Grundlagen „Systeme in Bewegung“ - ISAM

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Grundlagen „Systeme in Bewegung“ - ISAM

„Systeme in Bewegung“

Systemisches Aggressions-Management ©

Dirk Schöwe, Anett Renner

1. Was ist Systemisches Aggressions-Management

©

Das Systemische Aggressions-Management

© (SAM) nach Dirk Sc h ö w e

ist ein ganzheitlich integratives Aggressions-

und Gesundheitskonzept.

Es geht um das „Managen“ von Aggressionen

im Sinne individueller und

sozialer Gesundheitsentwicklung mit

beziehungs- und bewegungsorientierten

Anteilen.

SAM bzw. das sogenannte Acht•SAM © -

Konzept umfasst Hypothesen und Prozesse

zur/m

● Beschreibung,

● Verständnis,

● Erklärung

● und Bewältigung

von aggressiven Prozessen und Gewalt

im Sinne positiver Gesundheitsentwicklung.

Positive Gesundheitsentwicklung

meint alle Prozesse im salutogenetischen

Sinne von A. Ant o n o v S k y

(1997), die Kohärenzgefühl, Verstehbarkeit

und Machbarkeit fördern und

im Einklang mit individuellen und sozialen

Ressourcen konstruktive Wachstums-

und Entwicklungspotentiale zur

Entfaltung bringen.

Das Acht•SAM-Konzept besteht einerseits

aus einem Modell, der AggressionsAcht

© nach Dirk Sch ö w e,

und aus vielfältigen Angeboten zum

persönlichen und systembezogenen

Umgang mit Aggressionen.

Zusammengefasst, tragen drei Säulen

das Acht•SAM-Konzept:

a) ein in einfacher Sprache gehaltenes,

nachvollziehbares, aber hoch-

komplexes Modell, die AggressionsAcht,

b) ein eklektischer, zumeist systemisch

integrativer, lösungs- und

ressourcenorientierter Arbeitsansatz

für professionelle Aktivitäten

im Umgang mit Aggressionen

c) und die Grundprinzipien der Psychomotorik.

SAM wird in vielfältigen Bereichen

der Gesellschaft (z.B. Bildung, Arbeit,

Sport, Justiz, Gesundheit und Wirtschaft)

angewandt und ist altersgruppen-

bzw. geschlechterunabhängig.

Das Systemische Aggressions-Management

hat zum Ziel, Humanität

und Potentialentwicklung durch die

Mitgestaltung von gewaltfreien Lebens-,

Lern- und Arbeitsräumen zu

fördern und zu verbessern.

Bereits in der Semantik des

Acht•SAM-Konzepts wird deutlich,

dass Respekt, Anerkennung und

Wertschätzung Grundhaltungen

des Systemischen Aggres sions-

Managements sind. Außerdem bedient

sich das Konzept der Ziffer

Acht als Metapher und Gestalt für

das Modell. Mit Hilfe des Ansatzes

werden sowohl individuelle als auch

kontext relevante Entwicklungswege

zur Entstehung und Bewältigung von

Aggression und Gewalt berücksichtigt,

beschrieben und erklärt. Es wird

nicht nur der Wechselwirkung von

Individuum und Kontext (sozial, lokal

oder zeitlich) Aufmerksamkeit geschenkt,

sondern auch den Wechselwirkungen

zwischen Denken,

Emotionen, Verhalten und körperlichen

Phänomenen (z.B. Bewegungen,

Sym ptome).

Grundlagen

2. Was nützt SAM © im psychomotorischen

Kontext?

Im Sinne der Psychomotorik wird

Bewegung als Ausdruck innerlicher

Befindlichkeit verstanden. Dieser

Ausdruck zeigt sich in sehr unterschiedlichen

Facetten menschlichen

Erlebens und Verhaltens, die konstruktiven

oder destruktiven Charakter

haben können. Folgendes Beispiel

soll der Verdeutlichung dienen:

Ein Kind möchte unbedingt allein aus

Schaumstoffbausteinen eine Höhle

bauen und bekommt es nicht hin. Es

entsteht eine aggressive Stimmung,

die in dem Angriff und einer Verletzung

eines anderen sich im Raum

befindenden Kindes eskaliert. Das

schlagende Kind macht das andere

Kind für das Scheitern des Bauvorhabens

verantwortlich.

Im Sinne von SAM werden (Aggressions-)Symptome

und sogenannte

Verhaltensauffälligkeiten als beziehungsgestaltende

Fähigkeiten verstanden

(vgl. Systemisch-konstruktivistischer

Ansatz nach Palo-Alto-,

Mailänder- und Heidelberger Modell).

Das angreifende Verhalten ist ein Ergebnis

aus Wechselwirkungen von

bewussten und unbewussten Wahrnehmungs-,

Bewertungs- und Bewältigungsprozessen

sowie sozialem Gefüge.

Beispielsweise könnte das Kind

erfahren haben, dass man auf Frust

sofort mit Angriff reagiert und persönliche

Grenzen überschreitet. Das zunächst

unbeteiligte Kind hat vielleicht

„komisch“ geschaut und eine unangemessene

Bemerkung gemacht, was

wiederum die Einladung für den Angriff

darstellte. Somit war der Angriff

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Grundlagen

eventuell das derzeit einzige machbare

Kontaktangebot u.s.w.

Unter Verhaltensauffälligkeiten verstehen

wir originelle sichtbare Bewältigungsversuche

in Bezug auf Unstimmigkeiten

in psychischen und sozialen

Systemen. Sie bieten die Chance, die

Aufmerksamkeit auf die Funktionalität

und kontextbezogenen Zusammenhänge

zu richten und nach anderen

– vom Störungsverständnis abweichenden,

nutzbringenden Bedeutungen

zu suchen. Dies erfordert ein authentisches

und ehrliches Interesse

am aktuellen Geschehen, an Beteiligten,

Bedürfnissen und Kontakt sowie

entsprechendes Handwerkszeug zur

Selbsterkenntnis der Fachkraft.

Im SAM wird davon ausgegangen,

dass sowohl jedes Verhalten wie auch

jedes sichtbare Symptom einen guten

Grund hat, also funktional für das

jeweilige Individuum und den Kontext

ist. Damit haben Verhalten bzw.

Symptome stets eine Orientierung gebende

Funktion für alle professionellen

Begegnungen.

In der Psychomotorik werden Entwicklungsinitiativen

der Klienten mit

Hilfe von Angeboten zur Selbsterfahrung

unterstützt. Für Gewaltsituationen

gibt es weder in der Theorie

noch in der Praxis hinreichende

und differenzierte Unterscheidungsmöglichkeiten

zwischen Aggression

und Gewalt. Häufig stehen Fachpersonal

und Klienten hilfesuchend oder

gar ohnmächtig vor diesen Herausforderungen.

Das Acht•SAM-Konzept differenziert

Aggressions- und Gewaltphänomene.

Anders ausgedrückt: Es unterscheidet

zwischen „geachtetem“ und „geächtetem“

Verhalten mit jeweiligem

Kontextbezug. Es stellt ontogenetische

und psychosoziale Bezüge her

und veranschaulicht Wechselwirkungen.

Laut AggressionsAcht ist es hilfreich,

eine Unterscheidung zu treffen

zwischen:



„Zerstörung“ gegenüber Gegenständen

und Personen

sowie Rückzug und „Nichtzerstörung“.

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Beide Bereiche werden in einer liegenden

Acht abgebildet. Die Teile der

Acht werden darüber hinaus mehrfach

untergliedert und bieten in der Kommunikation

mit Klienten und Kollegen

Orientierung und konkrete Handlungen

bezüglich Diagnostik, Prävention

und Intervention.

SAM schafft zusätzlich auch Gestaltungsmöglichkeiten

für Fachkräfte und

Klienten in Ohnmachtsituationen, den

sogenannten „zerstörerischen Phasen“.

Spezielle Formen davon sind:

● das Mobbing,

● der Amoklauf,

● das Zerstören von Tieren und

Pflanzen

● sowie „Zerstörungsprozesse“ gegenüber

der eigenen Person, wie

z.B. Sucht, Suizid, der komplette

Rückzug oder (bei Erwachsenen)

ein Burn-out als finales Stadium

von Stressprozessen.

Solche destruktiven Prozesse (im

SAM auch „Gewalt“ genannt) können

mit Hilfe von SAM richtungweisend,

weg von „geächteten“ hin zu „geachteten“

Erlebens- und Verhaltensweisen,

transformiert werden.

Die AggressionsAcht ist für die emotionalen

Achterbahnfahrten aller Beteiligten

eine Landkarte im Lebensalltag.

Dieses Modell ist sehr hilfreich, um

Erleben, Gefühle und Verhalten kontextbezogen

wahrnehmen und erklären

zu können. Es bietet Orientierung

bei der Suche nach Möglichkeiten, um

Destruktivität und Ohnmacht in Positives

(Konstruktives) zu wandeln. Es

können z.B. Wutmuster, die oft in unserer

Gesellschaft tabuisiert werden,

Abb. 1: Systemisches Aggressions-Management mittels AggressionsAcht

als eine geachtete Form von Erleben

und Verhalten genutzt werden. Wenn

Wut nicht zerstörerisch ist, kann sie

dazu dienen, Bedürfnisse deutlich zu

machen und zu erfüllen. Wie oft erleben

wir es auch im psychomotorischen

Kontext, dass Klienten resignieren

und sie andere Menschen für

die eigene Ohnmacht verantwortlich

machen.

Beispielsweise dieses Kind mit den

Schaumstoffbausteinen, das ein anderes

verletzt: Hier verstehen wir

diese Verletzung anderer als „ungelebte

Wut“. „Ungelebte Wut“ kann zu

Hass werden. Wer hasst, hat noch

nicht die richtige Form für seine nicht

zerstörerische Wut gefunden.

SAM bietet zur professionellen Begegnung

dieser Herausforderung

zahlreiche Prinzipien an. Eines davon

heißt: „Keiner geht verloren!“ Damit

wird z.B. der Klient u.a. auch mit

systemisch zirkulären Techniken dabei

unterstützt, mit „konstruktiven Aggressionen“

seine Bedürfnisse zu erfüllen.


Definition von Aggressionen

Aggressionen sind im Sinne von

SAM funktionale systemrelevante

und beziehungsgestaltende Erlebens-

und Verhaltensmuster zur

konstruktiven und destruktiven

Bedürfniserfüllung.

Das Acht•SAM-Konzept macht Angebote

hinsichtlich:

● des Wahrnehmens und Beachtens

von Bedürfnissen und Gefühlen,

● der Reflexion von Erwartungshaltungen

und Enttäuschungen,

● der Transformation von Hilflosigkeitsstrategien

in gewünschtes Erleben

und Verhalten,

um die ungeachtete gute Kraft von

Wut und Aggression zu nutzen.

Reagiert ein Klient trotz dieser Angebote

zerstörerisch auf sich und

seine Umwelt, so greift ein weiteres

Prinzip von SAM, der dialogisch

orientierte Selbst- und Fremdschutz

(DOSF). Dieser leitet nicht wie üblich

Karate-, Polizei- oder andere Kampfmaßnahmen

ein, sondern bietet dialogisch

orientierte Techniken an, die

darauf achten, dass der bisher erarbeitete

Kontakt und das Vertrauen

bestehen bleiben bzw. weiterhin gestärkt

werden. Interventionen, die einerseits

klar Gewaltsituationen verhindern,

aber dennoch den Respekt

vor der Entscheidungsfreiheit des

Individuums beachten, prägen den

dialogisch orientierten Selbst- und

Fremdschutz. In diesem Schutzkonzept

werden u.a. auch Angstprozesse,

die in der Regel integraler

Bestandteil von Ohnmachtsituationen

sind, berücksichtigt.

Klienten und Fachkräfte sind während

und nach Ohnmachtsituationen oft irritiert

und suchen fragend nach Handlungsmöglichkeiten.

Zur Erinnerung

und Förderung des dialogisch orientierten

Selbst- und Fremdschutzes in

stressbezogenen Ohnmacht- und Gefahrensituationen

wurden Leitsätze in

der Metaphorik eines SAM-Wappens

festgehalten. Diese lauten:

a) Wir stehen unseren Klienten nicht

im Weg, sondern zur Seite!

b) Die ankommende zerstörerische

Kraft wird gewandelt!

c) Der Fluchtweg wird immer freigehalten!

d) Die Kraft wird nicht festgehalten,

sondern genutzt!

Das Systemische Aggressions-Management

bietet nicht nur Konzepte

zur Intervention, sondern auch für

die Prävention, Diagnostik und Nachsorge

an. Allem zugrunde liegt ein integrierender

ressourcenorientierter

Ansatz als Haltung gegenüber Klienten

(im Gegensatz zur Pathologisierung

und oft „ohnmachtfördernden“

klinischen Systematisierung). Im SAM

geht es darum, Stärken zu stärken

und Schwächen zu schwächen.

Zurück zum Beispiel: Der Junge, der

den Turm baut, könnte jetzt defizitär

mit seiner Unzulänglichkeit konfrontiert

werden, so dass die Ohnmacht

größer wird. Oder er wird wegen seinem

Verhalten gewürdigt, weil er nicht

aufgibt und nur noch nicht das richtige

Mittel gefunden hat, um sein Ziel

zu erreichen. Die Stärken zu stärken

kann bedeuten, aus einem stillen Klienten

einen Beobachter und aus einem

lauten Klienten einen „Manager“

Abb. 2: Arbeit im Systemischen Aggressions-Management

Grundlagen

zu machen, die beide voneinander lernen

können. Dieser Prozess wird so

begleitet, dass die Lösung ohne Ratschläge

von außen von den am Konflikt

Beteiligten selbst gefunden wird.

„Ratschläge sind Schläge!“ ist

wieder um ein Prinzip des SAM. Die

Frage nach dem „Warum?“ zu dem

gezeigten Verhalten wird im SAM vermieden.

Auf „Warum?“ gibt es aus

Erfahrung immer nur drei Grundantworten

von Klienten in Ohnmachtsituationen.

An dieser Stelle wird der Leser eingeladen,

selbst auf die drei Varianten zu

kommen. Zum Abschluss des Artikels

wird die Auflösung zu lesen sein.

„‚Warum?‘ macht stumm!“ ist ein anderes

SAM-Prinzip. Die Frage nach

dem „Warum?“ dürfen wir uns als

Fachkräfte stellen. Kinder dürfen uns

danach fragen, und wir geben Antworten,

wie wir es vermögen. Die komplexen

Ursachen, Aus- und Wechselwirkungen

können wir im Sinne

des Konstruktivismus und der Systemik

nicht verstehen, sie interessieren

auch in dem Sinne nicht.

Unseren „kleinen“ und auch „großen“

Klienten können wir neue Erlebensund

Erfahrenswelten im Umgang mit

Aggression und Gewalt eröffnen, indem

wir ihnen in einem respektvollen

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Grundlagen

und authentischen Kontakt begegnen

und eigene Selbsterfahrung und -reflexion

mit diesen Themen stets fokussieren.

Im Systemischen Aggressions-Management

werden die Beziehungserfahrungen

(vgl. u.a. neurobiologische

Ansätze von hü t h e r 2011 und Spi tz

e r 2006) von unseren Klienten (und

von uns selbst) berücksichtigt. Damit

stehen synergetische Prozesse (vgl.

Sc h i e p e c k 1999) immer wieder im Zentrum

der Aufmerksamkeit. Das heißt

z.B., dass wir nicht nur ein Kind in der

Begleitung haben, sondern sein ganzes

Familiensystem oder andere Bezugssysteme,

wie z.B. Schule, und,

wenn man so will, unser eigenes Familiensystem

und andere.

Oft werden die Kinder von „ihrem“

aktuellen Bezugssystem sogar abgeschnitten

mit Bemerkungen wie:

„Das kannst Du zu Hause machen

und nicht hier.“ Mit SAM könnte es

wie folgt lauten: „Bei uns gibt es andere

Möglichkeiten, die Du vielleicht

noch nicht kennst. Lass uns diese gemeinsam

ausprobieren!“

3. Systemisches Aggressions-Management

© und

Wahrnehmungsstörungen

Bei all den bisher erwähnten Überlegungen

dürfen die Ursachen von

Aggressionen, die sich im Sinne der

Psychomotorik auch aus Wahrnehmungs-Verarbeitungsstörungenergeben

können, nicht unberücksichtigt

bleiben. Auch hier wird nach deren

Funktionalität/Nützlichkeit gefragt, wie

an folgenden Beispielen verdeutlicht

werden soll:

Es gibt Kinder, die Lärm machen,

um Lärm zu vermeiden. Sie produzieren

ihre eigene Lärmquelle, um

eine Überforderungssituation in der

Wahrnehmungsverarbeitung zu verhindern.

Dann gibt es Kinder, die ihre

Kraft nicht ausreichend dosieren können

und somit zu vermeintlichen Opfern

bzw. Tätern werden. Wiederum

gibt es Klienten, die gewalttätig werden,

weil bestimmte Gegenstände,

die für die bevorzugte optische Wahr-

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nehmung als haltgebend empfunden

werden, weggenommen wurden. Kinder,

die sich aus ihrer taktilen Abwehr

heraus zurückziehen oder genau das

Gegenteil tun. Kinder, die das Essen

verweigern und deswegen schon

längst vom Appetit auf Neues abgekommen

sind. Kinder, die sich und

andere schon längst nicht mehr riechen

können, weil sie genau in diesem

Bereich ihre Talente und Neigungen

haben, die nicht erkannt und

aufgegriffen wurden. Oft werden einseitig

begabte Wahrnehmungsstrategien

bekämpft, statt sie aufzugreifen

und mit diesen Fähigkeiten neue, weitere

Möglichkeiten zu eröffnen.

Aggressions-Management ohne die

Beachtung individueller Wahrnehmungs-Verarbeitungsstrategien

ist

wie „auf einem Stuhl zu sitzen, der nur

zwei Beine hat“. Am Rande bemerkt,

ist die „Stuhl-Übung“, das Auf-zwei-

Beinen-Sitzen, eine sehr gute Übung,

um die auch im SAM angewandten

„Prinzipien der Psychomotorik“ zur

Geltung kommen zu lassen:

● Selbstentdeckung

● dialogischer Ansatz

● gruppengeprägtes Erlebnisfeld

● attraktives Spielmaterial

● Motivation

● spielerische Bewegung

{ kindzentriert

{ systemischer Bezug

{ stimulierend

● Selbstbewusstsein

● Kindzentriertheit

● Ganzheitlichkeit

(nach kö c k e n b e r g e r 2001, S. 166)

Ein anderes, sehr bewährtes Gewaltpräventionsangebot

ist der „Kampf mit

den Isolierschläuchen“. Diese dickwandigen

Schläuche (Wutnudeln)

sind in jedem Baumarkt erhältlich.

Sie sollten einen Meter lang sein und

nicht gleich einknicken, so dass sie

als Schwert oder als Stock gut genutzt

werden können. Der „Isolierschlauch-

Kampf“, der die Achtsamkeit, die Beweglichkeit,

die Entwicklung von Stra-

tegien und Regeln fördert, wird gern

im SAM zur Bewältigung von Konflikten

und zum Verdeutlichen von Strafe

und Wiedergutmachung eingesetzt.

Bevor es losgeht, werden klare Regeln

des Spiels und Wiedergutmachungen

für Regelverstöße abgemacht.

Damit ergibt sich ein weiteres Prinzip

von SAM, auf das abschließend eingegangen

wird. „Wiedergutmachungen

statt Strafen“ bedient sich z.B. folgender

Spielregeln:

a) Niemals ins Gesicht schlagen!

b) Nach jedem Punkt wird gegen die

Wand oder auf den Fußboden freigeschlagen!

c) Auf Rettungsinseln (ein Knautschsack

oder eine Matte bereitstellen)

darf nicht geschlagen werden!

Solche und andere bereits existierende

psychomotorische Angebote

fördern die Achterbahnfahrten der

Gefühle.

4. Zusammenfassung

Zusammenfassend lässt sich sagen,

dass mit dem Systemischen Aggressions-Management

vielfältige, integrative

und neue Möglichkeitsspielräume

für die Prävention, Diagnostik

und Intervention von aggressiven

und gewaltbezogenen Prozessen eröffnet

werden, die Beachtung finden

sollten.

„Warum hast Du / habt ihr das

getan?“-Grundantworten:

● „Ich war das nicht!“

● „Weiß ich nicht!“

● „Darum!“

… und wir waren es! … für Humanität

und positive Potentialentwicklung!


Literatur

Antonovsky, A. (1997): Salutogenese. Zur Entmystifizierung

der Gesundheit. Tübingen

Hüther, G. (2011): Was wir sind und was wir sein könnten.

Frankfurt

Köckenberger, H. (2001): Hyperaktivität mit Leib und Seele.

Dortmund

Luhmann, N. (1984): Soziale Systeme. Frankfurt

Schmidt, G. (2004): Liebesaffären zwischen Problem und Lösung.

Hypnosystemisches Arbeiten in schwierigen Kontexten.

Heidelberg

Selvini-Palazzoli, M. et al (1981): Familiendynamik 6

Simon, F.B. & Rech-Simon, C. (2002): Zirkuläres Fragen. Systemische

Therapie in Fallbeispielen. Heidelberg

Schiepek, G. (1999): Die Grundlagen systemischer Therapie.

Göttingen

Spitzer, M. (2006): Geist und Gehirn. Müllheim

Walzer, W. (2000): Abenteuer Kommunikation. Stuttgart

Grundlagen

Die Autoren:

Dirk Schöwe und Anett Renner

ISAM Institut für Systemisches AggressionsManagement GmbH

Bahnhofstraße 18

18055 Rostock

Tel. 0381 / 25 22 18 12

Fax 0381 / 40 31 382

E-Mail info@institut-SAM.de

www.institut-SAM.de

Stichworte:

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