Jahresbericht Internationale Hilfe 2011 - Österreichisches Rotes Kreuz

roteskreuz.at

Jahresbericht Internationale Hilfe 2011 - Österreichisches Rotes Kreuz

JAHRES

BERICHT

2011

INTERNATIONALE hILfE

KATASTROPHENHILFE p REHABILITATION p ENTWICKLUNGSZUSAMMENARBEIT


EinE gutE idEE bEgEistErt immEr, auch wEnn

Es siE schon langE gibt.

Die weltweite Bewegung des Roten Kreuzes und des Roten Halbmonds ist heute auf 188 natio nale

Gesellschaften – wie das Österreichische Rote Kreuz eine ist – angewachsen. In 188 Ländern, vor

den unterschiedlichsten sozialen und kulturellen Hintergründen, arbeiten Millionen Helferinnen und

Helfer. Aus Liebe zum Menschen.

www.roteskreuz.at


WELTWEIT WIRkSAM

„WIE WIRKSAM UNSERE HILFE IST, ZEIGT

SICH AM BEISPIEL UNSERER ‚LERNENDEN‘

HELFERINNEN UND HELFER“

Aus Sicht der humanitären Hilfe waren im Jahr 2011 die Mehrfachkatastrophe

in Japan, die Hungerkrise in Ostafrika und die kriegerischen Auseinandersetzungen

als Konsequenzen des „Arabischen Frühlings“ die größten Herausforderungen.

Während die Ursachen völlig unterschiedlich waren, ist bei jedem einzelnen

dieser Ereignisse abzusehen, dass die Folgen die Menschen und Gesellschaftsstrukturen

am Ort der Katastrophe noch lange beeinflussen werden. Aber auch die

internationale Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung wird weiterhin gefordert. Für

das Österreichische Rote Kreuz (ÖRK) heißt das konkret ein verstärktes direktes Engagement

in Ostafrika, das nicht zuletzt durch signifikante Beiträge der Bundesregierung

und durch eine breite Spendenunterstützung der Österreicher/innen

ermöglicht wird.

Für den vorliegenden Jahresbericht haben wir das Thema

der „lernenden Helferin“ und des „lernenden Helfers“ ins

Zentrum gerückt. Wie wirksam ist unsere Hilfe? Was lernen

wir aus unserer Arbeit? Wie setzen wir diese Erkenntnisse

um? Diese Fragen betreffen einerseits die unmittelbaren Tätigkeiten

unserer Mitarbeiter/innen, sei es im Katastrophenhilfseinsatz oder in der

langfristigen Projektarbeit. Diese Fragen werden aber auch auf einer Metaebene gestellt:

„Aid Effectiveness“ war Anfang Dezember 2011 das zentrale Thema des vierten

„High-Level-Forums“ in Busan in Südkorea – dort hat die internationale Staatengemeinschaft

die entwicklungspolitischen Weichen für die kommenden Jahre gestellt.

wolfgang Kopetzky

Generalsekretär

max santner

Internationale Hilfe

dANkE! Mit dem Erscheinen dieses Jahresberichtes der Internationalen Hilfe des Österreichischen Roten Kreuzes im Juni 2012

geht eine Ära zu Ende: Wolfgang Kopetzky wird sich aus seiner Position als Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes,

in der er über einen Zeitraum von zehn Jahren unsere internationale Arbeit entscheidend geprägt hat, in den Ruhestand zurückziehen.

Das gesamte Team der Internationalen Hilfe bedankt sich für die großartige und wirksame Zusammenarbeit!

3


steckbrief internationale hilfe im ÖrK

4

WIE

WO

WAS

WOMIT

WER

WANN

Der Bereich Internationale Hilfe im ÖRK arbeitet nach den grundsÄtZEn unsErEs nEtZwErKEs und setzt

entsprechend den strategischen Vorgaben die operativen Ziele und Inhalte um.

Unsere rEgionalEn schwErPunKtE liegen in Afrika (östliches Afrika), Asien (Südasien,

Südost asien) sowie in Osteuropa und den Balkanländern (vgl. Karte S. 18–19).

ProgrammatischE schwErPunKtE sind Wasser und Siedlungshygiene – sowohl in der Katastrophenhilfe

als auch langfristig in der Unterstützung lokaler Netzwerke bei der Basisgesundheitsversorgung.

Als QuErschnittsmatEriEn fließen Katastrophenvorsorge und Klimawandel, Gender und Kapazitätenaufbau

in unsere Arbeit ein.

Die FinanZiErung erfolgt durch institutionelle staatliche und private Geldgeber, humanitär-mediale Plattformen

(z. B. Nachbar in Not), Unternehmenskooperationen, Hilfskonten und die Unterstützung durch die ÖRK-Landesverbände.

In Wien sind wir ein KErntEam von rund 30 ÖrK-mitarbEitErinnEn und mitarbEitErn

(inkl. mitarbEitEr/innEn im mEdiKamEntEndEPot). Zahlreiche ÖRK-Delegierte helfen weltweit – u. a. in

Äthiopien, Haiti, Laos, Osttimor, Pakistan und im Sudan (vgl. Delegiertentabelle S. 34–35).

Katastrophenhilfe, Rehabilitation, Entwicklungszusammenarbeit als „Kontinuum dEr hilFE“: Nachdem lokale

und internationale Katastrophenhelfer/innen die größte Not der Bevölkerung z. B. nach Erdbeben, Hurrikans oder

Überflutungen gelindert haben, leisten wir Hilfe zur Selbsthilfe.

WARUM aus liEbE Zum mEnschEn.

LEITbILd

die internationale hilfe

des Österreichischen roten Kreuzes ...

... kommt den bedürftigsten, schwächsten und verletzlichsten Menschen

zugute und unterscheidet nicht nach Alter, Geschlecht, Hautfarbe,

Nationalität, politischer bzw. religiöser Ausrichtung oder sozialer Stellung.

MENSCHLICHKEIT

der mensch ist immer und überall mitmensch.

UNPARTEILICHKEIT

hilfe in der not kennt keine unterschiede.

NEUTRALITÄT

humanitäre initiative braucht das vertrauen aller.

UNABHÄNGIGKEIT

selbstbestimmung wahrt unsere grundsätze.

FREIWILLIGKEIT

Echte hilfe braucht keinen Eigennutz.

EINHEIT

in jedem land einzig und für alle offen.

UNIVERSALITÄT

die humanitäre Pflicht ist weltumfassend.


INhALT

JahrEsbEricht intErnationalE hilFE 2011

IMpRESSUM

Herausgeber, Medieninhaber, Verleger: Österrei

chi sches Rotes Kreuz, Wiedner Hauptstraße

32, 1040 Wien. ZVR­Zahl: 432857691.

Chefredaktion: Max Santner, Ursula Fraisl.

Tel.: 01/589 00­531. E­Mail: max.santner@

roteskreuz.at. Chef vom Dienst: Michael Achleitner.

Redaktion: Robert Dempfer, Ursula Fraisl,

Sonja Greiner, Walter Hajek, Gabriela Hartig,

Christopher Jahn, Thomas Marecek, Fritz

Petroczi, Max Santner, Martina Schloffer, Annette

Schneider, Heike Welz, Andrea Wissinger,

Astrid Zelger. Fotos: American Red Cross, Icelandic

Red Cross, Japanese Red Cross, Danish Red

Cross, ÖRK, ICRC, IFRC, Louise Murray, Faye

Callaghan, Ken Aloo, Nadja Meister, kollektiv

fischka, huko. Website: www.roteskreuz.at.

Produktion: Info­Media, Wien, Tel.: 01/523 69 49,

office@info­media.at. Grafische Gestaltung:

Evelyn Felber. Bildredaktion: Ursula Fraisl,

Nicole Rennhofer, Astrid Zelger. Lektorat: Florian

Praxmarer, Karin Flunger.

WIE UND WO WIR HELFEN

STEckbRIEf UNd LEITbILd

Die Internationale Hilfe des Österreichischen Roten Kreuzes. 4

SO übERfLüSSIg WIE MögLIch Fredy Mayer über Herausforderungen

und neue Antworten im Bereich der Internationalen Hilfe. 6

dAS ENdE dER EZA? Entwicklungszusammenarbeit gibt es seit rund

60 Jahren. Ihr Ziel, die globale Armut und Ungerechtigkeit zu beseitigen,

wurde offensichtlich nicht erreicht. 8

bILdSTREckE Unsere Hilfe 2011. 10

kOORdINATION Eine fehlende oder starke nationale Führung und

deren Koordination der Hilfsmaßnahmen schafft die Rahmen bedingungen

für die Internationale Hilfe. 12

cOMpLEx dISASTERS Die komplexen Aufgaben der Internationalen

Hilfe zeigen sich am Horn von Afrika. 15

WELTkARTE Das ÖRK weltweit im Einsatz: Alle Projekte auf einen Blick. 18

cApAcITy-bUILdINg Wesentlich für die Internationale Hilfe ist,

dass die Rotkreuz-Gesellschaften Know-how verbreiten – siehe Pakistan. 20

cONfIdENTIALITy Tag für Tag werden Rotkreuz-Helfer/innen Zeugen

von Gräueln und Kriegsverbrechen. Warum protestieren sie nicht

öffentlich dagegen? 22

IST ERfOLg MESSbAR? Wirkung ist schwer zu erfassen, sie tritt langsam

ein und wird oft erst nach Projektende sichtbar. 24

NEUE MEdIEN – NEUE hILfE Moderne Kommunikationsmittel

emöglichen dem Roten Kreuz eine schnelle Form der Wissensvermittlung. 26

hUMANITäRER kONgRESS Das Zusammenspiel operativer humanitärer

Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit mit anwaltschaftlichem Eintreten

für Menschen in Not ist wesentlich. 28

NEUE hERAUSfORdERUNgEN Rotkreuz-Gesellschaften und

zivilgesellschaftliche Organisationen in Südosteuropa schließen sich

zusammen, um im Dialog mit Regierungen die Folgen des Klimawandels

zu bewältigen. 30

UNSERE HILFE IN ZAHLEN

REgIONEN Unsere Hilfe nach Kontinenten und Schwerpunktregionen,

Aufwendungen nach Tätigkeitsfeldern, Finanzierung. 32

UNSERE dELEgIERTEN Weltweit im Einsatz – die ÖRK-Delegierten. 34

5


„SO übERfLüSSIg WIE

MögLIch“

hErr PrÄsidEnt, vor wElchEn hErausFordErungEn

stEht diE intErnationalE hilFE dEs ÖrK in dEn KommEndEn

JahrEn? Fredy Mayer: Zunächst vor Herausforderungen

zu Hause. Es geht um eine Änderung von Werten

und Einstellungen sowie um eine Entwicklung hin

zu einer neuen Bescheidenheit vor dem Hintergrund der

globalen Wirtschafts- und Finanzkrise.

wEg vom motto „gEiZ ist gEil“? Ja, hin zu mehr Solidarität.

Wir erleben gerade selbst ein wenig, wie es ist,

wenn schlechte Zeiten anbrechen, und wie wichtig ein

größerer Zusammenhalt wird. Es geht aber auch um

Langfristigkeit, statt ständig raschen Erfolgen hinterherzuhecheln,

die dann keine nachhaltige Wirkung haben.

was bEdEutEt das im FallE dEr intErnationalEn hilFE?

Wenn man sich die entwicklungspolitischen Dekaden

ansieht, dann ist es an der Zeit, lokale und regionale

Kontexte noch stärker zu berücksichtigen. Das bedeutet

eine Abkehr von eurozentrischen, teilweise paternalistischen

Hilfsmodellen. Wir sprechen immer von „Opfern“,

so als ob diese Menschen völlig hilflos oder sogar

unfähig wären. Aber sie und die Helferinnen und Helfer

müssen sich auf Augenhöhe treffen.

6

„Es geht um Langfristigkeit anstelle von raschen

Erfolgen ohne nachhaltige Wirkung“

Fredy mayer, Präsident des Österreichischen roten Kreuzes, im gespräch über

herausforderungen und neue antworten im bereich der internationalen hilfe.

wEg von dEr dEFiZit-oriEntiErung? Ja, diese Menschen

verfügen über Kenntnisse und Fähigkeiten. Nur

mit ihrer Hilfe kann die regionale Resilienz gestärkt werden,

und zwar auf der Ebene der Gemeinden. Wir haben

ja den großen Vorteil, eine „community-based“ Organisation

zu sein. Wir sind noch im letzten Winkel der Welt

vor Ort.

was gEnau bEdEutEt rEsiliEnZ? Stellen Sie sich ein

Stehaufmännchen vor: Das kann sich aus jeder beliebigen

Lage wieder aufrichten. So sollen ganze Regionen

nach Katastrophen selbsttätig wieder zum Normalzustand

zurückfinden.

oFt gEht Es abEr nicht ohnE hilFE von aussEn. Natürlich,

aber diese Hilfe sollte so überflüssig wie möglich

werden.

wElchE inhaltlichEn hErausFordErungEn sEhEn

siE FÜr diE intErnationalE hilFE in dEn KommEndEn

JahrEn? Einige Langzeitthemen werden uns nicht loslassen:

Klimawandel, Migrationsströme, Urbanisierung,

demografischer Wandel, fragile Staaten ohne Regierung

und Verwaltung ...


Künftig gilt es, vermehrt als partnerschaftlicher

Unterstützer aufzutreten und auf Prävention zu setzen

... allEs grEnZÜbErschrEitEndE FragEn ... die Europa

genauso betreffen wie den Rest der Welt. Das haben zuletzt

die Flüchtlingsströme im Zuge des „Arabischen

Frühlings“ gezeigt. „Wenn hinten weit, in der Türkei, die

Völker aufeinander schlagen ...“, ging uns das vielleicht

zu Goethes Zeiten nichts an, aber das ist heute anders.

das bEdEutEt oPErativ? Erstens, Kontinuität und Qualität

der Internationalen Hilfe beizubehalten. Zweitens,

die Organisations- und Kapazitätsentwicklung von Partnergesellschaften

als nachhaltige Form der Zusammenarbeit

zu verstärken.

siE KÖnnEn abEr nicht ÜbErall hElFEn. Deshalb fokussieren

wir auf Kernkompetenzen, in unserem Fall

auf Wasser und Siedlungshygiene. Wir setzen regionale

Schwerpunkte: Osteuropa, der Balkan, Asien und die Region

um das Horn von Afrika. Schließlich ein stärkeres

Augenmerk auf Prävention, auf „disaster risk re duction“.

Genau das stärkt die Resilienz.

wird das diE art dEr ZusammEnarbEit mit schwEstErgEsEllschaFtEn

vErÄndErn? Sicher. Wir werden

weniger Projekte selbst durchführen und mehr als partnerschaftliche

Unterstützer auftreten, etwa durch finanzielle

Unterstützung und Know-how-Sharing. Es

wird mehr Partnerschaften mit anderen Akteuren geben

– so wie mit dem Deutschen Roten Kreuz in Haiti

oder bei Klimaprojekten auf dem Balkan mit dem World

Wide Fund for Nature (WWF).

diE rotKrEuZ-FÖdEration hat in dEn lEtZtEn JahrEn

diE „humanitÄrE diPlomatiE“ vorangEtriEbEn. Aus

gutem Grund: Wir haben nicht nur die Aufgabe, jenen

eine Stimme zu geben, die selbst keine haben. Wir haben

auch den Bildungsauftrag, auf globale Ungerechtigkeiten

hinzuweisen und globale Solidarität zu fördern.

Das sind vor allem Botschaften an die Jugend.

wiE starK triFFt diE FinanZ- und schuldEnKrisE das

ÖrK? Das ÖRK ist ein verlässlicher Partner – gegenüber

unseren Geldgeberinnen und Geldgebern und gegenüber

den Menschen, denen wir helfen. Durch die Qualität und

Kontinuität unserer Arbeit, durch unsere Transparenz

und Accountability haben wir über Jahre hinweg großes

Vertrauen aufgebaut. Wenn es jetzt weniger zu verteilen

gibt, zählen wir dann immer noch zu den Hilfsorganisationen,

auf die man baut und für die man spendet.

das gilt FÜr institutionEllE gEldgEbEr/innEn gEnauso

wiE FÜr sPEndEn aus dEr bEvÖlKErung? Ja.

Deshalb bin ich optimistisch, dass wir unsere Hilfeleistungen

weiterhin finanzieren können. Es geht dabei um

einen intelligenten, pragmatischen Mix aus unterschiedlichen

Mittelquellen: von institutionellen Geberinnen

und Gebern wie der EU oder der Austrian Development

Agency über Privatspenderinnen und Privatspender

bis hin zu Eigenleistungen.

wElchE rollE sPiElEn untErnEhmEnssPEndEn in diEsEm

miX? Gerade mit unserem Engagement auf dem Balkan

und im Donau- und Schwarzmeerraum sind wir für

Unternehmen, die sich im Bereich der Corporate Social

Responsibility engagieren, ein interessanter Partner. p

7


dAS ENdE dER

ENTWIckLUNgShILfE?

Entwicklungszusammenarbeit gibt es seit rund 60 Jahren. ihr Ziel, die globale armut

und ungerechtigkeit zu beseitigen, wurde offensichtlich nicht erreicht.

für manche ist Entwicklungszusammenarbeit (EZA)

der Kampf gegen Armut und Elend, eine humanitäre

Pflicht und die Möglichkeit, Gutes zu tun. Für andere ist

sie ein Kampf gegen Windmühlen, postkoloniales Gutmenschentum

und hilfloses Bekämpfen von Symptomen.

Noch immer gibt es gut 140 Entwicklungsländer

und über zwei Drittel der Menschheit, die von weniger

als zwei US-Dollar pro Tag leben müssen. Versagen alle

Zuständigen?

Zwei grundprobleme

Vielleicht ist die EZA unter falschen Vorzeichen angetreten

und hat sich Ziele gesetzt, ohne die Macht und Legitimation

zu haben, um diese auch erreichen zu können.

Der amerikanische Präsident Harry Truman sprach 1949

erstmals von „unterentwickelten Ländern“ und konstruierte

so erst die Wahrnehmung, dass es zwei Klassen von

Ländern gibt. Die EZA hat im Grundgedanken ein unerreichbares

Ziel: die Situationen in souveränen Ländern

zum Besseren zu verändern – zwar in Zusammenarbeit

mit den Ländern, dennoch bleibt der Charakter des Postkolonialen

und Besserwisserischen. Ein zweites Grundproblem,

das sich durch die Jahrzehnte zieht, ist die

mangelnde Politikkohärenz der Industrieländer. Die Hö-

8

he der Hilfe, also Geld allein, sagt noch nichts über die

Qualität der Kooperationen und ihrer Ergebnisse aus,

und die Geberländer verfolgen mit ihrer Entwicklungspolitik

häufig eigene wirtschaftliche und geostrategische

Interessen.

Entwicklungsphasen

Je mehr die Medien über eine Katastrophe

berichten, desto mehr wird gespendet

Seit ihrem Beginn in den 1950er-Jahren durchlief die EZA

viele Phasen und Trends. In den Jahrzehnten des Kalten

Krieges zwischen „Erster“ und „Zweiter Welt“ wurden die

Länder der „Dritten Welt“ nach und nach zu souveränen

Staaten. Sie wurden von den politischen Blöcken häufig

wegen geostrategischen Interessen und Rohstoffen umworben

und ausgebeutet und waren Schauplätze von

Stellvertreterkriegen. Der parallel stattfindende wissenschaftliche

Entwicklungsdiskurs bestand aus einer Abfolge

meist westlicher ökonomischer Theorien.

Nach dem Paradigmenwechsel 1989 und der anfänglichen

Enttäuschung über die verfehlte Entwicklung, begann

in den 1990er-Jahren die bis heute andauernde, auf

neoliberale Wirtschafts- und Handelsmodelle beschränkte

Globalisierung. Die Rollen der UN-Organisationen

Weltbank und Internationaler Währungsfonds änderten

sich: Sie wurden zu strengen Kreditgebern für


Entwicklungsländer, die sich im Gegenzug zu einer weitgehenden

Deregulierung ihrer Wirtschaft verpflichten

mussten. Was auch immer man sich von den Strukturanpassungsprogrammen

an positiver Entwicklung erwartet

hatte, trat für die Bevölkerung in den meisten

Entwicklungsländern nicht ein. Im Gegenteil: Es kam

vielfach zu noch größerer Armut.

Im Laufe der letzten 50 Jahre gab es einige große

UNO-Konferenzen. Die geforderte Halbierung der Armut

bis 2015 scheint derzeit unwahrscheinlich. Von 2003 bis

2011 gab es zudem vier große OECD-Konferenzen (Rom,

Paris, Accra, Busan). Die „Paris Declaration“ veröffentlichte

2005 fünf Prinzipien über die Wirksamkeit der

EZA und hielt die Akteurinnen und Akteure die nächsten

sechs Jahre mit Diskussionen über Indikatorensuche

und Wirksamkeitsmessungen auf Trab.

Neue form der EZA?

Neue Geberländer wie China und Indien betreiben seit

einigen Jahren ihre eigene Art von Entwicklungspolitik,

das machbarE bEstmÖglich tun

MillenniuMs-entwicklungsziele

und das Rote kReuz

www.roteskreuz.at

Millenniums-entwicklungsziele (Mdgs)

2,5 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu

angemessenen sanitären Einrichtungen. 900 Millionen

Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Die Vereinten Nationen und ihre Mitgliedstaaten

(darunter auch Österreich) haben sich im Jahr

2000 verpflichtet, bis 2015 die Millenniums-

Ent wicklungsziele (Millennium Development Goals –

MDGs) zu erreichen. Dadurch soll sich die Anzahl der

Menschen, die in extremer Armut leben, halbieren.

Extreme Armut und

Hunger beseitigen

Gesundheit der

Mütter verbessern

Grundschulausbildung

für alle

Kinder sichern

HIV und Aids,

Malaria und

andere Krankheiten

bekämpfen

Die Stellung der

Frau in der Gesellschaft

stärken

Nachhaltigen

Umgang mit der

Umwelt sichern

Unterziel: „Den Anteil der Menschen ohne

nachhaltigen Zugang zu sauberem Trinkwasser

und einfachen sanitären Einrichtungen halbieren.“

Täglich setzt sich das Österreichische Rote

Kreuz bei seiner internationalen Arbeit in den

ärmsten Ländern der Welt dafür ein, dass mehr

Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser und

an gemessenen sanitären Einrichtungen erhalten

und in Hygiene geschult werden. Damit trägt das

Rote Kreuz aktiv zur Erreichung der Millenniums-

Entwicklungsziele bei.

Fotos: Daniel Cima/American Red Cross, Icons: UNDP Brazil

Frauen und Kinder verbringen

täglich viele Stunden mit Wasser

holen – Zeit, die Kinder in der

Schule verbringen könnten

Kinder -

sterblichkeit

senken

Eine globale Partnerschaft

im Dienst der

Entwicklung schaffen

Verschmutztes Trinkwasser

überträgt Krankheiten.

bei der es massiv und beinahe ausschließlich um große

wirtschaftliche Investitionen in Entwicklungsländern

geht. Ist das die nächste Phase der Entwicklungszusammenarbeit

oder nur das schon bekannte Spiel mit anderen

Playern? Sollte es aus allem, was wir in den letzten

Jahren gelernt haben, nicht zumindest einen verbindlichen

„code of conduct“ für die Privatwirtschaft geben?

Viele Fragen bleiben offen – und noch immer leben

zwei Drittel der Menschen in Armut. Sie brauchen Hilfe:

von außen oder durch Initiativen aus dem eigenen Land.

Diese Tatsache dürfen wir nie aus den Augen verlieren,

und daher werden wir weiterhin alles in unserer Macht

Stehende dazu tun. p

Aus der Geschichte des Scheiterns haben die in der EZA tätigen Menschen gelernt, das

Machbare bestmöglich zu tun. Programme und Projekte können für einzelne oder ein

paar Tausend Menschen sehr wohl eine wesentliche Verbesserung bedeuten. Sollen

die Resultate wirklich nachhaltig sein, so übersteigt das die Möglichkeiten der EZA,

die Impulse setzen, aber keine nachhaltigen Kapazitäten schaffen kann. Dazu müssen

gewisse Grundparameter wie z. B. Frieden und Rechtssicherheit von den Menschen

eines Landes selbst geschaffen und von einer verantwortungsvollen Regierung

konsequent umgesetzt werden. Der Begriff „Ownership“ wurde daher zu einem

Schlüsselwort. EZA kann nicht von außen zwangsbeglücken, aber sie kann sinnvoll

unterstützen, wo Menschen Veränderungen im Sinne einer der Allgemeinheit dienenden

Weiterentwicklung wünschen.

Annette Schneider ist Leiterin für internationale Programme und Projekte im ÖRK

9


Wiederaufbau in Haiti

Trinkwasser für die Menschen in Äthiopien

Dürre am Horn von Afrika

UNSERE hILfE

10


Erdbeben und Tsunami in Japan Einsatz in Montenegro

Überschwemmungen in Pakistan

2011

11


JApAN

■ REgION: nordosten des landes

■ kURZbESchREIbUNg: soforthilfe

nach dem Erdbeben, shelter, hilfsgüter,

medizinische und psychosoziale

versorgung, haushaltsgüter, finanzielle

unterstützung der Erdbeben- und

tsunamiopfer, Familienzusammenführung,

medizinische und psychosoziale

betreuung in strahlengefährdeten

gebieten um Fukushima, capacitybuilding,

Japanisches rotes Kreuz

■ pARTNER: Japanisches rotes Kreuz

■ kOfINANZIERUNg: auslandskatastrophenfonds

republik Österreich,

private spenderinnen und spender

■ gROSSSpENdEN: Fa. blum, doppler

mineralöle, land tirol, sonY dadc,

toyota Frey, wiener staatsoper

■ LAUfZEIT: 2011 bis 2014

haiti

Haiti, 12. Jänner 2010: Ein Erdbeben der Stärke 7,0 kostet

über 300.000 Menschen das Leben. 1,3 Millionen sind

obdachlos.

Haiti, zwei Jahre danach: 500.000 Menschen, fast

40 Prozent der Obdachlosen, leben immer noch in Camps.

Sie schlafen in Zelten oder unter Plastikplanen und sind

teilweise noch von Nothilfe abhängig.

JaPan

Japan, 11. März 2011: Ein Erdbeben der Stärke 9,0

erschüttert den Nordosten Japans. Das Epizentrum liegt

70 Kilometer vor der Küste im Pazifik. Ein Tsunami wird

aus gelöst, von den Städten und Dörfern entlang des

Küstenstreifens bleiben nur Trümmerhaufen. Beben

und Wellen treffen auch die Atommeiler in Fukushima.

20.000 Menschen verlieren ihr Leben, eine halbe Million

ist obdachlos.

Japan, ein Jahr danach: 613 Menschen leben noch in

Evakuierungszentren, 0,1 Prozent aller Evakuierten. Der

Rest lebt in Hotels, bei Verwandten oder Freunden, einige

sind in ihre beschädigten Häuser zurückgekehrt, und

320.000 konnten in eigens errichtete Übergangshäuser

ziehen.

12

hERAUSfORdERUNg

kOORdINATION

Eine fehlende oder starke nationale Führung und

deren Koordination der hilfsmaßnahmen schafft die

rahmen bedingungen für die internationalen hilfe.

Erdbeben in Haiti und Japan – beides Ereignisse von

unvorstellbarem Ausmaß. Eine etwas detailliertere

Betrachtung offenbart die Unterschiede. Japan ist eine

reiche Industrienation. Das ist aber nicht alles. Japan ist

besser organisiert. Das Schlüsselwort heißt Koordination.

Verantwortung beim Staat

„Die grundsätzliche Verantwortung, das Leben der Menschen

zu schützen, liegt bei der Regierung“, sagt Satoshi

Sugai, Direktor der Earthquake Recovery Task Force des

Japanischen Roten Kreuzes. Es sind die Behörden des betroffenen

Landes, die bei Katastrophen Hilfsgüter und

Helferinnen und Helfer koordinieren. „Was die Regierung

richtig gemacht hat, war, dass sie sofort die Herausforderung

der Koordination verstanden hat. Es gab

gleich eine klare Linie, was gebraucht und was nicht gebraucht

und welche Hilfe akzeptiert wird“, erläutert

Oliver Lacey-Hall vom UN Office for the Coordination of

Humanitarian Affairs (UN-OCHA) für Asien und Pazifik

und ergänzt: „Was von außerhalb kam, sollte ergänzen,

keine nationalen Hilfskapazitäten ersetzen.“

Ergänzung nationaler kapazitäten

Damit das gelingt, muss es funktionierende Regierungsstrukturen

und Behörden sowie ausreichend nationale


Hilfskapazitäten geben. Nach der Katastrophe in Japan

halfen 12.800 Polizistinnen und Polizisten, 1558 Feuerwehr-

und Katastrophenhilfeteams und über 100.000

Soldatinnen und Soldaten. Das Japanische Rote Kreuz

hatte einige Tausend Mediziner/innen im Einsatz, die

90.000 Patientinnen und Patienten versorgten, 700 Mitarbeiter/innen

der Krisenintervention leisteten psychosoziale

Hilfe. Diese Hilfe wurde international gezielt ergänzt

durch Helferteams, Berater/innen und Material.

das un-clustErsYstEm

Im Zuge der humanitären Reform 2005 hat die internationale

Hilfsgemeinschaft unter Federführung der UNO

mit dem Clustersystem einen Koordinationsmechanismus

entwickelt. In den Clustern sind Arbeitsbereiche wie

Unterkunft, Wasser und Siedlungshygiene sowie Gesundheit

gebündelt. Die Leitung der Cluster ist dauerhaft

je einer UN-Organisation zugeordnet.

Als einzige Nicht-UN-Organisation ist die Rotkreuz-Föderation

für den Cluster „Unterkunft“ nach Naturkatastrophen

verantwortlich. In den Clustern treffen sich jene

Organisationen, die im jeweiligen Arbeitsbereich aktiv

sind, um die Arbeit zu koordinieren. Im IASC, dem Inter-

Agency Standing Committee, arbeiten UN- und andere

große Hilfsorganisationen laufend miteinander an einer

Verbesserung und Weiterentwicklung der Hilfe.

Effiziente Koordination in Japan

„Und das ist es letztendlich, was internationale humanitäre

Hilfe leisten soll“, so Lacey-Hall.

In Haiti standen die Helferinnen und Helfer vor

einem ganz anderen Problem. Das wenige, das es an Regierungs-

und behördlichen Strukturen gab, funktionierte

schlichtweg nicht. In diesem Fall müssen die internationalen

Hilfsorganisationen schnelle, professionelle

„Hands-on-Helpers“ sein und müssen gleichzeitig

in ihren Planungen und Strategien den Mangel an behördlicher

Koordination und staatlicher Willensbildung

wettmachen.

clustersystem

hAITI

■ REgION: léogâne

■ kURZbESchREIbUNg: wiederaufbau

vom Erdbeben zerstörte dörfe,

wasser- und sanitärversorgung,

hygieneschulungen, Katastrophenvorsorge,

Kapazitätenaufbau

■ pARTNER: haitianisches rotes Kreuz,

deutsches rotes Kreuz

■ kOfINANZIERUNg: nachbar in not

(nin), austrian development cooperation

(adc), Österreichisches rotes

Kreuz (ÖrK), Österreichisches Jugendrotkreuz

(ÖJrK), ÖrK lv oberösterreich,

ÖrK lv salzburg, Kroatisches

rotes Kreuz, ungarisches rotes

Kreuz,

raiffeisen, private spenderinnen

und spender

■ LAUfZEIT: 2010 bis 2013

Mit der Einführung des UN-Clustersystems (siehe Kasten

links) haben die Helfer/innen einen wichtigen

Schritt gemacht, um den Herausforderungen an die Koordination

zu begegnen. Dennoch darf auch mit einem

international anerkannten Koordinierungssystem nicht

in die Souveränität des Staates eingegriffen werden. Der

Staat hat das letzte Wort.

Doch staatliche Entscheidungsschwächen verzögern

die Hilfe. In Haiti sollten zuerst möglichst viele Obdachlose

aus Port-au-Prince in andere Landesteile umgesiedelt

werden. Dann wurde diese Entscheidung zurückgenommen.

Wertvolle Wochen gingen verloren. „Für Hundert-

13


tausende Menschen mussten Unter kunfts möglichkeiten

geschaffen werden“, sagt Martina Schloffer vom Internationalen

Katastrophenmanagement des ÖRK. „Entsprechend

große Grundstücke mussten zur Verfügung stehen.

Wer kauft dieses Land? Wo? Muss es Enteignungen

geben? Wie ist die Rechtslage?“ Wer soll diese Dinge entscheiden,

wenn es keine funktionierenden staatlichen

Strukturen in einem Land gibt?

Wer entscheidet?

Wer kann sich anmaßen, die Organisation der Hilfe zu

übernehmen und langfristig wirkende Entscheidungen

zu treffen, wenn ein Staat das nicht schafft? „Wir können

einem Staat nur unter die Arme greifen, Empfehlungen

abgeben, die oft völlig überforderten und nicht

ausreichend ausgebildeten Behördenmitarbeiter/innen

unterstützen.“ Dafür braucht es viel Erfahrung. Mitarbeiter/innen,

die nichts anderes tun, als zu koordinieren

und Behörden zu unterstützen, damit dort, wo es am

dringendsten notwendig ist – bei den Not leidenden

Menschen – schnell geholfen werden kann, ohne dass

langfristig Probleme kreiert werden.

Dafür fehlt leider oft auch das Geld. Die UNO hat

2011 – für das zweite Jahr der Hilfe nach dem Beben

in Haiti – um 382 Millionen US-Dollar ersucht, aber nur

14

KatastroPhEnvorsorgE

macht dEn untErschiEd

Eine bessere Zukunft für die junge

Generation in Sri Lanka

Bildtext

Haiti: Tausende Menschen mussten in

Notlagern Unterkunft finden

210 Millionen US-Dollar bekommen. In Zeiten der Wirtschaftskrise

gäbe es einfach nicht so viel Geld für humanitäre

Hilfe, heißt es. Hier zeigt sich ein absurder Aspekt:

Japan, das überhaupt nicht um finanzielle Hilfe ersucht

hatte, hat 720 Millionen Dollar erhalten – mehr als die

Opfer jeder anderen Katastrophe 2011. p

In Haiti starben durch das Beben über 300.000

Menschen, 380.000 Gebäude wurden zerstört oder

beschädigt. Das Beben in Japan (Stärke 9,0) war wesentlich

stärker als jenes in Haiti (7,0). Doch die gute Katastrophenvorsorge

zeigte Wirkung: Die Häuser sind erdbebenresistent

gebaut, die Menschen auf richtiges Verhalten

im Katastrophenfall trainiert. Erst der 14 Meter hohe

Tsunami brachte auch im katastrophenerprobten Japan

die Häuser zum Einsturz. 92 Prozent der 20.000 Toten

nach dem Beben in Japan sind im Tsunami ertrunken. Sie

hatten trotz der Tsunamiwarnungen zu wenig Zeit, um

sich in Sicherheit zu bringen. Seltene, extreme Ereignisse

bringen auch die beste Vorsorge an ihre Grenzen. Was

wären die Folgen eines so starken Bebens mit Tsunami

erst in Haiti gewesen? Gute Katastrophenvorsorge –

funktionierende Infrastruktur, Trainings für die Bevölkerung,

effiziente Frühwarnung – macht definitiv den

Unterschied.


cOMpLEx dISASTERS

das bemühen der Katastrophenhelferinnen und -helfer, drohende Katastrophen zu

erkennen, sich darauf vorzubereiten, unnötiges leid zu verhindern und menschen

in not zu helfen, gehört zu den komplexesten aufgaben.

Am 11. März 2011 folgte ein Tsunami einem schweren

Beben und zerstörte weite Teile der Nordostküste

Japans. Die Wassermassen überspülten meterhohe Betonbarrieren

und rissen rund 20.000 Menschen in den Tod.

Im beschädigten Atomkraftwerk Fukushima Daiichi fielen

die Kühl- und Sicherheitssysteme aus, und es kam zur

Kernschmelze, radioaktive Strahlung trat aus. Über

100.000 Menschen mussten ihre Heimat verlassen. Trotz

hervorragender Vorbereitung und großer Resilienz in

einem modernen Industriestaat, wurde einmal mehr

klar, dass dem Menschen Grenzen gesetzt sind.

Die Japaner/innen bewältigten die Folgen dieses

„Complex Disasters“, also das Zusammentreffen von

mehreren Faktoren wie in diesem Fall Naturkatastrophe

und Atomunfall, mit unglaublicher Disziplin: keine Massenpanik,

keine Plünderungen, monatelanges Leben in

Notunterkünften, ein starker Wille zum Wiederaufbau.

Unabsehbare folgen

Doch die Folgen sind nach wie vor unabsehbar. Etwa 40

Jahre soll es dauern, bis man Fukushima demontieren

kann. Bis dahin ist der Reaktor katastrophenanfällig.

Hätten die Pharaonen 3000 v. Chr. in Ägypten Atommüll

produziert und einfach vergraben lassen, müssten wir

uns heute mit den Folgen herumschlagen. Denn weltgeschichtlich

sind 5000 Jahre weniger als ein Wimpernschlag,

und die Halbwertszeit von Plutonium 239 beträgt

24.000 Jahre. „Alles, was wir tun, hat Folgen für die sie-

ben Milliarden Menschen, die heute mit uns zusammen

diesen Planeten bevölkern, aber auch für die vielen weiteren

Milliarden, die in den Jahrhunderten nach uns auf

ihm leben werden“, heißt es im Bericht über die menschliche

Entwicklung 2011. 1 Die große Herausforderung ist,

„durch globales Handeln die Zukunft unseres Planeten

und das Recht künftiger Generationen auf ein gesundes

und erfülltes Leben überall auf der Welt zu sichern“. 1

Elend am horn von Afrika

Verantwortungsvolles, wirksames, globales Handeln –

ein hehres Ziel, vergleicht man das starke Japan mit Ländern

wie Somalia. Ein ohnehin schwacher Staat leidet

besonders unter einem „Complex Disaster“ mit mehreren

Ursachen. Da sind zunächst die Folgen des Klimawandels:

Erosion und die Ausbreitung der Wüste durch

Überweidung und Abholzungen sowie verstärkte Dürren

und Überflutungen. Spekulationen auf dem Weltmarkt

und geringe Ernten führen dazu, dass Grundnahrungsmittel

fast unerschwinglich werden.

Früher folgten die Hirtinnen und Hirten dem Wasser,

heute hindern sie bewaffnete Unruhen, Nationalparks

und politische Grenzen daran. Das Vieh verdurstet, viele

Nomadinnen und Nomaden ziehen in die Städte und

versuchen, dort durchzukommen. Zehntausende Menschen

landen in Flüchtlingslagern. Wer es sich leisten

kann, verlässt das Land – ein Brain-Drain, der noch weiter

schwächt.

1 Für die UN: Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen e.V.: Bericht über die menschliche Entwicklung 2011.

Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit: Eine bessere Zukunft für alle. Berlin 2011. Seite IV

Treffen mehrere Faktoren bei Katastrophen

zusammen, spricht man von „Complex Disasters“

15


hORN VON AfRIkA

■ REgION: Äthiopien, somalia, Kenia

■ kURZbESchREIbUNg kAT-hILfE:

Personal (assessment-Expertinnen und

-experten, info-delegates), hilfsgüter,

lebensmittel- und saatgutverteilungen,

wasser und hygiene

■ LAUfZEIT: 2011 bis 2012

■ kURZbESchREIbUNg EZA: Food

security/landwirtschaftliche Projekte,

Katastrophenrisikominderung,

delegierte

■ LAUfZEIT: 2011 bis 2016

■ pARTNER: iFrc, icrc, Äthiopisches

rotes Kreuz, Kenianisches rotes Kreuz

■ kOfINANZIERUNg: auslandskatastrophenfonds

republik Österreich,

austrian development cooperation,

nachbar in not, ÖJrK, raiffeisenbank

international, stadt wien, uniQa

bürgerkrieg ohne Regeln

Bis Ende 2011 versorgte das Internationale Rote Kreuz

über eine Million Menschen mit Nahrungsmitteln. Doch

nach Blockaden der Lebensmittellieferungen in Zentral-

und Südsomalia wurden sie im Jänner 2012 eingestellt.

Die Hilfe wird von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern

des Somalischen Roten Halbmondes im ganzen Land

weitergeführt, allerdings unter erschwerten Bedingungen.

So wurden 2011 ein Spital und Lagerhallen, die

klar mit einem roten Kreuz gekennzeichnet waren, beschossen

und teilweise zerstört.

Seine strategisch günstige Lage bescherte Somalia

während des Kalten Krieges ein finanzielles Wettrüsten

mit externen Mitteln, die die natürlichen Strukturen

zerstörten und das System nach Ausbleiben der Mittel

implodieren ließen. Seit 1991 herrscht Bürgerkrieg im

Land, das mehr in den Händen von lokalen Clans und

Warlords als einer Zentralregierung liegt. Hier ist die

Verteilung von Nahrungsmitteln und Saatgut nur wenig

mehr als das Bekämpfen von Symptomen. Pflaster picken

auf eiternde Wunden. Und die nächste Katastrophe

ist absehbar.

„kenyans for kenya“

In zwei oder drei Jahren kommt die nächste Dürre. Wieder

werden Millionen Kenianer leiden. Wieder werden

wir alles daransetzen, um Leben zu retten. Doch Kenia

sollte sich selbst ernähren können. Das heutige Katastro-

16

Ein ohnehin schwacher Staat wie Somalia leidet besonders

unter einem „Complex Disaster“ mit mehreren Ursachen

phengebiet kann ein Brotkorb Kenias werden. „Genug

der Nahrungsmittelhilfe. Was wir wollen, ist Ernährungssicherheit“,

bringt es Abbas Gullet, Generalsekretär

des Kenianischen Roten Kreuzes, auf den Punkt. Und

seinen Worten folgen Taten: Die lokale Rotkreuz-Gesellschaft

mobilisiert Menschen im ganzen Land, um den

Opfern der Dürrekatastrophe im Norden und Nordosten

Kenias zu helfen. In den ersten drei Wochen wurden

fünf Millionen US-Dollar gespendet – von großen und

kleinen lokalen Unternehmen, aber auch von Privatpersonen.

Auch diejenigen, die selbst zu den Ärmeren gehören,

spendeten. Wie eine Frau, die auf der Straße Ananas

verkauft: Sie spendete 1000 Kenia-Shillings, umgerechnet

etwa neun Euro, so ein Rotkreuz-Bericht.

Das ist der „spirit of humanity“. In einer Nation, die

noch vor drei Jahren durch ethnische und politische Unruhen

gebeutelt wurde, ist das ein beeindruckender


Die lokale Rotkreuz-Gesellschaft mobilisiert Menschen in ganz

Kenia, um den Opfern der Dürrekatastrophe zu helfen

symbolischer und solidarischer Schritt vorwärts. Die Kenianerinnen

und Kenianer haben politische, wirtschaftliche

und soziale Barrieren überwunden, um das unnötige

Leiden ihres eigenen Volkes zu stoppen.

kapazitäten aufbauen

Mit den Spendengeldern wurden Lebensmittellieferungen,

Wasseraufbereitung und Gesundheitsversorgung

in den Dürregebieten organisiert. Aber auch langfristige

Projekte sollen den Gemeinden helfen, sich besser

auf die nächste drohende Dürre vorzubereiten. Daran

arbeiten Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften, die

den Dürreopfern seit Jahrzehnten helfen.

Doch Nahrungsmittelhilfe allein löst das Problem

nicht, sondern schafft Abhängigkeit. Das heißt: Neben

der kurzfristigen Nothilfe muss noch mehr in langfristige

Hilfe und Kapazitätenaufbau investiert werden. So

errichtet das Rote Kreuz in Kenia mit den Betroffenen

Bewässerungsanlagen und stellt Werkzeuge und Saatgut

zur Verfügung. Auch Ausbildungsprogramme werden

organisiert, in denen ehemalige Viehzüchter/innen

lernen, Mais, Reis, Tomaten, Bananen oder Papaya anzubauen

und sich so selbst zu ernähren. Die Überschüsse

werden verkauft und sichern so ein Entkommen aus der

„Armutsfalle“.

gut gemeint ist nicht immer gut

Während die Menschen in ihrer Umgebung auf die Verteilung

von Nahrungsmitteln angewiesen sind, ernten

Kleinbäuerinnen und Kleinbauern am Fluss Tana Mais

und Zwiebeln. Seit zehn Jahren unterstützt das Rote

Kreuz sie dabei, sich selbst zu versorgen – mit Erfolg.

Doch das Wichtigste ist, den Menschen zuzuhören, ihre

Bedürfnisse zu kennen und nicht übers Ziel hinauszuschießen.

Falsch aufgezogene Projekte zerstören die gewachsenen

Strukturen und die Umwelt. Große Konzerne

wittern Gewinn und gefährden das Ökosystem

mit Großprojekten und Monokulturen. Wenn die Ziele –

wie bei den „Millennium Development Goals“ – nicht

nur in schicken Manifesten festgeschrieben, sondern

auch erreicht werden sollen, müssen wir die Art der Hilfe

und die Art, wie wir Verantwortung übernehmen,

hinterfragen und an die neuen Herausforderungen anpassen.

p

KrisE am horn von aFriKa

� Die Dürre am Horn von Afrika betraf 13 Millionen

Menschen.

� Das World Food Programme kann 7,4 Millionen

Menschen versorgen.

� Fast die Hälfte der somalischen Bevölkerung ist von

der Dürre betroffen. Einer von drei Somalis musste

seine Heimat verlassen.

� Die Nahrungsmittel-Hilfslieferungen decken nur

etwa zehn Prozent des Bedarfs ab.

� Ein Drittel der Kinder in Südsomalia ist unterernährt

– in den äthiopischen Dollo-Ado-Flüchtlingslagern

sind es sogar die Hälfte aller Kinder unter fünf Jahren.

17


WELTWEIT IM EINSATZ

die internationale hilfe im

Österreichischen roten Kreuz.

18

Katastrophenhilfe

rehabilitation

Entwicklungszusammenarbeit

wasserprojekt

gesundheitsprojekt

delegierte

LEgENdE

SchWERpUNkTREgIONEN

Äthiopien, Eritrea, Kenia,

Östliches Afrika

Sudan, Südsudan

Südasien Nepal, Pakistan

Südostasien Laos, Myanmar, Osttimor

Osteuropa/Balkan

Belarus, Kroatien, Mazedonien,

Montenegro, Serbien

Karibik Haiti

haiti

mazedonien

tunesien

montenegro

libyen

serbien

Kroatien

tschad

südsudan

belgien

m


lta

belarus

türkei

afghanistan

Eritrea

Äthiopien

sudan

Kenia

somalia

Pakistan

sri lanka

nepal

myanmar

SchWERpUNkTE MEdIkAMENTENhILfE 2011

Afrika Libyen, Tansania, Ruanda

Asien Libanon, Irak

Europa Rumänien

laos

nordkorea

osttimor

Japan

19


pAkISTAN

■ REgION: Provinz sindh, Punjab,

Khyber Pakhtunkhwa, haripur

■ kURZbESchREIbUNg: Katastrophenhilfe

Überflutungen, Eru Einsatz water

and sanitation (m40), wiederaufbau,

Katastrophenvorsorge, Kapazitätsaufbau

■ pARTNER: Pakistanischer roter halbmond,

internationale Föderation der

rotkreuz- und rothalbmondgesellschaften,

schwedisches rotes Kreuz

■ kOfINANZIERUNg: nin, austrian

development cooperation, ÖrK lv

tirol, schwedisches rotes Kreuz

(Personalentsendung)

■ LAUfZEIT: 2010 bis 2014

wesentlich für die internationale hilfe ist, dass die rotkreuz-gesellschaften

untereinander Know-how zugänglich machen und verbreiten. Über umer, martina

und Flo und das, was im Fachjargon „capacity-building“ genannt wird.

die Erde bebte 2005 im Norden Pakistans. Die Mutter

des 19-jährigen Studenten Umer Waqas zählte zu

den Todesopfern in der Stadt Balakot. Als Rothalbmond-

Helfer arbeitete Umer daran mit, die Folgen der Katastrophe

zu bewältigen. Damit das nächste Beben nicht so

katastrophale Auswirkungen hat, entwickelte der Pakistanische

Rote Halbmond gemeinsam mit der österreichischen

und dänischen Schwestergesellschaft ein Katastrophenvorsorge-

und Kapazitätenaufbauprogramm.

Wassersysteme wurden repariert und gebaut, Erste-

Hilfe-, Gesundheits- und Hygieneerziehungstrainings

durchgeführt. Pakistanische Freiwillige wurden an

Trinkwasseraufbereitungsanlagen geschult, bis sie diese

selbst betreiben konnten.

besser gerüstet

Die österreichische Rotkreuz-Freiwillige Martina Cap

war 2007 nach der Hochwasserkatastrophe in Pakistan

im Team der Wasseraufbereiter im Einsatz. „Wir haben

den Pakistanischen Roten Halbmond von Anfang an in

20

hILfE ZUR

SELbSThILfE

die Arbeit einbezogen, den Kollegen erklärt, wie die Anlage

funktioniert, wie man sie wartet und repariert, damit

sie im Fall einer neuerlichen Katastrophe den Einsatz

selbst abwickeln können“, berichtet sie. Die Trinkwasseraufbereitungsanlage

wurde – ebenso wie die des Deutschen

Roten Kreuzes – nach dem Einsatz gereinigt, verpackt

und vor Ort gelassen, um bei der nächsten Katastrophe

schneller und besser reagieren zu können.

2010 war es dann so weit: Nach schweren Monsun-Regenfällen

überrollte erneut eine Flutwelle Pakistan, diesmal

die Provinzen Khyber Pakhtunkhwa, Punjab, Belutschistan

und Sindh. 130.000 Freiwillige des Pakistanischen

Roten Halbmondes waren im Einsatz. Sie

verteilten Lebensmittel, Zelte und bereiteten Wasser auf.

Auch Umer war unter den Helferinnen und Helfern. Er

versuchte mit Hygieneschulungen gegen die Ausbreitung

von Seuchen anzukämpfen. Keine leichte Aufgabe,

ist das betroffene Gebiet doch größer als die meisten europäischen

Länder. Unterschiedliche Sprachen machten

die Schulungen nicht gerade einfacher.


hilfe, die ineinandergreift

dER pAkISTAN-EINSATZ 2011 IM übERbLIck

team Zeitraum delegierte (siehe seite 34–35) aufgabe

1 23. 10.–21. 11 Dox, Haas, Hildenbrand ■ Lageerhebung und Aufbau der

Trinkwasseraufbereitung

■ Start der Trinkwasseraufbereitung

■ Start der Trinkwasserverteilung

2 15. 11.–13. 12. Ausserhuber, Melischnig,

Romirer-Maierhofer

Vom Schwedischen Roten Kreuz:

Ärlemo, Nordlander

3 15. 12.–16. 1. Egger, Gradischar,

Luttenberger

Überschwemmungen in Pakistan.

Bild rechts: Haas, Dox, Hildenbrand (v. l. n. r.)

Zeitgleich schulte Martina Cap in Wien ihren jungen Rotkreuz-Kollegen

Florian Haas, einen 26-jährigen Studenten,

an der Trinkwasseraufbereitungsanlage ein. Über 300

Stunden seiner Freizeit hat er in die Ausbildungen investiert.

Bald schon sollte er sein Wissen auch in der Praxis

anwenden können. Denn 2011 stand in der Provinz Sindh

nach heftigen Überflutungen ein Gebiet, das größer als

Griechenland war, unter Wasser. Auch die benachbarte

Region Belutschistan war betroffen. Über 1,55 Millionen

Häuser und mehr als 9200 Schulen wurden beschädigt.

Helferinnen und Helfer des Pakistanischen Roten Halbmondes

verteilten Lebensmittel, Hilfs- und Haushaltsgüter,

sorgten für sauberes Trinkwasser, Hygieneschulungen

und medizinische Versorgung. Zur Verstärkung wurde

internationale Rotkreuz-Hilfe angefordert.

Einer der Helfer war Florian Haas. 2011 brach er zu seinem

ersten Auslandseinsatz nach Pakistan auf. Dort traf

er auf Umer, mittlerweile bei seinem dritten Flutkata-

Vom Schwedischen Roten Kreuz:

Gardestedt

1 Ein Schnelleinsatz-Team (Emergency Response Unit oder ERU), das mit einer Trinkwasseranlage bis

zu 40.000 Personen pro Tag mit Trinkwasser versorgen kann.

stropheneinsatz. „Ich war im ersten Team, und Umer war

mit seinen perfekten Englischkenntnissen eine unglaubliche

Hilfe für uns. Wir konnten viel der administrativen

Arbeit übernehmen, während er mit den 20 pakistanischen

Wassertechnikerinnen und -technikern die Umsetzung

gemanagt hat.“ p

ÜbErschwEmmungEn in PaKistan

Die Überflutungen in der Provinz Sindh betrafen knapp

neun Millionen Menschen. Mehr als eine halbe Million

lebt auch heute noch in Notlagern. Häuser, Infrastruktur

und Weideland wurden zerstört. Gemeinsam mit dem

Schwedischen Roten Kreuz entsandte das ÖRK eine ERU

M40 1 . Neun Österreicher/innen, drei Schwedinnen und

Schweden sowie Helferinnen und Helfer des Pakistanischen

Roten Halbmondes sorgten gemeinsam für die

Produktion und Verteilung von Trinkwasser. Insgesamt

wurden über 15 Millionen Liter Wasser verteilt, Latrinen

gebaut und zahlreiche Spezialtrainings und Hygieneschulungen

abgehalten.

■ Ausbau der Trinkwasserverteilung

■ Latrinenbau

■ Durchführung von Spezialschulungen in den Bereichen:

- Motoren-/Pumpenreparatur

- Wassertankreparatur

- Wassertankreinigung, Labor

■ Trinkwasserverteilung

■ Inventarisierung der Ausrüstung

■ Instandsetzung der Ausrüstung (Reinigung, Reparatur und

Neubeschaffung)

■ Planen und Durchführen der Demontage und des Transports

in das Rothalbmond-Lager sowie Einlagerung der Ausrüstung

21


VERSchLUSSSAchE

ROTES kREUZ

tag für tag werden rotkreuz-helfer/innen Zeugen von gräueln und Kriegsverbrechen.

warum protestieren sie nicht öffentlich dagegen?

keine Zeitung schreibt über sie: die Kriegsgefangenen

im Kaukasus, in Liberia, in Kolumbien. Keine

Fernsehstation zeigt Bilder von ihnen: den Zivilinternierten

in der Demokratischen Republik Kongo, in

Tschetschenien, in der Zentralafrikanischen Republik.

Kein Medium berichtet über die Bedingungen, unter denen

sie ihr Leben fristen. Wenn sie besucht werden,

dann nicht von Reporterinnen und Reportern, sondern

von Rotkreuz-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern.

die Regeln der Stärkeren

Delegierte des Internationalen Komitees vom Roten

Kreuz (IKRK) besuchen Jahr für Jahr eine halbe Million

Gefangene in Dutzenden Ländern der Welt. Die Regeln

dafür bestimmen andere: An all diesen Orten sind die

Helfer/innen völlig von der Willkür der jeweiligen Defacto-Befehlsgewalt

abhängig. Das sind an den meisten

Plätzen in Afrika, Asien oder Südamerika schon lange keine

Regierungen und professionellen Armeen mehr, die gelernt

haben, was die Genfer Konventionen zum Schutz der

Kriegsopfer sind, sondern sogenannte Rebellenarmeen, Paramilitärs,

bewaffnete Banden, Warlords – oder einfach

ein Haufen junger Lümmel, bewaffnet mit Kalaschnikows.

Je später der Tag, desto betrunkener oder unter

Drogen oder beides. Es ist naiv zu glauben, dass das Rote

Kreuz in diesen Situationen zu einer Sprache des öffentlichen

Protests finden sollte, um Missstände abzustellen.

Selbst mitten in Europa ist das öffentliche Anprangern

von Missständen längst kein Wunderrezept. Der

22

Bosnien-Konflikt in den Neunzigerjahren hatte die besten

öffentlichen Ankläger der Welt. Selbst der französische

Präsident François Mitterrand reiste ins belagerte

Sarajewo. Aber außer humanitärer Hilfe ist nicht viel

passiert. Lange Jahre hat niemand etwas getan, um den

Bürgerkrieg zu beenden.

Während diese Zeilen geschrieben werden, fordert

die bewaffnete Gewalt in Syrien täglich zivile Opfer,

werden Tausende „interniert“. Die Welt sieht zu. Jeder,

der es wissen möchte, weiß, was geschieht. Stoppt das

die Gewalt? „Wenn es ausreichen würde, dass wir öffentlich

sagen: ,So kann es aber nicht weitergehen!‘,

dann hätten wir längst eine deutliche Sprache im öffentlichen

Protest entwickelt“, sagt ein Delegierter des

IKRK. „Aber es hat uns in keinem Fall wesentlich weitergebracht.“

Die Helfer wissen: Die rettende Kavallerie

kommt nicht. Die Wirkung des öffentlichen Protests

wird überschätzt.

klartext reden

Kernaufgabe des Roten Kreuzes ist es, Kriegsopfern

Schutz und Hilfe zu bringen. Dazu ist es von den Staaten

über die Genfer Konventionen beauftragt. Nur in seltenen

Fällen – etwa wenn den IKRK-Delegierten wie in

Myanmar jahrelang der Zugang zu Gefangenen verwehrt

wird – wendet sich das Rote Kreuz an die Öffentlichkeit.

Ansonsten schweigt es öffentlich. Der Grund ist

denkbar simpel: Würden die Berichte, die nach Gefangenenbesuchen

verfasst werden, öffentlich – kein Dele


Berechenbarkeit und Transparenz ermöglichen es dem Roten Kreuz,

auch dort zu arbeiten, wo andere sich längst zurückziehen müssen

gierter würde mehr Zugang zu einem Gefangenenlager

erhalten, nirgends auf der Welt. „Wir wollen nicht durch

öffentliches Reden daran gehindert werden, den Kriegsopfern

helfen zu können“, sagt der Präsident des IKRK,

Jakob Kellenberger. „Das ist keine Geringschätzung des

öffentlichen Lebens, sondern reflektiert unsere Prioritätensetzung.“

Wobei Kellenberger das Wort „öffentlich“ betont.

Denn das öffentliche Schweigen bedeutet nicht, dass seine

Delegierten gegenüber den Behörden und Militärs

nicht Klartext reden: „Das geschieht meistens unter sehr

widrigen Umständen, die viel Mut erfordern, und häufig

gegenüber ziemlich furchterregenden Gestalten“, sagt

Kellenberger.

klare Richtlinien

Das Rote Kreuz misstraut dem öffentlichen Reden aus Erfahrung

und will vermeiden, dass es dadurch seine

Hauptaufgabe nicht mehr wahrnehmen kann. Was die

Helfer/innen tun können, ist oft herzlich wenig: dafür

sorgen, dass medizinische Hilfe kommt, dass die Ernährung

der Gefangenen halbwegs erträglich ist, dass Sanitäranlagen

zur Verfügung stehen, dass die Internierten

mit ihren Familien in Verbindung bleiben können. Die

Besuche haben auch indirekte Auswirkungen: Ein paar

Wärter hören auf, ihre Gefangenen zu foltern, andere

schrecken vor dem Äußersten zurück, einige Gefangene

werden besser behandelt. Das ist wenig angesichts der

Blutbäder ringsum, aber viel für jeden, der davonkommt.

Wer sich, wie es in den Rotkreuz-Grundsätzen heißt,

„das Vertrauen aller erhalten“ will, muss außerdem klare

und transparente Richtlinien haben. „Wir tun, was wir

sagen, und die Leute verstehen das“, sagt Charlotte Lindsey.

Die IKRK-Delegierte hat jahrelang Kriegsgefangene

besucht, Haftbedingungen überprüft, mit den Gefangenen

unter vier Augen gesprochen, Familienbotschaften

eingesammelt und ausgeteilt. „Die Grenzen dieser Tätigkeit

verschieben sich nicht“, sagt sie, „im Sinne von: Jetzt

haben wir dem Roten Kreuz das zugestanden, und jetzt

möchten sie das und das auch noch.“ Stattdessen sind es

Berechenbarkeit und Transparenz, die es der Organisation

ermöglichen, auch dort noch zu arbeiten, wo andere

sich längst zurückziehen müssen. p

23


WIRkSAMkEIT MESSEN

was macht den Erfolg eines hilfsprojekts aus und wie wird dieser überhaupt definiert?

wirkung ist schwer zu erfassen, sie tritt langsam ein und wird oft erst nach

Projektende sichtbar.

as ist ein Indikator für den Erfolg? Ist der Maß stab

W die Anzahl der Tonnen von Hilfsgütern, die in die

Katastrophengebiete geliefert werden? Oder die Anzahl

der Schulungen und Trainings, die im Zuge eines Projekts

durchgeführt werden? Oder ist es die Höhe der

Hilfsgelder, die in eine Region fließen? Für die Opfer

einer Katastrophe oder die Bedürftigen in Entwicklungszusammenarbeitsprojekten

sind diese Zahlen bedeutungslos.

Für den einzelnen Menschen zählt, dass er

bekommt, was er dringend braucht, und welche Verände -

r ungen sich für ihn ergeben.

Auch Entwicklungsorganisationen und Geldgeber/

innen gehen verstärkt dazu über, Projekte nicht mehr

rein nach den eingesetzten Mitteln, sondern viel mehr

nach der Wirkung – den unmittelbaren und langfristigen

Effekten – zu beurteilen. Aber wie misst und bewertet

man die Verbesserung von Lebensqualität, Sicherheit

oder Gesundheit und welchen Anteil hat das eigene

Projekt daran?

beispiel Osttimor

Das Österreichische Rote Kreuz (ÖRK) unterstützt im

Nordwesten von Osttimor in 13 Gemeinden den Bau und

die Rehabilitierung von Wassersystemen. Zudem werden

allen Haushalten im Projektgebiet Materialien zum

Latrinenbau zur Verfügung gestellt. Gesundheits- und

24

Miriam Liska: „Die wichtigste Wirkung war, zu sehen, wie die

Menschen in den Dörfern ihre Entwicklung selber in die Hand nahmen“

Hygienetrainings vermitteln Grundwissen, das in den

ländlichen Gemeinden an alle Familien weitergegeben

wird. Dadurch soll das Risiko, durch verunreinigtes Wasser

zu erkranken, deutlich reduziert werden. Verbesserte

Hygiene soll Durchfallerkrankungen vorbeugen. „Die

Wirkung, die wir erhoffen, ist, dass die Menschen ihr Hygieneverhalten

verändern, sauberes Wasser trinken und

dadurch weniger oft krank werden“, erklärt Miriam Liska,

die das ÖRK in Osttimor vertritt.

die Ausgangslage

Um die Veränderungen messen zu können, muss man

die Ausgangslage kennen. Daher gab es in Osttimor vor

Projektstart eine Erhebung der Ausgangssituation. Die

im Fachjargon Baseline-Study genannte Größe setzt sich

aus Daten wie der Kindersterblichkeit, Anzahl der

Durchfallerkrankungen und Informationen über Verhaltensweisen

der Zielgruppen (z. B. Wissen über Krankheitsübertragung,

Körperhygiene etc.) zusammen.

Wie Puzzleteile werden weitere relevante Informationen

während der Projektumsetzung gesammelt, um sie

später in das Gesamtbild der Veränderung einzufügen.

„Dafür stehen uns Methoden und Instrumente zur Verfügung“,

sagt Miriam Liska. „Wir versuchen zum Beispiel

über Interviews, Fragebögen und Beobachtungen, Veränderungen

bei den Dorfbewohnerinnen und Dorfbe-


wohnern bezüglich ihres Hygiene- und Gesundheitsverhaltens

zu erheben. Beim Zuhören erfährt man am meisten

über das tägliche Leben der Menschen.“

kein projekt wirkt allein

Trotzdem bleibt es schwierig, exakt zu beurteilen, wie

weit die Rotkreuz-Maßnahmen tatsächlich zu Veränderungen

beigetragen haben. „Kein Projekt wirkt für sich

alleine“, weiß Liska. „Unsere Hilfe kann nicht isoliert

von den Maßnahmen der lokalen Behörden, anderen

Hilfsorganisationen und externen Rahmenbedingungen

gesehen werden. Wenn zum Beispiel die Durchfallerkrankungen

in einer Region zurückgegangen sind, kann

die Ursache auch eine bessere Gesundheitsversorgung

durch einen neuen Gesundheitsposten in der Gemeinde

sein. Letztlich können wir oft nur beschreiben, was sich

verändert hat, aber nicht genau analysieren, wie groß

unser Beitrag dazu war.“

Unbeabsichtigte Veränderungen

Jedes Projekt hat neben der geplanten und erwünschten

Veränderung auch unbeabsichtigte Auswirkungen, die

sowohl positiv als auch negativ sein können. Auch sie

gehören zum Gesamtbild. Im schlimmsten Fall kann ein

unerwarteter Nebeneffekt schweren Schaden anrichten.

Ein tragisches Beispiel dafür sind zu wenig tief gegrabene

Brunnen in Bangladesch, die viele Hilfsorganisationen

bis in die Neunzigerjahre errichtet haben und die

arsenhaltiges Wasser lieferten. Das Projektziel, die durch

verschmutztes Wasser übertragbaren Krankheiten zu reduzieren,

wurde erreicht. Jedoch führte die Arsenbelastung

zu langfristigen, schwerwiegenden Erkrankungen

bei vielen Menschen.

In Osttimor haben die Rotkreuz-Delegierten einen

ungeplanten, jedoch sehr positiven Effekt beobachtet:

„Die Menschen helfen sich gegenseitig. Bei vielen Familien

hat das Projekt den Wunsch geweckt, ihr Umfeld

ansprechender zu gestalten. In einigen Gemeinden kam

es zu einem richtigen Wettbewerb, wer die beste Latrine

hat. Viele Gärten sehen heute schöner aus als vor Projektstart,

und wer es sich leisten konnte, hat sich auch

noch zusätzlich zur Latrine ein Badezimmer gebaut“, berichtet

Elmar Göbl, der bis 2009 in Osttimor tätig war.

Mit Projektabschluss wird das Projekt zusätzlich einer

Evaluierung durch einen unabhängigen externen

Experten unterzogen. Aus den gesammelten Erfahrungen

lernt das Rote Kreuz und hat die Chance, seine

Projekte laufend zu verbessern. p

FÜnF KritEriEn FÜr dEn

ProJEKtErFolg

Die Wirkung eines Projektes ist nur eines der Kriterien,

nach denen professionelle Organisationen ihre Arbeit

evaluieren. Zu den sogenannten DAC(Development-Assistance-Committee)-Kriterien

der Organisation for Economic

Co-operation and Development (OECD) zählen

außerdem Relevanz, Effizienz, Effektivität und Nachhaltigkeit.

Sie bilden den Raster, der ein abgeschlossenes

Projekt für die Organisation und ihre Geldgeber überprüfbar

macht.

Die fünf wichtigsten Kriterien:

1. Relevanz: Wird das Richtige getan? Trifft die Hilfsmaßnahme

die dringenden Bedürfnisse vor Ort?

2. Effektivität: Werden die Ziele der Entwicklungsmaßnahme

erreicht? Vergleich: Ergebnis – Planung.

3. Effizienz: In welchem Verhältnis stehen die eingesetzten

Mittel zu den Ergebnissen?

4. Wirkung: Welche Veränderung ergibt sich durch das

Projekt für die Zielgruppe?

5. Nachhaltigkeit: Sind positive Wirkungen von Dauer?

25


in Wirbelsturm tobte 1970 mit katastrophalen Aus-

E wirkungen über Ostpakistan, das heutige Bangladesch.

300.000 bis 500.000 Todesopfer waren zu beklagen.

Danach wurde die Katastrophenvorsorge verstärkt,

Schutzgebäude gebaut. 1991 fegte wieder ein Zyklon über

den Südosten von Bangladesch mit Windgeschwindigkeiten

von bis zu 260 km/h. Er verursachte eine sechs

Meter hohe Flutwelle, 138.000 Menschen kamen ums Leben.

Denn viele erreichte die Hurrikanwarnung zu spät.

In den Folgejahren entwickelte man ein einfaches,

aber wirkungsvolles Frühwarnsystem: Freiwillige des

Roten Halbmondes fuhren auf Mopeds die Küste ab,

warnten die Bewohner/innen in den Dörfern und forderten

sie auf, die Schutzgebäude rechtzeitig aufzusuchen.

So richtete der Zyklon „Sidr“ im November 2007 in

Bangladesch zwar verheerende Schäden an, die Zahl der

Todesopfer aber sank auf unter 3500.

Schnelle Information

1983 kam das erste Mobiltelefon auf den Markt – ein unhandliches

Ding, das astronomische Gesprächsgebühren

verursachte. Die erste „Short Message“ wurde im Dezember

1992 versendet. Bereits 2009 nutzten zwei Drittel der

Weltbevölkerung ein Handy. Wird man auf der Straße

oder im Bus ungewollt Ohrenzeuge eines persönlichen

Gesprächs, fragt man sich, ob der Austausch dieser Informationen

gerade hier und jetzt notwendig war. Doch im

26

hILfE füR dIE

SchWächSTEN

NEUE MEdIEN – NEUE hILfE

information kann im Katastrophenfall leben retten. moderne Kommunikationsmittel

ermöglichen dem roten Kreuz eine schnelle wissensvermittlung.

Katastrophenfall kann Information genauso lebensrettend

sein wie Wasser, Nahrungsmittel oder Notunterkünfte.

Wo und wann gibt es sauberes Trinkwasser? Wie

wird die Cholera übertragen und wie erkennt man ihre

ersten Symptome? Wie benutze ich das Moskitonetz

richtig, um mich vor Malaria zu schützen? Wie ist die

Nummer der Info-Hotline vom Roten Kreuz? Wie kann

ich meine Angehörigen finden?

Rotkreuz-Nachrichten

„In der ersten SMS stand, wie wir uns durch Händewaschen

vor der Cholera schützen können. Ich wusste das

vorher nicht und habe die Information gleich an meine

Schwester weitergegeben, die ein Baby hat. Die Info hat

uns geholfen, uns selbst zu schützen“, berichtet Naomi

Fils-Aimé aus Port-au-Prince. Nach dem schweren Erdbeben

in Haiti 2010 wurden viele Informationen über

Radio sender live weitergegeben, Plakate informierten

auch Analphabetinnen und Analphabeten, und lokale

Callcenter-Mitarbeiter/innen beantworteten die häufigsten

Fragen. Per SMS wurde auch die Gratis-Info-Hotline

des Haitianischen Roten Kreuzes beworben, bei der

daraufhin 400.000 Anrufer/innen betreut wurden. Als

Hurrikan „Tomas“ auf das Camp „Champs des Mars“ zusteuerte,

verschickte das Rote Kreuz eine Frühwarnung

und wichtige Verhaltens-Tipps. Bewohner/innen der

Camps gaben die wichtigen Infos mit Megafonen weiter.


Die Rotkreuz-Nachrichten geben nicht nur wichtige

Informationen weiter, sondern auch Hoffnung

feedback einholen

SMS wurden vom Roten Kreuz erstmals beim Einsatz in

Haiti systematisch und massiv benutzt, um die Bevölkerung

zu informieren, um das Leben in den Camp-Communitys

zu organisieren und – last but not least – als

Feedback-Schleife, um die Hilfe noch besser an die Bedürfnisse

der Bebenopfer anzupassen. Die Menschen in

Haiti hatten schon vor dem Beben kein leichtes Leben.

Nachdem sie alles verloren hatten und in Zeltlagern

lebten, war für viele die Aussichtslosigkeit erdrückend.

Die Rotkreuz-Nachrichten gaben nicht nur wichtige Informationen

weiter, sondern auch Hoffnung. Information

macht aus Bebenopfern aktive Teilnehmer/innen an

den Hilfsaktivitäten und kann so auch Unruhen in den

Camps vermeiden. „An den Tagen, an denen ich aufwache

und nichts zu essen habe, hilft mir das SMS vom

Roten Kreuz, mich besser zu fühlen, und gibt mir Hoffnung“,

erzählt Andrena Geffrard aus ihrem Alltag im La

Piste Camp in Port-au-Prince. p

diE vortEilE

� Gezielte SMS an 1,2 Millionen registrierte Nutzerinnen

und Nutzer des „Voilà“-Mobilfunknetzes in Haiti

� Austausch von Nachrichten

� Aktive Einbindung der Benefizienten in die Hilfsprogramme

� Gezielte Aussendungen an Einzelpersonen oder

in bestimmten Bezirken

� Feedbackmöglichkeit

diE thEmEn

das ErgEbnis

„In der SMS stand, wie wir uns durch

Händewaschen vor der Cholera schützen können“

� Infokampagnen wie zum Beispiel zur Vorbereitung

auf die Hurrikansaison, Cholerawarnung, Impf- und

Gesundheitskampagnen

� Katastrophenwarnungen vor Hurrikan „Tomas“,

Überflutungen in Port-au-Prince, Sturmwarnungen

� Organisatorisches, wie zum Beispiel die Info,

dass Schulgebühren bezahlt wurden

� Info, wo die nächste Wasserausgabestelle ist

� Frühwarnsysteme (z. B. bei Choleraausbruch)

� Unterstützung bei der Bedarfserhebung (z. B.: Wie

kommen die Hygiene-Kits an? Was wird noch

gebraucht? Wer kann Land zur Verfügung stellen?)

Im Zuge einer unabhängigen Evaluierung des „Beneficiary-

Communication-Programme“ des Rotkreuz-Netzwerkes

wurden Tausende Haitianer/innen interviewt. 74 % der

Befragten gaben an, Information vom Roten Kreuz erhalten

zu haben. 83 % konnten die Informationen gleich umsetzen,

und 73 % haben die Information weiterverteilt.

Die Hilfsmaßnahmen wurden laufend an die Bedürfnisse

angepasst. So wurden zum Beispiel wenig frequentierte

Trinkwasser-Ausgabestellen verlegt, die Benutzer/

innen aber rechtzeitig über die neue Ausgabestelle informiert.

Weitere Infos auf www.ifrc.org

27


dIE VERANTWORTUNg,

pOSITION ZU bEZIEhEN

das anwaltschaftliche Eintreten für menschen in not ist wesentlich.

der Festsaal der Universität Wien ist bis auf den letzten

Platz gefüllt. Auf dem Podium sitzen ein Journalist,

ein Beamter des Außenministeriums und Vertreter/

innen von humanitären Organisationen. Einer von ihnen

ist Max Santner. Er leitet den Bereich Internationale

Hilfe beim Roten Kreuz und hält eine Grundsatzrede

zum Stellenwert der humanitären Hilfe in Österreich.

„Humanitäre Hilfe“, so Santner, „ist kein Almosen, sondern

ein Menschenrecht. In Skandinavien wird das

schon lange so gesehen – bei uns muss sich diese Sichtweise

noch durchsetzen: von einer Politik des Mitleids

hin zu einer Politik der Verantwortung.“

Im Laufe seiner Rede fordert Santner von der Bundesregierung,

den Auslandskatastrophen-Fonds auf 20 Millionen

Euro aufzustocken. Mit den Mitteln könnte Menschen,

die von Katastrophen wie etwa Dürren, Überschwemmungen,

Erdbeben und Tsunamis betroffen

sind, effizient geholfen werden.

humanitärer kongress

Diese Worte sind am 21. Oktober 2011 gefallen. Der Dachverband

der österreichischen entwicklungspolitischen

Organisationen, die AG Globale Verantwortung, hat in

Zusammenarbeit mit dem Institut für Internationale

Entwicklung (IE) und mehreren zivilgesellschaftlichen

Organisationen – darunter das Rote Kreuz – den ersten

Humanitären Kongress Österreichs veranstaltet. Ziel des

Kongresses war es, einen Diskurs über die Bedeutung

28

der humanitären Hilfe zu starten. Mehr als 400 Teilnehmer/innen

aus 14 Ländern diskutierten mit rund 40 internationalen

Expertinnen und Experten über die Rolle

Österreichs in der Entwicklungszusammenarbeit und

der humanitären Hilfe, über das Spannungsfeld zivilmilitärischer

Beziehungen und über Trends in der internationalen

Zusammenarbeit.

Anwaltschaftlicher Auftrag

„Kongresse wie dieser“, resümiert Santner, „sind ein

wichtiger Teil unserer anwaltschaftlichen Arbeit.“ Denn

Aufgabe des Roten Kreuzes ist es nicht nur, operativ humanitäre

Arbeit zu leisten, sondern auch, sich für die

Rechte von Menschen in Not einzusetzen. Das klingt

nach Theorie – in der Praxis heißt es, Position zu beziehen

und Überzeugungsarbeit zu leisten: in Österreich, in

Europa und in den Partnerländern.

Wie das funktionieren kann, zeigt die Diskussion

rund um die Hungerkatastrophe am Horn von Afrika

beim Humanitären Kongress. Die Hilfe für die von der

Dürre betroffenen Menschen, so der Tenor der Debatte,

dürfe nicht als Almosen aufgefasst werden. Die Menschenrechte

gelten universal, und Artikel 25 der Menschenrechtscharta

garantiert das Recht auf Ernährung.

Hilfe zu leisten ist also eine Verantwortung und eine

Verpflichtung jener Regierungen, die diese Charta unterschrieben

haben. Anwaltschaft bedeutet für das Rote

Kreuz, Position zu beziehen und mit Entscheidungsträ


gerinnen und Entscheidungsträgern sowie Meinungsbildnerinnen

und Meinungsbildnern in Dialog zu treten,

um diese mit Sachkenntnis und fundierten Argumenten

zu überzeugen. „Das Ziel muss sein, den Bedarf von Menschen

in Not zu formulieren, ihn zu veröffentlichen und

sich dafür einzusetzen, dass die Verantwortlichen im

Sinne der hilfsbedürftigen Menschen entscheiden und

handeln“, so Santner.

Max Santner (Bildmitte) beim Humanitären Kongress

Aktuelle Krisen und humanitäre Herausforderungen

machen das anwaltschaftliche Engagement immer notwendiger.

Armut und Katastrophen haben viele Ursachen.

Auch hierfür ist die katastrophale Ernährungslage

in Ostafrika ein anschauliches Beispiel. Gründe für den

Hunger gibt es viele: Extreme Wetterphänomene wie

Dürre und Hochwasser nehmen durch den Klimawandel

zu, die Ernten fallen schlecht aus, die Preise von Nahrungsmitteln

steigen, und in Somalia tobt seit Jahren

ein bewaffneter Konflikt.

Netzwerk der helfer/innen

Die Krisen – und ihre zahlreichen Ursachen – machen

nicht an Staatsgrenzen halt. Umso wichtiger ist es daher,

Humanitäre Herausforderungen machen anwaltschaftliches

Engagement immer notwendiger

sich dagegen aktiv in internationalen Netzwerken zu engagieren.

Die Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung ist

ein solches Netzwerk. In 188 Staaten gibt es eine nationale

Rotkreuz- oder Rothalbmondgesellschaft. „Wir sind

gleichzeitig eine globale und eine lokale Organisation,

eine weltweite Bewegung, deren freiwillige und hauptberufliche

Mitarbeiter/innen direkt in den Communitys

arbeiten. Dass wir also global und lokal mit unserer anwaltschaftlichen

Arbeit ansetzen können, ist eine große

Stärke“, sagt Santner und betont, dass sich der Informations-

und Erfahrungsaustausch nicht auf das Rotkreuz-

Netzwerk beschränkt. Mit unterschiedlichen Organisationen

werden Allianzen geschlossen. So werden poli -

ti sche Überzeugungsarbeit, Informations- und Bildung s -

arbeit effizienter.

Das Zusammenspiel von operativer humanitärer Hilfe

und Entwicklungszusammenarbeit mit anwaltschaftlichem

Eintreten für Menschen in Not hält Santner für

grundlegend. Am Beispiel der Hilfsmaßnahmen in

Ostafrika erklärt er das Zusammenspiel: „Das Verteilen

von Nahrungsmitteln und Trinkwasser ist nicht nur

wichtig, sondern lebensrettend. Im Zuge unserer anwaltschaftlichen

Tätigkeit versuchen wir, auch die verursachenden

Strukturen zu verändern. Beides geht

Hand in Hand, und nur so helfen wir nachhaltig.“ p

anwaltschaFt

Advocacy oder Anwaltschaft ist die Verantwortung, Position

zu beziehen. Auch wenn das Rote Kreuz nicht immer

laut seine Meinung sagt (siehe Beitrag Seite 22): Es ist

unerlässlich, den Bedürftigen eine Stimme zu geben und

ihre Rechte den Meinungsmacherinnen und Meinungsmachern

sowie Politikerinnen und Politikern in Erinnerung

zu rufen. Bei unseren Advocacy-Aktivitäten arbeiten

wir in weltweiten Netzwerken zusammen.

29


kLIMAWANdEL

häLT SIch NIchT

AN STAATSgRENZEN

rotkreuz-gesellschaften und zivilgesellschaftliche organisationen in

südosteuropa schließen sich zusammen, um im dialog mit regierungen

die Folgen des Klimawandels zu bewältigen.

der Klimawandel hat in den letzten Jahrzehnten das

Muster von Naturereignissen und Katastrophen

verändert: Mehr Überschwemmungen gefährden Menschenleben

und verursachen ökonomische Schäden, Hitzewellen

in Europa belasten vor allem ältere und kranke

Menschen. Die Veränderung des Klimas steht daher

längst nicht mehr allein auf der Agenda von Umweltaktivistinnen

und Umweltaktivisten. Dass die Folgen des

Klimawandels nur durch gemeinsame Zielsetzungen

von humanitären und Umweltakteuren aus dem staatlichen

und nichtstaatlichen Bereich eingedämmt werden

können, wird in einem EU-geförderten regionalen

Netzwerk-Projekt von Rotkreuz-Gesellschaften und zivilgesellschaftlichen

Akteuren in Kroatien, Mazedonien,

Montenegro und Serbien aufgegriffen.

Regionale Zusammenarbeit

„Es reicht nicht aus, sich auf nationaler Ebene mit zivilgesellschaftlichen

Organisationen, Regierungs- und wissenschaftlichen

Einrichtungen zu vernetzen. Der Klimawandel

hält sich nicht an politische Grenzen. Wenn sich

der Wasserstand der Donau in Kroatien erhöht, kann diese

Veränderung auch die Bevölkerung und Ökosysteme

in Serbien gefährden“, weiß Duska Dimovic vom World

Wide Fund for Nature (WWF). In regelmäßigen Abständen

treffen sich deshalb Netzwerkkoordinatorinnen und

-koordinatoren aus den vier Ländern, um sich über ihre

30

Projektarbeit auszutauschen und Schwerpunkte für eine

regionale Zusammenarbeit festzulegen, die auf bereits

bestehenden Initiativen in Südosteuropa aufbauen.

Mit Unterstützung des Österreichischen Roten

Kreuzes wurden 2011 in den vier Ländern zivilgesellschaftliche

Netzwerke mit Mitgliedern aus Umwelt- und

humanitären Organisationen und privaten Unternehmen

gegründet, die sich gemeinsam für mehr Bewusstsein

bezüglich der Auswirkungen des Klimawandels

einsetzen und im Dialog mit Entscheidungsträgerinnen

und Entscheidungsträgern politische Lösungsvorschläge

erarbeiten. „Durch dieses Projekt kann das Rote Kreuz

seine Expertise aus der praktischen Arbeit im Katastrophenmanagement

mit dem Wissen von Umweltorganisationen

verknüpfen. Die Vernetzung mit zivilgesellschaftlichen

Organisationen einerseits und die Stärkung

des Dialogs mit Ministerien andererseits helfen, die negativen

Folgen des Klimawandels für die Bevölkerung

einzudämmen“, meint Marinko Metlicic, Katastrophenmanager

im Kroatischen Roten Kreuz.

die folgen des klimawandels

Für das Montenegrinische Rote Kreuz bedeutet dieses

Projekt eine logische Fortsetzung eines Engagements,

das bereits im Jahr 2009 begonnen hat. „Damals haben

wir eine regionale Konferenz durchgeführt. Das Österreichische

Rote Kreuz hat uns dabei unterstützt. Ein we


Die Auswirkungen des Klimawandels erfordern neue Strategien in der Rotkreuz-Arbeit

sentlicher Aspekt war, die Verbindung von Klimawandel

mit humanitärem Engagement herzustellen und Klimawandel

als eine Herausforderung für den Bereich der

Katastrophenvorsorge zu erkennen“, so Natasa Uskokovic

vom Montenegrinischen Roten Kreuz. „Durch das

Einbeziehen von Journalistinnen und Journalisten in

unsere Netzwerkaktivitäten versuchen wir noch stärker,

Bewusstsein für die Folgen des Klimawandels zu schaffen.“

Neben den humanitären Konsequenzen und Fragen

zu Biodiversität und Energieeffizienz werden auch

Auswirkungen des Klimawandels auf den privaten Sektor

behandelt.

Antwort auf neue herausforderung

Ein regionales Training im September 2011 in Mazedonien

war der Auftakt zu einem sechsmonatigen Prozess

zur Erstellung von Klimarisiko-Analysen. Die Endberichte

sollen Empfehlungen für Entscheidungsträger/innen

und konkrete Optionen für die Arbeit zivilgesellschaftlicher

Netzwerke und Rotkreuz-Gesellschaften im

Bereich Klimawandelanpassung enthalten. Die Netzwerke

werden mit Know-how-Transfer durch das Österreichische

Rote Kreuz, das Umweltbundesamt und das

WIFI International der Österreichischen Wirtschaftskammer

in den Bereichen Kommunikation, Training in

EU-Funding-Mechanismen und Klimawandelanpassung

unterstützt.

Die Nachhaltigkeit des Projekts soll in weiterer Folge

auch durch die Umsetzung von gemeinsamen Aktionen

der Netzwerke auf lokaler Ebene gefördert werden, um

Klimagefahren dort vorzubeugen, wo sie auftreten. Dadurch

wird nicht nur der Brückenschlag zwischen Vernetzung

auf nationaler und regionaler Ebene und operativer

Arbeit von Rotkreuz-Gesellschaften und der Zivilgesellschaft

geschaffen, sondern Klimawandel als das

anerkannt, was er ist: eine Herausforderung, die neue

Strategien in der humanitären, ökologischen und wirtschaftlichen

Arbeit erfordert. p

inFos Zum ProJEKt

Vier Pfeiler des EU-IPA-Projekts „Südosteuropäisches

Forum zur Anpassung an den Klimawandel“:

� Gründung zivilgesellschaftlicher Netzwerke in

Kroatien, Mazedonien, Montenegro und Serbien

� Durchführung von Klimarisiko-Analysen

� Schulungen im Bereich Kommunikation, Lobbying

und EU-Recht (acquis communautaire)

� Gründung eines Südosteuropäischen Forums zur

Anpassung an den Klimawandel

Projektlaufzeit:

Januar 2011 – Dezember 2012

Partner:

Kroatisches Rotes Kreuz, Mazedonisches Rotes Kreuz,

Montenegrinisches Rotes Kreuz, Zentrum für Monitoring

und Evaluation (CME), WWF-Donau-Karpathen-

Programm, WIFI International, Österreichisches Rotes

Kreuz, Klimazentrum der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften

in Den Haag

31


UNSERE hILfE IN ZAhLEN

0 10 20 30 40 50 60

Angaben in Prozent

32

67

25

diE ausgabEnstruKtur nach tÄtigKEitsFEldErn

zeigt deutlich, dass die Katastrophenhilfe mit 67 % aller

Aufwendungen der Internationalen Hilfe den größten

Teil unserer Arbeit ausmacht. An zweiter Stelle liegt

die Entwicklungszusammenarbeit mit 24,9 %, die weit

über den Ausgaben für die Rehabilitation (2 %) liegt. Die

umfangreichsten Entwicklungszusammenarbeitsprogramme

werden derzeit in Äthiopien, im Sudan und in

Osttimor abgewickelt.

23,1

67,2

4,1

5,6

institutionelle staatliche mittel 3.605.686,71

institutionelle private mittel 639.709,64

rotkreuz-beiträge/spenden 10.481.473,81

sonstige private mittel 861.478,88

gesamt 15.588.349,04

0 10 20 30 40 50 60

2

6

2

Angaben in Euro

1

Katastrophenhilfe 10.456.068,35

Entwicklungszusammenarbeit 3.877.593,06

rehabilitation 383.416,92

verwaltungskosten 871.270,71

gesamt 15.588.349,04

internationale unterstützung durch das

ÖrK-medikamentendepot 2011

afrika 145.881,26

amerika 2.800,94

asien 664.591,32

Europa 422.662,13

supranational 33.325,55

gesamt 1.269.261,20

52,4

11,5

33,3 2,6

0,2

Angaben in Prozent

diE FinanZiErung der Internationalen Hilfe im ÖRK erfolgt

aus mehreren Quellen: Sie wird durch staatliche institutionelle

Geldgeber wie die EU (DevCo-EuropeAid,

ECHO), die österreichische staatliche Entwicklungsagentur

ADC (Austrian Development Cooperation) oder das

Bundesministerium für europäische und internationale

Angelegenheiten finanziert. Weiters kommen Mittel von

institutionellen privaten Geldgebern (4,1 %), in erster Linie

von der humanitär-medialen Plattform „Nachbar in

Not.“ „Rotkreuz-Beiträge“ (67,24 %) sind Spendenbeiträge,

Beiträge der Rotkreuz-Landesverbände, des Österreichischen

Jugendrotkreuzes (ÖJRK) und Refundierungen der

Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften

(IFRC). Neben den Hunderttausenden

Spenderinnen und Spendern und Mitgliedern des

Roten Kreuzes unterstützen uns auch zahlreiche Unternehmen.

Dabei geht es nicht nur um Geld- oder Sachspenden

– oft stellen Unternehmen auch ihre Zeit, ihr

Know-how und ihre Kreativität in den Dienst der guten

Sache. Lesen Sie mehr über die aktuellsten Unternehmenskooperationen

unter www.roteskreuz.at/mitma

chen/kooperationen.


mit Jahresende 2011 betrug das volumen aller in abwicklung befindlichen

Programme und Projekte der internationalen hilfe des ÖrK 35 mio. Euro.

mit stichtag 31. 12. 2011 wurden rund 15,6 mio. Euro buchhalterisch abgerechnet.

FinanZiEll gEsEhEn lag dEr schwErPunKt unsErEr

arbEit auch 2011 vor allem in Asien (56 %): mit umfangreicher

Programmarbeit in Osttimor und Laos sowie Programmarbeit

sowie Katastrophenhilfe in Pakistan und

Katastrophenhilfe nach dem Erdbeben in Japan. In Afrika

(22 %) lag der Arbeitsschwerpunkt wieder im Osten

des Kontinents. In der dritten Schwerpunktregion Osteuropa/Balkanländer

(7,23 %) haben wir das Weißrussische

Rote Kreuz finanziell und mit Medikamentenhilfe

unterstützt, ein Hauskrankenpflege-Projekt in Weißrussland

und Montenegro und Netzwerkarbeit zum

Thema Katastrophenschutz umgesetzt (siehe auch Beitrag

Seite 28). Unter „Überregional“ (9,5 %) werden all jene

Aktivitäten zusammengefasst, die sich regional nicht

programm- oder projektspezifisch zuordnen lassen.

südasien 1.990.246,88

ostasien 4.464.380,82

südostasien 878.287,72

naher/mittl. osten 1.249.983,86

asien /rest 143.330,21

22,8

51,2

14

0 10 20 30 40 50 60

10 2

11 %

9 %

2 %

22 %

56 %

afrika (€ 3.436.371,55)

amerika (€ 268.610,70)

Europa (€ 1.679.969,63)

Überregional (€ 1.477.167,67)

Östliches afrika 3.239.647,61

afrika/rest 196.723,94

94,3

osteuropa/balkan 1.127.599,87

südosteuropa 317.555,44

Europa/rest 234.814,32

asien (€ 8.726.229,49)

67,1

18,9

5,7

14

Angaben in Prozent

33

1


34

Emanuelle Le Roy, Haiti

Christoph Blaimschein, Osttimor

Tihomir Strekelj, Haiti

Leila Sanbar, Haiti

Günther Krone, Sudan

UNSERE dELEgIERTEN

ÖrK-delegierte in der internationalen Katastrophenhilfe

(Eru, Fact, trainings)

ZIELLANd dELEgIERTE (EINSATZTAgE) fUNkTION TAgE

Äthiopien MEISINGER Werner (20) WASH Delegate 20

Tschad ECKER Georg (25) FACT WatSan

Delegate

Pakistan DOX Lidwina (31), HILDENBRAND Wilfried (31),

HAAS Florian (31), AUSSERHUBER Robert (37),

ROMIRER Rainer (29), MELISCHNIG Katrin (29),

GRADISCHAR Andreas (17), LUTTENBERGER

Werner (17), EGGER Markus (17)

Österreichische delegierte als mitarbeiter/innen beim iKrK

Österreichische delegierte als mitarbeiter/innen

bei der Föderation und beim Eu-rK-büro in brüssel

ZIELLANd dELEgIERTE (EINSATZTAgE) fUNkTION TAgE

Belgien KROTTMAYER Martin (303) Liaison Delegate 303

Haiti LECHNER Werner (365) ERU Water & Sanitation 365

Pakistan WOLF Michael (61) ERU Water & Sanitation 61

Sri Lanka PALKOVITS Klaus (120) Recovery Coordination 120

Tunesien MELISCHNIG Katrin (35) WatSan Trainee 35

25

WatSan Delegate TL 239

ZIELLANd dELEgIERTE (EINSATZTAgE) fUNkTION TAgE

Afghanistan, Libyen, Pakistan KITTEL Günter (181) Surgeon 181

Das Team der Internationalen Hilfe


Im Jahr 2011 fanden Einsätze in 16 Ländern mit

insgesamt 58 delegierten statt. diese leisteten

9274 Einsatztage.

ÖrK-delegierte in der rehabilitation,

Entwicklungszusammenarbeit und im Kapazitätenaufbau

ZIELLANd dELEgIERTE (EINSATZTAgE) fUNkTION TAgE

Äthiopien DELE Seifu Demeke (365), PALKOVITS

Klaus (214)

Project Coordination

996

DIOUF Omar (365) ERU Water & Sanitation

AGLAS Gerhard (13), HAMMANN

Hemma (13), LOIZMAYR Stefan (13),

HILDENBRAND Wilfried (13)

Training Water & Sanitation

Haiti WOLF Michael (304), PIAM Geneviève

(31), KÜHNEL Michael (59), KRONE

Harald (133), WERFRING Alexander

(184), SPITZBART Martina (246),

ATKINSON Don (179), STREKELJ

Tihomir (96), LE ROY Emmanuelle (76)

Water & Sanitation

KLUG Wolfgang (365), SANBAR Leila

(181)

Finance

Kenia

WIRTENBERGER Martha (15) Information/Media

Laos HAINDL Gerlinde (110), GRIMM Kerstin

(263)

WEIDNER Annett (365) Health

Project Coordination

LANG Markus (14) Project Support

Osttimor CAP Martina (365), BLAIMSCHEIN

Christoph (230)

Water & Sanitation

LISKA Miriam (365) Project Coordination

WIRTENBERGER Martha (243),

HARTING Silke (256)

Comm. Based Health First

Aid

MANNINGER Kathrin (61) Volunteer/Research Institut IZE

Österreich SIEBERER Nina (32), MATHES Dieter (22),

ATKINSON Don (50)

Training Water & Sanitation

Pakistan SCHRADER Dirk (365) Water & Sanitation 409

PECNIK Marianne (44) Shelter Coordination

Serbien GREINER Sonja (306) Project Coordination 306

Sudan/

Südsudan

JOHNSON Sylvia (365), RÄHLMANN

Helmut (34), BERGER Brigitte (205)

SAGNA Jacques (365), GAYE Amadou

(181)

SALISU Abdallah (322), ECKART Rainer

(146)

HÖLZL Bruno (27), DIESSL Julia (22),

AUSSERHUBER Robert (22), POLANSKI

Philipp (22), ATKINSON Don (22)

Project Coordination

Water & Sanitation

Water & Sanitation

Training Water & Sanitation

KRONE Günther (181) Finance

Tadschikistan HATTINGER Andreas (5) WatSan Trainer 5

1854

15

752

1520

104

1914

Rainer Eckart, Sudan

xxxx

Silke Harting, Osttimor

Sonja Greiner, Serbien

Kerstin Grimm, Laos

35

Klaus Palkovits, Äthiopien


Egal wo auf der Welt eine Katastrophe passiert, das Rote Kreuz eilt sofort zur Hilfe.

Auch dort, wo andere so schnell wie möglich f lüchten. Denn unser oberstes Prinzip ist es,

den Menschen zu helfen. Unabhängig von ihrer Nationalität, Rasse, Religion, sozialen

Stellung oder politischen Überzeugung.

www.roteskreuz.at

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