Kommunaljahrbuch 2019 Kirchanschöring

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Kommunaljahrbuch 2019 der Gemeinde Kirchanschöring

Kommunales Jahrbuch

2019

der Gemeinde Kirchanschöring


Inhaltsverzeichnis

Vorwort

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Leader-Aktivitäten im Jahr 2019 ...................................................................................................................................................

Regionalwerk Chiemgau-Rupertiwinkel .............................................................................................................................

Zuwendungen von EU und Freistaat Bayern ......................................................................................................................

1,2 Millionen Euro für Leaderprojekt ....................................................................................................................................

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Aktivitäten der Ökomodellregion ..................................................................................................................................................

im Jahr 2019

Treffen der Biobraugerstenbauern in Stein ..........................................................................................................................

Bayerisches Superfood im Winter .........................................................................................................................................

Arbeitsgruppe „Heimisches Eiweißfutter“ ............................................................................................................................

So wird Ihr Garten ein Paradies für Insekten, Vögel und Co. ............................................................................................

Klimaschutzwoche des AKG .................................................................................................................................................

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Bauer trifft Bäcker .................................................................................................................................................................. 11

Obstgartentour um den See ................................................................................................................................................ 12

Forum Biodiversität .................................................................................................................................................................

Magazin „Die Bayerin“ ...........................................................................................................................................................

Waldbegehung begeistert Waldbesitzer ............................................................................................................................

Schokolade aus heimischer Biomilch ..................................................................................................................................

Lehrfahrt der Arbeitsgruppe „Heimisches Eiweißfutter“ .....................................................................................................

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Feldvisite mit Verkostung

Regionaltag in Traunstein

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Plastikfasten mit unverpackter Ware ...................................................................................................................................

Ministerin lobt Schlachthof ....................................................................................................................................................

Exkursion mit Grünlandwissenschaftler und Bodenständig ...............................................................................................

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Zu Besuch bei Bio-Pionieren ................................................................................................................................................. 18

Vortrag über die Folgen von Pestiziden ..............................................................................................................................

Klimaschutz und Genuss ........................................................................................................................................................

Was können Schüler für den Klimaschutz tun? ...................................................................................................................

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Bescheidübergabe für ein Ökologisches Pflegemanagement ...................................................................................... 20

Streuobstpflanzaktion geht erfolgreich weiter ...................................................................................................................

Biodiversität - ein wichtiger Faktor in der Landwirtschaft ..................................................................................................

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Genussrechte ........................................................................................................................................................................ 23

Aktivitäten der ILE im Jahr 2019

Projekt Hochwasseraudit .......................................................................................................................................................

Wettbewerb „Digitales Alpendorf“ ......................................................................................................................................

MORO-Netzwerk Daseinsvorsorge .......................................................................................................................................

11

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Öffentlichkeitsarbeit .............................................................................................................................................................. 27

Pflanzung des Baum des Jahres 2019 .................................................................................................................................. 27

Statistische Bevölkerungsdaten der Gemeinde Kirchanschöring

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Die Kommunalpolitik im Jahresfortgang ............................................................................................................................ 30

Januar ......................................................................................................................................................................................

Februar ....................................................................................................................................................................................

März .........................................................................................................................................................................................

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33

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April

Mai

Juni

Juli

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August ..................................................................................................................................................................................... 62

September ............................................................................................................................................................................. 68

Oktober .................................................................................................................................................................................. 71

Dezember .............................................................................................................................................................................. 72

Ausblick des Bürgermeisters

Impressum

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75

2


Vorwort

Mit dem neuen Kommunaljahrbuch 2019 gibt es zum dritten Mal einen kompakten Rückblick über die kommunalen

Angelegenheiten der Gemeinde Kirchanschöring des abgelaufenen Jahres. Doch dieses Mal

kommt dem Jahrbuch eine ganz besondere Bedeutung zu.

Aufgrund der Covid-19-Pandemie und den daraus folgenden Beschränkungen ist es im Jahr 2020 nicht möglich

eine Bürgerversammlung für das Jahr 2019 durchzuführen. Somit ersetzt dieses Kommunaljahrbuch ein

wenig den Bericht des Bürgermeisters in einer Bürgerversammlung.

Vorwort des Bürgermeisters

Was hingegen auf diesem Wege nicht möglich ist, ist der direkte Austausch, wie er in der Bürgerversammlung

üblich ist. Daher bitte ich Sie alle: Nutzen Sie die Möglichkeiten der Kontaktaufnahme über Mail und Telefon.

Auch ein Besuch im Rathaus ist mittlerweile wieder möglich. Kommen Sie vorbei und sprechen Sie mit uns.

Die Inhalte dieses Jahresberichts bilden das Geschehen im Jahr 2019 ab - einer Zeit vor CORONA und vor den

Folgen dieser Pandemie. Wir haben ganz bewusst darauf verzichtet, das Jahr 2019 aus der jetzigen Situation

zu kommentieren. Dies wird Aufgabe des Jahrbuchs für das Jahr 2020 sein.

Betrachtet werden in diesem Jahrbuch aber nicht nur die Angelegenheiten, die die Gemeinde Kirchanschöring

allein betreffen. Wir sind eingebettet in eine sehr aktive Region mit einer regen interkommunalen Zusammenarbeit.

Diese ist auch notwendig, um den Herausforderungen des ländlichen Raums gerecht zu werden.

Und dies gelingt uns offensichtlich sehr gut! Viele Besuchergruppen und Informationsfahrten in unsere Region

und vor allem in die Gemeinde Kirchanschöring belegen dies.

Das überregionale Interesse an unserer Art der Kommunalpolitik ist sehr groß und darauf sind wir stolz und es

ehrt uns.

Nehmen auch Sie sich bitte die Zeit und stöbern Sie ein wenig in den kommunalpolitischen Geschehnissen

des Jahres 2019.

Die herausragende Stellung der kommunalen Ebene wird uns oft erst dann bewusst, wenn wir sehen, wo und

wie diese „kleine Politik“ direkt in unser Lebensumfeld eingreift und diese bestimmt.

Kommunalpolitik erscheint im Vergleich zu Landes- Bundes- oder gar Europapolitik als klein und unbedeutend.

Und doch können wir vor Ort so viel bewegen - wenn wir uns zutrauen neue Wege zu gehen, gemeinsame

Ziele zu fi nden und gemeinsam an unserer Zukunft vor Ort zu arbeiten.

Viel Spaß beim Lesen!

Euer Bürgermeister

- Hans-Jörg Birner -

Wenn der Wind der Veränderung weht,

bauen die einen Mauern,

die anderen Windmühlen.

- chinesisches Sprichwort -

3


Leader-Aktivitäten

Leader-Aktivitäten im Jahr 2019

Kommunen wollen Energieversorgung wieder selbst in die Hand nehmen

Bescheidübergabe „Regionalwerk Chiemgau - Rupertiwinkel“

von links: Heike Messmer (ehemals Management LAG Regionales Entwicklungsforum Berchtesgadener Land),

Franz Rasp (1. Bürgermeister Markt Berchtesgaden), Sebastian Wittmoser (LEADER-Koordinator Oberbayern-Süd),

Hans-Jörg Birner (1. Bürgermeister Kirchanschöring),

Konrad Schupfner (Vorsitzender LAG LEADER Traun-Alz-Salzach ,Bürgermeister a.D Tittmoning),

Herbert Häusl (Bürgermeister a. D. Waging am See), Franz Röckenwagner (Geschäftsstellenleiter VG Waging am See),

Christian Fechter (Management LAG Chiemgauer Seenplatte)

vorne: Elke Ott (Management LAG LEADER Traun-Alz-Salzach)

Foto: Elke Ott / LAG LEADER Traun-Alz-Salzach

Für fünf bis sieben Kommunen wurde sie ausgearbeitet,

die Machbarkeitsstudie „Regionalwerk

Chiemgau-Rupertiwinkel“.

23 Kommunen hatten dazu eine Arbeitsgemeinschaft

gegründet, aufgeteilt in vier lokale Aktionsgruppen

(LAGs), nämlich Traun, Alz, Salzach,

Berchtesgadener Land, Chiemgauer Seenplatte

und Chiemgauer Alpen. Es geht - grob gesagt -

um die „Re-Kommunalisierung“ der Energieversorgung.

Nun gilt es, auch die Gemeinderäte und die

Öffentlichkeit ganz allgemein ins Boot zu holen. Dazu

wurde die von der Bietergemeinschaft Sterr-Kölln

& Partner und endura kommunal GmbH ausgearbeitete

Studie in der „Alten Post“ in Teisendorf vorgestellt:

von Jörg Pfeifer, endura-Geschäftsführer,

Heribert Sterr-Kölln und Franziska Benz, anwaltschaftliche

Partnerin bei Sterr-Kölln sowie Hans-

Jörg Birner, Bürgermeister von Kirchanschöring. Er

ist zugleich Projektleiter der Lenkungsgruppe, ein

öffentlich gefördertes Leader- und Kooperationsprojekt

mehrerer Kommunen.

Birner stellte die Grundvoraussetzungen, Ziele, Vorteile

und Auswirkungen des Regionalwerks aus verschiedenen

Blickwinkeln vor.

Teisendorfs Bürgermeister Thomas Gasser freute

sich in seinem Grußwort darüber, dass in Teisendorf

ein „Startschuss für eine historische Gründung“ abgegeben

werden könne. Es gehe „um eine de-

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zentrale, auf erneuerbaren Energien basierende

Energieversorgung vor Ort auf einer Plattform mit

regionalen Unternehmen und unter Beteiligung

kommunaler Akteure“.

Der Tenor ist eine interkommunale Zusammenarbeit,

da einzelne Kommunen das Problem der

Energieversorgung nicht allein stemmen können.

Nach einer Welle der wirtschaftlich wenig erfolgreichen

Privatisierung in den 1990er Jahren gehe

es jetzt um eine Rückführung von vormals an Dritte

verkauftes Eigentum in kommunale Hand, da die

Energiewende einen Paradigmenwechsel benötige,

so Birner. Es gehe um regionale Wertschöpfung,

Ausbau von Arbeitsplätzen und eine Daseinsvorsorge

in kommunaler Hand, ebenso wie um

Nachhaltigkeit in der Energiestrategie.

Energieversorgung in öffentlicher Hand bringe

nicht nur wirtschaftliche Vorteile, sondern auch

eine hohe Versorgungssicherheit und Akzeptanz

durch die Bürger.

Das Regionalwerk Chiemgau-Rupertiwinkel als gemeinsames

Kommunalunternehmen (RCR-gKU)

soll eine Anstalt des öffentlichen Rechts sein. Ein

Beschlussvorschlag wurde vorgestellt.

ihren einzelnen Schritten und die möglichen Geschäftsfelder

in einer Potenzialanalyse der Fachbereiche

Stromvermarktung und Wärme vor.

Mit einem Umsetzungsplan der einzelnen Geschäftsfelder

und einer Tabelle mit Ertragsplanung

zeigte Sterr-Kölln die wirtschaftlichen Vorteile auf.

Bei fünf bis sieben Kommunen ist die Einlage pro

Teilnehmer 50.000 Euro für zwei Jahre. Je mehr

Kommunen sich daran beteiligen, umso geringer

ist die Einlage. Und die Rechtsform gKU erlaubt die

Beteiligung aller interessierten Gemeinden.

Wer nicht an der Machbarkeitsstudie beteiligt ist,

zahlt lediglich zehn Prozent mehr für seine Einlage

bei gleichem Stimmrecht. Der Gründungszeitpunkt

ist für Frühjahr 2020 geplant, die erste konkrete Geschäftstätigkeit

ab Herbst 2020.

Die abschließende Frage sei nicht, ob dieses Regionalwerk

umgesetzt wird, sondern ob die einzelne

Kommune dabei sein und in diese Geschäftsidee

investieren will, ob sie sich an der Gestaltung ihrer

Zukunft beteiligen will und ob sie gemeinsam mit

anderen Kommunen ein Problem lösen möchte,

das sie allein nicht lösen kann, so Sterr-Kölln zusammenfassend

in seiner Rede.

Leader-Aktivitäten

Der Vertreter des kommunalen Dienstleisters

endura, Rolf Pfeifer, hatte sich gemeinsam mit

Heribert Sterr-Kölln mit der Frage beschäftigt, ob

23 Kommunen ein Regionalwerk gründen können

und ob dafür genügend Wertschöpfungspotenzial

vorhanden ist. Pfeifer stellt die Projektplanung in

In der anschließenden, lebhaften Diskussion mit

Beiträgen von Gemeindeoberhäuptern und Gemeinderäten

gab es Fragen zur Rechtsform des

Regionalwerks, zum Zeitplan und zur Wirtschaftlichkeit.

Text: Brigitte Janoschka

Zuwendung von EU und Freistaat Bayern

Finanzielle Unterstützung in Höhe von 25.660 Euro für Schau-Bienenhaus samt Erschließung in Kirchanschöring

Kindsein ist heutzutage oft mit der Entfremdung von der Natur verbunden. Wie die Kinder lernen müssen, dass

die Milch von der Kuh kommt und nicht aus dem Tetra Pak, so muss auch das Verständnis für die Unverzichtbarkeit

der Bienen aktiv geweckt werden, denn die Tiere sind Bestäuber vieler Nahrungs- und Kulturpflanzen.

Mit einem Schau-Bienenhaus in zentraler Ortslage möchte der Imkerverein Kirchanschöring vor allem Kinder

und Jugendliche ansprechen, damit sie die Bienen sowie deren Haltung und enorme Bedeutung real erleben

und kennen lernen.

Dieses Schau-Bienenhaus entsteht auf einem gemeindlichen Grundstück, das zwischen der Götzinger Achen

und der Bannpointstraße östlich vom Georg-Hofer-Weg liegt. Die Gemeinde will das Grundstück über einen

neuen Weg erschließen. Entlang des Wegs sollen einige Schautafeln und Sitzbänke aufgestellt werden, die

Ruhe- und Entspannungsmöglichkeiten bieten. Sowohl das Gebäude als auch der neue Weg werden als

Leader-Projekt von der Europäischen Union (EU) und vom Freistaat Bayern gefördert.

Die Idee des Projekts entstand im Imkerverein, der sich regelmäßig am Ferienprogramm der Kinder beteiligt,

um sie in die Geheimnisse einzuweihen, die sich im Bienenstock verbergen. Das Interesse an diesen Veranstaltungen

auf dem Bienenlehrpfad in Wolkersdorf ist riesig, denn es meldet sich regelmäßig eine große Schar

von Mädchen und Buben an. Daher würde der Imkerverein mit seinem Vorsitzenden Helmut Hofmeister den

Kindern gerne öfters einen Einblick in die Welt der Bienen gewähren, aber der Bienenlehrpfad liegt zu weit

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Leader-Aktivitäten

entfernt von der Schule und vom Ortskern.

Deshalb erarbeitete eine Gruppe um Hofmeister über Monate hinweg ein Konzept und ging auf die Suche

nach einem geeigneten Platz, der von Kindergarten- und Schulkindern leicht zu Fuß zu erreichen ist. Bürgermeister

Hans-Jörg Birner bot das Grundstück an der Ache an, und der Gemeinderat segnete das Projekt ab.

Die Gesamtkosten der Maßnahme belaufen sich auf rund 70.000 Euro.

Bei der Übergabe des Förderbescheids direkt auf dem gewählten Areal freute sich Bürgermeister Birner über

die Initiative und das große Engagement der Mitglieder des Imkervereins, das mit dem Bau des Gebäudes

erst richtig losgeht, denn die Vereinsmitglieder betreuen die Anlage dann während des ganzen Jahres.

„Sie machen die Kinder mit wichtigen Themen der Bienenhaltung vertraut.“ Dafür kooperiere man nicht

nur mit der örtlichen Grundschule, sondern auch mit der Mittelschule Salzachtal. Aber generell stünde das

Schau-Bienenhaus natürlich allen Bürgern offen. Der gewählte Standort eigne sich hervorragend, er liege

bürgernah mitten im Ort, ohne dass eine Gefahr von den Bienen ausgehe.

„Wir waren sehr froh, das Projekt über Leader abdecken zu können.“ Die Imker hätten dies alleine nicht

stemmen können. Die Bienenzüchter in Kirchanschöring mit ihren vielen jungen Mitgliedern und einer ebenso

jungen Vorstandschaft seien unheimlich dynamisch und freuten sich schon auf ihre neue Aufgabe, lobte

Birner den Ortsverein.

Freuen sich über den Zuwendungsbescheid (von links):

Leader-Koordinator Sebastian Wittmoser, der die Leader-Projekte im südlichen

Oberbayern betreut; Ehrenvorsitzender der Kirchanschöringer Imker,

Siegfried Zehentner; Bürgermeister Hans-Jörg Birner; Vorsitzender der Leader-

Aktionsgruppe (LAG) „Traun-Alz-Salzach“, Konrad Schupfner

Der Rathauschef durfte dann einen Zuwendungsbescheid

in Höhe von 25.660

Euro entgegennehmen. Den überreichte

Leader-Koordinator Sebastian Wittmoser

vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und

Forsten in Rosenheim im Beisein des Vorsitzenden

der Leader-Aktionsgruppe (LAG)

„Traun-Alz-Salzach“, Konrad Schupfner,

und des Ehrenvorsitzenden der Kirchanschöringer

Imker, Siegfried Zehentner.

Wittmoser, der die lokalen Aktionsgruppen

im südlichen Oberbayern betreut,

bezeichnete die Zusammenarbeit mit der

Leader-Aktionsgruppe „Traun-Alz-Salzach“

dabei als hervorragend und erinnerte an

das Motto des Förderprogramms „Bürger

gestalten ihre Heimat“. Aus seiner Sicht

habe Kirchanschöring dieses Kriterium erfüllt,

betonte Wittmoser.

Gerade die Einbindung der Bürger und die Zusammenarbeit in den Projekten sichere die Qualität der Maßnahmen

und deren Akzeptanz in der Bevölkerung, mache es andererseits dadurch aber auch aufwändiger.

Von den acht Leader-Gruppen im südlichen Oberbayern sei die „Traun-Alz-Salzach“ eine der jüngsten in der

Region. Deren Managerin Elke Ott, die ebenfalls vor Ort war, kenne sich bestens aus und stehe den Interessenten

beratend zur Seite.

Das Budget dieser Aktionsgruppe belaufe sich in der Förderperiode 2014 bis 2020 auf 1.558.000 €. „Davon sind

bislang rund 900.000 Euro für verschiedene Projekte in unserem Raum abgerufen worden.“ Das europäische

Förderprogramm für den ländlichen Raum Leader in Bayern gelte als das erfolgreichste in der EU. Leader

diene der Stärkung des ländlichen Raums. Dafür stünden in Bayern rund 111 Millionen Euro an EU- und Landesmitteln

bereit.

„Ich hoffe, das Schau-Bienenhaus wird gut und von möglichst vielen angenommen“, wünschte sich Zehentner.

Daran hat Schupfner, der auch Bürgermeister von Tittmoning ist, nicht den geringsten Zweifel: „Auch bei uns

gibt es einen Lehrbienenstand. Das ist ein Punkt mit sehr hohem Wert, an dem viel Fachwissen vermittelt wird.“

Bei diesem Schau-Bienenhaus handelt es sich um ein Umweltprojekt, das von Leader ebenso gefördert wird

wie etwa Kultur- und Tourismusprojekte oder Projekte der Regionalentwicklung. Die Ziele der Projekte müssen

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den Entwicklungsstrategien der Leader-Aktionsgruppe entsprechen.

Für die Gemeinde Kirchanschöring hat Bürgermeister Birner, der zudem stellvertretender Vorsitzender der

LAG ist, den Zuschuss beantragt, da er sich auch schon im Vorfeld mit den Imkern Gedanken um die Finanzierung

gemacht hatte.

Text & Foto: Anneliese Caruso

Leader-Aktivitäten

1,2 Millionen Euro für Leader-Projekte

Die Lokale Aktionsgruppe (LAG) Leader Traun-Alz-

Salzach traf sich zum Mitgliederversammlung im

Postsaal-Gewölbe in Trostberg. Leader ist ein Förderprogramm

der Europäischen Union und des

Freistaats Bayern mit dem Ziel, die ländlichen Regionen

weiter zu entwickeln sowie wirtschaftlich,

sozial und kulturell zu stärken.

Der LAG Leader Traun-Alz-Salzach gehören 90 Mitglieder

an, berichtete der Vorsitzende der LAG,

Tittmonings Bürgermeister a.D. Konrad Schupfner:

die Kommunen Fridolfing, Kirchanschöring, Palling,

Petting, Taching am See, Tittmoning, Traunreut,

Trostberg, Waging am See, Wonneberg (alle Landkreis

Traunstein), Feichten, Garching, Halsbach,

Kirchweidach und Tyrlaching (alle Landkreis Altötting)

sowie 75 private Mitglieder, zu denen auch

drei Vereine zählen.

LAG-Managerin Elke Ott berichtete über den

Stand der Lokalen Entwicklungsstrategie (LES).

Wesentlicher Bestandteil der LES sind die drei Ziele,

mit denen die Region in den nächsten Jahren weiterentwickelt

werden soll.

Entwicklungsziel 1 beinhaltet die Förderung und

Vernetzung von Kultur, Tourismus und Freizeit, das

Entwicklungsziel 2 die Gestaltung des demografischen

Wandels und das Entwicklungsziel 3 das Leben

mit der Natur und „Kulturlandschaft erleben“.

Zur Projektliste der LAG Leader Traun-Alz-Salzach

gehören elf Einzelprojekte in den Kommunen,

zu denen unter anderem das „Haus der Vereine“

in Schönram (Leader-Mittel: 198.480,80 Euro),

der Dorfstadel in Brünning (190.754,67 Euro), die

Neu- und Umgestaltung des Bajuwarenmuseums

Waging am See (76.500,42 Euro), der Schaubienenstand

in Kirchanschöring (25.661,66 Euro), die

Kneipp- und Erholungsanlage in Kirchweidach

(42.022,69 Euro) sowie die Ausstattung des Bürgersaals

und der Vereinsheime im Gasthof „Zur Post“

in Tyrlaching zählen.

Zu den 14 Kooperationsprojekten, in denen Kommunen

zusammenarbeiten, gehören unter anderem

das Wanderwegekonzept für die Regionen

Traun-Alz-Salzach und Berchtesgadener Land

(Leader-Mittel: 19.851,61 Euro), die Beschilderung

des Radwegenetzes Inn-Salzach (24.363 Euro), das

Kooperationsprojekt Museumsnetzwerk Chiemgau

(3701 Euro), das ökologische Grünflächenmanagement

für Gemeinden ( 78.624 Euro) und die Umsetzung

des Markenprozesses Chiemsee-Chiemgau

(9686,40 Euro).

Für die Einzelprojekte gab es insgesamt 900.000

Euro für bewilligte Projekte, für die Kooperationsprojekte

300.000 Euro.

Der Dorfstadel in Brünning

Foto: Elke Ott / LAG LEADER Traun-Alz-Salzach

Das Vereinsheim in Schönram

Foto: Elke Ott / LAG LEADER Traun-Alz-Salzach

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Leader-Aktivitäten & Aktivitäten der ILE

Die Mitgliederversammlung beschloss einstimmig,

den Aktionsplan fortzuführen. Eine Änderung gab

es jedoch bei der Finanzierung der Entwicklungsziele.

Der einhellige Beschluss der Versammlung

„Die Verteilung der festgesetzten Fördermittel

von Einzelprojekten im Entwicklungsziel 3 in

Höhe von 130.000 Euro wird dem Steuerkreis

übertragen. Ihm ist die Entscheidung überlassen,

welche Entwicklungsziele je nach Projektanträgen

bedient werden.

Die gleiche Regelung tritt auch auf die Verteilung

der Kooperationsprojekte zu.“

Sebastian Wittmoser, Leader-Koordinator Oberbayern

Süd, den Schupfner „Geburtshelfer“ der

LAG Leader Traun-Alz-Salzach nannte, bezeichnete

die Projekte, über die Ott berichtet hatte,

als Vorzeigeprojekte. „Man kann nur gratulieren,

was Sie bisher gemacht haben“, lobte er die LAG,

„macht weiter so.“

Zwei Referate gehörten zum Programm der Mitgliederversammlung:

Trostbergs Bürgermeister Karl

Schleid stellte das Leader-Projekt „Pflegemanagement

von Grünflächen der Stadt Trostberg“ vor.

„Naturnaher Garten - Insektenvielfalt erreichen“

lautete das Thema eines Vortrags von Dieter

Pasch, Direktor der Bayerischen Akademie für Naturschutz

und Landschaftspflege (ANL) Laufen.

Text: Michael Falkinger

Ökologisches Pflegemanagement

Das „Ökologische Pflegemanagement“ ist ein Thema, das Leader, ILE und Ökomodellregion vereint.

Die drei Institutionen arbeiteten hier hervorragend Hand in Hand. Als Idee aus der Ökomodellregion

wird das Projekt durch LEADER gefördert und von der ILE administrativ unterstützt.

Einen Bericht über die Bescheidübergabe finden Sie hierzu unter der Rubrik „Aktivitäten der Ökomodellregion“

auf der Seite 25.

Man weiß oft nicht, was man an der Heimat hat,

bis man in die Ferne kommt.

- Deutsches Sprichwort -

Foto: Oliver Freudenthaler / Schröck-Freudenthaler

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Aktivitäten der Ökomodellregion im Jahr 2019

Treffen der Biobraugerstenbauern in Stein im Januar

15 Landwirte liefern Biobraugerste an die Brauerei Stein, die daraus

die „Waginger See Hoibe“ bzw. fünf Sorten Biobiere herstellt.

Links im Bild Braumeister Markus Milkreiter

Foto: Anneliese Caruso

Schon früh hat sich in der Ökomodellregion ein Vertragsanbau

zum fairen Preis zwischen heimischen

Biobauern und der Schlossbrauerei Stein entwickelt.

Beim jährlichen Treffen zwischen Landwirten

und der Schlossbrauerei mit dem ersten Braumeister

Markus Milkreiter (links vorn im Bild) ging es um

Preise, Liefermengen, Qualitätsanforderungen wie

Eiweißgehalt, Körnerreinigung und Reinigungsanlage,

die Auslastung der Mühle und Lagerstätten

sowie über Aussaat, Böden, Bodenpflege, Klima

und die strengen Vorschriften, die beim ökologischen

Anbau von Bio-Gerste zu beachten sind.

Der Vertragsanbau erfordert eine gute und regelmäßige

Abstimmung zwischen Brauer und Landwirt.

Am Ende fiel die Ernte 2019 wegen der abermaligen

Trockenheit - Braugerste wird vor allem auf

leichten, kiesigen Böden angebaut, wo sich der

Wassermangel besonders bemerkbar macht - kleiner aus als erhofft, insbesondere die Körnergrößen blieben

unter den Erwartungen. Die Qualität der Biobraugerste war dennoch zufriedenstellend. Für 2020 haben sich

wieder 15 Landwirte für die erneute Kooperation gemeldet.

Auch die Kooperationsprojekte mit Barnhouse - Anbau von Biodinkel und Hafer für Knuspermüsli -, mit Byodo

(Feinkosthändler aus Mühldorf) zum Anbau von Biosenf und der Anbau der extensiven Landsorte Laufener

Landweizen entwickeln sich stetig weiter.

Beteiligt sind jeweils etwa ein Dutzend Landwirte aus der Ökomodellregion und drumherum.

Aktivitäten der Ökomodellregion

Gelungener Abend rund um „Bayerisches Superfood im Winter“

Müssen wir unbedingt auf Lebensmittel zurückgreifen,

die um die halbe Welt gekarrt

worden sind, um gesund zu bleiben, oder

wächst vielleicht auch in der Region Gemüse,

dem ähnlich positive Eigenschaften

zugeschrieben werden wie beispielsweise

dem „Wunder-Samen“ Chia?

Maria Stadler, Köchin der Salzachklinik, referiert im Haus der Begegnung

zum Thema „Bayerisches Superfood - heimisches Wintergemüse“ im Januar.

Foto: Michael Steinmaßl

Mit dieser Frage beschäftigte sich ein, von

der Ökomodellregion organisierter, Vortrags-

und Diskussionsabend im Haus der

Begegnung, der unter dem Motto „Bayerisches

Superfood im Winter“ heimisches

Wintergemüse in den Mittelpunkt rückte.

Dabei referierte nicht nur der Kirchanschöringer

Biobauer Michael Steinmaßl über

den Anbau von winterlichem Gemüse, sondern

auch die, an der Fridolfinger Salzachklinik tätige, Ernährungsberaterin Maria Stadler. Sie informierte über

die Inhalts- und gesundheitsfördernden Stoffe der Roten Beete, Kartoffel, Schwarzwurzel und des Knollen- und

Stauden-Selleries, des Kohlrabis, Feldsalats, Sauerkrauts sowie des Grünkohls und Kürbisses.

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Aktivitäten der Ökomodellregion

Welche leckere Gerichte man aus diesen knackig frischen und aromatischen Gemüsesorten zaubern kann, die

obendrein Abwechslung auf den Teller bringen, durften die zahlreichen Besucher dann bei einer Verkostung

an einem einladenden Büffet erleben.

Arbeitsgruppe „Heimisches Eiweißfutter“ weiter aktiv

Die Arbeitsgruppe „Regionales Eiweißfutter“ trifft sich beim Rothlerwirt

Foto: Alois Albrecht

Der Anbau von heimischem Eiweißfutter gewinnt

stetig an Bedeutung. Immer mehr Landwirte setzen

darauf, von importierten Eiweißfuttermitteln

unabhängiger zu werden.

Dabei spielt der Wunsch nach gentechnisch unveränderten

Futtermitteln in Zusammenarbeit mit

den Molkereien eine große Rolle. Beim Rothlerwirt

trafen sich ein Dutzend Landwirte, um sich über die

Erfahrungen in der Fütterung mit selbst erzeugten

Eiweißfuttermitteln auszutauschen.

Je nach Futtermittel und Milchleistung werden diese

in unterschiedlichen Anteilen in der Ration für die Milchkühe verwendet und können z.B. Importsoja ersetzen.

Angebaut werden Ackerbohnen, dank des wärmeren Klimas und Fortschritten in der Züchtung werden

inzwischen auch Soja- und Biosojabohnen bei uns angebaut. Bewertet wurden auch die Ergebnisse und

Erfahrungen mit dem Anbau von Wiesennachsaat, Kleegras, Luzerne, mit Rotklee als „Greeningfläche“ und

ein Gemenge aus Weizen und Erbsen.

So wird Ihr Garten ein Paradies für Insekten, Vögel und Co.

Infoveranstaltung für Bürger und Verbraucher im März

Wir sind alle für mehr Artenvielfalt verantwortlich,

den Beginn können wir in

unserem Garten machen.

