Heinz Zechner hat mich - Landesschulrat Steiermark

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Heinz Zechner hat mich - Landesschulrat Steiermark

200 EXTRA/ALLER ANFANG

SCHULE

www.dieschule-stmk.com

Mit diesem Heft feiert unsere Zeitschrift das Jubiläum ihrer 200. Ausgabe. Aus diesem Anlass kommen auf den ersten Seiten

Persönlichkeiten wie „Gründungsvater“ Dr. Bernd Schilcher zu Wort, die die Geschichte der „Schule“ geprägt und/oder begleitet

haben. Meinen Platz auf Seite 3 überlasse ich hier dem langjährigen Chefredakteur Regierungsrat Willi Bernhardt für eine

weitere Folge seines legendären „Ad Hoc“. Ich selbst komme diesmal im Gespräch mit Werner Egger zu Wort. Heinz Zechner

Es war Bernd Chibici,

damals noch Redakteur

der „Kleinen Zeitung“,

der uns auf die Idee gebracht

hat, eine „Schule-Zeitung“ zu

gründen. Ihm selbst schwebte

freilich eine sehr kritische Postille

vor, welche die Schulen

und ihre Lehrer, die Schulaufsicht

und die Beamten Monat

für Monat „beinhart“ hinterfragen

sollte. Aber das hat

damals ohnehin schon die

„Kleine Zeitung“ getan. Also

beschlossen wir im Büro

(Hudabiunigg, Eck und Zirngast),

eine positive Gazette ins

Leben zu rufen, die auch einmal

auf die guten Seiten des

steirischen Schulsystems hin-

H einz

Zechner hat mich,

seinen Vorgänger als

Primus inter pares im

„Schule“-Team, ersucht, einen

Beitrag beizusteuern, und er

hat gemeint, dass ein solcher

eine schöne Aufwertung der

Jubiläumsausgabe wäre. Als

„Ehrenabonnent“ habe ich alle

52 nach meiner Ära erschienenen

Nummern mit kritischem

Interesse gelesen. Hab’ ich doch

bei meinem Abgang vor fünf

Jahren gemeint: „Für mich ist

die ,Schule‘ ein Netz, in dem

eingefangen und über das weiter

gegeben wird, was sonst

vielleicht verloren ginge.“ Dieses

Netz ist sie noch immer.

Gratulation!

Ich habe auch gesagt: „Ich hätte

mir mehr Auseinandersetzung

gewünscht!“ Was uns

damals schon nicht gelungen

war, nämlich eine Plattform für

Diskussion und Meinungsaustausch

zu sein, findet sich auch

heute nur marginal in der

„Zeitschrift für Lehrer, Schüler

und Eltern“ (so der Untertitel

bis Oktober 2005).

War ich zu meiner Aktivzeit

eher geneigt, uns – das „Schule“-Team

– dafür verantwortlich

zu machen, hat mich die

Tatsache, dass jetzt in der

öffentlichen Schuldiskussion

die Schulleute so gut wie gar

nicht vorkommen, eines anderen

belehrt. Wo bleibt die Stimme

der Lehrer, der Schulaufsicht,

der Schulbehörde? Am

ehesten sind noch die Gewerkschaftsvertreter

zu hören.

Da lob’ ich mir die Ärzte, die

Eine Zeitung kommt in die Jahre

weisen sollte. Hofrat Bruckner

hat dann daran erinnert, dass

wir auch einen „Amtsteil“

unterbringen mussten. Schließlich

suchten wir noch nach

einem zumindest semiprofessionellen

Zeitungsmacher bzw.

Chefredakteur. Es gab dann

mehrere hintereinander – einer

der profiliertesten war Willi

Bernhardt, dem Werner Egger

zur Seite stand, der seinerseits

schon zuvor die Geschicke des

Blattes einige Jahre hindurch

gelenkt hatte.

Ich habe mich von vornherein

nie in die redaktionelle Arbeit

eingemischt. Bis auf eine Maxi-

nicht immer

sympathisch

dokumentieren:

Ohne uns keine

Gesundheitsreform,

schon gar

nicht eine, in

der der Arzt

zum Patienten

wird!

Wer ist denn

Fachmann für

das Unterrichtsgeschehen?

Wer kann

denn abschätzen,

was unter

welchen Bedingungenmachbar

ist? Wer

kann Entwicklungen

und

Mankos besser

sehen und einordnen als die,

die tagtäglich mit jungen Menschen

konfrontiert sind?

Allerdings, nur zu reagieren

und aus der Defensive heraus

zu handeln ist schon im Fußball

zu wenig, wo übrigens auch

jeder mitredet, ob er etwas von

der Materie versteht oder nicht.

