
Artenreichtum an Gräsern und<br />
Blumen hervorstechen. Pfarrer Hans, der 33<br />
Jahre lang diese Pfarrei betreute, erzählte<br />
mir, dass er die von der Pfarrei verpachteten<br />
Gründe um einen günstigen Pachtzins<br />
vergibt, dafür aber einfordert, dass auf diesen<br />
Wiesen kein Kunstmist und keine Gülle<br />
zum Einsatz kommen.<br />
Das „ökologische“ Herz von Pfarrer Hans<br />
schlug auch ganz stark für die Erhaltung<br />
und Weiterentwicklung unserer Kunst und<br />
Kultur. Sein großes Wissen um Geschichte<br />
und Kunst machte ihn zu einer Institution<br />
in Fragen der Bewertung, Gestaltung und<br />
Fortschreibung des architektonischen und<br />
kunstgeschichtlichen Erbes. Pfarrhaus und<br />
Kirche samt Interieur geben Zeugnis von seiner<br />
Kenntnis und Achtung vor der mittelalterlichen<br />
und barocken Kunst, ebenso aber<br />
von der Aufgeschlossenheit für moderne<br />
Kunst. Ein besonders evidentes Beispiel<br />
ist die Gestaltung des Friedhofes in Taisten,<br />
der aufgrund der Symbiose von natürlichen<br />
und künstlerischen Elementen, aufgrund der<br />
stimmig-individuell gestalteten Grabstätten<br />
eine Sonderrolle unter den Südtiroler Friedhöfen<br />
einnimmt. Katalogware verabscheute<br />
Pfarrer Hans ebenso wie kopflose Angepasstheit<br />
und sterile Uniformität.<br />
Hans Oberhammer, der nach seiner Priesterweihe<br />
1968 zuerst Kooperator in Taufers<br />
i. P. und in Schlanders, dann Pfarrer in<br />
Lichtenberg und Matsch war, war auch als<br />
Seelsorger immer ein „Selbstdenker“, der<br />
sich weder von weltlichen noch von geistlichen<br />
Autoritäten eine Meinung aufoktroyieren<br />
ließ, wenn diese nicht mit seiner innersten<br />
Überzeugung in Einklang zu bringen<br />
war. Oft galt sein Einsatz auch der Verteidigung<br />
ideeller angestammter Rechte. Ich erinnere<br />
mich lebhaft an das Jahr 2006, als<br />
der Verkauf des Klarissenklosters St. Josef<br />
in Taisten anstand. Pfarrer Hans machte<br />
sich mit einer Gruppe örtlicher Mitstreiterinnen<br />
und Mitstreiter zum Befürworter<br />
des Erhaltes des historischen Gebäudes für<br />
die Dorfbevölkerung, z. B. für die Nutzung<br />
durch lokale religiöse Vereinigungen. Die<br />
in vielen Jahrzehnten gewachsene starke<br />
Bindung der örtlichen Bevölkerung an das<br />
Kloster und die ideelle und finanzielle Unterstützung<br />
desselben brachte Pfarrer Hans<br />
als Argumente vor, was aber von der kirchlichen<br />
Obrigkeit ignoriert wurde.<br />
Pfarrer Hans haben Rückschläge aber<br />
nie entmutigt: Sich für das einzusetzen,<br />
was keine Lobby hat, gehörte ebenso zu seinem<br />
Credo wie dass der Mensch in seiner<br />
Würde stets im Vordergrund stehen muss.<br />
In Pfarrer Hans paarte sich auf eindrucksvolle<br />
Weise die Kunst der Beharrlichkeit, Aufrichtigkeit<br />
und des klaren Standpunktes mit<br />
einem zuvorkommenden und freundlichen<br />
Umgang mit Menschen, speziell auch mit<br />
solchen, die es im Leben nicht leicht hatten<br />
oder haben.<br />
