KidsPower: Tierisch was los

Naturfreundejugend

In dieser Ausgabe der KidsPower geht es darum, wie Tiere und Menschen zusammenleben. Das kann sehr unterschiedlich sein: Katzen können die besten Freunde des Menschen sein, während eine Stubenfliege einfach
nur nervt. Warum gehen wir so unterschiedlich mit Tieren um? Und ist das eigentlich gerecht? Tiere umgeben uns überall. Auch in der Stadt kannst du sie entdecken. Findest du alle Tiere auf dem Bild? Wie leben Mensch und Tier hier auf engstem Raum zusammen?

KiPo 1/2020,

71. Jahrgang

Die Kinderzeitschrift der Naturfreundejugend Deutschlands

T I E R I S C H

W A

S

LO S

Wie Mensch und Tier

zusammenleben


UNSERE TIERISCHEN NACH

In dieser Ausgabe der KidsPower geht es darum, wie

Tiere und Menschen zusammenleben. Das kann sehr

unterschiedlich sein: Katzen können die besten Freunde

des Menschen sein, während eine Stubenfliege einfach

nur nervt. Warum gehen wir so unterschiedlich

mit Tieren um? Und ist das eigentlich gerecht?

Tiere umgeben uns überall. Auch in der Stadt kannst

du sie entdecken. Findest du alle Tiere auf dem Bild?

Wie leben Mensch und Tier hier auf engstem Raum

zusammen?

Super hilfreich

Einige Tiere helfen uns. Hunde begleiten Menschen, die

nicht gut sehen können, und bringen sie sicher durch die

Stadt. Als Haustiere leisten sie uns Gesellschaft und sind

immer für uns da. Sie werden zu „besten Freunden“.

Oh wie süß!

Eichhörnchen finden wir niedlich, denn große Kulleraugen

und Stupsnasen erinnern uns an Kleinkinder. Tiere, die uns

ähnlich sind, schützen wir meistens besonders stark.

2


BARN

Aaaahh, mach die weg!

Manche Tiere machen uns Angst, wie zum Beispiel

Wespen oder Spinnen. Dies dient unserem Schutz,

ist oft aber auch übertrieben. Zum Beispiel gibt es in

Deutschland keine für uns giftigen Spinnen.

Mmh, lecker

Tiere waren schon immer auch Nahrung für uns. Zu

diesen Nutztieren bauen wir meist keine nähere Beziehung

auf. Dies führt jedoch auch dazu, dass wir sie

teilweise sehr schlecht behandeln.

Voll schädlich!

Manche Tiere bezeichnen wir als Schädlinge, zum

Beispiel Schnecken, die unsere Blumen fressen. Wir

bekämpfen sie, weil sie Dinge beschädigen, die uns

wichtig sind oder die uns Geld bringen.

3


Wie leben Tiere in der Stadt?

Der Mensch beeinflusst an vielen Stellen das Leben

von Tieren. Durch riesige Felder zerstört er ihren

Lebensraum, so dass sie kaum noch Nahrung oder

sichere Verstecke finden. Manche Tiere weichen in

kleine Rückzugsgebiete aus. Andere zieht es näher

zum Menschen. In Städten finden sie neue Lebensräume

in Parks, Teichen, an Hauswänden oder auf

Brachflächen. Sie haben gelernt mit uns zu leben,

passen sich dafür jedoch ziemlich an.

Krähen werden kreativ bei der Nahrungssuche. Um

Nüsse zu öffnen, legen sie diese unter Autoreifen. Fährt

das Auto los, werden die Nüsse geknackt und können

gegessen werden.

Um den Lärm der Stadt zu übertönen, singen Vögel

lauter oder höher. Dabei lernen sie auch neue Melodien.

So singen Stare oder Eichelhäher Wecker- und Handymelodien

nach.

Füchse fühlen sich in der Stadt sicherer, denn hier

werden sie nicht gejagt. Auch sie selbst jagen weniger,

denn sie finden Nahrung in Abfällen oder essen Katzenund

Igelfutter.

Um nicht überfahren zu werden, halten sich Wildschweine

an die Verkehrsregeln. Da Autos an Ampeln

anhalten, gehen sie hier über Straße.

4


DREI FRAGEN ...

Warum sind in Indien

Kühe heilig?

Die Religion des Hinduismus ist in Indien weit verbreitet.

Hinduist*innen glauben daran, dass Gott in allen Lebewesen

wohnt. Auch die Seele des Menschen kann in einem

Tier wiedergeboren werden. Deswegen fügen sie Tieren

möglichst kein Leid zu und ernähren sich vegetarisch.

Die Kuh gilt zudem als Mutter der Menschen

und Ernährerin. Sie versorgt die Menschen mit

lebensnotwendigen Dingen, den fünf heiligen

Gaben. Die Mutter aller Kühe soll

Wünsche erfüllen können und

wird auch „Kamadhenu“,

Wunschkuh,

genannt.

?

Warum ernähren sich

Menschen vegan?

Veganer*innen essen nichts, das von Tieren stammt.

Also kein Fleisch, keine Milch oder Eier. Viele tun dies vor

allem zum Schutz der Tiere. Sie wollen nicht für Leid und

den Tod der Tiere verantwortlich sein. Auch der Umweltund

Klimaschutz ist vielen wichtig. Denn für die Fleischproduktion

werden große Flächen benötigt und Wälder

abgeholzt. Auch der Wasserverbrauch ist sehr hoch.

?

Sollten Tiere eigene

Rechte haben?

Wenn Tiere schlecht behandelt werden, können

sie sich kaum dagegen wehren. Nutztiere aus der

Fleischproduktion können nicht vor Gericht gehen

und ihre Halter*innen verklagen. Wilde Tiere können

nicht für den Schutz ihrer natürlichen Heimat kämpfen.

Deswegen fordern manche grundlegende Rechte auf

Leben, körperliche Unversehrtheit und Freiheit für Tiere.

Die Tiere wären kein Eigentum mehr, sondern eigenständige

Persönlichkeiten. Sie können dann natürlich immer

noch nicht vor Gericht ziehen, aber Menschen könnten

es für sie tun, um ihnen zu helfen.

?

5


SAEN, ERNTEN,

+

ESSEN, CHILLEN!

Je grüner eine Stadt, desto wohler fühlen sich die

Tiere. Auch für uns Menschen ist die Natur ein

wichtiger Ort zur Erholung. Natur macht uns glücklich,

wie Forscher*innen herausgefunden haben. Deshalb

hat die Naturfreundejugend Niedersachsen mitten

in der Stadt ihren „Garten der Begegnung“ angelegt.

Verschiedene Gruppen, wie die Forschergruppe, die

Nachhaltigkeitsgruppe oder Gruppen aus anderen

Einrichtungen kümmern sich um die Beete und gehen

im Garten auf Beobachtungstouren. Ein Ort für Tier

und Mensch, zum Entspannen, Entdecken, Spielen

und Toben!

„Wir bauen hier Gemüse,

Obst und Kräuter an, die

wir dann auch gemeinsam

verspeisen.“


„Im Frühling haben wir

viele Blumen gepflanzt, die

Nahrung für Bienen bieten.

Wir haben auch ein kleines

Hotel für Insekten zum

Mitnehmen gebaut.“

6


„Manchmal legen wir aus

Blättern, Zweigen und Blumen

kleine Kunstwerke

zusammen. Das sieht toll

aus.“

„Man kann hier viele

Tiere beobachten. Zum

Beispiel haben wir letztens

ein Experiment gemacht

und gesehen, wie

Regenwürmer den Boden

umwühlen.“

7


DER FUCHS-FLUCHT

von Jasper Nicolaisen

TUNNEL

„Was machen Sie da?“

Die Hausmeisterin kniet vor einem Loch in der

Hecke. Jannis schlendert näher und reckt den Hals.

„Geht dich gar nichts an.“

Die Hausmeisterin schnauft. Ihr gereckter Po im

geblümten Kleid sieht ulkig aus.

„Entschuldigung. Ich dachte, ich könnte Ihnen vielleicht

helfen.“

Das stimmt zwar überhaupt nicht – Jannis hat

bis eben noch keinen Gedanken daran verschwendet,

irgendjemandem zu helfen – aber er ist froh über jede

Abwechslung. Zurzeit ist es einfach wahnsinnig öde.

