Nr. 9 / September 2011 - Wirtschaftskrise (PDF, 2441 kb - KV Schweiz

kvschweiz.ch

Nr. 9 / September 2011 - Wirtschaftskrise (PDF, 2441 kb - KV Schweiz

Wahlen

Welche Politiker/innen

KV Schweiz empfiehlt

Das Magazin für Bildung und Beruf

Talfahrt

Was das Auf und Ab der

Wirtschaft in uns bewirkt

Status

Weshalb wir zu

Höherem streben

26. 9. 2011

Heft 9


Rechtsberatung Sprachreisen Lohnauskünfte Ratgeber Reka-Checks Krankenkasse SWICA Auto-Versicherung 35% auf Notebooks

& PCs Kurse Laufbahnberatung Mitgliedermagazin Context Privat- und Verkehrs-Rechtsschutzversicherung GA & Halbtax

der SBB Fachzeitschriften Kreditkarten 15% auf Bücher & Lehrmittel geschützter Online-Mitgliederbereich Lohnauskünfte

Reisen Potenzial-Analysen Business-Sprachreisen Merkblätter Hausratsversicherung Beratung Info-Schriften Krankenkasse

KPT Regionale Angebote Salärrechner Rechtsberatung Sprachreisen Lohnauskünfte Ratgeber Reka-Checks Krankenkasse

SWICA Auto-Versicherung 35% auf Notebooks & PCs Kurse Laufbahnberatung Mitgliedermagazin Context Privat- und

Verkehrs-Rechtsschutzversicherung

Empfehlen

GA & Halbtax der SBB

Sie

Fachzeitschriften

die

Kreditkarten 15% auf Bücher & Lehrmittel geschützter

Online-Mitgliederbereich Lohnauskünfte Reisen Potenzial-Analysen Business-Sprachreisen Merkblätter Hausratsversicherung

Beratung Info-Schriften Krankenkasse KPT Regionale Angebote Salärrechner Rechtsberatung Sprachreisen

Lohnauskünfte Ratgeber Reka-Checks Krankenkasse SWICA Auto-Versicherung 35% auf Notebooks & PCs Kurse Laufbahnberatung

Mitgliedermagazin Context Privat- und Verkehrs-Rechtsschutzversicherung GA & Halbtax der SBB Fachzeitschriften

Kreditkarten

KV-Mitgliedschaft

15% auf Bücher & Lehrmittel geschützter Online-Mitgliederbereich Lohnauskünfte Reisen Potenzial-Analysen

Business-Sprachreisen Merkblätter Hausratsversicherung Beratung Info-Schriften Krankenkasse KPT Regionale Angebote

Salärrechner Rechtsberatung Sprachreisen Lohnauskünfte Ratgeber Reka-Checks Krankenkasse SWICA Auto-Versicherung

35% auf Notebooks & PCs Kurse Laufbahnberatung Mitgliedermagazin Context Privat- und Verkehrs-Rechtsschutzversicherung

GA & Halbtax der SBB Fachzeitschriften Kreditkarten 15% auf Bücher & Lehrmittel geschützter Online-Mitgliederbereich

Lohnauskünfte

weiter

Reisen Potenzial-Analysen


Business-Sprachreisen

wir belohnen

Merkblätter Hausratsversicherung Beratung Info-Schriften

Krankenkasse KPT Regionale Angebote Salärrechner Rechtsberatung Sprachreisen Lohnauskünfte Ratgeber Reka-Checks

Krankenkasse SWICA Auto-Versicherung 35% auf Notebooks & PCs Kurse Laufbahnberatung Mitgliedermagazin Context Privat-

und Verkehrs-Rechtsschutzversicherung GA & Halbtax der SBB Fachzeitschriften Kreditkarten 15% auf Bücher & Lehrmittel

geschützter Online-Mitgliederbereich Lohnauskünfte Reisen Potenzial-Analysen Business-Sprachreisen Merkblätter Hausratsversicherung

Sie

Beratung

dafür!

Info-Schriften Krankenkasse KPT Regionale Angebote Salärrechner Rechtsberatung Sprachreisen

Lohnauskünfte Ratgeber Reka-Checks Krankenkasse SWICA Auto-Versicherung 35% auf Notebooks & PCs Kurse Laufbahn

beratung Mitgliedermagazin Context Privat- und Verkehrs-Rechtsschutzversicherung GA & Halbtax der SBB Fachzeitschriften

Kreditkarten 15% auf Bücher & Lehrmittel geschützter Online-Mitgliederbereich Lohnauskünfte Reisen Potenzial-Analysen

Business-Sprachreisen Merkblätter Hausratsversicherung Beratung Info-Schriften Krankenkasse KPT Regionale Angebote

Salärrechner Rechtsberatung Sprachreisen Lohnauskünfte Ratgeber Reka-Checks Krankenkasse SWICA Auto-Versicherung

35% auf Notebooks & PCs Kurse Laufbahnberatung Mitgliedermagazin Context Privat- und Verkehrs-Rechtsschutzversicherung

GA & Halbtax der SBB Fachzeitschriften Kreditkarten 15% auf Bücher & Lehrmittel geschützter Online-Mitgliederbereich

Lohnauskünfte Reisen Potenzial-Analysen Business-Sprachreisen Merkblätter Hausratsversicherung Beratung Info-Schriften

Krankenkasse KPT Regionale Angebote Salärrechner Rechtsberatung Sprachreisen Lohnauskünfte Ratgeber Reka-Checks

Krankenkasse SWICA Auto-Versicherung 35% auf Notebooks & PCs Kurse Laufbahnberatung Mitgliedermagazin Context Pri

vat- und Verkehrs-Rechtsschutzversicherung GA & Halbtax der SBB Fachzeitschriften Kreditkarten 15% auf Bücher & Lehrmittel

geschützter Online-Mitgliederbereich Lohnauskünfte Reisen Potenzial-Analysen Business-Sprachreisen Merkblätter Hausratsversicherung

Beratung Info-Schriften Krankenkasse KPT Regionale Angebote Salärrechner Rechtsberatung Sprachreisen

Lohnauskünfte Ratgeber Reka-Checks Krankenkasse SWICA Auto-Versicherung 35% auf Notebooks & PCs Kurse Beratung

SPECIMEN

Sie sind überzeugt vom KV, denn Sie kennen die vielen Vorteile Ihrer

Mitgliedschaft! Empfehlen Sie uns weiter und wir belohnen Ihr Engagement

gleich doppelt. Für jedes neu geworbene KV-Mitglied erhalten Sie

CHF 50.– bzw. CHF 20.– für jedes neue Jugendmitglied – und das Beste:

Auch das geworbene Mitglied profitiert und kann sich ein persönliches

Begrüssungsgeschenk aussuchen.

Ihr Zusatzgewinn:

Für 10 neu geworbene Mitglieder schenken wir Ihnen als Dank einmalig

ein neues Apple iPad im Wert von CHF 699.–!

Alle Informationen und Beitritt unter:

www.kvschweiz.ch/mwm

Nur noch bis zum

31.12.2011!

Überzeugen lohnt sich!

Ihr Partner für Bildung und Arbeit


Editorial

Was dem Künstler der Applaus am Schluss

der Vorstellung sind den Journalistinnen

und Journalisten die Rückmeldungen aus

der Leserschaft. Diese geben uns die

Möglichkeit, Ideen und Konzept zu überprüfen

und festzustellen, was Sie als Leserin

und Leser von Context interessiert

und wie Sie unsere Leistung beurteilen.

Im November 2008 erhielt Context

den Q-Award des Verbandes Schweizer

Presse für den zweiten Rang. In der Laudatio

hiess es: «Die neu gestaltete Zeitschrift

des KV Schweiz gefällt ästhetisch

und überrascht journalistisch durch kreative

Ansätze und einen intelligenten Internetauftritt.

Context wird gewürdigt als

gelungener Versuch, aus der klassischen

Mitgliederzeitschrift eines Verbandes ein

attraktives Magazin für Berufsleute zu

machen.»

Nun fragen wir Sie, liebe Leserin und

lieber Leser. Teilen Sie die Meinung des

Verbandes Schweizer Presse? Damit wir

Inhalt und Gestaltung noch besser Ihren

Wünschen anpassen können, bitten wir

Sie, sich einige Minuten Zeit zu nehmen.

Gewinnen Sie mit etwas Glück einen attraktiven

Preis. Informationen zur Umfrage

finden Sie auf Seite 40.

In wenigen Wochen wird gewählt. Der

KV Schweiz empfiehlt Ihnen Persönlichkeiten

aus allen Parteien zur Wahl. Insbesondere

in unserem Engagement für die

Stärkung der Berufsbildung sind wir auf

Vertrauensleute im Parlament angewiesen.

Den Beitrag zu den Wahlen lesen Sie

auf Seite 11.

Mit dieser Nummer verabschiedet

sich Maja Sommerhalder aus der Context-

Redaktion. Sie wechselt in die News-Redaktion

einer grossen Tageszeitung. Wir

danken Maja Sommerhalder für ihr Engagement

und wünschen ihr alles Gute.

Peter Kyburz – Generalsekretär des KV Schweiz

peter.kyburz@kvschweiz.ch

context 9 – 2011

Inhalt

Im Büro San Rafael de Guatuso, Costa Rica 5

Unbürokratisch 6

Leserbriefe, KV in den Medien, Webrating 7

Politik und Wirtschaft 8

Auftakt Lehrabgänger-Umfrage/Neues SchKG/Fachkräfte-Initiative

Kolumne Von Andrea Ruckstuhl 9

Umfrage Was von National- und Ständeräten erwartet wird 10

Parlamentswahlen Kandidierende mit KV-Unterstützung 11

Monatsinterview Ruth Enzler Denzler über berufstypische Ängste 14

Dossier Krise 18

Wirtschaft von Fall zu Fall

Interview Wie Menschen auf eine Krise reagieren 22

Klassenzimmer KV-Berufsmaturanden diskutieren 24

Beruf und Bildung 26

Auftakt Buchbesprechung/Familienfreundlichkeits-Test/

Stress und Arbeit/Geschäftsreisen planen/Salärempfehlungen

Kolumne Von Stefanie Grob 27

Weiterbildung Wo der Kunde König ist 28

Veteranenehrung Mit den treusten Mitgliedern feiern 30

Status Wem was wichtig ist 32

Leben Henry Goldmann berät Lernende online 34

Ratgeber Büroalltag/Bildung/Recht/Jugend 38

KV-Aktuell/Sektionen Veranstaltungen und Informationen/Personen im KV 40

Impressum 44

Rätsel SBB-Tageskarten zu gewinnen 45

Cartoon Von Ruedi Widmer 46


A A R A U B A D E N B A S E L B E R N L U Z E R N W I N T E R T H U R Z Ü R I C H

Lernen. Praxis. Karriere.

100 Bildungsgänge ganz in Ihrer Nähe.

– Handelsschule KV Aarau

– zB. Zentrum Bildung

Wirtschaftsschule KV Baden

– Handelsschule KV Basel

– WKS KV Bildung, Bern

KV Bildungszentrum Luzern

– Wirtschaftsschule KV Winterthur

KV Zürich Business School

Neu!

Neu!

Neu!

Dipl. Betriebswirtschafter/in HF

Dipl. Marketingmanager/in HF

Dipl. Controller/in NDS HF

Dipl. Leiter/in Finanzen & Dienste NDS HF

Dipl. Personalleiter/in NDS HF

Dipl. Business Engineer NDS HF

Dipl. Qualitätsmanager/in NDS HF

Cert. Digital Marketing Expert bsw/SIB

Cert. Innovation Manager SIB

Management-Diplom SIB

Die grösste HFW der Schweiz

Erstklassige Studiengänge und Seminare direkt beim HB Zürich

Wählen Sie jetzt Ihre Richtung.

www.kvbildung.ch

SIB

S C H W E I Z E R I S C H E S

I N S T I T U T F Ü R

B E T R I E B S Ö KO N O M I E

D I E S C H W E I Z E R

K A D E R S C H M I E D E

Z Ü R I C H/C I T Y

W W W . S I B . C H

0 43 322 26 66


Im Büro

San Rafael de Guatuso, Costa Rica

Yoriely Villalobos mora leitet die Kleinbauernorganisation

Agronorte, die ihre

Produkte nach Europa und in die USA

exportiert.

Interview und Fotos Knut Henkel

Hatten Sie als Kind einen Traumberuf?

Ja, ich wollte schon immer Handel

studieren, das klingt vielleicht blöd, ist

aber wahr.

Welchen Beruf üben Ihr Vater und Ihre

Mutter aus?

Ich bin mit meinen vier Geschwistern

bei meiner Mutter aufgewachsen. Meine

Eltern leben getrennt, und ich kümmere

mich noch heute um die Jüngste. Meine

Mutter hat ein kleines Lokal, wo sie einen

Mittagstisch anbietet.

Was arbeiten Sie?

Ich bin Direktorin der Kleinbauernorganisation

Agronorte, die Ananas und

andere Produkte nach Europa und die

USA exportiert und im Fair-Trade-Handel

tätig ist.

Welche Ausbildung haben Sie gemacht?

Ich studiere noch internationale Ökonomie

an der Universität Nacional.

Seit wann sind Sie hier tätig?

Ich habe hier vor fünf Jahren als Rezeptionistin

angefangen. Dann habe ich

mich aufgrund meiner Englisch-Kenntnisse

vermehrt mit der Fair-Trade-Zertifizierung

beschäftigt und so die eine oder

andere Aufgabe übernommen. So begann

mein Aufstieg und seit Ende 2009 bin ich

nun Direktorin.

Welche Dienstleistungen bietet Ihre

Firma an?

Wir sind eine genossenschaftlich

strukturierte Bauernorganisation, die

Ananas und andere Agrarprodukte exportiert.

Welche Qualitäten sind in Ihrem Beruf

gefragt?

Sprachkenntnisse und eine schnelle

Auffassungsgabe sollte man haben und

sich nicht einschüchtern lassen.

context 9 – 2011

Was schätzen Sie an Ihrem Beruf?

Ich schätze sehr, dass ich eigenständig

arbeiten kann.

Wie sind Sie auf Ihre Stelle aufmerksam

geworden?

Mir ist die Stelle als Rezeptionistin

aufgrund meiner Englischkenntnisse angeboten

worden.

Haben Sie lange gesucht, bis Sie diese

Stelle gefunden haben?

Nein, ich wurde vom damaligen Direktor

gefunden.

Arbeiten Sie hauptsächlich im Team oder

allein?

Wir arbeiten hier im Team, es gibt flache

Hierarchien und alle zehn Mitarbeiter

können bei Bedarf auch von zu Hause

arbeiten – es gibt keine Präsenzpflicht.

Wie viele Stunden pro Woche arbeiten Sie?

Oh, das sind sicherlich mehr als

sechzig.

Wie oft machen Sie Ferien?

Ich habe Anspruch auf fünfzehn Tage

Urlaub, aber ich nehme die Tage meist

nicht oder nur sehr wenige.

Wie viel verdienen Sie pro Jahr?

Ich verdiene 2000 US-Dollar (ca. 1600

Franken) und bin damit sehr zufrieden.

Können Sie Geld auf die Seite legen?

Ja, das ist durchaus möglich.

Wie viele Personen müssen von Ihrem

Einkommen leben?

Bisher bin ich es in erster Linie, aber

das wird sich mit dem Kind ändern.

Sind Sie gegen Krankheit versichert?

Ja, das bin ich.

Haben Sie eine Altersvorsorge?

Ja, auch die gibt es.

Was möchten Sie beruflich noch erreichen?

Ich möchte einmal meine eigene

Firma haben, spätestens mit 40 Jahren.

Reden Sie mit Ihrem Partner über die

Arbeit?

Ja, aber nicht sehr viel. Es gibt genug

anderes zu besprechen, wenn wir Zeit

miteinander verbringen.

Steckbrief Costa rica

San rafael de Guatuso hat rund 7000

Einwohner. Diese leben mehrheitlich

von Viehzucht und Reisanbau.

Einwohner Land 4,3 Millionen

Arbeitslosenquote 6 Prozent

Durchschnittseinkommen 5905 US-

Dollar (knapp 4700 Franken) pro Jahr

Gewerkschaftlicher organisationsgrad

sechs Prozent

Wichtigste Exportartikel Speicherchips

und Prozessoren von Intel,

Ananas, Bananen, Kaffee und Zucker

Steckbrief Person

Name Yoriely Villalobos Mora

Alter 25 Jahre

Zivilstand ledig

Wohnform im Hause der Mutter

Wohnort San Rafael de Guatuso

5


6

UnbÜrokratisch

Die Rennjury auf der offenen Radrennbahn Oerlikon in Zürich macht sich Notizen über das sportliche Geschehen. Foto: Atelier MFM/Ex-Press

context 9 – 2011


Leserbriefe

«Steno war nicht gestern,

sondern ist heute.»

context 8 – 2011

«steno war gestern»

Aus Sicht eines aktiven Stenografen ein

wenig überlegter Titel. Müssen wir Stenografen,

von denen viele Mitglieder des KV

sind, uns zu den «Gestrigen» zählen? Dabei

war es doch ausgerechnet der Schweizerische

Kaufmännische Verband, der

1986 die Stenografie aus dem Lehrplan

verbannte! Seltsam, wie Sie da mit Ihren

Mitgliedern umgehen. Es gilt wohl nicht

nur, das veraltete Klischee der Chefsekretärin

zu korrigieren, sondern auch das

rund um die Steno.

Sekretärinnen mit Stenokenntnissen

sind wirklich selten geworden. Dies trifft

aber auch auf Chefs zu, die einen Brief

druckreif diktieren können. So hat sich

der Einsatz der Steno gewandelt. Heute ist

sie die schnellste und einfachste Methode,

Gehörtes präzis festzuhalten, Gedanken

zu formulieren, Sitzungen und Vorlesungen

zu protokollieren oder für persönliche

Notizen. Steno ist vier- bis fünfmal

schneller als die Langschrift. Ein Blatt Papier

und ein Stift genügen. Schreibbereit

ist man in wenigen Sekunden.

Ist eine so effiziente und einfache Arbeitstechnik

in der heutigen schnelllebigen

und informationsüberlasteten Zeit

wirklich veraltet? Urteilen da nicht Leute

über ein Arbeitsmittel, das sie gar nicht

kennen?

Fazit: Steno passt immer noch sehr

gut in die heutige Arbeitswelt. Sie ergänzt

die modernen Methoden der Textverarbeitung

und Kommunikation. Darum

besuchen nach wie vor junge Leute die

anstelle der KV-Schulen von lokalen Stenografenvereinen

angebotenen Kurse

(www.steno.ch). Die Steno als wichtiges

Kulturgut lebt und wird vermutlich noch

Webrating

ist die karriere planbar?

Ja: 14 %

Nein: 20 %

Teilweise: 66 %

context 9 – 2011

viele Versuche, gewisse Berufsbilder

künstlich aufzuwerten, überleben.

Rudolf Bernhard, Präsident des

Schweizerischen Stenografenverbandes

Eigentlich müsste es richtig heissen

«Steno braucht es auch heute und morgen».

Im Januar 2011 hat die Bank Barclay für

wichtige Gespräche am WEF in Davos

eine Stenografin gesucht, Ende August

kam eine ähnliche Anfrage von Philips für

einen Event an der HSG St. Gallen. Auch

bei Gerichtsverhandlungen und schwierigen

Geschäftsbesprechungen werden immer

wieder tüchtige Stenografen gesucht.

Da der Schweizerische Stenografenverband

der Nachwuchsförderung grossen

Wert beimisst, können wir solche Anfragen

stets positiv beantworten.

Rosmarie Koller, Gossau

Der Titel tönt nach Abgesang, die Wirklichkeit

ist anders. So wurden an den Intersteno-Weltmeisterschaften

vom Juli

2011 in Paris 50 Spitzenstenografen rangiert.

Den Wettbewerb «Korrespondenz

und Protokollierung» bestanden 46 teilnehmende

«Seniors»; mehr als die Hälfte

von ihnen setzte Handstenografie ein. Sie

sind gefragte Spezialisten, weil sie PC und

Steno gewinnbringend kombinieren.

Steno heisst Sprachkompetenz. Bildungspolitisch

sind Kompetenzen zu fördern,

nicht zu belächeln. Steno war nicht gestern,

sondern ist heute.

Erich Werner, Hochdorf

Context freut sich über Ihren Leserbrief!

Bitte mit Vor-/Nachnamen sowie Wohnort an:

context@kvschweiz.ch, oder an

context, Postfach, 8027 Zürich

Jetzt abstimmen:

www.context.ch

beschäftigt sie die krise?

> Ja

> Nein

> Manchmal

kV in den Medien

Immer mehr Jugendliche machen in

der Schweiz eine Matura. Dafür will

keiner mehr Schreiner oder Metzger

werden. Wohin führt uns das? […] Andrea

Ruckstuhl, Ressortleiter Jugend

beim KV Schweiz: «Gewisse Jobs lassen

sich auch in Zukunft nicht wegrationalisieren;

es wird zum Beispiel

noch lange Leute brauchen, die Korrespondenz

in Ordner ablegen.»

12.9.2011

Dass 70 Prozent der KV-Lehrabgänger

gemäss der Umfrage von KV Schweiz

bereits eine berufliche Anschlusslösung

haben, findet Josef Widmer erstaunlich.

«In anderen Jahren war die

Quote, Stand Juli, noch deutlich tiefer»,

sagt der Leiter der Dienststelle Beruf

und Weiterbildung im Kanton Luzern.

Da die Situation für die Lehrabgänger

im Kanton Luzern erfahrungsgemäss

besser sei als im Rest der Schweiz,

dürfte der Wert laut Widmer eher sogar

bei 75 Prozent liegen.

6.9.2011

«Höchst unerfreulich» sei, dass viele

Praktika keinen Ausbildungscharakter

hätten, findet der KV Schweiz. Oft

würden wohl die Lehrabgängerinnen

und Lehrabgänger bloss als billige Arbeitskräfte

ausgenützt.

6.9.2011

Jeder zweite Lehrling muss

heute nicht mehr oder nur

wenig zu Hause abgeben. […]

Damit erweisen die Eltern ihren Kindern

einen Bärendienst. «Wenn die Jugendlichen

den Umgang mit Geld

nicht schon in der Lehre lernen, lernen

sie ihn nie mehr», so Anita Keller von

der Zentralstelle für Ehe- und Familienplanung

Zürich. Das Problem sei,

dass die Jugendlichen immer mehr

Geld für Ausgang, Handy oder Shopping

beanspruchten. […] Für Andrea

Ruckstuhl von KV Schweiz ist diese Erklärung

zu simpel: «Es ist nicht so,

dass Junge einfach immer gieriger

werden. Viele Familien haben den Beitrag

der Lehrlinge schlicht nicht mehr

nötig.»

1.9.2011

7


8

Politik und Wirtschaft

Geduld bei der Jobsuche

context 9 – 2011

Berufseinstieg. Viele KV-Absolventinnen und -Absolventen finden erst

mehrere Monate nach Lehrabschluss eine Stelle. Von Rolf Murbach

Der KV Schweiz befragt seit mehreren

Jahren die KV-Lehrabgängerinnen

und -Abgänger zu ihrer beruflichen

Situation. Im September präsentierte

der Verband nun die Resultate der neusten

Umfrage. Rund ein Viertel der nach

der Lehrabschlussprüfung 2011 befragten

jugendlichen Absolventen hatte im Juli

noch keine nahtlose berufliche Anschlusslösung

gefunden. Die Umfrage hat auch

gezeigt, dass Abgänger/innen mit höherem

schulischem Ausbildungsniveau

(Berufsmaturität und E-Profil) auf dem

Arbeitsmarkt deutlich bessere Chancen

haben als jene mit grundlegenden Anforderungen

(B-Profil).

54% der Befragten werden von ihrem

Lehrbetrieb weiterbeschäftigt. Nur gerade

16% finden in einem anderen Betrieb eine

erste Stelle. Auffallend sind die Branchenunterschiede.

Lehrabgängerinnen und

Lehrabgänger aus der Bankenbranche

sind zu 90% erfolgreich bei der Jobsuche.

Absolventen aus den Branchen Dienstleistung

und Administration, dem Handel

und der öffentlichen Verwaltung haben

dagegen deutlich mehr Mühe, nach

der Lehre eine Anstellung zu finden.

Arbeitsmarkt braucht KV-Absolventen

Nachbefragungen im März und im November

der letzten Jahre haben allerdings

gezeigt, dass dieses Bild nach einigen Monaten

jeweils korrigiert wird, wie Andrea

Ruckstuhl, Leiter Ressort Jugend vom KV

Schweiz, ausführt. «Rund 90 Prozent fanden

eine befristete oder unbefristete Stelle.

Das zeigt auch, dass der Arbeitsmarkt

diese Leute braucht. Es werden nicht zu

viele Kaufmänner und Kauffrauen ausgebildet,

wie bisweilen moniert wird.»

Und doch ist die Situation für viele Jugendliche

vorübergehend höchst unangenehm.

Sie müssen nach Lehrabschluss

eine Durststrecke ertragen, da sie nicht

gleich eine Stelle finden. «Das ist demotivierend

und nagt am Selbstvertrauen.

Der KV Schweiz setzt sich für die berufliche Integration der Jugendlichen ein.

Nach intensiven Ausbildungsjahren haben

sie das Gefühl, es gebe auf dem Arbeitsmarkt

für sie keinen Platz», so Andrea

Ruckstuhl.

Rekrutierungstermin ist wichtig

Der Grund für die temporäre Arbeitslosigkeit

vieler Absolventinnen und Absolventen

liegt darin, dass alle Lehrabgänger

auf einmal auf den Arbeitsmarkt drängen.

Und die Arbeitgeber sind offensichtlich

nicht darauf eingestellt – dies obwohl in

einigen Branchen ein Fachkräftemangel

herrscht. «Die Unternehmen sollten endlich

zur Kenntnis nehmen, dass viele

junge Fachkräfte jeweils auf den Sommer

eine Anstellung suchen. Die Rekrutierung

von Lehrabgängern muss auf diesen

Zeitpunkt hin terminiert werden.»

Rund 3% der Lehrabgängerinnen und

-abgänger absolvieren nach ihrer Ausbildung

ein Praktikum. Dieser Anteil hat ge-

genüber früheren Jahren abgenommen.

«Das ist erfreulich», sagt Andrea Ruckstuhl.

«Denn viele Praktikantinnen und Praktikanten

werden als billige Arbeitskräfte

missbraucht. Ausbildung und Entlöhnung

sind mangelhaft. Das ist stossend.»

Die Praktika finden zudem oftmals im

ehemaligen Lehrbetrieb oder in der gleichen

Branche statt, was nicht dem Sinn

eines Praktikums entspricht.

Der KV Schweiz macht sich für die berufliche

Integration der Jugendlichen

stark. Er fordert insbesondere diejenigen

Unternehmen auf, die keine Lehrstellen

anbieten, Jobs für KV-Absolventen bereitzuhalten.

Zudem hält der Verband an seinen

bisherigen Forderungen zur Senkung

der Jugendarbeitslosigkeit fest. Dazu gehören

das Weiterbeschäftigen durch die

Lehrbetriebe, Weiterbildungen, Mentoring-Projekte

oder das Führen von Praxisfirmen.


