2020/27 - HelfensteinerLand ET: 29.06.2020

suedwest.presse

Das Magazin aus der Region für die Region

Helfensteiner

Land

Ausgabe Juni 2020

Sonderveröffentlichung

Foto: Adpbe Stock Photo – Alexander Rochau

AUSFLÜGE

Die Sommerferien rücken

näher. Auch die Region hat

viel Schönes zu bieten.

Seite 14

DENKMAL

Daniel Straub ließ auf dem

Friedhof im Rorgensteig eine

Grabkapelle errichten.

Seite 20

ohne GZ

geht´s et

UMFRAGE

Was nehmen Sie Positives aus

der Corona-Krise mit? Sechs

Befragte geben Einblicke.

Seite 26


2 IMPRESSUM

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Impressum

Verlag & Herausgeber

GEISLINGER ZEITUNG

Verlagsgesellschaft mbH

& Co. KG

Hauptstraße 38

73312 Geislingen/Steige

Gesamtkoordination

Heike Siegemund

Gestaltung

Bettina Backes, Christa Borth

Anzeigen Bettina Holzwarth

(verantwortlich)

Redaktion

Kathrin Bulling (verantwortlich),

SVH GmbH & Co. KG

Druck

DHO – Druckzentrum

Hohenlohe Ostalb

GmbH & Co. KG

Ludwig-Erhard-Straße 109

74564 Crailsheim

Datenschutz

Den Datenschutzbeauftragten

erreichen

Sie unter:

datenschutz@swp.de


INHALT 3

Inhalt

3 Inhalt

4 E-Fahrrad

Liebe Leserinnen und Leser,

die Corona-Krise wirbelt wohl

alle Bereiche unseres Lebens

durcheinander – auch Urlaubspläne

müssen geändert und angepasst

werden. Viele verzichten

dieses Jahr auf die große

Reise und setzen auf Ferien in

Deutschland, wenn nicht sogar

darauf, ausschließlich in der

Region Ausflüge und Wanderungen

zu unternehmen. Der

Tourismus in der Umgebung

profitiert enorm von dieser Entwicklung.

Die neuen Löwenpfade

werden genutzt wie nie

und sind überaus beliebt. Zu

Recht – hat unsere Umgebung

doch so viel Schönes zu bieten.

Eine kleine Auswahl unter

vielen besonderen Wanderungen

und Zielen haben wir in

diesem Magazin auf den Seiten

14 und 15 für Sie zusammengestellt.

Auch mit dem Pedelec lässt

sich die Region bestens erkunden.

Das Elektrofahrrad erlebt

einen regelrechten Boom. Die

Fahrradhändler können ein Lied

davon singen: Sie haben alle

Hände voll zu tun. Mehr zum

Trend E-Fahrrad lesen Sie auf

den Seiten 4 und 5.

Ein ganz anderes Thema haben

wir auf den Seiten 20 und

21 für Sie aufbereitet: Auf dem

Friedhof im Geislinger Rorgensteig

ließ Daniel Straub, einer

der berühmtesten Männer Geislingens,

für seinen früh verstorbenen

Sohn Heinrich eine Grabkapelle

errichten. Normalerweise

ist die Gruft geschlossen.

Doch Stadtführerin Heide Rigl

öffnete die Stahltür an der Rückseite

der Grabkapelle. Wer diesen

eigentlich würdevollen,

aber doch eher unheimlichen

Ort betreten darf, dem läuft ein

Schauer über den Rücken.

Natürlich setzen wir auch

unsere Serie „Heiligs Blechle“

fort: Tobias Rother aus Oberdrackenstein

präsentiert seinen

Heike Siegemund

ganzen Stolz: einen VW-Bus

Bulli/T1, Baujahr 1956. Und auch

eine weitere Folge unserer Ortsnamen-Serie

finden Sie in diesem

Heft: Warum werden die

Nellinger Rettiche und die

Merklinger Nudeln genannt?

Die Familie Bosch gibt Einblicke

in ihre Straußenzucht

auf dem Lindenhof, drei Degginger

erzählen von ihrer ungewollt

aufregenden Zeit in

Thailand, die sie mitten in der

Corona-Krise erlebt haben, und

Sigrid Erhardt aus Aufhausen

berichtet von ihrer Tätigkeit

als erste Präsidentin des Landesverbands

für Obstbau, Garten

und Landschaft Baden-

Württemberg.

Viele weitere Themen finden

Sie in diesem Magazin. Wir

wünschen Ihnen viel Spaß beim

Lesen, einen schönen Sommer

– und bleiben Sie gesund!

Ihre Heike Siegemund

6 Thailand-Reise

8 Ortsnamen-Serie

10 Heiligs Blechle

12 Straußenzucht

14 Ausflugstipps

16 Sigrid Erhardt

18 Wandertour

20 Straub‘sches

Grabmal

Ein Hauch von Afrika

in Steinenkirch

Die Straußenherden am Lindenhof sind

Magnete für Familien. Seite 12

18 Wandern mit Helmut

Walter

Der Bad Überkinger präsentiert

die Stauferrunde: von

der Wiege zur Burg.

25 Wappenkunde

Wie sehen die Wappen von

Eybach, Aufhausen und

Waldhausen aus?

31 Fahr mal raus

Die Löwenpfade haben eine

Ergänzung für Mountainbiker

erhalten: die Löwentrails.

22 Geschichte der

Unterwäsche

24 Rezept

25 Wappenkunde

26 Umfrage

22 Geschichte der

Unterwäsche

Eine Frau ist schön, wenn sie

sich wohlfühlt.

24 Rezept

GZ-Küchenmeister Walter

Bauhofer kredenzt Bananensüppchen

im Glas mit

Lachs-Nigiri-Sushi.

Ein Leben

für die Natur

Sigrid Erhardt ist die erste Präsidentin des Landesverbands

für Obstbau, Garten und Landschaft. Seite 16

28 Buchtipps

30 Rechtstipps

31 Fahr mal raus


4 E-FAHRRAD

Das Pedelec erlebt

einen Boom

Bewegung Schon vor Corona haben sich viele Menschen ein Elektrofahrrad zugelegt. Jetzt

ist der Ansturm in den Radgeschäften der Region noch größer. Von Heike Siegemund

Immer mehr Menschen radeln

mit Motor. Schon vor

Corona hat das Pedelec seinen

Siegeszug angetreten.

Jetzt, wo wegen der Krise der Urlaub

für viele dieses Jahr flachfällt

und man wegen Kurzarbeit

mehr Zeit für Freizeitaktivitäten

in der Region hat, ist die Nachfrage

noch größer. Das Elektrofahrrad

erlebt derzeit einen regelrechten

Boom.

Das können die Besitzer von

Fahrradgeschäften in der Region

rund um Geislingen nur bestätigen.

Sie berichten von einem

enormen Ansturm, nachdem sie

ihre Läden Ende April wieder

öffnen durften. Manch‘ einer

hat keine Zeit übrig für ein kurzes

Gespräch mit der GZ und

verweist auf 13- bis 16-Stunden-Arbeitstage

und darauf,

dass man derzeit nicht wisse,

wo einem der Kopf steht.

Die Fahrradbranche als einer

der Gewinner der Corona-

Krise? Es scheint so.

Auch Philipp Reil vom Geislinger

Fahrradgeschäft „Schwöbel

und Reil“ hat alle Hände voll

zu tun. Dies hänge auch damit

zusammen, dass der vergangene

Winter „ja gar keiner war“ und

deshalb die Rad-Saison sozusagen

toujours durchging. Außerdem

seien zurzeit sehr viele

Menschen draußen unterwegs

und nutzten das Fahrrad. Durch

Kurzarbeit hätten sie schlichtweg

mehr

Zeit. Darüber

hi-

naus

sei Radfahren

eine geeignete Sportart in Zeiten,

in denen Abstandhalten auf der

Tagesordnung steht.

Mehr als die Hälfte aller Kunden

kaufe inzwischen ein Elektrofahrrad,

berichtet Reil. „Der

Umsatzanteil ist erheblich.“ Prinzipiell

eigne sich ein Rad mit Motor

„für jeden, der eins haben

will“. Man müsse

dafür keineswegs

„unfit“

sein. „Viele haben

damit einen

Mordsspaß.“

Für manche

sei das

Elektrorad

bereits eine

Alternative

zum Auto

auf dem Weg

zur Arbeit.

Andere – vor

allem junge

Leute – nutzen

es als vollwertiges

Sportgerät,

fahren

damit über kupiertes

Gelände

und powern sich aus, ergänzt der

Experte. Und wieder andere, vornehmlich

Menschen ab 50 Jahren,

setzten auf das Elektrofahrrad,

weil sie damit weiter kommen

als bisher und so Gegenden

erreichen, in die sie mit dem normalen

Fahrrad nie gelangt wären.

Dies unterstreicht auch Hans-

Michael Maurer vom gleichnamigen

Fahrradgeschäft im Bad

Überkinger Ortsteil Hausen. Er

verkauft mittlerweile „fast nur

noch“ Pedelecs (zu den Begrifflichkeiten

siehe Kasten rechte

Seite). Die Leute fahren mit dem

Elektrorad nicht mehr nur noch

zum Beispiel von Geislingen

Richtung Eybach oder zum Filsursprung

nach Wiesensteig.

„Jetzt geht’s nach Heidenheim,

Aalen, Münsingen, Tübingen

oder nach Wendlingen ins Neckartal.“

Den Besitzern von Elektrorädern

eröffnen sich ganz neue

Möglichkeiten, betont Maurer.

Inzwischen kauften nicht

mehr nur ältere Menschen solche

Räder; auch immer mehr jüngere

seien davon begeistert. Vor

Kurzem erst habe er sogar einem


E-FAHRRAD 5

Mit dem Elektro-Fahrrad lassen sich mühelos Steigungen bewältigen,

zum Beispiel auf den Löwenpfaden.

Je größer der Akku, desto weiter kommt man mit dem E-Fahrrad.

Fotos: Heike Siegemund

Neunjährigen ein Pedelec verkauft,

der zusammen mit seinen

Großeltern nahezu jedes Wochenende

eine Radtour unternimmt.

Auch wer mit dem Elektrorad

zum Einkaufen fahren will, habe

Vorteile: Aus Gesprächen mit

mehreren Frauen weiß Hans-

Michael Maurer, dass diese bisher

ihr konventionelles Rad nach

Der Spaßfaktor

ist einfach groß!

dem Einkaufen auf dem Nachhauseweg

„den Berg hoch geschoben

haben“. Unsinnig sei es

auch, mit dem Auto zum Sport

zu fahren, weil einem der Nachhauseweg

mit dem Rad zu anstrengend

ist. Auch von solchen

Fällen kann Maurer berichten.

Mit dem Elektrofahrrad sei dies

alles kein Problem mehr.

Der Preis für ein solches Rad

ist allerdings auch nicht ohne:

„Um einen vernünftigen Antrieb

zu haben, sollte man schon

2000 Euro investieren“, sagt

Maurer. Nach oben keine Grenzen.

Wer ein leichteres Modell

bevorzuge, müsse tiefer in die

Tasche greifen: „Wenn das Rad

20 statt 25 Kilo wiegt, kostet es

gleich 1000 Euro mehr.“

Doch das Gewicht spiele mittlerweile

keine allzu große Rolle

mehr – denn man wolle das Rad

in der Regel ja nicht tragen. Anders

sehe es bei Menschen aus,

die ihr Fahrrad erstmal vom Keller

nach oben holen müssen oder

die es oft auf das Auto verladen

wollen. Generell empfiehlt Maurer,

die unterschiedlichen Modelle

vor Ort im Radgeschäft auszuprobieren.

Je nach Akkugröße komme

man mit einem Pedelec zwischen

50 und 150 Kilometer weit; wobei

es auch auf den Fahrer und

seine Fahrgewohnheiten ankommt

und darauf, wie hoch man

die Unterstützung durch den

Motor einstellt. Auch die Temperatur

spiele eine Rolle: Im

Sommer komme man weiter als

in den kälteren Monaten.

Sich an der frischen Luft bewegen,

dabei etwas für die Gesundheit

und die Umwelt tun: Philipp

Reil und Hans-Michael Maurer

kennen die Vorteile, die ein Elektrofahrrad

bietet. Außerdem, ergänzt

Hans-Michael Maurer: „Der

Spaßfaktor ist einfach groß“.

E-Bike oder Pedelec?

Meistens wird von einem

E-Bike gesprochen, obwohl eigentlich

etwas anderes gemeint

ist – nämlich das Pedelec. Letzteres

fährt maximal 25 Stundenkilometer

(km/h). Ein E-Bike hingegen

ist bis zu 45 km/h schnell.

Bei einem Pedelec (Pedal Electric

Cycle) muss der Fahrer in die

*Erarbeitet von Team Oettle

Pedale treten, damit er vom

eingebauten Motor unterstützt

wird. Verkehrsrechtlich wird es

wie ein konventionelles Fahrrad

behandelt. Ein E-Bike-Fahrer

hingegen benötigt mindestens

eine Mofa-Prüfbescheinigung.

Ein E-Bike fährt, auch ohne dass

der Fahrer in die Pedale treten

muss.

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6 URLAUB

Eine Odysee

in Thailand

Reise Mitten in der Corona-Krise waren

drei Degginger auf Reisen. Sie erlebten eine

ungewollt aufregende Zeit.

Von Heike Siegemund

Diese Reise werden Markus

Schmid, sein Sohn

Patrick und dessen

Freundin Sarah Wolf

aus Deggingen nie vergessen:

Vom 11. bis 26. März – also zu der

Zeit, in der das Coronavirus begonnen

hat, Deutschland in seinen

Würgegriff zu nehmen – befanden

sich die drei in Thailand

und wollten eigentlich einen

schönen Urlaub erleben. Doch es

sollte anders kommen.

„Wir hatten uns zuerst schon

überlegt, ob wir überhaupt fliegen

sollen“, blickt Patrick Schmid

zurück. Doch er, seine Freundin

und sein Vater hatten sich auf entspannte

Wochen in der Sonne gefreut.

Also beschlossen sie zu fliegen.

