WELTWEIT: Eine Botschaft von Hoffnung und Freiden

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WELTWEIT: Eine Botschaft von Hoffnung und Freiden

Das Wichtigste ist

uns der Friede

300 Meter von der Geburtsgrotte Jesu entfernt entstehen Krippen,

die die Menschen aus aller Welt mit Betlehem verbinden.


Olivenholz kann relativ einfach und doch präzise

mit elektrischen Handbohrern bearbeitet werden.

Die Olivenholzschnitzereien

sind das touristische Mitbringsel

aus Betlehem und

eine wichtige Einnahmequelle.

Nach wie vor sind

schätzungsweise dreißig

Familien und eine Handvoll

kleinerer Betriebe in dieser

Branche tätig.

Die natürliche Maserung, von fast weiß über tiefbraun

bis zu fast schwarz reichend, verleiht dem Holz einen

zusätzlichen Reiz.

Don Bosco

Betlehem ist seit 2005 eine Stadt der Eingeschlossenen.

Neun Meter hoch und 130 km lang ist die

Mauer um die Geburtsstadt Jesu und die übrigen

palästinensischen Gebiete. Seit dem Mauerbau hat

sich die wirtschaftliche Situation der Bevölkerung

rapide verschlechtert. Auf eine besondere Weise ist

jedoch eine Gruppe mit der ganzen Welt verbunden:

Die Olivenholzschnitzer verdienen mit ihrem Kunsthandwerk

nicht nur ein wenig Geld, sondern sie sind

eine Art Botschafter, eine Stimme aus dem Heiligen

Land. Einige von ihnen haben bei den Salesianern

Don Boscos in der „Salesian Technical School“ dieses

Kunsthandwerk erlernt.

Fotos: Claudia Henzler hat für die Don Bosco Partner organisation

Jugend Eine Welt die „Salesian Technical School“ unweit der

Geburtskirche Jesu in Betlehem fotografiert.

Text: Sophie Wöginger, Kathrin Ivancsits, Don Bosco Mission

DONBOSCOmagazin 6/2011 23


Im Interview »

Hauptstadt Jerusalem

Einwohnerzahl ca. 7,7 Mio

Landessprache Hebräisch, Arabisch

24 DONBOSCOmagazin 6/2011

die Fotokünstlerin Claudia Henzler

Was haben Sie in der Schnitzschule der Salesianer in

Betlehem entdeckt?

Claudia Henzler: Ich habe einen Tag dort verbracht, um

die Stimmung gut einzufangen. Es war sehr lebendig und

es schien mir so, dass Schüler nicht nur eine Nummer

sind, dass sie wirklich etwas lernen wollen. Zwei Drittel

der Schüler sind Moslems, die die christliche Ausbildung

als sehr gut anerkennen. Ich habe mir auch eine

Krippe für zu Hause gekauft. Die Figuren sind einfach,

doch es ist schon etwas Besonderes, einen Gegenstand

zu haben, der einen konkret mit dem Geburtsort und den

Christen im Heiligen Land verbindet. Das ist mehr als

nur eine Geste. Mit so einem Kauf habe ich ja nicht nur

ein schönes Stück, das mich an das Heilige Land erinnert,

sondern ich helfe auch. Durch solche Käufe zeigen

wir uns aktiv solidarisch, denn es geht den Menschen in

Betlehem nicht besonders gut. Diese finanzielle Unterstützung

hilft, damit sie weiterleben können.

Wie haben Sie die Atmosphäre im Heiligen Land

erlebt?

„Das Wichtigste ist uns der Friede“, das sagen viele Menschen.

Fast jede Familie hat Leid erfahren und trotzdem

machen sie weiter und geben nicht auf, so gut es geht.

Was mich bestürzt hat, war eine Begegnung in einem

Flüchtlingslager. Ein Kind war ganz verwirrt, ob jetzt „In-

L ÄND ERPROFIL

I S R A EL

Religionen/Kirchen Juden (77%), Muslime (16 %),

Christen (2 %)

AMERIKA

Die Arbeit der Salesianer Don Boscos und der Don Bosco

Schwestern hat in Israel bereits 1891 begonnen. Heute sind 58

Salesianer und 24 Schwestern im Land tätig. Die Salesianer wirken

in fünf Einrichtungen an den Standorten Betlehem, Nazareth

und Cremisan. Die Don Bosco Schwestern haben in Israel außerdem

eine Gemeinschaft in Jerusalem.

Die Salesianer und die Don Bosco Schwestern betreiben im Heiligen

Land Jugendzentren, Pastoral- und Sozialzentren, eine

Grundschule und eine weiterführende Schule. In den Don Bosco

SÜDAMERIKA

Durch das Abschmirgeln, Polieren und das Wachsen mit

Bienenwachs erhält das Holz seine glänzende Oberfläche.

tifada“ – so nennt man da den Aufstand – oder Frieden

ist. Die täglichen Vorkommnisse beunruhigen es so, dass

es ganz verstört ist.

EUROPA

A FRIKA

ASIEN

Mittelmeer

Jerusalem

A U S TRA LIEN

ISRAEL

JORDANIEN

Totes

Meer

Berufsschulen in Nazareth und in Betlehem können junge Christen

und Muslime eine Ausbildung machen. So werden der interreligiöse

Dialog, Frieden und soziale Stabilität gefördert. Seit mehr

als achtzig Jahren betreiben die Salesianer Don Boscos auch eine

Bäckerei in Betlehem. Täglich werden ungefähr fünf Laibe gratis

an die 200 ärmsten Familien der Stadt verteilt. So werden die

Menschen unterstützt, für die das „tägliche Brot“ zum Luxusgut

wird. Etwa die Hälfte der Einwohner Betlehems muss mit weniger

als 1,70 Euro pro Tag auskommen.


»Den Menschen aus Betlehem bedeutet es sehr viel,

dass wir sie besuchen. So werden sie nicht vergessen.«

Viele Israelis sagen, dass die Mauer gut ist, weil es dadurch

keine oder weniger Selbstmordattentäter gibt.

Die Checkpoints sind aber wirklich schrecklich. Wie der

zum Beispiel in Betlehem, der zig Barrieren hat. Als normaler

Tourist wird man durchgeschleust. Einheimische

Palästinenser werden hingegen oft gedemütigt. Immer

wieder höre ich von Palästinensern, die mir erzählen,

wie sie stundenlang am Checkpoint warten mussten, sei

es früh morgens auf dem Weg zur Arbeit oder sogar als

Hochschwangere in sengender Sonne. Meines Erachtens

fängt der Friede bei einem jeden Einzelnen an. Zum Beispiel,

indem wir uns gegenseitig Respekt zollen. Israelis

müssen ihren Wehrdienst leisten. Da gibt es keine große

Wahl vom Staat. Aber: Wir haben die Wahl, wie wir mit

unserem Gegenüber umgehen. Auch am Checkpoint. Mit

einem kleinen Lächeln beginnt der Frieden. Das ist etwas,

was wir tun können.

Was bedeutet es für Menschen aus der ganzen Welt,

in Betlehem zu sein?

Es hängt davon ab, mit welchem Fokus man dort hinfährt.

Ein Pilger sieht den religiösen Aspekt, die Schönheit

der Kirchen. Humanitär Engagierte sehen wahrscheinlich

besonders die soziale Situation und das Leid

der Menschen. Mein Fokus ist sicher hauptsächlich religiös.

Aber nachdem ich einige Monate im Heiligen Land

lebte und schon einige Male seitdem wiedergekehrt bin,

lerne ich stets neue Aspekte des Lebens kennen.

Den Menschen aus Betlehem bedeutet es sehr viel, dass

wir sie besuchen. Sie sagen: So werden sie nicht vergessen.

Sie fühlen sich durch unsere kleinen oder größeren

Zeichen der Solidarität nicht allein gelassen und fühlen

sich für den täglichen Daseinskampf gestärkt.

Wie kann man sich den Heiligen Abend in Betlehem

vorstellen?

Die Geburtsgrotte ist beeindruckend, da konnte ich einmal

zwei Stunden in Ruhe sitzen, wo die Krippe Jesu ist. Das

war ein einmaliges und sehr kraftspendendes Erlebnis.

Ein anderes Mal bin ich nach der Weihnachtsmesse

mitten in tiefster Nacht von Jerusalem nach Betlehem

gegangen. Es war eisig kalt und regnete ohne Unterlass.

Das war kein romantisches Erlebnis, sondern eher „hardcore“.

So konnte ich die Strapazen von Josef und Maria

vor Jesu Geburt viel besser nachempfinden. Zur Weihnachtszeit

herrscht in Betlehem Jahrmarktstimmung. Es

gibt überall Christbäume, Lichterketten und rot gekleidete

Weihnachtsmänner. Aus den Lautsprechern schallt

„Jingle Bells“ und Kinder essen Zuckerwatte. Einmal war

ich bei „Rock to Betlehem“ als Fotografin dabei. Über die

Schiene der Musik werden christliche Gruppen aus aller

Welt zusammengetrommelt: Musik verbindet. Und wenn

die Leute schon nicht aus Betlehem rauskommen, dann

kommen wir halt zu ihnen. Solche Brückenschläge liebe

ich, fotografisch zu dokumentieren.

Haben Sie vor, wieder nach Betlehem zu fahren?

Ja, definitiv, da möchte ich noch oft hinfahren. Für mich

fühlt sich das so an, als würde sich gerade im Heiligen

Land das Gute mit dem Bösen treffen. Mit Gott wird selbst

das scheinbar Unmögliche möglich. Aber er hat uns Hände,

Hirn und Herz gegeben, damit wir unseren Teil dazu

beitragen. So ist meine Vision, dass FRIEDE wird. Sogar

im „Heiligen Land“.

KONTAKT

Don Bosco

Wenn Sie sich für die Arbeit der Salesianer Don Boscos und der

Don Bosco Schwestern in Israel und anderen Ländern Afrikas, Asiens,

Lateinamerikas oder Osteuropas interessieren, wenden Sie

sich bitte an Jugend Eine Welt.

Jugend Eine Welt

Don Bosco Aktion Österreich

St. Veit-Gasse 21, 1130 Wien

Tel.: 01 / 879 07 07-0,

Fax: 01 / 879 07 07-15

office@jugendeinewelt.at

www.jugendeinewelt.at

Claudia Henzler, geboren 1972 in Heidelberg/Deutschland,

lebt seit 2007 in Wien.

Sie fotografiert, seit sie 15 Jahre alt ist, und

arbeitet seit einigen Jahren für einen internationalen

Kundenkreis. Die Fotokünstlerin

präsentiert ihre Arbeiten regelmäßig im Rahmen

von Wanderausstellungen. Schwerpunkt

ihrer Werke ist die Darstellung von Menschen in ihrer Einzigartigkeit

und Würde. Henzler tritt mit Diashows, Fotoworkshops und

Ausstellungen für Dialog, Verständigung und Frieden ein.

henzlerworks.com

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