Nr. 9 / September 2011 - Wirtschaftskrise (PDF, 2441 kb - KV Schweiz

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Nr. 9 / September 2011 - Wirtschaftskrise (PDF, 2441 kb - KV Schweiz

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Politik und Wirtschaft

Authentisch müssen sie sein

context 9 – 2011

Umfrage. Im Oktober finden die Parlamentswahlen statt. Soziale Politiker/innen,

die sich fürs Volk und die Umwelt einsetzen, haben die grössten Chancen.

Von Andrea Mašek

Von Plakaten strahlen sie auf die

Wählerinnen und Wähler herab, die

Kandidierenden für den National- und

Ständerat. Mit markigen Zitaten und

Slogans versuchen sie, Stimmen für sich

zu gewinnen. Ob sich das Volk davon

beeindrucken respektive beeinflussen

lässt?

Mit einem Lächeln und einem flotten

Spruch ist es nicht getan. Aus einer nicht

repräsentativen Umfrage von Context in

verschiedenen Kantonen geht hervor,

dass die Wahlberechtigten die Kandidierenden,

ihre Persönlichkeit, ihre Taten,

Ansichten und Ziele genau anschauen.

Gleichzeitig haben sie hohe Erwartungen.

Einsatz für Werktätige

Kandidierende müssen Respekt haben,

Respekt gegenüber den Mitmenschen

und der Natur. Dies fordert eine Mehrheit

der Befragten. «Ich erwarte, dass sich ein

Volksvertreter für das Volk einsetzt, oder

zumindest für den Teil, der ihn gewählt

hat», sagt Alain Jordi. Er hat den Eindruck,

dass sich vor allem bürgerliche Politiker

sehr stark an einer finanzkräftigen Lobby

und/oder an Grossunternehmen orientieren.

Dabei hätten vor allem Invalide, Arbeitslose,

Familien, alte Menschen und

Personen, die materiell schlechter gestellt

sind oder schlecht ausgebildet sind, Un-

Ihr Ergonomie-Fachgeschäft

terstützung nötig, meint Jordi. Er wählt

also Personen, die Bedingungen kreieren,

in denen Stellen geschaffen werden können

– Jobs für alle.

Für Markus Vogt ist der Einsatz für die

Werktätigen ebenfalls wichtig. Er denkt

dabei an AHV, ALV, allgemeine Arbeitsbedingungen

usw. Seine Wunschkandidaten

müssen überhaupt eine soziale Einstellung

haben. Schnell einmal fällt bei

den Befragten auch das Stichwort Krankenkassen.

Ob Einheitskrankenkasse

oder nicht, darüber gehen die Meinungen

auseinander. Einig ist man sich aber, dass

die Prämien nicht weiter steigen sollten.

Gegen Atomstrom

Die Umwelt respektive der Umweltschutz

liegen allen Befragten am Herzen. In diesem

Bereich müssen sich die Kandidierenden

beweisen können. «Leute, die ich

wähle, müssen eine Energiepolitik betreiben,

die ohne Atomstrom auskommt»,

sagt Markus Vogt. Damit steht er nicht alleine.

Wobei es sonst eher Frauen sind, die

dieses Kriterium nennen.

Wer keine weitere Zersiedelung der

Schweiz zulässt, den Schwerverkehr auf

die Schiene verlagern hilft, sich gegen

40-Tönner einsetzt und den öffentlichen

Verkehr (ÖV) unterstützt, erhält Stimmen.

Wobei sich die Befragten zum ÖV verunsichert

äussern: Frauen zeigen sich beunruhigt

über die steigenden Preise, Männer

fragen sich, wer den Ausbau des ÖV

bezahlen soll.

Für gerechte Steuern

Das Thema Finanzen und Wirtschaftspolitik

wird von allen Befragten auf die eine

oder andere Weise aufgegriffen. Alle sind

sie gegen unethische Managerlöhne. Einige

halten zudem Ausschau nach Kandidierenden,

die nicht unbedingt für ein

stetiges Wirtschaftswachstum plädieren.

Sie haben ihre Zweifel, ob dieses gut für

Mensch und Umwelt ist.

Dass manche Parteien gewisse eh

schon privilegierte Leute und Unternehmen

bevorzugt behandeln, stösst Markus

Vogt sauer auf. Er wählt deshalb jene Kandidierenden,

die eine vernünftige und gerechte

Steuerpolitik betreiben. Dies ist

auch den meisten anderen Befragten

wichtig.

Bildung ist ein weiterer Bereich, bei

dem die Kandidierenden punkten sollten.

Das Thema Schulreformen beschäftigt

die Befragten, wobei es ein heisses Pflaster

zu sein scheint, an dem man sich eigentlich

nur verbrennen kann.

Keine leeren Versprechungen

Im Weiteren haben die Befragten sehr individuelle

Erwartungen an die Bundesparlamentarierinnen

und -parlamentarier.

Dies reicht vom Einsatz für die

Anliegen der Region, in der man wohnt,

über den Kampf gegen Hooliganismus bis

zum Verbieten von Tabak- und Alkoholwerbung.

Die einen wählen keine Bürokraten,

dafür Saubermänner, die gegen

Littering vorgehen. Die anderen stimmen

für jene Politikerinnen und Politiker, die

einheitliche Spitex- und Pflegetarife in Altersheimen

befürworten.

Für Roland Walter ist wiederum ein

anderes Thema sehr wichtig. Er wird Leute

wählen, die nicht nur «von einer Erhöhung

der Sicherheit sprechen, sondern

auch aktiv diesbezüglich etwas unternehmen».

Zum Beispiel das Personal in den

kantonalen Polizeistellen aufstocken.

«Das Thema hört man in jedem Wahlkampf,

nur bei der Umsetzung und der

entsprechenden Finanzierung hapert es

dann gewaltig.»

Er spricht dabei etwas an, das auch

alle anderen Befragten betonen: Nur wer

die an ihn oder sie gestellten Erwartungen

vertritt und erfüllt, wer Fakten und

nicht nur Worte respektive leere Versprechungen

vorweisen kann, wird gewählt.

Authentisch müssen die Politikerinnen

und Politiker sein.

www.sitz.ch Andrea Mašek ist Context-Redaktorin.

andrea.masek@kvschweiz.ch

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