(Streifenlockerung) – eine Alternative zur Mulch - bei der GKB eV

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(Streifenlockerung) – eine Alternative zur Mulch - bei der GKB eV

Impressum

Herausgeber: Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Kölnische Straße 48 50, 34117 Kassel

Internet: www.llh-hessen.de

Bearbeitung: LLH-Beratungsteam Pflanzenbau

Layout: Jennifer Kolling, LLH

Druck: Statistisches Landesamt Hessen

Schutzgebühr: 10,00 €


Inhalt

Grußwort 4

Bodenschutz durch konservierende Bodenbearbeitungsverfahren 5

Betriebsreportagen: 7

Betrieb Conterra KG 7

Betrieb Frank Käufler, Römersberg 8

Betrieb Leiter GbR (Leiterhof) 10

Betrieb Dr. Dietmar Schmidt, Buseck-Beuern 11

Betrieb Jörg Wagner, Dauborn 13

Einfluss pflugloser Anbausysteme auf die Bodenstruktur 15

Neue Entwicklungen in der Mulch- und Direktsaattechnik 17

1. Mulchsaat 17

2. Strip Tillage 18

3. Direktsaat 19

3.1 Scheibenscharsämaschinen 20

3.2. Zinkenscharsämaschinen 20

3.3 Systemvergleich Direktsaattechnik 22

3.5 Neue Entwicklungen in der Direktsaattechnik 24

Strohmanagement Schlüsselrolle in pfluglosen Anbausystemen 26

Strategien entwickeln 26

Auswirkungen auf den Pflanzenbau 29

Zusammenfassung: 31

Strip-Till (Streifenlockerung) eine Alternative zur Mulch- und Direktsaat 32

3


Grußwort

Sehr geehrte Damen und Herren,

herzlich willkommen zum Feldtag „Konservierende Bodenbearbeitung“

in Buseck-Beuern, einer gemeinsamen Veranstaltung

von Beratungskuratorium, der Gesellschaft für konservierende

Bodenbearbeitung und dem Landesbetrieb

Landwirtschaft Hessen.

„Wie die Saat, so die Ernte“, diese alte Bauernweisheit trifft

im Grunde auf alle Arbeitsgänge von Bodenbearbeitung und

Aussaat zu. Dabei müssen die Maßnahmen der Bodenbearbeitung

und der Aussaat im gesamten System im Ackerbau

betrachtet werden, das viele Details umfasst, z. B. Bodenbearbeitungsintensität

und tiefe, Sortenwahl, Aussaatzeitpunkt

sowie die Wahl geeigneter Anbaumaßnahmen der

Düngung und des Pflanzenschutzes. Ziel ist ein gutes wirtschaftliches

Ergebnis bei optimalen Erträgen und angemessenem

Aufwand.

Jahr für Jahr gilt es, mit der vorhandenen Technik auf den verfügbaren Flächen

optimale Bestände zu etablieren und zu führen. Wird in neue Technik investiert,

muss diese ins Anbausystem passen. Bei den aktuellen Anschaffungskosten für

Bodenbearbeitungs- und Aussaattechnik und der gleichzeitigen Anforderung nach

kostengünstiger Produktion muss die vorhandene Technik optimal eingesetzt und

hoch ausgelastet sein. Dies gilt besonders vor dem Hintergrund der aktuellen Erlössituation

im Marktfruchtbau, wo nach einer kurzen Hochphase der Erlöse gefolgt von

einer Phase hoher Vorleistungskosten die Margen eng sind.

Der heutige Feldtag soll daher Einblick in Details von Anbausystemen der konservierenden

Bodenbearbeitung geben und aufzeigen, in welche Richtungen Entwicklungen

gehen. Gleichzeitig bietet der Feldtag die Gelegenheit, im Praxisteil Technik

anschaulich zu erleben. Aus meiner Sicht liegt ein besonderer Wert solcher Veranstaltungen

neben den fachlichen Beiträgen im intensiven Erfahrungsaustausch

zwischen Praktikern, Beratern, Wissenschaftlern und Technikvertretern.

Ich danke den beteiligten Firmen für die gute Zusammenarbeit, Herrn Dr. Dietmar

Schmidt als gastgebendem Betriebsleiter mit langjähriger Erfahrung in der konservierenden

Bodenbearbeitung für die Zurverfügungstellung der Demonstrationsflächen

und die gute Unterstützung sowie den Mitarbeitern und Referenten, die vor, während

und nach der Veranstaltung das Gelingen einer hervorragenden Fachveranstaltung

ermöglicht haben.

(Andreas Sandhäger)

Direktor

4


Bodenschutz durch konservierende Bodenbearbeitungsverfahren

Marco Schneider, LLH Hofgeismar

Böden sind eine knappe und nicht erneuerbare natürliche Ressource. Nicht zuletzt

belegt die aktuelle Marktsituation diese Aussage. Das Bundesbodenschutzgesetz

vom 17. März 1998 zielt deshalb in dem für die Landwirtschaft besonders wichtigen

§ 17 auf die Erhaltung bzw. Wiederherstellung der Bodenfunktionen, die sich im Wesentlichen

als Produktionsfunktion (Biomasse, Ertrag), Lebensraumfunktion (Mensch,

Flora, Fauna) und Regelungsfunktion (Wasserkreislauf, Stoffumwandlung u. a.) beschreiben

lassen. Die Vorsorgepflicht der Landwirtschaft wird durch die Einhaltung

folgender Punkte weitgehend erfüllt:

- Erhaltung und Verbesserung der Bodenstruktur

- möglichst weitgehende Vermeidung verfahrensbedingter Bodenverdichtungen

- die weitgehende Vermeidung von Bodenabträgen

- Erhaltung naturbetonter Strukturelemente in der Feldflur

- Erhaltung und Förderung der biologischen Aktivität des Bodens

- Erhaltung des standorttypischen Humusgehaltes des Bodens

Mit Verfahren der konservierenden Bodenbearbeitung werden diese Grundsätze

weitgehend erfüllt. Durch lockernde und mischende Werkzeuge werden Erntereste

mit dem Boden vermischt, die Struktur des Bodens bleibt weitgehend erhalten, das

Bodengefüge wird „konserviert“. Ernterückstände und Zwischenfruchtreste verbleiben

vermehrt an der Bodenoberfläche und üben dort verschiedene Wirkungen aus.

Je mehr organisches Material den Boden bedeckt, umso geringer sind Bodenerosionsereignisse

(Tab. 1),

12

2

Bild 1: Regenwurmaktivität auf einer 10- jährig

pfluglos bestellten Fläche

4

1

5

3

8

6

9

7

10

11

12 biogene Grobporen auf

0,04 m²

= bis zu 275 Grobporen

pro m²

die Verschlämmungsgefahr

sinkt, die Regenwurmaktivität

(Bild 1)

steigt. Dadurch entsteht

ein stabiles Porensystem

im Boden, womit die Wasserinfiltration

verbessert

wird. Ohne Bodenbedeckung

werden Wind- und

Wassererosion gefördert

(Tab. 1), etwa 45 % der

Niederschläge unterliegen

dem Oberflächenabfluss.

Über 70 % Bodenbedeckung

verhindert die Erosion

fast vollständig, führt

aber wegen der hohen

Strohmengen oder Zwischenfruchtmassen zu pflanzenbaulichen Problemen der

Saatguteinbettung und des Feldaufganges bei Folgekulturen. Auf stärker erosionsge-

5


fährdeten Flächen sollte deshalb eine Bodenbedeckung von 30 50 % gewährleistet

sein, während auf weniger gefährdeten Flächen eine intensive Vermischung der organischen

Reste mit dem Boden erfolgen kann, um z. B. konventionelle Sätechnik

einsetzen zu können. Mit der Verringerung des Oberflächenabflusses reduzieren sich

auch die Einträge von Pflanzenschutzmitteln und Nährstoffen.

Tab.1: Beispiel für den Einfluss der Bodenbedeckung mit Ernteresten auf den

Abfluss und Bodenabtrag (Relativwerte auf der Basis 10-jähriger Messungen)

6

Bodenbedeckung

%

Verfahren Abfluss der Regenmengen

in %

Abgetragene Bodenmenge

in %, gemessen an der

Pflugparzelle

0 Pflug 45 100

ca. 20 bis 30 Mulchsaat-

40 25

ca. 30 bis 50 verfahren


Betriebsreportagen:

Betrieb Conterra KG

Lage Nördliche Wetterau

Böden Meist degradierter Lößlehm aber auch Parabraunerden und flachgründiger

Basaltverwitterungsboden

Betriebsdurchschnitt 70 Bodenpunkte

Betriebsgröße 270 ha

Fruchtfolge Raps-Winterweizen-Winterweizen

Seit wann wird

pfluglos gearbei- In 2000 wurde der Pflugeinsatz konsequent abgeschafft.

tet?

Was waren die Das Kostenbewusstsein und die Tatsache, dass durch die Gründung

Gründe ? der Betriebsgemeinschaft unter Beibehaltung des Pflügens eine weitere

Zugmaschine notwendig gewesen wäre. 9 Jahre nach der Neuorganisation

des Betriebes, einer Umstellung der Bodenbearbeitung

sowie der gezielten Vermarktung findet Herr Reuhl Bestätigung durch

die gute Bewertung bei horizontalen Betriebszweigvergleichen.

Welche Probleme Die Bekämpfung von Schnecken und Mäusen erfordert größere Auf-

haben sich damerksamkeit.durch ergeben? Die hauptsächlich auftretenden Blattkrankheiten Septoria tritici und

DTR sind unter Beachtung der Möglichkeiten der Ackerhygiene gut

zu kontrollieren. Bei den ersten Erfahrungen aus dem letzten Jahr mit

Direktsaat auf den Betriebsflächen wird jedoch deutlich, dass hier

vom Rand besonders auf den kleinen Schlägen die Ungrasproblematik

zunimmt.

Welche Bedeu- Nach Aussagen des Betriebsleiters hat die Technik große Bedeutung

hat die tung, besonders bei sehr flache Bearbeitung/Direktsaat und enger

Technik? Fruchtfolge. Herr Reuhl hat sich unter diesen Verhältnissen für eine

Zinkenscharmaschine (Köckerling Ultima) entschieden. Diese räumt

Ernterückstände im Vergleich zu Scheibenscharmaschinen aus der

Saatrille. Das ist besonders bei engen Fruchtfolgen mit wenig Zeit zur

Strohrotte von Vorteil. Für die Zukunft verspricht sich Herr Reuhl

nach den ersten Erfahrungen mit GPS gestützten Techniken eine

weitere Verbesserung der Arbeitsqualität.

7


Was hat sich geändert,

durch die

Umtstellung auf

pfluglose Bodenbearbeitung?

8

Die Flächen des Betriebes zeigen deutlich weniger Erosion. Ein Problem,

was in der Wetterau immer wiedervorkommt. Die Stückkosten

sind deutlich niedriger, als in vergleichbaren Ackerbaubetrieben. Bestes

Beispiel für die Einsparungen ist der durchschnittliche Dieselverbrauch

von nur 54 Liter je Hektar im Betrieb der Conterra KG. Häufig

werden bei der wendenden Bodenbearbeitung mit dem Pflug 70-80

% mehr verbraucht.

Betrieb Frank Käufler, Römersberg

Betriebsform Ackerbau im Nebenerwerb

Lage Römersberg, Höhenlage 220 bis 280 m, ca. 600 mm Niederschlag/Jahr;

Jahresdurchschnittstemperatur 8,5 °C

Böden Buntsandsteinverwitterung, sandiger Lehm aus Buntsandsteinverwitterung

Betriebsgröße 18 ha

Fruchtfolge Bis 2006 2007 2008 2009

Seit wann

wird pfluglos

gearbeitet?

Was waren

die Gründe?

Winterraps 25 % Winterraps 26 % Winterraps 30 % Winterraps 31%

Grassamenvermehrung

16%

Winterweizen 59

%

Ackerbohnen

17%

Winterweizen 57

%

Ackerbohnen 12

%

Winterweizen 58

%

Winterweizen 59

%

Seit 1994, die ersten Erfahrungen mit der Mulchsaat haben ich im Zuge der

Ausbildung 1987 im Rübenanbau (pfluglos nach Zwischenfrucht) gesammelt.

In meinem Betrieb spielt die Wassererosion auf stark hängigem Gelände

eine besondere Rolle. Insbesondere der Rapsanbau hat unter diesen Verhältnissen

deutlich gelitten. Darüberhinaus hat mich an dem Bewirtschaftungssystem

die deutlich bessere Energieeffzienz (geringerer Dieselverbrauch)

interessiert.


Welche Probleme

haben

sich dadurch

ergeben?

Wie haben

sich die

Erträge entwickelt?

Was hat sich

durch den

Pflugverzicht

ackerbaulich

zum Positiven

geändert?

Wie bestimmen

Sie die

notwendige

Bodenbearbeitungsintensität?

Welche Bedeutung

hat

die Technik

für Mulchsaatverfahren?

Wie sieht die

Zukunft der

Bodenbearbeitung

aus?

.

Aufgrund der Schleppschartechnik der Drillmaschine habe ich z.T. Probleme

bei der genauen Saatgutablage. Sonstig diskutierte Problembereiche,

wie Strohmanagement oder verzögerte Bodenerwärmung habe ich auf

meinem Betrieb nicht feststellen können.

Ich habe seit der Umstellung keine wesentliche Ertragsreduktion feststellen

können. Darüber hinaus bin ich der Meinung, dass Jahres- und Fruchtfolgeeffekte

bei meinen flachgründigen Böden eine deutlich größere Rolle

spielen, als die Art der Bearbeitung.

Ich verzeichne keine schwerwiegenden Erosionsereignisse mehr.

Die Bearbeitungsintensität wird durch den Strohanfall der Vorfrucht bestimmt.

Je mehr Stroh, umso intensiver muss die Bodenbearbeitung gestaltet

werden. Darüber hinaus spielt das Mäuse- und Schneckenaufkommen

eine Rolle wie intensiv tief gearbeitet wird. Nach einer sofortigen ersten flachen

Stoppelbearbeitung (Spatenrollegge) folgt eine tiefere zweite Bearbeitung

mit einem mehrbalkigen Grubber. Den sehe ich als wesentliches Element

der guten Durchmischung von Boden und Ernteresten an.

Wichtige Aspekte sind für mich: Lockern, Mischen, Rückverfestigen und die

genaue Saatgutablage.

Die Bodenbearbeitung sehe ich immer im Zusammenhang mit dem Anteil

von Weizen in der Fruchtfolge. Je höher der Weizenanteil, umso höher ist

die Bearbeitungsintensität (ein- bis zweimal flach, einmal tief).

9


Betrieb Leiter GbR (Leiterhof)

Lage Lahn-Dillbergland, Hohenahr Hohensolms, nördlich von Gießen,

Höhenlage NN 300 420 m

Böden 70 % Verwitterungsböden (Tonschiefer ab 20/30 cm Ausgangsgestein);

30 % Alluvialböden in Tallagen

Betriebsgröße 370 ha gesamt, 280 ha Acker, 90 ha Grünland

Fruchtfolge W- Raps - W- Weizen - W- Weizen - W- Gerste

Seit wann

wird pfluglos seit 1994

gearbeitet?

Was waren

die Gründe?

Welche Probleme

haben

sich dadurch

ergeben?

Wie haben

sich die Erträgeentwickelt?

Was hat sich

durch den

Pflugverzicht

ackerbaulich

zum Positiven

geändert?

10

Mehrere Erosionsereignisse auf den meist hängigen Ackerflächen

haben den Betriebsleiter zur pfluglosen Bodenbearbeitung gebracht.

Daneben ist in dem wachsenden Familienbetrieb Arbeitszeit ein entscheidender

Faktor. Mit der pfluglosen Bodenbearbeitung konnten

die Arbeitsspitzen deutlich reduziert werden. Zudem können bei der

steigenden Bedeutung der Energiekosten weitere Vorteile bei einer

geringeren Bearbeitungsintensität genutzt werden.

Bisher waren unter Berücksichtigung einer standortoptimalen Aussaat

und Bestandesführung alle pflanzenbaulichen Probleme kontrollierbar.

Verursacht durch technische Fehler war während der Umstellung ein

Rückgang zu verzeichnen. Seit 2001 liegen die Erträge stabil im allgemeinen

Trend mit vergleichbaren Standorten.

Schon nach kurzer Zeit hat sich der Bodenabtrag durch Wassererosion

deutlich verringert. Besonders nach Trockenperionden versickert

auf Betriebsflächen das Regenwasser besser. Auch die Wasserhaltefähigkeit

der Böden ist wesentlich gesteigert. Die höhere

Tragfähigkeit der Böden ist auf den Pflugverzicht zurück zu führen.


Wie bestimmen

Sie die

notwendige

Bodenbearbeitungsintensität?

Welche Bedeutung

hat

die Technik

für Mulchsaatverfahren?

Je nach Bodenzustand wird nach einem flachen Bearbeitungsgang

mit einer Kurzscheibenegge ein mehrbalkiger Grubber bis zu 15 cm

tief eingesetzt. Unter feuchten Bedingungen wird jedoch kein tieferer

Bearbeitungsgang durchgeführt, um Schmierhorizonte zu vermeiden.

Die tiefere Bearbeitung dient auch dazu, Grundnährstoffe

gleichmäßig in die Krume einzuarbeiten.

Im Betrieb können sowohl Scheiben- als auch Zinkenwerkzeuge

eingesetzt werden. Diese Flexibilität hält Herr Leiter auf dem schwierigen

Standort für sehr wichtig.

Betrieb Dr. Dietmar Schmidt,

Buseck-Beuern

Betrieb Ackerbaubetrieb, 150 Mastschweine für Direktvermarktung

Lage Gießener Becken/Vorderer Vogelsberg

Böden Größtenteils Basaltverwitterungsböden (sandige bis tonige Lehme)

40 60 Bodenpunkte

Betriebsgröße 160 ha gesamt, 150 ha Acker, 10 ha Grünland

Fruchtfolge W- Raps/Erbsen - W-Weizen - W-Weizen - W-Gerste

Seit wann

wird pfluglos seit 1985 nach Raps, seit 1990 konsequenter Verzicht auf den Pflug.

gearbeitet?

Was waren Die Gründe für die Umstellung der Bodenbearbeitung waren durch

die Gründe? mehrere Faktoren beeinflusst, zum einen der arbeitswirtschaftliche

Aspekt um Arbeitszeit zu sparen, zum anderen den Boden zu schonen

und zu verbessern. Desweiteren wurde Herr Dr. Schmidt durch

Herrn Dr. Tebrügge von der Uni Gießen inspiriert auf die pfluglose

Bodenbearbeitung um zu stellen, da die Versuche der Uni sehr viel

versprechend waren.

Welche Pro- Zu Anfang sind hier die Trespen zu nennen die optisch wie natürlich

bleme haben dann auch ertraglich Probleme bereiten konnten. Mit einem konse-

sich dadurch quenten Einsatz von Round up, mit dem Anbau von Erbsen und

ergeben? dem Einsatz von Gräsermitteln im Raps konnte der Besatz relativ

11


Wie haben

sich die Erträgeentwickelt?

Was hat sich

durch den

Pflugverzicht

ackerbaulich

zum Positiven

geändert?

Wie bestimmen

Sie die

notwendige

Bodenbearbeitungsintensität?

Welche Bedeutung

hat

die Technik

für Mulchsaatverfahren?

12

niedrig gehalten werden. Mit der Entwicklung von Monitor und Attribut

wurde eine weitere Reduzierung in den Beständen erzielt. Bis

heute ist der Besatz von Trespen in den Flächen sehr niedrig, sicherlich

auch deshalb weil eine angepasste Bodenbearbeitung, eine

ausgedehnte Fruchtfolge und der Einsatz der Pflanzenschutzmittel

eine Ausbreitung verhindert haben.

Ein weiteres Problem war das Auftreten von Schnecken nach Raps,

die das Getreide stark schädigten. Aber auch hier hat der konsequente

Einsatz von Schneckenkorn in Verbindung mit einer guten

Rückverfestigung den Schaden in Grenzen gehalten.

Die Bedeutung der Getreidekrankheiten ist weiterhin sehr hoch, ein

verstärktes Auftreten von DTR im Stoppelweizen konnte nicht beobachtet

werden.

Die Erträge haben sich zu keiner Zeit verschlechtert und liegen auf

dem Niveau der pflügenden Betriebe.

Die ackerbaulichen Probleme konnten in allen Fällen entweder beseitigt

oder minimiert werden, so dass aus heutiger Sicht die Umstellung

sehr viele positive Aspekte gebracht hat. Aus heutiger Sicht hat

sich der Arbeitszeit- und Maschinenbedarf stark reduziert, so dass

nur noch ein Schlepper auf dem Betrieb ist, nur bei Bedarf wird noch

ein Leihschlepper zur Arbeitserledigung herangezogen.

Als weiterer positiver Aspekt ist die gute Befahrbarkeit der Böden zu

bewerten, auch unter feuchten Bedingungen sind Pflegemaßnahmen

wie spritzen oder Dünger streuen oft noch möglich.

Die Erosion ist unter normalen Witterungsbedingungen praktisch auf

null zurückgegangen.

Die Erfahrung der letzten 20 Jahre hat dazu geführt, dass heute

zwei Bodenbearbeitungen durchgeführt werden, nach der Ernte eine

flache mit der Kurzscheibenegge und dann je nach Bodenzustand

eine tiefe (flexibel) mit dem Grubber.

Durch die Entwicklung von Drilltechnik, die eine exakte Ablagetiefe

in Verbindung mit hohen Arbeitsgeschwindigkeiten kombinierte,

wurde diese Technik eine wichtige Säule im Hinblick auf gleichmäßige

Pflanzenbestände mit einer hohen Auflaufrate, eine Erhöhung

der Flächenleistung war hierdurch möglich. Herr Dr. Schmidt sieht

im Moment keine Alternative zur Mulchsaat, d.h. eine weitere Reduzierung

der Bodenbearbeitung ist auf seinem Betrieb kein Thema.

Deshalb wird auch die zweimalige Bodenbearbeitung vor der Aussaat

unter den jetzt vorherrschenden Bedingungen beibehalten. Aus

seiner Sicht könnte Round up ein Problem werden, wenn es verboten

würde. Round up ist ein Baustein in der konservierenden Bodenbearbeitung

und sollte unter allen Umständen auch in Zukunft

der Landwirtschaft zur Verfügung stehen.


Betrieb Jörg Wagner, Dauborn

Betrieb Ackerbaubetrieb

Lage „Goldener Grund“ des Landkreises Limburg-Weilburg zwischen

Westerwald und Taunus. Höhenlage 180 bis 300 m ü. NN, im Mittel

600 mm Niederschlag; Durchschnittstemperatur 10,5 ºC.

Böden vorwiegend sandige Lehmböden mit 20-30% Tongehalt; 30-70 BP

Betriebsgröße 212 ha Acker, zusätzlich 97 ha Acker im Lohn

Fruchtfolge Bei der heutigen Fruchtfolge mit wird ein nicht zu enger Rapsanbau

berücksichtigt. Der Anbau einer Sommerung in der Fruchtfolge bietet

nach Auffassung des Betriebsleiters außerdem Vorteile bei der

Bekämpfung von Ackerfuchsschwanz und Trespen gegenüber der

Winterung.

WW-WW-SG-WRaps-WW-WW-WRaps

Seit wann

wird pfluglos seit 1996

gearbeitet?

Was waren Aufgrund der auftretenden Vorsommertrockenheit in dieser Region

die Gründe? und dem damit einhergehenden Zusammenbrechen der Bestände

entschloss sich der Betriebsleiter 1996 zum Pflugverzicht bei der

Bodenbearbeitung. Primäres Ziel war die Verbesserung der Wasserhaltefähigkeit

seiner Böden, es wurde parallel begonnen einmal

in der Fruchtfolge organischen Dünger einzusetzen. Ein weiterer

Grund für die Mulchsaat war ein Entzerren von Arbeitsspitzen bei

der Bodenbearbeitung, die Betriebsfläche ist typisch für Mittelhessen

kleinparzelliert.

Welche Probleme

haben

sich dadurch

ergeben?

Wie haben

sich die Erträgeentwickelt?

Die Verungrasung mit Trespen hat neben dem Schnecken- sowie

Mäusedruck seit der Umstellung der Bodenbearbeitung vor allem in

den Randbereichen der Schläge deutlich zugenommen. Dabei versucht

der Betrieb mit konsequentem Einsatz von Kerb in Winterraps

sowie speziellen Randbehandlungen im Getreide der Trespenvermehrung

entgegenzuwirken.

Ziel des Betriebes war es durch die Verbesserung der Wasserhaltefähigkeit

die Erträge zu sichern und wenn möglich zu steigern. Vor

allem auf schwächeren Standorten ist dies auch gelungen, der Wintergerstenertrag

konnte z.B. von 6 auf 7,5 to/ha gesteigert werden.

13


Was hat sich

durch den

Pflugverzicht

ackerbaulich

zum Positiven

geändert?

Wie bestimmen

Sie die

notwendige

Bodenbearbeitungsintensität?

Welche Bedeutung

hat

die Technik

für Mulchsaatverfahren?

14

Es war möglich, durch den Verzicht auf eine wendende Bodenbearbeitung

den Zugkraftbedarf zu verringern.

Grundsätzlich sieht der Betriebsleiter die Fruchtbarkeit sowie die Ertragsfähigkeit

seiner Flächen durch die Umstellung auf Mulchsaat in

Kombination mit dem Einsatz von organischem Dünger gesteigert.

Allerdings wurde auf dem Betrieb Wagner mit der Umstellung auf

Mulchsaat auch in spezielle Bodenbearbeitungs- und Drilltechnik

investiert. Die sich ergebenden höheren Investitionskosten pro Hektar

werden versucht durch mögliche Flächenerweiterungen auszugleichen.

Die Bodenbearbeitungsintensität ist von Jahr zu Jahr bzw. im Kulturvergleich

unterschiedlich, wird je nach Witterungsbedingungen,

Ernterückständen auf der Bodenoberfläche, Mäuse- und Schneckendruck

sowie Einsatz von organischem Dünger festgelegt. Dabei

wurde festgestellt, dass beim Anbau von Sommerungen das Abtrocknen

der Flächen zwei bis drei Tage länger dauert als auf gepflügten

Flächen.

Nach den Erfahrungen der letzten Jahre wird das Mulchsaatverfahren

durch speziell angepasste Technik unterstützt, sie ist aber nicht

zwingend notwendig um erfolgreich pfluglos zu wirtschaften. Eine

weitere Reduzierung der Bodenbearbeitungsintensität bis zur Direktsaat

werden vom Betrieb weiter beobachtet und getestet. Aufgrund

des hohen Mäuse- sowie Schneckendrucks stellt die Mulchsaat

jedoch gegenwärtig das stabilste Verfahren zur Sicherung des

gegenwärtigen Ertragsniveaus dar.


Einfluss pflugloser Anbausysteme auf die Bodenstruktur

Dr. Johannes Heyn, LLH: Beschreibung des Bodens anhand der Pürckhauer-

Beprobung am 24.06.2009 und der Untersuchungsergebnisse

Die Gemarkung Buseck liegt am Rande des Naturraums „Vorderer Vogelsberg“ (Nr.

349.2), der entstehungsgeschichtlich gekennzeichnet ist durch Basaltvulkanismus in

der Tertiärzeit. Aus den vor etwa 20 bis 10 Mill. Jahren in dieser Region gebildeten

Vulkangesteinen entstanden die Böden zunächst durch intensive Verwitterungsintensität

unter den damaligen tropisch-subtropischen Bedingungen. Unter den extrem

wechselhaften Klimasituationen des nachfolgenden Pleistozäns (= Diluvium = Eiszeitalter,

Beginn etwa vor 1 Mio. Jahren) mit seinen mehrfachen Kalt- und Warmzeiten

wurden die Böden Mitteleuropas durch weitere Verwitterung (Frostverwitterung),

Lösseinwehungen, Abtrag und Solifluktion (Hangfliessen) entscheidend umgeformt

und in wesentlichen Merkmalen in den heute noch anzutreffenden Zustand gebracht.

Das basaltische Ausgangsgestein ist in dem unweit der Demoflächen liegenden

Steinbruch gut zu sehen.

Die in Schichten von je 10 cm Mächtigkeit gezogenen Bodenproben lassen in zahlreichen

Merkmalen diese basaltische Herkunft erkennen. Andererseits weist der hohe

Schluffanteil auch auf einen nicht unerheblichen Anteil an Lössmaterial hin. Insgesamt

verändert sich die Korngrößenaufteilung bis zu einer Tiefe von ca. 80 cm

kaum, der Tonanteil steigt hier mit zunehmender Tiefe von ca. 23,5 % um knapp 3

%, während der Sandanteil von ca. 10 % im Oberboden ausgehend um ca. 2 % abnimmt.

Die Bezeichnung der Bodenart ändert sich an der Schwelle bei 25 % Ton von

„stark tonigem Schluff“ in „stark schluffigen Ton“. Ab etwa 80 cm Tiefe kommt es bei

weiter schwach ansteigendem Tongehalt zu einem deutlichen Anstieg der Sandfraktion,

infolgedessen sich die Bezeichnung in „schluffigen Lehm“ ändert.

Die Bodenreaktion verändert sich von pH 6,1 im Oberboden ausgehend mit zunehmender

Bodentiefe nur schwach, lediglich im untersten erfassten Bereich fällt der

Wert stärker ab.

Die Bodennährstoffgehalte werden natürlich durch die Bewirtschaftungsweise geprägt.

Die langfristig nicht wendende Bodenbearbeitung zeigt sich in der deutlichen

Nährstoffanreicherung in den oberen beiden Schichten, insbesondere in den obersten

10 cm Bodentiefe. Die Zone 20 bis 30 cm stellt einen Übergangsbereich dar und

bereits unterhalb 30 cm Tiefe sind die P- und K-Gehalte praktisch auf ihren ausgangsgesteinstypischen

Minimalwert abgefallen. Ebenfalls basalttypisch sind die hohen

Mg-Werte, die im mittleren Tiefenbereich zunächst etwas ab-, später aber wieder

zunehmen.

Parallel zu den Nährstoffgehalten ist auch eine Humusanreicherung im Oberboden

festzustellen (organischer Kohlenstoff = Corg und Gesamt-Stickstoff = Nt). Mit zunehmender

Bodentiefe nimmt dieser Gehalt ab, allerdings nicht so plötzlich wie bei P

oder K. In der Summe werden in dem Bodenbereich bis 1 m Tiefe die, gemessen an

vergleichbaren Ackerstandorten, relativ hohen Mengen von über 113 t Corg und über

13000 kg Nt je Hektar gespeichert.

15


Bei den untersuchten Schwermetallen zeigen die bei Nickel (Ni) und Chrom (Cr)

nach unten hin ansteigenden Werte, dass diese beiden Elemente geogener Herkunft

sind, d.h. aus dem Ausgangsgestein stammen. Teilweise sind die gemessenen Gehalte

höher als die „Vorsorgewerte“ aus der Bundes-Bodenschutz-Verordnung, was

aber für die Region Vogelsberg absolut typisch und aufgrund der festen Bindungsformen

im Boden im Hinblick auf eine mögliche Pflanzenbelastung auch unproblematisch

ist.

Demgegenüber ist bei den übrigen Schwermetallen die Tatsache, dass hier die

höchsten Gehalte in der obersten Bodenschicht gemessen werden, ein sicherer Beweis

dafür, dass hier ein wesentlicher Eintrag von oben her erfolgt ist (Düngungsmaßnahmen,

Umwelteinflüsse). Das kann bei den auch als Pflanzennährstoffen

wichtigen Elementen Kupfer (Cu) und Zink (Zn) positiv zu werten sein, bei den Elementen

Cadmium (Cd), Blei (Pb) und Quecksilber (Hg) ist es eher als unerwünscht

zu sehen. Gemessen an den „Vorsorgewerten“ sind die Gehalte allerdings noch als

völlig unkritisch einzustufen.

In den Bohrstockansichten zeigte sich in den obersten 10 cm eine dunklere Färbung

und eine lockere Struktur. Unterhalb dessen folgte zunächst eine Zone mit festerem,

später wieder mit lockererem Gefüge. Farbunterschiede waren nur noch schwach

ausgeprägt. Ab 80 cm Tiefe waren schwache Hydromorphiemerkmale (Feuchteanzeiger

wie Fleckigkeit, Marmorierung) festzustellen. Steine wurden nicht gefunden.

Insgesamt war nur eine schwache Horizontdifferenzierung zu erkennen.

Nach diesen Anzeichen weist der Standort eine gute Durchwurzelbarkeit des Unterbodens

auf. Aus pflanzenbaulicher Sicht ist auf den niedrigen pH-Wert hinzuweisen

und auf die Tatsache, dass P-und K-Vorräte aufgrund der unterhalb der oberen 20

cm Bodenschicht radikal abnehmenden Gehalte doch nur sehr eingeschränkt zur

Verfügung stehen. Zudem kann sich der hohe Mg-Gehalt infolge des K/Mg-

Antagonismus negativ auf die K-Aufnahme auswirken.

Eine weiter gehende bodenkundlich-pflanzenbauliche Bewertung des Bodens wird

erst anhand einer Profilbegutachtung möglich sein.

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Neue Entwicklungen in der Mulch- und Direktsaattechnik

Christian Gall und Karlheinz Köller, Universität Hohenheim 1

Der pfluglose Ackerbau gehört in Deutschlandweit mittlerweile zum Standardverfahren

in vielen Betrieben. Einer flachen Stoppelbearbeitung mit dem Grubber oder der

Scheibenegge folgt eine, je nach Standort mehr oder weniger intensive Grundbodenbearbeitung

zur Saat. Wird extensiver gearbeitet, dann erfolgt nur eine chemische

Unkrautkontrolle sowie eine flache Bearbeitung. Durch moderne Werkzeugbauarten

und Anordnungen gelingt es das Stroh über den gesamten Bearbeitungshorizont

gleichmäßig einzuarbeiten und mit Boden zu mischen. Ziel dabei ist ein Teil

der Ernterückstände als schützende Strohmulchauflage an der Oberfläche zu erhalten.

1. Mulchsaat

Diese Ausgangsbedingungen stellt die Sätechnik vor gewisse Anforderungen und

Probleme. Verstopfungsfreies Arbeiten mit optimaler Tiefenablage und guter Rückverfestigung

bei Fahrgeschwindigkeiten bis 20 km/h muss eine moderne Sätechnik

heutzutage leisten können. Weitere allgemeine Anforderungen an ein gutes Säschar

sind:

� Sauberes Räumen der Saatrille, Ablage des Korns auf dem Saathorizont, gute

Selbstreinigungseigenschaften

� Eine genaue Tiefenführung

� Ausreichende Bedeckung und Andrücken des Korns auf dem Saathorizont

� Einfache Anpassung des Schardrucks an wechselnde Bedingungen

� Effektiver Steinschutz für durchgehendes Arbeiten

� Gute Arbeit auch bei Fahrgeschwindigkeiten bis zu 20 km/h

� Hohe Standzeiten, geringer Wartungsaufwand [1].

1.1 Universalsämaschinen

Größer werdende Betriebe wachsen meist durch Pacht neuer Flächen, dadurch

wächst auch die Heterogenität der Flächen innerhalb eines Betriebes mit unterschiedlichen

Bodenarten und Flächen in verschiedensten ackerbaulichen Zuständen.

Dabei kann es vorkommen, dass einige Flächen eine krumentiefe Lockerung benötigen,

um mögliche Schadverdichtungen oder tiefe Fahrspuren zu beseitigen, andere

dagegen nur eine minimale bis gar keine Grundbodenbearbeitung. Dies erfordert

universal einsetzbare Sätechnik. Dementsprechend bieten fast alle Hersteller mittlerweile

sogenannte Universal-Sämaschinen an. Diese eignen sich, zum Teil mit Einschränkungen,

sowohl für die konventionelle Saat nach dem Pflug als auch für die

Mulchsaat, dem Einsatzschwerpunkt dieser Maschinen. Vom Grundaufbau sind sich

die Maschinen ähnlich. Meist sind Werkzeuge zur Lockerung und Einebnung des

Saatbettes den Säscharen vorgeschaltet. Dabei werden hauptsächlich schräg angestellte

Hohlscheiben, ähnlich wie bei einer Scheibenegge, verwendet. Die Scheiben-

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elemente sind teilweise zu verstellen, um die gewünschte Arbeitsintensität zu erzielen.

Im Anschluss an die Scheibenelemente folgen Walzensysteme, die mehrere

Funktionen übernehmen. Sie dienen dazu, das Saatbett einzuebnen und eine Rückverfestigung

des Saatbettes zu erreichen. Meist bestehen sie aus großvolumigen

Reifen- oder Keilringwalzen, deren Teilabschnitte oftmals als integriertes Fahrwerk

dienen. Während des Sävorgangs wird das gesamte Gewicht auf den Walzen abgestützt.

Dadurch werden eine gleichmäßige Gewichtsverteilung und eine konstante

Rückverfestigung erreicht. Um möglichst flexibel auf unterschiedliche Bodenbedingungen

zu reagieren und auch bei hohen Fahrgeschwindigkeiten sauber zu arbeiten,

werden bei diesen Universalsämaschinen überwiegend Ein- oder Zweischeibenschare

verwendet. Die meisten Hersteller bieten eine parallelogramme Scharaufhängung

an. Eine pneumatische Saatgutdosierung und Saatgutbehälter mit einem

Volumen von etwa 3000 l gehören meist zur Standardausstattung. Für die zunehmende

elektronische Regelung und Automatisierung von Prozessen stehen bei der

Drillsaat unterschiedliche Systeme zur Bestimmung der Saatmenge zur Verfügung.

Sie erübrigen eine Abdrehprobe und ermöglichen eine Variation der Saatmenge auf

unterschiedlichen Teilflächen. Zunehmende Verbreitung finden stufenlose Antriebe

der Saatgutdosierung, ob mit Elektro- oder Hydromotoren, um die Saatstärke während

der Fahrt zu variieren. In Verbindung mit einer elektronischen GPS-gesteuerten

Regelung, sind die Voraussetzungen für eine teilflächenspezifische Aussaat gegeben

[2].

2. Strip Tillage

Die Saatgutablagequalität in Direktsaatsystemen wird oft durch Ernterückstände im

Saatbereich negativ beeinflusst. Zwar können verschiedene Vorwerkzeuge und

Reihenräumer helfen, den Saatbereich frei zu räumen, doch bleibt das, bei Sommerungen

nicht unwesentliches Problem, der langsameren Bodenerwärmung. Für Reihenkulturen

wird in den USA schon seit einigen Jahren ein Ackerbaukonzept angewendet,

das nur eine streifenweise Bodenlockerung vorsieht, das sogenannte „Strip

Till“. Auch in Europa gibt es erste Ansätze, dieses System in der Praxis umzusetzen.

Dabei wird bei schwereren Böden bereits im Herbst, bei leichteren Böden im Frühjahr

kurz vor der Saat, nur im Bereich der späteren Saatreihe der Boden streifenweise

gelockert. Dieser gelockerte Bereich erwärmt sich im Frühjahr schneller. Wird

bei der Streifenlockerung gleichzeitig eine Düngerapplikation durchgeführt, ergeben

sich optimale Startbedingungen für Reihenkulturen, bei gleichzeitigem Erosionsschutz

durch Ernterückstande zwischen den Reihen. Zum Wiederauffinden der

Lockerungsstreifen empfiehlt sich die Nutzung eines GPS-gesteuerten Traktors mit

automatischem Lenksystem. Für den deutschen Markt bietet die Firma Horsch mit

dem Focus CS einen Reihenlockerer mit Düngervorrichtung an. Dabei kann in

Reihenabständen von 37,5, 70 oder 75 cm gearbeitet werden. Ein 5 cm breites Meißelschar

lockert den Boden bis auf einen Tiefe von 35 cm. Durch paarweise

angeordnete Scheiben wird die gelockerte Erde zu einem Damm geformt. Der Damm

erwärmt sich im Frühjahr schneller und trocknet früher ab.

Da dieses Verfahren nur in Reihenkulturen Anwendung findet, gibt es Bemühungen

auch bei engeren Reihenabständen, wie sie im Getreidebau üblich sind, solche Sä-

18


system mit intensiver Bodenbewegung im Saatbereich zu etablieren. Diese sogenannten

„high disturbance“ Systeme sind vor allem in den von kontinentalem Klima

geprägten Regionen Nordamerikas und Russlands unter dem Begriff „Airseeder“ weit

verbreitet. Dort bestimmen kurze Vegetationsperioden, gekennzeichnet durch langen

kalten Wintern und kurzen trockenen Sommern, sowie geringe Mengen an Ernterückständen

die Technikwahl. Schlagkraft und eine rasche Jugendentwicklung der

Pflanzen sind die Anforderungen an diese Technik. Auch europäische Hersteller bieten

solche Systeme auf dem deutschen Markt an. Als Beispiele sind die Firmen

Claydon, Horsch, Köckerling und Väderstad zu nennen.

3. Direktsaat

Unter dem Begriff der Direktsaat sind alle Säverfahren zusammengefasst die keine

Bodenbearbeitung beinhalten. Der Sävorgang stellt den einzigen Eingriff in den

Boden durch Ausbildung der Saatrille und Ablage des Saatguts dar. Dabei wird nicht

mehr Boden bewegt als zur Ausbildung der Saatfurche nötig ist. Per Definition werden

nicht mehr als 50% der Bodenoberfläche beim Saatvorgang bewegt. Bei der

Direktsaat kommen folgende spezielle Anforderungen der Saatgutablage noch hinzu:

� Gleichmäßige Saattiefe

� Geringe Bodenlockerung und durchmischung

� Gleichmäßige Bedeckung des Saatguts mit Boden

� Kein Verdichten und Verschmieren des Saatbereiches

� Guter Bodenkontakt des Saatguts

� Kein Stroh im Saatbereich

� Wenig Stroh direkt über dem Saatbereich

� Geringe Störung der Mulchdecke

� Gleichmäßiger Reihenabstand

Als Scharvarianten bei der Drillsaat kommen Scheibenschare, als Ein- oder Doppelscheibenschar,

Zinkenschare oder eine Kombination aus Zinken und Scheibenschar

zum Einsatz. Um auch unter widrigsten Bedingungen, z.B. bei sehr hartem Boden

die Saatfurche sicher zu öffnen, ist bei Scheibenscharen eine Gewichtsbelastung ab

200 kg je Schar nötig. Scheiben können auch mächtige Mulchauflagen durchschneiden

und verstopfen selbst bei der Saat in stehender Zwischenfrucht nicht. Sie sind

leichtzügig und erlauben hohe Fahrgeschwindigkeiten. Nachteile sind hohe Maschinengewichte,

der „Hairpinning-Effekt“, d.h. Stroh wird durch die Scheibe in die Saatfurche

gedrückt sowie unter steinigen Bedingungen das Überrollen oder Verklemmen

der Steine zwischen den Scheiben. Zinken ziehen sich selbst in den Boden ein.

Darum ist keine übermäßige Maschinenballastierung nötig um die gewünscht

Arbeitsqualität zu erzielen. Wenig bewegliche Teile, dementsprechend wenig Lager

und Schmierstellen und zudem die leichte Grundkonstruktion machen diese Maschinen

wartungsfreundlich und kostengünstig. Der Zugkraftbedarf kann hier durch

schmalere Zinken deutlich reduziert werden. Das Strohmanagement trägt bei

Zinkenscharen erheblich zur Funktionssicherheit bei. Kurz gehäckseltes und gleichmäßig,

auch bei großen Schneidwerksbreiten, verteiltes Stroh in Kombination mit

19


kurzen Stoppeln sind zwingend um Verstopfungen zu vermeiden. Zudem sollte die

Fläche möglichst einheitlich eben sein, da meist auf eine aufwendige Einzelschartiefenführung

verzichtet wird und somit die Oberflächenanpassung der Maschinen

eingeschränkt ist. Hohe Arbeitsgeschwindigkeiten verursachen eine intensivere

Bodenbewegung.

Eine Kombination aus Scheiben und Zinkentechnik ist der Cross Slot Opener. Ein

vertikales, gezahntes Schneidsech wird beidseitig von Zinken begleitet, die eine horizontale

Furche für Saatgut und Dünger öffnen. Durch diese Werkzeuganordnung

entsteht ein kreuzförmiger Säschlitz (Cross Slot). Die Platzierung von Dünger im

Wurzelbereich hat in Direktsaatsystemen Vorteile. Gerade in den Umstellungsjahren

ist eine höhere N-Düngung nötig um eine niedrigere Mineralisation auszugleichen.

Dabei sollte ein direkter Kontakt von Saatgut Dünger möglichst vermieden werden.

Nachfolgende werden Neuentwicklungen in der Direktsaattechnik aufgezeigt. Es

besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit.

3.1 Scheibenscharsämaschinen

3.1.1 Sulky Easydrill

Auf der Argitechnica 2007 präsentierte die Firma Sulky-Burel eine neue Direktsämaschine,

die Easydrill. Die Säeinheit besteht aus einer 210 mm breiten Tiefenführungsrolle

die den Boden vorab einebnet. Die Saatrille wird von einem gezahnten

Einscheibenschar geöffnet, hier kann die Arbeitstiefe der Scheibe unabhängig vom

Schar eingestellt werden. Dies bietet laut Hersteller Vorteile bei unebenen Saatbedingungen.

Jede Säeinheit kann mit einem Schardruck von bis zu 250 kg belastet

werden. Die Andruckrolle ist etwas geneigt, so dass die Saatrille gezielt schräg

angedrückt und dadurch sicher verschlossen wird. Die Saattiefe wird über Distanzscheiben

an den Tiefenführungsrollen für jeweils zwei Saatreihen gleichzeitig eingestellt.

Als Sonderfunktion bleibt noch ein spezielles System der Gewichtsverteilung zu

erwähnen. Durch einen mittig angebrachten Hydraulikzylinder kann das Maschinengewicht

längs zur Fahrtrichtung verlagert werden. Auf lehmigen Böden wird hier der

Bodenschluß des Saatguts durch vorherige Verfestigung erreicht. Wird kleineres

Saatgut, wie z.B. Raps gesät, unter trockenen Bodenbedingungen oder wenn die

Bodenverhältnisse das Schließen der Saatrille erschweren, kann auf die Andruckrolle

mehr Gewicht verlagert werden.

3.2. Zinkenscharsämaschinen

Als kostengünstige Alternative zur Scheibenschartechnologie bieten etliche Hersteller

auch Zinkenscharmaschinen an. Die Tiefenführung erfolgt hier meist über die gesamte

Arbeitsbreite. Um einen gleichmäßigen Feldaufgang zu erreichen muss das

Saatbett möglichst eben sein. Diese Geräte sind für die Mulchsaat und je nach

Werkzeugbart, Strichabstand und Strohmanagement bedingt auch für die Direktsaat

geeignet. Als Neuheiten sind der Cirrus Tine Seeder „Cayena“ der Firma Amazone,

der „Collovati Opener“ der Quasar Baureihe der Fa. Tonutti sowie die „Seed Hawk“

der Firma Väderstad zu nennen.

20


3.2.1 Amazone „Cayena“

Mit der Zinkenscharsämaschine Cayena bietet Amazone nun eine einfache, kostengünstige

Sämaschine an. Das schmale TineTeC Schar ist von der bewährten Sätechnik

der Primera bekannt, nur dass hier auf die Einzelschartiefenführung verzichtet

wurde. Ein schmaler, auf Griff stehender Meißelzinken zieht sich in den

Boden ein und wird durch höhenverstellbare Stützräder vorne und einer nachfolgenden

Keilringwalze hinten in der Tiefe begrenzt. Die Zinken sind über Gummifederelemente

am Rahmen aufgehängt, die gleichzeitig als Überlastsicherung dienen.

Nach der Saatgutablage wird die Saatfurche von einem Striegel geschlossen und der

Boden eingeebnet. Nach dem Striegel folgt eine Keilringreifenwalze zur Rückverfestigung.

Sie dient gleichzeitig als integriertes Fahrwerk. Laut Hersteller ist für die 6 m

Variante ein Zugleistungsbedarf von 136 PS erforderlich und Arbeitsgeschwindigkeiten

bis zu 15 km h -1 möglich [3].

3.2.2 Tonutti „Quasar“

Der norditalienische Lohnunternehmer und Landwirt Mauro Collovati entwickelte ein

spezielles „Inverted-T“ Schar, den sog. Collovati Opener. Zuerst von der Firma Tecnoagricola,

dann von der Firma Tonutti aufgekauft, wird der Collovati Opener jetzt in

der pneumatischen Sämaschine der Quasar Serie verbaut. Das Säschar besteht aus

einem schmalen Meißel und einem nachfolgenden Flügelpaar, deren Enden nach

oben gebogen sind. Der Meißel öffnet den Boden und sorgt dafür, dass sich die Flügel

in den Boden einziehen. Hinter dem Scharträger leitet ein Verteiler das Saatgut

und den Dünger in den Erdstrom ein. Das Saatgut wird in zwei Ströme unterteilt und

seitlich im Band auf die gesamte Flügelbreite abgelegt. Der Dünger fällt mittig bis auf

die Arbeitstiefe des Meißelschars ab. In Bild 1 ist die Furchenform sowie die Platzierung

von Saatgut und Dünger schematisch dargestellt. Laut Hersteller-angaben benötigt

die Quasar Sämaschine mit Collovati Opener einen Zugleistungsbedarf von 21

kW/mAB.

Bild 1: Collovati Opener, Säfurche und Platzierung von Dünger und Saatgut [4].

21


Um eine gute Oberflächenanpassung der Maschine zu gewährleisten ist der Rahmen

über die gesamte Arbeitsbreite nicht starr sondern in unabhängige, bewegliche 1,5 m

breite Einzelrahmenelemente unterteilt. Die Tiefenführung übernimmt vorne ein höhenverstellbares

Stützrad und hinten ein ebenfalls in der Höhe zu verstellender Reifenpacker.

Jedem Schar folgt zur Rückverfestigung ein separater Reifenpacker. Für

die Maissaat wird eine spezielle Dosierwalze angeboten.

3.2.3 Väderstad „Seed Hawk“

Mit der Seed Hawk bringt Väderstad nordamerikanische Sätechnik auf den europäischen

Markt. Besonderheiten dieser Zinkenschartechnologie sind die Einzelschartiefenführung

sowie die separate Ausbringung von Saatgut und Dünger. Der Dünger wir

3,5 cm neben und 1,5 cm unterhalb des Saatguts abgelegt. Die Zinken sind dreireihig

mit einem Balkenabstand von 75 cm angeordnet. Dadurch solle ein verstopfungsfreies

Arbeiten selbst bei großen Mengen an Ernterückständen möglich sein.

3.3 Systemvergleich Direktsaattechnik

Um verschiedene am Markt befindliche Direktsaatsysteme unter gleichen Bedingungen

gegenüber zu stellen wurde in der Anbauperiode 2007/08 ein Feldversuch angelegt.

Folgende Systeme wurden untersucht: (A) Meißelschar (Amazone Primera

601), (B) Zinkenschar (Claydon V-Drill), (C) Kreuzschlitzschar (BNT Cross Slot) und

ein (D) Einscheibenschar (John Deere 750A). Jedes System wurde auf Zugkraftbedarf,

Tiefenablagegenauigkeit, Kornlängsverteilung und Ertrag untersucht. Die

Ergebnisse wurden statistisch ausgewertet und gegenübergestellt. Die Zugkraft wurde

mit einem Sechs-Komponenten-Kraftmessrahmen gemessen. Die Tiefenablage

wurde mittels Bodenhobel und Auszählung erfasst. Die Kornlängsverteilung wurde

mit einem elektronischen Seilmessgerät gemessen und die Variationskoeffizienten

gebildet. Der Kornertag wurde mit einem Parzellenmähdrescher gemessen. Die Ergebnisse

der Zugkraftmessungen sind in Bild 2 dargestellt. Für eine Gegenüberstellung

wurden die Messwerte jeweils auf einen Meter Arbeitsbreite bezogen. Die Meißelschar-

und das Einscheibenscharmaschine hatten mit je 2,19 und 2,17 kN m -1 den

geringsten Zugkraftbedarf. Das Zinkenscharsystem benötigte mit 5,7 kN m -1 mehr als

zweieinhalb Mal soviel Zugkraft. Der Zugkraftbedarf des Kreuzschlitzsystems war mit

9,09 kN m -1 viermal so groß wie der des Meißel- bzw. Einscheiben-systems.

22


Zugkraft [kN m-1 ]

Draught force [kN m-1 ]

12

10

8

6

4

2

0

Meißelschar

chisle opener

b

a a

Zinkenschar

hoe tine opener

Kreuzschlitzschar

cross slot opener

Einscheibenschar

single disc opener

Zugkraft in kN m‐1 Arbeitsbreite, Mittelwerte und Standardfehler des Mittelswerts. Säulen

mit unterschiedlichen Buchstaben unterscheiden sich signifikant (t‐Test, p=5%)

In der Ablagegenauigkeit bestanden große Unterschiede zwischen den Scharsystemen.

In Bild 3 sind die Ergebnisse der Tiefenablagegenauigkeit, hier als Maß der

Streuung um den Mittelwert dargestellt. Bei den Systemen mit parallelogrammer

Scharaufhängung und seitlichen Tiefenführungsrollen wurde eine gute Oberflächenanpassung

der Säschare erreicht. Demnach auch geringen Standardabweichungen

bei den Systemen Meißel- (7,4 mm), Kreuzschiltz- (8,3 mm) und Einscheibenschar

(7,7 mm). Bei der Zinkenscharvariante (13,3 mm) wurde die größte Streuung um den

Mittelwert gemessen.

c

23


Standardabweichung [mm]

Standard deviation [mm]

Bild 2: Tiefenablagegenauigkeit, Standardabweichung [mm] als Maß der Streuung

um den Mittelwert.

Zur Beurteilung der Kornlängsverteilung wurden die Variationskoeffizienten (VK)

gegenübergestellt. Es wurden VK von 71% (A), 84% (B und C) sowie 89% (D) gemessen.

Der VK der Variante B ist differenziert zu betrachten. Hier wurde das Saatgut

in einem 18 cm breiten Band abgelegt, es konnte allerdings nur in Längsrichtung

gemessen werden. Dadurch entsprechen die Messwerte nicht den tatsächlichen

Standraumverhältnissen der Pflanzen. Zusammenfassend ist die Längsverteilung der

geprüften Drillmaschinen mit gut bis sehr gut zu beurteilen.

Der Kornertrag lag bei 83,62 (B), 85,08 (A), 87,67 (C) und 87,94 (D) dt ha -1 . Die statistische

Auswertung ergab keine signifikanten Ertragsunterschiede [5].

3.5 Neue Entwicklungen in der Direktsaattechnik

Auf der Suche nach geeigneter Direktsaattechnik schauen mittlerweile auch einige

Landwirte über die Grenzen. Bei weltweit 106 Mio. ha Direktsaat fällt auf Europa nur

1 % der Gesamtfläche. Dementsprechend gering fällt auch das Angebot europäischer

Hersteller aus.

Einfache und günstige Doppelscheibentechnologie aus Südamerika finden zunehmendes

Interesse. Mit dieser Technologie lässt sich zuverlässig in stehende Zwischenfruchtbestände

säen. Fraglich ist, in wie weit sich diese Technologie in den

nächsten Jahren auf dem deutschen Markt etablieren wird. Zu einer erfolgreichen

Markterschließung gehören neben einem guten Händlernetz und einem zuverlässi-

24

16

14

12

10

8

6

4

2

0

7,4

Meißelschar

chisle opener

13,3

8,3

7,7

Zinkenschar

hoe tine opener Kreuzschlitzschar Einscheibenschar

cross slot opener single disc opener


gen Ersatzteilservice gerade auch in der Direktsaattechnik eine pflanzenbauliche

Beratung.

Direktsaat als ganzheitliches System zu sehen, bringt auch neue Technologien mit

sich, sei es im Bereich der Düngung, wie z.B. Speicheninjektionsgeräte oder der Einsatz

von Messerwalzen zur Zwischenfrucht und Unkrautkontrolle in Reihenkulturen.

Die Verwendung permanenter Fahrgassen durch Nutzung von GPS Positionierung

und automatischer Lenksysteme hat gerade in Direktsaatsystemen großes Potential.

Literaturquellen:

[1] BERNING, F.: Drilltechnik: Mit Scheibe, Schar oder Meißel. Top agrar 2009

Nr.2, S.108-113.

[2] KÖLLER, K.: Trends bei Saat und Mineraldüngung. Landtechnik 62 (2007) Nr.6,

S.382-383.

[3] Cayena, Pneumatische Sämaschine. Produktinformation der Firma Amazonen

Werke H. Dreyer GmbH & Co. KG, 2009.

[4] Quasar, Pneumatische Sämaschine. Produktinformation der Firma Tonutti

S.p.a., Remanzacco (Italien), 2007.

[5] GALL, C., T. SCHÜLE und K. KÖLLER: Systemvergleich Direktsaattechnik.

Landtechnik 64 (2009) Nr.3, S.172-174.

1

Universität Hohenheim, Institut für Agrartechnik, Verfahrenstechnik in der Pflanzenproduktion.

Garbenstraße 9, 70599 Stuttgart.

25


Strohmanagement Schlüsselrolle in pfluglosen Anbausystemen

Dipl. Ing. agr. G. Stemann, FH Südwestfalen, Agrarwirtschaft Soest

Für das Gelingen von Mulchsaaten insbesondere bei engen Fruchtwechseln

(Herbstsaaten nach Getreidevorfrucht) ist das Strohmanagement von ausschlaggebender

Bedeutung. Grundsätzlich kann das Stroh bei schlechter Häckselqualität und

verteilung die Bodenbearbeitung erheblich behindern. Lange Häckselfraktionen

zwischen 10 bis 15 cm lassen sich kaum einarbeiten. Erst recht gilt dies für die 500

bis 600 Stoppeln je m 2 , die beim Drusch mit ca. 15 bis 20 cm hinterlassen werden

und denen bei der Stoppelbearbeitung noch ein schwacher Wurzelballen anhaftet.

Insbesondere bei einer flachen ersten Stoppelbearbeitung mit Kurzscheibeneggen

oder schmalen Grubberzinken schwimmen diese Längen an der Oberfläche. Werden

breitere Schare eingesetzt besteht die Gefahr, dass bei der Stoppelbearbeitung zusätzliche

Schwaden gezogen werden, die bei pflugloser Bestellung die Saattechnik

und den Feldaufgang beeinträchtigen oder durch den Einsatz des Pfluges als kaum

durchwurzelbare Strohmatratze auf der Pflugsohle abgelegt werden. Die Schäden

sind im ersten Fall sehr schnell zu sehen, im zweiten Fall erst (zu) spät bei mangelnder

Wasserversorgung.

Von Bedeutung ist weiterhin, dass auf dem Stroh Krankheitserreger überdauern, die

beim Halmfruchtwechsel z.T. massive Probleme bereiten können. Bei wendender

Bodenbearbeitung mit dem Pflug besteht im Bereich der Fußkrankheiten (Halmbruch,

Schwarzbeinigkeit) ein ständiges Gefährdungspotential. Bei pflugloser Bestellung

sind es primär andere Erreger mit höherer Ertragsrelevanz: die am Stroh überdauernden

Drechslera - Arten können bereits in der Schossphase sehr früh Sporen

bilden und bei raschem Aufschaukeln von DTR Infektionen den Bestand massiv

gefährden. Nach dem Ährenschieben schließlich können die an Mais-, aber auch an

Getreidestroh wachsenden Fusariosen die Kornanlagen besiedeln. Kümmerkorn,

Ertragsverlust und obendrein Mykotoxinbelastung sind die Folge.

Strategien entwickeln

Zielsetzung ist es, die genannten Probleme durch eine intensive Rotteförderung

möglichst weitgehend zu minimieren. Je größer das Ertragspotential und die damit

verbundenen Strohmengen, desto konsequenter müssen die notwendigen Anstrengungen

unternommen werden.

Grundvoraussetzung für einen schnellen Strohabbau ist die weitestgehende Zerkleinerung

des Strohs (70 bis 80 % unter 3 cm). Dies gewährleistet ein verstopfungsfreies

Einarbeiten großer Strohanteile ohne Schwadbildung in den oberflächennahen

Bereich durch geeignete flach arbeitende Geräte. Außerdem muss das Material den

26


Bodenorganismen möglichst „mundgerecht“ angeboten werden. Die Halme sollten

dazu vollständig aufgesplissen sein, - die vergrößerte Oberfläche kann rasch von

Mikroorganismen besiedelt werden. Dazu ist auch die intensive Vermischung von

Strohteilchen mit Feinerde notwendig. Zerkleinerung und Spleißen der Halme sind

daher die wichtigste Grundvoraussetzung für eine rasche Rotte und den gewünschten

schnellen Abbau von Stroh.

Erst die Zerstörung der Röhrchenstruktur ermöglicht eine gute Rückverfestigung des

Bodens, ermöglicht bei pflugloser Saat den Bodenschluss und vermindert die mechanischen

Keimhindernisse im Saathorizont.

Dennoch ergeben sich oft kritische Situationen, die zusätzliche Maßnahmen erfordern.

Große Strohmengen sind oft verbunden mit einer intensiven Produktionstechnik,

die relativ hohe Mengen an Stickstoff und Fungiziden bedeutet. Bei der Ernte ist

das Stroh oft zäh und teils auch feucht,- besonders dann, wenn es zu unkontrollierten

Stickstoffschüben bei spätem Fungizideinsatz mit langer Wirkungsdauer kommt.

Oft sind die Häcksler auch moderner Mähdrescher dann nicht in der Lage, das Stroh

ausreichend zu zerkleinern und zu verteilen. Dies ist insbesondere bei Arbeitsbreiten

ab 6 m, bei Hanglage oder Seitenwind oft nicht in der notwendigen Qualität zu gewährleisten.

In dieser Leistungsklasse verlangt das Strohhäckseln eine zusätzliche

Motorleistung von ca. 90 bis 100 PS mit dem entsprechenden Treibstoffverbrauch

(rd. 6, teils aber auch über 10 l/ha) und begrenzt die Leistungsfähigkeit dieser teuren

Maschinen. Selbst die verbleibenden Stoppeln mit rd. 15 bis 20 cm Länge können

z.B. bei Raps nach Weizen bei geringer Eingriffsintensität bereits Ablageprobleme,

Keimstörungen und ungleichmäßige, verzettelte Feldaufgänge verursachen.

Auf den Betriebsflächen im Versuchsgut der Fachhochschule Südwestfalen in der

Soester Börde (Lößböden mit ca. 70 % Feinschluff, Pseudogley Parabraunerde,

ca. 70 BP, Minimalbodenbearbeitung, Ertragsniveau 90 bis 100 dt/ha Weizen und

Gerste) wird aus diesen Gründen seit Jahren konsequent eine andere Strategie realisiert:

Der Mähdrusch erfolgt mit möglichst hoher, ca. ca. 30 bis 40 cm langer Stoppel

(halbe Halmlänge). Bei Gerste ist dies aufgrund der hängenden Ähren und der

meist leicht geneigte Halme nicht so gut möglich wie bei Weizen. Der größte Teil des

Strohs steht also an der Stelle seines Ursprungs. Nur ein kleiner Teil wird im Mähdrescher

als Polster in den Druschorganen benötigt, belastet jedoch nicht die Schüttler-

und Reinigungflächen und wird vom Häcksler mühelos zerkleinert und breit verteilt.

Dabei sind weitere Vorteile zu verbuchen: Der Drescher kann ca. 2 bis 3 km/h

schneller fahren und der Dieselverbrauch wird deutlich gesenkt. Wir unterstellen etwas

geringere Schüttlerverluste und erwarten bei deutlich geringerer Maschinenbelastung

auf Dauer auch geringeren Maschinenverschleiß. Zu beachten ist, dass der

Dreschkorb aufgrund der geringeren Passagemengen enger geschlossen (1 bis 2

27


Stufen) und die Windmenge angepasst werden muss. Höherer Bruchkornanteil tritt

bei richtiger Dreschereinstellung nicht auf.

Nach dem Drusch erfolgt das Häckseln der Stoppeln in einem separaten Arbeitsgang

mit einem speziellen Strohhäcksler. Diese Arbeit kann durchaus in den Stunden

durchgeführt werden, in denen noch nicht gedroschen werden kann. Feuchtes Stroh

lässt sich zwar schwerer, aber durchaus mit besserer Zerkleinerungswirkung häckseln.

Der Mulcher bzw. Häcksler sollte mit geeigneten Messern (z.B. „Y-Messer“) und

einer Gegenschneide bzw. Schlagleiste ausgestattet sein, die für das Spleißen der

Halme sorgt. Je geringer die Spaltbreite zwischen Werkzeug und Leiste ist, umso

besser sind die Arbeitsergebnisse. Auf ebenen, steinfreien Flächen kann die Arbeitstiefe

knapp über dem Boden eingestellt werden. Durch diesen „Rasierschnitt“

werden die durch Fahrzeugreifen niedergefahrenen Halme hochgesaugt, es werden

keine störenden Stoppeln hinterlassen. Dieser Arbeitsgang kann mit 10 bis 12 km/h

durchgeführt werden und erfordert bei 3 m Breite eine Schlepperleistung von 90 bis

100 PS. Daraus ergibt sich eine Flächenleistung von rd. 2,5 bis 3 ha / Stunde.

Es ergeben sich sowohl Einsparpotentiale beim Drusch (im Wesentlichen durch Leistungssteigerung

und geringeren Treibstoffbedarf) als auch Kosten für den zusätzlichen

Arbeitsgang. Es zeigt sich, dass die Mulchkosten in Höhe von rd. 20 bis 25 Euro/ha

bereits durch die Mähdrusch-Vorteile gedeckt werden. Weitere Vorteile ergeben

sich, wenn aufgrund der höheren Druschleistung trockener geerntet werden

kann und geringere Trocknungskosten anfallen. Auch der Übertritt von Feuchtigkeit

aus dem Stroh auf das Korn bei der Passage von Dreschtrommel und Korb kann erheblich

sein und 1 bis 2 % betragen. Durch die geringeren Strohmengen beim Hochschnitt

lässt sich dieser Effekt deutlich vermindern, so dass beispielsweise bei eintretendem

Tau länger gedroschen werden kann.

Weiterhin ist auch denkbar, dass vorhandene Mähdrescher aufgrund des geringeren

Leistungsbedarfes mit größeren Schnittbreiten eingesetzt werden können, sich somit

die Mähdrescherkapazitäten pro Flächeneinheit verringern lassen bzw. die Flächenauslastung

pro Maschine deutlich verbessert wird.

Das Häckseln des Strohs ist ein Verfahren, das Erntezeitraum ideal durch Lohnunternehmer

erledigt werden kann. Spezielle Strohmulcher unterscheiden sich von üblichen

Brachemulchern durch eine eingebaute „Gegenschneide“ bzw. eine Schlagleiste.

Die spezifischen Kosten und die hohe Leistung erfordern eine hohe Flächenauslastung.

Vielen Betrieben fehlt während der Ernte die notwendige Zeit und Arbeitskraft.

28


Auswirkungen auf den Pflanzenbau

Neben diesen ökonomischen Effekten sind deutliche pflanzenbauliche Vorteile zu

beobachten: Die Strohrotte konnte nach konsequenter 7-jähriger konservierender

Bearbeitung nochmals deutlich verbessert werden. Inzwischen ist es auch bei kurzem

Fruchtwechsel (Raps nach Gerste bzw. Weizen) möglich, mit 1 bis 2 Bodenbearbeitungsgängen

und einer Eingriffstiefe bis ca. 8 cm auszukommen.

Unterstellt man der durch die Mulcharbeit geförderten Strohrotte die Einsparung eines

Grubberarbeitsganges, vergrößert sich der Kostenvorteil um weitere 20 bis 30

Euro/ha. Wesentlicher jedoch sind die Auswirkungen auf die Pflanzengesundheit: Bei

einer Mulchsaat von Stoppelweizen wird trotz minimaler Bearbeitung bereits im

Herbst ein Bodenbedeckungsgrad von unter 15 % erreicht. Als Nebeneffekt ergibt

sich, dass Bodenherbizide im Herbst mittlerweile wieder eingesetzt werden können.

Im Frühjahr sind in der Schossphase ab EC 31 32 kaum noch Strohreste zu finden

und nicht mehr quantifizierbar. Damit ist auch das Potential an strohbürtigen Krankheitserregern

(HTR, Fusarium) zwar nicht ausgeschlossen, aber erheblich verringert.

In Zusammenspiel mit der Anbau einer gegen diese gefährlichen Erreger resistenten

Sorte und wird das hohe Risiko einer Mulchsaat in engen Anbaufolgen erheblich gesenkt.

Bearbeitungsgänge gezielt gestalten

Das Ziel der ersten Bearbeitung ist es, die unproduktive Verdunstung von Kapillarwasser

aus dem Boden zu stoppen und das Auflaufen von Ausfallkorn und Unkrautsamen

zu fördern. Dazu reicht eine sehr flache Bearbeitung mit ca. 3 bis 5 cm Tiefe

mit entsprechender Rückverfestigung, die nur mit den dafür entwickelten neueren

Geräten erreicht werden kann. Ältere Grubber mit Doppelherz- oder Flügelscharen

arbeiten meist im Bereich von 8 cm Tiefe und mehr. Dadurch werden Samen vergraben

und Stroh wird teils ungleichmäßig eingearbeitet. Die Folge ist ein ungleichmäßiges,

wellenförmiges Auflaufen des Ausfallgetreides.

Besonders geeignete Geräte sind die modernen Kurzscheibeneggen, die in der Regel

mit schweren Packerwalzen kombiniert sind um eine gute Rückverfestigung des

Gemisches aus Boden, Stroh und Ausfallkorn garantiert. Die optimale Geschwindigkeit

dieses Gerätes liegt zwischen 12 und 15 km/h, aber auch 18 bis 20 km/h sind bei

deutlich steigendem Zugleistungsbedarf durchaus möglich.

Die hohe Flächenleistung bei gleichzeitig sehr geringem Treibstoffverbrauch rechtfertigt

u. U. eine zweite zusätzliche Überfahrt, z.B. zur frühzeitigen Beseitigung der ersten

Auflaufwelle. Selbst bei hohem Tempo sind Verstopfungen nicht zu befürchten.

Die kurze Bauweise des Gerätes gewährleistet eine hohe Wendigkeit und ermöglicht

kurz angelegte Wendeflächen.

29


Es sollte nach Möglichkeit auf folgendes wichtige Detail geachtet werden: schwere

Andruckwalzen sind unter trockenen Bedingungen sinnvoll und absolut notwendig.

Bei schwerem nassem Boden jedoch ist das sofortige Anwalzen sehr negativ zu bewerten,

da der Luftaustausch durch das „Zusammenkneten“ stark beeinträchtigt wird.

Daher sollte das Walzenelement auf einfache Weise entfernbar bzw. gegen Stab-

Packerwalzen mit geringerer Druckwirkung austauschbar sein, die dann die Funktion

der Tiefenführung übernehmen.

Der zweite Bearbeitungsgang ist auf einerseits auf die Beseitigung von aufgelaufenen

Pflanzen und andererseits auf die intensive Einmischung des Strohs auszurichten.

Eine Arbeitstiefe von 6 bis 8 cm kann bei kurzem Stroh bereits ausreichend sein,

längeres Stroh wird mehr Erdbewegung und 8 bis 10 cm Tiefe erfordern. Hierzu sind

viele verschiedene Grubberbauformen geeignet. Das Augenmerk sollte auf Leichtzügigkeit,

intensives gleichmäßiges Einmischen, Krümeln und Einebnen und hohen

Durchgang gelegt werden. Insbesondere das Auseinanderziehen von konzentrierter

liegendem Stroh ist mit Zinken eher zu erreichen als mit Scheiben.

Die Notwendigkeit eines dritten, noch tieferen und damit teuren Bearbeitungsganges

will wohl überlegt sein. Bei vorhandenen Fahrspuren, Bodenverdichtungen oder

schlechter Strohverteilung ist ein weiterer tieferer Arbeitsgang wohl notwendig. Meist

reicht dazu die Arbeit auf etwa halber Pflugtiefe (10 bis 15 cm). Für diesen Arbeitsgang

eigenen sich vor allem nach Vorarbeit durchaus auch ältere Grubberbauformen.

Fruchtfolgeabläufe beachten

Es gilt die Grundregel, dass pro Tonne Stroh etwa 1,5 bis 2 cm tief gearbeitet werden

sollte (10 t/ha Stroh = 15 bis 20 cm; 8 t/ha Stroh = 12 bis 16 cm). Je besser die

Häckselqualität und die Verteilung gelingt, desto mehr kann von dieser Regel abgewichen

und flacher gearbeitet werden. Für Herbstaussaaten von Getreide nach

Getreidevorfrucht sind 2, bei schlechtem Strohmanagement (bzw. kurzem Fruchtwechsel)

ggf. auch 3 Stoppelbearbeitungsgänge mit zunehmender Tiefe einzuplanen.

Gerste und Roggen reagieren empfindlicher auf größere Strohmengen im Saathorizont

als Weizen und Triticale. Da die Gerste meist in schlechter Position abtragend

nach Weizen angebaut wird, stehen für die Rotte des Weizenstrohs nur ca. 40

45 Tage zur Verfügung. Die Vermeidung von Weizendurchwuchs in der Gerste verlangt

sehr sorgfältige Vorgehensweise und ist besonders in trockenen Jahren nicht

immer vollständig zu gewährleisten.

Bei einer geplanten Mulchsaat von Raps nach Weizen stehen oft nur etwa 10 Tage

zur Verfügung. Da die notwendige Zeit für mehrfache Arbeitsgänge fehlt, muss in

einem Arbeitsgang bereits auf Solltiefe gearbeitet werden, um das Stroh aus dem

Saathorizont hinaus in den Boden hinein zu fördern. Keinesfalls darf der Grubber

dabei das Stroh schwadförmig ablegen. Dies gelingt bekanntermaßen bei kurzem

Stroh und Stoppeln besser als bei langem. Wenn ein extrem kurzes Häckselgut er-

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zeugt werden kann, reichen bei guter Bodenstruktur auch flachere Arbeitsgänge. Insbesondere

für den Rapsanbau muss die Durchwurzelbarkeit geprüft und gewährleistet

werden. Bei schlechter Struktur belohnt insbesondere der Raps eine tiefere

Lockerung.

Bei einer Frühjahrsaussaat (z.B. Rüben, Mais, Leguminosen oder Sommergetreide)

hingegen kann das Stroh bei Bedarf sehr lange als Bodenbedeckung und zum

Erosionsschutz genutzt werden. Ein langsamer Rotteverlauf kann durch eine grobe

Häckselstruktur gefördert werden. Dazu kann auf eine Stoppelbearbeitung im Herbst

vollständig verzichtet werden. Alternativ kann eine flache Maßnahme etwa 10 bis 14

Tage nach der Ernte durchgeführt werden, die den Aufbau einer Schnecken- und

Mäusepopulation erheblich stören kann. Zu bedenken ist, dass zum Zeitpunkt des

geplanten Herbizideinsatzes der Strohbedeckungsgrad so weit abgesenkt ist, dass

sich die Wirkung von Bodenherbiziden entfalten kann.

Auf schweren Böden ist allerdings zu beobachten, dass unbearbeitete Böden im

Frühjahr aufgrund der ungestörten Kapillarität nicht abtrocknen und keine Bearbeitung

zulassen. Um dem entgegen zu wirken, ist

Durch eine nicht zu flache Grubberbearbeitung im Spätherbst, die den Oberboden

von der Kapillarität löst und eine möglichst rauhes Profil hinterlässt, kann dem entgegenwirken.

Diese Vorgehensweise ermöglicht auch auf kritischen Böden in Verbindung

mit Frostgare über Winter eine nur flache Bearbeitung im Frühjahr, die gleichzeitig

zur Einarbeitung von organischen Düngern dienen kann. im Spätherbst

Zusammenfassung:

Wenn durch tiefe Durchwurzelung der Vorfrucht oder hohe Bodenaktivität ein ausreichendes

Porensystem vorhanden ist, reicht prinzipiell eine sehr flache Bodenbearbeitung

aus. Nur wenn eine exzellente Strohzerkleinerung und verteilung gewährleistet

wird, ist die notwendige Stroheinarbeitung und -rotte auch dann zu erreichen.

Für diesen Einsatzzweck sind zweifelsfrei Bearbeitungsgeräte der neuen Generation

(Kurzscheibenegge, Flachgrubber) besser geeignet und notwendig. Es lohnt sich vor

dem Hintergrund der Diskussionen um die Senkung oder gar Streichung der Dieselrückvergütung

darüber nachzudenken, wie die Arbeit „in der Erde“ durch Verfahren

„über dem Erdboden“ (Strohhäcksler, Roundup Einsatz) bzw. durch sehr flache

Eingriffsintensität ersetzt werden kann. Aus vielen Gründen kann es sich lohnen,

über einen zusätzlichen Arbeitsgang mit dem Strohhäcksler nachzudenken. Beim

Mähdrusch ergeben sich erhebliche Veränderungen des Leistungsbedarfes und der

Flächenleistung, wobei vorausgesetzt ist, dass der Getreidebestand kein Lager aufweist.

Bei guter Einstellung und Arbeitsqualität des Strohhäckslers und guter Bodenaktivität

besteht die Möglichkeit, einen Bodenbearbeitungsgang einzusparen.

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Strip-Till (Streifenlockerung) eine Alternative zur Mulch-

und Direktsaat

Nachdruck mit freundlicher Genehmigung aus Landwirtschaft ohne Pflug 7/2008

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Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

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