Atelier Van Lieshout - Kunstheft
Das Kunstheft wurde für den Unterricht konzipiert, steht aber allen Besuchern/Besucherinnen zur Verfügung. Es bietet Informationen, Anregungen und Ideen zum Verständnis der Installation "The Clock which will Solve Every Problem in the World" von Atelier Van Lieshout im Kunstraum Dornbirn.
Das Kunstheft wurde für den Unterricht konzipiert, steht aber allen Besuchern/Besucherinnen zur Verfügung. Es bietet Informationen, Anregungen und Ideen zum Verständnis der Installation "The Clock which will Solve Every Problem in the World" von Atelier Van Lieshout im Kunstraum Dornbirn.
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Ein <strong>Kunstheft</strong><br />
über eine Uhr,<br />
die alle Probleme<br />
der Welt<br />
lösen wird<br />
für Schüler,<br />
Jugendliche<br />
und Erwachsene
2 3<br />
<strong>Atelier</strong> <strong>Van</strong> <strong>Lieshout</strong>, Pendulum, 2019
<strong>Atelier</strong><br />
<strong>Van</strong> <strong>Lieshout</strong>:<br />
The Clock<br />
which will Solve<br />
Every Problem<br />
in the World<br />
4 5<br />
Pendulum und Gewicht<br />
Der Kunstraum Dornbirn wird beherrscht von Pendulum,<br />
einer gewaltigen gelben Uhr, die mit ihren Zahnrädern an<br />
eine alte Maschine erinnert. Sie verleiht zusammen mit<br />
den anderen hier aufgestellten Maschinen dem Raum der<br />
ehemaligen Montagehalle eine besondere Atmosphäre.<br />
Doch im Gegensatz zu früher, als hier noch etwas<br />
hergestellt wurde, dienen diese Maschinen der<br />
Zerstörung. Deren Wirkung zeigen die in der Halle<br />
aufgestellten Videobildschirme. Damit entlarven die<br />
gezeigten Maschinenwerke eine Schattenseite der vom<br />
Menschen gemachten Welt: Sie verfügt nicht nur über<br />
wunderbare Erfindungen, sondern wirkt auch<br />
zerstörerisch und vernichtend. Und so ist auch der Titel<br />
durchaus hintergründig zu verstehen. Denn eine „Uhr, die<br />
jedes Problem der Welt lösen wird“, gibt es leider nicht.<br />
Aber die Hoffnung darauf kann uns niemand nehmen.
Was im Kunstraum zu sehen ist, ist die Arbeit eines<br />
Künstlerkollektivs, einer Gemeinschaft, die 1995 von<br />
Joep <strong>Van</strong> <strong>Lieshout</strong> als <strong>Atelier</strong> <strong>Van</strong> <strong>Lieshout</strong> (AVL)<br />
gegründet wurde. Es befindet sich in den Niederlanden<br />
auf dem Hafengelände von Rotterdam. Das zentrale<br />
Thema der Künstler, die dort zusammen arbeiten, ist der<br />
Entwurf eines radikal anderen Lebens.<br />
6 7<br />
Pendulum (Detail)<br />
Um ihren Gedanken Ausdruck zu verleihen, bedienen sie<br />
sich zahlreicher künstlerischer Mittel. Dazu gehört die<br />
Zeichnung ebenso wie die Gestaltung der Servicewagen<br />
für die Cafeteria eines Museums oder die Entwicklung<br />
eines Abwasserverwertungssystems. Das AVL geht also<br />
weit über das hinaus, was viele Menschen üblicherweise<br />
mit Kunst verbinden. Man spricht deshalb hier von einem<br />
erweiterten Kunstbegriff. Häufig geht es <strong>Van</strong> <strong>Lieshout</strong><br />
um ganz lebensnahe Themen wie Behausung und<br />
Verpflegung, das Zusammenleben von Menschen und<br />
Freiheit. Es geht um eine Utopie, also die Vorstellung von<br />
einer (besseren) Zukunft. Dieses Heft möchte die Ideen<br />
<strong>Van</strong> <strong>Lieshout</strong>s vorstellen und soll dazu anregen, eine<br />
eigene Utopie zu entwickeln.<br />
Arbeitsanregungen<br />
• Beschreibe die Wirkung von Pendulum<br />
und der Maschinen auf dich.<br />
• Überlege, wo Maschinen und menschliche Erfindungen<br />
für die Natur und den Menschen selbst bedrohlich<br />
werden können.<br />
• Welche Rolle spielt die Zeit in unserem Leben?<br />
Notiere deine Aussagen dazu und suche im Internet<br />
nach künstlerischen Werken (Malerei, Film, usw.), die<br />
das Thema Zeit behandeln.
8 9<br />
Der Künstler Joep <strong>Van</strong> <strong>Lieshout</strong> bei der Arbeit
10 11<br />
AVL-Siedlung in Rotterdam mit Containern für verschiedene Nutzungen<br />
wie Wohnen, Arbeit, Krankenstation, Vergnügungen (Gesamtansicht)<br />
Die AVL-Stadt:<br />
Ein Traum wurde fast<br />
Wirklichkeit<br />
Die Idee eines Staats für Künstler, in dem „alles möglich<br />
ist“, wurde im Jahr 1989 fast zur Wirklichkeit. Das <strong>Atelier</strong><br />
<strong>Van</strong> <strong>Lieshout</strong> hatte mit der Planung des Freien Staates<br />
Almere begonnen und dafür auf einem Gelände im Hafen<br />
der niederländischen Stadt Rotterdam ein Grundstück<br />
erworben. Die Bewohner sollten nach eigenen Gesetzen<br />
zusammenleben; auch an eine eigene Währung wurde<br />
gedacht.<br />
Nach einem Jahr Einsatz für die Gemeinschaft sollten sie<br />
ihre Wohneinheiten nach den eigenen Vorstellungen<br />
einrichten. Es sollte ein Ort werden, an dem jeder seine<br />
Träume verwirklichen kann. Dieser Gegenentwurf zur<br />
Gesellschaft wurde allerdings als „Staat im Staat“ schon<br />
nach kurzer Zeit von der Stadtverwaltung aufgelöst.<br />
Geblieben sind die Idee und das <strong>Atelier</strong> des Künstlers,<br />
der dort zusammen mit mehreren Beschäftigten seine<br />
weltweit beachteten Werke produziert.
Constitution AVL-Ville<br />
1) Everyone has the right to freedom of artistic expression and<br />
design.<br />
12 13<br />
2) Everyone has the right to freedom of expression, which is to<br />
say revealing and receiving thoughts or feelings other than<br />
artistic.<br />
3) Every participant of AVL-Ville is equal and is entitled to be<br />
treated without discrimination on account of race, colour, sex,<br />
language, belief, political, artistic and philosophical ideas,<br />
nationality, possessions, or any other ground.<br />
4) Everyone is entitled to gather with others and to demonstrate.<br />
5) Everyone has the right to freedom of religious expression,<br />
including idolatry, polygamy and forming a sect.<br />
6) Everyone is entitled to have an education, including an<br />
artistic education.<br />
7) Everyone has the right to immunity in privacy and artistic<br />
lifestyle, as well as communication in any way with third<br />
parties.<br />
8) Everyone is allowed to wander freely within the AVL-Ville area.<br />
9) Everyone is entitled to create independently his or her own<br />
housing within the AVL-Ville territory.<br />
10) Everyone has the right to have immunity over body and spirit,<br />
which also includes being able to dispose of one’s body and<br />
spirit according to one’s own wishes, with or without help of<br />
artifi cial means.<br />
Die Verfassung („Constitution“) der AVL-Stadt<br />
Arbeitsanregungen<br />
• Übersetze den englischsprachigen Text<br />
der Verfassung. Was würdest Du für die<br />
Verfassung eines von dir gegründeten<br />
Staates übernehmen, was nicht? Was<br />
würdest Du ergänzen?<br />
• Tauscht Eure Vorstellungen aus. Gestalte<br />
ein Plakat mit den Artikeln der von Dir<br />
erfundenen Verfassung.<br />
11) All AVL-Ville participants are obliged to treat any other<br />
member with absolute honesty and respect; it is compulsory to<br />
solve any confl ict within AVL-Ville.<br />
12) a) All AVL-Ville participants accept that management will be<br />
decided by the general committee, which is composed of an as of<br />
yet unspecified supervising board, to be formed by members of<br />
the general committee along with others.<br />
b) The general committee is qualifi ed to expel participants,<br />
if no amicable settlement can be agreed upon in conflicts.
14 15<br />
Titelblatt des Buches Utopia mit Ansicht der Idealstadt, Holzschnitt, 1516<br />
Utopia<br />
und die Erfindung<br />
der Utopie<br />
Mit seinem Hauptwerk UTOPIA (d.h.: Nirgendwo) wurde der<br />
1478 in London geborene Thomas Morus zum Schöpfer des<br />
Begriffs der Utopie. Die in diesem Buch entwickelten Ideen<br />
für eine Gesellschaft sind bis heute revolutionär. König<br />
Heinrich VIII ließ Thomas Morus im Jahr 1535 wegen der<br />
Verweigerung eines Eides hinrichten. 1935, also 400 Jahre<br />
später, wurde Thomas Morus von der katholischen Kirche<br />
heilig gesprochen. Auf dieser Seite finden sich Auszüge aus<br />
dem Buch Utopia.<br />
Über Gesetze<br />
Gesetze haben sie sehr wenige; denn für ein Volk mit<br />
solchen Einrichtungen genügt eine verschwindend kleine<br />
Zahl. Ja, sie missbilligen bei den andern Völkern vor allem,<br />
dass man dort selbst mit unförmlichen Bänden von<br />
Gesetzen und Kommentaren nicht auskommt. Sie ihrerseits<br />
finden es höchst ungerecht, dass Menschen an Gesetze<br />
gebunden sein sollten, die entweder zu zahlreich sind, als<br />
dass man sie alle durchlesen könnte, oder zu rätselhaft als<br />
dass sie jedermann verstünde.
16 Die Häuser<br />
17<br />
Die Häuser sehen alle schmuck aus; in langen und durch<br />
die ganze Gasse ununterbrochen sich hinziehenden<br />
Reihen gebaut, sind sie nur von der Vorderseite sichtbar;<br />
die beidseitigen Fronten trennt eine zwanzig Fuß breite<br />
Straße. An die Hinterfassade legt sich dem ganzen<br />
Häuserblock entlang ein breiter Garten, den überall die<br />
Rückseiten der Häuser umschließen. Jedes Haus hat<br />
einen Ausgang sowohl auf die Straße wie auf den Garten.<br />
Die Türen lassen sich durch ein leichtes Ziehen mit der<br />
Hand öffnen – sie schließen sich von selbst wieder - und<br />
verwehren niemand den Eintritt: so wenig gibt es eine<br />
private Sphäre; nämlich auch die Häuser wechseln sie<br />
alle zehn Jahre durch Auslosung.<br />
Die Arbeitszeit<br />
Hier teilen sie den Tag mit Einschluss der Nacht in<br />
vierundzwanzig gleich lange Stunden, verwenden aber<br />
davon nur sechs zur Arbeit, nämlich drei vor dem Mittag;<br />
darauf nehmen sie das Mittagessen ein, ruhen nach dem<br />
Essen die ersten zwei Nachmittagsstunden und liegen<br />
dann wieder drei Stunden lang der Arbeit ob; daran<br />
schließt sich das Abendessen an. Um die achte<br />
Stunde – die erste rechnen sie vom Mittag an – gehen sie<br />
zu Bett; acht Stunden beansprucht der Schlaf.<br />
Freiheit des Glaubens<br />
Es gehört nämlich zu ihren ältesten Grundsätzen, dass<br />
keinem aus seiner religiösen Überzeugung ein Vorwurf<br />
gemacht werden dürfe.<br />
Arbeitsanregungen<br />
• Diskutiert, ob und wie sich die Ideen von<br />
Thomas Morus verwirklichen lassen.<br />
• Überlege, wie für dich eine Gesellschaft<br />
der Zukunft aussehen sollte.<br />
• Zeichne oder male eine Stadt, in der deine<br />
Ideen alle umgesetzt sind.<br />
• Lies die Verfassung („Constitution“) der<br />
AVL-Stadt und überlege, welche Punkte du davon<br />
in deine Verfassung aufnehmen würdest.
18 19<br />
Modell einer „Stadt der Zukunft“, Schülerarbeit einer 5. Klasse<br />
Unsere<br />
Stadt der Zukunft.<br />
Eine Utopie?<br />
Arbeitsanregungen<br />
Schülerinnen und Schüler planen ihre Welt: Wie stellen<br />
wir uns die Stadt der Zukunft vor? Diese Frage wird<br />
immer noch zu selten gestellt. Dabei sollen Kinder und<br />
Jugendliche doch in ihrer Stadt besonders gerne leben.<br />
Auf der folgenden Seite finden sich Anregungen für ein<br />
Planspiel, um über die Stadt der Zukunft nachzudenken.<br />
Als Ergebnis soll euer Modell dieser Stadt stehen.
1. Phase<br />
Notiert eure Überlegungen zu folgenden Fragen und<br />
stellt euch die Antworten gegenseitig vor.<br />
· Was findest du gut an deinem Ort?<br />
· Was fehlt in deiner Stadt?<br />
· Was würdest du vorschlagen, wenn du<br />
Mitglied im Gemeinderat wärst?<br />
20 21<br />
2. Phase<br />
Was alles gehört zu (d)einer Stadt? Sammelt alle<br />
Aussagen und notiert sie stichpunktartig. Das<br />
Ergebnis hilft euch später als Checkliste bei der<br />
Erstellung des Modells.<br />
3. Phase<br />
Bildet mindestens fünf „Ministerien“, die als Gruppen<br />
ihre Ideen zur Stadt entwickeln. Überlegt, ob weitere<br />
Ministerien für euch wichtig sind:<br />
· Wohnungsministerium (z.B. Häuser, Wohnungen)<br />
· Naturministerium (z.B. Parks, Liegewiesen)<br />
· Verkehrsministerium (z.B. Nahverkehr, Transport)<br />
· Handelsministerium (z.B. Geschäfte, Büros, Firmen)<br />
· Kulturministerium (z.B. Kino, Theater, Jugendhaus,<br />
Kunstschule, Museum, Skaterplatz, Schulen)<br />
Zukunftsvision, Schülerarbeit einer 8. Klasse<br />
4. Phase<br />
Stellt eure Ergebnisse vor und sprecht darüber.<br />
Beschließt nun ein „Programm“ mit 5 wichtigen<br />
Regeln für den Bau der Stadt. Die Regeln könnten z.B.<br />
lauten: Die Häuser sollten ungewöhnlich sein; junge<br />
und alte Menschen leben zusammen; die Stadt ist<br />
offen für alle Menschen; die Häuser sollten in die<br />
Höhe oder unter die Erde gebaut sein; Wohnen,<br />
Arbeiten und Freizeit liegen nah beieinander.<br />
5. Phase<br />
Ihr baut zusammen das Modell eurer Stadt. Zeichnet<br />
dafür als erstes einen Plan, den ihr während des Baus<br />
freilich noch verändern könnt.
22<br />
Maschinen:<br />
Segen und Bedrohung<br />
23<br />
<strong>Atelier</strong> <strong>Van</strong> <strong>Lieshout</strong>, Bronco, 2016<br />
Die hier gezeigten Maschinen von <strong>Van</strong><br />
<strong>Lieshout</strong>s Installation demonstrieren vor<br />
allem ihre Zerstörungskraft. Tatsächlich<br />
wirken die Ergebnisse der Zerstörung<br />
manchmal sogar beeindruckend.<br />
Gleichzeitig ist die Zerlegung die<br />
Voraussetzung für eine Rückführung in<br />
den Kreislauf der Dinge.
24<br />
25<br />
Filmstill aus Metropolis von Fritz Lang, 1927<br />
Das Bild zeigt die menschenverschlingende<br />
Maschine aus dem Film<br />
Metropolis. In der Romanvorlage zu<br />
dem berühmten Stummfilm verschlingt<br />
die Maschine ihre Kinder: „Die große,<br />
herrliche, fürchterliche Stadt Metropolis<br />
brüllt auf und verkündet, dass sie<br />
Hunger hat nach neuem Menschenmark<br />
und Menschenhirn, und das lebendige<br />
Futter wälzt sich wie ein Strom in die<br />
Maschinensäle“ (Thea von Harbous).<br />
Der Künstler Jean Tinguely (1925 bis<br />
1991) entwarf große bunte Maschinen,<br />
die nichts produzieren, jedoch lärmen<br />
und sich bewegen. Sie wurden damit zu<br />
einem humorvollen Sinnbild der Welt.<br />
Arbeitsanregungen<br />
Jean Tinguely: Der Wagen Klamauk mit Traktor<br />
Vergleiche <strong>Van</strong> <strong>Lieshout</strong>s Maschinen mit denen<br />
der anderen Künstler auf der gegenüberliegenden<br />
Seite. Welche Botschaft, welche Aussage lässt<br />
sich daraus jeweils lesen?
Arbeitsanregungen<br />
Slave City<br />
In manchen modernen Arbeitsbereichen herrschen<br />
vergleichbare Zustände wie in Slave City. Recherchiere<br />
im Internet z.B. zu folgenden Bereichen und suche<br />
Berichte über menschenverachtende Vorfälle:<br />
26 27<br />
<strong>Atelier</strong> <strong>Van</strong> <strong>Lieshout</strong>, Plan der Slave City, 2008<br />
Es ist eines provokantesten Projekte der Kunst: Slave City (dt.:<br />
Stadt der Sklaven). Das <strong>Atelier</strong> <strong>Van</strong> <strong>Lieshout</strong> konzipierte eine<br />
bis ins letzte Detail durchorganisierte Stadt, in der Arbeit alles,<br />
das Privatleben nichts zählt. Die 200.000 Einwohner arbeiten<br />
14 Stunden am Tag, davon die Hälfte der Zeit in Callcentern, im<br />
Telemarketing und als Programmierer, die andere Zeit verrichten<br />
sie Arbeiten, um die Stadt am Laufen zu halten. Drei Stunden nur<br />
haben sie für sich, den Rest verbringen sie mit Schlaf. Diese Stadt<br />
soll keinen Wunschtraum verkörpern, sondern das überspitzte<br />
Abbild einer auf allerhöchste Wirksamkeit ausgerichteten<br />
Gesellschaft sein. Die Menschen dort sind eingeschlossen in<br />
einen reinen Arbeitskosmos (vgl. Plan der Stadt in Abbildung).<br />
• Die Arbeitsverhältnisse in der Fleischindustrie<br />
und bei Erntehelfern in Europa<br />
• Die Situation von Textilarbeitern in Schwellenländern<br />
• Die Situation der Uiguren in chinesischen Lagern
Zeit, Zwang<br />
und Vergänglichkeit<br />
28 29<br />
Die Zeit im Leben ist häufig fremdbestimmt. Grundsätzlich ist die<br />
Lebenszeit begrenzt. Für uns Menschen ist es daher eine besondere<br />
Aufgabe, diese Zeit lebenswert zu gestalten. Die Voraussetzungen<br />
dafür sind sehr unterschiedlich. Menschen in armen Ländern und<br />
Diktaturen haben zumeist geringere Möglichkeiten. Das <strong>Atelier</strong> <strong>Van</strong><br />
<strong>Lieshout</strong> macht sich darüber immer wieder Gedanken, auch über die<br />
Art, wie uns Menschen oft die Zeit verrinnt – oder genommen wird.<br />
Viele Künstler haben sich zuvor schon mit dem Thema Zeit befasst.<br />
Hier werden zwei Beispiele vorgestellt.<br />
Metropolis<br />
Metropolis ist einer der ersten Science-Fiction-Filme. Schon 1927 aufgeführt,<br />
zeigt er eine düstere Zukunftsvision. Maschinen und Roboter<br />
bestimmen den Takt des modernen Lebens, den Menschen wird die<br />
Lebenszeit geraubt. Es kommt zum Aufruhr. Aufgebrachte Arbeiter zerschmettern<br />
die Maschinen. Am Ende siegt dann doch die Verbrüderung<br />
der Gegensätze.<br />
Arbeitsanregungen<br />
Filmstill aus Metropolis von Fritz Lang, 1927<br />
Pieter Claesz, <strong>Van</strong>itas mit Violine und Glaskugel, Öl auf Eichenholz, 1634<br />
Ein Bild über die Vergänglichkeit<br />
Viele niederländische Bilder aus der Barockzeit handeln von der<br />
Vergänglichkeit des Lebens („<strong>Van</strong>itas“). Auf diesem Bild von Pieter<br />
Claesz (1597/8 bis 1661) finden sich neben der Uhr links im Vordergrund<br />
zahlreiche andere Symbole, die auf die Endlichkeit hindeuten: das<br />
umgekippte und zerbrechliche Glas, der Totenschädel, das umgekippte<br />
Tuschegefäß, die Violine mit dem abgelegten Geigenbogen, die zerstörte<br />
Nussschale, das zerknitterte Buch. Im Hintergrund stellt sich im<br />
Spiegel der Kugel der Künstler sogar selbst da.<br />
• Überlege, wie man Pendulum von <strong>Atelier</strong> <strong>Van</strong><br />
<strong>Lieshout</strong> als Filmkulisse verwenden könnte.<br />
• Verfasse ein Drehbuch für einen kurzen Science-<br />
Fiction-Film, in dem es um den Verlust der Zeit geht.<br />
• Überlege, welche Symbole für dich als Zeichen<br />
der Vergänglichkeit stehen könnten.<br />
• Male ein Bild, das diese Dinge vereint.<br />
• Sammle Dinge, die für Vergänglichkeit stehen, in einer<br />
Box und stelle sie aus. Verfasse dazu einen Text.
30 31
Ausstellung<br />
<strong>Atelier</strong> <strong>Van</strong> <strong>Lieshout</strong><br />
The Clock which will Solve Every Problem in the World<br />
3. September bis 8. November 2020<br />
Täglich von 10 bis 18 Uhr<br />
Jahngasse 9, Dornbirn<br />
Impressum<br />
Vermittlungsheft für Schüler, Jugendliche und Erwachsene<br />
Inhalt und Gesamtkonzept: Martin Oswald, Weingarten<br />
Herausgeber: Kunstraum Dornbirn, Thomas Häusle<br />
Redaktion: Herta Pümpel<br />
Gestaltung: proxi.me<br />
Alle Rechte vorbehalten © 2020<br />
www.kunstraumdornbirn.at<br />
Alle Abbildungen: <strong>Atelier</strong> <strong>Van</strong> <strong>Lieshout</strong>, außer:<br />
Seite 8 und 11: Architecture Journal 306090 08: Autonomous Urbanism von Duval Alex and Kjersti Monson<br />
Seite 12: unimuenster.de/Staedtegeschichte/portal/einfuehrung/stadttypen/idealstadtbildergalerie/index.html<br />
Seite 22: bloody-disgusting.com/home-video/3389100/12-sci-fi-classics-one-3-disc-dvd-set/<br />
Seite 23: swisscamion.ch/article/aussergewoehnlicher-transport/<br />
Seite 27: koelner.de/2016/08/19/fritz-langs-metropolis/<br />
Seite 28: commons.wikimedia.org/wiki/File:Pieter_Claesz._-_<strong>Van</strong>itas_with_Violin_and_Glass_Ball_-_WGA04974.jpg