wohn mobil Jahresbericht 2019

parisozial.koeln21830

Jahresbericht 2019

wohn mobil - Beratungsstelle für Wohnraumanpassung

und Wohnungswechsel in Köln


Wohnberatung in der Stadt Köln ist wichtig,

weil …

„... Wohnen in Würde ein Menschenrecht ist.“

Elfi Scho-Antwerpes

Bürgermeisterin der Stadt Köln

Aufsichtsrätin der PariSozial Köln GgmbH

1. Einleitung

2. Mitarbeitende 2019

3. Wohnraumanpassung

3.1. Erstanfragen und Wohnberatungen

3.2. Zahlen & Daten

3.3. Fallbeispiel

3.4. Einfluss von Technik und Digitalisierung

4. Wohnungswechsel

4.1 Erstanfragen und Umzüge

4.2 Zahlen & Daten

5. Öffentlichkeitsarbeit

5.1 Kooperationen und Vernetzungen

5.2 Presse und Medien

5.3 Veranstatungen

6. Ausblick

@ wohn mobil


1. Einleitung

Mit dem vorliegenden Jahresbericht von wohn mobil,

der Beratungsstelle für Wohnraumanpassung und

Wohnungswechsel, wird Ihnen ein Gesamteindruck

über unsere Tätigkeiten im Jahr 2019 und deren Ergebnisse

vermittelt.

Zielsetzung beider Arbeitsbereiche - Wohnraumanpassung

und Wohnungswechsel - ist, die Wohnsituation

für behinderte, pflegebedürftige und ältere Menschen

in Köln effektiv und nachhaltig zu verbessern, um den

Verbleib im häuslichen Umfeld zu sichern und die

selbständige Lebensführung zu fördern. Die häusliche

Pflege soll ermöglicht und erheblich erleichtert werden,

um eine Heimaufnahme solange wie möglich zu

vermeiden. Dies entspricht dem Wunsch der meisten

Menschen, in ihrer vertrauten Wohnung und ihrem

Wohnumfeld solange es geht wohnen zu bleiben. Insbesondere

Pflegebedürftige mit einem allgemeinen

oder besonderen Betreuungsbedarf und deren pflegende

Angehörige bedürfen einer intensiven Beratung.

Wie in den vergangenen Jahren konnte der Bereich

Wohnungswechsel auch in 2019 viele Menschen beim

Umzug in eine alten- oder behindertengerechte Wohnung

begleiten. Auch erhält der Bereich Wohnungswechsel

vermehrt Anfragen von Wohnungsunternehmen

mit dem Anliegen, ältere Menschen und/oder

Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen bei

einem bevorstehenden Wohnungswechsel zu unterstützen.

Die enge Zusammenarbeit mit dem Amt für

Wohnungswesen der Stadt Köln, insbesondere mit der

Stelle zur Ausstellung eines Wohnberechtigungsscheines,

ist bei der Vermittlung entsprechender Wohnungen

für die Ratsuchenden hilfreich und unverzichtbar.

Die Beratung durch wohn mobil ist für alle Kölner Bürgerinnen

und Bürger kostenfrei und unabhängig. Die

hohe und weiter steigende Nachfrage nach den Beratungsleistungen

von wohn mobil führte seit Jahren

dazu, dass wir unsere Kapazitätsgrenzen erreichten

und wir immer mehr Menschen mit dem Hinweis auf

unsere Interessentenlisten vertrösten mussten. Auf

diesen Listen standen in beiden Arbeitsbereichen in

jedem Quartal 2019 ca. 100 Personen, die gerne Unterstützung

und Beratung durch wohn mobil erhalten

hätten.

Umso mehr freut es uns, dass wir durch die Stadt Köln

ab dem 01.01.2020 in beiden Arbeitsbereichen je eine

Personal-Vollzeitstelle aufstocken konnten. Wir bedanken

uns sehr bei allen Akteur*innen, die dies unterstützt

und ermöglicht haben.

Die Bedeutsamkeit der Wohnberatung zeigte sich

im Oktober 2019 auch auf der Fachtagung „30 Jahre

Wohnberatung in Nordrhein-Westfalen” in Düsseldorf.

In seinen Grußworten bekräftigte Karl-Josef Laumann,

Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes

Nordrhein-Westfalen, die Wichtigkeit der Unterstützungsleistungen

der Wohnberatungsstellen in

NRW. “Wohnberatung ist aktive Prävention“, so Herr

Gunnar Peeters, Vertreter der Landesverbände der Pflegekassen

NRW, in seinen Grußworten.

Über die positive Wirkung der Wohnberatung zur individuellen

Verbesserung der Lebens- und Wohnsituation

einzelner Bürger*innen hinaus, ist Wohnraumanpassung

und Wohnungswechsel somit auch weiterhin

ein unverzichtbarer Baustein für die altengerechte und

behindertengerechte Quartiersentwicklung in Köln.


2. Mitarbeitende 2019

Arbeitsbereich Wohnraumanpassung (Stunden/Woche)

Erika Küllchen (Leitung) Beraterin/Sozialarbeiterin 01.01. - 31.12.2019 34,83 Std.

Susanne Schultze-Rhonhof Beraterin/Architektin (Innendienst) 01.01. - 31.12.2019 19,92 Std.

Birgit Heisterkamp Beraterin/Sozialarbeiterin 01.01. - 31.12.2019 29,87 Std.

Christine Blees Beraterin/Sozialarbeiterin 01.01. - 31.12.2019 19,92 Std.

Dietmar Frings Berater/Bauzeichner 01.01. - 31.12.2019 34,83 Std.

Miriam Bremm Beraterin/Sozialarbeiterin 01.01. - 31.12.2019 19,92 Std.

Jutta Marx Beraterin/Innenarchitektin 01.01. - 31.12.2019 29,87 Std.

Claudia Vahsen Architektin 01.01. - 31.12.2019 19,92 Std.

Arbeitsbereich Wohnungswechsel (Stunden/Woche)

Linda Ströver Beraterin/Dipl. Pädagogin 01.04. - 31.12.2019 19,92 Std.

Iris Thürbach Beraterin/Sozialpädagogin 01.01. - 31.12.2019 19,92 Std.

Alexandra Wiemers Beraterin/Sozialarbeiterin 01.01. - 30.04.2019 29,87 Std.

01.05. - 31.12.2019 19,92 Std.

Corinna Schäfer Beraterin/Dipl. Pädagogin 01.01. - 15.06.2019 29,87 Std.

16.06. - 31.12.2019 19,92 Std.

4,25 Personalstellen im Bereich Wohnraumanpassung werden jeweils zur Hälfte von den Landesverbänden der

Pflegekassen und der Stadt Köln finanziert. Eine zusätzliche Personalstelle finanziert die GAG Immobilien AG. Der

Bereich Wohnungswechsel mit 2 Personalstellen wird komplett durch die Stadt Köln finanziert.

Im Personalwesen, der EDV-Betreuung, der Buchhaltung und der Verwaltung bzw. dem Nachweis der Fördermittel

begleitet Stefan Christoph von der PariSozial gGmbH Köln die Arbeit von wohn mobil. Außerdem wird wohn mobil

durch eine ehrenamtliche Mitarbeiterin bei der Begleitung von Anpassungsmaßnahmen oder im Rahmen des Umzugsmanagements

unterstützt. Ihr freiwilliges, bürgerschaftliches Engagement erlaubt uns eine intensive Betreuung

der Ratsuchenden über das von den festangestellten Mitarbeitenden leistbare Maß hinaus.

Ein besonderer Dank gilt der Rundschau Altenhilfe, die uns 2019 mit einer Spende den Kauf von Tablets ermöglichte.

Dadurch konnte die Beratung vor Ort durch zusätzliche digitale Angebote ergänzt und optimiert werden.


3. Arbeitsbereich Wohnraumanpassung

3.1. Erstanfragen und Wohnberatungen

Erstkontakte im Berichtszeitraum ingesamt 2.870

(Wohnraumanpassung u. Wohnungswechsel)

Neuanfragen in 2019 346

(bei denen mindestens ein Hausbesuch stattfand)

Telefonische, umfassende Erstberatung 620

3.2 Zahlen & Daten

Von den insgesamt in 2019 bearbeiteten 619 Fällen, bei

denen mindestens ein Hausbesuch stattgefunden hat,

wurden 371 abgeschlossen. Diese beinhalten zwei Institutionsberatungen,

sodass 369 abgeschlossene personenbezogene

Beratungsfälle ausgewertet werden:

Alter der Ratsuchenden

Wohnberatungen in Vorjahren begonnen

und in 2019 abgeschlossen 216

Wohnberatungen in Vorjahren begonnen

und nicht abgeschlossen 67

Wohnberatungen in 2019 begonnen

und abgeschlossen 155

Wohnberatungen in 2019 begonnen

und in 2020 übernommen 181

Insgesamt bearbeitete Wohnberatungen 2019 619

Geschlecht der Ratsuchenden

Davon 2019 Wohnberatungen abgeschlossen 371

Davon individuelle Wohnberatungen 369

Davon Institutionsberatungen 2

In das Jahr 2020 werden übernommen und

weiterbearbeitet 248


Pflegekassenzugehörigkeit

Der Kontakt zu wohn mobil wurde vermittelt durch

Pflegebedürftigkeit im Sinne des SGB XI

Bereiche der Umbaumaßnahmen

Von den 369 Ratsuchenden sind 32 Pflegebedürftige

mit einem allgemeinen oder besonderen Betreuungsbedarf.

Kosten und Finanzierung von Umbaumaßnahmen

Gesamtkosten der Maßnahmen 1.119.703,33 €

Zuschuss der Pflegekassen 615.665,60 €

Eigentümer/Vermieter 218.014,56 €

Eigenmittel 150.323,14 €

Eingliederungshilfe Stadt Köln 96.731,97 €

Berufsgenossenschaften 22.755,64 €

Sonstiges: Spenden, Darlehen etc. 16.212,42 €


3.3. Fallbeispiel

Kontaktaufnahme und persönliche Situation

Der erste Kontakt von Frau P. fand im März 2014 statt.

Frau P. ist 59 Jahre und wohnt alleine in einer zwei Zimmerwohnung

(Hochparterre) in einem Mehrfamilienhaus.

Sie bezieht Grundsicherungsleistungen. Sie hat

die Pflegestufe 1 und organisiert Pflege und Betreuung

zum Teil selbst. Sie erhält Unterstützung durch eine gesetzliche

Betreuerin und durch Betreutes Wohnen.

Problematik

Wegen ihrer erheblichen Bewegungseinschränkung kann

Frau P. nicht mehr in die Badewanne ein-/aussteigen.

Lösung und Ausführung

Die Herstellung einer ebenerdigen Dusche sowie einer

höhenangepassten Toilette und die Montage von Haltegriffen.

Die Fachfirmen für den Umbau wurden durch

den Vermieter vorgegeben.

Kosten im Vergleich zur stationären Unterbringung

Kosten monatlich

Pflegeheim Pflegestufe 1 ca. 3.464,00 €

abzüglich Pflegeleistungen SGB XI 1.064,00 €

abzüglich Eigenanteil – Rente ca. 690,00 €

Verbleiben zu Lasten der Stadt Köln 1.810,00 €

Umbaukosten einmalig

Eingliederungshilfe 4.250,00 €

Pflegekasse 4.000,00 €

Nettoersparnis Stadt Köln in 1 Jahr 21.720,00 €

Nettoersparnis Stadt Köln in 4 Jahren 86.880,00 €

Finanzierung Gesamtkosten: 17.000,00 €

Zuschuss der Pflegekasse 4.000,00 €

Eigentümer 8.480,00 €

Eingliederungshilfe Stadt Köln 4.520,00 €

Umbau

Der Umbau erfolgte im Mai 2016. Nach erfolgtem Umbau

kann Frau P. ohne körperliche Anstrengung alleine

oder wenn nötig, mit Unterstützung duschen. Die Benutzung

der Toilette ist für sie wieder selbständig möglich.

Durch die Umbaumaßnahme wurde die Pflege für

Frau P. erheblich erleichtert und einer Überforderung

der Pflegeperson wurde entgegengewirkt. Der Verbleib

in der Wohnung wurde gesichert.

Stand Dezember 2019

Frau P. benutzt weiterhin das Badezimmer selbständig.

@ wohn mobil


Kontaktaufnahme und persönliche Situation

Erneute Kontaktaufnahme von Frau P. im September

2017. Frau P. ist mittlerweile 62 Jahre alt und wohnt

weiterhin alleine in ihrer Wohnung (Hochparterre)

in einem Mehrfamilienhaus. Sie bezieht Grundsicherungsleistungen.

Sie hat nun den Pflegegrad 3 und

organisiert ihre Pflege und Betreuung zum Teil selbst,

zudem erhält sie Unterstützung durch eine gesetzliche

Betreuerin und durch Betreutes Wohnen.

@ wohn mobil

Problematik

Frau P. kann aufgrund ihrer erheblichen Bewegungseinschränkung

nur noch mit großer Anstrengung die

Treppen steigen. Außerhalb ihrer Wohnung kann sie

sich nur im Rollstuhl fortbewegen. Die Mobilität ist erheblich

eingeschränkt.


Lösung und Ausführung

Die Herstellung eines barrierefreien Zugangs über den

Balkon durch eine Hebebühne und die Verbreiterung

der Balkontür. Die Fachfirmen wurden zum Teil durch

den Vermieter vorgegeben.

Finanzierung Gesamtkosten: 27.212,00 €

Zuschuss der Pflegekasse 4.000,00 €

Eingliederungshilfe Stadt Köln 23.212,00 €

Wohnberatung in der Stadt Köln ist wichtig,

weil …

„… sie alten Menschen und Menschen mit Behinderung

ermöglicht, in der ihren vertrauten Wohnung

und ihrer Nachbarschaft zu verbleiben.“

Dr. Günter Bell

Behindertenbeauftragter der Stadt Köln,

Amt für Integration und Vielfalt

Umbau

Der Umbau erfolgte im Mai 2019. Nach erfolgtem Umbau

kann Frau P. selbständig mit dem Elektro-Rollstuhl

die Wohnung verlassen. Eine Teilhabe am gesellschaftlichen

Leben, der Besuch zu Ärzt*innen und therapeutischen

Anwendungen ist ihr wieder möglich. Die Lebenssituation

von Frau P. hat sich erheblich verbessert

und die Abhängigkeit zu Hilfspersonen verringert. Der

Verbleib in der Wohnung wurde erneut gesichert.

Kosten im Vergleich zur stationären Unterbringung

Kosten monatlich

Pflegeheim Pflegestufe 3 ca. 3.762,00 €

abzüglich Pflegeleistungen SGB XI 1.262,00 €

abzüglich Eigenanteil – Rente ca. 720,00 €

Verbleiben zu Lasten der Stadt Köln 1.780,00 €

Umbaukosten einmalig

Eingliederungshilfe 23.212,00 €

Umbaukosten Pflegekasse 4.000,00 €

Nettoersparnis Stadt Köln in 1 Jahr 21.360,00 €

@ wohn mobil


3.4. Einfluss von Technik und Digitalisierung

Die Bereiche der Technik und Digitalisierung stehen

in einer ständigen und schnellen Entwicklung, die

sich auch auf den Bereich der Wohnraumanpassung

auswirkt: Mittlerweile gibt es die unterschiedlichsten

Produkte und innovativen Neuheiten, mit denen Menschen

in ihren Wohnungen und ihrem Wohnumfeld

unterstützt werden können.

In der Beratungstätigkeit nehmen wir wahr, dass Ratsuchende

und deren Angehörige vertrauter und offener

gegenüber neuer Technik und Digitalisierung werden.

Es bedarf somit einer umfangreichen Auseinandersetzung

mit den sich daraus ergebenden Möglichkeiten in

der Beratungsarbeit.

Eine Umfrage des Bundesministeriums für Bildung

und Forschung hat gezeigt, dass 83 % der

Bundesbürger*innen sich vorstellen können, einen

Service-Roboter zu Hause zu nutzen – wenn sie dadurch

im Alter länger in den eigenen vier Wänden wohnen

können. Seit vielen Jahren ist die Beratungsstelle

bereits multiprofessionell besetzt. Um auch zu diesem

Thema fachlich gut beraten zu können, ist eine Qualifizierung

aller Mitarbeiter*innen unabdingbar.

Wir zeigen Ihnen einige technische Beispiele aus der

Praxis, deren Einsatz sich in den letzten Jahren bereits

vielfach bewährt hat.

Elektrische Hebebühne/Plattformlift

Alarmtritt-/ Sensormatte und Bewegungsmelder

@ wohn mobil

@ wohn mobil

Die unterschiedlichen Produkte lösen beim Signalempfänger

(Mitbewohner im Haus, Angehörige, Pflegepersonen)

entweder einen Vibrationsalarm, ein akustisches

oder optisches Signal aus.


Elektrische Türschwellenbühne

Höhenverstellbare Sanitäreinrichtung

Höhenverstellbare Küchenelemente

@ wohn mobil

@ Granberg

Blitzlichtwecker

@ Bellman & Symfon Deutschland GmbH @ HEWI

Mit Hilfe des Oberschranklifts kann der gesamte

Schrankinhalt auf Höhe der Arbeitsplatte abgesenkt

werden. Einbaubar auch in vorhandene Schränke.

Das Signal kann akustisch, optisch und/oder als Vibration

über ein Vibrationskissen erfolgen. Eine Verknüpfung

mit der Türklingel, dem Telefon, einem Rauchmelder

und einem „Babyphone“ ist möglich.


Zukunftsweisende Möglichkeiten

Umfeldsteuerung einzelner Systeme

Intelligente Tür

@ wohn mobil

@ CITEC/Universität Bielefeld

Bedienung von häuslichen Einrichtungsgegenständen

mit Hilfe von elektronischen und elektromechanischen

Geräten. Eine Steuerung ist beispielsweise über die

Sprache, eine Fernbedienung oder das Tablet/Smartphone

möglich und individuell programmierbar.

Schlüsselloses Öffnen ermöglicht unkompliziert den

Zugang für berechtigte Personen. Mittels umlaufender

mehrfarbiger LEDs kann z. B. ein Status wie grün

für „Durchgang erlaubt“ angezeigt werden. Die Tür erkennt

die einzelnen Bewohner einer Wohnung und es

ist möglich, individuelle Begrüßungstexte für die einzelnen

Personen zu generieren. Außerdem kann die

Tür so programmiert werden, dass sie unterschiedliche

Informationen wie das Wetter oder den Busfahrplan

bereithält. Darüber hinaus erinnert sie beim Verlassen

der Wohnung an den Haustürschlüssel.


Intelligenter Spiegel (KogniMirror)

Der Spiegel identifiziert die Person, die vor ihm steht

und kann in Verbindung mit der intelligenten Ankleide

Jacken und Kleinteile den einzelnen Personen zuordnen.

Außerdem kann der Spiegel Informationen bspw.

zum Wetter, Busfahrplan oder der Uhrzeit bereithalten

und an Termine erinnern oder Vorschläge zur witterungs

geeigneten Kleidung machen.

Intelligentes Lichtleitsystem als Orientierungshilfe

@ CITEC/Universität Bielefeld

Der Bereich Technik und Digitalisierung bedarf immer

der Abwägung, was im Einzelfall für den Ratsuchenden

realisierbar, finanzierbar und nutzbar ist, um das Ziel

der Aufrechterhaltung von Lebensqualität, ein möglichst

selbständiges Leben und den längeren Verbleib

in der eigenen Häuslichkeit zu realisieren. Auch müssen

ethische Aspekten eine besondere Beachtung finden.

Es ist absehbar, dass in Zukunft im Rahmen der zunehmenden

Digitalisierung insbesondere die Sektoren des

„Smart Home“ im Bereich des Ambient Assisted Living

(kurz AAL) und der Umfeldsteuerung eine größere Rolle

in der Beratungstätigkeit einnehmen werden.

Der Bereich des Ambient Assisted Living setzt sich wie

der Bereich des SmartHome mit der Automatisierung

in den eigenen vier Wänden auseinander, ist aber an

der Zielgruppe der Personen orientiert, die alleine leben

wollen, allerdings durch körperliche oder kognitive

Einschränkungen eher auf Hilfe und Unterstützung

angewiesen sind.

Im Boden angebrachte LED-Module können nicht nur

den Weg, z.B. vom Schlaf- zum Badezimmer, sondern

mittels der Lauflichtfunktion auch die Richtung angeben,

in die eine Person bspw. im Brandfall gehen soll.

@ CITEC/Universität Bielefeld

Wohnberatung in der Stadt Köln ist wichtig,

weil …

„… der demographische Wandel und eine älter

werdende Gesellschaft gute professionelle Beratung

und Unterstützung braucht.“

Kathrin Möller

Vorstand GAG Immobilien AG


4. Arbeitsbereich Wohnungswechsel

Aufgabe der Beratungsstelle Wohnungswechsel ist es,

Kölner Bürger*innen ab dem 60. Lebensjahr und/oder

mit einer körperlichen Beeinträchtigung dabei zu unterstützen,

eine ihren Bedürfnissen entsprechende

Wohnung zu finden, sofern das Alter und/oder eine

körperliche Einschränkung den Verbleib in der aktuellen

Wohnung nicht zulässt. Dies umschließt ebenso Familien

mit einem oder mehreren behinderten Kindern.

Die Ratsuchenden erhalten sowohl telefonisch, bei

Hausbesuchen sowie im Büro Unterstützung durch

umfangreiche Informationen und persönliche Beratung

zum Thema Wohnungssuche und Umzug in eine

barrierefreie oder behindertenfreundliche Wohnung.

Das umfassende Unterstützungsmanagement beinhaltet

neben diverser Antragstellungen zur Finanzierung

eines Umzugs auch die Begleitung zu den Wohnungsbesichtigungen

und zu den Behörden, wenn die Betreffenden

aufgrund ihrer gesundheitlichen oder privaten

Situation nicht in der Lage sind, diese notwendigen

Wege alleine zu bewältigen.

In guter Kooperation mit der Wohnungswirtschaft und

dem Amt für Wohnungswesen der Stadt Köln, welches

die Stellen bei Wohnungswechsel finanziert, gelang es

der Beratungsstelle im Jahr 2019, insgesamt 103 Ratsuchenden

zu neuem Wohnraum zu verhelfen und/oder

den Umzug zu organisieren.

Die Zahl der Anfragen durch Ratsuchende hat im Vergleich

zu den Vorjahren deutlich zugenommen. Auch

hat sich die Gruppe der Ratsuchenden verändert. Neben

unserer Hauptzielgruppe, den über Sechzigjährigen,

fragen vermehrt Familien mit mehreren Kindern,

in Wohnungsnot geratene Personen und Menschen

mit Migrationshintergrund an. Hinzu kommt, dass viele

Umzüge innerhalb eines kurzen Zeitraumes gleichzeitig

initiiert und begleitet werden. Die dadurch

erforderlichen engmaschigen Unterstützungen und

Hilfestellungen erhöhen den organisatorischen und

administrativen Aufwand erheblich.

4.1 Erstanfragen und Wohnberatungen

Erstkontakte im Berichtszeitraum ingesamt 2.870

(Wohnraumanpassung u. Wohnungswechsel)

Telefonische, umfassende Erstberatung 621

Neuanfragen in 2019 191

(bei mindestens einem Hausbesuch/Bürotermin)

Umzugsberatungen

in Vorjahren begonnen und 2019 abgeschlossen 216

in Vorjahren begonnen und nicht abgeschlossen 245

2019 begonnen und abgeschlossen 40

2019 begonnen und in 2020 übernommen 151

Umzugsberatungen 2019 insgesamt bearbeitet 652

Begleitete Umzüge in 2019 103

Davon Umzüge mit Wohnberechtigungsschein 87

In das Jahr 2020 werden übernommen und

weiterbearbeitet 396


4.2 Auswertung der 191 Neuanfragen

Alter der Ratsuchenden

Favorisierte Stadtbezirke aller

396 Wohnungssuchenden:

Geschlecht der Ratsuchenden

Wohnberatung in der Stadt Köln ist wichtig,

weil …

„… et Hätz vun de Minsche (och em Alder) em

Veedel schleiht. “

Josef Ludwig

Leiter des Amts für Wohnungswesen der Stadt Köln


5. Öffentlichkeitsarbeit

Ziel der verschiedenen Formen der Öffentlichkeitsarbeit

war und ist es, Betroffene, deren Angehörige, sowie

Multiplikator*innen und Entscheidungsträger*innen

über die Chancen für das selbständige Wohnen oder

über die Hilfen bei einem erforderlichen Wohnungswechsel

zu informieren. Es gilt, das Bewusstsein über

den Abbau von Barrieren als Vorteil für alle zu fördern

und als Voraussetzung für selbständiges Wohnen im

Alter und bei Behinderung zu vermitteln.

Mit Vorträgen und Informationsständen zu den Möglichkeiten

der Wohnraumanpassung bei körperlicher

Beeinträchtigung und/oder Demenz, zur Sturzprophylaxe

und zu Hilfen bei einem erforderlichen Wohnungswechsel,

wurden interessierte Bürger*innen sowie

Mitarbeiter*innen verschiedenster Einrichtungen

im Bereich der sozialen Arbeit, aus medizinischen und

pflegerischen Bereichen sowie Vertreter*innen aus der

Wohnungswirtschaft erreicht.

4.1 Kooperation und Vernetzung

Die langjährige und gute Kooperation und Vernetzung

mit den verschiedenen Multiplikator*innen und Fachkräften

der Alten- und Behindertenarbeit konnte auch

in diesem Jahr erfolgreich fortgesetzt und intensiviert

werden. Für alle Beteiligten steht der Nutzen für die ratsuchenden

Kölner Bürger*innen im Vordergrund.

Als effizient erweist sich nach wie vor die enge Zusammenarbeit

der Beratungsstelle mit den Seniorenberater*innen,

den Seniorennetzwerker*innen und

den Seniorenkoordinator*innen in den verschiedenen

Stadtbezirken. Ebenso erleichterte die Kooperation mit

den Fachkräften des Ambulant Betreuten Wohnens

(BeWo) in diesem Jahr wieder die komplexe Beratung

und Unterstützung der Ratsuchenden.

Die bestehende gute Zusammenarbeit mit verschiedenen

Vertreter*innen aus der Wohnungswirtschaft

in Köln, zum Nutzen für die Mieterinnen und Mieter,

wurde in 2019 erfolgreich fortgesetzt. Unser gemeinsames

Ziel ist es, auch bei Pflegebedürftigkeit und /

oder Behinderung den Verbleib in der Wohnung oder

im Wohnumfeld zu ermöglichen. In einer engen und

guten Kooperation mit der GAG Immobilien AG haben

sich die vereinbarten Arbeitsabläufe bei erforderlichen

Wohnraumanpassungen weitgehend etabliert.

Die gute Zusammenarbeit zwischen dem Bereich „Vermietung“

bei der GAG Immobilien AG und dem Arbeitsbereich

Wohnungswechsel konnte weiter intensiviert

werden. Ebenso konnten immer mehr private

Vermieter*innen über bestehende Einzelkontakte hinaus

für die Zusammenarbeit mit wohn mobil gewonnen

werden, wodurch eine stetig wachsende Zahl von

Anpassungsmaßnahmen und Neuvermietungen barrierefreier

Wohnungen realisiert wurden.

Auch hat sich die gute Zusammenarbeit mit dem Amt

für Wohnungswesen der Stadt Köln und dem Arbeitsbereich

Wohnungswechsel weiterhin intensiviert.

4.2 Presse und Medien

06.04.2019

Interview zum Thema “Wohnungswechsel” für das

Fernsehformat WDR „Aktuelle Stunde“ zum Thema

“Knappheit bezahlbarer Seniorenwohnungen in Köln”

19.03.2019

Experteninterview im Rahmen einer Masterarbeit von

Christine Jenter zum Thema „Wohnungswechsel im Alter“


4.3 Veranstaltungen

Auch 2019 war die Nachfrage nach Vorträgen und Informationsständen

gleichbleibend hoch. Bei folgenden

Veranstaltungen hat wohn mobil sein Beratungsund

Unterstützungsangebot vorgestellt:

12.02.2019

Vortrag “Wohnraumanpassung und Wohnungswechsel”

beim Runden Tisch Seniorenarbeit Köln Rodenkirchen

13.03.2019

Informationsstand und Vortrag beim Aktionstag „gesund

und mobil im Alter“ und 12. Kölner Vorsorgetag,

im Gürzenich der Stadt Köln

28.03.2019

„Individuelle Wohnraumanpassung“ als Schulung der

Objektbetreuer*innen bei der GAG Immobilien AG

22.05.2019

Informationsstand auf der Fachtagung “Alltagshelfer

4.0 Technische Unterstützung im Leben von Älteren

und Menschen mit Demenz” in Köln-Riehl

28.08.2019

Informationsstand auf dem “Informationstag für pflegende

Angehörige” im Josef-Haubrich-Hof

12.09.2019

Vortrag “Individuelle Wohnraumanpassung“, Veranstaltung

im Rahmen des Quartiers Projektes „Leben in

Widdersdorf“ im Kath. Pfarrzentrum Widdersdorf

19.09.2019

Informationsstand der “Landesarbeitsgemeinschaft

Wohnberatung NRW”, auf der Fachmesse REHACARE

26.09.2019

Informationsstand „Wohnraumanpassung und Wohnungswechsel“

beim „Info-Nachmittag nicht nur für

60plus. Wie wollen wir wohnen - Aktiv Leben und Wohnen

im Stadtbezirk Porz.“

08.10.2019

Schulungsvortrag in der Altenpflegeausbildung zum

Modul „Alte Menschen bei der Wohnraum- und Wohnumfeldgestaltung

unterstützen“ in der Louise von Marillac

Schule in Köln-Nippes

09.10.2019

Vortrag „Wohnraumanpassung und Wohnungswechsel“,

Bildungsreihe zum Thema Wohnen im Alter beim

Deutsch -Türkischen Verein KultuS-Interkulturelle Bildung

in Köln-Seeberg

30.10.2019

Vortrag „Wohnraumanpassung und Wohnungswechsel“

und Podiumsdiskussion im Rahmen der Veranstaltung

„Umzugshilfen - Hilfe zur Selbsthilfe“ der Seniorenvertretung

Rodenkirchen im Bürgerhaus Zollstock

20.11.2019

Vortrag „Wohnraumanpassung und Wohnungswechsel“

für das Kölner Alzheimer Forum beim „Seniorentreff“

im SBK Köln-Riehl

21.11.2019

Vortrag „Wohnraumanpassung und Wohnungswechsel“

bei der Senior*innengruppe der Gewerkschaft der

Polizei, Kreisgruppe Köln in der St. Georg Pfarrei, Köln


6. Ausblick

Der Kölner Wohnungsmarkt deckt den Bedarf an bezahlbarem

und geeignetem Wohnraum für Menschen

mit Mobilitätseinschränkungen - gleich welcher Altersgruppe

- nach wie vor nicht. Somit bleiben die individuellen

und strukturellen Wohnraumanpassungen im

Bestand und im barrierefreien Neubau von Sozialwohnungen

weiterhin eine sozial- und gesellschaftspolitische

Aufgabe mit hoher Priorität.

Es muss ein wichtiges Ziel der Kölner Wohnungswirtschaft

bleiben, freiwerdende Wohnungen, die bereits

mit öffentlichen Zuschüssen barrierefrei oder barrierearm

umgebaut wurden, zur Neuvermietung gezielt

und vorrangig Wohnungssuchenden mit eben diesem

Bedarf anzubieten.

Auch die Schaffung von barrierefreien und bezahlbaren

Wohnungen ist die Herausforderung, die es jetzt

und in den kommenden Jahren in Köln zu meistern gilt.

Täglich wird uns dies in beiden Arbeitsbereichen, durch

die steigend hohe Nachfrage von Kölner Bürger*innen

nach fachlicher und unabhängiger Beratung und Unterstützung,

bestätigt.

Durch die Aufstockung jeweils einer Personalstelle in

beiden Arbeitsbereichen rechnen wir mit einer Verringerung

der Wartezeiten auf eine Beratung. Allerdings

werden durch die nun benötigte erhöhte Unterstützungsleistung

durch unsere Architektin sowie im Rahmen

der Erstberatung am Telefon weitere zusätzliche

Stundenaufstockungen erforderlich werden.

Dessen ungeachtet ist der jetzige Personalschlüssel gefährdet

durch den Ende 2020 auslaufenden Bestandsschutz

für geförderte Wohnberatungsstellen in NRW.

Dieser sieht die Streichung einer 0,54 Stelle vor.

Wohnberatung in der Stadt Köln ist wichtig,

weil …

„… bezahlbares Wohnen in unseren wachsenden

Großstädten ein immer wichtigeres Thema

ist und zum gelingenden Zusammenhalt einer

Stadtgesellschaft entscheidend beiträgt.“

Dr. Harald Rau

Beigeordneter für Soziales, Integration und Umwelt

Wir bedanken uns bei allen, die durch ihre ideelle und

finanzielle Unterstützung dazu beigetragen haben,

dass wohn mobil als unabhängige Beratungsstelle für

Wohnraumanpassung und Wohnungswechsel in der

Stadt Köln für ihre Bürger*innen erhalten bleibt.


IMPRESSUM

Herausgeber

PariSozial Köln gGmbH

Marsilstein 4-6

50676 Köln

Tel. 0221 95 15 42-12

info@parisozial-koeln.de

www.parisozial-koeln.de

v.i.S.d.P.

Markus Johannes | Geschäftsführer

Text und Redaktion

wohn mobil

Mauritiussteinweg 36a

50676 Köln

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Juni 2020

@ wohn mobil


wohn mobil

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