Queer WEDDING

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Queer WEDDING

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Queer

WEDDING

H OCHZEITSMAGAZIN

F ÜR S CHWULE & LESBEN

DER SCHÖNSTE TAG FÜR IHN & IHN

Mode, Catering, Deko & mehr: Ideen & Infos für anders heiraten


Wie das so ist, unter

REGENBOGENFAHNEN

zu heiraten, erzählen

hier Holger und

Johannes Linde

86 Queer WEDDING

Großes

I M N E T Z

G E F I S C H T

HAPPY END

Holger und Johannes (Foto links)

Linde haben ihr Glück im Internet

gefunden. Während es für

Holger eher ein Experiment

war, virtuell auf die Suche nach

einem Partner zu gehen, freute sich Johannes,

nach längerer erfolgloser „Angeltour“

endlich den Richtigen am Haken zu

haben. Er wurde bei bei gay-PARSHIP

fündig.

„Jetzt sind wir Herr und Herr Linde!” Holger

Linde steht vor dem Alten Rathaus in

Köln und ist sichtlich gerührt. Ein paar

Schritte weiter nimmt der Grund für seine

Freude Glückwünsche entgegen: Johannes

Linde – seit heute. Vor 20 Minuten

wurde die Zeremonie unter gotischen Bögen

im Turmkeller des historischen Gebäudes

vollzogen. Er bot ausreichend Platz

für die bunt gemischte Gruppe. Der große

Freundeskreis des Paares hat sich ebenso

eingefunden wie Eltern, Großeltern und

Geschwister, um mit ihnen diesen besonderen

Tag zu begehen. Alle warteten gebannt

auf das Jawort. Und auch die ein

oder andere Träne der Rührung floss.

Vor dem Rathaus ließen es sich ein paar

Freunde nicht nehmen, in farbenfrohen

Outfits Spalier zu stehen. So spazierten

Holger und Johannes durch einen Regen-


ogen in die gerade besiegelte gemeinsame

Zukunft. „Hätte mir das jemand vor

ein paar Jahren prophezeit, ich hätte es

ihm nicht geglaubt.“ Denn Holger hat seinen

Lebenspartner im Internet kennen gelernt,

in Europas führender Online-Partneragentur

gay-PARSHIP. Und das war

für ihn vor ungefähr zwei Jahren noch undenkbar.

Der Marketingkaufmann konnte

sich einfach nicht vorstellen, auf so „anonyme

Weise“, wie er damals fand, seiner

Liebe fürs Leben zu begegnen.

Doch genau so kam es. Der damals

38-Jährige hat sich von einembefreundeten

Pärchen inspirieren

lassen. Auch sie fanden

ihr Glück bei gay-PARSHIP.

Seit drei Jahren hatte er schon keine feste

Beziehung mehr. Und eins war sicher: Seinen

40. Geburtstag wollte er auf keinen

Fall als Single erleben. „Da ist die Midlife-

Crisis doch vorprogrammiert.“ Doch die

Zeiten der nächtlichen Club-Touren durch

die Kölner Szene lagen eindeutig hinter

Holger. Er hatte sich lange genug ausgetobt

und sehnte sich nach jemandem, mit

dem er auch die Höhen und Tiefen des

Alltags bestreiten könnte.

Also, warum sich nicht einmal kostenlos

registrieren lassen, nur so zum Spaß?

Schließlich nutzt er das Medium Internet

in seinem Job fast täglich, wenn auch lediglich

zu Informationszwecken. Gay-Foren

oder Online-Netzwerke hat er stets gemieden.

Wenn es um Bekanntschaften

ging, war er eher altmodisch. Er traf sich

lieber auf ein Gespräch in einer Bar als in

einem Chatroom. Doch ihm gefiel das

„gay-PARSHIP-Prinzip“. Die Idee, via

Persönlichkeitstest zu sehen, was für ein

Typ Partner er eigentlich ist und welchen

Menschen er, so ermittelt, begegnen

könnte, machte ihn neugierig.

„Nur so zum Spaß“, lacht Johannes: Er hatte

den Neuzugang aus dem Netz geangelt. Der

Immobilienkaufmann machte den ersten

Schritt, beflügelt durch die hohe Übereinstimmung

ihrer Profile. Aber dann fand er

diese erste Kontaktaufnahme nicht gerade

„spaßig“. „Holger hatte eine ziemlich lange

Leitung.“ Johannes, der schon länger auf

gay-PARSHIP unterwegs war, empfand den

Weg bis zum ersten Treffen als eher schleppend.

Es dauerte Wochen und zig E-Mails,

bis Holger sich dazu durchrang. So lange

habe ihn noch niemand zappeln lassen, lacht

der 34-Jährige. „Irgendwie hatte ich Angst,

dass nach dem ersten Treffen alles vorbei

wäre“, erinnert sich Holger. Ihm gefielen

die witzigen E-Mails seines immerhin sechs

Jahre jüngeren Verehrers. Außerdem war er

gerade erst Premium-Mitglied bei gay-PAR-

SHIP geworden und wollte diese neu erworbenen

Vorteile noch ein bisschen auskosten.

Doch schließlich schlug er Johannes

ein erstes Treffen vor.

Eine Panorama-Rundfahrt auf dem Rhein

erschien dem Sohn eines Schiffbauers ge-

nau das Richtige. Doch er hatte die Klientel

solcher Vergnügungstouren nicht bedacht.

Eingezwängt zwischen rüstigen

Senioren schenkten sie den Se henswürdigkeiten

ihrer Stadt kaum Aufmerksamkeit.

Schnell waren sie in ein Gespräch

vertieft und verließen schließlich nach

einer Stunde erleichtert das Schiff.

Danach bestand Johannes darauf, zu bestimmen,

wo es hinging. „Nach dieser Tortour

war Holger mir ein Festmahl schuldig“,

erinnert sich Johannes. Holger ließ

sich nicht lange bitten. Er schleppte Johannes

in den neuen Hotspot der Stadt am

Rheinauhafen. Nach einem wunderschönen

gemeinsamen Abendessen wussten

sie, dass sie das ganz bald wiederholen

wollten. Tja, und schon beim zweiten Treffen

war klar, wie gut sie sich miteinander

fühlten. Bereits nach drei Monaten wurde

eine zweite Wohnung überflüssig.

Und jetzt das Happy End – oder besser

Happy Beginning – im Alten Rathaus. „So

schnell kann es gehen, wenn man sich seinen

Traummann fischt“, strahlt er seinen

frisch Angetrauten verliebt an. „Mir war

schnell klar, den lasse ich nicht mehr von

der Angel.“

Johannes war es auch, der Holger vor einem

Jahr den Antrag machte. Er kaufte

Ringe und stellte Holger bei einem romantischen

Abendessen zu zweit genau

in dem Restaurant, wo sie ihren ersten

Abend verbrachten, die alles entscheidende

Frage. „Es verschlug mir glatt die

Sprache“, erinnert sich Holger. Zwar waren

sie bereits auf der Hochzeit eines befreundeten

Paares gewesen. Aber irgendwie

hatte er nie darüber nachgedacht,

tatsächlich selber diesen Weg einzuschlagen.

Was würde die Familie dazu sagen?

Denn sowohl Holgers als auch Johannes’

Eltern rechneten nicht

mehr damit, dass ihre Söhne einmal

heiraten würden. Diese

Möglichkeit hatten sie nicht

mehr erwogen, seitdem sie wussten, dass

sie schwul waren. Von einem Lebensgemeinschaftsgesetz

oder der Homo-Ehe

hatten sie nie etwas gehört „Wir sind ja nur

ganz normale Leute“, gibt Holgers Vater

bescheiden zu bedenken. Doch Holgers

Mutter freute sich über ihren „perfekten

Schwiegersohn“. „Und es war eine so

schöne Trauung“, Frau Linde tupft sich

die Tränen aus den Augen und umarmt ihren

Sohn. Johannes’ Oma verstand dagegen

die Welt nicht mehr: „Zwei Männer

vor dem Traualtar – ja geht das denn?“

Jetzt stehen sie hier, umringt von ihren

Lieben, und freuen sich, dass dies tatsächlich

möglich ist. Und weil sie im „Hafen

der Ehe“ lange verweilen wollen, erschien

ihnen eine Kreuzfahrt als Hochzeitsreise

mehr als symbolisch. „Schiff ahoi!“

Katja Tholen-Ihnen

www.gay-parship.de

Queer WEDDING 87


Gayvention ist eine

Hamburger Messe,

die die Vielfalt der

Gay-Angebote zeigen

will. Mit großem

Erfolg. Ein Höhepunkt:

Eine öffentliche Hochzeit.

Interview mit

Geschäftsführer

Johannes Bockmann

88 Queer WEDDING

Schlau

GEMACHT

Bei euch hat letztes Jahr ein schwules

Paar geheiratet – wie kam’s? Die Idee

kam uns zusammen mit Katja Kruse von

Gay Wedding. Wir haben überlegt, was Interessantes

auf der TV-Bühne stattfinden

kann. Da lag die Idee nahe, eine Hochzeit

zu realisieren. Das Feedback an Bewerbungen

war überwältigend, und nach intensiven

Gesprächen mit den Pärchen hatten

wir dann auch das Paar, Mario und

Lars (Foto oben), gefunden.

Und wie kam es an beim Publikum?

Eine schwule Hochzeit auf einer Messe

finden nicht alle gut, wobei nebenbei gesagt

auch einige generell vom Thema

Hochzeit Abstand nehmen. Auf der Gayvention

kam die Hochzeit jedenfalls super

an. Viele Hochzeitsgäste hatten Tränen in

den Augen. Anschließend beim großen

Feuerwerk war für uns klar: Die Hochzeit

war ein voller Erfolg!

Wie bist du auf die Idee mit der Gayvention

gekommen? Vor ungefähr drei

Jahren alberte ich mit einem guten Freund

herum, dass es ja eigentlich alles für uns

Schwule gibt. Aber noch keine Messe, wo

die Vielfalt von Gay-Angeboten präsentiert

wird.

Welches Ziel verfolgt ihr? Gayvention

ist eine Plattform, auf der jeder, egal ob

homo, bi, transgender oder hetero, die

Szene mit ihren zahlreichen Angeboten

kennen lernen kann. Darüber hinaus geben

wir Anbietern außerhalb der Community,

die uns nicht nur tolerieren, sondern wirklich

akzeptieren, eine Chance, Flagge zu

zeigen.

Wer kommt überhaupt auf die Messe?

Die Frage ist eher: Wer kommt nicht zur

Messe? Am letzten Märzwochenende werden

im Terminal Tango des Flughafens

Hamburg auf dreimal so viel Fläche 200

Aussteller dabei sein. Die Flirttipps des

Autors und Coachs Holger Doetsch sind

mindestens genauso spannend wie die

Businessangebote für Fachbesucher. Diese

erwarten unter anderem ein Vortrag der

Macher von Gayromeo sowie Workshops

H O C H Z E I T S

M E S S E

zum Thema Gay-Marketing. In diesem

Jahr sind noch mehr ausländische Aussteller

dabei. Über Mister B im Erotikbereich

wird sich sicherlich manch einer genauso

freuen wie über die Fachleute von Dermedis

für Laserenthaarung – da sind übrigens

kostenlose Tests. Mir wurde schon verraten,

dass einige der Aussteller Neuvorstellungen

und großzügige Messerabatte im

Reisegepäck haben werden.

Die Hochzeits-Area bietet was? Alles,

was die Herzen der Heiratswilligen bewegt.

Von der Limousine über Trauringe

bis hin zur individuellen Hochzeitsplanung.

Wer heiratet denn dieses Mal? Es kann

sich noch für die gesponserte Hochzeit bei

uns beworben werden. Wir sind jedoch

schon am Durchsehen der Bewerbungen

und führen intensive Gespräche. Bei der

Gayvention wird schließlich nur geheiratet,

wenn das Pärchen es auch ernst meint.

Gayvention, 27./28.3.,

alle Infos: www.gayvention.de


Roncalli-Hochzeit Der Weißclown Gensi und der Tenor Juan Antonio Vergel

gaben sich im Zirkuszelt von Gensis Arbeitgeber, dem Circus Roncalli, das Jawort.

Beide sind Katalanen, bei gleichgeschlechtlichen Eheschließungen ist die spanische

Regierung eine der liberalsten weltweit. So kam der Standesbeamte extra aus

Barcelona nach Düsseldorf, wo die Zeremonie stattfand. www.roncalli.de

Wedding-Messen – müssen die

sein? Ja, findet Katja Kruse von Gay

Wedding, die sich mit den von ihr organisierten

Hochzeitsmessen an

schwule und lesbische Paare richtet, die

Anregungen, Ideen und Ausstattungen

für ihren großen Tag suchen.

Sie findet solche

Events wichtig, „weil die

Intoleranz der Heteropaare

auf den anderen Hochzeitsmessen

nervt. Und

weil es Spaß macht!“

Mit dabei sind Aussteller

verschiedenster Gewerke

rund ums Thema. Selbst

ausprobieren? Das geht

bei den 3. Gay Wedding

Days in Hamburg, die im

Rahmen der Gayvention

stattfinden (siehe gegenüberliegende

Seite) und zum zweiten Mal auch in

Köln am 7. März im Pullman Hotel.

Ausführliche Infos:

www.gay-wedding.de

Rund

ums Fest

der

Feste

Hochzeitstorten … sind in der Regel

von einem Pärchen gekrönt. Wer das

nachmachen will, hat jetzt ein Problem

weniger, denn es gibt nun auch schwule

und lesbische Figurenpaare. Zwar nicht

zum Reinbeißen, weil nicht essbar, aber

auch ganz süß. Leicht übers Internet zu

beziehen. Dazu finden sich dort viele Infos

zum Thema. www.gl-wedding.de

Sunset Charter Okay, eine eigene

Yacht hat nicht jeder zuhause,

muss ja auch nicht sein, kann man ja

buchen. Die Haare im Wind, dazu

Champagner und

am besten ein romantischerSonnenuntergang.

Lässt sich besser

in den Hafen der

Ehe düsen? Echt

cool! Diese und

andere Ideen gibt’s hier:

www.jollydays.de

Ballonfahrt Brautpaare schweben

ja auch ohne Hilfsmittel im siebten

Himmel. Wer aber auch in echt hoch

hinauswill, bitte schön: In ganz

Deutschland finden sich Angebote,

mit einem Heißluftballon ins Glück

zu entschweben … Ein ungewöhnlicher

Spaß für mutige Bräutigame.

www.ballonservice.de

Queer WEDDING 89


Wie wird aus dem

Hochzeitsbankett ein

rundum gelungenes

Event? Ganz einfach:

Man muss wissen, was

man will. Und sollte

Fachleute fragen

Nach acht Jahren war es im

August 2008 so weit: Wir

hatten beschlossen, uns

verpartnern zu lassen.

Nun begannen die Überlegungen:

Wer wird eingeladen, wo und

wie wird gefeiert, was wird gegessen?

„Man sollte mindestens acht Monate vorher

die Location festlegen“, sagt Sven-

Valentin Malmstroem (1. v. l., kleines

Foto) von United Catering Services aus

Berlin, „dann erst kann man mit der inhaltlichen

Planung loslegen und sich Gedanken

über das Essen machen.“ Doch

schon die Vorbereitung schlauchte uns

mehr als die einer „normalen“ Feier. Das

kennen die Profis: „Die Betreuung bei einem

Hochzeitscatering ist intensiver”,

sagt Malmstroem, „Hochzeiten sind zeitaufwendiger

und emotionaler, machen dadurch

aber auch mehr Spaß.“

Jens Amelungse von der aroma-offensive

90 Queer WEDDING

Alles

PALETTI

aus Berlin empfiehlt: „Bei einer Hochzeit

sollte man Highlights bieten, etwas,

was im Gedächtnis bleibt, etwas, das es so

noch nie gegeben hat.“ Doch wie findet

man den perfekten Caterer für den perfekten

Tag? „Meist kommen unsere Kontakte

über Empfehlungen zustande“, sagt

Jens Amelungse, „denn anders ist es

schwer, Essen zu vermitteln. Menschen

brauchen den persönlichen Bezug, müssen

es geschmeckt haben.“

Die aroma-offensive bietet in der Nähe

des Berliner Hauptbahnhofs einen wechselnden

Mittagstisch, der mehrfach schon

als beste Kantine Berlins ausgezeichnet

wurde, beste Gelegenheit also, einmal

reinzuschmecken. Natürlich ist auch ein

Probeessen geeignet, um einander kennen

zu lernen – gegenseitig. Denn: „Es

geht dabei weniger um die Qualität“, sagt

Malmstroem, „sondern vielmehr um den

Geschmack und den Stil des Paares, damit

das Essen auch zum Paar passt.“

Wir entschieden uns für unsere Feier für

ein Catering vom Berliner Restaurant

„More“, oft genug hatten wir dort gegessen,

kannten Koch und Küche, wussten,

dass es passt. Wenn man nicht gerade Elizabeth

Taylor heißt, so ist die eigene

Hochzeit doch eine einmalige Erfahrung,

und man kennt sich nicht wirklich aus.

Zum Glück hilft der Profi: „Hochzeitspaare

neigen dazu, sich alles hübsch auszudenken,

und haben Ideen, die in der

Praxis nicht hinhauen“, meint Malmstroem,

„aber Hochzeitsfeiern haben ihre

eigene Dramaturgie, ein Sechs-Gang-

Menü und dann Party mit DJ, das klappt

nicht. Wenn man anschließend eine Party

will, sollte man sich für ein Vier-Gang-

Menü entscheiden, anschließend den

Nachtisch vom Buffet anbieten. Wenn

dann alle stehen, gibt es den Hochzeitstanz.

Anschließend kann man problemlos

zur Party mit DJ übergehen. Das funktioniert.“

Atmosphäre, Stimmung: Caterer

P E R F E K T E S

D I N N E R

sorgen nicht nur fürs Essen. „Essen ist

zwar eine nette Sache, aber die Stimmung

insgesamt ist viel wichtiger. Wenn Brautpaar

oder Freunde und Familie sich um

die dreckigen Teller kümmern müssen,

geht die nämlich schnell flöten“, sagt Oli-

Ab 20 Euro pro Kopf und einer Mindestzahl von 30 Personen ist schon ein schönes Buffet machbar. Natürlich sind nach oben keine Grenzen gesetzt …


ver Schneider vom „More“. Bei der Auswahl

der Speisen hatten wir unsere Gäste

im Hinterkopf, die nicht unbedingt Haute

Cuisine gewohnt sind – unser Geldbeutel

übrigens auch nicht.

Zum Glück muss man nicht Rockefeller

sein. Jens Amelungse sagt: „Ab 20 Euro

pro Kopf und einer Mindestzahl von 30

Personen ist schon ein schönes Buffet

machbar. Ohne Getränke, kein Hummer,

kein Kaviar, aber Lachs ist schon drin.“

Nach oben sind natürlich keine Grenzen

gesetzt.

Oliver Schneider, der für unser Catering

verantwortlich war, meint: „Alles ist

machbar, aber nicht alles ist gut. Wichtig

ist: Alle sollten Spaß an der Hochzeit haben.

Das Brautpaar kennt seine Gäste am

besten und kann das ganz gut beurteilen

und einschätzen, was geht und was nicht.“

Und Spaß, ja, Spaß hatten wir – auch dank

unseres erfahrenen Caterers, denn auch

für die Hochzeit gilt: Erfahrung ist der

beste Koch!

Clemens Glade

(seit August 2008 verpartnert)

www.ucs-berlin.de

www.aroma-offensive.de

www.more-berlin.de

Queer WEDDING 91


Was trägt Mann am

besten zur Hochzeit?

Einen Anzug, keine

Frage! Der aber muss

perfekt sitzen. Also

lässt man sich einen

Anzug schneidern

oder sich gut beraten

92 Queer WEDDING

Schön

BETUCHT

Es gibt kein anderes männliches

Kleidungsstück, das so

facettenreich ist wie der Anzug

und das immer wieder

die Brücke zwischen Tradition

und Moderne schlägt. Die Anfänge des

Anzugs machte der klassische Dreiteiler.

Früher gab es kein anderes angemessenes

Kleidungsstück für den Mann. Man unterschied

nur zwischen Straßen-, Geschäftsoder

dem Sakkoanzug für den Abend.

Zum Dreiteiler wurde stets die Fliege getragen.

Aus der sogenannten Krawattenschleife

(Fliege) hat sich dann die Krawatte

entwickelt. Heute trägt man je nach Lust

Krawatte, Fliege oder Stecktuch.

Seit dem Zweiten Weltkrieg kam eine

legerere Anzugvariante, nämlich die des

Zweiteilers, in Mode. Je nach dem vorherrschenden

Trend variierte die Form. In

den 1980er-Jahren zum Beispiel mit breiteren

Schultern und tief geknöpft. Auch

Accessoires wie die Krawatte variierten

von superdünn wie in den 1950er-Jahren

– oder Anfang 2000 mit der Slim-Mode

von Hedi Slimane bei Dior Homme – bis

extrabreit Mitte der 1960er- bis Mitte der

1970er-Jahre.

Da wir heute einen Pluralismus von Trends

haben, sind der individuellen Ausdruckslust

keine Grenzen mehr gesetzt. Einziger

Fixpunkt in dieser modischen Gleichung:

Ein Anzug muss dem Träger Würde verleihen,

er darf ihn nicht lächerlich machen.

Die Grenze ist fließend und wird gern einmal

von allzu eifrigen Designern und modewütigen

Individualisten überschritten.

Für Accessoires gilt das Gleiche. Denn sonst

wird der schickste Anzug schnell zum

Clownskostüm. Eine Krawatte zum Beispiel

sollte nur mit klassischen Mustern bedruckt

oder unifarben sein.

Einige Designer, die es mit ihren Kreationen

in diesem Frühjahr auf den Punkt

T I P P S F Ü R D E N

G U T E N A N Z U G

Warum nicht was Exquisites zur Hochzeit? Mann

lässt sich einen Anzug maßschneidern, wie hier

bei Cove & Co. Gibt’s in sechs deutschen Großstädten.

Garantiert ein Unikat! www.cove.de


Immer mehr Stars tragen Anzüge

des Labels Tom Rebl. Der deutsche

Designer hatte 2005 die Position

des Chefdesigners beim Modelabel

Andrew MacKenzie übernommen,

2008 gründete er in Mailand sein

eigenes Label – mit viel Erfolg. Hier

ein schicker Anzug aus der aktuellen

Sommerkollektion 2010, ein

Bestseller, den man unter

www.tomrebl.com bestellen kann P ERFEKT F ÜR

D EN A LLTAG

Der Anzug ist nicht nur etwas für feierliche Anlässe.

Einige Tipps in Sachen Passform und

Moden von den Fachmännern von Cove & Co.

SCHULTER

Nicht zu breit, nicht zu schmal! Die Sakkoschulter

sollte körpernah geschnitten sein. Das

Sakko sollte so aufliegen, dass sich weder die

Oberarme seitlich am Ärmel abmalen noch die

Ärmelnaht über die Schulter hinausragt.

ÄRMELLÄNGE

Ein sehr umstrittenes Maß. Die meisten Sakkoärmel

in Deutschland sind zu lang. Als Faustformel

empfiehlt sich, dass ein Zentimeter vom

Hemdärmel sichtbar bleibt.

BUNDWEITE

Die Hosenbundweite sollte so gewählt sein,

dass sich in der Vorderhose keine Querfalten

bilden. Sofern Bundfalten vorhanden sind, dürfen

diese nur leicht aufstehen. Beim Sitzen geben

sie mehr Bequemlichkeit.

SAKKOLÄNGE

Ist Moden unterworfen. Derzeit ist es hochmodisch,

ein kurzes Sakko zu tragen.

SCHRITTLÄNGE

Die Hose soll den Schuh „küssen“, nicht be -

decken. Deutsche Männer bevorzugen häufig

eine etwas längere Variante, die bis zum

Schubabsatz reicht.

gebracht haben, sind Z Zegna, Band of Outsiders

und Calvin Klein. Ihre Anzüge sind

außergewöhnlich und dennoch stilsicher.

Band of Outsiders versprühen mit ihrer

Spring-2010-Kollektion jugendlichen

Charme, kosmopolitisches Modebewusstsein

und unaufgesetzte Coolness. Calvin

Klein unterstreicht mit seinen kantigen Anzügen

die kraftvolle Ausstrahlung des Trägers

und interpretiert den sogenannten

Power Suit neu. Z Zegna lässt alte Zeiten

wieder aufleben und übersetzt sie in die Moderne

(Spring 2010). Ein Hauch von Exzentrik

schwingt in den extravaganten

Entwürfen mit, jedoch ohne die Grenzen

des guten Geschmacks zu überschreiten.

Die dritte Generation des italienischen

Herrenmodekonfektionärs hat die Brücke

zwischen Tradition und Moderne erfolgreich

geschlagen.

Annemarie Gassen

Queer WEDDING 93


Heiraten – und was

dann? Erst mal in die

Flitterwochen!

Queer Wedding hat

die ultimativen Tipps

parat – bunt gemixt

und vielfältig wie das

Leben eben auch.

Gute Reise!

94 Queer WEDDING

Perfekt

FLITTERN

Abfahren in Achenkirch

Manchmal warten die perfekten Flitterwochen

so gut wie vor der Haustür: Der

Tiroler Urlaubsort Achenkirch liegt gerade

mal 15 Minuten von der deutschen

Grenze am malerischen, von Bergen umgebenen

Achensee. Im Winter gibt’s dreifachen

Pistenspaß auf drei Skibergen, im

Herbst kann man 450 km Wanderwege

erobern – und im Sommer lässt es sich

rund um den See prima faulenzen. Verwöhntipp:

das Posthotel Achenkirch.

Nicht nur die größte Bade- und Thermenlandschaft

Tirols, auch die Haubenküche

zählen zu den Highlights.

www.achensee.info/achenkirch

www.posthotel.at

Geschäftige Basare, gigantische Paläste,

grenzenlose Wüste: Auf einem Trip durch

Marokko entdeckt man nicht nur eine

jahrtausendealte Kultur, sondern auch so

ziemlich alles, was den Mythos von 1001

Nacht ausmacht. Vor allem in den vier

Königsstädten Marrakesch, Meknès, Rabat

und Fés, wo einst Sultane residierten,

lebt die Tradition. Baden muss man allerdings

nicht nur in Kultur: In Essaouira

an der Atlantikküste können sich Märchenprinzen-

und -prinzessinnen auf königliche

Atlantikstrände freuen. Aber Obacht:

Einheimische Schwule leben

versteckt, Homosexualität ist illegal.

www.marokko.com

H O C H Z E I T S

R E I S E N

Traumziel

Christmas Island

Perth, die Hauptstadt Westaustraliens, ist allein

schon eine Hochzeitsreise wert. Aber

wer neben Großstadtdschungel auch Naturschauspiele

erleben will, sollte einen Abstecher

nach Christmas Island wagen (Flug

von Perth ab 300 Euro). Frisch Vermählte erwartet

ein Ereignis, das so einmalig ist wie

die Hochzeit selbst: Jedes Jahr im September

wandern Tausende roter Krabben von

den Wäldern zum Ozean, um dort ihre Eier

abzulegen. Die Insel besteht zu 63 Prozent

aus Nationalparks – und begeistert Naturliebhaber

aus aller Welt.

www.westernaustralia.com

Märchenhaft durch Marokko


Wüste Party in Palm Springs

Etwa zwei Autostunden von Los Angeles liegt mitten in der Wüste ein Ort, in dem man

sich traut: Palm Springs bietet nicht nur 350 Sonnentage pro Jahr, sondern auch 130

Hotels und Resorts, die sich für eine Hochzeits-Zeremonie anbieten, darunter mehr als

30 für gleichgeschlechtliche Paare. Vom ehemaligen Indianer-Dorf bis zum Heißluftballon

steht Heiratswilligen eine breite Palette unterschiedlicher Locations zur Wahl.

Die touristischen Attraktionen in der Umgebung (Canyons und National Parks) begeistern

nicht nur frisch Vermählte. www.palmsprings.org/weddings

-

Pura Vida in

Costa Rica

Wer in den Flitterwochen weder Naturerlebnisse noch

schwul-lesbische Kontakte missen möchte, dem sei ein

exotischer Geheimtipp in einem kleinen mittelamerikanischen

Land ans Herz gelegt: Vier Bus-Stunden von

Costa Ricas Hauptstadt San José liegt der Nationalpark

Manuel Antonio. Nicht nur Kapuzineraffen, Faultiere,

Waschbären und viele bunte Vogelarten bevölkern den

Park und die angrenzenden Strände, auch Schwule und

Lesben tummeln sich hier in Unterkünften mit traumhaftem

Blick in die Natur. Pura Vida im Mykonos Lateinamerikas!

www.manuelantoniopark.com/

Sonnige Hochzeit

auf Mallorca

Südafrikanische

Aussichten

Ibiza gilt bekanntlich nicht nur bei Schwulen und Lesben

als Party-Insel Nummer eins. Zwecks Ausrichtung der

vielleicht wichtigsten Feier im Leben kann man hingegen

getrost die Nachbarinsel Mallorca ansteuern: Hochzeitsfeiern

für homosexuelle Paare werden vom Unternehmen

Gay-Wedding-Mallorca mit allen Schikanen

arrangiert. Catering, Unterbringung, Location, Dekoration

– selbst Touren gehören zum Angebot: Die Geschäftsführerinnen

Angelica und Frauke erfüllen ab 15

Gästen alle Wünsche.

www.gay-wedding-mallorca.com

Wer einmal auf dem Tafelberg war,

wird die Aussicht nie wieder vergessen.

Kapstadt gilt als eine der

schönsten Städte der Welt – und so

auch als angemessene Location für

das schönste Fest des Lebens. Das Unternehmen

„Gay Affair“ hat sich dort auf

schwule und lesbische Hochzeitsfeiern spezialisiert

– und richtet diese auf Wunsch sogar

im Gebirge aus. Falls die frisch Vermählten genug

Großstadtluft geatmet haben: Das malerische Umland mit den vielen Weingütern sowie

die Garden-Route sind Garanten für spektakuläre Flitterwochen.

www.gayaffair.co.za | www.kapstadt.de

Luxus pur auf den Malediven

Schon mal was von Huvahendhoo gehört?

Nein? Liegt ja auch auf einer Insel der Malediven.

Dort lädt das neue Lily Beach Resort

& Spa zu einem ganz besonderen Erlebnis

ein – Luxus pur. Das schließt neben

kulinarischen Freuden auf höchstem Niveau

einen Ausflug auf eine unbewohnte

Insel und in Fischerdörfer ein. Dazu kommen

allerlei nicht-motorisierte Sportarten,

ideale Bedingungen zum Schnorcheln,

maledivische Tanzvorführungen und vieles

mehr. Die 119 luxuriösen Villen haben ein

zeitgenössisch edles Design mit inseltypischem

Flair. Freier Blick von Bett oder

Pool auf den Sonnenuntergang – hier kein

Problem! So fängt die Ehe prächtigst an.

Trau dich doch

mal in Halle

www.lilybeachmaldives.com

Sachsen-Anhalt ist nicht unbedingt jedermanns und jederfraus

erste Wahl in Sachen Hochzeits-Location. Doch

Halle, Kulturhauptstadt des Bundeslandes, bietet einen

guten Grund: Das Dorint-Hotel der 230.000-Einwohner-

Metropole an der Saale hat sich auf die Ausrichtung

schwuler und lesbischer Hochzeitsfeiern spezialisiert.

Und so manches Paar weiß die überschaubare, liebenswerte

Szene zu schätzen. Klar, dass beim Bummel mit

dem/der Liebsten durch die sanierte Altstadt mit Dom die

Romantik nicht zu kurz kommt.

www.halle.de | www.dorint.com/halle

Queer WEDDING 95


Illustration: Elke R. Steiner

96 Queer WEDDING

Kurz

UND GUT

Sie ist berüchtigt

und gefürchtet: die

Hochzeitsrede!

Ein Gespräch mit dem

Berliner Redenschreiber

Dirk Battermann

über Inhalt und Form,

Sinn und Tücken von

Festreden

Wozu werden überhaupt Reden auf einer

Hochzeit oder einer Verpartnerung

gehalten?

Mit der Begrüßungsrede eröffnen die

Brautleute das Fest. Die Tischreden – in der

Regel zwischen Vorspeise und Hauptgang

– haben den Sinn, den Gästen überhaupt

klarzumachen, warum das Paar heiratet.

Die meisten der Gäste, vor allem die Verwandten,

wissen nämlich überhaupt nicht,

wie sich die beiden kennen gelernt haben.

Außerdem ist es wichtig, die andere Familie

zu begrüßen. Bei Hochzeiten ist der

Trauzeuge des Mannes für die Planung zuständig,

wann wer redet.

Wer hält die Tischreden?

Traditionell die Väter. Mich hat aber auch

schon einmal eine Mutter angerufen, ihr

eine Rede zu schreiben. Sie hielt die Rede,

weil ihr Mann nicht gerne redet. Aber auch

die Trauzeugen halten Reden.

Man könnte auch per Beamer Fotos zeigen

oder einen kleinen Film … Ist es

überhaupt zeitgemäß, eine Rede zu

halten?

Das gesprochene Wort gilt noch immer.

Meistens funktioniert die Technik sowieso

nicht richtig, mehrere Leute machen sich

am Notebook und Beamer zu schaffen. Es

hängen komische Kabel herum, eine Leinwand

steht da, sieht alles grottenhässlich

aus. Mit einer Rede kann ich viel mehr

Persönliches vermitteln. Es geht auch darum,

eine Form von Nähe herzustellen.

Das kriegst du mit der ganzen Technik

nicht hin.

Was macht eine gute Rede aus?

Vor allem soll eine Rede kurz und prägnant

sein. Alles, was länger als 20 Minuten dauert,

ist langweilig. Die Rede sollte keine

Fremdwörter und keine verschachtelten

Sätze enthalten. Die Zuhörer müssen folgen

können.

Worauf ist inhaltlich zu achten?

Die Rede muss persönlich sein. Die Namen

sollten genannt werden. Es soll wirklich

um das Paar gehen. Auch Humor sollte in

der Rede enthalten sein. Das macht das

Ganze unbeschwert. Der rührendste Moment

einer Rede ist meistens, wenn ich

vom Heiratsantrag erzähle. Bei Heteros

sind es übrigens die Männer, die dann weinen.

Es ist ja auch ein entscheidender Moment

im Leben. Auf jeden Fall sollte es in

der Rede um die Liebe gehen. Man kann

erwähnen, dass zur Liebe auch gehört, Tiefen

durchzustehen, dass man an sich arbeiten

muss und nicht versucht, den Part-

S C H Ö N

G E S A G T!

ner zu verändern. Ein wichtiger Bestandteil

der Rede ist außerdem, gute Wünsche auf

den Weg zu geben.

Was ist noch wichtig?

Unverzichtbar ist es, einen guten Schluss

hinzukriegen, den sollte man wirklich

gründlich vorbereiten. Bei schlechten Reden

haben sich die Leute zwei, drei Stichpunkte

gemacht, und wissen dann nicht,

was sie sagen sollen.

Was sind die krassesten Fehler bei einer

Rede?

75 Zitate zu bringen. Zur Liebe hat ja jeder

etwas Kluges gesagt. Wenn jemand Zitate

aneinanderreiht, ist ihm nichts eingefallen.

Das ist nur peinlich. Auch Witze sollte man

keine erzählen. Wenn man ein Zitat bringt

– eines reicht! –, sollte man es auch kommentieren.

Ein Trauspruch sollte sich auf

beide Partner beziehen. Schlecht ist, wenn

die Rede am Thema vorbeigeht. Ich würde

auf einer Hochzeit nicht von Scheidung reden.

Es geht auch nicht, dass man sich über

die Verbindung lustig macht, etwa: „Ihr

macht das ja nur, um Geld zu sparen.“ Außerdem

sollte keiner schlecht gemacht werden.

Ein Vater sagte einmal bei seiner Rede,

er hätte nie gedacht, dass seine Tochter noch

einen abkriegt. Auch Überheblichkeit ist

zu vermeiden, etwa dass der Sohn einen

Physikpreis gewonnen hat und man selbst

Professor ist. Vor allem Männer neigen

dazu, sich in den Vordergrund zu drängen.

Was ist beim Vortrag der Rede zu beachten?

Man sollte nicht zu schnell sprechen und

Ruhe ausstrahlen, ruhig atmen, aber auch

nicht zu langsam sein. Deutlich und laut

sprechen, vor allem die Konsonanten am

Ende eines Wortes. Ich finde es besser ohne

Mikro, das ist persönlicher. Man sollte mit

dem ganzen Körper atmen, um eine gute

Stütze zu haben. Dabei hilft auch, mit beiden

Beinen fest auf dem Boden zu stehen,

statt herumzuhampeln. Augenkontakt ist

wichtig. Dabei sollte man nicht nur das

Brautpaar anschauen, sondern die ganze

Hochzeitsgesellschaft. Und lächeln! Es ist

eine Hochzeit und keine Trauerfeier.

Interview: Eckhard Weber

www.dirkbattermann.de


Scheiden TUT WEH

Was, wenn die Partnerschaft nicht lange hält?

Tipps zu Trennung und Scheidung

Will sich ein Lebenspartner – oder

wollen sich beide – scheiden lassen,

muss diese Scheidungsabsicht nicht

mehr öffentlich kundgetan werden.

Seit dem Jahre 2005 werden Lebenspartnerschaften

nach denselben Regeln aufgehoben,

wie Ehen geschieden werden.

Das bedeutet, dass die Partner in der Regel

seit mindestens einem Jahr getrennt

leben müssen, bevor beim Familienge-

richt der Scheidungsantrag eingereicht

werden kann. Das Trennungsjahr gibt den

Partnern Zeit, sich über die Folgen der

Scheidung zu einigen. Dazu gehört die

Aufteilung der gemeinsamen Wohnung

und des Hausrats.

Wenn die Partner zu den Scheidungsfolgen

nachpartnerschaftlicher Unterhalt

und Versorgungsausgleich nicht in einem

Lebenspartnerschaftsvertrag Regelungen

getroffen haben, werden diese ebenfalls

zu Scheidungsfolgen. Der Zugewinnausgleich

wird nur auf Antrag eines Partners

in das Verfahren aufgenommen. Die Partner

können und sollten also während des

Trennungsjahres über die Folgen der

Scheidung eine Einigung erzielen.

Der Scheidungsantrag muss von einer

Anwältin beziehungsweise einem Anwalt

eingereicht werden. Es müssen aber nicht

beide Partner vor Gericht anwaltlich vertreten

sein.

Leben in der Partnerschaft gemeinsame

Kinder, so müssen sich die Eltern vor der

Einreichung des Scheidungsantrages über

das Sorgerecht, das Umgangsrecht und

den Kindesunterhalt geeinigt haben. Das

Verfahren vor dem Familiengericht kann

binnen weniger Wochen abgeschlossen

sein. Wird über Scheidungsfolgen gestritten

oder wird der Versorgungsausgleich

durchgeführt, dauert dasVerfahren

entsprechend länger. Das Gericht beraumt

schließlich einen Termin an und spricht

am Ende der Sitzung das Urteil – die Lebenspartner

sind dann geschieden.

Alexandra Gosemärker

Die Autorin ist Rechtsanwältin in Berlin

(www.kanzlei-gosemaerker.de) und Autorin

des Buches „Erst Recht! Der Ratgeber

zu allen Rechtsfragen rund ums

Zusammenleben”, erschienen im Querverlag.

Ein ausführlicher wie aktueller Überblick

über alle rechtlichen Belange bei einer

Verpartnerung hierzulande sowie in aller

Welt auf www.queer-wedding.de.

QUEER WEDDING ist eine Verlagssonderveröffentlichung von

Jackwerth Verlag GmbH & Co. KG und erscheint

in den Zeitschriften DU&ICH, L-MAG und SIEGESSÄULE.

REDAKTION: Andreas Hergeth (V.i.S.d.P.)

GRAFIK: Norbert Günzel, Oliver Miersch

COVERFOTO: Norbert Bröscheler/gay-Parship

COPYRIGHT Jackwerth Verlag GmbH & Co. KG, 2010

QUEER WEDDING im Internet: www.queer-wedding.de

Queer WEDDING 97


Mann

H O C H Z E I T

M A C H T S P A S S

BLEIBT DA!

Unser Autor Frank Pascher erklärt, was so schön am Heiraten ist,

allen Unkenrufen von schwulen Freunden zum Trotz


„Ich kann das Wort Hochzeit nicht mehr hören, da

fehlt mir ein Funke an Selbstironie, trotz aller Sympathie auch für deinen

Mann.“ – So kann ein Glückwunsch zur Hochzeit auch ausfallen – und einer

langjährigen Freundschaft den finalen Todesstoß versetzen. Vielleicht war es ja keine

Freundschaft. Vielleicht war es nur ein Generationenpakt, ein Versuch, sieben Jahre Unterschied

zwischen zwei befreundeten Homos zu überwinden. War aber ein Flop. Und damit bin ich – der Jüngere

– mittendrin in den Feierlichkeiten. Um die Stimmung nicht ganz zu versauen, lege ich an dieser Stelle

gleich mal die Uptempo-Titel vom DJ zum begeisterten Ausrasten auf und singe: Ja! Ja! Ja! Und nochmals Ja!

Ich würde es immer wieder tun: heiraten! Am besten einmal im Jahr! Denn es macht Spaß, auch wenn es Menschen

– mich eingeschlossen – gibt, die nicht präzise wissen, was es nun genau ist: Verpartnerung? Verpartnerisierung? Verpaarung?

Ist schließlich ein verbaler Kraftakt, dafür das richtige Buchstaben-Klangbild zu finden, denn „Hochzeit“ darf ich

offiziell gar nicht benutzen – da kriege ich Schimpfe! Und nicht nur von meinem an mangelnder Selbstironie leidenden Ex- bestem-

Freund. Auch von der Regierung. Wenn es nach denen geht (und nach denen geht es), bin ich seit dem Tag, der tatsächlich einer

der schönsten in meinem Leben war, noch ledig. Obwohl es sich anders anfühlt. Und es fühlt sich gut an. Einen Tag nach dem offiziellen

Akt – alle sind gekommen, alle 40 Zaungäste und engsten Freunde, auch der mit ohne Selbstironie – spüre ich, dass nicht nur der

Ring an meinem Finger den Stolz in meine Brust pumpt, sondern dass auch ohne Ring etwas da ist. So ein Glanz, den man nicht sieht. So eine

wohlige Erdung. Es lässt sich am besten benennen mit dem gründlich genutzten „Angekommen-sein“, auch wenn es das nicht trifft. Der Mann ist

da. Da war er schon vor fünf Jahren. An meiner Seite. Mit seinen schlechten Schlafmanieren. Der Mann bleibt da. So hat er es versprochen. Auf dem

Standesamt. Und ich habe mich natürlich auch gefragt, warum ich dieses Spektakel so gewollt habe. Einmal Prinzessin spielen? Blödschwule, meist

Schwervermittelbare, Frühergeborene und Unglückliche kotzen anlässlich der Bekanntgabe des Heiratswillens sehr ungefragt den Satz: „Ach, du wolltest

doch nur mal das enge Armani-Kleid tragen!” Wie spießig von denen, so klischeehaft zu denken. Es wäre eins von Dolce & Gabbana gewesen! Im

Ernst: Ich wollte nie eine Frau sein und auch immer einen Mann an meiner Seite. Das hat geklappt. Er tut mir gut. Und ich ihm auch. Manchmal geht

es mir nicht gut. Dann ist er für mich da und verpisst sich nicht. Das habe ich nun schriftlich. Mehr als einmal fiepte es in meinen Ohren: „Dafür haben

wir nicht gekämpft!“ Der Satz gilt hier nicht. Die Zeit von Bertolt Brecht und „Trommeln in der Nacht“ sind vorbei. Das Private ist nicht politisch.

Nicht an dieser Stelle. Ich bin so wund an der Stelle, an der ich mich für meine privaten Angelegenheiten auch noch vor meinen Freunden rechtfertigen

muss. Die letzten 20 Jahre nach meinem Coming-out haben mir gereicht. Ich bin müde. Mir stellt sich gleichwohl die Frage, wofür die Damen

Herren denn bitte schön gekämpft haben. By the way: Ich habe auch gekämpft, aber offensichtlich für etwas anderes als die anderen. Sie wollten

offenbar die Freiheit von etwas. Und – scheiß die Wand an – ich wollte immer die Freiheit zu etwas (hab ich von Sartre geklaut, dem alten

Existenzialisten). Die Freiheit, zu entscheiden, was ich will und was nicht. Das heißt aber nicht, im 3-Tage-Rhythmus durch sämtliche Ärsche

der Republik zu rocken. Mein untertänigster Verdacht: Männer mit Borderline-Syndrom und anders Geschädigte – weil sie sich nicht anders

zu helfen wissen – wollen aus ihrer komplizierten Lebenssituation ein Politikum machen. Damit will ich die sogenannte Bewegung nicht

♥in Misskredit bringen. Ohne die stünde ich jetzt immer noch mit Angst im Nacken auf dem Klo und böte mein Glied dem Nächstbesten

feil. Nee, nee! War schon gut so. Ein bisschen scheint es den Berufsandersseinwollern einzig um hedonistische

Verantwortungslosigkeit und dauerhafte sexuelle Verwertbarkeit in Heuschreckenmanier zu gehen. Meinetwegen.

Dafür gibt es ja Kindergärtnerinnen. Die wiederum hatten bei unseren 70 Abendgästen auf der

glamourösen Party offenbar ganze Arbeit geleistet. Sie waren alle ganz anständig, schrieben ungewöhnlich

gefühlige Karten, waren lieb und so, wie ich sie gern immer hätte. Erwachsen, wie einer

der Gäste später schrieb: „Zum Glück war keiner dabei, der seine Crazyness noch unter Beweis

stellen musste.“ Gott sei Dank kam niemand auf die Idee, in eine Regenbogenfahne gewickelt

„I am what I am“ zu singen, aber solche kenne ich auch nicht. Und der, der das getan hätte, kam

offiziell wegen unüberwindbarer Kopfschmerzen nicht. Nach genauerem Nachfragen

wurde daraus mangelnde „Selbstironie“, die ihn auf dem Sofa liegen ließen.

Da kann er jetzt auch meinet wegen auch bleiben …

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