2020-03-AV-Magazin-Web

werner.pfeifer

Magazin nr. 03/2020 des Alpenvereins Villach

Dos & Don'ts

auf Tour

Berg- & Hüttenknigge

Hinaufziehen

Abdrücken nach hinten

genauer, so haben wir jährlich mehr Patienten, die über

ihre eigenen Skistöcke fallen, als solche, die vom Blitz getroffen

werden, oder am Klettersteig ins Stahlseil stürzen.“

Fazit: Wer dauernd mit Stöcken geht, erhöht die Sturzgefahr!

MAJ-BRITT MACHER

Der bereits in der Einführung erwähnte Herr Knigge

hat zwar nicht alles geschrieben, was man ihm

nachsagt, aber der Titel seines Buches – „Über den

Umgang mit Menschen“ – passt perfekt als Aufhänger

für meine ersten Zeilen zum Thema Rücksichtnahme.

Bernhard Huter, Orthopäde aus Innsbruck, kann das nur

unterstreichen [2] : „Gesunde Berggeher sollten auf Stöcke

verzichten“, empiehlt er. Neben dem Verlust der Koordinationsfähigkeit

hätten die Stützgeräte den Effekt, „dass

man schneller bergab geht und dabei weniger schaut, wo

man hintritt“.

Im felsigen Gelände sind Stöcke ohnedies ein Hindernis.

Wenn schon mit, dann richtig!

Richtiges Gehen will gelernt sein. Richtiges Gehen mit

Stöcken erst recht! Zum ersteren gibt es ein recht nettes

und gutes Video von Plattner & Würtl [5] . Für den richtigen

Stockeinsatz empfehle ich die Lektüre des berg&steigen-

Artikels [3] und ggf. auch des etwas mehr medizinisch angehauchten

von Dr. Rainald Fischer [4] .

[1] Gerald Lehner: Wanderstöcke - die neue Sucht?, ORF Salzburg,

https://sbgv1.orf.at/magazin/leben/stories/20064/index.html

[2] Markus Schramek: Wanderstock: Eher nein als ja, TT 04.10.2015,

https://www.tt.com/artikel/10460326/wanderstock-eher-nein-als-ja

[3] Markus Hölzl: Gehhilfen am Berg, berg&steigen 3/14, http://www.bergundsteigen.at/file.

php/archiv/2014/3/88-91%28gehhilfen%20am%20berg%29.pdf

[4] Dr. Rainald Fischer: Der richtige Stockeinsatz, DAV Panorama 5/2001,

https://www.alpenverein.de/chameleon/public/10668/panorama_0105_med_10668.pdf

[5] Plattner & Würtl: Video Gehtechnik beim Bergwandern, Bergwelten 12.09.2017,

https://www.bergwelten.com/a/video-gehtechnik-beim-bergwandern

Doppelstocktechnik 5

Doppelstocktechnik 6

Zum Umgang miteinander sind Menschen dann „gezwungen“,

wenn es am selben Ort mehrere davon gibt. Und wo sonst

am Berg treffen so viele einander unbekannte Leute ähnlich

dicht aufeinander wie in Schutzhütten (manche Gipfel einmal

ausgenommen)? Da gibt es einerseits das Hüttenpersonal und

die Gäste, und dann natürlich die Gäste untereinander. Ersteres

lasse ich heute bewusst außen vor, dazu an anderer Stelle mehr.

Aber zoomen wir einmal in ein Matratzenlager hinein …

Typischerweise gibt es weniger Kleiderhaken als Benutzer,

also wäre es nett, wenn wir uns ein bisschen weniger

ausbreiten als in einem Zweibettzimmer. Das gilt übrigens

auch für die Bodenfläche, wenn man anderen nächtliche

Stolperfallen ersparen möchte. Apropos nächtlich: WC-Gänge

im Viertelstundentakt können sehr zermürbend sein, vor allem,

wenn sie von knarrenden Türen oder Böden begleitet werden.

Also lieber gleich anschließen, wenn schon einer anfängt,

vermeiden lässt sich's eh nicht.

Über optimale Aufbruchszeiten kann man ebenfalls diskutieren,

aber die Vertreter der Früh-Fraktion könnten sich beispielsweise

auch leise ihre Siebensachen schnappen und erst außerhalb

des Lagers einpacken, insbesondere bei Verwendung von

bekanntlich äußerst „gesprächigen“ Plastiksackerln. „Platz ist in

der kleinsten Hütte“ – und zwar immer noch mehr als in einem

Zelt oder in einer Biwakschachtel. Aber wir müssen ihn uns halt

bestmöglich teilen :-)

© Alois Goller, AV-Villach

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