Vorlage

Arbeitnehmerfeindliches

neues SchKG meist nicht an den Arbeitnehmern liegt,

Das Bundesgesetz über Schuldbetreibung

und Konkurs (SchKG) ist in Revision. es

soll einige Änderungen erfahren, die für

Angestellte relevant sind.

In der Vorlage geht es darum, dass das

Sanierungsverfahren der vom Konkurs

bedrohten Unternehmen ausgebaut wird.

Das Gesetz soll so umgestaltet werden,

dass Unternehmen, die in Schieflage geraten

sind, dennoch überleben können.

Bis anhin musste eine Firma, die ein bedrohtes

Unternehmen aufkaufte, die Arbeitnehmer

mitübernehmen. Das neue

Recht sieht nun vor, dass bei einem Verkauf

die Arbeitsverträge automatisch aufgelöst

werden. Um die Folgen der neuen

Regelung zu mildern, soll weiter eine Sozialplanpflicht

für konkursite Unternehmen

eingeführt werden.

Daniel Jositsch, SP-Nationalrat und

Mitglied des Zentralvorstandes des KV

Schweiz, sieht in dieser Neuregelung ein

erhebliches Missbrauchspotenzial: «Man

könnte in Zukunft nach einer Firmenübernahme

leicht Leute entlassen. Das ist

stossend, wenn man bedenkt, dass es ja

massnahmen

Mehr Fachkräfte

mit über 40 arbeitsmarktrechtlichen und

bildungspolitischen massnahmen soll

dem Fachkräftemangel in der Schweiz begegnet

werden.

Fachkräfte sind durch die gestiegene

Mobilität international immer stärker

umworben. Die Demografieszenarien des

Bundes machen zudem deutlich, dass

die Zahl der Erwerbstätigen ab 2020 rückläufig

sein wird. Mit einer der höchsten

Erwerbstätigenquoten im europäischen

Vergleich, nämlich 79%, muss die Schweiz

daher gezielt vorgehen, um das inländische

Arbeitspotenzial noch besser nutzen

zu können.

Bundesrat Johann Schneider-Ammann

hat im März eine Fachkräfteinitiative

lanciert. Der in Auftrag gegebene

Grundlagenbericht «Fachkräfte für die

Schweiz» liegt nun vor. Anfang Monat dis-

context 9 – 2011

wenn ein Unternehmen erfolglos ist.»

Im Juni tagte die nationalrätliche

Rechtskommission. Daniel Jositsch hat

zusammen mit anderen Parlamentariern

in der Kommission erreicht, dass das Gesetz

mit den arbeitnehmerfeindlichen

Passagen zurückgewiesen wurde.

Auch bei der vorgesehenen Sozialplanpflicht

setzt Daniel Jositsch ein Fragezeichen.

«Die Sozialplanpflicht ist sicher

richtig. Nur soll sie in diesem Fall

lediglich für Unternehmen mit mindestens

250 Mitarbeitenden gelten. Erstens

betrifft das nur wenige Betriebe, zweitens

haben Firmen dieser Grösse in der Regel

bereits einen Sozialplan. Die geplante

Neuregelung ist einzig ein Zückerli für

die bittere Pille der vorgesehenen Entlassungsmöglichkeiten.

Aber da abzusehen

ist, dass die Mehrheit des Parlaments

selbst dieses Zückerli nicht will, ist die

Vorlage aus angestelltenpolitischer Sicht

ein Rückschritt.» Der Nationalrat berät

Ende September über die Gesetzesvorlage.

mur

kutierten Kantons-, Wissenschafts- und

Wirtschaftsvertreter sowie Sozialpartner

diese Auslegeordnung und entsprechende

Massnahmen. Der KV Schweiz

war mit dabei. Potenziell Erwerbstätige

sollen vermehrt in den Arbeitsmarkt integriert

werden: Jugendliche ohne Stelle,

Erwachsene ohne Berufsbildung, Eltern

mit Erziehungsaufgaben, Wiedereinsteigerinnen

sowie ältere Arbeitnehmende.

Zudem soll der Beschäftigungsgrad von

Teilzeiterwerbstätigen erhöht werden.

Zu den im Bericht formulierten Massnahmen

gehören die Verbesserung der

Rahmenbedingungen zur Vereinbarkeit

von Beruf und Familie, die Förderung von

Weiterbildung sowie die Anrechnung von

informell erlangten Bildungsleistungen.

Zudem sollen Passerellen und Umschulungslehrgänge

eingerichtet werden. pd

Kolumne

Das erste Mal

Von Andrea Ruckstuhl

Ich erinnere mich heute noch lebhaft an

meine schlotternden Knie, den Gefühls-

und Gedankenwirrwarr, an meine freudige

Erregtheit, an die monumentale

Unsicherheit, die stampfende Ungeduld,

die zupackende Entschlossenheit vor

dem ersten Mal. Ich fragte mich: Bin ich

auch genug gut vorbereitet, habe ich an

alles gedacht, Unerwartetes einkalkuliert,

Varianten und Auswege überlegt? Kurz

vor dem grossen Tag sehnte ich mir ein

mich verschluckendes Erdloch herbei,

verkroch mich unter die schützende Bettdecke,

wühlte mich wieder heraus, um

noch ein letztes Mal zu prüfen, ob ich an

alles gedacht hatte. Dabei war ich schon

27. Als ich zum ersten Mal als Lehrer vor

einer Gymiklasse stand.

Sie sind erst 16. Wenn sie die Lehre beginnen

und so ziemlich alles für sie «das

erste Mal» ist. Das erste Berufs-Outfit, die

erste Arbeitszeiterfassung, die erste betriebliche

E-Mail-Signatur, das erste Pausengespräch

unter vorwiegend Älteren.

Aber auch die ersten Arbeitsaufträge, die

erste Teamsitzung, das erste Geschäftstelefon,

die erste Leerzeit nach Erledigung

von Pendenzen.

Ich brachte mit 27 Erfahrung mit aus

zig Studentenjobs, als Kellner, Pfleger,

Sprach lehrer etwa. Und doch war ich unsicher,

fühlte mich alleine. Und längst

nicht nur am ersten Arbeitstag. Wie hätte

ich mir damals eine Gotte gewünscht, die

mir fachlich unter die Arme gegriffen

hätte. Einen Götti, dem ich auch nur mal

hätte eingestehen können, wie unsicher

ich bin.

Als Büronachbar, als Praxisbildnerin, als

ehemalige Lernende, als alter Hase: Wir

haben es in der Hand, die Lernenden

beim Einstieg ins Berufsleben zu unterstützen:

fachlich und menschlich.

Andrea Ruckstuhl ist Leiter des Ressorts Jugend

beim KV Schweiz.

9


10

Politik und Wirtschaft

Authentisch müssen sie sein

context 9 – 2011

Umfrage. Im Oktober finden die Parlamentswahlen statt. Soziale Politiker/innen,

die sich fürs Volk und die Umwelt einsetzen, haben die grössten Chancen.

Von Andrea Mašek

Von Plakaten strahlen sie auf die

Wählerinnen und Wähler herab, die

Kandidierenden für den National- und

Ständerat. Mit markigen Zitaten und

Slogans versuchen sie, Stimmen für sich

zu gewinnen. Ob sich das Volk davon

beeindrucken respektive beeinflussen

lässt?

Mit einem Lächeln und einem flotten

Spruch ist es nicht getan. Aus einer nicht

repräsentativen Umfrage von Context in

verschiedenen Kantonen geht hervor,

dass die Wahlberechtigten die Kandidierenden,

ihre Persönlichkeit, ihre Taten,

Ansichten und Ziele genau anschauen.

Gleichzeitig haben sie hohe Erwartungen.

Einsatz für Werktätige

Kandidierende müssen Respekt haben,

Respekt gegenüber den Mitmenschen

und der Natur. Dies fordert eine Mehrheit

der Befragten. «Ich erwarte, dass sich ein

Volksvertreter für das Volk einsetzt, oder

zumindest für den Teil, der ihn gewählt

hat», sagt Alain Jordi. Er hat den Eindruck,

dass sich vor allem bürgerliche Politiker

sehr stark an einer finanzkräftigen Lobby

und/oder an Grossunternehmen orientieren.

Dabei hätten vor allem Invalide, Arbeitslose,

Familien, alte Menschen und

Personen, die materiell schlechter gestellt

sind oder schlecht ausgebildet sind, Un-

Ihr Ergonomie-Fachgeschäft

terstützung nötig, meint Jordi. Er wählt

also Personen, die Bedingungen kreieren,

in denen Stellen geschaffen werden können

– Jobs für alle.

Für Markus Vogt ist der Einsatz für die

Werktätigen ebenfalls wichtig. Er denkt

dabei an AHV, ALV, allgemeine Arbeitsbedingungen

usw. Seine Wunschkandidaten

müssen überhaupt eine soziale Einstellung

haben. Schnell einmal fällt bei

den Befragten auch das Stichwort Krankenkassen.

Ob Einheitskrankenkasse

oder nicht, darüber gehen die Meinungen

auseinander. Einig ist man sich aber, dass

die Prämien nicht weiter steigen sollten.

Gegen Atomstrom

Die Umwelt respektive der Umweltschutz

liegen allen Befragten am Herzen. In diesem

Bereich müssen sich die Kandidierenden

beweisen können. «Leute, die ich

wähle, müssen eine Energiepolitik betreiben,

die ohne Atomstrom auskommt»,

sagt Markus Vogt. Damit steht er nicht alleine.

Wobei es sonst eher Frauen sind, die

dieses Kriterium nennen.

Wer keine weitere Zersiedelung der

Schweiz zulässt, den Schwerverkehr auf

die Schiene verlagern hilft, sich gegen

40-Tönner einsetzt und den öffentlichen

Verkehr (ÖV) unterstützt, erhält Stimmen.

Wobei sich die Befragten zum ÖV verunsichert

äussern: Frauen zeigen sich beunruhigt

über die steigenden Preise, Männer

fragen sich, wer den Ausbau des ÖV

bezahlen soll.

Für gerechte Steuern

Das Thema Finanzen und Wirtschaftspolitik

wird von allen Befragten auf die eine

oder andere Weise aufgegriffen. Alle sind

sie gegen unethische Managerlöhne. Einige

halten zudem Ausschau nach Kandidierenden,

die nicht unbedingt für ein

stetiges Wirtschaftswachstum plädieren.

Sie haben ihre Zweifel, ob dieses gut für

Mensch und Umwelt ist.

Dass manche Parteien gewisse eh

schon privilegierte Leute und Unternehmen

bevorzugt behandeln, stösst Markus

Vogt sauer auf. Er wählt deshalb jene Kandidierenden,

die eine vernünftige und gerechte

Steuerpolitik betreiben. Dies ist

auch den meisten anderen Befragten

wichtig.

Bildung ist ein weiterer Bereich, bei

dem die Kandidierenden punkten sollten.

Das Thema Schulreformen beschäftigt

die Befragten, wobei es ein heisses Pflaster

zu sein scheint, an dem man sich eigentlich

nur verbrennen kann.

Keine leeren Versprechungen

Im Weiteren haben die Befragten sehr individuelle

Erwartungen an die Bundesparlamentarierinnen

und -parlamentarier.

Dies reicht vom Einsatz für die

Anliegen der Region, in der man wohnt,

über den Kampf gegen Hooliganismus bis

zum Verbieten von Tabak- und Alkoholwerbung.

Die einen wählen keine Bürokraten,

dafür Saubermänner, die gegen

Littering vorgehen. Die anderen stimmen

für jene Politikerinnen und Politiker, die

einheitliche Spitex- und Pflegetarife in Altersheimen

befürworten.

Für Roland Walter ist wiederum ein

anderes Thema sehr wichtig. Er wird Leute

wählen, die nicht nur «von einer Erhöhung

der Sicherheit sprechen, sondern

auch aktiv diesbezüglich etwas unternehmen».

Zum Beispiel das Personal in den

kantonalen Polizeistellen aufstocken.

«Das Thema hört man in jedem Wahlkampf,

nur bei der Umsetzung und der

entsprechenden Finanzierung hapert es

dann gewaltig.»

Er spricht dabei etwas an, das auch

alle anderen Befragten betonen: Nur wer

die an ihn oder sie gestellten Erwartungen

vertritt und erfüllt, wer Fakten und

nicht nur Worte respektive leere Versprechungen

vorweisen kann, wird gewählt.

Authentisch müssen die Politikerinnen

und Politiker sein.

www.sitz.ch Andrea Mašek ist Context-Redaktorin.

andrea.masek@kvschweiz.ch


Sie haben die Wahl

Politik. Die Berufsbildung braucht kompetente und verlässliche Ansprechpartner auf

nationaler Ebene. Der KV Schweiz gibt deshalb Wahlempfehlungen ab. Von Peter Kyburz

Muss sich der KV Schweiz – müssen

sich die Angestellten – in

Wahlen einmischen? Eine wohl rhetorische

Frage, denn unverändert gilt: Wer

nicht politisiert, mit dem wird politisiert.

Der Glaube, dass die Politikerinnen und

Politiker es schon richten werden, führt in

der Realität nicht sehr weit. Zwar sind

es wohl primär ökonomische und/oder

technologische Kräfte, welche Volkswirtschaften

und Gesellschaften verändern.

Immer verbleibt jedoch ein gewichtiger,

politischer Gestaltungs­ und Handlungsspielraum:

Unter welchen Bedingungen

können sich Individuen entfalten? Wer sichert

Werte wie Chancengleichheit? Wer

sorgt für eine effiziente Infrastruktur in

Wirtschaft und Gesellschaft? Wer stellt

sicher, dass unser duales System der Berufsbildung

nicht unter die Räder kommt?

Der Bereich der unselbstständigen

Arbeit – und damit insbesondere auch die

Welt vieler kaufmännischer Angestellten –

ist in der Politik häufig nur schwach vertreten.

Jeder Blick in die Zusammensetzung

von Parlamenten auf nationaler

oder kantonaler Stufe zeigt, dass unsere

Berufsgruppen kaum je direkt vertreten

sind. Unsere Interessen werden meist von

uns nahe stehenden Personen aus anderen

Berufen und Tätigkeiten gewahrt –

und wenn nicht, drohen unsere Anliegen

unterzugehen. Umso wichtiger ist es, über

Vertrauensleute im Parlament zu verfügen,

die bereit sind, sich mit den Anliegen

der von uns vertretenen Angestellten

intensiv und detailliert auseinan derzusetzen,

Personen mit Einfühlungsvermögen

für angestelltenpolitische Belange.

Sie kennen den Verband

Zentralvorstand und Geschäftsleitung

haben die Sektionen des KV Schweiz aufgefordert,

die kantonalen Parteilisten zu

sichten und aktiv nach Kandidatinnen

und Kandidaten Ausschau zu halten, die

dem KV nahe stehen und von uns unterstützt

werden könnten. Die Sektionen haben

dies getan. Das Resultat ist beachtlich,

Sie sehen es in unserer Empfehlungsliste.

context 9 – 2011

Die Liste widerspiegelt dabei, dass der

KV Schweiz politisch neutral ist. Entscheidend

sind nicht Parteifarben, sondern

«Tatbeweise», dass die Kandidatinnen

und Kandidaten unseren Verband

und die Welt und die Anliegen unserer

Mitglieder kennen. Alle, die auf der Liste

figurieren, sind Mitglieder unseres Verbandes,

und nicht wenige von ihnen wirkten

oder wirken aktiv in Sektionen oder in

Gremien unseres Verbandes mit. Und

selbstverständlich wissen wir von unseren

Kandida tinnen und Kandidaten, dass

sie sich nachweislich für bildungs­ und

angestelltenpolitische Belange eingesetzt

haben und dazu weiter bereit sind.

Interessiert in Bildungsfragen

Das Engagement des KV Schweiz für die

Ausgestaltung der Rahmenbedingungen

der Erwerbstätigkeit von Angestellten –

also für Politik – reicht weit zurück. Gründung

und Existenz des KV Schweiz waren

und sind seit jeher mit Aus­ und Weiterbildung

verbunden. Der KV ist unter den

Angestelltenorganisationen der Bildungsverband

par excellence. Dass hier das

Umfeld in den letzten zehn, fünfzehn Jahren

gewaltige Umwälzungen erlebte,

muss Kaufleuten nicht näher erläutert

werden.

Neue Märkte, neue Technologien und

neue Organisationsformen haben die Bildungswelt

vollständig umgekrempelt:

Neuausrichtung der kaufmännischen

Lehre, neue Inhalte von Berufs­ und höheren

Fachprüfungen, von Diplomen der

höheren Fachschulen, Bachelor­ und

Master­Ausbildungen an Fachhochschulen

sowie die Fragen der Mobilität und

Kompatibilität haben der Bildungspolitik

neue Dimensionen und viel Brisanz auf

nationaler Ebene vermittelt. Wer uns in

Bildungsfragen vertritt, wer uns unter­

stützt (oder vernachlässigt) ist nicht egal:

In der heute sehr unruhigen Bildungslandschaft

brauchen wir dringend kompetente,

interessierte und verlässliche

Ansprechpartner auf nationaler Ebene.

Sich für Angestellten-Anliegen einsetzen

Aus Notwendigkeit (bzw. sogar Not) geboren

ist auch unser Engagement in der

Wirtschafts­, Finanz­ und Sozialpolitik.

Anders als in den Frühzeiten besteht

heute ein recht tragkräftiges soziales

Netz. Und obwohl es eng geknüpft ist,

«Es ist wichtig, im Parlament Vertrauensleute

zu haben, die sich für unsere Anliegen einsetzen.»

muss es viel grösseren Belastungen Stand

halten: Viele Arbeitsplätze sind zwar sehr

interessant und anforderungsreich geworden,

gestiegen sind aber auch die Anforderungen

an die Arbeitsmarktfähigkeit

und an die Flexibilität – und vor

«Abstürzen» mit zum Teil hohen menschlichen

und finanziellen Risiken sind auch

Kaufleute nicht gefeit.

Auch wenn eine mögliche Erhöhung

des Rentenalters in aller Munde ist, wird

die Arbeitsmarktrealität etliche Angehörige

der Gruppe 55+ auch in den nächsten

zehn Jahren noch vor erhebliche Beschäftigungsprobleme

stellen. Das politische

Engagement in der 1. und 2. Säule ist noch

längst nicht am Ende. Auch die übrigen

Sozialwerke sind keineswegs für alle Zeiten

gebaut. Auch hier oder in der Steuerpolitik

(Stichwort steuerliche Abzugsfähigkeit

von Aus­ und Weiterbildung)

müssen die Angestellten Partner/innen

finden, die ihre Anliegen kennen und verstehen

und sich dafür einsetzen.

Daher: Gehen Sie wählen – zeigen Sie,

was und wer Ihnen wichtig ist! Nutzen Sie

Ihre Stimme!

Peter Kyburz ist Generalsekretär des KV Schweiz.

peter.kyburz@kvschweiz.ch

11


12

Politik und Wirtschaft

context 9 – 2011

Kandidierende mit KV-Unterstützung

Die hier aufgeführten Kandidierenden werden von den betreffenden KV-Sektionen oder

Kantonalverbänden sowie vom KV Schweiz zur Wahl empfohlen. Sämtliche vorgeschlagenen

Kandidierenden sind KV-Mitglieder.

Kanton Aargau

Max Chopard, 1966

Gewerkschaftssekretär

SP, NR (bisher)

Canton de Neuchâtel

Didier Berberat, 1956

Avocat

PSS

CE (bisher)

Kanton St. Gallen

Thomas Ammann, 1965

Gemeindepräsident

CVP, NR (neu)

Kanton Zürich

Martin Arnold, 1963

Geschäftsleiter Kant.

Gewerbeverband Zürich

SVP, NR (neu)

Yvonne Feri, 1966

Geschäftsführerin

Zürcher Lehrerinnen­

und Lehrerverband (ZLV)

SP, NR (neu)

Jacques-André Maire,

1957

Conseiller stratégique au

DECS de NE

PSS, CN (bisher)

Felix Bischofberger, 1968

Leiter Angestelltenpolitik

KV Ost

CVP, NR (neu)

Yvonne Beutler, 1973

lic. iur., Friedensrichterin

SP, NR (neu)

Kanton Basel-Landschaft

Hans Furer, 1955

Dr. iur., Anwalt, GeschäftsführerAngestelltenvereinigung

Region Basel

GLP, NR (neu)

Vincent Martinez, 1967

Directeur Fondation Les

Perce­Neige

PDC, CE (neu)

Eugen David, 1945

Rechtsanwalt

CVP, SR (bisher)

Chantal Galladé, 1972

lic. phil., Erziehungswissenschafterin

SP, NR (bisher)

Daniela Schneeberger,

1967

Treuhänderin mit

Eidg. Fachausweis

FDP, NR (neu)

Kanton Schaffhausen

Hans-Jürg Fehr, 1948

lic. phil. I, Politiker

SP, NR (bisher)

Paul Rechsteiner, 1952

Rechtsanwalt,

Präsident SGB

SP, NR (bisher) und SR

(neu)

Maja Ingold, 1948

Politikerin, Lehrerin

EVP, NR (bisher)

Kanton Bern

Ruedi Flückiger, 1959

Geschäftsleiter KV Bern

SP, NR (neu)

Matthias Freivogel, 1954

lic. iur., Rechtsanwalt

SP, SR (neu)

Susanne Hoare-Widmer,

1955

Dipl. Personalfachfrau

Grüne, NR (neu)

Julia Gerber Rüegg, 1957

Leiterin GAV­Vertragsvollzug

Unia

SP, NR (neu)


Christoph Grimm, 1954

Betriebswirtschafter HF,

Handelslehrer

Grüne, NR (neu)

Hannes Germann, 1956

Betriebsökonom,

Gemeindepräsident

SVP, SR (bisher)

Kanton Thurgau

Brigitte Häberli-Koller,

1958

Kauffrau/Politikerin

CVP, NR (bisher) und SR

(neu)

Daniel Jositsch, 1965

Prof. Dr. iur., Zentralvorstand

KV Schweiz

SP, NR (bisher)

context 9 – 2011

Ursula Marti, 1966

Kommunikationsberaterin,

Vorstand KV Bern

SP, NR (neu)

Thomas Hurter, 1963

Linienpilot

SVP, NR (bisher)

Peter Schütz, 1959

Unternehmer

FDP, NR (neu)

Ralf Margreiter, 1971

lic. phil., Stab Bildungspolitik

KV Schweiz

GP, NR (neu)

Béatrice Stucki, 1960

Gewerkschaftssekretärin,

Vorstand KV Bern

SP, NR (neu)

Dino Tamagni, 1968

Unternehmer/Betriebsökonom

SVP, NR (neu)

Martin Naef, 1970

Jurist, Vorstand KVZ

SP, NR (neu)

Alexander Tschäppät, 1952

Stadtpräsident, ehem.

Präsident KV Schweiz

SP, NR (neu)

Kanton Solothurn

Philipp Hadorn, 1967

Gewerkschaftssekretär

SEV, Kantonsrat

SP, NR (neu)

Christoph Oberhänsli, 1984

Finanzverwalter

Jungfreisinnige Zürich

(JFDP), NR (neu)

Kanton Luzern

Konrad Graber, 1958

Wirtschaftsprüfer, Partner

und VR der BDO AG

CVP, SR (bisher)

Kathy Riklin, 1952

Dr. sc. nat.,

Bildungspolitikerin

CVP, NR (bisher)

13


14

Monatsinterview

«Ich erlebte den Montag wie einen

Sprung ins kalte Wasser»

context 9 – 2011

In ihrem neuen Buch befasst sich Ruth Enzler Denzler mit der Angst vor dem

Montagmorgen. Als Psychologin ist sie mit zahlreichen weiteren berufstypischen

Ängsten vertraut und kennt sich aus in der Erarbeitung von Strategien.

Interview Therese Jäggi und Rolf Murbach/Foto Reto Schlatter

Context: Frau Enzler, Sie haben ein Buch

über die Angst vor dem Montagmorgen

geschrieben. Was ist schlecht daran,

wenn man am Montag noch ein wenig

dem Wochenende nachtrauert?

Ruth Enzler: Bis zu einem gewissen

Grad ist es tatsächlich ein ganz gewöhnliches

Phänomen. Am Wochenende ist

man mehr oder weniger frei und kann

selber bestimmen, wie man die Zeit verbringt.

Am Arbeitsplatz hingegen ist man

wieder vermehrt fremdbestimmt. Ein

Termin jagt den anderen. Das trägt zum

Montagsblues bei und ist nicht weiter

schlimm. Wenn das Unbehagen aber

Überhand nimmt und wirklich belastend

wird, dann liegt die Sache anders.

Welches sind typische Symptome, bei

denen es sich um mehr als den Montagsblues

handelt?

Zum Beispiel wenn sich die Gedanken

nur noch im Kreis drehen und man

daran nichts ändern kann. Viele sagen

auch, die Nacht auf Montag sei diesbezüglich

schwierig. Muskelbeschwerden,

Appetitlosigkeit oder zügelloser Appetit,

Magenschmerzen, Erbrechen, Migräne,

Rückenschmerzen, Albträume, starkes

Schwitzen und depressive Verstimmungen

können weitere Symptome sein.

Können die Betroffenen das Wochenende

überhaupt noch geniessen?

Solange die Beschwerden nicht allzu

dramatisch sind, können sie die Freitage

geniessen und sich auch erholen. Schwierig

wird es, wenn es ihnen auch am

Wochenende nicht mehr gelingt abzuschalten.

Wann ist der Punkt erreicht, wo man an

seiner Situation etwas ändern muss?

Das ist individuell. Wenn die erwähnten

somatischen Beschwerden auftreten,


Ruth Enzler Denzler, (45) ist Psychologin, Organisationsberaterin und

Coach. Nach Studien in Jura und Psychologie promovierte sie in

Psycho pathologie. Sie ist Inhaberin von Psylance, einem Unternehmen

für Ressourcen-Management und Coaching in Zollikon. Ihr letztes

Buch «Keine Angst vor Montagmorgen» erschien 2011.

dann sicher. Ein Gradmesser ist auch die

Erholungsfähigkeit. Wenn es nicht mehr

gelingt, über das Wochenende Energie

zu tanken, oder wenn es nötig wird,

Samstag und Sonntag mehrheitlich zu

schlafen, dann sollte man auf jeden Fall

genauer hinschauen und sich fragen, was

man allenfalls ändern müsste. Und sicher

ist etwas zu unternehmen, wenn es nicht

mehr gelingt, sich in den Ferien zu erholen.

Hat das Phänomen zugenommen?

Das ist branchenabhängig. Wenn

eine Branche stark unter Druck gerät,

nimmt das Phänomen zu. Ich beobachte,

dass es auch seit der Bildung von multinationalen

Konzernen zugenommen hat.

Was sind das für Leute, die Sie aufsuchen?

Sie kommen aus der Informatik, aus

Beratungsunternehmen, Dienstleistungsbetrieben

und aus dem Finanzsektor. In

der Informatik zum Beispiel befinden

sich die Leute schnell in einer Sandwich-Position.

Wenn die Informatik

nicht läuft, müssen sie Kritik von oben,

unten und von der Seite einstecken. Die

Vorgesetzten kritisieren, dass die Projekte

Rückschläge erleiden. Die Leute an

der Front wiederum beklagen sich, wenn

die Anwendung zu kompliziert ist oder

gar versagt.

Kommen vor allem Männer zu Ihnen?

Lange waren es fast ausschliesslich

Männer. Frauen kamen zu mir ins

Coaching, wenn sie in einem männerdominierten

Umfeld arbeiteten, zum Beispiel

in einem Beratungsunternehmen.

Unterdessen habe ich mehr Frauen in der

Beratung. Die Thematik ist hier allerdings

eine andere. Es sind oft Frauen aus

Familienunternehmen. Da geht es beispielsweise

um Nachfolgeregelungen

und in diesem Zusammenhang um Generationenkonflikte.

Wenn sich die Ängste hauptsächlich in

der Sonntagnacht äussern, dann ist auch

das familiäre Umfeld betroffen.

context 9 – 2011

Angehörige leiden mit. Wenn am

Sonntagabend eine etwas schwermütige

Stimmung aufkommt, dann wirkt sich

das natürlich auf die ganze Familie aus.

Viele wissen denn auch nicht, wie sie damit

umgehen sollen.

Sie fokussieren stark auf die Sonntagnacht.

Aber wenn jemand diese ausgeprägten

Ängste hat, dann wird er sie wohl

in den folgenden Tagen auch nicht los.

Ich höre von vielen, dass die Sonntagnacht

am schwierigsten sei. Während der

Woche fallen sie dann relativ schnell wieder

in den gewohnten Arbeitsrhythmus.

Da sind sie dann in einer anderen Energie

drin. Sie haben nicht jede Nacht Probleme,

denn es ist der Wechsel vom Wochenende

in die neue Woche, der schwierig

ist. Natürlich ist es möglich, dass sich

die schlechte Stimmung über die Woche

fortsetzt. Hält die gedrückte Stimmung

über Monate an, dann wäre dies allerdings

ein deutliches Zeichen, dass eine

Veränderung nötig ist.

Ist die Angst vor dem Montagmorgen

hauptsächlich ein Phänomen der im

Angestelltenverhältnis Arbeitenden?

Ja, es geht wohl letztlich um Entfremdung.

Man arbeitet für einen anderen, oft

fehlt die Identifikation. Selbstständige

haben andere Ängste. Sie machen sich

zum Beispiel Sorgen, ob sie genügend

Aufträge bekommen um zu überleben.

Sie haben eher Existenzängste.

Kennen Sie das Gefühl aus eigener

Erfahrung?

Ja, ich kenne es von früher, als ich

noch angestellt war. Ich kann das gut

nachempfinden. Ich erlebte den Montag-

morgen jeweils wie einen Sprung ins

kalte Wasser. Ich schwamm meine Längen

unter Wasser und tauchte am Freitagabend

wieder auf. Zudem fühlte ich mich

im Unternehmen, einer Grossbank, zu

wenig frei. Kam hinzu, dass ich manchmal

zu wenig zu tun hatte, mich unterfordert

fühlte, die Zeit aber absitzen musste.

Das Büro verlassen, Sport treiben und dafür

am anderen Tag wieder fit und motiviert

zur Arbeit zu kommen, das wurde

gar nicht gerne gesehen.

Haben Sie sich deshalb selbstständig

gemacht?

Das war einer der Gründe. Ich hätte

gerne mehr geistige Herausforderung

und Eigenverantwortung gehabt. Ausschlaggebend

für meinen Weggang war

dann aber, als ich miterlebte, wie das Unternehmen

mit seinen Mitarbeitenden

«Wenn am Sonntagabend eine etwas schwermütige

Stimmung aufkommt, wirkt sich das auf die ganze

Familie aus.»

umging. Während einer wirtschaftlichen

Krise wurden auf einen Schlag viele

Über-Fünfzig-Jährige entlassen, obwohl

es meines Erachtens andere Lösungen

gegeben hätte. Zudem war Mitdenken

nicht gefragt, das störte mich massiv.

Ist das in KMU anders?

Ich denke schon. Das Mitdenken wird

stärker gefördert, gute Ideen sind willkommen.

Diese Betriebe sind weniger

anonym.

Wie sind Sie auf das Thema Angst

gekommen?

Ich bin immer mal wieder auf das

Thema gestossen, bei mir selber und am

Beispiel von andern. Als ich für mein erstes

Buch «Karriere statt Burnout» mit Managern

sprach, fiel mir erneut auf, dass

Angst ein grosses Thema ist.

15


16

Monatsinterview

context 9 – 2011

Welche Ängste gibt es im Berufsleben?

Die Angst, nicht zu genügen, Fehler

zu machen, schlecht zu sein, von den anderen

nicht wahrgenommen zu werden,

den Job zu verlieren. Es gibt Leute, die begegnen

diesen Ängsten mit extremem

Perfektionismus. Es dürfen absolut keine

Fehler passieren. Durch diese Nullfehlertoleranz

gegenüber sich selber sind sie

dann kaum mehr entscheidungsfähig.

Im schlimmsten Fall kann diese Haltung

in ein Burnout führen. Viele leiden unter

Konkurrenzangst. Man befürchtet, dass

andere bessere Ideen haben könnten und

man dann das Gesicht verliert. Ein weiteres

Phänomen ist die Angst vor Stillstand,

die Befürchtung sich nicht weiterentwickeln

zu können.

Welche Ängste haben Chefs?

Konkurrenzangst zum Beispiel, oder

die Angst vor dem Abgesägtwerden. Viele,

vor allem harmoniebedürftige Vorgesetzte,

haben Angst vor Konflikten. Einerseits

wollen sie niemanden vor den Kopf

stossen, andererseits sollten sie Grenzen

setzen und führen. Auch haben sie Angst,

jemanden zu verärgern, der in Zukunft

Ersatzteile, die vor Arbeitsbeginn da sind: Auch das ist Logistik.

Die Post liefert in der Nacht direkt in die Werkstatt oder in den Laden. Das geht nur, weil uns viele Tausend Kunden vertrauen.

Wenn Sie am Morgen zur Arbeit kommen, sind die bestellten Teile schon da. Was immer Sie wünschen, vertrauen Sie auf

die Logistikerin mit dem umfassendsten Angebot: post.ch/logistik

Für die anspruchsvollsten Kunden der Welt.

einmal eine wichtige Position inne haben

könnte.

Ist es nicht so, dass viele Chefs das

Führen gar nie richtig gelernt haben?

Gerade in Beratungsunternehmen

kommen Mitarbeitende plötzlich in eine

Führungsrolle, ohne dass sie dafür ausgebildet

wurden. Bestenfalls kennen sie ein

paar Führungsgrundsätze aus dem Militär.

Kommt hinzu, dass diese Vorgesetzten

relativ jung sind. 35-Jährige führen

28-Jährige. Diese Chefs sind dann schnell

einmal überfordert, doch solange das Projekt

gut läuft, kümmert sie das wenig. Ihre

Mitarbeitenden haben Schwierigkeiten

mit dem Führungsstil ihrer Vorgesetzten

und kommen dann möglicherweise zu mir.

Sollten nicht eher die Chefs zu Ihnen

kommen?

Sinnvoll wäre das bestimmt. Aber die

Chefs schicken tendenziell eher ihre

Mitarbeitenden in ein Coaching. Es ist

häufig so, dass diejenigen, die unter

bestimmten Verhältnissen leiden, den

Fehler bei sich suchen, und nicht diejenigen,

die ihn verursachen. Zu mir kommen

tatsächlich oft solche, die unter die

Räder geraten sind. Sie müssen mit der

Situation zurechtkommen, wenn sie ihre

Stelle behalten wollen.

Gibt es auch ältere Arbeitnehmende, die

ein Coaching wünschen?

Nein, eher jüngere. Die Älteren haben

bereits Strategien entwickelt, um mit

schwierigen Situationen umzugehen. Sie

sind lange in einem Unternehmen tätig

und haben sich darin bewährt. Oder

dann sind sie schon gar nicht mehr dabei.

Meine Klienten sind hauptsächlich zwischen

25 und 45 Jahre alt.

Bezahlen die Leute selber?

Ja, meine Ansätze liegen zwischen

200 Franken pro Stunde für Private und

300 Franken, wenn die Firmen bezahlen.

Ist es nicht stossend, dass die Leute ein

Coaching selber bezahlen müssen, wenn

sie mit der Arbeitssituation in ihrer

Firma nicht zurechtkommen?

Ich versuche wenn immer möglich,

den Vorgesetzten miteinzubeziehen, sofern

der Klient einverstanden ist. Oft

funktioniert das auch gut. In diesem Fall

zahlen dann die Firmen, zumindest einige

Stunden. Aber wenn der Klient aus


eigener Initiative kommt, muss er die

Kosten selber tragen. Meist ist er dazu

auch bereit, weil er motiviert ist.

Wollen die Leute nicht für sich behalten,

dass sie eine Beratung aufsuchen?

Nein, sehr oft können sie gut mit ihren

Vorgesetzten reden und bekommen

dafür auch den nötigen Freiraum während

der Arbeitszeit. Über eine Therapie

spricht man vielleicht weniger, aber ein

Coaching ist kein Tabuthema. Das ist

meist kein Problem. Man will sich

schliesslich verbessern, das muss man

nicht geheimhalten.

Was leisten Sie konkret? Geben Sie Tipps?

Tipps gebe ich sehr selten. Wir analysieren

gemeinsam die Situation und erarbeiten

ganz individuelle, sinnvolle

Schritte und Verhaltensänderungen.

Meine Klienten wissen am besten, was

gut für sie ist. Möglicherweise hat jemand

im Moment keinen Zugang zu diesem

Wissen und zu seinen Ressourcen. Ich

versuche dann, ihn zu unterstützen beim

Aufspüren dieser Ressourcen, indem wir

beispielsweise den Fokus seiner Aufmerksamkeit

auf etwas anderes richten.

Wenn Mitarbeitende sitzen, bis sie nicht mehr sitzen können.

Rückenleiden können gravierende Folgen haben. Auch fürs Geschäft. Denn von Ausfalltagen bis zu Terminverzögerungen entstehen

Kosten und Stress. Unsere Online-Lernmodule und Broschüren zeigen, wie Sie mit wenig Aufwand Sicherheit und Gesundheit im Büro

fördern. Und dank unserem Wettbewerb lohnt sich ein Besuch doppelt: www.praevention-im-buero.ch

Schweizerische Eidgenossenschaft

Confédération suisse

Confederazione Svizzera

Confederaziun svizra

context 9 – 2011

Welche Strategien helfen?

Viele haben Schwierigkeiten, sich abzugrenzen.

Hier gilt es herauszufinden,

wie die Klienten das lernen können. Wie

schafft es zum Beispiel jemand, nicht

dauernd erreichbar zu sei? Ein Klient

kam einmal zur Lösung, dass das nur

klappt, wenn er sein Handy nicht nur

ausschaltet, sondern es auch noch in den

Kofferraum sperrt. Das hört sich kurios

an, hat in diesem Fall aber geholfen. Bei

anderen geht es darum, in der Freizeit

eine Tätigkeit zu pflegen, wenn im Beruf

gewisse Entwicklungen nicht mehr möglich

sind, die fordernd und erfüllend sind.

Das kann beispielsweise das Erlernen einer

Fremdsprache sein.

Welche Strategien sind hilfreich für

Vorgesetzte?

Sich abgrenzen, Nein sagen, delegieren.

Viele Vorgesetzte haben das Gefühl,

sie müssten alles selber machen. Vielmehr

sollten sie lernen, nicht gleich in einen

Aktivismus zu verfallen. Wenn sie einen

Auftrag erhalten, sollten sie sich zunächst

mal überlegen, ob sie die Aufgabe auch

delegieren können.

Eidgenössische Koordinationskommission

für Arbeitssicherheit EKAS

Es geht also darum, das eigene Verhalten

zu hinterfragen.

Ja, man muss die eigene Situation, die

Einstellung dazu und das eigene Handeln

reflektieren. Der Mensch hat die

Gewohnheit, immer das Gleiche zu tun,

dabei gäbe es immer andere Möglichkeiten.

Man muss sie nur erkennen. Ein

Coach hilft einem dabei.

Gibt es auch Leute, die Angst vor dem

Wochenende haben?

Es gibt Führungskräfte, die sagen,

Arbeit sei für sie Erholung. Die Familie

bedeute Stress. Sie flüchten sich in die

Arbeit. Zudem gibt ihnen der Job eine

Struktur. Und die Arbeit verleiht ihnen

Identität. Insofern fürchten solche Persönlichkeitstypen

das Wochenende

ebenso sehr wie andere den Wochenbeginn.

Therese Jäggi ist Context-Redaktorin.

therese.jaeggi@kvschweiz.ch

Rolf Murbach ist Context-Redaktor.

rolf.murbach@kvschweiz.ch

Reto Schlatter ist Fotograf im Zürcher Presseladen.

mail@retoschlatter.ch

17


18

Dossier Krise

context 9 – 2011

Wirtschaft

von Fall zu Fall

Täglich sind wir konfrontiert mit Nachrichten rund um die

Wirtschaftskrise. Context hat Menschen aus verschiedenen

Branchen und Berufen befragt, was das bei ihnen auslöst.

Es ist momentan so viel von Krise die

Rede, dass sich die Auswirkungen

davon fast unweigerlich in den Köpfen der

Menschen festsetzen müssen. Dies umso

mehr, als die schlechten Nachrichten

schon einige Zeit andauern. Die vergangenen

vier Jahre sind auch in der Schweiz

davon geprägt. Die Finanzkrise setzte

hierzulande ein mit dem UBS-Debakel

und der Krise rund um das Bankgeheimnis.

Und momentan erleben wir den zweiten

Teil der Finanzkrise, mit erneutem

Milliardenverlust bei der UBS, mit dem

sinkenden Eurokurs, dem starken Franken

und seinen Auswirkungen auf die

Exportwirtschaft, Ankündigungen von

Kurzarbeit und Entlassungen sowie

jüngst mit der Intervention der Nationalbank,

ein unteres Wechselkursziel für

den Euro festzulegen.

Von Therese Jäggi

Laien stellen fest, dass kein Experte

und kein Kommentar genau erklären können,

welche Folgen diese Massnahme haben

wird. Ein Wirtschaftshistoriker sagt

im Fernsehen, so schlimm werde es wohl

nicht gerade werden, dass man inskünftig

eine Garrette braucht um einkaufen zu

gehen. Den Schubkarren wohlverstanden

zum Transportieren des Geldes, nicht der

Einkäufe. Solche und ähnliche Äusserungen

nehmen wir täglich zur Kenntnis.

Was wir damit anfangen, ist jedem und jeder

einzelnen selber überlassen.

Wechsel in neues Berufsfeld

«Die Verschuldung der USA und Griechenlands,

überhaupt die mittlerweile

globalen Folgen der Krise sowie die ständigen

Nachrichten von Entlassungen lösen

bei mir grosse Unsicherheit und Be-

sorgnis aus», sagt die kaufmännische

Angestellte Andrea Kummer. Die 25-Jährige

hat eine KV-Lehre mit Berufsmatura

absolviert und diesen September ein Studium

in Sozialarbeit aufgenommen. Sie

hofft, dass sie nach Abschluss eine Stelle

im neuen Berufsfeld finden wird. «Diese

Zuversicht ist für mich sehr wichtig, um

die Motivation für das Studium aufzubringen.»

Sie hat auch bereits vorgesorgt

und bei ihrem jetzigen Arbeitgeber Kollegen

und Kolleginnen in allen möglichen

Abteilungen informiert, dass sie nach

dem Studium an einer neuen Funktionen

interessiert ist.

«In meinem Umfeld sind es vorwiegend

die Frauen, welche Bedenken haben»,

stellt Andrea Kummer fest. Viele

machten sich Sorgen im Zusammenhang

mit dem Wunsch nach einer Familie. Sie


context 9 – 2011

19


20

Dossier Krise

context 9 – 2011

erwähnt eine Kollegin, welche an ihrem

Arbeitsplatz, einer Bank, vor die Alternative

gestellt wurde, entweder sich ins Ausland

versetzen zu lassen oder gekündigt

zu werden. Ihre Kollegin habe sich für die

zweite Option entschieden. Sie finde es

erschreckend, sagt Andrea Kummer, dass

ein Arbeitgeber dermassen weit ins Privatleben

eingreifen könne. Im kaufmännischen

Bereich – wenn nicht gerade auf

Stufe Sekretariat – sei es nicht einfach,

eine Teilzeitstelle zu bekommen. Sie geht

davon aus, dass es im sozialen Umfeld, wo

sie später tätig sein will, leichter sein wird,

Teilzeit zu arbeiten.

Positive Einstellung

Ferris Bühler, Inhaber der Badener PR-

Agentur Ferris Bühler Communications,

sieht das alles ganz anders. Krise? Existiert

für ihn nicht. «Ich lasse mich von der

negativen Berichterstattung der Medien

nicht beeinflussen.» Im Gegenteil: Solche

Berichte ignoriert er. Ein Unternehmer,

der sich dauernd frage, ob wir uns nun in

einer Krise befänden oder ob eine solche

verlust hat er zwar keine Angst. Er ist als

Staatsangestellter tätig. In seinem Umfeld,

beruflich und privat, sei die Stimmung

immer noch gut. Niemand beschäftige

sich wirklich mit einer allfälligen Krise.

Unsichere Vermögen

«Es wird wahnsinnig viel verdrängt», sagt

der Ex-UBS-Chefökonom Klaus Wellershoff

im «Tages-Anzeiger». Dabei stünden

mit der EU, den USA und Japan die

Nummern 1,2, und 4 der Weltwirtschaft

vor Problemen, die seiner Meinung nach

zu einem massiven Umbau ihrer Gesellschaft

führen werden. «Viele, die sich

heute für vermögend halten, werden das

in wenigen Jahren nicht mehr sein»,

glaubt Wellershoff. Wer jetzt vorschlage,

dass Griechenland ein Teil der Schulden

gestrichen werde, vergesse, dass damit

auch Vermögen vernichtet würden. «Den

Staatsschulden stehen Vermögensansprüche

der Pensionskassen und Lebensversicherungen

gegenüber.» Wenn die gestrichen

würden, werde es insbesondere

ältere Menschen hart treffen.

«Viele, die sich heute für vermögend halten,

werden das in wenigen Jahren nicht mehr sein.»

im Anzug sei, habe für wichtige Dinge

keine Power mehr und sehe mit der Zeit

nur noch schwarz. Sein Grundsatz lautet:

Immer mit einer positiven Einstellung gegenüber

den Kunden und Mitarbeitenden

auftreten. In seinem Unternehmen sei die

Stimmung gut. «Wir alle wissen, dass wir

unseren Erfolg selber steuern können.»

Angst vor Auftragseinbussen hat er nicht.

«Falls uns die Krise dann doch einmal

ernsthaft treffen sollte, werden wir sehr

schnell einen Plan B entwickeln», glaubt

Ferris Bühler.

Auch Paulo Benaglio will noch nicht

von einer Krise sprechen, obwohl er die

Wirtschaftsnachrichten aufmerksam verfolgt.

Er liest Berichte von Experten und

nimmt zur Kenntnis, wie die Nationalbank

agiert. Er hört Warnungen vor einer

Inflation und fragt sich manchmal, welche

Konsequenzen das alles noch haben

wird, beispielsweise, was im Falle einer

Inflation mit seinem Ersparten passieren

könnte. «Als Laie ist es schwer, da durchzublicken.»

Die Folge davon ist Verunsicherung.

Kein gutes Gefühl, wenn man

wie Paulo Benaglio die Verantwortung für

eine fünfköpfige Familie trägt. Vor Job-

Dass sich Vermögen in Luft auflösen

können, zumindest teilweise, hat Roger

Zubler* bei seinen Klienten erlebt. Zubler

ist Amtsvormund. In seiner Funktion ist

er im Interesse seiner Klienten für so genannte

mündelsichere Anlagen verantwortlich.

Dazu zählten neben Sparheft,

Festgeldanlagen und Obligationen bisher

auch ganz bestimmte Fonds, welche sich

nun aber wegen Kursverlusten gerade als

nicht sicher herausstellten und seinen

Klienten Vermögensverluste bescherten.

Für ihn selber bestätigt sich damit nur,

was er schon vorher gewusst hat: Sparen

lohnt sich nicht.

Konsequenzen für Rente

Was Zubler beschäftigt, ist die Frage nach

seiner eigenen Rente, denn mit 60 möchte

er sich pensionieren lassen. Doch ist ihm

noch nicht klar, ob er sich das überhaupt

leisten kann. Mit grosser Empörung hat er

gelesen, dass die Verzinsung der Pensionskassenguthaben

gesenkt werden soll.

Die paritätische Kommission für die berufliche

Vorsorge (BVG) hat dem Bundes-

*Name geändert

rat kürzlich empfohlen, die Verzinsung

der Pensionskassenguthaben von minimal

2 auf 1,5 Prozent zu senken. Empört

ist Zubler über die Selbstverständlichkeit,

mit der auf Kosten der Lohnempfänger

saniert wird. «Es läuft schon seit einiger

Zeit immer in dieselbe Richtung: Gewinne

werden privatisiert, und Verluste

nach unten weitergereicht.» Manchmal

fragt er sich, was sich die Leute noch alles

bieten lassen wollen – Erhöhung der Arbeitszeit,

Lohnsenkung – und warum sie

sich nicht vermehrt zur Wehr setzen.

Seine Erklärung dafür: «Schock und Ohnmacht

liegen oft nahe beieinander.»

Eine Studie von Economiesuisse zeigt,

dass die von Amtsvormund Zubler kritisierten

Reaktionen bei den Unternehmen

jedoch längst nicht an vorderster Stelle

stehen. Economiesuisse hat im August

seine Mitglieder zu den Auswirkungen

der Frankenstärke und ihren Reaktionen

darauf befragt. Über 20 Prozent der Exportfirmen

geben an, von den Auswirkungen

eines stark überbewerteten Frankens

existenziell bedroht zu sein, 40

Prozent empfinden sie als grosse Herausforderung.

Die Angaben aus der Binnenbranche

liegen tiefer: 6 Prozent fühlen

sich existenziell bedroht und gut 30 Prozent

erachten sie als grosse Herausforderung.

Befragt nach den Reaktionen auf die

Frankenstärke nennen die befragten Unternehmen

mit Abstand am häufigsten

«Kostensenkung Inland» sowie «Produktivitätssteigerung».

Als weitere Reaktionen

werden «Vorleistungsbezug Ausland»,

«Neu-Investition im Ausland» und «Verlagerung»

genannt, und erst an sechster beziehungsweise

siebter Stelle erwähnen sie

als Massnahmen Erhöhung der Arbeitszeit

und Lohnsenkung. Rudolf Minsch,

Leiter Wirtschaftspolitik bei Economiesuisse,

spricht in der «NZZ am Sonntag»

zwar von einer Momentaufnahme, die

aber bestätige, «dass sich die Ausgangslage

der Schweizer Firmen gegenüber

dem letzten Jahr drastisch verändert hat».

Verunsicherte Lehrabgänger

Anaïs Voirol hat die Auswirkungen der

Krise in ihrem Lehrgeschäft deutlich zu

spüren bekommen. Die Krise war sowohl

am Arbeitsplatz in der Buchhandlung wie

in der Berufsschule ein Thema. Die Auswirkungen

des tiefen Euros wirken sich

deutlich negativ auf die Umsätze in der

Buchbranche aus. Hinzu kommen die zunehmende

Verlagerung des Buchge


schäfts ins Internet sowie ein krisenbedingter

Rückgang bei den Kunden. Diese

Umstände sowie neue Marketing- und

Verkaufsmassnahmen hätten viel zu diskutieren

gegeben. «Ich frage mich manchmal,

was die Krise für meine Branche und

mich schlimmstenfalls noch bringen

wird», sagt Anaïs Voirol, die im Sommer

ihre Lehre abschloss. Die beruflichen Perspektiven

für die Lehrabgänger/innen

sind schlecht. Offene Stellen gibt es praktisch

nicht. Wer nicht in seinem Lehrgeschäft

bleiben kann, muss sich neu orientieren.

Sorgen macht sich auch Eva Vonesch,

aber mehr um die anderen als um sich selber.

Bei ihrem Arbeitgeber – dem Kanton

– fühlt sich die 27-jährige Sachbearbeiterin

relativ sicher. «Man glaubt, dass es einen

weniger trifft als in der Privatwirtschaft»,

sagt sie, aber fügt gleich an, dass

dies vielleicht auch nur eine Illusion sei.

Immerhin würde sie heute nicht mehr so

leicht wie noch vor eineinhalb Jahren

kündigen. Damals gab sie ihre Stelle auf,

um einen viermonatigen Sprachaufent-

context 9 – 2011

halt in Neuseeland anzutreten. Heute

würde sie dies ohne die Gewissheit, nachher

wieder einen Job zu haben, nicht mehr

wagen. Anderseits sagt sie sich, dass sie

noch jung ist und mit ihren paar Jahren

Arbeitserfahrung eigentlich gute Chancen

auf dem Arbeitsmarkt haben sollte.

Auch bei ihren Freunden und Bekannten

sei die Stimmung optimistisch. Zwar

habe sie Freunde, die von Entlassungen

in ihren Betrieben erzählten, doch persönlich

betroffen sei bisher niemand.

Chance und Gefahr

«Jede Krise ist eine Chance und eine Gefahr»,

sagte der Historiker Thomas Mais-

sen im «Tages-Anzeiger». Falls die EU die

Krise meistere, führe das zur Intensivierung

des Zusammengehörigkeitsgefühls.

Der Historiker vergleicht das Szenario mit

dem, was im 19. Jahrhundert auf der

Ebene der Nationalstaaten geschehen ist:

dass sich die Zürcher mitverantwortlich

gefühlt haben für die Tessiner. «Das hat

zu Transferleistungen geführt und diese

haben das nationale Wirgefühl mitbe-

Auf und Ab der Gefühle: So erleben momentan viele die Nachrichten rund um die Krise.

gründet.» Maissen schliesst aber nicht

aus, dass die EU auseinanderfallen

könnte, beispielsweise wenn die Lösung

der Krise zu teuer und die innenpolitischen

Widerstände zu gross würden. Und

auch dann gibt es noch immer zwei mögliche

Szenarien: «Wenn es die Nationalstaaten

allein besser machen und dabei

friedlich nebeneinander leben, war es ein

Forschritt. Wenn Europa wieder Kriegsschauplatz

wird, wars ein Rückschritt.»

Die Buchhändlerin Anaïs Voirol bereitet

sich momentan auf die Aufnahmeprüfung

für den Vorkurs an der Hochschule

der Künste vor. «Mit Interesse und

Besorgnis verfolge ich die Nachrichten

zur Krise», sagt die 21-Jährige. Und sie

fühle sich dabei manchmal wie in einer

Seifenblase, die irgendwann platzen

könnte. «Doch will ich es auch nicht übertreiben

und hoffe sehr, dass wir das Ganze

irgendwie schaukeln können.»

Therese Jäggi ist Context-Redaktorin.

therese.jaeggi@kvschweiz.ch

21


22

Dossier Krise

«Im beruflichen Alltag fühlt

man Ärger in sich»

context 9 – 2011

Es braucht Selbstsicherheit, um eine Krise durchzustehen. Das Festhalten

an Werten hilft ebenfalls, sagt Wirtschaftspsychologe Christian Fichter.

Von Andrea Mašek

Herr Fichter, wie reagieren Durchschnittsbürger

auf eine Wirtschaftskrise?