Das wurde bei einer sehr gut besuchten

Veranstaltung der Ökomodellregion

in Fridolfing deutlich. Die Referenten

Beate Rutkowski vom BN Traunstein

und Wildbienenexperte Christian

Müller geben dazu Tipps:

Weniger Gartenarbeit hilft am allermeisten

- lassen Sie mal was stehen

und liegen!

Lassen Sie unbedingt Spritzmittel und

Kunstdünger weg!

Schaffen Sie Strukturvielfalt!

Lassen Sie es das ganze Jahr über

blühen!

Imker und Wildbienenzüchter Christian Müller

stellt Wildbienenhotels für Mauerbienen vor.

Foto: Jessica Romstötter

Auch ohne Garten geht‘s, z.B. mit Wildblumen und heimischen Kräutern im Blumenkasten. Weitere Tipps gibt

es bei den örtlichen Gartenbauvereinen oder bei der Kreisfachberatung für Gartenbau, Markus Breier, im

Landratsamt.

Kurz nach einem Sendebeitrag vom 27.03.2019, Bayernwelle, Elena Mayer

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ÖMR beteilt sich an der Klimaschutzwoche des AKG im April

Welchen Beitrag kann gesunde Ernährung

für den Klimaschutz leisten?

Zum zweiten Mal beteiligte sich die Ökomodellregion

an der Klimaschutzwoche

im Annette-Kolb-Gymnasium in Traunstein.

Zwei Schülerarbeitsgruppen befassten sich

damit, was Saisonalität konkret bedeutet

- und welche Auswirkungen unser Ernährungsverhalten

auf den Klimaschutz und

unseren „ökologischen Fußabdruck“ hat.

Aktivitäten der Ökomodellregion

Abschluss mit den Referenten der Klimaprojektwoche

am Annette-Kolb-Gymnasium Traunstein

Foto: Beate Rutkowski

Und was gab‘s im April saisonal zu Verkosten?

Z.B. Vollkornbrot aus heimischem Biogetreide

mit Bärlauchbutter und Radieschen.

Bauer trifft Bäcker

Tenglinger Kooperation als Vorbild für heimische Bio-Wertschöpfungsketten

Traditions- oder ernährungsbewusste Kunden werden

beim Besuch einer Traditionsbäckerei eher

fündig als beim Discounter, denn echte Handarbeit

und Produkte mit wenig Zutaten gibt‘s nur

beim Bäcker um die Ecke.

Einer von ihnen ist Ernst Wenig, der in der Ortsmitte

von Tengling einen kleinen Familienbetrieb führt.

Die Bäckerei Wenig hat sich kürzlich in Zusammenarbeit

mit der Ökomodellregion biozertifizieren lassen,

nimmt also zusätzlich zu ihren herkömmlichen

Backwaren zertifizierte Biowaren ins Sortiment auf.

Eigens dafür entwickelt wurde das neue „Tenglinger

Landbrot“, ein Brot fast ausschließlich mit Biozutaten

aus dem eigenen Dorf.

„Unsere Kunden kaufen das Tenglinger Landbrot,

das immer montags gebacken wird, vor allem,

weil es ihnen schmeckt. Dass es sich dabei um regionales

Biogetreide handelt, wissen die meisten

noch nicht“, erklärt der passionierte Bäcker Wenig.

Bäcker Wenig (3. von links) und Azubi Magdalena Wenig (2. von links)

mit Bürgermeisterin Ursula Haas (Taching), Bäckergesellin und

Biogetreidelieferant Franz Obermeyer aus Tengling

Foto: Anneliese Caruso

Ernst Wenig macht es Freude neue Dinge anzupacken. Die Verarbeitung von bioregionalem Getreide erfordert

echtes handwerkliches Können, weil das Getreide jedes Jahr anders ist. Der Bäcker muss durch spezielle

Methoden die Backeigenschaften des Mehls testen. „Für das Tenglinger Landbrot verwenden wir zu 80

Prozent Roggen und Roggenschrot sowie 20 Prozent wenig ausgemahlenen Weizen.“ Es handelt sich um ein

Sauerteigbrot. „Den Teig lasse ich über Nacht ruhen und gären, ehe ich ihn am nächsten Tag backe.“

Den Roggen und Weizen für das Tenglinger Landbrot liefert ausschließlich der ebenfalls in Tengling ansässige

Demeter-Betrieb von Franz Obermeyer.

Die Bäckerei Wenig bereichert mit ihrer Entscheidung für die zusätzliche Bioschiene das Netzwerk an Bäckereien

in der Ökomodellregion, die Biogebäck aus heimischer Erzeugung mit anbieten, wie z.B. die Biobäckerei

Wahlich aus Surheim, Neumeier aus Teisendorf, Mirlach in Palling und Fridolfing oder Bäcker Huber in Waging.

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Aktivitäten der Ökomodellregion

Obstgartentour um den See

Die Frühlings-Obstwiesenradltour um den Waginger

See startete mit einer Führung beim Bienenhaus

im Waginger Kurpark. Imker Hans Wagenstetter,

Vorsitzender des Bienenzuchtvereins, erwartete das

Dutzend Radler dort, um ihnen den Lebenszyklus und

die ökologische und wirtschaftliche Bedeutung der

Bienen nahezubringen.

Die dort vor wenigen Jahren neu angelegte Obstwiese

leistet einen Beitrag, um die Bienenvölker im

Kurpark und weitere Bestäuber mit Nahrung zu versorgen.

Auf der Streuobstwiese in Au bei Taching, der nächsten

Radlstation, gab Carsten Voigt vom Landschaftspflegeverband

Traunstein Tipps zu den Förderkriterien

Obstwiesenradltour um den Waginger See

für Streuobstpflanzungen, bevor die Gruppe zum

Foto: Alois Albrecht

Betrieb von Sepp Frisch am Ortsrand von Tettenhausen

weiterradelte. Begeistert waren die Teilnehmer vom großzügig neu errichteten Bienenhaus im Garten der

Familie Frisch, in das bald Bienenvölker einziehen sollen. Der vielfältige Obstanger mit alten und neuen Hochstämmen,

von Birnbaum bis Pfirsich, bietet dafür ideale Voraussetzungen. Markus Breier, Kreisfachberater für

Gartenbau, demonstrierte den Teilnehmern hier den notwendigen Erziehungsschnitt für Jungbäume.

Nächster Haltepunkt auf der Obstwiesentour waren zwei Obstanger in Lampoding, die der Gemeinde

Kirchanschöring gehören und von Vereinen mit beerntet und betreut werden.

Den Abschluss der Tour bildete eine Führung durch die große Obstwiese in Ebing, die von einer ehrenamtlichen

Gruppe von Baumpaten unter Anleitung des Ehepaars Bobenstetter aus Waging gepflegt wird. Die Teilnehmer

der Obstwiesenradltour waren von den Informationen zur vielschichtigen Bedeutung der Obstwiesen

als Nahrungs- und Lebensraum beeindruckt.

Teilnahme der Ökomodellregion am Forum Biodiversität im Mai

Was kann die Ökomodellregion für

mehr Biodiversität tun? Warum kann

der Ökolandbau Beiträge zur Biodiversität

leisten? Was können die Gemeinden

und Bürger konkret tun?

Diese und weitere Fragen beantwortete

die Ökomodellregion am „Forum

Biodiversität“ des bayerischen

Staatsministeriums in München, zu

dem Ministerin Michaela Kaniber eingeladen

hatte. Auf offene Ohren in

der zugehörigen Arbeitsgruppe stieß

z.B. das „ökologische Pflegekonzept

für kommunale Grünflächen“, das

in Zusammenarbeit mit Leader, dem

Bayerischen Naturschutzfonds, der

Gemeinde Kirchanschöring und der

Ökomodellregion vorbereitet wird.

Beim Forum Biodiversität des BSTMELF in München präsentierte sich auch unsere

Ökomodellregion. Auf dem Bild: Referent Alois Glück, ehemaliger Landtagspräsident

Foto: StMELF, Hase

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Öffentlichkeitsarbeit in vielen Medien, Magazin „Die Bayerin“

Michi Steinmaßl, Biogemüsebauer aus Kirchanschöring, wird mit

anderen Biodirektvermarktern im Magazin „Die Bayerin“ präsentiert

Foto: Stephan Kainzl-Hönig

Im Magazin „Die Bayerin“ wurde das Thema

„Bayerisches Superfood“ anhand von Biodirektvermarktern

aus unserer Ökomodellregion präsentiert.

Porträtierte Betriebe waren der Gemüsebauer

Michael Steinmaßl aus Watzing, der Bioziegenbetrieb

von Monika Obermeier aus Fridolfing,

der Ölmüller Hans Niedl aus Aiging, die Bäckerei

Wahlich aus Surheim, Simon Angerpointner aus

Taching mit dem Anbau von Laufener Landweizen

sowie der Hanfbauer Hans Posch aus Nußdorf.

Auch im Münchner Stadtmagazin „in München“

erschienen regelmäßig Beiträge zur Ökomodellregion.

Die „Bayernwelle“ griff mehrfach Themen

aus der Ökomodellregion in Rundfunkbeiträgen

auf, auch das Regionalfernsehen und das Bayerische

Fernsehen berichteten u.a. über die Genussregion

Waging, den Anbau von Laufener Landweizen,

die Biogenussradltour oder die Ausgabe

von Genussrechten der Biobäckerei Wahlich.

Aktivitäten der Ökomodellregion

Waldbegehung im Mai begeistert die Waldbesitzer

Viele interessierte Waldbauern nehmen an der Begehung zum Thema „artenreiche Waldsäume“ in Wonneberg teil.

Foto: Stephan Strasser

Waldsäume als Übergangsbereiche zwischen Wald und offener Landschaft zeigen oft wie Seismographen

den Zustand des dahinter liegenden Wirtschaftswaldes und erfüllen wichtige Aufgaben für Biodiversität,

Wasserhaushalt und Sturmschutz. Ihre Bedeutung als „Dienstleister für die Landschaftsökologie“ wird stark

unterschätzt: Diese Erkenntnis nahmen die Teilnehmer des Waldbegangs mit, zu dem die Ökomodellregion

Waginger See - Rupertiwinkel nach Wonneberg eingeladen hatte.

Was Waldbauer Gottfried Reiter bei der fast dreistündigen Begehung von dreißig Waldbesitzern und Interessenten

vorstellte, konnte sich sehen lassen: Von der blühenden Krautschicht über die artenreiche Strauchschicht

bis zu den vielfältigen Lichtbaumarten in der Oberschicht ist seine Hecke strukturiert wie in einem

Lehrbuch. Nicht nur dem Auge hat sein abgestufter Waldrand mit blühenden Vogel- und Traubenkirschen,

Wildbirne und Wildapfel viel zu bieten: Er ist Nahrungs- und Brutraum für eine Fülle von Wildbienen, Schmet-

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Aktivitäten der Ökomodellregion

terlingen, Vögeln und Kleinsäugern. Der Saum liefert dem Wald Eicheln und andere Samen für die Waldverjüngung

und erhöht somit den Artenreichtum. Er stabilisiert den Waldrand durch seine abgestufte Struktur bei

Wind und Sturm und baut mit den vielen Laubbäumen Speicherhumus auf, unentbehrlich für einen stabilen

Wasserhaushalt.

Ein artenreicher, gestufter Waldrand, eine reich strukturierte Hecke mit hoher Biodiversität entwickeln sich

allerdings nicht ganz von selbst, sie müssen vom Menschen geschaffen und auf Dauer gepflegt werden.

Begeistert war deshalb auch Förster Max Poschner, der die Begehung leitete und die Besonderheiten vorstellte.

„Im Wald gibt es nirgends so viele Arten wie an diesem vielfältigen Saum. Hier finden wir eine genetische

Vielfalt, die wir für später sichern müssen“, so Poschner.

Auch Carsten Voigt vom Landschaftspflegeverband betonte den Wert natürlicher Waldsäume als Lebensraum

und verwies auf Fördermöglichkeiten über die Landschaftspflegerichtlinien, die teilweise höher seien

als waldbauliche Förderprogramme. Dies sei auch dringend nötig, denn die vielfältigen Waldsäume sind

aufgrund ungünstiger Förderbedingungen vielerorts aus der Landschaft verschwunden.

Schokolade aus heimischer Biomilch - Biomilchgespräch im Juni

Auf dem Biomilchmarkt gibt es Anzeichen der Entspannung.

Pressegespräch mit (3. von links) Eva Bernauer (Tourismusverband Waging),

Barbara Steiner-Hainz (4. von links, Molkerei BGL), Stephan Scholz (Naturland),

Hans Posch (Biohanf), Astrid Günther (Biomilchschokolade)

und Familie Hans und Dorothee Englschallinger

Foto: Hans Eder

Es herrsche bei nicht wenigen Bauern eine

positive Grundstimmung, ihre Betriebe auf

biologischen Landbau umzustellen - das

war der Eindruck der Beteiligten beim Biomilchmarktgespräch

mit Experten auf dem

Hof von Hans Englschallinger in Tittmoning.

„Eine Umstellung auf Bio mit dem Anspruch,

viel eigenes Grundfutter und wenig zugekauftes

Kraftfutter einzusetzen, beruht nicht

auf maximaler Milchleistung. Das führt für

alle Landwirte, ob bio oder konventionell,

mittelfristig zu einer Entlastung am allgemeinen

Milchmarkt“, so Marlene Berger-Stöckl,

Projektleiterin der Ökomodellregion.

Dazu gehört es manchmal auch, neue Absatzmärkte

zu finden - aktuell in Form von

heimischem Bio-Milchpulver für regionale

Schokoladen.

Hans Englschallinger bewirtschaftet zusammen

mit seiner Frau Dorothee den Herzog-Hof in Kay bei Tittmoning, ihre rund 50 Kühe - „meine Mitarbeiterinnen“,

wie der Landwirt sagt - produzieren Biomilch. Neuerdings wird seine Arbeit dadurch versüßt, dass auch

aus seiner Biomilch Schokolade entsteht - sowohl in den Produkten des Fair-Handelsunternehmens Gepa, das

für das Bio&Fair-Schokoladensortiment die „Naturland Faire Biomilch“ der Molkerei Berchtesgadener Land verarbeitet,

wie auch in denen der Chiemgauer Genussmanufaktur von Astrid Günther in Freutsmoos bei Palling.

Wie Barbara Steiner-Hainz von der Pidinger Molkerei als Teilnehmerin informierte, würden derzeit vor allem

Bauern als Biomilchlieferanten aufgenommen, denen dies in der Vergangenheit bereits zugesagt worden sei.

Dies bedeute aber keineswegs einen Aufnahmestopp. Speziell gesucht sei aktuell Milch von Demeterbetrieben;

davon seien heuer bereits elf neu dazugekommen. Berücksichtige man die übliche Umstellungszeit für

einen Milchviehbetrieb von rund zwei Jahren, so Naturland-Berater Stephan Scholz, lohne es sich allmählich

wieder, über eine Umstellung auf Bio nachzudenken, allerdings nur mit Abnahmevertrag.

Viele Verbraucher wissen nicht, dass auch Schokoladenprodukte unter Verwendung von Milchpulver aus

Biomilch der Molkerei Berchtesgadener Land, also aus der Milch von Bauern in der hiesigen Region, hergestellt

werden. Mit ihrem neuen Sortiment an Bioschokoladen leistet auch die kleine „Chiemgauer Genussmanufaktur“

in Freutsmoos, unter Leitung von Astrid Günther, jetzt einen Beitrag dazu, zudem mit innovativen

Spezialitäten wie Hanfschokolade.

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Lehrfahrt der Arbeitsgruppe Heimisches Eiweißfutter im Juli

Die Lehrfahrt der AG „Heimisches Eiweißfutter“ zum Thema Anbau

von Luzerne und Soja im benachbarten Oberösterreich wurde gut angenommen.

Foto: Anderl Seehuber

Die Arbeitsgruppe „Heimisches Eiweißfutter“

der Ökomodellregion startete von Tittmoning

aus zu einer Lehrfahrt nach Oberösterreich.

Der Betrieb von Hermann Auer in Ostermiething

baut seit langem mehrjährige

Luzerne an, eine tiefwurzelnde eiweißreiche

Pflanze, die er mehrmals im Jahr schneidet

und seiner Silage beimischt, also intensiv

nutzt, mit sehr guten Ergebnissen.

Der Betrieb von Dominik Graf in Hofweiden

macht seine Luzerne nach der Blüte dank

eigener Trocknung zu Heu oder trockener

Silage (Gärheu), beides sehr gut als Viehfutter

geeignet.

Besonders interessant war für die Landwirte

die selbst entwickelte Soja-Toast- und Pressanlage

von Landwirt und Tüftler Josef Neubauer in Geretsberg. Der Landwirt jenseits der Grenze beliefert

nicht nur österreichische, sondern auch bayerische Bauern mit gentechnikfreiem Sojaöl und Sojapresskuchen

und schließt somit wichtige Lücken im Eiweißfutterbereich.

Aktivitäten der Ökomodellregion

Mehr als nur das täglich Brot - Feldvisite mit Verkostung im Juli

Einkorn, Emmer und Dinkel überzeugen mit vielen Vorteilen gegenüber modernem Getreide und bieten damit

viel mehr als nur das sprichwörtliche täglich Brot. Weil sie über die Jahrhunderte in Vergessenheit geraten

waren, sind sie keiner weitreichenden Züchtung unterworfen worden. Ihr Nährstoffprofil ist heute so reichhaltig

wie damals. Zudem sind Urgetreide wahre Naturburschen. Sie sind anspruchslos, witterungsresistent und

gedeihen auf kargen und nährstoffarmen Böden. Auch der extensive Anbau schont die Böden und trägt zur

ökologischen Artenvielfalt auf den Feldern bei.

So war es für die knapp hundert Personen, die auf einer Begehung der Ökomodellregion an den Feldern von

Biopionier Franz Obermeyer in Tengling entlangschlenderten, höchst interessant zu erfahren, welche Vielfalt

an wiederentdeckten Urgetreidesorten und Hülsenfrüchten dort gedeihen. Darunter fanden sich Einkorn,

Emmer, Dinkel, Nackthafer, Nacktgerste, der rotviolette Purpurweizen, Belugalinsen und Braunhirse. Diese

baut der Biobauer im Wechsel mit Ölsaaten wie Lein und Hackfrüchten wie Kartoffeln an.

So vielfältige Fruchtfolgen wie auf Obermeyers

Feldern gebe es heutzutage kaum

noch irgendwo, sagte Bürgermeisterin Haas

als Teilnehmerin. Sie dankte auch den fleißigen

ehrenamtlichen „Köchinnen“ unter

Leitung von Jessica Romstötter und Bärbel

Forster, die aus den gesunden Körnern süße

oder pikante Gerichte zubereitet und damit

eine kulinarische Tafel hergerichtet hatten.

Von Bulgurbällchen bis Emmersalat mit Ziegenkäse,

von Gerstenpflanzl bis Linsensalat

und Vierkornknäckebrot konnten die Gäste

viele Anregungen mitnehmen, wie man

aus regionalem Getreide einfach und ohne

großen Aufwand sommerliche „Kostbarkeiten

aus der Ökomodellregion“ zubereitet.

Auf reges Interesse stieß die Felderbegehung Anfang Juli in Tengling auf dem

Betrieb von Franz Obermeyer

Foto: Astrid Günther / Jessica Romstötter, ÖMR

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Aktivitäten der Ökomodellregion

Infostand der Ökomodellregion auf dem Regionaltag in Traunstein

Viele Köstlichkeiten gabs am Infostand der Ökomodellregion am Regionaltag

Foto: Ökomodellregion

Gute Tradition ist die Teilnahme der Ökomodellregion

mit einem Infostand auf dem Regionaltag

in Traunstein.

Passend zum Motto des Regionaltags gab

es am Infostand der Ökomodellregion erstmalig

Bioziegeneis zum Verkosten.

Aus dem frisch getrennten Rahm der Ziegenmilch

vom Hof von Maria Frisch aus

Wonneberg kreierte Roswitha Leitner vom

Hofcafé „Mühlradl“ in Ollerding zwei wohlschmeckende

Eissorten, die von den Besuchern

sehr gut angenommen wurden.

Ohne Wenn und Aber - Plastikfasten mit unverpackter Ware

Verpackungsmüll vermeiden und verhindern, dass Lebensmittel unnötig weggeworfen werden - das sind

zwei Ziele von Michael Steinmaßl. In seinem Bioladen, den er zusammen mit seiner Frau Evi in Kirchanschöring

betreibt, hat er jetzt eine Unverpackt-Station, eine Abfüllbar mit Warenspendern, eröffnet.

Der gelernte Gemüsebau-Meister Michi Steinmaßl hat

sich dem biologischen Anbau von Gemüse verschrieben.

Sich von Biolebensmitteln zu ernähren ist ein wichtiger

Beitrag zu einem enkeltauglichen Lebensstil. Denn

der biologische Landbau schützt das Klima, fördert die

Artenvielfalt und erhält die Fruchtbarkeit der Böden.

Zu einem enkeltauglichen Lebensstil gehöre aber auch

die Möglichkeit, abfallarm einzukaufen, so Steinmaßl.

Jeder von uns produziere mehr als 200 Kilogramm Verpackungsmüll

pro Jahr, darunter viel Papier und Plastik.

„Im neuen Unverpackt-Regal mit Glaszylindern und

Edelstahlwannen kann sich der Kunde selbst bedienen.

Jetzt müssen sich unsere Kunden darauf einstellen und

dran denken, dass sie ihre Behälter mitbringen“, sagt

Evi Steinmaßl, die ihrem Mann im Laden hilft.

Die Abfüllbar trage nicht nur dazu bei, unnötige Einwegverpackungen

zu sparen, sie eigne sich auch dazu,

genau die Menge zu kaufen, die verbraucht wird.

Plastik sparen! - Mit seinem Unverpackt-Regal geht der Dorfladen

vom Biomichi in Kirchanschöring mit gutem Beispiel voran

Foto: Anneliese Caruso

Ministerin lobt Schlachthof bei Besuch im August

Nicht in einem Gewerbegebiet, sondern mitten in der Laufener Altstadt liegt der städtische Schlachthof. Die

Lage ist nicht das einzig Ungewöhnliche des Betriebs: Die Stadt, die Erzeugergemeinschaft Schlachtvieh und

die Metzger haben hier ein Gemeinschaftswerk auf die Beine gestellt.

Agrarministerin Michaela Kaniber informierte sich bei allen Beteiligten über die Vorgehensweise und erfuhr,

dass der kommunale Schlachthof inzwischen eine wichtige Infrastruktureinrichtung für die Metzgereibetriebe

und Direktvermarkter im Umkreis ist. Das Engagement aller Akteure ist für Kaniber der Schlüsselfaktor des

Projekts und sie lobte, dass die durchgängige Biozertifizierung inklusive Zerlegung von den Beteiligten erreicht

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wurde, obwohl sie auf keine Fördergelder zurückgreifen konnten.

Für die Landwirtschaftsministerin steht allerdings auch eines fest: Der langfristige Erfolg von derlei Bioprodukten

hängt von der Bereitschaft des Verbrauchers

ab, für diese Produkte mehr Geld

auszugeben. Das Ziel der Bayerischen Staatsregierung

sei, bis 2030 auf 30 Prozent der Flächen

Ökolandbau zu erreichen. „Das ist eine

extrem ambitionierte Herausforderung,“ so die

Ministerin. Gerade beim Fleisch würden die

Leute auf den Geldbeutel schauen. Regionale

Vermarktungsstrukturen seien der Schlüssel,

so Kaniber. Außerdem brauche es Marketing:

Dem Verbraucher müsse klar werden, was für

besondere Produkte er kauft, und dass er damit

die (Bio-)Erzeuger in der Region unterstützt.

Ministerin Michaela Kaniber informierte sich

über den biozertifizierten Schlachthof in Laufen

Foto: Walter Höhne

Aktivitäten der Ökomodellregion

August: Exkursion mit Grünlandwissenschaftler und Bodenständig

Die Gewässerqualität des Waginger Sees zu verbessern und dabei konkrete Lösungen zusammen mit Landbewirtschaftern

zu suchen, ist Aufgabe des Bodenständig-Projekts Waginger-Tachinger See.

In den Jahren 2014 bis 2018 wurden elf verschiedene Maßnahmen zur Verminderung der Phosphorbelastung

aus der Landwirtschaft umgesetzt. Drei dieser ingenieurökologischen Lösungsansätze wurden am 31.

August von knapp 60 Grünlandexperten aus ganz Deutschland und benachbarten Ländern besucht. Die

Beispielsmaßnahmen wurden bezüglich ihrer Planung, Umsetzung, Pflege und Wirkung für die Minderung des

Phosphateintrags rege diskutiert.

Selbst den Experten der Grünlandbewirtschaftung wurde erst durch die Exkursion bewusst, wie rasch das,

was auf den Wiesen und Weiden geschieht, auf den See Wirkung haben kann. Prof. Auerswald von der TU

München, einer der Organisatoren, fasste zusammen: Maßnahmen, wie sie von boden:ständig geplant und

umgesetzt werden, sind zur Absicherung unumgänglich, auch wenn das erste Ziel sein muss, die Nährstoffe

auf den landwirtschaftlichen Flächen zu halten.

Eine Delegation von Grünlandwissenschaftlern, die in Raitenhaslach tagten, informierte sich über die Bodenständig-Projekte

und über Projekte der Ökomodellregion (Foto: Walter Höhne)

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Aktivitäten der Ökomodellregion

Als weiterer wichtiger Aspekt des Gewässerschutzes wurde daher auch die langfristige, flächenhaft nachhaltige

Landbewirtschaftung herausgestellt. Hierbei stellt sich die Ökomodellregion Waginger See - Rupertiwinkel

als Knotenpunkt dar. Sie verknüpft biologisch wirtschaftende Betriebe mit den Menschen vor Ort, mit Verarbeitern

von Bioware und interessierten Verbrauchern, und leistet durch die Förderung des Biolandbaus einen

langfristigen Beitrag zum nachhaltigen Gewässerschutz. Einblicke in die Arbeit der Ökomodellregion wurden

auf dem Biobetrieb von Hans Praxenthaler gegeben. Hier wurde neben der Hof- und Grünlandbesichtigung

bei einer Brotzeit eine Vielzahl an kulinarischen Eindrücken von Bioprodukten aus der Region vermittelt. Auch

bekamen die Teilnehmer mit der Besichtigung der mobilen Käserei von Stephan Scholz einen Einblick in die

praktische Arbeit und die „Veredelung von Grünland“.

Zu Besuch bei Bio-Pionieren

Viel Spaß machte den Teilnehmern wieder die diesjährige Biogenussradltour rund um den Waginger See, den auch das RFO begleitete;

der Beitrag steht in der Mediathek. (Foto: Bärbel Forster)

Die 30 Teilnehmer der diesjährigen Genussradltour wurden nach eigenen Aussagen nicht enttäuscht. Im

Rahmen der bayerischen „Bio-Erlebnistage“ lernten sie hautnah die kulinarische Vielfalt der Region kennen.

Ziel war es, „die Verbraucher zur Landwirtschaft und unsere Produkte zum Verbraucher zu bringen“, so die

Organisatoren. Dazu hatten sie ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt: Vom gemeinsamen

Frühstück am Waginger Bauernmarkt ging es zur Obstbrennerei Franz Gramminger in Mauerham, wo der

junge Betriebsleiter durch seine Brennerei und den seit 2019 biozertifizierten Obstgarten führte. In zwei großen

Fässern lagert hier der erste Bioschnaps aus Äpfeln und Birnen, der bis zur Genussreife noch mindestens zwei

Jahre braucht.

Nach einem Zwischenstopp bei der biozertifizierten Bäckerei Wenig in Tengling bot Sigi Müller, passionierter

Heimatkundiger, einen Einblick in die Geschichte des Altars von St. Coloman in Tengling an der Nordspitze

des Sees.

Anneliese Gebhard-Kecht ließ die Besuchergruppe während der Vorstellung ihres Biomilchviehbetriebs in Tettenhausen

ihren „Waginger See Kas“ verkosten, der über die mobile Käserei Chiemgau hergestellt wird und

auch ihren Urlaubsgästen viel Freude bereitet.

Zurück in Taching führte Simon Angerpointner, Biourgestein und Halter einer Pinzgauer Mutterkuhherde, durch

seine historische Hofmühle, bevor die Biogenussradltour bei einem Bioburger im Strandkurhaus in Waging endete.

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Vortrag von Prof. Dr. Johann Zaller über die Folgen von Pestiziden

Zu einem Vortrag von Dr. Johann Zaller lud das Agrarbündnis Traunstein - Berchtesgadener Land in Kooperation

mit der Ökomodellregion Waginger See - Rupertiwinkel ins Gasthaus Glück nach Ledern ein. Im Fokus

des Abends standen die Auswirkungen von Pestiziden auf die Bodenfruchtbarkeit, das Bodenleben und die

Artenvielfalt. Über diese Frage forscht seit Jahren Prof. Dr. Johann Zaller, Professor für Ökologie an der Universität

für Bodenkultur in Wien.

Rund 101.372 Tonnen Pestizide (Herbizide, Fungizide, Insektizide

u.a.m.) werden pro Jahr allein in Deutschland verbraucht. Pro

Kopf entspricht das 1,2 kg Pestizide.

„Pestizide finden sich überall - in der Antarktis, im Hochgebirge,

Naturschutzgebieten, Flüssen und Seen, im Trinkwasser, bis hin zur

Schokolade, Honig oder im Blut“, sagte Dr. Zaller. „Es gibt kaum

einen Haushalt ohne Pestizide, vom Schneckenkorn bis zum Insektenspray

oder Ameisenköder“, so Zaller. Am Beispiel von Neonicotinoiden,

einem Beizmittel für Mais und weitere Kulturen, das sich

von der Wurzel bis zum Pollen in der ganzen Pflanze verteilt und so

jedes beißende, saugende oder auch nur wasserleckende Insekt

Eindringlich informierte Prof. Dr. Zaller über

Fakten und unterschätzte Risiken zum Pestizideinsatz

in Haus, Garten und Flur (Foto: Gitti Sojer)

erreicht, erläuterte Prof. Dr. Zaller die enorme Schädlichkeit bestimmter

Pestizidgruppen für Bienen und Wasserorganismen. „Drei

dieser Mittel sind inzwischen bei uns verboten, weitere bleiben im

Einsatz“, so Zaller.

Lösungsansätze hob Prof. Dr. Zaller in seinem Vortrag besonders hervor. Dazu gehöre grundsätzlich politischer

Mut, den Pestizidvberbrauch zu reduzieren. Neben einem Werbeverbot und einer Steuererhebung auf Pestizide,

wie sie in einigen Nachbarländern bereits wirksam praktiziert werden, sollten für die Verbraucher auf

Lebensmitteln die verwendeten Pestizide angegeben werden.

Pestizide im privaten Garten sollten ganz untersagt werden, da sie meist nur aus ästhetischen Gründen eingesetzt

werden. Zukünftig müsse der Biolandbau noch mehr gefördert werden.

Auch wenn in Europa Höchstgrenzen für Pestizidrückstände gelten, sei es kritisch zu betrachten, wie diese

Richtlinien festgelegt werden. Das Vorsorgeprinzip einer guten fachlichen Praxis, Pestizide nur bei Überschreitung

von Schadschwellen einzusetzen, geht in der Praxis oft unter, weil ein Bild vom sauberen Acker oder

sogar der Randstreifen propagiert wird. Ökobauern bekämpfen Unkraut mechanisch und versuchen, durch

eine intelligente Fruchtfolge Schädlinge einzudämmen und die Bodengesundheit zu erhalten.

Selbst die Bio-Lebensmittel sind allerdings wegen möglicher Abdrift nicht immer pestizidfrei.

Pestizide werden mit einer steigenden Anzahl an Erkrankungen in Verbindung gebracht, wie z.B. Störungen

des Immunsystems, des Hormonsystems, Unfruchtbarkeit bei Männern u.a.m. Von schädlichen Wirkungen der

Pestizide betroffen seien vor allem auch die Landwirte selbst und ihre Familien. „Sollen wir die Gesundheit

eines Berufsstands für die Erzeugung von Lebensmitteln opfern?“, so der Experte.

Leonhard Strasser, Sprecher des Agrarbündnisses, bedankte sich bei Prof. Dr. Zaller für den inhaltsreichen Vortrag.

Die Erkenntnis des Abends: Es wird höchste Zeit, sich gründlich mit dieser Thematik auseinanderzusetzen

- schließlich betrifft sie uns alle.

Aktivitäten der Ökomodellregion

Was kommt auf unsere Teller? - Klimaschutz und Genuss

Der Ernährungsrat für den Landkreis Traunstein, im Mai 2019 von zahlreichen Bürgern gegründet, lud alle Interessierten

unter dem Motto „Was kommt auf unsere Teller?“ zur Vollversammlung ins Strandkurhaus nach

Waging ein.

Marlene Berger-Stöckl stellte die Arbeit der Ökomodellregion vor, an der sich mehr und mehr Betriebe aus

Ökolandbau und Lebensmittelverarbeitung beteiligen. Sie stellte besondere Aktivitäten heraus, wie die Kooperationen

für regionale Bio-Braugerste, Bio-Müsli und Bio-Senf, die Vermarktung des Laufener Landweizens

und der Dachmarke „Waginger See Kas“, die Vermarktung von Bio-Fleisch oder dem Ziel „mehr Bio in die

Gemeinschaftsverpflegung und in Gasthäusern“.

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Aktivitäten der Ökomodellregion

Inzwischen haben die Kommunen von geplanten 1.500 neuen Streuobstbäumen mehr als die Hälfte gepflanzt

und ein Tourismuskonzept mit Bio-Genussangeboten und -Radtouren aufgelegt, ein ökologisches

Pflegekonzept für kommunale Grünflächen sei in Arbeit, es gehe um mehr regionales Eiweißfutter und um

Extensivierungen.

Ein Schwerpunkt bleibe die Stärkung der bio-regionalen Vermarktung. „Das Krankenhaus Fridolfing setzt inzwischen

20 % Bioprodukte ein und ist damit Vorreiter in der Region“, freute sich Berger-Stöckl. Auch das neu

gegründete Biowirte-Netzwerk - mit dem Strandkurhaus als Mitglied - greife auf mehr heimische Bioprodukte

zurück. Schön sei auch, dass immer mehr Gemeinden zu bestimmten Anlässen Ökokörberl verschenken.

Die Arbeitsgruppenleiter berichteten anschließend

über Erfolge und Misserfolge in

ihren Arbeitsbereichen. Bei Gemeinschaftsverpflegungen

in den Kommunen wünscht

sich der Traunsteiner Stadtrat Thomas Stadler

mehr praktische Umsetzung im Landkreis.

In der Arbeitsgruppe Gastronomie strebt

Helga Geierstanger die Sichtbarmachung

vorhandener Erzeugnisse, v.a. aus Kleinbetrieben

an.

Beate Rutkowski, Kreisvorsitzende des Bund

Naturschutz (BN), informierte die Besucher

abschließend über weitere Vorhaben des

Ernährungsrates.

Gut besucht war die Veranstaltung des landkreisweiten „Ernährungsrats“, der

sich in Waging u.a. über das Biowirte-Netzwerk informierte.

Foto: Gitti Sojer

Podiumsdiskussion: „Was können Schüler für den Klimaschutz tun?“

Angeregt diskutiert wurde auf der Veranstaltung der Kalscheuerschule

in Traunstein: Was kann ich für den Klimaschutz tun?

Foto: Veronika Hümmer

Zu einer Diskussionsrunde mit hochkarätiger Besetzung

lud die Privatschule Dr. Kalscheuer ein, um mit dem

Podium und dem Publikum das Thema „Klimaschutz im

Landkreis Traunstein - was können Schulen und Schüler

aktiv dazu beitragen?“ näher zu beleuchten und zu

diskutieren. Sehr geschickt und eloquent führten zwei

Schüler aus der Hotel- und Tourismusschule durch den

Abend und stellten dem Podium zu verschiedenen Themenblöcken

Fragen, die zuvor von unterschiedlichen

Klassen erarbeitet wurden.

Umweltschutz sei keinesfalls bequem, so Claus Egger,

Geschäftsführer des Wertstoffhofes Schaumeier in

Traunstein und Podiumsgast, und es müsse dringend

weiter unser Konsumverhalten überdacht werden.

Gerade beim letzten Themenkomplex rief er noch einmal

zu einem bewussten Einkauf und zum Vermeiden von Verpackungsmaterialien auf. Frau Berger-Stöckl

betonte erneut, dass es keinesfalls egal sei, wo man einkaufe, also beim Discounter, in Supermärkten oder in

Bioläden und auf dem Markt. Es folgte eine rege Diskussion.

Bescheidübergabe für ein Ökologisches Pflegemanagement im November

Nicht zuletzt die Diskussion um das Volksbegehren „Artenvielfalt und Naturschönheit in Bayern - Rettet die

Bienen“ hat deutlich gemacht, dass alle Nutzergruppen etwas für den Erhalt der Arten leisten müssen und

zudem Eile geboten ist.

Der öffentlichen Hand fällt hier eine Schlüsselrolle zu. Denn den Kommunen obliegt die ökologische Gestaltung

und Pflege der kommunalen Grünflächen. Diese rücken immer mehr ins Zentrum der Aufmerksam-

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keit, da sie vielfältige Dienste leisten. Sie tragen zur Regulierung des Klimas bei und beherbergen vielfältige

Lebens- und Rückzugsräume für Tiere und Pflanzen, welche durch Grünflächenplanung und Pflege geschützt

werden müssen. Ein „Ökologisches Grünflächenmaagement für Kommunen“ kann dabei wertvolle Dienste

leisten.

Für das „Ökologische Pflegekonzept für kommunale Grünflächen“ wurde von Leader

und vom Bayerischen Naturschutzfonds eine Förderzusage übergeben.

Vorn von links: Elke Ott (Leader-Managerin), Sebastian Wittmoser (Leader-Förderstelle),

BGM Hans-Jörg Birner, BGM Konrad Schupfner (Leader-Vorsitz, Tittmoning)

Die Gemeinden brauchen zunächst

einen Gesamtüberblick, ein kartographisches

Verzeichnis über die Flächen

und eine Übersicht über Pflegezuständigkeiten.

Für einen konkreten Pflegeplan

braucht die Verwaltung fachliche

Begleitung und Unterstützung.

Die Flächen sollen nicht mehr wie bisher

nur nach ästethischen Gesichtspunkten

instand gehalten werden, sondern so,

dass sie pralles Leben bieten und damit

die ökologische Funktion erhalten. So

soll auch die Natur in Siedlungen eine

echte Chance erhalten, damit Kleintiere

wie Insekten ausreichend Nahrung und

ungestörte Plätze zum Nisten finden.

Kirchanschöring stellte stellvertretend

für neun Gemeinden aus der Ökomodellregion

und zwei Nachbarsgemeinden der Leader-Aktionsgruppe einen Antrag zur Förderung aus dem

gemeinsamen EU- und Freistaat-Förderprogramm LEADER. Das für LEADER-Förderungen zuständige Landwirtschaftsamt

in Rosenheim bewertete dieses innovative Umwelt- und Artenschutzprojekt nun als so vorbildlich,

dass es ihm mit einem Zuschuss von 122.850 Euro entgegenkommt. Weitere 60.000 Euro legte der Bayerische

Naturschutzfonds drauf, der den Kommunen Geld für das Engagement um die biologische Vielfalt auf artenund

blütenreichen Flächen unter die Arme greift.

Insgesamt darf sich die Region also über mehr als 180.000 Euro an Zuschüssen freuen. Damit lassen sich rund

80 Prozent der Gesamtkosten decken.

Der entsprechende Zuwendungsbescheid wurde in Kirchanschöring übergeben. In Empfang nehmen durften

ihn der Vorsitzende der LAG „Traun-Alz-Salzach“, Konrad Schupfner, Bürgermeister von Tittmoning, und

sein Stellvertreter und Projektleiter Hans-Jörg Birner.

Aktivitäten der Ökomodellregion

Streuobstpflanzaktion geht erfolgreich weiter

Nach Abschluss der Herbstpflanzaktionen in der Ökomodellregion sind

fast 850 von geplant 1.500 neuen Streuobsthochstämmen in den sieben

Traunsteiner Gemeinden der Ökomodellregion gepflanzt. Auf BGL-Seite

wird über die Biospährenregion ebenfalls erfolgreich gepflanzt.

Vor allem ältere Streuobstwiesen leisten unschätzbare Dienste für den Insekten-,

Vogel- und Artenschutz, aber auch für die Regulation des Kleinklimas

um die Höfe und Häuser.

Wir danken allen beteiligten Landwirten, Kommunen und Bürgern für die

seit Jahren hervorragende Unterstützung und freuen uns auf die Teilnahme

weiterer Grundstücksbesitzer.

Die Streuobstpflanzaktion mit dem LPV Traunstein wird auch 2019 erfolgreich weitergeführt.

Auf dem Bild: Alfons Leitenbacher, Leiter des AELF Traunstein, bei einer Pflanzung auf dem

Burgberg in Tittmoning. (Foto: AELF)

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Aktivitäten der Ökomodellregion

Biodiversität - Ein wichtiger Faktor in der Landwirtschaft

Es war ein einfaches, aber effektives Beispiel, eine vielfältige naturnahe Wildstrauchhecke, die zwei weit

auseinander gelegene Waldstücke wie ein Wanderkorridor für Wildtiere verbindet. Sie zeigte, wie mit simplen

Methoden die Biodiversität stark gefördert werden kann. Die Ökomodellregion hatte zum Thema „Biodiversität

- gemeinsame Wege mit der Landwirtschaft“ eingeladen. Einige Teilnehmer trafen sich zur Vorexkursion

auf dem Hof von Matthias Spielgelsperger in Wimmern bei Teisendorf.

Bei der Besichtigung der seit 30

Jahren bestehenden Hecke erläuterte

Matthias Spiegelsperger den

Nutzen und die Wirksamkeit solcher

Hecken für die Biodiversität.

Leider seien solche Hecken weitgehend

abhandengekommen,

so Luise Antwerpen von der UNB,

durch den Zwang zur Bewirtschaftung

größerer Flächen und durch

ungünstige Förderbedingungen

würden sie oft nur noch als Hindernisse

wahrgenommen, anstatt als

ökologische „Hot spots“.

„Schon wenige Jahre nach der

Die Anlagen von Hecken ist ein unersetzlicher Beitrag zur Biodiversität

Pflanzung sind Goldammer und

(Foto: Alois Albrecht)

Neuntöter zurückgekehrt“, so

Spiegelsperger, „ihnen haben Brut- und Nahrungsmöglichkeiten gefehlt.“

Nach der Besichtigung trafen sich die Interessenten im Gasthof Helminger in Rückstetten, um sich dort über

bestehende Programme zur Förderung der Biodiversität zu informieren. Georg Linner stellte neue Maßnahmen

im bayerischen Kulturlandschaftsprogramm (KuLaP) vor. Martin Dandl, Landwirt aus Waging, praktiziert

seit Langem den Anbau von Zwischenfrüchten als eine der Maßnahmen aus dem KuLaP, sie schützen vor

Erosion, fördern Humusaufbau und die Bodenstruktur.

Auf geeignete Mischungen und Anbaumethoden für Zwischenfrüchte ging Alois Lohwieser, ehemaliger

Pflanzenbauberater, ein.

Luise Antwerpen von der Naturschutzbehörde warb für Maßnahmen des Vertragsnaturschutzes, mit denen

der Mehraufwand für besonders wertvolle Flächen wie z.B. Iriswiesen oder auch Flächen zum Kiebitzschutz

gefördert würden, die allerdings an eine Gebietskulisse gebunden seien.

Jürgen Sandner vom Landschaftpflegeverband Traunstein empfahl als gutes Beispiel eine große Streuwiese

südöstlich des Waginger Sees, in der Gemeinde Petting, die heuer gemeinsam mit Nebenerwerbslandwirt

Matthias Junger und der Zustimmung weiterer Grundstücksbesitzer entbuscht und aufgewertet worden sei.

„Von mir aus kann ich als Landwirt auch gern Naturschutz erzeugen anstatt Lebensmittel“, meinte Anderl

Seehuber, der in Waging mit seinem Sohn einen Milchviehbetrieb betreibt, „nur muss es so bezahlt werden,

dass wir davon leben können!“ Sehr wichtig für die Artenvielfalt sei die klassische Weidewirtschaft, für die sein

Betrieb ein Beispiel sei. „Da ist jeder Kuhfladen ein Insektenbiotop und es fällt weniger Gülle an.“

Beate Rutkowski von der Kreisgruppe des Bund Naturschutz sprach über die Dringlichkeit einer Vernetzung

von Lebensräumen zum Nutzen der Artenvielfalt. Insellösungen hätten nicht die gleiche Wirkung. Dazu zählten

neben Hecken auch Baumgruppen, Altgrasstreifen, Totholzinseln, Waldsäume u.a.m. Für dieses Vorhaben

seien aber nicht nur die Landwirte in der Pflicht, sondern genauso Kommunen und weiter Grundstücksbesitzer.

22


Mit „Genussrechten“ in die ökologische Entwicklung der Region investieren

Bürger können sich über Genussrechte

an der neuen Backstube der Biobäckerei

Wahlich in Surheim beteiligen

(Foto: Daniel Delang, ÖMR)

Wie man sein Geld nachhaltig und ökologisch in der Region anlegen und

sich dabei obendrein mit einem heimischen Lebensmittelbetrieb solidarisch

zeigen kann, wurde in einem Vortrag zum Thema „Genussrechte“

in Freilassing vorgestellt. Die von der Ökomodellregion Waginger See - Rupertiwinkel

und dem Amt für Ländliche Entwicklung in Oberbayern initiierte

Veranstaltung informierte am Beispiel der Biobäckerei Wahlich aus Surheim

über Genussrechte als gemeinschaftliches Finanzierungsmodell.

Ein Beitrag dazu kann in der Mediathek des Bayerischen

Fernsehens vom November, Sendung „MehrWert“, abgerufen werden

(Sendung vom 21.11.2019):

https://www.br.de/mediathek/video/mehr-wert-neuezinsmodelle-genussrechte-im-trend.

Dort wird neben der Bäckerei Wahlich auch der Bio-Gemüsebauer Michael Steinmaßl aus Kirchanschöring

vorgestellt, weithin bekannt als „Bio Michi“, der seinen Bioladen mit Unterstützung der Gemeinde ebenfalls mit

der Ausgabe von Genussrechten bzw. Genussscheinen erweiterte.

ILE-Aktivitäten im Jahr 2019

Aktivitäten der Ökomodellregion & Statistische Bevölkerungsdaten

In der ILE wurden im Jahr 2019 etwas weniger Projekte als in den Vorjahren abgearbeitet, da die ILE-Umsetzungsbegleiterin

Alexandra Huber im Zeitraum von 21.12.2018 bis zum 23.05.2019 in Mutterschutz und Elternzeit

war und im Anschluss daran von 24.05.2019 bis 23.09.2019 nur mit 15 Wochenstunden tätig war.

Die Vertretung der Umsetzungsbegleitung in dieser Zeit wurde vom 1. Vorsitzenden der ILE Bürgermeister Hans-

Jörg Birner übernommen. Unterstützt wurde das ILE-Büro auch von Anja Straßer aus der Gemeindeverwaltung

Kirchanschöring.

Es folgte ein weiterer Monat in Elternzeit. Seit dem 25.10.2019 ist das ILE Büro wieder mit 25 Wochenstunden

durch Alexandra Huber besetzt. Die Unterstützung von Anja Straßer in organisatorischen Angelegenheiten

bleibt weiterhin bestehen.

Projekt Hochwasseraudit

Hintergrundinformation

Das Audit stellt die Informationslage aller Beteiligten

über die Risiken und die möglichen Maßnahmen

zu ihrer Verminderung in den Mittelpunkt.

Bewertet wird nicht der Status der Risiken, sondern

die Güte der Information über die Risiken. Die Bewertung

des aktuellen Vorsorgestatus ist nur der

Einstieg in eine andauernde Auseinandersetzung

mit dem Thema des örtlichen Hochwasserrisikos.

Das Audit hat zum Ziel, die Hochwasservorsorge

ohne den Druck eines konkreten Starkregen- oder

Überflutungsereignisses überprüfen zu können.

Außerdem kann der Status der Hochwasservorsorge

aus kommunaler Sicht bewertet werden; folglich

lassen sich Handlungsprioritäten ableiten und

Schadenspotentiale minimieren.

Die Teilnehmer des Hochwasseraudits in Kirchanschöring

(von links): Dipl.-Ing. Bernhard Unterreithmeier;

Geschäftsleiterin Sabine Strohhammer;

2. Kommandant der FF Kirchanschöring, Mattias Hingerl; Dipl.-Ing. Reinhard

Vogt; Bautechniker Josef Parzinger; Bürgermeister Hans-Jörg Birner und Peter

Schuster, der sich mittlerweile im Ruhestand befindende Geschäftsleiter

23


Aktivitäten der ILE

Hochwasseraudit Pressebericht

Von Ende 2018 bis Anfang 2019 haben fünf Kommunen der Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE)

Waginger See - Rupertiwinkel das Hochwasseraudit der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser

und Abfall e.V. - DWA mit den Auditoren Herrn Dipl.-Ing. Reinhard Vogt und Herrn Dipl.-Ing. Bernhard

Unterreitmeier durchgeführt. Das Audit „Hochwasser - Wie gut sind wir vorbereitet“ ist ein Angebot der DWA

an Kommunen und Verbände mit regional abgegrenztem Verantwortungsbereich, sich über den Status der

Hochwasservorsorge im Stadt- bzw. Verbandsgebiet Rechenschaft abzulegen.

Die Audits in den einzelnen Gemeinden wurden vom Wasserwirtschaftsamt gefördert.

Inhalt des Audits war die Erörterung von Maßnahmen zur Abwehr von Hochwassergefahren und der Beherrschung

von Hochwasserschäden infolge von Flusshochwassern und Sturzfluten.

Das zweitägige Audit in der Gemeinde Kirchanschöring fand am 3. und 4. Dezember 2018 statt.

Bei der gemeinsamen Abschlussbesprechung am 27. November 2019 wurde bei der Vormittagsveranstaltung

auf Arbeitsebene erörtert, welche Schlüsse man aus dem Audit ziehen kann und wie die Zusammenarbeit

sinnvoll und effektiv fortgesetzt werden kann. Unter anderem wurde unter dem Überbegriff „Hochwasser

nicht vergessen“ besprochen, wie das Bewusstsein in der Bevölkerung geschärft, aber auch der Erfahrungsaustausch

unter den Gemeinden vorangetrieben werden kann.

In Punkto Hochwasserwarnung und -bewältigung wurde zum Beispiel angeregt eine örtliche gemeindeübergreifende

Einsatzbesprechung der Feuerwehren zu organisieren.

Auch die Schaffung eines zusätzlichen Meldepegels für die Ache wurde als sinnvoll erachtet.

Ein weiterer Baustein beim Hochwasserschutz kann ebenfalls durch eine verstärkte Dokumentation und eine

Optimierung des Berichtswesens im Bereich Bauleitplanungen bis hin zu Baugenehmigungen gefestigt werden.

Die Ergebnisse der Vormittagsveranstaltungen mit MitarbeiterInnen der Kommunen Fridolfing, Kirchanschöring,

Taching am See, Tittmoning und Waging am See wurden am Nachmittag den fünf Bürgermeistern

sowie Behördenvertretern präsentiert. Unter dem Motto „Gemeinsam stark gegen Starkregen und Hochwasser“

wurde ein Fazit aus den einzelnen kommunalen Audits vorgestellt und eine weitere Zusammenarbeit im

Bereich Hochwasserschutz besprochen.

Unter anderem war das Amt für Ländliche Entwicklung Oberbayern, das Wasserwirtschaftsamt, das Landratsamt

Traunstein, der Kreisbrandrat und Herr Franz Knogler von der BBV LandSiedlung vertreten.

Auch in diesem Kreis wurden moderierte Fachakteurstreffen, der Aufbau einer Wanderausstellung oder die

Herausgabe von Merkblättern für sehr gute weiterführende Projekte befunden. Diese werden nun über das

ILE-Büro weiter verfolgt und bearbeitet. Denkbar wäre auch in einem weiteren, gemeindeübergreifenden

Projekt gemeinsame Fließwegekarten mit einem Gewässerkataster erstellen zu lassen.

Die Projektideen werden 2020 beim Förderprogramm „Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel“

des Bundesumweltministeriums eingereicht.

Die Abschlussveranstaltung, die im Salitersaal in Kirchanschöring stattfand, wurde von den beiden Auditoren

Herr Dipl.-Ing. Reinhard Vogt und Herr Dipl.-Ing. Bernhard Unterreitmeier moderiert und vom Amt für Ländliche

Entwicklung gefördert.

Ein Wiederholungsaudit ist für das Jahr 2024 geplant.

Mögliche Folgeprojekte (Auswahl):

Erstellung einer Fließwegekarte

Moderierte Fachakteurstreffen / Schulungen zu verschiedenen Themenkomplexen

Aufbau einer Wanderausstellung

Hochwassertag

Ausweitung boden:ständig auf die gesamte ILE-Region

Herausgabe von Merkblättern z.B. bei der Kanalabrechnung

(Wie kann ich mich als Privatperson schützen?)

etc.

24


Wettbewerb „Digitales Alpendorf“

ILE Waginger See - Rupertiwinkel als Gewinner des Wettbewerbs

Start der Konzeptionellen Phase mit Beginn des Jahres 2019:

Aktivitäten der ILE

Digitale

Dahoam im Rupertiwinkel zu sein, ist schon jetzt

Hörnerdörfer Allgäu

Digitales Alpendorf

Balderschwang - Obermaiselstein

ein großer Bestandteil unserer regionalen Identität.

Dies in die digitale Welt zu transformieren,

ist eine wunderbare Brücke zwischen Tradition

und Moderne, zwischen analogen und digitalen

Kommunikationsformen.“

Hans-Jörg Birner, Vorsitzender ILE Waginger See – Rupertiwinkel

B a y e r n D i g i t a l

Digitales Alpendorf

Wa g i n g e r S e e - R u p e r w i n k e l

Dahoam

im rupertiwinkel

D

as Projekt Digitales Alpendorf erforscht im Feldversuch die Chancen der Digitalisierung

zur Verbesserung der Lebensbedingungen auf dem Land. Gefördert von der Bayerischen

Staatsregierung werden in insgesamt fünf Pilotregionen Kommunen auf ihrem Weg in die digitale Zukunft

unterstützt. Zusammen mit den Bürgerinnen und Bürgern der Pilotdörfer werden sinnvolle digitale

Anwendungen und Lösungen in allen Lebensbereichen entwickelt und erprobt.

Als digitales Herzstück bietet das Dahoam 4.0®-Portal eine Informations- und Austauschplattform

zwischen den Bürgern, zwischen der Gemeinde und deren Mitgliedern, sowie den Gemeinden untereinander.

Der Bürger steht als Person im Mittelpunkt der (digitalen) Lösung. Das Gemeindeleben

wird zum Greifen nah – nur noch einen Klick entfernt. Auf www.dahoamimrupertiwinkel.de finden

Sie weiterführende Informationen zum Digitalen Alpendorf.

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Dahoam 4.0® ist ein Projekt des Technologie Campus Grafenau

der Technischen Hochschule Deggendorf

www.dahoamviernull.de / www.digitales-dorf.bayern /

www.dahoamimrupertiwinkel.de

Gefördert durch das

Bayerisches Staatsministerium für

Wirtschaft, Energie und Technologie

Gefördert durch

Bayerisches Staatsministerium für

Familie, Arbeit und Soziales

Gefördert durch die

Bayerische Staatsregierung


Gefördert durch

Bayerisches Staatsministerium für

Gesundheit und Pflege

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Aktivitäten der ILE

Unsere Projekte

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DIGITALES RATHAUS

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Rathaus App

Im “Digitalen Dorf Spiegelau-Frauenau” wurde

die Dahoam 4.0®-Rathaus-App entwickelt und

etabliert. Gemeindespezifische Informationen sind

von überall und jederzeit per App abrufbar und

die BürgerInnen können bequem online mit der

Gemeindeverwaltung kommunizieren. Im Digitalen

Alpendorf wird in den ILE-Kommunen die App

bedarfs gerecht auf Übertrag bar keit überprüft und

eingeführt.

Nachhaltige Bestellplattform

Nachhaltige Beschaffung, interkommunale

Zusammen arbeit und digitale Prozesse in einer

Anwendung? Das schafft die geplante innovative

Beschaffungsplatt form der Gemeinden in der ILE

Waginger See – Ruperti winkel. Die Vorteile liegen

auf der Hand: Kompetenzen werden gebündelt,

Ressourcen geschont und Kosten gespart.

——

BIOGENUSS

Zur besseren Vermarktung der zahlreichen regionalen

Bio-Produkte werden lokale Bio-Direktvermarktende

auf der Biogenuss-Plattform ihre

Waren anbieten können. Dank einer ausgereiften

Lieferlogistik können Sie Ihre nachhaltigen Lebensmittel

bald direkt an der eigenen Haustüre in

Empfang nehmen. Das Warenangebot lässt dabei

kaum Wünsche offen.

——

NATURABENTEUER

Mit Hilfe der Plattform „Findet Naturabenteuer“

werden Anbieter ihre Naturerlebnisse und

Umwelt bildungsangebote optisch ansprechend

präsentieren können. Dabei steht ein sanfter und

naturverträglicher Tourismus im Fokus. Die Plattform

bietet Gästen und Einheimischen einen Überblick

über die vielfältigen Angebote in der Region und

erleichtert ihnen den Zugang dazu.

——

DIGITALER PFLEGEKOMPASS

Verfügbare lokale Unterstützungsangebote für

Pflegebedürftige und deren Angehörige sollen

durch den „Digitalen Pflegekompass“ zielgerichtet

gefunden werden. Dazu zählen unter anderem Hilfe

bei Arzt- und Einkaufsfahrten oder im Haushalt.

Außerdem informiert der “Pflegekompass” in Form

von Leitfäden über das Vorgehen bei plötzlichem

Pflege- oder Sterbefall.

——

ZUKUNFTSWOHNEN

Die Zukunft bauen. Dies wird im Rupertiwinkel gezielt

fokussiert. Muss es immer das standardisierte Einfa

mi lienhaus sein? Die Plattform “Zukunftswohnen”

zeigt neben neuen Wohnkonzepten die vielen

Mög lich keiten auf, wie bereits beim Bau oder der

Sanierung durch die Auswahl nachhaltiger und umweltfreundlicher

Materialien zukunftsfähig geplant

werden kann. Des Weiteren können auf einem

schwarzen Brett nachhaltige Wohnangebote gesucht

und gefunden werden.

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MORO-Netzwerk Daseinsvorsorge

Teilnahme an der Verstetigung des Aktionsprogramms (MORO-Netzwerk Daseinsvorsorge).

Teilnahme von Bürgermeister Hans-Jörg Birner am 3. Netzwerktreffen im Netzwerk Daseinsvorsorge am 25. und

26. Juni 2019 in Prenzlau, Landkreis Uckermark.

Aktivitäten der ILE

Öffentlichkeitsarbeit

Ca. 50 Termine bzw. Vorträge von Bürgermeister Hans-Jörg Birner zur Vorstellung von ILE Projekten, u.a.:

Münchner Tage für nachhaltiges Landmanagement im März

Teilnahme an der Facharbeitsgruppe „Garten, Siedlungen, urbane Räume“ beim Runden Tisch zum Volksbegehren

Artenvielfalt im März

Kommunalkongress der Bayerischen Grünen im Mai

Vortrag bei der Klausurtagung im Landkreis Weilheim-Schongau mit Kreisvorsitzendem Alexander Dobrindt

zum Thema „Nachhaltigkeit in der Kommunalpolitik“ im Juli

Exkursion einer polnischen Delegation (Gruppe von polnischen Experten und Wissenschaftlern der Landwirtschaftlichen

Universität in Krakau sowie Abgeordnete der Wojewodschaft, Vertreter von Ministerien der

Republik Polen, Landräte, stellvertretende Landräte und Fachleute) nach Kirchanschöring im September

Fachkolloquium der Hanns-Seidel-Stiftung, Akademie für Politik und Zeitgeschehen „Modelle für Flächensparendes

Wohnen“ im September

Fachexkursion der SDL Tierhaupten nach Kirchanschöring im Oktober

Pflanzung des Baum des Jahres 2019 - Die Flatterulme

Die Flatterulme (Ulmus laevis), auch Flatterrüster genannt, ist ein Großbaum aus der Gattung der Ulmen (Ulmus)

und gehört in die Familie der Ulmengewächse (Ulmaceae). Flatterulmen werden bis 35 Meter hoch und

sind sommergrün. Die wechselständigen Blätter weisen, wie bei allen mitteleuropäischen Ulmenarten, eine

asymmetrische Basis auf.

Entgegen einer verbreiteten Auffassung kreuzt sich die Flatterulme nicht mit anderen Arten wie Feld- oder

Bergulme. Die Blütenknospen sind breit und kegelförmig, die Laubknospen sind zweifarbig und schlankkegelförmig.

Die Knospenschuppen sind hell- bis rotbraun und verfügen über einen dunklen Rand.

Die samentragenden Flügelnüsse sind im Gegensatz zu anderen Ulmen dicht bewimpert. Die Borke ist auch

schon bei jüngeren Bäumen rau mit abblätternden Schuppen. Flatterulmen kommen vor allem in Auwäldern

und auf Grundwasserböden vor.

Hauptverbreitungsgebiet ist das kontinentalere Osteuropa, in Deutschland vorwiegend in den nordöstlichen

Bundesländern (Brandenburg, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern) sowie im südlichen Oberrheingraben.

Sie vertragen Überflutungen von mehr als 100 Tagen im Jahr. Eine Anpassung auf diese besonderen Bodenverhältnisse

stellen Brettwurzeln dar, die sie mitunter ausbilden können. Diese spezielle Ausprägung der

Stammbasis ist bei einheimischen Baumarten eine Seltenheit.

Das schön gezeichnete Holz der Flatterulmen weist im Verhältnis zur Feld- und Bergulme eine höhere Zähigkeit

auf. Ansonsten können die Holzeigenschaften je nach Einsatzzweck eher ungünstig sein.

Unter dem Aspekt des Artenschutzes kommt der Flatterulme eine besondere Bedeutung zu. Sie stellt für bestimmte

Arten, so für den Ulmenblattfloh (Psylla ulmi), den einzigen Lebensraum dar.

Der Baum des Jahres wurde, wie im vergangenen Jahr, aus dem Kleinprojektetopf der Integrierten Ländlichen

Entwicklung (ILE) finanziert. Fachlich begleitet wird die ILE durch das Amt für Ländliche Entwicklung. Die

Fördergelder stammen vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.

Im Zuge der Einweihung des Bienenhauses an der Götzinger Ache am 18.05.19 wurde der Baum des Jahres

in Kirchanschöring gepflanzt.

Quelle: wikipedia (https://de.wikipedia.org/wiki/Flatterulme)

27


Statistische Bevölkerungsdaten der Gemeeinde

Foto: Oliver Freudenthaler / Schröck Freudenthaler

Statistische Bevölkerungsdaten der Gemeinde

Einwohner: 3.355

Geburten: 23

Sterbefälle: 24

Geburten- / Sterbesaldo: -1

Zuzüge: 121

Wegzüge: 147

Saldo Zuzüge - Wegzüge: -26

Damit ergibt sich eine Bevölkerungsreduktion von -0,30 %

In den letzten 10 Jahren ist unsere Gemeinde um 197 Mitbürger gewachsen (6,24 %)

Ausländeranteil: 315 (9,39 % der Gesamtbevölkerung)

davon:

Österreich: 114 (36,19 % der Ausländer; 3,40 % aller Einwohner)

Restliches Europa: 131 (41,59 % der Ausländer; 3,90 % aller Einwohner)

Somit:

Europa: 245 (77,78 % der Ausländer; 7,30 % aller Einwohner)

Nicht-Europa: 70 (22,22 % der Ausländer; 2,09 % aller Einwohner)

Quelle: AKDB-Bewegungsstatistik

28


Die Kommunalpolitik im Jahresfortgang

Januar

Kommunalpolitik

Schulsozialarbeit

Seit November 2018 ist Marie Weckbecker von Startklar Soziale Arbeit Oberbayern

für die Schulsozialarbeit in der Grundschule Kirchanschöring und der 5./6. Klasse

der Mittelschule Salzachtal in Fridolfing, Schulstandort Kirchanschöring, tätig.

Für die Grundschule ist Frau Weckbecker einen Vormittag vertreten, die anderen

beiden Tage ist sie Ansprechpartnerin für die MittelschülerInnen in Kirchanschöring.

Das Angebot der Schulsozialarbeit in Kirchanschöring ist für SchülerInnen

und deren Eltern kostenlos. Es befasst sich mit schulischen, familiären, entwicklungsbedingten

Fragestellungen und steht SchülerInnen und deren Eltern beratend

zur Seite.

Schulsozialarbeit verfolgt das Ziel, SchülerInnen und deren Eltern in belasteten

Situationen schnell und unbürokratisch zu helfen.

Anmerkung: Die erfolgreiche Arbeit wurde im Oktober 2019 nochmals im Sozialausschuss

vorgestellt und einer Verlängerung der Tätigkeit zugestimmt.

Zu den Aufgaben von Marie Weckbecker zählen

Stärkung sozialer und emotionaler Kompetenzen

Prävention

Projekte mit Schulklassen

Beratung

Zusammenarbeit mit SchülerInnen, Eltern, Lehrkräften

und Beratungsstellen

Krisenintervention

Konfliktbewältigung

Schneekatastrophe im Landkreis

Nachdem im Januar aufgrund des starken Schneefalles und des steigenden Grundwasserspiegels mehrere

kleinere Einsätze im Schutzbereich der Freiwilligen Feuerwehr Kirchanschöring abzuarbeiten waren, wurde

diese am 11. Januar 2019 und an den drei Folgetagen zum Katastropheneinsatz im Landkreis Traunstein alarmiert.

Nachdem bereits am Abend des 10. Januars eine telefonische Anfrage zu Absturzsicherungsmaterial und

speziell ausgebildete Kräfte in Kirchanschöring eingegangen war, wurde ein Löschfahrzeug samt Material

und Einsatzkräften nach Siegsdorf verlegt.

Nach der Zuweisung zur Mittelschule Siegsdorf, als Einsatzstelle der Priorität 1, galt es am ersten und zweiten

Einsatztag nach kurzen Lageerkundungen nach und nach verschiedene Dachteile und Konstruktionen von

den großen Schneelasten zu befreien. Bei diesen Arbeiten war aufgrund der großen Absturzgefahr das Arbeiten

mit speziellen Absturzsicherungssätzen unverzichtbar.

Verschiedene Dachneigungen, unterschiedliche Dachdeckungen und vom Schnee bedeckte Glaskuppeln

verlangten von den Führungs- und Einsatzkräften ein vorausschauendes und vorsichtiges Arbeiten mit verschiedensten

Sicherungsmethoden. Die spezielle Ausbildung im Bereich Absturzsicherung war hierbei eine

große Hilfe.

An den Einsatztagen drei und vier wurden sechs verschiedene öffentliche und private Einsatzstellen und

Objekte in der Gemeinde Siegsdorf in den Ortsteilen Eisenärzt, Hochberg und Hammer von der FFW Kirchanschöring

gesichert und kontrolliert geräumt.

Das offizielle Einsatzende für die Kirchanschöringer Einsatzkräfte und alle Feuerwehren aus dem Landkreis

kam nach Einstellung der Arbeiten bei Anbruch der Dunkelheit am 14. Januar.

36 Einsatzkräfte aus Kirchanschöring waren an den vier Tagen 360 Stunden zur Unterstützung der eingesetzten

Rettungsorganisationen im Einsatz!

29


Kommunalpolitik

30


Kommunalpolitik

31


Kommunalpolitik

Bahnausbau ABS 38

Nachdem im Herbst 2018 das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) auch den zweigleisigen

Ausbau für die Bahnstrecke ab Tüßling bis nach Freilassing beschlossen hatte, nimmt die Bahn nun

in vollem Umfang die Planungen für den Abschnitt auf.

Gleichzeitig startete eine Reihe von Bürgerinfoveranstaltungen. Am 9. Januar fand in Kirchanschöring im

Salitersaal der erste Termin entlang des 58 kilometerlangen Abschnitts statt.

Das Projektteam der Ausbaustrecke München-Mühldorf-Freilassing (ABS 38) stellte den Bürgern den aktuellen

Planungsauftrag des Bundesverkehrsministeriums, den aktuellen Projektstand und die nächsten Schritte vor.

Diese Informationen sind auch auf der Projektwebsite (https://www.abs38.de/downloads.html) zu finden.

Das Team der ABS 38 arbeitete Anfang des Jahres 2019 daran, die Vorplanung für die Zweigleisigkeit

zwischen Tüßling und Freilassing genau zu prüfen. Im Anschluss sollte die Vorplanung den Gemeinde- und

Stadträten sowie der Öffentlichkeit entlang der gesamten Strecke präsentiert werden, damit diese einen

ersten Eindruck von dem Ausbau bekommen. Die Planer werden sich dann wiederum vor Ort allen Fragen

und Anregungen stellen.

Das Bahn-Großprojekt ABS 38 umfasst den vollständigen zweigleisigen Ausbau von München über Mühldorf

nach Freilassing sowie die Elektrifizierung dieser insgesamt 145 Kilometer langen Strecke (einschließlich der

Abzweigung nach Burghausen).

Ziele sind u.a. die Verkürzung der Reisezeit, die Umstellung von Diesel auf den elektrischen Zugbetrieb und

eine Verlagerung von Güterverkehr von der Straße auf die Schiene.

Die Gemeinde Kirchanschöring hat die Aussagen der Vertreter der Bahn, sie können nur im Rahmen ihres Planungsauftrags

und der aktuellen Wirtschaftlichkeitsbetrachtung planen, zum Anlass genommen, sich auch

selbst auf weiteren Wegen die Aufgabenstellung zu betrachten.

Grundsätzlich ist es richtig, die Schiene im allgemeinen Mobilitätskonzept zu stärken und es entstehen durch

einen zweigleisigen Ausbau durchaus Chancen für Kirchanschöring.

Jedoch stehen auch erhebliche Bedenken und Befürchtungen der Anwohner und der Kommune dem gegenüber.

Nun gilt es die Position, die Rahmenbedingungen, die bei einem zweigleisigen Ausbau für die Gemeinde

und die Bewohner akzeptabel sind, herauszuarbeiten und damit in konstruktive Gespräche mit der Bahn zu

gehen.

Aus diesem Grund wird die Gemeinde von einem unabhängigem Planungsbüro unterstützt.

In einem intensiven Austausch mit den Bürgern (Informationsveranstaltungen, Bürgerworkshops) werden wir

alle miteinander eine gemeinsame Position erarbeiten, damit wir als Kommune und Bürger mit einer starken

Stimme selbstbewusst auftreten können.

Hier zwei Fotos von Modellen zum Bahnausbau aus dem Jahr 1992

Beide Fotos lassen den evtl. massiven Eingriff ins Ortsbild erkennen.

32


Haushalt 2019

Februar

Der Haushalt 2018 und auch das aktuelle Jahr 2019 mussten unter etwas anderen Voraussetzungen als die

der vergangenen Haushaltsjahre beraten und letztendlich erstellt werden.

Eine nicht unerhebliche Reduzierung im Bereich der Einnahmen stellt uns vor Herausforderungen.

Leider ist es uns dadurch nicht möglich den Verwaltungshaushalt auszugleichen. Dies ist einer einkalkulierten

Gewerbesteuerrückzahlung mit rund 1,5 Mio. € inkl. Verzinsung geschuldet. Ob diese in dieser Form

vollends zu tragen kommt, ist noch nicht endgültig absehbar - aber wir wollen vorbereitet sein.

Ab dem Jahr 2020 stabilisiert sich die Lage und wir sollten wieder das für die Gemeinde Kirchanschöring

gewohnte positive Niveau erreichen.

Kommunalpolitik

Ohne der Kämmerin vorgreifen zu wollen, will ich einige Aspekte aus dem Verwaltungshaushalt herausgreifen:

In meiner Vorrede möchte ich vor allem auf die dauerhafte Leistungsfähigkeit der Gemeinde Kirchanschöring

eingehen. Diese ist trotz der beiden etwas „mageren“ Jahre ungebrochen positiv. Wir haben einen

beruhigend hohen Stand der Rücklagen und können auch ab 2020 wieder mit erheblichen Zuführungen

an den Vermögenshaushalt rechnen. Die Rücklagen werden trotz der schwierigen aktuellen Situation und

den erheblichen Investitionen, die wir uns für den Finanzplanungszeitraum vorgenommen haben, auch

am Ende dieser Zeitspanne noch auf einem relative hohen Niveau sein.

Neben den Rücklagen gilt es aber zudem die Entwicklung der Schulden der Gemeinde zu beachten.

War der Schuldenstand der letzten Jahre immer äußerst niedrig, so hat sich die Situation seit 2017 grundlegend

geändert. Bei diesem Anwachsen der Schulden sind jedoch die Rahmenbedingungen zu erläutern. Mit

der Einführung der zweiten Säule der staatlichen Förderung, dem Bayerischen Kommunalen Wohnbauförderprogramm,

stehen den Kommunen erhebliche Förderkredite zur Errichtung von kommunalen Wohnungen

zur Verfügung. In Kirchanschöring haben wir sehr früh auf diese Entwicklung reagiert und unsere Wohnbaugesellschaft

gegründet. Diese wurde von der Gemeinde mit der Aufgabe des Wohnungsbaus betraut.

Somit konnten wir für das Haus der Begegnung erhebliche Fördermittel, aber eben auch günstige Kommunalkredite

in Anspruch nehmen. Diesen Weg gehen wir auch im Jahr 2019 weiter und schaffen mit

dem Geschosswohnungsbau an der Hipflhamer Straße zum einen Wohnraum für unsere Bevölkerung und

zum anderen Werte für die Allgemeinheit. Der Kapitaldienst für diese Kredite, die sofort nach Erhalt von

der Kommune an die Wohnbaugesellschaft weitergleitet werden, belasten den kommunalen Haushalt in

den Folgejahren nicht mehr. Durch den verkürzten Zahlungsweg wird dieser Kapitaldienst direkt von der

Wohnbaugesellschaft geleistet.

Damit verbleiben im Grunde als Kredite für den kommunalen Kernhaushalt, also Kredite, die auch von

diesem bedient werden müssen, rund 350.000 €. Dafür sind jährlich 400 € Zinsen zu leisten.

Ein letzter Punkt, auf den ich den Fokus lenken möchte, sind die Investitionen der nächsten Jahre. Trotz der

etwas schwierigen Situation werden im Vermögenshaushalt wichtige und zukunftsweisende Ausgaben

getätigt. Durch das sehr hohe Rücklagenpolster ist dies auch ohne Probleme möglich.

Trotzdem bleiben wir hier vorsichtig und haben immer im Auge, dass trotz allem immer eine ausreichende

„Reserve“ vorhanden ist. Gerade in der aktuellen Situation erkennen wir, wie wichtig es sein kann, auf unvorhersehbare

negative Ereignisse vorbereitet zu sein.

In einem Fazit zum Haushalt lässt sich sagen, dass Jahre wie dieses 2019 auch Jahre sind, um sich zu „erden“

und zu erkennen, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen.

Doch als Gemeinwohlgemeinde ist es nicht unser Anspruch grenzenlosem Wachstum hinterherzuhecheln,

sondern bewusst auf die Qualität und Gemeinwohlorientierung unserer Entscheidungen zu achten.

Als Paradebeispiel darf ich das Haus der Begegnung anführen:

Mit einem Einsatz von rund 1 Mio. € durch die Gemeinde wurde ein Wert von 4 Mio. € geschaffen, der

noch dazu die Lebensqualität in der Kommune ungemein steigert. Es ist also ein Zeichen erfolgreicher

Kommunalpolitik und vor allem einer erfolgreichen kommunalen Haushaltspolitik, die Grundsätze des

Gemeinwohls immer im Auge zu behalten.

Auch in diesem Jahr richte ich wieder meinen Dank an all die Leistungsträger in der Kommune, die es uns

immer wieder ermöglichen, unsere Aufgaben entsprechend wahrnehmen zu können.

33


Kommunalpolitik

Ein herzlicher Dank auch noch an den Gemeinderat für die aktive Beteiligung und Unterstützung bei der Erstellung

des Haushalts 2019. Besonders herausheben darf ich in diesem Jahr das große Engagement unserer

Leiterin der Finanzverwaltung, Sabine Strohhammer, die es sich zum Ziel gesetzt hat, spätestens Ende Januar

den Haushalt im Gemeinderat zu verabschieden und dies mit viel Einsatz und Fleiß auch geschafft hat.

Auszug aus der Haushaltsansprache des Bürgermeisters in der Gemeinderatssitzung

Entwicklung der wichtigsten Einnahmen und Ausgaben (Angaben gerundet auf volle 1.000 €)

2016

2016

2018

2019

(Ergebnis)

(Ergebnis)

(Ergebnis)

(Ergebnis)

Grundsteuer A (9000.0001)

39.000

39.000 39.000 39.000

Grundsteuer B (9000.0010)

244.000 237.000 232.000 234.000

Gewerbesteuer (9000.0030)

8.440.000 4.927.000 5.450.000 4.200.000

Gemeindeanteil Einkommensteuer (9000.0100)

1.416.000 1.551.000 1.667.000 1.775.000

Einkommenssteuerersatzleistungen (9000.0616)

114.000 113.000 122.000 129.300

Umsatzsteueranteil (9000.0120)

181.000 230.000 300.000 295.000

Pauschale Finanzzuweisungen

nach Art. 7 FAG (9000.0615)

53.000 58.000 58.000 58.000

Anteil Grunderwerbssteuer (9000.0616)

18.000 15.000 20.000 22.000

Zuschuss Schülerbeförderung (2901.1716)

41.000 50.000 45.000 45.000

Straßenunterhaltszuschuss (6300.1710)

113.000 113.000 124.000 123.000

Kanalbenutzungsgebühren

Kläranlage Kirchanschöring (7000.1111)

Kanalbenutzungsgebühren

Kläranlage Waging (7001.1111)

132.000 147.000 151.000 173.000

62.000 71.000 90.000 100.000

Personalausgaben (Gr. 4)

1.159.000 1.215.000 1.378.000 1.441.000

Gewerbesteuerumlage einschl. pos.

Solidarumlage (9000.8100)

1.576.000 1.450.000 1.184.000 940.000

Kreisumlage (9000.8321)

2.803.000 3.297.000 4.051.000 3.005.000

34


Das Volumen des Verwaltungshaushalts beträgt für das Jahr 2019 8.878.500 €. Bei planmäßiger Abwicklung

kann der Verwaltungshaushalt nicht ausgeglichen werden. Somit wird die Mindestzuführung nicht erreicht.

Vom Vermögenshaushalt muss ein Betrag in Höhe von 4.500 € dem Verwaltungshaushalt zugeführt werden,

um diesen ausgleichen zu können.

Da bei einem Gewerbetreibenden ein Insolvenzverfahren eingeleitet wurde, ist bei diesem Betrieb mit keinen

Gewerbesteuereinnahmen mehr zu rechnen. Der Insolvenzverwalter teilte der Gemeinde mit, dass damit zu

rechnen sei, dass Gewerbesteuereinnahmen über mehrere Jahre von der Gemeinde zurückbezahlt werden

müssen. Es ist mit einer Gewerbesteuerrückzahlung von über 1,2 Mio. € im Haushaltsjahr 2019 zu rechnen.

Ob die Gewerbesteuer in der tatsächlichen Höhe zurückbezahlt werden muss, liegt derzeit bei der Entscheidung

des Finanzamts Traunstein.

Im Rahmen der Haushaltsaufstellung müssen aufgrund des Grundsatzes der Einheit (Art. 64 Abs. 1 Satz 1 GO)

und Vollständigkeit alle Einnahmen und Ausgaben im Haushalt aufgenommen werden, welche im Haushaltsjahr

2019 zu erwarten sind. Die Rückzahlung der Gewerbesteuern ist gemäß Abgabenordnung zu verzinsen.

Nach derzeitiger Rechtsgrundlage betragen die Zinsen (§ 238 AO) pro Monat ein halbes Prozent.

Das bedeutet eine jährliche Verzinsung in Höhe von 6 %. Daher wurde unter der Haushaltsstelle 0331.8412 ein

Haushaltsansatz in Höhe von 300.00 € gebildet. Derzeit gibt es eine Rechtsprechung, wonach eine Verzinsung

von 6 % jährlich nicht mehr angemessen sei. Nach aktuellen Presseinformationen wird erwartet, dass sich in

absehbarer Zeit das Gesetz ändern wird. Dies würde der Gemeinde zu Gute kommen.

Kommunalpolitik

Das Haushaltsjahr 2019 stellt für die Gemeinde Kirchanschöring eine schwierige Finanzsituation dar. Da in der

Vergangenheit solide und wirtschaftlich gearbeitet wurde, kann in der anstehenden schwierigen Zeit die

Haushaltsführung in derselben Weise beibehalten werden. Jedoch erfordert die derzeitige Situation ein gewisses

Maß an Zurückhaltung bei der Investitionsbereitschaft in den kommenden Jahren.

Der deutliche Rückgang beim Einnahmeüberschuss des Verwaltungshaushalts beruht im Wesentlichen auf

folgenden Positionen:

Die erwartenden Personalausgaben steigen gegenüber dem Haushaltsjahr 2018. Der Tarifvertrag sieht im

April 2019 eine Erhöhung der Gehälter vor. Diese Tariferhöhung wurde im Haushalt berücksichtigt.

Für das Jahr 2019 wird lediglich mit Gewerbesteuereinnahmen von ca. 4,2 Mio. € gerechnet.

Aufgrund des Wegfalls eines wichtigen Gewerbesteuerzahlers und der zu erwartenden Steuerrückzahlung

von ca. 1,2 Mio. € sinkt das Gewerbesteueraufkommen. Im Haushaltsjahr 2018 wurde ein Haushaltsansatz

in Höhe von 5,45 Mio. veranschlagt. In den Finanzplanungsjahren 2020 bis 2022 kann wieder mit einer Verbesserung

der Gewerbesteuereinnahmen gerechnet werden.

Bei der Haushaltsstelle für die Verzinsung von Steuererstattungen (0331.8412) wurde ein Betrag in Höhe von

300.000 € veranschlagt. Diese Verzinsung kann auf die Gemeinde im Fall einer Steuerrückzahlung zukommen.

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind für Kirchanschöring dennoch weiterhin als günstig zu bezeichnen.

3.000.000 €

Schuldenstand zum 31.12.

2.500.000 €

2.000.000 €

1.500.000 €

1.000.000 €

1.613.320 € 1.771.452 €

2.327.356 €

500.000 €

0 €

613.648 €

2014

574.198 €

2015

497.248 €

2016

613.648 € 574.198 € 497.248 € 420.298 € 343.349 € 266.399 €

2.033.618 €

2017

2.114.801 €

2018

2.593.755 €

2019

Gemeinde

für das Kommunalunternehmen

35


Kommunalpolitik

Im Jahr 2019 wird für den Bau des Mietshauses im Baugebiet „Kirchanschöring Ost II“ ein Kredit in Höhe von

voraussichtlich 600.000 € aufgenommen. Diese Kreditaufnahme war bereits im Haushalt 2018 veranschlagt

und vom Landratsamt Traunstein im Rahmen der Haushaltssatzung genehmigt worden. Da die Kreditermächtigung

in Höhe von 600.000 € erst im Jahr 2019 abgerufen werden soll, ist erneut ein Ansatz zu bilden.

Da es sich hier z.B. um Gelder aus dem Kommunalen Wohnungsförderungsprogramm der Regierung und der

staatlichen Wohnbauförderung handelt, dürfen nur Kommunen dieses Darlehen direkt in Anspruch nehmen.

Die Weiterleitung an die Wohnbaugesellschaft ist jedoch ausdrücklich erlaubt worden. Aus diesem Grund

steigt die Schuldenbelastung der Gemeinde. Mit Zins- und Tilgungszahlungen wird die Gemeinde allerdings

nicht belastet, da dies direkt über die Wohnbaugesellschaft abgewickelt wird.

Der Rücklagenbestand der Gemeinde Kirchanschöring beträgt zum 01.01.2018 9.277.609,34 €.

Der Stand zum 01.01.2019 beträgt voraussichtlich 6.127.909,34 €.

Zum Ausgleich des Vermögenshaushalts für das Haushaltsjahr 2019 müssen bei planmäßiger Abwicklung

1.520.500 € entnommen werden.

Der Rücklagenbestand reduziert sich daher bei planmäßiger Abwicklung zum Jahresende 2019 auf voraussichtlich

4.607.409,34 €.

Eine kurze Aufstellung unserer wichtigsten geplanten Investitionen im Jahr 2019 und den folgenden Jahren:

Bezeichnung

Haushaltsstelle

Investitionen

insgesamt

(in Euro)

bisher

bereitgestellt

Mitteleinplanung

2019

(in Euro)

Förderung

1300.9367

Erwerb von bewegl. Sachen des Anlagevermögens,

Fahrzeuge usw.

79.300

-

79.300

-

2110.9401

Sanierung Schule

(Planungsleistungen 2019)

1.600.000

-

50.000

noch nicht

bekannt

2110.9402

Sanierung Turnhalle

(Planungsleistungen 2019)

770.000

-

20.000

noch nicht

bekannt

3490.9400

Errichtung eines Bienenhauses 62.000 40.500 22.000 25.000

4640.9400

Haus für Kinder; Beschattungsmaßnahmen 245.000 - 245.000 -

5600.9401

Sanierung Sportheim

Keller

55.000

-

5.000

-

5600.9402

Sportanlagen

Tribünenbau

125.000

-

125.000

-

5600.9506

Sanierung Sportgelände 550.000 500.000 50.000 -

6200.9320

Erwerb von Wohnbaugrundstücken 500.000 - 500.000 -

6201.9870

Energieeinsparförderung

Zuwendung durch Gemeinde

50.000

-

50.000

-

6300.9500

Straßenleichtausbau 70.000 - 70.000 -

36


Bezeichnung

Haushaltsstelle

Investitionen

insgesamt

(in Euro)

bisher

bereitgestellt

Mitteleinplanung

2019

(in Euro)

Förderung

Kommunalpolitik

6300.9510

Straßenbau

Am Anger, Dorfplatz

85.000

-

10.000

22.500

6300.9511

Straßenbau

nach Hof

100.000

-

-

noch nicht

bekannt

6300.9580

Straßenbau

Georg-Rinser-Weg

75.000

-

75.000

-

6301.9508

Gewerbegebiet am Moosfeld 170.000 - 150.000 -

6304.9560

Kernwegebau

Kirchanschöring - Hausen - Röhrmoos

203.000

3.000

200.000

-

6304.9560

Kernwegebau 567.000 -

-

-

6500.9501

Kreisverkehr an der TS 26 100.000 -

-

-

6701.9600

Straßenbeleuchtung; Umrüstung auf LED 255.000 - 5.000 60.000

6900.9500

Hochwasserausbau Roding 700.000 - 375.000 428.000

6900.9502

Hochwasserausbau Rothanschöring 475.000 - 75.000 75 %

7000.9587

Kanalbau Gewerbegebiet III 45.000 - 40.000 -

7710.9400

Bauhof; Waschplatz 45.000 -

-

-

7910.9870

Breitband 1.027.380 - 100.000 700.000

8800.9400

Neubau Alte Schule Kirchstein 158.000 18.000 140.000 -

8808.3660

KU; blue living Zuschüsse 660.000 - 330.000 -

8808.9300

Hingabe von Eigenkapital 1508.000 - 150.000 -

8808.9850

KU; blue living

Weiterleitung von Zuschüssen und Krediten

1.860.000

-

930.000

-

8809.9850

KU; Haus der Begegnung

Weiterleitung von Zuschüssen

432.700

-

432.700

-

37


Kommunalpolitik

Am Ende verabschiedete der Gemeinderat folgende Haushaltssatzung:

Haushaltssatzung der Gemeinde Kirchanschöring für das Haushaltsjahr 2019

Auf Grund des Art. 63 ff der Gemeindeordnung

erlässt die Gemeinde Kirchanschöring folgende Haushaltssatzung:

§ 1

Der als Anlage beigefügte Haushaltsplan für das Haushaltsjahr 2019 wird hiermit festgesetzt; er schließt im

Verwaltungshaushalt

in den Einnahmen und Ausgaben mit

8.878.500 Euro

und im

Vermögenshaushalt

in den Einnahmen und Ausgaben mit

4.551.800 Euro

ab.

§ 2

Für Investitionen und Investitionsförderungsmaßnahmen wird eine Kreditaufnahme in Höhe von 600.000

Euro festgesetzt.

§ 3

Der Gesamtbetrag der Verpflichtungsermächtigung im Vermögenshaushalt wird auf 0 Euro festgesetzt.

§4

Die Steuersätze (Hebesätze) für nachstehende Gemeindesteuern werde wie folgt festgesetzt:

1. Grundsteuer

a) für die land- und forstwirtschaftlichen Betriebe (A) 310 v.H.

b) für die Grundstücke (B) 310 v.H.

2. Gewerbesteuer 310 v.H.

§ 5

Kassenkredite zur rechtzeitigen Leistung von Ausgaben nach dem Haushaltsplan werden nicht beansprucht.

§ 6

Diese Haushaltssatzung tritt mit dem 1. Januar 2019 in Kraft.

Sportlerehrung

Getragen vom großen Applaus des Publikums

stellte die Gemeinde Kirchanschöring im Rahmen

eines festlichen Empfangs die besonderen Leistungen

und Erfolge ihrer Sportlerinnen und Sportler

des Jahres 2018 in den Fokus der Öffentlichkeit und

sprach ihnen die verdiente Anerkennung aus.

Als auszeichnungswürdige Erfolge gelten Podestplätze

bei Bezirksmeisterschaften, Bayerischen

Meisterschaften und Deutschen Meisterschaften

sowie höhere Medaillenerfolge oder sonstige vorbildliche

Haltungen im örtlichen Sportwesen.

Bürgermeister Hans-Jörg Birner freute sich, dass er

die schöne Aufgabe der Ehrung nun schon zum

38


fünften Mal übernehmen und neun einzelne Sportlerinnen

und Sportler sowie fünf Teams auszeichnen

durfte. In der Liste der Geehrten, die im Sportjahr

2018 besonders positiv auffielen, spiegelte sich

wider, dass aktuell die Präzisionssportarten Stockschießen

und Sportschießen zahlenmäßig die Top-

Disziplinen im Ort sind, die sehr viele Jugendliche

ansprechen. Außerordentliches leisteten auch

Läufer der TG Salzachtal und eine Tänzerin.

Kommunalpolitik

Gold

Der EC Lampoding, dessen umjubelte Mitglieder

von Stolz erfüllt im Vereinstrikot erschienen, glitt

nämlich von Sieg zu Sieg, so konnten drei Mannschaften

und vier einzelne Sportler die Goldmedaille

in Empfang nehmen.

Weiteres Gold ging an die Schützin Lisa-Marie

Haunerdinger und an die Balletttänzerin Emmelie

Lehmhofer. Die Goldmedaille verleiht die Gemeinde

für den ersten bis dritten Platz einer Deutschen

Meisterschaft oder höher.

Lang ist die Liste der sportlichen Spitzenergebnisse,

die die Schützin Lisa-Marie Haunerdinger von

der SG Schützenblut Lampoding vorweisen kann.

Mit ihren insgesamt acht Top-Ergebnissen dürfte

sie mittlerweile die wohl prominenteste Schützin

sein, die Kirchanschöring je hervorgebracht hat.

Da hatte Bürgermeister Hans-Jörg Birner ordentlich

was zu lesen, bis er all die Erfolge der vergangenen

Saison erwähnt hatte, die er nun mit Gold honorierte:

Haunerdinger holte sich den Titel bei der

Landesmeisterschaft im Luftgewehr und im KK3x20

liegend. Bei dieser Landesmeisterschaft wurde sie

auch Zweite im KK liegend.

Bei der Deutschen Meisterschaft im Luftgewehr-

Einzel kam sie auf einen tollen Platz 3 und mit der

Luftgewehr-Mannschaft machte sie den 2. Platz.

Bei der Deutschen Meisterschaft wurde sie im KK3-

20 liegend Beste. Mit der Luftgewehr-Mannschaft

holte sie den Titel bei der Europameisterschaft.

Auch der elfte Platz bei der Weltmeisterschaft

kann sich noch sehen lassen.

Die 15-jährige Emmelie Lehmhofer, die sich mit

Tanzbegeisterung, Disziplin und Fleiß im Wettbewerbsteam

der Freilassinger Ballettschule „Atelier

Danse“ engagierte und in Gruppentänzen (Ballett,

Jazz, Stepptanz und Modern) gleich siebenmal

jeweils den ersten und zweimal den zweiten

Platz bei den Deutschen Meisterschaften machte,

freute sich, auch heuer wieder unter den mit Gold

Geehrten sein zu dürfen.

Emmilie Lehmhofer freut sich die Auszeichnung durch

Bürgermeister Hans-Jörg Birner entgegennehmen zu dürfen

Das Mannschaftsgold ging an die EC-Jugendmannschaft

U14. Sie machten in den Mannschaftswettbewerben

den 1. Platz bei der Bayerischen

Meisterschaft auf Eis und den 3. Platz bei der Deutschen

Meisterschaft auf Eis.

Zu den Glücklichen gehören Martina Drechsler,

Kilian Reschberger, Mike Reschberger und Viktoria

Schuhbeck.

Die Mannschaftsjugend U16 vom EC Lampoding freut sich über die

Goldmedaillen der Gemeinde Kirchanschöring (von links):

Martina Drechsler, Kilian Reschberger, Mike Reschberger

und Viktoria Schuhbeck.

Bürgermeister Hans-Jörg Birner (im Hintergrund) gratuliert

Zur EC Jugendmannschaft U16 gehören Sinah

Reschberger und Maxi Schuhbeck.

Die beiden wurden mit Gold gekürt, weil sie den

1. Platz beim Euro Grand Prix der Jugend U16 mit

Team Deutschland 1 im Mannschaftswettbewerb

erreicht haben.

39


Kommunalpolitik

auch bei der Deutschen Meisterschaft (U16) auf

der Sommerbahn im Zielwettbewerb.

Sinah Reschberger schaffte es auf jeweils 1. Plätze

bei der Deutschen Meisterschaft (U16) auf Eis im

Zielwettbewerb und auf der Sommerbahn im Zielwettbewerb.

Gold gabs auch für die Mannschaft U16 vom EC Lampoding

mit Sinah Reschberger und Maxi Schuhbeck

Stolz auf sich darf auch die Herrenmannschaft des

EC Lampoding sein, der Andreas Neumaier, Gottfried

Obermayer, Manfred Reiter, Wolfgang Schmid und

Helmut Schuhbeck angehören: Beim Deutschen Pokal

der Herren auf Eis erreichten sie Platz 2.

Silber

Neben Gold sind Silber und Bronze weitere Währungen,

die im Medaillenspiegel etwas zählen.

Die Damenmannschaft des EC Lampoding mit

Sabine Abstreiter, Christina Drechsler, Anna

Obermayer, Barbara Reschberger und Sandra

Reschberger erhielt Silber für ihren Aufstieg in die

erste Bundesliga Süd und ihre Erstplatzierungen in

der Bayernliga Süd (Damen auf Eis).

Die „Goldjungs“ von der Herrenmannschaft des EC Lampoding

(von links): Helmut Schuhbeck, Andreas Neumaier, Manfred Reiter,

Gottfried Obermayer, Bürgermeister Hans-Jörg Birner

und Wolfgang Schmid

Auf der goldenen Erfolgsspur des EC Lampoding

befindet sich auch Maxi Schuhbeck. Er bekam

Gold für seine Erstplatzierung beim Euro Grand Prix

Jugend (U16) im Team Deutschland Mannschafts-

Zielwettbewerb und seine Zweitplatzierung bei

den selben Wettkämpfen im Zielwettbewerb.

Bei diesen Wettkämpfen gab es auch drei Goldmedaillengewinnerinnen.

So kam auch Viktoria

Schuhbeck mit dem Team Deutschland 2 im

Mannschaftswettbewerb (U16) auf den 3. Platz

und sicherte sich den 2. Platz im Zielwettbewerb.

Martina Drechsler belegte sowohl den 3. Platz bei

der Jugend (U14) auf Eis im Zielwettbewerb als

Die Damenmannschaft des EC Lampoding wurde für ihren

sportlichen Erfolg in Silber ausgezeichnet (von links):

Christina Drechsler, Anna Obermayer, Barbara Reschberger und

Sandra Reschberger. Mit in der Silber-Mannschaft war Sabine

Abstreiter. Bürgermeister Hans-Jörg Birner freut sich mit den

Sportlerinnen

Kilian Reschberger vom EC Lampoding durfte

Silber entgegennehmen für seinen 3. Platz beim

Bayernpokal der Jugend auf Sommerbahnen im

Weitenwettbewerb.

Über die gemeindliche Auszeichnung in Silber freuen

sich auch Waltraud Berger und Hannes Wagner

von der TG Salzachtal. Waltraud Berger hielt bei

Meisterschaften die TG-Fahnen hoch. Sie wurde

nämlich beim Karwendel-Lauf Zweite und damit

Bayerische Berglauf-Vizemeisterin. Sie konnte ihre

läuferische Stärke auch noch bei den Bayerischen

Senioren-Meisterschaften am Hörnle in Bad Kohlgrub

ausspielen, wo sie ebenfalls den Vize-Titel holte.

Hannes Wagner schaffte souverän den dritten

40


Platz bei den Bayerischen Senioren-Meisterschaften

über zehn Kilometer in Mettenheim.

Bronze

Für den 2. Platz beim Aufstiegskampf in die Bayernliga

ehrte Kirchanschöring die SG Schützenlust-

Mannschaft. Zu dieser Truppe gehören Hannes

Baumann, Lisa-Marie Haunerdinger, Matthias

Haunerdinger, Michael Kraller, Verena Kraller,

Tobias Obermeier, Melanie Schiller und Ramona

Wörndl.

Birner, der die große Sportlerfamilie in der Aula der

Schule willkommen hieß, hob in seiner Ansprache

hervor, dass es sehr erfreulich sei, dass ein Schwerpunkt

der Ehrungen im Bereich des Jugendsports

liegt. Über 60 Prozent der heute Geehrten sind

junge Leute. Dies spreche für eine hervorragende

Arbeit in den Vereinen. Die Jugendarbeit in den

Vereinen und damit auch in Sportvereinen nehme

eine immense gesamtgesellschaftliche Bedeutung

ein. Angesichts der gesellschaftlichen Veränderungen

könne man die herausragende Bedeutung

der Vereine im Sinne einer funktionierenden

Gesellschaft gar nicht genug herausheben.

In Vereinen lernen junge Leute ihre Talente zu finden

und sich weiterzuentwickeln. Sie lernen, dass

nicht jeder alles kann, nicht jeder der Beste sein

muss, um ein wichtiger Teil der Gemeinschaft zu

sein.

Selbst in einer noch so erfolgreichen Mannschaft

werde es nicht nur lauter Spitzensportler geben.

Da werde es auch Menschen brauchen, die ausgleichend

wirken, die andere motivieren oder

organisieren können. „Viele Rädchen müssen ineinandergreifen

und daran arbeiten, dass man

gemeinsam zum Erfolg kommt.“

Junge Menschen lernen in Vereinen auch, dass es

wichtig ist, Verantwortung zu übernehmen, dass

man sich nicht einfach zurücklehnen und darauf

vertrauen kann, dass sich schon irgendwer um alles

kümmert. Auch das sei eine wichtige Eigenschaft

unserer Gesellschaft. Nicht davon ausgehen, dass

alles von selbst läuft.

Dies gehe schon bei einfachen Dingen los, wie

beispielsweise dem Organisieren des Jugendtrainings,

dem Ausrichten von Wettkämpfen oder

dem Veranstalten von Vereinsfesten. Diese Übernahme

von Verantwortung setze sich auch in der

Gemeindepolitik und beim generellen Demokratieverständnis

fort. Nichts sei selbstverständlich.

„Gerade in Vereinen und Sportvereinen lernen

die jungen Leute die Kernelemente unseres gesellschaftlichen

Selbstverständnisses - und das macht

diese Strukturen so unverzichtbar in unserer Gesellschaft.“

Die Sportlerehrung sei ein schöner Anlass, vorzuführen,

wie modern und vielseitig Sport in Kirchanschöring

ist und welche Vielfalt an Sportangebote

unsere Vereine vor Ort und in der Region bieten.

Sportlichen Erfolg verdanke man nicht nur dem Talent,

der Zielstrebigkeit und der Beharrlichkeit, sondern

auch jenen Personen, die die Sportler immer

wieder unterstützen: den Trainern und Betreuern

sowie den Funktionsträgern in den Vereinen. Sie

gehen ihren Aufgaben mit großem Engagement

und großer Motivation nach. All dies passiere ehrenamtlich,

was heutzutage alles andere als selbstverständlich

sei.

Text: Anneliese Caruso

Kommunalpolitik

41


Kommunalpolitik

Sturm aufs Rathaus ...

42


... mit der Faschings Remmi Demmi Musik Anschöring e.V.

Kommunalpolitik

43


Kommunalpolitik

Am Unsinnigen Donnerstag übernahmen wieder, wie alle Jahre, die närrischen Frauen des Orts für ein paar

Stunden das Zepter in der Gemeinde in die Hand. Bürgermeister Hans-Jörg Birner, der einmal mehr ohne Hilfe

des Gemeinderats die Stellung halten musste, ergab sich mehr oder weniger kampflos der deutlichen Übermacht

der Damen und bat mit belegten Semmeln, Butterbrezen, einigen Eimern Bowle, Bier und Radler um

Waffenstillstand, der ihm in Anbetracht der angebotenen Bewirtung auch gewährt wurde.

Die friedliche Übereinkunft wurde besiegelt und mit fetziger Musik der RemmiDemmiMusi gefeiert.

Zwischenzeitlich fanden sich auch ein paar Damen aus den Nachbargemeinden ein, die durch die Auszeichnung

„Bürgermeister des Jahres“ auf Hans-Jörg Birner aufmerksam geworden waren und diesen nun

abwerben und für die benachbarten Orte als Bürgermeister gewinnen wollten.

Allerdings widerstand der Kirchanschöringer Rathauschef allen Verlockungen mit den Worten „I mog ned -

I bin a Anschöringer“ und schickte die Damen unverrichteter Dinge nach Hause. Diese Standfestigkeit riss einige

begeisterte Bürgerinnen zu Beifallsstürmen hin, die sie mit hocherhobenen Plakaten noch untermauerten.

Allerdings wurde dem Bürgermeister nicht nur zugejubelt, sondern ihm auch kräftig die Leviten gelesen und

in Form von gesungenen Gstanzln ein paar Unterlassungen angekreidet:

A paar Gstanzl zum dablecka, di hob i heut a wieda dicht,

i hoff, da Bürgermeister konns alloa dabacka, weil Unterstützung vom Gemeinderat hat er heut a wieda nicht.

Ja die Heizung in der Hans-Strasser-Halle, ja die lafft bei Tog und Nacht,

ob bei 30° minus oder 30° plus, is ja wurscht, als ob des wos macht.

Und a Altpapier-Konzept für die Gemeinde, des ghörat scho her,

weil so vui Stapel und Kisten mit ned vaschickte Gewerbesteuer-Akten, ja die stören halt scho sehr.

Aber wenn dei Nam mit Z ogfangt hat, hat´s die ned geniert, des is ned glogn,

nur wenns`d zu de Deppn mit A oder B ghört hast, hast zahln müssn und die Arschkartn zogn.

Und die Straßenlaternen Richtung Hipfeham, ja die funzeln vor si hi,

dafür gibt´s im neuen Gewerbegebiet „Am Moosfeld“ gar koa, vielleicht kostn de vui z`fi.

Ja beim Bienenschützen, da is Anschöring auf jeden Fall voll dabei,

die Bienen griagn a luxuriöses Haus, da dat si a Obdachloser oder gar a Kloafamilie fast scho drüber gfrei.

Da neue Fußballplatz, der is teuer gwen, aber trotzdem is er wengal schief worn,

aber wenns`d a gscheida Fussballa bist, tuast des beim passen scho vorher einkalkuliern.

Und wenns`d in`d Hans-Strasser-Halle zum sportln gehst, da muasst oans wirklich wissen,

nimm an Stoa mit zum Tür aufspreizen, sonst konnst as aus- und eigeh vagessn.

Aber jetz mach i Schluss für heit, i hoff, die Gstanzl hom euch gfoin und es hot ned gstert,

dass i die in 2 Stund gmacht hob, weil wenn i bei da Telekom war, hätt`s es erst frühestens naxt`s Jahr ghört.

Die Gstanzl wurden von den narrischen Frauen heftig beklatscht, aber ob sie dem Bürgermeister auch so

gut gefallen haben, wurde nicht eindeutig geklärt. Trotzdem wurde noch lustig weitergefeiert und nachdem

die RemmiDemmiMusi noch einige Gassenhauer zum Besten gegeben hatte, waren die Damen bereit, die

Gemeinde wieder dem Bürgermeister zu überlassen. Bevor man sich jedoch endgültig auf den Weg machte,

um die Gaststätten in Kirchanschöring unsicher zu machen, wurde noch eindeutig klar gelegt, dass man im

kommenden Jahr wieder kommen wolle, um aufs Neue für ein paar Stunden das Regiment in der Gemeinde

zu führen.

Text: Monika Baumgartner

44


Christa Zeif geht in den Ruhestand

März

Am 13. März mussten wir unsere langjährige Mitarbeiterin Christa Zeif in

ihren wohlverdienten Ruhestand verabschieden.

Kommunalpolitik

Frau Zeif war über 45 Jahre für die Gemeindeverwaltung tätig und begleitete

in dieser Zeit vier verschiedene Bürgermeister.

April

Mehr Platz für die Kinderbetreuung

Die aktuelle Situation im Haus für Kinder veranlasste den Träger und die Gemeinde Kirchanschöring Anpassungen

im Konzept vorzunehmen. Für das KiGa- bzw. Schuljahr 2019/2020 könnten sonst nicht alle Anmeldungen

bedient werden.

Auf Grund der Entwicklung der Geburtenzahlen in den letzten Jahren ist davon auszugehen, dass dieser Bedarf

auf hohem Niveau auch in den nächsten Jahren erhalten bleibt.

Aus diesem Grund haben die Leitung und der Träger des Haus für Kinder, die Schulleitung und die Gemeindeverwaltung

ein Konzept für die zukünftige Kinderbetreuung im Haus für Kinder bzw. im Schulgebäude

erarbeitet:

Mittelfristig soll der Hort (Nachmittagsbetreuung der Schulkinder) komplett in das Schulgebäude verlagert

werden.

Angestrebt ist, dass diese Betreuung nicht als offene Ganztagsschule, sondern weiterhin im Rahmen des

BayKiBiG durch das Haus für Kinder erfolgt. Dies ermöglicht größtmögliche Flexibilität in den Betreuungszeiten,

sowohl während der Schulzeiten als auch in den Ferienzeiten.

Diese Komplettverlagerung erfolgt nach der geplanten Schulhaussanierung. Daher ist dabei auch der geänderte

Raumbedarf im Vergleich zur ursprünglichen Planung zu überarbeiten. Dies ist gerade in Arbeit.

Um diese Übergangszeiten zu überbrücken, wird folgende Lösung angestrebt:

Der Turnraum im Altbau des Hauses für Kinder wird umfunktioniert in einen weiteren Gruppenraum. Die

Umbauten am Gebäude sind mit geringem Aufwand verbunden (z.B. einfache Zwischenwand in Trockenbauweise),

da Fluchtwege u.ä. bereits vorhanden sind. Dort findet eine zusätzliche, sechste Kindergartengruppe

seine vorübergehende Heimat. Dieser Raum wurde bereits in der Vergangenheit schon einmal als

Gruppenraum genutzt.

Der fehlende Turnraum wird ausgeglichen durch die Nutzungsmöglichkeit der Schulturnhalle bzw. der

Hans-Straßer-Halle.

Der Hort wird geteilt in die Betreuung der 1./2. Klassen und der 3./4. Klassen. Die Betreuung der älteren

Kinder erfolgt in den Räumen der Schule. Dafür wurden Räume von der Schulleitung „freigegeben“.

Am späteren Nachmittag, wenn die Anzahl der zu betreuenden Kinder weniger wird, können die beiden

Hortgruppen dann wieder gemeinsam im Haus für Kinder betreut werden.

45


Kommunalpolitik

Mit dieser Lösung können wir die Kinderbetreuung für die nächsten Jahre sicherstellen. Parallel dazu laufen

noch Überlegungen, ob es Möglichkeiten gibt, eine dritte Krippengruppe unterzubringen. Hier könnte zukünftig

ein erhöhter Bedarf bestehen. Mit einem entsprechenden Konzept sollten wir vorbereitet sein.

Die Entscheidung des Gemeinderats wurde durch die demografische Entwicklung unserer Gemeinde untermauert.

Ebenso weisen städtebauliche Aspekte der zukünftigen Bevölkerungsentwicklung in diese Richtung:

In den letzten beiden Jahren wurde das Baugebiet „Ost II“ von jungen Familien bezogen. Hier ergibt sich ein

Potenzial für das Haus für Kinder.

Die Gemeinde Kirchanschöring setzt bei ihrer städtebaulichen Entwicklung verstärkt auf den Bereich der

Innenentwicklung. Hier sollen ebenfalls Wohnmöglichkeiten erschlossen werden. Dazu wurden bereits ein

Ortsentwicklungskonzept entwickelt und erste Baugruppen auf den Weg gebracht.

Es ist also auch hier mit einer erhöhten Nachfrage auf Grund von einem breiteren Angebot von Wohnmöglichkeiten

in der Gemeinde Kirchanschöring auszugehen.

Parallel engagiert sich die kommunale Wohnbaugesellschaft im Bereich des Wohnungsbaus und errichtet

aktuell einen Geschosswohnungsbau mit der Zielgruppe junger Menschen und damit auch junger Familien.

Der Gemeinderat hat diesem Konzept zugestimmt und die Gelder für Investitionsaufwand im Jahr 2019 von

rund 30.000 € freigegeben.

Vorkaufsrechtssatzungen - ein Werkzeug der Ortsentwicklung

Der Gemeinde als Trägerin der Planungshoheit kommt eine wichtige Rolle beim sparsamen Umgang mit der

Ressource Boden zu. Ein zentraler Punkt bei der Verringerung zusätzlicher Flächeninanspruchnahme liegt in

der Innenentwicklung.

Grundsätzlich kann die Gemeinde nach dem Baugesetzbuch ein Vorkaufsrecht ausüben, wenn die Voraussetzungen

des § 24 BauGB gegeben sind.

Nach § 24 Abs. 3 BauGB darf dieses Vorkaufsrecht jedoch nur dann ausgeübt werden, wenn das Wohl der

Allgemeinheit dies rechtfertigt. Bei der Ausübung des Vorkaufsrechts hat die Gemeinde den Verwendungszweck

des Grundstücks anzugeben.

Zu unterscheiden ist dabei das vertragliche Vorkaufsrecht. Dies wird mit dem Grundstückseigentümer notariell

vereinbart. Hierzu ist als Beispiel das Vorkaufsrecht bei allen Einheimischengrundstücken für die Gemeinde

zu nennen.

46


§ 24

Allgemeines Vorkaufsrecht

(1) Der Gemeinde steht ein Vorkaufsrecht zu beim Kauf von Grundstücken

1. im Geltungsbereich eines Bebauungsplans, soweit es sich um Flächen handelt, für die nach dem Bebauungsplan

eine Nutzung für öffentliche Zwecke oder für Flächen oder Maßnahmen zum Ausgleich im Sinne des § 1a

Abs. 3 festgesetzt ist,

2. in einem Umlegungsgebiet,

3. in einem förmlich festgelegten Sanierungsgebiet und städtebaulichen Entwicklungsbereich,

4. im Geltungsbereich einer Satzung zur Sicherung von Durchführungsmaßnahmen des Stadtumbaus und einer

Erhaltungssatzung,

5. im Geltungsbereich eines Flächennutzungsplans, soweit es sich um unbebaute Flächen im Außenbereich handelt,

für die nach dem Flächennutzungsplan eine Nutzung als Wohnbaufläche oder Wohngebiet dargestellt

ist,

6. in Gebieten, die nach § 30, 33 oder 34 Abs. 2 vorwiegend mit Wohngebäuden bebaut werden können, soweit

die Grundstücke unbebaut sind, sowie

7. in Gebieten, die zum Zweck des vorbeugenden Hochwasserschutzes von Bebauung freizuhalten sind, insbesondere

in Überschwemmungsgebieten.

Kommunalpolitik

Nach § 24 Abs. 3 BauGB darf dieses Vorkaufsrecht jedoch nur dann ausgeübt werden, wenn das Wohl der

Allgemeinheit dies rechtfertigt. Bei der Ausübung des Vorkaufsrechts hat die Gemeinde den Verwendungszweck

des Grundstücks anzugeben.

Zu unterscheiden ist dabei das vertragliche Vorkaufsrecht. Dies wird mit dem Grundstückseigentümer notariell

vereinbart. Hierzu ist als Beispiel das Vorkaufsrecht bei allen Einheimischengrundstücken für die Gemeinde

zu nennen.

Nach § 25 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 BauGB besteht die Möglichkeit, bei städtebaulichen Maßnahmen zur Sicherung

einer geordneten städtebaulichen Entwicklung durch Satzung ein Vorkaufsrecht für bestimmte Flächen festzulegen.

Der Begriff der „städtebaulichen Maßnahmen“ ist weit auszulegen. Darunter fallen alle Maßnahmen,

die der Gemeinde dazu dienen, ihre Planungsvorstellungen zu verwirklichen, vorausgesetzt, sie weisen

einen städtebaulichen Bezug auf. Die beabsichtigte Maßnahme muss aber auf ein Ziel gerichtet sein, das im

konkreten Fall mit den Mitteln der Bauleitplanung und des Städtebaus zulässigerweise verfolgt werden kann.

Dieser Fall des Vorkaufsrechts bietet den am weitestgehenden Anwendungsbereich. Es ist nicht von einem

Bebauungsplan abhängig und bezieht sich sowohl auf bebaute als auch auf unbebaute Grundstücke ohne

Beschränkung auf eine bestimmte Nutzung oder deren Lage im Innen- oder Außenbereich.

In der Praxis wird ein Verkaufsfall vom jeweiligen Notariat bei der Gemeinde angezeigt.

Die Gemeinde hat zu prüfen, ob ein Vorkaufsrecht besteht.

Vorkaufsrecht

P Vertragliches Vorkaufsrecht

P Allgemeines Vorkaufsrecht (§ 24 BauGB)

P Vorkaufsrechtssatzung (§25 BauGB)

Durch den Erlass einer Vorkaufsrechtssatzung hat die Gemeinde eine weitere Möglichkeit ein Vorkaufsrecht

an bestimmten Grundstücken auszuüben. Ob bei einem Verkaufsfall das Vorkaufsrecht ausgeübt wird, kann

die Gemeinde selbst entscheiden. Durch die Vorkaufsrechtssatzung hat die Gemeinde grundsätzlich zumindest

die Möglichkeit, ein Grundstück zu erwerben. Die Gemeinde muss allerdings das Grundstück bei einem

Verkaufsfall nicht zwingend erwerben.

Der Erlass einer Vorkaufsrechtssatzung wurde bereits in mehreren Sitzungen besprochen. Unter anderem hat

Matthias Simon vom Bayerischen Gemeindetag in einer Gemeinderatsklausur im Februar 2019 den Erlass von

Vorkaufsrechtssatzungen empfohlen. Die vom Gemeinderat beschlossenen Satzungen wurde vorab an die

Rechtaufsichtsbehörde übersandt.

47


Kommunalpolitik

Diese haben keine Einwände geäußert.

Für folgende Areale hat der Gemeinderat nun Vorkaufsrechtssatzungen beschlossen (Auszüge aus den

Begründungen):

(1) „An der Bahnhofstraße“

Es handelt sich bei diesem Gebiet um ein teilweise mit einem ehemaligen Gasthof bebautes Grundstück mit

einem Biergartenbereich. Der ehemalige Gasthof ist mit einem eingeschossigen Überbau über die Rupertistraße

mit dem südlich stehenden Gebäude verbunden, wodurch sich für den vom Bahnhof kommenden

Besucher ein Tor in die Ortschaft eröffnet.

Bei einem etwaigen Ersatzneubau müsste dieser gleiches Volumen und gleiche Dachform aufweisen. Dies

sichert jedoch nicht die bestehenden baulichen Qualitäten, d.h. es besteht das Risiko, dass die jetzige architektonische

Einheit aus Bahnhof und den beiden Torbauten verlorgen ginge. Dies ist nicht Ziel der Gemeinde.

Zudem soll die dahinterliegende Fläche einheitlich städtebaulich weiter entwickelt werden. Dies ist notwendig,

um eine Bebauung in Art und Maß städtebaulich verträglich zu erzielen.

Das Erdgeschoss mit den vorhandenen großen Fenstern und dem direkten Zugang zum ehemaligen Biergarten

im Westen und zum Bahnhof könnte wieder als Gaststätte oder als Gemeinschaftsraum, ggfs. auch als

Co-Working-Space, Nutzen bringen.

Aufgrund seiner wichtigen Stellung im Ort gegenüber des Bahnhofs und aufgrund der Herausforderung einer

modellhaften qualitätvollen Sanierung und Umnutzung eines ortsbildprägenden Ensembles sowie einer

möglichen Nachverdichtung im östlichen Teil, bietet sich diese Fläche in besonderer Weise für alternative

Wohnformen an. Der Erwerb durch die Gemeinde kann eine ortsbildgerechte Pflege des Anwesens an dieser

bedeutsamen Stelle im Ort sicherstellen.

48


Die derzeitige Struktur lässt befürchten, dass durch mehrere Einzelerschließungen ein erheblicher Flächenverbrauch

stattfinden würde. Ziel ist es soweit, die Baufläche mit einer möglichst flächensparenden, aber

auch verkehrlich funktionierenden (Binnen-)Erschließung zu ordnen. Dies ist ein Grund für den Erlass einer

Vorkaufsrechtssatzung, da ein Flächenerwerb durch die Gemeinde geeignet ist, die Umsetzung einer gebietsund

verkehrsbezogenen Erschließung deutlich zu fördern und zu erleichtern.

Kommunalpolitik

In der Gemeinde Kirchanschöring besteht ein erheblicher Bedarf an Mietwohnungen für Bevölkerungsschichten

mit mittleren und niedrigeren Einkommen. Es ist verfassungsrechtlich (Art. 106 Abs. 2 BV) und

städtebaulich (§1 Abs. 6 Nr. 2 BauGB) Aufgabe der Gemeinde, solche Bevölkerungsgruppen mit besonderen

Wohnraumversorgungsproblemen mit ausreichend Wohnraum zu versorgen. Die besondere Eignung der

Fläche ergibt sich aus dem städtebaulichen Ortsentwicklungskonzept 2018 der Planerinnen Seeholzer und

Häupl, der hier zentral gelegene Mietwohnungen und einsehbare Grünflächen in Betracht zieht.

Da jedoch die Möglichkeit der Gemeinde, über Bebauungspläne verbindliche Vorgaben zu machen, sehr

eingeschränkt ist, wird die Umsetzung dieses städtebaulichen Ziels durch den Flächenerwerb der Gemeinde

deutlich erleichtert. Während Private naturgemäß darauf ausgerichtet sind, den maximalen Gewinn zu realisieren,

kann die Gemeinde im Rahmen eines Flächenerwerbs und etwaiger staatlicher Förderungen (z.B.

KommWFP) eine Bebauung umsetzen, die sich gerade daran orientiert, günstige Mietwohnungen für die Bevölkerung

zu realisieren. Somit besteht ein Sicherungsbedürfnis, das erst und nur durch die Vorkaufsrechtssatzung

umgesetzt werden kann.

Zentrumsnaher Mietwohnraumbedarf besteht im Übrigen in Kirchanschöring auch für ein behinderten- und

seniorengerechtes Wohnen und für junge Menschen, insbesondere für die, die im Ehrenamt engagiert sind.

Auch solche städtebaulichen notwendigen Maßnahmen zur Sicherung einer ausgewogenen Sozialstruktur

sind auf eigenen Grundstücken der Gemeinde deutlich leichter umzusetzen, als durch bauleitplanerische

Vorgaben, die letztlich gegen den Willen des Privaten nicht umgesetzt werden können.

Im Hinblick auf die Art der baulichen Nutzung strebt die Gemeinde im Schwerpunkt die Realisierung einer

Bebauung mit öffentlichen Mietwohnungen und einsehbarer Grünflächen an.

(2) „An der Rupertistraße“

Es handelt sich bei diesem Gebiet um teilweise mit Wohngebäuden und teils leerstehenden Werkstattgebäuden

bebaute Grundstücke.

Bei etwaigen Ersatzneubauten besteht das Risiko, dass mutmaßlich Eigentumswohnungen und private, hochpreisige

Mietwohnungen entstehen. Dies ist nicht Ziel der Gemeinde. Vielmehr sollen die Flächen für günstige

Mietwohnungen im Sinne einer nachhaltigen und sozialverträglichen, ggfs. verdichteten Innenentwicklung

und einer Stärkung der räumlichen Qualitäten im Ortskern gesichert werden.

Die derzeitige Struktur lässt befürchten, dass durch mehrere Einzelerschließungen ein erheblicher Flächenverbrauch

stattfinden würde. Ziel ist es insoweit, die Baufläche mit einer möglichst flächensparenden aber

auch verkehrlich funktionierenden (Binnen-)Erschließung zu ordnen.

Dies ist ein Grund für den Erlass einer Vorkaufsrechtsatzung, da ein Flächenerwerb durch die Gemeinde

geeignet ist, die Umsetzung einer gebiets- und verkehrsbezogenen Erschließung deutlich zu fördern und zu

erleichtern.

Im Übrigen gelten die Ausführungen vom Punkt 1 („An der Bahnhofstraße“).

49


Kommunalpolitik

(3) „Dorfplatz“

Es handelt sich bei diesem Gebiet um teilweise bebaute Grundstücke.

Im südlichen Grundstücksteil bestehen ein ehemaliger Landgasthof mit Gästezimmern sowie eine ehemalige

Metzgerei, die im Zusammenhang mit der umliegenden bereits bestehenden Bebauung einer städtebaulichen

Ordnung zugeführt werden soll. Unmittelbar südlich liegen der Dorfplatz mit Grünfläche sowie Wohngebäude.

Auf der Westseite besteht ein Produktions- und Verwaltungsgebäude nebst Verkaufsgeschäft eines Bekleidungsherstellers.

Östlich finden sich Wohngebäude sowie eine große private Grünfläche.

Auf der Nordseite sind ebenfalls Wohngebäude errichtet. In Gehentfernung befinden sich das Rathaus, die

Kirche mit Pfarrheim, die Bücherei sowie eine Gaststätte mit Bürgersaal. Aufgrund der zentralen Lage kommt

dem Bestand eine ortsbildprägende Bedeutung zu.

Die Grundstücke sind aufgrund ihrer Zentrumslage besonders geeignet, um die an dieser Stelle über Jahrzehnte

bestehende Nahversorgung der Bevölkerung und Treffpunkt als Dorfplatz mit Gasthaus wieder aufleben

zu lassen. Hierbei sind die heutigen Bedürfnisse, insbesondere an einer einfachen Erreichbarkeit mit Kfz

nebst Stellplätzen durch die Gemeinde leichter zu verwirklichen, als eine nur auf die Grundstücke bezogene

Planung eines Privaten.

Die Gemeinde kann als Eigentümerin der Grundstücke die Planungen losgelöst von heutigen Grundstücksgrenzen

nach Süden in einem flächenmäßig großzügigeren Umgriff vorantreiben als ein Privater.

Das Vorkaufsrecht ermöglicht damit eine Verbesserung der Aufenthaltsqualität für alle Generationen im Ortskern.

Hierbei kann die Gemeinde die wichtigen ortsbaulichen Identitäten erhalten und in einem zeitgemäßen Kontext

planen.

(4) „Kirchplatz“

Es handelt sich bei diesem Gebiet, das zwischen den vorbezeichneten Flächen liegt, um ein teilweise bebautes

Grundstück. Im westlichen Grundstücksteil liegt eine große unbebaute Freifläche, die im Zusammenhang

mit der umliegenden bereits bestehenden Bebauung einer städtebaulichen Ordnung zugeführt werden soll.

Die Straße von Waging bzw. Traunstein stößt unmittelbar auf das Grundstück, dem städtebaulich somit eine

Tor- bzw. Begrüßungsfunktion zukommt.

Südlich der Fläche errichtete die gemeindliche Wohnungsbaugesellschaft 2017 das „Haus der Begegnung“

mit neun seniorengerechten Wohnungen, einer Ambulanten Wohngemeinschaft für Senioren und Behinderte,

einem Gemeindesaal, dem gemeindlichen Sozialbüro und einer Allgemeinarztpraxis. In Gehentfernung befinden

sich westlich der Fläche die Kirche mit Pfarrheim, die Bücherei sowie eine Gaststätte mit Bürgersaal.

Zentrumsnaher Mietwohnraumbedarf besteht im Übrigen in Kirchanschöring auch für ein behinderten- und

seniorengerechtes Wohnen und für junge Menschen, insbesondere für die, die im Ehrenamt engagiert sind.

Auch solche städtebaulichen Maßnahmen zur Sicherung einer ausgewogenen Sozialstruktur mittels Bebauungsplan

in der Gemeinde sind auf eigenen Grundstücken der Gemeinde deutlich leichter umzusetzen, als

durch bauleitplanerische Vorgaben, die letztlich gegen des Willen des Privaten nicht umgesetzt werden können.

Im Hinblick auf die Art der baulichen Nutzung strebt die Gemeinde im Schwerpunkt die Realisierung einer

Bebauung mit öffentlichen Mietwohnungen und öffentlichen Grünflächen an.

Die Gemeinde ist sich bewusst, dass sie mit dem Erlass von Vorkaufsrechtssatzungen in den regulären Grundstücksverkehr

eingreift bzw. eingreifen kann. Sie hält dieses planerische Sicherungsmittel jedoch für geeignet

und erforderlich, um auf den vorgesehenen Flächen die städtebauliche Ordnung zu sichern. Der Grunderwerb

kann die Umsetzung der geplanten Nutzungszwecke erleichtern und beschleunigen.

Die Vorkaufsrechte der Gemeinde greifen nur, falls die privaten Eigentümer diese Grundstücke auch verkaufen

wollen und dienen der Gemeinde als Rechtsgrundlage, um wichtige Flächen im Verkaufsfall zu den

Bedingungen am freien Markt erwerben zu können, wofür durchaus öffentliches Interesse bestünde: Die

Gemeinde muss das Recht aber nicht wahrnehmen.

50


Bürgermeister Berufenes Mitglied der „Bayerischen Akademie Ländlicher Raum“

Die Bayerische Akademie Ländlicher Raum ist eine

gemeinnütziger Verein, der sich seit nunmehr dreißig

Jahren für die Belange des ländlichen Raums einsetzt.

Der Verein hat seinen Sitz in München.

Kommunalpolitik

Vereinsziele

Der Verein verfolgt ausschließlich und unmittelbar

gemeinnützige Zwecke, insbesondere die Förderung

der wissenschaftlichen Erkenntnisse und Vorhaben

zur Stärkung des ländlichen Raums. Er ist dabei

selbstlos tätig und verfolgt nicht in erster Linie

eigenwirtschaftliche Zwecke.

Vereinsaufgaben sind die Förderung von Untersuchungen,

Zweckforschungen, Erkenntnissen und Akademiepräsident Professor Magel und Hans-Jörg Birner

Informationen über den ländlichen Raum mit dem bei der offiziellen Berufung als ordentliches Akademiemitglied

Ziel, die Lebens- und Arbeitsgrundlagen in den

ländlichen Gebieten zu verbessern.

Der Verein widmet sich diesen Aufgaben insbesondere durch

Anregung zum ständigen Erfahrungs- und Informationsaustausch von Fachleuten, die Forschung und

Planung im ländlichen Raum betreiben

Zusammenführung von beteiligten Fachgebieten

Förderung von Forschungsvorhaben in sachorientierten Fachdisziplinen

Förderung von Arbeiten von Studenten und Wissenschaftlern zum Thema „Ländlicher Raum“

Kontaktpflege und wissenschaftlicher Erfahrungsaustauch mit Verbänden, Institutionen und Behörden

Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse sowie Verbreitung und Anwendung von Forschungsergebnissen

Die ordentlichen Mitglieder des Vereins werden berufen. Derzeit gibt es rund 210 ordentliche Mitglieder in der

Akademie. Im Rahmen der letzten Mitgliederversammlung wurde ich persönlich als neues Mitglied berufen.

Hintergrund dafür ist die innovative und zukunftsweisende Ausrichtung unserer Gemeindepolitik.

Mai

Zwei Eiserne Hochzeiten in der Gemeinde Kirchanschöring

Antonie & Sebastian Wallner

verheiratet seit 6. Mai 1954

Anna & Jakob Niedergünzl

verheiratet seit 24. April 1954

51


Kommunalpolitik

Einen Menschen lieben heißt, ihn so zu sehen, wie Gott ihn gemeint hat.

- Fjodor Michailowitsch Dostojewski -

65 Jahre lang verheiratet sein, durch dick und dünn gehen, gemeinsam zu lachen, sich aber auch

in der Trauer zur Seite zu stehen und manche Hürde gemeinsam zu meistern - wie das zu schaffen ist

zeigten im April und Mai diesen Jahres zwei Jubelpaare, die ihre Eiserne Hochzeit feierten.

Dieses Fest gemeinsam begehen zu können ist ein großes Glück und natürlich durften hier die

Glückwünsche des 1. Bürgermeisters Hans-Jörg Birner bzw. des 2. Bürgermeisters Franz Portenkirchner

nicht fehlen und so gratulierten sie im Namen der ganzen Gemeinde ganz herzlich an diesem

schönen Tag. Auch ein Präsent des Ministerpräsidenten hatten die Bürgermeister an diesem Tag im

Gepäck. Mit Menschen, die ihnen wichtig sind und dem einen ganz besonderen Menschen an ihrer Seite

verbrachten Antonie und Sebastian Wallner sowie Anna und Jakob Niedergünzl einen wunderschönen

Tag.

Gemeinsam gegen das Bienensterben

Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet,

hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben.

Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr,

keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, kein Mensch mehr.

- Albert Einstein -

Juni

Oberbayerische Gemeinden, die sich für eine bienen- und

insektenfreundliche Umwelt einsetzen, werden für ihr Engagement

belohnt. Der Bezirk Oberbayern hat in diesem Jahr

erstmals den Titel „Bienenfreundliche Gemeinde 2019“ vergeben.

Vier Gemeinden wurden mit Preisen von bis zu 3.000 Euro

geehrt, 26 Kommunen erhielten eine Anerkennungsurkunde

für ihr insektenfreundliches Engagement.

Der Wettbewerb der bienen- und insektenfreundlichen

Gemeinde wurde bereits 2017 ins Leben gerufen.

Die Idee dafür kam aus einem Antrag der Fraktion „Die Grünen

/ Bündnis 90“, der parteiübergreifend auf große Zustimmung

im Oberbayerischen Bezirkstag gestoßen war.

Das Kommunalparlament möchte damit ein Zeichen gegen

das Insektensterben setzen, das, wie Bezirktagspräsident

Josef Mederer bei seiner Rede zur Verleihung des Preises

ausführte, dramatische Ausmaße annehme. Er verwies

dabei auf die dramatische Entwicklung, die in den vom

Bundesamt für Naturschutz veröffentlichten „Roten Listen“ die vom Aussterben bedrohten Arten aufzeigen,

ebenso wie die Untersuchungen von Krefelder Wissenschaftlern, die einen Rückgang der fliegenden Insekten

um 75 % innerhalb von weniger als drei Jahrzehnten dokumentiert haben. Mederer: „Das hat dramatische

Folgen! Wo es weniger Insekten gibt, verhungern die Tiere, die sich von Insekten ernähren.“ Der Redner verwies

in diesem Zusammenhang auf das Verschwinden der Vögel: Seit 1980 habe die Zahl der Vögel in den

Staaten der Europäischen Union um 56 Prozent abgenommen. Mit dem Insektensterben verbunden ist ein

Rückgang der blütenbestäubenden Insekten. Mederer: „Damit sind elementare Grundlagen des menschlichen

Daseins bedroht. Ohne Insekten und hier insbesondere die Bienen und Wildbienen gibt es keinen

Fruchtansatz. Viele Obst- und Gemüsesorten wären schlicht nicht mehr vorhanden.“

Um sich diesem Trend entgegen zu stemmen, tue es Not, die Lebensbedingungen der Insekten zu fördern.

Dies versucht der Bezirk Oberbayern mit dem Wettbewerb „Bienenfreundliche Gemeinde“ zu unterstützen: Es

werden Gemeinden geehrt, die mit ihrem Engagement eine Vorbildfunktion innehaben.

Bezirktagspräsident Mederer nutzte seine Rede, um alle Gemeinden in Oberbayern aufzurufen, den Preisträgern

der „Bienenfreundlichen Gemeinde“ nachzueifern. Gleichzeitig wandte sich der Redner aber auch

an alle Bürger: „Nehmen Sie sich ein Beispiel und denken Sie bei der Gestaltung Ihrer Vorgärten, Ihrer Balkon-

52


epflanzung, bei allem was Sie persönlich in der Hand haben, daran, dass Sie mit Ihrem Tun einen kleinen

Beitrag gegen das Insektensterben leisten können.“

Fünf Kriterien muss eine Gemeinde erfüllen, um in die Auswahl der Jury zu kommen: Gemeindeflächen wie

Verkehrsinseln, Straßenränder oder Streuobstwiesen müssen bienen- und insektenfreundlich bepflanzt sein.

Darüber hinaus sollen alle Flächen, die der Gemeinde gehören, extensiv und bienenfreundlich bewirtschaftet

werden. Der Einsatz von Pestiziden ist auf solchen Flächen verboten, auch wenn sie verpachtet werden.

Die sogenannte Straßenbegleitbegrünung auf gemeindeeigenen Straßen muss schonend behandelt werden,

vor allem im Frühjahr und Sommer. Schließlich muss die Gemeinde den örtlichen Imkern Standplätze zum

Aufstellen von Bienenhäusern und Bienenvölkern zur Verfügung stellen.

Die Gemeinde Kirchanschöring erfüllt nicht nur den geforderten Kriterienkatalog, sondern nimmt, wie Bezirkstagspräsident

Mederer herausstellte, auch noch eine Vorreiterrolle beim Projekt „Ökologisches Grünflächenmanagement

für Kommunen“ ein.

Im Rahmen eines LEADER-Projektes soll eine zukunftsweisende Lösung zur mobilen Zustellung von Arbeitsaufträgen

an die Bauhofmitarbeiter mit der „Grünflächen App“ eingeführt werden. Zudem lege man

großen Wert auf die Qualifizierung aller an der Flächenpflege Beteiligten. Besonders profitiere der Naturschutz

darüber hinaus davon, dass keine Pestizide eingesetzt werden, es einen eigenen Pflegeplan für öffentliche

Flächen gibt, die nur zweimal pro Jahr gemäht werden und von denen teilweise eine eigene Heudruschsaat

genommen werden kann. Ein alter Streuobstwiesenbestand punktete im Wettbewerb ebenso wie die Anlage

einer Glatthafer- und Salbeiwiese sowie eine enge Kooperation mit dem örtlichen Imkerverein.

Das Preisgeld für den 1. Platz in Höhe von 3.000 Euro reicht die Gemeinde an diesen Verein weiter.

Kommunalpolitik

Text: Pressemeldung Bezirk Oberbayern, © Pressestelle Bezirk Oberbayern

Fotos: Wolfgang Englmaier

Bezirkstagspräsident Josef Mederer

übergibt 1. Bürgermeister Hans-Jörg Birner und Bürgermeister

Dr. Michael Schanderl (Emmering), 1. Bürgermeister Olaf

von Löwis of Menar (Markt Holzkirchen) und

2. Bürgermeister Georg Hunglinger (Chieming) die Urkunde

Bahnausbau ABS38

In einer Bürgerinfoveranstaltung wurden Anlieger und interessierte Bürger und Gäste von der Kommune und

einem Planerteam zum Bahnausbau informiert. Dabei handelte es sich um keine Veranstaltung der Deutschen

Bahn. Doch die Initiative der Kommune richtet sich nicht grundsätzlich gegen den Ausbau der Bahnstrecke.

Vielmehr gilt es die Wünsche und Anliegen der Bürger zu sammeln und von den unabhängigen

Planer auf grundsätzliche Umsetzbarkeit zu prüfen. Gemeinsames Ziel ist es einen abgestimmten Vorschlag

zu erarbeiten, der dann den Planern der Bahn vorgelegt werden soll. Dies soll dabei helfen, eine Lösung zu

finden, die die Belange der Gemeinde Kirchanschöring mit ihren Bürgerinnen und Bürgern widerspiegelt.

An diesem Abend wurden nochmals die Grundlagen und Rahmenbedingungen eines Ausbaus erläutert.

Auch erste Ideen und Ansätze für eine „Kirchanschöringer Lösung“ wurden andiskutiert. Die Planer hatten

dabei schon erste Untersuchungen zur Machbarkeit parat.

Es formierte sich eine „Bürgerplanungsgruppe“, die noch im August die Arbeit aufgenommen hat.

53


Kommunalpolitik

Baugruppen - eine kostengünstige Lösung für ein vielfältiges Angebot an Wohneigentum

Mit der Initiierung von Baugruppen geht die Gemeinde Kirchanschöring einen Weg, der für eine ländliche

Gemeinde derzeit noch etwas ungewöhnlich ist. Doch das Interesse ist groß und so wird der „Kirchanschöringer

Weg“ bayernweit verfolgt und vielfach nachgefragt.

Viele Besuchergruppen informieren sich vor Ort und lassen sich die Idee, Wohneigentum für alle zu schaffen,

erklären. So führt z.B. eine Exkursion der Schule der Dorf- und Landentwicklung im Oktober viele oberbayerische

Kommunalpolitiker nach Kirchanschöring. Auch das bayerische Landwirtschaftsministerium hat eine

internationale Studiengruppe für Ländliche Entwicklung für einen Informationstag in Kirchanschöring angemeldet.

Doch was macht die Idee der kompakten Ortsentwicklung so interessant?

Neben den Zielen der Innenverdichtung, der Ortsentwicklung, der Baukultur und des Flächensparens ist es vor

allem die Möglichkeit der Kommunen, abgekoppelt vom Einheimischenmodell, ein Werkzeug zur Verfügung

zu haben, den Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit zu geben, Wohneigentum zu schaffen.

Denn das Einheimischenmodell ist durch die gesetzlichen Vorgaben für viele Bauwillige mit zwei großen Hürden

verbunden:

Der Bewerber darf nicht mehr Vermögen besitzen, als das zukünftige Baugrundstück wert ist. In der Gemeinde

ist durch den Bodenrichtwert diese Schwelle derzeit bei durchschnittlich ca. 200 € / m². Somit darf

das Vermögen des Bewerbers bei einem Baugrundstück von 650 m² nicht mehr als 130.000 € betragen. Für

den Bau selbst darf kein eigenes Vermögen vorhanden sein.

Die zweite Hürde ist das Einkommen: Dieses darf nach den gesetzlichen Vorgaben das Durchschnittseinkommen

in der Kommune nicht überschreiten. Dieses ist in der Gemeinde Kirchanschöring mit rund

50.000 € zwar relativ hoch, doch für viele Bauwillige stellt auch diese Vorgabe ein Ausschlusskriterium dar.

Also ist das Einheimischenmodell nur mehr bedingt geeignet günstiges Bauland für Bauwillige zur Verfügung

zu stellen. Zu viele Einheimische sind dadurch vom Angebot ausgeschlossen.

Gänzlich ausgeschlossen sind aber Hausbesitzer, die sich „verkleinern“ wollen. Das eigene Haus ist zu groß,

man möchte aber dennoch weiterhin nicht zur Miete, sondern in den eigenen vier Wänden wohnen. Hier

schlummert ein großes Potenzial an Einfamilienhäusern, die potenziell für junge Familien freigemacht werden

könnten, wenn denn die Möglichkeit bestünde, eine eigene kleine Wohnung zu verwirklichen.

Auf dem freien Markt ist dies meist nicht möglich. Und sollte es doch klappen, dann sind das meist fertige

Wohneinheiten, auf deren Zuschnitt und Ausstattung der spätere Eigentümer keinen Einfluss hat.

Die Aufgabe einer zukunftsorientierten Kommune liegt nun darin, Rahmenbedingungen zu schaffen, möglichst

allen Interessierten die Möglichkeit schaffen, Wohneigentum zu erlangen und damit auch bestehende

Einfamilienhäuser für interessierte Familien frei zu bekommen.

Mit dem Werkzeug der Baugruppe kann dies gelingen!

Regionale Wärmeversorgung und Geothermie

Die Erschließung und Nutzung der tieferen

Geothermievorkommen in Bayern ist

schon seit einigen Jahren im Aufbruch

begriffen. Die Gründe hierfür sind vielfältig

- Klimaschutz, Erneuerbares Energie-

Gesetz, weitere Förderprogramme von

Bund und Land, Aspekte der Versorgungssicherheit

mit der dauerhaften Verfügbarkeit

des Energieträgers und Unabhängigkeit

von fossilen Energieträgern.

54


Ein Grund liegt natürlich auch in den für die Verhältnisse in Deutschland günstigen geologischen Bedingungen:

Mit den bis zu 600 m mächtigen Malmkarbonaten (wasserführende Bodenschicht) verfügt Bayern über einen

Aquifer („Wasserträger“), der in einem erschließbaren Temperaturbereich von 80 - 160 °C bei Bohrteufen von

1.500 m bis 5.500 m über ausreichende Ergiebigkeiten von 30 bis größer als 100 l/s verfügt, die einen flächendeckenden

Einstieg in die geothermische Wärme und ggf. Stromerzeugung ermöglichen.

Kommunalpolitik

Für eine erste grobe Planung ist der Bayerische Geothermieatlas ein Einstieg. Er ersetzt auf keinen Fall eine

fundierte strukturgeologische Untersuchung und darauf aufbauend eine intelligente Bohrkonzeption. Auch ist

zu berücksichtigen, dass nicht genau prognostiziert werden kann, in welchem Maße die Temperatur im Malm

zur Teufe zunimmt. Dies hängt insbesondere damit zusammen, dass die Lokationen der Zuflüsse im Malm nicht

bekannt sind. Bei über Bruchstrukturen oder Kluftsysteme aufsteigenden Tiefenwässern aus den unteren Bereichen

des Malm, kann wie z.B. bei den Projekten in Unterschleißheim, Unterhaching oder Altdorf bei Landshut

(hier 12,5 °C pro 100 m) mit höheren Temperaturen als nach dem normalen Gradienten zu erwarten ist, gerechnet

werden. Möglich ist auch ein Zufluss von kälterem Wasser aus den höheren Bereichen des Malm, so

dass die Temperaturen wie in Simbach niedriger anzusetzen wären.

Für eine erfolgreiche Erschließung und den Nachweis der Fündigkeit sind immer zwei Bohrungen notwendig.

Eine Bohrung zur Förderung und eine Bohrung zur Reinjektion (Rückführung) des energetisch genutzten

Wassers. Die Landepunkte der beiden Bohrungen sollten so gewählt werden, dass sie sich bezogen auf die

Lebensdauer der Anlagen (mindestens 50 Jahre) möglichst thermisch nicht beeinflussen. Berechnungen ergaben

hierbei einen Mindestabstand von ca. 2.000 m. In der Regel werden die Bohrungen von einem Sammelbohrplatz

ausgeführt.

Dies macht jedoch aus technisch-wirtschaftlicher Sicht auch im Hinblick auf die noch durchzuführenden

Sondermessungen im Bohrloch nur Sinn, wenn die Ablenkstrecken der Bohrungen, die in der Regel in die vorhandenen

Bruchstrukturen geführt werden, nicht übermäßig groß werden.

Das geologische Fündigkeitsrisiko ist je nach Nutzungskonzeption und der erhofften Wirtschaftlichkeit nicht

unerheblich - dies gilt insbesondere für die Stromprojekte.

In Bayern sind zurzeit mehr als 80 Erlaubnisfelder vergeben, davon wären bei einem Temperaturniveau ab

Top-Malm von mehr als 100 °C ca. 50 Felder für die geothermische Stromerzeugung geeignet.

Insgesamt wurde das gesamte Potenzial in Südbayern auf ca. 500 MW elektrisch geschätzt - dies sind ca.

5,6 % des bayerischen Stromverbrauchs in der Grundlast. Dazu kämen bis zu 3.500 MW thermisch, die in die

geothermische Wärmeversorgung einfließen könnten, sofern hierfür genügend Abnehmer vorhanden wären.

Nutzungsvarianten sind oder werden in Bayern gegenwärtig wie folgt realisiert:

Geothermische Stromerzeugung ab 100 °C und mehr als 100 l/s mit der anschließenden Nutzung von Wärme

für die geothermische Wärmeversorgung. Beispiel hierfür wäre das Projekt Unterhaching bei einer vorgesehenen

Stromleistung von 3,4 MW elektr. und einer Wärmeleistung von bis zu 28 MW thermisch sowie

auch die meisten anderen noch in der Planung befindlichen Projekte.

Geothermische Wärmeversorgung in Kopplung mit Biomasseheizkraftwerken. Hier wird die Geothermie für

die Grundlast eingesetzt - die erforderliche Redundanz ist durch die Biomasse gegeben. Bei den niedertemperierten

Projekten kann das Thermalwasser durch die Abwärme der Biomasse zusätzlich aufgeheizt

werden.

Ausschließlich Projekte der geothermischen Wärmeversorgung für die die Wärmeversorgung von Gemeinden

oder industriellen Betrieben.

Die bisher realisierten Projekte in Straubing, Erding, München-Riem, Simbach am Inn, Pullach und Unterschleißheim

sind ausschließlich Projekte der geothermischen Wärmeversorgung bei einer gegenwärtig

installierten geothermischen Leistung von ca. 46 MW therm, die jedoch noch ausgebaut werden kann.

Bei einem Niedertemperaturbereich von 100 - 160 °C liegt für die Stromerzeugung der geothermische

Wirkungsgrad je nach Verfahren bei ca. 10 - 15 % in Abhängigkeit von der Eingangstemperatur, Ausgangstemperatur

und Kühltemperatur.

55


Kommunalpolitik

Die Wirkungsgrade des Prozesses sind deutlich niedriger als bei konventionellen Kraftwerken mit über 40 %.

Zur optimalen Ressourcennutzung und zur Minimierung des Kühlwasserbedarfs wurde daher die Forderung

aufgestellt, nicht nur Strom zu produzieren, sondern auch eine Wärmenutzung anzuschließen.

Dies kann durch die Auskopplung von Wärme im Primärkreislauf (z.B. Strom von 130 bis 85 °C, dann Wärmenutzung

von 85 bis 50 °C) oder Nutzung der beim Stromkreislauf anfallenden Abwärme geschehen. Dabei

ist aber zu beachten, dass der größte Teil der Abwärme in einem Temperaturbereich unterhalb von 50 °C

vorliegt.

Texte: Auszüge aus Informationen des Bayerischen Wirtschaftsministeriums / Bergdirektor Rainer Zimmer

Auch der BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz)

hat ein Positionspapier zur Strom- und Wärmeerzeugung aus Geothermie veröffentlicht (März 2007)

In der Zusammenfassung ist dort zu lesen:

Der Ausbau erneuerbarer oder fast unerschöpflicher Energie soll die fossilen und nuklearen Energien ersetzen.

Hierbei kommt der Geothermie - im Verbund mit anderen erneuerbaren Energien - eine besondere Bedeutung

zu. Geothermische Kraftwerke können eine Grundlast der Stromerzeugung sicherstellen. Sie liefern damit

einen wichtigen Beitrag zum Ersatz von Kohle- und Atomkraftwerken.

Geothermie kann theoretisch sehr viel Energie bereitstellen - doch ihre Erschließung ist relativ aufwändig und

bislang noch teuer.

Der BUND ist dafür, den Strom aus geothermischen Anlagen weiter im Rahmen des Erneuerbare-Energien-

Gesetzes erhöht zu vergüten. Der Schutz der Umwelt und besonders des Grundwassers ist bei der Stromerzeugung

sicherzustellen.

Bei der Nutzung der Geothermie in tiefen Erdschichten ist besonders der Grundwasser- und Gewässerschutz

zu beachten. Der BUND fordert:

ein umfangreiches Forschungsprogramm, um die ökologischen Folgen der Geothermienutzung für den

Lebensraum Grundwasser in Art und Umfang wissenschaftlich zu erfassen

im Falle einer forcierten Nutzung der Geothermie ihre Folgen mit den ökologischen Folgen anderer

konventioneller und regenerativer Energieträger abzugleichen, um über einen sinnvollen und das Grundwasser

schonenden Ausbau entscheiden zu können

das nach der EG-Wasserrahmenlinie auch für Grundwasser geltende Verschlechterungsverbot nachweislich

einzuhalten

den großen Forschungsbedarf hinsichtlich der Folgen der Temperaturänderungen des Grundwassers auf seine

Lebensgemeinschaften (welche die Selbstreinigungskapazität maßgeblich bestimmen) mit öffentlichen

Mitteln zu fördern

geothermische Kraftwerke nicht mit Grundwasser, sondern mit Luft zu kühlen

Quelle: Positionspapier BUND Nummer 42, Bestellnummer 11.042

Was ist aktuell in unserer Region geplant?

Kirchanschöring beschäftigt sich schon seit mehreren Jahren mit einer Geothermienutzung und jetzt wird

der dritte Anlauf unternommen, um sie zu realisieren. Die Planungen sind mittlerweile schon sehr weit fortgeschritten.

So bildete sich eine Betreibergesellschaft, die sich im Oktober letzten Jahres unter der Firmenbezeichnung

„Geothermie Rupertiwinkel GmbH, Laufen“ ins Handelsregister eintragen ließ. Geschäftsführer

der Gesellschaft ist Dr. Michael Brandauer, der zugleich Geschäftsführer der „Marubeni Energie Deutschland

GmbH“ mit Sitz in Düsseldorf ist.

Die Projektgesellschaft Rupertiwinkel hat aufbauend auf einer Machbarkeitsstudie der Salzburg AG zur Geothermie

in Kirchanschöring und Laufen das Ökostrom-Geothermie-Projekt Rupertiwinkel zur Umsetzungsreife

weiterentwickelt. Dabei haben sich in den letzten Monaten wichtige Projektparameter geändert im Vergleich

zum Stand vor zwei Jahren, als das Projekt von der Salzburg AG aufs Eis gelegt worden war.

56


So ist zum Beispiel nun das bereits seit vielen Jahren in Kirchanschöring im Flächennutzungsplan ausgewiesene

Areal im Anschluss an das Gewerbegebiet an der Leobendorfer Straße als neuer Kraftwerksstandort

vorgesehen.

Kommunalpolitik

Damit ist zugleich ein früher angedachter Standort nahe der Stadt Laufen für Bohrung und Stromerzeugung

vom Tisch, er wird aber für eine spätere zusätzliche Wärmenutzungsoption von der Salzburg AG weiterhin

gesichert.

Bereits im Jahr 2015 ist im Kirchanschöringer Gemeinderat der Beschluss gefallen, einen Vertrag mit der Salzburg

AG zu schließen. Die Salzburg AG plante damals die Geothermische Energie zur Wärmeversorgung der

Stadt Salzburg zu verwenden. Sie hatte sich anfangs auch die Stadtwerke München ins Boot geholt.

Diese hätten den Betrieb und damit auch die Führung für den Bereich der Verstromung, als den Kraftwerksbetrieb

übernommen, der auch schon zum damaligen Zeitpunkt mit angedacht war.

Die Wärmeversorgung der Stadt Salzburg wäre in der Verantwortung der Salzburg AG geblieben. Doch die

Stadtwerke München sind wieder ausgestiegen, weil es nach einem Wechsel in der Geschäftsführung auch

einen Wechsel in der strategischen Ausrichtung gab. Auf der Suche nach anderen regionalen Partnern fanden

sich leider nur Investoren und keine Betreiber, die eine langfristige Partnerschaft anstreben.

„Ein reiner Investor ist für uns nie infrage gekommen“, machte die Salzburg AG bei der Bürgerinfoveranstaltung

im Saliterwirt deutlich. Vielmehr habe man mit dem weltweit und schon seit einem halben Jahrhundert

auch in Deutschland tätigen Handelsunternehmen „Marubeni“ den neuen Partner gefunden. Marubeni sei

an der Entwicklung vieler erneuerbarer Energieprojekte weltweit beteiligt und könne auf umfangreiche Erfahrung

in der Nutzung von Tiefen-Geothermie-Anlagen verweisen.

Doch auch die Ausrichtung des Projekts habe sich in der Zwischenzeit geändert. So wolle das Unternehmen

nun vorerst grundlastfähigen Strom produzieren. Einer späteren Kraft-Wärme-Koppelung stehe von Seiten des

Anlagenbetreibers nichts entgegen. Er sei jedoch nicht für das Bereitstellen eines entsprechenden Wärmenetzes

zuständig.

Die zugesicherte Wärmenutzung für die Region soll nach der Vereinbarung mit den Gemeinden in kommunaler

Hoheit bleiben. Mit diesem Recht kann die Gemeinde die Entwicklung rund um den Geothermiestandort

selbst bestimmen. Nicht mehr nur vom Baurecht ist eine Ansiedlung von Nutzern der Wärme abhängig. Dies

hätte dazu führen können, dass die Kommune auf Grund von Privilegierungen oder ähnlichen Ausnahme-

57


Kommunalpolitik

fällen fast kein Mitspracherecht gehabt hätte. Nun aber hat die Gemeinde eine gesicherte Entscheidungshoheit,

da sie bestimmt, wer die Wärme bekommt und damit auch direkt über mögliche Ansiedlungen entscheiden

kann.

Der neue Kraftwerkbetreiber werde das gemeinschaftliche Geothermie-Werk in Kirchanschöring in den

nächsten 20 Jahren betreiben und biete damit eine langfristige Partnerschaft an. Marubeni ist im Vorfeld

genau unter die Lupe genommen und einer „Gemeinwohlprüfung“ unterzogen worden, wobei der Verein

„Gemeinwohl-Ökonomie Deutschland e.V.“ mit Experten in Berlin die Gemeinde stark unterstützt hat. An den

alten und von den kommunalen Gremien der Stadt Laufen und der Gemeinde Kirchanschöring im Jahr 2015

genehmigten Vertragsinhalten werde als Basis nicht gerüttelt. Jedoch führen die Vertragspartner aktuell Verhandlungen,

um sich den neuen Situationen anzupassen.

Vor allem die bereits in der Informationsveranstaltung von Versammlungsteilnehmern angemahnten Punkte

werden intensiv bearbeitet:

Die Lärmbelastung während dem Bohrplatzbau, der Bohrung, aber auch dem Betrieb der Anlage wird

dauerhaft überwacht und so werden die Bohrungen auch entsprechend reduziert oder im extremsten Fall

auch gestoppt. Es werde eine entsprechende „Ampellösung“ eingeführt.

Weitere Informationen sind auch der Dokumentation der Geothermiestammtische auf der Homepage der

Gemeinde zu entnehmen.

Für die sehr unwahrscheinliche Möglichkeit von Mikroseismizität („Minierdbeben“) sind bereits laut Aufsuchungsbescheid

des Bergamtes entsprechende Vorschriften eingearbeitet. Diese werden im Rahmen

der Bohrgenehmigung nochmals detailliert. Ein wichtiger Punkt ist hier auch die Umkehr der Beweislast bei

Schäden. Nicht mehr der Geschädigte muss beweisen, dass der Schaden durch die Bohrung bzw. den

Betrieb entstanden ist, sondern der potenzielle Verursacher (Bohrfirma, Projektbetreiber) muss das Gegenteil

beweisen können.

Die wirtschaftliche Wertschöpfung für die Region muss gesichert sein. Es muss sichergestellt sein, dass

Gewerbesteuern und ähnliche Abgaben vor Ort entrichtet werden.

Es sind Endschaftsregelungen zu vereinbaren, die die Abwicklung des Projekts nach Ablauf der Einspeisevergütung

(derzeit nach 20 Betriebsjahren) oder dem Ablauf des Bergrechts (nach 50 Jahren) festlegen.

Dabei dürfen den Kommunen keine Lasten entstehen.

Diese Endschaftsregelungen müssen auch entsprechend wirtschaftlich abgesichert werden.

Wie in der Versammlung fordert auch das Wirtschaftsministerium eine Nutzung der Wärme.

Eine ausschließliche Nutzung zur Stromgewinnung ist nicht anzustreben.

Gerade im Bereich der regionalen Wärmeversorgung sind die Kommunen in intensiven Abstimmungsgesprächen

auf unterschiedlichsten Ebenen. So wird es in Abstimmung mit dem Landkreis Traunstein einen

„digitalen Energienutzungsplan“ für den gesamten Landkreis geben. Darin gilt es zunächst den gebäudescharfen

Wärmebedarf aller Kommunen zu bestimmen. Anschließend erfolgt die Berechnung gebäudescharfer

Einsparpotenziale, da diese für die langfristige Entwicklung von zentraler Bedeutung sind. Darauf

basierend werden verschiedene Möglichkeiten einer regenerativen Wärmeversorgung auf Basis von Fernwärmenetzen

und Nahwärmeverbundlösungen geprüft.

Im Rahmen des Konzepts soll die Prüfung einer sinnvollen Wärmenutzung einer möglichen Geothermieanlage

in Kirchanschöring erfolgen. Eine sinnvolle Wärmenutzung soll (ergänzend zur Stromproduktion) zu

einem ökologisch und wirtschaftlich bestmöglichen Anlagenbetrieb führen.

Es wird also eine regionale Untersuchung und Konzeptentwicklung zur Wärmenutzung durchgeführt. Darüber

hinaus gibt es die landkreisweite Untersuchung zum Wärmebedarf. Zusätzlich ist eine weitere Ebene angedacht,

die Wärmeversorgung in einem Euregio-Projekt grenzüberschreitend mit den Nachbarkommunen im

Land Salzburg zu untersuchen.

Parallel dazu wird Ende September die aktuell abgeschlossene Machbarkeitsstudie für das vorgesehene

„Regionalwerk-Chiemgau-Rupertiwinkel“ vorgestellt. Dann entscheide sich, welche Kommunen sich diesem

Regionalwerk anschließen. Dieses Regionalwerk kann dann die jetzt schon ausverhandelte Beteiligungsmög-

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lichkeit der Kommunen am Kraftwerksbetrieb übernehmen.

Wenn das Regionalwerk-Chiemgau-Rupertiwinkel dann ins Leben gerufen ist, bildet es ein gutes Instrument,

mit dem man auch ein entsprechendes Wärmenetz besonders für die Geothermie-Anlage im Rupertiwinkel

schaffen kann.

Somit könnte auch die flächendeckende Wärmeversorgung in öffentlicher Hand verbleiben und als regionales

Daseinsprojekt umgesetzt werden.

Kommunalpolitik

Trotz aller konkreten Ansätze und Konzeptideen ist es dennoch ein weiter Weg bis zum Fündigkeitstest nach

der ersten Bohrung. Das Ergebnis dieses Tests entscheidet am Ende, welche Nutzung dieses Bodenschatzes

und in welchem Umfang dies möglich ist.

Zunächst aber haben die kommunalen Gremien in Kirchanschöring und Laufen das Wort. Sie werden über

die Annahme der von den Bürgermeistern und den fachlichen Beratern mit der Marubeni und der Salzburg

AG ausgehandelten Vereinbarungen zu entscheiden.

Im Grünen Festival 2019

Als vor 15 Jahren in Kirchanschöring im frisch gegründeten Jugendtreff „Carei“ die Idee entsprang, als Alternative

zu Partys mit mäßigen DJs und billigem Sprit, ein Festival in den Achenpark zu zaubern, hat sich weder

der damalige Jugendpfleger und Veranstalter Günter Wimmer, noch einer der Gründerväter- und mütter

träumen lassen, dass das „Im Grünen“ Festival am Pfingstsamstag 2019 die fünfzehnte Auflage sein würde.

Seit 2005 hat sich aber einiges getan, vor allem innerhalb der Crew, die abermals rund 2.000 Besuchern ein

wunderbares Festival bescherte, für einige Neuheiten sorgte und noch lange nicht genug hat vom Festivalwahnsinn!

Mittlerweile hat Günter Wimmer von Michi Obermeier & Bruno Tschoner tatkräftige Unterstützung bekommen.

Beide sind bei Günter als Mini-Jobber unter Vertrag.

„KuBa“ (Kultur im Bahnhof) anstatt „Carei“ ist einer der wesentlichen Unterschiede, der auf das Festival wirkt.

Anstelle eines Jugendtreffs wächst am Anschöringer Bahnhof gerade ein offener Kultur- und Szenetreffpunkt

unter der Leitung von Michi und Bruno heran, der alt, jung, Freundeskreise und völlig Fremde vereint. Vom

„KuBa“ aus entstehen also auch all die neuen Ideen und Visionen, wo es mit dem „Im Grünen“ hin soll.

Da wird schon mal ordentlich gesponnen und diskutiert, das weiß auch Marcus, liebevoll „Locke“ genannt,

einer der Gründerväter, der sich seit 15 Jahren dem Wahnsinn verschreibt und in diesem Jahr Verantwortlicher

der Jobmeile war.

Regionale Firmen konnten sich am Festival beteiligen und sich dabei jungen Leuten vorstellen. Gepaart mit

dem „KuBa_zar“, einem Kleiderflohmarkt, der aus der Initiative einiger junger Damen gegen Shoppingwucher

unter Kinderarbeit, für Mode aus zweiter Hand in Verbindung mit einer schönen Zeit entstand und der Künstlergruppe

„Affentheater“ aus München, eine wundervolle Mischung. Bazaratmosphäre mit Musik und allem

was das Herz begehrt. Marcus und auch der Rest der Crew sind sich einig, das soll‘s wieder geben.

An „Lockes“ Seite sind noch Teile der alten „Carei“-Truppe, vor allem aber auch unzählige neue Jungcrewler.

Teilweise aus Frasdorf, Traunstein, vor allem aber aus allen Ecken und Löchern Kirchanschörings kommen

neue junge Crewmitglieder im Alter zwischen 10 und 18 Jahren dazu. „Und die brauchen wir auch alle“, so

Festivalpapa Günter Wimmer. „Wir waren nicht sicher, haben mit dem „Im Grünen“ eher immer von Jahr zu

Jahr gedacht und waren um jedes weitere Jahr froh, aber wenn man die Riesentruppe von über 100 großteils

jungen Leuten sieht, muss man sagen, es kann weitergehen“, konstatiert Wimmer.

Mit dem Fünfzehnten war die Crew übrigens sehr glücklich! Entspannte Stimmung, ein angenehm gefülltes

Gelände, Top Sound, vor allem die Rapperin „Mavi Phoenix“ und wildmelancholische Indiecombo

„Buntspecht“ hinterließen Eindruck und das schöne Miteinander der Leute, wirkten stark. Im Biergarten wurde

gekartelt, am Strand gebadet, es wurde gekickert, gelacht, getanzt, gesungen und das alles ohne Hektik

und Eile.

Alles in allem ein perfektes Jahr, wobei das Wirtschaftliche natürlich noch aussteht, denn jeder, der ein Fest

schmeißt, weiß, in welches Brennglas von Geld, Sicherheitsvorschriften usw. man sich setzt. Deshalb wird bei

der Crew jetzt erst mal ordentlich gefeiert und auf Ausflug gefahren, dann Bilanz gezogen und 2020 das

nächste „Im Grünen“ veranstaltet, wer weiß mit welch neuem Charme und Esprit …

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Kommunalpolitik

Unser Dank gilt vor allem der Gemeinde Kirchanschöring, unserem Bürgermeister und Gemeinderäten, den

Anwohnern und allen, die das IM GRÜNEN FESTIVAL wohlwollend sehen. Denn die heutigen jungen Mit-Veranstalter,

die hier in kurzer Zeit sehr viel über Abläufe von Großveranstaltungen und Verantwortung im Allgemeinen

lernen, sind die zukünftigen Lenker & Denker von Morgen.

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Fotos: Noelle Shania


Juli

Eine Gemeinde geht auf Reisen - 300 Kirchanschöringer fahren nach Garmisch-Partenkirchen

Unter dem Motto „Eine Gemeinde geht auf

Reisen“ begeben sich die Kirchanschöringer

regelmäßig auf eine Reise in Städte und Orte voller

architektonischer und kultureller Besonderheiten.

Diese Bürgerreise sorgt nicht nur für einen schönen

Ausflugstag, sie ist auch ein gutes Instrument zum

Netzwerken und dient dem freundschaftlichen

Miteinander. Die gemeinsamen Erlebnisse verbinden

und stärken zusätzlich die guten Beziehungen

untereinander. Für dieses Ziel chartert man alle

zwei Jahre einen Sonderzug der Südostbayernbahn.

Dieser fuhr heuer mit rund 300 Gästen an Bord nach

Garmisch-Partenkirchen. Mit dieser Reise, die ähnlich

verlief wie in den Vorjahren, traf Ratsmitglied

Georg Jäger erneut den Geschmack der Dorfbewohner,

die am späten Abend zwar müde und

erschöpft am Kirchanschöringer Bahnhof wieder

aus den Zugabteilen stiegen, sich aber dennoch

durchwegs begeistert „über den wirklich schönen

Tag“ äußerten.

typischen Werdenfelser Giebeln. Olympische Luft

schnuppern durfte man im ehemaligen Olympia-

Eisstadion mit seinen fünf Kunsteisflächen, die auch

während der Sommermonate Eislauf ermöglichen.

Am Marienplatz fiel der Blick zuerst auf die Pfarrkirche

St. Martin (erbaut 1730 - 1733 von Josef

Schmuzer). Im Innern finden sich Deckengemälde

von Matthias Günther und Freskobilder von Franz

Zwinck. Direkt gegenüber liegt die Alte Apotheke

mit ihrem Empiredekor, die 1792 an Stelle der Dorfschmiede

erbaut wurde.

Kommunalpolitik

Die Alte Apotheke mit ihrer beeindruckenden Fassade

Frühmorgens am Kirchanschöringer Bahnhof

Dass dieser Ausflug erneut auf viel positive Resonanz

stieß, lag neben der guten Organisation durch

Georg Jäger und den Mitarbeitern der Gemeindeverwaltung,

natürlich auch am idealen Reisewetter

und am Markt Garmisch-Partenkirchen selbst,

welcher sehr viel zu bieten hat: Beeindruckende

Bergkulissen, ein historisches Ortsbild, olympische

Sportstätten, Kultur und Kunstschätze.

Am Bahnhof in Garmisch warteten zertifizierte Gästeführer

auf die Kirchanschöringer, die, aufgeteilt in

acht Gruppen, durch die Straßen und Gassen von

Garmisch und Partenkirchen schlenderten.

In beiden Ortsteilen sah man wunderschöne alte

Häuser mit wertvollen Lüftlmalereien und den

Gleich daneben das Atlas Posthotel, (ehemals

Clausing‘s Posthotel) einst Gasthaus „Zur Traube“,

deren Besitzer das Recht besaßen, aus Italien Wein

einzuführen. Das Haus zeigte sich außen als liebevolles

Ensemble mit Wegkreuz und Mühle.

Sehenswert auch gegenüber dem Taxistand das

Haus Isi‘s Goldener Engel, das mit Steinen der Burgruine

Werdenfels erbaut worden sein soll.

Spaß machte zudem der Bummel durch die hübsche

Fußgängerzone, in der die vielen schönen

Geschäfte zum Stöbern und zahlreiche Cafés zum

Verweilen einluden.

Wie eine der Gästeführerinnen während des

knapp zweistündigen Rundgangs erzählte, boomt

die Tourismus-Region um Garmisch: Im letzten Jahr

verzeichnete man stolze 1,6 Mio. Übernachtungen

bei 520.000 Gästen aus dem In- und Ausland. Das

sei besonders erfreulich, weil Garmisch so gut wie

keine Industriebetriebe habe und ausschließlich

auf den Tourismus setze. Die Gegend eigne sich,

weil hier praktisch das ganze Jahr über Saison sei.

Den Nachmittag, der zur freien Verfügung stand,

61


Kommunalpolitik

nutzten auch viele, um zur Partnachklamm zu spazieren,

die als Höhepunkt eines Besuches in diesem

Urlaubsort gilt.

Da die vielen Zuschauer den bärigen Auftritt der Tanzgruppe

der Kirchanschöringer Trachtler auf dem Mohrenplatz

in Erinnerung behalten möchten, zücken sie die Kameras.

Das bekannte SORGE-Haus mit seinen schönen Malereien

Wer auf eine Stadtführung verzichten wollte und

stattdessen auf die Zugspitze fuhr, auf der der

Schnee noch fast 6,5 Meter hoch lag, hatte einen

herrlichen Blick über Felszacken und Eis.

Das Wetter ließ freie Sicht auf etwa 400 Gipfel in

Deutschland, Österreich, Italien und der Schweiz zu.

Weil der Besuch der Kirchanschöringer vorher in

der örtlichen Tageszeitung angekündigt worden

war, fanden sich am Nachmittag am Mohrenplatz

nicht nur die Feriengäste und die Anschöringer ein,

sondern auch Einheimische, um den Klängen der

Blaskapelle Kirchanschöring zu lauschen, die unter

dem Stab von Rüdiger Koslik zünftig aufspielte.

Mit ihrer Musik begleitete sie auch die Tänze der

Trachtler vom Trachtenverein „Edelweiß“ Roth-

Kirchanschöring. Ihr Auftritt, der natürlich alle Blicke

auf sich zog, wurde mit großem Applaus honoriert.

Am Rande des Auftritts traf sich Kirchanschörings

Bürgermeister Hans-Jörg Birner im angrenzenden

Mohrenwirt mit dem 2. Bürgermeister des Marktes,

Wolfgang Bauer, zum Gedankenaustausch. Dabei

ging es unter anderem um nachhaltige Bauleitplanung

und nachhaltigen Tourismus.

Gut gelaunt und mit vielen Eindrücken im Gepäck

ging es mit dem Zug der Südostbayernbahn

schließlich wieder in Richtung Heimat. Auf der

Fahrt herrschte vor allem im Bistrowagen beste

Stimmung, zu der der Diskjockey der Deutschen

Bahn, Hans Schaffer, einen wesentlichen Beitrag

leistete. Mit von der Partie waren auch die beiden

Sanitäter von der Rettungswachstelle des Bayerischen

Roten Kreuzes in Fridolfing, die zur medizinischen

Betreuung mitfuhren.

Weniger zum Feiern zumute war dem „blinden

Passagier“, der aus Versehen in diesen Sonderzug

eingestiegen war und erst in München wieder aussteigen

konnte.

Und weil die Trachtengruppe noch Lust auf ein

paar Schuhplattler verspürte, nutzte sie den kurzen

Aufenthalt in Tüßling, wo man wegen eines Gegenzugs

etwas warten musste, zu einer Einlage auf

dem Bahnsteig.

Kurz vor 21 Uhr rollte der Zug der Südostbayernbahn

dann im Kirchanschöringer Bahnhof ein, den

alle frohgelaunt verließen in der Hoffnung, dass es

bald mal wieder heißt: „Eine Gemeinde geht auf

Reisen“. Georg Jäger nahm dies als Anregung mit

nach Hause.

Text: Anneliese Caruso

August

Geothermie Rupertiwinkel

Nach intensiven Verhandlungen der Kommunen mit den Vertretern der Geothermie Rupertiwinkel GmbH

und der Salzburg AG konnte der Gemeinderat die wichtigsten Eckpunkte der Vereinbarung absegnen.

Dabei ist folgende Ausgangslage zu beachten:

Die Aufsuchungserlaubnis haben die Salzburg AG und die Geothermie Rupertiwinkel GmbH (GTRW). Die

Kommunen sind dabei nicht berücksichtigt.

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Geothermieanlagen sind grundsätzlich privilegiert und bedürfen keines Bebauungsplans. Für die baulichen

Belange greift das Baugesetzbuch und für die Bohrungen das Bergrecht.

Damit können Geothermieprojekte im Grunde ohne die Mitwirkung und die Einflussnahme der Kommunen

abgewickelt werden.

Somit ist in normalen Fällen der Stand der Kommunen sehr schwach. Auf der anderen Seite sind die Betreiber

der Anlagen grundsätzlich an guten Beziehungen zur Kommune und der Bevölkerung

interessiert.

Kommunalpolitik

Durch frühzeitiges und zielgerichtetes Agieren hat sich für die Gemeinde Kirchanschöring und die Stadt Laufen

eine eigene, bessere Ausgangslage ergeben:

Die Gemeinde Kirchanschöring hat durch den Bürgermeister bereits vor der ersten Antragstellung der Salzburg

AG ihr Interesse an einer Geothermienutzung im Rupertiwinkel im zuständigen Wirtschaftsministerium

angemeldet.

Durch eine intensive Partnerschaft und einen engen Dialog mit dem Wirtschaftsministerium wurde im ersten

Verfahren eine einvernehmliche Lösung der Salzburg AG mit den beteiligten Kommunen durch das

Bergamt gefordert.

Durch den damaligen Verhandlungspartner, den Stadtwerken München, konnte eine sehr günstige Verhandlungsbasis

für den aktuellen Projektabschnitt erarbeitet werden.

Durch den fortwährenden Kontakt zum Wirtschaftsministerium und das eigene Bemühen um nachhaltige

Lösungen im Rahmen der Energiewende (Klimaschutzkonzepte der Kommunen), insbesondere im Bereich

Wärme, hat das Bergamt in den neuen Aufsuchungsbescheid die lokale Wärmenutzung aufgenommen.

Für die meisten der ausgehandelten Punkte gibt es für die Geothermie Rupertiwinkel GmbH keinerlei rechtliche

Grundlage, auf derer sie diese zwingend erfüllen müsste. Diese Voraussetzungen und der tatsächliche

Handlungsspielraum der Kommunen, etwas zwingend einzufordern, sind bei der Beurteilung der Verhandlungsergebnisse

zu berücksichtigen.

Als wichtigstes Ergebnis der Verhandlungen stellt sich mit Sicherheit die Möglichkeit der Nutzung der Wärme

dar. Bis zu einer Anschlussleistung von 10 MW können die Kommunen oder ein zu gründendes Regionalwerk

am Geothermiestandort von der direkt aus dem Untergrund geförderten Wärme abrufen und verteilen.

Dazu kann auch aus der Restwärme faktisch ohne Mengenbegrenzung Wärme abgerufen werden.

Diese Möglichkeit ist der besondere Mehrwert der Geothermieanlage für die Gemeinde Kirchanschöring und

die Region. Sollten die Bohrungen erfolgreich sein, steht nun für Generationen Erdwärme zur Wärmeversorgung

zur Verfügung. Jetzt ist es an uns als Kommune die Chance zu ergreifen. Aber darauf sind wir vorbereitet

und haben in den letzten zwei Jahren auf Initiative der Gemeinde Kirchanschöring die Idee eines Regionalwerks

vorangebracht (Details siehe nächste Seite).

Selbstverständlich wurde in Abstimmung mit dem zuständigen Bergamt das Thema der Haftung in die

Kooperationsverhandlungen mit aufgenommen und entsprechend in dem Vertrag abgebildet.

Die Wertschöpfung wurde durch verschiedene Wertschöpfungselemente auf eine breite Basis gestellt und

damit wurde auch auf wirtschaftlicher Seite eine zukunftssichere Vereinbarung partnerschaftlich erarbeitet.

Erfreulich ist auch, dass die Partner der Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans sofort zugestimmt

haben. Damit bleibt auch bei der Ausgestaltung des Baurechts für die Kraftwerksanlage das Heft des

Handelns bei der Gemeinde Kirchanschöring.

In Bezug auf ortsplanerische Bedenken wegen einer möglichen Ansiedelung von privilegierten Gewächshausanlagen

oder ähnlichen Wärmeabnehmern war uns die Abgabe der Wärme nur über die Kommune

sehr wichtig und für die Kommunen ein sogenanntes K.O.-Kriterium. Damit kann die Geothermie Rupertiwinkel

GmbH keine Wärme direkt an potenzielle Gewächshausbetreiber veräußern. Über diesen Weg erlangt

die Kommune, trotz Privilegierung eines Gewächshauses, doch wieder die Planungshoheit über ihre Ortsentwicklung.

Somit ist es in Zukunft eine Entscheidung des Gemeinderates, welche Wärmeabnehmer sich um das Kraftwerk

ansiedeln können. Die gemeindlichen Interessen bleiben also dauerhaft gewahrt.

63


Kommunalpolitik

Regionalwerk Chiemgau-Rupertiwinkel

Im Zusammenhang mit Geothermieanlagen erhält die Idee des Regionalwerks Chiemgau-Rupertiwinkel eine

ganz besondere Bedeutung für die Region. In den letzten beiden Jahren wurde dazu eine entsprechende

Machbarkeitsstudie erarbeitet und steht den Kommunen nun zur Verfügung. Diese Machbarkeitsstudie weist

eine sehr positive Prognose für die Wirtschaftlichkeit eines entsprechenden Regionalwerks auf.

In der Lenkungsgruppe unter Leitung des Kirchanschöringer Bürgermeisters Hans-Jörg Birner wurden die wichtigsten

Geschäftsfelder zum Start des Regionalwerks herausgearbeitet. Dabei war es wichtig, dass es sich im

Kern um ein rein kommunales Unternehmen handelt, also ein gemeinsames Kommunalunternehmen ohne

jegliche private Beteiligung. Damit wird sichergestellt, dass immer das Wohl der Allgemeinheit im Vordergrund

dieser Daseinsvorsorgeleistung steht.

Ebenfalls war sehr schnell klar, dass das Regionalwerk auf zwei Säulen stehen wird:

Dem Handlungsfeld im „Strombereich“ und

dem Handlungsfeld im „Wärmebereich“.

Wobei für den Wärmebereich eine intensivere

Betätigung abzusehen ist.

Im Bereich des Stroms wurde für die erste

Phase bewusst auf das Thema Rückkauf von

Stromnetzen verzichtet, da hier noch teilweise

sehr lange Vertragslaufzeiten vorhanden

sind.

Im Bereich des Handlungsfeldes „Strom“ wird

man mit der Vermarktung von regional erzeugtem

Ökostrom beginnen und evtl. auch schon erste Erzeugungsanlagen errichten. Ebenso will man vor Ort

Mieterstrommodelle als Dienstleister anbieten. Ein weiteres Element können auch sogenannte Bündelprodukte

(z.B. Pakete aus PV-Anlagen, Stromspeichern und einer Ladestation für ein Elektrofahrzeug) sein.

Dazu werden in den nächsten Jahren viele Energieerzeugungsanlagen aus der EEG-Förderung fallen. Auch

hier kann ein Regionalwerk Hilfestellung für einen weiteren wirtschaftlichen Betrieb bieten.

Im Bereich des Handlungsfeldes „Strom“ ist eine enge Zusammenarbeit und Abstimmung mit den „kleinen“

Versorgern vor Ort und den örtlichen Gemeinde- und Stadtwerken ein wichtiges Element der Strategie.

Im Bereich des Handlungsfelds „Wärme“ besteht dagegen eine Vielzahl von Optionen für ein Regionalwerk.

In nahezu allen Kommunen bestehen unter den aktuellen Förderbedingungen Ansatzpunkte für Quartierskonzepte

im Bereich der Wärmeversorgung. Durch den Wegfall von neuen Ölheizungen in den nächsten

Jahren sind die Bürgerinnen und Bürger auf attraktive Alternativen angewiesen. Hier gilt es Lösungen zu

finden. Diese Lösungen wird man jedoch nur in einem regionalem Verbund erreichen können.

Einzelne, kleinere Kommunen werden hier Schwierigkeiten bekommen. Gerade für die Gemeinde Kirchanschöring

und unsere Region eröffnet sich mit der ausverhandelten Wärmemenge des Geothermiekraftwerkes

eine große Chance.

Hier schließt sich also der Kreis unserer strategischen Arbeit der letzten Jahre!

Mit beiden Projekten der Geothermieanlage mit dem ausverhandeltem Kooperationsvertrag und einem

Regionalwerk Chiemgau-Rupertiwinkel öffnen sich viel Türen für eine regionale Energie- und vor allem Wärmewende.

Für die nächsten notwendigen Schritte wurden bereits die ersten Vorgespräche mit Fördergebern und Behörden

geführt. Unsere Region befindet sich auch auf diesem Sektor auf dem Weg eine ländliche Musterregion

zu werden und zu beweisen, dass die Wärmewende auch im ländlichen Raum möglich ist.

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Jugend aus der Partnergemeinde Lichnowy zu Besuch

Kommunalpolitik

Erstplatzierte Jugendliche aus Lichnowy

Bürgermeister Hans-Jörg Birner, 1. Schützenmeister Hans

Rosmer und Bürgermeister Jan Michalski

Die Jugend der Partnergemeinde Lichnowy in Polen besuchte vom 12.08. bis 18.08.2019 die Jugend der

Gemeinde Kirchanschöring. Eine abwechslungsreiche Woche stand der Jugend aus Lichnowy und den

Kirchanschöringern bevor. Mit viel Engagement wurde vom Vorbereitungsteam - Josef Schmid, Franz

Portenkirchner, Guido und Adrian Hillebrand, Heinrich Wallner, Regina und Stefanie Heiß, Anja Straßer und

Lisa Ziegeltrum die Gestaltung für diese Woche ausgetüftelt.

Nach einem herrlichen Tag in Salzburg kamen die Jugendlichen so gegen 19 Uhr zum Abendessen ins

Schützenstüberl. Schützenmeister Hans Rosmer begrüßte alle recht herzlich und gab bekannt, dass die Kosten

für das Essen der Schützenverein übernähme. Der Höhepunkt des Abends war dann das Schießen mit Lichtund

Luftgewehren. Obwohl die Sprache ein kleines Hindernis war, konnte man mit Englisch und mit Hilfe eines

Dolmetschers allen den Schießsport auf der elektronischen Schießanlage etwas näher bringen.

Mit sehr viel Eifer meisterte jeder seine 10 Schuss. Die drei besten erhielten einen Pokal.

Die Bürgermeister Hans-Jörg Birner und Jan Michalski sowie Pfarrer Ludwig Westermeier und Pfarrer Miroslaw

Mazur versuchten ebenfalls ihre Schießkünste. In gemütlicher Runde ließ man den Abend ausklingen.

40 Jahre Gebietsreform

40 Jahre ist es her, dass in Kirchanschöring gebührend gefeiert wurde, dass das Gesetz über die Korrekturen

in der Gebietsreform beschlossen wurde. Die Feier fand damals vom am 25. und 26. August 1979 statt.

Hierdurch erlangte die Gemeinde Kirchanschöring ihre Selbständigkeit wieder.

Der Schiclub „Nicht e.V.“ (Leo Strasser, Horst Hummelberger, Christian Aicher, Hermann Karner, Edi Stolz,

Karl Löffl er, Roman Hillebrand, Herbert Wallner, Xaver Brüderl, Toni Strasser, Alois Maier, Sepp Voggenberger,

Günther Benischke) trug gemeinsam mit Armin Neidl und Josef Strasser mit unten stehendem Vortrag von

Roman Hillebrand zum Gelingen des Abends im großen, voll besetzten Bierzelt bei.

Seid gegrüßt, ihr Anschöringer Bürgerschar,

auch die von Muttering, Eberding, das ist doch klar!

Gebietsreform amoi andersrum,

das ist heit mein Thema, hier auf dem Podium.

Seit fünf Jahren macht es schon die Runde,

unsere Anschöringer Gmoa geht vor die Hunde!

Nur weil ein Minister namens Bruno Merk

wie besessen war von seinem Werk!

So machte er viele Gemeinden kaputt,

nahm dann - wie immer diese Herrn - seinen Ministerhut,

hinterließ einen großen Scherbenhaufen,

Gemeinden kamen übereinander bis zum Raufen.

Unter den Bürgermeistern fielen harte und böse Worte,

da gab‘s Beschimpungen übelster Sorte.

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Kommunalpolitik

Mit Fridolfing wollte es uns zusammenkleistern,

der Mörtel Sepp wär dann auch unser Bürgermeister!

Unser Bürgermeister Daiss kriegt dann das Gnadenbrot

und in weiteren vier Jahren ist dann unsere Gemeinde tot.

Bei der Protestversammlung im Felbersaal,

da heizten sich die Gemüter richtig an.

Der Fellner Franz aus Fridolfing

meinte er hätte das richtige Ding.

Zahlt‘s eure Schulden dann nehmen wir eich,

da kam Wut auf in unsere Beich!

Der Rausch Heini meinte: „Des mit den Schulden lasst uns kalt,

wir gehn auf gar keinen Fall zu euch in den Boarischen Wald!“

Schön ham‘s sie sich‘s ausdenkt, de Herrn vom Parlament

uns durchanandahaun wia a Sackl Zement.

Blos die Bürger mit Bürgermeister Daiss an der Spitze ham‘s net einkalkuliert,

drum wird dieser Blödsinn auch heit annuliert!

Auf boarisch hoaßt des Schiesse baut,

drum schrein ma heit furtbar laut:

„Ihr Fridolfinger sats ma jetzt ned bäs,

mir san mir und es seids es!“

So vui Herrn von der Politik - heit bei uns im Zelt -

habts scho zum Feiern dabei a Geid?

Do kunnts dann a paar Mass und a Brotzeit springa lossn,

weil bei uns san mit dera Streiterei leer de Kassen!

Fünf Jahre ham mir am Stammtisch diskutiert,

gerätselt, gehofft welche Gemeinde gewinnt oder verliert.

Nächtelang ham ma fast grafft und gstritten,

de Gmoa miaß ma erhoitn, unsere Breich und Sitten!

Ein Bürger von uns, der Straussei is es gwen,

der auftretn is in München, im Bayrischen Fernsehn.

Bei der Livesendung „Jetzt red i“

hat sich der Konrad neigniad wir a Profi.

Für deinen Einsatz sei dir heit gedankt,

du warst da, die Politiker entschuldigt, angeblich erkrankt!

Do hams uns sitzen lassen, die Herrn vom hohen Hause,

unser Gemeinderat mit Gerhard Daiss ham opackt ohne Pause.

Ja unser Gemeinderat mit seinem Boss,

sitzen natürlich heit auf am hohen Ross!

Ihr lasst euch heut gebührend feiern,

ihr seits heid de Sieger, de King aus Bayern!

Vergesst dabei nicht, für Euch wars die Pflicht!

Für uns Bürger am Stammtisch a freiwillige G‘schicht.

Diskutiert is wordn im Wirtshaus, am Arbeitsplatz und Verein,

manchmal sogar bis zum frühen Dämmerschein.

Und immer ging‘s um‘s gleiche Ding:

„Wir wollen nicht nach Fridolfing!“

Es hoaßt a hait „Bürgerfest“,

macht fest Gebrauch, das ist Euer Recht!

Mir Anschöringer san nämlich die echten Sieger,

net de Politiker, de müden Krieger!

Sie sollten eigentlich für uns marschiern

und net bloß hohe Diäten für an solchen Blödsinn kassiern!

Sogar den heiligen Antonius ham ma angefleht,

jetz kam im Bayerischen Landtag die Erleuchtung, Gott sei Dank nicht zu spät!

Die Gemeinde Anschöring und Gemeinde Fridolfing

kann man nicht machen zu einem Ding!

Jetzt ist Ende mit dem Verwaltungsgemeinschaftsring,

„Wir Anschöringer wollen nicht nach Fridolfing!“

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Wenn der Mörtl g‘sagt hätt: „Es seids uns zgring.

I und meine Bürger möchten gar net Anschöring!“

Aber das Gegenteil war der Fall,

er ließ uns zappeln wie einen Tennisball!

Auch Kramer Luggi von Eberding als Verbindungsmann

heizte die Gemüter drei Jahre lang an.

Er wusste zum Schluß nicht mehr wo ein und aus,

„Oide“ hot er g‘sogt, „ich wandere noch nach Österreich aus!“

A bisserl gach, Herr Mörtl, seids scho dreiganga,

woits doch glei an super Rathausneubau ofanga!

Hätt‘s doch abgwardt mit eiere Sprich wos noch passiert,

warum fragen wir uns heit, hot des so pressiert?

Ihr habt den Politikern, den sogenannten Hohen Herrn vertraut

und somit eure Pläne vom neuen Rathaus auf Sand gebaut!

Kommunalpolitik

Vor‘m Bettgehn hab ich immer ein Gebet,

ich sog‘s eich glei wie des dann geht:

„Bruno Merk, merk dir das Eine,

kimm ja nimmer in unsere Gemeinde eine.

So einen Scheiß wos du bei uns host g‘macht,

friedliche Nachbarn zu Feinden g‘macht,

Abgeordnete setzt euch besser für uns Bürger ein,

Anschöring will wieder mit Fridolfing Nachbar wie früher sein!

Nur im Fußball wollen wir uns streiten um‘s Leder rund,

da habt‘s aber scho seit Jahren den Arsch z‘weit unt.“

Unsere Gemeinde mit Gerhard Daiss zoagt heit auf,

wir machten alles mobil, bergab und bergauf.

Bier gibt‘s heit fast ummasunst

Bürgermoasta, dein Kämpfen war nicht ummasunst!

Wo du gekämpft hast, am Telefon oder beim Merk, dem großen Tier,

deine Anschöringer standen immer in der Sache hinter Dir!!

Du kannst dich verlassen auf deine Leit,

wir kämpften alle Seit an Seit!

Nun ist geschlagen die große Schlacht,

drum wird jetzt ein Schlussstrich g‘macht!

Erhebt die Gläser auf die selbständige Gemeinde Anschöring

und trinkt sie aus auf die Gemeinde Fridolfing!

Zum Schluß jetzt noch:

„Die Gemeinde Anschöring soll leben drei mal Hoch!“

Mir vom Schiclub „Nicht e.V.“ san uns dreizehn Leit

und mir frein uns mit der Gemeinde ganz besonders heit!

ROMAN HILLEBRAND

67


Kommunalpolitik

Neues vom Personal

September

Im September durften wir

Stefanie Heiß

in unserem Kollegenkreis willkommen heißen.

Sie hat in der Gemeindeverwaltung

ihre dreijährige Ausbildung zur

Verwaltungsfachangestellten

mit Fachrichtung allgemeine innere Verwaltung

des Freistaates Bayern und Kommunalverwaltung (VFA-K)

begonnen.

Wir gratulieren

Theresa Aicher

zur erfolgreich bestandenen Abschlussprüfung.

Sie darf sich nun als

Verwaltungsfachangestellte mit Fachrichtung

allgemeine innere Verwaltung

des Freistaates Bayern und Kommunalverwaltung (VFA-K)

bezeichnen.

Theresa Aicher ist seit Abschluss ihrer Ausbildung

im Einwohnermeldeamt tätig.

Mitarbeiterehrung im G‘wandladen

Gemeindemitarbeiterin Michaela Stockhammer (von links) mit dem Ladenteam

um Erna Reschberger, Monika Riedel, die Geehrte, Maridi Schweiger, Elke Conrady,

Renate Peters und Elisabeth Streitwieser.

Bürgermeister Hans-Jörg Birner überbrachte einen Blumenstrauß für Frau Schweiger.

Vor rund 14 Jahren bot die Gemeinde Kirchanschöring im

Rahmen ihres Projekts „Lebensqualität durch Nähe“ in einem

kleinen Laden in der Bahnhofstraße zum ersten Mal gut erhaltene

Kleidung, Wäsche und Schuhe zum Verkauf an.

Mit diesem Secondhand-Shop wollte man einerseits erreichen,

dass bedürftige Mitbürger sich kostengünstig einkleiden

können, und andererseits verhindern, dass Kleidung unnötigerweise

auf dem Müll landet.

„Sie ist doch etwas sehr Werthaltiges“, betont die in der

Gemeinde für Sozialwesen, den Sozialfonds und den G‘wandladen zuständige Michaela Stockhammer.

Verabschiedet wurde nun eine treue Kleiderladen-Helferin: Maridi Schweiger wirkte jahrelang ehrenamtlich

in dem „Geschäft“ mit.

Bürgermeister Hans-Jörg Birner sagte persönlich mit einem Blumenstrauß auf Wiedersehen.

68


Der Reinerlös des Ladens kommt dem örtlichen Sozialfonds zugute, mit dem Kirchanschöring unschuldig in

Not geratenen Mitbürgern schnell und unbürokratisch unter die Arme greifen und ihnen aus einer finanziellen

Misere helfen kann.

Der Laden, der sich anfangs schlicht und einfach „Kleidermarkt“ nannte, ist vor ein paar Jahren in das ehemalige

Schlecker-Geschäft an der Laufener Straße umgezogen und nennt sich seither G‘wandladen. Dort

steht ein Team, dem aktuell sechs Frauen angehören, regelmäßig hinter dem Ladentisch und kümmert sich

um die Organisation des Ladens. Die Frauen sind ausschließlich ehrenamtlich tätig und bringen Freude am

Verkaufen und am sozialen Engagement mit.

Zu den Aufgaben gehört es, Kunden beim Kleiderkauf zu beraten und die eingegangenen Warenspenden zu

sichten, zu sortieren und einzuräumen. Wie viel Zeit sie dafür aufwenden, können sie zwar selbst bestimmen,

aber anders als in anderen Ehrenämtern können sie nicht einfach kommen und gehen wann sie wollen, denn

der G‘wandladen hat regelmäßige Öffnungszeiten. Und da müssen die Frauen dann schon da sein. „Aber

wenn es mir mal nicht ganz so gut gegangen ist, habe ich einfach mit einer Kollegin getauscht“, erzählt

Maridi Schweiger. „Weil ich aus gesundheitlichen Gründen kürzertreten muss, kann ich meine liebgewonnenen

Teamkolleginnen leider nicht mehr regelmäßig unterstützen“, sagte sie bei ihrer Verabschiedung.

Die ehrenamtliche Arbeit im G‘wandladen sei für sie ebenso erfüllend gewesen wie die bezahlte Arbeitsstelle,

die sie vor ihrem Eintritt ins Rentenalter hatte. „Der Kontakt zu den Teamkolleginnen und Kunden war mir

schon sehr wichtig“, räumte sie etwas wehmütig ein.

Birner bedankte sich im Namen der Gemeinde mit einem Blumengeschenk für ihre dreijährige Mitarbeit.

Der Dank des Bürgermeisters galt aber auch der neuen Mitarbeiterin Renate Peters.

Auch Michaela Stockhammer schloss sich den Worten an. Zudem würdigte sie die ehrenvolle Leistungsbereitschaft

des bisherigen Teams. Wenn Not am Mann ist, springt neben dem bestehenden Team auch

noch ab und zu Brigitte Löffler ein. „Sie alle erledigen nicht nur die Arbeit zur höchsten Zufriedenheit, vielmehr

ist es ihnen auch gelungen, aus den Räumen einen Ort zu machen, an dem sich die Menschen gerne aufhalten

und wo sie miteinander in Kontakt kommen.“

Kommunalpolitik

In Kaufhaus-Atmosphäre und mit Beratung können sich nicht nur Inhaber von Berechtigungskarten in Würde

mit gut erhaltenen Kleidungsstücken eindecken, sondern auch alle anderen. Gratis gibt es aber nichts.

Seit der Eröffnung dieser Kleiderkammer gilt nämlich die Regel, gebrauchte Kleidung kostenlos anzunehmen,

zur besseren Wertschätzung bei der Abgabe aber einen kleinen Kostenbeitrag von einem bis höchstens

15 Euro pro Kleidungsstück zu erheben. So werden die Stücke nicht in Massen mitgenommen.

Das Bienenhaus wird eingeweiht

69


Kommunalpolitik

Im Rahmen einer gut besuchten Feier ist das neue Schaubienenhaus des Imkervereins eingeweiht worden.

Die eigentlichen Stars dieser Einweihungsfeier waren jedoch die Bienenvölker, die sowohl im Gebäude als

auch an dem Bienenschaukasten auf der „Bienen-Festwiese“ umherschwirrten und dabei beobachtet werden

konnten, wie sie Honig produzieren.

Aber nicht nur den fleißigen Nektarsammlerinnnen gefällt ihr neues Zuhause.

Auch der Imkerverein ist stolz auf das neue Bienenschauhaus mit Honigschleuderraum, das zugleich als

Schulungsgebäude dient. Das erleichtert nämlich die fachliche Ausbildung von Menschen, die an der Imkerei

interessiert sind, und fördert die Freizeitimkerei. Überdies bietet es allen Interessierten und besonders den

Kindern Einblicke in die Welt der Biene.

„Heute ist ein ganz besonderer Tag für uns“, betonte der Vorsitzende des Imkervereins Kirchanschöring,

Helmut Hofmeister, in seinem Grußwort. Dem Verein mit seinen 48 bienenhaltenden Imkern und zwölf Fördermitgliedern

sei es endlich gelungen, seinen Projektidee umzusetzen und ein Hotel für zahlreiche Bienen zu

errichten, 200.000 sind es aktuell. Viel Arbeit stecke in diesem Holzgebäude, das ohne die fleißigen Helfer

und Spender nicht zu verwirklichen gewesen wäre. Hofmeisters Dank richtete sich daher zum einen an die

vielen Kirchanschöringer Firmen, die zum Teil kostenlos Material und Maschinen zur Verfügung stellten, und

zum anderen an die Vereinsmitglieder, die mit ihrer Muskelkraft viel zur Realisierung des Hauses beisteuerten.

Ein besonderes Dankeschön galt der Zimmerei Stadler, die das in Modellbauweise gefertigte Bienenhaus

aufbaute, und der Gemeinde. Denn das Vorhaben konnte nur durch die starke Initiative des Bürgermeisters

und des Gemeinderats realisiert werden, die es dann auch mit Nachdruck vorantrieben. Hofmeister hofft, wie

er sagte, dass das Bienenhaus gut angenommen wird. Denn das Haus sei dafür da, die immense Bedeutung

von Bienen für die Mensch-, Tier- und Pflanzenwelt hervorzuheben und nicht, um daran zu erinnern, dass es

diese Tiere einmal gegeben hat.

Schließlich durfte Pfarrer Kaspar Müller das Bienenschauhaus einweihen.

Nach der Weihe folgten die zahlreichen Gäste und Ehrengäste der Einladung des Vereins, die Einrichtung,

die samt einem neuen Zufahrtsweg auf dem gemeindlichen Grundstück zwischen der Götzinger Ache und

der Bannpointstraße entstanden ist, zu besichtigen. Anschließend ließen sich alle auf den Bänken der Festwiese

nieder, um bei Essen, Kaffee und selbstgebackenen Kuchen den Abend allmählich ausklingen zu

lassen. Zur guten Stimmung trug die „Speckbrettl Musi“ bei.

Die Gemeinde und der Verein seien froh gewesen, das Projekt über LEADER (Mit dem LEADER-Programm

unterstützt das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten die ländlichen

Regionen auf ihrem Weg einer selbstbestimmten Entwicklung nach dem Motto „Bürger gestalten ihre Heimat“.)

abdecken zu können. LEADER habe das Vorhaben mit fast 26.000 Euro bezuschusst.

Das Geld sei explizit für das Errichten einer Imkerschule mit Schaubienenstand und der ökologischen Aufwertung

des Uferbereichs der Götzinger Ache in der Dorfmitte bestimmt gewesen. Dazu habe die Gemeinde

auch das zu erwartende Defizit von 36.000 Euro übernommen.

Die Bienenzüchter in Kirchanschöring mit ihren vielen jungen Mitgliedern und einer ebenso jungen Vorstandschaft

hätten das Projekt alleine nicht stemmen können. „Sie trugen bislang aber mit rund 420 freiwillig

geleisteten Arbeitsstunden einen nicht unwesentlichen Teil bei“, betonte Bürgermeister Hans-Jörg Birner

in seiner Ansprache. Dabei stellte er auch den Werdegang des Schaubienenhauses, der von einem

ersten Antrag der Imker im Juli 2016 über Standortdiskussionen und Gemeinderatsbeschlüsse bis zur jetzigen

Fertigstellung reichte, in chronologischer Reihenfolge dar.

Birner dankte allen Beteiligten, darunter besonders den Grundstücksnachbarn für ihr Verständnis während

der Bauphase. Dabei kam Birner auch auf den entsprechenden Zuwendungsbescheid zu sprechen, den

Kirchanschöring von Leader-Koordinator Sebastian Wittmoser vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und

Forsten in Rosenheim im Beisein des Vorsitzenden der Leader-Aktionsgruppe (LAG) „Traun-Alz-Salzach“,

Konrad Schupfner, und des Ehrenvorstands der Kirchanschöringer Imker, Siegfried Zehentner vor etwa einem

Jahr überreicht bekam.

Text: Anneliese Caruso

70


Die Gemeinde in Schülerhand

Oktober

Am Mittwoch, den 2. Oktober besuchten die beiden vierten Klassen

das Rathaus in Kirchanschöring. Der Bürgermeister, Herr Birner, führte uns

durch das ganze Gebäude. Er zeigte uns alle wichtigen Ämter mit den

Personen und wir bekamen vieles erklärt.

Die Rathausmitarbeiter erzählten uns sehr ausführlich über ihre Arbeit.

Es war sehr interessant. Wir erfuhren zudem, dass 17 Personen im Gemeinderat

sind.

Am Schluss bekamen wir noch etwas zu Trinken und zu Knabbern und Herr

Birner beantwortete sehr ausdauernd unsere Fragen zum Bürgermeisterberuf.

Jeder von uns hat noch eine schöne Stiftebox bekommen.

Dafür und für die tolle Führung bedanken wir uns sehr!

Kommunalpolitik

Levke und Magdalena aus den vierten Klassen

Thomas Stehböck neuer Rektor der Mittelschule

In der feierlich geschmückten Aula der Mittelschule

Salzachtal in Fridolfing wurde die offizielle

Begrüßung des neuen Rektors Thomas Stehböck

gefeiert. Stehböck ist ab diesem Schuljahr für die

Mittelschule Salzachtal mit ihren drei Standorten

in Fridolfing, Kirchanschöring und Tittmoning sowie

die Grundschule Fridolfing zuständig.

Bürgermeister Hans Schild begrüßte die zahlreichen

Anwesenden herzlich und betonte: „Tom, wir

freuen uns unbandig, dass du zu uns als neuer Rektor

in deine Heimatgemeinde zurückgekehrt bist.“

Schild erzählte, dass Thomas Stehböck nicht nur

als Schüler bereits in Fridolfing die Grundschule besuchte,

sondern im Jahr 1999 als Lehramtsanwärter

und Lehrer an „seine“ Schule zurückkehrte. Später

habe er sogar das Amt des Konrektors übernommen,

bis er nach zwölf Jahren eine Rektorenstelle

in Tacherting übernommen habe.

„Und jetzt ist er wieder bei uns,“ freut sich das Gemeindeoberhaupt.

„Wir hätten keinen Besseren

kriegen können.“

In Richtung des Schulamtsdirektors Otto Mayer

fügte er lachend hinzu: „Wahrscheinlich war die

Bewerbung einfach unschlagbar, gell?“

Der „Tom“ habe schon damals als Lehrer und Konrektor

immer gute Ideen gehabt, stellte Schild fest.

Er habe nicht nur geredet, sondern seine Pläne

auch umgesetzt. Dabei habe er aber immer eine

gewisse Balance gehalten, etwas Neues zu erschaffen,

jedoch das Alte zu bewahren.

In seiner damaligen Zeit in Fridolfing sei das Agenda21-Logo

entworfen worden, die Wintererlebniswochen

wurden eingeführt und er habe den „Tag

der Berufe“ mitorganisiert. Ebenso sei er aktiv an

der Ernennung zur Mittelschule beteiligt gewesen

und habe selbst den ersten Jahrgang der M-Klasse

mit Herzblut zu ihrem Abschluss geführt.

Noch heute höre er von ehemaligen Schülern, wie

hervorragend sie von Stehböck unterstützt und

motiviert wurden.

71


Kommunalpolitik

„Tom, ich möchte dich ganz herzlich im Schulverband

Salzachtal und der Grundschule Fridolfing

begrüßen.“

Dann betrat Schulamtsdirektor Otto Mayer das

Podium. „370 Schüler, 18 Klassen und 30 Lehrkräfte

haben jetzt einen neuen Schulleiter,“ stellte er

fest. Der Wechsel eines Schulleiters sei ein besonderes

und auch seltenes Ereignis. Dies bedeute für

die Schüler, wie auch die Lehrer, dass sie sich auf

eine neue Führung einstellen müssten. Dies bringe

Neugier, Hoffnung, Erwartung oder auch gewisse

Ängste mit sich. Doch Mayer ist sich sicher, dass

dieser Wechsel ein positiver sei. Denn mit Thomas

Stehböck habe man einen Mann mit engen Verbindungen

zu diesem Haus, der fachliches Knowhow

und Führungskompetenz besitze. Ebenso sei

es ein Plus, dass Stehböck „alle Ecken als Schüler,

Lehrer und Konrektor“ kenne.

Mayer bat das ganze Team, gut mit ihm zusammenzuarbeiten:

„Seid‘s nett und unterstützt‘s ihn

mit eurer quantitativen und qualitativen Mitarbeit.“

An die drei Bürgermeister der Schulstandorte gerichtet,

bedankte sich der Schulamtsdirektor herzlich

für die tolle finanzielle Unterstützung für die

Schule: „Es wird ja nicht alles subventioniert und

wir sehen, was ihr hier Großes leistet. Vielen Dank

dafür.“

Dann überreichten Maria Bachmayer von der

Grundschule Kirchanschöring und Sandra Kufner

von der Grundschule Tittmoning einen Geschenkkorb

an den neuen Rektor.

Sichtlich gerührt bedankte sich Thomas Stehböck

für das Geschenk und die netten Worte aller Redner.

Er sei sehr herzlich willkommen geheißen worden,

so Stehböck lächelnd. Er freue sich schon

sehr auf seine Aufgabe: „Es geht darum, unsere

Schüler bestmöglich zu fördern und zu fordern. Ich

wünsche mir und euch viel Spaß und Arbeit die

nächsten Jahre.“

Im Anschluss an den offiziellen Teil wurde noch lange

bei Sekt und Häppchen gefeiert.

Dezember

Jahresrückblick der Bücherei

Das Team

Das Team der Bücherei bestand 2019 aus 10 ehrenamtlichen

Mitarbeiterinnen.

Gemeinsam haben alle in ihrer Freizeit über 865

Stunden für die Bücherei investiert.

Das Team war nicht nur während der 4,5 Öffnungsstunden

pro Woche für die zahlreichen Besucher

da, auch Angebote für Kinder und Buchausstellungen

wurden organisiert, zusätzliche Öffnungszeiten

für die Schule eingeräumt, Fortbildungen besucht,

Besprechungen mit Mitarbeitern und den Bücherei-trägern

durchgeführt und vieles mehr.

Zusätzlich wurden alte Medien aussortiert und über

540 neue eingekauft, katalogisiert, eingebunden

und einsortiert.

72


Medien und Ausleihen

Über 6000 Medien (Bücher, Zeitschriften, Spiele,

CDs und DVDs) standen den Lesern zur Verfügung.

542 Medien wurden in diesem Jahr eingekauft.

Zusätzlich können tiptoi-Stifte und eBook-Reader

(tolino) ausgeliehen werden.

548 Leser nutzten dieses Angebot, davon waren 74

Neuanmeldungen.

Bei einer Jahresöffnungszeit von 226 Stunden kamen

pro Stunde 19 Besucher in die Bücherei. Dabei

haben sie 11.817 Medien mitgenommen, das

heißt pro Stunde wurden 52 Medien ausgeliehen,

mussten wieder zurück genommen werden, vielleicht

gereinigt oder repariert und wieder einsortiert

werden.

Jürgen Seibold - Volltreffer

Nele Neuhaus - Muttertag

Lisa Graf-Riemann - Steckerlfisch

Kristina Ohlsson - Bruderlüge

Sämtliche Medien aus der Bücherei können bequem

von zuhause aus, oder von unterwegs über

den Online-Katalog BVS eOpac eingesehen, vorgemerkt

oder verlängert werden.

Die Onleihe-Plattform LEO-SUED bietet darüber

hinaus ohne zusätzliche Kosten weitere 62.596 Bücher,

Zeitschriften und Hörbücher zum Downloaden

sowie Online-Kurse aus den Bereichen Wirtschaft,

Computernutzung, Bildbearbeitung und

Sprachlernkurse.

Sowohl die Ausleihzahlen in der Bücherei als auch

in der Onleihe sind gestiegen.

Kommunalpolitik

59 Leser nutzten die Onleihe im Jahr 2019, davon

13 zum ersten Mal. Es gibt eine kleine Zahl reiner

Online-Leser, viele nutzen beide Angebote.

Mit 2102 Entleihungen hat die Onleihe nun einen

Anteil von 15 % an den Gesamtentleihungen.

Gerade im Bereich der Zeitschriften und Reiseführer

bietet die Onleihe ein umfangreiches und

aktuelles Angebot, das wir mit unseren Mitteln

vor Ort nicht bieten können. Das neue eLearning-

Angebot mit Online-Kursen für die berufliche und

private Weiterbildung macht diesen Bereich noch

attraktiver.

Hitliste 2019

Kleinkinderbücher

Vom kleinen Siebenschläfer, der nicht aufwachen

wollte

Kinderbücher

Die drei !!! - Legende der Einhörner

Tiptoi-Bücher

Unserer Jahreszeiten

Unterwegs mit der Feuerwehr

Spiele

Schnappt Hubi

CDs

Der kleine Drache Kokosnuss

Sternenschweif - Funkenzauber

Sachbücher

Nicola Schmidt - Geschwister als Team

Romane

Katharina Herzog - Zwischen dir und mir

Lucinda Riley - Die Mondschwester

Veranstaltungen

Buchausstellungen

Jeweils im Frühjahr und im Herbst wurden die Neuanschaffungen

präsentiert.

Zur Erstkommunion wurden Bücher, Gotteslob und

Erinnerungsalben angeboten.

Vorlesen

Sieben Mal luden wir Kinder ab 3 Jahren zu einer

73


Kommunalpolitik & Ausblick des Bürgermeisters

Vorlesestunde mit dem Kamishibai-Erzähltheater

ein. Nach dem Vorlesen konnten die Kinder noch

basteln oder spielen.

Ferienprogramm

Die Bücherei beteiligte sich am Ferienprogramm

mit einer Bücherrallye.

Sommerferien-Leseclub

Beim Sommerferien-Leseclub nahmen 38 Kinder

teil und konnten bei der Herbst-Buchausstellung

tolle Preise gewinnen.

Antolin

Die Bücherei unterstützt die Schule beim Leseförder-

Programm durch die Ausleihe passender Bücher.

Die Klasse mit den meisten Ausleihen wurde zum

Eis essen eingeladen.

Ausblick

Das Jahr 2020 stellt uns vor große und neuartige Herausforderungen. Als Gesellschaft suchen wir einen Weg

mit den Auswirkungen der CORONA-Pandemie umzugehen.

Diese Auswirkungen verändern auch die Rahmenbedingungen für die Kommunalpolitik. Vor allem ist noch

gar nicht abzuschätzen, wie die finanziellen Auswirkungen für die Kommunen, den Staat aber auch für jeden

einzelnen von uns sein werden. Somit ist nicht ausgeschlossen, dass auch die Finanzausstattung der Kommunen

zu einem limitierenden Faktor für unsere Vorhaben werden kann.

Doch die aktuelle Situation führt uns vor allem überdeutlich vor Augen, dass wir auf unserem Weg der Nachhaltigkeit,

der Generationengerechtigkeit und vor allem der Resilienz weiter vorangehen müssen.

„Resilienz“ ist ein Begriff, der relativ neu im politischen Sprachgebrauch ist. Doch dieser Begriff ist in vielen

Fachbereichen ein Ausdruck dafür, auch bei massiven externen Störungen „den Betrieb aufrecht erhalten zu

können“ - also ein stabiles Gefüge geschaffen zu haben, um Abhängigkeiten überschaubar und beherrschbar

zu machen und das eigene System im Notfall möglichst unabhängig betreiben zu können.

Resilienz war bereits ein wichtiger Aspekt bei der Erstellung unserer Gemeinwohlbilanz. Dort wurden wir als

Gemeindeverwaltung zum ersten Mal aktiv mit diesem Begriff und dieser Aufgabe konfrontiert.

Seither bestimmt der Begriff Resilienz unser Handeln mit, und politische Themen werden danach ausgerichtet,

z.B.:

Mit dem Regionalwerk wollen wir im Bereich der Energie wieder unabhängiger werden oder mit den Fördermöglichkeiten

durch all unsere Regionalinitiativen finden wir Wege für die regionale Wertschöpfung und eine

wichtige Aufgabe, die wir uns gestellt haben, ist es eine „resiliente Siedlungsentwicklungsstrategie“ für unsere

Kommune zu erarbeiten.

All das haben wir bereits vor der CORONA-Pandemie gestartet. Doch diese Ausnahmesituation hat uns wie

unter einem Brennglas schmerzhaft erkennen lassen, dass unser eingeschlagener Weg richtig und zukunftsfähig

ist.

Davon werden wir uns auch in Zukunft nicht abbringen lassen!

Also lasst uns gemeinsam in gewohnter Weise unsere gemeinwohlorientierte Gemeindepolitik vorantreiben!

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Die Zukunft kann man am besten voraussagen,

wenn man sie selbst gestaltet.

Impressum

- Alan Kay -

Verantwortlich im Sinne des

Pressegesetzes:

1. Bürgermeister Hans-Jörg Birner

Koordination: Petra Obermeier

Satz und Layout: Petra Obermeier

Korrektur: Juliane Reising

Gemeinde Kirchanschöring,

Rathausplatz 2

Druck: OH Druck GmbH, Laufen

gedruckt auf Recyclingpapier aus 100 % Altpapier

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