Wegen Corona. Es gibt keine Schule und Jannis darf

nicht mal seine Freundin Kumiko treffen. Manchmal

machen sie eine Videokonferenz, aber das ist nicht

dasselbe. Und Papa hat auch nur schlechte Laune,

weil er Homeoffice machen muss und seinen Freund

nicht sehen darf. Sogar die Person vom Jugendamt, die

manchmal gucken soll, ob es Jannis bei Papa gut geht,

weil er doch nicht mit Mama zusammenwohnt, guckt

nur per Videokonferenz. Der Hinterhof ist fast alles, was

Jannis darf. Und wenn da schon mal eine Hausmeisterin

vor der Hecke kniet und einen geblümten Hintern

in die Luft reckt, dann ist das fast so spannend wie …

na ja, eigentlich ist es gar nicht spannend. Aber Jannis

nimmt, was er kriegen kann.

„Suchen Sie was?“, fragt er.

Die Hausmeisterin richtet sich auf und stößt eine

Rauchwolke aus. Sogar, wenn sie vor einem Loch in

der Hecke hockt, hat sie noch eine Zigarette im Mund.

Jannis fällt auf, dass sie gar keine Maske trägt. Aber

wenn man so viel raucht wie die Hausmeisterin, ist das

vielleicht auch schon egal.

„Den Fuchs“, sagt die Hausmeisterin.

Ob sie von Corona schon verrückt geworden ist?

Manche Leute werden vom vielen Drinnensein und

Nachdenken und Nachrichtengucken so komisch, dass

sie behaupten, Corona wäre nur ausgedacht und bald

kämen Außerirdische und sonst was.

„Was denn für ein Fuchs?“, fragt Jannis vorsichtig.

Wenn die Hausmeisterin verrückt ist, rennt er weg, klar.

Ein bisschen komisch war sie immer schon.

„Hier treibt sich ein Fuchs rum. Der räumt unsere

Mülltonnen aus.“ Sie zeigt auf die Container in dem

großen Metallkäfig. „Unter dem Käfig durchgegraben

hat er sich. Und ein Loch in den Container gefressen.

Ich kann doch nicht jede Woche einen neuen Container

kaufen!“

„Dann lassen Sie doch

nachts den Deckel auf“,

meint Jannis. Er beugt sich

auch ein bisschen vor, um in

das Loch zu gucken. Kein Fuchs

zu sehen.

„Sag mal, willst du mich verkackeiern?“

Die Hausmeisterin klingt eigentlich nicht böse.

Nur müde.

„Nein“, sagt Jannis. Er zeigt in das Loch.

„Da drinnen wohnt er?“

Die Hausmeisterin beugt sich auch wieder

runter. „Vermute ich. Ist wohl sein Fluchttunnel.“

Eine Weile starren sie beide in den

Fuchs-Fluchttunnel. Es wird schon dämmrig und

die Vögel, die immer richtige Lieder singen, legen los.

Hinter vielen Fenstern ist gelbes Licht, aber nicht mal

das Licht traut sich weit raus, vermutlich auch wegen

Corona. Es ist ziemlich dunkel.

„Soll ich mal meine Taschenlampe holen?“, fragt

Jannis.

„Nee, lass mal.“ Die Hausmeisterin saugt an der

Zigarette, bis der Lichtpunkt aufglüht.

Jannis muss husten von dem Rauch. „Ich glaube nicht,

dass der Fuchs bei dem Rauch wirklich kommt“, sagt er.

„Ist mir recht“, sagt die Hausmeisterin.

„Wieso?“, wundert sich Jannis.

„Eigentlich hab ich bloß keine Lust, nach drinnen

zu gehen“, sagte die Hausmeisterin. „Mein Mann guckt

den ganzen Abend Nachrichten und kriegt schlechte

Laune. Da sage ich lieber, ich arbeite hier noch. Mit

dem Fuchs.“

„Ach so“, sagt Jannis. „Das verstehe ich. Papa hat

auch schlechte Laune.“

8


Eine Weile sagt keiner was. Es wird noch dunkler.

Die Vögel singen die tollsten Liebeslieder.

„Ich wusste gar nicht, dass sie verheiratet

sind“, sagt Jannis. Er kann sich irgendwie nicht

vorstellen, dass jemand die Hausmeisterin küssen will.

Sie raucht doch immer!

„Tja“, sagt die Hausmeisterin. „Kannst du mal sehen.

Dabei wohnen wir schon so lange im selben Haus.“

Wieder Stille.

„Im Fernsehen haben sie gesagt, es kommen immer

mehr Tiere in die Stadt“, sagt Jannis. „Wildschweine.

Und Waschbären. Und sogar Biber. Das sind Zivilisationsfolger.“

„Die dürfen gehen, wohin sie wollen“, sagt die

Hausmeisterin.

Einen Moment sitzen sie noch vor der Hecke und

hören den Vögeln zu und denken an die leeren Straßen

in der dunklen Stadt.

„Ob die Tiere noch genug zu fressen finden, jetzt wo

die Menschen nicht mehr so viel Müll wegwerfen?“,

überlegt Jannis laut.

Von der Hausmeisterin ist fast nur noch das Zigarettenlicht

zu sehen. „Ganz bestimmt“, sagt sie. „Ganz

bestimmt.“

Dann gehen sie rein und machen im Treppenhaus

kein Licht an. „Gute Nacht“, sagt die Hausmeisterin

leise.

„Gute Nacht“, sagt Jannis.

9


RATSEL & BUCHERTIPP

Wer war hier unterwegs?

Ordne jedes Tier dem passenden Bild zu.

1 2

1

2

3

3 4 4

5 6 5

6

Auflösung: 1 + 3; 2 + 6; 3 + 2; 4 + 1; 5 + 4; 6 + 5

10

Der Fuchs

und das Mädchen

Der Kinofilm von Luc Jacquet erzählt die Geschichte der

Freundschaft eines Mädchens mit einem Fuchs. Ganz

langsam kommen sich die beiden näher. Der Fuchs lässt

das Mädchen die Vielfalt der Natur entdecken. Aber sie

muss auch lernen, dass der Fuchs ein „wildes Tier“ ist,

das man nicht wie einen Menschen behandeln und an

sich binden kann.

Der Film begeistert durch die berührende Geschichte

und die tollen Natur- und Tieraufnahmen, die mit

großem Aufwand gedreht wurden.

(DVD, 93 min, Studiocanal)


MITMACHEN!

Bäume gießen!

Bäume spenden vielen Tieren Lebensraum und Schutz.

Vögel nisten in der Baumkrone, Käfer leben in der Rinde

und von den Blüten ernähren sich Bienen und Hummeln.

Die Nüsse werden von Eichhörnchen gefressen.

Für uns Menschen spenden Bäume Schatten und sie

verbessern die Luftqualität, indem sie Schadstoffe aus

der Luft filtern. Deshalb sind Bäume gerade auch in

Städten besonders wichtig für uns! Weißt du, wie viele

Bäume es bei dir in der Nachbarschaft gibt? Schau sie

dir mal genauer an. Vielleicht siehst du einige Bäume,

bei denen die Blätter nur noch lasch herabhängen oder

sich sogar schon verfärben. Denn im Moment leiden

viele Bäume unter der Trockenheit.

So kannst du ihnen helfen:

Wenn es länger nicht regnet, gieße den Baum.

Am besten einmal die Woche, dafür aber gleich

mit 8 bis 10 Eimern auf einmal.

Feuchte den Boden erst vorsichtig an. Dann gieße so

lange, bis der Boden richtig durchtränkt ist. Nur dann

erreicht das Wasser auch die tiefer liegenden Wurzeln.

Ist der Boden sehr verdichtet und nimmt kaum Wasser

auf, kannst du ihn mit einer kleinen Harke etwas auflockern.

Gemeinsam gießen macht mehr Spaß. Gründe mit

Kindern aus deiner Nachbarschaft eine Gießgemeinschaft

und teilt euch die Pflege der Bäume.

Übrigens: Viele Städte informieren im Internet darüber,

welche Bäume Wasser brauchen. Hier kannst du auch

eintragen, wenn du einen Baum gegossen hast, damit

andere ihn nicht doppelt gießen.

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine