Zeit(ungs) - FAHRGAST Steiermark

fahrgast.steiermark.at

Zeit(ungs) - FAHRGAST Steiermark

Sonderausgabe 3/2011

Österreichische Post AG Info.Mail Entgelt bezahlt

Engagement für Generationen

25 Jahre Fahrgast Steiermark


Vorwort

Vor 25 Jahren wurde FAHRGAST gegründet

Vor 25 Jahren sah der Öffentliche

Verkehr in der Steiermark

anders aus als heute: Das Grazer

Straßenbahnnetz hatte eine Länge

von nur 29 km, Tangentialbuslinien

gab es praktisch nicht und die Fahrpläne

waren wesentlich schlechter. Auch

die Bahnfahrpläne wiesen weniger

Verbindungen als heute auf. Allerdings

konnte, wer genug Zeit mitbrachte,

mit dem Zug noch nach Neudau,

Neuberg oder Eisenerz fahren.

In dieser Zeit beschloss eine kleine

Gruppe junger Menschen, einen Verein

zur Förderung und Verbesserung

des Öffentlichen Verkehrs zu gründen.

Die Mitgliedschaft in „herkömmlichen“

Eisenbahnvereinen war nicht

nach ihrem Geschmack, vielmehr

wollten sie die Interessen der täglichen

Straßenbahn-, Bahn- und Busbenützer

konsequent vertreten. Daher kommt

der Name des Vereins: Fahrgast.

Der unmittelbare Anlass zur Gründung

war schließlich die geplante sang-

und klanglose Wiedereröffnung der

Straßenbahnlinie 5 nach Puntigam,

auf der der Betrieb wegen des Neubaus

der Bertha-von-Suttner-Brücke länger

geruht hatte. Die noch lose organisierten

Aktivisten konnten die Grazer

Verkehrsbetriebe überzeugen, dass ein

Wiedereröffnungsfest dem Anlass angemessen

sei und zugleich einen positiven

Werbeeffekt mit sich ziehen würde.

Nach diesem ersten Erfolg folgte

am 27.Oktober 1986 die offizielle Vereinsgründung.

Arbeitsweise

Während große Vereine, die die

Interessen der Autofahrer vertreten

(wohl allen bekannt sind die Vereine

ÖAMTC und ARBÖ), schon lange

existierten, musste sich Fahrgast erst

etablieren. Dies gelang aber relativ

schnell. Es wurden Vorstellungsgespräche

bei ÖBB und GVB (Vorgänger

der heutigen Holding Graz Linien)

und bei mehreren Politikern geführt.

Dabei entwickelte sich meist ein gutes

Gesprächsklima und auch ein gewisses

Vertrauensverhältnis. Die Verkehrsunternehmen

schätzten es, wenn jemand

öffentlich Politiker aufforderte, ihren

Worten zur Verbesserung des Öffentlichen

Verkehrs auch Taten folgen zu

lassen. Politiker wiederrum nahmen

dankbar Ideen und Verbesserungsvorschläge

von Fahrgast an, auf die – aus

welchen Gründen auch immer – bei

den betreffenden Verkehrsunternehmen

niemand gekommen war.

Die Herausgabe von Presseaussendungen,

aber auch die der Zeitung

Fahrgast, deckt schließlich den

Bereich der Öffentlichkeitsarbeit ab,

der sich oft als wichtig erwies. Denn

manchmal sind Politiker nicht von sich

aus bereit, den Öffentlichen Verkehr

zu fördern, sondern tun dies nur auf

medialen Druck. In der Vergangenheit

fühlten sich immer wieder Verantwort-

liche durch die Wortwahl in Presseaussendungen

zu hart angegriffen. Doch

wollte Fahrgast niemanden verletzen;

einzig das Aufdecken von Missständen

im Öffentlichen Verkehr und das Herbeiführen

von Verbesserungen war und

ist unser Ziel. An dieser Stelle muss

darauf hingewiesen werden, dass Fahrgast

unabhängig und überparteilich

ist. Um die Interessen von Fahrgästen

zu vertreten, musste sich Fahrgast in

seiner 25-jährigen Geschichte schon

mit Politikern aller Couleurs auseinandersetzen.

Erfolge

Das Aufzählen aller Erfolge, die in

den vergangenen Jahren erzielt wurden,

würde den Rahmen dieser Broschüre

sprengen. Von kleinen Maßnahmen wie

Verbesserungen der Fahrgastinformation

an Fahrzeugen, Haltestellen und bei

Bauarbeiten bis hin zu zeitintensiven,

großen Aktionen, wie die Rettung der

Bahnlinie nach Übelbach (heute S11),

Eine der ersten Fahrgast-Aktivitäten:

Aktivisten anlässlich der Eröffnung der neuen Remise Steyrergasse, 1986.

3/ 011 25 Jahre Fahrgast

Jubiläumsausgabe


Die von Fahrgast gestaltete Ausstellung „vom Albtraum zur Traumtram“, 1987,

machte auf die negativen Auswirkungen des Autoverkehrs aufmerksam.

die erreichte Rücknahme der GVB-

Fahrplanausdünnungen 1988 und die

folgende Mitgestaltung des attraktiven

städtischen Taktfahrplans ab 1990

reicht die Palette. Auch der Bau der

Verlängerung der Straßenbahnlinie 1

zum Unfallkrankenhaus ging auf eine

Fahrgast-„Initialzündung“ zurück.

Aus der jüngeren Vergangenheit wären

die Verlängerung der Linie 6 ins Peterstal

2007, für die Fahrgast gemeinsam

mit den Vereinigten Bürgerinitiativen

Pro langen 6er jahrelang gekämpft hatte,

und das Buskonzept Graz-Südost

ab 2010 zu nennen.

Leider sind nicht alle verfolgten

Ziele erreicht worden: Die Stilllegung

der Bahnlinie nach Neuberg 1995 und

die noch immer nicht verwirklichte S-

Bahn im Ballungsraum Vordernbergertal-Leoben-Bruck-Kapfenbergschmerzen.

Die geplanten Rücknahmen des

Bahn-Fernverkehrs ab Graz um 25 %

konnten nur für ein Jahr abgemildert

werden – nächstes Jahr wird das Tauziehen

von Neuem beginnen. Diese

Ereignisse sind Motivation, sich gerade

jetzt weiterhin konsequent für den Öffentlichen

Verkehr einzusetzen!

Kaderschmiede

Für manch einen Fahrgastler (die

interne Bezeichnung für aktive Fahrgast-Mitglieder)

wurde die Mitarbeit

im Verein auch zum Sprungbrett für

den eigenen beruflichen Erfolg. Die

konsequente Beschäftigung mit den

verschiedenen Aspekten des Öffentlichen

Verkehrs macht sie prädestiniert

für Führungspositionen im Verkehrs-

bzw. Verkehrsplanungsbereich. So hat

die Fahrgast-Gründungsriege heute

Entscheidungsträgeraufgaben bei Stadt

Graz, Holding Graz Linien und Verbundlinie

inne. Ehemalige Mitglieder

des Vereinsvorstands machten sich erfolgreich

mit einer Firma im Mobilitätsbereich

selbstständig.

Und auch zu den ÖBB hat es

schon Fahrgastler verschlagen. Freilich

lernen sie in ihren jeweiligen Positionen

oft neue innerbetriebliche

Jubiläumsausgabe 25 Jahre Fahrgast

Gesichtspunkte kennen, die früheren

Fahrgast-Positionen entgegenstehen.

Auch wenn wohlwollende Kontakte

bleiben: Fahrgast selbst muss – um

unabhängig zu bleiben – ohne ihre aktive

Mitarbeit auskommen. Aus diesem

Grund zieht sich auch alle paar Jahre

wie ein roter Faden der Aufruf an alle

Leserinnen und Leser von Fahrgast,

selbst aktiv zu werden und bei Fahrgast

mitzuarbeiten. So ist es auch in

dieser Jubiläumsausgabe:

Aufruf

Wenn Ihnen der Öffentliche Verkehr

am Herzen liegt und Ihnen Ihr

Bus, Ihre Straßenbahn oder Ihr Zug

zu wichtig ist, um deren Zukunft dem

Gutdünken der Verkehrsunternehmen

und der gerade amtierenden Politiker

zu überlassen, dann engagieren Sie sich

gemeinsam mit uns und machen Sie

mit bei der Lobby der Fahrgäste!

Viel Freude beim Lesen der Jubiläumsbroschüre

wünschen Redaktion

und Vorstand von Fahrgast Graz/

Steiermark.

Für den Vorstand:

Martin Mödlinger

Thomas Schilcher

Georg Hofer

Klaus Ladner

Für die Redaktion:

Marcus Pirker

Gerald Hirzer

Jakob Holzer

Severin Kann

Stefan Walter

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Geleitworte

Ein funktionierender Öffentlicher

Verkehr braucht eine leistungsfähige

Infrastruktur, ökonomisch

und ökologisch nachhaltige

Investitionen, bedarfsgerechte Fahrpläne,

Komfort und ein qualitätsvolles

KundInnenservice. Neben all diesen

Faktoren kann Öffentlicher Verkehr

aber nur dann erfolgreich sein, wenn er

von den Menschen als umweltfreundliches

und selbstverständliches Transportmittel

akzeptiert wird.

Seit 25 Jahren trägt der Verein

Fahrgast mit großem fachlichen Wissen

und einem hohen ehrenamtlichen

Engagement dazu bei, dieses Ziel zu

erreichen. Als Sprachrohr für KonsumentInnen

ebenso, wie als kritischer

Begleiter politischer Entscheidungen.

So schätze ich auch die Zusammenar-

beit in dem 2010 gemeinsam ins Leben

gerufenen „Öffi-Forum“, das als

Plattform für Interessensvertretungen,

Behörden und Verkehrsbetriebe zu einer

wichtigen Drehscheibe geworden

ist.

Solange Maßnahmen zur Verlagerung

des Autoverkehrs auf den Öffentlichen

Verkehr, das Fahrrad und den

Weg zu Fuß in den Städten auf breiten

Widerstand stoßen, ist diese Unterstützung

für eine umweltfreundliche

Mobilität unverzichtbar. Ich gratuliere

den Mitgliedern und AktivistInnen zu

ihrem Jubiläum und zähle als Verkehrsstadträtin

und Förderin der Sanften

Mobilität auch weiterhin auf ihre Unterstützung.

Vizebürgermeisterin Lisa Rücker

3/ 011 25 Jahre Fahrgast

Jubiläumsausgabe


Der öffentliche Verkehr hat

sich in den vergangenen

Jahren in der Steiermark

wesentlich weiterentwickelt und als

umweltfreundliche und zeitsparende

Alternative zum Auto etabliert. Der

Bereich des öffentlichen Verkehrs war

für mich darum von Beginn an ein

zentrales Anliegen in der Verkehrspolitik.

Ob Bahn, Bim oder Bus – eine

Angebotsoptimierung des öffentlichen

Verkehrs sowie eine Qualitätsverbesserung

durch marktorientierte und innovative

Maßnahmen werden in Zukunft

unumgänglich sein.

Die Zeit des Sparens hat nun auch

in der Steiermark Einzug gehalten.

Das Sparbudget hat das Verkehrsressort

stark getroffen. Von Beginn der

Budgetverhandlungen an war es mir

aber ein besonderes Anliegen, im öffentlichen

Verkehr so wenige Abstriche

wie möglich zu machen. Auch wenn

es Sparzwänge gibt, darf der umweltfreundliche,

öffentliche Verkehr nicht

darunter leiden. Das Liniennetz des öf-

fentlichen Verkehrs in der Steiermark

trägt erheblich zur Verbesserung des

Verkehrsangebotes bei. Als Umwelt-

und Verkehrslandesrat ist die Alternative

zum Auto für mich eines der

zentralen Themen. In diesem Bereich

einschneidend einzusparen, wäre das

denkbar falsche Signal.

Um den Umstieg auf öffentliche

Verkehrsmittel attraktiver zu machen,

fördert das Verkehrsressort in der gesamten

Steiermark zahlreiche Park &

Ride Plätze, aber auch Bike & Ride

Anlagen. Der Kunde kann so mit Auto

oder Fahrrad direkt zu seiner Haltestelle

gelangen und problemlos in die

Bahn umsteigen. Es sind gerade solche

Anreize, die den Umstieg erleichtern

sollen. Der zweite Schritt muss sein,

die gewonnen Kunden auch zu halten

– das kann nur mit einer konstant hohen

Qualität im öffentlichen Verkehr

der Fall sein.

Der öffentliche Verkehr stellt mit

kurzen Fahrtzeiten, einer optimalen

Anbindung und kundenfreundlicher

Jubiläumsausgabe 25 Jahre Fahrgast

Ausstattung eine umweltschonende

Alternative zum motorisierten Individualverkehr

dar. Überzeugen auch Sie

sich von den zahlreichen Vorteilen und

nützen Sie für Ihren Weg in die Arbeit,

für Ihre Wochenendausflüge oder Ihre

Freizeit den öffentlichen Verkehr in der

Steiermark.

Verkehrslandesrat Dr. Gerhard Kurzmann

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Zeit(ungs)reise

Einen guten Überblick über das nunmehr 25-jährige Engagement von Fahrgast liefert das Zeitungsarchiv,

in dem die seit 1987 erscheinenden Ausgaben von Fahrgast gesammelt sind.

Das Layout wirkt aus heutiger

Sicht antiquiert, der Schriftsatz

kann seine Herkunft aus

der Schreibmaschine nicht leugnen.

Inhaltlich trifft aber bereits für die

ersten Ausgaben zu, was Fahrgast bis

heute auszeichnet: Fachlich kompetente

Berichte, Analysen und Verbesserungsvorschläge

über bzw. für den

Öffentlichen Verkehr.

1987

„Wie geht’s weiter, Graz?“ war

das Titelthema der allerersten Fahrgast-Ausgabe,

die Anfang 1987, also

wenige Monate nach der Vereinsgründung,

erschien. Auf der Titelseite sind

eine Straßenbahn und daneben eine

mehrspurige Autokolonne abgebildet,

womit der Platzbedarf dieser beiden

Verkehrsträger anschaulich gegenübergestellt

wird. Die Grazer Verkehrspolitik

bekannte sich damals zwar verbal

schon zu einer Stärkung des Öffentlichen

Verkehrs, bis den Worten aber

auch Taten folgten, war noch intensives

Die erste Fahrgast-Zeitung, Nr. 0/1987.

Ausgabe 3/1987.

Fahrgast-Lobbying erforderlich. Ein

weiteres Thema, dessen sich der junge

Verein annahm, war die „Neue Bahn“.

In Ausgabe 3/87 wird die Problematik

der damaligen Planungen, Hauptstrecken

auszubauen und gleichzeitig

Nebenbahnen stillzulegen, kritisch

erörtert. Ein Thema, das heute wieder

aktuell ist.

Doch nicht nur mit der Herausgabe

der gleichnamigen Zeitung machte

Fahrgast in den ersten Tagen auf sich

aufmerksam, sondern auch durch einige,

teils spektakuläre Aktionen: So

fand von 30.01 bis 5.2.1987 im Haus

der Jugend in Graz die von Fahrgast

gestaltete Ausstellung „Alptraum Auto

– Vom Alptraum zur Traumtram“

statt, die sich mit den negativen Auswirkungen

des ausufernden Autoverkehrs

auf die Stadt befasste und als

Alternative den massiven Ausbau des

Öffentlichen Verkehrs – namentlich

des Straßenbahnnetzes – aufzeigte. Beworben

wurde diese Ausstellung durch

ein auf eine Lore verladenes Auto, das

von einer Straßenbahn durch Graz

gezogen wurde. Für Aufsehen sorgte

auch die „Kranzniederlegung“ am Fröbelpark

anlässlich der 30. Wiederkehr

der Stilllegung der Straßenbahnlinie 3,

die einst nach Gösting führte. Mit

einem Trauerkranz, passenderweise in

einem Autoreifen, forderte Fahrgast

den Ausbau des in den 60er- und 70er-

Jahren stark reduzierten Straßenbahnnetzes.

1988

1988 folgte die erste Bewährungsprobe:

Die GVB, Vorgänger der heutigen

Holding Graz Linien, sollten

ihr Defizit reduzieren und die Verantwortlichen

planten eine Reduktion des

Angebots auf einen 30-Minuten-Takt

bereits ab 21.00 sowie einen 20-Minuten

Takt vor 6.30 Uhr. Fahrgast lief

gegen diese Verschlechterungen Sturm:

„GVB und Politiker verschlechtern Intervalle,

denn sie wissen nicht, was sie

tun“ stand auf der Titelseite der Ausgabe

1/88. Die Änderungen traten

dennoch am 6. April 1988 in Kraft.

Fahrgast hatte aber einen Diskus-

Ausgabe 1a/1988.

3/ 011 25 Jahre Fahrgast

Jubiläumsausgabe


sions- und Umdenkprozess in Gang

gesetzt: Im September wurden die Verschlechterungen

teilweise wieder rückgängig

gemacht.

Die österreichweite Regionalbahn-

Stilllegungswelle der ÖBB im Jahr

1988, von der auch drei steirische

Strecken betroffen waren, konnte

Fahrgast freilich nicht verhindern.

Lediglich die Strecke Mürzzuschlag–

Neuberg, die ursprünglich ebenfalls

1988 stillgelegt werden sollte, konnte

damals gerettet werden – leider nur

vorrübergehend. Erfolgreicher war da

der Kampf um eine Strecke der Steiermärkischen

Landesbahnen, die damals

„auf der Abschussliste“ stand:

Die Übelbacher Bahn (und übrigens

auch die Strecke nach Bad Gleichenberg)

sollte mit 31.7.1988 eingestellt

werden, und Fahrgast engagierte sich

gemeinsam mit Initiativen vor Ort für

deren Fortbestand. „Modellversuch soll

Übelbacher Bahn retten“ titelt Ausgabe

2/88. Am 9.Juli wurde anlässlich einer

Sonderfahrt mit dem „Krokodil“ nach

Übelbach ein Konzept mit einem verdichteten

Fahrplan und zusätzlichen

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neuen Haltestellen präsentiert. Mit

Zustimmung der politischen Referentin

Frau Landesrat Waltraud Klasnic,

die einige Jahre später als erste Frau

in Österreich das Amt des Landeshauptmanns

innehaben sollte, wurde

ab 1. September 1988 tatsächlich der

neue Fahrplan, einige neue Haltestellen

und eine ermäßigte Rückfahrkarte

eingeführt. Die Fahrgastzahlen stiegen

daraufhin um etwa 40 %, die steirische

Landesregierung zog die Einstellungsanträge

später zurück. Heute

ist die Übelbacherbahn als S 11 in

das S-.Bahn-Netz integriert und auch

die schon damals gestellte (aber noch

nicht realisierte) Forderung nach Di-

Ausgabe 2/1988.

rektzügen nach Graz ist mittlerweile

umgesetzt. Übrigens hatte sich Fahrgast

1988 nicht nur in die Planungen

Ausgabe 2b/1989.

für das neue Konzept eingebracht, son- wurde, bedauerte Fahrgast: „Die

dern auch konkret handwerklich mit- Trams werden schneller, nur weiß das

gearbeitet: Die erste Generation der leider niemand“ steht auf der Titelseite

Haltestellentafeln an den neu errichte- der Ausgabe 2b/89. Und noch ein heuten

Haltestellen waren von Fahrgast te bekanntes Projekt taucht 1989 auf:

handbeschriftete Holzplatten. „Bahn frei für die S-Bahn Steiermark“,

ein S-Bahn-Konzept für den Großraum

Graz und die Obersteiermark, ist

1989

1989 thematisierte Fahrgast u.a.

das Beschleunigungsprogramm der

Stadt Graz für den Öffentlichen Verkehr.

Nachdem im Vorjahr noch kritisiert

werden musste, dass zwar in

neue Ampelanlagen investiert worden

war, diese aber kaum zu kürzeren Aufenthalten

für Straßenbahnen an den

entsprechenden Kreuzungen geführt

hatten, kehrte 1989 erfreulicherweise

etwas Schwung in diese Angelegenheit

ein. Ob als Reaktion auf den Winter,

an dem es mehrfach Smogalarm gegeben

hatte, oder auf das Lobbying von

Fahrgast – jedenfalls wurde an mehreren

Stellen die Straßenbahn dank

günstigerer Grünphasen beschleunigt.

Dass dies nicht auch kommuniziert

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2011

Das erste S-Bahn-Konzept, Ausgabe 4/1989.

3/ 011


der Inhalt der Ausgabe 4/89. Während

die S-Bahn im Großraum Graz heute

Realität ist, sind die Bemühungen um

eine S-Bahn zumindest im BallungsraumKapfenberg-Bruck-Leoben-Trofaiach

bis heute leider ohne Früchte

geblieben. Trofaiach ist heute sogar nur

noch per Bus erreichbar.

1990

1990 forderte Fahrgast in der

Sonderausgabe 1a/90 „Die neue Südbahn“.

Die politischen Veränderungen

in Osteuropa und der Fall des „Eisernen

Vorhangs“ 1989 ließen damals

neue Verkehrsströme erwarten und

bald tauchte von einigen Politikern die

Forderung auf, statt der Finanzierung

des Semmering-Basistunnels Gelder

für den Ausbau der Bahnverbindungen

nach Ungarn und in die damalige

Tschechoslowakei zu nutzen. Dem

stellte sich FAHRGAST entgegen

und forderte höchste Priorität für den

Bau des Semmering-Basistunnels und

Planung und Bau der Koralmbahn.

Die Resolution zur „neuen Südbahn“, 1a/1990.

Sonderausgabe zur 1er-Verlängerung, 3/1990 Die erste Broschüre zum Langen 6er: 3b/1990

20 Jahre später ist die Koralmbahn

tatsächlich in Bau, der Semmering-

Basistunnel musste nach hartnäckigem

Widerstand aus Niederösterreich komplett

neu geplant werden. Die Fertigstellung

beider Projekte ist für 2022

anvisiert – freilich war zuerst doch die

Westbahn ausgebaut worden, zumal

der 1991 beginnende (und leider kriegerisch

verlaufene) Zerfall Jugoslawiens

die Nord-Süd-Verkehrsströme fast

zum Erliegen brachte bzw. in Richtung

Osten umleitete.

Einen großen Erfolg konnte die

Ausgabe 3/90 bejubeln: Die Verlängerung

der Straßenbahnlinie 1 von

Eggenberg (heute: Alt-Eggenberg) bis

Eggenberg-UKH. Fahrgast-Aktivisten

hatten drei Jahre zuvor im für 1988

geplanten Gleissanierungskonzept der

GVB die Sanierung der damals eingleisigen

Strecke durch die Georgigasse

„entdeckt“ und machten Vertreter der

Stadt Graz darauf aufmerksam, dass

dies eine günstige Gelegenheit wäre,

gleich eine größere Lösung umzusetzen:

Einen zwei- statt eingleisigen

Neubau und daran anschließend eine

Verlängerung um 489 Meter bis zum

Unfallkrankenhaus. Unter dem Motto

„Der Einser-noch 400 Meter bis zum

Ziel“ hatte Fahrgast im Frühjahr

1988 eine Podiumsdiskussion veranstaltet,

im deren Verlauf der damalige

Vizebürgermeister (und Verkehrsstadtrat)

Erich Edegger und der damalige

GVB-Direktor Heinzl für das

Projekt gewonnen werden konnten.

1989 folgte im Zuge der Sanierung

der zweigleisige Ausbau der Strecke in

der Georgigasse, im Sommer 1990 die

Bauarbeiten zur eigentlichen Verlängerung.

Am 9.9.1990 fand die feierliche

Eröffnung statt. Bei der Eröffnungsfeier

bedankte sich Erich Edegger sogar

bei den „Hirzer-Buam“, zwei Brüdern,

die als besonders engagierte Fahrgast-

Mitglieder aufgetreten waren. Das Grazer

Straßenbahnnetz war zwar nur um

400 Meter (eine Haltestelle) gewachsen,

doch die Symbolik war enorm: Es

war der erste Staßenbahnausbau seit 65

Jahren.

Die Fahrgast-Ausgabe 3b/90

stellt ein weiteres Straßenbahnprojekt

vor: „Unser neuer 6er“ ist der Titel.

3/ 011 25 Jahre Fahrgast

Jubiläumsausgabe


Die Verlängerung der Straßenbahnlinie

6 zur Peterstalstraße sollte damals

als nächstes Projekt folgen, die Eröffnung

war für 1992 vorgesehen. Über

das Thema musste später noch oftmals

berichtet werden – die tatsächliche Eröffnung

fand bekanntlich erst 2007

statt!

1991

Die 90er Jahre (des vergangenen

Jahrhunderts, wie man mittlerweile erläuternd

hinzufügen kann) waren eine

verkehrspolitisch sehr bewegte Zeit.

Die ÖBB führten zum Fahrplanwechsel

im Juni 1991 den NAT91 (Neuer-

Austro-Takt 91) ein, der umfassende

Verbesserungen nach sich zog: Sieben

Intercitylinien fuhren durch Österreich,

dazu mehrere Eurocity- und

einige besonders beschleunigte Super-

City-Züge. Ein 2-Stunden-Takt bestand

zwischen Graz und Linz ebenso

wie zwischen Graz und Innsbruck (mit

Anschluss nach Salzburg in Bischofshofen).

In zwei weiteren Stufen sollte

Ausgabe 1/1991.

der NAT 1996 und 2000 verbessert

und mit dem Regionalbusverkehr

verknüpft werden – wozu es leider

nie kam. Auch im Nahverkehr wurde

das Angebot erhöht, wenngleich auch

nicht überall vertaktet. „Grazer Nahverkehr

auch im NAT weiter taktlos“

titelte Fahrgast 1/91 etwas erbost.

„Retten wir die Neuberger Bahn“ rief

die Ausgabe 2/91 auf, denn wieder

einmal sollte sie entgegen der Tendenz

zu besseren Bahnangeboten stillgelegt

werden. Dank Fahrgast-Engagement

durfte sie dann doch weiterfahren,

erhielt sogar einen Stundentakt und

erhöhte ihre Fahrgastzahlen auf über

100.000 pro Jahr. Es war leider nur ein

vorübergehendes Aufleben.

Auch in der Stadt Graz bewegte

sich einiges: Die „Sanfte Mobilität“,

das Verkehrskonzept des Vizebürgermeisters

Erich Edegger, setzte auf die

Förderung öffentlicher Verkehrsmittel,

des Fußgänger- und des Radverkehrs.

Fahrgast begleitete dieses Konzept

stets konstruktiv, forderte manchmal

auch ausstehende Maßnahmen ein.

„1. Oktober – und jetzt?“ fragt Fahr-

Jubiläumsausgabe 25 Jahre Fahrgast

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Ausgabe 2/1991. Ausgabe 3/1991.

gast in Ausgabe 3/91, nachdem die

Umsetzung eines Maßnahmenpakets

zur Beschleunigung des Straßenbahn-

und Busverkehrs ins Stocken geraten

war. Und auch der „Dauerbrenner“

6er-Verlängerung taucht wieder auf:

Überraschend hatten die Stadtväter

kurzfristig beschlossen, nur die Strecke

Ausgabe 4/1991.

3/ 011

2008

2009

2010

2011


vom Schulzentrum bis zur heutigen

Haltestelle Eisteichgasse zu bauen,

nachdem es zu Schwierigkeiten bei

der Ablöse des für die Schleife vorgesehenen

Grundstücks an der Einmündung

des Breitenwegs in die Peterstalstraße

gekommen war. Daraufhin

bildeten sich zwei Bürgerinitiativen für

die Verlängerung in der ursprünglich

geplanten Form (bzw. sogar darüber

hinaus). Fahrgast gab gemeinsam

mit ihnen die Ausgabe 4/91 als Informationsbroschüre

für die Streckenanrainer

heraus und forderte vehement

die Verlängerung in der ursprünglich

geplanten Form.

1992

Fahrgast 1/92 konnte auch

prompt einen Erfolg vermelden: „Der

6er fährt ins Peterstal“ erfährt der Leser

auf der Titelseite. Anlässlich einer Podiumsdiskussion

hatten Bürgermeister

Stingl und Vizebürgermeister Edegger

verkündet, dass die im Herbst 1991

vorgestellte Kurzvariante schon wieder

Ausgabe 1/1992.

Ausgabe 2/1992.

obsolet sei. Vielmehr sollte die Verlängerung

über die ursprünglich geplante

Schleife (an der heutigen Haltestelle

Prof. Franz-Spath-Ring) hinaus in das

Peterstal weitergeführt werden. Auch

damit ersparte man sich die schwierige

Ablöse des betreffenden Grundstücks.

„Fertigstellungstermin gibt es noch keinen,

doch die Signale stehen auf Grün“

schrieb Fahrgast begeistert. Dass es

noch 15 Jahre dauern würde, konnte damals

freilich keiner ahnen. Erfreuliches

gab es auch auf dem Bahnsektor zu

vermelden: Die Neuberger Bahn durfte

dank eines Leistungsauftrags des Verkehrsministeriums

bis 1994 weiterfahren.

Auch in eigener Sache gab es viel zu

vermelden: Fahrgast feierte (verspätet)

sein fünfjähriges Bestehen und widmete

mehrere Seiten der Präsentation seines

Engagements und einem Rückblick auf

das bereits Erreichte.

Weitere (Titel-)Themen 1992:

„Der Verbund wird verzögert“, meldete

Ausgabe 2/92. Bis zum Start der

Verbundlinie sollten noch zwei Jahre

ins Land ziehen. Mit „Beschleunigung

ist eingebremst“(3/92) musste Fahr-

gast einmal mehr auf Verzögerungen

beim Markieren von Busspuren und

der Installation von Ampelvorrangschaltungen

aufmerksam machen.

Glücklicherweise gab es auch Erfreuliches

zu vermelden: Einen Ausblick

auf eine weitere Stufe des GVB-Taktfahrplans,

die Intervallverbesserungen

auf einigen Straßenbahnlinien, die

Einführung der „Citylinie 30“ und die

Verlängerung des 39ers zur Universität

beinhalteten und im November in

Kraft traten. Die letzte Ausgabe des

Jahres hat wieder etwas zu bemängeln:

Den Einsatz von zu kleinen bzw. zu

wenigen Straßenbahnen und Bussen

an den Vorweihnachts-Einkaufssamstagen:

„GVB verärgern viele Einkäufer“

klagte Fahrgast über überfüllte

sechsachsige Straßenbahnen, während

die längeren Achtachser aus Gründen

der Personaldisposition an Wochenenden

in der Remise standen.

Am 28.10.1992 starb unerwartet

Erich Edegger, langjähriger Vizebürgermeister

und Verkehrsstadtrat der

Stadt Graz. Mit seinem Tod verlor der

Öffentliche Verkehr einen großen Für-

Ausgabe 3/1992.

10 3/ 011 25 Jahre Fahrgast

Jubiläumsausgabe


Ausgabe 4/1992.

sprecher, denn Edegger hatte sich gemäß

seinem Credo der „Sanften Mobilität“

stets konsequent für Straßenbahn

und Bus eingesetzt (und auch für den

Radfahrer- und Fußgängerverkehr).

– auch gegen den Widerstand der Autolobby.

Mit Fahrgast hatte er immer

konstruktive, ja freundschaftliche

Kontakte gepflegt. Oft fragte er die

„Fahrgastler“ nach ihrer Meinung zu

seinen Plänen und Ideen, immer hatte

er auch ein Ohr für deren aktuelle

Anliegen. Auch bei Meinungsverschiedenheiten

waren die Diskussionen

stets fair und sachlich verlaufen. Edeggers

Nachfolgerin wurde die vormalige

Umweltministerin Ruth Feldgrill-Zankel,

die der Bundespolitik zugunsten

der Stadt Graz den Rücken kehrte. Sie

versprach, die „mutige und kantige“

Politik ihres Vorgängers fortzusetzen.

Gleichzeitig suchte sie den Konsens

mit dem Wirtschaftsbund, der damals

noch ausschließlich Autofahrer für gute

Geschäftskunden hielt – und Maßnahmen

zur Förderung des ÖV auf Kosten

des Autoverkehrs (z. B. Busspuren

statt Parkplätzen) ablehnte. In den fol-

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genden Jahren sollte daher wieder viel

Arbeit auf Fahrgast warten.

1993

1993 dominierten in allen Fahrgast-Zeitungen

städtische Verkehrsthemen:

„Kein Platz für die Sechser-

Schleife“ meldete die Sommerausgabe

2/93 entsetzt: Das Baurechtsamt hatte

just auf jenem Grundstück, auf dem im

Peterstal die Umkehrschleife der verlängerten

Linie 6 entstehen sollte, eine

Siedlung genehmigt. Zwar hatte der

Baurechtsträger zugesagt, den bewilligten

Bau umzuplanen und Platz für

eine Straßenbahnschleife vorzusehen

– einen wirklichen Rechtsanspruch darauf

hatte die Stadt aber nicht. In der

Folge kam es schließlich zur gütlichen

Einigung: In der Siedlung entstand eine

Tiefgarage mit verstärkter Dachkonstruktion,

auf der später Gleise verlegt

werden konnten und heute die Linie 6

wendet. Ob dies ohne das Engagement

von Fahrgast und den „Vereinigten

Bürgerinitiativen pro langer 6er“ auch

so reibungslos geklappt hätte, darf freilich

bezweifelt werden. Aber nicht nur

der Verlängerung, sondern auch der

Bestandsstrecke zwischen Jakominiplatz

und St.Peter-Schulzentrum widmete

Fahrgast seine Aufmerksamkeit:

Ein Maßnahmenpaket, dass Straßenbahnen

auf diesen Streckenabschnitt

pünktlicher, zuverlässiger und schneller

machen sollte, wurde erarbeitet. In

augenzwinkernder Anlehnung an ein

damals an einigen Schulen im Biologieunterricht

zur Aufklärung eingesetztes

und heftig diskutiertes Unterrichtsmittel

nannte man es „6er-Koffer“.

Um für eine Anbindung der Karl-

Franzens-Universität an das Straßenbahnnetz

durch Umlegung der Linie 1

über Glacis, Zinzendorfgasse und

Leechgasse zu werben, organisierte

Jubiläumsausgabe 25 Jahre Fahrgast

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2011

Fahrgast anlässlich eines Uni-Aktionstages

am 18. Mai den Transport

einer Straßenbahn per Tieflader zum

Sonnenfelsplatz. Zusammen mit der im

Inneren des Wagens gezeigten Ausstellung

„Mehr Tram für Graz“, die Fahrgast-Mitarbeiter

zusammengestellt

hatten, war dies die größte Attraktion

des Aktionstages. Verwirklicht wurde

das Projekt leider bis heute nicht.

Im Herbst 1993 ging Fahrgast

akribisch der Frage nach, wofür die

Einnahmen aus der Parkraumbewirtschaftung

(„Blaue Zonen“) verwendet

werden; laut Gemeinderatsbeschluss

sollten sie nämlich vollständig in die

Förderung des Öffentlichen Verkehrs

fließen. Neben Anteilen für

den Fahrplan und die Finanzierung

des damaligen Tarifverbundes sollten

auch Ampelbeschleunigungen installiert

werden. Nach dem Motto „Steter

Tropfen höhlt den Stein“ musste Fahrgast

dieses Thema in den Folgejahren

noch öfters aufgreifen, denn es stellte

sich heraus, dass nicht jede (mit diesen

Geldern umgebaute) Ampel automa-

Beschleunigungskonzept für die Linie 6, 1993

3/ 011 11


Das berühmte leere Interview mit

Anthony Scholz, Ausgabe 4/1993.

tisch Bus oder Tram eine Vorrangschaltung

einräumte.

Eine kurzzeitige „Eiszeit“ gab es

bei den Kontakten zwischen Fahrgast

und GVB. Der damalige GVB-Chef

Antony Scholz verweigerte Fahrgast

ein Interview, woraufhin Fahrgast

nur die Fragen und leere Felder für

die Antworten abdruckte. „Fahrgast

bedauert die Sprachlosigkeit von Direktor

Scholz und wünscht dennoch

erholsame Weihnachten“, schloss

der Artikel bissig. Die Vorgeschichte:

Nach einer Tariferhöhung hatten die

GVB allen Jahreskartenbesitzern Erlagscheine

geschickt, mit denen sie für

die restlichen Gültigkeitsmonate den

Differenzbetrag zum alten Fahrpreis

aufzahlen sollten – eine Unsitte, die

seit Einführung des Verkehrsverbundes

und übertragbarer Fahrscheine zum

Glück der Vergangenheit angehört.

Fahrgast hatte in einem Offenen Brief

an die Presse beklagt, dass dieses Verhalten

Stammkunden gegenüber nicht

nur imageschädigend sei, sondern auch

rechtlich problematisch, da zum Zeitpunkt

des Abschlusses des Kaufs ja die

Gültigkeit der Karte für 12 Monate

zugesichert würde. Es müsste also zumindest

auch auf die Möglichkeit hingewiesen

werden, die Jahreskarten zurückzugeben

und anteilig erstatten zu

lassen. Die damals noch erscheinende

Tageszeitung „Neue Zeit“ übernahm

die Presseaussendung und titelt etwas

unglücklich: „Fahrgast: Gebt Zeitkarten

zurück!“. Scholz wollte daraufhin

die Zusammenarbeit mit Fahrgast

komplett beenden – ein Vorsatz, der

zum Glück nicht ewig hielt.

1994

Am 28.2.1994 startete endlich der

Verkehrsverbund Großraum Graz.

Fahrgast informierte seine Leser in

Ausgabe 1/94 ausführlich darüber. Weiters

erschien – wieder einmal – eine Informationsbroschüre

für Anrainer der

geplanten 6er-Verlängerung, um den

von Projektgegnern gestreuten Gerüchten

(u.a. wurde behauptet, bestehende

Sportplätze würden in Parkplätze für

Pendler umgewandelt) entgegenzutreten.

„Hundert Millionen für den ÖV

gestrichen“ meldete entsetzt Ausgabe

3/94. Auch wenn es sich nur um

Schilling handelte (100 Mio. Schilling

Ausgabe 1/1994.

entsprechen ohne Berücksichtigung

der Inflation etwa 7,3 Mio. Euro), der

Betrag war hoch. Hintergrund war, dass

das Land Steiermark nach dem Ende

der zweckgewidmeten Mineralölsteuer

deren Erlöse zwar in den ÖV investierte,

die bisher dazu verwendeten Landesmittel

aber dafür in den Straßenbau

Ausgabe 3/1994.

1 3/ 011 25 Jahre Fahrgast

Jubiläumsausgabe


Das Fahrgast-Konzept des Tangentialbuslinienrings.

umwidmete. Fahrgast nahm sich des

Themas Nahverkehrsfinanzierung noch

öfters an, führte und veröffentlichte

Interviews mit politischen Entscheidungsträgern.

Damit war das Thema

publik, vor weiteren Umschichtungen

in diesem Ausmaß liest man in späteren

Ausgaben glücklicherweise nichts mehr.

In der Herbstausgabe fordert Fahrgast

von der Grazer Stadtregierung einmal

mehr Beschleunigungsmaßnahmen für

Bus und Tram ein, nachdem Fahrzeitmessungen

durchgeführt und dabei teilweise

Schritttempo-Geschwindigkeiten

ermittelt wurden. In der gleichen Zeitung

stellt Fahrgast ein Tangentialbuslinienkonzept

für Graz vor – heute ist es,

mit kleinen Änderungen, verwirklicht.

1995

Auch 1995 war ereignisreich:

Nicht weniger als neun Ausgaben

von Fahrgast erschienen in diesem

Jahr. Eines der wichtigsten Themen

war die Volksbefragung zum Thema

„Sanfte Mobilität“: Vizebürgermeisterin

Feldgrill-Zankl hatte sich zwar

zur Fortsetzung der Verkehrspolitik

ihres Vorgängers Erich Edegger be-

kannt, die Umsetzung konkreter Maßnahmen

geriet aber immer mehr ins

Stocken. Zwar war mittlerweile der

Umbau des Jakominiplatzes im Gange,

zu weiteren Straßenbahnausbauten

war man aber seit der Verlängerung

der Linie 1 in Eggenberg nicht mehr

gekommen. Gleichzeitig brachte sich

Jubiläumsausgabe 25 Jahre Fahrgast

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Volksbefragung zur sanften Mobilität, 1995

Ausgabe 6/1995.

Ausgabe 8/1995.

der Wirtschaftsbund mit immer neuen

Forderungen für den Autoverkehr immer

lauter ein: Neue Zentrumsgaragen

mit billigen Tarifen sollten gebaut und

Fahrbahnverengungen an Einfallsstraßen

zurückgenommen werden. Der

Vorrang für den öffentlichen Verkehr

an Ampelanlagen sollte ebenfalls fallen.

Der damalige Wirtschafsbund-Stadtgruppenobmann

Peterheinz Gebell

erzwang schließlich eine Volksbefragung:

„Soll das als Diskussionsentwurf

vorliegende Maßnahmenprogramm

zum Gesamtverkehrskonzept 1994 der

Landeshauptstadt Graz verwirklicht

werden – Ja oder nein?“ lautete seine

Frage. Bei einem mehrheitlichen Nein

hätte die Wirtschaftskammer wohl sofort

ein eigenes, autofreundliches Maßnahmenpaket

präsentiert und der ÖV

hätte das Nachsehen gehabt. Die Stadt

Graz schloss noch eine eigene Frage

an, quasi als Flucht nach vorn: „Sind

Sie für die Umsetzung der menschenfreundlichen

und zukunftsweisenden

Verkehrspolitik der Stadt Graz (Leitlinie

2000), die mehr Lebensqualität

schafft? Das heißt: Weniger Abgase

3/ 011 13


und Lärm, mehr Verkehrssicherheit

und Wohnqualität – Ja oder Nein?“.

Die Frage war von Kritikern etwas

spöttisch als „No-Na-Frage“ bezeichnet

worden. Sie entstand aber letztlich

beim Versuch, einfach zu zeigen, worum

es bei der Förderung von ÖV, Rad-

und Fußgängerverkehr im Kern geht

– um mehr Lebensqualität für alle.

Fahrgast schloss sich gemeinsam mit

Umwelt- und Fahrradverbänden zur

Plattform „fairkehr“ zusammen und

machte Werbung für ein Ja bei beiden

Fragen. Als am 25.6.1995 die Abstimmung

stattfand, stimmten 14.430

(Wirtschaftsbund-Frage) bzw. 15.930

(Frage der Stadt Graz) GrazerInnen

mit Ja, 12.713 bzw. 12.110 mit Nein.

Die Abstimmung hatten die Befürworter

der „Sanften Mobilität“ gewonnen.

Da aber 187.077 Personen wahlberechtigt

waren, die Wahlbeteiligung

somit nur etwa 15,5 % betragen hatte,

ging die Diskussion danach unvermindert

weiter. Gebell erhielt sogar noch

vor Vertretern der Plattform fairkehr

den nächsten Gesprächstermin bei der

Vizebürgermeisterin.

Eineinhalb Jahre nach Einführung

des Verkehrsverbundes äußerte Fahrgast

Kritik an der noch immer nicht

erfolgten Eingliederung der Schülerfreifahrt.

Anders als heute konnten damals

Schüler ihre GVB-Streckenkarte nicht

zu einer für die gesamte Verbundzone

101 gültigen Netzkarte aufwerten, sondern

nur für das GVB-Netz aufzahlen.

„Verkehrsverbund neppt die Schüler“

war die Schlagzeile, die für Verstimmung

mit der Verbundgesellschaft

führte – heute glücklicherweise längst

obsolet, zumal die geforderte Aufzahlungsmöglichkeit

auf die Verbundzone

101 mittlerweile realisiert ist.

Rückschläge gab es im Bahnbereich:

Am 15. September 1995 stellte

Fahrgast in Neuberg ein Rettungskonzept

für die Neubergerbahn vor,

der wieder einmal die Stilllegung

drohte. Diesmal war der Kampf jedoch

vergebens: Ab 30.10.1995 wurde der

Stundentakt auf vier Zugpaare pro Tag

ausgedünnt, die später im Schienenersatzverkehr

betrieben wurden und

schließlich ganz wegfielen. Auch auf

anderen ÖBB-Strecken wurde das Angebot

ausgedünnt: „Kahlschlag beim

Zugangebot“ titelt Ausgabe 8/95. Wer

daran schuld war, war Ansichtssache:

Die ÖBB beriefen sich auf das (damals

noch recht neue) ÖBB Gesetz, wonach

sie wirtschaftlich zu agieren hätten und

das Defizit abgegolten werden müsste

– bei Regionalbahnen von den entsprechenden

Bundesländern, die ja

schließlich Mittel aus der nicht mehr

zweckgewidmeten Mineralölsteuer

hätten. Die Bundesländer standen aber

auf dem Standpunkt, dass diese Mittel

für Verbesserungen im Öffentlichen

Verkehr vorgesehen seien, nicht für die

Sicherung des Bestandsverkehrs. Obwohl

es später zum Abschluss von Verkehrsdiensteverträgen

zwischen ÖBB

und den einzelnen Bundesländern

kam, führte die starre Haltung aller

Beteiligten zuvor österreichweit noch

zu Streckenstilllegungen, die auch

Fahrgast nicht verhindern konnte.

1996

1996 feierte Fahrgast sein 10jähriges

Bestehen. In einer Sonderausgabe

werden verkehrspolitische Ziele und

bereits erreichte Erfolge beschrieben.

Vorworte von Stadtpolitikern, ÖBB

und Verbundlinie loben die Fahrgast-Arbeit.

Den „kompromisslosen,

ja manchmal fast gnadenlosen Einsatz

für die Interessen des öffentlichen Verkehrs“

hebt etwa der damalige Direktor

des steirischen Verkehrsverbundes und

heutige Finanzstadtrat Gerhard Rüsch

hervor. Hinter den freundlichen Wor-

Ausgabe 1/1996.

ten steckte wohl auch eine Prise Kritik

an so mancher reißerischen Wortwahl,

die Fahrgast in der Vergangenheit getroffen

hatte. Letztlich erkannte er damit

aber auch an, dass es dabei immer

nur um das Ziel eines besseren Öffentlichen

Verkehrs gegangen war.

Ausgabe 2/1996.

1 3/ 011 25 Jahre Fahrgast

Jubiläumsausgabe


Ausgabe 2a/1996.

„GVB-Musterlinien: Muster ohne

Wert?“ fragte Fahrgast in bekannt

kritisch-konstruktiver Manier in Ausgabe

1/96. Die Stadt Graz hatte angekündigt,

die Straßenbahnlinien 4 und

5 als „Musterstrecken“ auszubauen.

Fahrgast fragte nun nach, was daraus

geworden war – und deckte noch

Ausgabe 3/1996.

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viele „Problemstellen“ auf: Geschwindigkeitsreduktionen

wegen schlechter

Sicht, Behinderungen durch Abbieger,

Verlustzeiten durch Stau etc.. Für jedes

Problem präsentierte Fahrgast auch

einen Lösungsvorschlag, insgesamt

20 Maßnahmen. Vier davon hatte die

Stadt schon umgesetzt. Einige weitere

folgten später noch – nicht zuletzt

dank Fahrgast-Lobbying. Dasselbe

wiederholte sich übrigens einige Jahre

später bei der „Musterlinie“ 7.

Zu einem Eklat kam es in Folge

der Ausgabe 2/96: „Feldgrill: Fahrt´s

halt mit dem Radl!“ schrieb Fahrgast

als Titelmeldung, denn im Rahmen

eines Gesprächstermins hatte

Verkehrsstadträtin Feldgrill-Zankl die

Fahrgastler gefragt, ob sie sich, wenn

sie mit dem Öffentlichen Verkehr

nicht zufrieden wären, nicht auch vorstellen

könnten, stattdessen mit dem

Fahrrad zu fahren. Für Fahrgast geradezu

eine Provokation, schließlich

ist die Verbesserung des ÖV ja gerade

das Vereinsziel. Die nächste Stufe des

GVB-Taktfahrplans, die am 6. Juli in

Kraft getreten war, hatte teilweise zu

Ausgabe 4/1996.

Jubiläumsausgabe 25 Jahre Fahrgast

1998

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2011

Jubiläumsausgabe 1996.

einer Verschlechterung des Angebotes

u. a. in den Sommermonaten geführt,

wodurch das Gesprächsklima ohnedies

belastet war. Allerdings konnte Fahrgast

die ab Herbst geplante Reduktion

des Angebots auf den Linien 4 und 5

in der Frühspitze verhindern, wie die

Ausgabe 3/96 stolz vermeldet.

Bei den ÖBB trat 1996 der OPV´96

in Kraft, der „optimierte Personenverkehr“

löste den „Neuen Austro-Takt“

ab. Dazu kam ein äußert fragwürdiger

komplizierter eigener EC-Tarif. Fahrgast

informierte über die Änderungen

und das neue reduzierte Angebot.

Verglichen mit den bis vor kurzem geplanten

Zugstreichungen ab Dezember

2011 (die nun 2012 erneut drohen)

ist aus heutiger Sicht aber selbst der

OPV 96 noch als attraktiv zu bezeichnen.

1997

1997 war wieder einmal die seit

Jahren geplante Verlängerung der Straßenbahnlinie

6 ins Peterstal Titelthema.

3/ 011 1


Ausgabe 1/1997.

Meldete Ausgabe 3/96 noch den in Bälde

zu erwartenden Baubeginn (Der Spatenstich

war geplant für März 1997, Eröffnung

Hebst 1998), so musste wenige

Monate später 4/96 relativieren: „Weiter

Kampf um 6er Verlängerung“. Projektgegner

hatten nämlich Unterschriften

gegen die Straßenbahnverlängerung

gesammelt und eine Volksbefragung für

den Bezirk St. Peter erzwungen, die am

19. Jänner 1997 stattfand. Um nicht als

sture Verhinderer dazustehen, vielleicht

auch um gezielt Abstimmungsberechtigte

zu verwirren, bestanden die Projektgegner

auf einer Negativ-Fragestellung,

die zudem noch präjudizierend

war. Sie lautete: „Treten Sie dafür ein,

daß die von der Stadt Graz geplante

Verlängerung der Linie 6, die in dieser

Form nicht zur Lösung der bestehenden

Verkehrsprobleme beiträgt, nicht zur

Ausführung gelangt?“ Wer also für die

Verlängerung stimmen wollte, musste

„Nein“ ankreuzen. Fahrgast legte sich

mit einer Spezialausgabe mächtig ins

Zeug, trat mit „Der lange 6er – Zahlen

und Fakten“ den von Gegnern teilweise

gestreuten Gerüchten und Halbwahrheiten

entgegen. Auch die GVB ließen

sich damals nicht lumpen, fertigten ein

farbiges Infoblatt mit der Aufforderung:

„Wenn Sie JA zum Öffentlichen Verkehr

sagen wollen, müssen Sie NEIN

zu noch mehr Stau ankreuzen“. Dennoch:

Am Abend des 19.1.1997 ergab

die Auszählung, dass etwa 56 % (bei

einer Wahlbeteiligung von 40 %) mit

„Ja“ gestimmt hatten. In absoluten Zahlen:

395 Bewohner von St. Peter hatten

das Projekt vorerst zu Fall gebracht. Die

Grazer Stadtregierung beschloss nach einer

Schrecksekunde, den 6er „zurückzustellen“.

Klugerweise ließ man aber die

für den Bau nötigen Verfahren weiter

laufen, was, wie man im Rückblick feststellen

kann, zehn Jahre später die Realisierung

des Projekts ermöglichen sollte.

In Ausgabe 2a/97 konnte Fahrgast

zudem aufzeigen, dass sich die wirklich

betroffene Mehrheit der Bevölkerung

für den langen 6er ausgesprochen hatte:

Nach Wahlsprengeln aufgeteilt stellte

sich nämlich heraus, dass im Peterstal

zwischen 59 und 72% mit „Nein“ (also

für) die Verlängerung gestimmt hatten.

Der hohe Anteil an „Ja“ (also Gegen-)

Stimmen kam aus dem Süden des Bezirks,

den die Trasse gar nicht berührte.

Hier hatten vielleicht manche den Versprechen

der Gegner geglaubt, ein Aus

für den 6er ins Peterstal ermögliche eine

Straßenbahn nach Raaba. Mit der Jahre

später verwirklichten 4er-Verlängerung

zum Einkaufszentrum Murpark und

dem dortigen Park&Ride-Platz wurde

der Forderung nach der Erschließung

dieses Gebiets Rechnung getragen. Die

Volksbefragung wurde übrigens später

vom Verfassungsgericht wegen der präjudizierenden

Fragestellung für ungültig

erklärt.

Ein weiteres Tramprojekt, für das

Fahrgast 1997 Druck machte, ist leider

bis heute unverwirklicht: Der vorgeschlagenen

Verlängerung der Linie 7

ins Ragnitztal auf einer eigenen Trasse

abseits des Staus in der Riesstraße stehen

mittlerweile buchstäblich Häuser

im Weg, die eine Realisierung beinahe

unmöglich machen.

In der Herbstausgabe 1997 stellte

Fahrgast die ab Dezember realisierte

Verlängerung der Buslinie 41 von Andritz

über die Universität zum LKH

Ausgabe 2a/1997. Ausgabe 3/1997.

1 3/ 011 25 Jahre Fahrgast

Jubiläumsausgabe


vor; weitere Tangentiallinien sollten

in späteren Jahren folgen, deren Linienführung

eine nicht zu übersehende

Ähnlichkeit mit denen aus dem früher

vorgestellten Fahrgast-Tangentiallinienkonzept

hatten.

Im Dezember widmete sich Fahrgast

der bevorstehenden Gemeinderatswahl

(Jänner 1998) und brachte auf

mehreren Seiten Schwerpunktberichte

über die Vorstellungen der einzelnen

Parteien zum Thema ÖV. Zudem

wurden fünf Fragen an alle wahlwerbenden

Gruppierungen gestellt und

die Antworten veröffentlicht, sodass

sich jeder Leser selbst ein Bild machen

konnte. Die Palette der Antworten

reichte von Vorschlägen zum U-Bahn-

Bau über die strikte Weigerung, den

Autoverkehr zugunsten des ÖV einzuschränken

bis hin zur Beibehaltung

bzw. Wiederbelebung der „Sanften

Mobilität“, die seit Edeggers Tod immer

mehr zur Worthülse verkommen

war. Bei so vielen Stadtthemen gingen

andere Meldungen fast unter, etwa die

Wiederabschaffung des umstrittenen

EC-Tarifs bei den ÖBB oder die Ausdehnung

der Vereinstätigkeit auf unser

Nachbarbundesland Kärnten, aus

der später der eigene Verein Fahrgast

Kärnten hervorging. Seit mittlerweile

10 Jahren betreibt er erfolgreiches

Lobbying für Kärntner Fahrgäste und

ist heute anerkannter kompetenter Gesprächspartner

für Politiker, Verkehrsunternehmen

und Medien.

1998

Die Gemeinderatswahlen im Jänner

1998 bescherten Graz einen neuen

Verkehrsstadtrat, den nun die FPÖ

stellte. Fahrgast interviewte ihn in

Ausgabe 2/98. Sein Credo war laut eigener

Aussage: „Sowohl ÖV als auch

IV“. De facto wurde in der folgenden

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Gemeinderatsperiode aber kein einziges

Straßenbahnprojekt verwirklicht,

im Gegensatz zu autofreundlichen

Maßnahmen wie etwa dem Bau der

Nordspange. Auch wurde Gratisparken

in den Blauen Zonen an Samstagen

eingeführt und Tiefgaragentarife

subventioniert – mit Geld, dass dem

ÖV dann fehlte: „Graz: Massive Einschränkungen

bei Straßenbahn und

Bus drohen“ musste etwa Ausgabe

4/98 vermelden. Auch im ländlichen

Raum musste der ÖV Federn lassen:

Über 150 Kurse stellte etwa der Postbus

ein. Und wenn doch in den Öffentlichen

Verkehr investiert wurde,

z.B. in den Ausbau der Schoberpassstrecke,

dann hatte das nicht die erhofften

Auswirkungen: „Intercityzüge

so langsam wie in den Siebzigerjahren“

kritisierte Fahrgast 2/98. Lichtblicke

im Verkehrsgeschehen waren die

Aussicht auf ein neues Nahverkehrsfinanzierungsgesetz

(das aber nicht alle

Hoffnungen erfüllte), sowie die nun

konkrete Beschaffung von Niederflurmittelteilen

für die Straßenbahnen der

Baureihe 600 und die Bestellung von

Jubiläumsausgabe 25 Jahre Fahrgast

Ausgabe 1/1998. Ausgabe 2/1998.

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(vorerst 12) Cityrunnern. Außerdem

wurde erstmals in Graz eine sogenannte

Zeitinsel“ installiert: An der Haltestelle

Waagner-Biro-Straße wurde eine

Ampel installiert, die den der Straßenbahn

folgenden Autofahrern während

des Fahrgastwechsels an der Haltestelle

Rot zeigte und sie somit am Vorbei-

Ausgabe 4/1998.

3/ 011 1


Studie „Wo bleibt die Tram?“, 1998.

fahren hinderte. Für die Fahrgäste ein

Sicherheitsgewinn, für eilige Automobilisten

ein Dorn im Auge. Prompt

wurde sie nach einigen Wochen wieder

außer Betreib genommen.

Im steirischen Regionalzugverkehr

fiel 1998 der Startschuss zum

„Steierertakt“: Land und ÖBB hatten

endlich einen Verkehrsdienstevertrag

abgeschlossen und die Zukunft der

verbliebenen Regionalbahnen (vermeintlich)

gesichert. Zudem sollte es

auf den Hauptstrecken rund um Graz

zusätzliche Züge geben – ein „Urahn“

der heutigen S-Bahn sozusagen. Das

entsprechende Budget wurde zwar gegenüber

ersten Plänen gekürzt, reichte

aber immerhin noch für einige Verbesserungen.

Neben den vier regulären Zeitungsausgaben

präsentierte Fahrgast

im Rahmen einer Pressekonferenz am

9.4.1998 die Studie „Wo bleibt die

Tram? Eine Analyse des Grazer ÖV-

Netzes“. Monatelang hatten die Fahrgast-Mitglieder

Wolfgang Gruber und

Severin Kann das Grazer Straßenbahnnetz

und die wichtigsten Buslinien

analysiert, Fahrzeitmessungen durchgeführt

und Lösungsvorschläge für

stauanfällige Abschnitte erstellt. Das

Echo in Zeitungen und sogar im Fernsehen

war durchwegs positiv.

Zu guter Letzt lässt eine Kurzmeldung

im Jahr 1998 aufhorchen: Die

ÖBB wollen, so hieß es, innerhalb

dieses Jahres eine eigene Internet-

Homepage erstellen.

1999

Auch 1999 engagierte sich Fahrgast

wieder in einem breiten Spektrum

für den ÖV: „Zum Semmering-Basistunnel

gibt es keine Alternativen“

schrieb Ausgabe 1/99 und zählte nochmals

alle Argumente für dessen Bau

auf, den das Land Niederösterreich beharrlich

ablehnte. Aus dem Jahr 2011

könnte auch die damalige Schlagzeile

„Auslandsverbindungen: Man fährt

nicht mehr Bahn“ sein. ÖBB (und die

nicht gerade engagierte slowenische

Staatsbahn SZ) verringerten die Anzahl

der Verbindungen über den Grenzübergang

Spielfeld-Straß von vier auf zwei

pro Tag. Der damalige ÖBB-Werbeslogan

lautete übrigens: „Man fährt wieder

Bahn“. Und natürlich war der Stadtverkehr

in Graz wieder ein Thema: Die

Frühjahrsausgabe berichtet über den erfolgreichen

Silvester-Nachtverkehr, der

1998/99 erstmals durchgeführt wurde.

Außerdem werden die damals aktuellen

Ausbauprojekte vorgestellt, von denen

heute, 12 Jahre später, eines tatsächlich

in Bau ist: Der Nahverkehrsknoten am

Hauptbahnhof. Die Sommerausgabe

schreibt über die Folgen des neuen ausgedünnten

Taktfahrplans – zwar wurde

letztlich doch ein Finanzierungsschlüssel

zwischen Stadt Graz und Stadtwerken

gefunden, der die 1998 befürchteten

massiven Einschränkungen abwenden

konnte, dennoch war es zu Taktaus-

dünnungen (insbesondere durch einen

eigenen Frühjahrsfahrplan) gekommen.

Fahrgast zeigte dessen größte

Schwachstellen (sprich: überfüllte Fahrzeuge

auf einzelnen Linien) auf und lieferte

in gewohnter Manier Änderungsvorschläge.

Teilweise führten die GVB

auch zusätzliche Einschubkurse. Heute

ist der reduzierte Frühjahrsfahrplan bereits

wieder Geschichte.

Zwei „Einknicker“ seitens der

Stadtpolitik machten mühsam erreichte

Verbesserungen für Fahrgäste

zunichte: Der Modellversuch Annenstraße,

der eine geänderte Verkehrsfüh-

Ausgabe 1/1999.

rung, mehr Platz für Fußgänger und

eine verbesserte Ein-und Ausstiegssituation

an den betroffenen Straßenbahnhaltestellen

gebracht hatte, wurde

nach Protesten einzelner Geschäftsleute

nach nur drei Wochen abgebrochen.

Und die 1998 eingeführte Zeitinsel an

der Haltestelle Waagner-Biro-Straße

„hat schon nach kurzer Zeit das Zeitliche

gesegnet“, wie Fahrgast 3/99

verbittet berichtet.

1 3/ 011 25 Jahre Fahrgast

Jubiläumsausgabe


1986

1987

1988

1989

1990

1991

1992

2000

Auch im Jahr 2000 war die Verlängerung

der Linie 6 Titelthema bei

Fahrgast. Neidisch blickte man nach

Linz, wo große Straßenbahn-Ausbauvorhaben

im Gange waren, während

sich in Graz zwar der positive Abschluss

aller Gerichtsverfahren rund um den

langen 6er bevorstand, die Politik aber

mit einem Baubeschluss zögerte. Mit

einer eigenen Sonderausgabe versuchte

Fahrgast weiter Druck für dieses Projekt

zu machen.

Für Diskussionen sorgte auch eine

weitreichende Änderung im Abendverkehr:

Die Linien 1 und 7 bedienten ab

19.00 Uhr die Haltestelle Hauptbahnhof

mit, im Gegenzug wurde die Linie

14 und der Abendverkehr auf der Linie

3 eingestellt; die Stationen Krenngasse

und Liebenau verbindet seither die

neue Linie 13. Fahrgast bemängelte

nicht die Maßnahme selbst, wohl aber

die fehlende (oder oft falsche) Information:

Es wurden nämlich weder neue

Routentafeln für die Straßenbahnen

Ausgabe 1/2000.

Ausgabe 3/2000.

angefertigt, noch die automatischen

Haltestellenansagen angepasst.

Am Eisenbahnsektor beherrschte

der Konflikt um den geplanten Semmering-Basistunnel

das Geschehen.

Fahrgast 3/2000 berichtet über das

vom damals neuen Infrastrukturminister

Schmid (der nach kurzer Amtszeit

mit dem Kommentar „Meine Batterien

sind erschöpft“ zurücktrat) in Auftrag

gegebene Rechtsgutachten, das klären

sollte, wie lange das Land Niederösterreich

noch den Bau dieses Tunnels

verhindern könne – mit immer neuen

Bescheiden hatte es nämlich den Tunnelbau

auf niederösterreichischem Gebiet

entgegen einem Spruch des Verfassungsgerichts

verboten. Ernüchternde

Erkenntnis: Theoretisch wäre dies dauerhaft

möglich. Tatsächlich blockierte

Landeshauptmann Pröll nach beinahe

absolutistischer Herrschaftsart das Projekt

so lange, bis die Bundesregierung

einige Jahre später eine völlige Neuplanung

beschloss.

Mit einer Diskussionsrunde mit

den Verkehrssprechern aller Landtagsparteien

in Gleisdorf versuchte Fahr-

Jubiläumsausgabe 25 Jahre Fahrgast

1993

1994

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1996

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2000

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2006

2007

gast Möglichkeiten zu Verbesserungen

auf der Ostbahn, der heutigen S-Bahn-

Linie 3, auszuloten. Zu einer nachhaltigen

Verdichtung des Angebotes kam

es aber bekanntlich erst in der jüngsten

Vergangenheit.

2000 war übrigens auch das Gründungsjahr

des Vereins Fahrgast Kärnten.

Markus Lampersberger, aktives

Fahrgast-Mitglied mit Kärntner Wurzeln,

gründete ihn nach der Rückkehr

in seine Heimat mit Gleichgesinnten.

Bis heute bestehen gute Kontakte zu

Fahrgast Graz/Steiermark, u.a. erhalten

die Mitglieder wechselseitig auch

die Zeitschrift des jeweils anderen Vereins.

2001

2008

2009

2010

2011

Mit „ÖBB: Neue Vorteilscard führt

zu chaotischen Zuständen“ protestierte

Fahrgast 1/2001 gegen die Herabsetzung

der bisherigen Ermäßigung für

Vorteilscard-Inhaber von 50 auf 45 %.

Zwar wurden weiterhin 50 % Ermäßigung

gewährt, allerdings nur beim

Kauf der Fahrkarte am Fahrkartenautomaten

(oder im Internet). Das Problem

dabei: In der Steiermark gab es zu

dieser Zeit noch keinen einzigen ÖBB-

Fahrkartenautomaten! Zusammen mit

der „normalen“ Fahrpreisanpassung

(nach oben, versteht sich) ergaben sich

Teuerungen um bis zu 13 %.

Fahrgast recherchierte auch, warum

die 1999 deaktivierte Zeitinsel an

der Haltestelle Waagner-Biro-Straße

nicht wieder in Betrieb genommen

worden war. Ein neues Ampelprogramm,

das die kritisierten Staubildungen

(durch Linksabbieger) vermeiden

und dennoch gleichzeitig ein

gefahrloses Ein- und Aussteigen in die

Straßenbahnen ermöglichen sollte, war

nämlich bereits fertig ausgearbeitet.

Dass es nicht installiert wurde, son-

3/ 011 1


Ausgabe 1/2001.

dern die Ampel abgeschaltet blieb, lag

am Widerstand der Bezirksratsvorsitzenden

von Gries und Lend. „Grazer

Bezirksvorsteher gegen Sicherheit der

Fahrgäste“ veröffentlichte Fahrgast,

nannte die Verhinderer sogar namentlich.

Prompt erhielt Fahrgast ein

bitterböses Schreiben des Bezirksratsvorstehers

von Mariatrost(!), der sich

über die „pauschale Verunglimpfung“

seines Standes beschwerte. Er hatte nur

die Überschrift, nicht aber den Artikel

gelesen! Doch auch Erfreulicheres gab

es im Stadtverkehr zu berichten: Am

3. März wurde die erste von 18 neuen

Niederflurstraßenbahnen, der Cityrunner,

vorgestellt. Und im Dezember

wuchs das Busangebot: Die Linie

52 wurde nach Andritz verlängert, der

44er mit dem 53er verknüpft und endlich

auch im Bereich Oberandritz ein

Abendverkehr eingerichtet.

2001 wurde leider auch zum

„Schwarzen Jahr“ für einige Österreichische

Regionalbahnen. In der

Steiermark wurde – trotz bestehenden

Verkehrsdienstevertrags mit dem

Land – der Persone nverkehr zwischen

Leoben und Vordernberg Markt stillgelegt.

Nur ein einziges Bundesland

wehrte eine Regionalbahnstilllegung

erfolgreich ab: Das Land Tirol beauftragte

die Deutsche Bahn mit der

Fortführung des von den ÖBB aufgegebenen

Personenverkehrs auf der

Außerfernbahn. Fahrgast 1/2002

berichtete über dieses bemerkenswerte

Beispiel, das leider keine Nachahmer

fand.

2002

2002 erschien Fahrgast erstmals

mit färbigem Titelblatt. Man freute

sich über einen leichten Aufwärtstrend

im ÖBB-Zugangebot („Ab Dezember

endlich wieder mehr Züge“), der auf

das Ende der Ära des Generaldirektors

Draxler zurückzuführen war. Unter

seiner Ägide war der Güterverkehr

forciert worden, der Personenverkehr

jedoch zum Stiefkind verkommen

– stillgelegte Regionalbahnen, Ausdünnungen

im Fahrplan und veraltetes

Wagenmaterial zeugten davon. Zwar

Ausgabe 1/2002.

Ausgabe 4/2002.

waren mit den Baureihen 1016/1116

(Taurus) und 2016 (Hercules) moderne

Lokomotiven beschafft worden,

die Fahrgäste selbst hatten jedoch mit

alten Schlieren- bzw. City-Shuttle-

Waggons vorlieb zu nehmen. Draxlers

Nachfolger vorm Walde ließ das Fahrplanangebot

nun wieder ausweiten

und kreierte die Qualitäts-Zuggattung

„ÖBB-EC“. Nach einem jahrelangen

Aufnahmestopp wurden auch wieder

neue ÖBB-Mitarbeiter eingestellt. Der

Fahrplanwechsel im Dezember 2002

brachte übrigens erstmals auch auf der

GKB einen Taktfahrplan.

Das Ende einer anderen Ära wurde

im Mürztal eingeläutet: Die MVG

(Mürztaler Verkehrsgesellschaft) legte

ihren Obusbetrieb in Kapfenberg und

Bruck still bzw. ersetzte ihn durch Dieselbusse.

Fahrgast 2/2002 berichtete

auch darüber, bedauerte die Einstellung

dieses umweltfreundlichen Verkehrsmittels,

zeigte aber auch Verständnis

für die Entscheidung: „Während für

Großveranstaltungen in anderen obersteirischen

Orten durch das Land Milliardeninvestitionen

erfolgen, muss die

0 3/ 011 25 Jahre Fahrgast

Jubiläumsausgabe


MVG volkswirtschaftliche Vorteile aus

der Privatschatulle finanzieren“. Dass

die MVG wenig später genug Geld

hatte, um andere Busunternehmen

aufzukaufen und schließlich sogar die

Einrichtung einer Obersteiermark-S-

Bahn durch das Vordernbergertal und

den Ballungsraum Leoben/Bruck/Kapfenberg

erfolgreich torpedieren würde,

konnte man damals noch nicht ahnen.

Aus Graz gab es hingegen Positives

zu berichten: Die letzten für die

6er-Verlängerung nötigen Verfahren

wurden im April abgeschlossen, die

Streckenerweiterung war genehmigt.

Nun zögerten aber Gemeinderat (und

vor allem der Verkehrsstadtrat) mit

einem Baubeschluss. Doch es nahten

Wahlen: Fahrgast 4/2002 fragte die

Spitzenkandidaten der Gemeinderatswahl

nach ihren verkehrspolitischen

Vorstellungen für die folgenden fünf

Jahre. Dass es in dieser Zeit gleich

zu drei Straßenbahnverlängerungen

kommen würde, hätten damals freilich

nur größte Optimisten zu hoffen

gewagt.

2003

Zum Kulturhauptstadtjahr 2003

schenkte sich die Stadt Graz – kurz

vor den Gemeinderatswahlen – ein

Nachtbusnetz, das am 9. Jänner seinen

Betrieb aufnahm. Die in den Nächten

von Freitag auf Samstag und Samstag

auf Sonntag verkehrenden Busse sind

mittlerweile zu einem festen Bestandteil

des ÖV geworden, das Netz wurde

mehrmals erweitert und ist heute nicht

mehr wegzudenken. Der ungeliebte

Vorgänger GAST (Grazer Anruf-Sammel-Taxi)

ist hingegen schon längst

wieder in Vergessenheit geraten.

Die Gemeinderatswahlen am

26.1.2003 gewichteten die politischen

Verhältnisse in der Landeshauptstadt

1986

1987

1988

1989

1990

1991

1992

1993

1994

1995

1996

1997

neu. Langzeitbürgermeister Alfred

Stingl (SPÖ) hatte nicht mehr kandidiert,

sein Nachfolger wurde Siegfried

Nagl (ÖVP), dessen Partei dem damaligen

Trend zufolge auf Kosten der

FPÖ massiv Stimmen zulegen konnte.

Auch das Verkehrsressort wanderte

wieder zur ÖVP. Nagl besetzte es mit

einem Mann, der sich in verkehrspoli-

Ausgabe 1/2003.

tischen Fragen bestens auskannte, dem

ÖV positiv gegenüber stand und der

vor allem zwischen Sachargumenten

und Polemik unterscheiden konnte:

Gerhard Rüsch, der frühere Geschäftsführer

des Verkehrsverbundes

Steiermark. Gleich drei Straßenbahnlinienverlängerungen

sollten in den

nächsten fünf Jahren auf sein Konto

gehen – eine Wohltat nach den lähmenden

Jahren zuvor, in denen sich

Verbesserungen im Grazer Liniennetz

auf neue Buslinien beschränkt hatten.

Allerdings war der Nachholbedarf so

groß, dass auch Rüsch einige „Baustellen“

hinterlassen musste: Südwestlinie,

Innenstadt-Entlastungsstrecke,

Uni-Anbindung sowie Verlängerung

Jubiläumsausgabe 25 Jahre Fahrgast

1998

1999

2000

2001

2002

2003

2004

2005

2006

2007

der Straßenbahnlinie 7 harren bis

heute ihrer Verwirklichung.

Zunächst beherrschten aber noch

andere Themen die Ausgaben von

Fahrgast im Jahre 2003: Über ein

neues GVB-Betriebsleitsystem wird

berichtet, das im April in Betrieb

ging. Im Vordernbergertal gab es erste

Bestrebungen zur Wiederaufnahme

des Personenverkehrs auf der Schiene.

Und im November kam es zu Ausweitungen

im Grazer Busnetz. Dem

Preissystem der ÖBB widmet Fahrgast

auch einige Artikel, insbesondere

Auslandsfahrkarten. Denn während

Europa zusammenwuchs und neue

Staaten der EU beitraten, wurden

Ausgabe 2/2003.

2008

2009

2010

2011

Auslandsfahrkarten gegenüber gleich

langen Inlandsstrecken verteuert.

Für alle, die diese Fahrtkosten nicht

mit City-Star-Tickets oder ähnlichen

Sonderangeboten auffangen konnten,

lieferte Fahrgast legale Tipps aus der

Praxis, die hohen Auslandsfahrkartenpreise

zu umgehen, u. a. durch das

„Stückeln“ (Kauf von zwei Teilstreckenfahrkarten)

an der Grenze.

3/ 011 1


2004

Nur zwei Fahrgast-Ausgaben erschienen

2004; die ausschließlich in

ihrer Freizeit und ehrenamtlich tätigen

aktiven Fahrgastler stießen an ihre

Grenzen. Zudem drohte sogar das Aus

für den gesamten Verein: Seit 2001

hatte die öffentliche Hand durch Einsparungen

bedingt Fahrgast keinerlei

Subventionen mehr zukommen lassen.

Das Vereinsvermögen war daraufhin

immer mehr gesunken, der Druck der

Zeitung schien bald nicht mehr finanzierbar.

Lediglich verschiedene Auftragsprojekte

(wie z. B. eine umfangeiche

Analyse über die Qualität des

ÖV für die Arbeiterkammer im Jahr

2004) ermöglichen seither – neben den

Beiträgen der Mitglieder – den Fortbestand

der Lobby der Fahrgäste.

Doch auch mit nur zwei Ausgaben

konnte Fahrgast 2004 wichtige

Problempunkte in Graz aufzeigen und

etwas bewegen: Zwei Artikel untersuchten

etwa Versäumnisse bei vergangenen

Gleissanierungsarbeiten (u.a.

Österreichische Post AG Info.Mail Entgelt bezahlt

ÖBB-Fahrplan 2004/05:

Mehr Züge ins Ausland

Es geht bergauf.

Mitte Juni wurden die komplett

überarbeiteten Wagen

der Schlossbergbahn medienwirksam

angeliefert. Die vollständig

sanierte Standseilbahn

steht den Fahrgästen ab August

wieder zur Verfügung.

Foto: Georg Hofer

ıBalkanflair„ am Jakominiplatz

Fahrplan-Ideen für Regionalbus- und Stadtverkehr

Versäumnisse bei Gleissanierungen in Graz

Ausgabe 1/2004.

Sommer 2004 � 1,10 Euro

Österreichische Post AG Info.Mail Entgelt bezahlt

Innsbruck: Modernes

Stadtbahnnetz entsteht

Ostbahn-Desiros

Der neue ÖBB-Fahrplan bringt auch neue Fahrzeu-

ge auf steirische Gleise. Auf der Strecke Spielfeld-

Straß - Bad Radkersburg wird der 5047er durch

den neuen 5022er abgelöst, auch auf der steiri-

schen Ostbahn und der Thermenbahn übernehmen

die Desiros zahlreiche Leistungen. Bis zuletzt gab

es aber noch Probleme mit der Betriebsgenehmi-

gung, sodass sich der geplante Einsatzbeginn mög-

licherweise verzögert.

Fehlentwicklungen im Regionalverkehr

Graz: Baustellensommer mit Koordinationsproblemen

ÖBB: Weniger Züge im Ausseerland

Ausgabe 2/2004.

Winter 2004 � 1,10 Euro

Verzicht auf die Errichtung von Haltestellenkaps

und unglückliche Markierung

von Parkplätzen, die Gleisparker

erwarten ließ). Sie sollten Druck machen,

solche Fehler nicht mehr zu wiederholen.

Und die frisch verlängerte Linie

64 wäre ohne das Engagement von

Fahrgast beinahe eine „Geisterlinie“

ohne Ein- und Ausstiegsmöglichkeiten

geworden: Auf einer Länge von 1,4 km

hätte ohne bauliche Maßnahmen keine

Haltestelle errichtet werden dürfen,

man plante also, an der Bevölkerung

vorerst „vorbeizufahren“. Fahrgast

konnte die Montage provisorischer

Auftrittsflächen erreichen, sodass auf

der verlängerten Linie auch alle Haltestellen

in Betrieb genommen werden

konnten. Mit Berichten über die in

Innsbruck und Linz damals entstehenden

Ausbauten des Straßenbahnnetzes

machte Fahrgast den Grazer Stadtpolitikern

Mut zum Straßenbahnausbau.

Natürlich waren auch wieder ÖBB-

Themen vertreten: Verbesserungen im

internationalen Verkehr standen Rücknahmen

auf einzelnen Regionalbahnen

gegenüber.

2005

Fahrgast 1/2005 bringt die lange

erwartete Überschrift: „Tramausbau

in Graz: Jetzt gehts los“. Die Verlängerung

der Straßenbahnlinien 4 (bis

Liebenau Murpark), 5 (zum Nahverkehrsknoten

Puntigam) und 6 (ins Peterstal)

hatte der Grazer Gemeinderat

einschließlich der Finanzierung beschlossen.

Zum Teil geschah dies mit

Mitteln aus einem eigenen, 2004 ins

Leben gerufenen „Feinstaub-Fonds“.

So wie Ende der 80er-Jahre häufige

Smog-Alarme in Graz dazu beigetragen

hatten, den Öffentlichen Verkehr

und insbesondere die Straßenbahn

wieder zu forcieren, so sorgten 2004

die mehrfach überhöhten zulässigen

Feinstaubwerte in der Stadt für Handlungsbedarf.

Da der Individualverkehr

als großer Feinstaub-Verursacher identifiziert

war, schlug Fahrgast einmal

mehr die naheliegende Lösung vor:

Verbesserung des Öffentlichen Verkehrs,

z.B. durch den Bau der Verlängerung

der Linie 6, die über 10.000

Österreichische Post AG Info.Mail Entgelt bezahlt

Tramausbau in Graz:

Jetzt gehtÂs los

Nahverkehrsknoten

Die Bauarbeiten zum Nahverkehrsknoten

Don Bosco bedingen eine

Verschmälerung der Kärntner Straße

auf zwei Fahrstreifen. Leider wurde

die südlich des Nadelöhrs gelegene

Busspur, die den Linien 31, 32 und

33 ein rasches Vorankommen ermöglichen

sollte, schon nach kurzer

Zeit ohne Vorankündigung wieder

aufgelassen. Die Busse stehen nun

wieder im Stau.

Frühling 2005 � 1,10 Euro

Sommer 2005: Kein Tramverkehr durch die Herrengasse

GVB: Noch immer Probleme mit dem neuen Leitsystem

ÖBB-Postbus: Angebotsrücknahmen am Wochenende

Ausgabe 1/2005.

3/ 011 25 Jahre Fahrgast

Jubiläumsausgabe


Österreichische Post AG Info.Mail Entgelt bezahlt

Positive Überraschungen bei Ersatzverkehr Herrengasse

Graz: Noch viele Hausaufgaben unerledigt

Herbst 2005 � 1,10 Euro

Graz am Wochenende:

Neue Linien, neuer Fahrplan

12er

Seit Schulbeginn gibt es in Graz eine

weitere Straßenbahnlinie. Die Linie

12 verkehrt an Sonntagen vom späten

Vormittag bis zum Abend und

verbindet St. Leonhard mit Andritz.

Immer weniger persönliche Betreuung bei den ÖBB

1986

1987

1988

1989

1990

1991

1992

1993

Ausgabe 3/2005.

Menschen eine direkte Straßenbahnverbindung

in die Innenstadt bieten

würde – und somit eine attraktive Alternative

zum Auto. Die Politik folgte

erfreulicherweise diesem Vorschlag.

Ihr ursprünglicher Plan, an Tagen mit

Überschreitung der Feinstaubwerte

Freifahrt auf den innerstädtischen Li-

2a/2005 Sonderausgabe

Österreichische Post AG Info.Mail Entgelt bezahlt

Sonderausgabe zur S-Bahn Obersteiermark, 2005

nien zu finanzieren hätte hingegen nur

zu Überfüllungen einzelner Straßenbahnen

und Busse und zu Ärger bei

Stammkunden (Monats- und Jahreskartenbesitzern)

geführt.

Auch im Straßenbahn-Bestandsnetz

standen Sanierungsarbeiten an,

u. a. in der Herrengasse. Die GVB

zeigten sich kundenfreundlich, legten

einen provisorischen Gleisbogen zwischen

Murgasse und Sackstraße an

und ermöglichten somit auch den

Straßenbahnbetrieb nach Andritz und

durch die Annenstraße, der ansonsten

bei Sperrung der Herrengasse ruht.

Fahrgast 3/2005 lobt ausdrücklich

„Positive Überraschungen bei Ersatzverkehr

Herrengasse“. Lediglich die

Beschilderung der dabei entstandenen

Linien 5/7, 1/5 usw. war teilweise verbesserungsbedürftig,

insbesondere bei

den älteren Fahrzeugen, die noch ohne

Matrixanzeigen, sondern mit Linientafeln

unterwegs waren. Zu Schulbeginn

im Herbst 2005 traten auch einige

Änderungen im Wochenendverkehr

in Kraft, die teilweise auf Fahrgast-

Vorschlägen beruhten. Leider blieben

aber dabei wieder einige Ideen unberücksichtigt.

2006

2006 gab es in Graz zahlreiche

Gleisbaustellen. Neben Sanierungen

im Bestandsnetz waren auch alle drei

Straßenbahn-Ausbauvorhaben in Bau.

Die verlängerte Linie 5 konnte schon

am 1. Dezember eröffnet werden.

Beinahe wären aber die Straßenbahnlinienverlängerungen

zum Bumerang

geworden: Denn für den Betrieb auf

den längeren Strecken fehlten zusätzliche

Fahrzeuge. Schon lagen Pläne

für Intervallausdünnungen in den

Schubladen der Verantwortlichen.

Fahrgast konnte in einem intensiven

Jubiläumsausgabe 25 Jahre Fahrgast

1994

1995

1996

1997

1998

1999

2000

2001

2002

Österreichische Post AG Info.Mail Entgelt bezahlt

2003

2004

2005

2006

2007

2008

2009

2010

Ein runder Geburstag:

20 Jahre FAHRGAST

Sondernummer 20 Jahre FAHRGAST

Probefahrt auf neuen Gleisen

FAHRGAST war bei den ersten Probefahrten

zum neuen Nahverkehrsknoten in Puntigam

dabei. Die Verlängerung des 5ers ist die erste

Straßenbahnverlängerung seit 16 Jahren �

ein Anlass, den es gemeinsam mit dem 20jährigen

Bestehen von FAHRGAST zu feiern gilt.

Tramausbau: Ausdünnungen auf dem Restnetz

Linie 6: Beschleunigungsmaßnahmen notwendig

Puntigam: Wo bleibt Neuordnung des Regionalverkehrs?

Ausgabe 3/2006.

2011

Dialog mit Verkehrsstadtrat Rüsch

und den GVB die schlimmsten Verschlechterungen

abwenden. Letztlich

übernahmen die GVB drei alte Straßenbahngarnituren

aus Wien, um ihren

Bedarf zu decken. Alte Fahrzeuge

auf Neubaustrecken – das war zwar

keine ideale Optik, aber immer noch

besser als Intervallausdünnungen und

damit verbunden überfüllte Straßenbahnen

in der Hauptverkehrszeit.

Auch im Eisenbahn-Regionalverkehr

gab es positive Neuigkeiten: Mit

Fahrplanwechsel im Dezember 2006

bestellte das Land Steiermark den

„Obersteirertakt“, der vor allem am

Schoberpass und im Ennstal deutliche

Verbesserungen mit sich brachte.

2006 feierte Fahrgast sein 20jähriges

Bestehen. Acht Seiten umfasst

die Jubiläums-Sondernummer

3/2006, davon beschäftigen sich die

meisten mit aktuellen Themen. Auch

andere Medien berichteten über den

Geburtstag: „Sie fahren auf die Bim

ab“ schrieb damals etwa die „Kleine

Zeitung“ über die Fahrgastler und

würdigte ihren Einsatz für den ÖV

3/ 011 3


in Vergangenheit und Gegenwart mit

den Worten: „Jung, ideenreich und

aktiv – das ist auch das Markenzeichen

der heutigen Fahrgast-Aktivisten“.

2007

2007 beherrschten viele Positiv-

Schlagzeilen die Ausgaben von Fahrgast.

Die geplanten Ausdünnungen im

GVB-Taktfahrplan nach Fertigstellung

der Straßenbahnlinien-Verlängerungen

konnten endgültig verhindert werden.

Ende Juni hatten Stadt Graz und Grazer

Stadtwerke einen langjährigen Verkehrsdienstevertrag

ausgehandelt, mit

dem das Angebot im ÖV langfristig

gesichert werden konnte. Erfolgreich

war Fahrgast auch in seinem Bestreben

für bessere Fahrtgastinformation:

Für die Schienenersatzverkehre dieses

Sommers hatte Fahrgast eigene Routentafeln

angefertigt, die die GVB dankend

übernahmen.

Im Sommer konnte Fahrgast berichten:

„ÖBB: Österreichweiter Takt-

Österreichische Post AG Info.Mail Entgelt bezahlt

ÖBB: Österreichweiter

Taktfahrplan in Vorbereitung

Graz: Erste Bilanz des ılangen 4ers„

Regionalbuskonzept für den Südosten von Graz

Straßenbahnlinie 6 kurz vor Eröffnung

Ausgabe 2/2007.

Sommer 2007 � 1,10 Euro

Kletterweiche

Die GVB sind auf den Geschmack

von Kletterweichen gekommen:

Die Schienen in der Herrgottwiesgasse

wurden unter laufendem

Betrieb getauscht, bei der

Baustelle gab es eingleisigen

Verkehr. Damit musste nur die

letzten Wochen der Sommerferien

der Betrieb eingestellt

werden.

Österreichische Post AG Info.Mail Entgelt bezahlt

Der Lange 6er ist da!

Sondernummer 3a/2007

FAHRGAST gratuliert der Stadt Graz und allen Beteiligten

herzlich und wünscht den EinwohnerInnen des Peterstals

eine gute Fahrt mit dem Langen 6er!

Ausgabe 3/2007.

Endlich!

Nach sensationellen eineinhalb

Jahren Bauzeit ist er nun da: Der

Lange 6er, der mehreren tausend

Menschen täglich eine bequeme

Verbindung in die Arbeit, in die

Schule oder ins Kino bringt.

Elegante Rasengleise, leise Straßenbahnwagen

und dichte Intervalle

sorgen dafür, dass das Peterstal

bewegt wird.

Steigen Sie ein! FAHRGAST � Ihre

Interessensvertretung � wünscht

Ihnen viel Spaß mit der neuen

Bim und dem Öffentlichen Verkehr

in Graz weitere Erfolgsgeschichten!

fahrplan in Vorbereitung“. 16 Jahre

nach Einführung des NAT 91 – der

nur bis 1996 bestanden hatte und dann

durch den „Optimierten Peronenverkehr“

ersetzt worden war – planten

die ÖBB nun wieder eine klare Vorwärts-Strategie:

Ab 2009 sollte es zu einer

starken Verbesserung im Angebot

kommen, bis 2012 ein österreichweiter

attraktiver Taktfahrplan bestehen

sollte. „Plan 9/12“ war der Arbeitstitel

dieses Programms. Dass es schon wenige

Jahre nach dessen Einführung 2009

erneut zu radikalen Zugstreichungen

kommen würde, konnte man damals

noch nicht ahnen.

Die Herbstausgabe konnte schließlich

die seit 15 Jahren erwartete und

erhoffte Titelmeldung bringen: „Der

Lange 6er ist da!“ – mit Rufzeichen

wohlgemerkt, dem Anlass und der

Vorgeschichte angemessen. Bemerkenswertes

Detail: Die Planungsverantwortung

für die Verlängerung hatte

DI Alexander Hirzer, der einst als junger

Student die Position des Fahrgast-

Generalsekretärs innegehabt hatte. Der

Bau war gegenüber den ursprünglichen

Plänen so spät zustande gekommen,

dass er in der Zwischenzeit ein ganzes

Bauingenieurstudium absolvieren

konnte.

Die Winterausgabe, die übrigens

erstmals komplett farbig gedruckt werden

konnte, vermeldete den Start des

Vorlaufbetriebs der S-Bahn im Großraum

Graz ab Fahrplanwechsel im

Dezember. Das Land Steiermark hatte

sich nicht lumpen lassen und unter der

Ägide der neuen Verkehrslandesrätin

Edlinger Ploder die Mittel für den

Bahn-Regionalverkehr von einer halben

Million auf acht Millionen Euro pro

Jahr erhöht – zum Vorteil der Fahrgäste

von ÖBB, GKB und StLB. Auch die

von Fahrgast geforderte S-Bahn im

Ballungsraum Obersteiermark (vom

Vordernbergertal über Leoben und

Bruck bis Kapfenberg) wurde in einer

Machbarkeitsstudie untersucht und

schien zum Greifen nah.

Zur bevorstehenden Gemeinderatswahl

in Graz im Jänner 2008 stellte

Fahrgast den wahlwerbenden Parteien

wieder einige Fragen und druckte die

Antworten ab, sodass sich jeder Leser

Österreichische Post AG Info.Mail Entgelt bezahlt

Frühjahr 2008 � 1,10 Euro

Neue Stadtregierung in Graz:

Große Vorhaben im ÖV

ÖBB-Workshop zum integralen Taktfahrplan

Graz: Baustellen im Jahr 2008

Ausgabe 2/2008.

Doppelstock

Der Postbus betreibt nun auch

auf den Schnellbuslinien nach

Hartberg und Fürstenfeld Doppelstockbusse,

die baugleich mit

jenen des IC-Busses nach Klagenfurt

sind. Die beiden Fahrzeuge

bedienen die fahrgaststärksten

Kurse und sollen die Kapazitätsprobleme

auf diesen wichtigen

Linien entschärfen.

3/ 011 25 Jahre Fahrgast

Jubiläumsausgabe


selbst ein Bild über das zu erwartende

Engagement der Parteien für den ÖV

machen konnte.

2008

Nach der Gemeinderatswahl im

Jänner 2008 in Graz berichtete Fahrgast

2/2008 über die Vorhaben der

neuen Stadtregierung. Das Engagement

des ÖVP-Verkehrsstadtrats für

die Verlängerungen der Straßenbahnlinien

4, 5 und 6 in der zurückliegenden

Gemeinderatsperiode hatte der Partei

nicht geschadet: Wieder konnte sie den

Bügermeister stellen und der ehemalige

Verkehrsstadtrat Rüsch wurde Finanzstadtrat.

Erstmals hat Graz seither mit

Lisa Rücker eine grüne Vizebürgermeisterin

und Verkehrsstadträtin. Den

weiteren Ausbau des Öffentlichen Verkehrs,

insbesondere des Straßenbahnnetzes

möchte sie gezielt vorantreiben,

zumal ihr ihr Vorgänger mit den drei

Straßenbahnlinienverlängerungen innerhalb

von wenigen Jahren große

Fußstapfen hinterlassen hat. Während

Österreichische Post AG Info.Mail Entgelt bezahlt

ÖBB-Fahrplan 2009:

Meilensteine im Fernverkehr

Graz: FAHRGAST-Vorschlag für den Hauptbahnhof

S-Bahn Obersteiermark: Vertiefte Prüfung beauftragt

Wien: Neues Straßenbahnkonzept am Ring

Ausgabe 3/2008.

1986

1987

1988

1989

1990

1991

1992

1993

1994

Sommer 2008 � 1,10 Euro

Ersatzverkehr.

Während des Baustellensommers

2008 waren in Graz die Strecken

nach Andritz und Puntigam

gesperrt. Der Ersatzverkehr war

gut organisiert, musste sich aber

durch den Stau auf der Umleitungsstrecke

quälen.

der Umbau des Hauptbahnhofs und

die damit verbundene Mini-Neubaustrecke

zur Haltestelle Laudongasse

mittlerweile in Bau bzw. in Betrieb

sind, ist es um die damals geplante

Verlegung der Linie 1 zur Universität

leider sehr still geworden. Für die

geplante neue Linie nach Don Bosco

konnten die Planungen vorangetrieben

werden. Große Investitionen flossen in

den längst fälligen Ankauf neuer Straßenbahngarnituren

und die dafür nötigen

Adaptierungen im Straßenbahnnetz

und in den Remisen.

Mit der Überschrift „Meilensteine

im Fernverkehr“ freute sich Fahrgast

in Ausgabe 3/2008 auf den bevorstehenden

Fahrplanwechsel: Die ÖBB

setzten ihr im Vorjahr präsentierten

Planungen um und führten einen echten

Stundentakt Graz-Wien ein (zuvor

war bei jeder zweiten Verbindung ein

Umsteigen in Bruck erforderlich). Die

Verbindungen Graz-Salzburg wurden

beschleunigt, in Leoben entstand alle

zwei Stunden ein Taktknoten, der

schnelle Umsteigeverbindungen in den

Relationen Graz–oberes Murtal und

Wien–Schoberpass/Ennstal ermöglichte.

Auch im Regionalverkehr kam es

zu Verbesserungen, die allerdings etwas

bescheidener ausfielen als ursprünglich

geplant.

Ein letztes Mal taucht 2008 ein

Bericht über die Bahnlinie Mürzzuschlag-Neuberg

auf: Mit Bescheid

des BMVIT vom 20.3.2008 war sie

aufgelassen worden, eine etwaige Reaktivierung

ist somit endgültig unmöglich.

Jahrelang hatte Fahrgast für

ihre Rettung gekämpft, bis 1995 der

Personenverkehr und später auch der

Güterverkehr stillgelegt wurden. Heute

kann diese Bahnstrecke als Negativbeispiel

gelten: Hatten noch bis 1995

über 100.000 Fahrgäste jährlich die im

Stundentakt verkehrenden Züge genutzt,

so verkehren dort heute wenige

Jubiläumsausgabe 25 Jahre Fahrgast

1995

1996

1997

1998

1999

2000

2001

2002

2003

Buskurse pro Tag, die wohl nur einen

Bruchteil dieser Fahrgastzahlen erreichen.

Die Bevölkerung musste aufs

Auto umsteigen, zuhause bleiben oder

überhaupt abwandern – ein Verlust an

Lebensqualität und ein Schaden für die

Region.

Vor den Nationalratswahlen 2008

erschien wieder eine Sondernummer,

in der die antretenden Parteien auf verschiedene

verkehrspolitische Fragen

von Fahrgast antworteten.

2009

Fahrgast 1/2009 konnte über

bevorstehende Verbesserungen im

Grazer Abendverkehr und beim Busnetz

der Landeshauptstadt berichten.

Ansonsten dominierten aber leider

schlechte Nachrichten: Im September

reduzierten die ÖBB den Personenverkehr

auf der Gesäusebahn auf ein

Wochenendzugpaar – eine Quasi-Stilllegung

dieser landschaftlich reizvollen

Bahnlinie. Während etwa in Bayern im

Nationalpark Bayerischer Wald trotz

Österreichische Post AG Info.Mail Entgelt bezahlt

Graz: Neuer Abendverkehr,

neues Buskonzept im Südosten

Pöstlingberg.

Mit 29. März wurde

in Linz die komplett

renovierte, auf 900

mm umgespurte Pöstlingbergbahn

eröffnet.

Die neu gebauten Wagen

verkehren nun bis

zum Hauptplatz � der

Andrang ist groß.

2004

2005

2006

2007

2008

2009

2010

2011

3/ 011

Sommer 2009 � 1,10 Euro

S-Bahn Obersteiermark: Studie sorgt für Diskussionen

Weitere Schritte beim Grazer Straßenbahnausbau

Große Defizite im steirischen Ausflugsverkehr

Ausgabe 1/2009.


Zugestellt durch Post.at

Sondernummer Gesäuse 2009

Einstellung der Gesäusebahn:

Der Anfang vom Ende

Dieselbusse statt umweltfreundlicher Bahn

Rund 20 % weniger Verbindungen als heute

Umsteigen in Admont

Fahrpreisverdoppelung für Stammkunden

Einstellung des Busverkehrs nur eine Frage der Zeit

Gegen die Einstellung der Gesäusebahn, 2009

geringer Besiedelungsdichte auf den

dortigen Bahnlinien ein Stunden- oder

Zweistundentakt vom zuständigen

Auftraggeber bestellt wird, gehen in

Österreich die Uhren anders: Für den

Nationalpark Gesäuse wurde plötzlich

ein Buskonzept für ausreichend erachtet,

ungeachtet der touristischen Bedeutung

dieser Region. Mit einer Sonderausgabe

versuchte Fahrgast für den

Erhalt des Bahnverkehrs zu kämpfen

– leider vergeblich. Noch 2008 war ein

Zweistundentakt auf der Gesäusebahn

ins Auge gefasst worden, doch die ÖBB

änderten kurzfristig ihre Meinung und

schlugen dem Land Steiermark stattdessen

vor, mehr Busse zu führen. Dass

diese Maßnahme überfallsartig mitten

in einer Fahrplanperiode erfolgte und

zudem ein Jahr zuvor die ÖBB Millionenverluste

bei Spekulationsgeschäften

„erwirtschaftet“ hatten, gab der Sache

einen besonderen Beigeschmack.

Auch aus einer weiteren Region

gab es schlechte Neuigkeiten zu beklagen:

Die S-Bahn im Ballungsraum

Obersteiermark, die dem Vordernbergertal

und der Region Leoben/Bruck/

Kapfenberg einen attraktiven S-Bahn-

Verkehr hätte bieten sollen und deren

Realisierung zeitweise in greifbarer

Nähe schien, wurde auf Eis gelegt.

Stattdessen plante das Land eine Verdichtung

des Busverkehrs zwischen

Leoben und Trofaiach. Hier hatte sich

das intensive Lobbying des örtlichen

Busunternehmers gepaart mit teilweiser

Untätigkeit einzelner Gemeinden

als stärker als die Argumente von

Fahrgast erwiesen.

2010

Am 22.Februar 2010 ging das neue

Buskonzept Graz-Südost in Betrieb. Es

basierte auf der Idee des mehrjährigen

Fahrgast-Generalsekretärs Stefan Walter,

der beobachtet hatte, dass Stadtbuslinien

an den Stadtrand, die an einer

Straßenbahnendstation ihren Ausgang

nehmen, wesentlich mehr Fahrgäste

aufweisen als Regionalbuslinien aus

dem Umland, die zwar direkt ins Zentrum

fahren, dies aber nur wenige Male

am Tag. Davon ausgehend hatte er vor-

Österreichische Post AG Info.Mail Entgelt bezahlt

Winter 2010 � 1,10 Euro

Ein Erfolg für FAHRGAST: Das

neue Buskonzept Graz-Südost

Neue Zeiten, neue Nummer.

Mit Inbetriebnahme des Buskonzeptes Graz-

Südost verschwindet auch die Linie 36 aus

dem Grazer Liniennetz. Zwischen Schulzentrum

St. Peter und Raa ba übernehmen die Linien 72,

73U und 76U. Statt über Köglerweg und Neufeldweg

(Bild) wird die Schleife des 36ers von

der Linie 75U über Styria straße und Messendorfer

Straße übernommen.

Vorschläge zur Verbesserung des steirischen Verbundtarifs

VorteilsCard und ÖsterreichCard: Ausweitung gefordert

Vorbildliche Regionalbahn: Usedomer Bäderbahn

Ausgabe 1/2010.

geschlagen, die Kurse der damaligen

Buslinie 36 zu verlängern und so auch

den südöstlichen Umlandgemeinden einen

dichten Taktverkehr zur Haltstelle

St. Peter-Schulzentrum zu ermöglichen.

Analoge Ideen gab es für den Bereich

Liebenau. Drei Jahre nach der Vorstellung

seines Konzepts wurde es nun umgesetzt.

Man erkennt diese Linien heute

am der Liniennummer nachgestellten

„U“. Dieses Detail stammt allerdings

nicht von Fahrgast, sondern wurde

von der Verbundlinie erdacht.

Fahrgast stellte 2010 auch ein

Interrregio-Konzept für den inneralpinen

Fernverkehr vor. Anlass war die

absehbare Streichung der letzten zwei

Direktzüge zwischen Graz und Linz,

die zuletzt nur mit Zuschüssen der

Bundesländer Steiermark und Oberösterreich

betrieben wurden. Nach der

Ankündigung von Oberösterreich, diese

nicht mehr zu zahlen, fielen sie zum

Fahrplanwechsel im Dezember weg.

Im Herbst brachte Fahrgast eine

Sonderausgabe zur Steirischen Landtagswahl

heraus. Wieder wurden den

antretenden Parteien mehrere Fragen

zur Zukunft des Öffentlichen Verkehrs

in der Steiermark gestellt. Die Ausgabe

erlangte traurige Berühmtheit – nicht

wegen ihres Inhalts, sondern weil die

Post über zehn Tage für deren Zustellung

an die Fahrgast-Mitglieder benötigte,

sodass viele sie erst am Montag

nach der Wahl lesen konnten. Zu

spät für eine Meinungsbildung. Dass

die Post nicht einmal bereit war, dafür

die Portokosten zu erstatten, darüber

beklagt sich Fahrgast im Vorwort zur

Ausgabe 1/2011.

Bei allen negativen Entwicklungen

darf ein historisches Ereignis nicht

übersehen werden: Der Fahrplanwechsel

im Dezember brachte die Inbetriebnahme

der erste Eisenbahn-Neubaustrecke

in der Steiermark seit 1931 mit

sich: Die Teilstrecke Werndorf - Wett-

3/ 011 25 Jahre Fahrgast

Jubiläumsausgabe


Österreichische Post AG Info.Mail Entgelt bezahlt

Obersteiermark: S-Bahn und

Buskonzept zu Grabe getragen

Grube

Die Baustelle der Nahverkehrsdrehscheibe

Hauptbahnhof verursacht

die größten Umleitungen,

die das Grazer Liniennetz je gesehen

hat. Bis 2013 werden die

Gleise noch oft umgelegt werden,

bis endlich die neue Nahverkehrsdrehscheibe

steht.

1986

1987

1988

1989

1990

1991

1992

1993

manstätten der künftigen Koralmbahn

wird seither an Werktagen von der

GKB befahren.

2011

Frühling 2011 – 1,10 Euro

Grazer Hauptbahnhof: Vorschläge wurden umgesetzt

Pinzgauer Lokalbahn: Erfolgsgeschichte Regionalbahn

Inneralpiner Fernverkehr: FAHRGAST stellt Konzept vor

Ausgabe 1/2011.

Während in Graz der Umbau des

Hauptbahnhofs zu einer Nahverkehrsdrehscheibe

in vollem Gange ist (und

dank Fahrgast auch die Fahrgastinformation

verbessert wurde), muss Fahrgast

1/2011 aus anderen Bereichen

von Rückschlägen berichten: Im Vordernbergertal

wurde nun weder die S-

Bahn, noch das Buskonzept umgesetzt.

In unserem Nachbarbundesland Niederösterreich

gab es wieder einmal die

Stilllegung zahlreicher Regionalbahnen

zu beklagen. Und der neue Vertrag

über gemeinwirtschaftliche Leistungen

zwischen Bund und ÖBB schien nur

den Status quo zu zementieren statt

Fahrplanverbesserungen hin zu einem

österreichweiten attraktiven Taktfahrplan

zu ermöglichen. Letztlich zeigte

sich, dass nicht einmal bestehende

Verkehre sicher waren: Am 1. August

erfolgte die Stilllegung des Personenverkehrs

auf der Bahnstrecke zwischen

Friedberg und Oberwart. Das BMVIT

zählt sie plötzlich nicht mehr zum vom

Bund finanzierten Grundangebot und

das Land Burgenland machte sich gar

nicht erst die Mühe, die Leistungen

weiter zu bestellen oder einen anderen,

günstigeren Betreiber zu suchen.

Und das „Streichkonzert“ geht

weiter: Nur drei Jahre nach dem hoffnungsvoll

gestarteten „Plan 9/12“ Konzept

drohte Graz am 11.12.2011 25 %

aller Fernverkehrszüge zu verlieren: Vier

von sechs Zugpaaren nach Maribor, drei

von sechs nach Salzburg und zudem das

letzte verbliebene Tageszugpaar nach

Innsbruck. Besonders schlimm: Anders

als bei den im Vorjahr gestrichenen Zügen

zwischen Graz und Linz erfüllen

die Züge Richtung Salzburg eine wichtige

Zubringerfunktion zu mehreren

Umsteigebahnhöfen, etwa in Leoben

Richtung Murtal, in Selzthal Richtung

Linz oder in Stainach-Irdning Richtung

Bad Aussee. Vom Verkehrsministerium

wurde Fahrgast-Kritik mit teilweise

völlig falschen Aussagen entgegnet

Österreichische Post AG Info.Mail Entgelt bezahlt

Jubiläumsausgabe 25 Jahre Fahrgast

1994

1995

1996

1997

1998

1999

2000

2001

2002

Sondernummer Sommer 2011 � 1,90 Euro

Es fährt kein Zug

Ab Dezember wird ein Viertel aller

Fernverkehrszüge von und nach Graz eingestellt.

FAHRGAST informiert und zeigt Alternativen auf

Ausgabe 2/2011.

2003

2004

2005

2006

2007

2008

2009

2010

2011

(„Zwischen Graz und Linz kommt es zu

keinen Veränderungen“), zudem wurden

äußerst fragwürdige Fahrgastzahlen

genannt, deren Erhebungsmethode und

-zeitraum man aber nicht preisgeben

konnte oder wollte.

Mit „Es fährt kein Zug“ zeigte

Fahrgast 2/2011 die kommenden

Streichungen auf und informierte nochmals

über das schon im Vorjahr erstellte

Interregio-Konzept, mit dem man der

Erschließungsfunktion der Regionen einerseits

und dem Verkehr zwischen den

Landeshauptstädten andererseits gleichermaßen

gerecht wird – und das zu

wirtschaftlich leistbaren Bedingungen.

Buchstäblich in letzter Minute konnten

einige der Verbindungen gerettet bzw.

als Ersatz Regionalexpresszüge eingeführt

werden. Diese Regelung ist aber

nur auf ein Jahr befristet, dann beginnt

das Zittern erneut.

Zukunft

25 Jahre nach der Gründung von

Fahrgast zeigt sich, dass eine Lobby

für Fahrgäste heute genauso wichtig

ist wie damals. Möglich, dass es auch

ohne Engagement von Fahrgast einzelne

Verbesserungen im ÖV gegeben

hätte. Viele der heute selbstverständlichen

Verkehrsangebote gäbe es aber

ohne die Mitwirkung von Fahrgast

nicht. Und wie die jüngsten Entwicklungen

zeigen, darf man sich auch

nie auf bereits erreichten Lorbeeren

ausruhen – es gibt immer was zu tun!

Fahrgast wird sich auch in Zukunft

für die Interessen der Benützer Öffentlicher

Verkehrsmittel stark machen.

Und jedem, dem dies ein Anliegen ist,

gilt schlussendlich auch unser Aufruf:

Ärgern Sie sich nicht über Mängel im

ÖV – machen Sie aktiv bei uns mit!

Werden Sie „Fahrgastler(in)“!

Marcus Pirker

3/ 011


Chronik

Ereignisse der vergangenen 25 Jahre.

An manches erinnert man sich ein

Leben lang, anderes ist schnell

wieder vergessen. FAHRGAST

hat versucht, aus den vergangenen 25

Jahren einige Ereignisse zusammenzutragen.

1986

– 28.01.: Die US-Raumfähre Challenger

explodiert kurz nach dem

Start.

– 08.-10.2.: „Jahrhundertwinter“:

Ein Adriatief sorgt für extreme

Schneefälle in Graz, der Straßen-

und Teile des Straßenbahnverkehrs

kommen zum Erliegen.

– 25.02.: Michail Gorbatschow fordert

auf dem 27. KPdSU-Parteitag

„Glasnost“ (Rede- Meinungs- und

Pressefreiheit in der UdSSR).

– 26.04.: Reaktorkatastrophe von

Tschernobyl

– 08.06.: Kurt Waldheim gewinnt

im zweiten Wahlgang mit 53,9%

die Wahl zum Bundespräsidenten.

Daraufhin Rücktritt von Bundeskanzler

Fred Sinowatz und

Außenminister Leopold Gratz.

Als Nachfolger von Sinowatz wird

Franz Vranitzky neuer Bundeskanzler.

– 13.09.: Jörg Haider gewinnt am

FPÖ-Parteitag eine Kampfabstimmung

gegen Norbert Steger um

den Parteivorsitz. Franz Vranitzky

kündigt daraufhin die bestehende

rot-blaue Koalition auf Bundesebene

auf.

– 21.09.. Landtagswahlen in der

Steiermark: ÖVP 30 Mandate,

SPÖ 22, FPÖ 2, VGÖ-AL

(Grüne): 2. Josef Krainer jr. bleibt

Landeshauptmann.

– 12.10.: Wiedereröffnung der

Straßenbahnlinie 5 nach Puntigam

nach einjähriger Sperrung

Die Anfänge: 1986 wurde Fahrgast als Verein engangierter Verkehrsaktivisten gegründet.

Die Anfangszeit stand ganz im Zeichen aktiver Öffentlichkeitsarbeit.

wegen des Neubaus der Berthavon-Suttner-Brücke:

Feste in

Andritz und Puntigam, Sonderfahrten

und Sonderfahrpreis von

5 Schilling.

– 27.10.: Gründung von Fahrgast.

– 23.11.: Nationalratswahlen:

SPÖ 80 Mandate, ÖVP 77,

FPÖ 18, Grüne 8. Bildung einer

rot-schwarzen Koalition, Franz

Vranitzky bleibt Bundeskanzler.

– 13.12.: Vorstellung des „neuen

6-Achseres“ auf der Linie 6: GVB

setzen erstmals den Triebwagen

601 im Linienverkehr ein. Am

Hauptbahnhof und in St.Peter-

Schulzentrum gibt’s Maroni und

Glühwein.

1987

Jubiläumsjahr „150 Jahre Eisenbahn

in Österreich“. Zahlreiche

Sonderfahrten und Festveranstaltungen

in vielen Bahnhöfen Österreichs.

– 30.01.–05.02.: Fahrgast präsentiert

die Ausstellung „Alptraum

Auto“ im Haus der Jugend

– 01.05.: Heinrich Übleis wird

ÖBB-Generaldirektor.

1988

– 01.01.: Tarifreform bei den ÖBB,

u.a. Abschaffung des Schnellzug-

Zuschlags und Einführung des

„Umwelttickets“ (Vorläufer der

Vorteilscard), das 50% Ermäßigung

beim Kauf von Fahrkarten

bringt.

– 24.01.: Gemeinderatswahlen in

Graz: SPÖ 25 Mandate, ÖVP 19,

FPÖ 7, ALG (Grüne) 2, DGB 2.

Bürgermeister bleibt Alfred Stingl.

– 06.04.: Intervallverschlechterung

bei den GVB im Schwachlastverkehr.

FAHRGAST protestiert

massiv gegen den eingeführten 20

Minuten-Takt vor 6.30 Uhr und

den 30-Minuten-Takt ab 21.00

3/ 011 25 Jahre Fahrgast

Jubiläumsausgabe


Uhr. Ab 12.09. werden die Intervallverschlechterungen

teilweise

wieder rückgängig gemacht.

– 25.05.: Der Fahrplanwechsel

bringt österreichweit die Stilllegung

zahlreicher Regionalbahnen

mit sich. In der Steiermark sind

die Bahnstrecken Bierbaum–Neudau,

Mariazell–Gußwerk und

Vordernberg Markt - Eisenerz

betroffen.

– 01.09.: Tarifreform bei den GVB:

Einführung einer „Grazer Karte“

(Gesamtnetz-Wochenkarte um 99,

Monatskarte um 350, Jahreskarte

3500 Schilling). Die Stadt Graz

subventioniert jede gekaufte

Monats- und Jahreskarte, die

ansonsten 395 bzw. 3950 Schilling

kosten würde.

– 01.09: Nach massivem Engagement

durch Fahrgast und betroffene

Anrainergemeinden gegen eine

drohende Stilllegung verdichten

die STLB das Fahrplanangebot auf

den Bahnlinien Peggau-Übelbach

und Feldbach-Bad Gleichenberg,

errichten zusätzliche Haltepunkte

und führen eine ermäßigte Rückfahrkarte

ein. Auf der Übelbacher

Bahn nehmen die Fahrgastzahlen

daraufhin um 40% zu.

1989

– 04.06.: Massaker auf dem „Platz

des Himmlischen Friedens“ in

Peking.

– 27.06.: Österreichs Außenminister

Alois Mock und sein ungarischer

Amtskollege Gyula Horn

durchschneiden symbolisch den

„Eisernen Vorhang“ an der österreichisch-ungarischen

Grenze.

– 02.11.: STLB und ÖBB führen

drei Direktzugpaare (an Werktagen)

Graz – Weiz ein.

– 02.11.: Letzter Einsatz eines Holzkasten-Zweiachsers

(Baureihe 200)

bei den GVB.

– 09.11.: Fall der Berliner Mauer

und Öffnung der innerdeutschen

Grenze.

1990

– 14.03.: Michail Gorbatschow wird

Präsident der UdSSR.

– 07.05.: Einführung eines Taktfahrplans

auf den meistenLinien der

Grazer Verkehrsbetriebe. Zuvor

hatten historisch gewachsene

Intervalle ohne merkbares Taktgefüge

die Fahrpläne geprägt. An

der Erstellung der neuen Fahrpläne

hatte sich FAHRGAST aktiv

beteiligt.

– 09.09.. Eröffnung der Verlängerung

der Straßenbahnlinie 1 bis

Eggenberg/UKH.

– 03.10.: Deutsche Wiedervereinigung

(Beitritt der DDR zum Gel-

Jubiläumsausgabe 25 Jahre Fahrgast

tungsbereich des Grundgesetzes

der BRD).

– 07.10.: Nationalratswahlen: SPÖ

80 Mandate, ÖVP 60, FPÖ

33, Grüne 10. Fortsetzung der

rot-schwarzen Koalition, Franz

Vranitzky bleibt Bundeskanzler.

1991

– 02.06: Fahrplanwechsel: Einführung

des NAT 91 (Neuer

Austro-Takt 91): Massive Angebotsausweitung

im Fern- und

Regionalverkehr, Einführung von

7 IC-Linien durch Österreich.

– 02.06.: Stilllegung des Personenverkehrs

Zeltweg-Fohnsdorf.

– 25.06.: Beginn des Zerfalls

Jugoslawiens: Die jugoslawischen

Teilrepubliken Slowenien und

Kroatien erklären ihre Selbständigkeit

und Unabhängigkeit.

Die serbisch dominierte jugoslawische

Bundesarmee marschiert

Der erste Erfolg für Fahrgast: 1990 wurde die

Straßenbahnlinie 1 zum UKH in Eggenberg verlängert.

3/ 011


daraufhin ein und rückt bis zur

österreichischen Grenze vor. Der

Krieg endet in Slowenien nach 10

Tagen mit dem Abzug der Armee,

während in Kroatien und später

auch in Bosnien lang andauernde

Kampfhandlungen folgen.

– 01.07.: Auflösung des Warschauer

Paktes.

– 19.09.: Bergsteiger finden in den

Ötztaler Alpen eine 5000 Jahre alte

mumifizierte Leiche, den „Ötzi“.

– 22.09.: Landtagswahlen in der

Steiermark: ÖVP 26 Mandate,

SPÖ 21, FPÖ 9. Josef Krainer jr.

bleibt Landeshauptmann.

– 08.12.: Russland, die Ukraine und

Weißrussland beschließen die Auflösung

der UdSSR und gründen

die „Gemeinschaft unabhängiger

Staaten (GUS)“ mit 1.1.1992.

1992

– 24.05.: Thomas Klestil gewinnt im

2. Wahlgang mit 56,9% die Wahl

zum Bundespräsidenten.

– 28.10.: Tod von Erich Edegger,

langjähriger Vizebürgermeister und

Verkehrsreferent der Stadt Graz.

– 03.11.: Zweite Stufe des GVB-

Taktfahrplans tritt in Kraft, u.a.

Intervallverdichtungen, längerer

Abendbetrieb auf einigen Buslinien,

Einführung Citylinie 30 und Verlängerung

des 39ers zur Universität.

– 03.11.: Wahl Bill Clintons zum

42. US-Präsidenten.

1993

– 24.01.: Gemeinderatswahlen in

Graz: SPÖ 21 Mandate, ÖVP 15,

FPÖ 12, ALG (Grüne) 3, KPÖ 2,

ÖABP („Österreichische Autofahrer-

und Bürgerinteressenspartei“)

1995 wurde der zentrale Verkehrsknoten in Graz, der Jakominiplatz, so umgebaut,

dass er auch zum Wenden von Straßenbahnen genutzt werden konnte.

2, Liste GRÜN (Gemeinderat

Korber) 1. Alfred Stingl bleibt

Bürgermeister.

– Spätwinter: Fahrgast zeigt die

Ausstellung „Mehr Tram für Graz“

am Hauptplatz.

– 02.04.: GKB präsentiert ihre

neuen Doppelstockwaggons, die

ab Fahrplanwechsel im Mai zum

Einsatz kommen. Damit endet

der Einsatz der längst nicht mehr

zeitgemäßen zweiachsigen Spantenwagen.

– 18.05.: Zum Uni-Aktionstag

organisiert FAHRGAST den

Transport einer Straßenbahn zum

Sonnenfelsplatz und wirbt für eine

Anbindung der Universität an das

Straßenbahnnetz.

– 01.08.: Helmut Draxler wird

neuer ÖBB-Generaldirektor

1994

– 28.02.: Start des Verkehrsverbundes

Großraum Graz.

– 12.06.: Volksabstimmung über

den Beitritt Österreichs zur EU:

66,6% stimmen mit „Ja“

– 08.07.: Der nordkoreanische Diktator

Kim Il-Sung verstirbt, sein

Sohn Kim Jong-Il übernimmt die

Macht.

– 09.10.: Nationalratswahlen: SPÖ

65 Mandate, ÖVP 52, FPÖ 42,

Grüne 13, Liberales Forum 11.

Fortsetzung der rot-schwarzen

Koalition, Franz Vranitzky bleibt

Bundeskanzler.

1995

– 01.01.: Beitritt Österreichs zur

EU.

