Die Wirtschaft Köln - Ausgabe 06 / 2020

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Mehr Wissen, besser entscheiden, erfolgreich unternehmen: Die Wirtschaft Köln bietet Ihnen mit exklusiven Einblicken in Branchen, Märkte und Betriebe sechs Mal jährlich einen spannenden Mix aus aktuellen Nachrichten der Kölner Wirtschaft, Unternehmensportraits und Interviews mit Entscheidern der Region.

Vorwort |

LIEBE LESERINNEN

UND LESER,

nach der Wahl ist vor der Wahl. Und

manchmal liegen zwischen den beiden

Terminen lediglich zwei Wochen. Nämlich

wenn es um die Wahl zur Oberbürgermeisterin

respektive zum Oberbürgermeister

unserer Stadt geht.

Dass es in Köln überhaupt zu einer Stichwahl

zwischen der parteilosen Amtsinhaberin

Henriette Reker (45 %) und dem

SPD-Herausforderer Andreas Kossiski (26,8

%) kommen würde, war nicht unbedingt

vorhersehbar. Denn in ihrer vergangenen

Amtszeit konnte sich Reker stets auf die sie

unterstützenden Fraktionen aus CDU und

Grünen verlassen.

Während Erstere bei der Wahl zum Kölner

Stadtrat deutliche 5,7 Prozent der Wählerstimmen

verlor, konnten die Grünen als die

großen Gewinner 9 Prozent zulegen und liegen

jetzt bei 28,5 Prozent. Gemeinsam mit

den Stimmen der CDU, für die sich nur noch

21,5 Prozent der Wähler entschieden, stehen

theoretisch genau 50 Prozent des Rates hinter

ihr. Aber eben nur 45 Prozent aller Kölner

Bürger die gewählt haben. Haben wir schon

über die SPD gesprochen? Die verlor 7,8 Prozent

und steht mit 21,6 Prozent nur 0,1 Prozentpunkt

besser da als die CDU.

Bei Redaktionsschluss stand leider noch

nicht fest, wer das Rennen um den OB-Posten

gemacht hat. Sollte es, was eher wahrscheinlich

ist, Reker sein, hat sie die Möglichkeit,

in einer zweiten Amtszeit die Politik der vergangenen

Jahre kontinuierlich fortzusetzen.

Wobei zwischen dem, was auf ihrer Agenda

stand, und dem tatsächlich Erreichten eine

deutliche Lücke klafft. Nicht zuletzt so manche

Baulücke, die man für das Hochziehen

neuer Wohnungen hätte nutzen können. Die

Stadt hat eine Vielzahl an Baustellen, auf denen

Henriette Reker als Polier glänzen könnte.

Baustellen im wahrsten Sinne des Wortes

(Schauspiel und Oper, die Ost-West-Achse der

KVB, Schulen), aber auch so anspruchsvolle

Projekte wie den Umbau der Verwaltung, die

moderner, effektiver und noch bürgernäher

werden soll.

Dass es da momentan reichlich knirscht im

Getriebe, verdeutlichen die vielen Klagen

der Bürger. Im Frühjahr klinkte sich das

Bauamt zwischendurch mal eben telefonisch

für ein paar Wochen aus, um Aktenberge

abzuarbeiten. Und nicht zuletzt die

– sicherlich auch coronabedingt – schleppende

Abfertigung in der Kfz-Zulassung

sorgt für Unmut beim Kölner. Sie wirkt

sich auch auf den Autohandel aus. Bestellte

Fahrzeuge stehen in den Autohäusern und

können nicht ausgeliefert werden, weil das

Nummernschild fehlt. Frau Reker als Nummerngirl:

Übernehmen Sie.

Auch der Verkehr in der Stadt kommt immer

häufiger zum Erliegen. Nicht nur der auf der

Straße. Selbst das Pascha musste wegen Corona

Insolvenz anmelden. Ist aber nicht die

Schuld der OBin. Ganz im Gegenteil. Es besteht

der Anfangsverdacht, dass einige Mitarbeiter

der Behörde über längere Zeiträume

hinweg unberechtigt Gehalt für Überstunden

ausgezahlt bekamen – Geld für eine Überstunde

im Pascha wäre also da gewesen.

Ebenso bleibt die Lage auf den Einkaufsstraßen

kritisch. Das Traditions-Schuhhaus

Kämpgen gibt seinen Standort anfangs der

Schildergasse auf. Der nächste Ramschladen

scharrt schon mit den Hufen. Zum

Glück beschäftigt sich Köln nicht nur mit

seiner Via Consumalis, sondern hebt seine

Schätze entlang der Via Culturalis. Die Kölner

Highlights in den Vordergrund rücken

und die Schmuddelecken mit allen zur Verfügung

stehenden Mitteln effektiv bekämpfen

– wenn Henriette Reker auch das mit

Unterstützung weiter Teile der Kölner Bürgerschaft

hinbekommt, waren ihre bisherigen

Amtsjahre nicht ganz umsonst.

Herzlichst

Eugen Weis, Herausgeber

www.diewirtschaft-koeln.de 3

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