2020 unternehmen [!] Magazin Ausgabe73 Juli 2020

suedwest.presse

Das Wirtschaftsmagazin im Südwesten. Ausgabe 73 - Juli 2020

unternehmen [!] RESSORT 1

Das Wirtschaftsmagazin im Südwesten Ausgabe 73 | Juli 2020 | 3,00 €

Voilà Monsieur

Biotech

Kooperationen gehören zur Firmen-DNA: Der

Franzose Frank Mathias führt die Rentschler

Biopharma in die Weltliga der Pharma-Dienstleister.

SANIERUNG

Die Haken und Fallen

bei der Aussetzung der

Insolvenzantragspflicht. Seite 06

HOMEOFFICE

Arbeit zu Hause verändert die

Arbeitseinstellung: Tipps zum

Gegensteuern. Seite 36

UMFRAGE

Wie Führungskräfte im Jahr der

Corona-Pandemie ihren Urlaub

verbringen. Seite 46


2

RESSORT unternehmen [!]

Überblick

ist einfach.

Weil die Sparkasse individuelle

Lösungen für einen

effizienten Zahlungsverkehr

im In- und Ausland bietet.

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ksk-gp.de

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Ulm

S Kreissparkasse

Göppingen


unternehmen [!] INHALT 3

Liebe Leserin, lieber Leser,

das Ifo-Institut ist dieses Jahr für Überraschungen

gut: Zu Beginn der Corona-Pandemie war die

Prognose rabenschwarz, nun sagen die Konjunkturforscher

für die zweite Jahreshälfte einen kräftigen

Aufschwung der deutschen Wirtschaft voraus.

Angesichts der massiven Schwierigkeiten von

Autoherstellern, Zulieferern, Maschinenbauern,

Gastronomen, Hoteliers und Dienstleistern möchte

man den Ifo-Experten zurufen: Die Botschaft

hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube. Denn

eines ist sicher: Die Corona-Pandemie hat das

exportorientierte Geschäftsmodell des Standorts

stark in Mitleidenschaft gezogen. Fast jede fünfte

Firma sieht sich in ihrer Existenz bedroht. Das

Thema Sanierung (Seite 6) dürfte daher in der

zweiten Jahreshälfte ein großes werden.

Doch es gibt in dieser unsicheren Zeit auch Beispiele,

die Mut machen: Frank Mathias, Chef der

Rentschler Biopharma aus Laupheim, berichtet

im Titelinterview, wie er den Pharma-Dienstleister

für die Zukunft fit macht (Seite 10). Auch die

Porträts von Mocupinus und Lehner Agrar zeigen,

wie Mittelständler erfolgreich ihren Weg gehen.

Ich wünsche Ihnen anregende Lektüre!

Ihr Alexander Bögelein,

Redaktionsleiter unternehmen [!]

FINANZIEREN

6 Die Gefahr steckt im Detail

Fallstricke bei Sanierungen

TITELTHEMA

10 Biotech-Arznei der Zukunft

Frank Mathias, Vorstandschef der

Rentschler Biopharma, im Gespräch

SPEZIAL

20 Nur das Beste für die Kinder

Immer mehr Eltern schicken ihren Nachwuchs

auf Privatschulen

28 Die Stimmung ist der Star Wie Händler

Wohlbefinden und Orientierung schaffen

36 Kampf dem Schlabberlook

Tipps gegen die Schattenseiten

des Homeoffice

MACHEN

24 Gekommen, um zu bleiben

Datagroup Ulm ist wieder in der Gewinnzone

38 Alles Holz – oder was?

Mocopinus setzt auf Design und Sonderlösungen

40 Wachstum als Geschäft

Lehner Agrar besetzt Nischen

VERANTWORTEN

32 Auf der Rüttelpiste

Für Zulieferer kommt es knüppeldick

34 Mit Hochdruck unterwegs

Aufgaben und Verantwortung der Facility

Manager nehmen zu

LEBEN

42 Aus Liebe zur Kunst

Gudrun Selinka hütet die Sammlung, die sie

mit ihrem Mann aufgebaut hat

46 Urlaub im Corona-Jahr

Umfrage unter Führungskräften

NAMEN & NACHRICHTEN

4 Sedelhöfe-Eröffnung in Etappen

18 Summende Kollegen bei Hymer

50 Kein Pächter fürs Bootshaus

50 Impressum

24 34 38

42

06


4

NAMEN & NACHRICHTEN unternehmen [!]

Eröffnung in Etappen

Sedelhöfe Die ersten Kunden lockt das neue Quartier in der Ulmer Innenstadt bereits an.

Bis alle Flächen belegt sind, wird es aber voraussichtlich noch einige Zeit dauern.

Ulmer Innenstadt Hundert potenzielle

Kunden standen schon

wartend vor der Eingangstür als

sich am 17. Juni pünktlich um

10 Uhr die Türen zum Zalando-Outlet

in den Sedelhöfen öffneten.

Das 1600 Quadratmeter

großen Verkaufsgeschäft auf

zwei Etagen ging vier Wochen

vor der eigentlichen Eröffnung

des neuen Quartiers am Eingang

der Ulmer Einkaufsstraße als

erstes Geschäft an den Start.

Während etwa der Lebensmittler

Edeka und die Drogerie DM

Mitte Juli zur offiziellen Eröffnung

nachziehen, stehen auch

dann immer noch knapp 40 Prozent

der Ladenflächen leer, wie

der Investor DC zuletzt mitteilte.

Infolge der Corona-Pandemie

pausierten Gespräche mit

etwaigen Mietern.

Verzögerungen aufgrund der

Pandemie gibt es derweil auch

beim feststehenden Mieter Mc-

Donald’s. Die Fastfoodkette sollte

zum Start der Sedelhöfe eigentlich

an ihrem alten Standort,

nun im neuen Quartier, öffnen

und im Zuge dessen rasch

den Container in der Bahnhofstraße

abbauen, der für die Zeit

der Großbaustelle als Lokal

diente. Wann die Burger und

Fritten der Kette in den neuen

Räumlichkeiten verkauft werden,

ist derzeit noch nicht klar.

Insgesamt umfasst das Projekt

Sedelhöfe 18 000 Quadratmeter

(m 2 ) Fläche für Handel,

1500 m 2 für Gastronomie,

7500 m 2 für Büros und Praxen

sowie etwa 6500 m 2 für 112 Wohnungen

mit einer

Größe von 22 bis

90 Quadratmetern.

Für letztere

haben sich mehr

als 200 Interessenten

gemeldet,

erklärt der Investor.

Zum Start im

Juli sollen zudem

die Tiefgarage mit

rund 700 Stellplätzen

und der neu

geschaffene

Albert-Einstein-Platz fertig

sein.[!]

jkl

Der Zuspruch ist da: Für einen Blick in das Zalando-Outlet standen

die Kunden am Eröffnungstag Schlange. Fotos: Matthias Kessler

Zwischen Frust und Erleichterung

Kaufhof Die Einkaufsstadt Göppingen

verliert einen weiteren

Magneten. Die Kaufhof-Filiale

in der Bleichstraße wird offenbar

bereits Ende Oktober für immer

ihre Türen schließen. Dann

erwartet bis zu 50 Kaufhof-Mitarbeiter

am Standort Göppingen

die Kündigung. Der Standort gehört

damit zu den insgesamt 62

Filialen des Karstadt-Kaufhof-Konzerns

der den angekündigten

Sparplan des Unternehmens

nicht überstehen wird. Die

Hiobsbotschaft schockte Angestellte

wie auch Vertreter der

Lokalpolitik. „Es nützt nichts,

drum herum zu reden. Das ist

ein großer Verlust für die Stadt“,

Die Göppinger Filiale steht vor

dem Aus. Foto: Giacinto Carlucci

sagte der Oberbürgermeister

Guido Till.

Was das Kaufhof-Aus für die

Bleichstraße, das neue Einkaufszentrum

und die ganze östliche

Innenstadt bedeutet, vermochte

Guido Till gestern noch nicht

abzuschätzen. Es werde vielleicht

gelingen, neue Mieter zu

finden, aber eben nicht mehr das

Warenhaus. „Ich hoffe aber, dass

die Lücke geschlossen werden

kann“, sagte Till. Simon Schenavsky,

Eigentümer der Kaufhof-Immobilie

und Bauherr des

100 Millionen Euro teuren Einkaufszentrums

„Agnes“, das unmittelbar

daneben entsteht,

zeigt sich zunächst kämpferisch.

„Für uns ist Kaufhof noch nicht

ausgezogen.“ Dennoch müsse

man sich gemeinsam mit der

Stadt überlegen, wie es mit dem

Gebäude weitergeht, sollte Karstadt

tatsächlich schließen.

In Ulm konnte die Belegschaft

der Galeria Kaufhof dagegen

aufatmen. Das Kaufhaus

in der Bahnhofstraße steht nicht

auf der Streichliste des Unternehmens.

So bleibt nicht nur das

15 000 Quadratmeter große Warenhaus

erhalten, auch die 114

Mitarbeiter behalten ihre Arbeitsplätze.

Mehr Frequenz soll

nun eine Aldi-Filiale im Untergeschoss

bringen, die Mitte Juli

eröffnet. [!]

jkl


unternehmen [!] NAMEN & NACHRICHTEN 5

Hensoldt erhält Zuschlag für neue Radare

Rüstung Der Radarspezialist

Hensoldt rechnet nach der Entscheidung

des Bundestags für

ein neues Radarsystem in den

Eurofightern vor allem an seinem

Standort Ulm, aber auch in

Taufkirchen und in Friedrichshafen

mit bis zu 400 zusätzlichen

hochqualifizierten Arbeitsplätzen.

Demnach entfallen alleine

auf Hensoldt mehr als

1,5 Milliarden Euro des Budgets,

das für die Modernisierung der

Sensorik des Radars in der gesamten

Eurofighter-Flotte vorgesehen

ist. Das Rüstungsunternehmen

betrachtet die Entscheidung

als ein „positives Signal für

den Technologie-Standort

Deutschland“.

Mit der Entscheidung für das

AESA übernehme Deutschland

außerdem erstmals eine „Vorreiterrolle

im Bereich der

Schlüsseltechnologie für den

Eurofighter“. Bislang war das

Konsortium unter britischer

Führung. Es handle sich um ein

wichtige Investition,

die „für die europäische

Verteidigungskooperation

von entscheidender

Bedeutung ist“.

Hensoldt befindet sich im Besitz

des US-amerikanischen Finanzinvestors

KKR. Das Unt ernehmen

mit Sitz in Taufkirchen

beschäftigt in Ulm etwa 2000

Mitarbeiter.

Der Bundestag hat zudem die

Beschaffung von vier Mehrzweckkampfschiffen

des Typs

MKS 180 für die Marine genehmigt.

Dafür liefert Hensoldt

ebenfalls vier auf der gleichen

Technologie basierende Radare.

[!]


Die Sensorik der Radare in der

gesamten Eurofighter-Flotte soll

modernisiert werden.

Geldsegen

für das ZSW

Forschungsfabrik Das Ulmer

Zentrum für Sonnenenergie und

Wasserstoffforschung (ZSW)

kann mit einer weitreichenden

Förderung rechnen. Das verkündete

Steffen Bilger, Parlamentarischer

Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium,

kürzlich

bei einem Besuch am Oberen

Eselsberg. In den

kommenden Jahren werde der

Steffen

Bilger hatte

gute Nachrichten

für

das ZSW.

Bund die

HyFab-Forschungsfabrik

für Brennstoffzellen

und Wasserstoff

mit bis

zu 30 Millionen

Euro fördern.

Damit solle der

Technologievorsprung

Deutschlands in

der Brennstoffzellenforschung

gegenüber

Wettbewerbern aus Asien und

Amerika gefestigt werden.

Wichtig sei dabei, nun die Beteiligung

der Industrie sicherzustellen.

[!]jkl

Mehr Platz für

Teamviewer

Göppingen Eigentlich war das

Gebäude als neues Rathaus geplant,

in den kommenden Wochen

zieht nun aber der IT-Spezialist

Teamviewer in die Räumlichkeiten

in der Göppinger Innenstadt.

Bis zu drei Monate soll

der Umzug dauern. Den bisherigen

Standort in der Jahnstraße

will das Unternehmen anders

als ursprünglich geplant zunächst

weiter nutzen – aufgrund

der coronabedingten Abstandsregelungen.

Daher habe man

den Mietvertrag im jetzigen

Hauptsitz bis Juni 2021 verlängert

und werde vermutlich zunächst

einmal beide Gebäude

nutzen. Derweil denkt Oberbürgermeister

Guido Till bereits

über weitere Expansionsmöglichkeiten

für das IT-Unternehmen

nach. Ein Teil des Müller-Geländes

könnte dem Rathauschef

zufolge als Reservefläche

für Teamviewer oder aber

auch andere Firmen vorgehalten

werden. Die Überlegungen dazu

stünden derzeit aber erst am

Anfang. [!]jkl

Bader schließt Senden

Konjunktur Die Stimmung in

den Unternehmen in der Region

ist infolge der Corona-Pandemie

im Keller. Das ist das Ergebnis

der jüngsten Umfrage

der IHK Schwaben. 35 Prozent

der befragten Unternehmen aus

dem Landkreis Neu-Ulm beurteilen

ihre Lage als „schlecht“,

im Herbst 2019 lag dieser Wert

noch bei 15 Prozent. In der aktuellen

Umfrage erwarten zudem

26 Prozent, dass sich die

Industrie Der Stammsitz der

Metall-Firma Bader in Senden

hat keine Zukunft. Sämtliche potenzielle

Investoren haben laut

der Gewerkschaft IG Metall kein

Interesse am Erhalt des Standorts

in der Robert-Bosch-Straße.

Das deutlich kleinere Werk

in Babenhausen (Unterallgäu)

sei völlig ausreichend und zudem

moderner. Über 80 Mitarbeiter

haben vor Beginn der Insolvenz

bei Bader in Senden gearbeitet.

Nach den momentanen

Plänen sollen 20 Beschäftigte

ein Übernahmeangebot für

Babenhausen, sowie die 12 Auszubildenden.

Bereits im März

wurde 35 Mitarbeitern gekündigt,

nun sollen 8 weitere Entlassungen

hinzukommen. Das

Unternehmen befindet sich seit

Ende 2019 in einem Insolvenzverfahren.

[!]

jkl

Stimmung im Sturzflug

Geschäfte weiter verschlechtern,

50 Prozent gehen von einer

Stagnation aus. Die Corona-Krise

schlägt auf die Unternehmen

in der Region voll

durch: 42 Prozent der befragten

Betriebe in Westschwaben

mussten ihre Personalkapazitäten

an die schwächere Nachfrage

anpassen. Überwiegend über

Kurzarbeit, 27 Prozent haben

aber auch schon frei werdende

Stellen gestrichen. [!] jkl


6

FINANZIEREN unternehmen [!]

Die befristete Aussetzung

der Insolvenzantragspflicht

bereitet

immer mehr Ökonomen

Sorgen. Was mitten in der

Corona-Krise als gute Idee erschien,

könnte für viele Unternehmen

zum Bumerang werden.

So rechnet Gabriel Felbermayr,

Chef des Instituts für Weltwirtschaft

(IfW), im Herbst mit einem

massiven Anstieg der Insolvenzen,

wenn voraussichtlich

Anfang Oktober die Pflicht wieder

einsetzt. Viele krisengeplagte

Firmen könnten dann aufgrund

einer Überschuldung Insolvenz

anmelden müssen. „Es

gibt ‚Zombie‘-Firmen, die in den

vergangenen Wochen nur deshalb

überleben konnten, weil sie

durch staatliche Notkredite gestützt

wurden. Da wird es noch

ein böses Erwachen geben“,

warnte Felbermayr vor kurzem

in einem Interview.

Aussicht auf Finanzierung

Sanierungsexperten mahnen daher

Firmenverantwortliche, einen

Insolvenzantrag mit Blick

auf die derzeit geltende Rechtslage

nicht komplett beiseite zu

schieben. „Viele Unternehmer

sind der irrigen Annahme, die

Insolvenzantragspflichten sind

generell ausgesetzt. Doch

das stimmt nicht“,

sagt Burkhard

Jung, Vorsitzender

des Fachverbandes

Sanierungs- und Insolvenzberatunges

im Bundesverband

Die Gefahr

steckt

im Detail

Sanierung Die aufgrund der Corona-

Krise ausgesetzte Pflicht zum

Insolvenzantrag wiegt Firmenchefs in

falscher Sicherheit. Auf was

Verantwortliche jetzt achten müssen.

Deutscher Unternehmensberater

(BDU). Die Aussetzung gelte

nur, wenn die Insolvenz Corona-bedingt

sei und Aussicht

auf Finanzierung bestehe – und

diese beiden Bedingungen

müssten laufend geprüft und erfüllt

werden. „Anderenfalls riskiere

ich als Verantwortlicher in

eine strafbewehrte Situation

wegen Insolvenzverschleppung

zu geraten.“ Auch Lucas Flöther,

Sprecher des Gravenbrucher

Kreises, einem Zusammenschluss

führender Insolvenzverwalter,

warnt davor, die Aussetzung

als Freibrief zu betrachten:

„Ich muss als Verantwortlicher

belegen, dass mein Unternehmen

zum 31. Dezember 2019

noch nicht zahlungsunfähig war

und dass ich im Herbst 2020

wieder zahlungsfähig bin.“

Diesen Sachverhalt gut zu dokumentieren,

ist eine Herausforderung,

die in vielen Fällen nur

mit professioneller Unterstützung

zu meistern ist, weiß Flöther

aus seiner Berufspraxis.

Denn dafür reicht ein Gewinnausweis

im Jahresabschluss für

2019 selten aus. „Sich allein darauf

zu verlassen, halte ich für

brandgefährlich. Die insolvenzrechtlichen

Eröffnungsgründe –

Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung

– sind nicht eins zu

eins aus der Bilanz ablesbar“,

sagt Flöther.

Ein Gewinnausweis

reicht selten als Beleg

dafür, dass die Firma

zum 31. Dezember

zahlungsfähig war.

ILLUSTRATIONEN: MAX MESCHKOWSKI


unternehmen [!] FINANZIEREN 7

Er rät, sich einen Sanierungsexperten

oder einen auf Insolvenzrecht

spezialisierten Anwalt

ins Haus zu holen – gegebenenfalls

beides. „Das ist alleine

schon für den Fall sinnvoll,

dass die Finanzkalkulation

des Unternehmens für

die nächsten Monate

nicht aufgehen sollte oder

im Einzelfall die Aussetzung

der Antragspflicht

gar nicht zur Anwendung

kommt.“ Dann drohten

Schadensersatzforderungen

der Gläubiger und die Geschäftsführung

müsse damit

rechnen, mit ihrem persönlichen

Vermögen zu haften.

Erste Aufgabe des Sanierungsexperten

ist es, zu klären,

was an verfügbarer Liquidität

wirklich vorhanden ist und welche

fälligen Verbindlichkeiten

dem gegenüberstehen. Nicht

selten tritt dann ein Moment der

Ernüchterung ein. „Die Liquiditätssituation

ist selten so gut ist,

wie von der Geschäftsführung

gedacht“, berichtet Flöther. „Ich

erlebe es immer wieder, dass

auch bei sehr großen Unternehmen

eine systematische Liquiditätsplanung

nicht oder nur lückenhaft

vorhanden ist. Bei

Konzernen brauche ich zudem

eine Planung für jede einzelne

rechtliche Einheit.“

Den vollständigen Überblick

zu bekommen, dauert meistens

Wochen. Am Ende steht häufig

die Frage im Raum: Ist noch was

zu retten? Grundsätzlich gilt: Je

weiter ein Unternehmen von

der Zahlungsunfähigkeit ent-

Lässt sich mitunter noch flicken: Wenn Unternehmer sich rechtzeitig Hilfe holen, kann eine Insolvenz

möglicherweise verhindert werden.

Für die meisten

Unternehmer

ist das eine extrem

emotionale

Situation.

Burkhard Jung

Vorsitzender BDU-Fachverband

fernt ist, desto größer sind die

Überlebenschancen. Deswegen

ist es sinnvoll, eine Sanierung so

früh wie möglich einzuleiten.

Mit einem Sanierungsexperten

an der Seite signalisiert die

Geschäftsführung Finanzierungspartnern

Handlungswille

und Veränderungsbereitschaft.

Das eröffnet häufig die Chance,

neue Darlehen zu akquirieren

oder durch Gespräche mit Gläubigern

eine sich abzeichnende

Krise abzuwenden. „Eine Wagenburgmentalität

ist in dieser

Situation auf jeden Fall fehl am

Platze“, sagt Experte Jung.

Der Sanierungsberater ist

sich aber darüber im Klaren,

dass ein guter Berater in dieser

Situation Einfühlungsvermögen

beweisen muss: „Für die meisten

Unternehmer ist das eine extrem

emotionale Situation, weil

nicht nur ihr Betrieb, sondern

auch ihre soziale Reputation auf

dem Spiel steht“, sagt Jung. „Zudem

verwenden sie sehr viel Arbeitszeit

darauf, die Krisensituation

zu managen anstatt ihren

Betrieb zu führen.“ Das binde

sehr viele Ressourcen und führe

meist dazu, nicht mehr über

den Tellerrand zu schauen.

„Im schlechtesten Fall laufen

sie irgendwelchen Fantasievorstellungen

nach oder setzen auf

das Prinzip Hoffnung.“ Ein er-


8

FINANZIEREN unternehmen [!]

Neue Liquiditätshilfe

Unternehmen und Selbstständige,

deren Geschäft wegen der Corona-Krise

weggebrochen ist, können ab diesem

Monat eine Überbrückungshilfe beantragen

– auch dann, wenn sie bereits

Soforthilfe bekommen haben. Die Überbrückungshilfe

wird gezahlt, wenn der

Umsatz in den Monaten April und Mai

2020 um 60 Prozent unter den entsprechenden

Vorjahresmonaten liegt

und der Umsatz in einem der Monate

Juni, Juli und August 2020

um mindestens 40 Prozent niedriger

war als im Vorjahr. Die Anträge

auf Überbrückungshilfe müssen über

einen Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer

gestellt werden, der die notwendigen

Angaben aufbereiten und bestätigen

muss. Gefördert werden

bestimmte monatliche Fixkosten

wie Miete etc. mit einem

nicht-rückzahlbaren

Zuschuss. Eine bereits

erhaltene Soforthilfe

wird

anteilig angerechnet.

Gemeinsam mit einem Rechtsanwalt oder Sanierungsberater können

Unternehmer ihren Betrieb häufig aus der Schieflage retten.

Zur Person

Burkhard Jung ist

Vorsitzender des

BDU-Fachverbandes

Sanierungs- und Insolvenzberatung.

Er

ist außerdem Geschäftsführer

der

Restrukturierungspartner

RSP.

fahrener Sanierungsberater kann

diese Blockade erfolgreich aufbrechen.

„Einerseits psychologisch, indem

wir gemeinsam analysieren,

dass die Situation Corona-bedingt

ist und nicht auf persönliche Fehlentscheidungen

des Unternehmers

zurückzuführen ist“, erläutert Jung

den Ansatz. „Andererseits betriebswirtschaftlich,

indem wir den Blick

nach vorne richten und realistische

Planungen anstoßen.“ Ein guter Berater

sei dabei Sparringspartner und

Problemlöser. Er helfe, verschiedene

Zukunftsszenarien zu entwickeln.

„Die Grundlage dafür wird im Dialog

zwischen Unternehmer und Berater

erarbeitet und auch die Frage

besprochen, welche Wahrscheinlichkeiten

es gibt und welche zusätzlichen

Optionen verfügbar sind“, beschreibt

Jung den Prozess.

Doch nicht erst, wenn eine Krisensituation

da ist, spricht einiges

dafür, einen Sanierungsexperten an

Bord zu holen. „Eine valide, den insolvenzrechtlichen

Grundsätzen

standhaltende Liquiditätsplanung

ist betriebswirtschaftlich klug, weil

die Unternehmensführung dadurch

viel früher gegensteuern kann“, ist

Flöther überzeugt. Aber was ist,

wenn ganz akut die Insolvenz droht?

„Dann sollten Berater und Unternehmensführung

zuerst ermitteln,

wie die drohende Zahlungsunfähigkeit

entstanden ist“, empfiehlt er.

„Fakt ist: Diese Situation kommt in

Fakt ist:

Diese Situation

kommt in der

Regel nicht aus

heiterem Himmel.

Lucas Flöther

Sprecher Gravenbrucher Kreis

der Regel nicht aus heiterem Himmel.

Dafür gibt es Ursachen.“

Die Frage sei dann, ob es das Unternehmen

aus eigener Kraft schafft,

aus dieser schwierigen Situation

herauszukommen. „Oder, ob es den

Werkzeugkasten des Sanierungsrechts

braucht, mit dem ich mich

zum Beispiel von langfristigen Verträgen

durch Sonderkündigungsrechte

lösen oder Personal effizient

abbauen kann.“ Die frühzeitige Investition

in einen Sanierungsexperten

oder einen auf das Insolvenzrecht

spezialisierten Anwalt zahle

sich in dieser Situation meist aus.

So setzen sich die Unternehmensverantwortlichen

etwa nicht dem

Verdacht aus, die Insolvenz verschleppt

zu haben. „Mit dem Experten

kann zudem in ausreichender

Zeit ein Plan B erarbeitet werden“,

sagt Flöther. Trete der Fall der drohenden

Zahlungsunfähigkeit tatsächlich

ein, könne dann meistens

eine Regelinsolvenz vermieden werden,

die auf Zerschlagung und Liquidation

ausgerichtet ist. „Stattdessen

wird wahrscheinlich erfolgreich

ein Schutzschirmverfahren oder Eigenverwaltungsverfahren

erreicht,

mit dem die Verantwortlichen die

Zügel in der Hand behalten“, erläutert

der Sprecher des Gravenbrucher

Kreises. „Das setzt aber voraus

– und das fordern auch die Gerichte

und Gläubiger – dass der Unternehmer

insolvenzrechtliche Expertise

auf seiner Seite hat.“ [!]


Thomas Luther


unternehmen [!] RESSORTAnzeige

9

Wege und Chancen aus der Krise

Kurzarbeit, steuerliche Herabsetzungsanträge,

Änderungen der Mehrwertsteuersätze,

Liquiditätsengpässe: Viele Unternehmen

sehen sich derzeit mit einem

veränderten Branchen- und Wettbewerbsumfeld

konfrontiert. Damit wird die Corona-Krise

für viele Unternehmen zum Belastungstest.

Die multidisziplinäre Wirtschaftskanzlei

Sonntag & Partner beschreibt einzelne Maßnahmen

und Wege aus der COVID-19-Krise

und erkennt in der Restrukturierung oftmals

auch Potential. Nicht nur zum Umdenken,

sondern auch zur unternehmerischen Neuorientierung.

Ein erster Schritt aus der Krise

Viele Unternehmen befinden sich aktuell in

einer schwierigen Situation. Auf einmal ist

nichts mehr wie zuvor. Ein wichtiger erster

Schritt ist es, gemeinsam mit der Geschäftsführung,

den Anteilseignern aber auch Gläubigern,

wie zum Beispiel Banken, individuelle

Handlungsoptionen auszuarbeiten, um den

Weg aus der Krise zu bahnen.

Wettbewerbsvorteile schaffen

Für Unternehmen, die sich bereits in akuten

Schwierigkeiten befinden, empfiehlt sich ein

Sanierungskonzept zur Vorlage bei Kreditinstituten

und Gesellschaftern. Dieses Konzept

kann gleichzeitig der Managementleitfaden

zum sogenannten „Turnaround“, dem

Wiedererreichen der Gewinnzone, werden.

Die Krise als Chance nutzen? Ein Restrukturierungskonzept

bietet die Möglichkeit,

nicht zukunftsorientierte Prozesse und „aufgeblähte“

Kostenstrukturen abzubauen und

damit einen Wettbewerbsvorteil zu schaffen.

Aufgrund gestiegener Kreditvolumen, beispielsweise

durch die Aufnahme von „Corona-Hilfskrediten“,

ist bei zahlreichen Unternehmen

eine deutliche finanzielle

Mehr belastung durch den zu leistenden

Kapital dienst zu beobachten. Um in Zukunft

bei gleicher Ertragssituation einen vergleichbaren

Erfolg auf Vorkrisen-Niveau zu

erzielen und um künftige Liquiditätsengpässe

zu vermeiden, kommen viele Unternehmen

um Restrukturierungskonzepte

nicht herum.

Der richtige Handlungszeitpunkt

Handlungsspielraum und Sanierungschancen

nehmen in Krisenzeiten ab. Gleichzeitig

steigt der Handlungsdruck. Es empfiehlt sich

daher, die wirtschaftliche Situation rechtzeitig

zu analysieren. Die aktuelle Unternehmensstruktur

und –strategie sollte in

diesem Zusammenhang hinterfragt werden.

Bei der Erstellung von integrierten Planungsrechnungen

und der Entwicklung von Maßnahmenkatalogen

treten dabei oftmals betriebswirtschaftliche,

steuerliche oder auch

rechtliche Fragen auf.

Wenn die Krise rechtzeitig erkannt wird und

die entsprechenden Restrukturierungsmaßnahmen

zielgerichtet umgesetzt werden,

stehen die Chancen gut, eine Liquiditätskrise

und einen umfassenden Sanierungsprozess

zu umgehen, um schlussendlich die

Insolvenz des Unternehmens zu verhindern.

Über Sonntag & Partner:

Um Unternehmen erfolgreich aus der Krise zu

begleiten, bietet die multidisziplinäre

Wirtschafts kanzlei neben der klassischen Beratung

in den Bereichen Wirtschaftsprüfung,

Steuer- und Rechtsberatung individuelle Lösungen,

basierend auf ganzheitlichen Konzepten.

Aktuelle Sonderinformationen/Webinare/

News für Unternehmen und Unternehmer

rund um COVID-19 finden Sie auf unseren

Sonderseiten: www.sonntag-partner.de

Beratungsangebot –

speziell zu COVID-19:

• Sanierungs- und

Restrukturierungs beratung

• Erstellung und Beurteilung von

Planungsrechnungen

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Fragestellungen

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Ihre Ansprechpartner:

dominic.woerlein@sonntag-partner.de

juergen.baur@sonntag-partner.de


Führt eines der Aushängeschilder des

Biotech-Standorts Baden-Württemberg:

der promovierte Immunologe

Frank Mathias.


unternehmen [!] TITELTHEMA 11

Arznei, passend

wie ein Maßanzug

Rentschler Biopharma Die Zukunft gehört individualisierten Medikamenten. Als einer der

führenden Dienstleister spielen die Biotech-Experten aus Laupheim in der Pharmawelt eine

wichtige Rolle. Vorstandschef Frank Mathias über den Weg zu einem multinationalen

Unternehmen, die Kraft von Kooperationen und ungewöhnliche Ansätze.

Was hat Sie an der Corona-Pandemie erstaunt?

Dr. Frank Mathias: Mich hat überrascht, wie hilflos

und anfällig wir im 21. Jahrhundert noch bei so einer

Infektion sind. Und obwohl die Medizin und

die Pharmabranche bei vielen Krankheiten bereits

große Fortschritte gemacht haben, lässt dieses Virus

die Welt fast auseinanderbrechen.

Wie gut war die Rentschler Biopharma vorbereitet?

Als ein Pharmaunternehmen wahrscheinlich besser

als Unternehmen in anderen Bereichen, auch

weil wir strengeren Regeln unterliegen und wir eine

Expertise im Umgang mit Viren haben. So haben

wir bereits Ende Januar die ersten Maßnahmen ergriffen

und eine Task-Force zur Infektionsprävention

gebildet.

Welche Lehren haben Sie persönlich

gezogen?

Persönlich habe ich daraus gelernt,

welche übergeordnete Verantwortung

wir als Pharmaunternehmen

haben und wie wichtig es ist, dass

die Branche so schnell wie möglich

ein Medikament findet und

den Menschen helfen kann. Möglicherweise

werden wir ja eines

dieser Medikamente auch herstellen. Das Zweite

ist, dass wir uns als Unternehmen noch strengere

Regeln zur Prävention auferlegt haben, die wir auch

so schnell nicht aufweichen. Es wird möglicherweise

leider noch länger dauern, bis es Impfstoffe und

Medikamente im großen Maßstab geben wird.

Verändert Corona dauerhaft die Arbeitsweise bei

Rentschler Biopharma?

Das Arbeiten in Schichten – auch außerhalb der reinen

Produktion, Homeoffice und viele andere Maßnahmen

waren zunächst einmal eine sofortige Reaktion.

Nun schauen wir, was wir daraus langfristig

lernen können, um zukünftig noch effektiver zu

arbeiten.

Das ist ein

vielschichtiger

und knifflig zu

handhabender

Prozess.

Wie wird das aussehen?

Wir werden teilweise weiter Homeoffice ermöglichen,

sicherlich unsere Dienstreisen etwas einschränken,

weil wir sehen, dass bestimmte Formen

von Meetings über Videochat-Software auch sehr

gut funktionieren.

Wo sehen Sie die Grenzen von solcher Software?

Alles, was mit Kreativität zu tun hat, und wenn es

darum geht, etwas Neues zu gestalten: In solchen

Fällen ist es wichtig, dass die Menschen in einem

Raum zusammen sind, weil Mimik und Körpersprache

eine bedeutende Rolle spielen.

Hat die Pandemie Ihre Produktion beeinträchtigt?

Glücklicherweise nicht. Wir tragen hier eine große

Verantwortung, weil wir hochkomplexe Medikamente

für schwerstkranke Patienten herstellen,

die auf diese Arzneimittel angewiesen sind.

Was ist so komplex an Ihren Produkten?

Wir produzieren Biopharmazeutika,

also Medikamente, die von lebenden,

gentechnisch veränderten

Säugetierzellen hergestellt werden.

Das ist ein extrem vielschichtiger

und knifflig zu handhabender

Prozess.

Wie läuft Ihre Arbeit als Auftragsfertiger ab?

Wir nehmen uns sehr viel Zeit, um zu verstehen,

was unsere Kunden wollen. Vom ersten Kontakt,

der gemeinsamen Entwicklung der Zelle, der Entscheidung

für die Art der Produktion über die eigentliche

Fertigung mit der Zufuhr der Nährflüssigkeit

samt Sauerstoff, dem Herausfiltern des Wirkstoffs

und dessen Aufreinigung bis hin zum fertigen

Arzneimittel vergehen 15 bis 18 Monate. Davon

entfallen 8 bis 12 Wochen auf die Zeit in den Bioreaktoren.

Für wen machen Sie das?

Wir haben rund 150 Kunden weltweit. Das geht von

Start-ups bis hin zu internationalen Pharmakonzernen.

Namen möchte ich aus Gründen der Vertraulichkeit

nicht nennen.

Zur Person

Frank Mathias studierte

Pharmazie an

der Universität Paris-Sorbonne.

Dort

promovierte der gebürtige

Franzose 1991

im Bereich Immunologie.

Seine berufliche

Karriere startete er als

Produktmanager bei

der Hoechst AG. Es

folgten Stationen als

Geschäftsführer, unter

anderem bei der Amgen

GmbH (München).

Bevor er 2015

vom Aufsichtsrat der

Rentschler Biopharma

an die Vorstandsspitze

wechselte und Eigentümer

Nikolaus

Rentschler ablöste,

hatte der 57-Jährige

das börsennotierte

Biotech-Unternehmen

Medigene (Martinsried)

sechs Jahre lang

geleitet. Mathias (verheiratet,

zwei Söhne)

gilt als ausgesprochen

gut vernetzt in der

Branche. Im Verband

forschender Arzneimittelhersteller

steht

er an der Spitze der

Interessengruppe für

Biotechnologie.


12

TITELTHEMA unternehmen [!]

Wie wissen die Zellen, welches Medikament sie herstellen

sollen?

Unsere Partner schicken uns die elektronischen

Proteinsequenzen, die wir von einem Servicepartner

in DNA-Sequenzen übersetzen und herstellen

lassen. Diese bringen wir in die Zellen ein und

re-programmieren sie somit, das gewünschte Protein

herzustellen.

Der Zukauf

in den USA

war für uns ein

sehr großer

Schritt.

Die Sicherheit von Lieferketten ist derzeit ein großes

Thema, auch bei Ihnen?

Durch ein striktes Sourcing Regime konnten wir

unsere Lagerbestände optimieren, sodass wir unsere

Produktion auf alle Fälle für mindestens drei

Monate sichern können. In Zukunft werden wir allerdings

noch genauer darauf achten, woher die einzelnen

Komponenten der Materialien kommen und

Back-up-Strategien entwickeln, um die Lieferketten

sicherer zu machen. Übrigens befindet sich auch

ein Teil unserer Lieferkette in den USA – wo wir

rund 40 Prozent unseres Umsatzes erzielen.

Ist das der Grund für Ihren Zukauf nahe Boston im

vergangenen Jahr?

Das war einer der Gründe. Für Rentschler Biopharma

war das ein riesiger Schritt vom oberschwäbischen

Mittelständler hin zum internationalen Unternehmen.

Der Standort in Milford ist ein solides

Standbein in einem wichtigen Wachstumsmarkt.

Damit haben wir auf den starken Wunsch unserer

US-Kunden reagiert. Deren Bedürfnis nach Nähe

und damit vereinfachter Kommunikation war groß.

Was für Möglichkeiten eröffnet das?

Die Nähe zum Bostoner Biotech-Hub bedeutet, dass

uns ein großer Talentpool an Experten zur Verfügung

steht. Hier können wir zudem mit führenden

Vertretern aus Industrie und Wissenschaft zusammenarbeiten.

Diese Diversität macht uns besser und

stärker.

Welche Pläne verfolgen Sie in Milford?

Wir stellen dort weiter für unseren Kunden Shire

(USA)/Takeda (Japan) ein Medikament her. Künftig

werden wir dort aber nicht nur eines, sondern

mehrere Biopharmazeutika herstellen. Zum Ausbau

des Standorts gehört, dass wir die Produktionskapazitäten

deutlich erhöhen und weiter investieren

werden. Derzeit sind dort rund 80 Mitarbeiter

beschäftigt, mittelfristig sollen es bis zu 200 Beschäftigte

werden.

Warum boomt das Biopharmazeutika-Geschäft so?

Die Pharmawelt hat sich geändert. Aufgrund der

Fortschritte in der Forschung verstehen wir die

Ursachen von Krankheiten immer besser. Biopharmazeutika

helfen, diese Ursachen sehr zielgerichtet

zu bekämpfen, auch weil sie bei bestimmten Prozessen

im Körper besser andocken können. In Anwendungsgebieten

wie Schlaganfall, Blutgerinnungsstörungen,

angeborenen Stoffwechselkrankheiten,

Augenerkrankungen oder Osteoporose

haben Biopharmazeutika die Therapien revolutioniert.

Und der medizinische Bedarf ist ungebro-


unternehmen [!] TITELTHEMA 13

chen hoch, weil es für viele Krankheiten noch keine

Medikamente gibt.

Wie beschreiben Sie Pharma-Laien die Entwicklung

am Pharmamarkt?

Wenn Sie das mit Anzugsgrößen vergleichen, lautete

früher das Motto: „one-size-fits-all“, also ein

Medikament passt für alle Patienten. Heute haben

Sie verschiedene Konfektionsgrößen. Für eine bestimmte

Erkrankung und bestimmte Patientengruppen

gibt es eine bestimmte Therapie. Die Zukunft

geht bereits einen Schritt weiter. Zell- oder Gentherapien

ermöglichen, individuell hergestellte Medikamente

für einen Patienten, also einen Pharma-Maßanzug

für jeden Einzelnen.

Wie greifbar nah ist dieser Traum?

Es gibt in Europa bereits rund 70 Medikamente, die

für die individualisierte Medizin zugelassen sind.

Dazu zählen zum Beispiel die CAR-T-Zelltherapien

gegen bestimmte Blutkrebsarten sowie eine Gentherapie

zur Behandlung eines schweren Immundefekts

bei Kindern. Aber es gibt noch viel zu tun.

Inwiefern?

Von den rund 8000 seltenen Erkrankungen sind

rund 80 Prozent genetisch bedingt. Bislang haben

wir rund 160 Arzneimittel gegen seltene Erkrankungen.

Bis wir alle anderen gezielt behandeln können,

wird noch viel Zeit vergehen. Doch die forschenden

Pharma- und Biotech-Unternehmen arbeiten

daran und investieren kontinuierlich. Die Zukunft

geht aber noch einen Schritt weiter.

Wie meinen Sie das?

Künftig wird Prävention eine viel größere Rolle

spielen. Menschen, die das Risiko haben, an Diabe-

Künftig

wird Arznei

individuell

für Patienten

hergestellt.

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14

TITELTHEMA unternehmen [!]

tes zu erkranken, könnten eine Impfung bekommen,

damit die Krankheit nicht ausbricht. Unsere

Kinder und Enkel werden heute verbreitete Krankheiten

in diesem Maße hoffentlich nicht mehr kennen.

Das kostet viel Geld.

Überfordern fünf- und sechsstellige Kosten für eine

Therapie nicht die Gesundheitssysteme?

Wir werden uns neue Formen der Finanzierung des

Gesundheitssystems überlegen und sektorenübergreifend

denken müssen. Es reicht nicht, nur auf

den Preis eines Medikaments zu schauen. Es müssen

die gesamten Kosten für das Gesundheitssystem

berücksichtigt werden, beispielsweise auch

Krankenhaustage oder Aufenthalte in Reha-Kliniken,

die durch eine erfolgreiche Therapie vermieden

werden können.

Was ist der Vorteil von Biopharmazeutika gegenüber

herkömmlichen Medikamenten, die aus chemischen

Molekülen bestehen?

Entscheidend ist immer, welche Zielstruktur bei einer

Erkrankung im Körper adressiert werden muss.

Wenn man diese kennt, kann entschieden werden,

welche Art von Molekül dorthin gelangen kann.

Wenn ein kleines, chemisch hergestelltes Molekül

das schafft, wird man sich im Allgemeinen dafür

entscheiden. Denn die Synthese eines chemischen

Moleküls ist in der Regel weniger aufwendig im

Vergleich zu der eines Biopharmazeutikums. Außerdem

kann es oft oral als Tablette oder Kapsel

eingenommen werden. Ein Biopharmazeutikum

wird injiziert oder dem Patienten per Infusion verabreicht.

Wo steht Rentschler Biopharma im Biotech-Markt?

Wir sind ein Pionier mit mehr als 40 Jahren Erfahrung

und gehören zu den Besten in unserer Branche.

Wir haben bereits mehr als 100 verschiedene

Formate erfolgreich hergestellt. Aufgrund unseres

hohen Qualitätsanspruchs, unseres kundenorientierten

Ansatzes und unseren strategischen Allianzen

ist unsere Beratung, sei es im Projektmanagement

oder bei regulatorischen Fragen, nur schwer

zu übertreffen.

Warum fertigt Rentschler Biopharma als Erfinder

des weltweit ersten Interferon-Beta-Produkts nur

noch für andere Konzerne?

Wir haben uns in den 90er Jahren optimal an die

Bedürfnisse des Marktes angepasst. Als mittelständisches

Unternehmen konnte Rentschler keine Skaleneffekte

erzielen. Zudem wurden die Summen für

die Entwicklung neuer Arzneimittel immer größer.

Solche Investitionen konnten wir nicht stemmen.

Wie muss man sich die Zusammenarbeit mit Ihren

Kunden im Alltag vorstellen?

Wir sehen unsere Kunden als Partner und unsere

Dienstleistungen als eine Erweiterung ihrer Aktivitäten.

Unsere Experten beraten die Kunden teilweise

mit Beginn der Entwicklung neuer Medikamente.

Wir sind der erweiterte Produktionsarm unserer

Kunden und suchen, zu deren maximalem

Nutzen, strategische Allianzen mit anderen Organisationen.

Was heißt das konkret?

Wir haben kein Problem damit, wenn andere Firmen

etwas besser können als wir. Vielmehr ist es

ein wichtiger Bestandteil unserer Strategie, Technologie-Allianzen

zu bilden und die Fähigkeiten anderer

Firmen in unsere Geschäftsprozesse einzubinden.

Wie zum Beispiel?

Die Formulierung, also aus einem Wirkstoff ein gebrauchsfertiges

Medikament zu machen, ist bei Biopharmazeutika

herausfordernd. Die Proteine sind

sehr instabil, sie mögen keine Hitze, kein Licht und

viele andere Dinge nicht. Wir haben uns entschieden,

mit dem Formulierungsexperten Leukocare aus

Martinsried eine strategische Partnerschaft einzugehen.

Im Gegenzug haben wir unsere entsprechende

Abteilung geschlossen und die Mitarbeiter an

anderen Stellen im Unternehmen eingesetzt. Aber

nicht, weil wir damit ein Problem hatten, sondern

weil unsere Kunden durch diese Partnerschaft einen

enormen kommerziellen Vorteil haben. Solche

langfristigen Partnerschaften streben wir auch für

andere Themen an.


unternehmen [!] TITELTHEMA 15

auch für die Mitarbeiter motivierende Strategie festzulegen.

Die Mitarbeiter wissen genau, wo Rentschler

Biopharma hinstrebt. Da wollen sie mitmachen.

Das ist gerade für die junge Generation wichtig,

weil sie sieht, welchen Beitrag sie für das Unternehmen

leistet.

Wie kam es eigentlich dazu, dass Sie 2015 die Rollen

mit Firmenchef Prof. Dr. Nikolaus Rentschler getauscht

haben?

Ich war damals im Aufsichtsrat und gebe zu: Die

Anfrage, ob ich die Verantwortung der Rentschler

Biopharma übernehme, hat mich im ersten Moment

überrascht. Jedoch freute ich mich sehr über das

Vertrauen und die Herausforderung.

Wie wird man zum Mitglied der weltweiten Top Ten

der Biotech-Auftragsfertiger?

Der Erfolg von Rentschler Biopharma beruht auf

vier Säulen: Die erste sind die Menschen, die bei

uns arbeiten und die Leidenschaft, mit der sie das

tun. Das hat auch viel mit der Region zu tun, dem

Bodenständigen und dem Streben nach guten Lösungen.

Zweitens haben wir das Glück, zum richtigen

Zeitpunkt im richtigen Markt zu sein und unseren

Kunden einen echten Nutzen zu bieten. Drittens

hat Rentschler Biopharma einen Wettbewerbsvorteil,

weil es als Familienunternehmen langfristig

und nachhaltig denkt und handelt.

Und viertens?

Wir haben uns viel Zeit genommen, eine klare und

Was war der Grund für dieses Angebot?

Herr Rentschler, der das Unternehmen seit 1999 geleitet

hatte, hat seinen Entschluss gegenüber dem

„Manager Magazin“ damit begründet, dass er der

Auffassung war, er könne den Mitarbeitern keine

neuen Impulse mehr geben. Außerdem wollte er

sich als Aufsichtsratsvorsitzender auf den strategischen

Ausbau der Unternehmensgruppe konzentrieren.

Sie waren zuvor Vorstandschef der börsennotierten

Medigene AG. Was war für Sie die größte Herausforderung?

Ich habe vor allem viele Chancen gesehen: Ein unabhängiges

Familienunternehmen plant und handelt

langfristiger und nachhaltiger. Die Firmenstruktur

erlaubt schnelle Entscheidungen und effiziente

Prozesse. Dieser Rahmen gibt uns die Unabhängigkeit

und Freiheit, eine Zukunft zu planen, die

nicht ausschließlich auf kurzfristige finanzielle Gewinne

ausgerichtet ist. In unserer „Strategie 2025“

ist keine finanzielle Kennzahl festgehalten.

Wie geht denn das?

Wir sind der Meinung, dass sich der finanzielle Erfolg

automatisch einstellen wird, wenn wir unsere

Vision erfolgreich umsetzen.

Wie lautete der Auftrag bei Ihrem Amtsantritt?

Das Unternehmen von einem guten zu einem großartigen

zu entwickeln. Es moderner, erfolgreicher,

globaler und innovativer zu machen.

Was war Ihr erster Schritt?

Wir haben eine neue Strategie entwickelt, denn der

Biopharma-Markt entwickelt sich in rasantem Tempo.

Weltweit entstehen neue Produktionskapazitä-

Wenn andere

etwas

besser können,

haben wir damit

kein Problem.

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16

TITELTHEMA unternehmen [!]

Von der Apotheke über rezeptfreie Medizin bis zum Biotech-Spezialisten

Biotech-Simulator am Firmensitz in Laupheim: Im Schulungslabor bildet Rentschler Biopharma unter anderem seine Mitarbeiter aus.

Mit der Gründung einer Apotheke im Jahr

1872 beginnt die Erfolgsgeschichte der Rentschler-Gruppe

aus Laupheim. Ihr wichtigster

Teil ist seit Jahren die rasant wachsende und

ertragsstarke Rentschler Biopharma SE, die

weltweit zu den zehn größten Auftragsfertigern

der Pharmabranche gehört. Ihr Umsatz

stieg im Geschäftsjahr 2019/20 (31.03) auf

rund 200 Millionen Euro. Am Firmensitz in

Laupheim und in Milford (USA) arbeiten

rund 1000 Beschäftigte. Die strategische

Entscheidung sich auf Biotechnologie auszurichten,

fällte im Jahr 1999 der damalige

Firmenchef Nikolaus Rentschler, der heute

den Aufsichtsrat leitet. Das Unternehmen

gehört zu den Pionieren der Biotechnologie

und forschte bereits 1974 an immunstimulierenden

Proteinen. Rentschler trennte sich

2006 vom Geschäft mit rezeptfreier Arznei.

2012 gab die Familie die Apotheke ab. Die

Wirtschaftsberatung EY kürte 2020 den

promovierten Biologen Nikolaus Rentschler

und Vorstandschef Frank Mathias zum

„Entrepreneur of the year“.

Ich arbeite

wie ein

Deutscher –

und lebe wie ein

Franzose.

ten, das Aufkommen neuer Therapien verändert

den Markt und der Wettbewerb nimmt stark zu.

Wie sind Sie vorgegangen?

In die Entwicklung der „Strategie 2025“ haben wir

sehr viel Zeit investiert, insgesamt 18 Monate. Um

die Schlüsselfaktoren für zukünftigen Erfolg besser

zu verstehen, haben wir die heutigen Megatrends

wie z.B. Individualisierung, Silver Society, New

Work, Gesundheit, Konnektivität, Globalisierung

und Wissenskultur analysiert und viele Gespräche

mit externen Impulsgebern geführt. Dazu zählten

unter anderem Kunden, Medizinprofessoren, Investoren,

Personalberater sowie Gründer von Startups.

Wer hat das alles ausgewertet?

Das haben wir gemeinsam mit unseren Mitarbeitern

gemacht und in einer Vision, bestehend aus

mehreren Thesen, gebündelt.

Welche sind das?

Die Haupttreiber für Erfolg im Jahr 2025 werden

sein: Erstklassige Qualität, enge strategische Zusammenarbeit,

Flexibilität für neue Business-Modelle,

Innovation entlang der Wertschöpfungskette und

transparente Kommunikation. Aus diesen Erkenntnissen

haben wir klare Ziele und Zwischenetappen

abgeleitet - mit Fokus auf drei strategischen Dimensionen:

Geografie, Kunde, Innovation. Und die besten

Mitarbeiter!

Was war für Sie die überraschendste Erfahrung?

Wir haben Gespräche mit unseren Kunden darüber

geführt, welche Erwartungen sie an uns heute und

in der Zukunft haben. Erstaunlich war, dass viele

sich überraschend wenig Gedanken über die Zukunft

gemacht hatten. Aber es entwickelten sich

aus unseren Anfragen intensive, spannende und

lehrreiche Gespräche, sodass Termine, die auf eine

Stunde angesetzt waren, meistens auf drei bis fünf

Stunden ausgeweitet wurden.

Welchen Rat geben Sie Unternehmern, die ihre Strategie

ebenfalls überdenken wollen?

Entwickeln Sie Ihre Strategie nicht in relativ kurzer

Zeit im „stillen Kämmerlein“. Wenn Sie gut für

die Zukunft aufgestellt sein wollen, müssen Sie Ihr

Unternehmen in die Zukunft katapultieren. Holen

Sie sich dafür so viele externe Impulse wie möglich

und binden Sie Ihre Mitarbeiter in den Gesamtprozess

ein!

Wo wird die Rentschler Biopharma SE im Jahr 2025

stehen?

Wir werden weiterhin ein unabhängiges, internationales

Familienunternehmen mit Hauptsitz in

Laupheim sein. Wir werden uns ausschließlich auf

die Projekte unserer Kunden fokussieren, unsere

technologische Spitzenposition und Innovationskraft

aufrechterhalten sowie unsere strategischen

Partnerschaften ausbauen.

Was leitet sich daraus konkret ab?

Eine Reihe von Maßnahmen: Wir wollen künftig

beispielsweise mit weniger Kunden zusammenarbeiten,

dafür mehr Projekte gemeinsam machen.

Dazu werden wir kundenspezifische Plattformpro-


unternehmen [!]

TITELTHEMA

zesse entwickeln, um innovative Medikamente

in kürzerer Zeit auf den Markt zu

bringen.

Wie lebt und arbeitet es sich als Franzose in

Süddeutschland?

Ich fühle mich hier sehr wohl. Ich arbeite seit

rund 30 Jahren in Deutschland, meine Frau ist

Deutsche, sodass ich mich sehr gut an die deutsche

Mentalität gewöhnt habe. Ohnehin bin ich als halb

Deutscher und halb Franzose in zwei Kulturen aufgewachsen.

Ich war daher schon sehr früh mit verschiedenen

Kulturen konfrontiert. Ich glaube, dass

diese Mischung fantastisch ist: Die deutsche Gründlichkeit

und Disziplin zusammen mit der französischen

Kreativität und dem Drang nach Differenzierung.

Wie sieht diese Mischung für Sie persönlich aus?

Ich sage immer, ich arbeite wie ein Deutscher und

lebe wie ein Franzose.

Auf was sind Sie stolz?

Beruflich, dass wir mit Rentschler Biopharma einen

ethischen und nachhaltigen Nutzen für die Gesellschaft

stiften und unsere Partner in die Lage

versetzen, Patienten mit schweren und seltenen Erkrankungen

zu helfen.

Und privat?

Ich hatte bisher viel Glück in meinem Leben und

wusste es auch zu greifen. Ich bin sehr stolz auf

meine beiden Jungs und glücklich, dass wir ein so

gutes Verhältnis haben.

Das Interview führte

Alexander Bögelein,

Redaktionsleiter

Unternehmen [!]

Fotos:

Marc Hörger

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18

NAMEN & NACHRICHTEN unternehmen [!]

Airport in

Geldnot

Corona-Krise Der Flughafen

Friedrichshafen braucht infolge

der Corona-Krise erneut Gelder

in Millionenhöhe. Für einen beträchtlichen

Teil der Summe

muss wohl die Stadt Friedrichshafen

und der Bodenseekreis

aufkommen. Bereits im vergangenen

Jahr verzeichnete der

Flughafen einen Passagierrückgang

von knapp 10 Prozent auf

490 000 Fluggäste. Am Ende des

Jahres stand ein Verlust von

knapp 2,8 Millionen Euro zu Buche.

Über die Zukunft des Airports

wollen Kreistag und Gemeinderat

im Herbst entscheiden.

Grundlage dafür soll ein

Gutachten sein, dass Strategien

und Bedarfe aufzeigen soll.

Aus nach

178 Jahren

Kekeisen Ende Juni hat die Maschinen-

und Werkzeugfabrik

Kekeisen den Betrieb eingestellt.

Nach 178 Jahren war dieser

Schritt laut dem geschäftsführenden

Gesellschafter Thomas

Gebele unumgänglich. „Die

Marktsituation hat sich in den

letzten Jahren massiv zu unserem

Nachteil verändert, so dass

wir seit knapp einem Jahr keine

Neumaschine mehr verkaufen

konnten.“ Für die 120 Mitarbeiter

erschwere die Corona-Krise

die Jobsuche.

Husqvarna setzt

auf Honold

Logistik Die Ulmer Husqvarna

Group, bekannt für die Gardena-Gartensysteme,

sowie die

Neu-Ulmer Honold-Gruppe, bekannt

für ihre grünen Hallen,

sind eine langfristige Bindung

eingegangen: Honold errichtet

für bis zu 15 Millionen Euro ein

20 000 Quadratmeter großes

Logistikzentrum in Neu-Ulm,

Die Betreuung des Bienenstocks auf dem Firmengelände in Wangen

übernehmen Profis.

Foto: Hymer-Leichtmetallbau

Summende Kollegen für

Hymer-Leichtmetallbau

Rund 20 000 Bienen summen künftig über das Gelände von Hymer-Leichtbau

in Wangen. Das Unternehmen hat das Bienenvolk von

der Gesellschaft Beefuture erhalten, die sich mit der Initiierung von Unternehmens-Patenschaften

für Bienenvölker und deren Ansiedlung auf

geeigneten Firmengeländen einsetzt. Im Vordergrund des Projektes

steht nicht die Honigernte, sondern die naturnahe und artgerechte Haltung

der Bienen. Tobias Weiß, Geschäftsführer des Bereichs Fahrzeugtechnik

bei Hymer-Leichtmetallbau, kann sich vorstellen, weitere Bienenvölker

aufzunehmen.

das Husqvarna langfristig mietet.

Der Neubau entsteht hinter

der bestehenden Halle an der

Lessingstraße. Zudem werden

auf 500 Quadratmetern Büros

gebaut. Laut Honold entstehen

50 neue Arbeitsplätze. Das Logistikzentrum

soll im Oktober

fertiggestellt werden.

Stellenabbau

bei Nilfisk

Stellenabbau Der Anbieter für

professionelle Reinigungsprodukte

Nilfisk streicht an seinem

Standort in Bellenberg rund 20

Stellen. Wie die IG Metall mitteilte,

entspricht das in etwa einem

Achtel der deutschlandweiten

Belegschaft des Unternehmens.

Bundesweit stehen bis zu

45 Stellen auf der Streichliste.

Schon vor Corona habe das Unternehmen

erhebliche Umsatzrückgänge

verzeichnet, betonte

Vorstand Reinhard Mann. Aufgrund

der Pandemie rechne Nilfisk

mit weiteren 20 Prozent

Rückgang. Mit Vorkrisenzahlen

sei erst wieder 2022 zu rechnen.

Protest gegen

Stellenabbau

ZF Der Autozulieferer ZF will in

den nächsten Jahren bis zu

15 000 Stellen weltweit streichen,

die Hälfte davon in

Deutschland. Für dieses Jahr erwartet

der Vorstand „hohe finanzielle

Verluste“. Beschäftigte

des Autozulieferers haben zuletzt

gegen gegen die Pläne des

Konzerns am Standort in Friedrichshafen

demonstriert. Rund

1000 Teilnehmer fuhren mit

Fahrrädern, Motorrädern und

Autos laut hupend durch die

Stadt und am ZF-Forum vorbei.

Zwischen

zwei Welten

Zulieferer Die Blaubeurer

Rehm-Gruppe, die Systemlösungen

für Anwendungen in der

Elektroindustrie entwickelt,

setzt während der Pandemie auf

Online-Workshops für Kunden

und Fernwartungsmodelle.

Während am Standort im chinesischen

Shenzhen bereits seit

April die 220 Mitarbeiter in der

Produktion wieder im Normalbetrieb

arbeiten, stehen am

Standort im Blaubeurer Ortsteil

Seißen Homeoffice und Kurzarbeit

auf der Tagesordnung für

die 230 Angestellten. Johannes

Rehm, Chef des Unternehmens,

setzt darauf, dass sich die Lage

der Branche bis zum Jahresende

wieder normalisiert.

Amazon baut

in Meßkirch

Logistik In Meßkirch entsteht

derzeit ein neues Verteilzentrum

für Amazon. Fertiggestellt

werden soll die gut 11 000 Quadratmeter

große Logistikanlage

im Herbst dieses Jahres. Das

neue Verteilzentrum ist eine

von 20 Niederlassungen, die

Amazon derzeit in Deutschland

baut – zusätzlich zu den 44 bereits

bestehenden. Das Zentrum

entsteht auf knapp 83 000 Quadratmetern

im Industriepark

Nördlicher Bodensee. Amazon

will von dort Pakete als Last-Mile-Zustellung

an Kunden ausliefern.

Insgesamt sollen 130 Arbeitsplätze

entstehen. [!]


unternehmen [!] RESSORT 19

Die Uhlmann Pac-Systeme GmbH & Co. KG

ist ein weltweit führender Systemanbieter

für das Verpacken von Pharmazeutika in

Blister, Flaschen und Kartons.

Mit seinem innovativen Portfolio von

Blistermaschinen und Flaschenlinien über

Kartonierer bis hin zu Endverpackern setzt

Uhlmann seit Jahrzehnten Maßstäbe in

Sachen Qualität, Effizienz und Verfügbarkeit.

Als Total Solution Provider bietet das

Unternehmen Beratung, Projektmanagement,

Umsetzung, umfangreiche Services und

digitale Lösungen aus einer Hand.

Die Uhlmann Pac-Systeme GmbH & Co. KG gehört

zur Uhlmann Group. Mit den weiteren Unternehmen

Koch Pac-Systeme aus dem Schwarzwald, Cremer

Speciaalmachines aus den Niederlanden und Wonder

Packing Machinery aus China erweitert Uhlmann sein

Angebot für den Pharma-, Gesundheits-, Konsumgüter-,

Lebensmittel- und Agrarmarkt.

Weitere Infos unter:

www.uhlmann.de

www.uhlmann-group.com


20

SPEZIAL unternehmen [!]

Nur das Beste

für die Kinder

Bildung Immer mehr Eltern hierzulande

schicken ihren Nachwuchs auf

Privatschulen. Die Gründe dafür liegen

nicht nur in der besseren Ausstattung.

Gute pädagogische Betreuung und moderne Ausstattungen überzeugen Eltern von Privatschulen.

Die Zahl der Kinder und

Jugendlichen, die in

Deutschland eine private

Schule besuchen,

nimmt zu. In Ostdeutschland

zeichnet sich dieser Trend noch

deutlicher ab als im Rest der Republik,

das zieht sich durch alle

Schularten. Für immer mehr

Kinder wird die Privatschule daher

die Schule vom ersten bis

zum letzten Schultag. An den

bundesweit 3642 allgemeinbildenden

Privatschulen werden

rund 764 000 Kinder und Jugendliche

unterrichtet, 112 600

davon in Baden-Württemberg.

Der Erfolg der Privatschulen

in Deutschland ist in erster Linie

das Ergebnis einer als unzureichend

empfundenen Bildungspolitik.

Die Gründe warum

immer mehr Eltern eine

Schule in privater Trägerschaft

den öffentlichen Schulen vorziehen,

sind jedoch unterschiedlich.

Einer hat inzwischen an Bedeutung

verloren. Wissenschaftliche

Studien unter anderem

im Auftrag der

Friedrich-Ebert-Stiftung haben

bewiesen, dass Schüler auf Privatschulen

zwar, objektiv betrachtet,

bessere Leistungen erreichen,

doch das liegt an der

Zusammensetzung der Schüler.

Bei vergleichbar strukturierten

Gruppen und gleichem Schultyp

besteht, außer in den Kernfächern

Englisch und Deutsch,

Privatschulen

können

aufgrund ihrer

klaren Strukturen

flexibler handeln.

Klaus Vogt

Verband der Privatschulen

kaum mehr ein Unterschied.

Privatschulen gelten jedoch

als innovativer. „Sie können aufgrund

ihrer klaren Strukturen

flexibler handeln und werden

mit mehr Kreativität in den Aufgabenformaten,

teils bilingualem

Unterricht und digital ausgestatteten

Klassenzimmern ihrer Vorreiterrolle

gerecht“, sagt Klaus

Vogt vom Verband der Privatschulen

(VDP). Gerade der Umgang

mit digitalen Lernformaten

zeigte sich in der Corona Krise

– bei aller Kreativität in der Umsetzung

der Möglichkeiten – als

Schwäche der öffentlichen Schulen.

Bisher gibt es laut dem Verband

Bildung und Erziehung nur

an gut einem Drittel zumindest


unternehmen [!] SPEZIAL 21

einzelne Klassensätze digitaler

Endgeräte und nur an 60 Prozent

der Schulen unterstützt eine externe

IT-Administration engagierte

Lehrkräfte.

Fünf Milliarden für Bildung

Mit dem „Digitalpakt Schule“

und einem Investitionsvolumen

von fünf Milliarden Euro wollen

Bund und Länder die Ausstattung

der öffentlichen Schulen

mit digitaler Technik verbessern.

Das wird nicht ohne Reibungsverluste

gehen. Selbst wenn die

Technik funktioniert, sind Datenschutz

und der Einsatz der

länderübergreifenden Schul-

Cloud, wie sie die Bundesbildungsministerin

für alle Bundesländer

verbindlich vorgeschlagen

hat, bisher nicht abschließend

geklärt. Experten sind sich

einig: Es wird nicht reichen das

Gesamtsystem ausschließlich

mit fehlerfreier Ausstattung neu

zu starten. In der Corona-Zwangspause

wurde deutlich,

dass die Schüler, vor allem in den

unteren Jahrgängen, vom ungewohnten

Maß an Eigenverantwortung

überfordert waren –

und vielen Lehrkräften das nötige

Know-How für Online-Unterricht

fehlt.

Um die digitalen Defizite auszugleichen

fordert Udo Beckmann,

Bundesvorsitzender vom

Verband Bildung und Erziehung

von der Politik

neben der digitalen

Hardware

auch die entsprechenden

Personalressourcen

und

Fortbildungen.

„Nur dann können

Pädagogen

Staatliche

Schulen

brauchen neben

digitaler Hardware

auch Personal.

Udo Beckmann

Verband Bildung und Erziehung

Gerade beim digitalen Lernen hängen staatliche Schulen hinter den Erwartungen zurück. Mit dem

„Digitalpakt Schule“ wollen Bund und Länder den Missstand beheben.

die didaktischen

und methodischen

Möglichkeiten digitaler

Medien optimal nutzen.“

Für viele Eltern entsprechen

Privatschulen häufiger dem pädagogischen

und weltanschaulichen

Konzept, ihrem Erziehungsstil

und ihren Erwartungen.

Thomas Schäfer, dessen

zwei Kinder eine private Grundschule

besucht haben, kann das

bestätigen. „Entscheidend war

für uns damals das Angebot einer

qualifizierten Ganztagsbetreuung.

Dadurch, dass viel Wert

auf Übung gelegt wird, gab es,

zumindest bis zur 6. Klasse, keine

zusätzlichen Hausaufgaben.“

Seine Tochter Laura wechselte,

zusammen mit ihren Freundinnen,

nach der Grundschule auf

ein staatliches Gymnasium. Sein

Sohn Jonas ist weiter im Gymnasium

an der Privatschule.

Die Privatschule, so Schäfer,

lege deutlich

mehr Wert auf

die Vermittlung

von sozialer

Verantwortung,

Eigenverantwortung

und Disziplin.

„Der Leistungsgedanke

der

angestellten

Lehrer ist ausgeprägter,

als teilweise bei den

Lehrern der staatlichen Schule.

Das wird den Schülern im Unterricht

auch vermittelt.“

Hinzu komme das Lernen in

kleineren Gruppen und die Verlässlichkeit

individueller, pädagogischer

Zuwendung. „Das

funktionierte auch in der Corona-Zeit.

Das staatliche Gymnasium

benötigte deutlich mehr Zeit

für die Umstellung auf Onlineunterricht.

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und Gymnasium mit bilingualem Unterricht


22

SPEZIAL unternehmen [!]

Nicht jeder Schultyp ist gefragt

Tablets für jeden Schüler gehören noch nicht zum Alltag der meisten Schulen im Land.

In Baden-Württemberg

gab es 2018 insgesamt 684

allgemeinbildende Privatschulen.

Das entspricht einem

Plus von rund 7 Prozent im

Vergleich zu 2010. Obwohl für

Grundschulen die Privatschulfreiheit

nicht gilt, betrug der

Zuwachs im selben Zeitraum

gut 2 Prozent. Grundschulen

werden nur mit einem außergewöhnlichen

Konzept in privater

Trägerschaft zugelassen.

Schüler und Lehrern gab es nur sehr

punktuell.“

Für einen Unterricht, der neben

der Wissensvermittlung auch Persönlichkeitsbildung

und eigenverantwortliches

Lernen zum Ziel hat, ergeben

sich in der Nach-Corona-Zeit

grundlegende Fragen zur zukünftigen

Ausrichtung. Das Bildungssystem

ist darauf nicht vorbereitet und

könnte den Privatschulen weitere Zuwächse

bescheren. Das erfordert

Handlungsbedarf für den Staat, aber

was genau sollte er tun?

„Die Antwort müssen mehr Investitionen

in das öffentliche Bildungssystem

und stringente Qualitätsstandards

über alle Bundesländer hinweg

Anders als auf Bundesebene,

wo die Zahl der Einrichtungen

um knapp 10 Prozent zurückging,

gab es 2018 in Baden-Württemberg

77 Realschulen

und damit gut ein

Viertel mehr als noch im Jahr

2010. Das liegt laut Klaus Vogt

vom Verband der Privatschulen

an der Zunahme staatlicher

Gemeinschaftsschulen, in

die Realschulen integriert

wurden, sowie am Wegfall der

Werkrealschulen.

Zur Person

Udo Beckmann ist

seit 1979 Mitglied im

Verband Bildung und

Erziehung. Seit 2009

steht der Grund- und

Hauptschullehrer für

die Fächer Mathematik,

Biologie und

Physik dem Bundesverband

vor.

Die Zahl der Gymnasien

im Südwesten wuchs um gut

11 Prozent auf 80 Einrichtungen,

während die Schülerzahl

im gleichen Zeitraum lediglich

um rund 2,3 Prozent

zulegte. Die Zahl der privaten

Hauptschulen ging um knapp

10 Prozent auf landesweit 38

Schulen landesweit zurück,

gleichzeitig sank auch die

Zahl der Schüler um knapp

ein Fünftel an dieser Schulart

auf 3500.

sein. Standards, die die öffentlichen

Schulen zwingen, Rechenschaft abzulegen

und eine zuverlässige hohe

Qualität anzubieten“, fasst Marcel

Fratzscher, Präsident des DIW Berlin

und Professor für Makroökonomie

an der Humboldt-Universität

Berlin, die Forderungen an die Politik

zusammen.

Bestes Konzept soll überzeugen

„Internationale Studien haben gezeigt,

dass Schulsysteme, die einen

hohen Anteil an freier Trägerschaft

mit staatlicher Finanzierung verbinden,

am besten abschneiden“, sagt

Ludger Wössmann, Leiter des

Ifo-Zentrums für Bildungsökonomik.

„Wenn alle Schüler, unabhängig von

ihrem finanziellen Hintergrund denselben

Zugang zu alternativen Schulen

haben, entsteht ein Wettbewerb

der Schulen um die besten Konzepte

der allen Schülern zugutekommt.“

Das führte bereits dazu, dass einige

staatliche Einrichtungen von

den Privatschulen beispielsweise

das System der Ganztagsschule,

jahrgangsübergreifenden Unterricht

und Ansätze alternativer pädagogischer

Konzepte übernommen haben.

Privatschulen sind außerdem

im Wettbewerb um Fachkräfte für

viele Unternehmen und Kommunen

ein wichtiger Standortvorteil.

Kommunen und Landkreise müssen

daher eine vielfältige Schulinfrastruktur

fördern und private

Schulen mehr als bisher finanziell

unterstützen. Derzeit kostet ein Privatschüler

den Staat nur etwa 60

Prozent dessen, was er für einen

Schüler an einer staatlichen Schule

aufwendet. „Alle weiteren Kosten

trägt der private Schulträger, der gemeinnützig

und nicht unternehmerisch

handelt“, sagt Vogt.

Mehr staatliche Förderung von

Wenn alle Schüler

Zugang zu

alternativen Schulen

haben, entsteht ein

Wettbewerb

Ludger Wössmann

Ifo-Zentrum für Bildungsökonomik

Privatschulen würde bedeuten, dass

die Diskrepanz zwischen dem

Wunsch der Eltern die passende

Schule für ihr Kind zu finden und

ihren finanziellen Möglichkeiten geringer

wird und die soziale Chancengleichheit

steigt.

Derzeit beträgt das Schulgeld in

Baden-Württemberg 5 Prozent des

Nettoeinkommens und steigt mit der

Klassenstufe, zunehmenden Angeboten

und den Betriebskosten der jeweiligen

Schule auf bis zu 160 Euro

pro Monat. Aber es geht auch deutlich

teurer, wie ein Blick Richtung

Bodensee zeigt. Denn es gibt Privatschulen,

die den Zugang über die Exklusivität

der Angebote und die Höhe

der Unterbringungskosten im angeschlossenen

Internat regeln. Aber

das sind unter den Privatschulanbietern

Ausnahmen. [!] Sigrid Balke


unternehmen [!] RESSORT 23

Entdecken Sie

Raum für neue

Perspektiven.

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24

MACHEN unternehmen [!]

Ein insolventes Unternehmen

zu übernehmen ist

ein riskantes Unterfangen

– und gerät nicht von

ungefähr manchmal zu einer

wirtschaftlichen Gratwanderung.

Vor allem, wenn der Investor

nicht die schnelle Abschöpfung

der verbliebenen Werte im

Sinn hat, sondern die Rückkehr

in die Erfolgsspur anstrebt. Wie

das gelingen kann, stellt Datagroup

SE in Ulm unter Beweis.

Dass sich das IT-Unternehmen

für den Standort Ulm entschieden

hat, war nicht zuletzt

ein Glücksfall für die Belegschaft

der IT-Informatik GmbH.

Die im August 2019 erfolgte

Übernahme der wesentlichen

Vermögenswerte und Mitarbeiter

der insolventen Firma sowie

der Tochterunternehmen Mercoline

in Berlin und IT-Informatik

Digitalización Industrial 4.0

in Barcelona bedeutete die Rettung

von rund 300 Arbeitsplätzen.

Daraus entstand eine

Win-Win-Situation, zumal Max

Schaber, Gründer und CEO der

Datagroup, bei der Standortsuche

für eine weitere Niederlassung

bereits zuvor immer wieder

nach Ulm geschaut hat, wie

Olaf Schaefers, Geschäftsführer

der Datagroup Ulm, weiß.

Am Hauptsitz in Pliezhausen

war Ulm als möglicher Standort

schon längere Zeit im Gespräch.

Gekommen,

um zu bleiben

IT-Dienstleister Die Insolvenz im August 2019 war ein Schock für

die Mitarbeiter der IT Informatik in Ulm. Die Übernahme durch die

Datagroup hat 300 Arbeitsplätze gerettet und schafft Perspektiven.

Neuer Fokus in Krisenzeit

Was das Ulmer Portfolio betrifft,

verhält es sich einerseits so, wie

bei allen der 25 Tochterunternehmen.

„Wir haben mit der

‚Corbox‘ ein gemeinsames Produkt,

das standardisierte IT-Services

beinhaltet.“ Darüber hinaus

besitzt jedes Tochterunternehmen

ein eigenes Profil. „Wir

haben in Ulm einen starken Fokus

auf das Thema SAP. Aber

auch im Bereich der Individualprogrammierungen

sind wir

sehr stark.“ Momentan sei das

Unternehmen auf Dienstleistungen

in Krisenzeiten fokussiert:

„Von der Zeiterfassung im

Homeoffice bis zum Managen

von Kurzarbeitergeld.“

Neben der Prozessoptimierung,

von der gerade auch die

Fertigungsindustrie profitiert,

kommt noch ein weiterer Faktor

zum Tragen: „Mit unseren

Fach experten und standardisierten

Prozessen können wir Leis-


unternehmen [!] MACHEN 25

tungen anbieten, die der Kunde

selbst nicht erbringen kann oder

möchte“, sagt Schaefers. Wobei die

Nähe zu einem Großteil der zumeist

mittelständischen Klientel enge Bindungen

und schnelle Reaktionszeiten

ermöglicht. „Im Umkreis von

150 Kilometern haben wir an die

80 Prozent der Kunden abgedeckt.“

Nicht zuletzt schafft die Datagroup

Ulm neue Arbeitsplätze. „Wir

werden nach und nach weiter rekrutieren“,

sagt Olaf Schaefers. Derzeit

Künftige Mitarbeiter ausbilden

Die Datagroup SE

mit Sitz in Pliezhausen

ist eines der führenden

deutschen IT-Service-Unternehmen

mit rund 2700 Mitarbeitern

und 25 Tochtergesellschaften

an

Standorten in ganz

Deutschland. Im Geschäftsjahr

2018/19

wurde ein Umsatz von

knapp 307 Millionen

Euro erwirtschaftet. In

Wir sind aus

den roten schon

mal in die

schwarzen Zahlen

gerutscht.

Olaf Schaefers

Geschäftsführer der Datagroup Ulm

der Ulmer Niederlassung

sind derzeit 210

Mitarbeiter, sechs duale

Studenten, elf

Auszubildende und

zwei Werkstudenten

tätig.

arbeiten 210 Mitarbeiter am Standort.

Und die sollen sich in einer modernen

Unternehmenskultur mit flachen

Hierarchien, Freiräumen, kurzen

Entscheidungswegen, flexibler

Arbeitszeitgestaltung und Eigenverantwortung

wohl fühlen, wie Prokurist

Ulrich von Waechter sagt.

Nach derzeitigem Stand ist die

Ulmer Datagroup-Tochter bereits in

kurzer Zeit auf dem besten Weg auf

die Erfolgsspur. Zwar liegen noch

keine offiziellen Zahlen vor, aber die

Zeichen stehen gut, wie Olaf Schaefers

optimistisch sagt: „Der Dezember

ist sehr positiv verlaufen, wir

sind aus den roten schon mal in die

schwarzen Zahlen gerutscht. Den

Trend wollen wir jetzt fortsetzen.“

Wobei die Strategen nicht auf den

schnellen Erfolg aus sind: „Wir

möchten langfristig auf Kundenbeziehungen

und Beziehungen zu unseren

Mitarbeitern setzen und das

Unternehmen langfristig hier wieder

aufbauen.“ [!] Bernd Rindle

Zur Person

Ulrich von Waechters

war bereits vor

der Übernahme

durch die Datagroup

bei IT-Informatik. Er

studierte Wirtschaft

an der Uni Stuttgart

Hohenheim.

Zur Person

Olaf Schaefers

studierte unter anderem

in Dänemark,

der Schweiz und Japan

BWL. Seit mehr

als vier Jahren ist

Schaefers für die Datagroup

tätig.

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bauen

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20 Jahre Stadtentwicklungsverband

Ulm/Neu-Ulm – Sonderpublikation

Die Betreuung

war sehr

professionell,

schnell, strukturiert,

kreativ.

Bernd Neidhart

Wirtschaftsbeauftragter Neu-Ulm

Was Experten raten –

Sonderpublikation

„Starkes Herz und gesunde Gefäße“

in der SÜDWEST PRESSE

Corporate Storytelling:

Erzählungen mit Weitblick

Bereits vor tausenden von Jahren, irgendwann

zwischen dem ersten Feuer und der Erfindung

des Rades, fingen die Menschen damit an, sich

Geschichten zu erzählen. Geschichten über gefährliche

Tiere, die außerhalb des sicheren Umfeldes

in der freien Wildnis und vor den Höhlen

lauerten. Über giftige Schlangen, vielleicht

auch über die besten Beeren, die man in der

Nähe sammeln konnte. Warum? Die Menschen

hatten erkannt: Geschichten zu erzählen sicherte

ihnen das Überleben. Viele Jahre gingen

ins Land. Dann, etwa 450 vor unserer christlichen

Zeitrechnung, hatte es sich der Philosoph

Sokrates zur Aufgabe gemacht, den Dingen auf

den Grund zu gehen und die Ursachen zu hinterfragen.

Warum ist etwas so, wie es ist? Der

strukturierte Dialog, seine eigene philosophische

Methode, sollte ihm und anderen zu Erkenntnis

und Wahrheit verhelfen.

Ein Mann namens Sokrates

Oft stand Sokrates auf dem Athener Marktplatz,

immer barfuß, meist im zerschlissenen Gewand.

Eine Menge Menschen scharten sich um

ihn. Einige wurden seine Schüler. So auch Platon.

Ein junger Mann aus reichem Haus. Warum

sollte ein vornehmer junger Mann mit einem wie

Sokrates seine Zeit vollbringen wollen? Weil Sokrates

nicht nur hinterfragen sondern auch gute

Geschichten erzählen konnte!

In dem Werk „Phaidros“, einem später von Platon

aufgezeichneten, fiktiven Dialog zwischen

Sokrates und Phaidros, stellt Sokrates dar, dass

eine gut gemachte Rede in ihrem Aufbau einem

lebendigen Organismus gleich in Anfang, Mitte

und Ende auf das Ganze abgestimmt sein

müsste.

Vielen Dank für

das Interview und

den gelungenen Text

in der Sonderbeilage.

Prof. Dr. Wolfgang Rottbauer

Ärztlicher Direktor Innere Medizin II

Universitätsklinikum Ulm

Auf einer Wellenlänge

Was ist eine Geschichte? Jennifer Aaker, Professorin

an der Stanford Graduate School of

Business, definiert diese als ein Set von Ereignissen,

die miteinander verbunden sind. Dabei

lösen Geschichten im Gehirn andere Ereignisse

aus als bloße Fakten. Die neurowissenschaftliwww.contentperformance.de

Die Macht guter Geschichten

Was ist daraus zu lernen? Menschen lieben Geschichten.

Wer es schafft, eine gute Geschichte

zu erzählen, die Dinge zu hinterfragen und damit

Zuhörer wie Leser für sich zu gewinnen, der

wird auch seine gesetzten Ziele erreichen können.

Ging es früher noch um das Überleben und

später dann um Erkenntnis, ethische Grundsätze

und das Weltverstehen, verfolgen Unternehmen

heute Ziele wie eine erfolgreiche

Marktpositionierung. Außerdem geht es darum,

Kunden für sich zu gewinnen und langfristig

zu binden.

Ob Höhlenbewohner, antike Philosophen oder

moderne Unternehmen, eines haben alle gemeinsam:

Sie alle setzten oder setzen noch

heute auf die Macht guter Geschichten. Es geht

um das Prinzip des Storytellings.

Foto: LuisPinaPhotography / Shutterstock.com


unternehmen [!] RESSORTAnzeige

27

che Forschung zeigt auf, dass unsere Gehirne

nicht dafür ausgelegt sind, Logik zu verstehen

und Fakten für lange Zeit zu behalten. Sie sind

vielmehr so veranlagt, dass sie Geschichten

verstehen und behalten können.

Wir bringen unser Gehirn auf Hochtouren,

wenn wir eine Geschichte hören, da wir versuchen,

das Erzählte mit eigenen Erfahrungen in

Einklang zu bringen. „Geschichten bringen, im

Gegensatz zu Fakten, Bedeutung in Vorgänge“,

wie Thomas Pyczak, Autor des Buches „Tell

me“ den Aussagen Aakers nachgeht. „Erzählungen

transportieren nachhaltig Wissen und

Erfahrungen, indem sie Emotionen und Fakten

miteinander verknüpfen. So haben Geschichten

evolutionär dazu beigetragen, das Überleben

zu sichern und uns das Gefühl gegeben,

Kontrolle über die Welt zu haben.“

In andere Welten versetzt

Beim Lesen von Geschichten produziert das

Gehirn zwei Hormone. Cortisol und seinen Gegenspieler,

ein Hormon namens Oxytocin. Cortisol

fokussiert die Aufmerksamkeit, während

Oxytocin für Mitgefühl sorgt. „Geschichten sind

so mächtig, weil sie uns in die Welten anderer

Menschen transportieren“, sagt Pyczak. Dabei

verändern sie sogar die Art, wie unser Gehirn

arbeitet. Geschichten beeinflussen die Biochemie

des Gehirns. Der Anteil des Oxytocin-Hormons

im Blut verursacht Wahrnehmungen wie

Großzügigkeit, Vertrauen, Moral und Empathie.

„Wer sich dieses Effekts bewusst ist, versteht

die Auswirkung von Geschichten besser“, verdeutlicht

Pyczak und belegt damit, wie wichtig

es für Unternehmen sein sollte, mit Erzählungen

anstatt bloßer Fakten zu arbeiten.

Geschichten, keine Märchen

Der Durchschnittsbürger besitzt heute ein

Smartphone. Vielleicht ein Laptop, wahrscheinlich

einen smarten Fernseher, eventuell ein

Abonnement der Tageszeitung. Die Möglichkeiten,

an Informationen zu kommen, sind enorm

gestiegen. Gleichzeitig sinkt jedoch die Aufmerksamkeitsspanne

– wie verschiedene Studien

es belegen – auf durchschnittlich 8 Sekunden.

8 Sekunden, um einen potentiellen Kunden

zu überzeugen. Wie soll das gehen? Mit

bloßen Fakten? Ermüdenden Zahlen? Nein, mit

Geschichten.

Eine Geschichte mit spannender Headline und

gutem Einstieg kurbelt das Oxytocin im Gehirn

an und hebt das Erzählte aus der Flut mittelmäßiger

Informationen empor. Dem Leser fällt es

so leichter, seine Aufmerksamkeit darauf zu

richten. Im Storytelling geht es allerdings nicht

darum, Märchen zu erzählen oder gar fiktive

Elemente miteinzuweben. Storytelling ist die

journalistische Aufgabe, den Leser mittels einer

gut erzählten Geschichte von einer Sache so zu

überzeugen, dass sich dieser später jederzeit

an die Kernaussage erinnern kann.

Der italienische Hirnforscher Giacomo Rizzolatti,

der sich seit nunmehr vier Jahrzehnten der

Erforschung von Nervenzellen widmet, konnte

1992 belegen, dass die Beobachtung einer

Handlung zum selben Impuls innerhalb bestimmter

Nervenzellen führt – so, als würde

man selbst handeln. Die Nervenzellen, die beim

Beobachten die gleichen Reaktionen zeigen wie

beim eigenen Verhalten, nannte Rizzolatti

„Spiegelneurone“. Damit legte Rizzolatti den

Grundstein für ein besseres Verständnis der

Gefühlslage des Anderen. Gleichzeitig beweist

er aber auch, von welch immenser Bedeutung

das Lesen einer guten und emotionalen Geschichte

sein kann.

Wissen zum Mitnehmen

» Neurobiologen haben erkannt, dass

eine Information, die nicht innerhalb

von fünf Sekunden Interesse erweckt,

verloren geht.

» Die Informationsmenge wächst viermal

schneller als die Weltwirtschaft.

» Die italienischen Wissenschaftler

Rizzolatti und Gallese konnten in den

90ern beweisen, dass die reine Beobachtung

einer Handlung zum gleichen

Handlungsreiz im Gehirn führt

als hätte man diese selbst ausgeführt.

Unternehmensgeschichten in Sekunden

Eine gute Geschichte muss nachvollziehbar

sein aber nicht vorhersehbar. Sie vermittelt den

Kern des Unternehmens. Von den Anfängen bis

zum „Happy End“ transportiert sie die Firmenkultur

und die Werte, die innerhalb des Unternehmens

gelten. Sie begeistert für das Unternehmen

und die Marke. Gleichzeitig verhilft eine

gute Erzählung dem Leser, sich mit der

Firma, den Produkten und den dort arbeitenden

Menschen zu identifizieren. Storytelling

bildet damit die Grundlage, um sich am Markt

strategisch erfolgreich zu positionieren und

sich bei potentiellen Kunden buchstäblich ins

Gedächtnis zu rufen. Wie lautet Ihre Geschichte?

Sie haben genau 8 Sekunden Zeit. Alles weitere

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Corporate Storytelling: alles für eine gute Geschichte

Wir denken, dass jedes Unternehmen eine

Geschichte zu erzählen hat, die potentielle

Kunden langfristig begeistern kann. Wir

konzipieren und entwickeln kreative Kampagnen

für Unternehmen und Institutionen in

Ulm, um Ulm und über alle Grenzen hinweg.

Wir erzählen diese Geschichten mit journalis-

tischen Mitteln und transportieren sie auf

allen Wegen in die Welt hinaus. Egal, ob Print,

Digital, Video oder im Live-Event. Wir helfen

Unternehmen, sich gezielt mit ihrer Story

beim Kunden Gehör zu verschaffen. Mit Medien,

die wirken. Mit Geschichten, die berühren.

Mit Profis, die ihr Handwerk verstehen.

Corporate Publishing und Content Marketing

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Redaktion: Julia Haaga

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28

SPEZIAL unternehmen [!]

Die Stimmung

ist der Star

Ladengestaltung Mit Licht , Musik, Gerüchen und dem Vermeiden

jeglicher Stressfaktoren, können Einzelhändler ihren Verkaufserfolg

steigern. Wie Händler Wohlbefinden und Orientierung schaffen.

Es glänzt überall wie

frisch poliert. Große

weiße Flächen wechseln

sich mit akzentuierten

schwarzen ab. Dieses edle Ambiente

gehört zu einem Juwelierladen.

Das Bekleidungsgeschäft

nebenan arbeitet mit anderen

Reizen. Musik umgibt die Kunden,

ausgesuchte Stücke werden

an Deko-Figuren präsentiert, die

Verkaufsfläche mit Lichtinszenierungen

bespielt. Denn Laden

ist nicht gleich Laden. Die Gestaltung

hängt sehr vom jeweiligen

Sortiment ab. Doch es gibt

Grundregeln.

Stressfaktoren reduzieren

„Zunächst einmal muss man

Stressfaktoren rausnehmen“,

sagt Konsumpsychologe Hans-

Georg Häusel. Denn: „Wenn der

Kunde den Laden betritt, ist das

zunächst einmal eine unbekannte

Höhle für ihn.“ Das soll aber

nicht so bleiben. Deshalb sollte

man Hindernisse im Eingangsbereich,

Hitze, trockene Luft,

Gestank oder enge Stellen vermeiden,

an denen man mit anderen

Leuten in Berührung

kommt. „Das ist ganz unabhängig

von der Corona-Situation.

Wenn der Kunde in den Laden

kommt, löst jede Enge Stress

aus.“ Schön sei ein angenehmer

Geruch, vitalisierend und leicht

unterhalb der Wahrnehmungsschwelle,

und eine Art Tageslicht

auch im Eingangsbereich.

Häusel hält beispielsweise

Wühltische in der Nähe des Eingangs

für einen Fehler. Das

menschliche Gehirn versuche,

Stress zu vermeiden – und Chaos

bedeute Stress. Der Kunde

brauche je nach Größe des Geschäfts

einige Meter, um in Ruhe

einzutreten und sich orientieren

zu können. Wichtig sei Stressabbau

durch Orientierung.

Auch müsse die Wegerichtung

für Kunden klar sein. Die

Wege sollten nicht zu lang sein,

sondern ab und zu durch etwas

Unterhaltsames unterbrochen

werden – eine Schaufensterpuppe

oder eine ins Auge fallende

Warenpräsention. Ist der Stress

nach dem Eintritt abgebaut, geht

es um Inspiration – auch durch

Licht. „Ich muss den Kunden so

durch Licht führen, dass er bestimmte

Höhepunkte wahr-

Wenn der

Kunde den

Laden betritt,

ist der eine

unbekannte Höhle.

Hans-Georg Häusel

Hirnforscher


unternehmen [!]

SPEZIAL

29

Deko-Figuren im Laden werden

im Branchenjargon Mannequins

genannt: Sie bieten den

Kunden Abwechslung und

Orientierung.

nimmt. Der Laden wird so zu einem

kleinen Erlebnispark.“

Beim Thema Licht wird allerdings

die Differenzierung bedeutsamer.

Konservative Menschen

mögen eher warme Lichtfarben,

neugierige Menschen

eher schrillere, hellere und

mehr Abwechslung, sagt Häusel.

„Die Kunden suchen die

Einrichtung, die zu ihrer Persönlichkeit

passt.“

Monika Imschloß, Junior-Professorin

beim IFH Köln,

empfiehlt daher, sich genau zu

überlegen, was man mit dem

Beleuchtungskonzept erreichen

will. „Beleuchte

ich bestimmte Artikel

im Regal besonders,

werden sie eher wahrgenommen“,

sagt Imschloß.

Frische Produkte

können bei hellem

Licht besser inspiziert

werden, Mode wird in einem

normalen, gemütlichen

Licht lieber anprobiert.

„Manche Geschäfte

setzen das konsequent um

und kommunizieren mit

der Beleuchtung auch

gleich ihr Markenimage.“

Man müsse sich genau

überlegen: Welche Produkte

habe ich? Was will

Wenig Ware ausgefallen

präsentiert, zeigt ein

exklusives Image.

ich für die einzelnen Produktkategorien

erreichen? Welche

Zielgruppe spreche ich an?

Denn angesprochen werden

wollen die Konsumenten mit allen

Sinnen. 78 Prozent der Befragten

gaben in einer Studie

von Mood Media eine stimmige

Einkaufsatmosphäre als Schlüsselfaktor

bei

der Entscheidung

zugunsten

des stationären

Handels

gegenüber dem

Onlinehandel

an. Ein harmo-

Manche

Geschäfte

kommunizieren mit

der Beleuchtung ihr

Markenimage.

Monika Imschloß

Junior-Professorin IFH Köln

nisches Gesamtkonzept

aus Musik, visuellen

Elementen

und Duft wirke sich dabei

positiv auf die Verweildauer

der Konsumenten im Laden

und auf die Kundenbindung aus.

Bei Farben gelten laut Häusler

nicht die gleichen Regeln wie

in Büroräumen, weil häufig große

Wandflächen fehlen. Deswegen

zählen hier eher der Gesamteindruck

und die Emotionswelten.

Eine besondere Rolle

spielt hingegen die Musik.

Geht man in einen Orsay oder

einen Zara, wo eher jüngere

Menschen einkaufen, hört man

laute, schnelle Musik. Die sollte

man eher nicht in einem Bekleidungsgeschäft

für Ältere

einspielen,

sagt Monika

Imschloß. Es

komme auf

Zielgruppe

und Marke an.

Grundsätzlich

könne man

durch Musik

Menschen beeinflussen.

Die Forschungsgruppe

um Imschloß hat Sounds

konzipieren lassen, die Vertrauen

schaffen sollen, eine Art ruhige,

gleichmäßige Fahrstuhlmusik.

„Wir haben über Stunden

hinweg in Apotheken die

Musik gespielt oder nicht. Wäh-


30 SPEZIAL unternehmen [!]

Alle neun Jahre wird renoviert

renddessen haben wir die Kunden

befragt, wieviel Vertrauen sie in die

Beratung haben“, erzählt Imschloß.

Ergebnis: Lief die Musik im Hintergrund,

gaben die Kunden an, mehr

Vertrauen empfunden zu haben. In

anderen Studien wurde untersucht,

ob man die Wahrnehmung von Produkten

verändern kann. Bei Textilien

könne man durch Spielen von

sanfter Musik die Wahrnehmung

von Weichheit verstärken, sagt Imschloß.

Kunden sollen sich in den Geschäften

allerdings nicht nur wohlsondern

auch sicher fühlen – und sicher

sein. Hier kommt die Bundesanstalt

für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

ins Spiel. Der

wissenschaftliche Mitarbeiter Kersten

Bux erklärt, was für Sicherheit,

Gesundheit und Wohlbefinden von

Kunden und Mitarbeitern elementar

ist. Dabei wirken verschiedene

Rechtsgebiete wie das Bau- und Arbeitsschutzrecht

mit der Arbeitsstättenverordnung

und den Arbeitsstättenregeln

zusammen. „Sicher

und gesund ist hier die Faustregel“,

erklärt Bux. So müssen sowohl die

Laden- als auch die Mitarbeiterräume

ausreichend groß, hell und warm

sein. Wie genau, das ist alles festgelegt.

Zum Beispiel müssen Türen

wegen

der

Sicher und

gesund ist hier

die Faustregel.

Kersten Bux

Ministerium für Arbeitsschutz

Flexibilität bei Einrichtung und Beleuchtung wird immer wichtiger.

Im Durchschnitt wird im Einzelhandel

etwa alle neun Jahre

umfassend renoviert. Dabei

investieren Handelsunternehmen

mit insgesamt 7,9 Milliarden

Euro auf hohem Niveau in

Bau, Technik und Optik ihrer

stationären Geschäfte, wie

der EHI-Laden-Monitor 2020

zeigt. Besonders wachstumsstark

zeigen sich Lebensmittel-,

Drogerie- und preisorientierte

Nonfood-Fachmärkte.

735 Euro pro Quadratmeter

Verkaufsfläche und damit 15

Prozent mehr als vor drei Jahren

investierte der Lebensmittelhandel

2019. Noch deutlicher

gestiegen – plus 21 Prozent

– sind laut EHI die durchschnittlichen

Einrichtungskosten für ein

neues Textil-, Schuh- und

Sportgeschäft mit 537 Euro

pro Quadratmeter Verkaufsfläche.

Die Neueröffnungen im

Zur Person

Dr. Hans-Georg

Häusel (68) ist Diplom-Psychologe

und Vordenker des

Neuromarketings. Er

zählt zu den führenden

Experten in der

Marketing-, und Management-Hirnforschung.

Fashion-Bereich setzen auf

mehr Erlebniswert und investieren

in eine hochwertige Ladenoptik,

emotionale Warendarstellung

und in mehr Aufenthaltsbereiche

für die Kunden.

Flächenkonzepte und

Formate werden zunehmend

flexibler. Flexibilität ist auch

für die Beleuchtung wichtig.

Die individuelle Ansteuerung

von LED bietet neue Gestaltungsmöglichkeiten.

Fluchtwege nach außen aufgehen,

Fluchtwege ausgeschildert sein. „In

Geschäften können Gefahren lauern,

darum ist auch geregelt, wie viele

Feuerlöscher und Sanitätskästen

vorhanden sein müssen, dass man

sie ausreichend kennzeichnet und

nicht versteckt“, sagt Bux.

Dass sich auch die Mitarbeiter

wohl und sicher fühlen müssen, betont

auch Psychologe Hans-Georg

Häusel: „Wenn es vorne glamourös

aussieht und hinten die Toilette

stinkt, ist das nicht im Sinne der Mitarbeiter.“

Man müsse den Mitarbeitern

hinter den Kulissen nicht den

gleichen Glamour bieten wie den

Kunden davor. Aber: „Der Mensch

fühlt sich wohl, wenn er ernst genommen

wird und das kann man

auch durch Einrichtung ausdrücken.“

Man dürfe es nicht hinten

„verkrabbeln lassen, denn dann

kommen die Mitarbeiter auch mit

schlechter Stimmung zu den Kunden

in den Verkaufsraum.“

Das wäre schlecht, denn „das

Wichtigste für unser Gehirn sind

Menschen“, sagt Häusel. Sieht ein

Kunde lachende, zufriedene Gesichter

im Laden, fühlt er sich wohl.

„Selbst wenn Kunden nur beiläufig

hören, dass ein Verkaufsgespräch

freundlich oder herzlich ist, sorgt

das für eine gute Stimmung im Laden.“

[!]

Caroline Strang


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32

VERANTWORTEN unternehmen [!]

Allgaier-Stammsitz in Uhingen: Das Wohl und

Wehe des Autozulieferers hängt maßgeblich von

der Lage der deutschen Premiumhersteller ab.

Auf der

Rüttelpiste

Zulieferer Erst der Umbruch zu E-Autos,

jetzt Corona: Für viele Firmen kommt es

hart. Einblicke aus der Region Göppingen.

Er bezeichnet sich selbst

als „alten Hasen“ in der

Branche, der schon viel

gesehen hat. „Aber eine

solche Krise habe ich noch nie

erlebt“, sagt Helmar Aßfalg,

Vorsitzender der Geschäftsführung

der Uhinger Allgaier Werke.

Erst im Februar hatte der Autozulieferer

ein dickes Sparpaket

geschnürt und rund 100 Stellen

gestrichen. Nach dem harten

Schnitt wollten die Uhinger neu

Die Region Göppingen ist von vielen metallverarbeitenden Unternehmen wie Allgaier geprägt.

durchstarten, der Firmenchef

rechnete für dieses Jahr gar mit

einem Umsatzzuwachs.

„Das erste Quartal 2020 hat gezeigt,

dass unsere Restrukturierungsmaßnahmen

erfolgreich

umgesetzt werden“, sagt Aßfalg.

Das Ergebnis der ersten drei

Monate sei wie geplant gewesen,

obwohl Corona bereits für

weniger Umsatz gesorgt habe.

Kurze Zeit später schlug das

Virus voll zu. „Bezogen auf unsere

Planungen für das Jahr 2020

gehen wir für das Gesamtjahr

von einem Umsatzeinbruch in

Höhe von rund 20 bis 25 Prozent

aus“, lautet Aßfalgs düstere Prognose.

Er befürchtet, dass bis

zum Ende des Jahres Kurzarbeit

in den Bereichen angesagt sei,

in denen die Belegschaft durch

reduzierte Abrufzahlen nicht

ausgelastet ist. „Bis wann wir

wieder auf Vor-Corona-Krisen-Niveau

sind, lässt sich aus

heutiger Sicht noch nicht belastbar

sagen. Derzeit müssen wir

auf Sicht fahren“, lautet die Devise

des Geschäftsführers. Aßfalg

macht deutlich, wie hart die


unternehmen [!] VERANTWORTEN 33

Zeiten sind. Denn zur Corona-Krise

komme ein Umbruch, den die

Branche so noch nicht erlebt hat.

„Die von der Politik geforderte Umstellung

der Automobilindustrie,

weg vom Verbrennungsmotor hin

zur Elektromobilität, zwingt die Autohersteller

und ihre Zulieferer zu

gewaltigen Veränderungen mit enormen

wirtschaftlichen Belastungen“,

sagt Aßfalg. Die Corona-Pandemie

habe dazu geführt, dass die wirtschaftliche

Belastung der Unternehmen

zugenommen habe.

Andernorts im Landkreis Göppingen

sieht es nicht besser aus.

„Am Puls der Wirtschaft“ befindet

sich der Businessdirektor Süddeutschland

der Aalberts Surface

Treatment GmbH Göppingen, Wolfram

Macke. Als Lohnbeschichter am

Ende der Wertschöpfungskette befindlich,

kann die ehemalige AHC

Oberflächentechnik als Seismograph

der wirtschaftlichen Entwicklung

angesehen werden. „Wenn

nichts gefertigt wird, wird nichts beschichtet“,

bringt es Macke auf den

Punkt. Seit April schlägt die Krise

auch bei Aalberts „drastisch“ zu.

Umsatzrückgänge um die 40 Prozent

und Kurzarbeit sind die Folgen.

Die Hoffnung, dass es demnächst

wieder aufwärts gehen könnte, seien

inzwischen wieder zerstoben.

Abrufe der Kunden, der Autohersteller

selbst sowie der direkten Zulieferer,

seien mittlerweile wieder

reduziert worden. So rechnet man

beim Oberflächenbeschichter damit,

dass auch die Monate Juli und August

auf dem gleichen Niveau weiterdümpeln

werden. Es deute sich

an, dass die Autohersteller in den

Sommerferien „nochmals zwei Wochen

zumachen“.

Auch ich werde

mein neues

Auto drei Monate

später als geplant

bekommen.

Wolfram Macke

Aalberts Surface Treatment

werde meinen Wagen drei Monate

später bekommen.“

„Das Coronavirus hat unseren Arbeitsalltag

gehörig durcheinandergewirbelt“,

sagt auch Oliver Hagenlocher,

Marketingleiter der

Emag-Gruppe, und meint: „Gefühlt

haben wir das Lockdown-Tief durchschritten.“

Doch gleichzeitig sei man

noch weit von einem „Vor-Corona-Zustand“

entfernt. Aktuell geht

man bei der Maschinenbaufirma mit

Sitz in Salach von einem Auftragsrückgang

von rund 35 Prozent in diesem

Jahr aus. Um den Auftragsbestand

wieder aufzufüllen, wäre eine

Erholung im zweiten Halbjahr und

eine weitere Erholung in 2021 notwendig.

„Dies allerdings nur unter

den Vorzeichen einer globalen wirtschaftlichen

Belebung“, betont Hagenlocher.

Zufrieden ist man beim Salacher

Maschinenbauer mit den sowohl auf

nationaler als auch auf europäischer

Ebene getroffenen Maßnahmen.

„Vor allem das Instrument der Kurzarbeit

wird bei uns gezielt eingesetzt,

um den Rückgang im Auftragseingang

auszugleichen. Unser

Hauptziel ist seit Beginn der Krise,

mit einer gestärkten Emag-Gruppe

den Aufschwung zu schaffen.“ Dafür

seien bei Emag eine Reihe von

strukturellen Sparmaßnahmen beschlossen

worden, berichtet Hagenlocher.

Als Beispiel nennt er die

Schließung des Standortes in Göppingen

und die Rückführung des gesamten

Personals sowie der Arbeitsprozesse

an den Emag- Stammsitz

in Salach. „Zudem halten wir an den

bereits vor der Krise getroffenen

strategischen Entscheidungen zur

Entwicklung der Emag-Gruppe fest

und investieren weiterhin in Zukunftstechnologien

und den Ausbau

unseres Produktportfolios.“ [!]

Axel Raisch und

Susann Schönfelder-Kuhn

Zur Person

Helmar Aßfalg ist

seit 12 Jahren Vorsitzender

der Allgaier-Geschäftsführung.

Zuvor hatte der

Diplom-Ingenieur,

der aus Tettnang

stammt, 16 Jahre für

den Pressenhersteller

Müller gearbeitet.

Scheinbarer Widerspruch

Zwar gäbe es inzwischen wieder

verstärkt Anfragen, berichtet Wolfram

Macke. Jedoch münde nicht

jede Anfrage in einen Auftrag. Erst

von September an rechnet Macke

wieder mit einem Anziehen. Dann

werde vermutlich wieder so viel

Druck auf dem Kessel sein, dass die

Automobilwirtschaft wieder richtig

Gas geben müsse. Anders als momentan

mit einer wenig wirtschaftlichen

Teilauslastung. Das führt zu

dem widersprüchlich erscheinenden

Umstand, dass sich die Liefertermine

für Autokunden verzögern.

Auch Macke selbst ist betroffen. „Ich

Blick in die Allgaier-Fertigung: Das Unternehmen ist Spezialist für das Formen von hochfesten

Stählen, sei es für Kotflügel oder Tanks.


34

VERANTWORTEN unternehmen [!]

Mit Hochdruck

unterwegs

Facility Management In Zeiten, in denen Büros und Betriebe

sauberer als je zuvor sein sollen, rücken Gebäudereiniger in den

Fokus. Außerdem wächst ihr Aufgabenbereich.

FOTO: DJTAYLOR/SHUTTERSTOCK.COM

Seit der Corona-Pandemie

putzen Gebäudereiniger

häufiger als zuvor üblich die

Arbeitsplätze in den

Unternehmen.

Die Betriebe rappeln

sich wieder

auf. Immer

mehr Beschäftigte

kehren an ihre

Schreibtische zurück.

Doch Vorsicht! Das Corona-Virus

ist auch noch

da und fordert auch von

Gebäudemanagern kreatives

Denken und Handeln.

Fenster auf! Wohl

noch nie wurde in deutschen

Büros so viel gelüftet wie in den

vergangenen Wochen.

Das Corona-Virus bringt

auch in Zeiten des Ramp-up, des

vorsichtigen Hochfahrens der

Betriebe, den Arbeitsalltag weiterhin

gehörig durcheinander –

und fordert eine neue Ordnung.

Es stimmt, man trifft sich wieder

– mit Abstand. Und Absperrbänder

vor Kantinen gehören

genauso zum täglichen Bild

wie Hinweisschilder, Empfangsräume,

Kaffeeecken und Firmenfluren

bitte ausschließlich

mit Mund-Nasen-Schutz zu

betreten. Keine Frage: An

diese „neue Normalität“

muss man sich erst einmal

gewöhnen.

So geht es auch

Gebäudemanagern

und Reinigungstrupps,

die sich auf neue Aufgaben

einstellen mussten. Denn an

erster Stelle steht seit Beginn

der Pandemie Mitte März allerorts

die strikte Einhaltung verschärfter

Hygienevorschriften.

Flexibilität ist da für Alexander

Gerlach das Gebot der Stunde:

„Die Facility Manager waren

von Anfang an eng in die Pandemieplanung

einbezogen“, so

der Leiter der Lounge Baden-

Württemberg, des deutschen

Verbandes für Facility Management

e.V. (Gefma) in Bonn: „Die

Die Facility

Manager

waren von Anfang

an in die Planung

einbezogen.

Alexander Gerlach

Verband für Facility Management

Gebäudedienstleister mussten

zügig nach Alternativen suchen,

um eine Grundversorgung nach

strikten gesetzlichen Vorgaben

aufrecht zu erhalten, denn nicht

alle Betriebe wurden komplett

geschlossen.“

Doch viele eben schon. Und

eine Menge Punkte, die in laufenden

Verträgen zwischen Gebäudedienstleistern

und Auftraggebern

standen, galten

plötzlich nicht mehr. Stornierungen

im Catering-Bereich

häuften sich und fest vereinbarte

Reinigungszyklen wurden

komplett heruntergefahren, da

die meisten Angestellten der

Unternehmen im Homeoffice

oder in Kurzarbeit waren. Jetzt

war Kreativität gefragt: Mit Zusatzleistungen

sollten Mitarbeiter

der Gebäudedienstleister

ausgelastet werden. Dazu gehören

unter anderem die Desinfektion

von Geldautomaten, Bushaltestellen,

Türleisten oder

Griffen. Dinge, die normalerweise

nicht in einem Leistungsverzeichnis

aufgeführt sind.

Und etwas war neu: „Der Bereich

Security musste aufgrund

der verschärften Kontrollen der

Eingangsbereiche und zur Überprüfung

der Einhaltung gesetzlicher

Vorgaben wie Abstandsregularien

hingegen aufgestockt

werden,“ erklärt Gerlach. Zudem

wurden alle erforderlichen

Produkte wie Desinfektionsmittel,

Masken und Handschuhe

nun über das Facility Management

geordert.

Wenig Stillstand gab es auch

bei den technischen Anlagen,

denn einige Unternehmen nutzten

den Lockdown für Wartungen

und Instandsetzungsmaßnahmen.

Mängel wurden beseitigt,

die im Lauf der Jahre angefallen

waren – darunter

Sanierungen und Hygienechecks

von Lüftungsanlagen,

Filterwechsel, Bodenbelagsarbeiten

oder elektrische Prüfungen.

Alexander Gerlach: „Das

kann man nur machen, wenn die

Bänder stillstehen.“

Gefährliche Raumluft

Die Wertschätzung für das Gebäudemanagement

in all seinen

Facetten hat sich durch die Corona-Krise

erhöht, meint Robert

Oettl. „Viele Objekte wurden relativ

überstürzt verlassen. Die

Verträge sind geblieben, die einzelnen

Anforderungen haben

sich jedoch verändert.“ Jeden

zweiten Tag Büroflächen zu reinigen

mache keinen Sinn, wenn


unternehmen [!]

VERANTWORTEN

35

IndustrieDienstleistung Süd

Die Kunden wünschen sich

zudem eine umfassende Beratung:

„Speziell die Gebäudereinigung

hat eine ganz andere

Wertigkeit bekommen. Denn die

Angestellten einer Firma dürfen

zu keiner Zeit das ungute Gefühl

entwickeln, dass sie sich am Arbeitsplatz

anstecken können.“

Auch im Security-Bereich ist aufgrund verschärfter Kontrollen mehr

Personal nötig als vor der Corona-Krise.

keiner da ist, sagt der Geschäftsführer

der TÜV Süd Advimo

GmbH in München. Er ist Mitglied

der RealFM, des Berufsverbandes

der Real Estate und

Facility Manager: „Die Dienstleister

waren gefordert, die Immobilien

quasi ,coronafit’ zu machen,

also zum Beispiel mit Abstandshaltern

oder Spuckschutz-Scheiben

auszustatten.“

„Der Lockdown hat in vielen

Bereichen länger gedauert, als

man gehofft hatte“, sagt Oettl,

der weiß, dass nun neue Hygiene-Konzepte

aufgebaut und mit

dem Auftraggeber abgestimmt

werden müssen. Gar nicht so

einfach ist es, den Betrieb nach

dem langen Stillstand wieder

aufzunehmen. Dort wo die Gebäudetechnik

nach und nach

hochgefahren wird, lauern Gefahren

durch Legionellen und

Keime. Gebäudedienstleister

bieten darum auch das Spülen

von Rohrleitungen oder eine

umfassende Raumlufthygiene

als Sonderleistungen an.

Bei der

Gebäudereinigung

wird sei

jeher viel Wert auf

Hygiene gelegt.

Robert Oettl

TÜV Süd Advimo

Der Begriff Facility

Management kann

auch mit „Liegenschaftsverwaltung“

übersetzt werden.

Sie sorgt dafür,

dass Unternehmen

die zu verwaltenden

Räumlichkeiten,

Anlagen und

Flächen mit maximaler

Effizienz nutzen

können – im

Hinblick auf Kosten,

Zeit und Qualität.

Das Facility

Management optimiert

solche Prozesse,

die nicht unmittelbar

zum

Kerngeschäft gehören.

Obwohl die

Bedeutung des Facility

Managements

in Betrieben

wächst, wollen die

Neue Raumkonzepte

Robert Oettl ist sich sicher, dass

die gestiegenen Erwartungen

durch Gebäudedienstleister erfüllt

werden können: „Die Gebäudereinigung

ist ein klassischer

Ausbildungsberuf, bei dem seit jeher

viel Wert auf Hygiene gelegt

wird. Die Grundqualifikation ist

gegeben, so dass diese Leistungen

auch im Rahmen eines Pandemieplanes

glaubhaft angeboten

werden können.“

Eines ist auch klar: Unterm

Strich wird im Arbeitsumfeld

wohl vieles nicht mehr so sein

wie früher. Das sieht auch Oettl

so, für den es im Bereich Flächennutzung

ohne neue Strukturen

kaum sinnvoll weitergehen kann:

„Es werden sich neue Raumkonzepte

entwickeln und es wird

neue Vertragsmodelle geben.“

Und viele bereits als innovativ

geltende Konzepte, wie zum Beispiel

Desk-Sharing, bei dem man

mit unbekannten Personen in einer

offenen Arbeitsumgebung

sitzt und sich jeden Tag einen anderen

Schreibtisch aussucht, werden

wohl einen Dämpfer erhalten:

„Das ist zwar schick und trendig,

aber unter den Gesichtspunkten

einer Pandemie eher

untauglich.“ [!] Stefan Loeffler

Branche gewinnt an Bedeutung

FOTO: ANDREY_POPOV/SHUTTERSTOCK.COM

Unternehmen auch

in diesem Bereich

Betriebskosten

senken. Aus diesem

Grund ist es für die

wachsende Branche

entscheidend,

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36

SPEZIAL

unternehmen [!]

Was sind in den vergangenen

Wochen nicht alles

für Loblieder aufs

Homeoffice gesungen

worden: Man teilt sich seine Arbeit

selbst ein, ist unabhängig, kann sich

bequem kleiden und verliert keine

Zeit im Berufsverkehr. Kein Wunder,

dass sich manche Mitarbeiter

nur schwer mit dem Gedanken

anfreunden, im Zuge der Lockerungsmaßnahmen

an ihren angestammten

Arbeitsplatz zurückzukehren.

„Es gibt Mitarbeiter, die sich Zuhause

bequem eingerichtet haben“,

sagt Lars S., Führungskraft in einem

internationalen Unternehmen, der

seinen richtigen Namen nicht in der

Presse lesen möchte. Obwohl sein

Team komplett von Zuhause arbeitet

und sich nur zu Videokonferenzen

digital versammelt, legt er Wert

auf gewisse Regeln. Dazu gehört,

dass sein Team den Arbeitstag gemeinsam

mit einer Videokonferenz

beginnt. Nach den ersten Wochen

Zuhause schlich sich jedoch ein gewisser

Schlendrian ein. Zwei jüngere

Mitarbeiterinnen begannen, die

Kamera nicht mehr einzuschalten,

weil sie später als sonst in den Tag

starteten und sich ihren Kollegen so

nicht zeigen wollten. Das passt zu

den Ergebnissen einer Umfrage, die

der Konsumgüterhersteller Philips

in Auftrag gegeben hat. Danach verzichtet

die Hälfte der Frauen, die

sich ansonsten schminkt, darauf im

Homeoffice.

Doch ohne die Mimik, Gestik und

Körpersprache des anderen zu sehen,

ist Kommunikation nur eingeschränkt

möglich, „schon gar nicht,

wenn es darum geht gemeinsam Lösungen

zu erarbeiten“, betont Lars

S. Daher gilt nun: Bei Teamsitzungen

haben alle die Kameras an,

Wortmeldungen werden angezeigt.

Auch gilt ein ähnlicher Dresscode

wie im Büro. Denn ein Schlabberlook

wirkt sich nach seiner Erfahrung

auch auf die Arbeitseinstellung

aus.

Kleidung wirkt nach innen

Die Stilberaterin Sonja Garrison

sieht das ebenso: „Kleidung beeinflusst

unsere innere Haltung und

Einstellung.“ Und setzt eine Kettenreaktion

in Gang. Auch Gestik, Mimik

und Körperhaltung verändern

sich nach ihren Worten – und damit

die Stimme und die Art zu sprechen.

FOTO: ANDREY_POPOV & AFRICA STUDIO/SHUTTERSTOCK.COM

Eines der No-Gos im Homeoffice:„Kleidung beeinflusst unsere innere Haltung und Einstellung“,

sagt Stilberaterin Sonja Garrison.

Kampf dem

Schlabberlook

Homeoffice Von zu Hause aus zu arbeiten, hat seine Schattenseiten.

Das Umfeld verändert Verhalten und Arbeitseinstellung

vieler Mitarbeiter. Hier kommen Tipps zum Gegensteuern.

Kaffee vor dem

Bildschirm schlürfen,

kommt nicht gut an.

„Das gilt auch, wenn uns unser Gesprächspartner

nicht sieht“, schreibt

Garrison in ihrem Blog. Nachlässige

Kleidung drückt genau diese Einstellung

aus, ein formales Outfit

auch.

Doch viele Menschen, die daheim

arbeiten, greifen nicht zu Anzug

oder Kostüm. Ionut Stroe, rumänischer

Sportminister sprach per

Videoschaltung in einer Livesendung

zum Thema Fußball

und Geisterspiele. Im seriösen

dunklen Hemd mit langen

Ärmeln – und in bunten Boxershorts.

Sonja Garrison hat da einen

einfachen Tipp: Wer morgens

sein Outfit fürs Homeoffice wählt,

sollte sich vorstellen, ein Kunde,

Mitarbeiter oder der Chef könne

plötzlich unangemeldet vor der Tür

Zur Person

Karl-Heinz Raguse

(Jahrgang 1955) leitet

seit Mitte der

1990er Jahre freiberuflich

von Neu-Ulm

aus die von ihm ins

Leben gerufene

BVMW-Geschäftsstelle

– eine von

bundesweit 300. Er

betreut rund 200

Mitgliedsfirmen.


unternehmen [!]

SPEZIAL

37

stehen. Mit welchem Look könne

man mit gutem Gefühl die

Tür öffnen?

Die Liste der möglichen

Fauxpas bei Videokonferenzen

ist freilich lang – auch weil Arbeit

und Privates verschwimmen.

Karl-Heinz Raguse kennt

das aus eigener Erfahrung, er hat

seit dem Beginn der Pandemie

sehr viele Videokonferenzen geführt.

Seit Mitte der 1990er Jahre

leitet der gelernte Maschinenbauer

freiberuflich von Neu-

Ulm aus die von ihm ins Leben

gerufene BVMW-Geschäftsstelle

– eine von bundesweit 300 –

und betreut 200 Mitgliedsfirmen.

Nicht jeder hat im Homeoffice

auch ein Home Office, sprich

ein Büro, das ausschließlich diesen

Zweck erfüllt. Oftmals hat

das Schlafsofa

für Gäste in

diesem Raum

ebenso seinen

Platz wie der

Hometrainer

oder es wird

zum beliebten

Stauraum für

unerledigte Bügelwäsche.

„Als Hintergrund

für ein

Businessgespräch

ist das weniger geeignet

und fordert die Teilnehmer des

Meetings eher zu einer ablenkenden

Entdeckungstour heraus“,

erläutert Raguse. „Wer

glaubt, mit einem virtuellen Hintergrund

sei dieses Problem gelöst,

sollte über gewisse Kenntnisse

bei der Auswahl und der

Positionierung verfügen.“ Nicht

selten lösen sich die Konturen

des Teilnehmers vor diesem Hintergrund

auf und hinterlassen

beim Gesprächspartner einen

unklaren Eindruck. „Nicht in der

Sache versteht sich, aber im

Bild.“

Apropos Bild: Ein feststehendes

Porträtbild ist optimal für

alle die auf Nummer sicher gehen,

aber mehr als nur ihren Namen

präsentieren wollen. Dann

passieren auch keine Fehler wie

Gegenlicht, das ein Erkennen der

Person fast unmöglich macht, die

Frosch- oder Vogelperspektive

auf das Gegenüber oder eine all-

Nach zehn

Minuten haben

einige vergessen,

dass sie nicht allein

Zuhause sind.

Karl-Heinz Raguse

Bundesverband mittelständische

Wirtschaft

zu nahe „Schau mir in die Augen“-

Position.

Online-Meetings auf transportablen

Geräten sollten laut

Raguse nicht dazu verleiten die

Gesprächsteilnehmer kurzerhand

mitzunehmen – auch nicht

in die Küche für einen kleinen

Snack. Zu den No-Gos gehört

auch mal kurz verschwinden, gelangweilt

am Kaffee nippen oder

die Fingernägel maniküren. Aber

auch das gibt es. „Spätestens

nach zehn Minuten haben einige

Teilnehmer vergessen, dass

sie nicht allein Zuhause sind“,

sagt Raguse.

Doch es gibt deutlich größere

Fettnäpfchen. Ein Berater der

brasilianischen Regierung dürfte

es sogar in manche Jahresrückblicke

schaffen. Er vergaß seine

Kamera auszuschalten und fühlte

sich ungestört,

als er unter

anderem

vor den Augen

des brasilianischen

Präsidenten

Jair Bolsonaro

nackt

unter die Dusche

hüpfte.

Online-Meetings

werden

persönliche

Treffen nicht

ersetzen, aber ergänzen, ist Raguse

überzeugt. Sie sind ideal für

die kurzfristige Abstimmung unter

Kollegen oder Geschäftspartnern.

„Die Investition in eine

gute technische Ausstattung

lohnt also, denn schlechte Verständlichkeit

oder ein schlechtes

Bild sind für die anderen Teilnehmer

einfach nur anstrengend“

, sagt Raguse.

Allen Widrigkeiten zum Trotz,

wird es seiner Meinung nach auch

in einer Zeit nach Corona weiterhin

mehr Videokonferenzen geben.

Davon ist Raguse nach all seinen

Gesprächen mit Unternehmern

überzeugt. Die meisten sehen

den positiven Aspekt, dass

weniger Zeit auf dem Weg zu Terminen

verbracht und die Terminplanung

unkomplizierter wird.

Das gelte auch für Webinare die

derzeit Konferenzen und Seminare

ersetzen. Auch hier werde sich

vieles dauerhaft verändern. [!]

Sigrid Balke und Alexander Bögelein

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Alles Holz – oder was?

Mocopinus Alteingesessen und innovativ. Der Ulmer Spezialist für Fassaden setzt auf

Design und Sonderlösungen. Trotz Pandemie ist die Stimmung optimistisch.

FOTOS: ANDREA FLAK FOTOGRAFIE & ANDREAS FRIEDRICH

Ernst blickt er drein. Im

Auftritt eines respektheischenden

Patriarchen

hat sich Johannes Molfenter

dereinst in Öl porträtieren

lassen. Die jüngsten Urkunden,

Auszeichnungen fürs Design,

hängen im selben Raum –

Historie und Zukunft von

Mocopinus ganz nah beieinander.

Das 1865 gegründete Unternehmen

hat eine lange, gleichzeitig

wechselvolle Geschichte

hinter sich, aber auch Kontinuitäten

aufzuweisen. Die Molfenters

spielen schon lange keine

Rolle mehr, sehr wohl aber die

Scheuffeles, Nachfahren der

zweiten Gründerfamilie alt-ulmischer

Herkunft, in deren Be-

Der Center-

Parcs-Park ist

der bislang größte

Auftrag unserer

Geschichte.

Ulrich Braig

Mocopinus-Geschäftsführer

Holzfassaden, egal ob

Haus oder Großprojekt,

sind das Spezialgebiet

von Mocopinus.

sitz sich Mocopinus weiterhin

zu 100 Prozent befindet. Und

wie jeher spielt das Holz die

Hauptrolle.

Die Produkte des einst an

der Blaubeurer Straße angesiedelten

Hobelwerks, bekannt

unter dem Firmennamen Molfenter,

waren zunächst

Wand-Vertäfelungen sowie

Handgriffe oder Handläufe aus

Holz. Das Ulmer Werk wurde

vor fünf Jahren geschlossen,

einhergehend mit einer grundlegenden

Konsolidierung und

vollständigen Integration der

weiteren, in Karlsruhe und im

sächsischen Naunhof angesiedelten

Firmenteile und Marken

unter neuer und nun einheitlicher

Dachmarke. Mocopinus

steht gleichzeitig für eine

grundlegende Neupositionierung

des Portfolios und sieht

sich heute als führender Anbieter

von Premium-Vollholzprofilen

mit einer werkseigenen

Oberflächenbehandlung in

Deutschland, wie die Geschäftsführer

Ulrich Braig und

Eric Erdmann herausstellen.

Wo aktuell Mocopinus-Produkte

verbaut werden? Etwa am

Feuerwehrgebäude im schweizerischen

Lien mit seiner pechschwarzen

Fassade, das Holz

nicht nur scheinbar, sondern

tatsächlich angekokelt. Dahinter

steckt ein im Haus entwickeltes

Verfahren nach japanischem

Vorbild der partiellen

Karbonisierung, das Außenund

Innenbereich ein markantes

Erscheinungsbild verleiht.

Auch der Center Parcs-Park

in Leutkirch im Allgäu gehört

zu den Kunden. „Der bislang

größte Auftrag unserer Geschichte“,

sagt Braig. Für die

insgesamt 850 Häuser sei ein

speziell auf das dortige dauerfeuchte

Mikroklima zugeschnittenes

Fassadenprofil entwickelt

worden. Sonderlösungen aber

schon in kleineren Größen – ab

einem Haus – anfertigen zu

können zählt zu den Stärken

des Unternehmens, sind die

Geschäftsführer überzeugt.


unternehmen [!] MACHEN 39

Auch die Baubranche wird mittelfristig zumindest gewisse Auswirkungen

der Corona-Krise spüren, sagt Eric Erdmann (rechts).

Er führt gemeinsam mit Ulrich Braig seit 2018 das Unternehmen.

Wir konnten in

kurzer Zeit vom

Rückwärtsgang in

den neunten Gang

schalten.

Eric Erdmann

Mocopinus-Geschäftsführer

„Unser Schwerpunkt geht

eher in Richtung Fassadenprofile“,

erläutert Braig. Terrassen-,

Decken- und Fußbodenprofile

bilden weitere Produktsparten,

auch diese sind vorwiegend im

hochwertigen Bereich angesiedelt.

Das wichtigste Kapital, das

Knowhow in Sachen Oberflächenbehandlung

und -veredelung,

schließt die Behandlung

mit Farben oder Lacken mit ein,

die im Werk Karlsruhe produziert

und im dortigen Versuchslabor

weiter entwickelt werden.

Weil der Holzbau gerade im

Zuge des Nachhaltigkeitsgedankens

an Zuspruch gewinnt, spiele

in der hauseigenen Entwicklungsabteilung

auch der Brandschutz

eine große Rolle, erklärt

Erdmann. Immer gehe es auch

darum, die Dauerhaftigkeit der

Oberflächen unter dem Einfluss

von Sonne, Nässe, Wind und

Wetter zu verbessern.

Im Moment wähnt Braig das

Unternehmen am Beginn einer

neuen Phase. Die Konsolidierung

sei abgeschlossen, „wir sind auf

einem guten Weg“, was nun eine

allmähliche Neujustierung weg

vom margenschwachen Massenmarkt

mit einschließe. Doch

nicht nur die verstärkte Designorientierung

und die Speziallösungen

sollen zu einer höheren

Wertschöpfung beitragen. Im

Baubereich sei ein zunehmender

Trend zur Vormontage zu beobachten,

den man ebenfalls aufgreifen

wolle.

An diesen Plänen will das Unternehmen

auch trotz der Corona-Pandemie

festhalten. Nach einem

deutlichen Nachfragerückgang

Ende März, im Zuge dessen

das Unternehmen an allen Standorten

Kurzarbeit anmelden

musste, verzeichnet Mocopinus

seit Mai eine „extreme Nachfragesteigerung“,

wie Erdmann berichtet.

Vor allem in Deutschland,

aber auch in Frankreich,

Österreich und der Schweiz sei

die Nachfrage stabil überproportional.

„Dank unseres eingespielten

Teams konnten wir innerhalb

kürzester Zet vom Rückwärtsgang

in den neunten Gang schalten.“

Für 2020 sei man daher optimistisch,

die Jahresziele zu erreichen.

[!] Thomas Vogel

Drei vereint

Seit 2013 sind die Marken

Moco, Pinus und Pinufin in einem

gemeinsamen Unternehmensauftritt

unter „Mocopinus“

vereint. An den

Standorten Karlsruhe (Hobelwerk,

Lack- und Oberflächenproduktion)

sowie

Naunhof (Hobelwerk und

Veredelung) wird produziert,

während die Hauptverwaltung

in Ulm sitzt. Das Unternehmen

hat rund 300 Mitarbeiter,

der Umsatz betrug zuletzt

rund 100 Millionen Euro.

Die Familie Scheuffele ist

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40

MACHEN unternehmen [!]

Wachstum

als Geschäft

Auf Helmut Lehners Feldern

wächst Getreide, um Kunden

die Wirkung von Pflanzenschutz

zu demonstrieren.

Lehner Agrar Dinkelsaatgut, Streugeräte,

klassischer Landhandel. Helmut Lehner entdeckt

und besetzt erfolgreich neue Nischen.

35 Prozent der

produzierten

Salzstreuer gehen

mittlerweile ins

Ausland.

Es gab drei

verrostete

Sackkarren, einen

verrosteten Opel,

aber kein Geld.

Es gibt Firmenchefs, die ein

untrügerisches Gespür für

Chancen haben, sobald diese

in der Luft liegen. Sie sind bereit,

dafür Risiken einzugehen, eingefahrene

Wege zu verlassen und sogar

noch Neuland in einer anderen Branche

zu betreten. Helmut Lehner ist einer

dieser Pfadfinder auf wirtschaftlichem

Gebiet, sowohl mental als

auch finanziell auf grundsolidem Fundament

stehend, aber gleichzeitig umtriebig

und dabei noch überaus erfolgreich.

Lehner stammt aus einer kleinen

Landwirtschaft aus Westerstetten, einem

Dorf auf der Schwäbischen Alb

nördlich von Ulm. Mit lediglich sieben

Hektar Betriebsgröße und sechs

Kühen war sie schon von jeher zu

klein, um eine Familie zu ernähren,

weshalb der Vater sich frühzeitig nach

weiteren Einnahmequellen umsah.

Erst bei der örtlichen Darlehenskasse,

ab Mitte der 1950er Jahre dann mit

einem kleinen Landhandel auf selbständiger

Basis. 1980 stieg Sohn Helmut

nach seiner Ausbildung zum

Groß- und Außenhandelskaufmann

ein: „Es gab drei verrostete Sackkarren,

einen verrosteten Opel Kadett,

aber kein Geld“, hält er nüchtern

Rückschau.

Dass Lehner heute einem kleinem

Firmenimperium vorsteht mit über

20 Millionen Euro Jahresumsatz, hat

mehrere Gründe. Denn zum einen

überlebte sein Landhandel, mittlerweile

Lehner Agrar, das Sterben der

vielen kleinen Händler, die es einst in

so gut wie jedem Dorf gegeben hat.

Diese Entwicklung schuf bereits

eine Grundlage für Wachstum,

doch das genügte Lehner nicht,

denn: „Der klassische Landhandel

ist kein einfaches Geschäft.“ Zum

einen was den anhaltend hohen

Wettbewerbsdruck und die sich ständig

ändernde Marktsituation betreffe,

zum andern was die laufenden Fortentwicklungen

in der Landwirtschaft

selbst anbelangt.

Die Äcker, die zum Hof gehörten,

sind mittlerweile in Versuchsfelder

umgewandelt, auf denen die Ergebnisse

diverser Getreidearten und

-sorten beim Ertrag und nach Einsatz

diverser Pflanzenschutz- und Düngemittel

den Kunden ganz unmittelbar

demonstriert werden können. Gleichzeitig

vermarktet seine Firma Weizen,

Raps und Braugerste aus der Landwirtschaft

weiter: „Bestmöglich.“

Die Maschinen sind inzwischen

ein wichtiges Standbein.


unternehmen [!] MACHEN 41

FOTOS: MARC HÖRGER

Ob die Landwirte nach diesem

Maßstab einen guten Preis

erzielen, hängt somit auch vom

Gespür Lehners für den richtigen

Zeitpunkt des Verkaufs ab.

Eine Lagerkapazität für 18 000

Tonnen Getreide schafft Spielräume.

Raps und Braugerste gehen

direkt an die Mühlen beziehungsweise

Mälzereien zu fixierten

Konditionen.

Dass Lehner heute darüber

hinaus als Dinkel-Spezialist

gilt, hat unmittelbar mit der Insolvenz

eines

Mitbewerbers

zu tun. „Das

hat uns eine

Saatgut-Nische

geöffnet“,

sagt Lehner,

der diese aber

gleich noch erweiterte.

Seine

Firma entwickelte ein Verfahren

zur Entspelzung des Korns,

was ein Bündel handfester Vorteile

bei der Beize und der Aussaat

mit sich bringe. Das Geschäftsfeld

wachse rapide, zumal

jüngst zunehmend auch die

„Teiglingsindustrie“ in die Dinkelverarbeitung

eingestiegen

sei.

2019 hat sich ein weiterer Bereich

– die Lehner Maschinenbau

GmbH – von der Lehner

30 Mitarbeiter

Die beiden Firmenteile

beschäftigen zusammen

rund 30 Mitarbeiter, 20

davon die Lehner Maschinenbau

GmbH, die nach

Lehners vagen Angaben „einige

Tausend Geräte“ im

Jahr produziert. Den Gesamtumsatz

beziffert er

auf über 20 Millionen Euro,

bei stetigem Wachstum,

das in den zurückliegenden

Jahren immer zwischen

fünf und zehn Prozent gelegen

habe. In beide Firmenteile

seien im zurückliegenden

Jahrzehnt rund zehn

Millionen Euro investiert

worden. Die Eigenkapitalquote

liege bei 70 Prozent,

alle Gewinne würden reinvestiert.

Die Geräte

werden unterm

eigenen Dach

entwickelt

und montiert.

Agrar GmbH abgespalten. Hier

werden Streu- und Dosiergeräte

auf 12-Volt-Basis entwickelt

und produziert. Je eine Produktfamilie

für den Einsatz in der

Landwirtschaft und eine für den

Winterdienst.

Den Anstoß für den Einstieg

in die Streutechnik hatte eine im

Jahr 1989 in der Region aufgetretene

Schneckeninvasion gegeben,

berichtet Lehner. Die bislang

eingesetzten Streuer erwiesen

sich für Schneckenkorn „als

suboptimal“.

Das entfachte

Lehners Ehrgeiz,

was darin

endete, dass er

selbst eigens

für den agrarischen

Einsatz

konzipierte

Geräte auf den

Markt brachte. Diese können außer

Schneckenkorn ebenso

Saatgut und Samen aller Art ausbringen,

„und zwar stufenlos regulierbar“,

was dem Produkt

gleich noch einen Innovationsvorsprung

eingebracht habe.

Einige Jahre später als immer

mehr Unternehmen, aber auch

Kommunen ihren Winterdienst

an private Dienstleister, an Garten-

und Landschaftsbauer etwa

oder Hausmeister-Service-Anbieter

auslagerten, setzte er auf

Streuer für Salz. Die Geräte werden

unterm eigenen Dach entwickelt,

endmontiert, geprüft

und versandt. Sie gehen von

Westerstetten aus in alle Welt,

der Exportanteil liege bei rund

35 Prozent. Nur die Teilefertigung

werde anderen Herstellern

überlassen.

Mittlerweile trage der Winterdienst

zum größeren Teil der

Aufträge bei. Was heißt, dass

Lehner nicht mehr nur die Weizen-Börsenkurse

verfolgen

muss, sondern auch die Temperaturkarten.

Es sei doch logisch,

dass ein milder Winter Spuren

in der Auftragslage hinterlässt.

Aber bald, so die Hoffnung, tue

dies auch der Wolf, im positiven

Sinn. Wie Lehner verrät, stehe

ein „Wolfszaunwickelgerät“

kurz vor der Produktionsreife.

Eine weitere Nische, mutmaßlich

erneut mit Wachstumspotenzial.

[!] Thomas Vogel


42

RESSORT unternehmen LEBEN [!]

RESSORT

unternehmen [!]

Seit dem Tod ihres Mannes

führt Gudrun Selinka die

Sammlung weiter.


Fotos: Marc Hörger

Die Geschichte einer

verbotenen Liebe

Die private Seite Gudrun Selinka brennt für Kunst. Sie hütet die Sammlung, die sie mit ihrem

verstorbenen Mann Peter aufgebaut hat. Der wollte Kunst studieren, durfte aber nicht.

Man muss überzeugt

sein“, lautete das berufliche

Credo von

Peter Selinka. Mit

der Liebe zu Schönem, bestimmte

es sein Leben, beruflich

und privat. Durch seine Leidenschaft

zur Kunst entstand die

Motivation für den Aufbau seiner

Kunstsammlung, die heute

250 Werke umfasst.

Peter Selinka starb nach langer

Krankheit im Jahr 2006. Seine

Frau, Gudrun Selinka, führt

die Sammlung in seinem Sinn

weiter und ist Vorsitzende der

Stiftung Selinka. Derzeit stehen

die Restaurierungsmaßnahmen

zur Pflege der Sammlung im Fokus.

Gudrun Selinka unterstützt

die Maßnahmen und bereichert

die Sammlung durch Neurahmungen

der expressionistischen

Werke. Außerdem kümmert

sie sich um Anfragen von

Museen und setzt auch damit

eine Tradition fort. „Wir waren

schon immer großzügige Leihgeber.

Mein Mann wollte die

Sammlung öffentlich zugänglich

machen.“

Seit 2013 gibt es dafür das

Kunstmuseum Ravensburg. Das

architektonisch herausragende

Gebäude des Stuttgarter Büros

Lederer+Ragnarsdóttir+Oei

zeigt Werke der Sammlung, ergänzt

mit Ausstellungen, die

immer wieder in einem Bezug

zur Sammlung stehen. Ein zentrales

Bild der Sammlung ist

das „Spanische Mädchen“ von

Alexej von Jawlensky. „Die so

genannte ,Mona Lisa von Ra-


Dann kam der Krieg dazwischen.

Eine akademische Ausbildung kam

aus finanziellen Gründen nicht in Frage.

Der damals 27-jährige Peter Selinka

startete seine berufliche Karriere

als Werbeassistent bei Dr. Karl Thomae

in Biberach, brachte es bis zum

Werbeleiter und gründete 1961 seine

eigene Webeagentur in Ravensburg.

Später kamen weitere Standorte in

Wien, Zürich, Köln und München hinzu.

Selinka galt zu seiner Zeit als

„Werbepapst“ und hatte vor allem im

Bereich Pharmawerbung einen hervorragenden

Ruf. „Als Ästhet legte er

Wert auf eine niveauvolle Werbung,

er hatte kreative Ideen, aber er war

kein Werbegrafiker, sondern der Macher

dahinter“, sagt seine Frau heute.

„Die Umstellung auf digitale Medien

hat er nicht mehr erlebt, vermutlich

hätte es seiner Art widersprochen.“

Selinka lebte und arbeitete zeitlebens

mit Kunst, sie umgab ihn in der

Agentur ebenso wie in seinem Privathaus.

1952 erwarb er sein erstes Kunstunternehmen

[!]

RESSORT LEBEN

43

vensburg’ ist ein Gemälde mit einer

besonderen Geschichte“, erinnert

sich Gudrun Selinka an den

Galeriebesuch ihres Mannes in

New York. „Ein mit uns befreundeter

Galerist bot uns das Bild an,

nachdem es der erste Käufer wieder

zurückgeben musste. Seine

Frau war eifersüchtig auf das Mädchen

auf dem Bild.“

Dieser Käufer war kein Geringerer

als der spätere Vizepräsident

der USA, Nelson Rockefeller. Das

war in den 1970er Jahren. „Wir

konnten uns das Gemälde nur leisten,

weil wir es in Raten abbezahlen

konnten“, erinnert sich Selinka.

Das sei aber die Ausnahme gewesen.

„Mein Mann hat sich bei Auktionen

immer ein bezahlbares Limit

gesetzt. Schließlich gab es neben

der Kunst ja auch noch das Geschäft

und die Familie.“

Wie Peter Selinka es schaffte, erfolgreich

eine Werbeagentur mit

fünf Standorten aufzubauen und

nebenbei eine hochkarätige Kunstsammlung,

ist nur mit seiner temperamentvollen

Art, einem guten

Team, harter Arbeit und seiner ausgeprägten

Sammelleidenschaft zu

erklären. Geprägt wurde die Liebe

zu Schönem von seiner Mutter, die

Er konnte

begeistert oder

nachdenklich viel

Zeit vor einem Bild

verbringen.

Gudrun Selinka

Vorsitzende der Siftung Selinka

aus einem musischen Haus mit einem

Freundeskreis aus Schriftstellern,

Philosophen und Künstlern

kam. Sein Wunsch war es Kunst zu

studieren, aber das war für seinen

Vater, einen Offizier, keine angemessene

Perspektive.


44 RESSORT LEBEN unternehmen [!]

Im Kunstmuseum in

Ravensburg sind

Werke aus der

Sammlung Selinka

zu sehen.

werk – eine Lithografie von

Kirchner, deren Frauenkopf ihn

an seine Mutter erinnerte – und

begann mit dem Aufbau seiner

Sammlung. Die Sammlung chinesischen

Porzellans, die er während

zahlreicher Asienreisen zusammen

getragen hatte, gab das

Ehepaar als Kulturbesitz des Landes

an China zurück.

Seine Leidenschaft für die

Kunst, führte Selinka immer wieder

hinaus aus Oberschwaben. Er

liebte Reisen und fremde Kulturen,

streifte durch die Auktionshäuser,

Museen und Galerien

dieser Welt, suchte den Austausch

mit Gleichgesinnten, bewies

Intuition und Mut. Wenn

Kunstwerke Geschichten auslösten

oder biographische Erinnerungen

weckten, stießen sie auf

das Interesse des Sammlers.

„Dann musste er das Kunstwerk

Die „Fischhäuser in Nidden“ von Max Pechstein gehören auch zur

Sammlung Selinka. Das Gemälde stammt aus dem Jahr 1919.

haben“, erinnert sich Gudrun Selinka.

„Er konnte vor Begeisterung

sprühen oder nachdenklich

grübelnd viel Zeit vor einem Bild

verbringen.“

Was ihn berührte waren Werke

der expressiv-gestischen Tradition

des 20. Jahrhunderts, vor

allem Arbeiten von Künstlern

der Künstlergruppen Brücke und

Blauer Reiter. Ende der 70er Jahre

kamen Werke der Nachkriegskünstlergruppen

Cobra und Spur

hinzu. In Kunstkreisen hatte die

Sammlung Selinka inzwischen

einen Namen und war dem Magazin

stern einen Bericht wert.

„Der damalige Herausgeber,

Henri Nannen, war zwei Tage bei

uns in Ravensburg und wie zwei

große Kinder freuten sich die

beiden an den Bildern“, erinnert

sich Gudrun Selinka. [!]


Sigrid Balke

Zusammenhalt und Förderung

Noch zu Lebzeiten

von Peter Selinka,

2003, gründete

das Paar die

Stiftung Selinka.

Primäres Ziel war

der Zusammenhalt

der Sammlung,

aber auch die Förderung

von Künstlern.

Die erste Ausstellung

fand in

Weingarten statt,

zwei Jahre später

wurde die Sammlung

Selinka im Alten

Theater der

Stadt gezeigt. Mit

dem Bau des

Kunstmuseums erweist

die Stadt Ravensburg

dem

Sammler posthum

ihre Reverenz.

Wir konnten

uns das

Gemälde nur

leisten, weil wir es

in Raten abzahlen

konnten.


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46

RESSORT unternehmen [!]

In diesem

Urlaub wird

vieles anders

Umfrage Die Corona-Pandemie verändert das Privat- und

Berufsleben. Stefan Loeffler hat sechs Führungskräfte gefragt, wie

sie sich in den nächsten Wochen entspannen. In aller Ruhe zu

Hause, auf einem Hausboot oder doch auf Bali?

1) Hand aufs Herz: Sind Sie der entspannende oder der aktive Urlauber?

2) Wovon träumen Sie für einen großen Urlaub im Jahr 2022?

3) Was unternehmen Sie im Covid-19-Urlaub 2020?

4) Urlaub in Deutschland: Was würden Sie wo machen?

5) Wohin ging Ihr erster selbstständiger Urlaub?

6) Drei Dinge, an die Sie im Urlaub nicht denken wollen.


unternehmen [!] LEBEN 47

Ich bin eher die aktive Urlauberin.

1

Einfach für zwei Wochen im

2 Wohnmobil losfahren in

Richtung Ostsee, Schweden, Dänemark


Den Garten genießen und

3 mit Freunden in der allernächsten

Umgebung Wanderungen

unternehmen.

Waltraud Fahrion, Geschäftsführerin

der Fahrion Gartenund

Landschaftsbau GmbH in

Notzingen, verschwendet im

Urlaub keine Gedanken an die

Weltwirtschaft und an Kalorien.

Ich würde endlich einmal

4 Dresden besuchen und am

Tegernsee wandern und ausruhen.

Wie so viele andere auch

5 ging es 1973 nach Bibione in

Italien – mit dem Zelt.

An Geschäftliches, an die

6 Weltwirtschaft und Politik

und an Kalorien.

Ich kann beiden Urlaubsformen

etwas abgewinnen, bin

1

aber eher der aktive Urlauber.

Seit ich Familie habe ist es

2 mein Traum, eine Reise

durch die Nationalparks in

Wyoming und Kalifornien zu

machen und auf dem Weg Verwandte

und Freunde in Colorado

und Kalifornien zu besuchen

– das könnte 2022 vielleicht

klappen.

In diesem Jahr werden wir

3 voraussichtlich endlich den

Urlaub machen, den ich bisher

Andreas Schmid, Geschäftsführer

der Gessler + Funk Office

GmbH in Weingarten, fuhr als

16-Jähriger mit dem Kanu über

den Bodensee.

zuhause nie durchsetzen konnte:

Wir bleiben in unserer wunderschönen

Region.

Dafür reicht der Platz hier

4 nicht aus, aber ein paar

Highlights wären: Radtour um

den Bodensee, Wandern im Allgäu,

Hausbootfahren im Ruppiner

Seenland.

Als ich gerade 16 war, durfte

ich mit meinem besten

5

Freund eine mehrtägige Kanu-Tour

über den Bodensee bis

Schaffhausen machen.

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Aktiv entspannen & bewusst genießen: Das

Bio-Berghotel Ifenblick liegt mitten im Naturpark

Nagelfluhkette im idyllischen Bergdorf

Balderschwang – ein wahres Paradies für

Aktiv urlauber und Ruhesuchende.

Genusswandern inmitten der Natur.

Der perfekte Ort, um einfach loszulassen, kraftzutanken

und die Natur mit allen Sinnen zu erleben.

Ob zum Wandern, Radfahren oder frische

Bergluft schnuppern – die unberührten Landschaften

der Allgäuer Alpen liegen direkt vor der

Haustüre.

Die Natur ist aber nicht nur vor der Haustür, sondern

auch in der Küche und im gesamten Haus

zu finden. Eine bewusste Entscheidung, die Inhaberin

Bianca Schießl aus Verbundenheit zur Heimat

und der Region getroffen hat. Über mehrere

Jahre hinweg wurde der Bogen hin zu 100 % Bio

gespannt und seit 2014 ist das familiengeführte

Haus ganz offiziell als BIOHOTEL zertifiziert.

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Bio Genuss: regional, saisonal, natürlich &

gesund! Getreu dem Motto „Bewusst genießen“

kommen Obst, Gemüse und Fleisch ausschließlich

von ausgewählten Lieferanten aus der Region.

Ob beim Frühstück, Mittagssnack oder

Abendbuffet – zu jeder Mahlzeit gibt es auch immer

eine vegetarische und vegane Option. In den

Sommermonaten genießen Sie auch noch ein

süßes Extra: hausgemachtes Bio-Eis mit heimischen

Früchten und aus frischer Bio-Milch aus

Vorarlberg.

BIO ist für uns persönlich nicht einfach

nur ein Trend, sondern eine Herzensangelegenheit.

Urlaub machen und gleichzeitig

das Bewusstsein schärfen. Das macht

den Unterschied.

Bianca Schießl

Der rote Faden – von und mit der Natur – findet

sich auch in der Zimmereinrichtung und Ausstattung

wieder. Mit Naturmaterialien, großen Panorama-Fenstern

und den Balkonen mit Bergblick

sorgen die Zimmer für ein „direkt in der Natur-Gefühl“.

Fotos: Bio-Berghotel Ifenblick

Aktiv entspannen, den Körper regenerieren und

sich selbst etwas Gutes zu tun – das gehört zu einem

gesunden Lebensstil einfach dazu. Ganz

klar also, dass es im Berghotel Ifenblick auch einen

Wellnessbereich gibt. In der finnischen Sauna

schwitzt man sich den Stress von der Seele

und bei einer auflockernden Massage kommt die

Entspannung von ganz allein. Mit Schwimmbad,

Fitnessraum und kostenlosen Aktivprogramm

wartet ein rundum aktiver Urlaub auf Sie!

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48 LEBEN

unternehmen [!]

Das gehört für mich irgendwie

zusammen. Ich mag kör-

1

perlich und geistig aktiv sein,

dann kann ich auch richtig gut

entspannen.

Ich möchte mit einer Freundin

durch Slowenien wan-

2

dern, ich liebe Leute und Land

und es gibt einfach alles: Berge,

Wälder, Seen, Meer.

Ich mache kleinere Ausflüge

hier in der Region, werde

3

radeln und wandern. Mein SUP-

Board wird hoffentlich häufig

zum Einsatz kommen und ich

oft zum Tennisspielen.

Die Diplom-Pädagogin Simone

Schliemann, seit April „Eine

Welt-Regionalpromotorin“ an

der Volkshochschule Ulm,

möchte mit einer Freundin

durch Slowenien wandern.

Ich würde gerne im Schwarzwald

wandern, Freiburg be-

4

suchen oder in Mecklenburg-Vorpommern

die Seenplatte

mit dem SUP erkunden und

auf dem Rückweg einen Abstecher

in Dresden machen.

Das war eine Radtour zu

5 zweit durch Irland: mit höheren

Bergen als vermutet, vielen

Regenschauern und noch

mehr Schafen – aber in wunderschöner

Landschaft und mit

Übernachtungen in witzigen Jugendherbergen.

Uhrzeit, Kalender, To-do-

6 Listen.

Oh je, ohne Aktivitäten wäre

1 ich nicht glücklich und eher

ungenießbar. Nichts zu tun wäre

Strafarbeit und kein Urlaub. Radeln,

wandern oder etwas besichtigen,

das muss schon sein.

Was aus heutiger Sicht eigentlich

unvorstellbar klingt.

2

Wir haben schon zweimal eine

wunderschöne Kreuzfahrt gemacht

und würden gerne in

2022 wieder ein fernes Land auf

diese Weise bereisen.

Wenn alles klappt, machen

3 wir traditionell Südtirol unsicher

und genießen dort unsere

Auszeit.

Petra Wieseler, Geschäftsführerin

der Autohaus Kreisser

GmbH & Co. KG in Ulm, würde

gerne wieder einmal an Bord

eines Kreuzfahrtschiffes ferne

Länder bereisen.

Radeln, wandern und gut essen,

am liebsten am Boden-

4

see.

Das ist ja schon sehr lange

5 her und war vor meiner aktiven

Urlaubszeit. Wir waren

das erste und letzte Mal zelten

an der Cote d’Azur.

6Dinge, die ich sowieso nicht

ändern kann. Die Frage, wie

viele Mails mich nach meiner

Rückkehr erwarten. Und auf gar

keinen Fall Kalorien zählen.

Oliver Stockinger, Geschäftsführer

des Klinikums Christophsbad

in Göppingen, träumt

von einer gemeinsamen Safari

mit seiner Frau in Namibia.

Beides. Nach einer Phase des

1 bewussten Abschaltens und

einer der Entspannung werde

ich im letzten Drittel des Urlaubs

auf jeden Fall sportlich aktiv.

Auf dem Programm stehen

dann Segelflüge oder Canyoning.

Eine Safari mit meiner Frau

2 in Namibia. Zudem gilt das

Land als Mekka für Segelflieger

mit perfekten Winden und gigantischen

Wolkenstraßen.

Wir fahren mit dem Wohnwagen

in die Schweiz 3 und

genießen den Urlaub auf einem

Bauernhof mit angeschlossenem

Campingplatz. Ohne großen Luxus

und direkt an einem See.

An den Bodensee fahren, der

4 von meinem Wohnort Blaustein

aus in greifbarer Nähe ist.

Nach dem Abitur war ich mit

5 Freunden eine Woche Skifahren

auf einem Gletscher bei

St. Moritz und noch eine Woche

mit dem Zelt in Ligurien.

Krisen, Konflikte und meine

6 Einkommenssteuerklärung.

Die Gedanken an Corona

bleiben bei Alexander Behr,

Geschäftsführer der Behr

Engineering GmbH in Leutkirch,

zuhause.

Beides finde ich schön. Im

1 Sommer bei Sonnenschein

am Strand zu liegen und einfach

einmal die Seele baumeln zu lassen,

gefällt mit genauso gut wie

aktiv zu sein im Urlaub und

Sport zu treiben.

Die Südsee würde ich gerne

2 einmal sehen.

Bis jetzt ist noch nichts geplant,

prinzipiell aber sehr

3

gerne irgendwo ins Warme. Das

Wetter hat sich ja leider dieses

Jahr noch nicht von seiner besten

Seite gezeigt.

In die Berge zum Wandern

4 zu gehen, finde ich sehr

schön, genauso würde mich

aber auch einmal ein Urlaub an

der Ostsee reizen.

Da ich mich mit 21 Jahren

5 selbstständig gemacht habe,

war dies mit Sicherheit noch ein

Campingurlaub mit dem Zelt in

Italien.

Politik, Alltagsstress und

6 Covid-19.


unternehmen [!] RESSORT 49

La Maiena Meran Resort

Marling bei Meran

Fotos: ©La Maiena Meran Resort,

Michael Huber (www.huber-fotografie.at),

RUPERTMUEHLBACHER

KONTAKT

La Maiena Meran Resort | Familie Waldner

Nörderstraße 15 | 39020 Marling bei Meran

Südtirol | Italien

T +39 0473 447000

info@lamaiena.it

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„Hier dreht sich

alles um Ihr

Vergnügen!“

Mathias Waldner,

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Meran hinweg in das reizvolle Etschtal.

WELLNESS UND GENUSS

Hier geben Sie sich ganz dem Genuss hin.

Küchenchef Andreas Schwienbacher zaubert

unvergleichliche kulinarische Kunstwerke

auf den Tisch. Diese werden von den

edlen Tropfen begleitet, die der hauseigene

Sommelier empfiehlt. Um Ihren Aufenthalt

perfekt abzurunden, werden Sie im Wellnessbereich

Sensa Spa Beauty, Hair & Relax

nach allen Regeln der Kunst verwöhnt.


50

NAMEN & NACHRICHTEN unternehmen [!]

EK-Sanierung

abgeschlossen

Krankenhaus Nach elf Jahren

sind die Sanierungsarbeiten am

Krankenhaus Sankt Elisabeth in

Ravensburg abgeschlossen.

266 Millionen Euro teuer waren

die Arbeiten an dem knapp 120

Jahre alten Bau, die bei laufendem

Betrieb von statten gingen.

Die Oberschwabenklinik, die zu

95 Prozent dem Kreis und zu 5

Prozent der Stadt Ravensburg

gehört, ist auch Lehrkrankenhaus

der Uniklinik Ulm. Obwohl

die eigentlichen Baumaßnahmen

abgeschlossen sind, gehen

die Arbeiten auf dem Gelände

weiter: ein neues Parkhaus sowie

ein Neubau für die Klinikverwaltung

stehen noch aus.

Reutlingen

erhält Zuschlag

Forschung Die Informatik-Fakultät

der Hochschule Reutlingen

ist Partner im bundesweiten

Forschungsprojekt KI DeltaLearning

des Bundesministeriums

für Wirtschaft und

Energie. Das Projekt erhält vom

Bundesministerium 27 Millionen

Euro Fördergelder und gehört

zur Leitinitiative autonomes

und vernetztes Fahren des

Branchenverbands VDA, der

deutsche Automobilhersteller

und -zulieferer in diesem Bereich

zu Marktführern machen

will. Die Forschungen in Reutlingen

werden mit 650 000 Euro

gefördert. Die Leitung des Teilprojekts

liegt bei Mercedes.

2014 eröffnete Gastronom Ebbo Riedmüller das Bootshaus am Ulmer Donauufer, das er bis 2017 selbst

betrieben hat. Zwischenzeitlich war das Lokal verpachtet.

Foto: Max Mustermann

Keine neuen Pächter fürs Bootshaus

Auszeichnung

für BW-Bank

Vermögen Das Stiftungsmanagement

der Baden-Württembergischen

Bank (BW-Bank) in

Stuttgart hat beim diesjährigen

Fuchs-Report „Stiftungsvermögen“

in der Gesamtwertung wie

im Vorjahr den ersten Platz belegt.

Auch in der „Ewigen Bestenliste“

steht die Bank weiter

an der Spitze des Rankings.

Harman Becker

streicht Jobs

Der Zugang zum Bootshaus am Ulmer Donauufer

bleibt vorerst weiter für die Öffentlichkeit verschlossen.

Thomas und Diana Eder von Neu-Ulmer Firma

Settele Catering, haben aufgrund der Corona-Pandemie

kein Interesse mehr an einer vorübergehenden

Pacht des schwimmenden Lokals, wie der Eigentümer

und Großgastronom Ebbo Riedmüller zuletzt berichtete.

Jetzt vermiete er das Bootshaus für private

Events solange bis gerichtlich geklärt ist, wer die

Schuld an einem Wasserschaden an dem schwimmenden

Gebäude trägt. Erst dann sei eine längerfristiger

Plan möglich.

Zulieferer Beim Automobilzulieferer

Harman Becker steht in

Ulm erneut ein Stellenabbaubevor.

In der Entwicklung von Infotainment-Systemen

für Autos

(Radio, Handy, Navi) sollen 42

Stellen gestrichen und mehr als

20 an andere Entwicklungsstandorte

wie Karlsbad (bei

Karlsruhe) und Garching verlagert

werden. Das würde die Belegschaft

von zuletzt 130 Mitarbeitern

etwa halbieren. 2013 hatte

Harman Becker Automotive

in der Entwicklung im früheren

AEG-Röhrenwerk in Ulm bereits

mehr als 30 Arbeitsplätze

abgebaut und die Aufgaben nach

Indien verlagert. Das Unternehmen

gehört seit 2016 vollständig

zu, südkoreanischen Samsung-Konzern.

Als Kernelement

von Harman in Ulm soll die Telematik

bleiben.

Impressum

Verlag & Herausgeber

Neue Pressegesellschaft

mbH & Co. KG

Frauenstraße 77

89073 Ulm

Redaktion

Alexander Bögelein (verantwortlich)

a.boegelein@swp.de

Anschrift wie Verlag

Anzeigen

Stefan Schaumburg (verantwortlich)

Anschrift wie Verlag

Gestaltung

Alen Pahic (Art Director)

Max Meschkowski

(Layout & Illustration)

Antje Meyer (Bild)

Fotos Marc Hörger (Titel + Titelinterview),

Volkmar Könneke,

Matthias Kessler, Werkfotos, Getty

Images, PR, Archiv

Druck

Druck- und Verlagsgesellschaft

Bietigheim mbH

Kronenbergstraße 10

74321 Bietigheim-Bissingen

Objektleitung

Tobias Lehmann

Telefon 0731 156-515

t.lehmann@swp.de

Mediaberatung

Christine Blum

Telefon 0731 156-500

E-Mail c.blum@swp.de

Vertriebsservice

unternehmen.vertrieb@swp.de

Den Datenschutzbeauftragten

erreichen Sie unter:

datenschutz@swp.de

Nächste Ausgabe:

14. Oktober 2020

Die Themen

Family Office

Digitale Zeiterfassung

Die Bauwirtschaft im Südwesten

Spezial (Tagungen & Events)

Anzeigenschluss:

16. September

Auflage: 15.000 Exemplare

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unternehmen [!] RESSORT 51

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52 RESSORT unternehmen [!]

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