2020/39 - 850 Jahre Ebersbach

suedwest.presse

850 Jahre

Ebersbach

SEPTEMBER 2020

JUBILÄUMSBEILAGE

Eine Stadt

im Wandel

Filsi und Co zum

Sammeln:

das Panini-

Album

Jubiläums-

Dreiklang:

Ebersbach

feiert

Noch viel los

zum Jubiläum

24 12 14

850 Jahre


2

RESSORT


INHALT/EDITORIAL/IMPRESSUM 3

Inhalt

Editorial

Ebersbach

feiert

850 Jahre

Geschichte

Mit dem Auftakt „Dreiklang“

begann das Jubiläumsjahr.

Seite 12

Ebersbach

– eine Stadt

im Wandel

Von der Stauferzeit bis hin

zu den aktuellen Bauprojekten

in der Innenstadt – Ebersbach

verändert sein Gesicht immer

wieder aufs Neue. Seite 6

14 Noch viel los zum Jubiläum

Trotz Corona finden Veranstaltungen im

Jubiläumsjahr statt – wenn auch oft anders.

18 Von Ebersbach in die Welt

Was verbindet einen Theologen, einen

Komponisten, einen Räuber, eine Millionärin

und einen Weltreisenden? Sie wurden alle in

Ebersbach geboren.

21 Ideen und Unternehmergeist

Zahlreiche bekannte Markenunternehmen

haben eine Verbindung zu Ebersbach.

Eine attraktive Stadt

Der Ebersbacher Bürgermeister

Eberhard Keller wirft einen Blick

zurück und

spricht über

die Zukunft

der Stadt.

Seite 4

24 Sammelfieber zum Jubiläum

Zum 850. Geburtstag gibt es ein eigenes

Panini-Sammelalbum.

26 Jugend hat einen hohen

Stellenwert

In Ebersbach gibt es zahlreiche Vereine.

2020 wird der SV Ebersbach 100 Jahre alt.

33 Bücher überwinden Grenzen

Der 2012 gegründete Verein „Bücher

tun Gutes“ spendet für soziale Zwecke

im ganzen Landkreis.

Optimistischer

Blick nach vorne

2020 war in Ebersbach eigentlich

das große Jubiläumsjahr geplant.

Viele Beteiligte haben

sich weit im Vorfeld Gedanken

über die vielfältigen Aktionen

gemacht und wollten Ebersbacher

und Gäste mit der Vielfältigkeit

der Stadt im unteren Filstal

begeistern.

Bereits der Auftakt des Jubiläumsjahres

mit dem Jubiläums-Dreiklang

war ein großer

Erfolg, der Lust machte auf

mehr. Sämtliche Planungen wurden

mit Beginn des Lockdowns

Mitte März eingebremst.

Trotzdem zeigten die Ebersbacher,

was die Stadt bereits seit

850 Jahren auszeichnet: Ideen,

Kreativität und den festen Willen,

immer weiterzumachen.

Veranstaltungen wurden umgeplant

oder auf das kommende

Jahr verschoben, die Spezial­

Sammelsticker gibt es jetzt auf

dem Wochenmärkten und die

Stadt beteiligte sich Ende Juni

an der bundesweiten „Night of

Light“, bei der Spielstätten und

andere Gebäude von außen rot

beleuchtet wurde. Bei dieser

Aktion ist auch unser futuristisch

anmutendes Titelbild entstanden.

Das alles macht Mut, den Blick

optimistisch in die Zukunft zu

richten, wie das Ebersbach

schon seit 850 Jahren erfolgreich

macht!

Stefanie Müller

Redaktionsleitung

Schwäbisches Verlagshaus

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Rosenstraße 24,

73033 Göppingen

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Titel: Giacinto Carlucci

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4

INTERVIEW

Auftakt zum Jubiläum: Der Ebersbacher

Bürger meister Eberhard Keller

und das Maskottchen Filsi beim

Jubiläums-Dreiklang.

Foto: Michael Tilp

Eine attraktive Stadt

Interview Bürgermeister Eberhard Keller sieht Ebersbach auf Wachstumskurs.

Herausforderungen sind die Kinderbetreuung und weitere Bauprojekte.

Das Jubiläumsjahr „850 Jahre

Ebersbach an der Fils“ wurde

akribisch seit einigen Jahren

vorbereitet. Corona hat nun zu

vielen Absagen geführt. Wie ist

Ihre bisherige Bilanz?

Eberhard Keller: Unsere Auftaktveranstaltung

„Jubiläums-Dreiklang“

wurde statt eines Ausblicks

auf das Jubiläumsjahr zu

unserem Jubiläumstag. Zum

Glück konnten wir zu diesem

Zeitpunkt unbeschwert und

fröhlich zusammen feiern: Musizierend

mit uns verbundenen

Künstlern oder unseren französischen

Freunden aus der Partnerstadt

Bourg-lès-Valence – mit

tollen Beiträgen von Vereinen

und Institutionen, aber auch von

einzelnen engagierten Bürgerinnen

und Bürgern sowie der fleißigen

Stadtverwaltung. In der

Krisensituation hat sich gezeigt,

Zur Person

Eberhard Keller

ist seit 2017 Bürgermeister

der Stadt

Ebersbach an der

Fils. Zuvor war der

gebürtige Stuttgarter

neun Jahre bei

der Stadtverwaltung

Mannheim und

ehrenamtlich in

zahlreichen Vereinen

engagiert.

wie schnell die Ebersbacher Gemeinschaft

in der Lage war, vom

Fest- in den Schutzmodus umzuschalten,

eigene Bedürfnisse

und Wünsche dem gesundheitlichen

Ganzen unterzuordnen.

Statt zu feiern hieß es nun, sich

auf ganz andere Weise zu engagieren,

und auch dies ist in unserer

Stadt hervorragend gelungen.

Die vorhandenen Ressourcen

aus dem Jubiläumsjahr werden

nun für andere Vorhaben

eingesetzt, die ebenfalls für alle

in der Stadt sichtbar sind: „Pro

Ebersbach e.V.“ und „Bücher tun

Gutes“ haben zusammen mit der

Stadt statt in Veranstaltungen in

eine neue Weihnachtsbeleuchtung

investiert, unser Comic-Filsi

witzelt nicht übers Jubiläum,

sondern warnt vor Corona.

Der Verbund Ebersbacher

Vereine plant statt des Jubiläums-Stadtfests

nun für 2021 ein

Fest mit den Vereinen. So überwiegen

statt Corona-Frust Dankbarkeit,

glimpflich davongekommen

zu sein, und Vorfreude auf

das Kommende! Im zweiten

Halbjahr bringen kleinere Veranstaltungen

mit neuem Konzept

doch noch Jubiläumsstimmung:

z.B. die Ausstellungen des

Stadtmuseums, der Kunst-Pfad

im Bachtal, der Martini-Sternenlauf,

die Wochenmärkte „spezial“,

die Ausgabe der Panini-Sondersticker

oder das Erleben des

weihnachtlich neu illuminierten

Ebersbach. Alles unter Berücksichtigung

der notwendigen Hygieneauflagen.

Ich freue mich,

dass die neue Weihnachtsbeleuchtung

nicht nur in der Innenstadt,

sondern auch in den

Stadtteilen aufgehängt wird, so

dass alles festlich leuchtet.


INTERVIEW 5

Mit welchen Herausforderungen

war Ebersbach vor 850 Jahren

konfrontiert? Welche wichtigen

Themen beschäftigen die Stadt

heute?

Der Verwaltungsaufbau vor 850

Jahren war vor allem durch das

Lehnswesen bestimmt und stark

hierarchisch gegliedert. Die örtliche

Verwaltung war vor 850

Jahren nur minimal, Arnulf von

Ebersbach stand als kaiserlicher

Ministerial mit Amtssitz in

Ebersbach weitgehend alleine

vor den Herausforderungen im

Alltag. Wie diese aussahen,

kann man leider nur vermuten,

denn von ihm weiß man so gut

wie nichts. Allerdings dürfte zu

seiner Zeit die Frage nach der

allgemeinen Sicherung der Lebensgrundlagen

von der ausreichenden

Erzeugung landwirtschaftlicher

Produkte bis hin

zur Wahrung des Friedens und

den Schutz durchreisender

Kaufmannszüge vor Räubern

eine wesentliche Rolle eingenommen

haben. Einige von Arnulfs

weiteren Aufgaben dürften

der Erhalt und die Pflege der

wichtigen Filstalstraße sowie

die Verwaltung bestehender

Einnahmequellen und die Förderung

des lokalen Handels gewesen

sein. Arnulf war, wenn es

sein musste, auch kämpfender

Ritter.

Heute muss ein Stadtoberhaupt

glücklicherweise nicht

mehr für den Kaiser in die

Schlacht ziehen. Auch hat sich

die Erwartung der Bürgerinnen

und Bürger an ihr Gemeinwesen

sehr stark verändert. Die

Kommune ist heute Dienstleister

und Serviceerbringer. Beginnend

bei der Daseinsvorsorge

(z.B. Wasserversorgung) über

die Bereitstellung einer hochwertigen

Infrastruktur bis hin

zu Bildung und Betreuung sind

die Aufgaben in den zurückliegenden

Jahrhunderten stets gewachsen

und mit ihnen auch der

Qualitätsanspruch.

Ebersbach als attraktive Stadt

bietet heute mehr als nur einen

Markt. Das Kauffmann-Areal

und die vielen inhabergeführten

Geschäfte in unserer Stadt bieten

vielfältige Einkaufsmöglichkeiten.

Die zahlreichen Naherholungs-

und Freizeitmöglichkeiten

werden weiter ausgebaut.

Auch das ehrenamtliche

Engagement in Ebersbach ist

ein Grundpfeiler für die Lebensqualität.

Den Engagierten kann

man an dieser Stelle nicht genug

für ihren Einsatz danken.

Die Sicherung der Arbeitsplätze

wird uns mit dem Strukturwandel

in Automobil- und Maschinenbau

vor große Herausforderungen

stellen. Hier arbeiten wir

daran, dass wohnortnahe Arbeitsplätze

erhalten und die Einnahmen

der Kommune auf ein

Ebersbach

wird auch

in Zukunft eine

lebens- und

liebenswerte Stadt

bleiben.

Eberhard Keller

Bürgermeister Ebersbach

stabiles Fundament gestellt werden.

Der Strukturwandel muss

auch zu mehr Klima- und Umweltschutz

führen. Trotzdem

wird es notwendig sein, weitere

Flächen für Wohnen und Gewerbe

auszuweisen. Das Mobilitätsangebot

wird weiter ausgebaut,

zum Beispiel durch Carsharing.

Die Eckpunkte für die Stadtentwicklung

haben wir zusammen

mit den Einwohnerinnen und

Einwohnern erarbeitet und im

Integrierten Stadtentwicklungskonzept

ISEK festgeschrieben.

Wir bleiben damit auf einem

vorsichtigen Wachstumskurs. So

wird Ebersbach auch in Zukunft

eine lebens- und liebenswerte

Stadt mit Ausstrahlung über das

untere Filstal hinaus bleiben.

Kinderbetreuung ist für Kommunen

und Eltern gleichermaßen

ein wichtiges Thema. Wie ist der

Status in Ebersbach und welche

Maßnahmen sind geplant, um

zusätzliche Betreuungsplätze zu

schaffen?

Nach außen: Wir arbeiten in der

Verwaltung mit Nachdruck an

der Schaffung zusätzlicher Kitaplätze.

Der zusätzliche Bedarf

stellt uns, wie viele andere Kommunen,

vor erhebliche Herausforderungen.

Wir haben innerhalb

der Verwaltung eine Art

„Task Force“ zum Ausbau der Kita-Plätze

gegründet, um hier regelmäßig

die notwendigen

Schritte abzugleichen und umzusetzen.

Wir haben in unseren

Kitas erste zusätzliche Plätze geschaffen,

vom Kommunalverband

für Jugend und Soziales Baden-Württemberg

werden alle in

Frage kommenden, städtischen

Gebäude auf ihre „Kita-Tauglichkeit“

geprüft. Es gibt feste Standards,

die nicht an jedem Standort

zu erfüllen sind. Wir schaffen

kurzfristig Lösungen – unter

anderem durch die Einrichtung

einer Naturgruppe und die Einrichtung

weiterer Kleingruppen.

Wichtig ist aber die mittel- und

langfristige Planung: Entlastung

kann erst ein Neubau für mindestens

100 Kinder schaffen. Der

anvisierte Standort im Zentrum

wird nicht nur der gegenwärtigen

Nachfrage gerecht, er wurde

auch bei der Bürgerbeteiligung

zum ISEK befürwortet.

Natürlich haben wir auch das

Thema Personal im Blick. Neben

den Bausteinen Ausbildung von

Erzieherinnen und Erziehern

und einer Dauer-Personaloffensive

wollen wir durch verstärkte

Profilbildung und konsequentes

Qualitätsmanagement dazu

beitragen, auch in diesem Bereich

ein attraktiver Arbeitgeber

zu bleiben.

Verschiedene große Bauprojekte

wie das Kauffmann-Areal und

der Neubau am Rathaus haben

in den vergangenen Jahren das

Gesicht der Stadt Ebersbach

verändert. Wie ist der aktuelle

Stand bei dem Projekt Viehmarkt

und dem Neubau der Halle

in Bünzwangen?

Die Mehrzweckhalle Bünzwangen

ist im Bau und im Plan, während

wir beim Viehmarkt noch

in der Konzeptionsphase sind.

Der Viehmarkt ist eine weitere

Chance zur Stadtentwicklung

im Zentrum von Ebersbach,

hier ist Raum für Gestaltung

und Ideen, den man nutzen

muss, um einen weiteren

Magneten im Herzen der Stadt

zu schaffen, der idealerweise öffentliche

und private Nutzungselemente

sinnvoll verbindet.

Auch hier kamen aus der Bürgerbeteiligung

zum Integrierten

Stadtentwicklungskonzept ganz

wichtige Impulse. So könnten

die Stadtbibliothek und VHS

mit weiteren Nutzungen an dieser

schönen Stelle eine neue, gemeinsame

Heimat finden und

die Innenstadt zusätzlich beleben.


Ansichtskarte mit der Partie am Rathaus, um 1920.

Fotos: Stadtarchiv

Ebersbach auf

Wachstumskurs

Geschichte Im Jahr 1170 wird Ebersbach im Traditionsbuch des Klosters Ursberg erstmals

genannt. Bereits in der Stauferzeit besaß der Ort das Marktrecht. Mit dem Anschluss an

die Eisenbahn 1847 begann der wirtschaftliche Aufschwung. Dank der Industrialisierung

wuchs die Bevölkerung. 1910 hatte Ebersbach bereits mehr als 3.000 Einwohner.

E

rste Hinweise auf eine

Besiedelung der Gegend

des heutigen

Ebersbach gibt es bereits

aus der Jungsteinzeit.

„Der älteste schriftliche

Hinweis auf Ebersbach an der

Fils findet sich im so genannten

Traditionsbuch des Klosters

Ursberg, einem Grundstücksverzeichnis

des in Bayrisch-Schwaben

gelegenen Klosters aus dem

12. Jahrhundert“, so der Ebersbacher

Stadtarchivar Uwe Geiger.

In dem Schriftstück wird der

kaiserliche Ministerial Arnolf

von Ebersbach erwähnt, der dem

Kloster für seine drei Pflegetöchter

sechs Güter übergab. Die

„Herren von Ebersbach“ besaßen

in staufischer Zeit vermutlich

an der Stelle der heutigen

Veitskirche eine Burg. Reste der

mittelalterlichen Mauer um die

Veitskirche haben heute noch einen

wehrhaften Charakter. Die

genaue Ausdehnung des hochmittelalterlichen

Amts Ebersbach

ist unbekannt. Nicht nur

Bereiche des Schurwalds gehörten

dazu, auch südlich der Fils

bis vor die Alb soll der Amtsbezirk

gereicht haben. Der bekannteste

Herr von Ebersbach war

Volknand von Staufen, auch Volknand

von Ebersbach genannt,

der als Stifter des Klosters Adelberg

in die Geschichte einging.

Volknand war weitläufig mit

dem Kaiserhaus verwandt und

wurde mit Schild und Helm im

Kloster Adelberg bestattet. Seine

Grabstelle ist unbekannt.

Um 1274 kommt Ebersbach

zur Grafschaft Württemberg.

Das früheste Lagerbuch des Ortes

stammt aus dem Jahre 1400

und nennt 55 steuerpflichtige

Bürger. Nach der Einrichtung einer

Kurierpost von Innsbruck

über Brüssel in die Niederlande

durch den Grafen von Thurn

und Taxis erhielt Ebersbach um

1519/20 eine Postreiterstation,

die bis 1698 bestand.

Den Anschluss an die Eisenbahn

besitzt Ebersbach seit 1847.

Bis heute führen die Gleise mitten

durch die Stadt. Im Jahre 1862

ließ sich der erste Industriebetrieb

in Ebersbach nieder. Doch

erst mit der Errichtung einer

weiteren Fabrik 1886/87 begann

die eigentliche Industrialisierung.

Das Handwerkerdorf

Ebersbach entwickelte sich zu

einem Industrieort.

Durch die Industrialisierung

wuchs die Bevölkerung. Wohnten

1880 1.774 Menschen in

Ebersbach, wurden 1907 bereits

2.738 Einwohner gezählt. 1910

wurden 3.094 Einwohner gezählt.

1971 waren mit 10.643 Einwohner

die Zehntausendermarke

überschritten.


STADT IM WANDEL 7

Der Alltag vor 850 Jahren

Eine Gruppe führt vor, wie der

Alltag im Mittelalter aussah.

Dazu wurde im Stadtmuseum ein

spezieller Nähkurs angeboten.

Fotos: Giacinto Carlucci/Helga Single

Im Frühjahr 2019 fanden sich

rund zehn Interessierte zusammen,

um im Jubiläumsjahr

2020 mittelalterliches Leben

darzustellen, wie vor 850 Jahren.

Ein Impulsvortrag vom

Leiter der Bachritterburg Kanzach

gab den Ausschlag, dass

der Anspruch der Darstellung

sehr hoch liegt. Das heißt,

dass man sich an aktueller

Forschung orientiert. Im Zentrum

steht das möglichst

wirklichkeitsgetreue Nachstellen

des Lebens um 1170. Elfen,

Kobolde, Orks und ähnliche

dem Fantasy-Bereich entsprungene

Figuren sucht man

hier vergeblich. Den Wissensstand

in so kurzer Zeit akkurat

umzusetzen, ist eine echte

Herausforderung.

Um möglichst nahe an die

Herstellungsweise des Mittelalters

heranzukommen und

somit Produkte zu schaffen,

die um 1170 existiert haben

könnten, muss viel Unbekanntes

erlernt werden. Innerhalb

weniger Monate hat sich die

Gruppe um Stadtarchivar Uwe

Geiger zu zahlreichen Werkabenden

getroffen. In hunderten

Arbeitsstunden konnten

aus Leinenstoff und Wolltuch

maßgefertigte Gewänder geschneidert

werden, alles in reiner

Handarbeit. Zuletzt erlernten

die Teilnehmer bei einem

zweitägigen Lehrgang im

Stadtmuseum „Alte Post“ die

Grundlagen des Nadelbindens.

Mit dieser Technik kann man

mit einem Faden und einer Art

übergroßen Nähnadel textile

Flächengebilde herstellen und

so auch Socken fertigen.

Wichtig zu wissen: Um 1170

war das Stricken in Deutschland

noch unbekannt. Zuletzt

wurden in einem Workshop

Ende Februar Messer nach

hochmittelalterlichen Vorbildern

gefertigt.

Das Wappen der

Stadt Ebersbach

Ebersbach besitzt das

älteste farbige Wappen im

Landkreis Göppingen. Es

wurde 1535 zum ersten Mal

näher beschrieben und zeigt

einen stehenden gelben

Eber auf grünem Boden vor

rotem Hintergrund. Die

Flaggenfarben sind

Grün-Rot.

Ebersbach

wird Stadt

Am 12. Februar 1975 wurde

Ebersbach an der Fils zusammen

mit den Teilorten

Büchenbronn, Bünzwangen,

Krapfenreut, Roßwälden,

Sulpach und Weiler zur

Stadt erhoben.


8

STADT IM WANDEL

Von der alten Reichsstraße

über die Bundesstraße 10

zur heutigen Hauptstraße

Verkehr Mit dem zunehmenden Autoverkehr wurde die B10 ins Ebersbach immer mehr zur

Belastung. Erst die Eröffnung der neuen B10 1991 sorgte wieder für mehr Lebensqualität.

Die verkehrsgünstige

Lage an der alten

Reichsstraße ist für

Ebersbach Fluch und

Segen zugleich. War die Lage

früher von Vorteil und brachte

durch die erfolgreichen Fuhrleute

und den Handel mit Salz

Wohlstand in die Stadt, litten die

Ebersbacher später unter dem

zunehmenden Durchgangsverkehr.

Alte Aufnahmen der Innenstadt

zeigen den großen Einfluss,

den die Bundesstraße 10 auf die

Stadt hatte. Die zahlreichen

Fahrzeuge, die Tag für Tag durch

die Innenstadt rollten, sorgten

für Gestank, Schmutz und Lärm.

Der Ruß der Abgase färbte die

Häuserfassaden an der B 10

schwarz. Im Laufe der Zeit wurden

verschiedene Gebäude

Der Bau der neuen B10 bei Ebersbach im Oktober 1991.

Foto: Stadtarchiv


STADT IM WANDEL 9

250

Millionen Mark investierte der

Bund in den Neubau der Bundesstraße

10 zwischen Plochingen

und Göppingen.

Eröffnungsfeier der B10 bis Ebersbach.

Fotos: Stadtarchiv

Eröffnung der B 10 – das

Band wird durchschnitten.

abgerissen, um den Verkehrsfluss

zu verbessern. Eine Umkehr

in der Verkehrspolitik kam

erst Ende der 80er-Jahre. Anfang

November 1989 wurde die

2,7 Kilometer langen Teilstrecke

der neuen B 10 zwischen

Plochingen und Göppingen

durch den damaligen Regierungspräsidenten

Dr. Manfred

Bulling eröffnet. „Diese Straße

wird nicht primär für die Autofahrer,

sondern für die Menschen

in den Orten Reichenbach,

Ebersbach und Uhingen

gebaut“, erklärte der Regierungspräsident

anlässlich der

Eröffnung. Zuvor wurden in

Reichenbach, das genauso wie

Ebersbach von der alten B 10

durchschnitten wurde, täglich

26 000 Fahrzeuge gezählt. Insgesamt

250 Millionen Mark

(rund 127 Millionen Euro) investierte

der Bund in das Straßenbauprojekt

zwischen Plochingen

und Göppingen. Es

dauerte dann nochmals zwei

Jahre, bis der damalige Landesverkehrsminister

Thomas

Schäuble und Regierungspräsident

Dr. Udo Andriof am 23.

November 1991 die B10-Ortsumgehung

Ebersbach eingeweihten.

Die beiden Politiker

radelten nach dem Schnitt

durchs Band auf einem Tandem

über die neue Straße. Nach dieser

ungewöhnlichen und ökologischen

Jungfernfahrt konnten

auch die Ebersbacher endlich

wieder durchatmen. Die

NWZ berichtete, dass der neue

Abschnitt der B10 die Ortsdurchfahrt

täglich um rund

20.000 Fahrzeuge entlasten

soll. Hunderte Ebersbacher

Bürger verfolgten die Eröffnung

des 94 Millionen DM teuren

Bauabschnitts. Beim anschließenden

Rückbau der alten B 10,

der heutigen Hauptstraße, erhielt

die Innenstadt Stück für

Stück ein neues Gesicht. Zu

dem Gestaltungskonzept gehören

unter anderem gepflasterte

Kandel und Bäume am Straßenrand.

Ende der 90er Jahre wurde

mit dem Rathauskreisel im

Westen der Anfang gemacht,

jetzt arbeitet sich die Stadt Zug

um Zug nach Osten vor. 2016

war das 240 Meter lange Stück

von der Bahnhof- bis zur Friedrichstraße

an der Reihe.


10

STADT IM WANDEL

Blick auf das nächtliche Kauffmann-Areal in der Ebersbacher Stadtmitte. Direkt daneben zog die Ebersbacher Musikschule in die renovierte

Villa der Fabrikantenfamilie Kauffmann ein.

Fotos: Giacinto Carlucci, Birgit Rexer

Einkaufen

statt Essiggurken

Das neue Kauffmann-Areal und das Kinderhaus an der Marktschule waren weitere

Schritte in der Entwicklung der Innenstadt. Folgen soll der Bereich Viehmarkt.

Den Startschuss für den

Wandel in der Innenstadt

gab der neue Erweiterungsbau

des

Rathauses. Ende

2008 zogen die ersten Mitarbeiter

in den Neubau mit seiner

markanten Klinkerfassade und

der großzügigen Glasflächen ein.

Gleichzeitig erfolgte die Sanierung

des denkmalgeschützten,

im Jahr 1884 errichteten Rathauses

aus der Gründerzeit. Ein Steg

verbindet das historische und

das neue Gebäude. Auf der anderen

Seite des Neubaus blicken

die Verwaltungsmitarbeiter auf

das Fachwerk-Pfarrhaus.

Im Oktober 2012 konnte in der

Ebersbacher Stadtmitte mit dem

Kauffmann-Areal ein so genanntes

Jahrhundertprojekt abgeschlossen

und eingeweiht werden.

Im Vorfeld lag eine jahrelange

Planungsphase.

Im Jahr 2000 musste das Unternehmen

Kauffmann Konkurs

anmelden. Kurz darauf erwarb

die Stadt das Firmenareal der

ehemaligen Essig- und Konservenfabrik

in unmittelbarer Nähe

zum Bahnhof. Nach langem Hin

und Her – zeitweise sah sich die

Stadtverwaltung mit einer Strafanzeige

wegen Untreue konfrontiert

– begann am 14. Juli 2011 die

Bebauung des Areals in der Ortsmitte.

Während der Bauzeit

sorgten Probleme mit dem Untergrund

der Baustelle dafür,

dass es immer wieder zu Verzögerungen

kam und umgeplant

werden musste. Rund 22 Millionen

Euro wurden in das neue

„Herz der Stadt“ investiert. In

der 1905 erbauten Villa der Familie

Kauffmann fand die Ebersbacher

Musikschule ein neues

Zuhause. Nebenan entstand eine

Kombination aus Einzelhandel,

Dienstleistungsangeboten, Pflegeeinrichtung,

Gastronomie,

Parkhaus und Wohnen. Ergänzt

wurde das neue Kauffmann-Areal

mit seinen modernen Flachdachgebäuden

um einen großzügigen

Außenbereich mit Brunnenanlage,

Bäumen und Grünflächen.

Auch nach dem Bau des

Kauffmann-Areals ging die

Ebersbacher Stadtentwicklung

mit großen Schritten weitergehen.

2014 wurde das ehemalige

Feuerwehrgerätehaus abgerissen.

Dadurch entstand Platz für

die Neugestaltung des Filsufers

als Landschaftspark. Über lange

Schleppstufen wurde wieder ein

einfacher Zugang zum Fluss geschaffen.

Rund 2,1 Millionen

Euro investierte die Stadt in den

Bau des neuen Kinderhauses

Schatzkiste auf dem Marktschul-Areal.

Zudem wurde der

Platz vor der Marktschule neu

gestaltet. Damit konnte Ende Februar

2017 ein weiterer Baustein

in der Entwicklung der Ebersbacher

Innenstadt abgeschlossen

werden. Der nächste Schritt in

der Stadtentwicklung ist die

Neugestaltung des Viehmarkt-Areals

nahe der Marktschule.

Das Sanierungsgebiet

soll den Brückenschlag zwischen

neuem Kinderhaus und

Innenstadt bilden.


STADT IM WANDEL 11

Fotos: Stadt Ebersbach/

Michael Tilp

2012 wurden die Bauarbeiten am Kauffmann- Areal

abgeschlossen.

Produkte

zum Jubeln

Der Viehmarkt am Rand der Innenstadt.

„Bei der Planung des Jubiläums

haben wir den Anstoß für Jubiläumsprodukte

gegeben“, erinnert

sich Frieder Scheiffele,

Standortförderer der Stadt

Ebersbach. So gab es bereits

zum Jubiläumsauftakt

„Dreiklang“ gebackene Käse-Eber.

„Die Formen für die

Eber haben wir uns in verschiedenen

Größen speziell

anfertigen lassen“, erzählt

Christina Speißer-Eberhardinger

von der Roßwälder

Bäckerei Rau. Das

Ebergebäck, das es auch als

Spitzbuben gibt, hat die Bäckerei

im Jubiläumsjahr immer

wieder im Angebot. Eine Jubiläumsbratwurst

mit Wildschweinanteil

bietet die Metzgerei

Rapp auf dem Wochenmarkt

an. Im Ons’r Lädle in der

Ebersbacher Hauptstraße gibt es

spezielle Jubiläumstassen mit

der Aufschrift „Ebersbach a. d.

Fils 850 Jahre“. „Außerdem haben

wir Eber aus Holz, die wir

inzwischen wieder sehr gut in

alle Welt verkaufen“, erzählt Besitzerin

Gabriele Preuss-Jung.

Die Baustelle an der Marktschule. Fotos: G. Carlucci


12

JUBILÄUMS-DREIKLANG

Ebersbach feiert

850 Jahre

Geschichte

Das umfangreiche

Programm beim

Jubiläumsdreiklang

sollte einen Vorgeschmack

auf die zahlreichen

Angebote im

Jubiläumsjahr geben.

Fotos: Giacinto Carlucci

Rückblick Mitte Februar begannen in Ebersbach

an der Fils die Feier zum 850. Jubiläum der Stadt

mit dem Jubiläumsdreiklang.

Eigentlich sollte 2020 in

Ebersbach das große

Jubiläumsjahr werden.

„Mit der namentlichen

Erwähnung im Grundstücksverzeichnis

von Kloster

Ursberg in Bayern um 1170 verfügt

Ebersbach an der Fils quasi

über eine Geburtsurkunde

und hat erstmals eine Identität

und ein Gesicht bekommen“, so

der Göppinger Landrat und ehemalige

Ebersbacher Bürgermeister

Edgar Wolff. Zum Auftakt

fand bereits am 15. Februar

mit dem Jubiläums-Dreiklang

eine fulminante Auftaktveranstaltung

statt, die Lust auf mehr

machen sollte. „Das Datum unseres

Festaktes ist nicht zufällig

gewählt. Wir feiern in diesem

Jahr nicht nur 850 Jahre Ebersbach.

Wir feiern auch den 45.

Jahrestag der Stadterhebung am

12. Februar 1975 – sind mit unserem

Festakt also möglichst nahe

an dieses historische Datum

herangerückt“, begrüßte der

Ebersbacher Bürgermeister

Eberhard Keller die Gäste.

Im Februar sah die Welt

noch anders aus

Diese folgten bei der offiziellen

Feierstunde und dem großen

Fest zahlreich dem Motto der

Stadt Ebersbach im Jubiläumsjahr:

„Wir feiern uns! Feiern Sie

mit!“ In der Innenstadt zwischen

Rathaus, Musikschule und dem

Credo war für die Besucher ein

Querschnitt aller kommenden

Veranstaltungen zur 850-Jahr -

Feier geboten.

Am Brunnen vor der Musikschule

präsentierte sich die Mittelaltergruppe

zum ersten Mal.

Vor dem Miniatur-Zeltlager

wurden

über dem Lagerfeuer

nach einem historischen

Rezept Käseknödel

und Honigkarotten mit

historischen Kräutern gekocht.

Die Besucher konnten die Kunst

des Nadelbindens, dem Vorläufer

des Strickens, bestaunen.

Persönliche Widmung

vom Comiczeichner

Im Ratssaal gab es schon einen

Auszug aus der Ebersbach-Suite

zu hören, die der gebürtige

Ebersbacher Komponist und Pianist

Martin Schrack eigens für

das Jubiläum geschrieben hat.

Am 24. Oktober wird die komplette

Suite vorgestellt. „Wir

wollen die Leute neugierig machen

und uns das Publikum heranziehen“,

so Schrack. Im Credo

konnte man sich vom einzig aktiven

Disneyzeichner Deutschlands,

Jan Gulbransson, dessen

Comicbücher mit individuellen

Widmungen signieren lassen.

Jan Gulbrabsson hat auch das

Ebersbacher Stadtmaskottchen

Filsi gezeichnet, das es deshalb

seit 2020 auch in einer Comicversion

gibt.

Gerne schauten sich die Besucher

die die historische Film-


JUBILÄUMS-DREIKLANG 13

FOTOS: GIACINTO CARLUCCI

vorführung über den Festumzug

vor 50 Jahren an. Für den 12. Juli

war eigentlich ebenfalls in Verbindung

mit dem Stadtfest zum

Jubiläum ein großer Festzug geplant,

der aber, wie das Jubiläumsstadtfest,

durch die Corona-Pandemie

abgesagt werden

musste.

Ein Spektakel aus

Feuer und Licht

Den krönenden Abschluss des

Tages bildete eine Feuershow

und die weltbekannte Riesenpuppe

„Dundu“. Trotz der am

Abend deutlich gesunkenen

Temperaturen kamen viele extra

dafür noch einmal auf den

Bourg-lès-Valence-Platz. Zusammen

mit „Nici on Fire“ zeigte

die Ebersbacherin Manuela

Hernet-Fahrion, alias Majandra,

verschiedene

Kunststücke,

etwa mit Fackeln

oder

einem brennenden

Geigenbogen.

Nach der Feuershow

waren alle gespannt

auf den Dundu. Die

fünf Meter hohe Riesenpuppe,

die sonst

auf den großen Bühnen

der Welt unterwegs

ist, bewegte sich

gemächlich, begleitet

von Livemusik, durch

die Menge. Vor allem

die Kinder

wollten ganz

nah ran und

den Dundu

berühren.

Dundu –

ein Gigant

des Lichts

Dundu ist fast fünf Meter

hoch und für spektakuläre

Auftritte bekannt. So z.B. in

der „Helene Fischer Show“

im ZDF. Mit Dundu ist es

dem Puppenbauer Tobias

Husemann gelungen, mechanische

Gliederpuppen zu

gestalten, die Größe und

imposante Erscheinung mit

natürlicher Anmut und Grazie

vereinen. Es gibt die

Puppen in unterschiedlichen

Ausführungen, von denen

die größte sich mit

ihren Dimensionen, an der

Grenze der noch frei spielbaren

Puppen bewegt. Die

besondere Ausstrahlung

dieser Figuren wird bei Dunkelheit

durch die Illumination

mit einem W-DMX gesteuerten

Beleuchtungssystem

noch gesteigert.

Animiert wird Dundu von einem

Ensemble mit jeweils

fünf professionellen Puppenspielern

und Performern.

Diese große Anzahl

von Spielern und ihre ausgefeilte

Technik sorgen, in Verbindung

mit der hoch entwickelten

Motorik der Puppe,

für die perfekte Illusion

menschlich anmutender

Bewegungen. In Harmonie

mit der eigens für Dundu

konzipierten Live-Musik von

Mit-Gründer Stefan Charisius

auf der westafrikanischen

Harfe Kora, ergibt

sich ein interaktives audiovisuelles

Erlebnis für Groß

und Klein.


14 VERANSTALTUNGEN

Noch viel los

zum Jubiläum

Termine Mit der Auftaktveranstaltung „Jubiläumsdreiklang“

begann das Veranstaltungsprogramm zum 850-jährigen

Bestehen der Stadt Ebersbach. Durch die Auswirkungen der

Covid-19-Pandemie mussten die Organisatoren leider einen

großen Teil der Veranstaltungen absagen. Die folgenden Events

konnten beziehungsweise können im Jubiläumsjahr trotz der

geltenden Einschränkungen stattfinden:

ALLE FOTOS: MICHAEL TILP

21. Februar:

Die Ausstellung „Wie vor 850

Jahren – Alltag in der Stauferzeit“

wurde im Stadtmuseum

Alte Post in Ebersbach eröffnet.

Nach den Einschränkungen

durch die Corona-Pandemie

wurde die historische Ausstellung

bis Juni verlängert.

Zudem konnten Besucher die

Ausstellung digital mit einem

365-Grad-Rundgang besuchen.

März:

Seit Anfang März wird die Werkschau

der Künstlergruppe KIO

im Rathaus in Ebersbach gezeigt.

KIO ... kunst_im_ort wurde im

Jahr 2018 von Kunstschaffenden

und Kunstinteressierten in

Ebersbach an der Fils gegründet.

Angeregt durch die 2020 stattfindenden

850-Jahr-Feierlichkeiten,

beschäftigte sich KIO mit

dem Wappentier der Stadt und

zeitgleich mit dem der französischen

Partnerstadt Bourg-lès-

Valence. In diesem Zusammenhang

wurden Stoffdrucke und

verschiedene Geschenkartikel

gestaltet.

25. Juni:

Der Vortrag „Von Benedikt bis

Hildegard – Geschichte der

Medizin im mittelalterlichen

Abendland“ gehörte ebenfalls

zum Jubiläumsprogramm der

Stadt Ebersbach. Zu hören war

der Vortrag Ende Juni im Stadtmuseum

Alte Post.

8./9. August:

Bücherfreunde trafen sich Mitte

Juni zum „Chill Out im Büchersommer

2020“ des Vereins

„Bücher tun Gutes“ auf dem

Marktplatz vor dem Café Carrée

zu einem Urlaubs-Bücherflohmarkt.

„Auch ohne Reisepläne

lohnt sich ein Besuch, denn im

Garten oder auf der Terrasse

braucht’s im Liegestuhl spannende

Lektüre mit wenig Gewicht“,

sagte Sonja Hollandt,

Vorsitzende des Vereins. Und da

es sich bei einem kühlen Drink

viel besser schmökern lässt, hatten

sich Sonja Hollandt und

Carrée-Chef Cahit Solmaz ein

Gutschein-System für die beiden

Chill-Out-Tage ausgedacht.


VERANSTALTUNGEN 15

27. August:

Bei einer ersten Wegbegehung

gingen Stadtarchivar Uwe Geiger

und ein weiterer Teilnehmer

der neugegründeten Mittelaltergruppe

Ebersbach um 1170“ die

rund zehn Kilometer von Ebersbach

ins Kloster Adelberg. Für

den Spätherbst ist eine weitere

Wanderung der Gruppe auf der

gleichen Strecke geplant. Dabei

werden die Teilnehmer Gewänder

aus der Stauferzeit tragen.

Besucher können gerne die gesamte

oder einen Teil der Strecke

mitwandern.

20. September:

Seit 850 Jahren ist der Mensch

unterwegs. „Rund um das

Thema Mobilität haben wir

eine sehr umfangreiche Ausstellung

vorbereitet“, erklärt

der Leiter des Stadtmuseums,

Uwe Geiger. Einstieg ist die

Mobilität zu Fuß, per Pferd

und dann mit dem Fuhrwerk.

FOTO: MICHAEL TILP

„Im 17. Jahrhundert waren die

Ebersbacher Fuhrleute bekannt

und auch wohlhabend“,

so Uwe Geiger. Dazu trug

auch bei, dass Ebersbach an

der Reichsstraße lag. Weitere

Bereiche der Ausstellung sind

die Eisenbahngeschichte, Pkw

und Lkw und dann im 19. und

20. Jahrhundert Reisen und

8. September:

Anfang September wurde der

Kräutergarten des Homöopathischen

Vereins mit einer kleinen

Feier eröffnet. Die Idee zu diesem

Garten, in dem mittlerweile

verschiedene Heilpflanzen gedeihen,

entstand im letzten Jahr

in der Mittelaltergruppe, die

sich anlässlich der 850-Jahr-Feier

in Ebersbach gegründet hat.

Dr. Antje Schühle, Ärztin für

Allgemeinmedizin und Naturheilkunde

in Ebersbach, schlug

daraufhin der 1. Vorsitzenden

des Homöopathischen Vereins,

Christine Böttcher, vor, dies als

Heilpflanzengarten des Homöopathischen

Vereins in dem neu

Urlaub. An drei Medienstationen

sind Filme zu sehen.

Darunter Verkehrsaufnahmen

aus den 70er-Jahren in Ebersbach

und Urlaubsfilme aus

den 50er- und 60er-Jahren. Ab

dem 20. September ist die

Ausstellung im Stadtmuseum

„Alte Post“ bis zum 31. Januar

2021 zu sehen.

anzulegenden Areal am Credo

zu verwirklichen. Das Grundstück

befindet sich im so genannten

„Burggarten“. Nach Gesprächen

mit der Landschaftsund

Gartenarchitektin Monika

Unseld-Eisele, die von der

Stadt Ebersbach mit der Gestaltung

beauftragt worden war,

entschied man sich, einen Streifen

neben dem Fußgängerweg,

parallel zur Bahnhofstraße, mit

einigen ausgewählten Kräutern

zu bepflanzen. Die Arbeiten

an dem Kräutergarten begannen

Ende 2019, im April 2020

wurden die ersten Kräuter gepflanzt.

FOTO: CHRISTINE BÖTTCHER FOTO: STADTARCHIV


16

VERANSTALTUNGEN


Foto: Kraft Schumann

Foto: Stadtarchiv

2. Oktober:

Mit der Eisenbahn begann entlang

der Fils eine neue Epoche,

die das Leben vieler Menschen

veränderte. Der „Eisenbahngeschichte

im Filstal“ widmet sich

am 2. Oktober um 19 Uhr der

Vortrag des Göppinger Kreisarchivars

Dr. Stefan Lang im Stadtmuseum

Alte Post in Ebersbach.

Teilnehmer müssen sich vorab

bei Stadtarchivar Uwe Geiger

unter archiv@ebersbach.de mit

Angabe ihrer Anschrift für die

Veranstaltung anmelden.

Foto: Birgit Rexer

16. bis 18. Oktober:

Unter dem Motto „Ebersbach

liest“ steht das Wochenende

Mitte Oktober. In der Aula des

Raichberg-Schulzentrums findet

ein Riesenbücherflohmarkt statt.

Zudem können sich die Besucher

auf einen Poetry Slam mit

der Lesebühne „Get Shorties“,

auf den Auftritt der Band „Les

Braves Cons“ und auf die Lesung

von Gunter Haug freuen.


Foto: Michael Tilp

24. Oktober:

Die Aufführung der Ebersbacher

Suite, die Martin Schrack speziell

für das 850-jährige Bestehen

seiner Heimatstadt geschrieben

hat, ist eines der Highlights der

Jubiläumsjahres. Zu hören ist die

Suite in der Fabrikhalle Fliesen

Harsch.

11. November:

Seit Jahren gehören die Sternenläufe

in Ebersbach und im Ebersbacher

Stadtteil Sulpach fest zur

Tradition des Martinifestes.

Erstmals finden beide Veranstaltungen

gemeinsam statt und

Kinder und Eltern können sich

am 11. November um 18 Uhr auf

den schönsten Martini-Sternenlauf

seit 850 Jahren freuen.


VERANSTALTUNGEN 17

Maskottchen Filsi jetzt als Comicheld

Wo auch immer das Ebersbacher

Maskottchen Filsi auftritt

– die Herzen fliegen dem flauschigen

menschengroßen Eber sofort

zu, Smartphones werden gezückt

und Fotos gemacht. „Die

ungebrochene Beliebtheit hat nun

im Jubiläumsjahr dazu geführt, „Filsi“

eine weitere Plattform zu geben

und eine eigene Cartoon-Reihe im

Stadtblatt zu etablieren“, erklärt

Frieder Scheiffele, der Standortförderer

der Stadt. Auch in den sozialen

Medien sollen die Filsi-Cartoons

unregelmäßig erscheinen. So wird

Filsi 2020 sogar zum Comichelden.

Mit den Strips will die Stadt Familien

in und um Ebersbach begeistern.

„Comics sprechen Jung und Alt gleichermaßen

an“, findet Bürgermeister

Eberhard Keller. Die Comics

zeichnet der in München lebende

Künstler Jan Gulbransson, der nach

Angaben der Stadt mit der „Die

Ducks in Deutschland“-Serie im Micky-Maus-Magazin

Bekanntheit erlangte.

Er will in seinen Filsi-Strips

verschiedene Themen rund um das

Stadtjubiläum augenzwinkernd aufs

Korn nehmen.

FOTO: MICHAEL TILP

27. November:

Da der Weihnachtsmarkt „Adventszauber“

auf dem Kauffmann-Areal

in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie

ausfällt, wird an diesem

Abend die neue Weihnachtsbeleuchtung

für die Innenstadt

und die Stadtteile erstmals vorgestellt.

Für weihnachtliche Stimmung

sorgen das leuchtende Band

der Fils, der Eber und die stilisierte

Pusteblume.

Die neue Weihnachtsbeleuchtung für Ebersbach

wird am 27. November erstmals vorgestellt.

Foto: Blachere Illumination

12. Dezember:

„Berta Epple unterm Baum –

Die Weihnachtsshow“ mit den

Ebersbacher Musikern Bobbi

Fischer und den Gebrüdern Veit

und Gregor Hübner in der

Fabrikhalle Fliesen Harsch.

Wichtiger Hinweis

Alle angekündigten Veranstaltungen

können durch den weiteren

Verlauf der Covid-19-Pandemie abgesagt

werden. Daher sollten sich

Besucher im Vorfeld im Internet und

im Mitteilungsblatt der Stadt Ebersbach

informieren, ob die Termine

wie geplant angeboten werden.


18

BERÜHMTE EBERSBACHER

Von Ebersbach

hinaus in die Welt

Geschichte Was haben ein Theologe, ein Räuberhauptmann,

eine Millionärin, ein Komponist und ein Weltreisender

gemeinsam? Sie alle wurden in Ebersbach geboren.

Theodor Karl

Schmid

zusammen mit

seiner Ehefrau

Anna Schmid

(geb. Dietrich).

Foto: Privat

Dieses Bildnis von Matthäus

Gottfried Hehl ist das einzig

bekannte. Fotos: Stadtarchiv

Matthäus Gottfried Hehl

* 30. April 1705 in Ebersbach

† 4. Dezember 1787 in

Lititz/Pennsylvania

In Kirchheim/Teck besuchte

Matthäus Gottfried Hehl die

Schule, bevor es ihn nach seinem

Abschluss nach Tübingen zog.

An der dortigen Universität widmete

er sich dem Studium der

Evangelischen Theologie, das er

im Jahr 1723 als Magister abschloss.

Zunächst war Hehl als

Pfarrer tätig. Seine Freundschaft

zu August Gottlieb Spangenberg

brachte ihn in Kontakt mit der

Herrnhuter Brüdergemeine,

einer aus der böhmischen Reformation

entstandene überkonfessionelle

christliche Glaubensbewegung,

der er sich 1734 anschloss.

Im Jahr 1737 heiratete

Hehl Anna Maria Jaehne (1716-

1777). Zusammen hatten die beiden

drei Kinder, von denen aber

nur Sohn Matthäus Leonhard

(*1749) das Erwachsenenalter

erreichte. 1751 wurde Hehl von

der Brüdergemeine nach Bethlehem

im US-Bundesstaat Pennsylvania

entsandt. Auf seinem

Weg dorthin machte er in London

Station, wo er am 24. September

zum Bischof geweiht

wurde. Nach einigen Jahren in

Bethlehem ging es für Hehl nach

Lititz – ebenfalls in Pennsylvania.

Dort kümmerte er sich um

einen neu gegründeten Standort

seiner Brüdergemeine. Aus Gesundheitsgründen

zog Hehl sich

1784 zurück. Neben seiner Tätigkeit

für die Herrnhuter Brüdergemeine

war Matthäus Gottfried

Hehl Zeit seines Lebens auch als

Komponist von Kirchenliedern

tätig.

Theodor Karl Schmid

* 19. November 1876 in Ebersbach

† 4. April 1963 in Heumaden

Wer sich auf die Spuren des

Komponisten, Musiklehrers und

Reformpädagogen Theodor Karl

Schmid begeben möchte, der beginnt

am besten in der Hauptstraße

9 in Ebersbach – denn

dort steht bis heute sein Elternhaus.

Seine Eltern, Leonhard

Gottlieb und Katharine Schmid

(geb. Straub) betrieben in Ebersbach

eine Bäckerei. Bildung und

Pädagogik gehörten seit jeher zu

den Interessensgebieten von

Schmid, weswegen er nach der

Schule die Ausbildung zum

Volksschul lehrer als seinen richtigen

Weg ansah. Zwischen 1892

und 1895 besuchte er daher in

Nürtingen das Lehrerseminar.

Seine Frau Anna, die er am 30.

Juli 1907 heira tete, war ebenfalls

Lehrerin. Doch auch die Musik

gehörte zu Schmids großen Leidenschaften

und so pausierte er

seinen Beruf als Lehrer, um in

Stuttgart Orgel und Komposition

zu studieren. Während seiner

aktiven Zeit veröffentlichte

Schmid zahlreiche Stücke sowie

Klavierhefte und Werke für Violine.

Zudem war er sehr lange

als Studienrat am Lehrerseminar

in Nagold tätig und prägte das

Musik leben der Stadt in den

1920er- und 1930er-Jahren nachhaltig

mit. Im Dezember 1936

wurde er zudem zum Kirchenmusik

direktor ernannt.

1941 zog er sich aus dem aktiven

Berufs leben zurück, komponierte

aber weiterhin und veröffentlichte

auch weitere Werke.

Während der Luftangriffe auf

Stuttgart verließ das Ehepaar

sein Haus in Stuttgart-Heumaden

und lebte in Adelmannsfelden

und Loßburg. Im September

1945 kehrten die beiden schließlich

zurück. Ehefrau Katherine

starb am 30. Oktober 1961 nach

54 Ehejahren. Ihr Ehemann sollte

sie nur um ein einhalb Jahre

überleben. Am 4. April 1963 starb

Theodor Karl Schmid im Alter

von 86 Jahren.


BERÜHMTE EBERSBACHER 19

Hermann Kolb

* 8. August 1902 in Ebersbach

† 5. April 1979 in Uhingen-

Holzhausen

Wie sieht wohl die Welt außerhalb

von Ebersbach aus? Diese

Frage trieb Hermann Kolb schon

als Kind um. Stundenlang steckte

er seine Nase in den Weltatlas

und las alles über fremde

Länder. Geboren wurde Kolb in

der äußeren Mühle, die seinen

Eltern gehörte. Heute steht an

deren Stelle das Kinder- und Jugendzentrum

E3. Nach der Schule

schlug Kolb aber erst einmal

einen klassischen Weg ein. Er

machte eine Verwaltungslehre in

Schlierbach und war später im

öffentlichen Dienst in Friedrichshafen

tätig. Doch irgendwann

hielt er es nicht mehr aus

und zog in die Welt: 1923 fuhr er

mit dem Fahrrad, einem J-Rad

(Sonderkonstruktion des Ingenieurs

Paul Jaray) kreuz und

Das Foto zeigt Hermann Kolb um 1938/39 in der Türkei. Auf

unwegsamen Straßen kam ihm ein Ochsengespann zur Hilfe.

quer durch Nordeuropa, unter

anderem durch Finnland, Irland

und Schweden. Von 1927 bis 1934

unternahm Kolb seine erste

Weltreise. Sieben Jahre durchquerte

er Länder wie die Türkei,

Syrien, Iran, Burma, Thailand

oder auch Hawaii und Kanada.

Auf einer seiner Reisen lernte er

die schwedische Grafikerin Ingrid

Bergmann kennen, die genauso

reiselustig war wie ihr

Mann. Die beiden heirateten

1936. In einem gerade mal 10 PS

starken Ford Eifel gingen sie 1937

erneut auf Weltreise. Als erstes

individual reisendes Ehepaar

schafften sie dabei die Durchquerung

Afrikas von Nord nach

Süd – oder auch: von Kairo nach

Kapstadt. Als sie 1939 in Kapstadt

ankamen, wurden sie zunächst

als Helden gefeiert. Doch

da Kolb Deutscher war, kam er

in ein Internierungslager – und

die spektakuläre Reise des Ehepaares

wurde totgeschwiegen.

Erst 1944 konnte Hermann Kolb

im Austausch gegen britische

Kriegsgefangene wieder nach

Deutschland zurückkehren. Mit

ihm gingen seine Frau Ingrid und

die beiden Söhne Arne (*1939)

und Wolfgang (*1941), die noch

in Afrika geboren wurden. Zunächst

lebte die Familie wieder

in Ebersbach, doch in den Nachkriegsjahren

zerbrach die Ehe.

Ingrid Kolb ging mit den Kindern

zurück nach Schweden und

Hermann Kolb zog wieder hinaus

in die Welt. Zeit seines Lebens

verdiente er sein Geld als

Reisejournalist und hielt zahlreiche

Vorträge. Hermann Kolbs

Grab befindet sich auf dem

Friedhof in Holzhausen.

Rosa Buehler

* 13. April 1842 in Ebersbach

† 19. Dezember 1902 in

Chicago/Illionis

Rosina Barbara Schmid, so ihr

Geburtsname, erblickte als arme

Bäckerstochter der Eheleute

Georg und Barbara Schmid das

Licht der Welt. Zusammen mit

ihren drei Geschwistern wuchs

sie in einen kleinen Haus im unteren

Dorf auf. Das Haus in der

Stuttgarter Straße 21 gibt es heute

noch. Als ihr Vater 1850 starb,

blickte die Familie – trotz erneuter

Heirat der Mutter – einer finanziell

unsicheren Zukunft entgegen.

Und so wanderte Rosina

zusammen mit ihrer älteren

Schwester Friederike 1858 in die

USA aus. Kurze Zeit später folgten

ihr Bruder Christian Wilhelm

und Schwester Catharina.

In John Buehlers

Geburtsort Dornham

ist ein Denkmal mit

einer Bronzeplakette

erhalten, die das

Ehepaar zeigt. Es ist

die einzige Abbildung,

die von Rosa Buehler

bekannt ist.

Fotos: Stadtarchiv

Die vier ließen sich in Chicago

nieder. Die Stadt war damals bei

deutschen Auswanderern sehr

beliebt.

Rosina heiratete Erdmann

Schoppe. Viel ist über die Ehe

nicht bekannt. Sie blieb kinderlos

und nach Schoppes Tod heiratete

Rosina, die ihren Namen

mittlerweile amerikanisiert hatte

und sich Rosa nannte, im Jahr

1889 den Selfmade-Millionär

John Buehler. Dieser kam 1831 im

schwäbischen Dornham auf die

Welt und war gelernter Schuhmacher.

1853 war er in die USA

ausgewandert und galt als sehr

geschäftstüchtig. Mehrmals

wurde er in den Stadtrat von

Chicago gewählt und arbeitete

später sogar als Notar. Aus seiner

ersten Ehe hatte John zwei

Kinder, die Ehe mit Rosa blieb

aber kinderlos. Nach zehn Jahren

Ehe starb John im Jahr 1899.

Aus der ehemals armen Bäckerstochter

wurde eine wohlhabende

Witwe. Rosa erbte das Haus

am Ewing Place Nr. 5 in Chicago,

wertvolle Möbel und zwei

Lebensversicherungen mit einem

Wert von insgesamt 50.000

Dollar. Rosa selbst starb im Alter

von 60 Jahren und hinterließ

ein Vermögen in Höhe von rund

100.000 Dollar. Ihr Erbe wurde

an insgesamt 50 Begünstigte verteilt

– und auch ihren Geburtsort

Ebersbach hatte sie dabei

nicht vergessen: 2.500 Dollar erhielt

die Gemeinde für wohltätige

Zwecke. Im Jahr 1914 wurden

von diesem Geld die Geräte

für die neue Gemeindeturnhalle

gekauft. Begraben liegt

Rosa Buehler auf dem Waldheim

Cemetery im Familiengrab

Buehler.


20

BERÜHMTE EBERSBACHER

Diese Illustration stammt aus den 1990er-Jahren und zeigt

Schwahn bei der Ermordung des Fischerhannes.


Abbildung: Ebersbacher Stadtmuseum.

Johann Friedrich Schwahn

* 4. Juni 1729 in Ebersbach

† 30. Juli 1760 in Vaihingen/Enz

„Ob der Verbrecher, von dem ich

jetzt sprechen werde, auch noch

ein Recht gehabt hätte, an jenen

Geist der Duldung zu appellieren?“

So schreibt es der berühmte

Friedrich Schiller in seinem

Werk „Der Verbrecher aus verlorener

Ehre“. Doch wen meint

er damit wohl? Es ist niemand

Geringeres als Johann Friedrich

Schwahn, der als Räuberhauptmann

die Region viele Jahre in

Angst und Schrecken versetzte.

Schwahn war der Sohn des Sonnenwirts,

eines Metzgers und

Gastwirts. Das „Sonnenwirtle“ –

wie er genannt wurde – stammte

also aus einer wohlhabenden

Familie. Doch Vater und Sohn

kammen miteinander nicht aus.

Schon als Kind war Schwahn berühmt

und berüchtigt für Streiche,

die auch mal ein böses Ende

nahmen. 1746 klaute Schwahn

seinem Vater Geld, ging nach

Heilbronn und kaufte sich die

Uniform der ungarischen Husaren.

In seinem Heimatort prahlte

er ob seiner angeblichen Taten,

was vielen Bürgern missfiel.

Er begann eine Beziehung mit

der Bürgerstochter Christine

Müller, doch sein Vater wollte

der Ehe nicht zustimmen. Dennoch

hatten sie zusammen drei

Kinder. 1753 wurde Schwahn zu

lebenslanger Haft in der Festung

Hohentwiel verurteilt. Doch

schon zwei Jahre später gelang

ihm am Weihnachtstag zusammen

mit anderen Inhaftierten

die Flucht. Er wurde Anführer

einer Bande, die für Jahre Angst

und Schrecken in den Regionen

um Aalen, Mergentheim, Heilbronn,

Germersheim und Offenbach

verbreitete. Zusammen mit

seiner Bande zwang Schwahn einen

Pfarrer, ihm einen – wenn

auch ungültigen – Trauschein

auszustellen. Für dieses Vergehen

wurde auch Christine Müller

bestraft. Sie kam ins Zuchthaus

und kehrte später zu ihrer

Mutter zurück. Doch Schwahn

war kein Kind von Traurigkeit

und fand in Christine Schettinger

eine neue Geliebte, die ihn

weiter in den Sumpf des Verbrechens

zog. Und dann kam es, wie

es kommen musste: 1760 wurde

Schwahn geschnappt und zum

Tod durch das Rad verurteilt.

Auch Christine Schettinger wurde

hingerichtet. Am Vormittag

des 30. Juli 1760 endete das Leben

des „Sonnenwirthles“ in Vaihingen/Enz.

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EBERSBACHER INDUSTRIEGESCHICHTE 21

Mit Ideen

an die Spitze

Industrie Ob Stahl, Wolle, Bier oder

Konserven: Für Unternehmen ist Ebersbach

ein Standort wie aus dem Bilderbuch.

Was braucht ein

Unternehmen,

um erfolgreich

zu sein? Nun, da

wären zum einen

eine gute Idee, motivierte

Mitarbeiter und natürlich eine

Geschäftsführung, die alles im

Blick behält und es versteht,

Menschen und Produkte unter

einen Hut zu bringen. Aber auch

der Standort spielt eine Rolle.

Denn mag das Produkt auch

noch so gut sein – wenn das Unternehmen

auf einer einsamen

Insel sitzt, wird das nichts mit

dem Erfolg. Ganz anders sieht es

für Unternehmen in Ebersbach

aus: Dank einer ausgezeichneten

Ost-West-Verbindung können

Rohstoffe und Endprodukte

schnell ihr Ziel erreichen. Schon

seit 1847 besteht zudem Anschluss

an die Schienen, und das

Wasser der Fils liefert die notwendige

Energie für den Antrieb

zahlreicher Maschinen. Kein

Wunder also, dass der technische

Fortschritt in Ebersbach

seine Heimat hat und zahlreiche

Firmen hier schon lange ihren

Standort haben.

Das Gebäude der Adlerbrauerei mit dem Gasthof Adler in Ebersbach

im Jahr 1932.

Fotos: Stadtarchiv

Brauerei Adler:

Es dürfte wohl kaum einen alteingesessenen

Ebersbacher geben,

der den Namen Zinser nicht

kennt. Denn die Familie Zinser

steht für besten Biergenuss. Als

Erweiterung seiner Gaststätte

gründete Christian Zinser 1866

die Brauerei Adler. Egal, was gerade

in der Welt los war – die

Brauerei und die Gaststätte erfreuten

sich stets großer Beliebtheit.

Doch auch in ihrer Geschichte

gab es schwarze Tage.

Einer davon war der 19. September

1909, als der „Adler“ in der

Stuttgarter Straße niederbrannte.

Durch das Feuer wurden auch

Teile der Brauerei zerstört. Doch

die Ebersbacher packten mit an

und gemeinsam wurde wieder

aufgebaut. Der große Saal des

„Adlers“ war vor allem für Familienfeiern

und Vereinsfeste ein

beliebter Ort zum Feiern. In den

Jahren 1966 bis 1968 wurde neben

dem Sudhaus ein 19 Meter

hoher Brauturm, der künstlerisch

gestaltet war, errichtet –

mit einem Wasserreservoir im

oberen Stockwerk. Den Turm

gibt es bis heute. Im Jahr 2009

wurde er vom Künstler Christian

Kattenstroth und seinen Helfern

mit farbenprächtigen Motiven

bemalt. Der letzte Adler-Braumeister

war Carl Zinser

– der Urenkel von Gründer

Christian Zinser. Carl hatte die

Führung der Ebersbacher Brauerei

1964 von seinem Vater übernommen.

Stolze 120 Jahre blieb

die Brauerei im Besitz der Familie

Zinser – und zwar bis zu ihrer

Schließung im Jahr 1986.

Grund für die Schließung war

schlussendlich der Druck der

Großbrauereien, die die Preise

diktierten. Und so verkaufte Carl

Zinser das Adler-Bräu an die

Stuttgarter Dinkelacker-Brauerei.


22

EBERSBACHER INDUSTRIEGESCHICHTE

Konservenfabrik Kauffmann:

Senf bringt Würze in jede Küche:

Mit diesem Satz im Hinterkopf

eröffnete Friedrich Kauffmann

1834 in Esslingen seine Senffabrik.

Im Jahr 1905 wurde das Unternehmen

dann nach Ebersbach

verlegt. Standort der Konservenfabrik

Kauffmann wurde eine

ehemalige Zementfabrik. Wie

sehr die Kunden die Kauffmann-Produkte

liebten, wurde

1938 noch einmal mehr deutlich.

Denn in diesem Jahr entstand

expandierte die Firma – in Nürnberg

entstand eine Filiale des

Ebersbacher Unternehmens. In

den 1980er-Jahren wurde die

Produktion nach Schlierbach

verlegt, da in Ebersbach der Platz

zu eng wurde. Dort gab es schon

ein Außenlager. Doch 2000 zogen

dunkle Wolken auf: Das Unternehmen

musste Insolvenz anmelden.

Die Marke Kauffmann

und ihre Produkte waren damit

allerdings nicht am Ende. Sie

wurden vielmehr vom Hamburger

Familienunternehmen Carl

Kühne übernommen. Der alte

Produktionsstandort wurde später

abgerissen. Seit 2012 steht an

seiner Stelle ein beliebtes Einkaufszentrum.

Die Produktion in der Konservenfabrik Kauffmann. Direkt neben dem

Firmengelände in Ebersbach wohnte die Fabrikantenfamilie in einer

Villa, die es heute noch gibt.

Fotos: Archiv/Stadtarchiv

Baumwollspinnerei und

-weberei Martin & Söhne:

Manchmal braucht es ein Unglück,

um Neues zu schaffen. So

war es auch bei der Baumwollspinnerei

und -weberei Martin

& Söhne. Wir schreiben das Jahr

1886: Die Fabrik von Gottlieb Julius

Martin im schweizerischen

Chur liegt nach einem Brand in

Schutt und Asche. Also packte

der Unternehmer seine Koffer,

zog nach Ebersbach an der Fils

und kaufte von der Gemeinde

ein Grundstück. Voraussetzung

für das Zustandekommen des

Kaufvertrags war, dass Martin

innerhalb eines Jahres eine mechanische

Baumwollweberei mit

mindestens 250 Webstühlen errichten

müsste. Gesagt, getan:

1887 war die Eröffnung der Weberei

und Ebersbach damit offiziell

im Zeitalter der Industrialisierung

angekommen. Mit der

Weberei kamen aber nicht nur

Arbeitsplätze in die Gemeinde.

Das Werk von Martin & Söhne in Ebersbach im Jahr 1916. Zu sehen sind auch zwei Villen und das

Gärtnerhaus.

Foto: Stadtarchiv

Denn die Betreiberfamilie brachte

sich aktiv ein, baute für ihre

Angestellten eine Kinderkrippe,

Wohnungen und sogar eine Bibliothek.

Während des Ersten

Weltkriegs lief das Geschäft nur

schleppend, da notwendige Rohbaumwolle

nur schwer zu bekommen

war. 1918 musste die

Weberei aus finanziellen Gründen

verkauft werden. Dies war

der Grundstein für die Schwäbische

Textilwerke AG. Diese gehörte

zum Konzern der Familie

Blumstein. Da der Blumstein-

Konzern mehrheitlich jüdisch

war, wurde die Familie von den

Nationalsozialisten gezwungen,

die Weberei weit unter Preis an

die J.F. Adolff AG aus Backnang

zu verkaufen. Nach dem Krieg

wurde das Unternehmen vor allem

durch Bettwäsche mit dem

Namen „Webgold“ bekannt. 1971

wurde die alte Weberei abgerissen

und durch ein neues Gebäude

ersetzt. Doch nur vier Jahre

später endete die Firmengeschichte.

Da 1971 erbaute Gebäude

wird heute durch einen Nachfolgebetrieb

genutzt.


EBERSBACHER INDUSTRIEGESCHICHTE 23

Südrad:

Es war im Jahre 1946, als Richard

Stahl und die Unternehmer Achtermann,

Daur und Hellweg zusammentaten,

um Südrad aus

der Taufe zu heben. Stahl war als

Fabrikant in Stuttgart tätig und

Aufsichtsratsmitglied der Firma

SL. Schuler AG. Am 27. Januar

1947 wurde das Unternehmen

unter dem Namen Süddeutsche

Autoräderfabrik Stahl und Co.

ins Göppinger Handelsregister

eingetragen. Stahl war einziger

und persönlich haftender Gesellschafter.

Schon zwei Jahre später

wuchs das Unternehmen:

Louis Schuler stieg als Teilhaber

mit einer Pressenfabrik mit ein.

Da Südrad schnell wuchs, wurden

die ursprünglichen Produktionsstätten

zu klein und ein

Neubau musste her. Bis heute ist

die Firma in den 1953 erbauten

Räumlichkeiten ansässig. Da bei

Südrad ja das Rad – und damit

auch das Transportwesen – im

Mittelpunkt steht, ist es nicht

verwunderlich, dass das Unternehmen

nicht nur über eine perfekte

Anbindung an das Straßennetz

in und um Ebersbach verfügt,

sondern auch ein Schienennetz

sein Eigen nennen kann. In

der zweiten Hälfte der

1990er-Jahre wurde Südrad an

Mefro Wheels verkauft. 2018

wurde Mefro Wheels dann wiederum

vom US-Automobilzulieferer

Accuride übernommen.

Anfang 2020 kündigte dieser an,

den Ebersbacher Standort zu

schließen.

Südrad in

Ebersbach.

Foto: Giacinto Carlucci

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Gemeinsam für

mehr Gesundheit

Im Januar hat Iris Lasser die Praxis für

Orthopädie und Unfallchirurgie übernommen.

Ab dem 1. Oktober ergänzt die

Fachärztin für Orthopädie und

Unfallchirurgie, Frau Dr. Julia

Marie Ohngemach, das Team

um Iris Lasser, die sich sehr auf

die zukünftige Zusammenarbeit

mit der erfahrenen Ärztin freut.

Iris Lasser hat die Arztpraxis in

Ebersbach Anfang des Jahres

von Dr. Dieter Emmert übernommen.

Durch die zukünftige

Zusammenarbeit mit Dr. Ohngemach,

die Iris Lasser von der gemeinsamen

Facharztausbildung

kennt, erweitert sich das bestehende

Leistungsspektrum der

Praxis nochmals. Frau Dr. Ohngemach

wird bildgesteuerte Infiltrationstechniken

zusätzlich

anbieten. Oftmals an der Wirbelsäule

praktiziert, ist dies an

allen anderen Gelenken ebenfalls

möglich. Ansonsten deckt

sie das komplette Spektrum

der konservativen Orthopädie

ab und wird Frau Lasser zudem

operativ unterstützen. Ferner

liegt ihr ebenfalls die Sportmedizin

am Herzen ‐ sie betreut

den TC BW Eislingen ärztlich.

Iris Lasser kann sich durch die

Verstärkung noch mehr der Unfallchirurgie

widmen. „Neben

den handchirurgischen Eingriffen

sowie den Knie- und Schulterarthroskopien

können wir

jetzt direkt Hand- und Fußbrüche

ambulant operieren.“ Wie ihr

Vorgänger ist Iris Lasser Durchgangsärztin

bei Arbeitsunfällen.

Zudem bietet sie Chirotherapie,

Stoßwellentherapie und Hyaluronsäure-Injektion

bei Arthrose

und Gelenkentzündung an. Erweitert

hat sie das Spektrum der

Praxis für Orthopädie und Unfallchirurgie

um Akupunktur, Arthrosonographie

und die Therapie

mit Plättchen-Reichem Plasma

(Eigenbluttherapie). rex/pm


24

PANINI-SAMMELALBUM

Das Jubiläum sorgt

für Sammelfieber

Sticker Seit Anfang Juli gibt es in Ebersbach das Panini-Sammelalbum zur 850-jährigen

Jubiläum der Stadt. Gesammelte werden 30 Sticker und vier Sondersticker.

Generationen haben

mit den Panini-Alben

ihre Leidenschaft

fürs Sammeln

entdeckt. Was bei

der Fußball-Weltmeisterschaft

für Begeisterung gesorgt hat,

gibt es auch in Ebersbach zum

850. Jubiläum der Stadt – und das

ganz exklusiv.

Diese ungewöhnliche Idee

stammt vom Ebersbacher Standortförderer

Freider Scheiffele,

der für die Geburtstagsfeier seines

Vaters schon einmal ein kleines

Panini-Album gemacht hatte.

Schon damals ein großer Erfolg,

bei dem die Gäste im Festsaal

begeistert gesammelt,

getauscht - und sich dabei kennengelernt

haben, erinnert sich

Scheiffele. In einer Auflage von

2.500 Stück hat Frieder Scheiffele

bei einem Verlag in Italien Panini-Sammelalben

bestellt. Dazu

16.000 Tüten mit speziellen

Ebersbach Stickern zum Sammeln.

Mit insgesamt 30 Klebebildern

ist das Ebersbacher Panini-Album

fast perfekt.

Zu sehen sind auf den Stickern

Bilder von der Auftaktveranstaltung

„Dreiklang“, Ansichten

aus der Stadt und den Teilorten,

historische Motive wie der

alte Topkauf sowie Comicszenen,

gezeichnet

von Maskottchenzeichner Jan

Gulbransson. Zu kaufen gibt es

die Panini-Alben und die Stickertüten

im Einzelhandel und

bei manchen Gastronomen vor

Ort.

Rund 20 Händler, Restaurants,

Bäckereien und Metzgereien

machen bei der Aktion mit.

Manche Händler verschenken

bei einem Mindestumsatz auch

Alben oder Sticker. Ansonsten

kostet das Jubiläumsalbum 2,50

Euro, die Tüte mit fünf Stickern

ist für 1,50 Euro zu haben. Auch

auf dem Ebersbacher Wochenmarkt

werden die Sticker angeboten.

Eigentlich sollte die Marketingaktion

beim „Ebersbacher

Alle haben

begeistert

gesammelt,

getauscht und sich

kennengelernt

Frieder Scheiffele

Standortförderer Ebersbach

Frühling“ erstmals verkauft werden.

Doch Corona hat den Organisatoren

einen Strich durch die

Rechnung gemacht. Geplante

Veranstaltungen zum Jubiläumsjahr,

bei denen auch Sticker angeboten

werden sollten, mussten

abgesagt werden. Verkaufsstart

für das Panini-Jubiläumsalbum

war so letztendlich der 4. Juli im

Handel, bei der Gastronomie

und auf dem Ebersbacher Wochenmarkt.

Doch Frieder Scheiffele

und sein Team ließen sich

nicht aus der Ruhe bringen und

suchten andere Möglichkeiten,

die Sammelleidenschaft der kleinen

und großen Ebersbacher zu

unterstützen. So sollen die Bürger

die Sondersticker bei den

Ebersbacher Spezial-Wochenmärkten

bekommen können.

Beim Wochenmarkt mit Musik

am 12. September gab es bereits

den Sticker A für einen Euro zu

kaufen. Beim Ebersbacher Wochenmarkt

„Kürbis-Spezial“ am

24. Oktober können die Besucher

den Sticker B kaufen und

beim Wochenmarkt „Weihnachten

Spezial“ am 28. November

bieten manche Händler den Sticker

C an, auf dem auch das

Ebersbacher Maskottchen „Filsi“

Sticker einklebt.

Wer sein Album bis Oktober

noch nicht vollständig hat, kann

bei der geplanten Tauschbörse

im Rewe-Markt von Familie

Irmischer überzählige Sticker

anbieten und wird vielleicht bei

anderen Panini-Sammlern fündig.

Geplant ist, dass die Tauschbörsen

am 10. und am 21. Oktober

stattfinden.

Das Ebersbacher

Panini-Album

wurde speziell zur

850-Jahr-Feier

hergestellt.

Fotos: Stadtverwaltung

30

Klebebilder mit verschiedenen

Motiven aus Ebersbach und vom

Jubiläums-Dreiklang wurden in

Italien hergestellt.


PANINI-SAMMELALBUM 25

Sondersticker

beim Wochenmarkt

Spezial

Bei den Spezial-Wochenmärkten

in Ebersbach gibt

es Rezepte von Gastronomen

aus der Region. „Alle

Zutaten, die verwendet

werden, können auch direkt

auf dem Wochenmarkt gekauft

werden“, erklärt der

Ebersbacher Standortförderer

Frieder Scheiffele. Um

den Besuchern Appetit auf

die saisonalen Gerichte zu

machen, wird das Gericht

direkt auf dem Wochenmarkt

gekocht und frisch

zum Mitnehmen angeboten.

Beim Rewe-Markt in

Ebersbach gibt es einen

eigenen Bereich für das

Jubiläums-Paninialbum.


Foto: Staufenpress


26

VEREINE

Das 100-jährige Bestehen

wollte der SV Ebersbach

drei Tage lang

groß feiern, mit Festzelt

und Livemusik. „Coronabedingt

mussten wir leider absagen“,

sagt Vereinsvorsitzender Hans

Nußbaumer. Der Blick ist dennoch

in die Zukunft gerichtet, im

kommenden Jahr ist als Ersatzveranstaltung

ein Stadionfest geplant,

in abgespeckter Version.

Seinen Ursprung hat der Verein

1910 im „Athletenbund Frisch

Auf Ebersbach“, 1920 wurde die

Fußballabteilung ins Leben

gerufen. Ein Jahr später wurde

in „Sportverein Ebersbach

1910“ umbenannt.

Anfänglich lief der Sportbetrieb

auf einem von der

Stadt gepachteten Grundstück,

1928 wurde ein eigener

Platz gekauft, 1974

wurde das Stadion eingeweiht.

Die Jugendarbeit hatte

immer einen hohen Stellenwert.

„Unsere Mitgliederzahlen

liegen konstant bei rund 750“,

sagt Nußbaumer. Mit 260 Kindern

und Jugendlichen ist der

Anteil der jungen Mitglieder beträchtlich.

Auch im Coronajahr

haben die Sportler ihrem Verein

die Treue gehalten. Der Verein

hat seinerseits die Vereinsgaststätte,

mit Blick auf die Pacht unterstützt,

um die Schließungszeit

zu kompensieren.

Die Ringer-

Wettkampfrunde

wurde

komplett abgesagt.

Hans Nußbaumer

Vorsitzender SV Ebersbach

Der SV Ebersbach, der in diesem Jahr 100 Jahre alt wird, gilt in der

Region als Hochburg des Ringens. Foto: Cornelius Nickisch

Jugend hat

eine hohen

Stellenwert

Vereinsleben 100 Jahre SV Ebersbach, vier

Tage Jubiläumsstadtfest: Die Ebersbacher

Vereine waren aufs Feiern eingestellt.

Corona hat ihnen einen Strich durch die

Rechnung gemacht. Von Iris Ruoss

Fußball, Ringen, Gymnastik, Koronarsport

und Boule hat der

Ebersbacher Verein zu bieten.

Bei den Ringern gilt der SV

Ebersbach als eine der Hochburgen.

„Die Ringer-Wettkampfrunde

wurde komplett abgesagt“, erzählt

der Vereinsvorsitzende.

Beim Fußball läuft die Landesliga.

Die aktive Mannschaft spielt

als eine der längsten in der Landesliga.

Auch die Ü-32-Senioren

haben viele Erfolge eingefahren,

wurden vor zwei Jahren deutscher

und im vergangenen Jahr

württembergische Meister.

In der Fußballjugend sind

zwar alle Jahrgänge, von den

Bambinis bis zu den A-Junioren

Der Verbund der

Ebersbacher

Vereine

Von den rund 70 Ebersbacher

Vereinen sind 50 mit

insgesamt rund 10.000 Mitgliedern

beim Verbund der

Ebersbacher Vereine (VEV

Ebersbach) mit dabei. Das

Bündnis ist Ansprechpartner

bei Problemen, gibt

Hilfestellungen und unterstützt

bei Ideen und

Projekten. Zudem

verteilt der VEV

die Fördergelder

nach einem

festgelegten

Schlüssel.

besetzt, aber es werde zunehmend

schwieriger die Jugendlichen

für den Fußballsport zu begeistern.

„Wir konkurrieren mit

einem sehr großen Freizeitangebot“,

weiß der Vizevorsitzende

Joachim Labude. 20 Trainer unterstützen

die Jugendlichen derweil

unermüdlich. Seniorensport

ist beim SV Ebersbach gefragt.

Die Senioren wollten auf

ihre Gymnastik nicht lange verzichten

und haben im Freien wieder

angefangen. „Die Koronarsportgruppe

hat ihren Sport am

allermeisten vermisst“, sagt Nußbaumer.

Die vereinseigene Gaststätte

ist für viele Mitglieder ein

zweites Wohnzimmer, ein Treffpunkt

zum Austausch und geselligen

Beisammensein.

Das viertägige Stadtfest

fiel Corona zum Opfer

Als Veranstalter stellt der Verbund

Ebersbacher Vereine

(VEV) jedes Jahr das Stadtfest

auf die Beine, Bewirtung und

Bühnenprogramm werden durch

die Mitgliedsvereine gestemmt.

Im städtischen Jubiläumsjahr

wollte man ganz groß feiern, vier

Tage lang sollte ein großes Stadtfest

ausgerichtet werden. Doch

auch dem VEV hat das Coronavirus

die Suppe kräftig versalzen.

„Wir mussten absagen“, erklärt

der stellvertretende Vorsitzende

Wolfgang Dürr. Die Vereine

generieren einen Großteil

ihrer Einnahmen beim Stadtfest,

dieses Jahr wollte man ein Cateringunternehmen

mit der Bewirtung

beauftragen.


VEREINE 27

Die Vereine

hätten sich

einmal selbst feiern

können.

Wolfgang Dürr

stellvertretender Vorsitzender VEV

„Die Vereine hätten sich einmal

selbst feiern können“, erklärt

Dürr. Die Flinte ins Korn geworfen

haben die Verantwortlichen

noch nicht, die Planungen für

eine Ersatzveranstaltung, ein

größeres Stadtfest im kommenden

Jahr, laufen schon. Anvisiert

ist das zweite Juli-Wochenende.

„Wir müssen die Infektionszahlen

im Blick behalten und situationsbedingt

entscheiden“, erklärt

Dürr das weitere Vorgehen.

Der Vereinsverbund ist rührig.

Ein Beispiel sind Vereinskooperationen,

wie es sie zwischen

dem TV Bünzwangen, dem SC

Weiler und dem TGV Roßwälden

seit vergangenem Jahr gibt.

„Jedes Vereinsmitglied kann das

Angebot eines weiteren Kooperationspartners

nutzen“, erklärt

Dürr. Ganz neu sei das Sportstudio

des TV Ebersbach, das in

Vereinsregie betrieben wird und

für Mitglieder anderer Vereine

Sonderkonditionen biete. Spielgemeinschaften,

etwa beim

Handball, gebe es schon lange

mit großem Erfolg. „Wir versuchen

immer die Kontakte unter

den Vereinen zu intensivieren“,

sagt Wolfgang Dürr. Eine neue

Idee keimt bereits: „Ein Angebot,

um Verwaltung und Buchhaltung

dezentral zu bündeln“, so

Dürr. Erste Gespräche laufen

schon, es sei jedoch nicht einfach,

für die Aufgaben auch qualifizierte

Ehrenamtliche zu finden.

Ein großes Thema ist immer

die Vereinsfinanzierung. „Ebersbach

hat eine gute Vereinsförderung“,

sagt Dürr. „Auch die Coronakrise

wurde bisher gut gemeistert“,

weiß er. Bisher habe

es noch keine kritischen Finanzsituationen

gegeben.

Was ihn freut, sind die Zahlen

den jugendlichen Vereinsmitglieder,

die sich stabil bis sogar

steigend zeigen. „Sicher auch

wegen der kreativen Angebote“,

meint Wolfgang Dürr mit Blick

auf Trendsportarten wie Mountainbiking.

Die Ebersbacher Vereine organisieren jedes Jahr das Stadtfest.


Foto: Staufenpress

Der Fußball spielt beim SV eine große Rolle.

Foto: Cornelius Nickisch


28

PFLANZAKTIONEN ZUM JUBILÄUM

Lasst Blumen sprechen

Blumenpracht Blühende Tulpen im Form einer 850, neue Pflanzkübel mit Stadtlogo

und ein Baumgeschenk aus der Nachbarstadt – das 850-jährige Jubiläum wird in

Ebersbach mit verschiedenen Pflanzaktionen gefeiert.

Uhingen

schenkte

zum Jubiläum

eine Eiche.

In zarten Farben zauberte die

Stadtgärtnerei das diesjährige Jubiläumsjahr

850 Jahre Ebersbach

an der Fils“ in die Rasenfläche neben

dem Rathaus – aus luftiger

Höhe ein beeindruckender Anblick

in lila und weißen Tulpen.

Auswahl der

Tulpenzwiebeln

bei der Stadtgärtnerei.

Ein nachbarschaftliches Geschenk zum

850-jährigen Bestehen Ebersbachs schlägt

jetzt vor dem Credo an der Fritz-Kauffmann-Straße

Wurzeln. Schon zum Auftakt

des Jubiläumsjahres im Februar hat die Uhinger

stellvertretende Bürgermeisterin Susanne

Widmaier eine Eiche übergeben. „Wir haben

für den Baum einen würdigen Platz ausgewählt

und hoffen, dass er gut gedeiht. Er soll

als Zeichen für eine wachsende, stabile und

vertrauensvolle Partnerschaft und Zusammenarbeit

zwischen den beiden Städten stehen“,

so Bürgermeister Eberhard Keller.

FOTOS: STADTVERWALTUNG/FRIEDER SCHEIFFELE

Anlässlich des 850-Jahre-Jubiläums der Stadt Ebersbach zieren am

Rathaus und in der Kirchheimer Straße neue Pflanzkübel die Stadt.

Das aus farbigem Acrylglas eingearbeitete Stadtlogo von Ebersbach

verleiht den Pflanzgefäßen aus Cortenstahl einen besonderen Charakter.

Die großen, bepflanzten Tontöpfe im Kauffmann-Areal und in

der Hauptstraße, sowie die Blumenampeln in der Kirchheimer Straße

werden somit durch die „Jubiläums-Pflanztröge“ ergänzt und die

mobile Sommerbepflanzung in der Innenstadt hat einen neuen

Blickfang hinzugewonnen. Neben der Auswahl der Pflanzen ist die

Stadtgärtnerei auch für die Bepflanzung und die Pflege der Kübel

zuständig. Jedes Jahr neue Pflanzkonzepte zu finden, ist dabei die

besondere Herausforderung. Dieses Jahr sind die Pflanztröge unter

anderem mit Hängepetunien, Sommerjasmin, Prachtkerzen und

Wandelröschen bestückt.

Die neuen

Pflanzgefäße

zum Jubiläum.


30

KUNST

Ein großer Geburtstag

will rechtzeitig geplant

werden – dabei

ist es ganz egal, ob es

sich um den eines

Menschen handelt oder um

den einer Stadt. Und so warf

das diesjährige Jubiläum in

Ebersbach schon im Jahr 2017

seine Schatten voraus. Und der

sah – wie sollte es auch anders

sein – aus wie ein Eber.

Sozusagen als Erinnerung und

Motivation für das kommende

Jubiläum wurden zum Ebersbacher

Frühling 850 fröhlich bunte

Eber gestaltet. Die Idee

stammte vom Raichberg-Gymnasium.

Zusammen mit dem

Stadtmarketingverein „Pro

Ebersbach“ wurde aus der Idee

Realität.

Kinder aus ganz Ebersbach

sägten, malten und klebten mit

viel Hingabe und so entstand

Stück für Stück eine bunte

Eber-Rotte, die schließlich über

die ganze Stadt verteilt wurde.

Die Eber

sind los

Künstler Was wäre so ein Stadtjubiläum,

wie es Ebersbach in diesem Jahr feiern darf,

ohne Kunst? Wohl weniger bunt, weniger

individuell und weniger fröhlich.

gedient. Dieser wurde bunt bemalt

und dann mittels Drucktechnik

auf den T-Shirts platziert.

„Das Verfahren, Kanaldeckel

zu drucken, ist nicht unüblich.

Die Stadt Ebersbach hat uns

zu diesem Zweck einen übrigen

zur Verfügung gestellt“, erzählt

Künstler Toni Reich.

Kunst unter freiem Himmel

im Bachtal

Und noch ein KIO-Werk gibt es

im Jubiläumsjahr zu sehen. Genauer

gesagt, eine ganze Werkschau.

Und zwar im Ebersbacher

Rathaus. Diese läuft seit März,

und auch hier steht natürlich der

Eber im Mittelpunkt. Doch auch

die französische Partnerschaft

Bourg-lès-Valence spielt eine

Rolle. Aufgrund der Corona-Beschränkungen

kann die Werkschau

nur nach vorheriger Terminvereinbarung

besichtigt werden.

Laut Toni Reich gibt es für

die Werkschau bisher keinen

Endtermin.

Eber gehen auf Reisen

in die ganze Welt

Doch dabei blieb es nicht. Denn

die Eber gingen auf Reisen. Drei

der Eber durften mit Bürgern

und Bürgerinnen der Stadt auf

Reisen gehen. Und was sie dabei

nicht alles erlebt haben! Den einen

zog es nach Brüssel, um das

Europaparlament und das Atomium

zu besuchen, einen anderen

Eber zog es nach Italien, um

die weltberühmte Rialtobrücke

in Venedig zu besuchen oder

beim Heavy-Metal-Open-Air in

Wacken mal so richtig aus sich

rauszugehen. Das war saugut!

Zur Entspannung ging es dann

noch nach Sylt. Dort waren Spaß

in den Dünen und lange Strandspaziergänge

angesagt. Ach ja:

Und ein Eber ging sogar in die

Luft. Für ihn ging es mit dem

Flugzeug auf das Dach der Welt

– nach Nepal.

Vom Ebersbacher Wappentier

ließ sich auch die Künstlergruppe

KIO (Kunst_im_Ort) inspirieren.

Vier knallbunte Ebermotive

haben es auf Einladungskarten

geschafft. Aber das Beste

kommt noch: Denn den Ebersbacher

Eber gibt es auch zum

Anziehen. Und zwar in Form eines

bedruckten T-Shirts. Die

Idee dazu stammt von Mojo, einer

Künstlerin bei KIO. Und damit

es auch wirklich der originale

Ebersbach-Eber ist, hat den

Künstlern kurzerhand ein städtischer

Kanaldeckel als Vorlage

Kunstwerke im Bachtal.

Stelen für

die Kunstaktion

im

Bachtal.

Fotos: KIO/Toni Reich

Rotkäppchen und der

Verkehrslärm als Kunstwerke

Kunst gibt es aber nicht nur in

geschlossenen Räumen, sondern

auch in der freien Natur. Nämlich

im Bachtal. Dort wurde am

12. September der Kunstpfad

Bachtal mit einer Vernissage eröffnet.

„Der Großteil der Ausstellung

,Kunstpfad Bachtal‘ bezieht

sich auf das Wappentier

der Stadt, von uns dynamischer

gestaltet als der Eber auf dem

Kanaldeckel, der im Original auf

einem Kahlschlag steht – wir

wünschen uns mehr Dynamik

und Schwung.“ Aber auch das

Thema Märchen wird aufgegriffen.

So können Besucher ein Rotkäppchen

kennenlernen, das keine

Lust mehr hat, sich vom Wolf

fressen zu lassen. An diesem Beispiel

wollen die Künstler zeigen,

dass es möglich ist, Verhaltensund

Rollenmuster zu hinterfragen.

„Der Verkehrslärm ist ebenfalls

ein Thema, dessen sich der

Künstler ,anthipunki‘ angenommen

hat“, sagt Toni Reich.

Info Die Ausstellung Kunstpfad

Bachtal bleibt bis circa Mitte November

2020 installiert. Das Brückengeländer

und die speziell gestalteten

Stelen werden dauerhaft

bleiben.


STADTTEILE 31

In Ebersbach

und darum herum

Alle für eine Neben der Kernstadt gehören zu Ebersbach sechs Stadtteile, die sich entlang

der Fils, auf den Hängen des Schurwaldes und südlich von Ebersbach erstrecken.

Roßwälden

1275 wurde Roßwälden erstmals

urkundlich erwähnt. Erst im Laufe

der Jahrhunderte bildete sich

langsam aus „Waldiu“ (1275) oder

„Weldin an dem Roßrein“ (1372)

der Ortsname Roßwälden (ab

1537). Über die Herzöge von Teck

und ihre Verwandten, deren

Lehnsleute und Ministerialen kam

allmählich der ganze Ort an das

Frauenkloster in Kirchheim. Ab

1381 stand die hohe Obrigkeit den

Grafen von Württemberg zu. Roßwälden

war Verwaltungszentrum

des „Roßwälder Stabs“. Diese Verwaltungsgemeinschaft,

zu der

Weiler und Sulpach gehörten, löste

sich 1932 endgültig auf.

Weiler ob der Fils

Die Erstbesiedlung fällt wahrscheinlich

in die Zeit zwischen

dem 9. und dem 11. Jahrhundert.

Man leitet im Allgemeinen „Weiler“

vom lateinischen Wort „villare,

villarium“ ab („Landgut“ oder

„Hof“). 1975 erfolgt die Eingemeindung

zur Stadt Ebersbach.

Sulpach

Seit dem Juni 1932 gehört Sulpach

zu Ebersbach. Die Infrastruktur ist

geprägt durch den historischen,

bäuerlich geprägten Ortskern und

die Dorferweiterungen durch die

Wohnbebauung nach dem Zweiten

Weltkrieg, um den vielen

Vertriebenen eine neue Heimat zu

geben. Das Wahrzeichen von

Sulpach ist die Laurentiuskirche,

die 1607 erbaut wurde.

Büchenbronn

Büchenbronn liegt auf circa 450

Metern Meereshöhe und wurde

erstmals 1362 als Buchinbronnen

erwähnt. Vermutlich sollte dies

„Der Brunnen im oder am Buchenwald“

bedeuten und bezog sich auf

den Brunnen neben dem heutigen

Gemeindehaus, welcher zu früheren

Zeiten wohl ein Schöpfbrunnen

war. Gerne wird Büchenbronn

auch als das Tor zum Schurwald

bezeichnet. Das wohl markanteste

Gebäude am Ortsrand von Büchenbronn

ist das „Forsthaus“.

Krapfenreut

Wann genau der Ort durch Rodung

angelegt wurde ist unbekannt,

vermutet wird die Zeit des

10. bis 13. Jahrhunderts. Der Name

des Ortes tauchte erstmals 1362 als

„Kranpeßriutin“ in einer Urkunde

auf. In späteren Jahrhunderten

bildete sich hieraus die Schreibweise

„Krapfenreuth“. Der Ort

liegt circa 465 Meter über dem

Meeresspiegel und circa 195 Meter

über der Fils. Der Ort hat in

den Jahrhunderten sein Aussehen

nur langsam verändert und ist

sehr klein geblieben.

Bünzwangen

Bünzwangen ist ein sehr lebendiges

Dorf mit 1950 Einwohnern. Der

wohl berühmteste Sohn Bünzwangens

war der Kunstmaler Jakob

Grünenwald (1821–1896). Seine

Werke kann man in der Jakob-Grünenwald-Gedächtnisstätte

im

Bünzwanger Rathaus besichtigen.

Zu den Besonderheiten im Dorf gehört

die Leonhardskirche.


32


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Türenmanufaktur mit Tradition

Innovative und multifunktionalen Türen und Tore aus Stahl liefert die Firma Buchele

weltweit. Die „Qualität made in Ebersbach“ ist gefragt.

Einzigartig, innovativ, sicher –

und multifunktional: Türen und

Tore von Buchele sind international

gefragt. Das familiengeführte

Traditionsunternehmen

wurde 1910 als Schlosserei

gegründet. Seit den 1950er-

Jahren schon werden Stahltüren

hergestellt. Heute gilt Buchele als

attraktiver Arbeitgeber am Ort.

Mehr als 100 Mitarbeiter gehören

mittlerweile zum „Teamtür“ und

realisieren die unterschiedlichsten

Arten von Stahl- und

Glastüren, die vor allem in Industriebauten,

aber auch in gehobenen

Privatobjekten zum Einsatz

kommen. Brandschutz,

Schallschutz und Hochsicherheitstüren

sind die Kernkompetenzen

von Buchele. Jede Türe

und jedes Tor wird von den Experten

individuell geplant und

hergestellt – von Hand und mit

In der Fertigung von Buchele werden hochwertige Stahltüren

hergestellt.

Foto: Buchele

Hilfe eines modernen Maschinenparks,

der höchste Präzision

und Qualität sicherstellt. Und

genau darauf setzen Planer und

Bauherren in der ganzen Welt:

Das Opernhaus Oslo, die Elbphilharmonie

Hamburg, das Nationalmuseum

in Katar, zahlreiche

TV-Studios, Rundfunkanstalten,

Museen oder auch sicherheitssensible

Immobilien wie

Kraftwerke, Polizei- und Militäranlagen,

Justizvollzugsanstalten

sowie Werke aus dem Automobilbau

und der Luftfahrt

werden von den Türen aus Ebersbach

geschützt. Mit „Buchele Deluxe“

hat das Unter nehmen eine

eigene Designlinie für architektonisch

herausragende Vorhaben:

Funktion trifft hübsch.

Zwei Standorte

Buchele hat zwei Standorte: Die

Zentrale in Ebersbach/Fils und in

der Partnerstadt Ebersbach-Neugersdorf

in Sachsen. In den Werken

werden die Türen von Ingenieuren

konstruiert und entwickelt

und von erfahrenen

Metallschlossern mit höchsten

Qualitätsansprüchen gefertigt.


BÜCHER TUN GUTES 33

Bücher

überwinden

Grenzen

Wohltätigkeit Seit 2012 gibt es den

Ebersbacher Verein „Bücher tun Gutes“, der den

Erlös auf dem Verkauf von gebrauchten Büchern

für soziale Zwecke spendet. Für das

Jubiläumsjahr waren viele Aktionen geplant.

Bereits im Mai 2012

wurde in Ebersbach

der Verein „Bücher

tun Gutes“ gegründet.

„Seitdem hatten wir

eine ordentliche Entwicklung

hinsichtlich unserer Einnahmen“,

erklärt die Vorsitzende

des Vereins, Sonja Hollandt. Begonnen

hat Hollandt als ehrenamtliche

Mitarbeiterin bei der

Caritas in Stuttgart. Dadurch

kam der Kontakt zu einem Händler

für gebrauchte Bücher zustande.

2008 begann sie, gespendete

Bücher zu sammeln und für

einen guten Zweck zu verkaufen.

„2011 gab es dann die ersten Büchertische

im Haus Filseck und

im Rathaus“ erinnert sich Hollandt.

Mit der Gründung der

Vereins, der derzeit 47 Mitglieder

hat, eröffnete „Bücher tun

Gutes“ direkt neben dem Bahnhof

in Ebersbach einen Gebrauchtbuchladen,

der von Ehrenamtlichen

betrieben wird.

Die Erlöse aus dem Verkauf der

Bücher sind von 1.000 Euro im

Die Präsentation des Gedichtbands.

Jahr 2009 auf rund 30.000 Euro

im vergangenen Jahr gestiegen.

Abzüglich der Kosten, die für die

Arbeit des Vereins entstehen,

wird das gesamte Geld für wohltätige

Zwecke gespendet. „Wir

fördern allerdings nur lokale Initiativen

und Projekte aus dem

Landkreis Göppingen und maximal

bis nach Stuttgart“, erklärt

Sonja Hollandt. Manchmal wird

Fotos: Michael Tilp

der Verein direkt angesprochen,

Geld wurde auch schon über die

NWZ-Aktion „Gute Taten“ gespendet.

„Manchmal lesen ich

auch in der Zeitung über ein Projekte,

für das wir Geld spenden

können, melde mich direkt dort

und frage nach, was genau benötigt

wird“, erklärt der Vereinsvorsitzende.

So hat der Verein

beispielsweise die Tierhilfe Obere

Roggenmühle genauso unterstützt

wie das Tierheim in Esslingen,

die Kinder- und Jugendarbeit,

die Erwachsenenbildung,

Seniorenprogramme im Landkreis

Göppingen und verschiedene

Projekte, die die Integration

fördern. „Auch in der Vesperkirche

gibt es seit Jahren eine

Bücherkiste, deren Erlös wir

dann spenden“, erzählt Sonja

Hollandt. Neben dem Erlös aus

dem Verkauf der Bücher ist es

eines der Ziele des Vereins „Bücher

tun Gutes“, einer breiten

Bevölkerungsschicht Zugang zu

kostengünstiger Literatur und

Sachliteratur zu ermöglichen.

Zumal es auch dem Gedanken

der Nachhaltigkeit dient, Bücher

nicht wegzuwerfen, sondern als

Spenden an den Verein zu geben.

„In den Verkauf im Bücherladen

und bei den Bücherflohmärkten

kommen nur Bücher in

einem sehr guten Zustand, die

auch nicht älter als 15 Jahre sein

sollten“, erklärt Sonja Hollandt.

Alle anderen Bücher werden an


FOTO: B. REXER

34

BÜCHER TUN GUTES

Ein Gedichtband

zum

Jubiläum

Realisiert wurde in Zusammenarbeit

mit dem Raichberg-Gymnasium

der Gedichtband

„ZusammenGereimt“,

der Gedichte und Illustrationen

der Schüler

enthält. Verfasst wurden die

Gedichte von Schülern der

Klassenstufen 8 und 9 während

eines Lyrik-Workshops.

Die Gedichte ihrer Mitschüler

illustrierten Schüler der Klassenstufen

6 bis 12. Erstmals

wurde der Gedichtband „ZusammenGereimt“

beim „Jubiläums-Dreiklang“

verkauft.

Der Gedichtband ist auch im

Gebrauchtbücherladen am

Bahnhof und im Onlineshop

„KaufinBW“, auf dem der Verein

„Bücher tun Gutes“ inzwischen

zusätzlich aktiv ist, für

fünf Euro zu haben.

einen Gebrauchtbücherhändler

weiterverkauft.

„Wir achten

darauf, dass wir

nichts wegwerfen

müssen“,

so

Hollandt.

Neben dem Verkauf

im Gebrauchtbuchladen veranstaltet

der Verein über das Jahr

immer noch verschiedene Bücherflohmärkte.

Besonders für

das Jahr des 850. Stadt- jubiläums

hatten die Vereinsmitglieder

zahlreiche

Veranstaltungen

geplant. Leider

wirbelt die Corona-Pandemie

seit

Mitte März auch

die Pläne des Vereins

durcheinander. Während

der Laden geschlossen war und

auch keine Flohmärkte und Büchertische

möglich waren, stellten

die Mitglieder und Helfer

des Vereins Bücher auf die

Onlineplattform „KaufinBW“.

Verschiedene geplante Veranstaltungen

mussten abgesagt

oder das Konzept für die Events

musste verändert werden, um

den Hygieneanforderungen zu

entsprechen. Geplant ist weiterhin

der Buchverkauf bei den

Spezial-Wochenmärkten am 24.

Oktober und am 28. November.

Auch der Riesenbücherflohmarkt

zum Jubiläum vom 16. Bis

zum 18. Oktober in der Aula und

im Foyer des Raichberg-Schulzentrums

soll nach dem derzeitigen

Stand stattfinden. Hier

können sich die Besucher am

Freitag ab 19.30 Uhr auf die kabarettistisch-literarische

Lesebühne

„Get Shorties“ und den

Auftritt der Band „Les Braves

Cons“ freuen. Am Samstag

ist um 19.30 Uhr der Autor

Gunter Haug zu Gast

und stellt sein Buch

„Schwäbische

Sternstunden – wie

wir Weltspitze geworden

sind!“ vor.

Info Informationen zu den geplanten

Veranstaltungen und

möglichen Änderungen gibt es immer

aktuell im Internet unter

www.buecher- tun-gutes.

de.

FOTOS: BIRGIT REXER, HELGA SINGLE, STADT EBERSBACH

Eindrücke vom Bücherverkauf im Freien, aus dem

Gebrauchtbücherladen des Vereins und vom

Riesenbücherflohmarkt.


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