FINDORFF GLEICH NEBENAN Nr. 15

FINDORFF.GLEICH.NEBENAN

FINDORFF GLEICH NEBENAN ist das Stadtteilmagazin für Findorff und Bremen für Handel, Dienstleistung, Kultur & Politik

q JOKA IM INTERVIEW

» Heute wird schnell verheizt, weißt Du ? «

» Wer hofft das nicht ? «

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Herzlicht, Ihr

Welches sind die Prinzipien, die Du nicht bereit bist für den

Erfolg in der Rapbranche zu opfern ?

In diesem Kosmos geht es natürlich um Sachen, die ich in der

Vergangenheit abgelehnt habe. Es ging um Verträge, die ich nur

hätte unterschreiben müssen, damit sie mir viel Geld bringen.

Was ich mit dem Text sagen will, ist klar: Ich mache mein Ding.

JedeR sollte sein Ding machen. Wenn Dich irgendjemand in der

Kunst als Musiker in Deinem Schaffen einschränken will, solltest

Du Dich auch nicht für Geld in irgendeiner Form verkaufen.

Oder ist das am Ende nicht auch nur so eine »line« ? Prinzipien ?

Ja, Prinzipien sollte man schon haben. Ich bin auf jeden Fall

einer, der schwer verzeihen kann, wenn jemand seine Prinzipien

bricht. Das kann ich mir und anderen nur schwer verzeihen.

Möchten die meisten RapperInnen im Business möglichst

schnell möglichst viel Geld verdienen ?

Es geht ja heute einfach alles viel schneller. Du hast durch das

Internet auch viel krassere Möglichkeiten, um erfolgreich zu

sein. Es ist nicht mehr »Ich will unbedingt«, sondern manche

werden einfach unbedingt bekannt – teilweise aus Versehen.

Die machen einfach irgendwelche Videos und sind »bam !« am

nächsten Tag plötzlich total angesagt. Ich finde, das ist eine

krasse Entwicklung, die man natürlich so oder so sehen kann.

Wenn du mich fragst: Ich finde es gut, wenn du mit 18, 19,

20 Jahren eine Million Euro zur Seite packen kannst. Das ist

besser, als wenn man es mit 28 nicht macht. Weil du die ganzen

Jahre zwar Stück für Stück gewachsen und voll krass bist, aber

am Ende klappt es dann mit dem Erfolg nicht. Da ist es besser,

sich jung verheizen zu lassen — und am Ende gehst du ein Jahr

in Therapie. So ist das, weißt du ? Ich kann es für mich ja selbst

gar nicht so beurteilen, weil ich auf meine Person bezogen nie

durch die Decke gegangen bin. Dafür habe ich damals sehr früh

sehr viel gesehen und war viel unterwegs. Ich war ja immer eher

im Hintergrund zugange, als Texter und so, weißt du ?

Wie funktioniert das Musikbusiness, wenn man Erfolg hat ?

Heute wird schnell verheizt, weißt Du ? Ich finde das gut. Viele

können berühmt werden und ziehen Freundeskreise mit. Wenn

viele satt werden, sind doch alle zufrieden. Es ist doch gut,

wenn viele Leute mit davon leben können. Es sind 20, 30 Leute

dabei, wenn du im Business groß wirst. Und es wachsen immer

viele Leute mit – und das ist eine gute Entwicklung.

Dein letzter »Instagram«-Post ist fast ein Jahr her. Dein drittes

und letztes Album »Augenzeuge« ist 2015 erschienen. Das ist

lange her. Seitdem bist Du immer wieder in den Songs anderer

Rapper aufgetaucht, als eigenständiger Künstler scheinst

Du jedoch von der Bildfläche verschwunden. Was ist los ?

Gut beobachtet, Sherlock Holmes ! (lacht) Ich bin nicht so viel

auf »Instagram«, weil das einfach nicht so meine Welt ist. Ich

bin da echt noch so ein bisschen in den Neunzigern hängengeblieben,

wenn ich ehrlich bin. Nicht, weil ich es nicht mehr

drauf habe, sondern mir ist es unangenehm, mich selbst ständig

zu fotografieren oder zu filmen. Warum ich keine Bilder hochlade

? Ich bin nicht so der Typ. Das war vielleicht ein Fehler im

Nachhinein. Musikmäßig kann ich auf jeden Fall sagen, dass

wieder von mir zwischendurch Songs rauskommen, von denen

keiner weiß, dass ich daran mitgearbeitet habe – egal ob ich ein

Album rausbringen werde oder nicht. Es ist auch nicht so, als ob

ich eingeschlafen wäre. Aber ich habe mich in meinem Privatleben

weiterentwickelt. Ich habe nach wie vor Spaß in Findorff

und umzu und genieße hier meine Zeit. Ich jage aber keinem

Traum mehr hinterher, sondern mache mein Ding eher hinter

den Kulissen – und versuche so, ein Teil der heutigen Rapszene

zu bleiben. Auch weil ich immer noch mit »MoTrip« live toure,

bin ich immer noch in der Szene verankert und mache meinen

eigenen Scheiß. Ob neue Mukke kommt ? Das glaube ich schon

und hoffe noch in diesem Jahr. Ich habe viele Sachen fertig. In

welcher Form neue Songs herauskommen, müssen wir schauen.

Du bist mit der Erste, der es von mir erfährt. (lacht)

Was gibt den Ausschlag, ob Deine Songs von Dir performt

werden oder von jemand anderem ?

In manchen Fällen, also wenn ich sehr für mich schreibe, dann

performe ich auch selbst. Das gibt es und kommt auch weiterhin

vor. Wir machen viel, wenn viel kommt. Wir bringen nur nicht

mehr so viel selbst raus, weil wir nicht so kamerageil sind.

Das ist leider so.

Man will ja auch die Qualität hochhalten, oder ?

Naja, das hast Du jetzt gesagt. (lacht)

Für den Sender »Bremen NEXT«, dessen Zielgruppe laut

Definition junge Menschen in Bremen, Bremerhaven und Umgebung

sind, bringst Du RadiohörerInnen Neuerscheinungen

und ausgewählte Klassiker aus der Rap-Szene näher. Ist eine

Karriere als Musik-Journalist Dein eigentlicher »Plan B« – oder

ein Comeback von JokA nur noch eine Frage der Zeit ?

Ich habe auf »Bremen NEXT« regelmäßig eine Hiphop- u

Sendung und bin als Moderator auch im Tagesprogramm dabei.

Moderieren ist quasi, was ich mache und das ist meine Arbeit,

Digga. Jede zweite Woche ist frei, jede zweite Woche moderiere

ich. Der Sender ist eine zweite Familie geworden.

Was war die spannendste Sendung, die Du gemacht hast ?

»Curse« ist für mich ein besonderer Gast gewesen, weil er damals

ein Held in meiner Zeit war. Ich war als Kind großer Fan.

»Curse« zu treffen war für mich schon ein totales Highlight. Andere

würden jetzt vielleicht »Ufo«, »Kollegah« oder irgendwen

sonst nennen. Aber mit »Curse« den ganzen Nachmittag rumzuhängen

war für mich ein ganz schön nachklingendes Erlebnis.

2015 hast Du unter Deinem Namen zuletzt Musik veröffentlicht.

In Deinem Song »Was ist los ?« sprichst du an, dass das

Interesse der Deutschen an den vielen zu uns kommenden

Geflüchteten häufig nur geheuchelt gewesen sei. Wie würdest

Du den Song heute fortführen ? Ist alles gut geworden ?

Ich finde, es hat sich eher wenig bis gar nichts verändert. Es sind

wie bisher sehr, sehr viele Menschen auf der Flucht – und wir

tun so, als geht uns das nichts an. Mit »Heuchelei« nenne ich das

Kind vielleicht beim Namen. Aber wenn Du unseren Eigennutz

siehst, dann bleibt das für mich am Ende doch weiterhin Heuchelei.

Im Großen und Ganzen ist es fast überall absolut nicht

gut, wie alles läuft. Die Welt ist irgendwie auf einem ziemlich

verrückten Trip. Es geht immer darum, dass irgendwelche

Menschen irgendwelchen anderen Menschen nicht gefallen.

Das ist ein Konflikt, der schon lange, lange Zeit vorhanden ist.

Ich hoffe, dass sich das Miteinander der Menschen irgendwann

einmal entspannt. Was soll ich Dir sagen ? Wer hofft das nicht ?

▼ ÜBER JOKA

JokA, mit bürgerlichem Namen Jochen Burchard, wurde 1985

geboren und ist seit 34 Jahren treu in Findorff verhaftet. Ein

Lehramtsstudium brach er ab, nachdem er auf Tour das Interesse

daran verlor. Heute ist JokA einer der wenigen Rapper aus

Bremen, die über die Stadtgrenzen hinaus bekannt sind. Nach

seinem Debutalbum »Gehirnwäsche« in 2008, veröffentlichte

er 2010 »JokAmusic«. Das dritte Album »Augenzeuge« erschien

2015. Wäre in diesem Jahr nicht die Corona-Krise ausgebrochen,

würde JokA diesen Sommer gerade »MoTrip«, eine der Rap-

Größen der Republik, auf den großen Festivals supporten. Der

Rapper hält die Zeit zuhause für »ein Geschenk«, bedauert aber,

ein »Snoop Dogg«-Konzert und den Urlaub in der Türkei, der

ihm jedes Jahr viel bedeutet, verpasst zu haben. Als Radiomoderator

ruft JokA alle LeserInnen dazu auf, den Empfang mit dem

Sendersuchlauf auf 96,7 UKW umzustellen – wie er sagt: »Egal

ob im Auto oder auf der Arbeit«. Jeden zweiten Mittwoch um

20:00 Uhr serviert er als Host auf »Bremen NEXT« zwei Stunden

in der Sendung »Punchline« Hiphop querbeet – gemeinsam

mit Discjockey »Ataxy«, der mixt. www.joka-music.de

Interview: Marvin-Berfo Günyel, Fotos: Kerstin Rolfes ▲

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