BAUFIBEL ALTES LAND - Elbberg

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BAUFIBEL ALTES LAND - Elbberg

weitert und in den 1960er Jahre seinen größten Umfang erreichte,

zugeordnet.

1.2.5 Entwicklung bis heute

Die strukturellen Verhältnisse änderten sich bis in die Mitte des 19.

Jahrhunderts nur wenig. Mit dem Fortschritt der Technik und steigenden

Bevölkerungszahlen veränderte sich auch das Erscheinungsbild

der Orte. Wurden bisher die Gebäude aus den in der Umgebung zu

gewinnenden Baumaterialien Holz, Ziegel und Reet errichtet, so ist

ab ca. 1860 ein Wandel vom Fachwerkbau zum Massivbau festzustellen.

Ab 1880 werden Bauernhäuser nur noch vereinzelt in Fachwerk

errichtet. Massive Ziegelaußenwände, teilweise mit Putzverzierungen

und später auch reine Putzbauten treten an ihre Stelle. Für

die Dachdeckung werden vermehrt Ziegelpfannen, Biberschwanzoder

Schieferdeckungen verwendet. Das früher einheitlich gestaltete

Bauernhaus unterteilt sich zunehmend in ein repräsentatives Vorderhaus

und ein eher zweckmäßig - nüchtern gebautes Hinterhaus

mit dem Stallteil. Die letzten traditionellen gemeinsamen Wohn- und

Wirtschaftsgebäude im Alten Land wurden kurz nach dem zweiten

Weltkrieg errichtet.

Heute sind bei landwirtschaftlichen Hofstellen Wohnhaus und Wirtschaftsgebäude

völlig getrennt. Die Wohnteile unterscheiden sich

nicht mehr von sonstigen Einfamilienhäusern. Seit etwa 1900 entstehen

zwischen den Hofstellen auch reine Wohngebäude. Dies war

vorher nur in bestimmten Bereichen der Fall, wie in den Ortskernen

von Jork, Estebrügge, Steinkirchen oder Neuenfelde. In den nicht

landwirtschaftlichen Wohngebäuden wohnten z. B. Handwerker,

Schiffer, Kahnführer oder Tagelöhner. Reine Wohngebäude wurden

auch direkt auf oder an die Deiche gebaut.

1.3 Die Raumstruktur des Alten Landes

Die oben genannten Kernelemente der Kulturlandschaft Altes Land

sind in ihrer Gesamtheit und in ihrem Zusammenspiel von größerer

Bedeutung als einzeln. Ein historischer Altländer Hof mag zwar einen

Denkmalwert als Gebäude haben, wenn er aber inmitten einer von

Industrie und Gewerbebetrieben überformten Landschaft steht, beschränkt

sich seine Bedeutung auf die eines Reliktes, eines geschichtlichen

Fragmentes.

Das Alte Land ist ca. 170 km² groß, etwa 30 km lang und maximal

10 km breit. Die Grenzen des Alten Landes sind im Wesentlichen

natürliche: Die Elbe im Norden, ein 0,5 bis 3 km breiter Moorgürtel im

Süden, der Fluss Schwinge im Nordwesten. Im Osten verjüngt sich

die Ausdehnung des Alten Landes und grenzt dort an die Marschsiedlung

Moorburg. Schwinge, Lühe und Este, drei Nebenflüsse der

Elbe, zergliedern das Alte Land auf natürliche Weise in drei Bezirke,

die seit dem Mittelalter als „Meilen“ bezeichnet werden und durch ihre

Umdeichung historisch als Großpolder betrachtet werden können. Die

Elbe und auch die Schwinge, Lühe und Este sind den Gezeiten ausgesetzt.

Seit der Errichtung der Sperrwerke an den Mündungen der

Nebenflüsse im 20. Jahrhundert können die Nebenflüsse von der

Gezeitenwirkung abgetrennt werden.

Der Kolonisationsprozess des Alten Landes über mehrere hundert

Jahre hat eine spezifische und eigentümliche Landschaftsform ausgebildet.

Die länderübergreifende Kulturlandschaftanalyse Altes Land

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