– 25.06.: Volksbefragung in Graz

zum Thema „Sanfte Mobilität“:

Die von der Stadt Graz formulierte

Frage:“Sind Sie für die Umsetzung

der menschenfreundlichen

und zukunftsweisenden Verkehrspolitik

der Stadt Graz (Leitlinie

2000), die mehr Lebensqualität

30 3/ 011 25 Jahre Fahrgast

Jubiläumsausgabe


schafft? Das heißt: Weniger Abgase

und Lärm, mehr Verkehrssicherheit

und Wohnqualität – Ja oder

nein?“ beantworten 56% mit Ja.

Die von Wirtschaftsbund-Stadtgruppenobmann

Gebell formulierte

Frage „Soll das als Diskussionsentwurf

vorliegende Generelle

Maßnahmenprogramm zum

Gesamtverkehrskonzept 1994 der

Landeshauptstadt Graz verwirklicht

werden – Ja oder nein?“, auf

die sich Gebell eine mehrheitliche

Ablehnung gewünscht hatte (u.a.

war die Attraktivierung des ÖV

auch auf Kosten des MIV vorgesehen),

wurde von 53% mit Ja

beantwortet. Die Wahlbeteiligung

lag bei 15,5%.

– 15.09.: Vorstellung des FAHR-

GAST-Konzepts zur Rettung der

Neuberger Bahn.

– 17.12.: Nationalratswahlen: SPÖ

71 Mandate, ÖVP 52, FPÖ 41,

Liberales Forum 10, Grüne 9.

Fortsetzung der rot-schwarzen

Koalition, Franz Vranitzky bleibt

Bundeskanzler.

– 17.12.: Landtagswahlen in der

Steiermark: ÖVP 21 Mandate,

SPÖ 21, FPÖ 10, Grüne 2, Liberales

Forum 2. Nachfolgerin von

Landeshauptmann Josef Krainer

wird im März 1996 Waltraud

Klasnic.

1996

– 03.02.: Start des Regionalbusses

Aichfeld.

– Juni: Stilllegung des Personenverkehrs

Mürzzuschlag–Neuberg

– 06.07.: Takt 3 –Fahrplan bei den

GVB tritt in Kraft.

– 08.09.: Eröffnung des umgebauten

Jakominiplatzes.

– 05.11.: Wiederwahl Bill Clintons

als US-Präsident.

1997

– 19.01.: Volksbefragung in St.Peter.

Die von Gegnern der Straßenbahnverlängerung

erzwungene Volksbefragung

mit der Fragestellung:

„Treten Sie dafür ein, dass die von

der Stadt Graz geplante Verlängerung

der Straßenbahnlinie 6, die

in dieser Form nicht zur Lösung

der bestehenden Verkehrsprobleme

beiträgt, nicht zur Ausführung

gelangt?“ ergibt einen Überhang

von 395 Ja-Stimmen, also eine Ablehnung.

FAHRGAST recherchiert

und zeigt wenig später auf, dass

die meisten Stimmen gegen das

Projekt aus dem Süden des Bezirks

stammten, den die Straßenbahn jedoch

überhaupt nicht tangiert. Im

unmittelbar erschlossenen Bereich

und im Peterstal lag die Zustim-

Jubiläumsausgabe 25 Jahre Fahrgast

mung dagegen bei bis zu 71%. Projektbefürworter

erreichten zudem

später, dass der Verfassungsgerichtshof

die Volksbefragung wegen der

präjudizierenden Fragestellung für

ungültig erklärte.

– 09.07.: Eröffnung des neuen

Stadions in Liebenau. Es trägt

ursprünglich den Namen „Arnold-

Schwarzenegger-Stadion“.

– 01.-10.12.: Bei der Klimakonferenz

in Kyoto beschließen

Industrieländer eine Verpflichtung

zur Senkung ihrer Treibhausgas-Emissionen.(„Kyoto-Protokoll“).

1998

– 25.01.: Gemeinderatswahlen in

Graz: SPÖ 18 Mandate, FPÖ 16,

ÖVP 13, KPÖ 4, Grüne 3, ÖABP

1, Liberales Forum 1. Bürgermeister

bleibt Alfred Stingl.

1996 wurde die Eisenbahnstrecke Mürzzuschlag–Neuberg,

für deren Erhalt Fahrgast jahrelang gekämpft hatte, endgültig stillgelegt.

3/ 011 31


2001 wurden die ersten durchgehenden Niederflurstraßenbahnen,

die Cityrunner, in Betrieb genommen.

– 09.04.: FAHRGAST präsentiert

die Studie „Wo bleibt die Tram?

Eine Analyse des Grazer Straßenbahnnetzes“.

– 19.04.: Thomas Klestil gewinnt im

ersten Wahlgang mit 63,42% die

Wahl zum Bundespräsidenten und

bleibt weitere sechs Jahre im Amt.

– 31.12.: Wieder verliert die Steiermark

eine Bahnlinie: Die STLB

geben die Konzession für die

Thörlerbahn von Kapfenberg nach

Seebach-Turnau auf, nachdem die

Güterkunden nach einer Bankpleite

Konkurs anmelden mussten

und der seit 1991 bestehende

Nostalgieverkehr durch einen Verein

nach internen Schwierigkeiten

ebenfalls 1997 endete.

1999

– 01.01.: Erstmals durchgehender

Straßenbahn- und Busbetrieb in

der Silvesternacht (30-Minuten-

Intervall).

– 01.01.: Einführung des EURO als

Buchgeld.

– 06.04.: Beginn des Niederflur-Zeitalters

bei der Grazer Straßenbahn:

GVB stellen den mit einem Niederflurmittelteil

zum Achtachser

verlängerten Triebwagen 601 vor.

– 17.05.: Neuer Fahrplan bei den

GVB („Takt 4“). Einzelnen Angebotsverbesserungen

stehen auch

Rücknahmen im Fahrtangebot

gegenüber, u.a. durch Einführung

eines eigenen Frühjahrsfahrplans

mit ausgedünnten Intervallen.

– 25.05.: Stillegung des Personenverkehrs

Hieflau–Eisenerz.

– 13.06.: Die GVB feiern „100 Jahre

elektrische Straßenbahn in Graz“.

– 11.08.: Totale Sonnenfinsternis

über Teilen Österreichs.

– 03.10.: Nationalratswahlen: SPÖ

65 Mandate, FPÖ 52, ÖVP 52,

Grüne 14. Nach monatelangen

Sondierungsgesprächen folgt die

Bildung einer schwarz-blauen

Koalition, die unter heftigen Protesten

am 4.2.2000 angelobt wird.

Bundeskanzler wird Wolfgang

Schüssel.

– 01.12.: Grazer Altstadt wird zum

UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.

2000

– 15.10.: Landtagswahlen in der

Steiermark: ÖVP 27 Mandate,

SPÖ 19, FPÖ 7, Grüne 3.

Waltraud Klasnic bleibt Landeshauptmann.

2001

– 03.03.: Präsentation des neuen

Cityrunners.

– 10.06.: Stilllegung des Personenverkehrs

Leoben – Vordernberg

Markt trotz bestehenden Verkehrsdienstevertrags

mit dem Land

Steiermark.

– 31.07.: Wechsel an der Spitze der

ÖBB: Rüdiger vorm Walde folgt

Helmut Draxler als ÖBB-Chef.

– 11.09.: Terroranschläge in den

USA auf das World-Trade-Center

und das Pentagon.

2002

– 01.01.:Einführung des EURO als

Bargeld. Bis 27.02. kann noch mit

Schilling gezahlt werden.

– 25.03.: Letzter Tag mit Obusbetrieb

in Kapfenberg. Einen Monat

später beginnt die Demontage der

Oberleitung.

– 24.11.: Nationalratswahlen:

ÖVP 79 Mandate, SPÖ 69, FPÖ

18, Grüne 17. Fortsetzung der

schwarz-blauen Koalition, Bundeskanzler

bleibt Wolfgang Schüssel.

3 3/ 011 25 Jahre Fahrgast

Jubiläumsausgabe


2003

Graz ist Kulturhauptstadt Europas.

– 09.01.: Start des Nachtbusnetzes

in Graz.

– 26.01.: Gemeinderatswahlen in

Graz: ÖVP 21 Mandate, SPÖ 15,

KPÖ 12, Grüne 4, FPÖ 4 Man-

date. Bürgermeister wird Siegfried

Nagl.

– 12.-14.11.: Streik bei den ÖBB

gegen die geplante Neustrukturierung

des Unternehmens.

– 30.12.: Das Bundesbahnstrukturgesetz

2003 tritt in Kraft, die ÖBB

werden in zahlreiche eigenständige

Aktiengesellschaften aufgeteilt.

Das Kulturhauptstadtjahr 2003 brachte eine Neugestaltung der Bahnhofshalle in Graz.

Ursprünglich als temporäre Installation gedacht, hängt sie bis heute.

Jubiläumsausgabe 25 Jahre Fahrgast

2004

– 25.04.: Heinz Fischer gewinnt mit

52,39% die Wahl zum Bundespräsidenten.

– 01.11.: Martin Huber wird Chef

der ÖBB Holding AG

2005

– 21.09.: Fahrgast präsentiert in

Trofaiach die Broschüre „Der

Weg aus dem Stau“, die einen

S-Bahn-Verkehr auf der Trasse der

ehemaligen Vordernberger Bahn

vorschlägt.

– 02.10.: Landtagswahlen in der

Steiermark: SPÖ 25 Mandate,

ÖVP 24, KPÖ 4, Grüne 3. Neuer

Landeshauptmann wird am 25.10.

Franz Voves.

– 25.12.: In der Nacht auf den

26.12. wird der Schriftzug „Arnold-Schwarzenegger“

auf dem

Stadion in Liebenau entfernt.

Vorausgegangen war eine Kontroverse

um die Namensgebung,

nachdem Arnold Schwarzenegger

als Gouverneur von Kalifornien

die Begnadigung eines zum Tod

Verurteilten abgelehnt und die Todesstrafe

vollstrecken lassen hatte.

Mehrere Gemeinderatsmitglieder

forderten daraufhin die Aberkennung

des Grazer Ehrenrings und

die Umbenennung des Stadions.

Schwarzenegger verbot daraufhin

von sich aus die Nutzung seines

Namens für das Stadion ab 2006

und schickte auch den Ring

zurück. Seit 18.2.2006 trägt das

Liebenauer Stadion den Namen

„UPC-Arena“

3/ 011 33


Die Jahre 2006 und 2007 brachten drei Straßenbahnverlängerungen, darunter die Linie 6,

für die Fahrgast fast 20 Jahre lang gekämpft hatte.

2006

– 01.10.: Nationalratswahlen: SPÖ

68 Mandate, ÖVP 66, FPÖ 21,

Grüne 21, BZÖ 7. Bildung einer

rot-schwarzen Koalition, Bundeskanzler

wird Alfred Gusenbauer.

– 01.12.: Eröffnung der Verlängerung

der Linie 5 zum Nahverkehrsknoten

Puntigam.

2007

– 21.03.: Eröffnung der Verlängerung

der Straßenbahnlinie 4 von Liebenau/Stadion

bis Liebenau/Murpark.

– 01.10.: Einführung des IC-Busses

zwischen Graz und Klagenfurt.

– 09.11.: Eröffnung der Verlängerung

der Straßenbahnlinie 6 von St.Peter

Schulzentrum ins Peterstal.

– 15.12.: Start der S-Bahn Steiermark

(noch ohne Linie S3 auf der

Ostbahn)

2008

– 20.01.: Gemeinderatswahlen in

Graz: ÖVP 23 Mandate, SPÖ 11,

Grüne 8, KPÖ 6, FPÖ 6, BZÖ 2.

Siegfried Nagl bleibt Bürgermeister.

– 22.04.: Martin Huber tritt als

ÖBB-Chef nach Spekulationsverlusten

von 612,9 Mio Euro durch

riskante Bankgeschäfte der ÖBB.

Sein Nachfolger wird Peter Klugar.

– 08.06.: Mit einer Straßenbahnparade

im Zentrum feiert die Stadt

„130 Jahre Straßenbahn in Graz“.

– 28.09.: Nationalratswahlen: SPÖ

57 Mandate, ÖVP 51, FPÖ 34,

BZÖ 21, Grüne 20. Fortsetzung

der rot-schwarzen Koalition, Bundeskanzler

wird Werner Faymann.

2009

– 20.03.: Spatenstich für das erste

Baulos des Koralmtunnels am

Ostportal.

– 01.09.: Reduktion des Personenverkehrs

auf der Gesäusebahn auf

ein Wochenendzugpaar.

– 16.12.: Vorstellung der neuen

Straßenbahngeneration Variobahn

in Graz.

2010

– 25.04: Heinz Fischer wird im

ersten Wahlgang mit 79,3% für

weitere sechs Jahre zum Bundespräsidenten

gewählt.

– 07.06.: Das Personalkarussel an

der Spitze der ÖBB dreht sich

weiter: Auf Peter Klugar folgt

Christian Kern.

– 26.09.: Landtagswahlen in der

Steiermark: SPÖ 23 Mandate,

ÖVP 22, FPÖ 6, Grüne 3, KPÖ

2. Franz Voves bleibt Landeshauptmann.

– 11.12.: Mit der Eröffnung der

ersten Teilstrecke der Koralmbahn

zwischen Werndorf und

Wettmannstätten ergeben sich

für Fahrgäste aus der Weststeiermark

kürzere Fahrzeiten nach

Graz. Es ist die erste völlige

Neubaustrecke in der Steiermark

seit 1931.

2011

– 01.08.: Stilllegung des Personenverkehrs

Friedberg–Oberwart.

– 11.12.: Mit dem Fahrplanwechsel

drohte Graz ein Viertel aller

Fernverkehrsverbindungen zu

verlieren. Ende November 2011

werden als Ersatz einige zusätzliche

REX-Züge vom Land Steiermark

bestellt.

3 3/ 011 25 Jahre Fahrgast

Jubiläumsausgabe


Fahrkarten …

… im Laufe der Jahre

Jubiläumsausgabe 25 Jahre Fahrgast

3/ 011 3


Steigen Sie ein – bei Ihrer Interessensvertretung

Sie fahren gerne mit Zug, Tram und Bus.

So würde es Spaß machen: Bequem mit Zug, Tram und Bus von einem

Ort zum anderen. Nette Leute kennen lernen, entspannen, die Landschaft

erleben, die Zeitung lesen, die Umwelt und die Nerven schonen.

Im ganzen Land bringen Sie funktionierende Anschlüsse fast bis vor Ihre

Haustür.

Ihr Zug kann noch besser werden.

Überall brauchen Fahrgäste attraktive Bahnhöfe und Haltestellen, an

denen moderne Fahrzeuge halten und zum Einsteigen einladen. Bahn und

Bus sollen in der Region auf einander abgestimmt sein. In der Stadt sollen

die Anschlüsse zwischen Tram und Bus funktionieren. Tram und Bus müssen

möglichst staufrei und unbehindert vorankommen, um die Fahrgäste rascher

an ihr Ziel bringen zu können.

Fahrgast Steiermark 3/2011

Die Zeitung der steirischen Fahrgastvertretung,

unabhängig und überparteilich.

Erscheinungsweise: Nach Möglichkeit vier Mal im Jahr.

Auflage: 1500 Stück.

� Ich interessiere mich für Ihre Tätigkeit und ersuche

Sie, mir Informationsmaterial zuzusenden.

� Ich bestelle ein Jahresabo der Zeitung Fahrgast zum

Preis von 5,80 Euro inkl. Porto und Versand.

� Ich trete dem Verein Fahrgast Graz/Stmk. als Mitglied

bei. Jahresbeitrag 18,– Euro; für Familien 25,– Euro;

jeweils inklusive Zeitung.

Name

Adresse

Unterschrift ...............................................................

3/2011

Impressum

Fahrgast bringt Ihren Bus in Fahrt.

Nicht immer sind die Verantwortlichen bereit, Öffentliche Verkehrsmittel

ausreichend „zum Zug“ kommen zu lassen. Fahrgast erarbeitet Konzepte und

Vorschläge, betreibt Lobbying bei den zuständigen Entscheidungsträgern und

spricht mit den Verkehrsunternehmen. Mit Fahrgast ist daher so mancher Zug

und Bus ins Rollen gekommen.

Sie fahren doch auch mit den „Öffentlichen“?

Bleiben Sie nicht allein, kommen Sie zu uns! Gemeinsam sind wir stark!

Wenn auch Sie für den Ausbau des Öffentlichen Verkehrs sind, unterstützen

Sie Fahrgast, Ihre Interessenvertretung.

Wir treffen uns jeden Montag von 18.30 bis ca. 20.30 Uhr in der Alten

Technik, Rechbauerstraße 12 in Graz, Parterre rechts in den Räumen der

ÖH. Telefon: 0650 245 34 20.

Medieninhaber, Herausgeber und Redaktion:

Fahrgast Graz/Steiermark, Postfach 30, 8016 Graz.

Österreichische Post AG

Info.Mail Entgelt bezahlt

Bitte

ausreichend

frankieren

Fahrgast Graz/Stmk.

Postfach 30

8016 Graz

Wenn Sie Fahrgast-Mitglied werden

wollen oder lieber nur ein Zeitungsabo

möchten, dann benutzen

Sie bitte nebenstehende Postkarte.

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