Taxi Times Berlin - 2. Quartal 2020
Verwandeln Sie Ihre PDFs in ePaper und steigern Sie Ihre Umsätze!
Nutzen Sie SEO-optimierte ePaper, starke Backlinks und multimediale Inhalte, um Ihre Produkte professionell zu präsentieren und Ihre Reichweite signifikant zu maximieren.
<strong>2.</strong> QUARTAL <strong>2020</strong><br />
www.taxi-times.taxi<br />
BERLIN<br />
GEBÜHRENREDUZIERUNG, EINKAUFS- UND ESSENSFAHRTEN<br />
BERLINER TAXIZENTRALE<br />
AKTIV GEGEN DIE KRISE<br />
„WOHLTÄTER“ BERLKÖNIG<br />
Pseudo-<strong>Taxi</strong>-Anbieter<br />
fahren weiter<br />
UMZUG DER BERLINER<br />
VERBÄNDE<br />
Vereint in neuen Räumen<br />
ANTI-ECKPUNKTE<br />
Verkehrssenatorin<br />
kritisiert Scheuer-Papier
INHALT<br />
BERLINER TAXIZENTRALE<br />
4 Umgang mit der Krise<br />
5 Einkaufszettel in der App<br />
6 <strong>Taxi</strong> bringt Lieblingsessen<br />
BERLINER WETTBEWERB<br />
7 Fragwürdiges Treiben der Pseudo-<br />
<strong>Taxi</strong>-Anbieter geht weiter<br />
8 Die nicht gemeinnützige Studie<br />
BERLINER VERBÄNDE<br />
8 Verbände in neuen Räumen<br />
BERLINER MELDUNGEN<br />
9 News<br />
BERLINER INITIATIVE<br />
10 Günther gegen Scheuer<br />
KOLUMNE<br />
12 Werde auch Du Uber-Pate!<br />
<strong>Berlin</strong>s Verkehrssenatorin Regine Günther hat ein<br />
Gegenpapier zu Scheuers Eckpunkten vorgelegt (S. 10).<br />
WEGE AUS DER KRISE<br />
Der Staat lässt uns hängen – so in etwa empfinden viele <strong>Taxi</strong>unternehmer<br />
die Corona-Politik. Die staatlichen Hilfen für bedrohte<br />
Gewerbetreibende, die niemand anderes als wir Steuerzahler und<br />
Arbeitslosenversicherten bezahlen müssen, werden ungleich verteilt<br />
und reichen gerade für Mittelständler hinten und vorne nicht.<br />
Etliche Betriebe haben ihre Flotten teilweise oder komplett außer<br />
Betrieb genommen, mit der Versicherung einen Deal gemacht,<br />
beim LABO eine Aussetzung der Betriebspflicht beantragt – und<br />
wissen nicht, wie sie diesen Monat überstehen sollen und wie<br />
lange die Krise noch dauert.<br />
Das Leben und das Geschäft müssen trotz allem weitergehen.<br />
Die <strong>Berlin</strong>er Funkzentrale hat ab Anfang April mit der Senkung<br />
der Funkbeiträge geholfen und bemüht sich überall, Aufträge zu<br />
akquirieren, sei es bei Politik und Wirtschaft, sei es bei Restaurants<br />
und Apotheken. Mit Neuerungen, die wir auf den folgenden<br />
Seiten (und in einer Meldung auf Seite 9) beschreiben, wurde<br />
schnellstmöglich so einiges auf die Beine gestellt, um im Rahmen<br />
der begrenzten Möglichkeiten das Beste aus dem Dilemma<br />
zu machen.<br />
<strong>Taxi</strong>unternehmer wurden mit Beginn der Krise umgehend aktiv<br />
und tüftelten Lösungen gegen Tröpfcheninfektionen im Auto aus.<br />
Schnell ließ man in Baumärkten Acrylglasscheiben zuschneiden<br />
oder klebte Folien an den Fahrzeughimmel im <strong>Taxi</strong>. Dienstleister<br />
fanden kreative Arten der Pkw-Desinfektion, sei es mit Chemikalien<br />
oder mit Trockeneis.<br />
<strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong> informiert online fast rund um die Uhr über die<br />
Möglichkeiten, staatliche Hilfen zu beantragen, über Trennschutz-<br />
Lösungen und über Ideen gegen die Auswirkungen der Krise.<br />
Taxen mit Trennscheibe oder -folie genießen bei der Kundschaft<br />
eine hohe Nachfrage. Wer so etwas hat, sollte sich sowohl bei <strong>Taxi</strong><br />
<strong>Berlin</strong> (fub@taxi-berlin.de) als auch bei <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong> (trennschutz@<br />
taxi-times.com) melden.<br />
Inzwischen scheint der Tiefpunkt der Krise hinter uns zu liegen.<br />
Sieht man sich die Auftragszahlen an, so geht es seit Anfang Mai<br />
wieder bergauf. Wir wünschen Ihnen die Kraft und das Durchhaltevermögen,<br />
die Krise zu überstehen, und dass der angestaute<br />
Konsumhunger sich danach explosionsartig entlädt und uns eine<br />
Belebung des <strong>Taxi</strong>geschäfts und aller anderen angeschlagenen<br />
Branchen beschert.<br />
– die Redaktion –<br />
FOTOS: Wilfried Hochfeld, Hayrettin Şimşek / <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />
IMPRESSUM<br />
Verlag<br />
taxi-times Verlags GmbH<br />
Persiusstr. 7<br />
10245 <strong>Berlin</strong>, Deutschland<br />
Telefon: +49 (0)30 / 55 57 92 67-0<br />
E-Mail: info@taxi-times.com<br />
Internet: www.taxi-times.com<br />
Geschäftsführer und V. i. S. d. P.<br />
Jürgen Hartmann (jh)<br />
Bankverbindung<br />
Stadtsparkasse München<br />
IBAN: DE89701500001003173828<br />
BIC: SSKMDEMM<br />
UST-ID: DE293535109<br />
Handelsregister: Amtsgericht München<br />
HRB 209524<br />
Redaktion (tt)<br />
Stephan Berndt (sb), Jürgen Hartmann (jh),<br />
Wilfried Hochfeld (wh), Axel Rühle (ar),<br />
Hayrettin Şimşek (hs)<br />
E-Mail: tt-berlin@taxi-times.taxi<br />
Mitarbeiter dieser Ausgabe<br />
Irene Jaxtheimer (jx), Rumen Milkow (rm),<br />
Leszek Nadolski (ln)<br />
Grafik & Layout<br />
Stanislav Statsenko, info@inversi-design.de<br />
Anzeigenleitung und Vertrieb<br />
Jürgen Hartmann, anzeigen@taxi-times.com<br />
Telefon: +49 (0)30 / 55 57 92 67-0<br />
Druck<br />
Silber Druck oHG, Otto-Hahn-Straße 25<br />
D-34253 Lohfelden<br />
Erscheinungsweise: Aufgrund der Corona-Pandemie<br />
wurde die Regionalausgabe <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong> <strong>Berlin</strong><br />
(ISSN-Nr.: 2367-3842) als eigenständiger Sonderteil<br />
in <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong> DACH integriert.<br />
Weitere Verlagsmagazine:<br />
<strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong> DACH, <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong> München<br />
Die <strong>Taxi</strong> <strong>Berlin</strong> TZB GmbH bekommt in <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />
<strong>Berlin</strong> eigens gekennzeichnete Mitteilungsseiten, für<br />
deren Inhalte die Genannte im Sinne des Presserechtes<br />
selbst verantwortlich ist.<br />
Veröffentlichung gemäß § 7a <strong>Berlin</strong>er Pressegesetzes<br />
bzw. § 8, Absatz 3 des Bayerischen Pressegesetzes.<br />
Gesellschafter (100 %) der taxi-times Verlags GmbH,<br />
<strong>Berlin</strong>, ist Jürgen Hartmann.<br />
TITEL: stock.adobe.com<br />
2 <strong>2.</strong> QUARTAL <strong>2020</strong> TAXI - Regionalausgabe <strong>Berlin</strong>
BERLINER TAXIZENTRALE<br />
<strong>Taxi</strong>-<strong>Berlin</strong>-<br />
Geschäftsführer<br />
Hermann Waldner<br />
spricht mit einem<br />
Fernsehteam über<br />
Maßnahmen gegen<br />
die Krise<br />
MIT TAXI BERLIN AUS DER KRISE<br />
Neben den eigenen Mitarbeitern trägt eine <strong>Taxi</strong>funkgesellschaft auch<br />
Verantwortung für viele angeschlagene Unternehmen. <strong>Taxi</strong> <strong>Berlin</strong> setzt<br />
seit März sukzessive gezielte Maßnahmen um.<br />
FOTO: Axel Rühle / <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />
Eine große <strong>Taxi</strong>funkgesellschaft<br />
muss vielseitig aktiv und vernetzt<br />
sein, wenn sie ihren Teilnehmern<br />
stetig Aufträge servieren will. Eine Krise,<br />
die sich in ihrer Art und ihren Ausmaßen<br />
niemand ausmalen konnte, verlangt von<br />
einer Funkgesellschaft vielfältige Maßnahmen.<br />
Mit Schnellschüssen ist in Extremsituationen<br />
meist niemandem geholfen. Im<br />
Kampf gegen drohende Insolvenzen sind<br />
sowohl umgehend eingeleitete als auch<br />
wohlüberlegte Maßnahmen gefragt.<br />
Eine der ersten Reaktionen auf die<br />
Krise bestand darin, Gespräche mit Entscheidungsträgern<br />
in der Politik sowie mit<br />
potentiellen Auftraggebern, beispielsweise<br />
in der Wirtschaft, aufzunehmen, um das<br />
<strong>Taxi</strong>gewerbe in das Krisenmanagement<br />
einzubinden und die Wahrnehmung seiner<br />
Funktion als systemrelevante Institution<br />
zu stärken. Während die <strong>Taxi</strong>unternehmer<br />
die Wichtigkeit einer Abschirmung zwischen<br />
Fahrern und Fahrgästen erkannten<br />
und begannen, erste improvisierte Trennscheiben<br />
in ihren Fahrzeugen zu installieren,<br />
hatte Geschäftsführer Hermann Waldner<br />
bereits Gesprächstermine in schneller<br />
Abfolge. Zu einem Interviewtermin mit<br />
einem ARD-Fernsehteam am 20. März lud<br />
er auch <strong>Taxi</strong>unternehmer und die <strong>Berlin</strong>er<br />
Lokalredaktion der <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong> in die Persiusstraße<br />
ein, um der Öffentlichkeit zu<br />
präsentieren, wie aktiv das <strong>Taxi</strong>gewerbe<br />
die Herausforderung angenommen hatte.<br />
Dass die Funkteilnehmer, sprich die<br />
angeschlossenen <strong>Taxi</strong>betriebe, die Krise<br />
kaum ohne Hilfe überstehen würden, war<br />
schnell abzusehen. Eine wichtige Maßnahme<br />
in diesem Bereich war deshalb die<br />
Halbierung von Funkbeiträgen. Ende März<br />
teilte <strong>Taxi</strong> <strong>Berlin</strong> seinen Teilnehmern mit,<br />
dass sämtliche fixen Grundgebühren für<br />
den Monat April auf 50 Prozent reduziert<br />
werden. Lediglich die Gebühren für die<br />
vermittelten Funkfahrten im März lasse<br />
man unverändert. Man habe sich zu dieser<br />
kurzfristigen Maßnahme entschieden, weil<br />
man der Verantwortung sowohl gegenüber<br />
den Teilnehmern als auch gegenüber der<br />
Zentrale gerecht werden müsse.<br />
STUNDUNG WÄRE SINNLOS<br />
„Wir haben uns bewusst gegen eine Stundung<br />
der Beiträge entschieden, weil unsere<br />
Funkteilnehmer zu dem Zeitpunkt, wenn<br />
sich das Geschäft wieder normalisiert,<br />
ja nicht das Doppelte verdienen werden,<br />
um dann die laufenden wie auch die aufgelaufenen,<br />
gestundeten Funkgebühren<br />
zurückzubezahlen“, sagte Geschäftsführer<br />
Hermann Waldner gegenüber <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong>.<br />
Man habe als Zentrale, wo immer möglich,<br />
die Betriebskosten gesenkt und könne nun<br />
das damit Erreichte weitergeben. „Selbstverständlich<br />
behalten wir die Lage im Blick<br />
und werden kurzfristig auf die jeweilige<br />
Situation reagieren.“ Er bedankte sich für<br />
den großen Zuspruch. Auch für Mai wurden<br />
die Grundgebühren der Funkbeiträge<br />
reduziert, diesmal um 35 Prozent.<br />
Eine so deutliche Senkung der Beiträge<br />
ist für eine Funkgesellschaft keine Selbstverständlichkeit<br />
und nicht leicht umsetzbar,<br />
denn auch in der Krise fallen wie für<br />
jeden <strong>Taxi</strong>betrieb die laufenden Kosten weiter<br />
an. Ein Einbruch der Auftragszahlen<br />
senkt nur einen geringen Teil der monatlichen<br />
Ausgaben, da man einen für einen Teil<br />
des Personals Kurzarbeit anmelden kann.<br />
Dann zahlt die Arbeitsagentur einen Teil<br />
der Löhne, doch die Arbeitskraft steht entsprechend<br />
nur noch eingeschränkt zur Verfügung.<br />
Das wiederum steht der Notwendigkeit<br />
entgegen, der Krise mit verstärkten<br />
Bemühungen zur Auftragsakquise und<br />
zur Erschließung neuer Geschäftsfelder<br />
zu begegnen.<br />
Zwei Ergebnisse dieser dennoch erfolgreichen<br />
Bemühungen sind bereits Teil der<br />
Vermittlung bei <strong>Taxi</strong> <strong>Berlin</strong>. Dazu mehr auf<br />
der nächsten Doppelseite.<br />
ar<br />
TAXI BERLIN TZB GMBH<br />
Persiusstraße 7, 10245 <strong>Berlin</strong><br />
Telefon: +49 (0)30 / 690 27 20<br />
Telefax: +49 (0)30 / 690 27 19<br />
E-Mail: info@taxi-berlin.de<br />
www.taxi-berlin.de<br />
Öffnungszeiten Kundencenter<br />
und Technikcenter<br />
Mo - Fr 10.00 bis 17.00 Uhr<br />
momentan nur Di + Do 10 - 16 Uhr<br />
Geschäftsführer<br />
Hermann Waldner<br />
Presserechtlich verantwortlich für<br />
diese Seite: Hermann Waldner<br />
Redaktion: Axel Rühle (ar)<br />
Pressekontakt: presse@taxi-berlin.de<br />
TAXI - Regionalausgabe <strong>Berlin</strong> <strong>2.</strong> QUARTAL <strong>2020</strong><br />
3
BERLINER TAXIZENTRALE<br />
DER<br />
EINKAUFSZETTEL<br />
IN DER TAXI-APP<br />
„Du shoppst, wir liefern“ – dieses Angebot haben<br />
App-Besteller von <strong>Taxi</strong> <strong>Berlin</strong> bereits weit über<br />
1.000 mal wahrgenommen. Die Besonderheit: Die<br />
Smartphone-Bezahlung für Waren und Lieferung<br />
erfolgt mit einem einzigen Vorgang.<br />
Den Anfang machte die <strong>Berlin</strong>er Zentrale bereits Ende<br />
März. Kaum hatte die einsetzende Corona-Krise zu<br />
massiven Umsatzeinbrüchen geführt, entwickelte man<br />
gemeinsam mit dem Software-Entwickler fms den elektronischen<br />
Einkaufszettel, um schnellstmöglich weitere Geschäftsfelder für<br />
die Funkteilnehmer zu erschließen. Inzwischen wird dieses Feature<br />
auch von anderen Zentralen genutzt.<br />
Wirklich neu ist die Idee nicht: Wer krank ist oder wegen der<br />
Ansteckungsgefahr Sorge hat, einkaufen zu gehen, ist auf eine<br />
Lieferung angewiesen. Im Bemühen, Aufträge zu generieren, integrierte<br />
<strong>Taxi</strong> <strong>Berlin</strong> das neue Bestellsegment innerhalb kurzer<br />
Zeit in die <strong>Taxi</strong>-<strong>Berlin</strong>-App. App-Benutzer, die ein bargeldloses<br />
Zahlungsmittel in der App hinterlegt haben, bekommen neben den<br />
Optionen <strong>Taxi</strong>, XXL, Business und Green auch die „Einkaufsfahrt“<br />
angeboten, untermalt mit dem Motto „Du shoppst, wir liefern“.<br />
Klickt der Kunde die Option an, kann er dem Fahrer in einem<br />
Textfeld die individuellen Wünsche sowie den bevorzugten Laden<br />
übermitteln. Der Funkauftrag auf dem Display im <strong>Taxi</strong> enthält<br />
dann das Merkmal „Einkaufsfahrt APP“ sowie den Einkaufszettel,<br />
die Telefonnummer und die Adresse des Kunden.<br />
Damit Fragen geklärt und nötigenfalls Einzelheiten abgesprochen<br />
werden können, wird der Kunde beim Absetzen der<br />
Bestellung darauf hingewiesen, dass seine Telefonnummer an<br />
den Fahrer übermittelt wird – eine Erleichterung, die Fahrer<br />
sich für alle Aufträge sehnlich wünschen, und die leider nur bei<br />
elektronischen Bestellungen möglich ist, da der User sich hierbei<br />
automatisch dazu bereit erklärt. Bei telefonischen Bestellungen<br />
ist das datenschutzrechtlich ausgeschlossen, da man ansonsten<br />
jeden Anrufer die Allgemeine Geschäftsbedingungen vorlesen<br />
und sein Einverständnis aufzeichnen müsste.<br />
Die Liefermöglichkeit ist von der Kundschaft gut angenommen<br />
worden, kann aber natürlich nicht das übliche Geschäft ersetzen.<br />
Dennoch lassen Kunden sich mit dem <strong>Taxi</strong> Lieferungen von Apotheken,<br />
Drogeriemärkten, Optikern und sogar Schnellrestaurants<br />
kommen.<br />
Nachdem das Modell in <strong>Berlin</strong> erfolgreich angelaufen war, erläuterte<br />
der App-Entwickler in einer Nachricht an die Kunden das<br />
Modell und führte dazu aus: „Der User wählt das Produkt ‚Einkaufstour’,<br />
gibt die Lieferadresse ein und notiert im Feld Einkaufsliste/Fahrerinfo<br />
die entsprechenden Lebensmittel, die dann vom<br />
<strong>Taxi</strong> geliefert werden. In Abhängigkeit der Lieferadresse steuert<br />
der <strong>Taxi</strong>fahrer nach Bestelleingang den nächstgelegenen Laden an<br />
und erledigt die Besorgungen. Der Kunde hat keine Zusatzkosten<br />
und bezahlt nur die Kosten für den Einkauf und die Fahrt.“<br />
Somit ist der Weg auch für andere Zentralen und sogar für taxi.<br />
eu frei, das Feature zu nutzen. Voraussetzung, um die Abrechnung<br />
unkompliziert und sicher abzuwickeln, ist laut <strong>Taxi</strong>-<strong>Berlin</strong>-<br />
Geschäftsführer Hermann Waldner die bargeldlose Zahlung mit<br />
der <strong>Taxi</strong>-App. Daher wird das Produkt ‚Einkaufstour’ in der <strong>Taxi</strong>-<br />
App nur verfügbar, wenn der User ein bargeldloses Zahlungsmittel<br />
wie Paypal, Kreditkarte, Amazon Pay oder Apple Pay hinterlegt<br />
hat. Bar bezahlen kann er dann auf Wunsch trotzdem. ar<br />
22,90€<br />
LERNBUCH UND APP<br />
Spezialatlas zum<br />
<strong>Taxi</strong>schein für <strong>Berlin</strong><br />
Das Standardwerk für P-Schein-Anwärter,<br />
Ausbilder und Prüfer zur Klärung von Fragen<br />
zur Ortskunde in <strong>Berlin</strong><br />
Mehr Infos: www.spezialatlas.de<br />
Die Trainings-App (Android; iOS) zur Vorbereitung auf<br />
die P-Schein-Prüfung für <strong>Taxi</strong>fahrer in <strong>Berlin</strong>.<br />
Neu: mit Prüfungssimulation<br />
4 <strong>2.</strong> QUARTAL <strong>2020</strong> TAXI - Regionalausgabe <strong>Berlin</strong>
BERLINER TAXIZENTRALE<br />
DAS TAXI BRINGT ESSEN<br />
ZUM PAUSCHALPREIS<br />
Nachdem der elektronische Einkaufszettel in der <strong>Taxi</strong>-<strong>Berlin</strong>-App<br />
implementiert war, konzipierte ein Team aus Marketing- und Technik-<br />
Mitarbeitern das nächste Projekt: Essens-Lieferfahrten zum Pauschalpreis<br />
FOTO: <strong>Taxi</strong> <strong>Berlin</strong><br />
Wenn der Kunde nicht ins Restaurant<br />
darf, muss das Essen<br />
manchmal zum Kunden<br />
gebracht werden. Wer nicht selbst einkaufen<br />
oder bestelltes Essen abholen kann,<br />
weil er zum Beispiel krank, gebrechlich,<br />
in Quarantäne oder nicht mehr fahrtüchtig<br />
ist, kann auch Lieferdienste beauftragen.<br />
Diese sind aber gerade während der<br />
Corona-Krise zum Teil überlastet. Mitunter<br />
scheuen Restaurants auch vor der Zusammenarbeit<br />
mit herkömmlichen Lieferdiensten<br />
zurück, wenn diese den mühsam<br />
gewonnenen Stammkunden ebenso die<br />
kulinarische Palette aller Konkurrenz-Restaurants<br />
anbieten. Dies dürfte vor allem bei<br />
Anbietern für gehobene Ansprüche der Fall<br />
sein, und an diese richtet sich das Projekt<br />
„<strong>Taxi</strong> <strong>Berlin</strong> bringt Dein Lieblingsessen“<br />
schwerpunktmäßig, denn wer Essen für<br />
zehn Euro pro Portion bestellt, wird selten<br />
bereit sein, ein <strong>Taxi</strong> nur für die Lieferung<br />
zu bezahlen.<br />
Essen vom Restaurant nach Hause bringen<br />
– das macht das <strong>Taxi</strong>gewerbe schon immer.<br />
Die Herausforderung bestand nun darin, die<br />
Idee den Kunden möglichst griffig, leicht verständlich<br />
und transparent zu präsentieren.<br />
Der Besteller soll wissen, was er erwarten<br />
kann, und wie er das leicht bekommt.<br />
Ein wichtiger Bestandteil des neuen<br />
Angebots ist deshalb ein Pauschalpreis.<br />
Da die Tarifpflicht nur bei Personenbeförderung<br />
gilt, kann man diesen anbieten,<br />
ohne Fahrer zu solchen Aufträgen zu verpflichten.<br />
Um dem Fahrer kein unnötiges<br />
Risiko zuzumuten, muss er nicht in Vorleistung<br />
gehen, sondern das Essen vom Restaurant<br />
zum Kunden bringen, gleichzeitig<br />
für das Essen und die Lieferung kassieren<br />
(zwei Rechnungen mit unterschiedlichen<br />
Steuersätzen) und das Geld für das Essen<br />
anschließend zusammen mit der Transportkiste<br />
im Restaurant abliefern.<br />
Der Vorgang besteht also aus der<br />
Anfahrt, einer Fahrt vom Restaurant zum<br />
Kunden und einer Rückfahrt zum Restaurant.<br />
Als Pauschalpreis wurden 12,50<br />
Euro festgelegt. Für den Fall, dass jemand<br />
Essen aus einem mehr als fünf Kilometer<br />
entfernten Lokal bestellt, zahlt er 16 Euro<br />
für Lieferungen bis acht, 20 Euro für Lieferungen<br />
bis zehn und den <strong>Taxi</strong>tarif bei<br />
Lieferungen über zehn Kilometer, allerdings<br />
für Hin- plus Rückfahrt. Wer sich als<br />
Fahrer die Rückfahrt ersparen will, kann<br />
Essen in Einweg-Lieferverpackungen auch<br />
gleich beim Abholen bezahlen und darauf<br />
vertrauen, dass alles gut geht. Bei Fehlfahrt<br />
oder Falschlieferung ist der Gastwirt zur<br />
Zahlung einer Pauschale von 5 Euro als<br />
Entschädigung für das entgangene Fahrgeld<br />
verpflichtet.<br />
Die „magische“ Telefonnummer sowohl für<br />
den hungrigen Besteller zu Hause als auch<br />
für den interessierten Gastwirt ist die (030)<br />
23 00 25. Der Kunde oder der registrierte<br />
Gastwirt muss also nur die Hotline anrufen,<br />
den Zeitpunkt zur Abholung angeben<br />
und die Adresse sowohl des Restaurants<br />
als auch des Kunden nennen.<br />
Beim Öffnen der Internetseite von <strong>Taxi</strong><br />
<strong>Berlin</strong> stößt man derzeit auf ein appetitliches<br />
Bild mit zwei Links zu dem Projekt,<br />
einem für Bestellkunden und einem<br />
für Gastwirte. Dort wird für beide Gruppen<br />
kurz und anschaulich beschrieben,<br />
wie das ganze funktioniert. Die Fahrer<br />
sind bereits per Newsletter informiert<br />
worden. Wer nicht teilnehmen möchte,<br />
kann die Aufträge einfach jedes Mal<br />
ablehnen oder per E-Mail an die Fahrer-<br />
und Unternehmerbetreuung das<br />
Fahrermerkmal „Essen liefern“ aus seinem<br />
Profil entfernen lassen.<br />
ar<br />
TAXI - Regionalausgabe <strong>Berlin</strong> <strong>2.</strong> QUARTAL <strong>2020</strong><br />
5
BERLINER WETTBEWERB<br />
Totgesagte leben länger<br />
UBER, BERLKÖNIG & CO.<br />
FAHREN WEITER<br />
Auch die Pseudo-<strong>Taxi</strong>-Anbieter versuchten, aus der Krise das Beste zu<br />
machen. Ob bloße Image-Aufbesserung oder staatlich unterstützte<br />
Krankenfahrten: Meist geschah es zum Schaden des <strong>Taxi</strong>gewerbes.<br />
Der Berlkönig, betrieben von der<br />
Daimler-Tochter ViaVan und der<br />
BVG, erwirtschaftet Verluste, wie<br />
Uber. In der Krise fand er seine Notbestimmung.<br />
Er fuhr vom 25.3. an kostenlos<br />
medizinisches Personal. Am 17.4. teilte<br />
die BVG mit, man stelle den „Ridepooling-<br />
Service BerlKönig weiter in den Dienst des<br />
<strong>Berlin</strong>er Gesundheitswesens“ und fahre<br />
„exklusiv und kostenlos ärztliches Personal,<br />
Pflegepersonal, medizinische Fachangestellte<br />
und Rettungskräfte.“ Eigentlich<br />
hatte der Dienst schon vor der Krise eingestellt<br />
werden sollen, da man nur mit<br />
43 Millionen an jährlichen Steuergeldern<br />
weitermachen wollte.<br />
Moia, bisher ausschließlich von VW<br />
gesponsert, Anbieter in Hamburg und Hannover<br />
(in <strong>Berlin</strong> hatte man keine Genehmigung<br />
erhalten), hatte seinen Dienst zwar<br />
zunächst eingestellt, erfreute sich nun<br />
aber nächtlicher Fahrten in Hamburg. Der<br />
dortige Senat übernahm ab Anfang April<br />
die Kosten für Moia-Fahrten zwischen virtuellen<br />
Haltestellen von null bis sechs Uhr<br />
komplett und für <strong>Taxi</strong>fahrten mit vier Euro<br />
Fahrgastbeteiligung.<br />
Uber, auf dessen Tür-Klebern neuerdings<br />
betont wird, man sei Vermittler und<br />
nicht selbst Beförderer, verkündete Mitte<br />
April: „Uber vermittelt 20.000 kostenfreie<br />
Fahrten für Beschäftigte im Gesundheitswesen.<br />
Start am Donnerstag, 16. April<br />
<strong>2020</strong>, in München; <strong>Berlin</strong>, Frankfurt/Main,<br />
Köln und Düsseldorf folgen“. Was das <strong>Taxi</strong><br />
in einigen Städten – teils staatlich unterstützt,<br />
teils in selbstloser Eigeninitiative<br />
– bereits eingeführt hatte, entdeckte auch<br />
der amerikanische Milliardenkonzern für<br />
sich.<br />
EINE GUTE TAT – ZUMINDEST<br />
FÜR DEN RUF VON UBER<br />
Die Zahl von 20.000 Fahrten bezog sich<br />
offenbar auf alle genannten Städte zusammen.<br />
Die Fahrer erhielten laut Uber den vollen<br />
Fahrpreis – oder war das gemeint, was<br />
nach Abzug der ubertypisch hohen Vermittlungsmarge<br />
davon übrig bleibt? <strong>Taxi</strong><br />
<strong>Times</strong> hat aus online verfügbaren Daten<br />
grob überschlagen, dass in den genannten<br />
Städten rechnerisch jeder zehnte Arzt oder<br />
Krankenpfleger einmal eine der kostenlosen<br />
Uber-Fahrten abbekommen könnte.<br />
Ubers Offensive erscheint damit nicht<br />
wirklich wie die Absicht, effektiv zu helfen.<br />
Wäre nicht alles eher traurig, könnte man<br />
von einem PR-Gag sprechen.<br />
So mancher Anbieter vollbrachte also<br />
medienwirksam „guten Taten“ – die die<br />
Not des <strong>Taxi</strong>gewerbes weiter verschlimmerten.<br />
In <strong>Berlin</strong> sind seit März weniger<br />
Pkw auf den Straßen unterwegs, was auch<br />
für <strong>Taxi</strong>s gilt. Gerade mittelständische<br />
Betriebe mit mehr als zehn Fahrzeugen<br />
haben aufgrund fehlender staatlicher Nothilfen<br />
zum Teil ihre kompletten Flotten eingemottet.<br />
Der Anteil an Free-Now-, Uber-,<br />
Berlkönig- und Clever-Shuttle-Fahrzeugen<br />
im Straßenverkehr hat aber nicht auffallend<br />
abgenommen. Sie alle verzeichnen<br />
zwar erhebliche Umsatzeinbußen, verfügen<br />
aber mit Ausnahme von Clever Shuttle<br />
über quasi unendlich liquide Geldgeber,<br />
die ausschließlich ihren profithungrigen<br />
Anlegern verpflichtet sind.<br />
Ebenfalls nicht gut lief es schon im letzten<br />
Jahr für Clever Shuttle, betrieben von<br />
der GHT Mobility GmbH, die zu 76 Prozent<br />
der Deutschen Bahn AG (und damit dem<br />
Staat) gehört und zu je zwölf Prozent dem<br />
Gründer-Trio und (seit letztem Oktober)<br />
dem japanischen Konzern Mitsui.<br />
In drei der acht Städte gab der Fahrdienst<br />
auf, doch in <strong>Berlin</strong> ging er einen ähnlichen<br />
Weg wie der Berlkönig und fuhr – laut <strong>Berlin</strong>er<br />
Zeitung – für das Robert-Koch-Institut<br />
und die Charité, häufig erkennbar an den<br />
weiß-grünen Autos am Campus Mitte der<br />
Charité.<br />
ar<br />
FOTO: Axel Rühle / <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />
6 <strong>2.</strong> QUARTAL <strong>2020</strong> TAXI - Regionalausgabe <strong>Berlin</strong>
BERLINER WETTBEWERB<br />
DIE NICHT<br />
GEMEINNÜTZIGE<br />
STUDIE<br />
Eine Studie soll Pooling-Dienste stärken und<br />
als sinnvolle ÖPNV-Ergänzung positionieren<br />
– dort, wo andere Verkehrsformen nur<br />
schlecht bedienen können. Tut sie das?<br />
Clever Shuttle und die Charité: fragwürdige<br />
Zweckgemeinschaft<br />
FOTO: Leszek Nadolski<br />
Ein Kommentar von Leszek Nadolski<br />
Wir, die Innung des <strong>Berlin</strong>er<br />
<strong>Taxi</strong>gewerbes e. V., melden<br />
uns anlässlich der Expansionspläne<br />
von Clever Shuttle und der hochgelobten<br />
WZB-Studie zu Wort. Dabei handelt<br />
es sich um eine im April <strong>2020</strong> erschienene<br />
Untersuchung zur Bedeutung von Pooling-<br />
Diensten, die vom Wissenschaftszentrums<br />
<strong>Berlin</strong> für Sozialforschung (WZB) erstellt<br />
wurde, einer gemeinnützigen GmbH, die<br />
zu 75 Prozent dem Bund und zu 25 Prozent<br />
dem Land <strong>Berlin</strong> gehört.<br />
Interessant an der Studie ist, dass die<br />
Datenauswertung in sichtlich geringem<br />
Maße tatsächlich die formulierten Ziele<br />
stützt. Denn die Ergebnisse zeigen, dass<br />
der Fokus von Pooling-Diensten im Zentrum<br />
von Innenstädten liegt – wo das Angebot<br />
an Bus, Bahn und <strong>Taxi</strong> am höchsten und<br />
zeitlich am längsten in kurzen Intervallen<br />
verfügbar ist. Zudem liegt der Haupt-Nutzungszeitraum<br />
von Clever Shuttle zwischen<br />
18:00 und 1:00 Uhr – sowohl in der Woche<br />
als auch am Wochenende. Innerhalb dieses<br />
Zeitraumes sind die Wartezeiten auf ÖPNV<br />
in Stadtzentren jedoch weder gering, noch<br />
fehlen sie. 55 Prozent der Befragten hätten<br />
Bus oder Bahn genutzt und nur knapp 10<br />
Prozent das eigene Auto, wenn es Clever<br />
Shuttle nicht gegeben hätte. 20 Prozent<br />
hätten das <strong>Taxi</strong> genutzt. Dieses Ergebnis<br />
spricht deutlich gegen die Behauptung,<br />
dass der ÖPNV ergänzt würde. Insgesamt<br />
sprechen diese Befunde eher gegen die<br />
Ziele der Studie. Medial wird dies jedoch<br />
wie so oft etwas verschleiert.<br />
GELDER LASSEN SICH<br />
SINNVOLLER EINSETZEN<br />
Das <strong>Taxi</strong>gewerbe, das ein Teil des öffentlichen<br />
Personennahverkehrs, also der<br />
Daseinsvorsorge ist, ist in der aktuellen<br />
Pandemie-Situation mit Umsatzeinbrüchen<br />
von schätzungsweise 80 bis 90 Prozent<br />
betroffen. Die gewährten Sonderzahlungen<br />
über die IBB und ähnliche Maßnahmen<br />
können die betriebswirtschaftlichen Verluste<br />
nur für eine sehr kurze Zeit abfedern.<br />
Die Fahrer sind bei einem Kurzarbeitergeld,<br />
in dessen Berechnung Zulagen für<br />
Nachtarbeit und Trinkgeld natürlich nicht<br />
einfließen, zusätzlich auf Arbeitslosengeld<br />
II angewiesen.<br />
Da die Auswirkungen der Pandemie die<br />
Welt sicher noch sehr lange beschäftigen<br />
werden, möchten wir abermals unsere<br />
Gesprächsbereitschaft anbieten, denn das<br />
Steuergeld, das KuG und AlgII kosten,<br />
könnte man sinnvoller einsetzen, so dass<br />
ein Gewinn für die Bevölkerung durch<br />
Transportmöglichkeiten im <strong>Taxi</strong> entsteht.<br />
DASEINSVORSORGE WIRD<br />
NICHT ERNSTGENOMMEN<br />
Weiter hat das Gewerbe schon sehr<br />
frühzeitig angeboten, Krankenhauspersonal<br />
und Pflegepersonal zu einem besonders<br />
günstigen Tarif zu fahren. Damit<br />
könnte der Geschäftsbetrieb und somit die<br />
Daseinsvorsorge gegebenenfalls im Bereich<br />
der Mobilität durch gezielte Subventionen<br />
aufrechterhalten werden.<br />
Wie wir unlängst der Presse entnehmen<br />
konnten, ist der Regierende Bürgermeister<br />
von <strong>Berlin</strong> ein großer Verfechter<br />
der Daseinsvorsorge. Das könnte zu dem<br />
Gedanken führen, dass der Rest des <strong>Berlin</strong>er<br />
Senats dieser Idee folgt. Bemerkenswert,<br />
dass dies in der Presse betont werden<br />
muss, da die Daseinsvorsorge ja ohnehin<br />
zu den Staatsaufgaben gehört, im Falle<br />
des <strong>Taxi</strong>gewerbes aber offensichtlich nicht<br />
ernst genommen wird.<br />
Die Situation stellt sich also aktuell so<br />
dar: Von den ca. 8.000 <strong>Berlin</strong>er Taxen steht<br />
eine nicht unerhebliche Anzahl von ca.<br />
3.000 abgemeldet still. Die verbleibenden<br />
ca. 5.000 Fahrzeuge gewährleisten zwar<br />
die Daseinsvorsorge für verbliebene Fahrgäste,<br />
allerdings mit einem Stundenumsatz,<br />
von dem sich der Betrieb sehr deutlich<br />
nicht aufrechterhalten lässt.<br />
In diesem Zusammenhang müssen wir<br />
abermals aufs schärfste gegen das Gewährenlassen<br />
von ViaVan (Berlkönig) und der<br />
Deutschen Bahn (Clever Shuttle) in <strong>Berlin</strong><br />
protestieren.<br />
PROBEWEISE GENEHMIGUNG<br />
GALT FÜR POOLING<br />
Wir fragen uns, wie die aktuelle Tätigkeit<br />
von Berlkönig und Clever Shuttle in<br />
<strong>Berlin</strong> mit dem Personenbeförderungsgesetz<br />
vereinbar ist. Zugelassen sind<br />
diese Verkehrsformen zur Erprobung des<br />
Pooling-Verkehrs nach § 2 (7) PBefG. Wie<br />
kann es sein, dass nun jeweils nur noch ein<br />
Fahrgast befördert wird, und das im Falle<br />
von Berlkönig, der seinen Dienst eigentlich<br />
zum 1.4. einstellen wollte, auch noch mit<br />
der Subvention durch den <strong>Berlin</strong>er Senat?<br />
Eine Subvention, die erst im Februar abgelehnt<br />
wurde!<br />
Somit erbringen diese beiden Dienste<br />
keinen Verkehr mehr nach dem Erprobungsparagraphen<br />
des PBefG, sondern<br />
schlicht die Dienstleistung <strong>Taxi</strong> – diese<br />
erfordert aber eine <strong>Taxi</strong>konzession. Besonders<br />
ärgerlich ist, dass die Fahrzeuge von<br />
Clever Shuttle den Eindruck erwecken, sich<br />
unerlaubt bereitzuhalten, zum Beispiel an<br />
der Charité. Dies ist auch nach dem PBefG<br />
nur den Taxen gestattet!<br />
Die „Krise“, in die uns die Verbreitung<br />
des Coronavirus geworfen hat, bringt in<br />
vielen Bereichen ungelöste, unbearbeitete,<br />
ignorierte und ganz besonders auch falsch<br />
gehandhabte Aufgaben an den Tag. Wir<br />
fordern die zuständigen Stellen im Senat<br />
auf, ihren Teil an den „Aufräumarbeiten“<br />
unverzüglich beizutragen und mit dem<br />
<strong>Taxi</strong>gewerbe gemeinsam zu einer Lösung<br />
zu kommen.<br />
ln<br />
TAXI - Regionalausgabe <strong>Berlin</strong> <strong>2.</strong> QUARTAL <strong>2020</strong><br />
7
BERLINER GEWERBE<br />
DREI VERBÄNDE AN EINER<br />
ADRESSE:<br />
PERSIUSSTRASSE 7,<br />
10245 BERLIN<br />
<strong>Taxi</strong>verband <strong>Berlin</strong>, Brandenburg e. V.<br />
Öffnungszeiten: Di und Do 12 bis 15 Uhr<br />
Tel.: +49 30 / 20 20 21 319<br />
E-Mail: taxiverband@t-online.de<br />
www.taxiverband-berlin.de<br />
<strong>Taxi</strong> Deutschland und „Innung“: Leszek Nadolski, Irene Jaxtheimer,<br />
Carsten Reichert, Mariusz Kramer, Michele Kramer, Ahmad Vahdati (v.l.n.r.)<br />
Innung der <strong>Berlin</strong>er <strong>Taxi</strong>gewerbes e. V.<br />
Sekretariat: Mo bis Do 10 bis 16 Uhr<br />
Tel.: +49 30 / 23 62 72 01<br />
E-Mail: info@taxiinnung.org<br />
www.facebook.com/taxiinnung<br />
VERBÄNDE MIT<br />
NEUEN RÄUMEN<br />
<strong>Taxi</strong> Deutschland <strong>Berlin</strong> e. V.<br />
Sekretariat: Mo bis Do 10 bis 16 Uhr<br />
Tel.: +49 30 / 202 02 13 10<br />
Fax: +49 30 / 202 02 13 11<br />
E-Mail: berlin@taxideutschland.eu<br />
www.taxideutschland.eu<br />
www.facebook.com/taxi.deutschland.eu<br />
Die Geschäftsräume von <strong>Taxi</strong> Deutschland <strong>Berlin</strong> e. V. und der<br />
„Innung“ des <strong>Berlin</strong>er <strong>Taxi</strong>gewerbes befinden sich seit Jahresbeginn im<br />
Quergebäude am Parkplatz des Kundencenters in der Persiusstraße.<br />
Hico_04-2016.qxp_Layout 1 06.04.16 10:04 Seite 1<br />
Im klaren Industriedesign mit Betondecke,<br />
freigelegten Backsteinwänden<br />
und bodentiefen Fenstern spiegeln die<br />
neuen Räumlichkeiten eine offene und<br />
transparente Struktur wider. Jeder Verband<br />
hat seinen eigenen Büroraum, doch<br />
die „Innung“ und <strong>Taxi</strong> Deutschland teilen<br />
sich den großen Empfangsraum.<br />
Die Verbände rücken nicht nur räumlich<br />
näher zusammen, auch die gemeinsame<br />
Arbeit wird intensiviert. Dazu heißt es:<br />
„In dieser unruhigen Zeit erschien es uns<br />
wichtig, gemeinsam die Kräfte und Kompetenzen<br />
zu bündeln und zusammenzustehen.<br />
Wie wir alle wissen, haben unsere<br />
Gegner mit großem finanziellem Aufwand<br />
alles unternommen, um unser <strong>Taxi</strong>gewerbe<br />
zu schwächen. Umso wichtiger ist unsere<br />
Entscheidung, die Stärken der <strong>Berlin</strong>er<br />
<strong>Taxi</strong>verbände miteinander zu verbinden<br />
und zusammen den Kampf für den Erhalt<br />
des <strong>Taxi</strong>gewerbes und gegen den unfairen<br />
Wettbewerb der subventionierten Mietwagen<br />
weiterzuführen.<br />
Michele Kramer hat für beide Verbände<br />
als Assistentin der Geschäftsführung die<br />
Aufgaben des gemeinsamen Sekretariats<br />
übernommen. Schulungsrelevante Unterlagen<br />
für die <strong>Taxi</strong>fahrerausbildung, wie<br />
Wandpläne, Spezialatlanten, Ortskundekataloge<br />
sowie die Ausstattungen für Taxen<br />
wie Konzessionsschild, Tarife etc. und die<br />
Vermittlung von Kreditkarten-Terminals<br />
können zu unseren Öffnungszeiten bei<br />
Frau Kramer erstanden werden.“<br />
Die neuen Öffnungszeiten sind:<br />
von Montag bis Donnerstag von 10 Uhr bis<br />
16 Uhr und am Freitag von 10 Uhr bis 14<br />
Uhr.<br />
jx/ln<br />
– nur 1x in <strong>Berlin</strong> –<br />
Jetzt<br />
HICO Kraftfahrzeug-Kontrollgeräte GmbH · Ullsteinstraße 53–55 · 12109 <strong>Berlin</strong><br />
Vertretung:<br />
FISKALTAXAMETER<br />
• Montage fiskalfähiger Taxameter<br />
• Umrüstung vorhandener Taxameteranlagen<br />
• Aktualisierung der Taxameteranlage nach neuesten Anforderungen<br />
Der Kundendienst:<br />
Beratung und Termine:<br />
HICO-Service anerkannt, zuverlässig, Tel.: 030 /752 07 74<br />
fachmännisch und flexibel Fax: 030 /752 09 44<br />
E-mail: info@hico-berlin.de<br />
FOTO: Axel Rühle / <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />
8 <strong>2.</strong> QUARTAL <strong>2020</strong> TAXI - Regionalausgabe <strong>Berlin</strong>
BERLINER MELDUNGEN<br />
TAXI.EU IN DER<br />
APPGALLERY VON HUAWEI<br />
Das chinesische Telekommunikations-Unternehmen Huawei,<br />
auf dem weltweiten Smartphone-Markt die Nummer<br />
zwei hinter Samsung (Südkorea) und vor Apple (USA),<br />
hat die Bestell-App taxi.eu im Rahmen einer Werbekampagne<br />
zwei Wochen lang in seiner AppGallery prominent platziert. Vom<br />
21. Mai bis zum 3. Juni hatte taxi.eu einen der begehrten Plätze<br />
als Top-App in der wachsenden App-Platform von Huawei. Im<br />
Zeitraum einer solchen Aktion bekommen Nutzer von Huawei-<br />
Smartphones beim Öffnen der AppGallery die beworbene App als<br />
eine der zwölf wichtigsten Apps (recommended apps) angezeigt.<br />
Eine Fortsetzung der Kooperation war bei Redaktionsschluss<br />
bereits vereinbart.<br />
Die App Gallery ist das Pendant zu Apples App Store und Googles<br />
Play Store. Der Handelsstreit seitens der USA brachte ihr einen<br />
enormen Schub, da der chinesische Konzern seinen Kunden so<br />
weiterhin alle Applikationen zugänglich machen kann. Nach Firmenangaben<br />
ist sie mit über 400 Millionen aktiven Nutzern bereits<br />
der drittgrößte App-Markplatz der Welt und wächst schnell.<br />
Da bisher ein entscheidender Nachteil von taxi.eu gegenüber<br />
Konkurrenz-Apps schlicht im geringeren Bekanntheitsgrad bei<br />
den Verbrauchern besteht, darf das europäische <strong>Taxi</strong>gewerbe<br />
damit rechnen, von der Marketing-Aktion durch Huawei zu profi<br />
t i e r e n .<br />
ar<br />
FRAGWÜRDIGER UMGANG<br />
MIT BUSSPUREN<br />
Zugeparkte Busspuren gehören in einigen Straßen <strong>Berlin</strong>s<br />
weiterhin zum alltäglichen Bild. Bereits Anfang Januar<br />
präsentierte die BVG mehrere Abschleppwagen, die sie<br />
gebraucht erstanden hatte, und kündigte an, dass Falschparker<br />
auf Busspuren und Straßenbahngleisen von nun an konsequent<br />
umgesetzt würden.<br />
Dass die BVG selbst abschleppen dürfe, war schon vorher mehrfach<br />
verkündet worden. Geschehen war augenscheinlich nicht viel.<br />
Zu sehr haben die Verkehrsteilnehmer sich daran gewöhnt, dass<br />
keine Behörde mehr die Einhaltung von Verkehrsregeln durchsetzt.<br />
Steht ein erstes Fahrzeug auf der Busspur, ist sie für den<br />
ÖPNV einschließlich der Taxen nicht mehr benutzbar, und der<br />
zweite Falschparker kann sich herausreden, dass nicht er das<br />
Verkehrshindernis sei, sondern einer, der schon dort stand. So<br />
setzt es sich dann den ganzen Tag fort, unterbrochen von gelegentlichen<br />
Abschleppaktionen, deren Wirkung stets schnell verpufft.<br />
Im Durchschnitt schleppt die BVG berlinweit keine sieben Autos<br />
pro Tag ab.<br />
Unterdessen ist die Verkehrsverwaltung dabei, für knapp 50<br />
Kilometer Busspuren die Geltungsdauer auszuweiten, davon die<br />
Hälfte auf „rund um die Uhr“. So geschehen in der Kolonnenstraße<br />
auf dem kurzen Abschnitt zwischen Herbertstraße und Feurigstraße,<br />
wo schon zu Stoßzeiten selten Stau herrscht. Allein dort<br />
sind dadurch nachts und am Wochenende rund 40 Parklücken<br />
weggefallen. Begründet wird die fragwürdige Maßnahme mit<br />
dem Mobilitätsgesetz. <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong> <strong>Berlin</strong> hat eine Presseanfrage<br />
gestellt und wird ausführlich berichten.<br />
ar<br />
TAXI.EU INTEGRIERT<br />
TRENNSCHUTZ IN DIE APP<br />
Nachdem immer mehr Kunden <strong>Taxi</strong>s mit Trennschutz nachfragten,<br />
hat die Funkzentralengemeinschaft taxi.eu in Zusammenarbeit<br />
mit dem Software-Entwickler fms Anfang Mai die Option<br />
„Safe<strong>Taxi</strong>“ in ihre Bestell-App implementiert. „Wir haben nun die<br />
Bestellung für die Städte <strong>Berlin</strong>, Hamburg, Köln, München Wien<br />
und Zürich freigeschaltet; weitere Städte im In- und Ausland folgen<br />
in Kürze“, sagte taxi.eu-Geschäftsführer Hermann Waldner. „Zwar<br />
sind bereits sehr viele <strong>Taxi</strong>s in ganz Deutschland mit Trennwänden<br />
zum Schutz gegen das Corona-Virus unterwegs, bislang konnten sie<br />
aber nur über Anrufe in den Zentralen bestellt werden.“<br />
Der Impuls ging von Deutschlands größter Zentrale in <strong>Berlin</strong> aus.<br />
„Natürlich wird für diesen Service auch kein Aufpreis fällig“, betont<br />
Hermann Waldner, zugleich Geschäftsführer von <strong>Taxi</strong> <strong>Berlin</strong>. „Wir<br />
wollen unseren Fahrgästen die größtmögliche Sicherheit bieten,<br />
deshalb sind auch die Fahrer mit Mundschutz unterwegs.“ Auch<br />
die Fahrgäste werden gebeten, auf eine Mund-Nasen-Bedeckung zu<br />
achten – aus Verantwortung dem Fahrpersonal gegenüber.<br />
Waldner wünscht sich so schnell wie möglich eine flächendeckende<br />
Bestückung der Flotte mit Trennschutzvorrichtungen. Zur<br />
Erlangung des Vermittlungsmerkmals dient bei <strong>Taxi</strong> <strong>Berlin</strong> ein<br />
Foto als Beleg oder auch die Rechnung eines Fahrzeugausstatters<br />
über den Einbau. Eine zwischen den Kopfstützen gespannte Folie<br />
reicht nicht aus.<br />
Auch die Autovermietung Sixt, die in ihrer App <strong>Taxi</strong>bestellungen<br />
ermöglicht, hatte Ende April die Option Trennschutz in zunächst neun<br />
Städten eingeführt. Dass dies dort bei 80 Prozent aller <strong>Taxi</strong>bestellungen<br />
verlangt wird, zeigt den hohen Kundenwunsch.<br />
ar<br />
Wir sind die Stimme<br />
des Gewerbes<br />
Jetzt Mitglied werden!<br />
Wir sind<br />
Kompetent<br />
Verlässlich<br />
Engagiert<br />
Innung des <strong>Berlin</strong>er <strong>Taxi</strong>gewerbes e.V.<br />
Tel.: 030/23627201<br />
https://www.taxiinnung.org<br />
TAXI - Regionalausgabe <strong>Berlin</strong> <strong>2.</strong> QUARTAL <strong>2020</strong><br />
9
BERLINER INITIATIVE<br />
Regine Günther, Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz<br />
Andreas Scheuer, Bundesminister für Verkehr und digitale infrastruktur<br />
REGINE GÜNTHERS<br />
ANTI-ECKPUNKTEPAPIER<br />
Die Verkehrssenatorin hat mit einer bundespolitischen Initiative<br />
zugunsten des <strong>Taxi</strong>gewerbes überrascht. Vorausgegangen war<br />
geduldige Überzeugungsarbeit durch Gewerbevertreter.<br />
Der Trumpf war die Umweltschädlichkeit der Pseudo-<strong>Taxi</strong>-Anbieter.<br />
Das Vollzugsdefizit der Behörden<br />
bei Kontrollen illegal agierender<br />
Uber- und Free-Now-Partner<br />
empört seit Langem das <strong>Taxi</strong>gewerbe, auch<br />
während der Corona-Krise. Das Land Hamburg<br />
hat längst vorgemacht, wie man das<br />
Problem bereits bei der Entscheidung über<br />
Ausnahmegenehmigungen betreffs Wegstreckenzähler<br />
unterbinden kann. In <strong>Berlin</strong><br />
bekommt die Verwaltung vieles nicht auf<br />
die Reihe.<br />
Die Koalition ist über etliche Themen<br />
zerstritten, beispielsweise über den Berlkönig.<br />
Der Regierende Bürgermeister, auf der<br />
Beliebtheitsskala zeitweise tief gesunken,<br />
muss so tun, als wäre er mit seiner Verkehrssenatorin<br />
zufrieden. Diese ging bei<br />
Gesprächsanfragen aus dem <strong>Taxi</strong>gewerbe<br />
lange auf Tauchstation und schickte ihren<br />
Staatssekretär vor.<br />
Gewerbevertreter mühen sich ab, Politiker<br />
und Entscheidungsträger in Verwaltungen<br />
über die Probleme der <strong>Taxi</strong>branche<br />
zu informieren und sie für die eklatanten<br />
Missstände zu sensibilisieren. Hermann<br />
Waldner etwa berichtete <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong> <strong>Berlin</strong><br />
von Gesprächen mit Vertretern der Senatsverwaltungen<br />
für Finanzen, Inneres und<br />
Verkehr, die nicht an die große Glocke<br />
gehängt wurden, in denen er unter anderem<br />
die Bedenken des Gewerbes gegenüber<br />
den berüchtigten Eckpunkten des Bundesverkehrsministers<br />
darlegte.<br />
Verhandlungen sind manchmal genau<br />
dann erfolgreich, wenn sie hinter den<br />
Kulissen stattfinden und nicht nach allen<br />
Seiten Angriffsfläche bieten. Als Kehrseite<br />
wird dann manch positives Ergebnis nicht<br />
direkt als Resultat der Verhandlungen<br />
wahrgenommen.<br />
EIN „MANGELHAFT“<br />
FÜR SCHEUER<br />
Ende Februar legte Verkehrssenatorin<br />
Günther auf einer Sitzung ein internes<br />
Papier vor, in dem sie das Scheuer’sche<br />
Eckpunktepapier zur Novellierung des<br />
Personenbeförderungsgesetzes (PBefG) in<br />
Frage stellt und Gegenvorschläge macht,<br />
wobei etliche Forderungen vom Bundesverband<br />
<strong>Taxi</strong> und Mietwagen e. V. (BVTM)<br />
bekannt sind.<br />
In dem Papier stellt Günther fest, dass<br />
im Eckpunktepapier des Bundesministeriums<br />
für Verkehr und digitale Infrastruktur<br />
(BMVI) von fünf angekündigten Themen<br />
nur eines inhaltlich näher ausgeführt<br />
werde, nämlich die „Modernisierung des<br />
PBefG unter dem Stichwort Digitalisierung“.<br />
Relevant seien dabei vor allem die<br />
Genehmigungspflicht digitaler Beförderungsdienstleister,<br />
die Einführung eines<br />
Sondergenehmigungstatbestands für<br />
„ÖPNV-Ridepooling-Dienste“ als „Sonderform<br />
des Linienverkehrs“ und die Abschaffung<br />
der Rückkehrpflicht für Mietwagen<br />
nebst Erlaubnis zur Einzelplatzvermietung.<br />
Es folgt eine „Bewertung“, die die wichtigsten<br />
Argumente und Warnungen der<br />
<strong>Taxi</strong>verbände in Bezug auf die Pseudo-<strong>Taxi</strong>-<br />
Anbieter und die geplante Marktliberalisierung<br />
enthält: „Bedenkt man, dass sich die<br />
bestehende Regulierung des Mietwagenverkehrs<br />
daraus erklärt, dass ein Abstand<br />
zum <strong>Taxi</strong>gewerbe bestehen soll, mangelt<br />
es den BMVI-Eckpunkten an Erklärungen,<br />
mit welchem Ziel und mit welchen Folgen<br />
insbesondere für das <strong>Taxi</strong>gewerbe der bisherige<br />
Abstand ‚eingeebnet’ werden soll.“<br />
Entscheidend sei aus Landessicht, „dass<br />
Kommunen ‚on-demand-Verkehre’ als Nahverkehr<br />
bestellen können müssen, wenn<br />
sie der Daseinsvorsorge dienen. Hingegen<br />
sollen Angebote außerhalb des ÖPNV, die<br />
in der Regel rein kommerziell betrieben<br />
werden, nur dort zugelassen werden, wo<br />
sie nach den Maßgaben verkehrspolitischer<br />
FOTOS: Wilfried Hochfeld, Hayrettin Şimşek / <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />
10 <strong>2.</strong> QUARTAL <strong>2020</strong> TAXI - Regionalausgabe <strong>Berlin</strong>
BERLINER INITIATIVE<br />
Rahmensetzungen vor Ort […] einen Beitrag<br />
zur umwelt- und stadtverträglichen<br />
Mobilität leisten.“<br />
Aus letztem Absatz geht hervor, dass<br />
man zwar Anbieter wie Uber und Free Now<br />
einschränken bzw. die Möglichkeit dazu<br />
schaffen möchte, dass aber der „Berlkönig“<br />
(der die Straßen entgegen deren Vorstellungen<br />
voller macht statt leerer) weiterhin Teil<br />
des <strong>Berlin</strong>er Nahverkehrs bleiben soll. Das<br />
wird im nächsten Absatz nochmals deutlich,<br />
wo es als „maßgeblich“ bezeichnet<br />
wird, den bundesrechtlichen Rahmen so<br />
zu „justieren, dass die neuen Mobilitätsformen<br />
dann zum Einsatz kommen können,<br />
wenn sie einen Beitrag zur Verkehrswende<br />
leisten, d. h. als nachhaltiges und stadtverträgliches<br />
Verkehrsmittel ausgestaltet<br />
sind.“ Auch Barrierefreiheit soll privilegiert<br />
werden.<br />
Dann der Satz, der die vielleicht wichtigste<br />
Korrektur des Eckpunktepapiers<br />
beinhaltet: „Andernfalls müssen die Kommunen<br />
den Einsatz der neuen Mobilitätsformen<br />
steuern und ggf. auch begrenzen<br />
können.“ Scheuer hatte letztes Jahr vorgeschlagen,<br />
die Kommunen über die Rückkehrpflicht<br />
entscheiden zu lassen.<br />
„ARTENSCHUTZ FÜR TRADITIONELLE TAXEN“<br />
Ein Kommentar von Stephan Berndt<br />
Wenn dieser Überschrift des „Tagesspiegel“<br />
vom 26.<strong>2.</strong> noch der Einfluss<br />
der Desinformations-Kampagne der<br />
neuen Mobilitätsanbieter anzumerken<br />
war, so ist doch Bewegung in die<br />
Debatte gekommen, bevor Corona<br />
zum alles beherrschenden Thema<br />
wurde. Die Pläne des Senats sind ebenso<br />
begrüßenswert wie langwierig.<br />
Zum Thema Inklusionstaxen will der<br />
Senat eine Veränderung erreichen<br />
und „eine Gesetzgebungskompetenz<br />
für die Länder (im Bundesrecht)<br />
WAS IST „STADTVERTRÄGLICH“?<br />
Günthers Papier geht einen entscheidenden<br />
Schritt weiter und will den Kommunen<br />
ermöglichen, Pseudo-<strong>Taxi</strong>-Anbieter zu<br />
„steuern“ und gegebenenfalls zu „begrenzen“,<br />
bei nicht ausreichendem Schutz der<br />
öffentlichen Interessen auch deren Genehmigung<br />
zu versagen.<br />
Wer beurteilen soll, ob ein Dienst einen<br />
Beitrag zur Verkehrswende leistet, lässt<br />
das Papier allerdings offen. Was bezüglich<br />
Verträglichkeit für den ÖPNV im öffentlichen<br />
Interesse liegt, dürfe jedenfalls nicht<br />
Bundesrecht regeln, sondern gehöre in die<br />
Entscheidungsgewalt der Kommunen und<br />
Landkreise.<br />
Ferner fordert das Papier für Verkehrsanbieter<br />
außerhalb des ÖPNV eine Aufzeichnungspflicht<br />
zur Ermöglichung einer „aufwandsarmen“<br />
Kontrolle der Einhaltung<br />
der Vorgaben sowie eine Berechtigung<br />
des Staates, diese Daten anonymisiert zur<br />
Verkehrsplanung zu nutzen. Zudem wird<br />
explizit verlangt, dass „‚Rosinenpickerei’,<br />
die zu wesentlichen Nachteilen beim ‚klassischen’<br />
ÖPNV führt oder die Funktionsfähigkeit<br />
des etablierten, flächendeckenden<br />
<strong>Taxi</strong>verkehres bedroht“, verhindert wird.<br />
Ein eigener Absatz ist dem Thema Inklusionstaxis<br />
gewidmet. Hier wird bemängelt,<br />
dass das Thema im Eckpunktepapier nicht<br />
auftaucht, obwohl in vielen Städten und<br />
Landkreisen, auch in <strong>Berlin</strong>, erhebliche<br />
Defizite bestehen. Hier bestehe „dringender<br />
Handlungsbedarf im Bundesrecht, da<br />
den Ländern die Gesetzgebungskompetenz<br />
fehlt, um eigene Vorgaben für barrierefreie<br />
Taxen zu treffen“. Als Beleg wird<br />
eingeräumt, dass die in <strong>Berlin</strong> angebotene<br />
Förderung noch „keine ausreichenden<br />
Anreize“ setzt (denn sie wird bisher kaum<br />
in Anspruch genommen). Daher wird gefordert,<br />
den Ländern eigenständige gesetzliche<br />
Regelungen zu ermöglichen. Es müsse<br />
verankern, um eigene Vorgaben für<br />
barrierefreie Taxen treffen“ zu können.<br />
Die Formulierungen zum Thema<br />
Pseudo-<strong>Taxi</strong>-Anbieter zeigen große<br />
Schnittmengen mit den Argumenten<br />
der Gewerbevertreter. Die geplante<br />
PBefG-Novellierung wäre ein „erheblicher<br />
Wettbewerbsnachteil“ für das<br />
<strong>Taxi</strong>gewerbe. Die gewerbepolitische<br />
Arbeit des BVTM und der <strong>Berlin</strong>er <strong>Taxi</strong>verbände,<br />
aber auch das Flaggezeigen<br />
der KollegInnen auf der Straße, tragen<br />
Früchte. sb<br />
verhindert werden, dass etwa Menschen,<br />
die darauf angewiesen sind, im Rollstuhl<br />
sitzend in ein <strong>Taxi</strong> rollen zu können, auf<br />
Dauer von flexibler Mobilität ausgeschlossen<br />
bleiben.<br />
Das Papier soll unter anderem in der<br />
Verkehrsministerkonferenz sowie durch<br />
„Austausch im parlamentarischen Raum<br />
und mit Verbänden“ diskutiert und später<br />
im Bundesrat eingebracht werden.<br />
KEINE AUSNAHMEN MEHR<br />
FÜR MIETWAGEN<br />
Inzwischen folgt <strong>Berlin</strong> dem Hamburger<br />
Vorbild: Wie Verbandsvertreter kürzlich<br />
aus Senatskreisen erfahren haben, ist die<br />
Pflicht zum Einbau von Wegstreckenzählern<br />
in Mietwagen bei der Verkehrsverwaltung<br />
fest beschlossen worden. Auch<br />
hierzu gab es Gespräche zwischen Hermann<br />
Waldner und Regine Günther. Die<br />
Umsetzung hängt allerdings am Eichamt,<br />
das für das Projekt zu wenig Personal hat.<br />
Für dessen Bewilligung ist wiederum die<br />
Wirtschaftsverwaltung zuständig. Hier<br />
fordert das <strong>Taxi</strong>gewerbe nun die Schaffung<br />
weiterer Stellen.<br />
ar<br />
SHK-Rechtsanwälte<br />
Martina Schweickhardt<br />
Rechtsanwältin & Notarin<br />
Notariat<br />
Verkehrsrecht<br />
Strafrecht<br />
Zivilrecht<br />
Daniel Herbst<br />
Rechtsanwalt<br />
Nachodstraße 19<br />
10779 <strong>Berlin</strong><br />
(im Erdgeschoss)<br />
Telefon: 030 / 210 023 40<br />
André Klemm<br />
Rechtsanwalt<br />
TAXI - Regionalausgabe <strong>Berlin</strong> <strong>2.</strong> QUARTAL <strong>2020</strong><br />
11
KOLUMNE<br />
Bildungsauftrag – ein vergessenes Qualitätsmerkmal<br />
des <strong>Taxi</strong>gewerbes<br />
WERDE AUCH DU UBER-PATE!<br />
Zum Abschluss der „<strong>Berlin</strong>er Seiten“ eine Kolumne des <strong>Berlin</strong>er<br />
<strong>Taxi</strong>fahrers Rumen Milkow. Er möchte den Bildungsauftrag<br />
wiederbeleben und hilft auch gerne orientierungslosen Uber-Fahrern.<br />
Es gab mal den „Bildungsauftrag“,<br />
der einst öffentlich-rechtlich war,<br />
der eine oder andere erinnert sich.<br />
Öffentlich-rechtlich hinterlässt da eine<br />
große Lücke. Wir als öffentliches Verkehrsmittel<br />
müssen sie füllen!<br />
Die wachsende öffentlich-rechtliche<br />
Bildungslücke wird von manch einem<br />
bereits als Vakuum wahrgenommen. So<br />
ein Vakuum kann rasch gefährlich werden,<br />
zum Beispiel als Machtvakuum. Deswegen<br />
ist es wichtig, dass diese Lücke zügig<br />
gefüllt wird. Und wer könnte dies besser als<br />
wir <strong>Taxi</strong>fahrer? Immerhin lenken<br />
wir ein öffentliches Verkehrsmittel<br />
mit Beförderungspflicht – und neuerdings<br />
auch mit Bildungsauftrag.<br />
In meinem <strong>Taxi</strong> weise ich mittels<br />
laminierter Schilder auf den<br />
Bildungsauftrag hin, und ich muss<br />
sagen: Das Angebot stößt auf enormes<br />
Interesse. Nie hätte ich gedacht,<br />
dass der Bedarf an Bildung hierzulande so<br />
groß ist. Ich erfülle den Bildungsauftrag,<br />
indem ich zum ersten Mal überhaupt ein<br />
Straßenverzeichnis rezitiere. Das Telefonbuch<br />
wurde schon mehrfach vorgelesen,<br />
ein Straßenverzeichnis noch nie.<br />
Zum Glück gibt es in <strong>Berlin</strong> genug<br />
Ampeln und Baustellen. Die dortige Wartezeit<br />
nutze ich zum Vorlesen. In letzter<br />
Zeit passiert es immer öfter, dass Fahrgäste<br />
selbst aus dem Straßenverzeichnis<br />
vortragen möchten. Es kam sogar schon<br />
vor, dass das Straßenverzeichnis vor_<br />
ge_rappt wurde: „Die_Feh_ler_str Punkt<br />
in Frie_de_nau ist kein Feh_ler Komma<br />
son_dern ...“ – zweifellos ein Höhepunkt<br />
bei der Bildungsauftragserfüllung.<br />
Unser Bildungsauftrag muss aber nicht<br />
beim Fahrgast enden. Neulich trat ein junger<br />
Mann an mein <strong>Taxi</strong>, der ohne Orientierung<br />
war, weil sein Navigationsgerät den<br />
Geist aufgegeben hatte. Ein Gerät, so der<br />
Fachmann, das orientierungsblöd macht.<br />
Kein Problem, sagte ich, ich fahre ihn<br />
gerne und ganz ohne Navi – ist schließlich<br />
auch eine Frage der Ehre. Leider habe er<br />
kein Geld dabei, weswegen aus der Fahrt<br />
nichts wurde. Immerhin schien es mir<br />
«Navigationsgeräte machen<br />
orientierungsblöd.»<br />
Hans-Joachim Maaz (*1943), Therapeut und<br />
Bestseller-Autor („Der Gefühlsstau“, „Das falsche<br />
Leben“, „Das gespaltene Land“)<br />
ein Fall für den Bildungsauftrag zu sein.<br />
Sogleich holte ich das Straßenverzeichnis<br />
hervor, um ihm daraus die Straße vorzutragen,<br />
in die er begehrte. Dafür hatte<br />
der junge Mann wiederum keine Zeit. So<br />
erklärte ich ihm „nur“ rasch den Weg, das<br />
Bildungsauftragsbasisprogramm.<br />
Erst als sich der junge Mann von meinem<br />
<strong>Taxi</strong> entfernte, bemerkte ich, dass er mit<br />
einem Auto unterwegs war, in dem sich<br />
weitere junge Menschen befanden. Junge<br />
Menschen, die sich für eine von Uber vermittelte<br />
Fahrt entschieden hatten. Der<br />
schwarze Toyota war ein Mietwagen, der<br />
junge Mann ein Uber-Fahrer. Laut Eigenwerbung:<br />
ein „lokaler Profi“ – allerdings<br />
ohne Plan, der ohne Navi und ohne Ortskenntnisse<br />
gar nichts kann.<br />
Nun mangelt es hierzulande bekanntlich<br />
überall an Fachkräften. Aber anstatt<br />
Menschen zu bilden, senkt man lieber das<br />
Niveau. Auf unseren Straßen werden beispielsweise<br />
gerade Fachkräfte durch ungelernte<br />
Hilfsarbeiter ersetzt. (Böse Zungen<br />
behaupten, hinter dem angeblichen Mangel<br />
würde sich nur Lohndumping verbergen,<br />
aber das ist schon wieder ein anderes<br />
Thema.) Fakt ist, dass Uber-Fahrer unter<br />
dem Deckmantel einer angeblichen<br />
Modernisierung nicht einmal mehr<br />
die in der Vergangenheit für Mietwagen-Fahrer<br />
nötigen Ortskenntnisse<br />
nachweisen müssen.<br />
John F. Kennedy sagte einmal: „Fragt<br />
nicht, was euer Land für euch tun kann<br />
– fragt, was ihr für euer Land tun<br />
könnt!“ Kennedy war kein <strong>Taxi</strong>fahrer,<br />
dafür aber Bearleener. Als solchen sollten<br />
wir ihn beim Wort nehmen und gemeinsam<br />
etwas für unsere Stadt tun. Deswegen, liebe<br />
Kolleginnen und Kollegen, lasst uns zusammen<br />
zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen<br />
und mittels Bildungsauftrag’ etwas für’s Bildungsniveau<br />
im Allgemeinen und für mehr<br />
Fachkräfte auf den Straßen im Besonderen<br />
tun. Werde auch Du Uber-Fahrer-Pate! rm<br />
Rumen Milkow (rm) fährt <strong>Taxi</strong> in <strong>Berlin</strong> und<br />
macht alle vier Wochen mit seiner Frau Layne<br />
Mosler eine Radiosendung mit <strong>Taxi</strong>-Themen.<br />
<strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong> <strong>Berlin</strong> portraitierte die beiden in<br />
der April-Ausgabe 2019 von <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong> <strong>Berlin</strong>.<br />
FOTO: Rumen Milkow