Christian Fichter: Alle Menschen reagieren

ähnlich. Aus welcher Schicht sie

kommen, welche Qualifikationen sie haben

oder in welcher Funktion sie sind,

spielt dabei keine Rolle. Ob Angestellter

oder Manager, man ist in erster Linie verunsichert.

Das Ganze heisst ja auch Krise,

weil die Situation schlechter geworden ist

und wir nicht wissen warum. Wüssten wir

es, hätten wir die Krise vermeiden kön-

nen. Viele Menschen leiden unter Existenzangst.

Zudem macht sich negative

Stimmung breit. Diese zieht sich über das

Berufliche hinaus bis ins Private hinein.

Angstzustände nehmen zu, wie verschiedene

Studien belegen. Daraus können

sich Depressionen entwickeln.

Wie wirkt sich das auf die Arbeit aus?

Man ist gestresst. Im beruflichen Alltag

fühlt man Ärger in sich, der sich dann

aber oft auch auf die Beziehungen im Betrieb

entlädt. Und leider sind auch die privaten

Beziehungen betroffen.

Was kann man dagegen tun?

Man muss sich bewusst werden, dass

die Verunsicherung, die man empfindet,

ganz normal ist. Dann muss man lernen,

damit umzugehen. Alles andere lähmt

und ist kontraproduktiv. Die Menschen

müssen versuchen, die Krise als Motivation

zu verstehen, und konstruktiv etwas

zur Lösung beizutragen. Das ist nicht nur

nötig, sondern tatsächlich möglich, wie

Studien über Weisheit und Glück im ökonomischen

Handeln zeigen.

«Die Krise ein Stück weit zu verdrängen ist nicht nur

falsch. Anschauen, reflektieren und beiseite legen –

ich rate dazu, mit der Krise so umzugehen.»

Wie soll das gehen?

Dazu braucht es Selbstsicherheit. Wir

dürfen den Glauben und die Hoffnung

nicht aufgeben, dass wir die Krise in den

Griff bekommen, dass die Krise bald einmal

überwunden ist und es uns dann wieder

gut geht – sowohl als Individuum wie

als Gesellschaft.

Wie wichtig sind Werte in einer Krise?

Es hilft, wenn der Mensch die etablierten,

sozialen Normen, die für eine gute

Gemeinschaft sorgen, auch in einer Krise

behält. Doch in einer Krise schaut man

› Management und

Führung

Zum Beispiel: hkvaarau.ch/fuehrung

gerne erst einmal zu sich selbst. Es ist deshalb

wichtig, sich an die Werte zu erinnern

und das heisst: anderen zu helfen.

Zum Beispiel mit Krediten. Werte sind

fundamental für die Wirtschaft und die

Gesellschaft. Die Leute, die Werte leben

und erhalten, sind gegenüber denen, die

das Negative und Pessimistische zelebrieren,

langfristig im Vorteil.

Eine andere Strategie ist, die Krise zu

verdrängen. Was sagen Sie dazu?

Die Krise ein Stück weit zu verdrängen

ist nicht nur falsch. Anschauen, reflektieren

und beiseite legen – ich rate dazu, mit

der Krise so umzugehen. Man soll sich auf

die positiven Werte konzentrieren. Das

Rückzugsgefecht, das in manchen produzierenden

Betrieben oder von einzelnen

Tourismusvertretern ausgetragen wird,

ist kontraproduktiv. In schwierigen Zeiten

gilt gerade erst recht weiterzumachen,

sich weiterzuentwickeln und voller Initiative

und Motivation den Grundstein für

zukünftiges Wachstum zu legen. Damit

ist die Schweizer Wirtschaft seit hundertfünfzig

Jahren erfolgreich.

Was geht eigentlich in jenen Menschen

vor, die für die Krise verantwortlich

gemacht werden?

Es ist eine Tatsache, dass Menschen

Erfolge gerne für sich verbuchen, Fehler

jedoch nicht auf sich nehmen, sondern

den Umständen die Schuld dafür zuwei-


sen. Es fehlt ihnen das Bewusstsein für ihr

Versagen. Vehemente «Deregulierer» zum

Beispiel tragen dazu bei, dass Krisen extremer

ausfallen. Sie negieren zu stark,

dass Wirtschaft reguliert werden muss.

Spielt da auch Gier mit?

Die Gier ist eine Mitursache. Marktteilnehmende

lassen sich von Emotionen

steuern, eine davon ist das Verlangen

nach mehr, das ist natürlich. Wir Menschen

sehen es als positiv an, nach Anreizen

zu streben und haben ein dementsprechendes

Belohnungssystem. Wir

machen dies aber eben auch, wenn wir

nicht sollten.

Wir hatten gerade eine Krise und schlittern

nun offenbar in die nächste. Lernen

wir nichts aus der Vergangenheit?

Doch, auch wenn es nicht so aussieht.

Krisen sind unterschiedlich, jede ist anders.

Weil dies so ist, bekommt man sie

nicht in den Griff. Die ganze Materie ist zu

komplex. Ich würde die Situation, in der

wie uns jetzt befinden, aber noch nicht als

wirklich schlimme Krise bezeichnen.

www.b-h.ch

context 9 – 2011

«Reka: Das ist gelebte Sozialpartnerschaft.»

Andreas Hug

CEO und

VR-Vizepräsident

Hug AG

Aber zurück zur Frage: Hier muss ich die

psychologische Moralkeule hervorholen.

Der Mensch ist nun einmal weniger lernbereit,

wenn es ihm gut geht. So brauchte

es zum Beispiel mehrere Krisen, bis man

erkannte, dass manche Anreizsysteme für

Topführungskräfte in Banken ein Hauptgrund

für Krisen sein können.

Es gibt also auch immer Leute, denen es

gut geht in Krisen?

Ja, von einer Krise profitieren Überbringer

von schlechten Botschaften. Einige

Konjunkturforscher und Medienschaffende

leben von schlechten

Nachrichten, so als wären nur negative

Schlagzeilen richtige Schlagzeilen. Zum

Glück gibt es gerade in der Schweiz zahlreiche

gute Ökonomen und Journalisten,

welche die Situation mit Umsicht analysieren

und nachhaltige Lösungsvorschläge

aufzeigen. Es profitieren zudem

Arbeitgeber, Politiker und Parteien, welche

Überfremdung und Steuerlast als Ursachen

allen Übels beklagen und so ihre

Partikularinteressen durchsetzen wollen.

Christian Gusset

Branchenleiter

Lebensmittelindustrie

Unia

Wirklich gut geht es denen, die nicht nur

finanziell, sondern auch sozial abgesichert

sind. Wer eine gesunde Mischung

aus Beruf und Familie gefunden hat, wer

zusätzlich Hobbys hat wie Sport oder Kultur,

der ist ganzheitlich zufriedener und

lässt sich von einer Krise nicht so schnell

beeinflussen. Die Ökonomen entdecken

dies jetzt auch.

Christian Fichter ist Sozial- und Wirtschaftspsychologe

und Leiter von Kalaidos Research. Er befasst sich

mit psychologischen und evolutionären Grundlagen

wirtschaftlichen und sozialen Verhaltens.

Gewerkschafter und Arbeitgeber

wissen: Wer arbeitet, braucht

auch Erholung. Damit es nicht

bei der Forderung bleibt, fördern

sie günstige Ferien. Da sind sich

Andreas Hug, CEO der Hug AG,

und Christian Gusset von der

Unia für einmal einig: Genau

dafür gibt es die

Schweizer Reise-

Das Reka

win-win kasse. Und weil

System

die Reka viele Vorteile

für Arbeitnehmer

und Arbeitgeber bietet,

lächeln die Herren Hug und Gusset

gerne gemeinsam für sie in

die Kamera. Mehr darüber erfahren

ferienfördernde Arbeitgeber

und ferienmachende Arbeitnehmer

unter www.reka.ch.

VORTEIL UNTERNEHMEN

VORTEIL MITARBEITENDE

Schweizer Reisekasse Reka

Neuengasse 15, 3001 Bern

Telefon 031 329 66 33

Eine für alle.

23


24

Dossier Krise

«Wir werden nicht mehr in

so einer sicheren Welt leben»

context 9 – 2011

Perspektiven Die Wirtschaftskrise beschäftigt auch die Berufsmaturanden in

Baden. Sie sind bereits auf stürmische Zeiten eingestellt und machen keine

langfristigen Lebenspläne. Von einem Haus mit Garten träumen sie trotzdem.

Text Maja Sommerhalder/Fotos Alex Spichale

Wie kann man ein Problem lösen, bevor es da ist? Berufsmaturanden diskutieren.

Es soll ein Tag für die Geschichtsbücher

sein. Das sagt zumindest der

Kommentator des «Tages Anzeigers». Im

aargauischen Baden spürt man nichts davon.

Die Autos stauen sich wie immer an

diesem Dienstagnachmittag, die Busse

sind pünktlich, vor dem KV Schulhaus

stehen rauchende junge Menschen. Es

weht ein laues Lüftchen in der kleinen

Stadt, Altweibersommer eben.

Umso stürmischer geht es in der Wirtschaftswelt

zu und her. Staaten droht der

Bankrott, die Aktienkurse fahren Achterbahn

– in den letzten Tagen mehr abwärts

statt aufwärts. In der Schweiz hat die Exportindustrie

Schwierigkeiten, ihre Waren

zu verkaufen. Zu stark ist der Franken.

So stark, dass die Schweizerische Nationalbank

an diesem 6. September 2011 Geschichte

schreibt und ab sofort gegenüber

dem Euro einen Mindestkurs von 1.20

Franken festsetzt.

«Habt ihr gehört, was mit dem Euro

passiert ist?», fragt Christa Ledergerber.

Kollektives Nicken im Raum. Die Lehrerin

steht in einem Schulzimmer des zB.

Zentrum Bildung in Baden vor 14 Lernenden

– alles Berufsmaturanden im dritten

Lehrjahr. Hier im Kurs «economics in

English» beschäftigen sich die Jugendlichen

mit dem aktuellen Wirtschaftsgeschehen.

Heute geht es um die jüngste

Intervention der Nationalbank. Christa

Ledergerber teilt einen englischsprachigen

Zeitungsartikel zu diesem Thema aus.

«Jetzt kann ich nicht mehr günstig einkaufen

gehen in Deutschland», sagt eine

Schülerin wie aus der Pistole geschossen,

nachdem sie den Artikel gelesen hat. Die

anderen schmunzeln. «Ich verstehe na-

türlich schon, dass der starke Franken für

die Exportwirtschaft nicht gut ist», ergänzt

die junge Frau und betont: «Blöd für mich

ist es trotzdem.»

Keine Angst vor der Krise

Tatsächlich ist es umstritten, ob die Hilfe

für die Exportwirtschaft wirklich gut für

unser Land ist. Der «Tages-Anzeiger» prognostiziert

beispielsweise eine Inflation

und einen Immobilienboom. Ob der

Euro-Mindestkurs den Abschwung hierzulande

verhindern kann, ist sowieso ungewiss.

Die Angst vor einer globalen Wirtschaftskrise

geht um. Dies ist auch den

Badener KV-Lernenden bewusst, auch

wenn sie betonen, dass sie nicht richtig

Angst davor haben. «Die Schweiz hat bis

jetzt jede Krise gut überstanden. Die Intervention

der Nationalbank zeigt doch,


dass wir die Mittel haben, um reagieren

zu können», findet ein junger Mann mit

Brille und dunklen Haaren.

«Und überhaupt», sagt sein Kollege:

«Die Exportwirtschaft hat ja nicht weniger

Aufträge, nur die Margen sind tiefer.» Dies

hat eine junge Frau, die für einen Detailhändler

arbeitet, bereits gespürt: «Einer

unserer Lieferanten ist kürzlich Konkurs

gegangen. Ich glaube nicht, dass es die einzige

Firma bleiben wird. Gewisse Jobs werden

gefährdet sein.» Die anderen nicken.

Drückt das auf die Stimmung in ihren

Lehrfirmen? Geht die Angst vor dem Stellenabbau

um? Nein, heisst es wiederum

einstimmig.

Dafür Angst vor Arbeitslosigkeit

Ganz so sorglos blicken die Jugendlichen

allerdings nicht in die Zukunft. Im nächsten

Jahr steht ihre Lehrabschlussprüfung

context 9 – 2011

handwerklichen Berufen hat man nicht

so viele Möglichkeiten. Eine junge Frau ist

froh, dass sie nicht den gymnasialen Weg

gewählt hat: «Im Gegensatz zu Gymnasiasten

verdienen wir jetzt schon unser

eigenes Geld und stehen im richtigen

Leben.»

Das KV als nur eine von vielen Stationen

im Lebenslauf. Die Badener Berufsmaturanden

würden diesen Satz unterschreiben.

Denn für sie ist klar: Sie wollen

auf ihrem Wissen aufbauen. Viele planen

schon nach ihrer Lehre eine Weiterbildung.

Von Fachhochschulen oder berufsbegleitenden

Lehrgängen ist die Rede,

eine junge Frau will einmal im Sportmanagement

arbeiten. Sonst wollen alle im

kaufmännischen Bereich bleiben.

Ist denn niemand schulmüde? Unverständliches

Kopfschütteln. «Weiterbildungen

sind doch spannend. Man kann

«Ich habe nicht vor, 40 Jahre lang das Gleiche zu

machen. Das wäre ganz schön langweilig.»

vor der Türe, nach heutigem Stand kann

nicht einmal die Hälfte der Klasse im

Lehrbetrieb bleiben. Die anderen machen

sich bereits über ihre Jobsuche Gedanken.

Dass dies kein leichtes Unterfangen ist,

zeigt die jüngste KV-Lehrabgänger/innen-

Umfrage des KV Schweiz: Obwohl die

Wirtschaftslage momentan gut ist, findet

dieses Jahr jeder vierte KV-Abgänger keinen

Job.

Die Badener Lernenden können davon

ein Lied singen: «Ich kenne viele, die

dieses Jahr abgeschlossen haben und

jetzt nur zu Hause rumsitzen», heisst es.

Deshalb versuchen die Jugendlichen mit

guten Leistungen in der Schule und im

Geschäft ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt

zu verbessern. Doch sie wissen:

Gute Noten geben keine Jobsicherheit.

«Wenn man die Stelleninserate durchliest,

werden doch nur Leute mit Erfahrungen

gesucht. Da haben wir keine Chance.»

«Weiterbildungen sind spannend»

Trotz dieser Unsicherheit: Die Jugendlichen

würden das KV wieder machen.

«Das ist eine gute Basis», sagt ein junger

Mann. «War das KV denn auch Ihr Traumberuf?»,

fragt Lehrerin Christa Ledergerber

die Klasse. Kurze Schweigepause,

schliesslich antwortet ein Jugendlicher:

«An der Ausbildung gefällt mir vor allem,

dass mir danach alles offen steht.» Bei

ja das wählen, was einen interessiert.»

Nur mit dem KV habe man heute keine

Chance auf eine Karriere: «Ich habe nicht

vor, 40 Jahre lang das Gleiche zu machen.

Das wäre ganz schön langweilig.»

«Es braucht ein Umdenken»

Vorwärts kommen, lebenslanges Lernen,

flexibel und offen für neue Entwicklungen

sein: Dies sind nur einige der vielen Anforderungen

an die modernen Arbeitnehmenden.

Die Badener Berufsmaturanden

haben sich schon darauf eingestellt. Auch

mit der einen oder anderen Krise in ihrem

zukünftigen Berufsleben rechnen sie.

«Ich glaube, dass wir nicht mehr in so einer

sicheren Welt leben werden», sagt ein

junger Mann. Zu viele Krisen hat er in seinem

kurzem Leben schon erlebt: «Ich erinnere

mich noch gut an die Folgen des

11. September 2001 und an die Finanzkrise

von 2008. Jetzt soll es schon wieder soweit

sein. Die Abstände zwischen den Krisen

werden immer kürzer.»

Es brauche ein Umdenken, findet er:

«Wichtig ist auch, dass sich die Firmen an

diese Entwicklungen anpassen und Innovationen

auf den Markt bringen.» Eine

junge Frau glaubt, «dass wir uns auf weniger

einstellen müssen. Wir leben doch

jetzt über unsere Verhältnisse und verbrauchen

zu viele Ressourcen.» Wird also

alles schlechter? «Nein, es wird doch eher

alles besser», kontert ihre Banknachbarin:

«Es werden beispielsweise immer

wieder technische Innovationen auf den

Markt gebracht, die unser Leben angenehmer

machen.»

«Es kommt, wie es kommt»

So oder so: Die Berufsmaturanden stellen

sich auf stürmische Zeiten ein. «Sollte

man in den Berufsschulen auf Krisen vorbereitet

werden? Als Unterrichtsfach, damit

nicht alle gleich in Panik geraten,

wenn es soweit ist?», fragt Lehrerin

Christa Ledergerber. Die meisten Schülerinnen

und Schüler verneinen. «Ich weiss

nicht, ob man lernen kann, ein Problem

zu lösen, bevor es überhaupt da ist. Es

kommt sowieso so, wie es kommt», heisst

es, und bis jetzt sei es ja immer irgendwie

gegangen.

Langfristige Pläne haben die jungen

Berufsmaturanden nicht. «Das nächste

Wochenende ist vielleicht planbar», sagt

eine junge Frau. Ihre Kollegen lachen laut

und meinen: «Vielleicht wissen wir noch,

dass wir nach dem KV eine Weiterbildung

oder Fachhochschule machen wollen.

Aber wer kann schon sagen, was in zwei

oder drei Jahren ist.» Hat dieses kurzfristige

Denken mit ihrem Alter zu tun? Oder

damit, dass sich die Welt tatsächlich rasend

schnell wandelt? Die jungen Menschen

zucken nur mit den Schultern und

ein Schüler sagt: «Ich will mich nicht an

Plänen festhalten. Schliesslich kann immer

etwas schiefgehen, dann sollte man

Alternativen haben.»

Bodenständige Träume

Die Jugendlichen im Klassenzimmer stellen

sich also auf ein Leben mit Plan B ein,

rechnen mit weiteren Krisen, wollen gerade

deshalb flexibel sein und sich ständig

weiterentwickeln. Das klingt nach einem

Vagabundendasein, nach Entwurzelung,

nach alternativen Lebensentwürfen…

Irrtum. Denn die Träume der Jugendlichen

sind erstaunlich bodenständig. «Ein

Haus mit Garten wäre ein Ziel oder wenigstens

eine schöne Eigentumswohnung»,

sagen fast alle in der Klasse. Die

Pausenglocke klingelt. Schülerinnen und

Schüler eilen hinaus auf den Pausenplatz.

Vier Mädchen bleiben sitzen und tippen

konzentriert auf ihren Smartphones. Es

ist still im Klassenzimmer an diesem Tag

für die Geschichtsbücher.

Maja Sommerhalder ist Context-Redaktorin.

maja.sommerhalder@kvschweiz.ch

25


26

Beruf und Bildung

Um 1880 formte sich das Berufsprofil

eines kaufmännischen Angestellten.

Meist arbeitete er in der Verwaltung

einer Firma. Briefe und Rechnungen

wurden damals von Hand geschrieben,

und zwar an Stehpulten mit abgeschrägter

Schreibfläche. Diese Möbel

gelten als Vorläufer des heutigen Büroschreibtisches.

Schnell einmal ging

man zu Modellen über, an denen man

sitzend arbeitete. Sie waren mit einem

Schubladenblock ausgestattet – oder

auch mit zwei Blocks. Mit den Jahren

wurden die Schreibtische grösser, weil

die Zahl der Bürokommunikationsgeräte

zunahm. Die heutigen Modelle

sind wieder eher reduziert, höhenverstellbar

und flexibel nutzbar.

context 9 – 2011

Seco-Studie

Weniger Stress mit

gutem Chef

Der Stress im Berufsalltag nimmt zu. Etwa

ein Drittel der erwerbstätigen Bevölkerung

gibt in der vom Seco verfassten aktuellen

Stressstudie an, sich häufig oder sehr häufig

bei der Arbeit gestresst zu fühlen.

Im Vergleich zur Studie im Jahr 2000

ist ein deutlicher Anstieg zu beobachten.

34,4 Prozent der Werktätigen stehen chronisch,

also länger anhaltend, unter Stress.

In der letzten Befragung waren es noch

26,6 Prozent. Entsprechend nahm der Anteil

der selten oder nie Gestressten von

17,4 auf 12,2 Prozent ab. Den Stress nicht

mehr bewältigen konnten 20 Prozent der

Befragten.

Stress scheint ein allgemeines Phänomen

zu sein, denn laut Seco lassen sich

keine spezifischen Berufe und Branchen

ausmachen, die in besonderem Mass betroffen

wären. Auch waren keine generellen

Geschlechtsunterschiede festzustellen,

hingegen klagten die 15- bis 34-Jährigen

überdurchschnittlich oft über Stress; die

55- bis 64-Jährigen gaben hingegen öfter

an, nie gestresst zu sein. Auch berichteten

Westschweizer, überdurchschnittlich

häufig betroffen zu sein.

Als mögliche Ursachen gaben die Befragten

folgende Ursachen an: unklare

Anweisungen, Zeitdruck, Arbeit in der

Freizeit, überlange Arbeitstage, die Anforderung,

in der Arbeit Gefühle zeigen

zu müssen, die mit den eigenen nicht

übereinstimmen sowie soziale Diskriminierung.

Als einer der häufigsten Belastungsfaktoren

wurden Unterbrechungen

bei der Arbeit erwähnt.

Kompetentes Führungsverhalten der

Vorgesetzten sowie eine gute Vereinbarkeit

von Beruf und Privatleben zeigen sich

als wichtige Entlastungsfaktoren, welche

mit einem geringeren Stressempfinden, einem

geringeren Gefühl, in der Arbeit emotional

verbraucht zu sein sowie mit weniger

Gesundheitsproblemen einhergehen. tj

www.seco.admin.ch

In der Reisebranche gibt es neu die Weiterbildung

zum «Business Travel Consultant».

Auf dem Arbeitsmarkt herrscht Fachkräftemangel.

Diese Tatsache ist zu Genüge

bekannt. Auch die Reisebranche leidet

darunter. Sie ist gemäss Welttourismusorganisation

einer der weltweit am

schnellsten wachsenden Wirtschaftszweige.

Vor allem im Geschäftsreisebereich

fehlen ihr aber Spezialistinnen und

Spezialisten.

Zwar gibt es in der Schweiz ein paar

wenige Weiterbildungsmöglichkeiten –

auch für KV-Absolventinnen und -Absolventen

–, doch diese richten sich meist nur

an Brancheninsider. Der Geschäftsreisedienstleister

HRG Switzerland gibt nun

deshalb Gegensteuer: Er bietet neu einen

dreimonatigen Lehrgang zum «Business

Gerechte Löhne

Die Salärempfehlungen 2012 zeigen Angestellten

in Büro und Verkauf, ob ihr Lohn

stimmt.

Um mehr Lohn zu erhalten, braucht es

gute Argumente – und einen Nachweis,

dass andere mit ähnlicher Ausbildung

und Erfahrung mehr verdienen. Die auf

einer breit angelegten Lohnumfrage basierende

Broschüre «Salärempfehlungen»

ist eine solide Grundlage für einen solchen

Vergleich und für ein Lohngespräch.

Tabellen zeigen Minimal- und Maximallöhne,

gegliedert nach Funktion, Ausbildung

und Alter. Auch regionale Unterschiede

sind berücksichtigt.

Die Empfehlungen entsprechen den

effektiv bezahlten Löhnen in Büro und

Verkauf. Sie schaffen Lohn-Transparenz

und leisten einen Beitrag, damit der

Grundsatz «Gleicher Lohn für gleichwertige

Arbeit» erreicht werden kann. pd

Die Broschüre kann für

Fr. 18.– (zuzüglich Porto)

bestellt werden: KV

Schweiz, Info-Schriften,

Postfach 1853, 8027 Zürich

oder unter bestellungen@kvschweiz.ch.

KV-Mitglieder erhalten

ein Exemplar kostenlos.

Fachkräfte

Quereinsteiger organisieren

Geschäftsreisen

Travel Consultant» an, und gibt damit

auch Quereinsteiger/innen eine Chance.

Ziel des Programms ist es, gut ausgebildete

Personen zwischen 25 und 35 Jahren

zu gewinnen. Diese werden aus verwandten

Branchen rekrutiert, sei es aus der

Luftfahrt, der Hotellerie oder dem Dienstleistungsgewerbe.

Die Ausbildung gliedert

sich in theoretische und praktische Module.

Der gelernte Stoff wird jeweils unter

Aufsicht eines «Götti» oder einer «Gotte»

sofort umgesetzt und angewendet.

Ein «Business Travel Consultant» organisiert

und koordiniert Geschäftsreisen.

Er oder sie muss dafür Reiserichtlinien,

internationale Vorschriften und

komplexe Flugtarifstrukturen kennen.

Die Kundschaft ist anspruchsvoll, Geduld

und Professionalität sind gefragte Eigenschaften

in diesem Beruf. pd


Familienfreundlichkeit

Check gibt Aufschluss

Firmen können ihre Familienfreundlichkeit

online gratis testen.

Beruf und Familie unter einen Hut zu

bringen, diesen Wunsch möchten sich

immer mehr Arbeitskräfte erfüllen. Aber

noch lange nicht alle Firmen sind dafür

gerüstet. Deshalb baut die Familienplattform

Ostschweiz ihr Angebot aus: Sie lanciert

den BeFA-Internetcheck. BeFA steht

dabei für Beruf und Familie.

Der Online-Fragebogen mit Sofort-

Auswertung hilft Unternehmen, herauszufinden,

wie familienfreundlich sie sind.

Er soll es Firmen ermöglichen, eine

Standortbestimmung zu machen. In den

Fragebogen eingeflossen sind Personalfragen,

wissenschaftliche Hintergründe

und kommunikative Aspekte. Er kann

kostenlos auf www.familienplattformostschweiz.ch

ausgefüllt werden.

Geprüft werden sechs Handlungsfelder

von Organisationen. Dazu gehören

die familienpolitischen Angebote, das betriebliche

Gesundheitsmanagement, die

Personalentwicklung und -politik, die Arbeitsgestaltung,

die Unternehmenskultur,

Literatur

Schauplatz Büro

Vier Angestellte treffen sich in der Kaffeepause.

Sie unterhalten sich über den

neuen Chef und dessen persönliche Mitarbeiterin.

Sie müsse neue Visitenkärtchen drucken

lassen für ihn, mit Doktortitel drauf,

sagt die eine. «Dabei weiss der Herr Doktor

nicht einmal, wie man anderen einen

Termin in den Kalender setzt», entgegnet

die Erste. Und die Dritte prophezeit, dass

er daran sicher nicht scheitern wird. Weiter

wird kritisiert, dass der neue Chef inskünftig

das Sitzungszimmer als Büro beansprucht,

weil das für ihn vorgesehene

Büro zu klein ist. Die Vierte erwähnt, dass

die persönliche Mitarbeiterin des Chefs

in Galerien nach Bildern sucht. «Für Bilder

ist Geld da, und bei uns sollen zwei

Stellen eingespart werden.» Es kommt die

Frage auf, ob Entlassungen bevorstehen.

Von anderen Arbeitsstellen her weiss die

Dritte, dass ein neuer Chef immer als Erstes

Leute entlassen hat.

Das ist eine Szene aus dem soeben erschienen

Roman «Eine Andere». Im Erstling

von Maja Peter gibt es noch weitere

Szenen aus dem Büroalltag. So erfahren

context 9 – 2011

Führungsaspekte und demografische

Merkmale. Im Detail geht es zum Beispiel

um Angaben zu Kinderbetreuung, Pflege

von Angehörigen, Zulagen, Prävention

und Wiedereingliederung nach Erkrankung.

Auskunft wird verlangt über Laufbahnplanung,Weiterbildungsmöglichkeiten,

über die Fluktuation im Betrieb

und über allfälllige Rekrutierungsprobleme

sowie über Home-Office-Angebote.

Auch über die Chancengleichheit im Unternehmen

müssen die Verantwortlichen

Auskunft geben.

Die Auswertung erfolgt prompt, sie

wird per Mail an den Ausfüllenden verschickt.

Sie stellt dann gleichzeitig eine

praktische Handlungsempfehlung dar.

Die Unternehmensverantwortlichen erfahren

zum Beispiel, was sie im Umgang

mit dem Personal besser machen könnten

und wie eine Firma davon auch betriebswirtschaftlich

profitieren kann. Sie erhalten

Tipps bezüglich besserem Einsatz von

Ressourcen oder Optimierung der Strukturen,

um die Vereinbarkeit von Beruf

und Familie zu begünstigen. pd

wir, wie die Protagonistin tatenlos auf

dem Bürostuhl sitzt und auf die Tischplatte

starrt, obwohl sie sehr viel zu tun

hätte. Oder wir hören, wie Ripa, die so

heisst, weil die Computerabteilung ihr

diesen Namen zugeteilt hat, von ihrer Chefin

dazu aufgefordert wird, zu kündigen.

Weil sie das Vertrauen in sie verloren habe.

«Eine Andere» handelt aber nicht nur

vom Arbeitsleben, sondern auch von

Kindheit, Familie, Liebe und von der Suche

nach der eigenen Geschichte. Maja

Peter erzählt präzise und eindrücklich.

Und als Leserin oder Leser folgt man ihr

gerne an immer wieder neue Stationen

und Schauplätze im Leben ihrer Protagonistin.

Maja Peter: Eine Andere.

Limmat Verlag, Fr. 29.50

KOLUMNE

Job-Hüpfen

Mit Stefanie Grob

Ich war auch mal Promotionshostesse.

«Grüessech, rouched Dir? Sehr schön! De

choufät doch ä Schtange Lucky Strike u

Dir überchömät die wundertolli Agenda

drzuä!» Das war 2003. Da war rauchen

noch schön. Und auch das Wetter. Hitzesommer,

erinnern Sie sich? 36 Grad am

Schatten. Täglich stand ich im Duty-Free-

Shop im Flughafen Kloten. Die Klimaanlage

machte schon morgens bei 30 Grad

schlapp, die Sonne knallte durch die

Oberlichter. Man hätte auch im Bikini geschwitzt.

Unser Hostessen-Dresscode hiess: geschlossene

Schuhe, lange Hose, Lucky-

Strike-Sweatshirt, Lucky-Strike-Baseball-Cap

und ein schwarzes Gilet aus

flauschig dickem Faserpelz. «Wers nöd

trait, flüügt, und dänn nöd öppe mit

Swiss. Und lächle nöd vergesse. Nur e

fründlechi Hoschtess isch au e gueti

Hoschtess», sagte die überschminkte

Vermittlerin der Promotionsagentur,

eine Art Karina Berger für Arme.

Ich bin kein besonders freundlicher

Mensch. Und ich werde nicht netter,

wenn ich im eigenen Schweiss zu ertrinken

drohe. Ich stand regelrecht in einer

Pfütze. Ich stellte mir vor, wie ein Passant

darin ausrutscht, sich ein Hüftgelenk

bricht und Lucky Strike auf fünf Millionen

Schadenersatz verklagt.

Geschah aber nicht. Dafür kam es vor,

dass Lucky Strike Männer schickte, die

uns Hostessen blöd anmachten, als Test,

wie freundlich wir bleiben. Ob ich hier

genug verdienen würde, fragte einer, oder

Lust hätte, ihn später zu treffen. Ich sagte,

ich hätte sehr Lust, aber noch lieber

würde ich von einem 30-Millionen-Volt-

Blitz getroffen und mir narkosefrei ein

Bein abhacken. Das fand er nicht lustig.

Und das Hostessen-Mami auch nicht. Ich

flog!

Stefanie Grob ist Autorin und Spokenword-Performerin.

27


28

Beruf und Bildung

Königlicher Service

context 9 – 2011

Extra. Die Konkurrenz unter den Weiterbildungsanbietern ist gross.

Deshalb wird die Kundschaft immer mehr verwöhnt. Von Andrea Mašek

Per Helikopter können die Seminarteilnehmenden

anreisen. Im Park

der Domaine de Guilé gibt es dafür einen

Landeplatz. Die grüne Anlage rund um

das Tagungs- und Seminarzentrum im

Kanton Jura ist sowieso ein «Unique

Selling Point», wie Managerin Barbara

Rigassi ausführt. «Der Park bietet viele

Möglichkeiten, sich in der Natur zu erholen»,

sagt sie.

Gut verkaufen muss man sich heute als

Anbieter eines Tagungsortes. Immer mehr

sind nämlich spezielle Seminarzentren

gefragt. Indem sie ihrer Kundschaft exklusive

Kursörtlichkeiten anbieten, versuchen

sich Weiterbildungsinstitutionen gegenüber

ihrer Konkurrenz abzuheben.

Auf schöne Umgebung setzen

Geworben wird dabei immer öfter mit

ausgesuchten Hotels und Tagungszentren

«fern der Hektik des Alltags». Sie befinden

sich auffallend viel in ruhiger und

malerischer Umgebung, meist in den Bergen

oder am Wasser. – Schon die fünf Orte

der Alten Eidgenossenschaft übrigens

hielten ihre Tagsatzungen im wunderschönen

Haus zur Treib in Seelisberg, direkt

am Vierwaldstättersee ab. Der Trend

ist also nicht wirklich neu.

Kurze Anfahrtswege oder optimale

Anbindungen an den öffentlichen Verkehr

scheinen bei der Wahl der Seminarzentren

nicht von hoher Priorität. Das kann aber

auch von Nachteil sein, wie Barbara Rigassi

zugibt. Immer wieder kämen Absagen mit

der Begründung «zu weit entfernt». Doch,

wer einmal in der Domaine de Guilé war,

komme wieder, weil die Region, die Ajoie,

sehr schön sei und es neben der Weiterbildung

viel zu entdecken gebe.

«Inspiration durch die prächtige Umgebung»

versprechen andere Institutionen

– nicht nur für die Kursteilnehmenden,

sondern auch für deren Partnerinnen

und Partner. Diese werden manchmal

gleich miteingeladen. Die Weiterbildungsanbieter

versuchen offensichtlich,

sich zu übertrumpfen.

Schon die alten Eidgenossen tagten mit Stil: Haus zur Treib in Seelisberg.

Premium-Angebote machen

Weiterbildung ist heute ein grosser Markt.

Die Nachfragt steigt stetig, das Angebot

ebenfalls. In erster Linie geht es dabei natürlich

um den Inhalt. Mit eduQua, dem

Schweizerischen Qualitätszertifikat, wird

insgesamt 995 Weiterbildungsinstitutionen

ein hoher Standard bescheinigt.

Doch mit inhaltlicher Qualität alleine ist

es nicht mehr getan, dafür ist die Konkurrenz

zu gross.

Ursprüngliche Extras wie Gipfeli und

Kaffee, Früchte und Mineralwasser, ein

leichtes Mittagessen und Give-Aways wie

Schreibblöcke und Kugelschreiber sind

längst Standard geworden und genügen

nicht mehr. Der Weiterbildungskunde

wird heute mit «Premium-Angeboten» gelockt:

Das heisst, es gibt die beste Kategorie

von Tagungsräumen – mit ADSL, mehr

Gänge beim Essen, mehr kulinarische

Auswahl, mehr Kaffee, mehr Mineralwasser,

gratis Businesstaschen und qualitativ

hochstehendes ergonomisches Mobiliar.

In den Kurspausen werden auch schon

mal kurze Nacken- und Schultermassagen

angeboten. Als Zückerchen stehen

sogar noch Überraschungsgäste auf dem

Programm. Und warum sich während der

Weiterbildung nicht noch weiterbilden,

zum Beispiel anhand einer kleinen Ausstellung

zu einem ganz anderen Thema,

das aber auf die Teilnehmenden zugeschnitten

ist?

Weniger ist mehr

Während die einen mit teurr Infrastruktur

und Wellness-Anlagen aufwarten –

letztere sind bald in jedem Seminarhotel

anzutreffen –, geht die Domaine de Guilé

andere Wege: «Wir setzen nicht auf viele

Extras, sondern einfach auf eine sehr per-


sönliche Betreuung», sagt Barbara Rigassi.

Ihr Erfolgsrezept heisst Gästehaus. Damit

grenzt sie sich von einem normalen Hotelbetrieb

ab. Die Gruppen haben das

schlossartige Familienanwesen einer

ehemaligen Industriellenfamilie jeweils

exklusiv für sich. «Wir können auf diese

Weise alle Dienstleistungen ganz flexibel

den Wünschen der Teilnehmenden anpassen»,

so Barbara Rigassi. Und es brauche

weniger Personal, was sich in einem

relativ günstigen Preis-/Leistungsverhältnis

ausdrücke.

Rigassi zeigt sich überzeugt: Wenn ein

Ort eine gute Arbeitsatmosphäre bietet,

wird das dort abgehaltene Seminar ein

Erfolg. Sie betont, die Organisation von

Seminaren sollte sowieso an den Arbeitsrhythmus

der Gruppe angepasst werden

können, nicht umgekehrt.

Wie in den Ferien fühlen

Der Weiterbildungskunde ist also König,

der bei der Klubschule Migros tatsächlich

sogar in einem Schloss, im Schloss Arbon,

«residiert». Die Klubschule trumpft für

sich weiterbildende Ausbilder und Ausbilderinnen

nicht nur mit Spezialangeboten,

sondern eben auch mit weiteren besonderen

Seminarorten auf: Gais soll

zusätzlich mit der reizvollen Landschaft

Kundschaft anlocken, die Propstei in Wislikon

verspricht beste Konzentrationsmöglichkeiten

und in Poschiavo werden

sich die Seminarteilnehmenden wie in

den Ferien fühlen.

context 9 – 2011

Apropos: Weiterbildungskurse finden

auch schon im Ausland statt. Teilnehmende

werden nach Malaga in Spanien

oder in die Blue Mountains nach Australien

geschickt.

Noch sind das aber eher Ausnahmen.

Bei den meisten Schweizer Weiterbildungsinstitutionen

ist solcher Luxus

nicht angesagt.

Gruppengrösse klein halten

Der durchschnittliche Anbieter befindet

sich in einer Stadt und führt seine Kurse

und Seminare auch dort durch. Die eine

oder andere Institution kann sicher

Räumlichkeiten in einem schönen alten

Gebäude anbieten – vor allem Sprachschulen

haben dafür ein glückliches

Händchen. Andere geben sich trendig,

ziehen in boomende Stadtteile. Ein gutes

Beispiel ist die KV Zürich Business School

mit Räumen im Puls 5. Das EB Zürich, das

Bildungszentrum für Erwachsene, bietet

Kurse im Haus Darwin im Technopark

Zürich an. Das SIB, das Schweizerische

Institut für Betriebsökonomie, zeichnet

sich durch modernste Räumlichkeiten in

der Nähe des Zürcher Hauptbahnhofs aus.

Sie sind auch in anderen Bereichen dafür

besorgt, sich von der Konkurrenz abzuheben.

Zum Beispiel bei der Anzahl

Teilnehmenden: «Wir garantieren bei den

Edupool-Lehrgängen, dass nicht mehr als

achtzehn Teilnehmer aufgenommen werden.

Wenn man weiss, dass an anderen Institutionen

zuweilen Lehrgänge mit 26

Teilnehmern durchgeführt werden, ist das

kein unwesentliches Argument», sagt Urs

Kleiner, Leiter Erwachsenenbildung im Berufs-

und Weiterbildungszentrum Brugg.

Keine Zusatzkosten erheben

Die Klubschule Migros ihrerseits bietet

kostenlose Sprachtests. So können die

Kursteilnehmenden ins richtige Niveau

eingeteilt werden. Gratis ist zudem das

Sprachenlernen mit Podcasts.

Im Bereich Informatik wird ähnlich

verfahren: Einstufungstests für Office-

Anwender, Eintritts- und Abschlusstests

für alle Lehrgangteilnehmenden sowie

das Webhosting während zwölf Monaten

für alle Personen, die Web-Kurse besuchen,

sind kostenlos. «Bei allen Informatikangeboten

sind die Lehrmittel im

Kurspreis inbegriffen, das ist bei vielen

Anbietern nicht der Fall», betont Ariane

Denogent, Projektleiterin Public Relations

bei der Klubschule.

Sie erwähnt überdies, dass die Klubschule

Migros keine Zusatzkosten für

Lehrmittel, Prüfungen (ausser für eidgenössische

Abschlüsse) und Diplomarbeiten

verrechnet. Ehemalige Teilnehmende

der Klubschule Business werden ausserdem

regelmässig zu speziellen Events wie

Tabletalks eingeladen. Die Chance ist ja

gross, dass sie bald wieder eine Weiterbildung

machen...

Andrea Mašek ist Context-Redaktorin.

andrea.masek@kvschweiz.ch

ABACUS Business Software – Version Internet

> Vollständig neu in Internetarchitektur entwickelte ERP-Gesamtlösung

> Skalierbar und mehr sprachig > Rollenbasiertes Benutzerkonzept > Unterstützung

von Software-as-a-Service (SaaS) > Lauffähig auf verschiedenen

Plattformen, Datenbanken und Betriebssystemen

www.abacus.ch

v e r s i o n i n t e r n e t

29

E+S ASW


30

Beruf und Bildung

Abzeichen erhält Ehrenplatz

context 9 – 2011

Gefeiert. 116 KV-Mitglieder wurden dieses Jahr für ihre 50-jährige Treue zum Verband

als Veteraninnen und Veteranen geehrt. Context hat die älteste Anwesende durch

den Tag begleitet. Text Andrea Mašek/Fotos Priska Ketterer

Am 5. April 1961 erhielt Dora Scheidegger-Wagner

ihren Fähigkeitsausweis.

Sie hat ihn an die Veteranen-Ehrung

mitgebracht. Er sieht von aussen aus wie

ein Schweizer Pass. Die 85-Jährige zieht

auch ihr Zeugnis aus ihrer violetten Tasche:

Ihr Notendurchschnitt lag bei 1,3! –

Eine 1 war damals die beste Note.

«Aus Dankbarkeit, weil ich die Ausbildung

zur kaufmännischen Angestellten

machen durfte, bin ich dann dem KV beigetreten»,

sagt sie. 50 Jahre ist das her. Am

letzten Tag im August wird Dora Scheidegger

vom Verband im Hotel Schweizerhof

in Luzern deshalb zur Veteranin gekürt.

Sie ist die älteste von 116 Mitgliedern, denen

dieselbe Ehre zuteil wird.

Von ganz hinten im Saal muss sie für

diesen grossen Moment ganz nach vorne

auf die Bühne kommen. Dabei wäre sie

lieber im Hintergrund geblieben. Lustigerweise

spielt die Ländlerkapelle «Gletscherschären»

just in diesem Moment das

Lied «Bergvagabunden». Dora Scheidegger

hat in ihrem Leben schon manch

schwindelnde Höhe und viele Gipfel erklommen,

im In- und Ausland. Als SAC-

Tourenleiterin hat sie ihre grosse Liebe zu

den Bergen lange Jahre auch an die Jugend

weitergegeben. Später gräbt sie aus

ihrer Tasche eine Postkarte hervor, zeigt

auf das abgebildete «Refugio Casati» –

eine Berghütte im Südtirol und meint:

«Hierhin bin ich gelaufen.»

Dafür hat sie Auszeichnungen erhalten,

die heute bei ihr zu Hause ein Kissen

zieren. Der goldene Anstecker, den sie für

ihre Verbandstreue aus den Händen von

KV-Interimspräsident Bruno Schmid in

Empfang nehmen darf, «erhält ebenfalls

einen Ehrenplatz auf dem Kissen», sagt

die sichtlich stolze Veteranin.

Nach wie vor solidarisch

Vorher hat sie die verschiedenen Reden

beklatscht. «Es ist einer der Höhepunkte

des Jahres», begrüsst Generalsekretär

Peter Kyburz die 116 KV-Mitglieder und

ihre Begleitpersonen im wunderschönen

Zeugheer-Saal des Hotels Schweizerhof in

Luzern. Vor 50 Jahren seien sein Vater in

der Rekrutenschule und seine Mutter in

der Romandie gewesen. Die Welt und der

Verband hätten sich seither sehr verändert.

Nicht geändert aber habe sich die

Treue der Mitglieder: «Ich danke Ihnen

von Herzen. Sie sind das Rückgrat unseres

Verbandes.»

Beat Schürmann, Geschäftsleiter des

KV Luzern, wie auch Bruno Schmid erinnern

an Ereignisse aus dem Jahr 1961: der

erste Mensch im Weltall, eine Abstimmung

in der Schweiz über Benzinpreise,

der Bau der Berliner Mauer, der Kalte

Krieg. Beat Schürmann meint, der Solidaritätsgedanke

habe für die Leute damals

eine andere Bedeutung gehabt und deshalb

seien die Anwesenden auch Mitglieder

geblieben – über die Pension hinaus.

«Ihre Treue ist alles andere als selbstver-

ständlich», dankt ihnen Bruno Schmid,

der übrigens im ausgezeichneten Weinjahr

1961 geboren wurde.

Elegant gekleidet

Dora Scheidegger zeichnet sich nicht nur

gegenüber dem KV mit ihrer Treue aus:

«Ich blieb fast ein Leben lang bei der Pax

Versicherung und arbeitete mich bis zur

Abteilungsleiterin hoch.» Mit ihren guten

Noten hätte sie an eine höhere Fachschule

gehen können, erzählt sie, doch sie habe

darauf verzichtet: «Als alleinerziehende

Mutter wollte ich das Beste für meine

Tochter. Das heisst, ich suchte mir eine

Stelle, ging arbeiten, um einen Verdienst

zu haben.»

Die 85-Jährige lebt heute nach wie vor

in den eigenen vier Wänden im Basler

Gundeldingerquartier. «Im vierten Stock,

ohne Lift, das hält mich fit», sagt sie und

winkt energisch einen Kellner herbei, um

sich einen schwarzen Kaffee zu bestellen.

Den brauche sie, habe sie an diesem Morgen

doch den Wecker auf 5.45 Uhr gestellt.

Das Aufstehen falle ihr nun schwer. Früher

sei das ganz anders gewesen. Sie erzählt

vom VW-Bus, der sie im Sommer jeweils in

aller Frühe abgeholt und zum Freibad

St. Jakob gefahren habe. «Dort sind wir vor

der Arbeit schwimmen gegangen.»

Voller Vorfreude hat sie sich heute zurecht

gemacht. Was sie anziehen soll, hat

sie schon am Tag zuvor bestimmt – nach

Rücksprache mit Nathalie Avanthay, die

für den KV Schweiz den Anlass mitorganisiert

hat. Chic kommt Dora Scheidegger

daher, in glänzenden Stoffen, die in allen

Schattierungen vom dunklen Violett bis

zum hellen Lila schimmern.

Wichtiger Fototermin

Die Baslerin ist mit dem Zug nach Luzern

gekommen und dann ins Hotel marschiert.

Dem Empfangskomitee berichtet

«Ich bin am Sonntag vorher schon zum Rekognoszieren

nach Luzern gefahren.»

sie, dass sie am Sonntag vorher schon

zum Rekognoszieren hierher gefahren sei.

Umso mehr wurmt es sie, dass sie dennoch

einmal falsch abgebogen ist. «Ich

stürme halt manchmal etwas zu schnell

drauf los», meint sie und sagt im gleichen

Atemzug, sie habe sich schon am 23. April

angemeldet, seit diesem Tag habe sie sich

auf den Anlass gefreut. Im Hotel schaut

sie sich aufmerksam um und bewundert

die Räumlichkeiten: «Es ist wie in einem

Schloss.»

Bekannte kann sie keine entdecken.

Es müsste aber einer hier sein, mit dem sie

in die Realschule gegangen sei, sagt sie

und schaut die Liste der Veteranen und

Veteraninnen durch. Bald einmal legt sie

sie weg und unterhält sich mit ihren

Tischnachbarinnen. Diese nehmen die

zierliche, etwas fragile alte Dame beim

Apéro auch gleich unter ihre Fittiche, so

dass sie sich um nichts kümmern muss

und den Tag sowie das Gläschen Rotwein

geniessen kann. Zum Chipsessen kommt

sie nicht, weil immer mal wieder jemand

etwas von ihr will. Aufs Foto mit Präsi-


dent, Generalsekretär und zwei Ehrenmitgliedern

soll sie auch noch.

Erinnerungen werden wach

Einer der beiden Ehrenmitglieder und

nun auch noch Veteran ist Ernst Weber

aus Therwil (BL). Die 50 Jahre seien so

schnell vergangen, sagt er lachend. Das

ehemalige Zentralvorstandsmitglied erzählt:

«Fünf Präsidenten habe ich mitbestimmt

und erlebt.» Es hätte für ihn

immer gestimmt, deshalb sei er beim Verband

geblieben. «Eingetreten bin ich wie

viele andere zu unserer Zeit, weil der KV

eine Arbeitslosenkasse aufwies.»

Auch Ehrenmitglied Hans Rudolf Gysin

erinnert sich an seine Eintrittszeit. Damals

war der Baselbieter Nationalrat Lehrer am

KV. «Im Steno allerdings war ich meinen

Schülerinnen und Schülern stets nur zwei

Dora Scheidegger hat sich für den grossen Tag

extra fein gemacht.

Das war Dora Scheidegger als junge

KV-Absolventin.

Nathalie Avanthay und Thierry Haldemann vom

KV Schweiz empfangen die Veteranin.

context 9 – 2011

Lektionen voraus», meint er schmunzelnd.

Auch nachher als Direktor der Wirtschaftskammer

Baselland und in seinen politischen

Ämtern hat er sich für Verbandsanliegen

wie gute Arbeits bedingungen und

duale Berufsbildung engagiert.

Flirten mit dem Kellner

Dies sind Ziele des KV, die sich laut Bruno

Schmid nicht geändert haben. Sie werden

auch in Zukunft aktuell sein. Wilfred

Stoop sagt dazu: «Wir stellen uns der Zukunft

– stossen wir an auf die nächsten

fünfzig Jahre.» Der Veteran aus Muraz

(VS) hat sich ebenfalls so seine Gedanken

über die vergangene Zeit gemacht, die er

nach dem Hauptgang überraschend vorträgt.

Mit seinem nostalgischen Rückblick,

auf was man damals hatte und was

nicht, erntet er grossen Applaus.

Gruppenbild mit Hans Rudolf Gysin, Ernst Weber,

Bruno Schmid und Peter Kyburz (v.l.).

Die älteste Veteranin wird auch am Apéro von

jüngeren bestens umsorgt.

Während der Kaffeepause am Morgen werden

erste Bekanntschaften geknüpft.

Auch von Dora Scheidegger. Während

des Desserts scherzt und flirtet die 85-Jährige

mit dem jungen Kellner und unterhält

sich weiter mit ihren Tischnachbarinnen.

Man erzählt sich vom KV-Eintritt,

vom Berufsleben, von Reisen. «Ich war

Bergsteigen in der Sowjetunion und in

Kanada», erzählt Dora Scheidegger. Und

auf der Rigi und dem Pilatus, auf allen

Gipfeln hier rundherum, sagt sie beim

Verlassen des Hotels gegen 15 Uhr. «Danke

vielmals», klopft sie der KV-Organisatorin

Nathalie Avanthay auf die Schulter, «es

war wunderbar.»

Andrea Mašek ist Context-Redaktorin.

andrea.masek@kvschweiz.ch

Priska Ketterer ist Fotografin in Luzern.

priska.ketterer@bluewin.ch

Wilfred Stoop überrascht und

begeistert mit seiner Extra-Einlage.

Dora Scheidegger erhält auf der Bühne die Veteranenehre.

Dora Scheidegger schaut nach, ob

weitere Veteranen aus Basel da sind.

31


32

Beruf und Bildung

Nur das Beste

context 9 – 2011

Ansehen. Ein hoher sozialer Status bedeutet Anerkennung. Der gesellschaftliche

Druck, einen bestimmten Status zu erlangen, kann sich auf die Lebensqualität

aber auch fatal auswirken. Von Rolf Murbach

Mit Statussymbolen sagen wir, wer wir sind – auch im Garten.

Abramowitsch greift nach 330-Millionen-Villa,

titelte «20 Minuten» Anfang

September. Der russische Milliardär

besitzt schon den legendären Fussballklub

Chelsea London, kreuzt mit einer 160

Meter langen Yacht durch die Meere und

will nun ein 40 000-Quadratmeter-Anwesen

erwerben. Wir lesen solche Geschichten

mit zwiespältigem Empfinden. Wir

finden das irr und gleichzeitig faszinierend.

Es ist auffallend, wie oft sich Menschen

Anekdoten über reiche Leute erzählen,

manchmal kopfschüttelnd, oft auch

bewundernd.

Status beschäftigt uns alle. Wir haben

einen sozialen Status inne, ob wir das

wollen oder nicht. Mit Symbolen demonstrieren

wir, zu welcher Gruppe wir gehören.

Und wir grenzen uns ab. Die einen

tun dies demonstrativ, andere sind zurückhaltend.

Viele zeigen materielle Errungenschaften

mit Genuss: tolle Häuser,

schnelle Autos, Markenkleider, Schmuck,

Uhren. Andere pflegen Bescheidenheit

und das Einfache. Zum Status gehört

auch, wen wir kennen. Und unterdessen

sogar, was wir nicht brauchen. Es gibt

Menschen, die brüsten sich damit, kein

Smartphone zu haben. Unerreichbar sein

ist cool und auch ein wenig Statussymbol.

Man kann es sich leisten.

Helmut Zimmerli-Menzi ist Inhaber

und Managing Director MPB Executive

Search in Basel. Seit 25 Jahren rekrutiert

er Führungskräfte. «Häufig ist die Motivation

für die Erlangung einer Führungsposition

der Wunsch nach Einfluss», sagt

der Headhunter.

Führungsfunktion verleiht Status

Er stellt aber fest, dass bei vielen nicht nur

eigene Wünsche die Ambitionen bestimmen,

sondern dass es auch einen gesellschaftlichen

Druck gebe, einen vermeintlich

hohen Status zu erlangen. Man müsse

Erfolg haben. «Erfolgreich sein heisst,

eine Führungsfunktion innezuhaben.»

Status ist meist sichtbar. Jede Gesellschaft

und jede Zeit kultiviert ihre Statussymbole.

Der Indianerhäuptling trug ei-

nen Federschmuck, der CEO darf seinen

BMW X5 unmittelbar neben dem Eingang

des Firmengebäudes parken. Statussymbole

sind auch Modeströmungen unterworfen.

Privilegien fallen weg oder ändern

sich. Früher hatte zum Beispiel ein

Prokurist ein Büro mit zwei Fenstern. Der

Vizedirektor eines mit drei usw.