Sich selber schonte er nie, fragte nie danach,<br />
welche Nachteile ihm aus seiner Haltung<br />
erwachsen würden. Seine Aktivitäten<br />
beschränkten sich nie auf die sogenannten<br />
Sonntagsreden, er selbst legte stets offen<br />
Zeugnis von seinen Wertvorstellungen ab,<br />
was sogar so weit führte, dass er sich angesichts<br />
der Baggerschaufeln, die dem altehrwürdigen<br />
Gerichtsgebäude in Welsberg um<br />
die Jahrtausendwende den Garaus machten,<br />
physisch dagegen stellte.<br />
Pfarrer Hans wird mir fehlen – seine Persönlichkeit<br />
hat mich und viele von uns bereichert.<br />
Er hat Vertrauen in uns gesetzt: In seinem<br />
Sinne auf unsere Heimat zu schauen,<br />
also sein „Testament“ umzusetzen, das soll<br />
weiterhin unser Ziel sein.<br />
52<br />
KulturFenster
im Gedenken<br />
Heimatpflege<br />
Er war ein Menschenfreund<br />
In memoriam Franz Simeoni<br />
Im 63. Lebensjahr ist Franz Simeoni, der<br />
viele Jahre als Landesvorstand, Ausschussmitglied<br />
des Bezirkes Überetsch Unterland<br />
und als Ortsbeauftragter in Neumarkt für die<br />
Heimatpflege tätig war, am 6. Mai <strong>2020</strong><br />
verstorben. Ein Nachruf von Luis Walter.<br />
Aus heiterem Himmel kam die Botschaft:<br />
Franz Simeoni ist tot. Noch kurz zuvor hatte<br />
man ihn im Dorf getroffen. Franz war ein<br />
Menschenfreund, als solcher suchte er die<br />
Menschen. Er kannte viele Menschen, und<br />
umgekehrt kannten viele Menschen Franz.<br />
Franz war ein kommunikativer Mensch, er<br />
ging auf die Menschen zu, ein Gespräch<br />
entstand bald, man freute sich.<br />
In jungen Jahren machte er die Prüfung<br />
zum Gemeindesekretär, was dann<br />
auch sein Beruf wurde, in den letzten Jahren<br />
war er dies in Margreid. Franz war in<br />
Neumarkt geboren und blieb mit Leib und<br />
Seele Neumarkter. Als solcher hat er die<br />
Politik in der Gemeinde Neumarkt der vergangenen<br />
20 Jahre verfolgt – und oft auch<br />
den Unmut vieler Menschen zu spüren bekommen,<br />
die den eingeschlagenen politischen<br />
Weg so nicht mittragen wollten. Die<br />
Folge war, dass sich Menschen, vor allem<br />
junge Menschen, zusammentaten und das<br />
Bündnis Neumarkt gründeten, um in der<br />
volkstumspolitischen Mitte in der Gemeindestube<br />
von Neumarkt ein Korrektiv zu<br />
sein, zur – wie sie es sahen – identitätslos<br />
gewordenen SVP-Führung von Neumarkt.<br />
Franz Simeoni war zwei Amtsperioden<br />
lang für das Bündnis Neumarkt Fraktionschef<br />
im Gemeinderat, wo er einige Funktionen<br />
innehatte, u. a. Vorsitzender der<br />
Kommission für Ehrungen verdienter Mitbürger<br />
und der Kommission für Verordnungen.<br />
Franz hat sich in seiner ehrenamtlichen<br />
und politischen Tätigkeit nicht<br />
nur Freunde gemacht, was aus seiner<br />
Sicht auch nicht der Zweck der Sache sein<br />
konnte. Respektiert als Mensch hat man<br />
ihn allemal. Franz war ein Homo Politicus,<br />
durch und durch. Politik war ein Teil seines<br />
Lebens, war seine Leidenschaft. Dabei<br />
gehörte er keiner Partei an, war parteilos,<br />
was nicht heißen soll, dass er keinen<br />
Standpunkt hatte. Er hatte sehr wohl Standpunkte,<br />
die er stets mit stichfesten Argumenten<br />
vertreten und verteidigen konnte.<br />
Er besaß eine Gabe, die heute vielfach bedeutungslos<br />
zu sein scheint: die Gabe, im<br />
tiefsten seines Herzens ein aufrechter Tiroler<br />
zu sein und im Zweifelsfalle, auch danach<br />
zu handeln.<br />
Franz war ein Mensch, den man für eine<br />
gute Sache begeistern konnte. Er war offen,<br />
nicht nur für Politik, er war offen für<br />
Kunst, für Literatur, Theater und Film, er<br />
war immer offen für ein ernstes Gespräch,<br />
wie auch für ein humorvolles.<br />
Ein Vorbild für die Heimatpflege<br />
Nun ist Franz nicht mehr, er wird fehlen.<br />
Er wird seiner Familie fehlen. Er wird den<br />
Freunden im Fleimstal fehlen mit denen ihn<br />
tiefe Wertschätzung verband. Er wird im Gemeinderat<br />
von Neumarkt fehlen, denn er<br />
war dort vielfach das Salz in der Suppe. Er<br />
wird in der Heimatpflege fehlen. Er wird in<br />
Neumarkt fehlen, er wird im Südtiroler Unterland<br />
fehlen, dem er sich im tiefsten Herzen<br />
eng verbunden fühlte. Er war ein Menschenfreund.<br />
Er möge ruhen in Frieden.<br />
Luis Walter<br />
Ausschuss Heimatpflege Bezirk Unterland Überetsch gedenkt Franz Simeoni<br />
Tief erschüttert über den so plötzlichen Tod unseres lieben Freundes und Mitstreiters<br />
Franz Simeoni möchten wir der Familie und den Angehörigen unser tief empfundenes<br />
Mitgefühl und Beileid aussprechen.<br />
Franz ist und war uns ein Vorbild im Einsatz für das Unterland, für Südtirol, für die<br />
Heimat und die Erde, auf der wir leben.<br />
Seine Initiativen, seine Ideen, sein Mut, sein Wissen und seine Arbeit sind unersetzlich<br />
und werden uns unermesslich fehlen. Wir können und wollen nach seinem<br />
Vorbild weitermachen, um in seinem Sinne weiter auf unsere Umwelt zu hören<br />
und zu achten. Franz wird uns weiter Vorbild sein. Seine Worte und Aktionen<br />
sowie seine vorgelebte Freundschaft werden uns im Vorstand der Heimatpflege<br />
Unterland weiterhin stärken und begleiten.<br />
<strong>Nr</strong>. 02 | <strong>Juni</strong> <strong>2020</strong> 53
Arge Lebendige Tracht<br />
Die Tracht lag ihr am Herzen<br />
Rosl Viehweider geb. Plattner aus Gries/Bozen zum Gedenken<br />
Rosl Viehweider geb. Plattner<br />
(1937–<strong>2020</strong>)<br />
Wenn wir heute viele Bäuerinnen in ihren<br />
schmucken Trachten sehen, so ist das keine<br />
Selbstverständlichkeit. Es brauchte Frauen<br />
wie Rosl Viehweider geb. Plattner, die sich<br />
in fachkundiger Weise und mit viel Eifer jahrzehntelang<br />
für die Tracht eingesetzt haben.<br />
Ganze 18 Jahre lang hat sie ihr Wissen und<br />
Können in die Arbeitsgemeinschaft Lebendige<br />
Tracht eingebracht. Am 6. <strong>Juni</strong> <strong>2020</strong><br />
ist Rosl Viehweider im Alter von 82 Jahren<br />
verstorben.<br />