„In den ersten drei, vier Tagen

war alles ganz normal“, erzählt

Patrick Schmid. Nur

Desinfektionsmittel stand häufiger

für die Besucher in Restaurants

und Geschäften bereit. Nach

und nach haben die Urlauber mitbekommen,

was sich Zuhause in

Deutschland abspielte: Schulen

und Kindergärten wurden geschlossen,

der Lockdown begann.

„Da dachten wir noch: Dann sind

wir ja zur richtigen Zeit weg.“

Doch plötzlich ging auch in Thailand

alles Schlag auf Schlag. Immer

mehr Geschäfte schlossen

ihre Pforten, die Strände wurden

gesperrt, die Mundschutzpflicht

wurde eingeführt, die Flughäfen

füllten sich mehr und mehr, weil

alle Touristen nur noch eines

wollten: nach Hause fliegen.

„Wir hatten uns früh abgesichert,

ob unser Flug wie geplant

geht“, erzählt Patrick Schmid.

Die drei wähnten sich in Sicherheit.

Doch etwa nach einer Woche

in Thailand ging per E-Mail

die Nachricht ein, dass der Flug

umgebucht wurde. „Da sind wir

dann nervös geworden“, sagt

Markus Schmid. Zwei Tage später

der Schockmoment: Der Flug

wurde storniert. Die Verwandten

und Freunde zuhause beruhigten

sie am Telefon, erinnert sich Sarah

Wolf. „Sie sagten: ,Ihr werdet

abgeholt, die Bundesregierung

kümmert sich‘.“ Doch die Angst

blieb: „Im Hotel zu sitzen und

nichts zu essen und trinken zu

haben – davor hatte ich Angst“.

Noch bevor der Flug storniert

worden war, hatten sich die drei

sicherheitshalber beim Auswärtigen

Amt gemeldet. Das

Problem war allerdings:

Rückholflüge gab es zunächst

nur für Pauschalreisende;

die Degginger hatten

ihren Urlaub aber auf eigene

Faust gebucht. Sorgen bereitebis

11. April befristet war: Die Thailänder

seien hier sehr streng, be-

te ihnen auch das Visum, das

tont Patrick Schmid. „Läuft das

Visum ab, drohen Strafen.“

Deshalb konzentrierten sie

sich nur noch auf eines: Fiebernethaft

stöberten sie im Internet,

um einen Flug von Phuket nach

Deutschland zu ergattern. Weil

die Nachfrage enorm war,

schnellten die Preise in die Höhe:

Sie kletterten von 2400 auf 3200

– und letztlich sogar auf 5700

Euro für ein Flugticket pro Person.

Irgendwann stießen die Urlauber

auf drei Tickets, die noch

zur Verfügung standen – doch

dann funktionierte die Kreditkarte

nicht mehr, und schon kurze

Zeit später waren auch diese

Tickets vergeben.

Zuhause fieberte auch Sandra

Bosch aus Bad Ditzenbach, eine

Freundin von Markus Schmid,

mit den Urlaubern mit. Sie ist

Kirchenpflegerin der katholischen

Kirchengemeinde Heilig

Kreuz Deggingen und erfuhr von

Pfarrer Andreas Ehrlich, dass es

in Bangkok die deutschsprachige

katholische Gemeinde Sankt

Marien gibt. Mit dem dortigen

Pfarrer Jörg Dunsbach sollten

sich die Urlauber in Verbindung

zu setzen – so lautete der Ratschlag

aus der Heimat. Also haben

sie Pfarrer Dunsbach geschrieben.

„Und kurze Zeit später

klingelte das Telefon.“ Es

stellte sich heraus, dass Pfarrer

Dunsbach zwischen der deutschen

Botschaft in Bangkok und

dem Auswärtigen Amt in Berlin

für in Thailand gestrandete Touristen

vermittelte und deshalb

alle Informationen aus erster

Hand erhielt. Sein dringender

Rat lautete: sofort nach Bangkok

fliegen – sonst gibt es keine

Chance mehr.

Schnell buchten sie in einem

Reisebüro einen Flug. Und was

sie dann am Flughafen in Bangkok

erwartete, „war der Horror“,

erzählt Markus Schmid. „Tausende

Europäer suchten Flüge nach

Hause – verzweifelt, entnervt. Da

haben sich Dramen abgespielt.“

Ein Mann habe bitterlich geweint:

Er hatte sieben Flüge

gebucht, fünf davon waren bereits

wieder storniert worden;

auf den Kosten blieb er

sitzen. Eine türkische Fami-

lie aus Deutschland befand

sich bereits den dritten

Tag in Folge am Flughafen

– doch weil sie keine

deutschen, sondern türkische

Pässe besaßen, er-

hielten sie keine Flüge nach

Deutschland, erzählt Patrick

Schmid.

Nun galt es, Ruhe zu bewahren,

auch wenn man innerlich

panisch war: Die Degginger teilten

sich auf und hofften an den

Schaltern unterschiedlicher

Fluggesellschaften auf ihr Glück.

Am Schalter von Thai Airways

musste man eine Warte-Nummer

ziehen, „wir hatten die 263“,

erinnert sich Markus Schmid.

Das Glück kam schließlich in

Form eines Einheimischen zu Patrick

Schmid. Dieser habe ihn angesprochen

und gefragt, ob er

Flüge nach Deutschland suche.

„Das kam mir unseriös vor“, sagt

der Degginger. Aber in der Not

sei er mit dem Thailänder mitgegangen.

Er habe ihn „ins letzte

Eck“ des Flughafens zu zwei

Frauen vor Computern geführt.

„Sie fragten, wohin genau ich


URLAUB 7

eine Glückssträhne trotz des

Nervenkriegs: Nach zwei Stunden

auf dem Flughafen hatten wir

Tickets“, kann er es immer noch

nicht fassen.

Der Flug ging schließlich am

nächsten Tag um Mitternacht.

Bis dahin waren noch 32 Stunden

zu überbrücken. Pfarrer Dunsbach

empfahl den Deggingern

ein Hotel direkt gegenüber des

Flughafens. Am nächsten Morgen

beim Frühstück rief der Pfarrer

an und warnte: „Geht spätestens

um 14 Uhr zum Flughafen.“

Denn Thailand bereitete Ausgangssperren

in den Hotels vor.

Schließlich die Erlösung:

Nach langen

qualvollen Stunden

des Wartens am Flughafen

saßen die drei

Degginger (übrigens

just an dem Tag, für

den die Abreise auch

ursprünglich geplant

war) im Flugzeug gen

Heimat. In München

gelandet, „haben wir

nochmal geheult“, erzählt

Markus Schmid. Und sein

Sohn ergänzt: „Wir waren alle

grauenhaft fertig“.

Was nun nach dieser ungewollt

abenteuerlichen Zeit

bleibt, ist eine spezielle Erkenntnis:

„Thailand ist toll –

aber nicht so“.

will und wann. Ich antwortete:

Egal an welchen Flughafen in

Deutschland, so schnell wie

möglich“. Die Frauen boten Patrick

Schmid schließlich drei

Restposten-Direktflüge nach

München für jeweils 1400 Euro

an. Über Whatsapp verständigte

er seine Freundin und seinen Vater.

Innerhalb von zwei Minuten

war es entschieden: Das Limit

der Kreditkarte reichte gerade so

– die drei gingen das Risiko ein

und buchten. Am offiziellen

Schalter von Thai Airways erkundigten

sie sich anschließend, ob

sie tatsächlich auf der Passagierliste

standen. „Als die Frau das bestätigte,

haben wir geheult“, erinnert

sich Markus Schmid. „Es war

In den ersten Tagen konnten die drei Degginger ihren Urlaub in Thailand noch genießen. Doch dann

kam alles anders. Auf diesem Foto sieht man, dass zahlreiche Flüge storniert wurden.

Fotos: privat / Heike Siegemund

Das Geld für die Flugtickets,

die die drei Degginger ursprünglich

für den Rückflug gebucht

hatten, haben sie nicht erstattet

bekommen. „Aber wir haben

Gutscheine bei der Fluggesellschaft

dafür erhalten“, sagt Patrick

Schmid. Auch der Arbeitgeber

von Markus Schmid, eine

Versicherungsgesellschaft, half

ihm bei der Suche nach Flugtickets

von Thailand nach

Deutschland. Auf diese Weise

hätten Markus Schmid, sein

Sohn und dessen Freundin drei

Tickets für jeweils 400 Euro erhalten;

mit Zwischenstopp Helsinki

nach Frankfurt. Zu dieser

Zeit hatten die Degginger aber

schon die Direktflüge nach München

für 1400 Euro pro Ticket

gebucht. Im Nachhinein ein

Glücksfall: „An dem Tag, an dem

wir in München gelandet sind,

hat Helsinki den Transit dicht

gemacht“, erzählt Markus

Schmid. „Hätten wir uns für die

günstigeren Tickets entschieden,

wären wir in Helsinki gestrandet.“

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8 ORTSNAMEN

Werner Staudenmaier aus Nellingen präsentiert den 1974

von der Landjugend Nellingen gebastelten Rettich, der

bis heute beim Rettichball als Dekoration in der Festhalle

angebracht wird.

Foto: Heike Siegemund

Von den Nudeln

und den Rettichen

Serie Viele Gemeinden haben einen Neck- oder Spitznamen. Die Bezeichnungen für

Merklingen und Nellingen sind kulinarischer Art. Von Heike Siegemund

Warum werden die

Nellinger als Rettiche

bezeichnet und

die Merklinger als

Nudeln? Während diese Frage

für Letztere einfach beantwortet

werden kann, sucht man in Nellingen

vergebens nach einer genauen

Erklärung. Nicht einmal

Werner Staudenmaier kennt die

Hintergründe für den Spitznamen

seines Heimatdorfes auf der

Alb. Und wenn er es nicht weiß

– so die Aussage aller, die die GZ

zum Thema befragt hat, – dann

weiß es keiner so genau.

Tatsächlich kennt sich Werner

Staudenmaier sehr gut aus in der

Ortshistorie Nellingens. Er ist

Hobbyhistoriker, hält Vorträge

bei Albvereins-Hüttenabenden,

bietet Führungen durch den Ort

an und brachte vor wenigen Jahren

ein Heft mit den wichtigsten

Ereignissen aus „50 Jahren Nellinger

Mitteilungsblatt“ heraus.

„Alles, was es an Literatur über

Nellingen gibt, habe ich durch“,

sagt er. Doch nirgends werde detailliert

auf die Bezeichnung

„Rettiche“ oder auch „Rettichschwänz‘“

eingegangen. Nur im

Nellinger Heimatbuch gibt es einen

kurzen Absatz zum Spitznamen.

So ging über die früheren

Dienstboten, die bei den Bauern

beschäftigt waren, ein Spruch

um: „En Nellinga wollat se schaffa,

in Merklinga essa und in

Machtolsheim heirata“. Eine nähere

Erklärung dazu gibt es nicht,

„aber es geht wohl um die Qualität

des Essens“, mutmaßt Werner

Staudenmaier.

Eine andere

Überlegung

stellt

Staudenmaier

mit Blick

auf die

Kirchtürme

Nellingens

und

Merklingens

an: Der Kirchturm seiner Heimatgemeinde

sei spitz, während

der in Merklingen eher eine

Nudelform habe.

Auch Nellingens Bürgermeister

Christoph Jung, seit Jahresanfang

im Amt, weiß nicht genau,

warum „seine“ Gemeinde

diesen Spitznamen hat. „Auch

wenn ich bei langjährigen oder

hier geborenen Einwohnern

nachfrage, ernte ich oft erstaunte

Blicke“, betont er. „So ist es ja

oft: Man verwendet einen Begriff

und nimmt ihn als selbstverständlich

an, kennt aber dessen

Herkunft nicht.“ Den Namen

„Rettiche“ dürfe man wahrscheinlich

nicht zu wörtlich nehmen.

„Oft haben Begriffe einen

historischen

Bezug und

werden dann

in unsere

moderne

deutsche Sprache

übertragen.“

Viele

Jahre habe

er in Crailsheim

gelebt,

das als Horaffenstadt

bezeichnet

wird.

„Wer käme darauf, dass der

Horaff ein Gebäck ist?“

Sicher sei, dass der „Rettichball“

alljährlich ein wichtiger

Termin in der Fasnetszeit vor allem

für die jüngeren Nellinger

sei. Das bestätigt Werner Staudenmaier.

Er zeichnet übrigens

mitverantwortlich für den Namen

dieses Faschingsballs. Als

junger Mann gehörte er dem Vorstand

der Landjugend an. Damals

habe man festgestellt, dass der

Faschingsball keinen Namen hat.

So wurde 1974 der erste „Rettichball“

geboren. Die Landjugend

um Staudenmaier bastelte sogar

einen zwei Meter langen Rettich,

der seither jedes Jahr – bis heute

– als Dekoration an der Decke

der Festhalle angebracht wird.

Für das Nellinger Dorffest

wird der Spitzname auch aufgegriffen:

Als Spezialität werden

dann Rettichbrote angeboten.

Und ein „Rettichcenter“ gibt es

übrigens auch: Es handelt sich

dabei um das Wohn- und Geschäftshaus

in der Ortsmitte.

„,Wohn- und Geschäftshaus‘ ist

eine geschwollene Redewendung

für einen Schwaben. Und wenn

alle schon ein Center haben wie

das Blautalcenter oder das Nel

Mezzo, dann wollen wir das

auch, mag sich ein findiger Nellinger

gedacht haben“, sagt Staudenmaier.

Selbst im Gemeinderat

habe diese Bezeichnung

schnell Einzug in den Sprachgebrauch

gehalten.

Und warum heißen die

Merklinger Nudeln? Ganz einfach:

Die Merklinger haben ein

Gebäck, ein Kastenbrot, das

„weltweit das erste und beste

ist“, schwärmt Jakob Salzmann

aus Merklingen schmunzelnd.


ORTSNAMEN 9

Der Kirchturm von Merklingen (links) hat eher eine Nudelform,

während der Nellinger Kirchturm spitz ist, überlegt Werner Staudenmaier.

Fotos: Heike Siegemund / privat

Dieses Gebäck mit seiner schönen

Kruste wird als Nudel bezeichnet.

