Neue Erkenntnisse zum Aussehen von Kachelöfen des 13. und ...

burgenverein.ch

Neue Erkenntnisse zum Aussehen von Kachelöfen des 13. und ...

Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins

2. Jahrgang

1997/2 1997/4


INHALT

An dieses Heft leisteten Druckkostenbeiträge:

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Titelbild:

Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins

Revue de l’Association Suisse Châteaux forts

Rivista dell’Associazione Svizzera dei Castelli

Revista da l’Associaziun Sivzra da Chastels

2. Jahrgang, 1997/4

Annamaria Matter und Werner Wild:

Neue Erkenntnisse zum Aussehen von Kachelöfen

des 13. und frühen 14. Jahrhunderts –

Befunde und Funde aus dem Kanton Zürich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 77

Manuel Janosa:

Ein Ofenkacheldepot vom Churer Martinsplatz. . . . . . . . . . . . . . . . 95

KURZMITTEILUNGEN . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 106

PUBLIKATIONEN. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 107

AUSSTELLUNGEN

VEREINSMITTEILUNGEN

Kantonsarchäologie Zürich

Archäologischer Dienst Graubünden

Vormals Nachrichten des Schweizerischen Burgenvereins

lic. phil. Thomas Bitterli, Blochmonterstrasse 22, 4054 Basel

Schweizerischer Burgenverein, Postfach 1539,

4001 Basel, Telefon 061/261 99 77

Postcheckkonto Zürich 80-14239-2

Publiziert mit Unterstützung der Schweizerischen Akademie der

Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)

Erscheint vierteljährlich

ISSN 1420-6994

Schwabe & Co. AG, Basel, Verlag und Druckerei

Winterthur-Metzggasse. Aufgebautes Segment der Kuppel des Kachelofens.

(Photo: Manuela Gygax, Kantonsarchäologie Zürich)


Neue Erkenntnisse zum Aussehen von Kachelöfen

des 13. und frühen 14. Jahrhunderts – Befunde und

Funde aus dem Kanton Zürich

von Annamaria Matter und Werner Wild

Der Kachelofen stellt für die

Wohnqualität eine bahnbrechende

Errungenschaft des Mittelalters

dar. Mit Hilfe in einem Lehmkörper

eingesetzter, zunächst becherförmiger

Keramikelemente – den

Kacheln –, die einerseits die Wärmeabgabe

beschleunigten, gleichzeitig

aber auch die abstrahlende

Fläche vergrösserten, liess sich

eine Wohnstube wesentlich effizienter

beheizen als mit einem offenen

Feuer. Eine zusätzliche Steigerung

der Wohnqualität erreichte

man durch das direkte Ableiten

des Rauches. Mit dem Aufkommen

des Kachelofens entwickelte sich

ein rauchfreier, von der Küche

mit ihrem offenen Herdfeuer getrennter

Wohnraum, die Stube.

Vielsagend ist denn auch die

schlichte Feststellung «hinder dem

ofen ist mo wol», die sich über

einem bekannten Fresko des frühen

14. Jahrhunderts aus Konstanz

findet 1 . Das Bild zeigt eine neben

einem Kachelofen ruhende Frau

(Abb. 1).

1: Konstanz – «Haus zur Kunkel». Freskomalerei mit Darstellung eines Kachelofens von 1319/20.

77

Diese sowie drei weitere Darstellungen

aus dem mittleren 13. und

der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts

waren bei der Frage nach

dem Aussehen früher Öfen mit

einfachen Kacheln die hauptsächlichen

Informationsquellen (Abb.

21). Sie zeigen – zwar ohne Details

– die Grundgestalt solcher Öfen.

Wir erkennen viereckige Feuerkästen,

über welchen sich in der

Regel kuppelförmige Aufbauten

befinden. Die Feuerkästen wie die

Kuppeln sind mit Kacheln durchsetzt;

in zwei Fällen wird der Ofen

durch einen Aufsatz bekrönt.

Während aus dieser Zeit keine Öfen

vollständig erhalten sind, treten die

Kacheln als archäologische Funde

massenhaft in Erscheinung. Sie

standen und stehen im Zentrum der

meisten archäologischen Forschungen

zu Kachelöfen, ihre typologische

Entwicklung ist denn auch

recht gut bekannt 2 . Hier sollen uns

indessen nicht in erster Linie die

Kacheln, sondern der gesamte Aufbau

einfacher Kachelöfen des 13.

und frühen 14. Jahrhunderts beschäftigen.

Es sind Öfen, in deren

Wandung im wesentlichen Becher-,

Napf- oder Pilzkacheln, zum Teil

auch Kombinationen dieser Formen

eingesetzt waren. Diese Öfen

stehen entwicklungsgeschichtlich

vor den prunkvollen gotischen

Turmöfen mit Reliefkacheln, wie

sie in einem besonders gut erhaltenen

Beispiel im zweiten Beitrag

dieses Heftes präsentiert sind.

Bei der Frage nach dem Aussehen

von Kachelöfen mit Becher- und

Pilzkacheln sollen im folgenden

insbesondere auch die Lehmteile

miteinbezogen werden, denen in

der Forschung bisher kaum Beachtung

geschenkt wurde 3 . Es sind

meist unscheinbare Reste, denen

nur in mühsamer Kleinarbeit Aus-


sagen abgerungen werden können.

Das Aussehen der Kachelöfen ist

nicht zuletzt deshalb wenig bekannt,

weil grössere erhaltene

Ofenteile einen enormen Seltenheitswert

besitzen. Einige in den

vergangenen Jahren im Zürcher

Kantonsgebiet ergrabene Reste

und Funde ergeben nun neue Aufschlüsse

über das Erscheinungsbild

von Kachelöfen des 13. und

14. Jahrhunderts. Dabei handelt es

sich um einen ausserordentlich gut

erhaltenen Grabungsbefund eines

ebenerdigen Kachelofens sowie um

Überreste von bei Brandkatastrophen

aus Obergeschossen heruntergestürzten

Öfen.

Ofensockel und Ofenschutt –

ein aufschlussreicher

Fund aus der Winterthurer

Altstadt

Bei Rettungsgrabungen legten

Mitarbeiter der Kantonsarchäologie

Zürich 1995 in der Winterthurer

Metzggasse vorzüglich erhaltene

Reste eines Holzgebäudes

frei (Abb. 2) 4 . Der dendrochronologisch

ins Jahr 1208 datierte Raum

war von Anfang an mit einem

Bretterboden und mit einem Kachelofen

ausgestattet (Abb. 3–5) 5 .

Die ausserordentlich gute Erhaltung

ist auf besonders günstige

Umstände zurückzuführen. Als das

Haus um 1300 niederbrannte, lag

das Aussenniveau bereits rund 50

cm höher, weshalb die Brandruine

nicht abgetragen, sondern mit Kies

überdeckt wurde 6 . Die vollständig

verkohlten Bretter und Bohlen wie

auch Teile des Kachelofens sind

unter diesem Kies bemerkenswert

gut konserviert worden. Nach

einem erneuten Brand im 15. Jahrhundert

setzte man die Gassenflucht

zurück, wodurch die Hausreste

des 13. Jahrhunderts von jüngeren

Bodeneingriffen weitgehend

verschont geblieben sind.

Die Hausreste (Abb. 5)

Der Raum, in dessen Nordostecke

sich der Kachelofen befand, besass

einen auf Unterlagsbalken verlegten

Bretterboden. Dieser Bretter-

boden umschloss in der Nordostecke

den Kachelofen, der bereits

zur ersten Ausstattung des Raumes

gehörte. Die Wände bestanden aus

in Eckpfosten vernuteten eichernen

Bohlen. Da die Westwand nicht

mehr erhalten war, bleibt unbekannt,

ob der Raum quadratisch

oder rechteckig war. Die Fläche des

Raumes betrug mindestens 2,5 auf

3,5 m, somit gegen 9 m 2 . Türen

waren in den erhaltenen Wandpartien

nicht erhalten.

Südlich schloss ein weiterer,

schlichter ausgestatteter Raum an,

der sehr wahrscheinlich zum gleichen

Haus gehörte. Er besass einen

Fussboden aus gestampftem Lehm

78

Metzggasse

0 25 m 50 m

und eine bodenebene Feuerstelle.

Im Osten ist aufgrund eines

Lehmestriches mit einem dritten

Raum zu rechnen, von dem aus

möglicherweise der Kachelofen

beheizt wurde. Dieser Raum

reichte mindestens 4 m nach Osten.

Aus dem Grabungsbefund ergeben

sich keine Hinweise auf das Vorhandensein

eines Obergeschosses.

Auch der Standort des Kachelofens

im Erdgeschoss spricht für ein eingeschossiges

Gebäude.

Gegen Norden schloss eine andere

Parzelle an, deren Bauentwicklung

in diesem Zusammenhang nicht

weiter verfolgt wird. Im Westen

und Süden grenzte das Gebäude an

Steinberggasse

2: Lage der Grabungen Metzggasse (Punkt) und Obergasse 4 (Dreieck) in der Winterthurer Altstadt. Situation

des Hauses von 1208 an der Ecke Metzggasse/Steinberggasse. 1 Stube mit Kachelofen und Bretterboden,

2 Raum mit Feuerstelle und Lehmestrich, 3 Raum mit Lehmestrich. Nördlich schliesst ein zweiräumiges Haus

an. M. 1:500. Reproduziert mit Bewilligung des Vermessungsamtes der Stadt Winterthur vom 6.11.1997.


Gassen, die heutige Metzg- bzw.

Steinberggasse.

Der Kachelofen (Abb. 4) 7

Der Ofensockel mass etwa einen

Meter im Geviert und 30 cm in der

Höhe. Holzreste und Holzabdrücke

zeigen, dass der aus einer Kiesschüttung

bestehende Sockel mit

Eichenbalken eingefasst war. Die

Kiesschüttung war mit Lehm überdeckt,

auf dem das Feuer brannte.

Im Osten war in diesem Lehm eine

Mulde erkennbar, die möglicherweise

auf eine Befeuerung vom östlich

anschliessenden Raum hinweist.

Soweit in Resten erhalten,

spricht auch die Konstruktion des

Feuerkastens für einen nach dem

Prinzip des Hinterladers funktionierenden

Ofens.

Der Ansatz des aus Lehm gebauten

Feuerkastens zeigt innen einen runden

Grundriss. An der schmalsten

Stelle war die Wand des Feuerkastens,

der aussen auf dem Holzrahmen

aufruhte, 20 cm breit. Der

Feuerkasten bestand aus einem

zylinderförmigen, mit Lehm überdeckten

Geflecht, von dessen kreisförmig

angeordneten, im Sockel

steckenden Ruten noch verkohlte

Reste erhalten waren (Abb. 6).

Die Aussenseite des Ofens verziegelte

in der Hitze der Brandkatastrophe,

so dass zahlreiche Bruchstücke

erhalten blieben 8 . Zur Bestimmung

der Höhe des Feuerkastens

sind allerdings zuwenig

Fragmente erhalten. Gegen die

Ausstattung des Feuerkastens mit

Becherkacheln sprechen ausser dem

Geflecht in seinem Innern seine geraden

Wände, da sich immer eine

Rundung beobachten lässt, wenn

man Kacheln in die Lehmbruchstücke

mit Kachelabdrücken einsetzt.

Der obere Abschluss des viereckigen

Feuerkastens lässt sich auf zwei

Arten rekonstruieren: entweder war

er oben flach oder ging schräg in die

Kuppel über. Für letzteres spricht,

dass neben Lehmfragmenten, die

einen Winkel von 90° aufweisen

auch solche vorliegen, die einen

Winkel von 135° beschreiben.

Diese könnten aber auch zu breit

abgefassten Kanten gehören.

3: Winterthur-Metzggasse. In der Bildmitte sind die verkohlten Bretter des Bretterbodens erkennbar. Links

oben im Bild erkennt man den Sockel des Kachelofens, dessen südliche Hälfte durch eine jüngere Störung etwas

beeinträchtigt ist.

4: Winterthur-Metzggasse. Rekonstruktionszeichnung des Raumes mit dem Kachelofen. Ungesichert ist der flache

Übergang des Feuerkastens zur Kuppel.

Von der Kuppel stammen die verziegelten

Lehmstücke mit Kachelabdrücken.

Aufgrund der bereits

erwähnten Rundung dieser Fragmente

gelang es, den Durchmesser

der Kuppel mit knapp 60 cm zu bestimmen.

Die Kacheln waren sehr

dicht versetzt, sie lagen lediglich

1,5 bis 3 cm, höchstens 5,5 cm auseinander.

Für die Konstruktion der

Kuppel dienten rund 85 Becherkacheln

9 .

Beim Bau des Feuerkastens fixierte

man den noch weichen Lehm mittels

Tüchern, deren Abdruck noch

erhalten ist. Schliesslich überstrich

man den ganzen Ofen, also auch

die Kachelmündungen mit Lehmtünche.

Eine zweite Tüncheschicht

könnte eventuell auf eine Erneuerung

des Ofens hinweisen.

79

Die Kacheln (Abb. 7)

Die zum Teil vollständig erhaltenen

Kacheln erwecken bezüglich

Aussehen und Machart einen weitgehend

einheitlichen Eindruck.

Die unten zylindrisch, oben stark

ausladend geformte Wand weist

schwach ausgeprägte Riefen auf,

lediglich die Kacheln Abb. 8.3 und

8.17 zeigen 3 mm breite Furchen

an der Aussenseite 10 . Die feine

Sandmagerung enthält wenig

Glimmer und Kalkpartikel, vereinzelt

auch gröbere Einschlüsse. Auf

einen unregelmässigen oxidierenden

Brand verweist die orange bis

hellgraue Tonfarbe. Quellränder

und Abdrücke von Sand auf den

Böden zeugen von deren Herstellung

auf der Töpferscheibe.


1

2

3

10

100 m 101 m 102 m 103 m

Aufgrund der unterschiedlichen

Ausprägung der Randform lassen

sich zwei Hauptgruppen bilden:

Kacheln mit Lippenrand (Abb.

7.1–4 und 6; insgesamt 9 Exemplare)

und Kacheln mit horizontal

oder schräg nach innen abgestrichenem

Steilrand (Abb. 7.5 und

7.7–17; insgesamt 33 Exemplare).

Da die Kacheln der zweiten Hauptgruppe

einen weitgehend einheitlichen

Charakter zeigen, dürften

zumindest sie in der gleichen Töpferei

entstanden sein. Einzig die

Kachel Abb. 7.17 fällt innerhalb

dieser Gruppe durch die bereits er-

9

4

7

6

5

3

14 m

13 m

12 m

11 m

10 m

5: Winterthur-Metzggasse. Plan der Befunde. 1 Wandbohlen, 2 Bretterboden, 3 Unterlagsbalken, 4 Rahmen

aus Eichenbalken, 5 Ofensockel aus Kies, 6 Lehmschicht, 7 Ruten des Geflechts des Feuerkastens, 8 Lehmestrich,

9 Feuerstelle, 10 Kiesplanie.

wähnten Furchen sowie die grössere

Mündung auf. Die Lehmabdrücke

zeigen jedoch klar, dass Kacheln

wie Abb. 7.3 und 17 tatsächlich im

Ofen eingesetzt waren.

Ein Vergleich unseres Kachelmaterials

mit Kacheln aus zwei um

1300 datierten Fundkomplexen

von der Marktgasse 54 und der

Stadtkirche bestätigt, dass die Kacheln

bereits zum 1208 gesetzten

Ofen gehören 11 . Von den jünger

datierenden Fundkomplexen unterscheiden

sich die Becherkacheln

der Metzggasse vor allem durch

ihre Form, die schwache Riefelung

80

8

8

der Wand und das Fehlen von

Abschneidespuren auf der Bodenunterseite,

welche vom Ablösen der

Kachel von der Töpferscheibe mittels

eines Drahtes herrühren. Auch

ist bei den jüngeren, meist annähernd

zylindrischen Kacheln eine

Tendenz zur Vergrösserung von

Mündung und Gesamtform festzustellen.

