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möbel kultur 09/20

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ZKZ 4937

9 I 2020

MAGAZIN FÜR DAS MÖBEL-BUSINESS

Corona-Diagnose:

So unterschiedlich schlagen

sich Handel und Industrie

in der Krise

Messe-Preview

Möbel, Küchen & mehr:

Viele tierisch gute News

auf 64 Sonder-Seiten

Foto: Schock

MÖBELINDUSTRIE

8,1 MRD. EURO

IM 1. HALBJAHR

De Eekhoorn: Auf dem Sprung

Neuer Ikea-Katalog: Die Analyse

Höffner: Nr. 23 steht in Paderborn

V-Zug: Vertikal in die Zukunft

Italien: Eine Frage des Vertrauens

Oberfranken: Mit Blick nach vorn


TOP-THEMA/RESTART

Diagnosen

sehr gut

richtig deuten

20%

Robuste

Sind akut von Corona betroffen, können

es aber bisher gut verkraften

Aktueller Gesundheitsstatus

23%

Intensivpatienten

Sind akut von Corona betroffen

und aktuell erkrankt

schwach

schwer getroffen

* Kriterien (Selbsteinschätzung):

- aktueller Gesundheitsstatus: Liquidität, Bedarf Fresh Money und Entwicklung Kennzahlen (z.B. Umsatz, Eigenkapital, Ergebnis)

- Betroffenheit: AE-Entwicklung, Lieferprobleme, Krisenmaßnahmen und Vergleich Betroffenheit zur Finanzkrise

24 möbel kultur 9/2020


40%

Symptomlose

Sie sind gesund und spüren

nichts/wenig von Corona

Wie hart hat die Corona-

Krise die Möbelbranche

getroffen? Wie steht es um

die Liquidität? Und welche

Themen werden jetzt wichtig?

Vom 11. Juni bis 20. Juli

führte Dr. Wieselhuber &

Partner gemeinsam mit

der „möbel kultur“eine

umfangreiche Online-

Befragung in Industrie

und Handel durch. Die

aufschlussreichen Ergebnisse

werden hier exklusiv

zusammengefasst.

Kein Befund = fehlende Angaben

seitens der Teilnehmer zu den Kriterien

7%

Kein Befund

10 %

Risikogruppe

Bisher keine/wenig Corona-Symptome,

trotzdem gefährdet und anfällig

Betroffenheit durch Corona

Summe = 162 (100%)

wenig getroffen

Illustration: www.freepik.com

Tiefe Zäsur: Corona hat unser

aller Leben im März dieses

Jahres weltweit auf den Kopf

gestellt. Während manche Wirtschaftszweige,

wie der Gastronomieund

Reisesektor bis heute leiden,

profitieren andere, wie beispielsweise

die E-Bike-Branche, sogar

von den neuen Rahmenbedingungen.

Einige Unternehmen haben

die Gunst der Stunde genutzt, und

innovative Produkte aus der Taufe

gehoben, die u. a. den aktuellen

Hygienestandards gerecht werden.

Doch wie sieht es in der Möbelbranche

aus? Grund genug, für

Dr. Wieselhuber & Partner gemeinsam

mit der „möbel kultur“ eine

Umfrage in Industrie und Handel

durchzuführen, die aufdecken sollte,

wo jetzt der Schuh drückt. Wie krank

sind die Unternehmen aufgrund der

Pandemie? Welche Symptome haben

sich zuerst gezeigt? Und wie fallen

die Befunde der Unternehmen aus?

Aus allen beantworteten Fragebögen

entwickelten die Experten

von Dr. Wieselhuber & Partner ein

aufschlussreiches Schaubild (links),

aus dem deutlich hervorgeht, wie es

um die Gesundheit und Fitness der

Möbelbranche steht. Danach spüren

immerhin 40 Prozent der befragten

Unternehmen keine Symptome und

stecken die Corona-Krise relativ gut

weg. „Die Betriebe sind in der glücklichen

Lage, ihren Vorsprung weiter

ausbauen zu können, indem sie sich

mit den Zukunftsfragen, allen voran

9/2020 möbel kultur 25


HANDEL

Höffner: 23. Einrichtungshaus in Paderborn eröffnet

(K)ein Haus wie jedes andere?

Jeder kann sich denken, dass die Eröffnung einer

Möbel-Großfläche mit 40.000 qm in Corona- Zeiten

kein Business as usual gewesen ist. Trotzdem

bemühte sich Höffner in Paderborn um so viel

Normalität, wie möglich. Die „möbel kultur“ war

beim Start vor Ort.

Mit Glücksrad, Ballonsteigen

und Würstchenbude ging

offiziell am 31. Juli der 23.

Höffi in Paderborn an den Start. Das

neue Einrichtungshaus liegt an der

Wilfried-Finke-Allee und wird von

Manfred Schledde gelenkt, der bis

auf zwei Jahre kontinuierlich bei

Finke in verschiedenen Führungspositionen

beschäftigt war. Das ist

aber auch schon fast das einzige,

was von Finke geblieben ist. Der

viergeschossige Komplex mit einer

VK-Fläche von fast 40.000 qm sowie

einer Bruttogeschossfläche von

70.000 qm unterscheidet sich im

Großen und Ganzen nicht von der

üblichen Höffner-Architektur. Was

in der Pressemitteilung vollmundig

als „modernstes Einrichtungshaus

NRWs“ angekündigt wurde, fährt

Inhaber Kurt Krieger in gewohnter

Im Mittelpunkt des

gut strukturierten

Neubaus liegt

der Lichthof, der

mit wechselnden

Sortimenten für

Anziehungspunkte

sorgen soll.

30 möbel kultur 9/2020


Manier herunter: „Das vergessen Sie

mal. Das ist ein Haus wie in München

und Hamburg auch“. Gemeint

ist damit die stringent gleiche Konzeptionierung

und Führung der 23

Möbel-Standorte der Gruppe. Denn

genau diese Vereinheitlichung des

Sortiments und der Präsentation

verschaffen dem Unternehmen Höffner

Wettbewerbsvorteile. Wie Ikea

und XXXLutz strebt auch Höffner

die flächendeckende, bundesweite

Präsenz an. „In zehn Jahren sollen

alle weißen Flecken in Deutschland

geschlossen sein“, nennt Geschäftsführer

Thomas Dankert die ambitionierte

Zielsetzung.

Obwohl das einheitliche Look

and Feel Grundlage des Erfolgs ist,

achtet Höffner trotzdem darauf,

dass jeder Standort mit individueller

Note punktet. So auch in Paderborn.

Der großzügige Lichthof etwa

wird von Bildern mit Bauwerken

der Stadt malerisch eingerahmt. Das

große Kinderland, das direkt neben

dem Restaurant im 3. Obergeschoss

beheimatet ist, lehnt sich zudem

thematisch an das Liborifest an, das

in Paderborn einen hohen Stellenwert

einnimmt.

Die einzelnen Etagen des Hauses

sind großzügig und transparent

angelegt mit 5,50 m breiten Hauptgängen.

Im Parterre sorgen Fachsortimente

sowie der Mitnahmemarkt

„Express“ für schnelle Umsätze.

Eine Eventfläche im Lichthof soll

mit wechselnden Produkten und

gezielter Beratung für besondere

Anziehungspunkte sorgen. Drei

übereinander gestellte Kuben lenken

die Blicke auf besondere Kollektionen.

Die komplette erste Etage

widmet sich den Bereichen Wohnen

und Polstermöbel, während

im zweiten Obergeschoss Schlafen,

Bad, Baby, Jugendzimmer, Büro und

Klein möbel platziert sind.

In der obersten Etage gibt es viel

Raum für Küchen – inklusive einer

voll vernetzten. Außerdem werden

dort Speisezimmer ausgestellt und

das Restaurant „Kochmütze“ mit

212 Innenplätzen, das zu den Highlights

des Neubaus gehört, wartet auf

Gäste. Dieses ist in zwei Themenbereiche

– Natur und Industrie – aufgeteilt.

Während in dem einen Part

Birkenstämme, Holzpaneele unter

der Decke und Pflanzen für eine

natürliche Atmosphäre sorgen, spielen

Metallrohre und Ethnomotive an

den Wänden mit dem angesagten

Vintage-Look im Industrial Style.

Zudem bietet das Restaurant einen

marktähnlich gestalteten Front-

Cooking-Bereich sowie eine Dachterrasse

mit 110 Außensitzplätzen

und wunderbarem Rundumblick.

Zum Leidwesen Kriegers blieben

Restaurant und Kinderland in der

Anfangsphase Corona-bedingt noch

geschlossen. Der Grund: „Gastronomie

beherrschen wir nicht so

perfekt, wie das Thema Einrichten.“

Der Schwerpunkt der Sortimente

liegt, wie gewohnt, in der konsumigen

Mitte. Auffällig: der hohe Eigenmarkenanteil,

der laut Thomas Dankert

inzwischen bei ca. 60 Prozent

liegen soll.

In seinem Statement zur Eröffnung

begründete Kurt Krieger

noch einmal, warum das ehemalige

Finke-Stammhaus an gleicher

Stelle abgerissen werden musste.

„Die technische Infrastruktur war

schlicht verbraucht. Zudem benötigt

Höffner ein großes Lager am Standort,

um viel Ware für den Mitnahmebereich

zur Verfügung stellen zu

können.“ Das neue Niedrig-Energiehaus

habe zudem ein Gründach und

werde mit ca. 15.000 modernsten

LEDs inklusive Wärmerückgewinnung

beleuchtet.

Mit dem 55 Mio. Euro teuren

Neubau (ohne Grundstück) sei die

Restrukturierung bei Finke nun

abgeschlossen. „Wir sind zufrieden

damit, wenngleich acht Häuser in

der kurzen Zeit neu zu organisieren,

auch für uns fast ein Schluck zu groß

gewesen ist.“ Über 1.000 Mitarbeiter

zu integrieren sei nicht einfach.

Kurt Krieger hatte die Finke-Gruppe

im Spätsommer 2018 erworben.

Am 1. Juli 2019 war dann mit

dem Abriss in Paderborn begonnen

worden, nachdem bereits die

Renovierung der anderen Standorte

in Münster, Hamm, Kassel, Jena und

Erfurt vorangetrieben wurde. Erst

kürzlich wurden die beiden zuletzt

genannten, ostdeutschen Häuser in

Möbel Kraft-Standorte umgeflaggt.

Krieger betonte, dass er nun froh

sei, sich wieder neuen Projekten

widmen zu können. Womit er neben

dem Bau eines großen Logistikzentrums

in Leipzig für 100 Mio. Euro

u. a. auch den Neubau in Kiel meint,

der im Juli 2021 dann endlich eröffnet

werden soll. Das Projekt musste

er wegen der Finke-Übernahme

zunächst zurückstellen.

RITA BREER

www.hoeffner.de

Die Geschäftsführung

im

Lichthof: Klaus

Kühnemann,

Hausleiter

Manfred Schledde

und Thomas

Dankert (v. l.).

Oben: Der Mitnahmemarkt „Express“

befindet sich im Erdgeschoss, im Haus integriert.

Zu den Highlights des neuen Höffi

gehört das Restaurant „Kochmütze“.

Der Höffi-Neubau liegt an der Wilfried-

Finke-Allee, die dem verstorbenen

Möbelhausinhaber und Präsidenten

des FC Paderborn gewidmet ist.

9/2020 möbel kultur 31


HANDEL

Ikea-Katalog: Kernkompetenz im Fokus

Nr. 70 ist ein

Handbuch

Der Ikea-Katalog ist gerade zum 70. Mal erschienen.

Was zeigt das Werk, das alle 12 Monate mit Spannung

erwartet wird, im Corona-Jahr 2020? Worauf werden

die Schwerpunkte gelegt? Welche Themen spielen

bei den Schweden derzeit die Hauptrolle? Die „möbel

kultur“ hat die 288 Seiten analysiert.

Ikea nennt seinen Katalog in diesem

Jahr „Handbuch“. Das ist die erste

Erkenntnis. Das Werk soll also

schlicht und einfach eine Arbeitsgrundlage

sein, die beim Einrichten

hilft. Die Aufmachung ist entsprechend

pragmatisch. Große Geschichten

werden dieses Mal nicht erzählt,

die Fotografie ist modern – vielleicht

etwas zu dunkel? – mit People-Aufnahmen

hält sich die Marke, im Vergleich

zu den letzten Jahren, zurück.

Es geht vorrangig um die Kernkompetenz

des Marktführers, um die

schon so oft gehörte „Inspiration

für einen besseren Alltag zuhause“.

Und das heißt: die Optimierung von

vorhandenem Platz. Headlines wie

„Nicht groß, trotzdem großartig“

mit Vorschlägen für Familien, „So

bringst du wirklich alles unter“ im

Bereich Aufbewahrung und Organisation

oder „Sie tut nur so unauffällig.

Innen ist sie riesig“ zur „Koppnang“-Kommode

beschäftigen sich

mit den für Ikea schon immer wichtigen

Stauraumlösungen.

Im Corona-Jahr gewinnt das

Thema mehr denn je an Bedeutung,

denn in dieser speziellen Zeit

verbringen die Menschen noch

mehr Stunden in ihren eigenen

vier Wänden und wollen es sich

dort schön machen – und diese

außerdem bestmöglich nutzen.

Wie viele Millionen Arbeitnehmer

haben in den letzten Monaten ihre

Küche oder ihr Schlafzimmer zum

Homeoffice umfunktioniert, die

Kinder im Esszimmer unterrichtet?

Und selbstverständlich wird all

das aufgegriffen. Immer mit dem

Anspruch, dass es nicht kompliziert,

teuer oder zeitaufwendig sein

muss, sich ein Zuhause zu schaffen,

das den eigenen Bedürfnissen entspricht.

Und von wegen nicht kompliziert:

auf gleich fünf Seiten, verteilt

im gesamten Katalog, weist das

Unternehmen darauf hin, dass Ikea

nicht mehr automatisch bedeutet,

den Einkauf selbst in den fünften

Stock zu tragen oder gar eigenhändig

zu montieren: „Du kannst alles

selbst tun… oder wir übernehmen

es für dich“, heißt es dann. Komfortabel

sind auch die QR-Codes an den

vielen günstigen Sonderangeboten –

insgesamt 20 –, die auch jeweils auf

einer Seite offeriert werden. Jeweils

mit dem Hinweis: „Scannen und

direkt bestellen“ – einfacher war

einkaufen nie. All diese beworbenen

Produkte, ob nun der Drehstuhl für

24,99 Euro, das Metallbettgestell

(109 Euro), das Polypropylen-Regal

(9 Euro) oder der Bilderrahmen

(0,50 Euro) werden in den nächsten

Monaten jedenfalls auf enorme

Stückzahlen kommen.

Und wie passt das alles mit

Nachhaltigkeit und Gesundheit

zusammen, zwei weiteren wichtigen

Themen für Ikea? „Wir wollen

die Menschen dabei unterstützen:

ein kleiner Schritt hier, eine neue

Gewohnheit da, ein ergonomisches

Kissen, ein neues Rezept, eine wassersparende

Mischbatterie oder ein

höhenverstellbarer Schreibtisch für

das Arbeitszimmer“, sagt Range

Communication Manager Caroline

Hjertström. Und Dennis Balslev, CEO

und CSO Ikea Deutschland, betont,

dass Nachhaltigkeit im kommenden

Geschäftsjahr, das am 1. September

begonnen hat, ganz besonders im

Fokus stehen wird: „Der Stellenwert

von Nachhaltigkeitsaspekten mag

in der aktuellen gesellschaftlichen

Oben: Wie bereits im

letzten Jahr macht auch

der Katalog 2020/2021

mit dem Thema Schlafen

auf. Doch nicht nur im

Schlafzimmer soll es

möglichst komfortabel

sein: Wer will,

muss weder schwere

Möbel schleppen noch

selbstmontieren. Und

die vielen Sonderangebote

können ganz

bequem über einen

QR-Code bestellt

werden.

32 möbel kultur 9/2020


So könnte es wirklich

bei den Kunden

zuhause aussehen,

denn genug Platz

gibt es eigentlich

nie. Weshalb Ikea in

diesem Jahr wieder

ganz stark seine

Stauraumlösungen

propagiert.

Debatte etwas geringer geworden

sein. Dennoch sind wir davon überzeugt,

dass wir bei all unserem Handeln

mögliche Auswirkungen auf

Mensch und Umwelt nicht aus dem

Blick verlieren dürfen. Deshalb werden

wir unser Engagement in diesem

Bereich weiter intensivieren.“

Zumindest wurde nicht mehr

so viel Papier für den neuen Katalog

verbraucht. Waren es allein in

Deutschland im letzten Jahr noch 23

Mio. Exemplare, so sind es aktuell

hierzulande „nur“ noch 8,5 Mio.

(weltweit: 38 Mio.). „Diesmal werden

wir weniger Kataloge als üblich

verschicken“, wurden alle Ikea-Family-Mitglieder

zum Start deshalb

per E-Mail informiert. Das heißt,

es wird nicht mehr jeder Haushalt

automatisch bestückt. Man kann sich

den Katalog aus den Filialen mitnehmen,

über die Website bestellen und

er kann natürlich online geblättert

werden – erstmals gibt es das Werk

zudem auch an vielen Tankstellen.


EVELYNE BECKMANN

www.ikea.de

Das Homeoffice im Schrank. Das heißt viel

Funktionalität auf wenig Raum. Das ist in der

Corona-Zeit gefragt. Und am Ende des Tages kann

man die Tür zum Büro einfach schließen.

9/2020 möbel kultur 33


VERBÄNDE

Alliance: Polstermöbel im Aufwind

„Der Bedarf war

sofort spürbar“

Freuen sich, dass der

Möbelhandel derzeit

Zuwächse verzeichnen

kann: Alliance-Einkaufschef

Dirk Stoppelenburg

(l.) und Schienenmanager

Bernd Mentken.

möbel kultur: Der Einrichtungsfachhandel

kommt recht gut durch die Corona-Krise.

Wie kann die Warengruppe Polstermöbel

davon profitieren?

Dirk Stoppelenburg: Grundsätzlich

stellen wir fest, dass die Umsätze

der Küchen und Polstermöbel im

Vergleich zu den übrigen Warengruppen

in der Corona-Zeit besser

abgeschnitten haben.

Ein ganz wichtiger Grund dafür

ist sicherlich der „Nestbautrieb“

oder auch Cocooning-Effekt: In vermeintlich

schlechten Zeiten neigen

Menschen dazu, sich ihr Zuhause

schön zu machen. Kurzarbeit und

Funktionen und Planungssysteme

sind bei

den Verbrauchern derzeit

besonders gefragt.

Entsprechend informativ

und ansprechend hat

der Alliance-Verband

seinen aktuellen

„Lebenswert“-Katalog

aufbereitet.

Neben Küchen stehen bei den Verbrauchern derzeit Polstermöbel

und hier insbesondere beratungsintensive Planungssysteme

hoch im Kurs – für die mittelständischen Händler

bei Alliance eine lukrative Warengruppe. Einkaufschef Dirk

Stoppelenburg und Bernd Mentken, der sich im Verband um

die Polstermöbel-Aktivitäten kümmert, zeigen die Chancen auf,

die sich daraus ergeben. Zudem erläutern die beiden Macher,

was die Gesellschafter zu den „Ordertagen“ Anfang November

erwarten können.

Home office setzen die eigenen vier

Wände in den zeitlichen Mittelpunkt

des Lebens. Die Branche profitiert

außerdem davon, dass Urlaube ausgefallen

und andere Investitionen

verschoben wurden. In den neu

renovierten Wohnzimmern fehlten

jetzt die frischen Polster. Diese konnten

die Baumärkte, die die gesamte

Zeit geöffnet und stark frequentiert

waren, nicht bieten. Der Bedarf war

sofort spürbar.

möbel kultur: Was fragen die Endverbraucher

derzeit verstärkt nach? Komplette

Garnituren, Loungesofas oder Relaxsessel?

Bernd Mentken: Speziell im

Mittelstand werden jetzt

beratungsintensive Planungssysteme

mit Funktionen

stark nachgefragt. Hier

können die Fachhändler ihre

Beratungsstärke voll ausspielen.

Die Relaxsessel ersetzen

vielfach die normalen Sessel

– falls keine TV-Funktion

in der Garnitur verbaut ist.

Der Umsatz liegt hier bereits

wieder auf Vorjahresniveau

und zum Herbst erwarten

wir erfahrungsgemäß einen

weiteren Umsatzschub.

möbel kultur: Wie wichtig ist aktuell das

Thema Lieferzeiten? Profitieren die Hersteller,

die recht zügig liefern können oder

sind die Verbraucher bei einem individuell

konfigurierten Polstermöbel nach wie vor

bereit, 12 Wochen auf ihr neues Möbel

zu warten?

Dirk Stoppelenburg: Vor allem die

Hersteller mit geringen Lieferzeiten

konnten während der Corona-Phase

überproportional punkten. Generell

ist jedoch die Lieferzeit durch

die gesteigerte Nachfrage und die

momentanen Betriebsferien deutlich

erhöht. Viele Unternehmen haben

ihre Betriebsferien der Situation

angepasst, um die Lieferzeiten in

einem erträglichen Maß zu halten.

Im Schnitt liegen diese bei bis zu

zehn Wochen.

Die Bereiche Mitnahme/SB profitieren

besonders von der schnellen

Verfügbarkeit – die starken Bestelleingänge

für Lagerware sorgen jedoch

auch hier für Lieferzeiten-Verlängerungen

und Engpässe. Mitunter ist

der Bestellschluss vor Weihnachten

bereits in Sicht.

möbel kultur: Was gibt es Neues bei

den Polstermöbel-Konzepten des Verbandes?

Worauf legen Sie derzeit den

Schwerpunkt?

Bernd Mentken: Die im Zuge der

Alliance-Ordermesse im Dezember

2019 eingekauften Sortimente

kamen, bedingt durch Corona, erst

verspätet in die Ausstellungen und

müssen sich entsprechend erst noch

entwickeln. Große Teile der Ausstellungsware

wurden von den Kunden

gekauft, da diese sofort verfügbar

war. Die freigewordenen Stellplätze

haben unsere Gesellschafter dann

zügig, in Zusammenarbeit mit unserem

Außendienst, auf Basis unserer

Verbands-Hitlisten bestückt. Das

hieß insbesondere, Topmodelle doppelt

zu platzieren und auf aktuelle

Foto und Katalogseiten: Alliance

36 möbel kultur 9/2020


Kombinationen, Farben und Bezugsmaterialien

umzustellen. Denn aktuell

ist nicht die Zeit für Experimente.

Unser Schwerpunkt liegt momentan

auf der Pflege unserer Bestandssortimente,

mit dem Ziel: Gutes besser

machen.

möbel kultur: Wie stark hat bei den

Alliance-Händlern der Onlineverkauf in

den letzten Wochen zugenommen – speziell

bei den Polstermöbeln?

Bernd Mentken: Während des Lockdowns

verzeichneten wir durchaus

erhöhte Aktivitäten bei Gesellschaftern,

die einen Online-Shop betreiben.

Da gab es zeitweise Zuwächse

bis zu 300 Prozent. Generell ist die

Online-Akzeptanz stark gestiegen.

Auch aktuell sind die Shop-Umsatzdaten

weiterhin erhöht.

möbel kultur: Was bietet Alliance den

Händlern, um den digitalen Auftritt zu

optimieren?

Dirk Stoppelenburg: Der Verband

stellt seinen Gesellschafter Artikelstammdaten

mittels „Diomex/

Xcalibur“ zur Verfügung. Hiermit

setzen wir auf einen zukunftsorientierten

Standard mit dessen

Hilfe unsere Gesellschafter ihre

Shopsysteme in nie dagewesener

Qualität und Geschwindigkeit befüllen

können. Die entsprechenden

Schnittstellen zum Alliance-Intranet

wurden entsprechend erweitert und

optimiert.

Was die klassische Vermarktung

angeht, so spielen wir auf der

kompletten Klaviatur des Online-

Marketings – angefangen von digitalen

Prospekten, über Content-

Pakete für die Social-Media-Plattformen

bis hin zu Banner- und

Ad-Kampagnen.

möbel kultur: Wie weit sind Sie bei dem

Thema Konfigurator?

Dirk Stoppelenburg: Aktuell stellt der

Verband jedem seiner Gesellschafter

kostenfrei eine Konfigurator-App

zur Verfügung. Wir unterstützen den

klassischen PC, aber natürlich auch

die aktuelle Generation von Tablets.

Planung und direkte Bestellungen

sind bereits jetzt problemlos möglich.

Zukünftig gibt es den Konfigurator

auch für die Webseite oder

den Online-Shop.

Der besondere Vorteil am POS

liegt in der automatischen Verifikation.

Das heißt, Planungs- oder

Rechenfehler werden automatisch

ausgeschlossen. Außerdem wird

durch so ein Tool nichts vergessen

– auch die Geschwindigkeit

steigt immens. Mittels Barcodes an

der Ware in der Ausstellung kann

vorkonfigurierte Ware einfach aufgerufen

werden und wird dann nur

noch, gemäß den Wünschen des

Kunden, abgeändert.

Echte Hingucker bieten die Hochwert-Anbieter bei Alliance ihren

Kunden im aktuellen „Goodbrands“-Magazin. Egal ob romantisch,

funktional oder außergewöhnlich, hier passt die Ansprache.

möbel kultur: Was erwarten Sie von

den Polstermöbelherstellern zu den

Herbstmessen?

Bernd Mentken: Die Erwartungshaltung

ist sehr gemischt. Einige

Lieferanten haben im Bereich der

Neuentwicklungen die Corona-Zeit

genutzt – andere haben sich hingegen

auf die Sortimentspflege

konzentriert. Gerade bei den namhaften

Lieferanten gehen wir jedoch

davon aus, zahlreiche Neuerungen

in Form, Funktionalität und Farbe

zu sehen.

möbel kultur: Und haben Sie bereits entschieden,

was Sie zur geplanten Ordermesse

Ende November machen werden?

Wird diese komplett ausfallen oder wird

es eine Alternative geben?

Dirk Stoppelenburg: Unsere klassische

Ordermesse und auch die JuWo/

SB-Messe haben wir für 2020 abgesagt.

Alternativ planen wir nun vom

8. bis 10. November sogenannte

„Ordertage“, an denen wir unseren

Gesellschaftern ein der Situation

angepasstes, reduziertes, aber

schlagkräftiges Sortiment anbieten.

Unter Berücksichtigung eines strengen

Hygienekonzeptes werden wir

die neuen Modelle, wie gewohnt,

im Rheinbacher Messezentrum präsentieren.

Immer im Blick bleibt

natürlich die aktuelle Entwicklung

der Corona-Pandemie, das heißt:

Wir fahren auf Sicht.

Parallel dazu hat der Verband eine

Plattform entwickelt, welche wir

schlicht „Order Manager“ getauft

haben. Diese kommt, neben den

Bestellungen für das konventionelle

Sortiment, auch für die Ware

der JuWo/SB-Messe zum Einsatz.

Hierbei handelt es sich um eine

Art Shopsystem, welches an unsere

Artikeldatenbank im Intranet angedockt

wurde. Damit sind wir in

der Lage, unseren Gesellschaftern

„Messe-Angebote“ online zu präsentieren

und eine direkte Bestellung

zu ermöglichen. Auch die Abbildung

und Konfiguration der Zuteilung ist

dadurch machbar.

Das heißt aber nicht, auch wenn es

technisch jetzt möglich wäre, dass wir

künftig auf unsere Messen verzichten

werden. Denn gerade der persönliche

Kontakt mit unseren Gesellschaftern

vor Ort, die guten Gespräche und

die unvergesslichen Partys zusammen

mit der Industrie sind eine wichtige

Größe im Alliance-Verband.

EVELYNE BECKMANN

www.alliance.de

9/2020 möbel kultur 37


9 I 2020

RESTART DER MESSEN

Chancen

WESTFALEN

ergreifen

DER TOP-AKTUELLE

GUIDE FÜR DEN HERBST

Foto: Carla & Marge

/// M.O.W.: Unschlagbares Angebot /// Möbelmeile: Für ein perfektes Zuhause /// 3C: Einfach

zum Wohlfühlen /// Ekornes: Vier Marken im Fokus /// De Eekhoorn: Auf dem Sprung ///

Sudbrock: Nachhaltige Werte /// Modellentwicklung: Querdenker Lutz Reeg /// Carla &

Marge: Label mit Händchen und Struktur /// Service: Alle Messezentren & Hygienekonzepte


WESTFALEN

Foto: SafanaArt/Shutterstock.com

Es geht wieder los!

Die Vorfreude ist groß. Endlich wieder persönliche Gespräche

führen, endlich wieder Möbel fühlen, endlich wieder dem

Charme des Analogen erliegen.

Das funktioniert in diesen Zeiten natürlich nur, wenn wir uns

rücksichtsvoll über das Messeparkett bewegen und uns an die

Regeln halten. Aber das versteht sich ja von selbst.

Allerdings müssen die Messebesucher in OWL auch fair

genug sein, nicht die üblichen Maßstäbe anzusetzen. Die

Herbstmessen werden teilweise anders aussehen und sich auch

anders anfühlen. Aber sie sind wichtig.

Zum einen geht es darum, die erfreuliche Corona-Sonderkonjunktur

im Home & Living-Segment zu verlängern. Das wird

nur denen gelingen, die jetzt frische Ware auf den Markt bringen

und clevere Vermarktungspakete bis ins Jahr 2021 schnüren.

Dass dafür genug gute Kollektionen und Lieferanten zur Verfügung

stehen, zeigen die folgenden Seiten.

Zum anderen spielen die Herbstmessen natürlich auch eine

Sonderrolle als Testläufer für die „imm cologne“. Die Lehren,

die jetzt gezogen werden, können dem Messeerlebnis im Januar

2021 nur zugute kommen.

Wir wünschen Ihnen vor allem viel Spaß beim Restart in das

Messe-Business – seien Sie offen, neugierig und vorsichtig.

Dann wird es ein guter Messeherbst werden.

Lesen Sie

folgende Top-Themen im

Westfalen-Special:

Standorte: Die Adressen und

Highlights der 25 Messezentren

Carla & Marge: Eine Marke,

die Begehrlichkeiten weckt

De Eekhoorn: Auf dem Sprung

zu mehr

Die faszinierende Marke Carla & Marge gehört mit Sicherheit zu den

Highlights in Bad Salzuflen, Wer nicht in Halle 5 an Stand 4

vorbeischaut, wird etwas verpassen.

9/2020 möbel kultur 45


WESTFALEN

Face to Face

unterwegs

Es geht wieder los – analog!

Nach Monaten der Messeabsagen

und virtuellen Meetings

kann sich die Branche endlich

wieder zum persönlichen Austausch

auf den Herbstmessen

in Westfalen treffen. Um die

Gesundheit und Sicherheit aller

Beteiligten zu gewähr leisten,

haben die Hersteller und

Messezentren in Abstimmung

mit den Gesundheitsämtern

individuelle Hygienekonzepte

erarbeitet und umgesetzt.

Foto: shutterstock.com / Paul Fedrau

46 möbel kultur 9/2020


TANJA MEISE

FACTS

WEMAFA

TRÜGGELMANN

WERTHER

WERTHER

GERMANIA

SCHLANGEN

❯ Laut der Corona-

Schutzverordnung ist

die Höchstzahl an Besuchern

begrenzt,

damit ein Mindestabstand

von 1,5 m

zwischen den Personen eingehalten

werden kann. Deshalb wird um eine

Voranmeldung gebeten.

❯ Außer am Sitzplatz ist das Tragen einer

Mund-Nasen-Maske Pflicht.

❯ Um ggf. Kontaktpersonen nachverfolgen

zu können, müssen die Kontaktdaten

erfasst werden.

❯ Eine ausreichende Belüftung der

Räumlichkeiten und die Möglichkeit der

Handhygiene ist überall gegeben.

❯ Mit Erkältungssymptomen darf kein

Einlass erfolgen.

www.moebelkultur.de

M.O.W.

Termin: 20. bis 24. September 2020

Öffnungszeiten: Sonntag bis Mittwoch

9 bis 18 Uhr, Donnerstag 9 bis 16 Uhr.

Messegelände: Messezentrum Bad Salzuflen

mit 85.000 m² Hallenfläche, davon

82 % belegt. Weitläufiges Areal mit diversen

Eingängen und großzügigem Außengelände.

Alle 17 Hallenbereiche sind geöffnet.

Aussteller: 329 Unternehmen mit breiter

Angebotspalette aller Warengruppen für

konventionelles Wohnen, Mitnahme, SB

und Online.

Fachbesucher: Einkaufsverbände, Filialisten,

konventionelle Möbelhändler, Studios,

SB/Discounter, Junges Wohnen-Häuser,

Versender, Bau- und Heimwerkermärkte,

Food- und Nonfood-Vermarkter, Onliner.

Besucherregistrierung: Anmeldung vorab

erforderlich, online unter www.mow.de

Gesundheitsschutz: Detailliertes,

genehmigtes Hygienekonzept.

Gastronomie: Vollverpflegung. Bedienung

durch geschultes Personal, weitgehend

Außengastronomie, großzügige Bewirtungszonen

in den Hallen.

Online: Aussteller- und Warengruppensuche

sowie Hallenpläne und Wegweiser

zum Download.

Service: Eintritt, Gastronomie, WLAN,

Parken, Wegweiser kostenfrei.

www.mow.de

Adresse: Benzstraße 23

32108 Bad Salzuflen

9/2020 möbel kultur 47


WESTFALEN

De Eekhoorn: Investiert in Experience Center

Auf dem Sprung zu mehr

Hohe Ziele hat sich De Eekhoorn gesteckt: Das niederländische Unternehmen, das als Markenzeichen

ein possierliches Eichhörnchen trägt, will weiter wachsen. Aus diesem Grund wurden

jetzt 20 Mio. Euro in ein neues Lager sowie ein 2.500 qm großes Experience Center im nordholländischen

Hoorn investiert. Die „möbel kultur“ war vor Ort.

Schon von der Autobahn aus

fällt einem der beachtliche

Neubau direkt ins Auge. Das

neue Experience und Logistik Center

von De Eekhoorn misst zusammen

stolze 19.000 qm, wovon

allein der Showroom 2.500 qm

ausmacht. Während das Lager, das

Platz für 25.000 Paletten bietet,

bereits im Januar dieses Jahres in

Betrieb genommen wurde, eröffnete

das Experience Center offiziell am

1. September seine Tore.

Wer die Messeauftritte von

De Eekhoorn in Köln oder zur

M.O.W. kennt, ahnt, dass es sich

bei der Ausstellung um mehr als

Modisch in der Ausrichtung,

was Farben und Formen angeht,

präsentiert sich „BePureHome“

(links). „Basiclabel“ heißt bislang

der eigene Store in Hoorn.

Die Marke wird nun allerdings

als vierte mit aufgenommen.

Die Investition von 20 Mio. Euro

soll aber nicht nur die Lifestylewelten

des Unternehmens weiter

bekannt machen, sondern auch für

mehr Tempo bei den Lieferzeiten

sorgen. Sofern die Ware am Lager ist,

Fotos: De Eekhoorn und möbel kultur

nur eine Möbelpräsentation handelt.

„Wir wollen die Besucher inspirieren“,

sagt Export-Manager Ferry

Knol. In erster Linie ist der Showroom

montags bis freitags also für

das Fachpublikum geöffnet, doch

auch Endkunden aus der Region

können sich dort umsehen und

ebenso bestellen. Abgerechnet werden

diese Aufträge aber über den

jeweiligen Händler, der den Kunden

am nächsten liegt.

Holzbetont im angesagten

Vintage-Look

zeigt sich „Woood“ (l).

Während „Vtwonen“

zwar auch natürlich,

aber puristisch daher

kommt (u.).

und das gilt für ca. 80 Prozent der

Produkte, vergehen im Optimalfall

von der Bestellung bis zur Lieferung

nicht mehr als eineinhalb Wochen.

Die eigenproduzierten Möbel kommen

ohnehin auf Lager. Und auch

bei den zugekauften Artikeln werden

große Mengen geordert, sodass dieses

Ziel erreicht werden kann. Ein

Team von vier bis fünf Mitarbeitern

kümmert sich ausschließlich darum,

dass die Ware nicht out of stock

gerät. Wobei am niederländischen

Markt immer mehr Artikel, die über

Onlineshops vermarktet werden, per

Dropshipment ausgeliefert werden.

„Im Herbst werden wir soweit sein,

diesen Service auch für unsere deutschen

Händler anbieten zu können“,

erklärt Ferry Knol.

Gas geben will das Unternehmen

aber nicht nur in Sachen Auslieferung.

Außen am Gebäude in Hoorn

60 möbel kultur 9/2020


FACTS

❯❯

De Eekhoorn, Jan Tinbergenweg 1,

1689 ZV Hoorn

❯❯

Gründung: 1980 von Aart de Smit

❯❯

Geschäftsführer:

Gerard de Smit (Finanzen und IT),

Winfried de Smit (Design und

Produktion) und Jos de Smit

(Marketing und Vertrieb)

❯❯

Mitarbeiter: 240

❯❯

Umsatz 2019: 67 Mio. Euro

❯❯

Umsatz 2020 geplant: 75 Mio. Euro

❯❯

Produktion: in Zwaagdijk-Oost

❯❯

Marken: „Woood“, „BePureHome“,

„Vtwonen“ und neu: „Basiclabel“

(für Eigenmarken / Private Label)

https://deeekhoorn.com/de/

Marketing Managerin Emma

Berghout, Export Manager

Ferry Knol und Jos de Smit,

einer der drei Geschäftsführer

(v. l.), stellten der

möbel kultur“ noch vor der

offiziellen Eröffnung das

neue Experience Center in

Hoorn vor.

9/2020 möbel kultur 61


POLSTER

Christian Dahm,

Geschäftsführer

der Hausmessen

Oberfranken,

freut sich auf die

Partnertage.

Bei Sedda erlebt das Thema

„Studio-Liege“ eine Wiederbelebung.

Partnertage Oberfranken: Mit individuell abgestimmten Hygienekonzepten

Den Blick nach vorn gerichtet

Als „Partnertage Oberfranken“ gehen in diesem Jahr

vom 28. bis zum 30. September die dortigen

Hausmessen an den Start. Nachdem das Frühjahrsgeschäft

durch den Lockdown weggebrochen ist,

spüren die Hersteller derzeit einen hohen

Nachholbedarf. Mit den aktuellen Neuheiten soll

dieser weiter angefeuert werden.

Messe in Partnertage umzubenennen,

um den individuellen Charakter

und die familiäre Atmosphäre zu

unterstreichen“, erklärt Christian

Dahm, Geschäftsführer der Hausmessen

Oberfranken.

Oberste Priorität haben dabei

die Sicherheit von Besuchern und

Personal. „Jeder Hersteller hat auf

der Grundlage unseres Hygienekonzepts

die sinnvollen und notwendigen

Maßnahmen zum Schutz

der Mitarbeiter und Kunden nach

den Gegebenheiten vor Ort umgesetzt“,

führt Dahm fort. „Es gelten

die Abstands- und Hygieneregeln, die

sich inzwischen vielerorts etabliert

haben. Ein besonderes Augenmaß

Mit den Wohntrends für die

kommende Saison warten

vom 28. bis zum 30 September

die oberfränkischen Polstermöbelhersteller

in ihren Showrooms

auf. Wie bereits im Vorjahr

nehmen 14 Unternehmen an der

Veranstaltung teil. „Die Partnertage

bieten die Möglichkeit unter den

gegebenen Umständen verantwortungsvoll

die Beziehungen zwischen

Industrie und Handel zu pflegen und

zu entwickeln. Uns war es wichtig,

auch und gerade im Rahmen der

schwierigen Ausnahmesituation in

Corona-Zeiten mit unseren Partnern

im Dialog zu bleiben. Der persönliche

Austausch und das Erleben der

Produkte lassen sich nicht virtuell

ersetzen. Vor diesem Hintergrund

haben wir uns auch entschlossen, die

„Experio“ von Koinor wird motorisch

gesteuert, kann auf dem Plateau seitlich

verschoben werden.

72 möbel kultur 9/2020


legen wir diesmal auf die Organisation

des Besucherstroms. Auf jeden

Fall ist sichergestellt, dass noch mehr

Zeit und Aufmerksamkeit für jeden

einzelnen Besucher zur Verfügung

steht.“

Die Hersteller haben dem Handel

einiges zu bieten. So bringt

beispielsweise Koinor im Dining-

Bereich ein Eckbanksystem heraus,

das eine Vielzahl an individuellen

Kombinationen zulässt. Außerdem

wird die „Free Motion“-Reihe unter

anderem mit dem Modell „Experio“

vorgestellt. TM Collections weiht

unterdessen seine neue Showroom-Location

im Lichtenfelser

„Wallenstadtcenter“ ein – mit zwei

neuen Modellen, Programmerweiterungen

sowie frischen Leder- und

Textiltrends. Sein 75-jähriges Jubiläum

feiert Max Winzer mit verschiedenen

Neuheiten an seinem

Standort in Untersiemau. Sedda

wird dem Thema Boxspring noch

mehr Raum geben – sowohl als Bett

als auch als Sofa. Bei Ponsel steht

neben modifizierten „imm“-Modellen

die Kommunikation der

neue Zertifizierung „Möbel Made

in Germany“ am POS im Fokus.

Und W. Schillig setzt seine neuen

„Wohnfühlmöbel“ unter dem

Motto „Zuhause ist dort, wo man

sich wohlfühlt“ in Szene.

Mit ihren Entwicklungen und

Ideen hatten viele Oberfranken

zuletzt schon nach der „imm

cologne“ im Januar dieses Jahres

für anziehende Umsätze und neue,

internationale Kunden gesorgt – bis

zum Corona-Lockdown. „Natürlich

geht es nicht spurlos an unseren

Herstellern vorbei, wenn die

Möbelhäuser geschlossen sind. Das

Frühjahrsgeschäft ist in diesem Jahr

weggebrochen, das lässt sich nicht

ersetzen. Dabei wären diese Einnahmen

wichtig gewesen, um die

anstehenden Investitionen in eine

fortschrittliche Datenverarbeitung

und neue IT-Infrastruktur tätigen

zu können“, erklärt Dahm die Herausforderungen

der Branche. „Nach

derzeitigem Stand der Gesamtlage

bin ich stolz auf die Oberfranken. Da

hört man wenig Jammern, sondern

der Blick ist nach dem ersten Schock

schon wieder nach vorne gerichtet.

Nach dem Lockdown waren in der

Möbelbranche durchaus Nachholeffekte

spürbar. Wir hoffen, dass

diese sich über das gesamte Jahr

halten werden, um die Ausfälle aus

dem Frühjahr abfedern zu können.“

Wichtig sei dabei allerdings, dass

die Gesellschaft alles daran setzt, ein

zweiten Runterfahren zu verhindern.


DORIS SCHMIDT

Maz Winzer feiert sein 75-jähriges Bestehen

und präsentiert u. a. das Funktionssofa „Just

Relax“ mit Stauraumbank (l.).

Zu den Highlights bei TM Collections zählt das Modell

„Al Jazar“ im Dickleder „Angus“.

FACTS

❯❯

Standorte der 14 Teilnehmer der

Hausmessen Oberfranken

❯❯

Bad Steben: Brühl & Sippold

❯❯

Ebersdorf-Frohnlach: W. Schillig

❯❯

Grub am Forst: Pora

❯❯

Lichtenfels: TM Collections

❯❯

Michelau: Koinor

❯❯

Pressig: EMP Polstermöbel

❯❯

Redwitz-Mannsgereuth:

Max Häublein, Mayer Sitzmöbel

❯❯

Sonnefeld: Gruber Polstermöbel

❯❯

Untersiemau: Max Winzer

❯❯

Weidhausen: Arco, F+S Polstermöbel,

Albert Ponsel, Sedda

www.hausmessen-oberfranken.de

Im 4.000 qm umfassenden Showroom von

W. Schillig in Frohnlach werden auch neue

Dining-Bänke und -Stühle vorgestellt.

9/2020 möbel kultur 73


9 I 2020

MAGAZIN FÜR DAS MÖBEL-BUSINESS

KÜCHE

Digital voraus

Von der virtuellen Messe

zur 3D-Vision am POS

/// Herbstmessen: Wo in Corona-Zeiten was läuft /// Schock: So nachhaltig wie

nie zuvor /// Küchenquelle: Mixed Reality steigert Abschlussquote /// Leicht:

Rundum Ästhetik pur /// V-Zug: Vertikal in die Zukunft /// KüchenTreff Kunden

zum König machen /// Europaküche: Mehr Einheit durch kulinarischen Genuss

Foto: Küchenquelle


KÜCHE

„Live is Life“ und

wird es bleiben

Illustration: amesto/Shutterstock.com

So anders die Messe-Tour durch OWL auch sein wird. Es ist ein Erfolg,

dass sie überhaupt physisch und nicht nur virtuell stattfindet. Alle Hygiene-

Konzeptentwickler haben einen Riesenjob gemacht. Danke dafür!

„Ich brauche was zum Anfassen“, singt Johannes Oerding gerade auf

allen Radiosendern und davon, dass wir „die Köpfe hochnehmen“ sollen.

Stimmt genau, denn selbst mit Maske und Sicherheitsabstand fühlt sich

der Face-to-Face-Kontakt „echter“ an als Teams- oder Skype-Talks, die in

Lockdown-Zeiten dafür sorgt haben, dass die Kommunikation nicht abbrach.

Aber können virtuelle Formate, die zuhauf in unterschiedlichsten Facetten

das Internet fluten, auch Messe?

Haptik lässt sich schwer in Worte fassen. Das vielleicht zweitwichtigste

Argument für den traditionellen Besuch in Showrooms mit streichelbaren

Oberflächen und Schubladen, die man selber ausziehen kann. Klar wird

Spontaneität auf der Strecke bleiben, schon weil immer wieder neu desinfiziert

werden muss. Dafür werden Termine verbindlicher und Dialoge

intensiver sein.

Digitale Tools haben eine faire Chance verdient, aber sie müssen erst

noch beweisen, dass sie das Zeug zu einer Alternative und/oder Dauerlösung

haben. Die Gefahr, dass sie zum Zeitfresser mutieren, und das nicht nur,

wenn die Technik hakt, besteht. Und vielleicht werden sie schnell nur noch

nebenbei konsumiert. Wie soll man es sonst durch die vielen Angebote

schaffen. Die Vielfalt ist ohnehin verwirrend genug.

Bis jetzt ist es dem Corona-Virus nicht gelungen, die Branche allzu hart

zu treffen. Die Küche als das „Herz des Hauses“ hat im Lockdown – als

Homeschooling und Homeoffice am Küchentisch das „New Normal“ waren –

sogar noch an Bedeutung gewonnen. Der Küchenherbst ist wichtig dafür,

dass es so bleibt. Ein frischer Push käme da gerade recht.

Also: Die Erwartungen nicht zu hoch schrauben, spätestens jetzt Termine

online buchen, genügend Masken einpacken und los geht‘s. Für virtuelle

Showroom-Touren bleibt immer noch genügend Gelegenheit.

Zu vergleichen, was besser ist, kann spannend sein.

SUSANNE KRAFT

Top-Themen

in diesem Küchen-Special:

V-Zug: Vertikal in die Zukunft

Küchenquelle: Mixed Reality

steigert die Abschlussquote

Störmer: Erste Erfolge mit

der Villeroy & Boch-Küche

Alles wird anders: Die Branche

im Stimmungstaumel

KüchenTreff: Den Kunden

zum König machen

Elica: Herausragende

Hauben für jede Position

#küchenherbst: Alle Stationen

mit Öffnungszeiten und

Anmeldeinformationen

Projekt „Europaküche“: Wie

wir einander näherkommen

Titel: Küchenquelle setzt auf digitale Unterstützung

– die Mixed-Reality-Technik für die Beratung beim

Kunden hat vom Start weg Erfolg.

9/2020 möbel kultur 77


KÜCHE/V-ZUG

Vertikal

in die Zukunft

Mit „Schweizer Präzision für zuhause“ will V-Zug seit

zwölf Jahren die Herzen in aller Welt erobern. Denn

nur Marktführer im eigenen Land zu sein, reicht dem

ambitionierten Gerätehersteller längst nicht mehr.

Um als Premiummarke weltweit Terrain zu gewinnen,

wurde 2013 das Zukunftsprojekt „V-Zug33“ ausgerufen,

das mit der „vertikalen Fabrik“ und einem

visionären Technologiecluster einen radikalen Transformationsprozess

in Gang gesetzt hat. Eine Operation

am offenen Herzen, bei der die Redaktion mitten in der

Corona-Zeit zur Visite in die Schweiz fahren durfte.

V-Zug hat in der Branche fraglos

einen besonderen Klang – ist

hierzulande eine Marke für

Technik-Gourmets, die wissen, was

gut ist. Dabei nimmt das Unternehmen

durchaus die weltbekannte

Präzision der Schweizer Uhren

und Swissness im Design auch für

seine Hausgeräte in Anspruch. Verweist

aber zugleich auf die eigene

Innovationskraft, die sich beispielsweise

im Combi-Steamer „MSLQ“,

dem „Adora“-Geschirrspüler oder

im „Refresh Butler“ manifestiert

(s. Kasten, S. 81). Markenzeichen

sind dabei hohe Verarbeitungsqua-

lität, Profi-Funktionen, intelligente

Bedienung u. a. mit Connectivity

bis zum exklusiven Look im schwarzen

Spiegelglas. Alles gründet auf der

einzigartigen DNA, die 1913 mit

verzinkten Waschzubern und Zentrifugen

für erste Erfolge sorgte. Produziert

im kleinen Seeort Zug, 35 km

von Zürich entfernt, wo heute noch

das Headquarter und das Stammwerk

für die überwiegend selbst produzierten

Geräte zu Hause sind.

Schon weil der Herkunftsort

im Firmennamen steckt, soll dies

so bleiben, auch wenn das 31.000

Einwohner-Städtchen einer der

Seit über 100 Jahren fest verankert im Seeort Zug: Mit dem

Projekt „V-Zug33“ will der Traditionshersteller für Hausgeräte

den größten Meilenstein seiner Geschichte setzen.

Foto: Nachweis

78 möbel kultur 9/2020


teuersten Flecken im Land ist. Das

„V“ für Verzinkung steht für Kompetenz

in der Metallverarbeitung,

die Stadt Zug für „swiss-made“ und

überhaupt gehören die Wurzeln zur

Tradition, der sich alle im Unternehmen

verpflichtet sehen. Insbesondere

gilt dies für den Wertekanon, in

dem Qualität, Zuverlässigkeit, Kundennähe

und Weitsicht fest verankert

sind, so erklärt es Dieter Elmiger,

General Manager Greater Europe,

selbst durch und durch ein V-züglicher

DNA-Träger.

Bislang ist der Schweizer Marktführer

bei Stand- und Einbaugeräten

mit seiner Strategie und der Verknüpfung

aus Vergangenheit und Zukunft

gut gefahren. Die Umsatzkurve steigt

stetig und erreichte Ende 2019

543 Mio. CHF (rd. 504 Mio. Euro,

erwirtschaftet durch Hausgeräte und

Immobilien). Selbst im Corona-Jahr

konnte ein leichter Zuwachs erzielt

werden, wie die jüngst veröffentlichten

Halbjahreszahlen zeigen.

Nicht zuletzt im Export, der mit

etwa 11 Prozent Anteil am Gesamtumsatz

noch stark ausbaufähig ist:

Während 2020 zwar das OEM-Geschäft

mit den USA (Marke Wolff )

eingebrochen ist, wurde der internationale

Nettoerlös mit der Marke

V-Zug um 38,7 Prozent gesteigert.

Der am 25. Juni vollzogene Spinn-off

an der Börse – die Abspaltung der

V-Zug Gruppe von der Metall Zug

AG, um eigenständiger und flexibler

agieren zu können – wird ebenfalls

als Erfolg gewertet.

Doch was macht V-Zug in 20

Jahren? Dies fragten sich 2013 die

Inhaber-Familie Buhofer und der

damalige Konzernchef Dirk Hoffmann

– und fanden mit dem Projekt

„V-Zug33“ eine Antwort, die ein

echtes Meisterstück für Schweizer

Gründlichkeit zu werden verspricht.

Denn sie beinhaltet nicht nur den

totalen Umbau aller Produktionsabläufe

zur „vertikalen Fabrik“, sondern

bis 2033 auch eine städtebauliche

Vision fürs Wohnen und Arbeiten

im „Campus“. Eine Marathonstrecke

in 88 Einzeletappen, die dem Bedarf

nach Expansion und mehr Kapazitäten

ebenso entspricht wie dem Ziel,

durch Modernisierungsmaßnahmen

ein Höchstmaß an Effizienz und Produktivität

zu erreichen. „Wir wollen

auf 50 Prozent weniger Fläche 100

Prozent mehr produzieren“, bringt

Europachef Elmiger die ehrgeizige

Formel auf den Punkt. Und dies alles

im laufenden Betrieb. Dazu kommt

Wir wollen auf 50 Prozent

weniger Fläche 100 Prozent

mehr produzieren.

der Anspruch, in puncto Nachhaltigkeit

in der ersten Liga zu spielen

sowie Synergien aus einem größeren

Technologiecluster zu ziehen. Am

Ende wird das Projekt einen signifikanten

dreistelligen Millionenbetrag

gekostet haben.

Aktuell zeigt sich auf der rund

80.000 qm großen Dauerbaustelle

ein Nebeneinander neuer und

alter Gebäude, überragt von einem

riesigen Kran. Als fertige Einheit

unübersehbar ist das Hochregallager:

Das vollautomatisch gesteuerte

„ZugGate“ verfügt immerhin über

21.000 Palettenplätze und wird

schon seit 2010 genutzt. Hier lagern

auch die zahlreichen Werkzeuge,

die für das Verformen der Blechteile

in jeder Größe und Variante

gebraucht werden.

Da V-Zug über eine enorme

Fertigungstiefe vor allem bei der

angestammten Metallverarbeitung

verfügt, geht es in den Werkshallen

letztlich um Wegeverkürzung und

Optimierung oder Vermeidung von

Prozessschritten, u. a. durch CAD-gesteuerte

Anlagen. Bestes Beispiel ist

die seit Juni 2020 fertiggestellte

Presse im neuen Hangar. Durch die

Anschaffung des riesigen, weitgehend

automatisierten Moduls gelang

es, Umrüst- und Durchlaufzeiten

extrem zu verringern. Statt in Platten

wird dabei das Blech heute im

Folgeschnittverfahren von der Rolle,

sog. „Coils“ am laufenden Meter verarbeitet.

Lag der Output bislang bei

7.000 Teilen pro Schicht, wird es in

Zukunft das Dreifache sein, so die

ungefähre Schätzung. Auch die Backmuffeln

werden künftig über eine

vollautomatische Fertigungsstraße

produziert. Über drei Etagen laufen

die einzelnen Verarbeitungsschritte,

Erst vor zwölf Jahren lief der Export

richtig an, heute u. a. geleitet von

General Manager Greater Europe Dieter

Elmiger (l.). Hierzulande setzt Patric

Schleicher (r.), Verkaufsleiter Deutschland,

auf das Differenzierungspotenzial

der Schweizer Premiummarke.

Unten: Mit markanter Fassade sendet

schon das Headquarter mit dem „Zug-

Gate“ zukunftsträchtige Signale aus.

9/2020 möbel kultur 79


KÜCHE

#küchen

Küchenherbst 2020: Die Branche im Stimmungstaumel

Alles

wird anders

Wer hätte gedacht, dass ein Virus die ganze Welt ins Wanken

bringt. Immerhin: Die deutsche Küchenbranche steht bislang

relativ gut da. Und erlebt sogar einen Push für die digitale

Zukunft, den es ohne Corona vielleicht nicht gegeben hätte.

Gleichzeitig wächst jedoch die Angst, dass eine nachhaltige

Konjunkturschwäche im In- und Ausland oder gar eine zweite

Lockdown-Welle den Schnitt verreißt.

86 möbel kultur 9/2020


herbst 2020

Eine „spannende Reise zu außergewöhnlichen

Produktneuheiten mit echten Meilensteinen“,

vor allem zur neuen Systemat 3.0, verspricht

Häcker zur Hausmesse vom 19. bis 25. September.

Um den Besuchern größtmögliche Sicherheit zu

bieten, wurde in Abstimmung mit den Behörden ein

Corona-Konzept erarbeitet. Dies beinhaltet eine

obligatorische Online-Voranmeldung – mit festen

Timeslots für vor- und nachmittags (dazwischen

wird gereinigt), Maskenpflicht, Catering ohne

Selbstbedienung und „Einbahnstraßen-Regelung“.

Für das erste Halbjahr 2020 gibt

der Verband VdDK, auf Basis

des Statistischen Bundesamts,

einen Umsatz von 2,5 Mrd. Euro

für die deutsche Küchenmöbelindustrie

an – dies entspricht einem

Plus von 2,28 Prozent gegenüber

dem Vorjahreszeitraum. Während

das Ausland zwar um 6,12 Prozent

(innerhalb der Eurozone 6,64 Prozent)

verlor, konnte das Inland noch

einen leichten Zuwachs von 0,46

Prozent aufweisen.

Positive Signale für den weiteren

Umsatzverlauf liefert zudem das

Auftragspanel des VdDK, mit dem

entsprechenden Vorlauf für die etwa

vier sechs Wochen später verbuchten

Umsätze. Demnach zeigt der Juli ein

wertmäßiges Plus von 25,95 Prozent

(Inland: 27,93%, Ausland 23,30%).

Die Küchenbranche scheint das im

Frühjahr verlorene Terrain also

schnell wieder aufzuholen.

Im Ausland sorgte vor allem

der stärkste Markt Frankreich mit

-17,9 Prozent im ersten Halbjahr

für starke Einbußen. Die Niederlande

an zweiter Stelle verzeichneten

gleichzeitig einen Zuwachs von

4,6 Prozent. Negativ waren auch

Österreich (-7,5%) und Belgien

(-11,6%), die Schweiz (-5,5%) und

vor allem Großbritannien (-28,2%).

China konnte auf Platz 7 hingegen

mit 29,9 Prozent wieder zulegen.

Für die Hausgeräte gibt der

ZVEI-Verband ebenfalls eine positive

Halbjahresbilanz bekannt. Demnach

konnten die Hersteller von

Elektro-Großgeräten ihren Umsatz

im Inland um etwa zwei Prozent

gegenüber dem Vorjahreszeitraum

steigern. Rückläufig mit etwa minus

drei Prozent zeigte sich zur Jahresmitte

der Export– allerdings gibt es

auch hier Zeichen der Erholung. Mit

Blick auf das Gesamtjahr 2020 ist

die Hausgeräteindustrie vorsichtig

optimistisch.

Die Frage ist, inwieweit die Messen

– in ihrer jetzt ganz anders stattfindenden

Form, ob nun on- oder

offline – Impulse für eine weitere

Nachfrage setzen können. Für ein

Stimmungsbild über die aktuelle

Situation der Branche haben wir

vier Repräsentanten zu ihrer Einschätzung

aus verschiedenen Blickwinkeln

befragt (siehe S. 88/89).


HEIKE LORENZ

9/2020 möbel kultur 87


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