Erste Vertreterin der<br />
Bäuerinnen-Organisation<br />
Ein neues Statut hatte es möglich gemacht,<br />
dass Vertreter der drei bäuerlichen Organisationen<br />
in die Arbeitsgemeinschaft Lebendige<br />
Tracht aufgenommen werden konnten.<br />
Rosl Viehweider war die erste Vertreterin<br />
der Südtiroler Bäuerinnenorganisation. Sie<br />
kam 1985 in die Arbeitsgemeinschaft und<br />
blieb bis 2003. Ein wertvoller Zugewinn,<br />
war sie doch die stellvertretende Landesbäuerin<br />
unter Maria Leiner aus Marling. Als<br />
Ortsbäuerin von Gries/Bozen hatte sie sich<br />
als Fachfrau für Dirndl und Tracht bzw. für<br />
das Nähen von Trachtenhemden einen Namen<br />
gemacht. Dass die Musikkapelle Gries<br />
handgestrickte Stutzen nach einem alten<br />
Muster im Bozner Stadtmuseum trägt, ist<br />
auch ihr Verdienst.<br />
Gediegene Ausbildung<br />
Rosl Viehweider war Anfang 20, als sie die<br />
Haushaltungsschule in Steinach am Brenner<br />
besuchen durfte. Dort hatte sie gut nähen<br />
gelernt und als Meisterstück für sich<br />
selbst eine Bozner Tracht genäht. Von da<br />
an begleitete sie der Eifer für den Erhalt der<br />
Tracht ihr ganzes Leben lang. Sie vertiefte<br />
ihre Nähkenntnisse noch an einer italienischen<br />
Nähschule in Bozen. Nun hatte sie<br />
einen guten Blick für das richtige Sitzen einer<br />
Tracht und begann, für andere Trachten<br />
zu nähen. So kam sie durch ihr Hobby<br />
auch noch zu einem kleinen Zuverdienst.<br />
Vielseitig engagiert<br />
Rosl war viele Jahre lang Sängerin im<br />
Stiftspfarrchor St. Augustin in Gries. Dass<br />
sie an Feiertagen die Tracht trug, war für<br />
sie selbstverständlich. Sie fühlte sich wohl<br />
darin. Durch ihr gutes Beispiel angeregt,<br />
schafften sich viele eine Tracht an. Rosl<br />
half überall mit, wenn religiöse, kulturelle<br />
oder soziale Veranstaltungen eine helfende<br />
Hand brauchten. Dabei sah man<br />
sie oft auch im Dirndl. Ihre Freude waren<br />
die Berge.<br />
60 Jahre lang war sie Mitglied beim Südtiroler<br />
Alpenverein. Ganz besonders liebte<br />
sie Blumen. Wer erinnert sich nicht an die<br />
bunten Blumensträuße aus ihrem Garten,<br />
die sie an ihrem Obst- und Gemüsestand<br />
am Bozner Bauernmarkt verkaufte!<br />
Eifrige Trachtenpionierin<br />
Wer mit Rosl in der Arbeitsgemeinschaft<br />
Lebendige Tracht zusammenarbeitete,<br />
wird sich stets gerne an sie erinnern. Auf<br />
Rosl war immer Verlass. Sie hat sich nie<br />
vorgedrängt, hat einfach gearbeitet. Eine<br />
wunderbare Frau!<br />
Leider konnten wir uns von Rosl nicht in<br />
gebührender Weise verabschieden. Was<br />
bleibt, ist der Dank an eine engagierte<br />
Pionierin des Südtiroler Trachtenwesens<br />
und die Erinnerung an eine liebenswerte<br />
Trachtenfreundin.<br />
Agnes Andergassen<br />
54<br />
KulturFenster
Arge Volkstanz<br />
Heimatpflege<br />
Hereinspaziert<br />
• Almtanz der ARGE Volkstanz in Südtirol auf dem Würzjoch am 19. Juli <strong>2020</strong>.<br />
• Tanzleiterausbildung Modul 1 am 5. September <strong>2020</strong> in der Lichtenburg/Nals.<br />
• „Gsung, gspielt, gitonzt und drzehlt“ im Volkskundemuseum Dietenheim am 13. September <strong>2020</strong> in Zusammenarbeit mit dem<br />
Südtiroler Volksmusikkreis Bezirk Pustertal.<br />
• Modul 3 Ausbildung Kinder und Jugendtanzleiter in Pfalzen am 24. und 25. Oktober <strong>2020</strong>.<br />
• Landeskathreintanz am 14. November <strong>2020</strong> im Kursaal von Meran mit der Musikgruppe „Tanzig“. Die Pausengestaltung<br />
übernimmt der Bezirk Überetsch/ Unterland.<br />
• Winterlehrgang vom 26.Dezember <strong>2020</strong> bis 1. Jänner 2021 im Haus der Familie in Lichtenstern.<br />
Weitere Infos im Büro der Arbeitsgemeinschaft Volkstanz, Tel.: 0471/970555 oder info@argevolkstanz.org<br />
KulturFenster<br />
Blasmusik, Chorwesen und Heimatpflege in Südtirol<br />
Redaktion KulturFenster<br />
Redaktionsschluss für die nächste<br />
Ausgabe des KulturFensters<br />
ist Freitag, 17. Juli <strong>2020</strong>.<br />
Bitte Termin genau beachten!<br />
<strong>Nr</strong>. 02 | <strong>Juni</strong> <strong>2020</strong> 55
Danke<br />
Danke an alle Rettungskräfte<br />
Danke an alle Pflegekräfte<br />
Danke an alle, die im Supermarkt arbeiten.<br />
Danke an alle Polizisten<br />
Danke an alle Ärzte<br />
Danke an alle Menschen,<br />
die durch ihre Arbeit dem Coronavirus ausgesetzt sind,<br />
aber trotzdem weitermachen!<br />
Ohne euch ginge es nicht!<br />
Impressum<br />
Mitteilungsblatt des Verbandes Südtiroler<br />
Musikkapellen, des Südtiroler Chorverbandes<br />
und des Heimapflegeverbandes Südtirol<br />
Eigentümer und Herausgeber:<br />
Verband Südtiroler Musikkapellen, Bozen<br />
Ermächtigung Landesgericht Bozen<br />
<strong>Nr</strong>. 27/1948<br />
Schriftleiter und im Sinne des Pressegesetzes<br />
verantwortlich:<br />
Dr. Alfons Gruber<br />
Als Pressereferenten für die Darstellung der<br />
entsprechenden Verbandsarbeit zuständig:<br />
VSM: Stephan Niederegger,<br />
E-Mail: kulturfenster@vsm.bz.it<br />
SCV: Paul Bertagnolli,<br />
E-Mail: info@scv.bz.it<br />
HPV: Florian Trojer,<br />
E-Mail: fl orian@hpv.bz.it<br />
Unverlangt eingesandte Bilder und Texte<br />
werden nicht zurückerstattet.<br />
Redaktion und Verwaltung:<br />
Verband Südtiroler Musikkapellen,<br />
I-39100 Bozen, Schlernstraße 1, Waltherhaus<br />
Tel. 0471 976387 - Fax 0471 976347<br />
E-Mail: info@vsm.bz.it<br />
Einzahlungen sind zu richten an:<br />
Verband Südtiroler Musikkapellen, Bozen,<br />
Waltherhaus<br />
Raiffeisen-Landesbank, BZ<br />
IBAN: IT 60S03493 11600 0003000 11771<br />
SWIFTBIC: RZSBIT2B<br />
Jahresbezugspreis: Euro 20<br />
Gefördert von der Kulturabteilung<br />
der Südtiroler Landesregierung.<br />
Druck: Ferrari-Auer, Bozen<br />
Das Blatt erscheint als Zweimonatszeitschrift,<br />
und zwar jeweils am 15. Februar, April, <strong>Juni</strong>,<br />
August, Oktober und Dezember.<br />
Redaktionsschluss ist der 15. des jeweiligen<br />
Vormonats.<br />
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