Ein weiterer zeitlicher

Anhaltspunkt stellt das Fehlen von

Pilzkacheln dar 12 .

Zur Lebensdauer des Ofens

Das dendrochronologisch ermittelte

Baudatum 1208 und der Brand

um 1300 ergeben eine Benützungsdauer

des Kachelofens von gegen

100 Jahren. Mit Ausnahme der beiden

etwas aus dem Rahmen fallenden

Kacheln Abb. 7.3 und 7.17 und

der zweiten Tüncheschicht auf dem

Lehm liefert das Fundmaterial

keine Hinweise auf Reparaturen am

Ofen. Denkbar wäre höchstens eine

Erneuerung der Kuppel unter weitgehender

Wiederverwendung der

Kacheln und eine neue Tünchung

des Feuerkastens.

Die Bedeutung des Winterthurer

Kachelofens

An der Metzggasse gelang es, ein

mehrräumiges Haus zu untersuchen,

dessen Räume unterschiedlichen

Zwecken dienten (Abb. 2). Im

Süden und Osten lagen aufgrund

ihrer Ausstattung untergeordnete

Räume. Der südliche Raum besass

einen Lehmestrich und eine bodenebene

Feuerstelle. Da der als Hinterlader

vom Nebenraum her bediente

Kachelofen nicht bei dieser

Feuerstelle stand, wird der Raum

im Osten ebenfalls eine Feuerstelle

aufgewiesen haben. Vielleicht wurde

dieser Raum, der ebenfalls nur

einen Lehmestrich besass, unter anderem

als Küche genutzt.

Zur Metzggasse hin befand sich die

Stube mit Kachelofen und Bretterboden

– der rauchfreie Aufenthaltsraum.

Leider konnte bei keinem

der übrigen Räume eine Wandkonstruktion

untersucht werden, weshalb

unklar bleibt, ob Bohlen

lediglich bei den Stubenwänden

verwendet wurden. Wäre dies der

Fall, so hätten wir ein frühes Bei-


spiel einer Bohlenstube vor uns, wie

sie uns bei spätmittelalterlichen

Bauernhäusern im nördlichen Kanton

Zürich begegnet 13 .

Von besonderer Bedeutung ist die

Möglichkeit, den Kachelofen aufgrund

seines guten Erhaltungsgrades

weitgehend rekonstruieren

zu können (Abb. 4). Als Befund

ergraben sind der Sockel mit

Eichenholzeinfassung und die Ruten

des korbartigen Geflechtes des

Feuerkastens. Das Aussehen des

Feuerkastens und die Konstruktion

der Kuppel mit den Becherkacheln

können aus dem Ofenlehm und den

darin enthaltenen Abdrücken erschlossen

werden.

Befunde ebenerdiger Kachelöfen,

die älter als 1300 datieren, sind nur

von Laufen-Ratshausplatz BL 14 ,

von der Frohburg SO 15 , von Zürich-

Münsterhof 16 , Freiburg i.Br.-Harmoniegelände

17 und möglicher-

7: Winterthur-Metzggasse. Becherkacheln. M. 1:3.

6: Winterthur-Metzggasse. Detailaufnahme des Kachelofensockels. Erkennbar sind die kreisförmig im Sockel

angeordneten Reste der Ruten.

1 2 3 4 5

6 7 8 9 10 11

12 13 14 15 16 17

81


weise Schiers-Chrea GR 18 bekannt

19 . Im Gegensatz zum Ofen

der Metzggasse wird in Zürich-

Münsterhof sowie auf der Frohburg

und in Freiburg i.Br.-Harmoniegelände

der Ofensockel

von einem Mäuerchen umgeben,

das die Rolle des Holzrahmens

übernimmt. In Zürich-Münsterhof

scheint ein Rutengeflecht

zur Konstruktion der Kuppel

gedient haben. Die Kacheln

lagen dagegen – so zeigt es jedenfalls

die Rekonstruktion 20 –

weiter auseinander als an der

Metzggasse und an anderen

Fundorten 21 .

Verstürzte Kachelöfen aus

mehrgeschossigen Bauten

Insbesondere zwei Umstände

führten zu der guten Erhaltung

des Kachelofens an der Winterthurer

Metzggasse: er stand

in einem nicht unterkellerten,

ebenerdigen Raum und wurde

bei der Neuüberbauung der Parzelle

nicht abgetragen sondern

mit einer Kiesplanie überdeckt. Mit

dem Aufkommen mehrgeschossiger

Bauten verlegte man die Stube

und damit auch den Kachelofen

oft in ein Obergeschoss. Damit

verändert sich die archäologische

Überlieferungssituation grundlegend.

Vielleicht kann zwar gelegentlich

aufgrund unscheinbarer

Spuren bei einer Bauuntersuchung

der Standort eines Kachelofens

nachgewiesen werden, die Öfen

selbst sind an Ort und Stelle indessen

für die uns hier interessierende

Zeit – für das 13. und das frühe

14. Jahrhundert – nicht erhalten

geblieben.

Nicht selten finden sich aber ihre

fragmentarischen Überreste im Boden.

Besonders günstig sind die

Überlieferungsbedingungen bei einem

Hausbrand, bei dem der

in einem Obergeschoss stehende

Kachelofen herunterstürzte. Seine

Überreste liegen dann im untersten

Geschoss, sei es im Keller oder im

Erdgeschoss. Bei einer Ausgrabung

finden wir ein Durcheinander von

verkohlten Balken und Brettern

der Gebäudekonstruktion, von Ka-

8: Hofstetten-Burg Schauenberg. Detail des Ofenversturzes im Keller des Wohnturmes. Im Brandschutt liegen

zahlreiche Ofenkacheln und Lehmteile.

82

chelscherben und verziegeltem

Lehm des Ofens. Die Lehmteile

können unterschiedlich geformt

sein: gerade oder gewinkelte Stücke

stammen vom Feuerkasten oder der

Ofenwand, weiter finden sich Fragmente

mit Kachelabdrücken der

einst im Ofen eingesetzten Kacheln

und plastische Zierelemente

der Ofenwand.

Reste heruntergestürzter Kachelöfen

sind sowohl in Städten wie

auch auf Burgen recht häufig belegt,

zwei Beispiele seien im folgenden

etwas näher vorgestellt.

Burg Schauenberg bei Hofstetten

Die Ausgrabungen auf der östlich

von Winterthur gelegenen Burg

Schauenberg bei Hofstetten ZH

haben zahlreiche Ofenbestandteile

zutage gefördert 22 . Während der

Schleifung der Burg um 1344

sind sämtliche Gegenstände der Innenausstattung

des Wohnturms –

unter anderem die Kachelöfen

einem Grossbrand zum Opfer gefallen

und in den Keller gestürzt

(Abb. 8). Die hohe Anzahl von 378

Ofenkacheln aus der Kellerverfüllung

deutet auf mindestens zwei

Kachelöfen, die einst in den Obergeschossen

des Wohnturms standen:

Ein etwas älterer Ofen aus

der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts

mit unterschiedlich ausgeformten

Becherkacheln und ein

zweiter Ofen aus der ersten Hälfte

des 14. Jahrhunderts mit grossen

Becherkacheln, Napfkacheln und

Kacheln mit viereckiger Mündung

23 .

Winterthur-Obergasse 4

An der Winterthurer Obergasse 4

bot sich den Ausgräbern ein ähnliches

Bild wie auf dem Schauenberg.

Nach einem Hausbrand in der

zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts

stürzte ein Kachelofen in den

Keller, der anschliessend mit Kies

aufgefüllt wurde. Aufgrund der Beschaffenheit

der Ofenkacheln und

der Kachelabdrücke an den Lehmteilen

handelt es sich um die Reste

eines einzigen Ofens 24 .

Im Gegensatz zu den idealen Erhaltungsbedingungen

beim oben


vorgestellten Kachelofen in der

Winterthurer Metzggasse sind heruntergestürzte

oder umgelagerte

Öfen nur schwer rekonstruierbar.

Zunächst gilt es zu klären, von welcher

Anzahl von Kachelöfen der

Schutt stammt. Zudem sind die Informationen

ganz allgemein fragmentarischer,

dennoch liefern die

Überreste wichtige Hinweise zur

Konstruktion und Gestaltung eines

Ofens. Meistens ist bei Ofenverstürzen

eine Gesamtrekonstruktion

des Ofens indessen kaum möglich.

Elemente der

Ofenkonstruktion

Die Lehmteile ermöglichen Rückschlüsse

auf die Konstruktion des

Ofenkörpers. Zur Erhöhung der

Festigkeit wurde dem Lehm Stroh

beigemischt. Bei grösseren Lehmteilen

– vermutlich des Feuerkastens

– fallen grosse Negative

auf, die sehr wahrscheinlich von

Kieseln stammen (Abb. 15.4) 25 .

Diese hatten dem Lehm einen besseren

Halt zu verleihen und dienten

vermutlich auch als Hitzespeicher.

Mitunter kann auch Baukeramik

im Ofen eingesetzt sein 26 .

Die nicht mit Kacheln durchsetzte

Aussenseite der Öfen wurde mit

gebrauchten Stoffresten überdeckt,

wie flache Lehmteile vom Schauenberg

bei Hofstetten und der Winterthurer

Metzggasse zeigen. Diese

sich heute in Resten oder Abdrücken

erhaltenen Textilien hatten

die noch feuchte Ofenwand zu

festigen. Darauf folgt eine fein verstrichene

Lehmschicht, die auch die

Kacheln überdecken kann. Diese

Lehmtünche zählt stellenweise bis

zu vier Schichten; offenbar musste

die Ofenaussenseite von Zeit zu

Zeit mit frischem Lehm überstrichen

werden (Abb. 12).

Die Entwicklung vom einfachen

Becherkachelofen zu Öfen mit

mehreren Kacheltypen

Der Kachelofen in der Metzggasse

in Winterthur weist einen einzigen

Kacheltyp auf, die Becherkachel.

Im Verlaufe des 13. Jahrhunderts

werden verschiedene Kacheltypen

am gleichen Ofen vermauert. So

zeigt der in die zweite Hälfte des

13. Jahrhunderts datierende Kachelofen

an der Obergasse 4 in

Winterthur neben Becherkacheln

auch Pilzkacheln in der Ofenwand

27 . Das Nebeneinander von

Becher- und Pilzkacheln ist aufgrund

der Kachelabdrücke im

Ofenlehm eindeutig nachgewiesen

(Abb. 9). Zudem lässt sich an diesen

Lehmteilen die Dicke der Ofenwand

ermitteln, die etwa 10 cm

misst.

Die Pilzkachel stellt eine Weiterentwicklung

in der Kachelverwendung

dar. Während bei den Becherkacheln

der Boden gegen das Ofeninnere

liegt, wird der Abschluss

der Pilzkachel – als Halbkugel ausgeformt

– nach aussen gesetzt. Die

runden, aus der Ofenwand hervortretenden

Buckel der Pilzkacheln

dienen zugleich als Verzierung des

Ofenkörpers. In der Nordwestschweiz

sind glasierte Pilzkacheln

mit einer Reliefverzierung – z.B. in

Form eines stilisierten menschlichen

Gesichtes – aus der ersten

Hälfte des 14. Jahrhunderts belegt

28 .

Das Nebeneinander verschiedener

Kachelformen ist auch beim jüngeren

Ofen aus der ersten Hälfte des

14. Jahrhunderts auf der Burg

Schauenberg bei Hofstetten nachgewiesen.

Neben Napfkacheln und

grossen Becherkacheln, waren an

diesem Ofen in der Schweiz selten

belegte Kacheln mit viereckiger

Mündung vermauert (Abb. 10).

Abb. 11 zeigt einen feinen Lehmstreifen

zwischen zwei Kacheln mit

viereckiger Mündung; der Abstand

zwischen den beiden Kacheln ist

an dieser Stelle sehr gering. Die

viereckige Form dieser Kacheln

weist auf die in der ersten Hälfte des

14. Jahrhunderts aufkommenden,

aussen geschlossenen Blattkacheln.

Bereits mit den viereckigen Kacheln

vom Schauenberg bestand die

Möglichkeit, Kacheln so bündig zu

vermauern, dass der Lehm des

Ofenkörpers kaum mehr sichtbar

war. Das Bestreben, eigentliche

Kachelwände aufzubauen, führt

83

dann weiter zum spätgotischen

Turmofen.

Die im Lehm erkennbaren Kachelabdrücke

aus dem Ofenversturz

auf der Burg Schauenberg zeigen

Negative der Kachelriefelung oder

– bedeutend häufiger – Negative

des Kachelrandes (Abb. 12). Interessant

ist der Einbau der Gefässe:

die Napfkacheln waren z.T. unterschiedlich

tief in der Ofenwand vermauert

29 . Die zeichnerische Rekonstruktion

eines Ofenwandbereiches

zeigt drei Napfkacheln mit verschiedener

Lage und Orientierung

(Abb. 13). Die untere Napfkachel

ist schräg, 3,5 cm tiefer zum Ofeninneren

gesetzt als die oberen beiden.

Schliesslich lässt das Ensemble

erkennen, dass die Ofenwand eine

leichte Rundung aufgewiesen hatte.

Ähnlich wie auf Burg Schauenberg

wurden unglasierte Napfkacheln

aus Andelfingen ZH in die Ofenwand

gesetzt (Abb. 14) 30 . Eine Rekonstruktion

der Ofenwand aus

Lehm und Napfkacheln zeigt über

zwei Reihen von Napfkacheln einen

um 3,5–7 cm zurückversetzten

Bereich der Ofenwand, ebenfalls

mit Napfkacheln. Interessant ist

dort die etwas abgeschrägte Lage

der obersten Kachelreihe, die auf

einen abgerundeten Bereich des

Ofenkörpers weist. Der Abstand

zwischen den einzelnen Napfkacheln

variiert zwischen 1,5 und 8

cm. Die Gefässkörper waren z.T. bis

zum Boden vollständig vermauert,

d.h. die Dicke der Ofenwand entspricht

an dieser Stelle der Kachelhöhe.

Die künstlerische Gestaltung

der Ofenwand

Allgemein wurden der Randbereich

der Becher- und Napfkacheln

und die Kalotte der Pilzkacheln

mit Lehm fein verstrichen, bei

den Kacheln aus der Burg Schauenberg

ist gar die ganze Innenfläche

mit Lehmschlicker überdeckt. Die

mit Lehm bedeckten Ofenkacheln

zeichneten sich im Ofen nicht als

Gefässe ab, sondern bildeten Höhlungen

und aus der Ofenwand hervortretende

Buckel. Der Kachel-


1 2 3 4

5 6 7 8

9 10

9: Winterthur-Obergasse 4. Unglasierte Becherkacheln (1–4) und Pilzkacheln (5–8). Lehmteil mit Abdrücken von zwei Becherkacheln und einer Pilzkachel (9) und

zeichnerischer Rekonstruktion der Lehmwand mit eingesetzten Becher- und Pilzkacheln (10) aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. M. 1:3.

84


1 2 3

5 6

10: Hofstetten-Burg Schauenberg. Becherkacheln (1-2), Napfkacheln (3–4) und Kacheln mit viereckiger Mündung (5–6) aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts.

M. 1:3.

4

85


11: Hofstetten-Burg Schauenberg. Kacheln mit viereckiger Mündung, dazwischen Lehm der Ofenwand, die an

dieser Stelle leicht abgerundet ist.

12: Hofstetten-Burg Schauenberg. Napfkachel und Lehmteile mit Abdrücken von Kachelrändern.

ofen an der Obergasse 4 wurde zudem

mit Kalk geweisselt, wodurch

der Ofenkörper eine einheitliche

Erscheinung erhielt.

Weitere Lehmteile des Feuerkastens

und der Ofenwand zeigen,

dass die Ofenwand selbst Objekt

künstlerischer Gestaltung war, wie

nachfolgende Beispiele zeigen.

Obergasse 4 in Winterthur

Drei aus dem Ofenversturz an der

Obergasse 4 in Winterthur stammende

Lehmfragmente der Ofenwand

weisen einen ähnlichen Winkel

auf und könnten ursprünglich

über dem Einfeuerungsloch gele-

gen oder einen geraden Abschluss

des Ofenkörpers gebildet haben

(Abb. 15.1–3) 31 . Vielleicht stammen

sie auch von Abtreppungen

der Ofenwand. Plastisch aus der

Ofenwand hervortretende Lehmteile

dienten wohl als Verzierung

(Abb. 15.4–6; Abb. 16). Eine Gliederung

der Ofenwand durch Leisten

und andere plastisch hervortretende

Teile zeigt der teilweise rekonstruierte

Kachelofen von Andelfingen

(Abb. 14).

Maschwanden

In einem Ofenversturz aus dem

1309 zerstörten Städtchen Ma-

86

schwanden sind Becherkacheln und

reliefierte, 1,5–3,5 cm dicke Lehmteile

in Form von gotischem Masswerk

belegt (Abb. 17–18) 32 . Es

handelt sich dabei um zwei Spitzbogen

mit blasenförmigen Eintiefungen.

Sie nehmen bereits die

reliefierten Blatt-, Nischen- und

Kranzkacheln mit Architekturdarstellungen

vorweg, welche im 14.

Jahrhundert modisch werden 33 . Die

Zuweisung der Lehmteile und der

Becherkacheln zu einem Ofen ist

durch die Fundlage gegeben.

Ofenaufsatz

Als oberer Abschluss wurden bei

vereinzelten Öfen Aufsätze angebracht.

An der Obergasse 4 in Winterthur

ist ein in Form eines Gesichtes

gestalteter Aufsatz aus

Lehm belegt (Abb. 19) 34 . Dieses

Gesicht wurde wie die übrigen

Teile der Ofenwand mit Kalk geweisselt,

und der obere, flache Abschluss

diente vermutlich als Ablagefläche.

Speziell an diesem Aufsatz

ist nicht nur das vollplastisch

gestaltete Gesicht sondern auch die

aus eingesetzten Glasschlacken bestehenden

Augen.

Vom Masswerk in Lehm

zu mannigfaltigen Kachelformen

Mit dem Gebäude an der Metzggasse

in der Winterthurer Altstadt

fassen wir ein mehrräumiges Haus

aus dem beginnenden 13. Jahrhundert,

in welchem die einzelnen

Räume verschiedene Funktionen

erfüllten. Die mit Bretterboden

und Kachelofen ausgestattete Stube

diente als Aufenthaltsraum, während

die östlich und südlich anschliessenden

Räume mit Lehmestrich

und bodenebener Feuerstelle

als Arbeitsräume genutzt

wurden.

Die Erfindung der Kachelöfen ist

eng mit dem Ursprung der Stube

im Sinne eines rauchfrei heizbaren

Aufenthaltsraumes verbunden. Einen

weiteren Schritt im Hausbau

stellt die Verlegung der Stube ins

erste Obergeschoss dar. Dies führt


A – B

A

D

C

13: Hofstetten-Burg Schauenberg. Rekonstruktion eines Ofenwandbereiches mit Napfkacheln. Die oben rechts eingesetzte Napfkachel deutet auf einen leicht abgerundeten

Bereich der Ofenwand (Schnitt A–B). Die untere Napfkachel ist tiefer als die beiden oberen und schräg in der Ofenwand vermauert (Schnitt C–D). M. 1:3.

87

B

C – D


14: Andelfingen-Strehlgasse. Rekonstruktion der Ofenwand aus Napfkacheln und Lehm. Die obere Kachelreihe

ist etwas zurückversetzt.

16: Winterthur-Obergasse 4. Plastisch verziertes Lehmteil.

88

dann zu einer veränderten Fundsituation

für die Archäologie. Bei

Ausgrabungen kommen bestenfalls

noch heruntergestürzte Kachelöfen,

meist aber nur wenige Fragmente

von Kacheln und Lehm

zum Vorschein. Aussagen über das

Aussehen der Öfen sind dann erst

nach langwieriger Kleinarbeit

möglich.

Demgegenüber lieferte der Ofen

von der Winterthurer Metzggasse

als ebenerdig erhaltener Befund unmittelbar

vor Ort wichtige Aufschlüsse

zum Aussehen eines

Kachelofens um 1200. Auf einem

von einem Holzrahmen umfassten

Sockel sass der Feuerkasten, welcher

mittels eines Rutengeflechtes

konstruiert war und keine Kacheln

enthielt. Zur Festigung der Feuerkastenwand

verwendete man Textilreste,

die man anschliessend mit

Tünche überstrich. Die Becherkacheln,

rund 85 an der Zahl, sassen

in der Kuppel eng nebeneinander.

Da ebenfalls mit Tünche überstrichen,

waren die einzelnen Gefässe

gar nicht sichtbar; dem Betrachter

bot sich nur ein Anblick

von offenen Höhlungen. Dieser Kachelofen

war soweit ersichtlich

nicht durch spezielle Verzierungen

ausgezeichnet, er war als fortschrittliche

Heizung ein für sich

sprechendes Wertobjekt.

Im Verlauf des 13. Jahrhunderts

wird der Ofen zunehmend zum Gegenstand

künstlerischer Gestaltung.

In Maschwanden sind Teile

der Ofenwand mit plastischem

Masswerk verziert, wie es dann im

14. Jahrhundert als Motiv der

Reliefkacheln erscheinen wird. Mit

der Verwendung der Pilzkachel

entsteht auf der Oberfläche des

Ofens ein spannungsgeladener Gegensatz

von runden Höhlungen

und vorspringenden Buckeln, dies

wohl auch von der funktionellen

Bestrebung ausgehend, die hitzeabstrahlende

Oberfläche des Ofens

zu vergrössern. Die Kachel als Einzelstück

ist aber immer noch unbedeutend,

die Mündungen der

offenen Kacheln sowie die Kalotten

der Pilzkacheln sind unter Lehmverstrichen

verborgen. Dem oberen


Abschluss des Ofens wird zunehmend

Bedeutung beigemessen. An

der Obergasse 4 bekrönte ein aus

Lehm modelliertes Gesicht den

Ofen, später übernehmen keramische

Gefässe diese Rolle.

Bei den Kachelöfen des beginnenden

14. Jahrhunderts wird weiter

mit der Verwendung verschiedener

Kacheltypen – zu den Becher- und

Pilzkacheln gesellen sich weite

1 2 3

4 5

6

15: Winterthur-Obergasse 4. Lehmteile mit ähnlichem Winkel (1–3) und aus der Ofenwand plastisch hervortretende Lehmteile (4–6). M. 1:3.

Napfkacheln, sowie Kacheln mit

viereckiger Mündung – und der

Gestaltung des Ofenkörpers experimentiert.

Einerseits bieten die Kacheln

Spielraum zur Gestaltung

der Oberfläche, die Kachel wird in

diesem Jahrhundert durch Reliefverzierung

und Glasur als einzelner

Bildträger eine herausragende Rolle

übernehmen. Andererseits kann

die Ofenwand durch Abtreppungen,

plastische Gliederungen und

89

der Anordnung und Orientierung

der Kacheln interessanter gestaltet

werden. Am Ende dieser Entwicklung

steht schliesslich der spätgotische

Turmofen, bei welchem

der Ofenlehm gar nicht mehr sichtbar

ist.

Durch die Bearbeitung einer unscheinbaren

Fundgruppe, dem

Ofenlehm, der bislang eine untergeordnete

Rolle spielte, bei frühe-


en Grabungen auch nicht systematisch

gesammelt worden ist, war

es möglich, einiges über das Aussehen

früher Kachelöfen in Erfahrung

zu bringen. Es entsteht ein

lebendigeres Bild, als es die Bildquellen

vermuten liessen (Abb. 1

und 21). Dies nicht zuletzt deshalb,

weil dem Ofenbauer im 13. und

beginnenden 14. Jahrhundert ein

weites Feld zum Experimentieren

zur Verfügung stand und die Öfen

weitgehend Unikate darstellten.

Die auf den ersten Blick funktional

wirkenden Öfen besassen bereits

früh Zier- und architektonische

Gliederungselemente. Betrachtet

1 2

man die vorgelegten Beispiele, so

zeichnet sich ab, dass zunächst

der Lehm selbst eine wichtige Rolle

für Konstruktion und Verzierung

des Ofens spielt. Die Keramik

übernimmt dann zunehmend diese

Funktionen des Lehms, der schliesslich

zum nicht mehr sichtbaren

Bindemittel der Kacheln verkommt.

Diese Entwicklung spiegelt

sich sehr schön bei zwei Ofenaufsätzen

aus der Winterthurer

Altstadt wider, die beide ein Gesicht

zeigen. Während der Aufsatz

aus der Obergasse 4 der zweiten

Hälfte des 13. Jahrhunderts aus

massivem Lehm besteht (Abb. 19),

90

4

17: Maschwanden-Städtchen. Ausgrabung «Im Staad» 1934. Unglasierte Becherkacheln (1–3) und plastisch verzierte Lehmteile (4) aus der ersten Hälfte des 13.

Jahrhunderts. M. 1:3.

ist jener der Tösstalstr. 7 des 14.

Jahrhunderts aus Keramik gefertigt

(Abb. 20). Weitere, zum Teil

mühselige Kleinarbeit voraussetzende

Forschung bleibt aber noch

zu leisten, um weitere Aufschlüsse

zu erhalten und konstruktive Fragen

zu lösen.

Résumé

3

Les fouilles de sauvetage à la Metzggasse,

dans la vieille ville de Winterthur,

ont mis au jour une maison

de plusieurs pièces remontant au

tout début du XIII e siècle. Le sol de


deux des pièces était simplement en

terre battue, avec un foyer; la troisième

était dotée d’un plancher avec

un poêle en carreaux au niveau du

sol. L’aménagement de cette chambre

a pu être daté par dendrochronologie

de l’année 1208.

Un des résultats les plus intéressants

est celui d’avoir pu restituer ce

poêle dans une très large mesure. Le

corps de chauffe, en clayonnage,

était posé sur un cadre en bois; ses

parois étaient consolidées par des

restes de tissu recouverts d’un badigeon.

Les carreaux-gobelets, au

nombre de 85, reposaient côte à

côte dans le dôme, sur le corps de

chauffe. Ils étaient complètement

recouverts d’argile, de manière à

n’offrir au regard que les cavités

ainsi formées.

L’apparition des poêles en carreaux

est en relation étroite avec celle de

la chambre, dans le sens d’une pièce

de séjour chauffable sans dégagement

de fumée. Dans les châteaux

et les villes, cette chambre occupait

souvent le premier étage des bâtiments

de plusieurs niveaux. En cas

d’incendie, le poêle tombait ainsi au

rez-de-chaussée ou à la cave; la fouille

révèle ainsi, pêle-mêle, un amas

de carreaux et de morceaux d’argile.

Ces éléments, pourtant, après

un examen patient et méticuleux,

constituent de précieux témoins de

l’aspect des poêles des XIII e et XIV e

siècles. Le point de départ de notre

recherche est constitué par le

matériel des fouilles de Andelfingen-Strehlgasse,

du château de

Hofstetten à Schauenberg, de la

petite ville de Maschwanden et de

Winterthur-Obergasse 4.

Si le poêle en carreaux n’est à l’origine

qu’un objet utilitaire, il s’enrichit

d’un décor qui apparaît et se

développe au cours du XIII e siècle.

Ce sont d’abord les parties en argile

qui seront décorées; à Maschwanden,

elles sont façonnées en relief,

en prélude aux motifs moulés des

carreaux du XIV e siècle. L’utilisation

du carreau-champignon permet

de créer sur les parois et le dôme

du fourneau un jeu contrasté entre

18: Maschwanden-Städtchen. Ausgrabung «Im Staad» 1934. Plastisch verzierte Lehmteile.

cavités circulaires et saillies arrondies,

qui augmentent aussi la surface

de rayonnement du poêle. Le

corps supérieur du fourneau était

surmonté d’une mitre décorée, entièrement

en argile à l’origine, en

céramique par la suite.

Le début du XIV e siècle voit apparaître,

à côté des gobelets et des

champignons, de nouveaux types de

carreaux, en large bol ou à ouverture

quadrangulaire, en parallèle avec de

nouvelles expériences sur la forme

des corps de chauffe. D’une part,

les carreaux offrent une grande

variété dans la décoration de la

surface, qui jouera un rôle prépondérant

au cours du XIV e siècle

en devenant, avec le moulage en

relief et la glaçure, le support principal

de l’image. D’autre part, les

parois du four peuvent être animées

par des décrochements et mouvements

divers, ou encore par l’ordonnance

et l’orientation des carreaux.

Le poêle à tour, d’époque gothique

tardive, constitue l’aboutissement

de ce développement; l’argile n’y

est plus visible et ne sert plus que

de joint de colmatage entre les carreaux.

L’argile des fourneaux est un objet

de fouille qui ne paie pas de mine et

91

19: Zürich-«Haus zum langen Keller». Fresko des

Monats Dezember mit Kachelofendarstellung. Anfang

14. Jahrhundert.

qui n’a bénéficié jusqu’ici que d’une

maigre considération, au point de

ne pas avoir été systématiquement

prélevé lors des fouilles anciennes.

Son étude a pourtant montré que ce

matériel est très précieux pour tenter

de restituer l’aspect des premiers

poêles. Il en ressort une image plus

vivante que ce que laissait présumer

l’iconographie, notamment parce

que le fabricant de poêles du XIII e

et du début du XIV e siècle dispose

d’un vaste champ d’expérimentation,

qui aboutira à la fabrication


20: Winterthur-Obergasse 4. Ofenaufsatz aus Lehm in Form eines Gesichtes. Masse: Höhe 15 cm; Breite unten

11 cm, Breite oben 16,5 cm.

21: Winterthur-Tösstalstrasse 7. Ofenaufsatz aus Keramik in Form eines Gesichtes.

d’objets uniques. Les poêles, objets

purement fonctionnels à première

vue, présentent tôt des éléments

décoratifs, tant en surface qu’en

volume. Il faudra encore bien du

travail, souvent fastidieux, pour résoudre

tous les problèmes constructifs

et développer les premiers résultats

de cette recherche.

(François Christe, Lausanne)

Riassunto

Durante gli urgenti lavori di scavo

intrapresi nel vicolo Metzggasse situato

nel centro storico di Winterthur,

venne riportata alla luce la

vestigia di un ampio edificio residenziale

risalente agli inizi del XIII

secolo. Purtroppo i piani pavimentali

di due ambienti della casa pre-

92

sentano una superfetazione in cotto,

il riscaldamento dei due locali avveniva

per mezzo di un caminetto.

Una terza stanza invece presenta

una pavimentazione lignea ed era

dotata di una stufa in terracotta.

L’analisi dendrocronologica ci ha

consentito di identificare la data

della costruzione della sala che risulta

risalire al 1208.

Il fatto di aver ricreato l’aspetto e la

composizione assunta dalla stufa in

terracotta, ricopre una importanza

fondamentale. Su di una apposita

intelaiatura in legno, poggiava la

camera di combustione costruita

con una sottile diramazione di aste

intrecciate. Per rafforzare la parete

della camera di combustione vennero

usati dei resti tessili successivamente

intonacati con uno strato

protettivo in calce. Le terracotte a

forma di calice, 85 in tutto, connesse

in stretto contato fra loro, erano

collocate sulla cupola sopra la camera

di combustione. Anche questi

manufatti erano a loro volta trattati

con argilla, anche se l’occhio dell’osservatore

non poteva vedere l’interno

del vano, ma solamente la cavità

aperta verso l’esterno.

L’invenzione della stufa è da ricollegare

con le origini della sala, nel

contempo lo scopo principale era

quello di avere un ambiente di intrattenimento

riscaldato, ma allo

stesso tempo privo di esalazioni di

fumo. Sugli edifici a più piani, nei

castelli, o nelle città la sala era posta

generalmente al primo piano. Causa

un incendio di vaste proporzioni la

stufa in questione sprofondò al pian

terreno o nello scantinato. Proprio

per questo motivo durante gli scavi

si è venuta a creare una situazione di

scompiglio causata dall’insieme dei

cocci delle terrecotte o maioliche, e

le pavimentazioni in cotto dei solai.

Tramite una accurata analisi delle

parti della stufa rinvenute si é

potuto determinare innanzitutto

l’aspetto delle stufe nel XIII e XIV

secolo. Il punto di riferimento delle

nostre ricerche è stato ricollegato

ad una attenta indagine preliminare

di alcuni precedenti ritrovamenti,

quelli nel vicolo Andelfin-


gen Strehlgasse, nel castello Schauenberg

ad Hofstetten, nella cittadina

di Maschwanden e nel vicolo

Obergasse 4 a Winterthur.

Mentre alle origini la stufa di

terracotta era prevalentemente

concepita per scopi funzionali, col

trascorrere del XIII secolo venne

curata di più anche la sua estetica,

e la forma artistica. Inizialmente

nel XIII secolo vennero decorate le

parti in superficie di terracotta. A

Maschwanden le fattezze scultoree

sono state eseguite direttamente

sulle pareti in cotto della stufa, in

seguito nel XIV secolo i motivi saranno

rappresentati sulle maioliche

in rilievo. L’utilizzo di maioliche a

forma di fungo, sporgenti, inserite

sul blocco sommitale della stufa,

in abbinamento alle altre con le

bocche rotonde aperte ad imbuto,

caratterizzeranno una particolare

sorta di contrasto. Questo criterio

costruttivo avrà anche il duplice

scopo di accrescere il calore erogato

dal blocco refrattario della parte superiore

della stufa. La parte sommitale

della stufa sarà rappresentata

con elementi decorati, inizialmente

realizzati in terracotta, ed in seguito

in ceramica.

Le stufe di maiolica agli inizi del

XIV secolo saranno caratterizzate

da una composizione mista multiforme

di maioliche, in accostamento

a quelle a forma di calice, e

di fungo, si aggiungeranno quelle a

forma di coppa, così come quelle a

sbocco quadrangolare, insomma le

rappresentazioni sul corpo della

stufa verranno più volte sperimentate.

Per un certo senso le maioliche

offrono larghe prospettive per le

creazioni delle facciate. Oltretutto

in questo secolo esse verranno decorate

con immagini in rilievo e smaltate,

esse avranno un ruolo fondamentale

nella rappresentazione

delle immagini. Da un altro senso

le facciatè articolate a scalare conferiranno

al corpo della stufa una certa

plasticità, anche la disposizione e

collocazione delle maioliche diverrà

più interessante. Il progressivo perfezionamento

e la diffusione di

nuove tecniche costruttive segnerà

la conclusione di questo sviluppo,

subentreranno definitivamente le

stufe a forma di torre del tardo gotico,

completamente ricoperte, in

questo caso giocherà un ruolo molto

importante il legame delle maioliche.

Solo grazie ad un meticoloso lavoro

di studio delle parti in cotto della

stufa ritrovate si é arrivati alle conclusioni

per un preciso inquadramento.

Non è stato un compito facile

rendere leggibile questi reperti,

difatti essi fino ad ora avevano assunto

un ruolo d’importanza secondario,

risultando troppo poco appariscenti,

ed oltretutto non furono

neanche catalogati in modo sistematico

durante i primi scavi. I risultati

delle ricerche ottenute ci

hanno fornito dei dati basilari, più

di quello che le fonti storiche fino

ad oggi presumevano, e non per

questo gli ultimi, dato che il costruttore

di stufe nel XIII secolo e

agli inizi del XIV passo ad orizzonti

di sperimentazione più ampi, con lo

scopo di realizzare sempre dei preziosi

unicati. Già dal primo colpo

d’occhio si può notare la concezione

alquanto funzionale di queste stufe,

dotate peraltro di elementi architettonici

refrattari componibili. Rimangono

ancora da risolvere alcuni

impegnativi piccoli quesiti, che

nuove fonti di ricerca dovrebbero

chiarire.

(Gianluca Petrini, Basilea)

Resumaziun

A la Metzggasse en la citad veglia

da Winterthur han ins scuvert a chaschun

d’ina exchavaziun d’urgenza

ina chasa da pliras stanzas da l’entschatta

dal 13 avel tschientaner. Duas

stanzas avevan sulettamain in palantschieu

d’arschiglia ed ina fuaina

per terra. La terza stanza aveva in

palantschieu d’aissas ed ina pigna da

plattinas. Igl è reussì da datar dendrocronologicamain

la construcziun

da questa stiva a l’onn 1208.

D’impurtanza speziala è la pussaivladad

da pudair reconstruir bunamain

cumplettamain questa pigna

93

da plattinas. Sin in podest tschinclà

d’in rom da lain sa chattava la

chascha-pigna ch’era construida

cun agid d’in skelet da pertgas. Per

rinforzar la paraid da la chaschapigna

esi vegnì duvrà restanzas textilas

ch’ins ha alura impregnà cun

chaltschina. Las radund 85 plattinas-cup

èn emplunadas stretgamain

ina sper l’autra en la cupla sur

la chascha-pigna. Er las plattinas

eran liadas giu cun arschiglia,

uschia che l’aspectatur na vesa betg

las singulas plattinas, mabain be las

foras chavrogias.

L’invenziun da las pignas da plattinas

è colliada fermamain cun l’origin

da la stiva, creond ina stanza da

dimora stgaudabla senza fim. En

bajetgs da pliras auzadas en chastels

ed en citads era la stiva situada en

l’emprima auzada sura. Tar incendis

crudava la pigina da plattinas giu en

l’auzada d’entrada u schizunt en

tschaler. Perquai chatt’ins savens

tar exchavaziuns ina maschaida da

plattinas e d’arschiglia. Sin fundament

d’analisas precisas e stentusas

lubescha questa tocca d’eruir la

furma da pignas da plattinas dal

13avel e 14avel tschientaner. Punct

da partenza per nossas retschertgas

munta il material chattà ad Andelfingen-Strehlgasse,

Hofstetten-

Chastè Schauenberg, Maschwanden-Städtchen

e Winterthur-Obergasse

4.

La pigna da plattinas era a l’entschatta

in object funcziunal, ma è sa

midà cuntinuadamain en il decurs

dal 13avel tschientaner ad in object

artistic. En il 13avel tschientaner

han ins ornà l’emprim las surfatschas

d’arschiglia. A Maschwanden

èn mantegnids tocs d’arschiglia

da la paraid-pignia cun ornaments

plastics che sa preschentan en il

14avel tschientaner sco motivs per

las plattinas a relief. Cun duvrar

plattinas-bulieu sa furma la surfatscha

da la pigna en in gieu da rusnas

radundas e crests che sa barattan.

Qua tras s’augmenta er la surfatscha

per che la pigna possia render

dapli chalira. L’ur sura da la

pigna vegn furmà cun ina curuna

ornada, l’emprim cumplettamain

d’arschiglia, pli tard da cheramica.


Tar las pignas dal cumenzament dal

14avel tschientaner vegni experimentà

vid la furma da la chaschapinga

e cun duvrar differents tips da

plattinas – las plattinas-cup e plattinas-bulieu

vegnan cumplettadas

cun plattinas-stgadella e plattinas

cun fora quadra. Las plattinas porschan

pussaivladads da variar la surfatscha,

la plattina daventa en quest

tschientaner entras l’ornament da

relief e la glasura il medium impurtant

per il dissegn singul. Da l’autra

vart po la paraid-pigna vegnir

modifitgada a moda interessanta

cun la furma en stgala, la structura,

la distribuziun e l’orientaziun da las

plattinas. A la fin da quest svilup

stat alura la pigna-tur gotica tardiva,

nua che l’arschiglia n’è gnanc

pli vesaivla e gioga sulettamain la

rolla da liom per las plattinas.

Cun analisar in element modest,

l’arschiglia da la pignia che giugava

enfin ussa ina rolla secundara e che

na vegniva er betg rimnada sistematicamain

enfin ussa, esi stà pussaivel

d’intervegnir in pau davart la

furma da las pignas a plattinas da

pli baud. I resorta in purtret pli viv

che quai ch’ins pudess s’imaginar nà

dals purtrets istorics. Ina raschun è

quella ch’ils construiders da pignas

dal 13avel e 14avel tschientaner

avevan in vast champ experimental

a disposiziun e che las pignas sa manifesteschan

generalmain sco unicats.

L’emprima impressiun funcziunala

da las pignas sa mussa svelt

chargiada cun elements decorativs

ed architectonics. I resta dentant

anc da far bleras retschertgas che

pretendan stentusa lavur da detagl

per pudair sclerir meglier tschertas

dumondas.

(Lia rumantscha, Coira)

Anmerkungen

1 Zu den Darstellungen von Kachelöfen zuletzt:

Gabriele Keck, Ein Kachelofen der Manesse-

Zeit, Ofenkeramik aus der Gestelnburg/

Wallis. ZAK 50, 1993/4, 343. – Ferner teils

farbige Wiedergabe der Bildquellen in: Marianne

und Niklaus Flüeler (Hrsg.), Stadtluft,

Hirsebrei und Bettelmönch. Die Stadt um

1300. (Ausstellungskatalog Zürich und Stuttgart

1992) 283.

2 Die ältesten aus dem 8./9. Jahrhundert datierenden

Funde werden gegenwärtig kontrovers

diskutiert. Madeleine Châtelet, Les plus anciens

témoins de l’usage du poêle: les pots de

poêle du haut moyen âge découverts en Alsace.

Revue archéologique de l’Est et du Centre-

Est 45, 1994, 481–492; Eva Roth Kaufmann,

Ofen und Wohnkultur. In: Guy De Boe, Frans

Verhaeghe (Hrsg.), Material Culture in Medieval

Europa – Papers of the ‹Medieval

Europe Brugge 1997› Conference, I.A.P.

Rapporten 7 (Zellik 1997) 473f.

3 Zur Erforschung mittelalterlicher Kachelöfen

vgl. vor allem Jürg Tauber, Herd und Ofen im

Mittelalter. SBKAM 7 (Olten 1980); Sophie

Stelzle-Hüglin, Von Kacheln und Öfen. Untersuchungen

zum Ursprung des Kachelofens

und zu seiner Entwicklung vom 11.–19. Jahrhundert

anhand archäologischer Funde aus

Freiburg im Breisgau, ungedr. Diss. Freiburg

i.Br. 1997. Frau Stelzle-Hüglin wird ferner in

der nächsten Ausgabe der ZAM eine ausführliche

Bibliographie zum Thema Kachelofen

publizieren.

4 Vorberichte: JbSGUF 79, 1996, 284; Werner

Wild, Heizung im mittelalterlichen Winterthur.

Winterthur Jahrbuch 1997 (1996)

152–157.

5 Die Proben wurden im Auftrag der Stadt Winterthur

vom Laboratoire Romand de Dendrochronologie,

Moudon, untersucht. Christian u.

Alain Orcel, Jean-Pierre Hurni, Dendrochronologischer

Gutachtensbericht vom 30. Januar

1996. Das Datum 1208 ergab die hinter

dem Ofensockel liegende Wandbohle, welche

als einziges Holz noch die Waldkante aufgewiesen

hatte. 9 Proben des Bretterbodens und

eine Probe des Eichenholzrahmens des Kachelofensockels

datieren in die Zeit um 1200.

6 Weitere, bei den Rettungsgrabungen von

1995 untersuchte niedergebrannte Bauten

sowie der Brand in der Stadtkirche weisen auf

einen Grossbrand in der südlichen Kernstadt

um 1300. Carola Jäggi, Hans-Rudolf Meier,

Renata Windler und Martin Illi, Die Stadtkirche

St. Laurentius in Winterthur. Ergebnisse

der archäologischen und historischen Forschungen.

ZD, Archäologische Monographien

14 (Zürich 1993) 43, 174ff.; vgl. ferner

die Vorberichte zur Oberen Kirchgasse und

Pfarrgasse in JbSGUF 79, 1996, 284f.

7 Die bei Wild (wie Anm. 4) gezeigte Rekonstruktion

hat sich bei der detaillierten Fundauswertung

als fehlerhaft erwiesen und wird

durch Abb. 4 ersetzt.

8 Beim Brand verziegelte vor allem die äusserste

Lehmschicht, weshalb keine Fragmente

mit Abdruck des Geflechts des Feuerkastens

erhalten waren.

9 Die Anzahl der Kacheln wurde folgendermassen

berechnet: Anhand des Originalmaterials

konnte ein Segment der Kuppel aufgebaut

werden. Für jede Reihe Kacheln liess sich der

von den Kachelböden belegte Kreisumfang

berechnen. Dividiert man den Kreisumfang

nun durch 6 cm, die durchschnittliche Breite

der Böden, erhält man die Anzahl der Kacheln

pro Reihe.

10 Die bislang ältesten Pilzkacheln aus der Winterthurer

Altstadt stammen von der Obergasse

4 und datieren aus der zweiten Hälfte des

13. Jahrhunderts. Vorbericht: Winterthur

Altstadt, Obergasse 4 (Haus «Zur Burg»). 11.

Ber. ZD 1983–1986 (Zürich 1995), 204.

Renata Windler, Stadtarchiv im Boden. Sepa-

94

ratdruck aus dem Winterthurer Jahrbuch 37,

1990, 7–9.

11 Vergleichbare Furchen an Kacheln lassen sich

im Fundmaterial der Marktgasse 13/15 und

der Stadtkirche beobachten. Jäggi/Meier/

Windler/Illi (wie Anm. 6) Kat.91.387, Anna

Stebler-Cauzzo, Hochmittelalterliche Siedlungsspuren

an der Marktgasse 13 und 15

in der Winterthurer Altstadt. In: Archäologie

im Kanton Zürich 1987–1992, 12. Ber. ZD,

1. Teil (Zürich 1994) 191 Kat.316.325.326.

12 Jäggi/Meier/Windler/Illi (wie Anm. 6) 81f.;

Annamaria Matter, Keramik um 1300 aus der

Brandschuttverfüllung eines Steinkellers in

Winterthur-Marktgasse 54. In: Archäologie

im Kanton Zürich 1993–1994, 13. Ber. der

Kantonsarchäologie Zürich (Zürich 1996)

254ff.

13 Isabell Hermann, Die Bauernhäuser des Kantons

Zürich Bd. 3: Zürcher Weinland, Unterland

und Limmattal (= Die Bauernhäuser der

Schweiz Bd. 11, Basel 1997) 171.

14 Freundliche Mitteilung Jochem Pfrommer.

Publikation in Vorbereitung (erscheint als

Monographie in der Schriftenreihe der Erziehungsdirektion

des Kantons Bern voraussichtlich

1998).

15 Tauber (wie Anm. 3) 260f.

16 Jürg Schneider, Daniel Gutscher, Hansueli

Etter und Jürg Hanser, Der Münsterhof in

Zürich, Bericht über die Stadtkernforschungen

1977/78. SBKAM 9 (Olten 1982) 111ff.

17 Matthias Untermann, Das «Harmonie»-Gebäude

in Freiburg im Breisgau. Forschungen

und Berichte der Archäologie des Mittelalters

in Baden-Württemberg 19 (Stuttgart 1995)

83f.

18 Jürg Rageth, Archäologische Entdeckungen

in Schiers (Prättigau GR). ZAK 45, 1988,

69ff.

19 Die Interpretation der Ofenreste von Ulm-

Münsterplatz als Kachelofen ist nicht unumstritten.

Judith Oexle, Der Ulmer Münsterplatz

im Spiegel der archäologischen Quellen.

Archäologische Informationen aus Baden-

Württemberg 21 (Stuttgart 1991) 18ff., Roth

Kaufmann (wie Anm. 2) 473f. – Als neuester

Fund hat ein Kachelofen aus dem Pfalzbereich

von Ingelheim zu gelten, der zur Zeit ausgegraben

wird, freundl. Mitteilung Pia Heberer,

Landesamt für Denkmalpflege Mainz – Jüngeres

Beispiel mit Kacheln in Originallage in

Einbeck (Niedersachsen) aus dem 16. Jahrhundert,

vgl. A. Heege, Kachelofen in der

Stube. Archäologie in Deutschland 4, 1997,

47.

20 Rekonstruktionszeichnung bei Schneider/

Gutscher/Etter/Hanser (wie Anm. 16) 113.

Die unter der Inv. Nr. 2-1-23/29 inventarisierten

7 Lehmfragmente mit Negativen

von Röhrenkacheln und Ruten sind zur

Zeit zur Verifikation der Kachelabstände

nicht auffindbar. An dieser Stelle sei Christine

Keller, Schweizerisches Landesmuseum

Zürich, für ihre Unterstützung herzlich gedankt.

21 Kacheln liegen in der Regel höchstens 4 cm,

seltener weiter auseinander. Vgl. etwa Freudenau

AG: Max Baumann, Peter Frey, Freudenau

im untern Aaretal, Burganlage und

Flussübergang im Mittelalter (Brugg 1983)

48ff.; Schiers GR: (wie Anm. 18) 73; Alt-

Eschenbach LU: Judith Rickenbach, Alt-

Eschenbach – Eine spätmittelalterliche Stadtwüstung.

Archäologische Schriften Luzern 3


(Luzern 1995) 140; Stammheimerberg ZH:

Hugo Schneider, Stammheimerberg ZH, Bericht

über die Forschungen von 1974 bis

1976. In: Pfostenbau und Grubenhaus. Zwei

frühe Burgplätze in der Schweiz. SBKAM 17

(Basel 1991) 48.

22 Annamaria Matter, Andrea Tiziani und Josef

Winiger, Die Burg Schauenberg bei Hofstetten

ZH (erscheint voraussichtlich 1999 in der

Reihe Monographien der Kantonsarchäologie

Zürich).

23 Die Becherkacheln des älteren Ofens lassen

sich am besten mit ähnlichen Stücken auf der

1275 zerstörten Burg Urstein finden: Eduard

Gross, Funde. In: Franziska Knoll-Heitz,

Urstein. Die grösste Burg von Herisau. Appenzellische

Jahrbücher 113, 1985, 82

B12–18. Die Datierung der Napfkacheln beruht

auf Vergleichen mit Fundmaterial aus

einem Töpferofenkomplex aus der Altstadt in

Winterthur und der Burg Neutoggenburg

SG. Vgl. Peter Lehmann, Zwei Winterthurer

Töpferöfen. Ber. ZD, Archäologische Monographien

12 (Zürich 1992) 59; Armin Müller,

Die Neutoggenburg. Toggenburgerblätter für

Heimatkunde 38, 1990, 28. Die grossen Becherkacheln

finden ihre beste Entsprechung

im sog. «Horizont Engenstein/Renggen/Augustinergasse»

nach Tauber. Vgl. Tauber (wie

Anm. 3) 311–312. Zu den Kacheln mit viereckiger

Mündung ist uns bislang keine genaue

Parallele bekannt.

24 Wie Anm. 10.

25 Nachgewiesen bei: Winterthur-Obergasse 4,

Hofstetten, Burg Schauenberg und Andelfingen-Strehlgasse.

26 Zum Beispiel im aus dem 15. Jahrhundert

stammenden Ofen aus Andelfingen-Strehlgasse.

Vorbericht: 7. Ber. ZD 1970–1974,

2. Teil (Zürich 1982) 18–19. Für die Besichtigung

des Fundmaterials aus Andelfingen

danken wir Hans-Peter Lanz, Schweizerisches

Landesmuseum Zürich.

27 Die Datierung in die zweite Hälfte des 13.

Jahrhunderts beruht auf den nachgewiesenen

Kacheltypen und auf der damit vergesellschafteten

Geschirrkeramik.

28 Tauber (wie Anm. 3) 319–325.

29 Ähnlich vermauerte Kacheln in Rumänien:

Elena Busuioc und Monica Margineaunu-Carstoiu,

Mittelalterliche Kachelofenarten in den

rumänischen Fürstentümern. Dacia, Revue

d’Archéologie et d’Histoire Ancienne, nouvelle

série 23, 1979, 280. Freundl. Hinweis

Werner Endres, Regensburg.

30 Es handelt sich dabei um Lehmteile und Napfkacheln

aus einem Ofenversturz in einem

Bauernhaus am Rande des alten Dorfkerns

(Archäologische Untersuchung 1971, Archiv

KA, Zürich). Das Photo auf Abb. 14 zeigt ein

Rekonstruktionsversuch der Ofenwand aus

dem Jahre 1977 von Rudolf Schnyder, damals

Schweizerisches Landesmuseum Zürich. Die

Rekonstruktion dieses Ofenwandbereichs verwendet

im wesentlichen die originalen Kacheln

und Lehmfragmente der Ofenwand.

31 Gewinkelte Lehmteile sind ausserdem in der

Metzggasse in Winterthur, auf der Burg

Schauenberg bei Hofstetten und im Städtchen

Maschwanden belegt.

32 Zu diesem Ofenversturz aus Feld 4 gehören

unglasierte Becherkacheln mit schräg nach innen

abgestrichenem Rand, verzierte Lehmteile

(Abb. 2 und 10) und Steinplatten mit Rillen.

Die Becherkacheln und vereinzelte Steinplatten

z.T. bei Tauber (wie Anm. 3) Abb.

214.1–12 und Abb. 215. Ausgrabungsdokumentation

(Maschwanden, Ausgrabung «Im

Staad» 1934): Staatsarchiv Zürich, Nachlass

H. Erb (STAZ BX 269.1). An Lehmteilen sind

heute im Schweizerischen Landesmuseum lediglich

noch sechs Fragmente nachgewiesen.

Die Fundzeichnung von 1934 zeigt demgegenüber

bedeutend mehr Teile. Die Fundzeichnung

von 1934 entspricht sehr gut den

sechs erhaltenen Lehmteilen.

Ein Ofenkacheldepot vom Churer Martinsplatz

von Manuel Janosa

Zur Ausgrabung

Leitungserneuerungen und die anschliessende

Pflästerung des Churer

Martinsplatzes führten in den Jahren

1994 und 1995 dort zu archäologischen

Notgrabungen. Dabei

liessen sich, neben Teilen des mittelalterlichen

Friedhofs der angrenzenden

Pfarrkirche St. Martin, gemauerte

Kellergeschosse von verschiedenen,

mittelalterlichen und

spätmittelalterlichen Gebäuden im

heutigen Platzbereich nachweisen.

Spuren des verheerenden Stadtbrandes,

der im Jahre 1464 mit wenigen

Ausnahmen im gesamten damaligen

Stadtgebiet wütete, fanden

sich ebenfalls an den neu entdeckten

Bauten unter dem Martinsplatz.

Wie an anderen Orten in

Chur auch, sind diese Häuser nach

der Brandkatastrophe wieder instandgestellt

worden. Demzufolge

besass der Martinsplatz um 1500,

gemessen an der heutigen Ausdehnung,

noch sehr bescheidene Ausmasse.

Erstmals entscheidend ver-

95

33 Ofenlehm scheint häufiger als bis anhin angenommen

zur Formung plastischer Elemente

Verwendung gefunden zu haben. Ein Turmofen

des 14./15. Jahrhunderts aus Rîmicu Vîlcea

in Rumänien besass Zinnen als Bekrönung

des Ofenkörpers. Busuioc/Margineaunu-Carstoiu

(wie Anm. 28) 287.

34 Keramische Ofenaufsätze sind selten, ein vergleichbarer

Fund aus Lehm ist uns nicht bekannt.

Winterthur Tösstalstr. 7 (unpubl. Depot

Kantonsarchäologie Zürich); Alt Schauenburg

BL, Mittlerer Wartenberg BL, Schönenwerd

ZH: Tauber 1980 (wie Anm. 3) 73, Abb.

45.44, 76; 96f, Abb. 64.33; 274f, Abb.

211.107–108; Chur-Martinsplatz: vgl. Beitrag

in diesem Heft; Thorberg BE: Armand Baeriswyl,

Burg – Kartause – Zuchthaus. Die

archäologischen Rettungsgrabungen auf dem

Thorberg. Mittelalter 1, 1996/4, 72, Abb. 6;

Wolhusen-Äussere Burg LU: Jakob Bill, Die

Burg Wolhusen «Wiggern» und ihre Öfen.

AS 1988/2, 104, Abb. 5.

Abbildungsnachweise:

1: Tauber 1980 (wie Anm. 3) 362, Abb. 257

2,7,10.10,13,17.1–3: KAZ, Karin Stenzel

3,6: KAZ, Fridolin Mächler

4: KAZ, Werner Wild

5: KAZ, Marcus Moser

11,12,20,21: KAZ, Manuela Gygax

8,16: KAZ

9.1–9,16: KAZ, Magdalena Binder

10: KAZ, Andy Marti

14: SLM Zürich

18: SLM Zürich, 30928

19: SLM Zürich, CO-2532

17.4–5: Staatsarchiv Zürich

Adresse der Autoren:

Annamaria Matter, lic. phil. und Werner Wild,

lic. phil.

Kantonsarchäologie Zürich, Aussenstelle Winterthur,

Postfach, 8404 Winterthur.

grössert wurde er als Folge der sich

in Chur ausbreitenden Reformation.

Die damals beschlossene Neugründung

einer Begräbnisstätte

ausserhalb der Ringmauern führte

zur Aufhebung des innerstädtischen

Friedhofes bei St.Martin. Mit

dem Auflassen des alten Friedhofes

sind auch die daran anstossenden,

damals noch bestehenden Bauten

abgebrochen worden. Das letzte

Gebäude, das sich westlich der Kirche

und noch innerhalb des heutigen

Platzbereiches befand, wurde


aber erst nach einem weiteren

Stadtbrand im Jahre 1574 aufgegeben

und eingeebnet, wodurch der

Platz seine aktuelle Ausdehnung

erhielt (Abb. 1) 1 .

Das Depot

In einer kleinen Erdgrube im Keller

dieses zuletzt abgebrochenen

Hauses ist noch vor dem grossen

Stadtbrand von 1464 ein Depot von

Ofenkacheln angelegt worden. Die

einfache Grube wies einen Durchmesser

von etwa 80 cm auf und war

mindestens 70 cm in die darunterliegenden

Kies- und Kulturschichten

eingetieft worden. Das Kacheldepot

selbst bestand aus etwa 70

verschiedenen Exemplaren (davon

42 beinahe oder gänzlich vollständig)

von unterschiedlicher Form,

welche, um den engen Raum optimal

ausnützen zu können, sehr

dicht aneinander gestapelt wurden

1: Chur, Martinsplatz 1995. Übersicht 6. Grabungsetappe. Kellergeschoss eines 1574 abgebrochenen Hauses.

In den beiden äussersten Räumen eine ältere und jüngere Abfallgrube. Der mittlere Raum mit einer Bodenpflästerung

aus der letzten Benutzungsphase des Hauses, zwischen 1464 und 1574. Der weisse Pfeil markiert

die Grube mit dem Ofenkacheldepot. Photo von Norden.

2: Chur, Martinsplatz 1995. Die Depotgrube während dem Bergen der Ofenkacheln. Blick nach Norden.

96

(Abb. 2). Die Zwischenräume waren

mit brandigem Material, das

möglicherweise von älteren Schichten

stammt und beim Ausheben der

Grube anfiel, ausgefüllt.

Nach dem Brand von 1464 erfolgte

eine leichte Niveauabtiefung im

Keller, wobei der oberste Teil der

Erdgrube gestört worden ist. Ansonsten

blieb das Kacheldepot aber

während der letzten Benutzungsphase

des Hauses, also zwischen

1464 und 1574, unberührt. Waren

die Stücke nicht interessant (modern)

genug, um sie in einen damaligen

Ofen einzubauen oder gerieten

sie einfach in Vergessenheit?

Die Ofenkacheln

Die Gesamtanzahl der vorgefundenen

Kacheln verteilt sich, nach

deren Form gegliedert, auf 29 Nischenkacheln,

8 Nischenkranzkacheln,

29 Blattkacheln (davon 7

trapezförmig), 3 Napfkacheln und

einen Ofenaufsatz. Der grösste Teil

der Kacheln besitzt eine dunkelolivgrüne

Glasur ohne Engobe, wobei

das Farbenspektrum beinahe bis

zu einem sattgrün variiert. Eine

Napfkachel, der Ofenaufsatz und

drei Nischenkacheln sind hellolivgrün

glasiert.

Die Kacheln haben die rund 600

Jahre dauernde Lagerungszeit erstaunlich

gut überstanden. Nur die

Glasuren litten stellenweise stark

unter der Versinterung. Bruchstellen

wiesen hauptsächlich jene Kacheln

auf, welche zuoberst in der

Grube lagen. Einige Exemplare

konnten nicht vollständig zusammengefügt

werden. Da die Grube

nicht mehr in vollem Umfang erhalten

blieb, ist es auch möglich,

dass ganze Kacheln vom ursprünglich

angelegten Bestand fehlen. Die

Tuben der meisten Blattkacheln

sind innen russgeschwärzt und

dürften demnach aus einem bestehenden

Ofen ausgebaut worden

sein. Die Nischenkacheln, deren

Rückseite nicht ins Ofeninnere

ragt, lassen diesbezüglich noch

keine sichere Beurteilung zu. Da

alle Kacheln vor ihrer letzten Deponierung

in der Kellergrube sehr


sauber gereingt wurden, sind keine

anderen Spuren eines früheren

Ofeneinbaus zu erkennen.

Dass hier Überschussware eines bereits

im Haus stehenden Ofens gelagert

wurde, ist kaum wahrscheinlich.

In der mit Brandschutt aus

dem Jahre 1464 gefüllten, älteren

Abfallgrube des Hauses fanden sich

zwar viele, meist stark verbrannte

Ofenkacheln, aber kein einziges

Stück, welches sich mit den Exemplaren

aus dem Depot vergleichen

lässt. Wahrscheinlicher ist, dass im

Depot eine Anzahl vielleicht auch

neu gefertigter Produkte, bis zum

Empfang weiterer Exemplare, zwischengelagert

wurde. Spätestens der

Stadtbrand im Jahre 1464 scheint

dem Vorhaben ein Ende bereitet zu

haben.

Der überwiegende Teil der Ofenkacheln

aus dem Depot kann in die

2. Hälfte des 14. Jahrhunderts datiert

werden. Die helloliv glasierten

Nischenkacheln dürften etwas jünger

sein. Einige Motive auf den

trapezförmigen und quadratischen

Blattkacheln sind zumindest aus

dem Grossraum Zürich bekannt.

Da aber ein Motivvergleich allein

kaum zur Lokalisierung der Hafnerwerkstätten

ausreicht, müssen

diesbezügliche Fragen zum jetzigen

Zeitpunkt offen bleiben. Aufgrund

der Formenvielfalt ist ohnehin

nicht klar, ob der Beschaffung

dieser Kacheln ein bestimmter Ofenbauplan

zugrunde lag.

Im folgenden werden die verschiedenen

Kacheltypen kurz vorgestellt,

ohne einem umfassenden Inventar

vorzugreifen 2 . Die Reihenfolge

ist willkürlich und richtet

sich nach der wahrscheinlich vorgesehenen

Lage eines Kacheltyps im

Ober- oder Unterbau des Ofens.

Dabei bilden die trapezförmigen

Blattkacheln eine eigene Gruppe.

Die Nischenkacheln wurden in

Gruppen von horizontal geschlossenen

Nischenkacheln und Nischenkranzkacheln

unterteilt, welche ihrerseits

nochmals nach Form und Motiv

gegliedert sind. Bei allen Nischenkacheln

handelt es sich um sogenannte

Halbzylinderkacheln. Wahr-

scheinlich waren sie für einen

zylindrischen Ofenturm vorgesehen.

Einige Exemplare der quadratischen

Blattkacheln besitzen zusätzlich

links oder rechts einen halbrunden

Wulst. Zusammen mit

flachrechteckigen Blattkacheln, welche

auf ihrer Oberseite einen gesimsartigen

Halbrundwulst aufweisen,

bilden erstere eine Einheit,

welche wahrscheinlich für einen

kubischen Ofenunterbau gedacht

war.

Die jeweilige Glasurfarbe ist im

anschliessenden Text nur bei den

hellolivgrünen Exemplaren ausdrücklich

erwähnt. Alle anderen

Stücke sind dunkelolivgrün glasiert.

Ofenaufsatz

(1 Exemplar, beinahe vollständig;

Abb. 4.1, 4.2)

Die runde Kachel setzt sich aus

einer horizontalen, einen Durchmesser

von 30 cm aufweisenden

Platte und einem 13 cm hohen

Tubus zusammen, welcher sich in

konischer Form bis auf einen

Durchmesser von 10 cm verengt.

Der äussere Rand der Platte ist mit

Eindrücken wellenförmig verziert.

Am oberen Rand des Tubus befinden

sich fünf applizierte Brustbilder

von bärtigen Männergestalten,

97

welche «auf die Betrachtenden hinunterblicken».

Dazwischen liegt

ein Reihe senkrechter Kerbverzierungen.

Der untere Rand des Tubus

ist mit ausgeprägten Rillen gedreht,

wohl um die Haftung der

Kachel in der Ofenkuppel zu verbessern.

Die Kachel besitzt eine

helle, olivgrüne Glasur. Lokale

Streifen von dunkeloliver Farbe waren

wahrscheinlich unbeabsichtigt.

Trapezförmige Blattkacheln

(7 Exemplare, davon 5 vollständig;

Abb. 4.3–5)

Rahmenloses Blatt mit aufgesetztem,

scheibengedrehtem Tubus. Die

Blattoberfläche dieser Kacheln besitzt

eine konkave Wölbung. Diese

Exemplare dürften aus dem kuppelgewölbten

Bereich eines Ofens

ausgebaut worden sein. An Motiven

ist ein Vogelwesen (Storch, Reiher?)

und der Hund zu erkennen.

Breite oben = 9 cm, Breite unten =

16 cm, Höhe = 14,5 cm.

Napfkacheln

(3 Exemplare, unvollständig)

Bei zwei Exemplaren handelt es

sich um Reste von unglasierten

Napfwandungen, welche keine weiteren

Aussagen zulassen. Das dritte

3: Chur, Martinsplatz 1995. Gruppenphoto nach dem Bergen der ersten Nischenkranzkachel.


1

2

3 4 5

4: Chur, Martinsplatz 1995. Bildtafel mit Kacheln aus dem Depot. M. 1:2,5.

98


1

5: Chur, Martinsplatz 1995. Bildtafel mit Kacheln aus dem Depot. M. 1:2,5.

2

3

99


Exemplar besitzt eine helle, olivgrüne

Glasur. Diese wurde nur äusserst

dünn aufgetragen, so dass der

hier ausgeprägt rötliche Kachelton

durchschimmert und den farblichen

Eindruck in ein Gelbbraun

verändert. Vielleicht war ursprünglich

eine gelbe oder braune Glasur

gedacht. Durchmesser = 17 cm,

Höhe = 11 cm. Als Füllkachel ist

dieser Typus sowohl in einer Kuppel

wie in einem kubischen Unterbau

denkbar.

Nischenkranzkacheln

Nischenkranzkacheln mit zentral vorgesetzter

Frauenfigur

(4 Exemplare, davon 2 vollständig;

Abb. 5.1)

Plastische Frauenfigur, welche ein

Hündchen auf den Armen trägt.

Die Figur entstammt einem Model.

Auf der Kachelrückseite befindet

sich am oberen Nischenabschluss

ein nach oben geschwungener

Knauf. Auf der Figurenrückseite ist

Glasur bis etwa in den Halsbereich

vorhanden. Zumindest dieser Teil

der Kachel war wohl frei aufragend

gedacht. Breite = 15,5 cm, Gesamthöhe

= 37 cm.

Nischenkranzkacheln mit zentral vorgesetzter

Ritterfigur

(2 Exemplare, davon 1 vollständig;

Abb. 6.2, 6.3)

Plastische Ritterfigur mit Wams,

Dolch und Jagdfalken. Die Figur

entstammt einem Model. Die

durchbrochenen Stellen sind nachträglich

ausgeschnitten worden.

Aufgrund der ausgeschnittenen

Beine ist die Ritterfigur viel zerbrechlicher

als das weibliche Gegenstück.

Diesem Umstand wurde

Rechnung getragen, indem, in

Hüfthöhe der Figur, ein Teil des

sonst weggeschnittenen Hintergrundes,

quasi als horizontaler

Stützbalken, belassen worden ist.

Rückseite der Kachel und der Figur

wie beim weiblichen Pendant. Breite

= 15,5 cm, Gesamthöhe = 37 cm.

Nischenkranzkacheln mit flankierendem

Minnepaar

(2 Exemplare, davon 1 vollständig;

Abb. 5.3)

Das Motiv zeigt ein die Nische flankierendes

Minnepaar in ähnlicher

Kleidung wie jene Figuren, welche

der Nische zentral vorgesetzt sind.

Aus der Mitte des Paares wächst

wahrscheinlich eine Lilie. Auf der

Kachelrückseite befindet sich ein

Knauf. Breite = 17 cm, Gesamthöhe

= 33 cm.

Horizontal geschlossene

Nischenkacheln

Nischenkacheln mit Dreipassbogen

(14 Exemplare, davon 13 vollständig;

Abb. 6.1)

Typ mit der grössten Anzahl Kacheln

im Depot. Breite = 15,5 cm,

Höhe = 20 cm.

Nischenkacheln mit flankierenden Figuren

(12 Exemplare, davon 10 vollständig;

Abb. 7.1, 7.2)

Auf dieser Kachelform sind zwei

verschiedene Figurenpaare (Drache/Bär

und Drache/Jungfrau) vertreten,

welche jeweils die Nische

flankieren. Breite = 15,5 cm, Höhe

= 24,5 cm.

Nischenkacheln mit vorgesetztem,

durchbrochenem Blatt

(2 Exemplare, beide fragmentarisch;

Abb. 5.2)

Auf dem durchbrochenen Blatt ist

ein gekrönter Reiter unter Dreipassbogen

zu sehen. Der obere Nischenabschluss

ist leicht gewölbt. Auf der

Rückseite befindet sich ein Knauf.

Helle, olivgrüne Glasur, ähnlich

wie beim Ofenaufsatz. Breite = 17

und 17,5 cm, Höhe = 25 cm.

Nischenkachelfragment

(1 Exemplar, Fragment)

Nischenkachelfragment ohne sichtbare

Verzierungen. Glasur vergleichbar

mit der Napfkachel.

Breite = 20 cm, Höhe = ?.

Flachrechteckige Blattkacheln,

Gesimskacheln

(6 Exemplare, davon 5 beinahe vollständig,

Abb. 7.3, 7.4)

Flache Blattkacheln mit horizontal

liegendem, halbrundem Wulst auf

100

der Kacheloberseite. Am oberen

Rand des Wulstes sitzt eine zusätzliche

Leiste, was den gesimsartigen

Eindruck verstärkt. Zwei Exemplare

mit linksseitigem Eckwulst

verweisen auf ihre vorgesehene Lage

zuoberst links in einer Frontseite

eines kubischen Ofenkörpers. Als

Motiv dient die Brustansicht

zweier Paare, wobei zwei Männer

ihre Begleiterinnen in die Mitte

nehmen.

Eindeutige Spuren eines nachträglichen

Ansetzens der Wülste ans

Blatt waren nicht zu finden. Um

ein Aneinanderstossen der Kacheln

in den Ecken des Ofenkubus zu vermeiden,

sind die Tuben der Stücke

mit Eckwulst auf ihrer der Ecke zugewandten

Seite abgeschrägt worden.

Formal stellen diese Stücke

einen Übergang zu den quadratischen

und halbquadratischen Blattkacheln

mit seitlichem Wulst her.

Breite = 18 cm, Breite mit Eckwulst

= 23 cm, Höhe = 14 cm.

Quadratische und

halbquadratische Blattkacheln

(Quadratische Kacheln: 12 Exemplare,

davon 4 mit seitlichem Wulst

links oder rechts, alle unvollständig;

Abb. 7.7, 8.1, 8.2, 8.4, 8.5. –

Halbquadratische Kacheln: 4 Exemplare,

davon 3 mit seitlichem

Wulst links oder rechts, alle vollständig;

Abb. 7.5, 7.6, 8.3, 8.6)

Um diese Kacheln (im Kubus) in

Reihen versetzt anordnen zu können,

wurden quadratische Exemplare

nachträglich halbiert. Bei diesen

Stücken fehlt der Motivrahmen

auf der Schnittseite. Sie besitzen

aber einen eigenen, ovalen Tubus,

welcher erst nach dem Halbieren

aufgesetzt worden ist. Insgesamt

sieben Exemplare besitzen links

oder rechts einen halbrunden

Wulst. Zusammen mit den flachrechteckigen

Gesimskacheln waren

diese Stücke wohl zur Einrahmung

einer Sichtfront eines Ofenkubus

gedacht. Die Tuben der Exemplare

mit seitlichem Wulst wurden auf

ihrer der Ecke zugewandten Seite

nachträglich abgeschrägt. Da auch

diese Tuben beim Ansetzen ans


1

6: Chur, Martinsplatz 1995. Bildtafel mit Kacheln aus dem Depot. M. 1:2,5.

2

3

101


3

1 2

5 6 7

7: Chur, Martinsplatz 1995. Bildtafel mit Kacheln aus dem Depot. M. 1:2,5.

102

4


1 2

3 4

5 6

8: Chur, Martinsplatz 1995. Bildtafel mit Kacheln aus dem Depot. M. 1:2,5.

103


Blatt sehr grosszügig verstrichen

wurden, liess sich nicht schlüssig

erkennen, ob auch schon die Wülste

erst nachträglich ans Blatt angesetzt

worden sind.

An Motiven sind auf diesen Kacheln

der schreitende Löwe, der gefiederte

Drache, die Meerjungfrau, welche

zwei Fischschwänze in Händen hält,

das Einhorn und ein weiteres Huftier,

von dem nur die vordere Hälfte

erkennbar ist, zu finden.

Ganze Kacheln: Breite = 18,5 cm,

Breite mit Wulst = 23–24 cm,

Höhe = 18–18,5 cm. Halbierte

Kacheln: Breite = 9 cm, Breite mit

Wulst = 14,5–15 cm, Höhe =

18–18,5 cm.

Ein Rekonstruktionsversuch

Bereits im Frühjahr 1996 erhielt

der Archäologische Dienst Graubünden

Gelegenheit, die Resultate

der Ausgrabungen auf dem Martinsplatz

anlässlich einer Ausstellung

in der Churer Stadtgalerie vorzustellen.

Damals entstand die

Idee, die Ofenkacheln aus dem

9: Chur, Martinsplatz 1995. Versuch einer Ofenrekonstruktion in Originalgrösse unter Verwendung der

Kacheln aus dem Depot.

104

Depot nicht als Einzelstücke zu

präsentieren, sondern in ein imaginäres

Ofenmodell in Originalgrösse

zu integrieren. Konservatorische

Vorgaben dazu waren die

Flexibilität des Ofenmodells sowie

die absolute Belastungsfreiheit der

einzelnen Kachelobjekte. Die tragende

Konstruktion des Modells

besteht deshalb, in einer Art Baukastensystem,

aus verschiedenen

Holzelementen, welche jederzeit

auseinandergebaut und wieder zusammengefügt

werden können 3 .

Beim Endergebnis handelt es sich

natürlich um eine frei erfundene

Variante eines Ofens aus dem 14.

Jahrhundert (Abb. 9). Trotzdem

sollen einige Erläuterungen unsere

Vorgehensweise verdeutlichen:

Die Auswahl der einzelnen Objekte

erfolgte subjektiv, so dass beispielsweise

die helloliv glasierten Kacheln,

mit Ausnahme des Ofenaufsatzes,

nicht ins Modell integriert

wurden. Bei einem grossen Teil der

verwendeten Kacheltypen war zumindest

die Lage der einzelnen Objekte

in einem bestimmten Ofenbereich

vorgegeben. Am wenigsten

gebunden waren wir in der Anordnung

der Nischenkacheln im zylindrischen

Ofenteil. Nischenkranzkacheln

sind üblicherweise als

Ofenbekrönung gedacht. Da diese,

wie in unserem Fall, die für den

kuppelgewölbten Bereich vorgesehenen,

trapezförmigen Blattkacheln

mit ihren figürlichen Darstellungen

verdeckt hätten, setzen

wir die Kranzkacheln etwas tiefer,

womit der Rücksprung im Ofenzylinder

entstand 4 . Der Durchmesser

des Ofenzylinders ergab sich im

übrigen durch das Aneinanderreihen

der trapezförmigen Blattkacheln

in der Kuppel, welche so nach

einer Mindestbreite des Ofenturms

verlangten. Natürlich könnte ein

Ofen mit diesem System auch grösser

und höher gebaut werden. Im

Depot nicht vorhanden waren

Kacheltypen, welche Rückschlüsse

auf horizontale Abdeckungsflächen

oder das Fundament des Ofens

(Füsse) erlauben. Letzteres imitierten

wir als gemauerten Sockel.

Für das Ofenmodell wurden 56

Kacheln verwendet, was 80% des


ursprünglichen Mindestbestandes

im Depot ausmacht. Der Rekonstruktionsversuch

macht jedenfalls

deutlich, dass zu dieser gewählten

Variante nur wenig mehr als die

Hälfte aller notwendigen Stücke

vorhanden waren, was die Hypothese,

dass es sich beim Depot um

ein Zwischenlager handelt, unterstützen

könnte.

Das Ofenmodell steht heute im

Rätischen Museum in Chur.

Résumé

En 1994 et 1995, des fouilles d’urgence

ont eu lieu à la Martinsplatz

à Coire. A cette occasion, le sous-sol

d’une maison d’habitation, dont

l’origine remonte au haut Moyen

Age, a pu être dégagé. C’est après

un incendie de la ville en 1574 que

le bâtiment a été démoli et nivelé

pour donner à la place son extension

actuelle.

Une petite fosse creusée dans le sol

de la cave a accueilli un dépôt de

carreaux de poêle; il consiste en 70

objets environ, de dimensions variées,

dont la plus grande partie

peut être datée de la seconde moitié

du XIV e siècle. Les investigations

ont démontré que ce dépôt est

antérieur à l’incendie précédent de

la ville, en 1464. Il n’a pas été possible

en revanche de déterminer la

raison de l’abandon de ces carreaux.

Ceux-ci se répartissent d’après la

forme en 29 carreaux-niches, 8 carreaux-niches

de couronnement, 29

carreaux plats, dont 7 de forme

trapézoïdale, 3 carreaux-bols et une

mitre. L’extraordinaire variété des

motifs ne le cède en rien à celle des

dimensions de ces différentes formes

de carreaux; il faut particulièrement

remarquer la richesse du décor de

certains de ces carreaux, avec des

personnages, sans oublier la mitre,

presque entièrement conservée. La

plus grande partie de ces pièces présente

une glaçure vert-olive foncé

sans engobe, à l’exception d’un carreau-bol,

de la mitre et de trois

carreaux-niches, à glaçure vert-olive

clair.

Ce matériel a étonnamment bien résisté

à son enfouissement de près de

600 ans; les cassures n’ont été observées

que dans la partie supérieure

du remplissage. L’emprise initiale

de la fosse n’étant pas entièrement

conservée, une partie des carreaux

n’a pas pu être intégralement reconstituée;

il est donc également possible

que certaines pièces entières aient

disparu de ce dépôt. Le corps

d’ancrage de la plupart des carreaux

plats est noirci par la suie, ce qui indique

qu’ils ont été récupérés d’un

poêle antérieur. Il est dès lors possible

d’imaginer qu’ils ont été entreposés

là, avec peut-être quelques

carreaux neufs, dans l’attente de la

réception des pièces complémentaires;

c’est l’incendie de la ville en

1464, au plus tard, qui aurait mis

fin au projet de construction de ce

poêle.

Au printemps 1996 déjà, le Service

archéologique des Grisons a eu l’occasion

de présenter les résultats des

fouilles de la Martinsplatz dans le

cadre d’une exposition à la Stadtgalerie

de Coire. C’est alors qu’a

germé l’idée d’intégrer les carreaux

de ce dépôt dans une restitution

grandeur nature. Il s’agit là évidemment

d’une interprétation libre

d’un poêle du XIV e siècle, qui peut

maintenant être découverte au

Musée rhétique de Coire.

(François Christe, Lausanne)

Riassunto

Negli anni 1994 e 1995 nella Martinsplatz

di Coira sono stati intrapresi

urgenti lavori di scavo. Oltre

ad altri ritrovamenti venne portato

alla luce lo scantinato di una antica

abitazione, il cui nucleo costruttivo

risalirebbe all’ alto medioevo. L’edificio

fu distrutto completamente da

un incendio divampato nella città

nel 1574, l’estensione attuale di

Martinsplatz è da ricollegare proprio

a questo accaduto.

Una piccola fossa presente nella

cantina della casa fungeva da deposito

di maioliche per stufe. La consistenza

di questo deposito è di 70

maioliche con forme prevalentemente

differenti fra loro, la maggior

parte di queste risalirebbero alla seconda

metà del XIV secolo. Le in-

105

dicazioni tratte dalla ricerca rivelano

con sicurezza che il deposito

esisteva già antecedentemente al

1464, epoca in cui avvenne un altro

incendio nella città.

Il numero complessivo delle maioliche

ritrovate si suddivide in diversi

tipologie, 29 sono a forma di

nicchia, 8 sempre a forma di nicchia

ma con coronamento sovrastante,

29 refrattarie di cui 7 trapezoidali,

e tre a forma di coppa, oltre queste

venne ritrovata la parte sommitale

di una stufa. La vasta multiformitá

delle maioliche ritrovate ci ha fornito

una consistente molteplicitá

di motivi. Particolarmente fastose

sono le maioliche a nicchia coronate,

elegantemente decorate al

centro con immagini figurative,

quelle a forma di nicchia semplici

invece sono raffigurate da due figure

fiancheggianti, oppure quelle

refrattarie aperte, da non dimenticare

la parte sommitale della stufa

conservatasi praticamente intatta.

La maggior parte delle maioliche

sono smaltate di un verde oliva

scuro sensa mano di calcina. Una

maiolica a forma di coppa facente

parte della parte sommitale della

stufa, e tre a forma di nicchia sono

smaltate con una tonalità di un

verde oliva chiaro.

Le maioliche, nonostante i 600 anni

e più di magazzinaggio, ci sono

giunte incredibilmente in buono

stato. Alcune di esse mostrano prevalentemente

i segni di qualche

spaccatura, in particolar modo

quelle che erano poste a capo della

buca. Purtroppo non é stato possibile

ricomporre per intero qualche

esemplare. Il fatto che la perimetria

della buca non ci è giunta nella sua

completezza, lascia suppore che la

consistenza originaria delle maioliche

in essa depositate sia stata in

numero maggiore. Gran parte delle

maioliche refrattarie presentano

all’interno della loro tromba un annerimento

causato dalla fuliggine,

ciò farebbe dedurre che esse siano

state smontate da una stufa preesistente.

Noi presuniamo che nel deposito

vi erano immagazzinati anche

dei prodotti finiti, rimpiazzati

man mano da nuovi esemplari. Succesivamente

l’incendio divampato


nella città nel 1464, avrebbe determinato

anzitempo la fine di quella

che doveva essere una officina per

l’assemblaggio di stufe.

Già nella primavera del 1996, il

servizio archeologico dei Grigioni,

ebbe l’opportunità di mostrare tramite

una esposizione svoltasi nella

galleria comunale di Coira, i risultati

degli scavi intrapresi nella Martinsplatz.

Allora nacque l’idea di ricostruire

con le maioliche ritrovate nel deposito,

un modello immaginario di

stufa con dimensioni reali. Naturalmente

venne riproposta una variante

di stufa del XIV secolo.

Questo modello si trova attualmente

nel museo municipale di

Coira. (Gianluca Petrini, Basilea)

Resumaziun

Ils onns 1994 e 1995 han ins fatg a

la plazza s. Martin a Cuira exchavaziuns

d’urgenza. Tranter auter han

ins fatg liber il tschaler d’ina chasa;

la construcziun centrala da quella

datescha dal temp autmedieval.

Suenter in incendi da la citad l’onn

1574 han ins demolì la chasa e gulivà

il terren, uschia che la plazza

da s. Martin ha survegnì l’extensiun

odierna.

En il tschaler da questa chasa han

ins chattà in pitschen foss cun in deposit

da plattinas da pigna. Ils circa

70 objects da quest deposit eran

da furma differenta e derivan per

gronda part da la segunda mesadad

dal 14avel tschientaner. Tenor las

examinaziuns fatgas datescha il deposit

d’in anteriur incendi da la

citad dal 1464.

Experimenteller Burgenbau –

bei Saint-Fargeau

entsteht eine neue Burg

Michel Guyot und Maryline Martin

hatten die Idee, im Sinne der experimentellen

Archäologie eine mittel-

Las 70 plattinas chattadas sa repartan

tenor lur furma en 29 plattinasnischa,

8 plattinas-nischa per curuna,

29 plattinas plattas (da quellas

7 en furma da trapez), trais plattinas-cup

ed in chapitsch da la

pigna. Sper las differentas furmas da

las plattinas da pigna datti era ina

gronda varietad da motivs. Interessants

èn surtut las plattinas-nischa

per curuna cun figuras en relief,

plattinas-nischa serradas orizontalmain

cun figuras flancantas u cun

fegl furmà, ma natiralmain era il

chapitsch da la pigna conservà quasi

cumplettamain. La gronda part da

las plattinas ha ina glasura stgir

verda senza engoba. Ina plattinacup,

il chapitsch da la pigna e trais

plattinas-nischa han ina glasura

verd uliv clera.

Las plattinas han survivì remartgablamain

bain ils circa 600 onns da

deposit. Oravant tut las plattinas

che giaschevan suren en il foss eran

per part fessas. Intgins exemplars

nun han ins pudì reconstruir cumplettamain.

Cun quai ch’il foss n’era

betg vegnì conservà cumplettamain,

poi era mancar plattinas dal

deposit original. Ils bischens da

bleras plattinas plattas èn dadens

nairas da fulin, q.v.d. che questas

plattinas derivavan probablamain

d’ina pigna gia existenta. Nus supponin

ch’in dumber da plattinas,

era talas fabritgadas da nov, vegnivan

messas provisoriamain en quest

deposit enfin a la furniziun d’ulteriurs

exemplars. Il pli tard l’incendi

da la citad dal 1464 para d’avair interrut

las preparativas per construir

la pigna.

Gia la primavaira 1996 ha il servetsch

archeologic dal chantun Gri-

106

Kurzmitteilungen

alterliche Burg neu aufzubauen. Dazu

gründeten sie 1995 die ‹Association

des compagnons bâtisseurs de Puisaye›.

Bei Guédélon (Dep. Yonne), ca.

15 km von Saint-Fargeau entfernt fanden

die Initianten einen geeigneten

Bauplatz in einem alten Steinbruch.

schun pudì preschentar sco exposiziun

ils resultats da las exchavaziuns

sin la plazza da s. Martin en la galaria

municipala da Cuira. Cun questa

chaschun è naschida l’idea d’integrar

las plattinas da pigna dal deposit

en in model da pigna imaginar

da grondezza originala. Il model è

sa chapescha ina varianta inventada

d’ina pigna dal 14avel tschientaner.

Quest model sa chatta oz en il Museum

retic a Cuira.

(Lia Rumantscha, Cuira)

Anmerkungen

1 Weiterführende Literatur zur Stadtgeschichte:

Churer Stadtgeschichte, 2 Bände

(Chur 1993) – Zur Ausgrabung auf dem Martinsplatz:

Jahresberichte der historisch-antiquarischen

Gesellschaft von Graubünden der

Jahre 1994 (70–77), 1995 (80–106) und 1996

(93–113).

2 Wertvolle Vorarbeit für die folgende Einzelbeschreibung

leisteten Ilonka Demhardt und

Bettina Corrins. Gereinigt und zusammengefügt

wurden die Kacheln von Iris Derungs und

Gianni Perissinotto. Iris Derungs photographierte

auch die einzelnen Kacheln und stellte

die Bildtafeln im vorliegenden Text zusammen.

Ihnen allen gilt mein herzlicher Dank.

3 Die Holzkonstruktion entwarf Conradin Badrutt,

der das Modell mit Gianni Perissinotto

und Bettina Corrins auch zusammenbaute.

Beim ideellen Entwurf stand uns allen Silvio

Gruber, Hafnermeister in Chur, mit Rat zur

Seite. Ihnen sei an dieser Stelle herzlich gedankt.

4 Mut gemacht hat uns dabei der Rekonstruktionsversuch

des Ofens von der Gestelnburg

im Wallis: Gabriele Keck, Ein Kachelofen aus

der Manesse-Zeit. ZAK 50, 1993, 321–355.

Abbildungsnachweise:

alle Abbildungen: Archäologischer Dienst

Graubünden

Adresse des Autors:

Manuel Janosa, Archäologischer Dienst Graubünden,

Schloss, 7023 Haldenstein.

Der Sandstein für die Quadermauern

kann somit direkt vor Ort gebrochen

und bearbeitet werden. Finanziert

wird dieses Projekt zu Beginn mit über

4 Millionen Francs von verschiedenen

Sponsoren und einem dreijährigen

Forschungsprogramm der Europäi-


schen Union. Ziel ist es, die weitere

Finanzierung durch Besucher zu sichern,

die den Burgenbauleuten vor

Ort bei ihrer Arbeit zusehen wollen,

und dafür eine Eintrittgebühr zahlen.

Die Bauzeit beträgt etwa 25 Jahre. Die

Grundsteinlegung fand am 20. Juni

1996 statt. Es wird versucht, die

Baustelle mit möglichst mittelalterlichen

Mitteln zu betreiben. Als Bauprogramm

ist vorgesehen, zunächst

eine Motte mit Holzpalisaden anzulegen,

welche die imaginären Burgherren

danach durch eine Steinburg

ersetzen wollen. Der Bauplan der

Steinburg besteht aus einer im Grundriss

trapezförmigen Ringmauer mit

einem grossen, runden und 40 Meter

hohen Donjon, einem weiteren runden

Eckturm, zwei kleinen Mauertürmchen

und dem doppeltürmigen Eingangstor

mit Zugbrücke. Im Innern

sind ein Palas und eine Kapelle geplant.

Im Frühling 1998 wird die

Burg-Baustelle für das Publikum

geöffnet. Weitere Informationen sind

erhältlich: Le Château, F-89170 Saint-

Fargeau, Tel. 03 86 74 05 67.

(Alex Degen, Bubendorf)

Burg Neu-Thierstein

bei Büsserach wird saniert

In der Nacht auf den 2. März 1997

stürzte die Südwestecke und der grössere

Teil der Südmauer des ehemaligen

John Zimmer, Die Burgen des

Luxemburger Landes. Band 1: die

archäologisch und bauhistorisch

untersuchten Burgen von Befort,

Bourscheid, Fels, Luxemburg und

Vianden. Band 2: die Burgen von

A–Z.

Luxemburg, Editions Saint-Paul, 1996 –

442 S. und 196 S. ca. 180.– CHF.

ISBN 2-919883-06-2 und 2-919883-

07-0

Im ersten Band werden zwei Dynastenburgen

– Luxemburg und Vianden

– sowie drei Herrensitze Beford, Bourscheid

und Fels anhand von Bauuntersuchungen,

Herrschaftsgeschichte und

archäologischen Untersuchungen dar-

Bergfriedes der Burg ein. Aufsehenerregend

an diesem Vorgang war, dass

ein Teil des Schuttes die Passwangstrasse

für etwa 14 Tagen vollständig

blockierte. Grosse Betroffenheit

herrschte bei der Besitzerin der Burg,

der Sektion Basel des Schweizerischen

Alpenclubs (SAC) und in den Gemeinden

Büsserach und Breitenbach. Für

den Bezirk Thierstein hat die Burg

eine grosse Bedeutung, war sie doch

das Symbol dieser Landschaft an der

Lüssel. Deshalb wurde sofort die Absicht

erklärt, die Burg vor dem weiteren

Zerfall zu retten und wenn möglich

und sinnvoll, die Mauerlücke wieder

zu schliessen; bei der gegenwärtig

angespannten Finanzlage der Denkmalpflege

des Kantons Solothurn jedoch

ein fast aussichtsloses Unterfangen.

Zunächst galt es aber, den Grund

für diesen Einsturz zu finden. Nach

etwa fünfmonatigen Untersuchungen

scheint den zuständigen Behörden die

Ursache des Einsturzes klar zu sein:

Der Wohnturm besteht aus einem aussergewöhnlich

mörtelreichen Bruchsteinmauerwerk

mit kaum geregelter

Struktur. Das Mauerwerk war bis in

den Kern vollständig durchnässt, wodurch

der Mörtel seine Zug- und

Druckfestigkeit verlor. Durch den späteren

Einbau von Fenstern und dem

Verlust des stabilisierenden Innenausbaues

entstand zudem eine ungünstige

Publikationen

gestellt. Die archäologischen Befunde

werden ergänzt anhand von Beiträgen

über die Keramik, Numismatik, Dendrochronologie,

Mörtelanalysen (Radiocarbondatierung),

Archäozoologie

und kunsthistorischen Untersuchungen

der Bauplastik von Vianden. Die

Bauaufnahmen zeigen die jeweiligen

Burganlagen, bevor mit den umfangreichen

Restaurierungsarbeiten begonnen

wurde.