Der Headhunter begegnet vielen Führungskräften,

Menschen, die ihren Status

zelebrieren, aber auch solchen, die bescheiden

wirken und wenig nach aussen

tragen. Je stärker eine Persönlichkeit ist,

desto weniger sei sie auf Statussymbole

angewiesen. Und: «Männer scheinen

mehr nach einem hohen sozialen Status

zu streben. Frauen sind oft bescheidener»,

resümiert Helmut Zimmerli-Menzi seine

langjährigen Erfahrungen.

Das Streben nach Status gehört zum

Menschen. Es birgt aber auch Gefahren

in sich, denn wer sich ihm vollständig

unterwirft, kann leicht abstürzen. Das

Gerangel um attraktive Positionen in der

Arbeitswelt ist unerbittlich, und die Er-


nüchterung bei Scheitern gross. Man gibt

für Ruhm ein halbes Leben her, doch wie

schnell zerrinnt der Status. Die Jagd nach

Geld und Anerkennung hat zudem ihren

Preis. Viele scheuen keinen Aufwand, um

Ansehen zu erlangen und ordnen alles

dem einen Ziel unter: beachtet und bewundert

zu werden. Dabei riskieren sie

auch ihre Gesundheit.

Stefan Büchi ist stellvertretender

Ärztlicher Direktor in der Privatklinik Hohenegg

in Meilen. Er betreut unter anderem

Burnout-Patienten, oft Führungskräfte.

Diese sind, zumindest temporär,

mit einem Status-Verlust konfrontiert.

«Ein Aufenthalt in einer Psychiatrischen

Klinik erleben die sonst erfolgsverwöhnten

Menschen zum Teil als Stigmatisierung»,

sagt Büchi. «Die Erfahrung, Leben,

Psyche und Körper nicht mehr unter Kontrolle

zu haben, ist für sie bedrohlich. Vor

allem ist es schwierig, dies anderen zu erzählen.»

Wohnort, Haus und Titel, all die

Marker einer bestimmten Leistungsfähigkeit,

würden zwar weiterhin bestehen.

«Aber die Leistungsfähigkeit an sich ist ihnen

abhanden gekommen. Die Patienten

haben Angst, im Berufsleben nicht mehr

mitzuhalten und aus ihrer Gruppe von

Gleichgesinnten herauszufallen.»

In der Therapie versuchen die Ärzte

und Therapeuten der Hohenegg die Patienten

unter anderem an eine Neudefinition

von Werten heranzuführen. «Status

gründet meist auf externen Wertzuschreibungen.

Viele verinnerlichen diese Werte

unbedacht», erklärt der Psychiater. «Die

Menschen sollten aber erkennen, was für

sie wichtig und bedeutsam ist. Dazu müssen

sie sich kritisch mit den bisher gelebten

Werten und der Überbewertung des

Materiellen auseinandersetzen. Ziel ist

auch, eine Unabhängigkeit von Fremdbeurteilung

zu erlangen.» Einen wichtigen

Heilungsfaktor sieht Büchi in echten Beziehungen

– in Freundschaften oder Familien.

Wer solche Beziehungen pflege,

schaffe Sicherheit und falle bei einer Krise

weniger tief. «Wir brauchen Menschen,

die uns wertschätzen, wie wir sind, und

uns nicht wie Trophäen handeln.»

Rolf Murbach ist Context-Redaktor.

rolf.murbach@kvschweiz.ch

context 9 – 2011

«Mit Statussymbolen

grenzt man sich ab»

Wer einen hohen Status erreicht, kann

ganz frei oder ganz unfrei sein, sagt Psychologie-Professorin

Ulrike Zöllner.

Context: Frau Zöllner, wie wichtig ist Status

für die Menschen?

Ulrike Zöllner: Status gehört zur Entwicklung

des Menschen. Es geht um Identitätsbildung,

um die Frage: Wer bin ich?

Schon im Vorschulalter vergleichen sich

die Kinder. Was kann der eine? Was kann

die andere? Dieses Wettbewerbsstreben

dient auch dazu, sich von anderen zu unterscheiden.

Die Kinder schaffen so Klarheit,

wo Stärken und Schwächen sind.

Und sie können einfacher abschätzen, wo

sie besser werden wollen und wo sie sich

nicht weiterentwickeln möchten. Die Vergleichsthematik

gehört zum Menschen.

Diese Vergleichsthematik ist bei den Menschen

unterschiedlich ausgeprägt. Die einen

streben nach einem hohen sozialen

Status, anderen ist das weniger wichtig.

Die Gesellschaft reagiert auf Status.

Es gibt Personen, denen ist diese gesellschaftliche

Wertschätzung besonders

wichtig, sie verhalten sich entsprechend

und streben einen hohen Status an. Dann

spielt es sicher eine Rolle, wie Eltern hinsichtlich

Statusfragen eingestellt sind. Ist

Gleichheit oder Unterschiedlichkeit zentral?

Es gibt aber auch Menschen, die unabhängig

von Gesellschaft und Eltern

eine hohe Gestaltungsmotivation haben.

Sie wollen einfach etwas bewirken und

sich vom Mainstream abheben. Aufstieg

und Weiterkommen ist ihnen besonders

wichtig.

Welches ist denn in der Regel die Motivation

weiterzukommen?

Es gibt Menschen, bei denen das Erreichen

eines hohen Ziels mit einem

schwachen Selbstwertgefühl einhergeht.

Die Statusorientierung dient in diesen

Fällen der Kompensation und ist ein

Hauptmotiv für das Erfolgsstreben. Bei

anderen ist ein hoher Status eher eine Zugabe.

Sie haben einen grossen Gestaltungswillen

und sind erfolgreich. Anerkennung

stellt sich dann automatisch ein,

war aber nicht die Motivation.

Ist es nicht etwas heikel zu sagen, wer

nach einem hohen Status strebe, kompensiere

ein geringes Selbstwertgefühl?

Die Diskussion wird tatsächlich teilweise

einseitig geführt. Ein hoher sozialer

Status ist an sich ja nichts Negatives. Menschen,

die etwas können und erfolgreich

sind, haben in der Regel, ohne dass sie danach

streben, einen höheren Status als

andere. Kommt hinzu, dass Gestaltung

nur möglich ist, wenn man in der Hierarchie

eine relativ hohe Position innehat.

Wann ist Statusstreben problematisch?

Wenn man vom erreichten Status die

eigene Wertigkeit ableitet. Statusmerkmale

sind ja äusserlich, und sie ändern

sich immer wieder. Aber natürlich sind

Statusmerkmale an sich nicht negativ. Die

Menschen signalisieren mit solchen

Merkmalen auch Zugehörigkeit zu einer

Gruppe. Status hat insofern eine Orientierungsfunktion.

Sind Menschen, die einen hohen sozialen

Status haben, freier?

Wer einen höheren Status erreicht hat,

der kann ganz frei oder ganz unfrei sein.

Menschen, die um jeden Preis und des

Status willen eine hohe Position anstreben,

sind unfrei, weil sie nur dieses eine

Ziel im Auge haben. Andere wiederum,

bei denen sich ein beachtenswerter Status

von alleine einstellt, erleben möglicherweise

Freiheit.

In den letzten Jahren ist Geld als Statussymbol

immer wichtiger geworden.

Womit hat das zu tun?

Status ist an sichtbare Zeichen gebunden.

Mit Geld beschafft man sich diese

Zeichen schnell. Natürlich kann auch die

Ausstrahlung eines Menschen Status signalisieren.

Das läuft aber dann über die

Beziehungsebene. Man müsste die Person

kennenlernen. Unsere Zeit ist dafür jedoch

zu schnelllebig. Gefragt ist, dass wir

die Leute sehr schnell einordnen. Da beschränkt

man sich halt auf die äusseren

sichtbaren Signale. Viele haben es verlernt,

andere Zeichen zu lesen. Persönliche

Ausstrahlung, Souveränität oder Tugenden

wie Bescheidenheit sind in den

letzten Jahren an den Rand geraten und

zählen gesellschaftlich weniger. mur

Ulrike Zöllner ist Professorin am Departement Psychologie

der Zürcher Hochschule für Angewandte

Wissenschaften ZHAW.

33


34

Leben

context 9 – 2011


Der Dr. Sommer für KV-Lernende

Henry Goldmann, 61, hat die Onlineberatung für Lernende der KV Zürich Business

School aufgebaut. Ob bei Krach im Lehrgeschäft, Prüfungsstress oder einer ungewollten

Schwangerschaft: Bis jetzt haben er und sein Team über 1200 Ratschläge

erteilt. Text Maja Sommerhalder/Foto Marion Nitsch

Eine 16-jährige KV-Lernende braucht

einen Rat, sie hat furchtbar Angst vor

ihrem ersten Mal: «Ich würde gerne mit

einem Jungen schlafen, den ich kennengelernt

habe, aber ich habe solche Angst,

dass es weh tun wird. Wird es wirklich

weh tun? Wie sehr? Was kann ich tun, damit

es nicht so weh tut?»

Werden Erinnerungen wach? An eine

Zeit, in der man jeden Donnerstag zum Kiosk

rannte, um sich die neuste Ausgabe der

Jugendzeitschrift Bravo zu kaufen? Mit rotem

Kopf schlug man die Seite des fiktiven

Sexberaters Dr. Sommer auf, der genau solche

Fragen zum ersten Mal beantwortete.

Wem hätte man sonst solche Ängste schildern

können? Den Eltern, den Geschwistern,

den Freunden? Viel zu peinlich.

Tabuthema Sex?

Heute ist Sex kein Tabuthema mehr. Sex

im Fernsehen zu Primetime-Zeiten, Sex

per Mausklick im Internet, Sex im Stadtzentrum

auf Werbeplakaten… Für Jugendliche

sollte es also kein Problem sein,

darüber mit anderen zu reden. Und doch

stellen sie manche Fragen lieber an neutrale

Fachpersonen, die sie ernst nehmen

und eine sachliche Antwort geben. Wer

im Kanton Zürich eine KV-Lehre macht,

muss sich dazu nicht mehr an den deutschen

Dr. Sommer wenden. Die Onlineberatung

der KV Zürich Business School

kümmert sich seit acht Jahren darum –

anonym und kostenlos versteht sich.

Der Gründer und Leiter heisst Henry

Goldmann. Seit 32 Jahren unterrichtet er

Wirtschaftsfächer und Psychologie an der

KV Zürich Business School. Dort sitzt der

quirlige 61-Jährige in einem grauen Sitzungszimmer

und lacht schallend als ihn

die Journalistin als «Dr. Sommer der KV-

Lernenden» bezeichnet. «In gewissen Bereichen

arbeiten wir wirklich wie das Dr.

Sommer-Team. Aber nicht nur, unser Angebot

ist viel breiter», sagt er und seine

knallgrüne Plastik-Armbanduhr fällt

context 9 – 2011

beim Gestikulieren auf. Grün sind auch

sein Hemd und seine Lesebrille.

Schizophrenie oder Liebeskummer

Tatsächlich hilft «kv-onlineberatung.ch»

in allen Lebenslagen. Ob bei Schulproblemen,

Sorgen im Lehrbetrieb, mühsamen

Eltern, ob bei Magersucht oder ei-

ner ungewollten Schwangerschaft: Henry

Goldmann liest jede Frage durch, die hier

gepostet wird. Dann leitet er sie an die

richtigen Fachpersonen weiter – sein Netz

besteht aus Ärzten, Psychologen, Juristen,

Sozial- oder Sexualberatern.

Ihre Antworten redigiert dann Goldmann

in eine verständliche Sprache und

veröffentlicht sie auf der Webseite. So

können nicht nur die Fragesteller davon

profitieren.

«Mir ist wichtig, dass man immer eine

Lösung aufzeigt. Den Satz ‹sorry, wir können

dir nicht helfen› gibt es bei uns nicht.»

Manchmal wird er mit ganz schön schwerer

Kost konfrontiert: «Einmal beschrieb

ein Mädchen die Anzeichen einer beginnenden

Schizophrenie.» Das Onlineberatungs-Team

motivierte sie, zu einem Spezialisten

zu gehen: «Wir wollten ihr aber

nicht noch mehr Angst machen. Denn es

konnte genau so gut eine vorübergehende,

harmlose Störung in der späten Pubertätsphase

sein.» Auch sonst staune er

manchmal, was es alles gibt: «Meistens

sind es Frauen, die uns schreiben, dass sie

seit Monaten unglücklich verliebt sind

und sich einfach nicht von einem Mann

lösen können.» Doch ist Liebeskummer

nicht normal in diesem Alter? «Ja, aber

das heisst nicht, dass er banal ist. Und bei

einigen geht die erste Liebe eben besonders

tief.»

Junger Aktivist

Im Vergleich dazu war Henry Goldmanns

Jugend relativ unbeschwert. Doch Liebesfragen

beschäftigten den Sohn eines Textilfabrikanten

trotzdem. Welche Frage

hätte er an eine Onlineberatung gestellt?

«Ich hätte wohl wissen wollen, wie ich bei

Frauen besser ankomme. Darüber zu reden

traute ich mich damals nicht.» Die

heutige Jugend sei zwar nicht unbedingt

selbstbewusster als seine Generation, aber

direkter und weniger autoritätsgläubig.

Goldmanns rebellische Phase kam

erst kurz vor seiner Matur: «Ich kam natürlich

voll in die 68er-Bewegung rein

und nahm an vielen Demonstrationen

teil. Allerdings nie an vorderster Front.»

Als er an der Uni St. Gallen Betriebswirtschaft

studierte, war er in kritischen Stu-

«Den Satz ‹sorry, wir können dir nicht helfen›

gibt es bei uns nicht.»

dentenbewegungen aktiv: «Ein solch politisches

Engagement passte natürlich

nicht in die Hochburg der bürgerlichen

Wissenschaften.» Er beendete sein Studium

in Westberlin: «Das war eine unglaublich

spannende Zeit. Ich lebte in verschiedenen

Wohngemeinschaften, eine

davon war neben der Mauer.»

«Dafür bin ich zu extrovertiert»

Politisch sei er bis heute geblieben: «Natürlich

bin ich ruhiger, und ich gehe nicht

mehr auf die Strasse. Aber das Engagement

ist noch immer da.» Stört es ihn,

dass die heutige Jugend unpolitischer ist?

Ohne zu zögern sagt er: «Stören würde ich

nicht sagen, das ist verständlich in so guten

Zeiten.» Dass seine Schüler aber Anteil

am Zeitgeschehen nehmen, sei ihm

ein grosses Anliegen. «Dieses Interesse

versuche ich zu wecken, wenn ich Staatskunde

unterrichte.»

35


36

Leben

context 9 – 2011

Man glaubt es ihm gern, dass ihm das

gelingt. Goldmann ist ein charismatischer

Typ mit seiner auffälligen Nase und

seinen wachen Augen. Lebhaft und anschaulich

erzählt er, man hört ihm gerne

zu. Ein Lehrer, der auch nach vielen Jahren

im Beruf noch mit Begeisterung dabei

ist: «Ich mag Jugendliche und nehme ihre

Probleme ernst. Das ist sehr wichtig bei

diesem Job.»

Trotz Verständnis für die jungen

Leute, ein Psychologe will er im Unterricht

nicht sein. Im Fach Klinische Psychologie

besitzt er nämlich ebenfalls einen

Lizentiatsabschluss der Universität

Zürich. Ein paar Jahre hat er auch als Therapeut

gearbeitet, das stundenlange Zuhören

sei aber nicht so seine Sache: «Da-

Die BeSTen FrAGen in BucHForm

Wie reagieren bei Mobbing im Geschäft?

Schwanger und noch in der Lehre – was

nun? Seit acht Jahren kümmern sich

Henry Goldmann und sein Team von «kvonlineberatung.ch»

um die Sorgen und

Nöte junger Kaufleute. Nun präsentieren

er und der Rechtsanwalt Ueli Vogel-

Etienne die besten Fragen und Antworten

im Buch «Leben, Lernen, Live». «Der

Ratgeber richtet sich an Jugendliche

ebenso wie an Eltern, Lehrende und alle,

die wissen wollen, was die Jugend heute

Bachelor

für bin ich zu extrovertiert.» Die Arbeit in

der Onlineberatung sei deshalb genau

das Richtige für ihn: «Hier ist Kommunikation

gefragt. Spannend ist auch, dass

man nicht nachfragen kann, sondern

beim Antworten immer verschiedene

Möglichkeiten in Betracht ziehen muss.»

Beratung hat seinen Preis

Angefangen hat alles 2002. Damals gab es

nur eine Liveberatung für KV-Lernende

über Mittag, die heute noch existiert: «Obwohl

dort natürlich die ärztliche Schweigepflicht

gilt, ist eine gewisse Hemmschwelle

vorhanden. Viele Jugendliche

trauen sich dort nicht, über intime Probleme

zu reden.» Da lag die Idee einer niedrigschwelligen,

anonym zugänglichen In-

bewegt», erklärt Goldmann. Herausgegeben

wird das Buch vom Kaufmännischen

Verband Zürich aus Anlass seines

150-jährigen Bestehens. Es ist im Buchhandel

und in den online book-stores zu

Fr. 29.80 erhältlich. KV-Lernende und

KVZ-Mitglieder können den Ratgeber

über www.kvz.ch direkt beim KV Zürich

bestellen. Club-Mitglieder erhalten dort

das Buch zum Spezialpreis von Fr. 14.50,

KVZ-Mitglieder bekommen den Ratgeber

für Fr. 22.50.

ternetberatung auf der Hand. Zwar gab es

damals schon Onlineberatungen für Jugendliche,

ein spezielles Angebot für KV-

Lernende war jedoch neu. «Das war nur

möglich, weil wir als grösste KV-Schule

der Schweiz mit 4000 Lernenden die entsprechenden

finanziellen Mittel und Ressourcen

zur Verfügung haben.»

So baute ein interner Informatiker die

Seite auf, bis zur Realisierung dauerte es

etwa 300 Stunden: «Bei einer externen

Firma hätte das wohl 20 000 Franken gekostet.»

Auch sonst hat das Angebot seinen

Preis. Goldmann wendet etwa drei

Stunden seiner Arbeitszeit pro Woche auf,

und die Fachleute, welche die Fragen beantworten,

erhalten ein Honorar.

Lehrer hatten Bedenken

Anfangs hatten viele Lehrer ihre Bedenken:

«Sie befürchteten, dass sie auf der

Webseite verunglimpft werden könnten.»

Dies passierte aber nicht, denn Goldmann

und sein Team achten streng darauf,

dass sämtliche Personen anonymisiert

werden.

Mittlerweile habe sich das Angebot

etabliert. 1200 Fragen hat das Team bis

jetzt beantwortet, pro Woche bitten zwei

bis vier Jugendliche um Hilfe. Zwei Drittel

sind Frauen, ein Drittel Männer. Bei 40

Prozent der Fragen geht es um Schule und

Lehrgeschäft, bei 40 Prozent um Sex und

Liebe und bei den restlichen 20 Prozent

um Freundschaft, Beziehung, Familie

oder Gesundheit. Bis zu 2000 Mal pro Mo-

Die grösste kaufmännische Bildungsinstitution der Schweiz ermöglicht den Bachelor- oder Masterstudiengang

direkt nach dem Abschluss der höheren kaufmännischen Berufsbildung. Profitieren Sie davon!

FÜHRUNGSAKADEMIE

Höhere Fachschule für Wirtschaft HFW Nachdiplomstudien HF KFS+, Führungsfachmann/-frau SVF

Organisation und Projektmanagement Leadership Wirtschaftliche Basiskurse

WIRTSCHAFTSAKADEMIE

Rechnungslegung & Controlling Treuhand Steuern Ausbildung für Ausbildende Informatik Technische

Kaufleute mit Tageshandelsschule Diplom-Handels schule KV ZÜRICH BUSINESS SCHOOL Marketing/

Verkauf/Kommu nikation/PR Finanz dienstleistungen Sozial versicherung Sekretariat Personal/HRM

SPRACHAKADEMIE

Deutsch (Fremdsprache und Muttersprache) Englisch Französisch Italienisch Spanisch Superlearning-

Sprachkurse Individuelle Firmenkurse Individuelle Fernkurse D, E, F, I, Sp

Besuchen Sie unsere Infoanlässe und bestellen Sie das Semesterprogramm: www.kvz-weiterbildung.ch

KV ZÜRICH BUSINESS SCHOOL WEITERBILDUNG · Limmatstrasse 310 · 8005 Zürich · Telefon 044 - 444 66 44


nat wird die Seite angeklickt. Einziger

Kritikpunkt von den Nutzern: Sie müssen

auf ihre Antworten manchmal bis zu einer

Woche warten. Dies wird sich auch in

Zukunft nicht ändern, denn Goldmann

will keine Schnellschüsse produzieren:

«Es ist wichtig, dass man jede Frage seriös

und individuell beantwortet.»

Ausser Winterthur schlossen sich

sämtliche KV-Schulen des Kantons Zürich

an die Onlineberatung an. Über die

Kantonsgrenzen hinaus will Goldmann

aber nicht gehen: «Wir helfen dort gerne

beim Aufbau. Für uns wäre aber die Betreuung

zu kompliziert, weil in anderen

Kantonen teilweise andere Gesetze gelten.»

Anfragen zur Kooperation kamen

auch schon von Gymnasien. Goldmann

lehnte ab: «Sie haben andere Lebenswelten

als KV-Lernende.»

Dazu verpflichtet

Der Übergang von der Schule ins Berufsleben

beschäftige KV-Lernende: «Das

wird oft unterschätzt. Für die Jugendlichen

ist es eine grosse Herausforderung,

Arbeit, Schule und Freizeit unter einen

Hut zu bringen.» Deshalb sei ein solches

Angebot auch wichtig: «Eine Schule ist

dazu verpflichtet, sich um das Wohlergehen

der Lernenden zu kümmern.» Das

verbessere auch das Lernklima.

An der KV Zürich Business School

habe sich in den letzten Jahren vieles verbessert.

«Wir haben beispielsweise fast

keine Drogenprobleme mehr», sagt er ver-

context 9 – 2011

YOUR

IT HEART

BEAT

gnügt, setzt seine Dächlikappe auf und

verlässt das graue Sitzungszimmer.

Ein paar Minuten später steht er in der

Mediothek, die vor sechs Jahren eingerichtet

wurde. Schülerinnen und Schüler

lesen konzentriert, andere schauen DVDs,

zwei junge Frauen spielen Fussball auf

dem Computer. Goldmann wechselt ein

paar Worte mit den jungen Frauen und

schaut die Journalistin strahlend an.

«Sehen Sie, in der Mediothek ist immer so

eine gute Stimmung. Die Lernenden

kommen sehr gerne hierher», sagt er und

zeigt in den braunen Schulhausgang. Obwohl

es Freitagnachmittag ist, ist das

Haus noch sehr belebt: «Früher verglichen

viele das KV-Schulhaus mit einem

Gefängnis. Auf diese Idee würde heute

niemand mehr kommen.»

Falsche Vorbilder

Klingt das nicht ein bisschen zu paradiesisch

für eine Schule? «Paradies nein. Wie

man auf unserer Onlineberatung sehen

kann, ist nicht alles perfekt.» Sorge bereitet

ihm etwa das Verhältnis der Jugend

zum Thema Sexualität. «Im Internet haben

sie zu früh Zugang zu Pornos und

auch im Fernsehen werden viele unrealistische

Liebes- und Sexszenen gezeigt.»

Bei seiner Arbeit fällt ihm immer wieder

auf, dass Jugendliche falsche Vorbilder

haben: «Neulich befürchtete ein Mädchen,

dass sie nicht normal sei. Und dies

nur, weil sie keinen Analsex machen

wollte.» In so einem Fall beruhigen Gold-

«Zurzeit arbeiten rund 150 User

auf unserem neuen System. Ziel

ist es aber, im Laufe der nächsten

vier Jahre möglichst viele

weitere Sektionen zum Umstieg

zu motivieren und damit die

Userzahl zu verdoppeln. Dabei

argumentieren wir vor allem mit

den überzeugenden Aspekten

der Einfachheit, der Flexibilität

und natürlich – last, but not

least – den Kostenvorteilen.»

Peter Kyburz

Generalsekretär KV Schweiz

mann und sein Team und versichern dem

Mädchen, dass mit ihr alles in Ordnung

sei und sie sich eben an falschen, unrealistischen

Vorbildern messe.

«Geniesse dein erstes mal»

Entwarnung gibt Goldmann auch der

16-Jährigen, die panische Angst vor

Schmerzen beim ersten Mal hat: «Unsere

Team-Ärztin hat in ihrer Praxis noch nie

eine junge Frau von einem wirklichen

Schmerz beim ersten Mal berichten hören!

Warum gibt es immer noch solche Befürchtungen?

Weil diese Schmerz-Erlebnisse

aus früheren Zeiten stammen, in

denen die Frau beim Sex nicht gleichberechtigt

ihre Bedürfnisse anmelden durf -

te, sondern einfach ‹hinhalten› musste,

zum Beispiel in der Hochzeitsnacht. Kein

Wunder, dass es weh tut, wenn man innerlich

verkrampft ist! Das wird bei dir anders

sein: Wenn du Lust hast mit deinem

Freund zu schlafen, dann wirst du dich

kaum verkrampfen und musst keine Angst

haben, dass es schmerzen könnte. Und

falls doch: dann sag einfach ‹stop!›, dein

Freund soll dann aufhören, und ihr versucht

es später nochmals. Hab also keine

Angst und geniesse dein erstes Mal, wenn

du Lust dazu hast! Dein Beraterteam.»

www.kv-onlineberatung.ch

maja Sommerhalder ist Context-Redaktorin.

maja.sommerhalder@kvschweiz.ch

marion nitsch ist freie Fotografin in Zürich.

mail@nitsch.ch

OUTSOURCING SERVICES

CONSULTING ENGINEERING

IT SERVICE CENTER

Zahlreiche Kunden aus den unterschiedlichsten

Branchen verlassen sich täglich auf die

langjährige Erfahrung und die ausgewiesenen

Spezialisten von iSource. www.isource.ch

37


38

Ratgeber

context 9 – 2011

Büroalltag

Wie reagiere ich auf die

Tränen der Chefin?

Vor drei Wochen thematisierte ich am Ende

des Mitarbeitergesprächs die enorm zunehmende

Arbeitsbelastung, die mir allmählich

auf die Gesundheit schlägt. Da geschah etwas

Unerwartetes: Meine Vorgesetzte klagte selber

über unerträglichen Stress, brach in Tränen

aus und verliess abrupt den Raum. Seither

tut sie, als wäre nichts geschehen. Mich belastet

das sehr, bin ich doch eine Frau, die

gerne offen kommuniziert. Soll ich sie darauf

ansprechen?

Sie wurden unmittelbar Zeugin der

Überforderung Ihrer Vorgesetzten. Der

emotionale Kontrollverlust war für beide

irritierend. Dass Ihre Chefin bis jetzt ein

Gespräch vermieden hat, lässt darauf

schlies sen, dass es ihr peinlich ist. Sie

möchte ihren Verlust der Fassung wohl lieber

ungeschehen machen. Sie hat sich Ihnen

gegenüber von einer verletzlichen Seite gezeigt.

Ihrem ersten Impuls, Sie darauf anzusprechen,

haben Sie bis jetzt nicht nachgegeben.

Offensichtlich haben Sie gespürt,

dass dies heikel sein könnte, handelt es sich

ja nicht um eine Kollegin sondern um Ihre

Vorgesetzte. Würden Sie den Vorfall von sich

aus ansprechen, bestünde die Gefahr, dafür

bestraft zu werden, dass Sie – ohne es zu

wollen – Ihren Finger auf einen wunden

Punkt der Chefin gelegt haben.

Ihr Zögern ist sinnvoll. Ihre Vorgesetzte

signalisiert, dass sie nicht mit Ihnen über

den Vorfall sprechen will. Respektieren Sie

dies. Die Erfahrung war womöglich für Ihre

Vorgesetzte sehr intensiv, musste sie doch

abrupt den Raum verlassen. Bestenfalls

wird sie sich aufgrund des Vorfalls kritisch

mit ihrem eigenen Stressmanagement befassen,

so wie Sie das auch tun. Die Heftigkeit

der emotionalen Reaktion könnte Anlass

sein, sich intern oder extern Unterstützung

zu holen. Sie haben mit Ihrem Thema vielleicht

schon mehr in Gang gesetzt, als Sie

ahnen.

Kommunizieren Sie mit Ihrer Vorgesetzten

weiterhin wie gewohnt, das kann durchaus

auch zum Thema Stress und Belastung

sein.

Carla Weber

arbeitet als Psychologin

im Care Service

des KV Schweiz.

Bildung

Nützt mir Freiwilligenarbeit

bei der Stellensuche?

Ich leiste ehrenamtliche Arbeit in einem

Sportverein. Wie kann ich diese Freiwilligenarbeit

bei der Stellensuche nutzbar machen?

Noch immer ist vielen Bewerber/innen

zu wenig bewusst, dass ihre Chancen auf

eine Stelle nicht nur von ihren beruflichen

Erfahrungen abhängen. Auch freiwillige

Arbeit qualifiziert! Solche Tätigkeiten und

die dort erworbenen Kompetenzen sollen

deshalb in Ihrem Bewerbungsdossier zum

Ausdruck kommen – erst recht, wenn sie

einen direkten Bezug zur angestrebten

Stelle aufweisen.

Der Sozialzeitausweis ist dafür eine

gute Grundlage. Er wird von Organisationen,

Vereinen usw. ausgestellt, in denen Freiwilligenarbeit

geleistet wird. Er umfasst einerseits

den Nachweis über besuchte Weiterbildungen

und Kurse, andererseits bildet er

das konkrete Engagement ab, zum Teil ähnlich

detailliert wie in einem Arbeitszeugnis.

Freiwilligenarbeit ist für viele Unternehmen

ein Thema, und engagierte Mitarbeiter/innen

sind überall gesucht. Viele

Personalverantwortliche nutzen Informationen

über ausserberufliches Engagement,

um sich ein umfassenderes Bild von Bewerber/innen

zu machen. Das können Soft­

Skills sein wie Teamfähigkeit, Kritik­ und

Konfliktfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein,

Flexibilität oder Belastbarkeit. Dazu

gehören aber auch Dinge, die man als Methodenkompetenzen

bezeichnet und die je

nach Stelle enormes Gewicht haben, z.B.

Planungsfähigkeit oder Organisationstalent.

All diese Dinge können die Personalauswahl

positiv beeinflussen.

Ausserberufliches Engagement nachweisen

zu können, ist naheliegenderweise

für Bewerber/innen von besonderer Bedeutung,

die noch über wenig Berufserfahrung

verfügen oder wo diese lange zurückliegt.

Der Sozialzeitausweis wurde ursprünglich

auch für Wiedereinsteiger/innen und junge

Stellensuchende entwickelt. Aber grundsätzlich

nützt er allen, die damit einen

Nachweis über zusätzliche Erfahrungen

und Kompetenzen erbringen können. Sie

sollten sich also einen ausstellen lassen.

Ralf Margreiter

Stabsstelle

Bildungspolitik

KV Schweiz


Recht

Verlängert sich das Arbeitsverhältnis

bei einem Unfall?

Ich erhielt am 29. Mai 2011 die Kündigung auf

Ende Juli. Am 8. Juli habe ich mir den Fuss

übertreten und blieb danach während 11 Tagen

arbeitsunfähig. Am 15. August wurde ich

in eine Auffahrkollision verwickelt und erlitt

ein Schleudertrauma. Der Arzt hat mich auf

unbestimmte Zeit arbeitsunfähig geschrieben.

Wann endet nun mein Arbeitsverhältnis?

Ich befinde mich im dritten Anstellungsjahr.

Das Arbeitsverhältnis mit Ihrem Arbeitgeber

ist Ende August zu Ende gegangen.

Durch den ersten Unfall wurde die zweimonatige

Kündigungsfrist um die Zeit, die Sie

unfallbedingt nicht mehr arbeitsfähig waren

(11 Tage), unterbrochen. Das Arbeitsverhältnis

endete deshalb vorerst am 11. August

2011. Art. 336c Abs. 4 OR sieht vor, dass ein

Arbeitsverhältnis sich bis zum nächstfolgenden

Endtermin verlängert (in Ihrem Fall

also bis Ende August), wenn für die Beendigung

des Arbeitsverhältnisses ein Endtermin

gilt, wie das Ende eines Monats, und

dieser Endtermin nicht mit dem Ende der

fortgesetzten Kündigungsfrist (in Ihrem

Fall der 11. August) zusammenfällt.

Die Frage ist nun, ob sich durch den Auffahrunfall

vom 15. August das Arbeitsverhältnis

erneut verlängert hat. Gemäss

Rechtsprechung des Bundesgerichts kann

eine neue Krankheit oder ein weiterer Unfall

die Kündigungsfrist tatsächlich erneut

unterbrechen und zwar wiederum im Umfang

der in Art. 336c OR genannten maximalen

Sperrfristen (im 3. Dienstjahr während

90 Tagen). Das Bundesgericht setzt

allerdings voraus, dass der Beginn der

neuen Arbeitsunfähigkeit noch in die Zeit

der tatsächlich verlängerten Kündigungsfrist

fällt. Hätte sich also der Auffahrunfall

in der Zeit bis am 11. August ereignet, wäre

die laufende Kündigungsfrist wiederum um

maximal 90 Tage unterbrochen worden. Da

das zweite Unfallereignis in Ihrem Fall erst

nach Beendigung der verlängerten Kündigungsfrist

(11. August), nämlich am 15. August

erfolgt ist, konnte dieser neue Unfall

nicht mehr zu einer weiteren Verlängerung

des Arbeitsverhältnisses führen.

context 9 – 2011

Felix Kuster

arbeitet beim

Rechtsdienst

des KV Schweiz.

Jugend

Darf mein Arbeitgeber

E-Mail und Internet sperren?

Viele Tätigkeiten, die für andere KV-Lehrlinge

selbstverständlich sind, kann ich seit Anfang

meiner Lehre nicht ausüben. So darf ich

beispielsweise E-Mails weder senden noch

empfangen, auch wird mir nicht erlaubt, das

Internet zu benutzen, ausserdem ist für mich

die Verwendung eines USB-Sticks verboten.

Darf mein Lehrbetrieb das überhaupt?

In der Lehre musst du alle Instrumente

zur Verfügung haben, damit du die Leistungsziele

erreichen und die betrieblichen

Aufgaben erledigen kannst. Ich kann mir

heute keine kaufmännische Lehre mehr

vorstellen, in welcher du als Lernender geschäftlich

weder das E­Mail brauchst, noch

wenigstens ab und zu im Internet gewisse

Dinge nachschauen musst. Insofern müsstest

du auch Zugang zu Mail und Internet

haben für deine geschäftlichen Aufgaben.

Was den privaten E­Mail und Internet­

Gebrauch angeht: Für diesen gibt es während

der Arbeitszeit eigentlich keinen Platz.

Schliesslich bist du am Arbeiten. Ich selber

lese selbstverständlich auch keine privaten

Mails während der Arbeitszeit oder surfe

auch nicht für meine privaten Interessen.

Und doch gibt es immer wieder mal Situationen,

in denen sowohl Lernende wie Erwachsene

auch während der Arbeitszeit ein

dringendes privates Telefongespräch führen

müssen, das sie nicht auf die Pause oder

den Feierabend verschieben können. Das

Gleiche gilt für E­Mails oder eine kurze Recherche

im Internet.

Firmen haben das Recht, den privaten

Gebrauch von E­Mails und Internet zu regeln.

Sie können ihn sogar ganz verbieten.

Der kaufmännische Verband empfiehlt allerdings,

das anders zu regeln. E­Mails und

Internet sollen nicht gesperrt sein, sondern

es sollen Regeln für den privaten Gebrauch

ganz klar und für alle gleich definiert sein.

Auch das gehört unserer Ansicht nach zu

einer Lehre: dass man lernt, mit gewissen

Freiheiten umzugehen und Privates vom

Beruflichen zu trennen.

Andrea Ruckstuhl

ist Ressortleiter

Jugend beim

KV Schweiz.

39


40

context 9 – 2011

KV AKtuell

Die neue Secrétaire Romande

Marie-Line Vuilleumier wird künftig zwischen Zürich und

Neuenburg vermitteln.

Eine Generalistin

wurde vom KV

Schweiz als Secrétaire

Romande

gesucht und dies

hat Marie-Line

Vuilleumier sofort

angesprochen. Sie

sei polyvalent, ein

Organisationstalent und halte die Nase

nicht nur nahe am Tisch, sondern suche

auch – wie auf ihrer dreijährigen Weltreise

– das Weite. Deshalb habe sie sich für die

Stelle beworben.

Vorher war Marie-Line Vuilleumier

mehrheitlich im sozialpolitischen Bereich

tätig gewesen. Auch in ihrer Arbeit

für den KV Schweiz werde sie diesen Bereich

tangieren, meint die neue Secrétaire

Romande erfreut. Sie könne also ihre Erfahrungen

hier einsetzen und die gleichen

Werte hochhalten.

Bereits hat sie angefangen, sich in ihren

Aufgabenbereich einzuarbeiten: «Ich

möchte so viele Leute wie möglich treffen

und ihre Anliegen kennenlernen.» Mit ihrer

offenen Persönlichkeit und als gute

Kommunikatorin fällt ihr das leicht.

NAChruF

Alice Moneda

Am 11 September ist Alice Moneda

86-jährig verstorben. Sie war Begründerin

der Gleichstellungspolitik im KV, und

sie hat auch wesentlich zur Verankerung

des Verfassungsartikels zur Gleichstellung

von Frau und Mann beigetragen.

Eine Kämpferin mit Herz und Verstand –

so wurde sie in einem Portrait vor 12 Jahren

treffend charakterisiert. Und diese

Eigenschaften benötigte sie, als sie 1970

vom Zentralpräsidenten des damaligen

SKV, Rudolf Maier-Neff, die Stelle als

Leiterin der «Abteilung für weibliche

Mitglieder» im Zentralsekretariat angeboten

erhielt. Frauenstimmrecht und

Gleichstellung waren auch für viele Angestellte

exotische Fremdwörter. Alice

Moneda engagierte sich konzeptionell

und organisatorisch mit all ihren Kräften

Als Erstes hat sich Marie-Line Vuilleumier

mit den Präsidenten der welschen

Sektionen getroffen. «Ich lasse mich zudem

von allen Sektionsvorständen einladen»,

sagt sie. Besuche in La Chaux-de-

Fonds und Genf liegen schon hinter ihr.

Als Secrétaire Romande sieht sie sich

als Vermittlerin zwischen Zentralvorstand

in Zürich und ihrem Sitz in Neuenburg.

«Es ist wichtig, dass die Sektionen

der Romandie nicht vergessen gehen»,

sagt sie. «Sie sollen das Gefühl haben, zu

einem schweizweit aktiven Verband zu

gehören und davon zu profitieren, aber

gleichzeitig auch respektiert zu werden.»

Global denken und lokal handeln – dieses

Motto verkörpert für Vuilleumier auch

der KV Schweiz.

Ihr selber sind ihre spanischen Wurzeln

wichtig. So lebt ihre Mutter, eine Immigrantin,

bei ihr, ihrem Mann und den

beiden Kindern. Entspannung und Erholung

findet Marie-Line Vuilleumier in der

Musik, beim Klavierspielen sowie beim

Wandern und Skifahren. ajm

für den Abstimmungskampf zur Einführung

des Frauenstimmrechts und unterstützte

später wichtige Frauenkandidaturen.

Im Uno-Jahr der Frau 1975 engagierte sie

sich im Schweizer Frauenkongress, der

zur Lancierung der Initiative «Gleiche

Rechte für Mann und Frau» führte. Alice

Moneda gehörte dem Initiativkomitee an

und stellte nicht nur ihr organisatorisches

Talent zur Verfügung, sondern leistete als

(sozialliberales) FDP-Mitglied unermüdlich

Überzeugungsarbeit auch und gerade

in bürgerlich-konservativen Kreisen.

Die Initiative führte zu dem vom damaligen

Bundesrat Kurt Furgler mitgetragenen

Verfassungsartikel zur Gleichstellung

von Frau und Mann. Einen guten Teil des

Abstimmungskampfs, der am 14. 6. 1981

mit unerwartet hohen 60,3 % gewonnen

wurde, sicherte Alice Moneda mit Ideen,

KV-Infrastruktur und Organisationstalent

Mitmachen und

gewinnen

Context befragt seine leserschaft.

Worauf stürzen Sie sich als Erstes,

wenn Sie die neueste Ausgabe von Context

in den Händen halten? Was beachten

Sie immer? Gehören Sie sogar zu jenen

Personen, die das Magazin von A bis Z lesen?

Was gefällt Ihnen besonders gut, was

weniger?

Ihre Meinung interessiert uns, damit

wir Context noch besser machen können.

Wir haben deshalb eine Leser/innen-Umfrage

gestartet. Ein Teil unserer Leserschaft

hat diese mit dem letzten Newsletter

Mitte September erhalten. Bei wem

dies nicht der Fall war und wer gerne auch

teilnehmen möchte, kann dies im Internet

via folgenden Link tun:

www.surveymonkey.com/s/Q97Ft85

Sie brauchen dafür keine zehn Minuten.

Wir freuen uns auf Ihre Einschätzung. Als

kleines Dankeschön verlosen wir unter

den Teilnehmenden ein Netbook.

KV Schweiz, Kommunikation

ab. Trotzdem blieben ihr Tätigkeitsbereich

und ihr Wirken im KV selber lange

Zeit im Schatten. Die Aufwertung zu einem

eigenen Zentralsekretariat erfolgte

erst Jahre nach ihrer Pensionierung 1987.

Alice Moneda blieb auch im «Ruhestand»

die «Kämpferin mit Herz und Verstand».

Auch als sie sich in späteren Jahren auf

die Rolle als Beobachterin beschränkte,

blieb sie eine klar denkende Analytikerin

der Gleichstellungsbewegung, die sich

über weitere Erfolge freute und über die

verbliebenen Defizite ärgerte. Und all

dies tat sie immer mit Stil, Respekt, Neugierde

und Optimismus. Alice Moneda ist

am 11. September 2011 nach kurzem Spitalaufenthalt

gestorben. Ihren Angehörigen

und Freunden sprechen wir unser tiefes

Beileid aus.

Peter Kyburz, Generalsekretär des KV Schweiz


SeKtioNeN

reGioN BASel-StAdt

KV BASel

telefon 061 271 54 70

Fax 061 272 24 41

info@kvbasel.ch

www.kvbasel.ch

english Club

All meetings will be held on Tuesdays

at 8 pm at the KV building. For

any suggestions contact Gaby Felix:

phone 061 228 90 34 or Felix

Schurter: phone 062 868 74 00.

Pensioniertengruppe

Führung durch das Kraftwerk Birsfelden.

Mittwoch, 28. September

Weitere Infos im Sekretariat.

reGioN BerN

KV BerN

telefon 031 390 60 30

Fax 031 390 60 20

info@kvbern.ch

www.kvbern.ch

Seminare

> «Word-Aufbaukurs – effizient

im Büroalltag» mit Anita Jucker-

Hermann, Erwachsenenbildnerin;

Montag, 17. Oktober, eintägig,

Kurs Nr. 781

> «Sozialkompetenz – Schlüssel

zum beruflichen Erfolg» mit Ruedi

Krummenacher, Ausbildung- und

Organisations-Beratung; Montag,

17. und 31. Oktober, zweitägig,

Kurs Nr. 546

> «Grundkurs 2: Arbeits- und Lernsituation

und Prozesseinheit» mit

Beatrix Flury, Bildungsfachfrau,

Ausbildnerin; Dienstag, 18. Oktober,

Kurs Nr. 161

> «Autogenes Training und Stress

bewältigen» mit Verena Diethelm,

körperzentrierte Psychologin, Mediatorin;

Mittwoch/Donnerstag,

19. und 20. Oktober, zweitägig,

Kurs Nr. 547

> «Kommunizieren und gewinnen»

mit Joachim Hoffmann, Psychologe;

Freitag, 21. Oktober, Kurs Nr. 424

> «Austritts- und Entlassungsgespräch»

mit Chantal Harder,

Personalexpertin; Dienstag,

25. Oktober, Kurs Nr. 271

> «Hurra, eine Reklamation – man

braucht mich» mit Fredy Zurflüh,

Verkaufsleiter, Marketingleiter;

Mittwoch, 26. Oktober, Kurs Nr. 347

context 9 – 2011

> «Souveräne Briefe und

E-Mails – Refresher» mit Fabienne

Schnyder, Trainerin; Donnerstag,

27. Oktober, Kurs Nr. 426

> «Datenschutz im Arbeitsverhältnis»

mit Edi Class, Rechtsanwalt;

Freitag, 28. Oktober, Kurs Nr. 676

Senioren

Führung Tropenhaus Frutigen.

Dienstag, 4. Oktober. Anmeldeschluss

ist 29. September.

reGioN MittellANd

KV AArGAu WeSt

telefon 062 837 65 15

Fax 062 837 65 19

info@kvagwest.ch

www.kvagwest.ch

herbstferien Öffnungszeiten

Bis Freitag, 14. Oktober ist das

Sekretariat geschlossen.

Veranstaltung

Altstadtführung um 19 Uhr und/

oder Nachtwächterführung um

20.45 Uhr; Freitag, 25. November,

in Zofingen

handelsschule KV Aarau

Führungsakademie

telefon 062 837 97 29

www.hkvaarau.ch

Weiterbildung

> «Führungsfachfrau/Führungsfachmann

mit eidg. Fachausweis»,

Start: Donnerstag, 20. Oktober

> «NDS in Leadership & Management

HF», Start: Freitag, 28. Oktober

KV BASellANd

telefon 061 926 70 10

Fax 061 926 70 15

info@kvbl.ch

www.kvbl.ch

Neue Öffnungszeiten

Das Sekretariat ist ab sofort am

Montag durchgehend von 9 bis

16.30 Uhr geöffnet sowie Dienstag

bis Freitag von 9 bis 11 Uhr und

Dienstag- bis Donnerstagnachmittag

von 13.30 bis 16.30 Uhr.

SBB-Gutscheine

Die nächsten Termine: Oktober:

3./17./31. November: 14. und

28. Dezember: 12. (letzter Bestelltermin

im 2011)

KV SolothurN

telefon 032 622 31 21

Fax 032 622 31 56

info@kvsolothurn.ch

www.kvsolothurn.ch

informationsveranstaltung

Führung Bürgerspital Solothurn mit

Information über den Neubau: Donnerstag,

18. und/oder Donnerstag,

25. August, ab 17.30 h

SFW Forum für Weiterbildung,

Solothurn

telefon 032 624 90 50

Fax 032 624 90 59

info@sfw.ch

www.sfw.ch

Seminare

> «Arbeitsplatzorganisation – Zeit

sparen mit System» mit Darya

Haller; Dienstag, 25. Oktober

> «Steuerforum Kanton Solothurn»

mit Marcel Gehrig, Roland Bürgi,

Oskar Ackermann und Theo

Portmann; Mittwoch, 26. Oktober

> «Effizienter arbeiten mit MS

Word» mit Lilly Anselmetti;

Freitag, 28. Oktober

> «Arbeitszeugnis – aussagekräftig

und richtig» mit Matthias

Miescher; Dienstag, 8. November

> «Outlook – Schaltzentrale Ihrer

Arbeit» mit Willy Knüsel;

Mittwoch, 9. November

> «Zielorientierte Mitarbeitergespräche»

mit Peter Bösiger;

Freitag, 18. November

> «Praxisseminar Arbeitsrecht» mit

Matthias Miescher;

Donnerstag, 1. Dezember

reGioN oStSChWeiz

KV oSt

telefon 071 274 36 50

Fax 071 274 36 56

info@kvost.ch

www.kvost.ch

Bewerbungscheck

Ein perfektes Bewerbungsdossier

steigert die Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Der KV Ost bietet mit

dem Bewerbungscheck Soforthilfe

für Lehrabgänger/innen und junge

Berufsleute in Büro und Verkauf an.

Fachpersonen prüfen das Bewerbungsdossier

und geben Tipps zur

Verbesserung.

Anmeldung für das Einzelgespräch

unter www.kvost.ch/Beratung/Laufbahnberatung.

KVision

Gleiche Arbeit für ungleichen Lohn,

oder, warum Frauen nicht verdienen,

was sie verdienen.

Der KV Ost organisiert im Gleichstellungsjahr

2011 eine Veranstaltung

von Frauen für Frauen mit

Referaten und einem Workshop zum

Üben von Lohnverhandlungsgesprächen.

Donnerstag, 27. Oktober,

17 bis 20.30 h, Conference ARENA,

Stadion AFG Arena, St. Gallen.

Anmeldung: www.kvost.ch/

Veranstaltungen/KVision

Seminare

> «Perfekter Kundendienst am

Telefon» mit Jacqueline Steffen

Oberholzer;

Montag, 3. Oktober, 9 bis 17 h

> «E-Mail Management» mit Iris

Seeholzer; Mittwoch,

5. Oktober, 9 bis 17 h

> «Erfolgreiche Instruktion am

Arbeitsplatz» mit Stefan Keller;

Mittwoch, 5. Oktober, 13.30 bis 17 h

> «Die gelassene Art sich durchzusetzen»

mit Jacqueline Steffen

Oberholzer; Donnerstag,

6. Oktober, 9 bis 17 h

> «Besser schreiben – pfiffig und

stilsicher formulieren» mit

Gabriela Baumgartner; Freitag,

7. Oktober, 9 bis 17 h

> «Neue Kaufmännische Grundbildung

– NKG Update» mit Stefan

Keller; Mittwoch, 12. Oktober,

8.30 bis 17 h

> «Ab heute bin ich Chefin/Chef»

mit Silvia Troxler Gruber; Montag,

24. Oktober, 9 bis 17 h

> «Zielvereinbarungen und Mitarbeitendengespräche

– Instrumente

zur aktiven Führung von Mitarbeitenden»

mit Stefan Keller;

Montag, 24. Oktober, 9 bis 17 h

> «In 30 Minuten ein Buch lesen?

Neue Lesetechniken» mit Claude

André Ribaux;

Dienstag, 25. Oktober, 9 bis 17 h

41


42

SeKtioNeN

> «Grundlagen Eventsponsoring –

Wie Ihr Event erfolgreich mitfinanziert

wird!» mit Ralf Huber;

Mittwoch, 26. Oktober, 9 bis 17 h

> «Gut vorbereitet ans Lohngespräch»

mit Vera Class-Bachmann;

Donnerstag, 27. Oktober,

9 bis 17 h

> «Feedback oder wie ich konstruktiv

kritisiere» mit Bettina

Zimmermann; Freitag,

28. Oktober, 8.30 bis 12 h

> «Erfolgreiche Instruktion am Arbeitsplatz»

mit Stefan Keller; Mittwoch,

2. November, 13.30 bis 17 h

> «Das Geheimnis der Körpersprache

entschlüsseln» mit Jacqueline

Steffen Oberholzer; Freitag,

4. November, 9 bis 17 h

Weitere Informationen telefonisch

071 274 36 50, E-Mail: seminare@

kvost.ch oder www.kvost.ch

Freizeitclub 60+

> Kulturpfad Herisau – wir lernen

den Ausserrhodischen Hauptort

besser kennen; Mittwoch,

12. Oktober (Halbtagesausflug)

���

���������������

��������������������������������

������������������

����������������

���������������������������������

��������������������������������������������

�����������������������������������

������������������������������

���������

�����������������������������

��������������������������������

�������

����������������������������

�������������������������������

��������

��������������������������

��������������������������

��������������������������

��������������

����������������������������������

������������������������������������

���������������������������

������������������������������������

����������������������������������

������������������������������������

��������������������������������������������

�����������������������

��������������������������

��������������������������

context 9 – 2011

> Führung durch Kerzenfabrik Hongler

AG in Altstätten – Gelegenheit

für Einkäufe im Fabrikladen;

Dienstag, 8. November (Halbtagesausflug)

Weitere Infos: telefonisch, E-Mail:

info@kvost.ch oder unter

www.kvost.ch/Veranstaltungen/

Freizeitclub

CelAriS

eine Schule des KV ost und des

SiB Schweizerisches institut für

Betriebsökonomie zürich

lehrgänge Beginn oktober

> «HR-Fachfrau/HR-Fachmann mit

eidg. Fachausweis»

> «Dipl. Leiter Finanzen und Dienste

NDS HF»

> «HR-Fachfrau/HR-Fachmann mit

eidg. Fachausweis»

«Weitere Infos: telefonisch oder

www.celaris.ch

KV-ost-Mitglieder erhalten

Vergünstigungen!

reGioN zeNtrAlSChWeiz

KV luzerN

telefon 041 210 20 44

Fax 041 210 78 50

info@kvluzern.ch

www.kvluzern.ch

tagesseminare in luzern

> «Führung von Lernenden – eine

besondere Aufgabe» mit Vera

Class-Bachmann; Mittwoch, 19.

Oktober (ausgebucht)

> «Lohn- und Personalversicherungen»

mit Felix Kuster; Donnerstag,

10. November

> «Körpersprache erfolgreich einsetzen»

mit Michael Schmidt-Purrmann;

Donnerstag, 17. November

> «Neues und Bewährtes im BVG –

Refresher für die Berufliche Vorsorge»

mit Bruno Ern; Donnerstag,

24. November

> «Protokollführung» mit Ignaz

Wyss; Donnerstag, 1. Dezember

Abendseminar in luzern

> «Neue Rechtschreibung» mit

Ignaz Wyss; Montag, 24. Oktober,

18 bis 21 h

> «Meine Finanzen – ich will mitreden

und sie verstehen können!»

mit Roger Planzer; Montag, 7. und

21. November, 18 bis 21.15 h

tagesseminare in zug

> «Mehr Wirkung im Büro – Technik

mit eigenen Ressourcen verbinden»

mit Susanne Mouret; Mittwoch,

26. Oktober

> «MWST-Refresher – Das neue

MWST-Gesetz» mit Martin Schaer;

Dienstag, 15. November

reGioN

züriCh-StAdt

KV züriCh

telefon 044 211 33 22

Fax 044 221 09 13

info@kvz.ch

www.kvz.ch

Öffentliche Seminare

Jeweils von 9 bis 17 Uhr, Ausnahmen

werden speziell vermerkt. Weitere

Informationen auf www.kvz.ch.

> «Smart Reading» mit Rinaldo

Manferdini; Mittwoch, 5. Oktober

> «Nicht auf den Mund gefallen» mit

Jacqueline Steffen Oberholzer;

Donnerstag, 6. Oktober

> «Die gelassene Art, sich durchzusetzen»

mit Jacqueline Steffen

Oberholzer; Freitag, 7. Oktober

> «Arbeitsrecht: Klare Formulierungen»

mit Claudia Eugster; Montag,

24. Oktober, 13.30 bis 17.30 h

> «Einführung in die Motivationspsychologie»

mit Gabriela Straubinger;

Mittwoch, 26. Oktober

> «Ablagemanagement» mit

Fabienne Simmen; Donnerstag,

27. Oktober, 8.30 bis 12.30 h

> «Lernen mit List und Lust» mit

Monika Bär; Montag, 31. Oktober

und 7. November, 18 bis 20.30 h

> «Mitarbeitergespräche wirksam

und motivierend führen» mit

Beatrix Simmen; Mittwoch und

Donnerstag, 2. und 3. November

> «Selbstmanagement» mit

Gabriela Straubinger;

Freitag, 4. November

> «Verschiedene Generationen im

Team» mit Daniel Schweizer;

Dienstag, 8. November

> «Erfolgreich führen» mit Verena

Portmann; Donnerstag und

Freitag, 10. und 11. November

Öffentliche Veranstaltung

«Was ist Stellwerk 8?»: Rekrutierung

von Lernenden mit Stellwerk 8

– Chancen und Grenzen, Referat

und Diskussion mit Madeleine Wolf,

Projektleiterin. Die Referentin informiert

über die Chancen und Grenzen

des Stellwerk-Tests, Lehrpersonen

und Jugendliche berichten über

ihre persönlichen Erfahrungen. Wie

unterscheidet sich Stellwerk 8 von

Zeugnisnoten und anderen Tests?

Montag, 31. Oktober, 18.30 h,

Verbandshaus Kaufleuten, Talacker

34, 8001 Zürich, Aula. Anmeldung

an KV Zürich.

FrauenNetz – öffentliche Veranstaltung

«Herbstapéro»: Engagierte Frauen

leben länger – und wissen wovon.

Einem finanziellen Handlungsbedarf

auf der einen Seite steht jedoch

eine Vielzahl an Handlungsmöglichkeiten

auf der anderen

Seite gegenüber. Auch die letzten

Jahre vor der Pensionierung bieten

vielfältige Gelegenheiten, die eigenen

Finanzen zu optimieren. Claudia

Kosarnig, Spezialistin der Zürcher

Kantonalbank, beleuchtet alle


Aspekte. Montag, 18. Oktober,

18.30 bis 21 h, Kaufleutensaal,

Pelikanplatz, Zürich.

Anmeldung bis 4. Oktober an: KV

Zürich, Iris Ichsanov, Telefon 044

211 33 22 oder E-Mail: info@kvz.ch.

Der Anlass ist kostenlos.

Cercle Français

Toute personne intéressée à améliorer

ou à entretenir «son français»

est bienvenue dans notre cercle.

Chaque mercredi 18.45 bis 20 h,

KVZ, Kurierstube, Talackerstrasse

34, 8001 Zurich. Contact: hugo.

schnurrenberger@tele2.ch, ou Erika

Salzmann 044 462 16 74, erika.salzmann@gmx.ch

ladies’ english Club

All meetings will be held on

Mondays at 6.45 p.m. in the Kurierstube,

First Floor, Talacker 34,

Kaufleuten Building, 8001 Zürich.

Erika Weibel, Phone 044 362 96 13,

www.raccourci.ch/ladies.

Guests are welcome.

Programme October

3 – Guest speaker

10 – Recession and depression

17 – Vocabulary and spelling

24 – This and That

31 – NB Start 19h, «Anne» Part 1

Men’s english Club

Meetings held tuesdays at 7 pm unless

otherwise indicated. Meeting

Place: Talacker 54 (First Floor) –

Kaufleuten Building – 8001 Zürich.

Guests are most welcome.

Web page: http://mec.ch.to

Programme October

4 – Astronomy part 2

11 – 18 Holidays

25 – Castle Siege craft and Defence

Veteranen- und Senioren-

Vereinigung, KVz

Klubnachmittag: Vortrag «Galapagos»,

mit Bildern und Referat von

Claudia Poznik, Zoo Zürich. Montag,

24. Oktober , 14.30 Uhr im Kaufleutensaal.

Bitte anmelden.

context 9 – 2011

reGioN züriCh-lANd –

SChAFFhAuSeN

KV SChAFFhAuSeN

telefon 052 630 78 78

Fax 052 630 78 77

info@kv-sh.ch

www.kv-sh.ch

tagesseminare

> «Mental- und Intuitionstraining

(6. Sinn)» mit Thomas Frei,

Geschäftsführer TRIASPower

Seminare, Mental- und Intuitionstrainer;

Mittwoch, 26. Oktober

> «Selfmarketing – die Persönlichkeit

als Marke» mit Vera Class-

Bachmann, Kommunikationsleiterin,

Ausbildnerin;

Dienstag, 1. November

> «Effiziente Protokollführung» mit

Daniel L. Ambühl, Praxis für Unternehmenskommunikation;

Dienstag, 8. November

> «Empfängerorientierte Kommunikation»

mit Rolf Trechsel, Inhaber

Trechsel Kommunikation;

Donnerstag, 17. November

> «Die gelassene Art sich durchzusetzen»

mit Ida Stalder, Kommunikations-Trainerin,

Mediatorin;

Dienstag, 22. November

Sprachkurse und Seminare

Angebote auf der Homepage

iGKG Sh - interessengemeinschaft

kaufmännische Grundbildung

«Update für KV-Lehrmeister und

Ausbildungsbeauftragte»;

Mittwoch, 5. Oktober, 8 bis 17 h

Frauennetz

«Garderobencheck – die Grundgarderobe

mit 3 Basisgarderoben»:

Donnerstag, 17. November

Senioren Club Kaufleute

«Besuch der Schiffswerft URH»:

November (Datum folgt)

KV WiNterthur

telefon 052 269 09 09

Fax 052 269 09 08

info@kv-winterthur.ch

www.kv-winterthur.ch

reka-Guthaben

Zur Erinnerung. Reka-Guthaben

können nicht auf das nächste Jahr

PerSoNeN iM KV

Gabriela lenherr, 50, Leiterin Finanzen und Dienste beim KV Schweiz

Was machen Sie für den KV?

Als Leiterin Finanzen bin ich für

den gesamten Finanzbereich verantwortlich,

zu dem die verschiedenen

Buchhaltungsmandate wie

KV Schweiz, die Vorsorgestiftung,

die Bildungs- und Sozialfonds sowie

die verschiedenen Prüfungsträgervereine

gehören. Ich stelle

zum Beispiel für die Geschäftslei-

«Ich bin gerne in der Natur, täglich gehe ich mit

meinem Hund spazieren.»

tung und den Zentralvorstand des

KV Schweiz regelmässig verschiedene

Reportings wie Liquiditätsplanung,

Budgetplanung

und -vergleiche, Vollkostenrechnung

und Quartalsreportings

usw. zur Verfügung. Den Stiftungsrat

der Vorsorgestiftung unterstütze

ich in der Anlagestrategie.

Ebenfalls vertrete ich den KV

Schweiz bei der REKA als Mitglied

des Geschäftsleitenden Ausschusses

und als Mitglied der

Verwaltung. Im Bereich Dienste

bin ich verantwortlich für alle internen

Dienstleistungen, die von

meinem Team in der IT, der Spedition,

dem Empfang und der Cafeteria

geleistet werden.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Tätigkeit

am besten?

Die Vielfältigkeit schätze ich sehr.

Ich erbringe Dienstleistungen für

interne und externe Kundinnen

und Kunden und pflege so natürlich

auch den Kontakt mit ihnen.

Viel Freude bereitet mir mein gemischtes

Team, das reicht vom IT-

Verantwortlichen über die Buchhalterin

bis zum Spediteur. Auch

gefällt mir, dass ich mit der Ge-

schäftsleitung neue Perspektiven

erarbeiten und umsetzen kann.

Was haben Sie vorher gemacht?

Ich war in der Privatwirtschaft tätig.

Ich arbeitete unter anderem

für ein Medienunternehmen, für

eine Filmproduktionsfirma und im

Eventmanagementbereich – stets

im Finanzbereich. Von daher

kommt meine Hochhaltung ge-

genüber der Dienstleistung. Das

Interesse an der Buchhaltung

wurde in mir an meiner ersten

Stelle in einem Treuhandbüro geweckt.

Zuvor machte ich eine KV-

Lehre auf der Zürcher Kantonalbank

in Oerlikon.

Was ist Ihnen im Leben sonst

noch wichtig?

Meine Familie, mein Mann und

meine Geschwister mit ihren Familien.

Wichtig sind mir auch die

Beziehungen zu Freunden. Gerne

bin ich in der Natur, das drängt

sich fast auf, weil ich täglich mit

meinem Hund spazieren gehe.

Zürich und Umgebung bieten

dazu viele schöne Möglichkeiten.

Auf Reisen zieht es mich vor allem

nach Südost-Asien. Aber ich bin

auch gerne zu Hause und lade oft

Gäste ein. Sie werden von meinem

Mann kulinarisch verwöhnt:

Er kocht – ich kümmere mich um

den Einkauf und die Finanzen.

Über wen im Verband möchten

Sie mehr wissen?

Beatrice Hasse, Sekretariat, KV

Baselland

Sie wird in der nächsten Ausgabe vorgestellt

(die Red.).

43


44

SeKtioNeN iMPreSSuM

übertragen werden. Bis am 23. Dezember

nicht bezogene Guthaben

verfallen ausnahmslos.

Seminare

> «Personalvorsorge und BVG» mit

Bruno Ern; Montag 3. und

Dienstag 4. Oktober

> «Marketing leicht gemacht –

Grundlagen für die Praxis» mit

Barbara Honegger;

Mittwoch 26. Oktober

> «Professionell telefonieren – ein

Erfolgsfaktor» mit Jürg Sutter;

Montag 31. Oktober

> «Erfolgreich führen» mit Verena

Portmann; Donnerstag,

10. und Freitag, 11. November

> «Effiziente Protokollführung» mit

Daniel L. Ambühl;

Donnerstag, 17. November

Berufsbildner

Nächster Kurs für Berufsbildner in

Winterthur ab 8. November, Details

unter: www.kv-winterthur.ch/

Bildung

frauenNetz

«Wechseljahre»: Das Leben ändert

sich. Eine natürliche Phase im Leben

einer Frau. Mit Chefarzt Dr. Thomas

Hess, Mittwoch, 26. Oktober, 19 h,

Aula, KSW (Kantonsspital Winterthur).

Anmeldung erforderlich.

KV BilduNGSGruPPe

SChWeiz AG

telefon 079 388 53 40

peter.rueegger@kvbildung.ch

www.kvbildung.ch

Facebook: KV Bildungsgruppe

Schweiz

Standorte

Aarau, Baden, Basel, Bern, Luzern,

Winterthur, Zürich.

Aktuelle Angebote

> Aarau: Mit dem Einführungsseminar

«start-up» erhalten Teilnehmende

der Rechnungswesen-Lehrgänge

an der Handelsschule KV

Aarau optimale Unterstützung für

den Kursstart – und das gratis!

Nächster Infoabend:

Mittwoch, 2. November

> Baden: Lehrgänge; «Informatik-

Anwender I SIZ» und «Informatik-

context 9 – 2011

Anwender II SIZ» am zB. Zentrum

Bildung – Wirtschaftsschule KV

Baden sind modular aufgebaut

und führen zu SIZ-Diplomen. Beginn:

19., 20. und 22. Oktober

> Basel: «BULATS Business Language

Testing Service» ist ein Sprachtestverfahren,

welches die

Sprachfähigkeiten prüft und ein

präzises Sprachprofil erstellt. Für

Firmen der effizienteste Weg,

Fremdsprachenkenntnisse von

Mitarbeitenden und Bewerbern zu

testen. Privatpersonen lassen

damit ihre Sprachkenntnisse beurteilen.

Jetzt an der Handelsschule

KV Basel.

> Bern: Die drei grössten Kaderschulen

des Kantons Bern (Bern,

Biel und Thun) arbeiten im Verbund

hfwbern.ch zusammen. Diese

drei Kaderschulen haben den

gemeinsamen Träger hfwbern.ch

und organisieren zusammen das

anspruchsvolle HFW-Studium.

> luzern: Das Institut für Weiterbildung

IWB bietet — wie auch alle

anderen Standorte der KV Bildungsgruppe

Schweiz – die gesamtschweizerisch

anerkannten

Lehrgänge von edupool.ch an.

> Winterthur: Informationsveranstaltung

zu eidg. Fachausweisen,

Sachbearbeiterlehrgängen, Informatikangeboten.

Mittwoch, 2. November, Wirtschaftsschule

KV Winterthur.

> zürich: Die KV Zürich Business

School ist mit ihrem grossen Angebot

in drei Akademien gegliedert:

Führung, Wirtschaft und

Sprachen. Laufend werden neue

Angebote entwickelt.

SiB SChWeizeriSCheS

iNStitut Für BetrieBS-

ÖKoNoMie

telefon 043 322 26 66

Fax 043 322 26 51

info@sib.ch

www.sib.ch

Öffentliche Seminare

jeweils von 9 bis 16.45 h

> «Professionell präsentieren» mit

Christoph Brügger; Mittwoch, 26.

Oktober

> «Energize your Life!» mit Patrik

Meier; Donnerstag, 27. Oktober

> «Officemanagement» mit Matthias

Frey; Dienstags, 1. und 15. November

> «Perfekter Kundendienst am

Telefon» mit Jacqueline Steffen;

Mittwoch, 2. November

> «Arbeitszeugnisse schreiben» mit

Helena I. Schmidhauser;

Donnerstag, 3. November

> «Personalgewinnung und Interviewtechnik»

mit Viola Christen;

Donnerstag, 3. November

> «Finanzcockpit – Finanzielle Führung»

mit Hanspeter Frischknecht;

Dienstag, 8. November

> «Grundlagen strategische Führung»

mit Pascal Stocker;

Mittwoch und Donnerstag, 9. und

10. November

infoveranstaltungen

Beginn jeweils um 18 h

> «Dipl. Business Engineer NDS

HF»; Mittwoch, 5. Oktober

> «Dipl. Qualitätsmanager/in NDS

HF»; Montag, 14. November

> «Dipl. Marketingmanager/in HF»;

Dienstag, 15. November

> «Dipl. Leiter/in Finanzen & Dienste

NDS HF»; Mittwoch, 16. November

> «Dipl. Personalleiter/in NDS HF»;

Mittwoch, 16. November

> «Dipl. Controller/in NDS HF»;

Donnerstag, 17. November

> «Dipl. Betriebswirtschafter/in

HF»; Donnerstag, 17. November

> «Dipl. Schulverwaltungsleiter/in

SIB/VPZS»;

Dienstag, 29. November

Studiengänge

> «Management Diplom SIB»;

Beginn März 2012

> «Dipl. Leiter/in Finanzen & Dienste

NDS HF»; Beginn April 2012

> «Dipl. Betriebswirtschafter/in

HF»; Beginn April 2012

> «Dipl. Marketingmanager/in HF»;

Beginn April 2012

> «Dipl. Schulverwaltungsleiter/in

SIB/VPZS»; Beginn Mai 2012

> «Dipl. Personalleiter/in NDS HF»;

Beginn August 2012

KV-Mitglieder erhalten eine

ermässigung!

Nr.9 – September 2011

iSSN 1424-5345

herausgeber

KV Schweiz

Telefon 044 283 45 45

www.kvschweiz.ch

Verlagsleitung

Ingo Boltshauser (ibo),

ingo.boltshauser@kvschweiz.ch

redaktion

Therese Jäggi (tj)

therese.jaeggi@kvschweiz.ch

Andrea Mašek (ajm)

andrea.masek@kvschweiz.ch

Rolf Murbach (mur)

rolf.murbach@kvschweiz.ch

Maja Sommerhalder (som)

maja.sommerhalder@kvschweiz.ch

redaktionsadresse

Kaufmännischer Verband Schweiz

Context

Hans-Huber-Strasse 4

Postfach 1853, 8027 Zürich

Telefon 044 283 45 33

context@kvschweiz.ch

www.context.ch

Sekretariat: Andrea Stoop

Bildnachweise

Titelbild: Caro/Kaiser/Keystone; S. 8: Context-

Archiv/Priska Ketterer; S. 19: Tanoshism/

iStockphoto; S. 21: PHOTO RESEARCHERS/David

R. Frazier Photolibrary, I/Keystone; S. 23: zvg.;

S. 28: www.seelisberg.com; S. 32: iStockphoto;

S. 33/40/43: zvg.

Adressänderungen

KV Schweiz

Mitgliederadministration

Telefon 044 283 45 30

mitgliederadmin@kvschweiz.ch

oder im Mitgliederbereich:

www.kvschweiz.ch/login

erscheinungsweise

Monatlich (11 Ausgaben)

115. Jahrgang

Auflage: 46 545 Exemplare

(WEMF-beglaubigt 2010)

Abonnemente

12 Monate CHF 48.–

Anzeigen

Creative Media GmbH

Zürichstrasse 135

8910 Affoltern am Albis ZH

Telefon 043 322 60 30

context@c-media.ch

druckerei

Vogt-Schild Druck AG

4552 Derendingen

Konzeption, layout, druckvorstufe

Partner & Partner AG

8400 Winterthur

www.partner-partner.com

Context bekennt sich zum «Code of Conduct»

der Schweizer Presse. Werbung und

redaktioneller Teil sind klar getrennt.

Context wurde vom Verband

SCHWEIZER PRESSE für das Jahr

2010 mit dem Gütesiegel

«Q-Publikation» ausgezeichnet.


äTSel

Berg

context 9 – 2011

Tal

Sennen mit Stil

Fluss Stadt

See

Dorf

Region

Pass

Vielleicht wissen Sie noch nicht, wohin Ihr nächster Ausflug

führen soll. Wir hätten da einen interessanten Tipp. Wohin es geht,

müssen Sie allerdings selber herausfinden. Wenn Sie uns die

Lösung schicken, nehmen Sie an der Verlosung von drei Tageskarten

der SBB (gültig mit Halbtax) im Wert von CHF 64.– teil.

Ein letzter heisser Tag war angekündigt.

Und dank dem Föhn sollte das Wetter bis

am Abend halten. Gerade richtig, um eine

Tour zu unternehmen, die weitgehend im

Schatten verläuft – wenn man früh dran

ist – und in deren Verlauf man an drei

Seen vorbeikommt.

Der Föhn macht sich schon am Morgen

so heftig bemerkbar, dass der Zug

nicht bis zuhinterst ins Tal fahren kann.

An der vorletzten Station wartet ein Autobus,

der uns an den Ausgangspunkt der

Wanderung bringt. Der Chauffeur erklärt

den verblüfften Passagieren, dass der

Zug – ’s Zögli – wegen dem Föhn bereits

zweimal innert kurzer Zeit entgleist sei.

Nun habe die Versicherung mitgeteilt,

dass sie ein drittes Mal nicht mehr bezahle.

Deshalb wird der Bahnbetrieb eingestellt,

sobald die Windstärke über 70 Kilometer

pro Stunde liegt.

Die erste Höhenstufe erreichen wir

nach gut zwei Stunden. Der Weg verläuft

langsam einer Felswand entlang ansteigend.

Rechts fällt der Hang steil ab. In der

Tiefe liegt ein in allen Blautönen glänzender

Alpsee. Am Ufer befinden sich zwei

Gasthäuser. Die Gartenstühle sind noch

unbesetzt und bilden ein Feld von orangefarbenen

Punkten. Die Alp ist auf einer

grünen Terrasse inmitten von steil aufragenden

Felsen gelegen. Wir sitzen vor der

Wirtschaft und beobachten, wie die Sennen,

die wir eben noch beim Brunnen

vorne gesehen haben, in den umliegenden

Alphütten verschwinden und kurz nachher

festlich gekleidet in schwarzen Hosen,

weissem Hemd und ledernen Hosenträgern

mit Messingbeschlag wieder ins Freie

treten. Der Grund für diese Verwandlung

wird rasch klar: Heute ist Alpabzug.

Die Wirtin informiert die anwesenden

Gäste, dass die Bergbahnen wegen

des Föhns in der ganzen Region den Betrieb

eingestellt haben. Uns kann das egal

sein. Wir gehen zu Fuss weiter, überqueren

mit dem auf 1856 Metern gelegenen

Sattel den höchsten Punkt der Wanderung

und kommen kurz unterhalb nochmals

zu einer kleinen Alpwirtschaft. Hier

kostet eine Übernachtung mit Nachtessen

und Frühstück 35 Franken. «Ja, wir

haben moderate Preise», sagt die Sennerin

und stellt uns ein Bananenfrappé hin.

Und sie erzählt von Erlebnissen mit Gästen

dieses Sommers, zum Beispiel von Ge-

3 SBB-Tageskarten

zu gewinnen!

schäftsleuten aus Dubai, die kürzlich hier

waren und ganz besonders begeistert gewesen

seien von der Tatsache, dass alles

an dieser Landschaft echt ist.

Wir gehen weiter bergab, überwinden

dann eine Gegensteigung und gelangen

an den zweiten See, der sich jetzt, wo sich

die Wolken zusammenziehen, in dunklem

Grün präsentiert. Im letzten Teil der

insgesamt sechsstündigen Wanderung

läuft das Gehen wie von selbst. Der Föhn

liegt uns im Rücken und trägt uns – am

dritten See vorbei – schwebend ins Tal. tj

Wie heissen die drei Seen?

Schicken, faxen oder mailen Sie die

lösungswörter bis spätestens 17.10.2011 an:

Redaktion Context

Postfach 1853, 8027 Zürich

Fax 044 201 50 95

raetsel@kvschweiz.ch

Gewinner des letzten Georätsels (eine Übernachtung

für zwei Personen):

Roland Ott, Küsnacht

lösungswort Nr. 8: Stöcklichrüz

45


46

cartoon

context 9 – 2011


Mitgliedertipp

ERHOLUNG ZU ENTSPANNTEN PREISEN

Persönliche Atmosphäre, Gemeinschaftssinn und Familienfreundlichkeit

gehören zu den Werten des Ferienvereins. Die

Mittelklassehotels bieten vielseitige Badelandschaften mit

Solbad 33° C und eine regionale Küche. Beim Ferienverein

sind alle Interessenten willkommen – es wird keine Mitgliedschaft

vorausgesetzt. Sie kennen uns von früher? Es gibt die

Ferienverein-Hotels noch immer, und zwar in neuem Glanz!

Der Ferienverein steht für qualitativ

hochstehende Ferien zu erstaunlich

günstigen Preisen. Dazu betreibt

die Gruppe vier eigene Hotels in der

Schweiz und zwei grosse Ferienanlagen

sowie einen Campingplatz im

Mittelmeerraum.

Was in anderen Mittelklassehotels

nicht zu finden ist, gehört beim Ferienverein

zum Standard: Eine Welt

der Erholung mit Solbad 33° C, Unterwassermassagen,

Sprudelliegen,

Wildwasserkanal, Aussenbad, Fitnessraum

und Ruheraum. Was gibt

es Schöneres, als sich nach einem

aktiven Tag in der Natur im warmen

Salzwasser zu entspannen?

Da sich Ferien bestens eignen um

sich vertieft mit einem Thema auseinanderzusetzen,

organisieren die

Ferienverein-Hotels zahlreiche Aktivitäten

und Kurse wie den «Langlaufhit»,

«Skikurs für Junggebliebene»

oder die «Engadiner Schneekristallwoche».

Hotel Valaisia, Crans-Montana

Das Hotel hat viele Pluspunkte zu

bieten: allen voran die sehr zentrale

und doch ruhige Lage und die

Aussicht auf die Walliser Bergwelt.

Der Hotelbus führt die Gäste zu den

Bergbahnen Crans-Cry d’Er und Les

Violettes. Crans-Montana gehört übrigens

zu den erstklassigen Orten

zum Golfen.

Hotel Victoria-Lauberhorn, Wengen

Auf der sonnigen Hotelterrasse neben

dem duftenden Rosengarten

treffen sich Bergfreunde aus aller

Welt. Das aus dem Jahre 1897 stammende

Haus liegt am Fusse des landschaftlich

einzigartigen Dreigestirns

Eiger, Mönch und Jungfrau.

Hotel Altein, Arosa

Hier wird es nie langweilig! Dank der

Arosa Card geniessen die Gäste im

Sommer und Herbst freie Fahrten mit

den Bergbahnen Arosa-Weisshorn,

dem Hörnli-Express und Booten auf

dem Obersee sowie Gratiseintritte in

die Eissporthalle, den Seilpark und

das Strandbad Untersee.

Zudem überzeugt das Hotel mit einem

erstklassigen Kinder- und Jugendprogramm:

Vom 3. bis am 14.

Oktober sorgen begleitete Besuche

im Seilpark, gemeinsame Tretroller-

Fahrten, Tennisturniere, Bowling- und

Barbecue-Abende für Unterhaltung.

Hotel Schweizerhof, Sils-Maria

Ab zwei Übernachtungen profitieren

die Gäste von der freien Fahrt mit allen

Bergbahnen im Oberengadin. Sie

reisen ausserdem kostenlos mit den

öffentlichen Verkehrsmitteln sowie

mit dem Postauto Bergell bis nach

Chiavenna, Italien. Besucher aus aller

Welt und die Einheimischen bezeichnen

Sils-Maria nicht ohne Stolz

als Energie- und Kraftort.

Club-Hotel Tirreno, Sardinien

Die zwölf Kilometer von Orosei

entfernte Ferienanlage liegt in un-

mittelbarer Nähe der Sandstrand-

bucht Cala Liberotto, wo das kristall-

klare Meer wartet. Das Hotel

trumpft mit einer grosszügig ge-

stalteten Badelandschaft und sechs

Tennisplätzen auf.

Club-Hotel Giverola, Costa Brava

Das Club-Hotel Giverola befindet sich

direkt an der Badebucht, fünf Kilometer

von Tossa de Mar entfernt. Es

besticht mit der familienfreundlichen

Stimmung, der überdurchschnitt lich

vielseitigen Sportinfrastruktur und

den abwechslungsreichen Aktivitäten.

Camping Pola, Costa Brava

Der schöne Campingplatz liegt inmitten

eines geschützten Pinien- und

Korkeichenmischwaldes an der eigenen

Badebucht neben dem Club-

Hotel Giverola. Umgeben von grünen

Hügeln, verfügt er über alle notwendigen

Annehmlichkeiten.

Exklusives Angebot Hotel Altein

Geniessen Sie die Altjahrswoche in

festlicher Atmosphäre zum Vorteilspreis.

CHF 590.– statt CHF 1 075.– p.P.

Sie sparen 45 % !

Fünf Übernachtungen vom 26.12. –

31.12.2011 im Doppelzimmer ohne

Balkon, Halbpension, Eintritt in

Wellnessanlage mit Solbad 33° C

www.hotel-altein.ch

www.ferienverein.ch


Mit einem Prämien sparen.

Gut, sind Sie Mitglied des KV Schweiz. Sie profitieren so von mehr als 25 % Prämienrabatt

bei den Zusatzversicherungen und einer persönlichen Beratung bei der

führenden Online-Krankenkasse KPT. Einfach eine Offerte bestellen: 058 310 98 70

oder www.kvschweiz.kpt.ch

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine