Paracelsus Today

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September 2020; Ausgabe II

DAS MAGAZIN DER PARACELSUS PRIVATUNIVERSITÄT FÜR SALZBURG UND NÜRNBERG

PARACELSUS

TODAY

2

September 2020

Das Auge

im Blick

Noch nicht 30 Jahre, schon Fachärztin und eine eigene Praxis:

die steile Karriere der Alumna Marie Dietrich

CORONA-GESPRÄCH

Wir sollen ohne Angst mit

der Situation umgehen.

PHARMAZIE IN SALZBURG

Bachelor geschafft,

Ziel ist der Master.


EDITORIAL

eben lernen mit Corona“. So haben wir den Inhalt

„Leines Round-Table-Gesprächs mit Expertinnen

und Experten zum derzeit allgegenwärtigen Thema CO-

VID-19-Pandemie im Titel zusammengefasst. Das Virus

Covid-19 hinterlässt in unserer Gesellschaft ökonomische,

psychische und politische Folgen. Darüber herrscht

Einigkeit. Die Paracelsus Medizinische Privatuniversität

(PMU) hat in den vergangenen Monaten in diesem Umfeld

gearbeitet und den Blick stets nach vorne gerichtet.

Die Bedeutung eines funktionierenden Gesundheitssystems

ist offensichtlicher geworden, eine qualitätsvolle

Ausbildung von motivierten jungen Menschen für ärztliche

und pflegerische Berufe wohl unstrittig.

Die PMU lebt diese Einstellung seit der Gründung

und war in einigen Bereichen Vorreiter. Ein Beispiel: seit

zehn Jahren bilden wir Bachelors für Pflege in einem

Sicher sein im

Tun und Handeln

Online-Studium erfolgreich aus. In der Pharmazie haben

die ersten Bachelor ihren Abschluss erreicht. Gratulation!

Mit Stolz verfolgen wir die Entwicklungen von

unseren Alumni. Redakteurin Sabine Ritzinger hat sich

mit einer Fachärztin für Augenheilkunde getroffen und

deren bisherige Laufbahn vom Aufnahmetest in Salzburg

vor vielen Jahren bis zum heutigen Tag für Sie,

werte Leserinnen und Leser in diesem Heft beschrieben.

20 Jahre gibt es in Österreich mittlerweile Privatuniversitäten.

Anlass für Paracelsus Today mit PMU-Kanzler

Michael Nake Rückschau zu halten, denn der Kluge

lebt aus der Vergangenheit für die Zukunft. Klugheit

kalkuliert den nächsten möglichen Schritt im Sinne des

eigenen Interesses. Der Kluge bedenkt im Jetzt die Folgen

seines Handelns. Die Paracelsus Universität wird

weiterhin das Heft des Handelns in die Hand nehmen.

Inhalt

Viel Freude beim Lesen.

Ihr Dr. Gottfried Stienen

Chefredakteur

34

30

Spotlight Rektor Wolfgang Sperl über die Gesundheit. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4

Roundtable Eine hochkarätige Gesprächsrunde diskutiert die Folgen der COVID-19-Pandemie. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .6

Education Der Zeit voraus: Das Online-Studium der Pflegewissenschaft gibt es an der Paracelsus Universität seit zehn Jahren. .12

Alumni Marie Dietrich entdeckte ihre Leidenschaft für die Augenheilkunde schon früh . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .16

Research Kleine Bläschen im Inneren von Zellen tragen große Hoffnung von Forschern. Salzburg steht in der ersten Reihe. . . . 20

FocusOn Sepsis, auch „Blutvergiftung“ genannt, ist eine unterschätzte Gefahr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .24

Inside Digitale Lehre hat in den Uni-Hörsälen Einzug gehalten. Weiterentwicklungen stehen an der Paracelsus Universität auf

der Tagesordnung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30

Outside Die PMU feiert ihre ersten Pharmazie-Bachelors . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32

Update Privatuniversitäten gibt es in Österreich seit zehn Jahren. Reflexion und Vorschau vom Kanzler der PMU, Michael Nake. . 34

Pointof View Universitäre Lehrordinationen sind das Paradebeispiel für eine Win-win-win-Situation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42

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3


SPOTLIGHT

Impressum

Autor: Gottfried Stienen • Foto: Paracelsus Uni

Des Rektors Appell

Die neuen Medizin- und Pharmaziestudierenden wurden mit

einem Welcome Day an der Paracelsus Universität begrüßt.

Im Jahreszyklus gibt es

Tage, auf die man sich

schon lange vorher

freut. Die Vorfreude an

der Paracelsus Universität

galt diesmal dem 31. August:

ein von Aufregung und

Geschäftigkeit geprägter Tag,

an dem die neuen Studierenden

der Humanmedizin und

der Pharmazie offiziell mit einem

gemeinsamen „Welcome

Day“ begrüßt wurden.

„Hybride“ Begrüßung. Aufgrund

der COVID-19-Restriktionen

– die PMU hat ein eigenes vierstufiges

Corona-Ampelsystem mit ausgefeiltem Sicherheitskonzept

– wurde auf eine Aufteilung

in Gruppen in den Häusern C und D sowie

genug Abständen zwischen den Sitzplätzen

geachtet. Die Medizinstudierenden des

Standorts Nürnberg waren via Tele-Meeting

zugeschaltet. Die Studierenden der Pflegewissenschaft,

der übrigen Studiengänge und

Universitätslehrgänge sowie die Mitarbeitenden

der Universität konnten ebenfalls online

dabei sein.

„Ihre Gesundheit und

Ihre psychisch-seelische

Zufriedenheit sind

wichtig, um den hohen

Anforderungen im

Studium an der PMU

gewachsen zu sein.“

PMU-Rektor Univ.-Prof. Dr.

Wolfgang Sperl

in seiner Rede an die neuen

Studierenden

Auf Körper und Psyche achten. Sperl appellierte

in seiner Ansprache an die „Neuen“, auf

sich zu achten, gesund zu leben und zu bleiben.

Gesundheit setze sich aus vier Faktoren

zusammen: Genetik, Umwelt, Bewegung und

Ernährung. Die Genetik wird uns mitgegeben,

sei ergo nicht veränderbar.

Den Faktor Umwelt präzisierte

der Rektor folgendermaßen:

Dazu gehörten der

Wohnort und die Art und

Weise, wie man wohnt, darüber

hinaus aber auch die persönlichen

Beziehungen im

bio-psycho-sozialen Sinn. „Es

ist sehr wesentlich, auf unsere

psychisch-seelische Gesundheit

zu achten. Dazu gehören

gute Beziehungen zu

Menschen und ein intaktes

persönliches Umfeld“, ergänzte

Sperl. In wissenschaftlichen

Studien sei nachgewiesen worden,

dass Babys ohne feste Beziehungen und Bezugspersonen

sterben können. Auch wenn

Findelkinder von verschiedenen Hebammen

aufgezogen werden, sei dies der falsche oder

zumindest ein risikoreicher Weg.

Anforderungen ohne Überforderung. Energie

erhalte der Mensch aus Nahrung – im Idealfall

einer ausgewogenen; Bewegung schaffe Kraft.

„Achten Sie auf die Kombination aus allen vier

Faktoren, dann werden Sie die psychisch-seelische

Zufriedenheit in einem guten Maß erreichen“,

gab der Rektor den jungen Leuten mit.

In Zeiten von COVID-19 sei dies eine sehr

gute Grundlage, vor allem bei den hohen Anforderungen

der Paracelsus Uni an ihre Studierenden.

Und Sperl riet zum Abschluss:

„Überhitzen Sie Ihren Motor nicht!“ Ω

Paracelsus Today

ist das Magazin der Paracelsus

Medizinischen Privatuniversität in

Salzburg

Auflage: 32.100 Stück

Medieninhaber und Herausgeber:

Paracelsus Medizinische Privatuniversität

Salzburg - Privatstiftung,

Strubergasse 21, 5020 Salzburg, Tel.

+43 (0)662/24200, www.pmu.ac.at

Verlag: Magazinmanagement und

Verleger: Schoba & Partner GmbH,

Friaulweg 4, 8042 Graz, www.schoba.

at, Geschäftsführerin: Mag. Eva

Schoba

Chefredakteur: Dr. Gottfried Stienen

Chefin vom Dienst: Sabine Ritzinger

Art-Direktion: Erich Schillinger

Mitarbeiter/-innen dieser Ausgabe:

Andreas Aichinger, Wolfgang Bauer,

Mario Gimona, Dr. Maximilan Horetzky,

Sabine Ritzinger, Ilse Spadlinek,

Dr. Gottfried Stienen,

Fotos: i-Stock, Alamy Stock Photo,

Klinikum Nürnberg/Rudi Ott, Julian

Kocher, Paracelsus Universität/Sabine

Ritzinger, SALK, wild&team fotoagentur

gmbH

Coverfoto: SALK

Hersteller: Walstead Leykam Druck

GmbH & Co KG, Bickfordstraße 21,

7201 Neudörfl

Alle Angaben ohne Gewähr. Haftung

für Irrtümer und Änderungen ausgeschlossen.

Satz- und Druckfehler sowie

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­Informationen­können­Sie­den­AGB­entnehmen­(www.mercedes-benz.at/leasing-agb);­Vollkaskoversicherung­optional;­Stromverbrauch­kombiniert:­19,7–20,8­kWh/100­km;­CO

2

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Leben lernen

mit Corona

Update | Die Pandemie hält uns in Atem. Reisebeschränkungen, Maskenpflicht und

andere Regelungen werden wild diskutiert, der Blick in die Infektionsstatistik gehört

bereits zum Alltag – wie in Zukunft auch das Virus, sagen Experten.

6

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D ie psychischen, ökonomischen

und politischen Folgen der Krise

werden immer deutlicher spürbar. Die

Erforschung der medizinischen Nebenund

Nachwirkungen von SARS-CoV-2,

besser bekannt als „Coronavirus“, beginnt

gerade. Der Countdown zu einem wirksamen

Impfstoff oder Medikament läuft.

Dennoch zeigt sich, dass wir wohl weiterhin

mit COVID-19 leben werden, besser: leben

lernen müssen. Eine Expertin und

zwei Experten der Paracelsus Medizinischen

Privatuniversität (PMU), die in ihrem

Fachgebiet auch unmittelbar mit den

Folgen von Covid-19 befasst sind, standen

in einem Round Table Rede und Antwort.

Autorin: Ilse Spadlinek

Fotos: Paracelsus Uni/wildbild; iStock

Dreifach-Expertise. Der Einladung an den

Runden Tisch gefolgt waren Maria Flamm,

Vorständin des Instituts für Allgemein-,

Präventiv- und Familienmedizin und Leiterin

des Zentrums für Public Health und

Versorgungsforschung der PMU, und Leonhard

Thun-Hohenstein, Vorstand der

Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie

an der Christian-Doppler-Klinik.

Auch Josef Niebauer, Leiter des Universitätsinstituts

für präventive und rehabilitative

Sportmedizin am Uniklinikum

Salzburg, des Instituts für Sportmedizin

des Landes Salzburg sowie des neuen Ludwig

Boltzmann-Instituts für digitale Gesundheit

und Prävention, hatte sich als Gesprächspartner

eingefunden.

An den Beginn sei ein Satz von Leonhard

Thun-Hohenstein gestellt: „Es ist

enorm wichtig, vor Corona nicht zu kapitulieren.

Wir alle kennen mittlerweile die

vernünftigen Vorsichtsmaßnahmen und

müssen unser Leben entsprechend ein-

Flamm: In unseren Breitengraden standen

bislang eher chronische Erkrankungen im

Fokus, aber Infektionskrankheiten waren

immer schon ein Thema im Public Health-Bereich.

Das vollkommen neue Virus

hat darüber hinaus eine Vielzahl von Fragen

aufgeworfen, und weltweit ist die Forschung

gerade erst dabei, Antworten zu

finden. Aktuell beschäftigen wir uns im

Zentrum mit zwei Projekten: Wir haben

über viele Wochen eine Erhebung zum

Thema „Corona in der hausärztlichen Primärversorgung“

durchgeführt, die wir

jetzt auswerten und analysieren. Es geht

um die Erfahrungen der Ärztinnen und

Ärzte in ihren Ordinationen, und was wir

daraus lernen können. Die allgemeinmedizinische

Grundversorgung wird als erste

Anlaufstelle verstärkt eingebunden sein

müssen, denn im Herbst werden – abgesehen

von allen anderen Krankheiten – bei

der Diagnostik die ganz „normalen“ Erkältungskrankheiten

und auch Influenza eine >

richten, ohne alles aufzugeben und zuzusperren!“

Der Klinikvorstand gehört zum

Beraterstab der Task Force im Gesundheitsministerium,

wo er den „psychischen

Part“ vertritt. Er zeigt sich vom kollegialen

und sachlichen Umgangston bei den Diskussionen

dort sehr angetan, betont aber,

dass „wir nicht entscheiden; wir versuchen

nur, die Fragen des Ministers so gut und effizient

wie möglich zu beantworten“. Die

Entscheidung für konkrete Maßnahmen

liege immer bei der Politik

Paracelsus Today: Welchen Stellenwert

hatten eigentlich „Infektionskrankheiten“ im

großen Bereich von Public Health bislang?

paracelsus today 2 | 20

7


entscheidende Rolle spielen. Die Hotline

alleine ist ja nicht in der Lage, differentialdiagnostische

Aspekte bei einem

Patienten zu erkennen und zu berücksichtigen.

´

In einem anderen Projekt erstellen

wir gemeinsam mit Partnern aus Salzburg

und den USA wissenschaftliche

Grundlagen zur kontrollierten gesundheitlichen

Überwachung von Fußballprofis

der österreichischen Fußball-

Bundesliga, unter Berücksichtigung

neuer Erkenntnisse der COVID-19-Risikofaktoren

und -Präventionsmaßnahmen.

Das hat auch Relevanz für andere

Spitzensportarten, für den Schulund

auch für den Breitensport.

„Durch das Befolgen der

strengen Maßnahmen

sind andere Infektionskrankheiten

eklatant zurückgegangen.

Das sollte

viel mehr kommuniziert

werden.“

Univ.-Prof. Dr. Leonhard

Thun-Hohenstein,

Vorstand der Universitätsklinik

für Kinder- und Jugendpsychiatrie

in Salzburg

hungen im Ludwig Boltzmann-Institut.

Das eigene Verhalten genau zu kennen,

ist die Voraussetzung für gesundheitsfördernde

Lebensstiländerungen

– und dabei wollen wir mithilfe neuer

digitaler Möglichkeiten nicht nur Patientinnen

und Patienten unterstützen,

sondern später auch die breitere Bevölkerung

miteinbeziehen. Bei unseren

„Open-Innovation-in-Science“-Studienansätzen

(= offene Innovation in der

Wissenschaft) sind Ärzte, Patienten

und deren Umfeld aktiv mit eingebunden.

Den Patienten können wir

dann beispielsweise einen sicheren und

benutzerfreundlichen digitalen „Gesundheitsassistenten“

zur Seite stellen,

der unter anderem daheim dabei hilft,

den inneren Schweinehund zu überwinden.

Paracelsus Today: Wer gewöhnt sich

eigentlich schneller und besser an veränderte

Situationen: Kinder oder Erwachsene?

Und kann man sich gegen psychische

Belastungen wappnen?

Paracelsus Today: Hätten wir uns bisher

stets gesund ernährt und genügend

Sport betrieben, wären dann unsere Abwehrkräfte

auch besser gegen das Sars-

CoV-2-Virus gerüstet?

Niebauer: Na, da müssen wir die Kirche

im Dorf lassen. Es ist ja aus vielen

Studien bekannt, dass gesunde Ernährung

und genügend Bewegung sich auf

die Gesundheit positiv auswirken.

Doch hier haben wir es mit einem

übermächtigen Gegner zu tun, der ganze

Kohorten unterschiedlichster Menschen

angreifen kann und von dem wir

noch viel zu wenig wissen. Schön wär’s,

wenn die Daten zu gesundem Lebensstil

zur Abwehr hier ausreichen würden,

das tun sie aber nicht. Aber natürlich

ist ein gesunder Lebensstil als Prävention

enorm wichtig; das zu

erreichen ist auch Ziel unserer Bemü-

Thun-Hohenstein: Kinder gewöhnen

sich in dem Maße an veränderte Situationen,

wie gut oder schlecht Erwachsene

damit umgehen. Mich berührt es,

wie sorgsam Kinder in den Schulen picobello

Hände waschen, Masken tragen,

Abstand halten. Und ich denke, wie

„Die allgemeinmedizinische

Grundversorgung

muss als erste Anlaufstelle

verstärkt eingebunden

sein. Sie ist in der Lage,

differentialdiagnostische

Aspekte bei einem Patienten

schön es wäre, würden sich alle Erwachsenen

auch daran halten. Je klarer

Richtlinien und Regeln sind, desto eher

können sich Kinder diese aneignen und

daran gewöhnen. Das gilt übrigens

auch für Erwachsene: Auch wir sind

dankbar für klare Anweisungen, die

zu erkennen und zu

wir verstehen und akzeptieren können.

Diesbezüglich sind wir jetzt in einer

berücksichtigen.“

eher diffusen Phase, in der es schwierig

Univ.-Prof. Dr. Maria Flamm,

ist, sich zu orientieren. Und daher haben

wir jetzt – sagen wir: diese allge-

Vorständin des Instituts für Allgemein-,

Familien- und Präventivmedizin

der PMU,

Leiterin des Zentrums für Public

Health und Versorgungsforschung

meine Unruhe und Ungewissheit. Wer

sich in sicheren Strukturen befindet

oder diese durch motivierende Tätig- >

8

paracelsus today 2 | 20


keiten wie Sport, Malen oder Lesen aktivieren

kann, ist auch besser gegen

psychische Belastungen gewappnet.

Wenn aber Arbeitsstrukturen und in

deren Folge Motivation, Anerkennung

und soziale Kontakte wegfallen, ist das

ein großer Risikofaktor für eine psychische

Erkrankung. Das Problem der Arbeitslosigkeit

ist also von der Politik

ganz besonders im Auge zu behalten.

Paracelsus Today. Das Thema Angst

wird im Zusammenhang mit den Maßnahmen

sehr kritisch diskutiert. Aber

kann die Furcht vor einer konkreten Erkrankung,

sozusagen als Schwester der

Vorsicht, nicht auch ein geeigneter Motor

für mehr Eigenverantwortung sein?

Thun-Hohenstein: Natürlich, das haben

wir ja zu Beginn des Lockdowns gesehen,

als die Angst vor COVID-19 groß

war. Jetzt, wo die Gefahr immer noch

groß, aber die Angst davor weniger geworden

ist, wächst die Sorglosigkeit. Es

wird also in Zukunft darum gehen, die

Balance zu finden, ohne übermäßige

Angst vernünftig mit der Situation umzugehen.

Tatsache ist, dass Menschen

mit psychischen Vorerkrankungen

und traumatischen Lebenserfahrungen

mit deutlich erhöhten Angstzuständen

auf die Corona-Krise reagieren.

Wir müssen alles daransetzen, dass

es zu keiner zweiten Welle kommt –

und das ist ein vernünftiger Mix aus

Regeln und Eigenverantwortung. Das

Problem ist, dass viele keine reale Gefahr

erkennen, denn das Virus ist kein

sichtbarer Feind; man riecht es nicht,

„Das eigene Verhalten

genau zu kennen, ist die

Voraussetzung für gesundheitsfördernde

Lebensstiländerungen.“

Univ.-Prof. Dr. Dr. Josef Niebauer,

Vorstand des Universitätsinstituts

für präventive und rehabilitative

Sportmedizin in Salzburg und des

Instituts für Sportmedizin des

Landes Salzburg

Maria Flamm, Leonhard Thun-

Hohenstein und Josef Niebauer im

Gespräch mit Ilse Spadlinek

man hört es nicht. Was man viel zu wenig

hört, ist, dass durch das Befolgen

der strengen Maßnahmen andere Infektionskrankheiten

eklatant zurückgegangen

sind. Das sollte viel mehr

kommuniziert werden, das Wissen darum

könnte die Glaubwürdigkeit vernünftiger

Maßnahmen wesentlich stärken.

Niebauer: Wir sollten auch an andere

Länder denken, in denen man gelernt

hat, mit ansteckenden Krankheiten

umzugehen. Es gibt beispielsweise Gegenden,

wo so gut wie jeder behandelnde

Arzt schon mal das Dengue-Fieber

gehabt und überstanden hat. Das kann

man sich bei uns gar nicht vorstellen.

Hierzulande hofft man auf einen geeigneten

Impfstoff, der möglichst rasch

daherkommen soll, verlässt sich auf ein

wirksames Medikament. Aber man

sollte sich darauf einstellen, dass dies

nicht morgen oder übermorgen der

Fall sein wird, dass Leben ohne Risiko

auch hierzulande so schnell nicht möglich

ist – und dass bestimmte Maßnahmen

von der ganzen Gesellschaft mitgetragen

werden müssen.

Flamm: Ich möchte hier die Ottawa-

ECharta der WHO zitieren: „Gesundheit

entsteht dadurch, dass man sich um

sich selbst und für andere sorgt, dass

man in der Lage ist, selbst Entscheidungen

zu fällen und die Kontrolle über die

eigenen Lebensumstände auszuüben

sowie dadurch, dass die Gesellschaft, in

der man lebt, Bedingungen herstellt,

die all ihren Bürgern Gesundheit ermöglichen.“

Es gilt, dies alles zu verbinden

und besonders jetzt den richtigen

Weg für den weiteren Verlauf zu finden.

Arbeitslosigkeit, Bildung, Schule, soziale

Kontakte – alles wirkt sich auf die Gesundheit

der Bevölkerung aus – es geht

um die Gesamtsicht und nicht ausschließlich

um die Infektionsgefahr

durch COVID-19.

Ω

10

paracelsus today 2 | 20


Plastikfrei

einkaufen

Noch ist es viel zu oft im Haushalt

zu finden: Plastik. Dabei ist es gar

nicht schwer, darauf zu verzichten.

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2020

ist das Jahr,

in dem die

Welt lernen

musste, in großem Stil online zu leben

und zu arbeiten. Online-Veranstaltungen

aller Art und Remote-Arbeit entwickelten

sich angesichts der Corona-Krise

endgültig zu unverzichtbaren Werkzeugen.

Auch in Forschung und Lehre

war das nicht anders. Doch was zuletzt

in vielen Fällen aus der Not geboren

wurde, hatte die Paracelsus Medizinische

Privatuniversität in Salzburg

schon viel früher aus visionärer Überzeugung

ins Leben gerufen. Und schon

vor mehr als einem Jahrzehnt klar die

Vorteile eines Online-Studiums erkannt.

Vor allem dessen maximale Flexibilität.

Letztlich wurde 2010 das Jahr,

in dem das erste Online-Studium tatsächlich

an den Start gehen konnte.

Noch viel wichtiger als die Pioniertat

an sich ist jedoch: Zum zehnten Geburtstag

des Studiums „Pflegewissenschaft

Online“ kann eine rundum positive

Bilanz gezogen werden:

Kompatibel mit Beruf und Familie.

„Berufsbegleitend und von zu Hause aus

Pflegewissenschaft studieren: 2010

setzt die Paracelsus Universität den

nächsten Schritt in Richtung Zukunft.“

Das war 2009 in Paracelsus Today zu

lesen. Die tatsächlichen Anwesenheitszeiten

am Universitätsstandort Salzburg

beschränkten sich von Beginn an

auf lediglich eine Woche pro Studienjahr.

Und tatsächlich war die Möglichkeit,

mit individueller Zeiteinteilung

studieren zu können, gerade für Studierende

der Pflegewissenschaft – die oftmals

längst in der Pflegepraxis beruflich

tätig waren und sind – ein gewichtiges

Argument. Und dennoch war der

ehrgeizige Plan des Teams rund um Institutsvorstand

Jürgen Osterbrink, der

für die strategische Konzeptionierung

des Studiums verantwortlich gewesen

war, natürlich auch ein Wagnis. Doch

Der Zeit

voraus

Education | Das Online-

Studium Pflegewissenschaft

feiert seinen

zehnten Geburtstag.

Die visionäre Pionierleistung

mit interaktiven

virtuellen Hörsälen hat

nicht nur in Corona-

Zeiten reichlich

Früchte getragen.

Autor: Andreas Aichinger

Fotos: PMU/wildbild

Das Studium bietet zeitlich

flexibles Studieren in dialogorientierten

Hörsälen mit

Tutorenbetreuung sowie

interaktiven und vertonten

Lerninhalten.

wer wagt, gewinnt: Bis heute konnten

175 Absolventinnen und Absolventen

den akademischen Grad des Bachelors

(Masters) of Science in Nursing in Rahmen

des innovativen Online-Studiums

erwerben. Eine von ihnen ist die Gesundheits-

und Krankenpflegerin Uta

Hansen.

Schlaganfall: Therorie & Praxis. Im

vergangenen März hat die Flensburgerin,

die seit 2004 im Diakonissenkrankenhaus

ihrer Heimatstadt tätig ist, zudem

auch noch das Masterstudium erfolgreich

abgeschlossen. Hansens Fazit:

„Das zeitlich flexible Online-Studium

hat es mir ermöglicht, das Studium der

Pflegewissenschaft neben meiner Berufstätigkeit

zu absolvieren“. Das im

Studium erworbene Wissen kann die

Pflegewissenschafterin, die seit 2007

auf der neurologischen Station mit integrierter

Stroke Unit arbeitet und

2019 die pflegerische Bereichsleitung

übernommen hat, jetzt in der Praxis

12

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umsetzen. Und zwar in Form einer Mitarbeit

an einer multizentrischen Studie

zum Thema Delir (Anm.: Zustand geistiger

Verwirrung) nach einem Schlaganfall.

Konkret untersucht Hansen dabei

den Effekt der Implementierung eines

Delir-Managements auf der Stroke

Unit auf die Delir-Schwere bei Schlaganfall-Patienten.

Dass selbst in einem

Online-Studium noch mehr online notwendig

werden kann als erwartet, verrät

die Absolventin dann auch noch:

Interaktiv und dialogorientiert. „Mein

persönliches Highlight war die corona-

bedingt improvisierte Prüfung aus dem

Hotelzimmer. Diese pragmatische Lösung

hat es uns ermöglicht, noch unmittelbar

vor dem Lockdown unseren

Abschluss zu erwerben.“ Aktuell sind

übrigens rund 200 Studierende in den

„Das zeitlich flexible Onlinestudium

hat es mir ermöglicht,

das Studium der

Pflegewissenschaft neben

meiner Berufstätigkeit zu

absolvieren.“

Absolventin Uta Hansen

Das Online-Studium Pflegewissenschaft

wurde bereits mehrfach ausgezeichnet,

unter anderem freute sich

das Team 2012 über den Förderpreis

der Stadt Salzburg für Wissenschaft

und Forschung.

Studiengang eingeschrieben. Alexander

Kraus, Studiengangsleiter des Bachelorstudiums

Pflegewissenschaft

Online, kann somit ebenfalls eine positive

Bilanz ziehen: „Seit zehn Jahren

läuft das Studium nun äußerst erfolgreich,

das Konzept des Online-Studiums

hat sich bewährt.“ Apropos Konzept:

Zu den besonderen Markenzeichen

des Studiums gehören die

virtuellen Hörsäle mit maximal sechs

Studierenden, die wie selbstverständlich

in den Alltag von Lernenden und

Lehrenden eingebettet sind. Vieles geschieht

„live“ und dialogorientiert, statisch

vermittelte Inhalte hingegen machen

nur einen kleinen Anteil aus. Neben

interaktiven und vertonten

Lernprogrammen gibt es spezielle Prüfungssysteme,

Web-Conferencing und

ein zielgruppenspezifisches Online-Tutoring.

Vielfach ausgezeichnet. Bereits 2011

war der Online-Studiengang mit seiner

topmodernen Umsetzung mit dem „Comenius-Award“

der wissenschaftlichen

Fachgesellschaft für digitale Medien,

Mediendidaktik und Bildungstechnologie

(GPI) ausgezeichnet

worden. 2012 wurde auch noch das

Projektteam um Jürgen Osterbrink,

den ersten Studiengangsleiter Andre

Ewers und eLearning-Expertin Sabine

Revers mit dem Förderpreis der Stadt

Salzburg für Wissenschaft und Forschung

geehrt. Doch zurück in die Gegenwart.

Was sind denn aus der Sicht

von Studiengangsleiter Alexander

Kraus die erfreulichsten Aspekte des

Studiums? „Das sind die Berichte der

Studierenden, die bereits während des

Studiums sehr häufig von einem erfolgreichen

Transfer der Lerninhalte in

den pflegerischen Alltag erzählen.“

Perfekte Symbiose. Auch nach dem

Abschluss würden die meisten Absolventinnen

und Absolventen in der direkten

pflegerischen Versorgung aktiv

bleiben und dort die Verbindung mit

Aufgaben der Pflegewissenschaft und

-forschung herstellen. Alexander Kraus:

„Der Name des Instituts ist hier also

wirklich zum Leitsatz des Studiums geworden:

die Studierenden erlangen die

essenziellen Kompetenzen der Pflegewissenschaft

für den Einsatz in der Praxis

der pflegerischen Versorgung der

Menschen.“ Detail am Rande: „Aufgrund

dieses Erfolges ist inzwischen

ein weiteres Angebot in diesem Format

etabliert, das Masterstudium Public

Health Online.“ Zuletzt hat das Institut

für Pflegewissenschaft und -praxis

auch ein Stipendium zu Ehren einer besonderen

Frau ausgelobt: Florence

Nightingale, deren Geburtstag sich dieses

Jahr zum 200. Mal gejährt hat. Gerade

Nightingale hat die Verbindung

von Wissenschaft und Praxis in der

Pflege nämlich perfekt vorgelebt. Nur

halt ohne Internet.

Ω

Infos: www.pmu.ac.at/onlinestudium

paracelsus today 2 | 20

13


mentöse Therapie und es ist fasziniecirca

300 Arzneistoffe erfolgt in 25

Vorlesungen und 50 E-Learningeinheiten.

„Dabei steht nicht das Auswendiglernen

von Beipackzetteln im Fokus. Die

Studierenden sollen zunächst die pathophysiologischen

Grundlagen verstehen,

um die pharmakologischen Angriffspunkte

der verschiedenen Arzneistoffgruppen

ableiten zu können“, betont der

Pharmakologie-Professor.

Die Info-Broker

Education | Die Wirkstoffliste PMU300.at liefert den

Studierenden der Paracelsus Universität praxisnahes

und evidenzbasiertes Wissen über die wichtigsten

Arzneistoffe. Ihre studentischen Editoren sind die

„Pharmakologie“-Taskforce der Lehre.

Autorin: Sabine Ritzinger • Foto: Paracelsus Uni

Mit dem neuen Vorstand

des Instituts

für Pharmakologie

und Toxikologie, Antonio

Sarikas, zog

2019 in der Lehre an der Paracelsus

Medizinischen Privatuniversität (PMU)

auch eine besonders praxisnahe und

evidenzbasierte Ausbildung über Arzneistoffe

ein. Mit der Wirkstoffliste

PMU300.at lernen die Studierenden

der Medizin und der Pharmazie die

300 wichtigsten Arzneistoffe und deren

pharmakologische Eigenschaften,

vom Wirkmechanismus von Acetylsalicylsäure

bis zur Wirkdauer des

Schlafmittels Zopiclon. „Die meisten

Erkrankungen erfordern eine medika-

rend zu sehen, wie viel man mit Arzneistoffen

bewirken kann. Deshalb sollte

die Vermittlung des Wissens über Arzneistoffe

besonders praxisnah und evidenzbasiert

sein“, erklärt Sarikas.

„Grundkanon“ der Pharmakologie.

Grundlage für die Lehre bildet die Positivliste

PMU300.at, die sich unter anderem

an der „WHO List of Essential

Medicines“, dem Arzneimittelverordnungsreport

sowie aktuellen Leitlinien-

empfehlungen medizinischer Fachgesellschaften

orientiert. Die PMU300-

Liste wird jährlich des gemäß aktuellem

Forschungsstands und in Abstimmung

mit den klinischen Kolleginnen

und Kollegen am Uniklinikum Salzburg

aktualisiert. Die Besprechung der

Interprofessioneller Ansatz. Im nächsten

Schritt beschäftigen sich die Studierenden

mit den pharmakokinetischen

und -dynamischen Details der Wirkstoffe,

beispielsweise deren Biotransformation,

Elimination oder unerwünschten

Arzneimittelwirkungen

und Kontraindikationen. Da diese Liste

den pharmakologischen Grundkanon

sowohl für Studierende der Medizin als

auch der Pharmazie darstellt, bietet sie

die Basis für eine interprofessionelle

Zusammenarbeit. Die Studierenden

beider Disziplinen werden ab dem Studienjahr

2021/22 in einer gemeinsamen

Lehrveranstaltung Pharmakologie

zusammengeführt, was die fachliche

Expertise und gegenseitige

Wertschätzung beider Gruppen fördern

sollte.

PMU300 Section Editoren. Eine Besonderheit

der Pharmakologieausbildung

in Salzburg ist die aktive Mitarbeit von

Studierenden an der Redaktion der

PMU300-Liste und somit den Lehrinhalten

in Pharmakologie. Voraussetzung

für die Ernennung zum Section

Editor ist die Note 1 und > 90. Perzentile

in der Pharmakologieprüfung. Derzeit

besteht das PMU300-Editorenteam

aus drei Medizin- und zwei Pharmaziestudierenden.

Zusammen mit den Dozentinnen

und Dozenten des Instituts

für Pharmakologie und Toxikologie

sind sie für die inhaltliche Überarbeitung

und Redaktion von Teilbereichen

der PMU300-Liste verantwortlich. Ω

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paracelsus today 2 | 20


GEMEINSAM FÜR

TIERGESUNDHEIT

Das Wohl unserer Kühe ist uns und

unseren Bauern ein ganz besonderes

Anliegen. Regelmäßige Gesundheits-

Checks, bestes Futter und frisches

Wasser sind Teil unserer einzigartigen

Tiergesundheitsinitiative.

milch.com/tiergesundheit


Der Interviewtermin an der Paracelsus

Medizinischen Privatuniversität

(PMU) findet nach einem

langen Tag zwischen Ambulanzdienst,

Operationen und Patientenbetreuung

statt: Und dennoch erscheint Marie

Dietrich strahlend und in sich ruhend,

nimmt sich Zeit für das Gespräch, erzählt mit

Begeisterung von ihrer Arbeit am Universitätsklinikum

Salzburg und ihren Zukunftsplänen.

Sprung in die Selbstständigkeit. Die Absolventin

des Medizinstudiums an der PMU hat vor

kurzem die letzte Prüfung ihrer Ausbildung zur

Fachärztin für Augenheilkunde bestanden, die

sie an der Universitätsklinik für Augenheilkunde

und Optometrie in Salzburg absolviert hatte. Und

nun ist Marie Dietrich (wortwörtlich) auf dem

Weg zum nächsten Karriereschritt. Ein paar Tage

nach dem Gespräch wird sie Salzburg verlassen:

und zwar in Richtung Spittal an der Drau in

Kärnten – mit einem konkreten Vorhaben. „Sobald

ich geeignete Räumlichkeiten gefunden

habe, möchte ich in meiner Heimatstadt eine eigene

Facharztpraxis für Augenheilkunde eröffnen

und schnellstmöglich einen Kassenvertrag

erhalten“, erzählt die junge Medizinerin. Zur

Freude über die künftige Herausforderung gesellt

sich ein wenig Wehmut: Der Abschied von

der Augenklinik in Salzburg, dem Team und ihrer

Arbeit fällt Marie Dietrich nicht leicht.

Vom Zauber des

Augenblicks

Alumni | PMU-Alumna Marie Dietrich ist noch

keine 30 Jahre alt, bereits Fachärztin und schon

auf dem Sprung in die eigene Praxis. Ihre

Leidenschaft für die Augenheilkunde entdeckte

sie schon früh im Medizinstudium.

Autorin: Sabine Ritzinger • Fotos: SALK; privat

Gelebter Mädchentraum. Die Liebe zur Medizin

hatte Marie Dietrich schon früh entdeckt:

Ihr Vater arbeitet als Zahnarzt, ihre Mutter hilft

in dessen Ordination mit und ihr Onkel ist Vorstand

der Inneren Medizin am Krankenhaus

Spittal an der Drau. „Mein Mädchentraum, Ärztin

zu werden, hatte sich mit den Jahren zu einem

konkreten Wunsch entwickelt“, erinnert

sie sich. Also bewarb sie sich nach der Matura

an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität

in Salzburg – und landete nach bestandenem

Aufnahmeverfahren vor einem der Interviewgremien,

welche die Kandidatinnen und

Kandidaten schlussendlich auswählen. Dass ihr

späterer Chef, der Vorstand der Uniklinik für

Augenheilkunde und Optometrie Herbert Reitsamer,

unter ihren Interviewern saß, ist eine

Marie Dietrich liebt ihren Beruf und wird in Kürze eine

eigene Facharztpraxis für Augenheilkunde eröffnen.

16

paracelsus today 2 | 20


eiderseits gern erzählte Anekdote. „Marie

wirkte sehr bescheiden. Aber im Hearing wurde

mir schnell klar, dass sie neben den guten

Noten auch viel Sportsgeist und eine enorme

Zielstrebigkeit besitzt: diese Kombination ist

fast wie ein Lottosechser“, erzählt Herbert Reitsamer

(siehe auch Seite 16 f.).

Fachliches Multitalent. Maries Interesse für die

Augenheilkunde entstand schon früh im Studium

in den einschlägigen Vorlesungen. Durch

den engen Kontakt der Lehrenden des Universitätsklinikums

Salzburg zu den Studierenden

könnten diese die Liebe zu ihrem Fach leichter

rüberbringen, sagt die Kärntnerin. Sie nutzte

die Möglichkeit, schon während des Studiums

im Team von Primar Reitsamer an der Augenklinik

mitzuarbeiten. Daher war es naheliegend,

dass sie ihr Forschungstrimester im vierten

Studienjahr ebendort absolvierte. Bereits zwei

Wochen nach ihrer Promotion 2014 startete die

frisch gebackene „Dr. med. univ.“ ihre Facharztausbildung

in Augenheilkunde an der Salzburger

Uniklinik. „Das Auge ist ein kleines Organ

mit vielen Krankheitsbildern, die Augenheilkunde

ein extrem ästhetisches Fach mit vielen

Möglichkeiten“, schwärmt die 29-Jährige

von ihrem Fachgebiet. Von der Mikrochirurgie

über die Forschung bis zur Patientenberatung,

-betreuung und -nachbetreuung: Die angehende

Fachärztin machte sich in allen Bereichen gut.

Rasche Spezialisierung. Die begabte Medizinerin

und Chirurgin spezialisierte sich auf Hornhaut-

und Refraktive Chirurgie, arbeitete bis

zuletzt in der Hornhautsprechstunde, in der Refraktiven

Beratungsstelle und als stellvertretende

Leiterin in der Hornhautbank für Transplantationen.

Ihre erste Operation führte sie – mit der

erfahrenen Fachärztin Sarah Moussa an ihrer

Seite – bereits im zweiten Ausbildungsjahr

durch. „Für die Mikrochirurgie braucht man eine

feine Hand. Es ist aufregend, am Auge zu arbeiten,

und erfreulich, dass man bei Laser- und

Linsenoperationen bereits einen Tag später Erfolge

an den (erfreuten) Patienten sieht“, erklärt

Marie Dietrich. Da sie in der eigenen Facharztpraxis

keine Operationen anbieten wird, werde

sie das Operieren schon ein wenig vermissen,

„Man feiert und

weint zusammen,

übersteht

miteinander

die Prüfungen,

teilt wirklich

alles – das

verbindet.“

Dr. Marie Dietrich

Das Medizinstudium

brachte Freundschaften

fürs Leben:

Marie Dietrich mit ihren

Freundinnen Carmen

Portenkirchner

und Nora Frick. Die

Dritte im Bunde, Alumna

Andrea Peitler, fehlt

auf diesem Foto.

mehr jedoch „den Chef und die Kolleginnen und

Kollegen, mit denen ich gerne, viel und gut zusammenarbeitete

und von denen ich viel lernen

konnte“.

Apropos vermissen ... Der Hauptgrund für ihre

Rückkehr nach Kärnten hat einen Namen:

Lucas, den sie „beinahe ewig“ kennt und seit sieben

Jahren zum Partner hat. Dieser kehrt nach

längeren Aufenthalten im Ausland und in Wien

nach Spittal zurück und steigt in das Familienunternehmen

ein – also ein guter Zeitpunkt, um

die Fern- in eine Nahbeziehung zu verwandeln.

Ihre Kündigung an der Augenklinik wurde von

Vorstand Herbert Reitsamer zwar verständnisvoll,

aber dennoch etwas betrübt aufgenommen.

Schließlich verliert seine Klinik eine hervorragende

Spezialistin, die „nicht nur die Technik,

sondern auch den Umgang mit den

Patienten mit viel Gespür, einer unendlichen

Freundlichkeit, aber auch großer Bestimmtheit

beherrscht“, streut ihr der langjährige Mentor

und Vorgesetzte Rosen. Er erwartet sich in ihr

für die Zukunft eine „super Verbündete und

kompetente Zuweiserin in der Peripherie“.

Weniger Pendeln, mehr Zeit. Neben ihrer neuen

Tätigkeit als niedergelassene Fachärztin

plant die Medizinerin, ihre etwas vernachlässigten

Hobbies Yoga, Laufen und Bergwandern

wieder zu intensivieren. Vielleicht bleibt ja

auch etwas mehr Zeit für Freundschaften,

wenn das Pendeln zwischen Salzburg und

Kärnten aufhört. Auch wenn ihre besten Freundinnen

durch ihre Wohnsitze in Berlin und Zürich

nicht gerade schnell verfügbar seien: Mit

ihren Studienkolleginnen aus PMU-Zeiten,

Nora Frick, Carmen Portenkirchner und Andrea

Peitler, habe sie Freundschaften fürs Leben geknüpft,

erzählt Marie Dietrich.

„Man feiert und weint

zusammen, übersteht miteinander

die Prüfungen,

teilt wirklich alles – das

verbindet.“ Und auch wenn

das Medizinstudium extrem

anspruchsvoll war:

„Der Spaß ist nie zu kurz gekommen.“


Ω

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17


Talenteschmiede

Uniklinikum

Education | Angehende Fachärzte wie Marie Dietrich seien

„wie ein Lottosechser“, sagt Herbert Reitsamer. Der Vorstand

der Uniklinik für Augenheilkunde und Optometrie in Salzburg

erklärt gemeinsam mit der jungen Medizinerin, was

eine gute Facharztausbildung und gute Ärzte ausmacht.

Interview: Sabine Ritzinger • Fotos: Paracelsus Uni/wildbild

„Im Umgang mit

Patienten muss

man neben der

medizinischen Expertise

auch Geduld

aufbringen und sie

gut und kompetent

beraten können.“

Dr. Marie Dietrich,

Fachärztin für Augenheilkunde

in Ausbildung (Abschluss

im Oktober 2020)

Paracelsus Today: Wie kommt man als

Klinikvorstand zu Talenten wie Marie Dietrich?

Und was reizt die Studierenden an einer

Mitarbeit und Ausbildung in Ihrer Klinik?

Herbert Reitsamer: Es ist sehr wichtig, bei

den Medizinstudierenden bereits in den

frühen Fächern das Interesse für ein Fach

und für die Mitarbeit bzw. für Praktika zu

wecken und gute Kontakte zu knüpfen.

Dass ich Marie bereits als Interviewer im

Aufnahmeverfahren mit auswählte, sie mir

als Vortragender in den Vorlesungen so positiv

auffiel, sie das Forschungstrimester

und die Facharztausbildung bei mir absolvierte,

das ist allerdings ein besonders

schöner und seltener persönlicher Reigen.

Marie Dietrich: Die Augenklinik hat bei

den Medizinstudierenden der PMU einen

guten Ruf. Primar Reitsamer fördert Talente

und das Team besteht aus kompetenten

jungen Oberärzten und engagierten

Assistenzärzten. Sie alle sind motiviert und

haben Drive, das Arbeitsklima ist gut: Das

ist natürlich reizvoll. Es gibt immer wieder

PMU-Alumni an der Klinik und ich habe

mich jedes Mal gefreut, wenn wieder welche

zum Team gestoßen ist.

Herr Prof. Reitsamer, Sie sagten, Sie seien

„eine wirkliche Ausbildungsklinik“. Was bedeutet

das?

Herbert Reitsamer: Wir bauen uns an der

Klinik selbst Leute auf, haben tollen

Nachwuchs – das ist unter

den Absolventen der Medizinunis

bekannt und wir haben keinen

Mangel an Bewerbern. Zurzeit

gibt es drei PMU-Studierende, die

Interesse an einer Mitarbeit an

unserer Klinik haben. Um aufgenommen

zu werden, werden sie

einige Tage lang zur Probe arbeiten,

danach entscheiden wir gemeinsam

im Team, ob die Kandidaten

zu uns passen.

Das Salzburger Dreamteam der Refraktiven

Chirurgie (v.l.n.r.): Marie Dietrich, Herbert Reitsamer,

Josef Ruckhofer und Sarah Moussa.

Wie steht es an Ihrer Klinik mit der

Forschung: Sind alle (Assistenz-)

Ärzte auch wissenschaftlich tätig?

18

paracelsus today 2 | 20


„Jeder Arzt und jede

Ärztin sollen es einmal

mit Forschung

versucht haben, um

den Mehrwert für

die Patientenarbeit

zu erkennen.“

Univ.-Prof. Dr. Herbert

Reitsamer,

Vorstand der Universitätsklinik

für Augenheilkunde

und Optometrie in Salzburg

Herbert Reitsamer: Forschen ist nicht

Pflicht. Allerdings sollten jeder Arzt und

jede Ärztin es einmal mit Forschung versucht

haben, um den Mehrwert für die Patientenarbeit

zu erkennen. Marie zum Beispiel

hat gewusst, dass sie die Forschung

nicht zum Hauptthema ihres Berufs machen

will, dennoch hat sie in einem gewissen

Ausmaß geforscht. Ihre wissenschaftliche

Arbeit im Forschungstrimester widmete

sich einer Speziallinsen-Studie.

Marie Dietrich: Es braucht ein gewisses

Maß an Leidenschaft für die Forschung, da

man diese neben der Patientenversorgung

ja auch in der Freizeit betreiben muss. Und

Interesse an wissenschaftlichen Arbeiten

bzw. Papers ist wichtig, weil man Informationen

auch finden und hinterfragen können

muss.

Wie setzt sich Ihr Team zusammen?

Herbert Reitsamer: Es gibt Generalisten

und Spezialisten an unserer Klinik, aber jeder

und jede Einzelne hat ganz individuelle

Talente. Spezialisten suchen sich ihr Gebiet

selbst. Bei Marie war es erst das Glaukom-Thema,

ehe sie das Linsen-Gebiet für

sich entdeckte und dabeiblieb. Generell ist

es wichtig, Interesse zu haben und sich ein

Mehr an Wissen aneignen zu wollen. Deshalb

berate ich Assistenzärzte bei der Ausund

Weiterbildung.

Was macht einen guten Arzt / eine gute Ärztin

aus?

Herbert Reitsamer: Die Dankbarkeit der

Patienten ist angenehm, sollte aber nicht

das Hauptmotiv sein, um Arzt zu werden.

Von der Persönlichkeit her gehören Leidenschaft

und Interesse an den Funktionen des

menschlichen Körpers dazu, um ein guter

Arzt / eine gute Ärztin zu sein. Doch es ist

auch wichtig, vor lauter Leidenschaft nicht

auszubrennen und darauf achte ich in meinem

Team. Die Augenheilkunde ist ein chirurgisches,

aber auch ein sehr klinisch beobachtendes

Fach, es gibt am Auge nichts

zum direkt Angreifen, aber viel zu sehen.

Man muss all die Feinheiten ziseliert unterscheiden

können, denn das macht große

Unterschiede in der Diagnose aus.

Marie Dietrich: Ich denke, dass unter anderem

auch ein starkes Interesse am Fach

und an den Patienten bestehen muss, dazu

Bereitschaft zur ständigen Weiterbildung

und zum Dazulernen. Durch meine Mitarbeit

in der Allgemeinen Ambulanz und in

der Sehschule konnte ich zusätzlich viel

lernen. Und als ich im Lockdown zu Hause

saß, habe ich trotzdem Fortbildungen

gemacht.

Was machte den Erfolg von Frau Dr. Dietrich

aus?

Herbert Reitsamer: Unter anderem, dass

der Erfolg von Operationen nicht nur von

der perfekten Technik abhängig ist, sondern

auch von der Beratung und der

Nachkontrolle. Neben ihrer hohen fachlichen

Kompetenz bewundere ich die unerschütterliche

Freundlichkeit Marie Dietrichs

den Patienten gegenüber, daneben

ihre große Bestimmtheit. Ihr Gespür für

Leute ist unglaublich.

Marie Dietrich: Im Umgang mit Patienten

muss man neben der medizinischen Expertise

auch Geduld aufbringen und sie

gut und kompetent beraten können. Speziell

in meinen Beratungsgesprächen

muss ich Patienten auch durchaus hartnäckig

von unrealistischen Erwartungshaltungen

abbringen, wenn zum Beispiel

eine gewünschte Operation nicht für sie

geeignet ist oder kontraproduktiv wäre.

Sind Sie mit allen PMU-Studierenden und

-Alumni so zufrieden? Wie ist Ihr Eindruck

von der medizinischen Ausbildung an der

PMU?

Herbert Reitsamer: PMU-Studierende

sind auf einem außergewöhnlich aktuellen

Stand der Literatur, fachlich sehr fit

und professionell. Die Absolventinnen

und Absolventen der PMU sind sowohl

vom praktischen Level als auch vom wissenschaftlichen

Hintergrund her auf einem

hohen Standard – das ist für die ärztliche

Tätigkeit enorm wichtig. Ω

19


Das Expertise-

Netzwerk

Research | Das EB-Haus Salzburg

koordiniert ein internationales

Forschungsprojekt zum Thema

„Big Medical Data“. Damit beweist

die von DEBRA Austria initiierte

und von der Universitätsklinik für

Dermatologie in Salzburg betriebene

Institution einmal mehr

ihren hervorragenden Ruf als

Expertisezentrum.

Autorin: Sabine Ritzinger•Foto: SALK

„Wir arbeiten an der effizient umsetzbaren

Gewinnung und Verwertung von

hochvaliden quantitativen und

qualitativen Daten, um unsere patientenorientierte

Forschung zu verbessern.“

a.o. Univ.-Prof. Dr. Martin Laimer, MSc

Leiter des Studienzentrums des EB Haus Austria

Univ.-Prof. Dr. Johann Bauer koordiniert

„die besten Statistiker und Mathematiker

Europas, die sich gemeinsam die Köpfe

zerbrechen“.

Das EB-Haus Austria am Universitätsklinikum Salzburg

ist die weltweit erste umfassende Spezialklinik

für Diagnose und Behandlung sowie Forschung und

Ausbildung im Bereich von Epidermolysis bullosa

(EB) und Expertisezentrum für seltene Hauterkrankungen.

Ab Oktober 2020 übernimmt die renommierte Einrichtung

nun zwei Jahre lang die Rolle des koordinierenden Zentrums

eines internationalen Forschungsprojekts zu Big Medical Data. Dieses

wird von der Europäischen Union im Rahmen des „European

Joint Programm on Rare Diseases“ mit 220.000 Euro gefördert.

Drei-Länder-Projekt. Partner sind das Intelligent Data Analytics

Lab (IDA), ein Kooperationsprojekt der Paracelsus Medizinischen

Privatuniversität und der Paris Lodron Universität Salzburg unter

der Leitung von Georg Zimmermann, und Zentren in Löwen (Belgien)

und Uppsala (Schweden). „Ich sehe die Förderung der EU als

Anerkennung für unsere Arbeit im EB-Haus Austria und als wichtigen

Schritt für den Forschungsstandort Salzburg“, freut sich Johann

Bauer, Vorstand der Universitätsklinik für Dermatologie und

Allergologie sowie Medizinischer Leiter des EB-Hauses.

Selten, aber zahlreich. Unter „seltenen Krankheiten“ versteht man

Erkrankungen, an denen nur eine vergleichsweise kleine Anzahl

von Menschen leidet, nämlich nur bis zu zwei unter 10.000 Personen.

Es handelt sich bei den seltenen Krankheiten oft um genetisch

bedingte, chronische und häufig die Lebensqualität schwer beeinträchtigende

Veränderungen, deren Mehrheit als unheilbar gilt.

Weltweit sind derzeit rund 8000 seltene Krankheiten bekannt, in

der EU gibt es insgesamt 100.000 Betroffene. Durch die geringen

Fallzahlen war es bisher kaum möglich, innovative Therapieansätze

im Zuge von klinischen Studien aussagekräftig zu kontrollieren

und zu bewerten.

Teamwork der klugen Köpfe. Mittels statistischer und anderer

methodischer Ansätze wollen das EB-Haus Austria und seine Projektpartner

die Gewinnung und Verwertung der Daten über seltene

Krankheiten effizienter gestalten. „Vereinfacht gesagt werden

sich die besten Statistiker und Mathematiker Europas die Köpfe

zerbrechen, wie die wenigen Daten systematisch geordnet und verarbeitet

werden können“, bringt es Bauer auf den Punkt. „Das Team

des EB-Hauses steuert die Ausgangsdaten für die Sondierung und

Evaluation der statistischen Methoden bei. Im Zuge der Bemühungen

um die Optimierung dieser Verfahren sind wir für die Sicherstellung

einer klinisch relevanten, patientenorientierten Umsetzung

verantwortlich“, ergänzt Projektpartner Martin Laimer, Leiter

des Studienzentrums des EB Haus Austria. Ziel ist die Entwicklung

einer App, die Medizinerinnen und Medizinern sowie Forschenden

für Studien zu seltenen Krankheiten zur Verfügung gestellt werden

kann.Ω

20

paracelsus today 2 | 20


Winzlinge mit

Riesenpotenzial

Research | Winzige Zell-Bläschen stehen

derzeit als sichere und schnell einsetzbare

Alternative zu Stammzelltherapien hoch

im Kurs. Das GMP-Labor in Salzburg gehört

zu den wenigen Einrichtungen weltweit,

die diese „Vesikel“ herstellen können.

Autor: Andreas Aichinger • Fotos: Paracelsus Uni/Wildbild

ie sind klein, sehr klein. Und doch ruhen

überaus große Hoffnungen der Regenerativen

Medizin auf ihnen: Die Rede ist von so

genannten Vesikeln. Vereinfacht gesagt

handelt es sich dabei um winzige Bläschen im Inneren

von Zellen. Werden diese Zellbestandteile

durch die Zellmembran nach außen abgegeben, so

spricht man von extrazellulären Vesikeln, kurz EV.

Das Spannende dabei: Diese extrazellulären Vesikel

stellen eine einzigartige und noch viel zu wenig

erforschte Form der Kommunikation zwischen

den Zellen dar. Sie übertragen also etwa Signale,

die für Zellprozesse und -funktionen wichtig sind.

Geradezu aufregend wird es, wenn die Vesikel von

Stammzellen abgesondert werden: Die derzeitige

Datenlage deutet nämlich darauf hin, dass solche

EV die geradezu gehypten positiven Effekte „ganzer“

Stammzellen auslösen können, und zwar ohne

deren Nachteile.

Salzburgs frühe Vögel. Kein Wunder also, dass

man sich weltweit für das neue, überaus faszinierende

Forschungsfeld interessiert. Für Nicht-Insider

schon überraschender könnte sein, dass Forscher

und Forscherinnen aus Salzburg dabei in der

ersten Reihe stehen. International gut sichtbarer

Beweis dafür war auch ein Übersichtsbeitrag in der

Juni-Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift

Nature („Outlook: Inside the stem-cell pharmaceutical

factory”), in der internationale Experten

um einen Ausblick zum Thema gebeten worden

waren. Eine von ihnen ist Eva Rohde, Vorständin

des Universitätsinstituts für Transfusionsmedizin,

und selbst auf Entwicklung und Herstellung von

neuen Therapeutika aus humanen

(Stamm-)Zellen spezialisiert. Mehr noch:

Dass die Universität rechtzeitig in ein

GMP-Labor – „GMP“ steht für „Good Manufacturing

Practice“ und generell für

die Einhaltung höchster Standards – investiert

hat, ist wesentlich auf das Engagement

von Rohde zurückzuführen.

Und das macht sich jetzt bezahlt:

Dass die PMU rechtzeitig in ein

GMP-Labor investiert hat, macht

sich jetzt bezahlt.

GMP-Unit als Herzstück. Im GMP-Labor

kann nach State of the Art (fast) alles hergestellt

werden, was das Zelltherapie-Herz begehrt. Beispielsweise

humane multipotente Zellen mit

Stamm- oder Vorläuferzell-Charakter, aber eben

22

paracelsus today 2 | 20


auch Vesikel. Mehr noch: Die Salzburger GMP-Einheit

ist weltweit führend auf dem Gebiet der Herstellung

anwendungsbereiter Vesikelpräparate unter

Reinraumbedingungen. Die entsprechenden

Verfahren sind nämlich überaus aufwändig und

komplex, so dass derzeit nur eine Handvoll akademischer

Zentren in der Lage sind, Vesikel für kontrollierte

klinische Tests am Menschen herzustellen.

Das GMP-Labor, das zum Zentrum für Querschnitt-

und Geweberegeneration (SCI-TReCS) der

Paracelsus Uni gehört, ist konsequenter Weise

auch das Herzstück einer noch jungen Einrichtung,

die als Transferzentrum für „Extracellular Vesicles

Theralytic Technologies“ (kurz: EV-TT) an der Spitze

der Salzburger Vesikel-Forschung steht. Konkret

sollen aus der anwendungsorientierten

Grundlagenforschung neue Technologien für den

therapeutischen Einsatz von EV entwickelt werden.

Realisiert wurde das Zentrum in Form einer Kooperation

aus Paracelsus Universität, Universitätsklinikum

Salzburg und Paris Lodron Universität

Salzburg.

EV-TT-Transferzentrum. Herstellungsleiter des Zentrums

ist der erfahrene Genetiker und Zellbiologe

Mario Gimona, der ebenfalls im erwähnten Nature-

Outlook zitiert wird. Im Gespräch mit Paracelsus

Today, gibt Gimona – der als Konsortialführer auch

EV-TT-Projektleiter ist – spannende Einblicke in

das zelltherapeutische Potenzial der extrazellulären

Vesikel. Gimona: „Vesikel verändern das Immunsystem

möglicherweise so, dass der Körper mehr

Zeit bekommt, um den Heilungsprozess zu starten.“

Die Voraussetzung dafür sei eine „halbwegs akute“

Intervention. „Wenn jemand einmal vier Jahre im

Rollstuhl sitzt, dann ist die Narbenbildung wahrscheinlich

so weit fortgeschritten, dass auch die

Vesikel das nicht mehr regeln können.“ Innerhalb

der ersten 48 bis 72 Stunden nach einem Unfall – in

diesem Zeitfenster behindern Entzündungsvorgänge

den Heilungsprozess – könnten EVs aber unter

Umständen die oft erst wirklich schlimmen Sekundärschäden

aufhalten. „Denkbar ist enorm viel,

trotzdem ist es schwierig“, sagt Gimona.

Sichere Stammzellen-Alternative? Warum ausgerechnet

die früher als Abfall der Zelle betrachteten

Vesikel die Hoffnungen – Stichwort: „Zelltherapie

2.0“ – so sehr beflügeln, ist an sich leicht erklärt. Sie

„Vesikel verändern

das Immunsystem

möglicherweise so, dass

der Körper mehr Zeit

bekommt, um den

Heilungsprozess zu

starten.“

Univ.-Doz. Dr. Mario Gimona,

Leitung Herstellung GMP, Projektleiter

und Konsortialführer EV-TT

haben offenbar das regenerative Potenzial von

Stammzellen, allerdings ohne deren Nachteile: also

Gewebeabstoßung und Immunreaktionen, unkontrolliertes

Wachstum und Tumorgefahr, das relativ

große Volumen bei einer Implantation, aber auch

die hohen Kosten, die große Komplexität der Herstellung

und die schwierige Lagerung. Umgekehrt

gibt es Grund zu der Annahme, dass der therapeutische

Effekt von Stamm- und Vorläuferzellen eben

nicht so sehr in einem Zellersatz besteht, sondern

von den Zellen freigesetzte nanovesikuläre Substanzen

die Stimulation von gewebeeigenen Reparaturmechanismen

anstoßen. Die EV könnten sich somit

im Idealfall als einfache und sichere

Alternative zu Stammzellen

erweisen. „Es gibt attraktive Ansätze

in der Therapie, die sich mit

Zellen nie bewerkstelligen lassen

würden“, erklärt Mario Gimona.

Nanovesikuläre Therapien. Untersucht

werden solche Ansätze

im Rahmen des Forschungsprogramms

„Nanovesikuläre Therapien“

der Paracelsus Universität.

Naturgemäß sei die zentrale Frage

gewesen, ob zellabhängige

Vesikel tatsächlich das leisten

können, was die Zellen selbst bewirken.

„Und genau das hat funktioniert,

wir haben positive Resultate

bekommen“, erzählt der Wissenschafter.

Im Fokus der Salzburger

Forscherinnen und Forscher steht dabei Sehnengewebe,

das bekanntlich nicht nur in Schulter und

Knie sehr oft Probleme macht. Die Herausforderung:

Sehnen heilen nicht gut bis gar nicht. Mario

Gimona beschreibt den Hebel der EV so: „Heilung

betrifft immer sehr viele verschiedene Elemente,

und das Immunsystem ist dabei sogar ein zentrales

Element. Im Endeffekt kann Heilung nur aus dem

Körper kommen, und nicht aus einer Flasche.“ Abschlussfrage:

Kann eine Zelltherapie ohne Zellen

wirklich funktionieren? Mario Gimona nickt: „Ja

durchaus. Wir telefonieren ja heute auch ohne Kabel.“Ω

Info: https://evtt.pmu.ac.at, www.pmu.ac.at/

forschung/forschungsprogramme/

nanovesikulaeretherapien

paracelsus today 2 | 20

23


SEPSIS

die unterschätzte Gefahr

Nur ein kleiner Ausrutscher

für einen Studenten, und

doch ein großer Einschnitt

für die Medizingeschichte.

Und leider auch für den Pathologen

und Gerichtsmediziner Jakob Kolletschka:

Ein Student hatte dem Professor

bei einer Leichensektion mit dem

Skalpell eine kleine Schnittwunde am

Finger zugefügt. Am 13. März 1847 verstarb

Kolletschka schließlich an den

Folgen der resultierenden Infektion.

Der letztlich tödliche Verlauf der Erkrankung

bestätigte allerdings einen

schweren Verdacht eines befreundeten

Assistenzarztes. Sein Name: Ignaz Semmelweis.

Dem heute als „Retter der

Mütter“ legendären – aber zu Lebzeiten

im Wesentlichen verkannten, unterschätzten

und angefeindeten – Evidenz-Pionier

waren nämlich die Parallelen

zum Krankheitsbild des damals

ebenfalls häufig tödlichen Kindbettfiebers

aufgefallen. Und Semmelweis lag

goldrichtig: Kausal waren da wie dort

von Leichen stammende Krankheitserreger

gewesen. Ebenso richtig lag der

Austro-Ungar mit seinen visionären

Gegenmaßnahmen rund um die Händehygiene,

für die er jedoch viel Spott

über sich ergehen lassen musste. Händehygiene

sei „Zeitverschwendung“, so

seine Gegner in der Ärzteschaft damals.

Antisepsis-Pionier Lister. Doch die Medizingeschichte

sollte für den verkannten

Vordenker noch einen weiteren

Schlag bereithalten. Sein Name: Joseph

Lister. Tatsächlich gilt der britische

Mediziner bis zum heutigen Tag als Pi-

FocusOn | Verkannt, unterschätzt, lebensgefährlich:

Die Sepsis – im Volksmund oft als „Blutvergiftung“

missverstanden – ist eine der häufigsten Todesur-sachen.

Darüber hinaus leidet mehr als die Hälfte

der Überlebenden an schweren Spätfolgen.

Autor: Andreas Aichinger •Fotos: Pictorial Press Ltd / Alamy Stock Photo; iStock

Der britische Chirurg

Joseph Lister (Bildmitte)

gilt als Pionier der

antiseptischen Medizin.

Er ließ bei und

nach Operationen desinfizierende

Phenollösung

über dem Operationsfeld

vernebeln.

24

paracelsus today 2 | 20


onier der „antiseptischen Chirurgie“,

die unter dem Schlagwort „Listerismus“

auch seinen Namen trägt. Lister kannte

nicht nur die Arbeiten des französischen

Mikrobiologie-Pioniers Louis

Pasteur, sondern war 1956 auch nach

Wien gereist. Dort nahm sich sich der

Pathologe und Semmelweis-Unterstützer

Karl Freiherr von Rokitansky –

Semmelweis selbst war zu diesem Zeitpunkt

bereits überhastet nach (Buda)

Pest gewechselt – Listers an. Heute ist

nicht mehr nachweisbar, was Rokitansky

dem jungen Briten über die

bahnbrechenden Erkenntnisse von

Semmelweis mit auf den Weg gegeben

hat. Doch es spricht ohnedies viel dafür,

gerade auch Semmelweis als Pionier

im Kampf gegen jene Erkrankung zu

würdigen, die die Mütter zuvor hinweggerafft

hatte. Die Rede ist von der

Sepsis, die im Volksmund häufig als

„Blutvergiftung“ verkannt – und vor allem

sträflich unterschätzt wird. Dabei

gilt sie – neben Herzinfarkt und Schlaganfall

– als drittes zentrales Krankheitsbild

in der Intensivmedizin. Und

auch eine Sepsis ist immer ein Notfall.

Problemfall Immunsystem. Grundsätzlich

ist die Sepsis eine systemische Entzündungsreaktion

auf eine Infektion,

die sich über das Blut im ganzen Körper

ausbreitet. Das Problem ist dabei

das Immunsystem: Die Abwehrreaktion

des Körpers auf die Infektion kann

so heftig ausfallen, dass eigenes Gewebe

und Organe angegriffen werden.

Ebenso problematisch wie die Überreaktion

des Immunsystems kann in Folge

des Fortschreitens der Sepsis dessen

Zusammenbruch – Stichwort: Immunkollaps

– werden. Im schlimmsten Fall

WAS EINER NICHT SCHAFFT,

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stehen Multiorganversagen und der

Tod am Ende der Entwicklung. Häufigste

Ursache für eine Sepsis ist in unseren

Breiten eine Lungenentzündung,

aber auch Harnwegsinfekte, Infektionen

im Bauchraum, an sich harmlose

Verletzungen oder chirurgische Eingriffe

kommen in Frage. Auslöser des

lebensbedrohlichen Zustands sind in

erster Linie Bakterien, aber auch Pilze,

Parasiten oder verschiedene Viren, darunter

auch Influenza- und Coronaviren.

Bemerkenswert: Seit Jahresbeginn

ist die Sepsis wieder in aller Munde.

Lancet: alarmierende Zahlen. Zu verdanken

ist das einer im renommierten

Fachmagazin The Lancet publizierten

umfangreichen Studie, deren Ergebnisse

nicht nur in Fachkreisen für Aufsehen

sorgten (https://bit.ly/3jpe5Ev). Demnach

gab es 2017 weltweit 48,9 Millionen

Sepsis-Fälle und elf Millionen Sepsis-Tote,

was sage und schreibe knapp 20 Prozent

sämtlicher weltweiten Todesfälle

entspricht. Mit anderen Worten: Einer

von fünf Toten geht im Schnitt auf das

Konto einer Sepsis. Besonders betroffen

sind Afrika südlich der Sahara, aber

auch Teile Asiens. Für Europa hat man

– allerdings schon vor der Lancet-Publikation

– rund 680.000 Sepsis-Todesfälle

hochgerechnet. Die gute Nachricht:

Seit 1990 ist immerhin eine Halbierung

der Sterblichkeit zu beobachten. Die

schlechte Nachricht: Die in The Lancet

veröffentlichten Zahlen sind doppelt so

hoch wie bisher angenommen. Eine der

Erklärungen: Die wahre Todesursache

wird in vielen Fällen nicht erkannt oder

Patienten-Information:

Sepsis

geht alle

an!

Das deutsche

„Aktionsbündnis

Patientensicherheit“

hat in Zusammenarbeit

mit der „Sepsis-Stiftung“ den neuen

Patientenratgeber „Sepsis geht

alle an! Was Sie darüber wissen

sollten“ veröffentlicht. Die leicht

verständliche Broschüre ist auch

online unter der Adresse

https://bit.ly/31r5z1p verfügbar.

wenigstens nicht richtig dokumentiert.

Tritt etwa infolge einer Lungenentzündung

eine Sepsis auf und kommt es

schließlich zum Ableben eines Patienten,

so hat nicht die Lungenentzündung

zum Tod geführt, sondern streng genommen

die Sepsis.

Schwere Spätfolgen. Dass die auftretenden

Symptome teils schwer zu deuten

sind, macht die Sache nur noch gefährlicher.

Auftreten können unter anderem:

Schüttelfrost und Fieber,

Muskelschmerzen, undeutliches Sprechen

und Verwirrtheit, Atemlosigkeit

und generell ein extremes Krankheitsgefühl.

Die berühmten „roten Striche“

an Arm oder Bein hingegen deuten lediglich

auf eine Entzündung der

Lymphbahnen hin und sind somit keineswegs

ein zuverlässiges Leitsymp-

tom für eine Sepsis. Eine „rote Linie“

wird hingegen leider oft sogar bei den

Überlebenden überschritten. Mehr als

die Hälfte von ihnen haben nämlich mit

schweren Spätfolgen bis hin zum Verlust

von Gliedmaßen oder schweren

Konzentrationsstörungen zu kämpfen.

Auch erneute Infektionen, Nierenversagen

oder Herz-Kreislauferkrankungen

treten nach einer Sepsis öfter auf.

Forscherinnen und Forscher der TU

Braunschweig konnten zuletzt zudem

in einer Studie mit Mäusen zeigen, dass

eine Sepsis auch nach der Genesung

noch langfristige Auswirkungen auf

Gehirn und Lernverhalten haben kann.

Dass die Sepsis als Nummer eins unter

den an sich leicht vermeidbaren Todesursachen

gilt, ist aber auch eine Chance:

Man kann gegensteuern.

Früherkennung durch Biomarker? Im

Alltag kommt der Hände-, Lebensmittel-

und Krankenhaushygiene sowie

dem Wahrnehmen von Schutzimpfungen

eine besondere Rolle zu. Die deutsche

„Sepsis-Stiftung“ empfiehlt allen

(insbesondere älteren und immungeschwächten)

Risikopatienten, sich gegen

das Influenzavirus und gegen

Pneumokokken impfen zu lassen. Und

dann wäre da die zentrale Bedeutung

einer Früherkennung: Forscher der TU

Graz wollen eine „bahnbrechende“ Methode

entwickelt haben, um eine Sepsis

bereits zwei bis drei Tage vor dem Auftreten

klinischer Symptome erkennen

zu können. Dazu der Grazer Bio-Informatiker

Christoph W. Sensen: „Unser

Team hat 24 Biomarker identifiziert, mit

26

paracelsus today 2 | 20


SAMBA 2

Hören leicht gemacht

Der neue SAMBA 2 Audioprozessor für BONEBRIDGE und VIBRANT SOUNDBRIDGE passt

Einstellungen an die Umgebung an und unterdrückt Störgeräusche. Sein intelligentes

System lernt, wie Nutzer am besten hören. Die Handhabung ist äußerst einfach.

Batterie und Abdeckung lassen sich im Handumdrehen tauschen. Und mit der SAMBA 2

Remote App können Nutzer bequem zwischen Einstellungen wechseln, die in der

audiologischen Anpassung vordefiniert wurden.

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welchen eine bakterielle oder durch Pilze

hervorgerufene Sepsis mittels Klassifizierungs-Algorithmen

in einem früheren

Stadium als bisher nachgewiesen

werden kann.“ Und auch Wissenschafter

des Universitätsklinikums Heidelberg

erforschen in einem EU-geförderten

Projekt frühe Diagnose-Möglichkeiten.

Arbeitsgruppen-Leiter Florian

Uhle untersucht dabei auch die molekularen

Mechanismen des bislang diagnostisch

schwer greifbaren Zustandes.

Und er spricht Klartext: „Viele Krankheitsmechanismen

im Verlauf der Sepsis

sind noch nicht verstanden oder

schlicht noch völlig unbekannt.“

Jede Minute zählt. Ziemlich klar ist

hingegen, was wirklich zählt: Zeit. Je

früher eine Sepsis erkannt wird, umso

eher kann sie auch erfolgreich behandelt

werden. Und es kommt auf jede

Minute an. „Wir behandeln die Sepsis

mit einem Maßnahmenbündel und beginnen

gemäß den Richtlinien innerhalb

der ersten Stunde“, bestätigte auch

Wird die Sepsis

zu spät erkannt

und das Immunsystem

läuft Amok,

besteht akute

Lebensgefahr.

„Wir behandeln die Sepsis mit

einem Maßnahmenbündel und

beginnen gemäß den Richtlinien

innerhalb der ersten Stunde.“

Dr. med. Arnim Thorsten Geise,

Oberarzt an der Klinik für Innere Medizin

3, Schwerpunkt Pneumologie der Universitätsklinik

der Paracelsus Medizinischen

Privatuniversität in Nürnberg

Arnim Thorsten Geise anlässlich des

Welt-Sepsis-Tages, der alljährlich am

13. September die gesellschaftliche

Sensibilisierung fördern soll. Und Geise,

tätig an der Universitätsklinik für Innere

Medizin 3 der Paracelsus Medizinischen

Privatuniversität und Bereichsleiter

Intensivmedizin im Klinikum

Nürnberg Nord, appellierte bei dieser

Gelegenheit: „Bei einem Herzinfarkt

wartet man ja auch nicht erst fünf

Stunden ab.“ Doch noch sieht die Realität

in vielen Teilen der Welt anders aus.

Sepsis wird in Krankenhäusern oft zu

spät erkannt, Symptome falsch gedeutet.

Die Patientensicherheit bleibt auf

der Strecke, warnt auch die WHO.

Sepsis & Corona. Händehygiene hingegen

ist – eineinhalb Jahrhunderte nach

Semmelweis –naturgemäß nach wie

vor ein Riesenthema. Eines, das durch

die Corona-Krise endlich auch in breiten

Bevölkerungsschichten angekommen

ist. Apropos COVID-19: Auch wenn

es noch kaum thematisiert wird, so besteht

auch hier ein wichtiger Konnex.

Eine im März ebenfalls in The Lancet

veröffentlichte Studie zeigt deutlich den

Zusammenhang zwischen COVID-19

und Sepsis (https://bit.ly/2EzFdkG). Erfasst

wurden dabei die Fälle von 191 Patienten,

die wegen eines schweren Verlaufs

in einer Klinik im chinesischen

Wuhan behandelt werden mussten.

Das Ergebnis: 59 Prozent von ihnen

entwickelten im Verlauf der Krankheit

auch eine Sepsis. Bei den Patienten die

verstarben, lag der Anteil noch höher –

bei untrügerischen 100 Prozent. Ω

28

paracelsus today 2 | 20


Technik trifft

Fantasie

Inside | Die intensive persönliche Begleitung

der Studierenden ist ein Markenzeichen der

Paracelsus Universität. Digitale Lehrmethoden

ergänzten schon bisher dieses Modell und legten

in der COVID- 19-Krise den Grundstein für

zahlreiche Weiterentwicklungen.

Autor: Wolfgang Bauer • Foto: Paracelsus Universität

Außergewöhnliche Zeiten erfordern

Kreativität und rasche

Lösungen. Daniel Nobis, Leiter

der Abteilung Informationstechnologie

an der Paracelsus

Medizinischen Privatuniversität (PMU) in

Salzburg, und sein Team waren durch die

Krise besonders gefordert. Von heute auf

morgen lag es bei ihnen, die universitäre

Lehre vom Präsenzunterricht auf neue digitale

Lehr- und Lernformen umzustellen.

„Wir hatten während des COVID-19-bedingten

Lockdowns im Frühjahr – und auch bis

heute – kaum Ausfälle zu verzeichnen, was

die Lehre und die Abhaltung von Prüfungen

betrifft“, erzählt Nobis. Bis zu 700 Studierende

pro Tag nutzten die digitalen Angebote;

zuerst ausschließlich und seit Ende des

Lockdowns in der so genannten hybriden

Lehre, also in Verbindung mit Präsenz-Zeiten.

Das Angebot werde zunehmend ausgebaut

und virtuell ergänzt, „auch dank der

tollen Mitarbeit vonseiten der Studiengangsorganisationen“,

wie er betont.

Daniel Nobis im neuen Media-Lab, wo digitale Lehrinhalte,

Web-Seminare znd Tutorials produziert werden.

Hybride Lehre. Um den Unterricht für die

Studierenden und für die Lehrenden noch

interaktiver und flexibler gestalten zu können,

wurden am Standort Salzburg in 16

Hörsälen Kameras installiert, am Standort

Nürnberg wurden sechs Hörsäle derart aufgerüstet.

Sollten die Maßnahmen gegen das

Corona-Virus wieder verschärft werden, ist

man also bestens vorbereitet. „Wenn zum

Beispiel aufgrund strengerer Abstandsregeln

nur mehr 20 von 50 Studierenden einer

Lehrveranstaltung in den Hörsaal dürfen,

können die restlichen 30 Studierenden

den Unterricht problemlos von zu Hause

aus besuchen“, erklärt Nobis. Die Kameras

liefern den Livestream mit optimaler Bildund

Tonqualität aus dem Hörsaal. In den

großen Hörsälen wird zudem die Bewegung

der Lehrenden von den Kameras „verfolgt“,

wenn sie sich zum Beispiel vom Pult zur Tafel

bewegen. Diese Lehrmethode ermöglicht

auch eine interaktive Teilnahme am Unterricht

von zu Hause aus. Mithilfe von Notebooks,

idealerweise mit integrierter Kamera

30

paracelsus today 2 | 20


und Mikrophon, und einer stabilen Internetverbindung

können die Studierenden Fragen

stellen wie in einem Hörsaal auch. Die

Lehrenden wiederum werden vom IT-Team

für die digitale Wissensvermittlung bestmöglich

geschult und unterstützt. Eigens

ausgebildete technische Assistenten sollen

schon bald für den technischen Support bei

Lehrveranstaltungen sorgen.

XR-Student. Schier unendliche Möglichkeiten

der digitalen Lehre und Wissensvermittlung

bietet der so genannte „XR-

Student“ der Paracelsus Universität, eine

Plattform zur virtuellen Teilnahme an Vorlesungen,

Seminaren und auch Kongressen.

Das „X“ beim XR-Student steht stellvertretend

für Virtual-, Augmented- und Mixed Reality.

Das Herzstück bildet eine 360°-Kamera,

die Bilder für Virtual-Reality-Brillen liefert,

mit denen die Studierenden seit dem aktuellen

Studienjahr ausgestattet werden.

Durch die 3D-Visualisierung können die

Medizinstudierenden beispielsweise Organe

aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten

oder virtuelle Operationen durchführen. Die

Pharmaziestudierenden können sich virtuell

durch den Apotheker-Kräutergarten an der

Naturwissenschaftlichen Fakultät der Paris

Lodron Universität Salzburg bewegen und

verschiedene Heilpflanzen betrachten, Informationen

über diese abrufen und pharmazeutische

Mischungen herstellen. „Die

Infrastruktur für den XR-Studenten steht

bereits zur Verfügung, derzeit arbeiten wir

mit Hochdruck am Erweitern der Virtual

Reality- und Lehrinhalte“, sagt IT-Experte

Nobis. Zur Erstellung digitaler Lehrinhalte,

Web-Seminare und professioneller Video-

Tutorials wurde ein top ausgestattetes Media-Lab

eingerichtet. Hier wird auch intensiv

an einer PMU-App gearbeitet, welche

künftig die „Digitale Welt der PMU“ abbilden

wird.

Mehrwert zur Marke. Trotz aller Innovationen

und Investitionen in weitere Digitalisierungsprojekte:

Die intensive Betreuung

durch die Studiengangsorganisationen und

„Die hybride Lehre und

der XR-Student stellen

für die Lehrenden und

Studierenden phantastische

Möglichkeiten der

Wissensvermittlung und

-aneignung dar. Doch die

PMU will keine Online-Uni

werden.“

Daniel Nobis, MSc, BA,

Leiter Informationstechnologie

der Paracelsus Medizinischen

Privatuniversität

die persönliche Begleitung der Studierenden

durch die Lehrenden vor Ort sind und bleiben

das Markenzeichen des Studiums an der

Paracelsus Medizinischen Privatuniversität.

„Die hybride Lehre und der XR-Student stellen

für die Lehrenden und Studierenden

phantastische Möglichkeiten der Wissensvermittlung

und -aneignung dar, sie bieten

eine unglaubliche Vertiefung des Lernerlebnisses

und eine Steigerung der Lerneffektivität.

Doch die Paracelsus Universität will

keine Online-Uni werden“, betont der

IT-Leiter. Damit sich Besucher und Gäste –

auch Teilnehmende von Kongressen, die an

der PMU stattfinden – innerhalb des Campus

orientieren können, wurde ein ausgeklügeltes

Wegeleitsystem etabliert. In jedem

der vier universitätseigenen Gebäude

steht ein interaktives Terminal, welches den

Weg zu gesuchten Personen, Instituten, Abteilungen

und Räumen anzeigt. Für weniger

mobile Personen gibt es die Möglichkeit,

sich barrierefreie Wege anzeigen zu lassen.

Außerdem kann das eigene Smartphone den

Weg zur gewünschten Adresse weisen.

Technik-affin im Privaten. Wie hält es der

Chef einer IT-Abteilung mit der privaten

Nutzung von Internet, Social Media, Smartphone

und Co? Schließlich war Daniel Nobis

bereits vor seinem Wechsel an die Paracelsus

Universität 2018 mehr als 20 Jahre lang

im Bereich der Informationstechnologie eines

großen Konzerns beschäftigt. Von einem

Computer-Junkie sei er weit entfernt,

betont Nobis, doch eine starke Affinität zur

Technik sei natürlich auch privat vorhanden.

So hat er vor einigen Jahren als Masterthesis

seines berufsbegleitenden Facility-Management-Studiums

einen Selbstrettungslift

entwickelt. Mit diesem Fahrstuhl

können sich mobilitätseingeschränkte Personen

im Rollstuhl im Brandfall aus oberen

Geschoßen öffentlicher Gebäude selbst retten;

ein Projekt, das allerdings noch auf die

Umsetzung wartet. Der Vater dreier Kinder

selbst ist als begeisterter Sportler in Tennis,

Fußball und Segeln uneingeschränkt mobil,

wann immer es seine Zeit erlaubt. Ω

paracelsus today 2 | 20

31


Die bunte

Welt der

Pharmazie

Education | Nach ihrem erfolgreichen

Bachelorabschluss gehen die ersten

Pharmaziestudierenden der Paracelsus

Uni in die Masterrunde. Ihre

Schwerpunktsetzungen sind ebenso

vielfältig wie ihre Berufsperspektiven.

Autor: Andreas Aichinger • Fotos: Paracelsus Uni; iStock

edem Anfang wohnt

ein Zauber inne, schrieb einst Hermann

Hesse. Und wenn eine Universität,

die mit den Studienrichtungen Humanmedizin

und Pflegewissenschaft

an den Start gegangen ist, mit der

Pharmazie ein drittes Kernstudium an

den Start bringt, so ist das tatsächlich

etwas ganz Besonderes. Das Pharmaziestudium

an der Paracelsus Medizinischen

Privatuniversität in Salzburg

wird seit Herbst 2017 angeboten. Mit

dem Abschluss der Bachelorarbeiten

ist nun nach sechs Semestern der erste

Jahrgang über die erste wichtige Ziellinie

gegangen. Die Vielfalt der studentischen

Schwerpunktsetzungen gibt dabei

Anlass für einen überaus optimistischen

Blick in die weitere Zukunft. Mit

dem Übertritt in das Masterstudium

Pharmazie, das Anfang September

2020 sein Debüt gegeben hat, beginnt

die nächste Etappe und damit wieder

so ein zauberhafter Anfang.

Von Bachelor- zu Masterpionieren.„Wir

sind natürlich sehr stolz auf unsere

ersten Bachelors, die ihre wissenschaftlichen

Arbeiten mithilfe von Literaturrecherche

oder verknüpft mit

praktischen Arbeiten in den Bereichen

Industrie, Apotheke oder Public Health

geschrieben haben“, freut sich Waltraud

Seitz. Die Studiengangsleiterin des Bachelor-

und Masterstudiums gibt auch einen

Ausblick: „Im Masterstudium Pharmazie

erwartet unsere Studierenden nun viel

Praxis. So können sie im Rahmen von

Pflichtpraktika in der Apotheke, der Industrie,

der Forschung und auch der

Klinik in alle zukünftigen Betätigungsfelder

von Pharmazeuten eintauchen.“

Wichtiger Nachsatz von Seitz: „Der Klinischen

Pharmazie wird auch bei den

Vorlesungen ein Schwerpunkt eingeräumt,

was in Österreich einzigartig ist.“

Durchdachter Unterschied. Zu den Besonderheiten,

die das fünfjährige Phar-

32

paracelsus today 2 | 20


„Im Masterstudium Pharmazie

können die Studierenden

im Rahmen von Pflichtpraktika

in der Apotheke, der Industrie,

der Forschung und

auch der Klinik in alle zukünftigen

pharmazeutischen

Betätigungsfelder hineinschnuppern.“

Mag. Waltraud Seitz,

Studiengangsleiterin des Pharmaziestudiums

an der Paracelsus Medizinischen

Privatuniversität

maziestudium der Paracelsus Uni bewusst

von den Angeboten an staatliche

Universitäten unterscheiden, zählen

unter anderem: Unterricht in Kleingruppen,

ein garantierter, eigener Laborplatz

ohne Wartezeiten, modernste

Infrastruktur für Lehre und Forschung,

ein optionales Auslandssemester sowie

– dank Humanmedizin und Pflegewissenschaft

am gleichen Campus – die

Chancen des interprofessionellen Lernens.

Zudem vermittelt das innovative

Curriculum auch kaufmännische Inhalte

und gesundheitsökonomische

Grundkenntnisse und legt Wert auf die

Formung von sozialen sowie kommunikativen

Kompetenzen. Wie bunt die

Pharmaziewelt an der Paracelsus Uni

ist und wie vielfältig die potenziellen

Berufsfelder sind, zeigen auch die Bachelorarbeiten

des ersten Jahrgangs.

Eine Auswahl:

Wissenschaftlicher Themenreigen. „Digitalisierung

in der Apotheke“, „Morbus

Parkinson – Pathophysiologie & Behandlungsmöglichkeiten“

oder „Traditionelle

Europäische Heilkunde: Bitterstoffe

am Beispiel des Mariazeller Bitterelixiers“

– um nur einige wenige

Themen zu nennen. Stellvertretend für

ihre Mitstudierenden erklärt Constanze

Lainer („Anwendung und Wirksamkeit

traditioneller Arzneipflanzen bei

Harnwegsinfekten unter besonderer

Berücksichtigung von zwei phytotherapeutischen

Handelspräparaten“) ihren

Zugang. Da Antibiotika-Resistenzen

durch einen oft inflationären Einsatz

immer mehr zum Problem

geworden seien, wären Alternativen

gefragt. Lainer, die sich auch aus eigener

Betroffenheit für das Thema Nieren-

und Blasenleiden interessiert: „Daher

wollte ich alternative Behand-

lungsmöglichkeiten, zum Beispiel

mittels Arzneipflanzen und Phytotherapeutika,

untersuchen.“ Ihre berufliche

Zukunft sieht die angehende Masterstudentin

derzeit zwar eher in der

Apotheke, freut sich aber auch auf das

noch ausstehende Industriepraktikum.

Viele Karrierewege offen. Die bisherigen

Schwerpunktsetzungen der erfolgreichen

Bachelor-Absolventinnen und

-Absolventen zeigen ganz klar: Auch

wenn die öffentliche Apotheke nach

wie vor ein beliebter Klassiker unter

den pharmazeutischen Berufswegen

ist, so hat sich in den letzten Jahren

doch viel getan. Vor allem sorgt das unverwechselbare

„Salzburger Curriculum“

mit zahlreichen Praktika und Forschungsmöglichkeiten

sowie interdisziplinären

Lehrveranstaltungen auch

für reges Interesse an (und die Befähigung

zu) einem Einstieg in die pharmazeutische

Industrie, die Pharmaforschung

oder die immer wichtiger werdende

Klinische Pharmazie. Mit

anderen Worten: Selbst wenn jedem

Anfang ein Zauber innewohnt, die Zukunft

des Pharmaziestudiums an der

Paracelsus Universität wird noch viel

spannender. Man darf auf die Fortsetzung

gespannt sein.

Ω

Info: www.pmu.ac.at/pharmazie

Ein herzliches Dankeschön den Freunden und Förderern

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Privat – und smart!

Update | Privatuniversitäten gibt es in Österreich nun seit gut 20 Jahren. Michael

Nake, Kanzler der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU), sprach mit

Paracelsus Today über die Entwicklung und Zukunft dieses Universitätstyps.

Paracelsus Today: Wie geht es den Privatuniversitäten

in Österreich?

Michael Nake: Meinen Beobachtungen

zufolge entwickelt sich dieser Sektor

hervorragend. Einerseits ist die Anzahl

der privaten Unis auf aktuell 14 gestiegen,

andererseits wird das Bildungsangebot

selbst vielfältiger: Es gibt eine

starke Zunahme an Studiengängen,

universitären Lehrgängen und Studierenden

– und insgesamt verzeichnet

der Sektor den stärksten Zuwachs im

Vergleich zu den staatlichen Unis und

Fachhochschulen.

Das Parlament hat kürzlich ein neues

Privathochschulgesetz erlassen. Was

sind die Beweggründe dafür?

Neben den vorher schon erwähnten

Einrichtungen soll es nun einen vierten

Hochschultypus, die „privaten Hochschulen“

geben. Diese unterscheiden sich

von den Privatunis durch das Fehlen von

Doktoratsstudiengängen. Offenbar sollen

dies Einrichtungen sein, an denen die

Forschung nicht so stark ausgeprägt ist

wie an den Universitäten, aber ähnlich

wie an Fachhochschulen signifikant vertreten

sein muss. Aus den Gesetzesmaterialien

lässt sich ein klares Profil nicht

wirklich erkennen. Ich erwarte, dass

alle Privatuniversitäten, die derzeit keine

Doktoratsstudien anbieten, diese nun

rasch etablieren möchten. Damit blieben

als künftige Privathochschulen nur

neu gegründete Einrichtungen übrig.

Die Gründungsphase neuer Bildungseinrichtungen

hätte man allerdings

auch anders regeln können, wie Beispiele

aus anderen Ländern zeigen.

„Die Kundenorientierung,

Flexibilität und Effizienz

der Privatunis werden

geschätzt“, sagt PMU-

Kanzler Dr. Michael Nake.

Wie wird sich das neuen Gesetz auf die

Paracelsus Universität auswirken?

Die Paracelsus Universität wird daraus

keine größeren Änderungen zu erwarten

haben. Wir betreiben aktuell

zwei sehr erfolgreiche PhD-Studiengänge

in den Bereichen der Medizinischen

Wissenschaften und der Pflegewissenschaft

und streben die Einrichtung

von zwei weiteren Doktoratsstudiengängen,

„Doctor of Nursing Practise“

und „Pharmazie“, an.

Die öffentliche Diskussion scheint auch

nach 20 Jahren noch immer von einer

gewissen Skepsis gegenüber privaten Bildungseinrichtungen

geprägt zu sein.

Das ist zweifellos zu beobachten,

wenngleich die Gründe dafür unklar

sind. Der Glaube, dass private Universitäten

ein Geschäftsmodell sind, ist ein

großer Irrtum. Die Paracelsus Universität

– und auch die anderen Privatunis

– investieren alles, was möglich ist, in

Innovationen in der Lehre und in Forschung.

Anders könnten wir die Qualitätsanforderungen

der Studierenden

bzw. deren Eltern und auch jene, die

von den Qualitätsagenturen gestellt

werden, nicht erfüllen. Aktuell fordern

uns die Entwicklungen rund um CO-

VID-19, und man kann guten Gewissens

behaupten, dass die Umstellungen

in der Lehre sehr gut gelungen sind. Es

bedarf also großer Anstrengungen und

der Hilfe vieler Unterstützer, um auf

dem Bildungsmarkt so auftreten zu

können, dass jene Akzeptanz entsteht,

die sich in den steigenden Zahlen widerspiegelt.

34

paracelsus today 2 | 20


„Solange der Bund die

Privatuniversitäten nicht

fördert, sind Studienbeiträge

unumgänglich.“

Dr. Michael Nake,

Kanzler der Paracelsus Medizinischen

Privatuniversität

Erlebt die Paracelsus Universität eine

starke Konkurrenz zwischen den Unis

und Hochschulen am Standort?

Ganz im Gegenteil! In Salzburg hat

man schon vor Jahren erkannt, dass die

Chance als eher kleine Hochschulregion

in der Zusammenarbeit liegt, und

auch die Landespolitik unterstützt diesen

Weg nachhaltig. Die Institutionen

am Standort kooperieren auf vielen Gebieten

der Lehre, aber besonders auch

in der Forschung. Die Paracelsus Universität

arbeitet besonders intensiv mit

der Paris Lodron Universität Salzburg

und der Fachhochschule Salzburg zusammen.

Institutionelle Zusammenarbeit

findet in der vitalen Salzburger

Hochschulkonferenz statt: Dabei geht

es um die Wahrnehmung von Synergien

und natürlich die Vertretung gemeinsamer

Interessen, wie der Forschungsförderung,

gegenüber den politisch

Verantwortlichen.

Ein immer wieder kehrendes Thema in

der Diskussion um Privatunis sind die

Studiengebühren. Gibt es hier langsam

eine Akzeptanz in der Öffentlichkeit?

Solange der Bund die Privatuniversitäten

nicht fördert, sind Studienbeiträge

unumgänglich. Unser Bestreben

war es immer, diese so festzusetzen,

dass – unterstützt durch unser gutes

Stipendiensystem – niemand von der

Möglichkeit ausgeschlossen wird, bei

uns zu studieren. Ich denke, dass es generell

gut wäre, solche Beiträge auch

an den staatlichen Unis einzuführen.

Warum sollen Studierende, die in der

Lage sind, einen Teil der Kosten privat

zu übernehmen, von allen Steuerzahlern

in diesem Ausmaß unterstützt

werden?

Werden Privatuniversitäten nur von

Studierenden aus Familien der höheren

Einkommensklasse besucht?

Nein, die letzte Erhebung über die

soziale Lage der Studierenden in Österreich

(http://www.sozialerhebung.at)

hat wieder bestätigt, dass sich der „soziale

Mix“ an den Privatuniversitäten

nicht von jenem an den staatlichen

Universitäten unterscheidet. Das trifft

sich mit den Beobachtungen an der Paracelsus

Universität. Im Rechenmodell

machen die kürzere Studiendauer an

der PMU, die wir durch unsere Effizienz

erreichen können, die Studiengebühren

mehr als wett. Berechnen wir

doch nur einmal den zwei Jahre früheren

Eintritt in das Erwerbsleben, der an

unserer Universität Realität ist: Da

kommt ein deutlich positiver Saldo heraus.

Alternativ könnte der Bildungsminister

jeder jungen Österreicherin

und jedem jungen Österreicher einen

Bildungsscheck in die Hand geben, der

dann bei jeder Bildungsinstitution eingelöst

werden kann. Dann müssten

Studienbeiträge kein Thema mehr sein.

Die Studierendenbefragung hat sich

auch mit der Zufriedenheit der Studierenden

an Privatunis beschäftigt …

… und dabei wurde den privaten Universitäten

ein durchwegs gutes Zeugnis

ausgestellt. Die „Kundenorientierung“,

die Flexibilität und Effizienz der kleineren

Einrichtungen scheinen hier besonders

geschätzt zu werden. Diese positiven

Punkte aufrecht zu erhalten,

wird auch für die Paracelsus Universität

eine der wesentlichen Herausforderungen

der Zukunft sein. In diesem Zusammenhang

müssen wir darauf achten,

in unseren internen Systemen

beweglich zu bleiben. Aus diesem

Grund wünschen wir uns von den Qualitätsagenturen

und den auf Bundesebene

politisch Verantwortlichen, uns

nicht mit Regelungen zu überhäufen,

die uns in unserer Bewegungsfreiheit

so einschränken, dass wir die Vorteile

einer privaten Einrichtung nicht mehr

zur Geltung bringen können.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft

der Paracelsus Universität?

Die Paracelsus Medizinische Privatuniversität

wird gerne an ihren Ergebnissen

gemessen: am Forschungsoutput,

an der Qualität und Zahl der Innovationen

aus der Forschung, an der

Akzeptanz unserer Absolventinnen und

Absolventen im Berufsleben und der

Wahrnehmung ihrer Kenntnisse und

Fähigkeiten. Wie wir diese Resultate

erzielen, sollte uns aber selbst überlassen

werden. Das wäre eine Herangehensweise,

die alle Bildungseinrichtungen

in Österreich weiterbringen würde.

Das wäre sicherlich effizienter als Vorschriften

über die Ausstattung von

Räumen oder darüber, wie die Beschäftigungsverhältnisse

von Professorinnen

und Professoren sein müssen. Die

Möglichkeiten zur Kreativität und Freiheit

in der Entfaltung sind Treibstoff

für unsere Entwicklung!

Ω

paracelsus today 2 | 20

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Hilfe,

es brennt!

BodyCheck | Wenn es zieht, brennt und man

ständig auf die Toilette muss, ist häufig eine

Blasenentzündung die Ursache.

Symptome

Die Blasenentzündung (lat. Zystitis) gehört zu

den häufigsten Infektionen des menschlichen

Körpers. Knapp die Hälfte aller Frauen

in Österreich leidet mindestens einmal im

Leben an dieser durch Bakterien hervorgerufenen

Infektion. Männer sind durch ihre längere

Harnröhre, die eine natürliche Barriere

gegen aufsteigende Keime darstellt, weitaus

seltener betroffen. Typische Beschwerden

bei Vorliegen einer Zystitis sind Schmerzen

und Brennen beim Wasserlassen, Blasenkrämpfe

und häufiger Harndrang mit jedoch

kleinen Urinmengen. Auch Blutbeimengungen

im Urin können auftreten.

Diagnose

Die Diagnose einer Zystitis kann zwar klinisch

gestellt werden – also durch Erhebung

der Anamnese und Durchführung einer körperlichen

Untersuchung und ohne Labortests

–, dennoch ist die Durchführung einer

Urinanalyse ratsam. Sie hilft, die Diagnose zu

sichern und andere beschwerdeerklärende

Ursachen zu erkennen. Üblicherweise wird

hierfür eine Portion des Mittelstrahlurins gewonnen.

Das heißt, die erste und die letzte

Urinportion werden verworfen. Wichtig ist,

dass das Genitale hierfür sorgfältig gesäubert

und desinfiziert ist, denn normale Schleimhautflora

kann den Befund maßgeblich verfälschen

und somit zu einer falschen Diagnose

und Therapie führen.

Therapie

Zwar ist die antibiotische Therapie nicht immer

nötig, doch oft unumgänglich. Das verschriebene

Präparat richtet sich nach lokalen/geografischen

Resistenzen der Erreger,

Komorbiditäten der Patienten und Vorliegen

eventueller Harnkulturen (das beschwerdeerregende

Bakterium wird hierbei gezüchtet

und diverse Antibiotika werden auf ihre

Wirksamkeit getestet). Eine zielgerichtete

Therapie in korrekter Dosierung und Dauer

verhindert wortwörtlich ein Aufsteigen der

Infektion, was bis zu einer Nierenbeckenentzündung

oder gar Blutvergiftung führen

kann.

Prävention

Um das Auftreten einer Harnblasenentzündung

zu vermeiden hilft das Wissen, dass die

Haupterreger der Erkrankung aus dem

Darmbereich stammen. Korrekte Intim- und

Sexualhygiene sind somit eine sehr gute Prophylaxe.

Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr

gewährleistet eine adäquate „Durchspülung“

der Harnwege und beugt Infekten vor.

Sollten sich bei Frauen nach der Menopause

Infektionen häufen, hilft es auch, die Scheidenflora

durch Östrogenpräparate wiederherzustellen

und die körpereigene Abwehr

zu stärken.

Spätestens bei wiederkehrenden Harnblasenentzündungen

ist es ratsam, eine umfangreiche

urologische Abklärung durchführen

zu lassen.

Ω

Der Autor:

Dr. Maximilian Horetzky ist Facharzt für Urologie und Andrologie

am Universitätsklinikum Salzburg. Nach seiner Promotion 2012 an

der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität absolvierte er die

Ausbildung zum Arzt für Allgemeinmedizin und zum Militärarzt.

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Pandemie und Süchte

Outside | Stress und Ängste können den Konsum von Alkohol und Tabak fördern

und das Suchtverhalten intensivieren. Eine Studie des Klinikums Nürnberg und

des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit Mannheim ging dem Konsumverhalten

im Covid-19-Shutdown auf den Grund.

Autorin: Sabine Ritzinger • Fotos: Klinikum Nürnberg/Rudi Ott; iStock

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Der in der SARS-CoV-2-Pandemie verhängte

Shutdown limitierte über Wochen den Alltag

und die persönlichen Freiheiten der Bevölkerung

auf bisher unvorstellbare Weise. Die

Einschränkung der sozialen Kontakte, existenzielle

Sorgen und die Angst vor Ansteckung stellten für

viele Menschen eine große psychische Herausforderung dar.

„Oft verstärken Krisen, Stress und Ängste bereits vorhandene

Verhaltensmuster: So isolieren sich zurückgezogen lebende

Menschen noch stärker, Nachdenkliche grübeln noch mehr,

Agressive sind noch reizbarer“, erklärt Thomas Hillemacher,

Chefarzt für Psychiatrie und Psychotherapie der Paracelsus

Medizinische Privatuniversität Nürnberg. Bereits vorhandene

psychische Erkrankungen können sich durch die Ausnahmesituation

verstärken, zum Teil gibt die Krise auch den

Ausschlag für psychische Probleme.

„Sorgenbremse“ Alkohol. Bereits zu Beginn des fast weltweiten

Shutdowns warnte die Weltgesundheitsorganisation

(WHO) vor einem erhöhten Alkoholkonsum, der in der sozialen

Isolation drohen könnte. In persönlichen,

aber auch gesellschaftlichen Krisen

ist der Konsum von Alkohol für viele Menschen

ein eingelernter Bewältigungsmechanismus,

um Ängste und Sorgen abzumildern,

um zu entspannen und sich zu beruhigen.

Schon aus früheren Epidemien ist

bekannt, dass Stress und Ängste den Konsum

von Alkohol und Tabak fördern sowie

das Suchtverhalten intensivieren können.

Das bestätigten auch Zahlen der Gesellschaft

für Konsumforschung in Nürnberg:

Demnach seien in den ersten Wochen des

Shutdowns die Verkaufszahlen bei Alkohol

um rund 6 Prozent gestiegen. „Ob das

nur Hamsterkäufe waren oder schon gestiegener

Konsum, lässt sich aber aus diesen

Zahlen nicht ableiten“, erläutert Thomas

Hillemacher.

Anonyme Befragung. Gemeinsam mit Falk Kiefer von der

Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin am Zentralinstitut

für Seelische Gesundheit Mannheim initiierte

der Nürnberger Klinikvorstand eine Online-Befragung zum

Konsumverhalten während des Shutdowns, an der rund

3200 Personen teilnahmen. Repräsentativ sei die Befragung

trotz hoher Beteiligung nicht. „Wir wollten möglichst

schnell reagieren und die Daten erheben und das war nur

online möglich. Deshalb haben wir nur Leute erreicht, die

„Ängste, Sorgen, Kontaktbeschränkungen

und Leerlauf

führen häufig dazu, dass

mehr Alkohol getrunken

wird.“

Prof. Dr. med. Thomas Hillemacher,

Ärztlicher Leiter der Klinik für Psychiatrie

und Psychotherapie, Universitätsklinik

der Paracelsus Medizinischen

Privatuniversität Nürnberg

im Internet aktiv sind“, sagt Psychologin Ekaterini Georgiadou,

die die Befragung mit ausgewertet hat. „Trotz dieser

Einschränkung waren alle Bevölkerungsgruppen gut vertreten“,

ergänzt Hillemacher. Im Fokus der Untersuchung standen

nicht nur Alkohol und Tabak, sondern auch der so genannte

stoffungebundene Konsum, also etwa Spielsucht,

Kaufsucht oder Medienkonsum.

Konsumverstärker Pandemie. 37,4 Prozent der Befragten

gaben an, während des Shutdowns mehr als vorher zu trinken.

Von den Rauchern, das waren rund 28 Prozent der Teilnehmenden,

gaben 42,7 Prozent eine Steigerung ihres Tabakkonsums

zu Protokoll. Jene Personen, die ihre Tagesstruktur

durch die berufliche Beschäftigung weitgehend beibehalten

konnten, scheinen weniger von einem erhöhten Konsum von

Alkohol und Tabak betroffen zu sein. Hingegen dürften jene,

die bereits vor Beginn der Ausgangseinschränkungen regelmäßig

Alkohol konsumiert hatten, besonders gefährdet sein.

Befragte mit geringerer Schulbildung und höherem, subjektiven

Stressempfinden griffen laut Auswertung vermehrt zu

Alkohol und Tabak. „Ein Teil der Menschen

wird ihre geänderten Konsummuster vielleicht

nicht wieder zurückregulieren, darüber

hinaus besteht immer das Risiko,

dass sich eine Abhängigkeit entwickelt. Der

höhere Alkoholkonsum in Kombination mit

erhöhtem Stress und geringer Bildung birgt

ein erhöhtes Aggressionspotenzial – und

damit ein höheres Risiko für häusliche Gewalt“,

befürchtet Suchtexperte Hillemacher.

Aufklären und helfen. Im Hinblick auf eine

zweite Welle raten die Autoren der Studie,

die Bevölkerung schon während der Akutphase

der COVID-19-Pandemie über die

Risiken und mögliche Langzeitfolgen eines

vermehrten Alkohol- und Tabakkonsums

während dieser Ausnahmesituation zu informieren.

Niederschwellige medizinische

und soziale Hilfsangebote, etwa in Form von (anonymen) telefonischen

oder Online-Beratungsangeboten, sollten etabliert

werden. „Es ist aus unserer Sicht wichtig, dass sich alle im

Gesundheitssystem Tätigen dessen bewusst sind und Patienten

bereits bei ersten Anzeichen für eine Steigerung des Alkoholoder

Tabakkonsums darauf ansprechen und an Hilfsangebote

weitervermitteln“, empfiehlt das Studienteam. Um zusätzlich

zu den Ergebnissen der ersten Studie Schlüsse auf längerfristige

Verhaltensänderungen durch die Krise ziehen zu

können, ist im Herbst eine zweite Studie geplant. Ω

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Wer die Räumlichkeiten von Anima Mentis

in der Wiener Innenstadt das erste

Mal betritt, hat eventuell nur eine vage

Vorstellung davon, wie ein „Fitnessstudio

für mentale Stärke“ funktioniert.

Helle Bereiche, ruhige Atmosphäre, geschmackvolle Einrichtung

und viele Naturmaterialen schaffen eine Wohlfühl-Oase,

die mit klassischen Fitnessstudios nichts gemein

hat. Aber das wirklich Einmalige steckt (eher versteckt) im

persönlichen Programm, das sich den Kunden bietet.

Peter Kirschner (li.) und Jürgen Osterbrink wollen

die mentale Stärke von belasteten Menschen

primärpräventiv fördern – maßgeschneidert,

multiprofessionell und evidenzbasiert.

Multidisziplinäres Team. Der Anspruch lautet, Seele, Geist

und Körper wieder in Einklang zu bringen und somit auch

Burnout und Depression vorzubeugen. Der „mentale Fitness-Check“

eruiert die individuellen Bedürfnisse der Kundinnen

und Kunden und bildet die Basis für ein persönliches

Angebot aus unterschiedlichen Anwendungen, Seminaren

und Coachings, das regelmäßig evaluiert und angepasst

wird. Ein Team aus Psychologen, Trainern und Therapeuten

bietet auch Einzel-Coachings an und fördert durch Kleingruppen-Seminare

die eigene Gesundheitskompetenz. Angeleitete

Übungen sollen die Entspannung fördern, Yogaund

Cycling-Angebote darüber hinaus auch die Fitness.

Hightech und Virtual Reality. Wirklich neu und spektakulär

sind die Hightech-gestützten Anwendungen, die wie alle

Angebote in Zusammenarbeit mit der Paracelsus Universität

entwickelt wurden – unterstützt von einem nationalen und

internationalen Ärzte- und Psychologenbeirat. So wurden

Lichtanwendungen entwickelt, die Blutdruck und Herzfrequenz

senken und die Stimmung heben. Der Besuch des Na-

Alles anders,

alles im Lot

Outside | Als „Fitnessstudio für mentale

Stärke“ bietet Anima Mentis ein umfassendes

Programm zur Stärkung der

inneren Ressourcen. Das medizinischwissenschaftliche

Fundament

liefert die Paracelsus Universität.

Autorin: Sabine Ritzinger• Fotos: Julian Kocher

Rundum-Paket für mentale Fitness:

Hightech-Anwendungen

und Virtual Reality ergänzen

Seminare und Coachings.

40

paracelsus today 2 | 20


ture-360°-Kinos geht mit gesenktem Blutdruck, Pulsregulierung,

Abnahme der Stresshormone und Steigerung des

subjektiven Wohlbefindens einher; ähnliche Effekte bietet

auch der Virtual Reality Raum, der in eine virtuell simulierte

Naturumgebung mit optischen, akustischen und taktilen

Sinnesreizen entführt. Der „Sinnes Raum“ ermöglicht durch

individuell wählbare sensorische Reize die Stimulation einzelner

Sinne oder multisensorische Stimulation.

Unterhaltung mit Folgen. Die Geschichte von Anima Mentis

begann in Südafrika, als Jürgen Osterbrink, Vorstand des Instituts

für Pflegewissenschaft und -praxis der Paracelsus

Medizinischen Privatuniversität (PMU), zufällig auf Andreas

Spechtler, vormals Präsident von Dolby International, traf.

Die beiden kamen ins Gespräch – und auf die Idee für ein

Start-up, die später in Wien auf offene Ohren stoßen sollte.

Rudolf Öhlinger, als Gründer und ehemaliger Inhaber der

SeneCura Kliniken- und Heimebetriebs-GmbH ein langjähriger

Kooperationspartner Osterbrinks, gefiel die Vorstellung

eines Unternehmens zur Stärkung mentaler Ressourcen

auf medizinisch-wissenschaftlicher Basis. Damit war

die Gründung einer Gesellschaft besiegelt und ging im Mai

2017 über die Bühne. Zu PMU-Ehrensenator Öhlinger als Eigentümer

der Anima Mentis-Gruppe und PMU-Vorstand

Osterbrink als Chief Scientific Advisor gesellte sich bald

PMU-Alumnus Peter Kirschner hinzu. Der „Mitarbeiter

Nummer eins“ war zunächst Chief Product Officer und ist

seit April 2020 Geschäftsführer von Anima Mentis.

Vorbeugen statt Reparieren. „“Leider hat unsere Gesellschaft

noch immer den Hang zum Reparieren, statt auf Prävention

zu setzen“, erklärt Jürgen Osterbrink. In einem System

mit dem Anspruch „Es geht noch immer mehr“ müsse

man das Bewusstsein schärfen, dass die menschlichen Ressourcen

auch Grenzen haben und gut eingeteilt gehören. Er

habe viele Menschen erlebt, die an Burnout und Depression

erkranken und nicht mehr so wie früher seien, wenn sie in

den Alltag zurückkehren. Deshalb ist es ihm wichtig, „Kunden“

zu begleiten und zu unterstützen, bevor sie zu Patienten

werden – mit einer Kombination aus analogen und

digitalen Methoden. Er erforscht mit seinem Team an der

Paracelsus Universität den Wirksamkeitsnachweis der angewendeten

Maßnahmen.

Wissenschaft statt Esoterik. „Meine Aufgabe ist es, wissenschaftlich

basierte Angebote zu kreieren und ins Digitale

vorzudenken, darüber hinaus möchte ich in der Bevölkerung

und bei Ärzten bewusstseinsbildend wirken“, ergänzt

Peter Kirschner. Er versteht das Portfolio von Anima Mentis

als Weiterentwicklung klassischer Unterstützungsangebote:

„Wir wollen nicht nur mentale Krankheit verhindern, sondern

mittels evidenzbasierter Angebote die Resilienz und

das Körpergefühl von Menschen entwickeln und stärken –

quasi einen ,roten Faden durchs Leben´ fernab der Esoterikecke“,

betont der „leidenschaftliche Schulmediziner“. Neu

ist die die Integration von Smartwatches, die Puls, Sauerstoffsättigung

und Herzratenvariabilität der Kunden messen,

und die neue „Academy“ mit einem vielfältigen Online-Angebot

aus Seminaren, Coachings und Podcasts. Letztere

war während des pandemiebedingten Lockdowns und

der damit einhergehenden Schließung des Unternehmens

mit Hochdruck ausgebaut worden.

Ω

„Wir sind davon überzeugt,

dass wir die Lösung für ein

relevantes Problem haben, das

Menschen belastet und somit

auch die ganze Gesellschaft –

und auch die Volkswirtschaft.“

Prof. Rudolf Öhlinger,

Eigentümer der Anima Mentis-Gruppe

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Wer die Räumlichkeiten von Anima Mentis

in der Wiener Innenstadt das erste

Mal betritt, hat eventuell nur eine vage

Vorstellung davon, wie ein „Fitnessstudio

für mentale Stärke“ funktioniert.

Helle Bereiche, ruhige Atmosphäre, geschmackvolle Einrichtung

und viele Naturmaterialen schaffen eine Wohlfühl-Oase,

die mit klassischen Fitnessstudios nichts gemein

hat. Aber das wirklich Einmalige steckt (eher versteckt) im

persönlichen Programm, das sich den Kunden bietet.

Peter Kirschner (li.) und Jürgen Osterbrink wollen

die mentale Stärke von belasteten Menschen

primärpräventiv fördern – maßgeschneidert,

multiprofessionell und evidenzbasiert.

Multidisziplinäres Team. Der Anspruch lautet, Seele, Geist

und Körper wieder in Einklang zu bringen und somit auch

Burnout und Depression vorzubeugen. Der „mentale Fitness-Check“

eruiert die individuellen Bedürfnisse der Kundinnen

und Kunden und bildet die Basis für ein persönliches

Angebot aus unterschiedlichen Anwendungen, Seminaren

und Coachings, das regelmäßig evaluiert und angepasst

wird. Ein Team aus Psychologen, Trainern und Therapeuten

bietet auch Einzel-Coachings an und fördert durch Kleingruppen-Seminare

die eigene Gesundheitskompetenz. Angeleitete

Übungen sollen die Entspannung fördern, Yogaund

Cycling-Angebote darüber hinaus auch die Fitness.

Hightech und Virtual Reality. Wirklich neu und spektakulär

sind die Hightech-gestützten Anwendungen, die wie alle

Angebote in Zusammenarbeit mit der Paracelsus Universität

entwickelt wurden – unterstützt von einem nationalen und

internationalen Ärzte- und Psychologenbeirat. So wurden

Lichtanwendungen entwickelt, die Blutdruck und Herzfrequenz

senken und die Stimmung heben. Der Besuch des Na-

Alles anders,

alles im Lot

Outside | Als „Fitnessstudio für mentale

Stärke“ bietet Anima Mentis ein umfassendes

Programm zur Stärkung der

inneren Ressourcen. Das medizinischwissenschaftliche

Fundament

liefert die Paracelsus Universität.

Autorin: Sabine Ritzinger• Fotos: Julian Kocher

Rundum-Paket für mentale Fitness:

Hightech-Anwendungen

und Virtual Reality ergänzen

Seminare und Coachings.

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ture-360°-Kinos geht mit gesenktem Blutdruck, Pulsregulierung,

Abnahme der Stresshormone und Steigerung des

subjektiven Wohlbefindens einher; ähnliche Effekte bietet

auch der Virtual Reality Raum, der in eine virtuell simulierte

Naturumgebung mit optischen, akustischen und taktilen

Sinnesreizen entführt. Der „Sinnes Raum“ ermöglicht durch

individuell wählbare sensorische Reize die Stimulation einzelner

Sinne oder multisensorische Stimulation.

Unterhaltung mit Folgen. Die Geschichte von Anima Mentis

begann in Südafrika, als Jürgen Osterbrink, Vorstand des Instituts

für Pflegewissenschaft und -praxis der Paracelsus

Medizinischen Privatuniversität (PMU), zufällig auf Andreas

Spechtler, vormals Präsident von Dolby International, traf.

Die beiden kamen ins Gespräch – und auf die Idee für ein

Start-up, die später in Wien auf offene Ohren stoßen sollte.

Rudolf Öhlinger, als Gründer und ehemaliger Inhaber der

SeneCura Kliniken- und Heimebetriebs-GmbH ein langjähriger

Kooperationspartner Osterbrinks, gefiel die Vorstellung

eines Unternehmens zur Stärkung mentaler Ressourcen

auf medizinisch-wissenschaftlicher Basis. Damit war

die Gründung einer Gesellschaft besiegelt und ging im Mai

2017 über die Bühne. Zu PMU-Ehrensenator Öhlinger als Eigentümer

der Anima Mentis-Gruppe und PMU-Vorstand

Osterbrink als Chief Scientific Advisor gesellte sich bald

PMU-Alumnus Peter Kirschner hinzu. Der „Mitarbeiter

Nummer eins“ war zunächst Chief Product Officer und ist

seit April 2020 Geschäftsführer von Anima Mentis.

Vorbeugen statt Reparieren. „“Leider hat unsere Gesellschaft

noch immer den Hang zum Reparieren, statt auf Prävention

zu setzen“, erklärt Jürgen Osterbrink. In einem System

mit dem Anspruch „Es geht noch immer mehr“ müsse

man das Bewusstsein schärfen, dass die menschlichen Ressourcen

auch Grenzen haben und gut eingeteilt gehören. Er

habe viele Menschen erlebt, die an Burnout und Depression

erkranken und nicht mehr so wie früher seien, wenn sie in

den Alltag zurückkehren. Deshalb ist es ihm wichtig, „Kunden“

zu begleiten und zu unterstützen, bevor sie zu Patienten

werden – mit einer Kombination aus analogen und

digitalen Methoden. Er erforscht mit seinem Team an der

Paracelsus Universität den Wirksamkeitsnachweis der angewendeten

Maßnahmen.

Wissenschaft statt Esoterik. „Meine Aufgabe ist es, wissenschaftlich

basierte Angebote zu kreieren und ins Digitale

vorzudenken, darüber hinaus möchte ich in der Bevölkerung

und bei Ärzten bewusstseinsbildend wirken“, ergänzt

Peter Kirschner. Er versteht das Portfolio von Anima Mentis

als Weiterentwicklung klassischer Unterstützungsangebote:

„Wir wollen nicht nur mentale Krankheit verhindern, sondern

mittels evidenzbasierter Angebote die Resilienz und

das Körpergefühl von Menschen entwickeln und stärken –

quasi einen ,roten Faden durchs Leben´ fernab der Esoterikecke“,

betont der „leidenschaftliche Schulmediziner“. Neu

ist die die Integration von Smartwatches, die Puls, Sauerstoffsättigung

und Herzratenvariabilität der Kunden messen,

und die neue „Academy“ mit einem vielfältigen Online-Angebot

aus Seminaren, Coachings und Podcasts. Letztere

war während des pandemiebedingten Lockdowns und

der damit einhergehenden Schließung des Unternehmens

mit Hochdruck ausgebaut worden.

Ω

„Wir sind davon überzeugt,

dass wir die Lösung für ein

relevantes Problem haben, das

Menschen belastet und somit

auch die ganze Gesellschaft –

und auch die Volkswirtschaft.“

Prof. Rudolf Öhlinger,

Eigentümer der Anima Mentis-Gruppe

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Die Win-win-win-Situation

Die Paracelsus Universität gehört zu den Pionieren bei der Einrichtung der

„universitären Lehrordinationen“

in der Allgemeinmedizin.

Point of View

ist das Paradebeispiel einer Win-win-Situation. Als Lehrärztin

kann ich mein Können und Wissen weitergeben, erhalte aber ebenso Wissens-Input

durch Studierende. Wenn man das positive Feedback durch die Patienten hinzuzählt,

kann sogar von einer Win-win-win-Situation gesprochen werden.“

Learning by doing. Michaela Grafinger, Allgemeinmedizinerin in Elixhausen bei Salzburg,

freut sich auf den kommenden cand. med. (candidatus medicinae) der Paracelsus

Universität in ihrer Lehrordination, der (oder die) vier Wochen lang den hausärztlichen

Berufsalltag in all seinen Facetten – und vor allem die Vielfalt an Patienten – aktiv miterleben

wird. Kleinkinder und Säuglinge, Erwachsene bis hin zu sehr alten Menschen

mit unterschiedlichsten Erkrankungen und Symptomen, akut kranke Menschen, aber

auch chronisch oder psychisch Kranke: nahezu alle Fachrichtungen der Medizin sind

vertreten. „Die angehenden Medizinerinnen und Mediziner werden unter meiner Anleitung

klassische Ordinationstätigkeiten ausüben, wie Lungenfunktionstests durchführen,

EKGs anlegen, Verbände wechseln. Alles Tätigkeiten, die im Praxisalltag eine große Hilfe

sind“, erklärt Grafinger.

Autorin: Ilse Spadlinek • Foto: iStock

Pionierleistung Lehrordinationen. Die Allgemeinmedizin hat seit der Gründung des Instituts

für Allgemein-, Präventiv- und Familienmedizin der PMU 2006 einen hohen Stellenwert.

Vorständin Maria Flamm kooperiert mit etwa 80 Lehrordinationen – großteils

in Stadt und Land Salzburg – und setzt sich für einen möglichst frühen und durchgehenden

Praxiskontakt der Studierenden ein. Schon im ersten Studienjahr gewinnen sie

am Praktikumstag Einblick in die Hausärztliche Praxis, im 2. Studienjahr gibt es den

„Klinischen Untersuchungskurs“ im Krankenhaus und in der Hausarztpraxis. Ein vierwöchiges

Praktikum ist verpflichtend im Curriculum verankert, und zwar im 5. Studienjahr,

dem so genannten „Klinisch-Praktischen Jahr“ (KPJ). Den Pionieren und Pionierinnen

an der PMU, der Salzburger Gesellschaft für Allgemeinmedizin, der Ärztekammer

und vor allem den Lehrärztinnen und -ärzten gebührt Dank, dass sich die „universitäre

Lehrordination“ ihren festen Platz in der medizinischen Ausbildung gesichert hat und

ständig weiterentwickelt wird.

Gefragt, wie es allen Beteiligten – also der Lehrärztin, den jungen „Doctores“ und den

Patienten – dabei geht, meint Michaela Grafinger: „Eine hausärztliche Praxis ist ja irgendwie

auch ein familiärer Betrieb, daher fallen die Reaktionen auch dementsprechend

aus: oft freundlich, zumeist neugierig und, wie in jeder Familie, gelegentlich skeptisch.

Eine Situation, mit der man zeitlebens als Arzt oder Ärztin konfrontiert bleibt.“Ω

42

paracelsus today 2 | 20


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