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Taxi Times Berlin - 2. Quartal 2020

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<strong>2.</strong> QUARTAL <strong>2020</strong><br />

www.taxi-times.taxi<br />

BERLIN<br />

GEBÜHRENREDUZIERUNG, EINKAUFS- UND ESSENSFAHRTEN<br />

BERLINER TAXIZENTRALE<br />

AKTIV GEGEN DIE KRISE<br />

„WOHLTÄTER“ BERLKÖNIG<br />

Pseudo-<strong>Taxi</strong>-Anbieter<br />

fahren weiter<br />

UMZUG DER BERLINER<br />

VERBÄNDE<br />

Vereint in neuen Räumen<br />

ANTI-ECKPUNKTE<br />

Verkehrssenatorin<br />

kritisiert Scheuer-Papier


INHALT<br />

BERLINER TAXIZENTRALE<br />

4 Umgang mit der Krise<br />

5 Einkaufszettel in der App<br />

6 <strong>Taxi</strong> bringt Lieblingsessen<br />

BERLINER WETTBEWERB<br />

7 Fragwürdiges Treiben der Pseudo-<br />

<strong>Taxi</strong>-Anbieter geht weiter<br />

8 Die nicht gemeinnützige Studie<br />

BERLINER VERBÄNDE<br />

8 Verbände in neuen Räumen<br />

BERLINER MELDUNGEN<br />

9 News<br />

BERLINER INITIATIVE<br />

10 Günther gegen Scheuer<br />

KOLUMNE<br />

12 Werde auch Du Uber-Pate!<br />

<strong>Berlin</strong>s Verkehrssenatorin Regine Günther hat ein<br />

Gegenpapier zu Scheuers Eckpunkten vorgelegt (S. 10).<br />

WEGE AUS DER KRISE<br />

Der Staat lässt uns hängen – so in etwa empfinden viele <strong>Taxi</strong>unternehmer<br />

die Corona-Politik. Die staatlichen Hilfen für bedrohte<br />

Gewerbetreibende, die niemand anderes als wir Steuerzahler und<br />

Arbeitslosenversicherten bezahlen müssen, werden ungleich verteilt<br />

und reichen gerade für Mittelständler hinten und vorne nicht.<br />

Etliche Betriebe haben ihre Flotten teilweise oder komplett außer<br />

Betrieb genommen, mit der Versicherung einen Deal gemacht,<br />

beim LABO eine Aussetzung der Betriebspflicht beantragt – und<br />

wissen nicht, wie sie diesen Monat überstehen sollen und wie<br />

lange die Krise noch dauert.<br />

Das Leben und das Geschäft müssen trotz allem weitergehen.<br />

Die <strong>Berlin</strong>er Funkzentrale hat ab Anfang April mit der Senkung<br />

der Funkbeiträge geholfen und bemüht sich überall, Aufträge zu<br />

akquirieren, sei es bei Politik und Wirtschaft, sei es bei Restaurants<br />

und Apotheken. Mit Neuerungen, die wir auf den folgenden<br />

Seiten (und in einer Meldung auf Seite 9) beschreiben, wurde<br />

schnellstmöglich so einiges auf die Beine gestellt, um im Rahmen<br />

der begrenzten Möglichkeiten das Beste aus dem Dilemma<br />

zu machen.<br />

<strong>Taxi</strong>unternehmer wurden mit Beginn der Krise umgehend aktiv<br />

und tüftelten Lösungen gegen Tröpfcheninfektionen im Auto aus.<br />

Schnell ließ man in Baumärkten Acrylglasscheiben zuschneiden<br />

oder klebte Folien an den Fahrzeughimmel im <strong>Taxi</strong>. Dienstleister<br />

fanden kreative Arten der Pkw-Desinfektion, sei es mit Chemikalien<br />

oder mit Trockeneis.<br />

<strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong> informiert online fast rund um die Uhr über die<br />

Möglichkeiten, staatliche Hilfen zu beantragen, über Trennschutz-<br />

Lösungen und über Ideen gegen die Auswirkungen der Krise.<br />

Taxen mit Trennscheibe oder -folie genießen bei der Kundschaft<br />

eine hohe Nachfrage. Wer so etwas hat, sollte sich sowohl bei <strong>Taxi</strong><br />

<strong>Berlin</strong> (fub@taxi-berlin.de) als auch bei <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong> (trennschutz@<br />

taxi-times.com) melden.<br />

Inzwischen scheint der Tiefpunkt der Krise hinter uns zu liegen.<br />

Sieht man sich die Auftragszahlen an, so geht es seit Anfang Mai<br />

wieder bergauf. Wir wünschen Ihnen die Kraft und das Durchhaltevermögen,<br />

die Krise zu überstehen, und dass der angestaute<br />

Konsumhunger sich danach explosionsartig entlädt und uns eine<br />

Belebung des <strong>Taxi</strong>geschäfts und aller anderen angeschlagenen<br />

Branchen beschert.<br />

– die Redaktion –<br />

FOTOS: Wilfried Hochfeld, Hayrettin Şimşek / <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />

IMPRESSUM<br />

Verlag<br />

taxi-times Verlags GmbH<br />

Persiusstr. 7<br />

10245 <strong>Berlin</strong>, Deutschland<br />

Telefon: +49 (0)30 / 55 57 92 67-0<br />

E-Mail: info@taxi-times.com<br />

Internet: www.taxi-times.com<br />

Geschäftsführer und V. i. S. d. P.<br />

Jürgen Hartmann (jh)<br />

Bankverbindung<br />

Stadtsparkasse München<br />

IBAN: DE89701500001003173828<br />

BIC: SSKMDEMM<br />

UST-ID: DE293535109<br />

Handelsregister: Amtsgericht München<br />

HRB 209524<br />

Redaktion (tt)<br />

Stephan Berndt (sb), Jürgen Hartmann (jh),<br />

Wilfried Hochfeld (wh), Axel Rühle (ar),<br />

Hayrettin Şimşek (hs)<br />

E-Mail: tt-berlin@taxi-times.taxi<br />

Mitarbeiter dieser Ausgabe<br />

Irene Jaxtheimer (jx), Rumen Milkow (rm),<br />

Leszek Nadolski (ln)<br />

Grafik & Layout<br />

Stanislav Statsenko, info@inversi-design.de<br />

Anzeigenleitung und Vertrieb<br />

Jürgen Hartmann, anzeigen@taxi-times.com<br />

Telefon: +49 (0)30 / 55 57 92 67-0<br />

Druck<br />

Silber Druck oHG, Otto-Hahn-Straße 25<br />

D-34253 Lohfelden<br />

Erscheinungsweise: Aufgrund der Corona-Pandemie<br />

wurde die Regionalausgabe <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong> <strong>Berlin</strong><br />

(ISSN-Nr.: 2367-3842) als eigenständiger Sonderteil<br />

in <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong> DACH integriert.<br />

Weitere Verlagsmagazine:<br />

<strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong> DACH, <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong> München<br />

Die <strong>Taxi</strong> <strong>Berlin</strong> TZB GmbH bekommt in <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />

<strong>Berlin</strong> eigens gekennzeichnete Mitteilungsseiten, für<br />

deren Inhalte die Genannte im Sinne des Presserechtes<br />

selbst verantwortlich ist.<br />

Veröffentlichung gemäß § 7a <strong>Berlin</strong>er Pressegesetzes<br />

bzw. § 8, Absatz 3 des Bayerischen Pressegesetzes.<br />

Gesellschafter (100 %) der taxi-times Verlags GmbH,<br />

<strong>Berlin</strong>, ist Jürgen Hartmann.<br />

TITEL: stock.adobe.com<br />

2 <strong>2.</strong> QUARTAL <strong>2020</strong> TAXI - Regionalausgabe <strong>Berlin</strong>


BERLINER TAXIZENTRALE<br />

<strong>Taxi</strong>-<strong>Berlin</strong>-<br />

Geschäftsführer<br />

Hermann Waldner<br />

spricht mit einem<br />

Fernsehteam über<br />

Maßnahmen gegen<br />

die Krise<br />

MIT TAXI BERLIN AUS DER KRISE<br />

Neben den eigenen Mitarbeitern trägt eine <strong>Taxi</strong>funkgesellschaft auch<br />

Verantwortung für viele angeschlagene Unternehmen. <strong>Taxi</strong> <strong>Berlin</strong> setzt<br />

seit März sukzessive gezielte Maßnahmen um.<br />

FOTO: Axel Rühle / <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />

Eine große <strong>Taxi</strong>funkgesellschaft<br />

muss vielseitig aktiv und vernetzt<br />

sein, wenn sie ihren Teilnehmern<br />

stetig Aufträge servieren will. Eine Krise,<br />

die sich in ihrer Art und ihren Ausmaßen<br />

niemand ausmalen konnte, verlangt von<br />

einer Funkgesellschaft vielfältige Maßnahmen.<br />

Mit Schnellschüssen ist in Extremsituationen<br />

meist niemandem geholfen. Im<br />

Kampf gegen drohende Insolvenzen sind<br />

sowohl umgehend eingeleitete als auch<br />

wohlüberlegte Maßnahmen gefragt.<br />

Eine der ersten Reaktionen auf die<br />

Krise bestand darin, Gespräche mit Entscheidungsträgern<br />

in der Politik sowie mit<br />

potentiellen Auftraggebern, beispielsweise<br />

in der Wirtschaft, aufzunehmen, um das<br />

<strong>Taxi</strong>gewerbe in das Krisenmanagement<br />

einzubinden und die Wahrnehmung seiner<br />

Funktion als systemrelevante Institution<br />

zu stärken. Während die <strong>Taxi</strong>unternehmer<br />

die Wichtigkeit einer Abschirmung zwischen<br />

Fahrern und Fahrgästen erkannten<br />

und begannen, erste improvisierte Trennscheiben<br />

in ihren Fahrzeugen zu installieren,<br />

hatte Geschäftsführer Hermann Waldner<br />

bereits Gesprächstermine in schneller<br />

Abfolge. Zu einem Interviewtermin mit<br />

einem ARD-Fernsehteam am 20. März lud<br />

er auch <strong>Taxi</strong>unternehmer und die <strong>Berlin</strong>er<br />

Lokalredaktion der <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong> in die Persiusstraße<br />

ein, um der Öffentlichkeit zu<br />

präsentieren, wie aktiv das <strong>Taxi</strong>gewerbe<br />

die Herausforderung angenommen hatte.<br />

Dass die Funkteilnehmer, sprich die<br />

angeschlossenen <strong>Taxi</strong>betriebe, die Krise<br />

kaum ohne Hilfe überstehen würden, war<br />

schnell abzusehen. Eine wichtige Maßnahme<br />

in diesem Bereich war deshalb die<br />

Halbierung von Funkbeiträgen. Ende März<br />

teilte <strong>Taxi</strong> <strong>Berlin</strong> seinen Teilnehmern mit,<br />

dass sämtliche fixen Grundgebühren für<br />

den Monat April auf 50 Prozent reduziert<br />

werden. Lediglich die Gebühren für die<br />

vermittelten Funkfahrten im März lasse<br />

man unverändert. Man habe sich zu dieser<br />

kurzfristigen Maßnahme entschieden, weil<br />

man der Verantwortung sowohl gegenüber<br />

den Teilnehmern als auch gegenüber der<br />

Zentrale gerecht werden müsse.<br />

STUNDUNG WÄRE SINNLOS<br />

„Wir haben uns bewusst gegen eine Stundung<br />

der Beiträge entschieden, weil unsere<br />

Funkteilnehmer zu dem Zeitpunkt, wenn<br />

sich das Geschäft wieder normalisiert,<br />

ja nicht das Doppelte verdienen werden,<br />

um dann die laufenden wie auch die aufgelaufenen,<br />

gestundeten Funkgebühren<br />

zurückzubezahlen“, sagte Geschäftsführer<br />

Hermann Waldner gegenüber <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong>.<br />

Man habe als Zentrale, wo immer möglich,<br />

die Betriebskosten gesenkt und könne nun<br />

das damit Erreichte weitergeben. „Selbstverständlich<br />

behalten wir die Lage im Blick<br />

und werden kurzfristig auf die jeweilige<br />

Situation reagieren.“ Er bedankte sich für<br />

den großen Zuspruch. Auch für Mai wurden<br />

die Grundgebühren der Funkbeiträge<br />

reduziert, diesmal um 35 Prozent.<br />

Eine so deutliche Senkung der Beiträge<br />

ist für eine Funkgesellschaft keine Selbstverständlichkeit<br />

und nicht leicht umsetzbar,<br />

denn auch in der Krise fallen wie für<br />

jeden <strong>Taxi</strong>betrieb die laufenden Kosten weiter<br />

an. Ein Einbruch der Auftragszahlen<br />

senkt nur einen geringen Teil der monatlichen<br />

Ausgaben, da man einen für einen Teil<br />

des Personals Kurzarbeit anmelden kann.<br />

Dann zahlt die Arbeitsagentur einen Teil<br />

der Löhne, doch die Arbeitskraft steht entsprechend<br />

nur noch eingeschränkt zur Verfügung.<br />

Das wiederum steht der Notwendigkeit<br />

entgegen, der Krise mit verstärkten<br />

Bemühungen zur Auftragsakquise und<br />

zur Erschließung neuer Geschäftsfelder<br />

zu begegnen.<br />

Zwei Ergebnisse dieser dennoch erfolgreichen<br />

Bemühungen sind bereits Teil der<br />

Vermittlung bei <strong>Taxi</strong> <strong>Berlin</strong>. Dazu mehr auf<br />

der nächsten Doppelseite.<br />

ar<br />

TAXI BERLIN TZB GMBH<br />

Persiusstraße 7, 10245 <strong>Berlin</strong><br />

Telefon: +49 (0)30 / 690 27 20<br />

Telefax: +49 (0)30 / 690 27 19<br />

E-Mail: info@taxi-berlin.de<br />

www.taxi-berlin.de<br />

Öffnungszeiten Kundencenter<br />

und Technikcenter<br />

Mo - Fr 10.00 bis 17.00 Uhr<br />

momentan nur Di + Do 10 - 16 Uhr<br />

Geschäftsführer<br />

Hermann Waldner<br />

Presserechtlich verantwortlich für<br />

diese Seite: Hermann Waldner<br />

Redaktion: Axel Rühle (ar)<br />

Pressekontakt: presse@taxi-berlin.de<br />

TAXI - Regionalausgabe <strong>Berlin</strong> <strong>2.</strong> QUARTAL <strong>2020</strong><br />

3


BERLINER TAXIZENTRALE<br />

DER<br />

EINKAUFSZETTEL<br />

IN DER TAXI-APP<br />

„Du shoppst, wir liefern“ – dieses Angebot haben<br />

App-Besteller von <strong>Taxi</strong> <strong>Berlin</strong> bereits weit über<br />

1.000 mal wahrgenommen. Die Besonderheit: Die<br />

Smartphone-Bezahlung für Waren und Lieferung<br />

erfolgt mit einem einzigen Vorgang.<br />

Den Anfang machte die <strong>Berlin</strong>er Zentrale bereits Ende<br />

März. Kaum hatte die einsetzende Corona-Krise zu<br />

massiven Umsatzeinbrüchen geführt, entwickelte man<br />

gemeinsam mit dem Software-Entwickler fms den elektronischen<br />

Einkaufszettel, um schnellstmöglich weitere Geschäftsfelder für<br />

die Funkteilnehmer zu erschließen. Inzwischen wird dieses Feature<br />

auch von anderen Zentralen genutzt.<br />

Wirklich neu ist die Idee nicht: Wer krank ist oder wegen der<br />

Ansteckungsgefahr Sorge hat, einkaufen zu gehen, ist auf eine<br />

Lieferung angewiesen. Im Bemühen, Aufträge zu generieren, integrierte<br />

<strong>Taxi</strong> <strong>Berlin</strong> das neue Bestellsegment innerhalb kurzer<br />

Zeit in die <strong>Taxi</strong>-<strong>Berlin</strong>-App. App-Benutzer, die ein bargeldloses<br />

Zahlungsmittel in der App hinterlegt haben, bekommen neben den<br />

Optionen <strong>Taxi</strong>, XXL, Business und Green auch die „Einkaufsfahrt“<br />

angeboten, untermalt mit dem Motto „Du shoppst, wir liefern“.<br />

Klickt der Kunde die Option an, kann er dem Fahrer in einem<br />

Textfeld die individuellen Wünsche sowie den bevorzugten Laden<br />

übermitteln. Der Funkauftrag auf dem Display im <strong>Taxi</strong> enthält<br />

dann das Merkmal „Einkaufsfahrt APP“ sowie den Einkaufszettel,<br />

die Telefonnummer und die Adresse des Kunden.<br />

Damit Fragen geklärt und nötigenfalls Einzelheiten abgesprochen<br />

werden können, wird der Kunde beim Absetzen der<br />

Bestellung darauf hingewiesen, dass seine Telefonnummer an<br />

den Fahrer übermittelt wird – eine Erleichterung, die Fahrer<br />

sich für alle Aufträge sehnlich wünschen, und die leider nur bei<br />

elektronischen Bestellungen möglich ist, da der User sich hierbei<br />

automatisch dazu bereit erklärt. Bei telefonischen Bestellungen<br />

ist das datenschutzrechtlich ausgeschlossen, da man ansonsten<br />

jeden Anrufer die Allgemeine Geschäftsbedingungen vorlesen<br />

und sein Einverständnis aufzeichnen müsste.<br />

Die Liefermöglichkeit ist von der Kundschaft gut angenommen<br />

worden, kann aber natürlich nicht das übliche Geschäft ersetzen.<br />

Dennoch lassen Kunden sich mit dem <strong>Taxi</strong> Lieferungen von Apotheken,<br />

Drogeriemärkten, Optikern und sogar Schnellrestaurants<br />

kommen.<br />

Nachdem das Modell in <strong>Berlin</strong> erfolgreich angelaufen war, erläuterte<br />

der App-Entwickler in einer Nachricht an die Kunden das<br />

Modell und führte dazu aus: „Der User wählt das Produkt ‚Einkaufstour’,<br />

gibt die Lieferadresse ein und notiert im Feld Einkaufsliste/Fahrerinfo<br />

die entsprechenden Lebensmittel, die dann vom<br />

<strong>Taxi</strong> geliefert werden. In Abhängigkeit der Lieferadresse steuert<br />

der <strong>Taxi</strong>fahrer nach Bestelleingang den nächstgelegenen Laden an<br />

und erledigt die Besorgungen. Der Kunde hat keine Zusatzkosten<br />

und bezahlt nur die Kosten für den Einkauf und die Fahrt.“<br />

Somit ist der Weg auch für andere Zentralen und sogar für taxi.<br />

eu frei, das Feature zu nutzen. Voraussetzung, um die Abrechnung<br />

unkompliziert und sicher abzuwickeln, ist laut <strong>Taxi</strong>-<strong>Berlin</strong>-<br />

Geschäftsführer Hermann Waldner die bargeldlose Zahlung mit<br />

der <strong>Taxi</strong>-App. Daher wird das Produkt ‚Einkaufstour’ in der <strong>Taxi</strong>-<br />

App nur verfügbar, wenn der User ein bargeldloses Zahlungsmittel<br />

wie Paypal, Kreditkarte, Amazon Pay oder Apple Pay hinterlegt<br />

hat. Bar bezahlen kann er dann auf Wunsch trotzdem. ar<br />

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<strong>Taxi</strong>schein für <strong>Berlin</strong><br />

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Ausbilder und Prüfer zur Klärung von Fragen<br />

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4 <strong>2.</strong> QUARTAL <strong>2020</strong> TAXI - Regionalausgabe <strong>Berlin</strong>


BERLINER TAXIZENTRALE<br />

DAS TAXI BRINGT ESSEN<br />

ZUM PAUSCHALPREIS<br />

Nachdem der elektronische Einkaufszettel in der <strong>Taxi</strong>-<strong>Berlin</strong>-App<br />

implementiert war, konzipierte ein Team aus Marketing- und Technik-<br />

Mitarbeitern das nächste Projekt: Essens-Lieferfahrten zum Pauschalpreis<br />

FOTO: <strong>Taxi</strong> <strong>Berlin</strong><br />

Wenn der Kunde nicht ins Restaurant<br />

darf, muss das Essen<br />

manchmal zum Kunden<br />

gebracht werden. Wer nicht selbst einkaufen<br />

oder bestelltes Essen abholen kann,<br />

weil er zum Beispiel krank, gebrechlich,<br />

in Quarantäne oder nicht mehr fahrtüchtig<br />

ist, kann auch Lieferdienste beauftragen.<br />

Diese sind aber gerade während der<br />

Corona-Krise zum Teil überlastet. Mitunter<br />

scheuen Restaurants auch vor der Zusammenarbeit<br />

mit herkömmlichen Lieferdiensten<br />

zurück, wenn diese den mühsam<br />

gewonnenen Stammkunden ebenso die<br />

kulinarische Palette aller Konkurrenz-Restaurants<br />

anbieten. Dies dürfte vor allem bei<br />

Anbietern für gehobene Ansprüche der Fall<br />

sein, und an diese richtet sich das Projekt<br />

„<strong>Taxi</strong> <strong>Berlin</strong> bringt Dein Lieblingsessen“<br />

schwerpunktmäßig, denn wer Essen für<br />

zehn Euro pro Portion bestellt, wird selten<br />

bereit sein, ein <strong>Taxi</strong> nur für die Lieferung<br />

zu bezahlen.<br />

Essen vom Restaurant nach Hause bringen<br />

– das macht das <strong>Taxi</strong>gewerbe schon immer.<br />

Die Herausforderung bestand nun darin, die<br />

Idee den Kunden möglichst griffig, leicht verständlich<br />

und transparent zu präsentieren.<br />

Der Besteller soll wissen, was er erwarten<br />

kann, und wie er das leicht bekommt.<br />

Ein wichtiger Bestandteil des neuen<br />

Angebots ist deshalb ein Pauschalpreis.<br />

Da die Tarifpflicht nur bei Personenbeförderung<br />

gilt, kann man diesen anbieten,<br />

ohne Fahrer zu solchen Aufträgen zu verpflichten.<br />

Um dem Fahrer kein unnötiges<br />

Risiko zuzumuten, muss er nicht in Vorleistung<br />

gehen, sondern das Essen vom Restaurant<br />

zum Kunden bringen, gleichzeitig<br />

für das Essen und die Lieferung kassieren<br />

(zwei Rechnungen mit unterschiedlichen<br />

Steuersätzen) und das Geld für das Essen<br />

anschließend zusammen mit der Transportkiste<br />

im Restaurant abliefern.<br />

Der Vorgang besteht also aus der<br />

Anfahrt, einer Fahrt vom Restaurant zum<br />

Kunden und einer Rückfahrt zum Restaurant.<br />

Als Pauschalpreis wurden 12,50<br />

Euro festgelegt. Für den Fall, dass jemand<br />

Essen aus einem mehr als fünf Kilometer<br />

entfernten Lokal bestellt, zahlt er 16 Euro<br />

für Lieferungen bis acht, 20 Euro für Lieferungen<br />

bis zehn und den <strong>Taxi</strong>tarif bei<br />

Lieferungen über zehn Kilometer, allerdings<br />

für Hin- plus Rückfahrt. Wer sich als<br />

Fahrer die Rückfahrt ersparen will, kann<br />

Essen in Einweg-Lieferverpackungen auch<br />

gleich beim Abholen bezahlen und darauf<br />

vertrauen, dass alles gut geht. Bei Fehlfahrt<br />

oder Falschlieferung ist der Gastwirt zur<br />

Zahlung einer Pauschale von 5 Euro als<br />

Entschädigung für das entgangene Fahrgeld<br />

verpflichtet.<br />

Die „magische“ Telefonnummer sowohl für<br />

den hungrigen Besteller zu Hause als auch<br />

für den interessierten Gastwirt ist die (030)<br />

23 00 25. Der Kunde oder der registrierte<br />

Gastwirt muss also nur die Hotline anrufen,<br />

den Zeitpunkt zur Abholung angeben<br />

und die Adresse sowohl des Restaurants<br />

als auch des Kunden nennen.<br />

Beim Öffnen der Internetseite von <strong>Taxi</strong><br />

<strong>Berlin</strong> stößt man derzeit auf ein appetitliches<br />

Bild mit zwei Links zu dem Projekt,<br />

einem für Bestellkunden und einem<br />

für Gastwirte. Dort wird für beide Gruppen<br />

kurz und anschaulich beschrieben,<br />

wie das ganze funktioniert. Die Fahrer<br />

sind bereits per Newsletter informiert<br />

worden. Wer nicht teilnehmen möchte,<br />

kann die Aufträge einfach jedes Mal<br />

ablehnen oder per E-Mail an die Fahrer-<br />

und Unternehmerbetreuung das<br />

Fahrermerkmal „Essen liefern“ aus seinem<br />

Profil entfernen lassen.<br />

ar<br />

TAXI - Regionalausgabe <strong>Berlin</strong> <strong>2.</strong> QUARTAL <strong>2020</strong><br />

5


BERLINER WETTBEWERB<br />

Totgesagte leben länger<br />

UBER, BERLKÖNIG & CO.<br />

FAHREN WEITER<br />

Auch die Pseudo-<strong>Taxi</strong>-Anbieter versuchten, aus der Krise das Beste zu<br />

machen. Ob bloße Image-Aufbesserung oder staatlich unterstützte<br />

Krankenfahrten: Meist geschah es zum Schaden des <strong>Taxi</strong>gewerbes.<br />

Der Berlkönig, betrieben von der<br />

Daimler-Tochter ViaVan und der<br />

BVG, erwirtschaftet Verluste, wie<br />

Uber. In der Krise fand er seine Notbestimmung.<br />

Er fuhr vom 25.3. an kostenlos<br />

medizinisches Personal. Am 17.4. teilte<br />

die BVG mit, man stelle den „Ridepooling-<br />

Service BerlKönig weiter in den Dienst des<br />

<strong>Berlin</strong>er Gesundheitswesens“ und fahre<br />

„exklusiv und kostenlos ärztliches Personal,<br />

Pflegepersonal, medizinische Fachangestellte<br />

und Rettungskräfte.“ Eigentlich<br />

hatte der Dienst schon vor der Krise eingestellt<br />

werden sollen, da man nur mit<br />

43 Millionen an jährlichen Steuergeldern<br />

weitermachen wollte.<br />

Moia, bisher ausschließlich von VW<br />

gesponsert, Anbieter in Hamburg und Hannover<br />

(in <strong>Berlin</strong> hatte man keine Genehmigung<br />

erhalten), hatte seinen Dienst zwar<br />

zunächst eingestellt, erfreute sich nun<br />

aber nächtlicher Fahrten in Hamburg. Der<br />

dortige Senat übernahm ab Anfang April<br />

die Kosten für Moia-Fahrten zwischen virtuellen<br />

Haltestellen von null bis sechs Uhr<br />

komplett und für <strong>Taxi</strong>fahrten mit vier Euro<br />

Fahrgastbeteiligung.<br />

Uber, auf dessen Tür-Klebern neuerdings<br />

betont wird, man sei Vermittler und<br />

nicht selbst Beförderer, verkündete Mitte<br />

April: „Uber vermittelt 20.000 kostenfreie<br />

Fahrten für Beschäftigte im Gesundheitswesen.<br />

Start am Donnerstag, 16. April<br />

<strong>2020</strong>, in München; <strong>Berlin</strong>, Frankfurt/Main,<br />

Köln und Düsseldorf folgen“. Was das <strong>Taxi</strong><br />

in einigen Städten – teils staatlich unterstützt,<br />

teils in selbstloser Eigeninitiative<br />

– bereits eingeführt hatte, entdeckte auch<br />

der amerikanische Milliardenkonzern für<br />

sich.<br />

EINE GUTE TAT – ZUMINDEST<br />

FÜR DEN RUF VON UBER<br />

Die Zahl von 20.000 Fahrten bezog sich<br />

offenbar auf alle genannten Städte zusammen.<br />

Die Fahrer erhielten laut Uber den vollen<br />

Fahrpreis – oder war das gemeint, was<br />

nach Abzug der ubertypisch hohen Vermittlungsmarge<br />

davon übrig bleibt? <strong>Taxi</strong><br />

<strong>Times</strong> hat aus online verfügbaren Daten<br />

grob überschlagen, dass in den genannten<br />

Städten rechnerisch jeder zehnte Arzt oder<br />

Krankenpfleger einmal eine der kostenlosen<br />

Uber-Fahrten abbekommen könnte.<br />

Ubers Offensive erscheint damit nicht<br />

wirklich wie die Absicht, effektiv zu helfen.<br />

Wäre nicht alles eher traurig, könnte man<br />

von einem PR-Gag sprechen.<br />

So mancher Anbieter vollbrachte also<br />

medienwirksam „guten Taten“ – die die<br />

Not des <strong>Taxi</strong>gewerbes weiter verschlimmerten.<br />

In <strong>Berlin</strong> sind seit März weniger<br />

Pkw auf den Straßen unterwegs, was auch<br />

für <strong>Taxi</strong>s gilt. Gerade mittelständische<br />

Betriebe mit mehr als zehn Fahrzeugen<br />

haben aufgrund fehlender staatlicher Nothilfen<br />

zum Teil ihre kompletten Flotten eingemottet.<br />

Der Anteil an Free-Now-, Uber-,<br />

Berlkönig- und Clever-Shuttle-Fahrzeugen<br />

im Straßenverkehr hat aber nicht auffallend<br />

abgenommen. Sie alle verzeichnen<br />

zwar erhebliche Umsatzeinbußen, verfügen<br />

aber mit Ausnahme von Clever Shuttle<br />

über quasi unendlich liquide Geldgeber,<br />

die ausschließlich ihren profithungrigen<br />

Anlegern verpflichtet sind.<br />

Ebenfalls nicht gut lief es schon im letzten<br />

Jahr für Clever Shuttle, betrieben von<br />

der GHT Mobility GmbH, die zu 76 Prozent<br />

der Deutschen Bahn AG (und damit dem<br />

Staat) gehört und zu je zwölf Prozent dem<br />

Gründer-Trio und (seit letztem Oktober)<br />

dem japanischen Konzern Mitsui.<br />

In drei der acht Städte gab der Fahrdienst<br />

auf, doch in <strong>Berlin</strong> ging er einen ähnlichen<br />

Weg wie der Berlkönig und fuhr – laut <strong>Berlin</strong>er<br />

Zeitung – für das Robert-Koch-Institut<br />

und die Charité, häufig erkennbar an den<br />

weiß-grünen Autos am Campus Mitte der<br />

Charité.<br />

ar<br />

FOTO: Axel Rühle / <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />

6 <strong>2.</strong> QUARTAL <strong>2020</strong> TAXI - Regionalausgabe <strong>Berlin</strong>


BERLINER WETTBEWERB<br />

DIE NICHT<br />

GEMEINNÜTZIGE<br />

STUDIE<br />

Eine Studie soll Pooling-Dienste stärken und<br />

als sinnvolle ÖPNV-Ergänzung positionieren<br />

– dort, wo andere Verkehrsformen nur<br />

schlecht bedienen können. Tut sie das?<br />

Clever Shuttle und die Charité: fragwürdige<br />

Zweckgemeinschaft<br />

FOTO: Leszek Nadolski<br />

Ein Kommentar von Leszek Nadolski<br />

Wir, die Innung des <strong>Berlin</strong>er<br />

<strong>Taxi</strong>gewerbes e. V., melden<br />

uns anlässlich der Expansionspläne<br />

von Clever Shuttle und der hochgelobten<br />

WZB-Studie zu Wort. Dabei handelt<br />

es sich um eine im April <strong>2020</strong> erschienene<br />

Untersuchung zur Bedeutung von Pooling-<br />

Diensten, die vom Wissenschaftszentrums<br />

<strong>Berlin</strong> für Sozialforschung (WZB) erstellt<br />

wurde, einer gemeinnützigen GmbH, die<br />

zu 75 Prozent dem Bund und zu 25 Prozent<br />

dem Land <strong>Berlin</strong> gehört.<br />

Interessant an der Studie ist, dass die<br />

Datenauswertung in sichtlich geringem<br />

Maße tatsächlich die formulierten Ziele<br />

stützt. Denn die Ergebnisse zeigen, dass<br />

der Fokus von Pooling-Diensten im Zentrum<br />

von Innenstädten liegt – wo das Angebot<br />

an Bus, Bahn und <strong>Taxi</strong> am höchsten und<br />

zeitlich am längsten in kurzen Intervallen<br />

verfügbar ist. Zudem liegt der Haupt-Nutzungszeitraum<br />

von Clever Shuttle zwischen<br />

18:00 und 1:00 Uhr – sowohl in der Woche<br />

als auch am Wochenende. Innerhalb dieses<br />

Zeitraumes sind die Wartezeiten auf ÖPNV<br />

in Stadtzentren jedoch weder gering, noch<br />

fehlen sie. 55 Prozent der Befragten hätten<br />

Bus oder Bahn genutzt und nur knapp 10<br />

Prozent das eigene Auto, wenn es Clever<br />

Shuttle nicht gegeben hätte. 20 Prozent<br />

hätten das <strong>Taxi</strong> genutzt. Dieses Ergebnis<br />

spricht deutlich gegen die Behauptung,<br />

dass der ÖPNV ergänzt würde. Insgesamt<br />

sprechen diese Befunde eher gegen die<br />

Ziele der Studie. Medial wird dies jedoch<br />

wie so oft etwas verschleiert.<br />

GELDER LASSEN SICH<br />

SINNVOLLER EINSETZEN<br />

Das <strong>Taxi</strong>gewerbe, das ein Teil des öffentlichen<br />

Personennahverkehrs, also der<br />

Daseinsvorsorge ist, ist in der aktuellen<br />

Pandemie-Situation mit Umsatzeinbrüchen<br />

von schätzungsweise 80 bis 90 Prozent<br />

betroffen. Die gewährten Sonderzahlungen<br />

über die IBB und ähnliche Maßnahmen<br />

können die betriebswirtschaftlichen Verluste<br />

nur für eine sehr kurze Zeit abfedern.<br />

Die Fahrer sind bei einem Kurzarbeitergeld,<br />

in dessen Berechnung Zulagen für<br />

Nachtarbeit und Trinkgeld natürlich nicht<br />

einfließen, zusätzlich auf Arbeitslosengeld<br />

II angewiesen.<br />

Da die Auswirkungen der Pandemie die<br />

Welt sicher noch sehr lange beschäftigen<br />

werden, möchten wir abermals unsere<br />

Gesprächsbereitschaft anbieten, denn das<br />

Steuergeld, das KuG und AlgII kosten,<br />

könnte man sinnvoller einsetzen, so dass<br />

ein Gewinn für die Bevölkerung durch<br />

Transportmöglichkeiten im <strong>Taxi</strong> entsteht.<br />

DASEINSVORSORGE WIRD<br />

NICHT ERNSTGENOMMEN<br />

Weiter hat das Gewerbe schon sehr<br />

frühzeitig angeboten, Krankenhauspersonal<br />

und Pflegepersonal zu einem besonders<br />

günstigen Tarif zu fahren. Damit<br />

könnte der Geschäftsbetrieb und somit die<br />

Daseinsvorsorge gegebenenfalls im Bereich<br />

der Mobilität durch gezielte Subventionen<br />

aufrechterhalten werden.<br />

Wie wir unlängst der Presse entnehmen<br />

konnten, ist der Regierende Bürgermeister<br />

von <strong>Berlin</strong> ein großer Verfechter<br />

der Daseinsvorsorge. Das könnte zu dem<br />

Gedanken führen, dass der Rest des <strong>Berlin</strong>er<br />

Senats dieser Idee folgt. Bemerkenswert,<br />

dass dies in der Presse betont werden<br />

muss, da die Daseinsvorsorge ja ohnehin<br />

zu den Staatsaufgaben gehört, im Falle<br />

des <strong>Taxi</strong>gewerbes aber offensichtlich nicht<br />

ernst genommen wird.<br />

Die Situation stellt sich also aktuell so<br />

dar: Von den ca. 8.000 <strong>Berlin</strong>er Taxen steht<br />

eine nicht unerhebliche Anzahl von ca.<br />

3.000 abgemeldet still. Die verbleibenden<br />

ca. 5.000 Fahrzeuge gewährleisten zwar<br />

die Daseinsvorsorge für verbliebene Fahrgäste,<br />

allerdings mit einem Stundenumsatz,<br />

von dem sich der Betrieb sehr deutlich<br />

nicht aufrechterhalten lässt.<br />

In diesem Zusammenhang müssen wir<br />

abermals aufs schärfste gegen das Gewährenlassen<br />

von ViaVan (Berlkönig) und der<br />

Deutschen Bahn (Clever Shuttle) in <strong>Berlin</strong><br />

protestieren.<br />

PROBEWEISE GENEHMIGUNG<br />

GALT FÜR POOLING<br />

Wir fragen uns, wie die aktuelle Tätigkeit<br />

von Berlkönig und Clever Shuttle in<br />

<strong>Berlin</strong> mit dem Personenbeförderungsgesetz<br />

vereinbar ist. Zugelassen sind<br />

diese Verkehrsformen zur Erprobung des<br />

Pooling-Verkehrs nach § 2 (7) PBefG. Wie<br />

kann es sein, dass nun jeweils nur noch ein<br />

Fahrgast befördert wird, und das im Falle<br />

von Berlkönig, der seinen Dienst eigentlich<br />

zum 1.4. einstellen wollte, auch noch mit<br />

der Subvention durch den <strong>Berlin</strong>er Senat?<br />

Eine Subvention, die erst im Februar abgelehnt<br />

wurde!<br />

Somit erbringen diese beiden Dienste<br />

keinen Verkehr mehr nach dem Erprobungsparagraphen<br />

des PBefG, sondern<br />

schlicht die Dienstleistung <strong>Taxi</strong> – diese<br />

erfordert aber eine <strong>Taxi</strong>konzession. Besonders<br />

ärgerlich ist, dass die Fahrzeuge von<br />

Clever Shuttle den Eindruck erwecken, sich<br />

unerlaubt bereitzuhalten, zum Beispiel an<br />

der Charité. Dies ist auch nach dem PBefG<br />

nur den Taxen gestattet!<br />

Die „Krise“, in die uns die Verbreitung<br />

des Coronavirus geworfen hat, bringt in<br />

vielen Bereichen ungelöste, unbearbeitete,<br />

ignorierte und ganz besonders auch falsch<br />

gehandhabte Aufgaben an den Tag. Wir<br />

fordern die zuständigen Stellen im Senat<br />

auf, ihren Teil an den „Aufräumarbeiten“<br />

unverzüglich beizutragen und mit dem<br />

<strong>Taxi</strong>gewerbe gemeinsam zu einer Lösung<br />

zu kommen.<br />

ln<br />

TAXI - Regionalausgabe <strong>Berlin</strong> <strong>2.</strong> QUARTAL <strong>2020</strong><br />

7


BERLINER GEWERBE<br />

DREI VERBÄNDE AN EINER<br />

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PERSIUSSTRASSE 7,<br />

10245 BERLIN<br />

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Öffnungszeiten: Di und Do 12 bis 15 Uhr<br />

Tel.: +49 30 / 20 20 21 319<br />

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<strong>Taxi</strong> Deutschland und „Innung“: Leszek Nadolski, Irene Jaxtheimer,<br />

Carsten Reichert, Mariusz Kramer, Michele Kramer, Ahmad Vahdati (v.l.n.r.)<br />

Innung der <strong>Berlin</strong>er <strong>Taxi</strong>gewerbes e. V.<br />

Sekretariat: Mo bis Do 10 bis 16 Uhr<br />

Tel.: +49 30 / 23 62 72 01<br />

E-Mail: info@taxiinnung.org<br />

www.facebook.com/taxiinnung<br />

VERBÄNDE MIT<br />

NEUEN RÄUMEN<br />

<strong>Taxi</strong> Deutschland <strong>Berlin</strong> e. V.<br />

Sekretariat: Mo bis Do 10 bis 16 Uhr<br />

Tel.: +49 30 / 202 02 13 10<br />

Fax: +49 30 / 202 02 13 11<br />

E-Mail: berlin@taxideutschland.eu<br />

www.taxideutschland.eu<br />

www.facebook.com/taxi.deutschland.eu<br />

Die Geschäftsräume von <strong>Taxi</strong> Deutschland <strong>Berlin</strong> e. V. und der<br />

„Innung“ des <strong>Berlin</strong>er <strong>Taxi</strong>gewerbes befinden sich seit Jahresbeginn im<br />

Quergebäude am Parkplatz des Kundencenters in der Persiusstraße.<br />

Hico_04-2016.qxp_Layout 1 06.04.16 10:04 Seite 1<br />

Im klaren Industriedesign mit Betondecke,<br />

freigelegten Backsteinwänden<br />

und bodentiefen Fenstern spiegeln die<br />

neuen Räumlichkeiten eine offene und<br />

transparente Struktur wider. Jeder Verband<br />

hat seinen eigenen Büroraum, doch<br />

die „Innung“ und <strong>Taxi</strong> Deutschland teilen<br />

sich den großen Empfangsraum.<br />

Die Verbände rücken nicht nur räumlich<br />

näher zusammen, auch die gemeinsame<br />

Arbeit wird intensiviert. Dazu heißt es:<br />

„In dieser unruhigen Zeit erschien es uns<br />

wichtig, gemeinsam die Kräfte und Kompetenzen<br />

zu bündeln und zusammenzustehen.<br />

Wie wir alle wissen, haben unsere<br />

Gegner mit großem finanziellem Aufwand<br />

alles unternommen, um unser <strong>Taxi</strong>gewerbe<br />

zu schwächen. Umso wichtiger ist unsere<br />

Entscheidung, die Stärken der <strong>Berlin</strong>er<br />

<strong>Taxi</strong>verbände miteinander zu verbinden<br />

und zusammen den Kampf für den Erhalt<br />

des <strong>Taxi</strong>gewerbes und gegen den unfairen<br />

Wettbewerb der subventionierten Mietwagen<br />

weiterzuführen.<br />

Michele Kramer hat für beide Verbände<br />

als Assistentin der Geschäftsführung die<br />

Aufgaben des gemeinsamen Sekretariats<br />

übernommen. Schulungsrelevante Unterlagen<br />

für die <strong>Taxi</strong>fahrerausbildung, wie<br />

Wandpläne, Spezialatlanten, Ortskundekataloge<br />

sowie die Ausstattungen für Taxen<br />

wie Konzessionsschild, Tarife etc. und die<br />

Vermittlung von Kreditkarten-Terminals<br />

können zu unseren Öffnungszeiten bei<br />

Frau Kramer erstanden werden.“<br />

Die neuen Öffnungszeiten sind:<br />

von Montag bis Donnerstag von 10 Uhr bis<br />

16 Uhr und am Freitag von 10 Uhr bis 14<br />

Uhr.<br />

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FOTO: Axel Rühle / <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />

8 <strong>2.</strong> QUARTAL <strong>2020</strong> TAXI - Regionalausgabe <strong>Berlin</strong>


BERLINER MELDUNGEN<br />

TAXI.EU IN DER<br />

APPGALLERY VON HUAWEI<br />

Das chinesische Telekommunikations-Unternehmen Huawei,<br />

auf dem weltweiten Smartphone-Markt die Nummer<br />

zwei hinter Samsung (Südkorea) und vor Apple (USA),<br />

hat die Bestell-App taxi.eu im Rahmen einer Werbekampagne<br />

zwei Wochen lang in seiner AppGallery prominent platziert. Vom<br />

21. Mai bis zum 3. Juni hatte taxi.eu einen der begehrten Plätze<br />

als Top-App in der wachsenden App-Platform von Huawei. Im<br />

Zeitraum einer solchen Aktion bekommen Nutzer von Huawei-<br />

Smartphones beim Öffnen der AppGallery die beworbene App als<br />

eine der zwölf wichtigsten Apps (recommended apps) angezeigt.<br />

Eine Fortsetzung der Kooperation war bei Redaktionsschluss<br />

bereits vereinbart.<br />

Die App Gallery ist das Pendant zu Apples App Store und Googles<br />

Play Store. Der Handelsstreit seitens der USA brachte ihr einen<br />

enormen Schub, da der chinesische Konzern seinen Kunden so<br />

weiterhin alle Applikationen zugänglich machen kann. Nach Firmenangaben<br />

ist sie mit über 400 Millionen aktiven Nutzern bereits<br />

der drittgrößte App-Markplatz der Welt und wächst schnell.<br />

Da bisher ein entscheidender Nachteil von taxi.eu gegenüber<br />

Konkurrenz-Apps schlicht im geringeren Bekanntheitsgrad bei<br />

den Verbrauchern besteht, darf das europäische <strong>Taxi</strong>gewerbe<br />

damit rechnen, von der Marketing-Aktion durch Huawei zu profi<br />

t i e r e n .<br />

ar<br />

FRAGWÜRDIGER UMGANG<br />

MIT BUSSPUREN<br />

Zugeparkte Busspuren gehören in einigen Straßen <strong>Berlin</strong>s<br />

weiterhin zum alltäglichen Bild. Bereits Anfang Januar<br />

präsentierte die BVG mehrere Abschleppwagen, die sie<br />

gebraucht erstanden hatte, und kündigte an, dass Falschparker<br />

auf Busspuren und Straßenbahngleisen von nun an konsequent<br />

umgesetzt würden.<br />

Dass die BVG selbst abschleppen dürfe, war schon vorher mehrfach<br />

verkündet worden. Geschehen war augenscheinlich nicht viel.<br />

Zu sehr haben die Verkehrsteilnehmer sich daran gewöhnt, dass<br />

keine Behörde mehr die Einhaltung von Verkehrsregeln durchsetzt.<br />

Steht ein erstes Fahrzeug auf der Busspur, ist sie für den<br />

ÖPNV einschließlich der Taxen nicht mehr benutzbar, und der<br />

zweite Falschparker kann sich herausreden, dass nicht er das<br />

Verkehrshindernis sei, sondern einer, der schon dort stand. So<br />

setzt es sich dann den ganzen Tag fort, unterbrochen von gelegentlichen<br />

Abschleppaktionen, deren Wirkung stets schnell verpufft.<br />

Im Durchschnitt schleppt die BVG berlinweit keine sieben Autos<br />

pro Tag ab.<br />

Unterdessen ist die Verkehrsverwaltung dabei, für knapp 50<br />

Kilometer Busspuren die Geltungsdauer auszuweiten, davon die<br />

Hälfte auf „rund um die Uhr“. So geschehen in der Kolonnenstraße<br />

auf dem kurzen Abschnitt zwischen Herbertstraße und Feurigstraße,<br />

wo schon zu Stoßzeiten selten Stau herrscht. Allein dort<br />

sind dadurch nachts und am Wochenende rund 40 Parklücken<br />

weggefallen. Begründet wird die fragwürdige Maßnahme mit<br />

dem Mobilitätsgesetz. <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong> <strong>Berlin</strong> hat eine Presseanfrage<br />

gestellt und wird ausführlich berichten.<br />

ar<br />

TAXI.EU INTEGRIERT<br />

TRENNSCHUTZ IN DIE APP<br />

Nachdem immer mehr Kunden <strong>Taxi</strong>s mit Trennschutz nachfragten,<br />

hat die Funkzentralengemeinschaft taxi.eu in Zusammenarbeit<br />

mit dem Software-Entwickler fms Anfang Mai die Option<br />

„Safe<strong>Taxi</strong>“ in ihre Bestell-App implementiert. „Wir haben nun die<br />

Bestellung für die Städte <strong>Berlin</strong>, Hamburg, Köln, München Wien<br />

und Zürich freigeschaltet; weitere Städte im In- und Ausland folgen<br />

in Kürze“, sagte taxi.eu-Geschäftsführer Hermann Waldner. „Zwar<br />

sind bereits sehr viele <strong>Taxi</strong>s in ganz Deutschland mit Trennwänden<br />

zum Schutz gegen das Corona-Virus unterwegs, bislang konnten sie<br />

aber nur über Anrufe in den Zentralen bestellt werden.“<br />

Der Impuls ging von Deutschlands größter Zentrale in <strong>Berlin</strong> aus.<br />

„Natürlich wird für diesen Service auch kein Aufpreis fällig“, betont<br />

Hermann Waldner, zugleich Geschäftsführer von <strong>Taxi</strong> <strong>Berlin</strong>. „Wir<br />

wollen unseren Fahrgästen die größtmögliche Sicherheit bieten,<br />

deshalb sind auch die Fahrer mit Mundschutz unterwegs.“ Auch<br />

die Fahrgäste werden gebeten, auf eine Mund-Nasen-Bedeckung zu<br />

achten – aus Verantwortung dem Fahrpersonal gegenüber.<br />

Waldner wünscht sich so schnell wie möglich eine flächendeckende<br />

Bestückung der Flotte mit Trennschutzvorrichtungen. Zur<br />

Erlangung des Vermittlungsmerkmals dient bei <strong>Taxi</strong> <strong>Berlin</strong> ein<br />

Foto als Beleg oder auch die Rechnung eines Fahrzeugausstatters<br />

über den Einbau. Eine zwischen den Kopfstützen gespannte Folie<br />

reicht nicht aus.<br />

Auch die Autovermietung Sixt, die in ihrer App <strong>Taxi</strong>bestellungen<br />

ermöglicht, hatte Ende April die Option Trennschutz in zunächst neun<br />

Städten eingeführt. Dass dies dort bei 80 Prozent aller <strong>Taxi</strong>bestellungen<br />

verlangt wird, zeigt den hohen Kundenwunsch.<br />

ar<br />

Wir sind die Stimme<br />

des Gewerbes<br />

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Tel.: 030/23627201<br />

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TAXI - Regionalausgabe <strong>Berlin</strong> <strong>2.</strong> QUARTAL <strong>2020</strong><br />

9


BERLINER INITIATIVE<br />

Regine Günther, Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz<br />

Andreas Scheuer, Bundesminister für Verkehr und digitale infrastruktur<br />

REGINE GÜNTHERS<br />

ANTI-ECKPUNKTEPAPIER<br />

Die Verkehrssenatorin hat mit einer bundespolitischen Initiative<br />

zugunsten des <strong>Taxi</strong>gewerbes überrascht. Vorausgegangen war<br />

geduldige Überzeugungsarbeit durch Gewerbevertreter.<br />

Der Trumpf war die Umweltschädlichkeit der Pseudo-<strong>Taxi</strong>-Anbieter.<br />

Das Vollzugsdefizit der Behörden<br />

bei Kontrollen illegal agierender<br />

Uber- und Free-Now-Partner<br />

empört seit Langem das <strong>Taxi</strong>gewerbe, auch<br />

während der Corona-Krise. Das Land Hamburg<br />

hat längst vorgemacht, wie man das<br />

Problem bereits bei der Entscheidung über<br />

Ausnahmegenehmigungen betreffs Wegstreckenzähler<br />

unterbinden kann. In <strong>Berlin</strong><br />

bekommt die Verwaltung vieles nicht auf<br />

die Reihe.<br />

Die Koalition ist über etliche Themen<br />

zerstritten, beispielsweise über den Berlkönig.<br />

Der Regierende Bürgermeister, auf der<br />

Beliebtheitsskala zeitweise tief gesunken,<br />

muss so tun, als wäre er mit seiner Verkehrssenatorin<br />

zufrieden. Diese ging bei<br />

Gesprächsanfragen aus dem <strong>Taxi</strong>gewerbe<br />

lange auf Tauchstation und schickte ihren<br />

Staatssekretär vor.<br />

Gewerbevertreter mühen sich ab, Politiker<br />

und Entscheidungsträger in Verwaltungen<br />

über die Probleme der <strong>Taxi</strong>branche<br />

zu informieren und sie für die eklatanten<br />

Missstände zu sensibilisieren. Hermann<br />

Waldner etwa berichtete <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong> <strong>Berlin</strong><br />

von Gesprächen mit Vertretern der Senatsverwaltungen<br />

für Finanzen, Inneres und<br />

Verkehr, die nicht an die große Glocke<br />

gehängt wurden, in denen er unter anderem<br />

die Bedenken des Gewerbes gegenüber<br />

den berüchtigten Eckpunkten des Bundesverkehrsministers<br />

darlegte.<br />

Verhandlungen sind manchmal genau<br />

dann erfolgreich, wenn sie hinter den<br />

Kulissen stattfinden und nicht nach allen<br />

Seiten Angriffsfläche bieten. Als Kehrseite<br />

wird dann manch positives Ergebnis nicht<br />

direkt als Resultat der Verhandlungen<br />

wahrgenommen.<br />

EIN „MANGELHAFT“<br />

FÜR SCHEUER<br />

Ende Februar legte Verkehrssenatorin<br />

Günther auf einer Sitzung ein internes<br />

Papier vor, in dem sie das Scheuer’sche<br />

Eckpunktepapier zur Novellierung des<br />

Personenbeförderungsgesetzes (PBefG) in<br />

Frage stellt und Gegenvorschläge macht,<br />

wobei etliche Forderungen vom Bundesverband<br />

<strong>Taxi</strong> und Mietwagen e. V. (BVTM)<br />

bekannt sind.<br />

In dem Papier stellt Günther fest, dass<br />

im Eckpunktepapier des Bundesministeriums<br />

für Verkehr und digitale Infrastruktur<br />

(BMVI) von fünf angekündigten Themen<br />

nur eines inhaltlich näher ausgeführt<br />

werde, nämlich die „Modernisierung des<br />

PBefG unter dem Stichwort Digitalisierung“.<br />

Relevant seien dabei vor allem die<br />

Genehmigungspflicht digitaler Beförderungsdienstleister,<br />

die Einführung eines<br />

Sondergenehmigungstatbestands für<br />

„ÖPNV-Ridepooling-Dienste“ als „Sonderform<br />

des Linienverkehrs“ und die Abschaffung<br />

der Rückkehrpflicht für Mietwagen<br />

nebst Erlaubnis zur Einzelplatzvermietung.<br />

Es folgt eine „Bewertung“, die die wichtigsten<br />

Argumente und Warnungen der<br />

<strong>Taxi</strong>verbände in Bezug auf die Pseudo-<strong>Taxi</strong>-<br />

Anbieter und die geplante Marktliberalisierung<br />

enthält: „Bedenkt man, dass sich die<br />

bestehende Regulierung des Mietwagenverkehrs<br />

daraus erklärt, dass ein Abstand<br />

zum <strong>Taxi</strong>gewerbe bestehen soll, mangelt<br />

es den BMVI-Eckpunkten an Erklärungen,<br />

mit welchem Ziel und mit welchen Folgen<br />

insbesondere für das <strong>Taxi</strong>gewerbe der bisherige<br />

Abstand ‚eingeebnet’ werden soll.“<br />

Entscheidend sei aus Landessicht, „dass<br />

Kommunen ‚on-demand-Verkehre’ als Nahverkehr<br />

bestellen können müssen, wenn<br />

sie der Daseinsvorsorge dienen. Hingegen<br />

sollen Angebote außerhalb des ÖPNV, die<br />

in der Regel rein kommerziell betrieben<br />

werden, nur dort zugelassen werden, wo<br />

sie nach den Maßgaben verkehrspolitischer<br />

FOTOS: Wilfried Hochfeld, Hayrettin Şimşek / <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />

10 <strong>2.</strong> QUARTAL <strong>2020</strong> TAXI - Regionalausgabe <strong>Berlin</strong>


BERLINER INITIATIVE<br />

Rahmensetzungen vor Ort […] einen Beitrag<br />

zur umwelt- und stadtverträglichen<br />

Mobilität leisten.“<br />

Aus letztem Absatz geht hervor, dass<br />

man zwar Anbieter wie Uber und Free Now<br />

einschränken bzw. die Möglichkeit dazu<br />

schaffen möchte, dass aber der „Berlkönig“<br />

(der die Straßen entgegen deren Vorstellungen<br />

voller macht statt leerer) weiterhin Teil<br />

des <strong>Berlin</strong>er Nahverkehrs bleiben soll. Das<br />

wird im nächsten Absatz nochmals deutlich,<br />

wo es als „maßgeblich“ bezeichnet<br />

wird, den bundesrechtlichen Rahmen so<br />

zu „justieren, dass die neuen Mobilitätsformen<br />

dann zum Einsatz kommen können,<br />

wenn sie einen Beitrag zur Verkehrswende<br />

leisten, d. h. als nachhaltiges und stadtverträgliches<br />

Verkehrsmittel ausgestaltet<br />

sind.“ Auch Barrierefreiheit soll privilegiert<br />

werden.<br />

Dann der Satz, der die vielleicht wichtigste<br />

Korrektur des Eckpunktepapiers<br />

beinhaltet: „Andernfalls müssen die Kommunen<br />

den Einsatz der neuen Mobilitätsformen<br />

steuern und ggf. auch begrenzen<br />

können.“ Scheuer hatte letztes Jahr vorgeschlagen,<br />

die Kommunen über die Rückkehrpflicht<br />

entscheiden zu lassen.<br />

„ARTENSCHUTZ FÜR TRADITIONELLE TAXEN“<br />

Ein Kommentar von Stephan Berndt<br />

Wenn dieser Überschrift des „Tagesspiegel“<br />

vom 26.<strong>2.</strong> noch der Einfluss<br />

der Desinformations-Kampagne der<br />

neuen Mobilitätsanbieter anzumerken<br />

war, so ist doch Bewegung in die<br />

Debatte gekommen, bevor Corona<br />

zum alles beherrschenden Thema<br />

wurde. Die Pläne des Senats sind ebenso<br />

begrüßenswert wie langwierig.<br />

Zum Thema Inklusionstaxen will der<br />

Senat eine Veränderung erreichen<br />

und „eine Gesetzgebungskompetenz<br />

für die Länder (im Bundesrecht)<br />

WAS IST „STADTVERTRÄGLICH“?<br />

Günthers Papier geht einen entscheidenden<br />

Schritt weiter und will den Kommunen<br />

ermöglichen, Pseudo-<strong>Taxi</strong>-Anbieter zu<br />

„steuern“ und gegebenenfalls zu „begrenzen“,<br />

bei nicht ausreichendem Schutz der<br />

öffentlichen Interessen auch deren Genehmigung<br />

zu versagen.<br />

Wer beurteilen soll, ob ein Dienst einen<br />

Beitrag zur Verkehrswende leistet, lässt<br />

das Papier allerdings offen. Was bezüglich<br />

Verträglichkeit für den ÖPNV im öffentlichen<br />

Interesse liegt, dürfe jedenfalls nicht<br />

Bundesrecht regeln, sondern gehöre in die<br />

Entscheidungsgewalt der Kommunen und<br />

Landkreise.<br />

Ferner fordert das Papier für Verkehrsanbieter<br />

außerhalb des ÖPNV eine Aufzeichnungspflicht<br />

zur Ermöglichung einer „aufwandsarmen“<br />

Kontrolle der Einhaltung<br />

der Vorgaben sowie eine Berechtigung<br />

des Staates, diese Daten anonymisiert zur<br />

Verkehrsplanung zu nutzen. Zudem wird<br />

explizit verlangt, dass „‚Rosinenpickerei’,<br />

die zu wesentlichen Nachteilen beim ‚klassischen’<br />

ÖPNV führt oder die Funktionsfähigkeit<br />

des etablierten, flächendeckenden<br />

<strong>Taxi</strong>verkehres bedroht“, verhindert wird.<br />

Ein eigener Absatz ist dem Thema Inklusionstaxis<br />

gewidmet. Hier wird bemängelt,<br />

dass das Thema im Eckpunktepapier nicht<br />

auftaucht, obwohl in vielen Städten und<br />

Landkreisen, auch in <strong>Berlin</strong>, erhebliche<br />

Defizite bestehen. Hier bestehe „dringender<br />

Handlungsbedarf im Bundesrecht, da<br />

den Ländern die Gesetzgebungskompetenz<br />

fehlt, um eigene Vorgaben für barrierefreie<br />

Taxen zu treffen“. Als Beleg wird<br />

eingeräumt, dass die in <strong>Berlin</strong> angebotene<br />

Förderung noch „keine ausreichenden<br />

Anreize“ setzt (denn sie wird bisher kaum<br />

in Anspruch genommen). Daher wird gefordert,<br />

den Ländern eigenständige gesetzliche<br />

Regelungen zu ermöglichen. Es müsse<br />

verankern, um eigene Vorgaben für<br />

barrierefreie Taxen treffen“ zu können.<br />

Die Formulierungen zum Thema<br />

Pseudo-<strong>Taxi</strong>-Anbieter zeigen große<br />

Schnittmengen mit den Argumenten<br />

der Gewerbevertreter. Die geplante<br />

PBefG-Novellierung wäre ein „erheblicher<br />

Wettbewerbsnachteil“ für das<br />

<strong>Taxi</strong>gewerbe. Die gewerbepolitische<br />

Arbeit des BVTM und der <strong>Berlin</strong>er <strong>Taxi</strong>verbände,<br />

aber auch das Flaggezeigen<br />

der KollegInnen auf der Straße, tragen<br />

Früchte. sb<br />

verhindert werden, dass etwa Menschen,<br />

die darauf angewiesen sind, im Rollstuhl<br />

sitzend in ein <strong>Taxi</strong> rollen zu können, auf<br />

Dauer von flexibler Mobilität ausgeschlossen<br />

bleiben.<br />

Das Papier soll unter anderem in der<br />

Verkehrsministerkonferenz sowie durch<br />

„Austausch im parlamentarischen Raum<br />

und mit Verbänden“ diskutiert und später<br />

im Bundesrat eingebracht werden.<br />

KEINE AUSNAHMEN MEHR<br />

FÜR MIETWAGEN<br />

Inzwischen folgt <strong>Berlin</strong> dem Hamburger<br />

Vorbild: Wie Verbandsvertreter kürzlich<br />

aus Senatskreisen erfahren haben, ist die<br />

Pflicht zum Einbau von Wegstreckenzählern<br />

in Mietwagen bei der Verkehrsverwaltung<br />

fest beschlossen worden. Auch<br />

hierzu gab es Gespräche zwischen Hermann<br />

Waldner und Regine Günther. Die<br />

Umsetzung hängt allerdings am Eichamt,<br />

das für das Projekt zu wenig Personal hat.<br />

Für dessen Bewilligung ist wiederum die<br />

Wirtschaftsverwaltung zuständig. Hier<br />

fordert das <strong>Taxi</strong>gewerbe nun die Schaffung<br />

weiterer Stellen.<br />

ar<br />

SHK-Rechtsanwälte<br />

Martina Schweickhardt<br />

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Notariat<br />

Verkehrsrecht<br />

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TAXI - Regionalausgabe <strong>Berlin</strong> <strong>2.</strong> QUARTAL <strong>2020</strong><br />

11


KOLUMNE<br />

Bildungsauftrag – ein vergessenes Qualitätsmerkmal<br />

des <strong>Taxi</strong>gewerbes<br />

WERDE AUCH DU UBER-PATE!<br />

Zum Abschluss der „<strong>Berlin</strong>er Seiten“ eine Kolumne des <strong>Berlin</strong>er<br />

<strong>Taxi</strong>fahrers Rumen Milkow. Er möchte den Bildungsauftrag<br />

wiederbeleben und hilft auch gerne orientierungslosen Uber-Fahrern.<br />

Es gab mal den „Bildungsauftrag“,<br />

der einst öffentlich-rechtlich war,<br />

der eine oder andere erinnert sich.<br />

Öffentlich-rechtlich hinterlässt da eine<br />

große Lücke. Wir als öffentliches Verkehrsmittel<br />

müssen sie füllen!<br />

Die wachsende öffentlich-rechtliche<br />

Bildungslücke wird von manch einem<br />

bereits als Vakuum wahrgenommen. So<br />

ein Vakuum kann rasch gefährlich werden,<br />

zum Beispiel als Machtvakuum. Deswegen<br />

ist es wichtig, dass diese Lücke zügig<br />

gefüllt wird. Und wer könnte dies besser als<br />

wir <strong>Taxi</strong>fahrer? Immerhin lenken<br />

wir ein öffentliches Verkehrsmittel<br />

mit Beförderungspflicht – und neuerdings<br />

auch mit Bildungsauftrag.<br />

In meinem <strong>Taxi</strong> weise ich mittels<br />

laminierter Schilder auf den<br />

Bildungsauftrag hin, und ich muss<br />

sagen: Das Angebot stößt auf enormes<br />

Interesse. Nie hätte ich gedacht,<br />

dass der Bedarf an Bildung hierzulande so<br />

groß ist. Ich erfülle den Bildungsauftrag,<br />

indem ich zum ersten Mal überhaupt ein<br />

Straßenverzeichnis rezitiere. Das Telefonbuch<br />

wurde schon mehrfach vorgelesen,<br />

ein Straßenverzeichnis noch nie.<br />

Zum Glück gibt es in <strong>Berlin</strong> genug<br />

Ampeln und Baustellen. Die dortige Wartezeit<br />

nutze ich zum Vorlesen. In letzter<br />

Zeit passiert es immer öfter, dass Fahrgäste<br />

selbst aus dem Straßenverzeichnis<br />

vortragen möchten. Es kam sogar schon<br />

vor, dass das Straßenverzeichnis vor_<br />

ge_rappt wurde: „Die_Feh_ler_str Punkt<br />

in Frie_de_nau ist kein Feh_ler Komma<br />

son_dern ...“ – zweifellos ein Höhepunkt<br />

bei der Bildungsauftragserfüllung.<br />

Unser Bildungsauftrag muss aber nicht<br />

beim Fahrgast enden. Neulich trat ein junger<br />

Mann an mein <strong>Taxi</strong>, der ohne Orientierung<br />

war, weil sein Navigationsgerät den<br />

Geist aufgegeben hatte. Ein Gerät, so der<br />

Fachmann, das orientierungsblöd macht.<br />

Kein Problem, sagte ich, ich fahre ihn<br />

gerne und ganz ohne Navi – ist schließlich<br />

auch eine Frage der Ehre. Leider habe er<br />

kein Geld dabei, weswegen aus der Fahrt<br />

nichts wurde. Immerhin schien es mir<br />

«Navigationsgeräte machen<br />

orientierungsblöd.»<br />

Hans-Joachim Maaz (*1943), Therapeut und<br />

Bestseller-Autor („Der Gefühlsstau“, „Das falsche<br />

Leben“, „Das gespaltene Land“)<br />

ein Fall für den Bildungsauftrag zu sein.<br />

Sogleich holte ich das Straßenverzeichnis<br />

hervor, um ihm daraus die Straße vorzutragen,<br />

in die er begehrte. Dafür hatte<br />

der junge Mann wiederum keine Zeit. So<br />

erklärte ich ihm „nur“ rasch den Weg, das<br />

Bildungsauftragsbasisprogramm.<br />

Erst als sich der junge Mann von meinem<br />

<strong>Taxi</strong> entfernte, bemerkte ich, dass er mit<br />

einem Auto unterwegs war, in dem sich<br />

weitere junge Menschen befanden. Junge<br />

Menschen, die sich für eine von Uber vermittelte<br />

Fahrt entschieden hatten. Der<br />

schwarze Toyota war ein Mietwagen, der<br />

junge Mann ein Uber-Fahrer. Laut Eigenwerbung:<br />

ein „lokaler Profi“ – allerdings<br />

ohne Plan, der ohne Navi und ohne Ortskenntnisse<br />

gar nichts kann.<br />

Nun mangelt es hierzulande bekanntlich<br />

überall an Fachkräften. Aber anstatt<br />

Menschen zu bilden, senkt man lieber das<br />

Niveau. Auf unseren Straßen werden beispielsweise<br />

gerade Fachkräfte durch ungelernte<br />

Hilfsarbeiter ersetzt. (Böse Zungen<br />

behaupten, hinter dem angeblichen Mangel<br />

würde sich nur Lohndumping verbergen,<br />

aber das ist schon wieder ein anderes<br />

Thema.) Fakt ist, dass Uber-Fahrer unter<br />

dem Deckmantel einer angeblichen<br />

Modernisierung nicht einmal mehr<br />

die in der Vergangenheit für Mietwagen-Fahrer<br />

nötigen Ortskenntnisse<br />

nachweisen müssen.<br />

John F. Kennedy sagte einmal: „Fragt<br />

nicht, was euer Land für euch tun kann<br />

– fragt, was ihr für euer Land tun<br />

könnt!“ Kennedy war kein <strong>Taxi</strong>fahrer,<br />

dafür aber Bearleener. Als solchen sollten<br />

wir ihn beim Wort nehmen und gemeinsam<br />

etwas für unsere Stadt tun. Deswegen, liebe<br />

Kolleginnen und Kollegen, lasst uns zusammen<br />

zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen<br />

und mittels Bildungsauftrag’ etwas für’s Bildungsniveau<br />

im Allgemeinen und für mehr<br />

Fachkräfte auf den Straßen im Besonderen<br />

tun. Werde auch Du Uber-Fahrer-Pate! rm<br />

Rumen Milkow (rm) fährt <strong>Taxi</strong> in <strong>Berlin</strong> und<br />

macht alle vier Wochen mit seiner Frau Layne<br />

Mosler eine Radiosendung mit <strong>Taxi</strong>-Themen.<br />

<strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong> <strong>Berlin</strong> portraitierte die beiden in<br />

der April-Ausgabe 2019 von <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong> <strong>Berlin</strong>.<br />

FOTO: Rumen Milkow

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