Im zweiten Band werden die fünfzig in

Luxemburg bestandenen mittelalterlichen

Wohnburgen (Adelssitze) anhand

der neuesten Forschung dargestellt.

Von etwa 24 Burgstellen ist die heute

noch erhaltene mittelalterliche Bausubstanz

anhand von form- und steingerechten

Bauaufnahmen festgehalten.

107

statische Situation. Auslösender Moment

war dann das Auftauen des

nassen, gefrorenen Mörtels. Diese Erkenntnis

wird nicht ohne Auswirkung

auf künftige Restaurierungen von

Burgruinen sein, indem bei den Kontrollen

vermehrt dem Wasserhaushalt

der Mauern Beachtung geschenkt

werden muss.

Aus Sicherheitsgründen kann die

Ruine nicht in ihrem jetzigen, natürlich

runiösen Zustand bleiben. Der

stehengebliebene Mauerrest muss also

gesichert und stabilisiert werden. Die

Schwierigkeit der Sanierung besteht

darin, das richtige Mass zu finden.

Klar ist einzig, dass neben dem allfälligen

Wiederaufmauern der entstandenen

Lücke zusätzliche Stützen nötig

sind. Eine Stabilisierung des Mauerwerkes

mit speziellen Mörtelinjektionen

kommt aus verschiedenen Gründen

nicht in Frage. Ins Auge gefasst

wird deshalb eine stützende Stahlkonstruktion

im Innern der Burg mit einem

stabiliserenden Aussenring. Diese

Stahlkonstruktion wurde nun vorerst

als Provisorium im Oktober 1997

montiert, um Zeit zu gewinnen, das

Sanierungsprojekt sorgfältig auszuarbeiten.

Dazu gehört auch eine gesicherte

Finanzierung; sowohl die Gemeinde

Büsserach wie auch der Kanton

Solothurn und der Bund haben

ihre finanzielle Unterstützung zugesichert.

(Thomas Bitterli)

Die Landskron, ein Gang durch die

Ruine und durch die Geschichte

Hrsg. von Eduard Spillmann, Verein Pro

Landskron, Rodersdorf 1996 – 32 S.

Zu beziehen bei Verein Pro Landskron,

CH-4118 Rodersdorf, Preis: CHF 10.–

plus Porto.

ISBN 3-9521129-0-9 / Edition français:

ISBN 2-9510441-00

Château Gaillard XVII

Etudes de castellologie médiévale. Actes

du colloque international tenu à Abergavenny,

Wales (Royaume-Uni) 29

août – 3 septembre 1994. Publication


du Centre de recher ches archéologiques

médiévales Université de Caen 1996.

Sommaire:

W. Janssen: Ein drittel Jahrhundert

Château Gaillard. B. Aarts: Early Castles

of the Meuse-Rhine Border Region

and some parallels in Western Europe:

a comparative approach. O. Andru/

M. Colardelle/J.-P. Moyne/E.Verdel: Les

châteaux de la baronnie de Clermont et

la marche delphino-savoyarde. A. Bechtold/A.

Zettler: Burgen am Oberrhein.

N. Cherrier: Châteaux, frontières et

espace forestiers à l’est du Poitou du X e

au début du XIII e siècle. J. de Meulemeester,

Châteaux et frontière: quelques

réflexions sur les principautés territoriales

des anciens Pay-Bas Méridionaux.

K. Drake: Sperren oder Öffnungen?

Drei Burgen an den Grenzen

Schwedens im 14. Jh. T. Durdik:

System der königlichen Burgen in

Böhmen. P. Everson: Bodiam Castle,

East Sussex: castle and its designed

lanscape. A. M. Flambard Héricher: Le

‹Vieux Château› de Vatteville-la-Rue

(Seine-Maritime), première approche

archéologique. H. Fock: Le château

fort de Burg-Reuland. R. Friedrich/

K.-F. Rittershofer: Die hochmittelalterliche

Motte und Niederungsburg

von Oberursel-Bommersheim, Hochtaunuskreis

– Ausgrabungen 1988 bis

1993. E. Gringmuth-Dallmer: Deutsche

und slawische Burgen in einem Grenzraum

beiderseits der Mittelelbe (Altmark

und Elbe-Havel-Gebiet). J. R.

Kenyon: Fluctuating Frontiers: Normanno-Welsh

Castle Warfare c. 1075

to 1240. T. E. McNeill: Castles of Ward

and the changing pattern of border

conflict in Ireland. W. Meyer: Grenzbildung

und Burgenbau. R. A. Olsen:

Hammershus on Bornholm – Or who

owned the archbishops castle? I. W.

Rowlands: William Marshall, Pembroke

castle and the historian.

P. Schmidt-Thomé: Grenzbefestigungen

und Linienverschanzungen im südlichen

Oberrheingebiet. C. Tabraham:

Two dogs and a bone, The story of Rixburgh

Castle. U. Ubregts/F. Doperé: La

chapelle castrale du château de Corroy

au XIII e siècle.

Urs Amacher, Zürcher Fischerei

im Spätmittelalter. Realienkunde,

Sozial- und Wirtschaftsgeschichte

der Fischerei im Zürcher Gebiet.

Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft

in Zürich 63. Verlag Rohr, Zürich

1996 – 392 Seiten.

Die Studie enthält sieben unterschiedlich

lange Kapitel, in denen sich der

Autor der Fischerei und den Fischern

von mehreren Seiten nähert. Das umfangreichste

Kapitel, das auch sprachgeschichtlich

interessant ist, beschäftigt

sich mit Fischereigeräten und

Fangmethoden. Die Arbeitsgeräte sind

dem jeweiligen Gewässertyp und der

Fischsorte angepasst. Grundtypen waren

Netze, Garne, Reusen und Angelschnüre.

Eine ungewöhnliche (und verbotene)

Fangmethode war das Betäuben

von Fischen durch Krampfgift.

Die Teichwirtschaft stellt eine Weiterentwicklung

der Fischerei dar. In Teichen

waren die Fische vor natürlichen

Feinden geschützt. Nur karpfenartige

Fische pflanzten sich jedoch in Gefangenschaft

fort. Der sprichwörtliche

Hecht im Karpfenteich hatte dabei die

Aufgabe, junge Brut zu vertilgen, die

den ausgewachsenen Karpfen die Nahrung

wegfressen konnten. In einem

kurzen Kapitel wird auf die spätmittelalterlichenKoservierungsmöglichkeiten

und Zubereitungsmethoden

der Fische eingegangen. Sie wurden

gebraten, geliert, eingesalzen (Pökling),

getrocknet (Stockfisch) oder

geräuchert.

Das vierte Kapitel widmet sich der

Frage nach der Bedeutung der Fischerei

und die letzten drei Kapitel beschäftigen

sich mit den sozial- und

wirtschaftsgeschichtlichen Aspekten

der Fischerei und den Fischern als

soziale Gruppe.

François Christe / Colette Grand,

Prangins.

De la forteresse au château

de plaisance.

1985–1995: 10 ans de recherches,

3000 ans d’histoire

Avec les contributions de Michèle Grote,

Isabelle Guignard Christe et Catherine

Kulling. Cahier d’archéologie romande

N o 71, Lausanne 1997 – 144 pages, avec

132 illustrations. En vente chez: Cahier

d’archéologie romande – CAR, Case postale

210, 1000 Lausanne 17, prix: Fr. 65.–

(souscription jusqu’au 31 janvier 1998:

55.–).

Le château de Prangins, avec ses jardins,

a été acquis en 1974 par les cantons

de Vaud et de Genève, et offert à

la Confédération pour y accueillir le

siège romand du Musée national suisse.

L’histoire du château n’était fondée

alors que sur des soruces historiques

bien laconiques: mentionné dès 1096,

108

en mains de la dynastie des Cossonay-

Prangins, l’édifice possède au Moyen

Age deux portes précédant une cour,

une aula et une grande tour; incendié

en 1536 et reconstruit, il a été rebâti

ex nihilo entre 1732 et 1739; l’iconographie

de ces premiers bâtiments, enfin,

est pratiquement inexistante.

Le suivi archéologique de cette réaffectation,

entre 1985 et 1995, a profondément

modifié ces maigres connaissances:

ainsi, le riche lapidaire remployé

dans les fondations du château

actuel montre que celui qui l’a précédé

a été constamment mis au goût du jour,

du Moyen Age à la Renaissance. D’autre

part, malgré le laminage systématique

de la topographie originelle du

site au cours du temps, qui n’a laissé

subsister que des vestiges très fragmentaires

sous les terrasses progressivement

étendues, l’aménagement de

la butte, particulièrement dans le secteur

de l’entrée, a pu être défini. Quant

au matériel archéologique retrouvé en

dépit de son caractère souvent fragmentaire,

il a laissé des traces irréfutables

d’un habitat fortifié entre l’âge

du Bronze final et le bas Moyen Age,

avec un intermède funéraire d’époque

romaine. C’est donc là un passé plus

ancien de deux millénaires qui a pu

être ajouté à l’histoire du site connue

jusqu’alors.

Jahresbericht 1997 der SAGW

Die Schweizerische Akademie

der Geistes- und Sozialwissenschaften

(SAGW) publiziert seit

Jahren einen Jahresbericht, den

auch Mitglieder der angeschlossenen

Gesellschaften beziehen

können. Den Jahresbericht 1997

können Sie unentgeltlich bis zum

1. März 1998 bei der SAGW,

Generalsekretariat, Hirschengraben

11, Postfach 8160, 3001

Bern bestellen. Der Bericht wird

im Mai 1998 ausgeliefert.


Brugg AG

Grenzen – Grenzenlos

Vindonissa-Museum, 5200 Brugg

18. Oktober 1997 – 26. April 1998

Di–So 10–12, 14–17

Montags geschlossen

Telephon 056 441 21 84

Anhand von Exponaten, Modellen,

Karten und Bildern aus den Bereichen

Kulturen und Staaten, Gesellschaften,

Bauwerke und Waffen wird auf anschauliche

Art gezeigt, wie sich Grenzen

von der Jungsteinzeit bis in die

frühe Neuzeit auf verschiedene Weise

manifestierten. Nicht zuletzt wird

dem Tod als Symbol für die Grenze

zwischen Diesseits und Jenseits ein

Teil der Ausstellung gewidmet. Die

Ausstellung nimmt stark Bezug auf

das Gebiet des heutigen Kantons Aargau

und zeigt einige der schönsten

Fundstücke aus Grabungen der Aargauischen

Kantonsarchäologie der

letzten zehn Jahre.

Vorstand des Schweizerischen

Burgenvereins 1998

Präsident:

Dr. Heinrich Boxler, Im Hölzli 19,

8706 Feldmeilen, 01 923 41 34

Ehrenpräsident:

Prof. Dr. Werner Meyer, Hammerstrasse

24, 4058 Basel, 061 271 08 35

Vizepräsidenten:

Dr. Renata Windler, Kantonsarchäologie,

8090 Zürich, 01 259 29 61

Urs Clavadetscher, lic. phil., Archäologischer

Dienst Kanton Graubünden,

Schloss Haldenstein, 7023 Haldenstein,

081 257 27 81

Quästor:

Martin Baumgartner, lic. iur., Treuhandgesellschaft

BKC, Balderngasse 9,

8001 Zürich, 01 221 39 31/47

Ausstellungen

Flurlingen und Uhwiesen ZH

Wenn Tote erzählen – Ein frühmittelalterlicher

Bestattungsplatz in

Flurlingen

Vom ‹Schandfleck› zum Kleinod –

Das spätmittelalterliche Gesellenund

ehemalige Gemeindehaus in

Uhwiesen

Eine Doppelausstellung zum Jubiläum

40 Jahre kantonale Denkmalpflege und

Kantonsarchäologie Zürich

Gemeindesaal Restaurant ‹Rheintal›,

Flurlingen

30. Januar – 22. Februar 1998

täglich 10–20 (Mo/Di geschlossen)

Führung und Aktionstag:

Samstag, 7. Februar 1998

Werkgebäude Wassergasse, Uhwiesen

7.–29. März 1998

Sa/So 10–17; Mi 17–20

Führung und Aktionstag:

Samstag, 14. März 1998

Seit 1958 gibt es die amtliche Denkmalpflege

und Archäologie im Kanton

Zürich. 1995 wurden die bis dahin zusammengelegten

Dienste des kantonalen

Hochbauamtes getrennt und in

Vereinsmitteilungen

Redaktor:

Thomas Bitterli, lic. phil., Blochmonterstr.

22, 4054 Basel, 061 281 34 65

Weitere Mitglieder:

François Christe, Bureau d’archéologie

monumentale et urbaine, 3, place du

Château, CP 179, 1000 Lausanne 17,

021 316 73 62

Hansjörg Frommelt, Landesarchäologie

Liechtenstein, Postfach 417,

FL-9495 Triesen, 075 236 75 31

Peter Kaiser, lic. phil., Fliederweg 5,

5000 Aarau, 062 824 56 35

Daniel de Raemy, 15, ch. du Château,

1422 Grandson, 024 446 24 68

Dr. Hans Rutishauser, Denkmalpflege

Graubünden, Loestr. 14, 7001 Chur,

081 257 27 92

zwei selbständige Fachabteilungen

neu organisiert. Zum 40-Jahr-Jubiläum

möchten die Kantonsarchäologie

und die Kantonale Denkmalpflege

gemeinsam mit einer Reihe von Veranstaltungen

auf ihre Aufgaben und

Zielsetzungen aufmerksam machen.

Die Ausstellung im Zürcher Weinland

bildet dazu den Auftakt und zeigt je

ein aussagekräftiges Beispiel aus dem

Arbeitsbereich von Archäologie und

Denkmalpflege.

Ormalingen BL

Die Farnsburg – Geschichte und

Architektur

Eine Ausstellung zum 200. Jahrestag der

Zerstörung anno 1798

im Bürgerhaus

31. Januar – 22. Februar 1998

Sa 14–17; So 10–12

Ausstellungsthemen sind: Thiersteiner

– Falkensteiner – Die Basler Zeit

und die Landvögte – Architektur der

Farnsburg – Zerstörung der Burg am

21./22. Februar 1798 – Ruine – Steinbruch

– Restaurierung.

Dr. Jürg Schneider, Witikonerstr. 502,

8053 Zürich, 01 422 32 14

Geschäftstelle:

Kurt Indlekofer, Schneidergasse 1,

Postfach 1539, 4001 Basel,

061 261 99 77, Fax 061 261 01 20

Geschäftsstelle und Redaktion:

(ab April 1998) Thomas Bitterli

Jahresgabe 1996/97

In der Reihe der Schweizer Beiträge

zur Kulturgeschichte und Archäologie

des Mittelalters (SBKAM) sind Band

23 und 24 als Jahresgaben 1996 und

1997 geplant. Die Bände werden voraussichtlich

im August 1998 erscheinen.

Im diesem Doppelband mit je ca.

200 Seiten werden Forschungsergebnisse

der Alpinen Wüstungsforschung

in der Schweiz präsentiert.


Schweizerischer

Association Suisse

Associazione Svizzera

Associaziun Svizra

Burgenverein

des Châteaux forts

dei Castelli

da Chastels

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