Früher hatten die Backfrauen

sonntags vor dem Gottesdienst

die Merklinger Nudel in

den Ofen geschoben. „Nach

45 Minuten sollte sie wieder

raus. Deshalb durfte der Pfarrer

nicht länger predigen“, weiß

Bürgermeister Sven Kneipp zu

berichten. Noch immer werde

die Nudel gerne und regelmäßig

gebacken – auch im neuen Backhaus

Merklingens.

Kneipp findet, dass es „viel

schlechtere“ Spitznamen für einen

Ort gibt. Und er scheint der

Nudel regelrecht verfallen zu

sein: „Ich liebe die Nudla. Am

besten mit Gsälz oder Nutella!“.

Selbst hat er das Brot noch nie

gebacken. Als Reigschmeckter

könne er das sowieso „nie so gut

wie unsere Backfrauen“. Die

Merklinger seien mit ihrer Spezialität

in der Region bekannt:

„Wenn es die Nudel zum Verkauf

gibt, finden sich auch viele Auswärtige

in der Schlange vor dem

Verkaufsstand“.

In vielen Häusern in Merklingen

gibt es sonntags anstatt

Spätzle nach wie vor die Nudel

zum „Eibrogga en d‘ Soß“, wie

Jakob Salzmann sagt. Und auch

das Dorffest sei ohne die Nudel

nicht vorstellbar.

Rezept für die Merklinger Nudel

Auch Katharina Weberruß

gehört zu den Merklingern,

die regelmäßig die Merklinger

Nudel backen.

Ihr Rezept für zwei Nudeln:

1 kg Mehl

1 gehäufter TL Salz

1 EL Schweineschmalz

1 Liter Milch

1 Päckle Hefe

Aus den Zutaten einen Hefeteig

herstellen. „Gut aufschlagen,

bis der Teig schön glatt ist“, sagt

Katharina Weberruß. Dann zwei

Formen (zum Beispiel Kastenformen)

ausreichend einfetten,

damit das Brot später eine

schöne Kruste hat.

Bei 200 Grad eine Stunde

backen.

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10 HEILIGS BLECHLE

Unterwegs mit dem

Kult-Bulli von 1957

Automobil Tobias Rother aus Oberdrackenstein fährt einen T1 Bulli mit originaler

Lackierung. Das Fahrzeug ist sein treuer Begleiter bei Ausflügen und Reisen.

Von Patricia Jeanette Moser

Die Geschichte des T1

reicht weit zurück bis in

die Zeit kurz nach dem

Zweiten Weltkrieg. Ursprünglich

als Transportfahrzeug

entwickelt, erfuhr der Kleinbus

zahlreiche Entwicklungsstufen

und ist gegenwärtig ein absolutes

Kultfahrzeug.

Dem Ursprungsmodell T1

folgten die Modelle T2 und T3.

Der 35-jährige Tobias Rother aus

Oberdrackenstein ist gelernter

Kfz-Mechaniker. In seinem Blut

scheint naturgegeben Benzin zu

fließen. Bereits mit 17 Jahren

kommt er in den Besitz seines

ersten Oldtimers, eines Opel Ascona

B. Als Auszubildender bei

Opel Baumann in Gosbach war

der Blick zunächst auf diese Automarke

gerichtet. Doch dies

sollte nicht so bleiben. „Es kamen

noch viele Autos hinzu, wie der

T3, T2 und dann der T1, das

Kult-Auto von Volkswagen“, sagt

der 35-Jährige.

Im Oktober 2017 kaufte sich

Tobias Rother seinen T1 VW-

Bulli bei einem Händler in Bayern.

Das US-Modell stammt ursprünglich

aus dem Bundesstaat

Arizona. „Der Anschaffungspreis

war erschwinglich für mich“,

erinnert sich Tobias Rother,

der seinen Oldtimer dann im Alleingang

in der Garage restaurierte.

Das technische Know-How

dazu besitzt er als Kfz-Mechaniker

ohnehin. Als langjähriger

Mitarbeiter bei einem Porsche-Restaurationsbetrieb

gelan-

Fotos: Patricia Jeanette Moser


HEILIGS BLECHLE 11

gen ganz besondere Wagen in

seine Hände – beste Voraussetzungen

für die Restauration des

eigenen Oldtimers, des T1 Bulli

aus dem Jahr 1957.

Die Originallackierung mit all

ihren Blessuren hat Tobias Rother

absichtlich so belassen. Dieser

Retro-Look gefällt ihm und

verleiht dem Oldtimer seine ganz

eigene Authentizität. Einmal im

Jahr erhält der T1 eine kosmetische

Ölpflege. „Das erhält und

pflegt den Lack, die Patina, den

ganz besonderen Look, den ich

so schätze“, schwärmt Tobias Rother,

der nicht nur in diesem

Punkt genau weiß, was er will.

Originalität bewahren und

gleichzeitig die sicherheitstechnischen

Dinge optimieren – so

lautet seine Devise. Die Stunden,

die er in den Oldtimer investiert

hat, sind für ihn eine genussvolle

Zeit, die nicht mit Geld zu beziffern

sind.

Ebenfalls genussvoll wird der

längst fertig restaurierte VW-Bus

für Ausflüge und den Urlaub genutzt.

Ein Blick ins Innere des T1

Bulli offenbart eine praktische

und ästhetische Campingausstattung.

Bei den Sitzen fällt sofort

das aufgearbeitete Leder auf. Einige

Schränkchen dienen als

praktischer Stauraum. Eine Lichtergirlande

geht rundum und

lässt erahnen, wie romantisch es

am Abend im T1-Inneren sein

kann. Auf der Dachreling befindet

sich ein Sonnensegel.

Mit wenigen Handgriffen sind

Liegestühle aufgestellt, und der

Aufenthalt am Ziel kann beginnen.

Tobias Rother und seine

Ehefrau Andrea lassen sich reisend

gerne treiben. Geschwindigkeit

spielt hier keine Rolle. Sie

fahren bevorzugt auf Landstraßen

und entdecken dabei Land

und Leute. Bei schlechtem Wetter

ziehen die beiden einfach

weiter – der Sonne entgegen.

Italien, Slowenien und Kroatien

waren dabei schon ihre Ziele.

Der Kult-Oldtimer bringt Andrea

und Tobias Rother mit seinen

40 bis 50 PS die steilsten Pässe

hinauf. „Ich bin schon mal eine

halbe Stunde im ersten Gang gefahren“,

erinnert sich Tobias

Rother lachend.

Das erhält

und pflegt

den Lack, die

Patina, den ganz

besonderen

Look, den ich so

schätze.

Der originale Okrasa-Motor

wurde von ursprünglich 30 auf

40 bis 50 PS optimiert. Zum Zeitpunkt

des Kaufes war der Motor

komplett kaputt. Dieser und die

Ölkühlanlage sind nun technisch

auf modernstem Stand. Vieles am

Oldtimer wurde original belassen.

Mit Blick auf die H-Zulassung

wurde die Sicherheitsrelevanz

berücksichtigt. Oldtimer

tragen das begehrte „H“ im

Kennzeichen, wenn das Fahrzeug

wenigstens 30 Jahre alt ist. Dies

bezieht sich auf die Erstzulassung.

Tobias Rothers T1 erfüllt

hier alle Voraussetzungen und

besitzt sogar eine „Geburtsurkunde“.

Vom VW-Museum ausgestellt,

dokumentiert die Urkunde

den Ist-Zustand von 1957

und somit dessen Originalität.

„Die Motorblocknummer und

die Fahrgestellnummer müssen

passen“, erklärt Tobias Rother

dazu.

Zu den Besonderheiten seines

T1 zählen die schmale Heckscheibe

und die Einkammer-Rückleuchten.

Die aufgeschraubten,

vom Blech abstehenden

„Warzenblinker“ und

das „Safari-Aufklapp-Fenster“,

wie die Frontscheibe genannt

wird, sind weitere Hingucker,

original aus dem Jahr 1957. Behutsame

zehn Zentimeter hat er

sein Fahrzeug tiefer gelegt, was

dem Wagen ein sportlicheres

Aussehen verleiht.

Beim Oldtimer-Treffen im

Rahmen des „Kandeltreffs“ in

Gosbach zeigte Tobias Rother im

Juli 2019 stolz seinen T1. Bei

Fachgesprächen erläuterte er

den Bewunderern seines Wagens

unter anderem, dass die

herkömmliche Lenkung umgerüstet

wurde auf eine Zahnstangenlenkung.

Umgebaut als direktere

und sichere Lenkung trägt

diese Technik den H-Vorgaben

nach wie vor Rechnung und

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macht das Fahren leichter und

zeitgemäßer. Die Radkästen, die

dem US-Markt entsprachen, waren

für sehr große und breite

Reifen gemacht. Das hat Tobias

Rother wieder zurückgebaut.

Die Leidenschaft für den VW-

Bus scheint Tobias Rother richtig

gepackt zu haben. Erst vor

kurzem erwarb er noch einen

T3. Diese Gelegenheit ließ er

nicht ungenutzt. Und schon waren

auch Reisepläne gemacht.

Nach Irland sollte es gehen

mit diesem Bulli-Modell. Doch

es sollte anders kommen: Corona

wirbelte die Reisepläne

durcheinander. Für den T3 gibt

es nun bereits Interessenten;

wahrscheinlich wird er demnächst

wieder verkauft. Doch

der T1 wird das Haupt-Oldtimer-Schätzchen

im Hause

Rother bleiben – den würde

Tobias Rother nie verkaufen.

Denn hier „steckt zu viel Herzblut

und Energie drin“.

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BLUMEN


12 STRAUSSENZUCHT

Ein Hauch

von Afrika in

Steinenkirch

Tiere Strauße sind Exoten auf der Schwäbischen Alb. Die Straußenherden am Lindenhof

zwischen Steinenkirch und Böhmenkirch sind Magnete für Familien. Von Claudia Burst

Stolz schreitet der Straußenhahn

über seine

Weide. Sein Schnabel

sieht aus, als hätte ein

Kind Lippenstift aufgetragen.

Auch die Vorderseite seiner Unterschenkel

leuchtet rot. „Das bedeutet,

dass er brünftig ist“, erzählt

Henrike Bosch.

Vor 14 Jahren hat sich ihr Mann

Michael die ersten Strauße zugelegt.

Seitdem sind die Herden

stetig gewachsen. Über 300 der

afrikanischen Vögel – eine Kreuzung

aus Blau- und Schwarzhalsstraußen

– bevölkern inzwischen

die Weiden rund um den Aussiedlerhof

Lindenhof, der sich

zwischen Steinenkirch und

Böhmenkirch befindet. Bis zu

2,30 Meter hoch werden die ausgewachsenen

Tiere.

Der stolze Hahn ist einer von

zwei etwa sechsjährigen Straußenmännchen,

die zusammen

mit sieben gleichaltrigen Hennen

in Boschs Straußen-Zuchtgruppe

leben. Er sorgt mit seinem

Kollegen erfolgreich für Nachwuchs.

Das beweisen die Küken,

die seit Mai bei schönem Wetter

ihre eigene Weide bevölkern und

voller Neugier an allem picken,

was interessant

und

irgendwie

essbar

aussieht.

„Er und der

andere

Hahn sitzen

zwischen

April und Juli täglich drei bis

viermal auf einer Henne, um die

Eier zu befruchten“, weiß Henrike

Bosch. In der Natur seien es

auch eine Haupt- und mehrere

Nebenhennen, die ihre Eier in

einem Gelege sammelten. Die

Haupthenne und der Hahn legen

mit dem Brüten erst los

(die Henne tagsüber,

der Hahn nachts), wenn das Nest

voll ist. So ist es auch auf der

Straußenfarm Lindenhof – nur

dass Henrike Bosch die Eier täglich

einsammelt. Ihr Mann bringt

sie dann in einer dafür selbst gebastelten,

mit Schaumstoff ausgekleideten

Kiste nach Leipheim

zu einem spezialisierten Straußen-Landwirt,

wo sie kontrolliert

in einem Brut-Automaten ausgebrütet

werden. „Die Eier werden

nach sieben Tagen mit Rotlicht

durchleuchtet. Erst dann kann

man erkennen, ob sie tatsächlich

befruchtet sind“, berichtet

Bosch.

Die Strauße auf der Alb wirken

das ganze Jahr über wie ein

Besuchermagnet. Wenn dann ab

Mai auch noch alle zwei Wochen

neue Küken dazukommen, sind

täglich viele Besucher bei der

Straußenfarm und beobachten

die exotischen Tiere. „Vor allem

während der Corona-Schließungsmaßnahmen

pilgerten Eltern

mit Kindern zu uns, weil das

Beobachten ohne Kontakt zu anderen

möglich ist“, erzählt Henrike

Bosch. Die beiden Straußenmännchen

in der Zuchtgruppe

kämen „verblüffend gut“ klar


STRAUSSENZUCHT 13

miteinander; da gebe es kaum Rivalitäten.

Dabei seien geschlechtsreife

Straußenmännchen

nicht ungefährlich

und aggressiv.

„Ihre Krallen

sind so scharf,

dass sie einen

Menschen von

oben bis unten

mit einem

Tritt aufschlitzen

können“,

verdeutlicht

sie. Immer wieder

mal höre

man die geschlechtsreifen

Hähne einen Schrei

ausstoßen. „Das

klingt, wie wenn ein

Löwe brüllt. Ihr Hals wird dabei

fast doppelt so dick wie normal.“

Henrike Bosch kennt viele solcher

Details. Wenn nicht gerade

ein Virus das soziale Leben

lahmlegt, erzählt sie diese den

Besuchern bei Gästeführungen,

die gebucht

werden können. „Da

stellen sich bei

manchen die Nackenhaare

auf,

und sie machen

automatisch

einen Schritt

weg vom

Zaun.“ Sie freut

sich über das

Interesse der

Besucher an den

Vögeln – nicht zuletzt

deswegen, weil

viele dann auch als

Kunden in ihr Hoflädle

kommen, in dem sie

Ein Straußen-Ei, kunstvoll

bemalt von der Lautersteiner

Künstlerin Annemarie Vossler.

nicht nur Fleisch und Wurst vom

Strauß anbietet, sondern auch

Straußenfedern und -eier.

Einige leere Eier sind

sogar als Kunstwerke

erhältlich. Annemarie

Vossler aus

Lauterstein hat sie

von Hand bemalt –

auch mit Motiven aus

der Region.

Bis auf die Zuchtgruppe,

die jahrelang als solche zusammenbleibt,

werden die

Tiere geschlachtet, bevor sie

geschlechtsreif werden, also

mit etwa zwei Jahren. Das

geschieht bei einem Spezialisten

in Leipheim.

Straußenfleisch ist wegen

seines geringen Cholesterinund

Fettgehalts, aber vor allem

wegen seines

Geschmacks sehr

gefragt.

Die Produkte aus der

Straußenfarm Lindenhof

werden im dortigen

Hoflädle verkauft sowie

unter anderem in der Stuttgarter

Markthalle und in

Gerstetten bei Edeka Dörflinger.

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Im selbst gebastelten Transportkarton werden die Eier vorsichtig

zum Ausbrüten nach Leipheim transportiert – hier präsentiert von

Henrike Bosch.

Fotos: Claudia Burst

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14 AUSFLÜGE

Die Schönheit

der Region

Ferien Durch Corona sieht der Urlaub dieses Jahr anders aus, viele

bleiben Zuhause. Doch auch die Region hat einiges zu bieten – eine

kleine Auswahl unter vielen besonderen Wanderungen und Zielen.

Herrenbachstausee

Rund um den Herrenbachstausee

im Schurwald

bei Adelberg führt

ein Walderlebnispfad,

der sich besonders für einen Familienspaziergang

eignet. Start

ist am Parkplatz bei der Herrenmühle.

Von dort aus führt ein

drei Kilometer langer geschotterter

und kinderwagentauglicher

Weg um den See.

An zwölf Stationen erhalten

Kinder spielerisch und unter Einbindung

der Sinne Informationen

über Wald und Tiere. Es gibt

einen Barfuß-Pfad, und unterwegs

trifft man sogar auf einen

großen Drachen aus Holz und

weitere mystische Figuren.

Quelle: Homepage kinder-spielzeit.de

Der Filsursprung

Fotos: Heike Siegemund

Der Filsursprung bei Wiesensteig

ist ein malerisches

Fleckchen Erde,

das reinste Paradies –

für Kinder und Erwachsene, die

eine schöne Radtour oder Wanderung

unternehmen wollen.

Mitten im Grünen im herrlichen,

idyllisch gelegenen Hasental

entspringt die Fils, die hier

noch eher als Flüsschen daherkommt

und sich in dem engen

Tal nach Wiesensteig schlängelt.

Am Filsursprung gibt es eine

Grillstelle. Kinder können ausgelassen

im Wasser planschen.

Zwei jeweils 1,5 Kilometer lange

Fuß- und Radwege führen

vom Parkplatz Papiermühle aus

zum Filsursprung: ein Trampelpfad,

der westlich der Fils entlang

zum Ursprung des Flusses

führt, und ein größerer, östlich

verlaufender geschotterter Weg.

hei


AUSFLÜGE 15

Helfenstein und Ödenturm

Immer einen Ausflug wert

sind die beiden Wahrzeichen

Geislingens: die Burgruine

Helfenstein und der Ödenturm.

Von hier aus bietet sich ein

herrlicher Blick auf die Fünftälerstadt.

Die Stammburg der Helfensteiner

war um das Jahr 1100

erbaut worden. Nach dem Verkauf

der Grafschaft an Ulm wurde

der Helfenstein zur Festung

ausgebaut. Trotzdem nahmen

1552 Truppen des Markgrafen

von Brandenburg-Kulmbach die

Burg ein. Nach der Rückeroberung

durch die Ulmer wurde

die Burganlage abgebrochen.

Erst in den 30er-Jahren des

20. Jahrhunderts hat man Grundmauern

frei gelegt und eine

Grundrissanlage wiederhergestellt.

Der 33 Meter hohe Ödenturm

wurde um 1400 zum Schutz

der tiefer liegenden Burg Helfenstein

erbaut. Nach der Schleifung

der Burg im Jahr 1552 blieb der

Ödenturm Wachturm. Heute

dient er als Aussichtsturm.

Quelle: Homepage Stadt Geislingen

Löwenpfad Ave-Weg

Kilometer langen Strecke erhalten

Ausflügler an zahlreichen

Schautafeln Informationen zu

Geologie, Geschichte, Nutzungsund

Kulturformen sowie Pflanzen-

und Tierwelt an der Limburg.

Es wird auch auf die Besonderheiten

dieser Erhebung des

schwäbischen Vulkanismus eingegangen,

auf der einst das

Hochadelsgeschlecht der Zähringer

eine Burg hatte.

Quelle: Homepage Gemeinde Weilheim/Teck

Löwenstarkes Wanderglück“

bieten die neuen

Löwenpfade im Kreis

Göppingen. Einer davon

ist der Ave-Weg zwischen Deggingen

und Bad Ditzenbach. Die

rund 8,5 Kilometer lange Tour

startet unterhalb der Wallfahrtskirche

Ave Maria und führt entlang

des Franziskuspfads über

Alt Ave hoch auf die Albhochfläche.

Vom Kilianskreuz aus hat

man den ersten traumhaften

Blick hinab ins Filstal. Der Weg

führt weiter immer der steilen

Traufkante entlang bis nach

Berneck.

Foto: Alexander Jennewein

Kurz darauf erreicht man die

Buschelkapelle, die innerhalb der

abgegangenen Burg Berneck

steht. Im Anschluss geht es nach

gemütlichem Marsch am Trauf

entlang zum „Affenbaum“ mit

herrlichem Blick auf die Wallfahrtskirche

Ave Maria und die

Nordalb mit ihrem Hutewald.

Über den Oberbergfels mit weiteren

Ausblicken in das Goißatäle

und steil hinab erreicht man

wieder den Ausgangspunkt.

Quelle: Homepage Löwenpfade

Limburg

Von Obstwiesen ummantelt,

das Haupt mit Heideflächen

bedeckt und

dazwischen ein Gürtel

aus Wald, Gebüsch und Reben:

Die Limburg prägt mit ihrer markanten

Gestalt das Vorland der

Schwäbischen Alb bei Weilheim/

Teck. Mit knapp 598 Metern über

Meeresspiegelniveau erreicht die

Limburg fast die Höhe des nahe

gelegenen Albtraufs.

Ein Natur- und Kulturlehrpfad

führt durch die Streuobstwiesen

der Limburg. Auf einer rund drei

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16 EHRENAMT

Ein Leben

für die Natur

Porträt Sigrid Erhardt aus Aufhausen ist die erste Frau, die als

Präsidentin an der Spitze des Landesverbands für Obstbau, Garten

und Landschaft Baden-Württemberg steht. Von Heike Siegemund

Sigrid Erhardt erinnert

sich noch genau an die

Begrüßung bei der Vorstandssitzung

des Landesverbands

für Obstbau, Garten

und Landschaft (LOGL) Baden-

Württemberg, der sie als Vorstandsmitglied

zum ersten Mal

beiwohnte: „Meine sehr verehrten

Herren – ach ja, und Damen“.

Die Gremien seien damals männerdominiert

gewesen. Sie selbst

ist die erste Frau, die seit 2018 als

Präsidentin an der Spitze des

LOGL steht.

Noch heute komme es ab und

an vor, dass manche denken, sie

sei in der LOGL-Geschäftsstelle

angestellt. „Sie können es sich

nicht vorstellen, dass eine Frau

Präsidentin ist“, wundert sich die

Aufhausenerin. Doch sie scheint

drüber zu stehen. Um sich zu

ärgern, macht ihr ihre ehrenamtliche

Tätigkeit viel zu viel

Spaß.

Sigrid Erhardt ist sozusagen in

den Landesverband „reingewachsen“,

wie sie selbst sagt. Ihr

Mann, der 2003 überraschend

verstarb, war Vorsitzender des

Kreisverbands Göppingen der

Obst- und Gartenbauvereine

(OGV) und Vorstandsmitglied

des LOGL. „Für seine Ämter

habe ich ihm immer alles vorbereitet.

Er musste zu den Veranstaltungen

nur noch seine fertig

gepackte Tasche mitnehmen“, erzählt

die Aufhausenerin schmunzelnd,

die ihren Mann oft zu den

Terminen begleitete.

Sie selbst ist seit 1983 beim

OGV Aufhausen tätig, wurde

dort bald Vorstandsmitglied und

ist seit 2005 Vorsitzende. Seit

Mein Garten

ist für mich

sehr wichtig – zur

Erholung und als

Versuchsfeld.

2002 darf sie sich Geschäftsführerin

des Kreisverbands Göppingen

der OGV nennen. Sie ist also

schon „viele Jahre in der Materie

drin“. Weil sie sich in den

Gremien sehr wohlfühlt, war für

sie nach dem Tod ihres Mannes

klar, dass sie weitermachen will.

So übernahm sie 2004 den Posten

ihres Mannes als Vorstandsmitglied

des LOGL für die Region

Stuttgart. Dann stieg sie auf

und hatte von 2016 bis 2018 das

Amt der Vizepräsidentin inne.

Als 2018 der Präsident verstarb,

übernahm sie kommissarisch bis

zur offiziellen Wahl das Präsidentenamt

– um dann kurze

Zeit später von den rund 200

Delegierten bei der Hauptversammlung

einstimmig gewählt

zu werden.

Dass sie eine so große Akzeptanz

genießt, freut Sigrid Erhardt

natürlich. „Da war ich schon von

den Socken.“ Sie hält aber auch

nicht damit hinterm Berg, dass

dies an ihrer fachlichen Versiertheit

liegt. Normalerweise wird

der LOGL-Präsident (oder die

Präsidentin) für vier Jahre gewählt.

Weil Sigrid Erhardt aber

aufgrund des Todes des früheren

Präsidenten außerhalb des normalen

Turnus gewählt wurde,

stehen dieses Jahr schon die

nächsten Wahlen statt: Dann

wird sich Sigrid Erhardt wieder

zur Wahl stellen.

Bis dahin will sie zusammen

mit dem Landesgeschäftsführer

noch ein Projekt verwirklichen:

den Bau eines Bildungszentrums

außerhalb der Stadt Stuttgart.

Dort soll der künftige Sitz der

Geschäftsstelle entstehen. Außerdem

sollen Tagungen stattfinden

sowie eine Streuobstwiese

und ein Lehrgarten angelegt

werden.

Ihre Aufgaben als Präsidentin

sind vielfältig: Sie darf bei Veranstaltungen

in ganz Baden-

Württemberg verdiente Mitglieder

ehren und bei Vereinsjubiläen

die Festrede halten. Außerdem

obliegt ihr die Leitung der

jährlichen LOGL-Mitgliederversammlung.

Sie hält Kontakt

zu den staatlichen Lehr- und

Versuchsanstalten im Land –

auch um die beiden Ausbildungen

zum LOGL-geprüften Fachwart

und Obstbaumpfleger zu

koordinieren (hier sitzt sie im

Prüfungsausschuss, beide Ausbildungen

hat sie natürlich auch

selbst durchlaufen). Ein wichtiger

Partner seien auch die Kreisfachberater

bei den jeweiligen

Landwirtschaftsämtern, die die

Aus- und Fortbildungen begleiten.

Auch Kontakte zu staatlichen

Institutionen wie zum

Ministerium ländlicher Raum

und Verbraucherschutz sowie

zum Umweltministerium seien

für den LOGL elementar. „Wir

treffen uns einmal im Jahr

und besprechen Themen, die für

uns wichtig sind“, berichtet Sigrid

Erhardt. Im vergangenen Jahr

sei dies das Volksbegehren

„Rettet die Biene“ gewesen.

„Hier waren wir stark involviert“,

sagt sie mit Blick auf das Eckpunktepapier,

das schließlich

entstand.

Auch mit den Regierungspräsidien

arbeite der LOGL zusammen.

Zum Beispiel gehörte Sigrid

Erhardt bereits mehrere Male

der Kommission zur Bewertung

beim Schulgartenwettbewerb an.

Drei Mal war sie darüber hinaus

Mitglied der Landeskommission

zur Bewertung im Rahmen


EHRENAMT 17

Info

Sigrid Erhardt besitzt in

Aufhausen einen wunderschönen,

0,4 Hektar großen

Garten mit ländlichem

Charakter.

Hier findet man unter anderem

unterschiedliche Obstbäume,

Beerensträucher, Kräuter, Zierpflanzen,

Sträucher, Stauden,

einen Gemüsegarten mit Hochund

konventionellen Beeten sowie

einen herrlichen großen

Teich, der Tieren wie Fischen

und Erdkröten ein Zuhause bietet

und den Sigrid Erhardt im

Sommer auch für eine Abkühlung

nutzt. Wichtig ist ihr, Lebensraum

für Insekten und andere

Tiere zu schaffen. Einen

schönen Zierrasen sucht man

daher vergeblich. „Mein Garten

ist für mich sehr wichtig – zur

Erholung und als Versuchsfeld.“

des Projekts „Unser Dorf hat

Zukunft“.

In ihrer Funktion als Präsidentin

ist Sigrid Erhardt (wenn nicht

gerade ein Corona-Virus alles

lahmlegt) sehr viel im Land unterwegs.

Freilich gebe es ab und

an auch „weniger erfreuliche

Termine mit harten Diskussionen

– aber insgesamt mache ich

es sehr gern“, betont die 61-Jährige.

Über die OGVs und den

LOGL habe sie viel gelernt.

Deshalb sei sie bereit, „etwas zurückzugeben“.

Außerdem habe

sie durch ihre ehrenamtliche Tätigkeit

viele Freunde gewonnen.

Froh ist sie darüber, dass sie

sich auf den technischen Betriebsleiter

ihres Aufhausener

Unternehmens „Erhardt Gartengestaltung“

verlassen kann. Er sei

stets vor Ort, wenn sie Termine

des OGV oder LOGL wahrnehmen

muss. So gibt Sigrid Erhardt

auch praktische Schnittvorführungen

und hält Vorträge. Mittlerweile

bietet sie auch reine

Frauen-Schnittkurse an. „Viele

Frauen trauen sich nicht, Fragen

zu stellen, wenn Männer dabei

sind“, weiß sie.

Dass in diesem Frühjahr sämtliche

Termine wegen Corona

ausgefallen sind, nimmt

die Aufhausenerin gelassen.

Sie zieht auch etwas

Positives aus der

Situation: „Ich konnte

schon lange nicht mehr

die Natur und meinen

Garten im Frühjahr so

genießen wie in diesem

Jahr“.

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18 WANDERTIPP

Die Stauferrunde –

von der Wiege zur Burg

Natur Helmut Walter aus Bad Überkingen ist begeisterter Wanderer. Für die GZ präsentiert

er eine Tour vom Wäscherschloss durch das Beutental, über Maitis, Hohenstaufen und

die Spielburg zurück.

Wie der Titel unserer

heutigen Wanderung

schon sagt, beginnen

wir die Tour

beim Wäscherschloss. Ein kleiner

Wanderparkplatz, gleich unterhalb

der Schlossanlage, bietet

schattige Parkplätze. Wir gehen

einige Meter zurück in Richtung

Wäscherhof und finden auch

gleich den Treppenaufgang zum

Wäscherschloss, das eigentlich

eine Burg ist. Die Anlage aus dem

13. Jahrhundert gilt als Paradebeispiel

einer Stauferburg. Hier an

diesem Ort finden wir die eigentlichen

Wurzeln der Staufer-

Dynastie, also die Wiege der

Staufer. Unser Blick schweift,

vorbei an einer von 38 weltweit

aufgestellten Stauferstelen, hinüber

zum Hohenstaufen. Dort

oben, wo einst die mächtige Burg

Hohenstaufen thronte, wird die

Hälfte unserer Wanderung geschafft

sein und die Rast mit Aussicht

stattfinden.

Wir machen uns also auf den

Weg. Zurück am Parkplatz finden

wir auch gleich den Einstieg in

unsere Tour. Das Wanderzeichen

mit der Markierung HW7 wird

uns auf der ersten Hälfte unserer

Wanderung begleiten. Auf

schmalem Pfad schlängelt sich

der Weg hinunter ins Beutental.

Wir queren die wenig befahrene

Straße (an Sonn- und Feiertagen

für den Verkehr gesperrt), die

von Wäschenbeuren nach

Lorch führt, und erreichen

den Bannwald im

Beutental. Der Beutenbach

verschafft dem

Terrain reichlich

Feuchtigkeit und

sorgt so für eine

üppige Vegetation

rechts und

links des wildromantischen

Trails. Ein

Brücklein

führt über

den

und unser

Bach

Weg in leichtem bergauf aus dem

Wald heraus, vorbei an blühenden

Wiesen, ins Dörfchen Maitis.

Das dortige Kirchlein ist mit

einem liebevoll gestalteten Garten

umgeben und hat unser Augenmerk

verdient.

Ein kurzes Stück gehen wir an

der Straße durch den Ort. Doch

schnell führen uns die Wanderzeichen

aus dem Dorf heraus und

steil hinauf in Richtung Hohenstaufen.

Die Kreisstraße 1450,

die in Serpentinen hinauf nach

Hohenstaufen führt, queren wir

zwei Mal. Immer wieder schauen

wir zurück und genießen die

herrliche Weitsicht über das

Remstal hinweg, bis

hinüber in den

Schwäbischen

Wald.

Kirchlein in Maitis.

Der erste Teil des Anstiegs ist

geschafft. Das Wanderheim des

Schwäbischen Albvereins und

die Jugendherberge lassen wir

rechts liegen. Unser Weg führt

weiter und steil bergauf. Kurz bevor

wir in den Wald des Hohenstaufen

eintreten, drehen wir uns

noch einmal um und sind überwältigt

vom Blick hinüber zum

Rechberg, zum Stuifen und zu

den weitverstreuten Bauernhöfen

des Ottenbacher Tals. Uns

bietet sich ein Bild, das wir von

Wanderungen im schwäbischen

Allgäu kennen.

Im Zick-Zack führt der letzte

Teil des Anstiegs hinauf zum Hohenstaufen.

Hier an diesem geschichtsträchtigen

Platz überkommt

uns ein besonderes

Hochgefühl. Weitblicke und Aussicht

in alle Himmelsrichtungen.

Schon im achten Jahrhundert

war dieses Gipfelplateau besiedelt.

Erst um 1070 wurde vom

Stauferherzog Friedrich I. von

Schwaben die hochmittelalterliche

Burg erbaut. Bis Mitte des

13. Jahrhunderts war der Hohenstaufen

Stammburg des Königsund

Kaisergeschlechts der Staufer.

Ob Kaiser Barbarossa die


WANDERTIPP 19

Stammburg seiner Familie je besuchte,

als er sich 1154 in Göppingen

aufhielt, ist nicht belegt.

Wir schwelgen jedoch in dem

Gedanken, dass es so hätte gewesen

sein können und genießen

die Mystik des Ortes.

Nach ausgiebiger Rast, satt

vom Rucksackvesper und von

überwältigender Aussicht, wandern

wir hinunter zur Spielburg.

Das Naturschutzgebiet mit einer

Felsenhöhe von 15 Metern bietet

nochmals einen tollen Aussichtspunkt.

Mit dem Blick nach Westen

kann man hier romantische

Sonnenuntergänge beobachten.

Unser Weg führt von nun an

bergab. Zur Orientierung halten

wir uns an die Wanderzeichen

des Schwäbischen Albvereins.

Der „Blaue Balken auf weißem

Grund“ zeigt uns den Weg nach

Wäschenbeuren. Über Waldund

Wiesenwege erreichen wir

die ehemalige Bahntrasse, auf der

das „Klepperle“ am 2. Juni 1984

seine letzte Fahrt von Faurndau

nach Schwäbisch Gmünd hinter

sich gebracht hatte. Heute ergänzt

die Trasse das Radwegenetz

im Ländle. Wir verlassen

den ausgewiesenen Weg und

wandern in Richtung der Wäschenbeurer

Ortsmitte. Dort am

Rathausplatz finden wir eine der

schönsten Brunnenanlagen im

Landkreis. In drehender Bewegung

zeigt das Bronzekunstwerk

die Zeitgeschichte des Dorfes,

vom zwölften Jahrhundert bis in

die 1950er-Jahre hinein.

Hier in der Ortsmitte finden

wir letzte Einkehrmöglichkeiten,

bevor wir über die See- und weiter

über die Heuhofstraße zum

süd-östlichen

Ortsrand gelangen

und nach

Querung der

Kreisstraße

1405 den letzten

Kilometer

zum Wäschernhof

wandern.

Der Wäscherhof

bietet

uns noch

einmal ein

wunderschönes

Ensemble

von

historischen

Fachwerkhäusern,

üppigen Bauerngärten

und einer kleinen Kapelle.

Vorbei am Wäscherschloss

erreichen wir Start und Ziel.

Das Wäscherschloss.

Wandern mit

Helmut Walter

Die Tour ist etwa elf Kilometer

lang. Es sind ungefähr 370

Höhenmeter zu überwinden.

Alle Wege und Pfade sind von

jedem durchschnittlich geübten

Wanderer zu bewältigen.

Für die Tour benötigt

man etwa drei Stunden

Zeit. Einzurechnen ist zusätzliche

Zeit für Pausen,

Naturbeobachtungen und

die herrlichen Aussichten.

Die GPS-Daten für diese

Tour finden Interessierte als

Verlinkung zu Outdooractive

auf der Internetseite von

Helmut Walter unter www.

wandern-ueberkingen.de

Blick vom Wäscherschloss

mit Stauferstele und Hohenstaufen

im Hintergrund.

Fotos: Helmut Walter


20 STRAUB‘SCHES STRAUB’SCHES GRABMAL

AL

Grabkapelle

mit Gruselfaktor

Denkmal Daniel Straub, einer der berühmtesten Männer Geislingens, ließ im Friedhof im

Rorgensteig für seinen früh verstorbenen Sohn Heinrich eine Grabkapelle errichten.

Sie ist ein bauliches Kleinod. Von Claudia Burst

Frohe

Weihnachten

wünscht

„ ICH BIN

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Die Stahltür an der Rückseite

der Straub’schen

Grabkapelle ist geöffnet.

Treppen führen nach

unten ins Dunkle. Stadtführerin

Heide Rigl ist ausgerüstet mit einer

Taschenlampe und geht voran,

hinein in die Gruft der Familie

Straub. Drei Särge stehen darin

auf Podesten. Alle sind verstaubt

und mit Vogelkot übersät.

Von der Wand blättert der Putz

ab. Große, halbverfallene Stuckbilder

an der Wand lassen erahnen,

dass die Gruft einst prächtig

aussah.

Der Schein der Lampe flackert.

Verharrt über dem mittleren

Sarg. Es ist ein verzierter

Bleisarg. Eine Eisenplakette

daran macht deutlich:

Hier liegt Heinrich Straub,

der Sohn des Geislinger

Industriepioniers Daniel

Straub. Er starb 1876 in

Kairo, wo er eigentlich seine

Tuberkulose auskurieren

wollte – und wurde in genau

diesem Sarg von Ägypten

nach Geislingen überführt.

„Gerüchte besagen, dass der

Sarg irgendwann einmal geöffnet

wurde, um sicherzugehen,

ob Heinrich Straub tatsächlich

darin liegt“, erzählt Heide

Rigl.

In den beiden Holzsärgen

links und rechts des Bleisargs liegen

Daniel und Katharina Straub,

die Eltern von Heinrich Straub.

Wie ihr Sohn sind sie einbalsamiert.

Über ihren mumifizierten

Gesichtern ist ein Glasfenster in

die Holzsärge eingelassen. Im

flackernden Licht der Taschenlampe

sind sie zu erkennen oder

besser zu erahnen. Wohl jedem

Besucher, der im Rahmen von

Stadtführungen oder beim „Sommer

der Ver-führungen“ mit

Heide Rigl diesen eigentlich

würdevollen, aber doch eher unheimlichen

Ort betreten darf,

läuft hier ein Schauer über den

Rücken.

Diese Gruft ist normalerweise

immer geschlossen. Besucher

oder Menschen, die an einem Begräbnis

teilnehmen, kennen nur

den oberen Teil des neoklassizistischen

Bauwerks, das zwischen

1877 und 1879 von Oberbaurat

Christian Friedrich von

Leins gebaut wurde (siehe Info

rechte Seite).

Für Daniel Straub, den Kapellmüller,

war das Beste für seinen

einzigen Sohn gerade gut genug.


STRAUB’SCHES GRABMAL 21

Dessen Tod brach ihm das Herz.

Er, der am Bau der Geislinger

Steige reich geworden war, der

die Maschinenfabrik Geislingen

(später MAG) und die WMF

gegründet und seinen Sohn bereits

als Mitgeschäftsführer und

späteren Nachfolger gesehen

hatte, gab sein Lebenswerk auf

und verwandelte diese in AGs.

700 000 Mark ließ er sich das

Mausoleum für seinen Sohn kosten.

„Es steht übrigens nicht dort,

wo bis 1537 die Rorgensteiger

Peterskirche stand“, sagt Heide

Rigl. Diese befand sich weiter

Richtung Rohrach, etwa dort, wo

heute das Kriegerdenkmal an der

Friedhofsmauer steht.

Architekt Leins stellte die

Grabkapelle auf einen Tuffsockel

und baute sie aus gelbem und

grünem Schilfsandstein. Der

Grundriss stellt ein sogenanntes

lateinisches Kreuz dar; in der

Mitte befindet sich eine Eisenkuppel,

die allein 1300 Zentner

wog. „Sie wurde in Esslingen

hergestellt. Es muss eine Riesenaktion

gewesen sein, sie nach

Geislingen zu transportieren“,

sagt Rigl. Unter dem unteren

Rand des Halbrunds befindet

sich die Inschrift: „Errichtet von

Daniel Straub und Katharina

Straub 1879 zur Ehre Gottes und

zum Gedächtnis ihres einzigen

verewigten Sohnes Heinrich“.

Über dem Eingangsportal ist

das Straub’sche Wappen mit dem

Pfau zu erkennen. „Den Pfau gab

es auch noch lange im Logo der

WMF. Alte Geislinger erinnern

sich noch daran“, weiß Heide

Rigl von vielen ihrer Führungen.

Die Wirkung im Innern der

Grabkapelle, dem Gedächtnisraum,

in dem heute Beerdigungsfeiern

für Geislinger Bürger

durchgeführt werden, ist beeindruckend.

Vor allem von der Orgelempore

aus. Die Rundbögen,

die sich von vier Seiten in der

Mitte treffen, die geometrischen

Muster, die Stuckornamente und

die Rosetten an der Decke, das

Licht, das durch die Kuppel fällt

– das alles verleiht dem Gebäude

einen tiefen Raum und eine

würdevollen Ausstrahlung.

Nicht ohne Grund ist die

Straub’sche Grabkapelle seit

1990 laut Landesdenkmalamt offiziell

ein „erhaltenswertes Kulturdenkmal

von besonderer Bedeutung“.

Stadtführerin Heide Rigl am Eingang zum Gedächtnisraum.

Fotos: Claudia Burst

Info

1886, drei Jahre vor seinem

Tod, schenkte Daniel

Straub die Grabkapelle der

evangelischen Kirche.

Diese wiederum schenkte sie

knapp 100 Jahre später, 1971, der

Stadt Geislingen, sodass die

Kapelle heute allen Geislingern

Bürgern für Beerdigungsfeiern

zur Verfügung steht.

Die Grabkapelle wurde – mit

Ausnahme der Familiengruft –

in den Jahren 1989 und 1990

umfassend innen und außen

renoviert.

Architekt Christian Friedrich von

Leins wird als einer der profiliertesten

württembergischen Baumeister

des 19. Jahrhunderts

angesehen. Zu seinen Werken

gehören neben zahlreichen Kirchen

die Villa Berg, die alte Liederhalle

und die Johanneskirche

in Stuttgart.

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22 GESCHICHTE DER UNTERWÄSCHE

Foto: ©merydolla - stock.adobe.com

Eine Frau ist schön,

wenn sie sich wohl fühlt

Historie Vom Mieder und Korsett zum „Reform-

Hängerchen“ und weichen BH von heute: Ein Einblick

in 200 Jahre Geschichte der weiblichen Unterwäsche.

Von Patricia Jeanette Moser

Seit 15 Jahren beschäftigt

sich die Kulturwissenschaftlerin

Kerstin Hopfensitz

als Kuratorin des

Miedermuseums Heubach mit

dem Thema Unterwäsche. Eine

Ausstellung im Haus der Geschichte

in Stuttgart benennt sie

beispielhaft als eine von vielen.

Auch bei den Kuchener Landfrauen

hat sie über das Thema

referiert.

„Die Geschichte der Unterwäsche

ist eine Geschichte der Frau,

der Mode und der Industrie“, erklärte

die Kulturwissenschaftlerin

bei dem Vortrag in Kuchen.

Reichlich Bildmaterial verdeutlichte

die geschichtlichen Fakten.

Die Hauptrolle spielte hier eindeutig

das Korsett, das unter der

Kleidung getragen wurde und

keine Träger hatte. Ein Mieder

hingegen hatte Träger und wurde

sichtbar getragen, beschrieb

die Fachfrau den Unterschied.

Bilder aus dem Barock zeigten

Damen im Mantelkleid, weit ausgestellt,

mit Wespentaille. Aufgrund

des opulent ausgestellten

Rockteils sind die Frauen deshalb

seitlich durch eine Tür gegangen.

Eine Ausnahme bildete die Zeit

von 1800 bis 1815, die sich an

der Antike orientierte. Fließende

Gewänder aus Musselin

kamen ohne Korsett

und Mieder aus. Dieser

Mode zu Napoleons

Zeit folgend,

wurde oft keine

Unterwäsche unter

dem Musselin-Kleid

getragen. Erkältungen und Lungenentzündungen

gingen als

„Musselin-Krankheit“ in die

Mode-Geschichte ein.

Bis in die 1920er-Jahre war das

Tragen eines Korsetts üblich, um

nicht zu sagen ein „Muss“ für die

Foto: ©lynea - stock.adobe.com

Damenwelt. Das gesellschaftliche

Ansehen hing sogar davon

ab. Die württembergische Wirtschaft

wurde gefördert durch die

Unterwäsche-Industrie, erfuh-


GESCHICHTE DER UNTERWÄSCHE 23

Ein Miederhöschen in Größe 38

aus aktueller Zeit stellt die

Frage in den Raum: Warum

braucht eine Größe 38 ein

formendes Wäschestück?

Schönheitsideal gestern und

heute – beide engen ein, wie

es scheint.

Auch dieses Wäschestück, ein

Hemdchen mit angeschnittener

Hose, heute würde man „Body“

sagen, war vielen anwesenden

Damen durch Mama oder Oma

gut bekannt.

Fotos: Patricia Jeanette Moser

ren die Landfrauen im Kuchener

Bürgersaal. Auch im Kreis Göppingen

gab es zahlreiche Betriebe,

die sich entlang der Fils angesiedelt

hatten und Unterwäsche

herstellten. Webereien von

der Schwäbischen Alb lieferten

den Flachs, der dort angebaut

und gewoben wurde.

Das grobe Leinen wurde später

von der feineren Baumwolle

abgelöst. Mit Dampf betriebene

Webstühle aus England und

neue Webstühle aus Frankreich,

die rund stricken konnten, lieferten

eine neue Technik.

Bilder der Referentin zeigten

zum Teil eine groteske Mode.

Ein Korsett, das eine weibliche

Silhouette in S-Form schuf, verursachte

den Landfrauen

allein

beim

Betrachten

Schmerzen.

Das Korsett

der Vergangenheit

ließ der

Trägerin keine Möglichkeit für

ein gesundes Körperbewusstsein.

Die inneren Organe verschoben

sich durch den Druck

von außen. Mädchen wurden bereits

mit sieben Jahren an das

Korsett gewöhnt. Striemen und

Rillen im Körper waren die Folge

und galten als normal am

Frauenkörper. Das Korsett für

die Schwangerschaft stieß auf

absolutes Unverständnis bei den

Das Schönheitsideal der 30-er Jahre – eine androgyne Figur, fernab

von Weiblichkeit.

Landfrauen. Eine Wespentaille

wurde zeitweise favorisiert im

Modeverständnis und als erotisch

betrachtet. Diese Form der

weiblichen Unterdrückung fand

nach dem Ersten Weltkrieg ein

Ende.

Foto: ©Millisenta

- stock.adobe.com

Sogenannte Suffragetten und

Emanzen gingen auf die Barrikaden

und kleideten sich erstmals

bequemer in „Reform-Hängerchen“.

Bilder zeigten die Auseinandersetzungen

zwischen Suffragetten

und Polizisten. Laut

der Modemacherin Coco Chanel,

die 1910 ihr berühmtes Mode-Imperium

gründete, ist „die

Frau dann schön, wenn sie sich

wohl fühlt“. „Sie hat viel für uns

Frauen getan“, verdeutlichte Referentin

Kerstin Hopfensitz.

„Gut, dass solche Zeiten vorbei

sind“, betonte Gastgeberin

Rose Clement, Sprecherin der

Kuchener Landfrauen. Am

Ende des Vortrags zeigte die

Referentin einige „reale Kleidungsstücke“,

die eingehend

betrachtet und besprochen

wurden. „Ich habe als junge

Frau in Göppingen selbst

Mieder genäht“, erzählte eine

Kuchenerin, die gerade deshalb

den Vortrag besuchte. Ihr

Fazit zum Vortrag: „Dieses

Thema wurde selten so gut

erzählt und beschrieben, wie

heute Abend“.

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24 REZEPT

Bananensüppchen

mit Lachs-Nigiri-Sushi

Küche Fingerfood liegt im Trend und passt zu vielen Gelegenheiten.

GZ-Küchenmeister Walter Bauhofer präsentiert eine neue Variante

im Gläschen.

Walter Bauhofer

GZ-Küchenmeister

Zutaten für 10 Gläschen:

0,4 l Bananensaft

aus der Flasche

2 mittelgroße Bananen

1 EL Jaipur-Curry o.ä.

Salz, Pfeffer

125 g Sushi-Reis

1 EL Reisessig

etwas Zucker und Salz

1 TL Wasabi

150 g Lachs-Rückenfilet

10 Rambutans

Zubereitung:

Bananensaft mit Curry aufkochen.

Frische, in Scheiben geschnittene

Bananen zugeben.

Drei Minuten leicht köcheln lassen

und mit Salz und Pfeffer würzen.

Mittels Stabmixer pürieren

und nochmals abschmecken.

Jaipur-Curry mit seiner roten

Farbe, seiner milden Schärfe und

seinem ausgeprägten Geschmack

nach Bockshornklee, Kreuzkümmel

und Ingwer harmoniert hervorragend

mit den Bananen.

Auch andere, nicht zu scharfe

Currys eignen sich.

Sushi-Reis kalt abspülen, bis

das Wasser klar abläuft. Den Reis

mit 200 Milliliter Wasser aufkochen,

zwei Minuten kochen

und bei geringer Hitze zehn Minuten

ausquellen lassen. Von der

Flamme nehmen und auskühlen

lassen. In der Zwischenzeit Reisessig,

Zucker und Salz zusammen

aufkochen und ebenfalls auskühlen

lassen. Flüssigkeit mit einem

Kochlöffel unter den Reis heben.

Mit angefeuchteten Händen jeweils

einen Esslöffel Reis zu

länglichen Klößchen formen.

Das Lachs-Rückenfilet in zwei

bis drei Millimeter dünne Scheiben

schneiden, diese auf einer

Seite mit Wasabi bestreichen

und mit dieser Seite auf die Reisklößchen

drücken. Rambutans

schälen, „Kern“ entfernen und

auf die Sushiteilchen spießen.

Litschis sind ebenfalls sehr gut

geeignet. Suppe heiß in Gläschen

abfüllen, mit Deckel verschließen

und Sushi auflegen.

Für manche ist Fingerfood ein Modewort, für den Großteil ein

köstliches Ess-Vergnügen. „Eines ist auf jeden Fall sicher:

Fingerfood liegt absolut im Trend“, betont GZ-Küchenmeister

Walter Bauhofer. „Und: Fingerfood passt zu vielen Gelegenheiten

– ob zur Geburtstagsfeier zum Sektempfang oder bei einer

Grillparty als Appetizer, bis die Glut soweit ist.“ Neben dem

klassischen Fingerfood, für das man kein Besteck benötigt, setzen

sich seit einiger Zeit immer mehr die Variationen durch,

die in kleinen Gläsern und Glasschälchen gereicht werden, ergänzt

der Experte. Dieser Trend komme aus Frankreich und

nenne sich dort „Verrines“, was übersetzt „Gläschen“ heißt.

„So serviert, wird unser Bananensüppchen zum Hingucker.“


ORTSHISTORIE 25

Wappenkunde

Heraldik

Eybach

Das Schultheißenamtssiegel

aus der Zeit um 1820 (Rathaus

Eybach) enthält lediglich einen

Kranz als Zierzeichen. Es war

offenbar noch zu Beginn des 20.

Jahrhunderts in Gebrauch. Spätestens

seit der Zeit um 1930

zeigte das Schultheißen- beziehungsweise

Bürgermeisteramtssiegel

eine naturalistische

Abbildung des Eybacher Himmelsfelsens

über zwei schräggekreuzten

Eibenzweigen. Dem

im Jahr 1932 wiederholten Vorschlag

der Archivdirektion vom

Jahr 1919, als Gemeindewappen

zwei naturfarbene Eibenzweige

in silbernem Schild anzunehmen,

war die Gemeinde nicht

gefolgt. „Das heutige Wappen

geht auf einen von der Archivdirektion

gebilligten Entwurf

der Werkstätte Dochtermann

vom Jahr 1948 zurück, den die

Gemeinde im Jahr 1955 angenommen

hat“, steht im „Wappenbuch

des Landkreises Göppingen“.

So zeigt das Wappen

unter goldenem Schildhaupt einen

nach rechts gelegten grünen

Eibenzweig mit drei roten

Beeren und in Rot eine silberne

Wellendeichsel. Die Wellendeichsel

bezieht sich auf den

Zusammenfluss von Eyb und

Mühlbach. Das Wappen wurden

von der Landesregierung

am 13. März 1956 verliehen.

Aufhausen

„Das um 1820 gebrauchte

Schultheißenamtssiegel zeigt in

einem von zwei Laubzweigen

umgebenen und von einer liegenden

Hirschstange überhöhten

Schild die Großbuchstaben

AH, die auch in einem späteren,

wohl noch dem 19. Jahrhundert

angehörenden Siegel erhalten

sind.“ So steht es im „Wappenbuch

des Landkreises Göppingen“.

Nachdem das evangelische

Pfarramt Aufhausen im Jahr

1917 auf Anfrage von der Archivdirektion

die Auskunft erhalten

hatte, dass kein Gemeindewappen

bekannt ist, hat der

Ortspfarrer im Jahr 1919 ein

Wappen mit der Abbildung der

Dorfkirche, einem steigenden

Ross und einem Kreuz entworfen

und – auf Holz gemalt – in

der Kirche anbringen lassen. Im

Jahr 1952 wurde die Wappenfrage

auf Anregung des evangelischen

Pfarramts wieder aufgegriffen.

„Nach Vorlage mehrerer

Entwürfe der Archivdirektion

und des Landratsamts, wobei

das 1919 geschaffene Wappen

aus heraldischen Gründen ausschied,

legte sich die Gemeinde

im Jahr 1960 auf das jetzige

Wappen fest, wobei sie ausdrücklich

wünschte, dass die

,redende‘ Wappenfigur den Typ

des alten Albbauernhauses darstellen

solle“, steht weiter im

Wappenbuch. So zeigt das jetzige

Wappen der Gemeinde Aufhausen

in Rot über zwei schräggekreuzten

goldenen Ähren ein

goldenes Haus. Die Ähren beziehen

sich auf den landwirtschaftlichen

Charakter der Gemeinde.

Das Wappen wurde am

14. September 1960 vom Innenministerium

verliehen.

Waldhausen

Zum Wappen der Gemeinde

Waldhausen sucht man im

„Wappenbuch des Landkreises

Göppingen“ vergeblich Informationen.

Doch der frühere

Ortsvorsteher Reiner Strehle

weiß, wie man das Wappen zu

deuten hat. Zumindest kann er

berichten, „was wir als Schulkinder

hierzu gelernt haben –

und diese Deutung ist plausibel“.

Vier Lindenblätter zieren

das Wappen der Gemeinde

Waldhausen, das in den Farben

des Geislinger Stadtteils gehalten

ist: in Rot und Weiß. „Die

vier Lindenblätter symbolisieren

das Ortsbild von Waldhausen“,

sagt Strehle. Die Gemeinde

habe bis zur Zeit von

Napoleon zur Reichsstadt Ulm

gehört: Im Jahr 1396 kam der

Ort, der 1225 als Ausstattungsgut

des Klosters Elchingen erstmals

erwähnt worden war, mit

den übrigen helfensteinischen

Orten an Ulm. Vermutlich in

der Zeit von Napoleon zwischen

1803 und 1812 seien vier

Linden in Waldhausen gepflanzt

worden, informiert Strehle weiter.

„Sie waren auch ein Stück

weit Orientierungshilfen. In der

napoleonischen Zeit war es üblich,

Linden zu pflanzen, auch

zwischen Ortschaften.“ Bis heute

stehen in Waldhausen vier

Lindenbäume: Diese befinden

sich von der Ortsmitte aus gesehen

etwa einen Kilometer entfernt

in allen vier Himmelsrichtungen.

hei

Auch Wappenkunde

genannt,

ist die Lehre

von den Wappen

und ihrem

richtigen Gebrauch.

Zum

Wappenwesen

und damit zur

Heraldik zählen

auch die Wappenkunst

– die

Gestaltung von

Wappen – und

rechtliche

Regelungen

zum Wappengebrauch.

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26 STIMMUNGSBILD

„Die Familie wächst mehr

Umfrage Die Corona-Krise stellt uns alle vor große

Positives aus dieser Zeit mitnehmen. Von Heike Sie

Foto: privat

Roman Retsch

(20) aus Wiesensteig:

„Ich denke, dass

in der Corona-Zeit

generell

die Familien

mehr zusammengewachsen

sind. Man hatte

viel mehr Zeit

für Gespräche.

Probleme, die

schon vorher

da waren, konnten gelöst werden. Das

Verständnis füreinander hat zugenommen. Viele haben bestimmt

auch gemeinsame Hobbys entdeckt. Ich habe zum Beispiel

mit dem Freund meiner Mutter am Motorrad geschraubt. Er hat mir

viel beigebracht, jetzt traue ich mir hier auch selber mehr zu.

Ich glaube auch, dass für jeden von uns jetzt Kleinigkeiten mehr

wert sind oder Dinge, die vor der Krise selbstverständlich waren.

Zum Beispiel konnte ich mich lange nicht mit meinen Kumpels im

Bauwagen treffen. Als es wieder möglich wurde, dass man zu fünft

auf einem Privatgelände zusammenkommen durfte, haben wir uns

über WhatsApp verabredet. In der Zeit, als man sich gar nicht

sehen durfte, hat schon vieles gefehlt. Das war für mich schon eine

große Umstellung, weil ich vorher immer unterwegs war. Jetzt

ist auch die Stimmung bei der Feuerwehr, wo ich Mitglied bin, nach

den Einsätzen ganz anders. Man hat sich lange nicht gesehen

und freut sich einfach darüber, sich miteinander unterhalten zu

können.“

Eva Kovacs (32) aus Bad Ditzenbach:

„Ich weiß jetzt Dinge wieder zu schätzen, die vor der Krise selbstverständlich

waren. Vor allem bin ich dankbar dafür, dass meine

Familie und ich gesund sind und dafür, wie gut wir in Deutschland

leben – hier hat man die Pandemie gut in den Griff gekriegt. Wir als

Familie hatten in den vergangenen Wochen so viel gemeinsame Zeit

wie selten. Mit unseren Kindern konnten wir in aller Ruhe etwas

unternehmen, ohne mit dem Kopf schon wieder einen Schritt weiter

zu sein und gefühlt von einem Termin zum nächsten zu hetzen.

Die Kinder waren auch viel ausgeglichener als sonst. Wir haben

zusammen Osterkekse gebacken, gebastelt, sind gewandert, haben

Bärlauch gesammelt

und gemeinsam

zum Beispiel

Bärlauch-Gebäck

hergestellt. Unsere

beiden Kinder

sind auch untereinander

noch

mehr zusammengewachsen.

Schön ist auch

das Zwischenmenschliche

mit den Nachbarn:

Jeden

Sonntag um

18 Uhr musizieren

wir zusammen.

Unser

Sohn hat

zu seinem

dritten Geburtstag

sogar

ein Geburtstagsständchen

bekommen. Mein Ziel für

die Zeit nach Corona ist, generell ein bisschen runterzufahren

und weiterhin viel Zeit mit den Kindern zu verbringen.“

Foto: Heike Siegemund

Marc Wohanka (41) aus Hohenstadt:

„Ich hatte Glück in der Krise, weil ich nur an vereinzelten Tagen Kurzarbeit

hatte. Außerdem habe ich ein Haus mit Garten – und ich denke, dass sich alle

in dieser Krise glücklich schätzen können, die einen Garten besitzen.

Insofern ging es für mich persönlich eigentlich relativ normal weiter – bis

auf den gecancelten Skiurlaub im März in Südtirol und den Taucherurlaub

im April in Ägypten, den wir auch absagen mussten. Meine Freundin war

eine Zeit lang zuhause und hat die Küche gestrichen. So konnte man Dinge

erledigen, die man schon länger vor sich hergeschoben hat. Auch die paar

Tage, an denen ich zuhause war, haben wir sinnvoll genutzt: Wir haben im

Garten gearbeitet und waren auch viel wandern, zum Beispiel auf den

Löwenpfaden.

Ich habe in der Krise auch gemerkt, dass man viele Sachen, auf die man

vor der Krise großen Wert gelegt hat, eigentlich gar nicht braucht. Vorher

hatte man ein Luxusleben – im Laden war immer alles erhältlich, was

in der Krise nicht immer der Fall war. Viel wichtiger sind doch aber die

sozialen Kontakte – diese darf man nicht unterschätzen.“

Foto: Heike Siegemund


STIMMUNGSBILD 27

zusammen“

Herausforderungen. Trotzdem kann man auch

gemund

Alexander Kern (33) aus Geislingen:

„Eigentlich war es für uns unvorstellbar, dass der Kino-Betrieb unseres

Gloria Kinos komplett geschlossen wird. Normalerweise haben

wir zwei Tage im Jahr zu: an Heiligabend und Silvester. Wir

haben eine Sieben-Tage-Woche und auch nicht viel Urlaub. Deshalb

war es am Anfang schon eine große Umstellung, als plötzlich viel

freie Zeit da war. Es war ein komisches Gefühl, auch weil die Kosten

ja weiterlaufen, aber keine Einnahmen mehr reinkommen. Und

man hat ja auch Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern. Doch

dann erhielt ich die Info, dass Autokinos unter Auflagen möglich

sind. Da war für uns der Weg klar: Wir wollen uns nicht unterkriegen

lassen, es muss weitergehen.

Nach mehreren Wochen der Ruhephase habe ich mich in die konkreten

Planungen gestürzt. Für das Sommernachtskino in der Fußgängerzone

dauern die Planungen Monate – fürs Autokino habe ich

in kürzester Zeit ein Konzept aus dem Boden gestampft. Das war

nicht ohne und eine ganz andere Herausforderung. Aus dieser Erfahrung

gehe ich gestärkt hervor. Außerdem beeindrucken mich die

positiven Rückmeldungen der Besucher zum

Autokino. Das ist

schön und macht

mich stolz.

Privat habe

ich in der Zeit

vor dem Autokino

viele

Wanderungen

Foto: Markus Sontheimer

mit meiner

Verlobten

und unserem

Hund unternommen

und konnte

einfach

mal runterkommen.

Und

ein so ruhiges

Osterfest

wie

in diesem Jahr zuhause

mit der Familie konnte ich noch nie

verbringen. Ich merke generell auch, dass das Persönliche

und die Gespräche mit anderen seit der Krise einen anderen

Stellenwert bekommen haben. Man geht respektvoller miteinander

um.“

Julia Maurer (29) aus Bad Überkingen:

„Das Thema Corona kam bei uns in der Familie schon viel früher

an, weil mein Vater schon seit ein paar Jahren in China lebt

und arbeitet. Im Januar ist er nach Deutschland gereist. In China

wurde heftig kontrolliert und überwacht: Man durfte nicht

mehr von A nach B

gehen. Hier bei

uns in Deutschland

gab es trotzdem

immer noch

gewisse Freiheiten.

Ich persönlich

bin ein Planungsmensch

und hatte für

dieses Jahr viele

Termine auf

dem Schirm.

Ausgehend

von einem vollen

Terminkalender

musste

ich einen

kompletten

Rückschritt

machen. Da

kam erst die

Frage auf: Wie geht es

weiter? Aber in meiner Familie kam dann der

Foto: Rainer Lauschke

Punkt, an dem wir sagten: Jetzt machen wir das Beste daraus, wir

entschleunigen und fahren bewusst zurück. Dann entwickelte

sich viel Kreativität. Zum Beispiel habe ich mich an der Aktion

,Zusammenhalt erleben‘ der Stadt Geislingen beteiligt: Ich arbeite

im Mehrgenerationenhaus und habe ein Video zum Thema

Upcycling mitgestaltet. Dabei konnten Kinder aus alten Dosen

etwas basteln und ihre Werke einschicken. Bei uns in Bad Überkingen

bin ich auf den Bürgermeister zugegangen mit der Idee,

ein Kreativprojekt ins Leben zu rufen. Kinder aus Überkingen

können sich daran beteiligen und bei sich zuhause ein Vogelhäusle

gestalten. Die bunt bemalten Vogelhäuschen sind jetzt im Kurpark

ausgestellt. Das Ganze soll ein Symbol des Zusammenhalts

sein und über die Krise hinaus Bestand haben.

Privat habe ich viel Zeit mit meinen Kindern und meinem Mann

in der Natur verbracht. Wir haben viele tolle Wege erkundet.“

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28 LESEN

Buchtipps

Von Anne Meßmer

Es geht ein Mörder um

Sylt – Sehnsuchtsort vieler Touristen und

ein kleines Paradies für die Bewohner. Doch

für Alba wird ihre Heimat schleichenden

Schrittes zu einem Ort des Horrors und der

Grausamkeit. Es beginnt mit einem seltsamen

Gefühl und Blicken über die Schulter.

Immer wieder glaubt Alba, dass sie und ihre

Tochter von jemandem beobachtet werden.

Nur: von wem? Und warum? Die Situation

eskaliert, als eine Fremde ihnen auflauert

und sie anfleht aufzupassen, weil jemand aus

ihrer eigenen Familie ihren Tod wolle. Erlaubt

sich da jemand einen geschmacklosen

Scherz? Oder sollte Alba die Warnung ernst

nehmen? Als kurz darauf Albas Schwester

tot aufgefunden wird, beginnt für sie und

ihre Tochter ein erbitterter Wettlauf gegen

die Zeit. Fast zu spät begreift Alba, dass auch

längst verdrängte Lügen unter Umständen

tödlich enden können.

Die Autorin

Daniela Arnold wurde 1974 geboren und lebt

in Bayern. Nach dem Abitur studierte sie

Journalismus und arbeitete viele Jahre als

freie Journalistin für zahlreiche Zeitungen

und Magazine. Mittlerweile hat sie zahlreiche

Thriller geschrieben, die zwar nicht alle

auf Sylt spielen, aber oft an Orten, die den

Meeren und Seenlandschaften verbunden

sind. Zusammen mit drei weiteren Autoren

hat Daniela Arnold außerdem ein Werk zur

„Hard Sequences“-Buchreihe beigesteuert.

Schattenküste von Daniela Arnold, Thriller,

Verlag: Independently published, Preis: 9,99

Euro, ISBN: 979-8-63097-656-7

Der Duft der roten Früchte

Seit drei Jahren hat Marie ihren Vater nicht

mehr gesehen. Doch die Nachricht von seinem

Tod, die ihr ihre Schwester Lena überbringt,

trifft sie trotzdem unerwartet hart.

Über die Jahre hat es die zweite Frau ihres

Vaters geschafft, Marie und Lena immer

mehr von ihrem Vater fernzuhalten. Trotz

vieler Zweifel macht Marie sich auf den Weg

zu seiner Beerdigung – obwohl sie sich sicher

ist, dass eine Seebestattung nicht der

Wunsch ihres Vaters war. Neben Familie

und Freunden taucht auf der Beerdigung

eine Frau auf, die niemand zu kennen

scheint. Das Einzige, was Marie über die

Fremde in Erfahrung bringen kann, ist, dass

sie von der Insel Norderney kommt. Doch

wer ist sie? Und was verband sie mit Maries

und Lenas Vater? Mit gemischten Gefühlen

macht Marie sich auf den Weg nach Norderney.

Und wirklich: Zwischen Dünen und

Meer lernt Marie ihren Vater hier noch einmal

neu kennen. Es kehren Erinnerungen

zurück an warmen Kirschkuchen und Sommertage

voller Genuss, Sonne und Glück.

Die Autorin

Anne Barns heißt eigentlich Andrea Russo

und wurde 1968 im hessischen Hanau geboren.

Vor einigen Jahren gab sie ihren Beruf

als Lehrerin auf, um sich ganz dem Schreiben

zu widmen. Kuchen und das Meer spielen

nicht nur in ihren Büchern eine große

Rolle: Zum Schreiben zieht es sie immer auf

eine Insel – meist nach Juist. Und wenn eine

gute Bäckerei in der Nähe ist, die sich auf

Apfelkuchen, Butterkuchen oder Pflaumenkuchen

versteht, tut das ihrer Kreativität

auch gut.

Kirschkuchen am Meer von Anne Barns, Roman,

Verlag: Harper Collins, Preis: 11 Euro,

ISBN: 978-3-95967-419-5

Ein nasses Grab

An heißen Sommertagen in das glitzernde

Wasser eines kühlen Hotelpools springen –

so fühlt sich Urlaub an. Doch diese Wonne

der Abkühlung bleibt den Gästen des Hotels

„Orient“ in Lissabon verwehrt. Denn bei

Renovierungsarbeiten am Pool wurde eine

vor 25 Jahren einbetonierte Leiche gefunden.

Henrik Falkner, Spezialist für ungeklärte

Verbrechen, soll herausfinden, was damals

in dem beliebten Hotel geschah und

zu wem die Überreste im Pool gehören. Da

kommt es ihm sehr zugute, dass sich seine

Mutter, die ihn gerade in Lissabon besucht,

im „Orient“ einquartiert hat. Denn so kann

Henrik im Hotel ein- und ausgehen, ohne

dass er groß auffällt. Allerdings hat er dadurch

auch mehr Zeit mit seiner Mutter, als

ihm manchmal lieb wäre.

Der Autor

Luis Sellano ist das Pseudonym eines deutschen

Autors. Seit seinem ersten Besuch in

Lissabon ist er der Stadt am Fluss Tejo verfallen.

Kulinarisch haben es ihm der landestypische

Vinho Verde und die süßen Pastéis

de Nata angetan. Sellano lebt mit seiner Familie

in Süddeutschland und reist für seine

Krimis regelmäßig nach Portugal.

Portugiesische Wahrheit von Luis Sellano,

Krimi, Verlag: Heine, Preis: 14,99 Euro, ISBN:

978-3-45343-923-8


LESEN 29

Lehren aus dem tiefen Tal

Zwei Jahre im Krankenbett sind lang. Da

stellt sich die Frage nach dem Sinn des Lebens.

So geht es auch Dan Shambicco, der

nach einem missglückten Eingriff für lange

Zeit ans Krankenbett gefesselt ist. Er erkennt:

Allein für wen und was wir leben, ist

wichtig. Was Beziehungen bedeuten, erkennen

wir meist erst dann, wenn wir sie verloren

haben. Besitz, Geld, Macht? Das rastlose

Streben scheint trivial. Zeitverschwendung.

Wie vieles, was uns täglich ablenkt.

So will er nicht weiterleben und beginnt,

sein Leben zu verändern. Shambicco will

achtsamer sein, zurück zum Wesentlichen.

Er will sein Leben bereichern und damit die

Welt um ihn herum. Und er ermahnt sich

selbst: Woran sollen sich die Menschen erinnern,

wenn sie an mich zurückdenken?

Der Autor

Dan Shambicco wurde 1991 in Basel geboren

und hat schweizerisch-israelische Wurzeln.

Er ist im Bildungs- und Erziehungswesen

tätig und aktives Leitungsmitglied der

Gedenkstätte Riehen, die an die Schicksale

zumeist jüdischer Flüchtlinge und ihrer Helfer

an der schweizerischen Grenze erinnert.

Das Geheimnis erfüllter Zeit von Dan Shambicco,

Autobiografie, Verlag: Riverfield, Preis:

16,90 Euro, ISBN: 978-3-95250-973-9

Ein Leben in geheimer Mission

Acht Jahre war sie alt, als der Terror das erste

Mal in ihr Leben trat: Ihre Freundin Laura

war unter den Opfern des Lockerbie-Anschlags,

bei dem ein Flugzeug der amerikanischen

Fluggesellschaft Pan Am über der

schottischen Stadt Lockerbie durch eine

Bombe von Terroristen gesprengt wurde. Ihr

Name ist Amaryllis Fox. Sie war Agentin bei

der CIA und fast zehn Jahre im Bereich der

Terrorabwehr im Einsatz. „Jede Stunde, die

ich abwarte, ist eine Stunde mehr, in der etwas

fürchterlich schiefgehen kann – für den

Informanten, der

meinen Aufenthaltsort

kennt, für die

Quelle, die mir helfen

soll, den Anschlag

abzuwenden,

für uns, wenn die

Bombe vielleicht

doch hochgeht.“

Die Autorin

Amaryllis Fox wurde 1980 in New York City

geboren. Bevor sie zur CIA ging, studierte

sie in Oxford und entwickelte an der Georgetown

University einen Algorithmus zur

Vorhersage von terroristischen Anschlägen.

Seit ihrem Ausscheiden bei der CIA ist Fox

als Friedensaktivistin tätig. Sie ist verheiratet

mit Bobby Kenndey III. und hat zwei Kinder.

Die Familie lebt in San Francisco.

Life Undercover: Als Agentin bei der CIA von

Amaryllis Fox, Autobiografie, Verlag: hanserblau,

Preis: 20 Euro, ISBN: 978-3-44626-422-9

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30 RECHTSTIPPS

Die Rechte von Mieter

und Vermieter in der

Corona-Krise

Abstellverbot

für Fahrräder und

E-Scooter

§

Mieter, die ihre Miete wegen

Corona nicht bezahlen

können, sollen ihre

Wohnungen nicht verlieren.

Zwar kommen bereits viele Wohnungsgesellschaften

ihren Mietern

entgegen und haben Mietregelungen

getroffen. Nun sieht

allerdings auch ein Gesetzesentwurf

der Bundesregierung vor,

dass Mieter entlastet werden.

Nach dem momentanen Rechtsstand

können Vermieter einen

Mietvertrag kündigen, wenn

zwei Monatsmieten ausstehen,

also nicht gezahlt wurden.

Das Gesetz zur Abmilderung

der Folgen der Covid-19-Pandemie,

das die Bundesregierung am

27. März 2020 verabschiedet hat,

ermöglicht es sowohl Privatpersonen

als auch Selbstständigen

und Großkonzernen, Mieten zu

stunden. Die Regelung gilt für

Privaträume und Gewerbeimmobilien

(Grundstücke und Räume)

und sind unabhängig davon, ob

der Vermieter eine Privatperson

oder ein Unternehmen ist.

Vom 1. April bis zum 30. Juni

2020 dürfen Mieter ihre Mietzahlungen

aussetzen und dafür

nicht gekündigt werden. Zurückgezahlt

werden muss die Miete

bis zum 30. Juni 2022, also innerhalb

von zwei Jahren. Geschieht

dies nicht, ist eine Kündigung

wegen Mietschulden möglich.

Weil die Miete geschuldet ist,

müssen Mieter sie mit Verzugszinsen

nachzahlen. Diese Zinsen

liegen laut Paragraf 288 Absatz 1

Bürgerliches Gesetzbuch (BGB)

bei fünf Prozentpunkten über

dem Basiszinssatz, der von der

Bundesbank jeweils am 1. Januar

und am 1. Juli eines Jahres aktualisiert

wird.

Gemindert werden darf die

Miete wegen der Corona-Pandemie

jedoch nicht. Sie stellt keinen

Mangel an der Mietsache

dar. Mieter, die die Zahlungen

wegen der Corona-Krise allerdings

nicht stemmen können,

können laut eines Gesetzesentwurfs

der Bundesregierung jedoch

nicht einfach gekündigt

werden. Das gleiche gilt für

Strom und Wasser: Die Grundversorgung

der Wohnungen sollte

sichergestellt bleiben.

Stehen Mieter vor Zahlungsproblemen,

sollten sie immer

auch das Gespräch mit ihrem

Vermieter suchen und nicht einfach

Mietzahlungen aussetzen.

Sie müssen nachweisen, dass sie

die Miete wegen Corona nicht

bezahlen können. Als Nachweis

zählen beispielsweise eine Bescheinigung

des Arbeitgebers

über Verdienstausfälle oder eine

Bescheinigung darüber, dass sich

ein Mieter um staatliche Leistungen

bemüht. Heike Viefhaus

Ausdrückliche Parkverbote

für Fahrräder und

E-Scooter gibt es zwar

keine – ausnahmslos überall abstellen

darf man sein Gefährt

deshalb aber nicht. „Auf öffentlichen

Verkehrsflächen stellt das

Parken eines Fahrrads eine zulässige

Nutzung dar. Das Abstellen

am Straßenrand, auf Gehwegen,

Grünstreifen oder in Fußgängerzonen

ist also grundsätzlich

erlaubt“, erklärt Dr. Daniela

Mielchen von der Arbeitsgemeinschaft

Verkehrsrecht des

Deutschen Anwaltvereins. Trotzdem

gebe es auch hier Ausnahmen.

So müssten zum Beispiel

Rettungswege für die Feuerwehr

stets freigehalten werden. Fahrräder

dürfen außerdem andere

Verkehrsteilnehmer nicht behindern

oder gefährden.

„Um Unfälle zu vermeiden,

muss ein Fahrrad, das am Straßenrand

abgestellt

wird, bei

Dunkelheit gut beleuchtet sein“,

erläutert Rechtsanwältin Mielchen.

„An Kreuzungen darf außerdem

die Sicht anderer Verkehrsteilnehmer

nicht behindert

werden.“ Wer sein Fahrrad parkt,

obwohl es andere Verkehrsteilnehmer

behindern könnte, müsse

mit Konsequenzen rechnen.

Nach Abwägung der Umstände

des jeweiligen Einzelfalls dürfen

die Ordnungsämter ein Fahrrad

entfernen, wenn es eine Behinderung

oder Gefährdung darstellt.

Die entstehenden Kosten

für diese sogenannte Ersatzvornahme

müsse der Besitzer des

Fahrrads bezahlen. Dies gilt auch

für sogenannte Schrotträder und

für Fahrräder, die einzig und allein

zu Werbezwecken – ohne

wegerechtliche Erlaubnis – abgestellt

werden. Heike Viefhaus

Homeoffice:

Wann der Arbeitgeber

für Strom und Laptop

bezahlen muss

In Zeiten der Corona-Pandemie

arbeitet, wer kann, von zuhause

aus. Viele Arbeitnehmer

nutzen dabei ihre private Technik.

Für einige der Kosten muss

der Arbeitgeber aufkommen.

Ob Beschäftigte überhaupt im

Homeoffice oder mobil arbeiten

dürfen, muss im Arbeitsvertrag

festgelegt werden. Der Arbeitgeber

muss seine Mitarbeiter dann

auch mit den notwendigen Arbeitsgeräten

ausstatten, etwa einem

Laptop. Mit Beginn der Pandemie

musste es allerdings

schnell gehen, und viele Arbeitnehmer

nutzen für die Arbeit von

zuhause nun ihren privaten Computer

und ihr eigenes Handy.

„Arbeitnehmer haben Anspruch

auf Ersatz derjenigen

Aufwendungen, die sie im Interesse

des Arbeitgebers erbracht

haben“, erklärt Rechtsanwältin

Dr. Nathalie Oberthür vom Geschäftsführenden

Ausschuss der

Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht

des Deutschen Anwaltvereins.

Darunter fallen etwa Stromkosten

und Arbeitsmaterial.

Dabei ist entscheidend, dass

Arbeitnehmer die höheren Kosten

belegen können. Ein gesteigerter

Stromverbrauch wird sich

vermutlich leichter nachweisen

lassen als etwa ein erhöhter Verschleiß

von Geräten. „Der Arbeitgeber

muss hingegen nicht

für Kosten aufkommen, die den

Arbeitnehmern ohnehin entstanden

wären, etwa für eine

WLAN-Flatrate“, fügt Rechtsanwältin

Oberthür hinzu.

Heike Viefhaus


AUSFLUGSZIEL 31

Foto: © Jürgen Fälchle/Fotolia

Fahr mal raus

Rasante Abfahrten und schöne Landschaften

auf dem Löwentrail

Die beliebten Löwenpfade

haben jetzt eine Ergänzung für

Mountainbiker erhalten: die

Löwentrails. Seit Mai sind die

ersten drei der insgesamt sieben

geplanten Touren in Wiesensteig,

Gruibingen und Geislingen

mit einer Länge

zwischen 16 und 30 Kilometern

ausgeschildert und bieten vor

allem für Einsteiger und

E-Mountainbiker optimale Voraussetzungen.

Die Trailanteile

sind moderat, sodass technisches

Können nicht als Voraussetzung

für das Befahren der

Runden notwendig ist. Im Fokus

steht neben knackigen Anstiegen

und der reizvollen

Landschaft vor allem der Spaß

am Bikesport.

Die Reußenstein-Runde,

die beim Parkplatz Reußenstein

startet, bietet auf einer

Länge von etwas über 16 Kilometern

viel Abwechslung für

Mountainbiker. Die Strecke

verläuft größtenteils im Wald.

Auf Halbhöhenlage führt die

Tour an Wiesensteig entlang,

bevor die Biker nach dem Katzenfelsen

ins Tal fahren. Von

hier aus orientiert man sich am

idyllischen Lauf der Fils, die

sich in ein malerisches Wiesental

schmiegt und deren Ursprung

mit Schutzhütte und

Grillstelle ebenfalls an der

Strecke liegt. Zum Abschluss

der Rundtour geht es mit einem

moderaten Anstieg wieder

zurück auf die Albhochfläche

zum Ausgangspunkt.

Der Startpunkt der Teufelsloch-Runde

liegt am Parkplatz

bei der Sickenbühlhalle in

Gruibingen. Auf einer Strecke

von 29,7 Kilometern führt die

Teufelsloch-Runde rund um

Gruibingen und Bad Boll. Von

Gruibingen führt der Trail zuerst

nach Mühlhausen und

dann an der Kornberghütte

vorbei zum Kornbergsattel. Ein

schmaler Forstweg bringt die

Mountainbiker ins Tal zum sagenumwobenen

Teufelsloch im

Wald bei Eckwälden. Der Sage

nach diente ein großer, glattgeschliffener

Stein im Wald dem

Teufel als Tanzfläche. Von hier

aus folgt ein anspruchsvoller

Anstieg bis zum Gasthof Deutsches

Haus. Erneut wird in die

Pedale getreten, um den nächsten

Anstieg bis zum Boßlerhaus

zu schaffen. Hier belohnt

ein atemberaubender Panoramablick

auf das Voralbgebiet

die Radfahrer. Etwas oberhalb

warten die Jahrhundertsteine,

die mit Schlagwörtern aus der

Geschichte zum Nachdenken

anregen sollen, auf die Radsportler.

Über den Häringer

Steig führt die anspruchsvolle

Teufelsloch-Runde zurück zum

Parkplatz.

Mit dem Löwentrail Mordloch-Runde

zwischen Geislingen,

Böhmenkirch und Donzdorf

kann auf insgesamt 30,8

Kilometern die Schwäbische

Alb mit all ihrer rauen und doch

malerischen Schönheit entdeckt

werden. Ausgangspunkt ist der

SC-Parkplatz in Geislingen. Vor

hier aus führt die Strecke entlang

des Längentals und dann

über Forstwege auf den Tegelberg.

Vom Kuhfelsen eröffnet

sich ein wunderschöner Blick

ins mittlere Filstal. Über den

kleinen Weiler Kuchalb geht es

durch den Wald in Richtung

Oberweckerstell und dann über

die Hochfläche der Schwäbischen

Alb nach Schnittlingen.

Wer Zeit hat, kann noch einen

Abstecher zum Aussichtspunkt

Messelstein einplanen. Durch

das romantische Roggental

führt die Mordlochrunde ins

Tal. Über den Ravenstein erreichen

die Mountainbiker das bekannte

Mordloch im Eybacher

Tal. Der Sage nach sollen Wilderer

den Förster des Eybacher

Schlosses ermordet und die Leiche

in der Höhle versteckt haben.

Vorbei am Himmelsfelsen

geht es zurück zum Startpunkt.

Info

Die Broschüre zu den

neuen Löwentrails steht

im Internet unter

www.landkreisgoeppingen.de/

start/Tourismus/

Mountainbiken zum

Download bereit.

Foto: Sabine Graser-Kühnle

KREATIV-

UND KOMPETENT-

Kurfess Gebäudetechnik GmbH

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Fax 07331–29-400 | info@kurfess.de | www.kurfess.de


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