Ich habe vor kurzem in einer

Zeitung für Senioren die

„Schule auf dem Weg“ ungefähr

so skizziert, als Denkanstoß:

Lernraum muss Lebensraum

sein! Die Vorbereitung unserer

Kinder auf das Leben darf nicht

bloß ein Vertrösten, ein Verschieben

auf ein Später sein;

Kindergärten, Schulen, Internate

haben so eingerichtet und

organisiert zu sein, dass das

Leben, ein erfülltes Jugend-

AD HOC

me. Angesichts der zahllosen

ähnlich gestrickten Zeitungsprodukte

von Kammern,

Gewerkschaften, Bünden und

Behörden, aus denen meist von

jeder Seite der jeweilige „Chef“

auf Hochglanz herauslächelt,

habe ich Bildverbot angeordnet:

Ich wollte mir und anderen

mein Konterfei nur im Notfall

zumuten. Ich weiß nicht, wie es

meine Nachfolger im Amt

gehalten haben – aber eine

„Präsidenten-Zeitung“ ist die

„Schule“ Gott sei Dank nie

geworden.

Wenn ich einzelne Ausgaben

dieser „Schule“ durchblättere,

leben, hier

geschehen

kann. Hic et

nunc! Das ist

vielfach nicht

möglich, deshalb

hat dort

jede Reform

angedacht und

angesetzt zu

werden:

● Die knackwurstartigeAneinanderreihung

von fünf,

sechs, sieben

und mehr

Stunden ohne

vernünftige

Pausen ist

Raubbau.

Lösungsmöglichkeit:

Mehr

Zeit! Entweder durch Einführung

der Ganztagsschule,

durch ein zusätzliches Schuljahr

oder durch drastische

Lehrplanentrümpelung.

● Einem halbwegs organischen

Schuleinstieg müssen bestimmte

Voraussetzungen zugrunde

liegen (Sprache, soziales Verhalten,

bestimmte Fertigkeiten).

Lösungsmöglichkeit:

Schulung von Eltern, gezieltes

Fördern in Kindergärten und

anderen Betreuungseinrichtungen.

● Verbindliche Mitbeteiligung

der Erziehungsberechtigten am

schulischen Geschehen. Lösungsmöglichkeit:Verpflichtende

Elternabende; ernsthafte

Projekte statt Alibiveranstaltungen

( wie etwa Sprechtage).

● Selektion, Spezialisierung,

2

Nr. 200

JULI

2008

so bin eigentlich recht stolz auf

unser „Kind“. Es hat sich

gemausert – und es hat immerhin

schon 18 Jahre am Buckel.

Ich glaube, dass die Zeitung im

Laufe der Zeit immer besser

und gehaltvoller geworden ist.

Als Amtsführender Präsident

habe ich ja nur 50 der 200 Ausgaben

miterlebt und zu verantworten

gehabt.

Bleibt mir nur noch, einen

Wunsch auszusprechen: Lieber

Herr Zechner, ich wünsche

Ihnen und Ihren Mitarbeitern,

dass auch die nächsten 200

Ausgaben der „ Schule“ eine

Erfolgsstory bleiben. Sie hat es

sich jedenfalls verdient.

Bernd Schilcher

weite Schulwege erst dann,

wenn sie sinnvoll und unumgänglich

sind. Das Auseinanderdividieren

mit zehn Jahren

ist mit Sicherheit zu früh!

Lösungsmöglichkeit: Gemeinsame

Schule der Zehn- bis

Zwölf- bzw. Vierzehnjährigen.

● Änderung der Lehrerausbildung,

Doppelgleisigkeit und

soziale Ungerechtigkeiten gehören

abgeschafft. Lösungsmöglichkeit:

Ausbildung an

pädagogischen Hochschulen

für alle Lehrer; für den Unterricht

an der Sekundarstufe II

weiteres Studium an der Universität.

● Schulorganisation und

Administration vereinfachen!

Lösungsmöglichkeit: Mehr

Autonomie an die Schulen;

Bereinigung von zwei-, dreiund

mehrfacher Zuständigkeit.

● Tagesbetreuungseinrichtungen

anbieten, aber solche mit

Qualität!

Am Schluss habe ich noch vermerkt,

dass ich ein überzeugter

Vertreter des öffentlichen

Schulwesens bin. Nur dieses

garantiert in hohem Maße

Chancengleichheit und Chancengerechtigkeit.Alternativund

Privatschulen können das

Salz in der Suppe sein.

Das wär’s. Ich gratuliere nochmals

zum 200er und danke für

die Einladung ein AD HOC zu

verfassen. Der „Schule“ (den

Producern und den Leserinnen

und Lesern) wünsche ich ein

herzliches Glück auf!

Willi Bernhardt

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