Arbeit Global (PDF, 4108 - KV Schweiz

kvschweiz.ch

Arbeit Global (PDF, 4108 - KV Schweiz

Vorsorge

Die Pensionskassen leiden

unter tiefen Zinsen

Das Magazin für Bildung und Beruf

Arbeit global

Viele Menschen arbeiten unter

unwürdigen Bedingungen

Bruno Nett

Der Berufsinspektor über

Probleme in der Lehre

25. 10. 2010

Heft 10


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Editorial

Im letzen Jahr haben wir zusammen mit

unseren Nachbarn einen Quittenbaum

gepflanzt. Die Idee war klar: Der Baum

soll mittelfristig Schatten spenden und

mit den Früchten möchten wir Konfitüre

herstellen, die uns im Winterhalbjahr erfreuen

soll. Ohne es zu merken tun wir etwas,

das in früheren Generationen selbstverständlich

war: Wir produzieren einen

Teil unserer Nahrungsmittel selber.

Unsere Konsumrealität sieht aber anders

aus. Ein grosser Teil der Nahrungsmittel

und der grösste Teil der Kleider

werden weit weg produziert. Unter welchen

Bedingungen, ist meist nicht klar.

Wir geniessen das breite und vielfältige

Angebot und freuen uns über tiefe Preise.

Diese aber haben gleich mehrere

Kehrseiten. Die Arbeitsbedingungen der

Arbeiterinnen und Arbeiter sind manchenorts

prekär. Es kann häufig nicht ausgeschlossen

werden, dass Produkte durch

Kinderarbeit und unter menschenunwürdigen

Bedingungen hergestellt wurden.

Und viele Güter haben unwahrscheinlich

lange Transportwege hinter sich.

Der KV Schweiz setzt sich für gute Arbeitsbedingungen

in der Schweiz ein. Der

Artikel «Arbeit ist eine Zitterpartie» (Seite

18) zeigt, dass wir als Konsumenten in der

Schweiz einen Beitrag zu den Arbeitsbedingungen

im Ausland leisten können.

Immer mehr Menschen orientieren sich

an Labels wie z. B. Max Havelaar. Auch

ich versuche, meinen Konsum nach ethischen

Kriterien auszurichten. Aber kritische

Konsument/innen allein können

das Problem wohl nicht aus der Welt

schaffen. Unsere globale Wirtschaft ist so

vernetzt, dass wir oft beim besten Willen

nicht herausfinden können, unter welchen

Bedingungen ein Produkt zustande

kam.

Peter Kyburz – Generalsekretär des KV Schweiz

peter.kyburz@kvschweiz.ch

context 10 – 2010

Inhalt

Im Büro Kairo, Ägypten 5

Unbürokratisch 6

Leserbriefe, KV in den Medien, Webrating 7

Politik und Wirtschaft 10

Auftakt IV-Revision/Lohnverhandlungen Coop/Berufsbildungsgesetz

Kolumne Von Mario Fehr 11

Zweite Säule Niedrige Zinsen bringen Kassen in Not 12

Monatsinterview Bruno Nett über gute und schlechte Lehrbetriebe 14

Dossier: Arbeit global 18

Arbeit ist eine Zitterpartie

Jeder zweite Arbeitsplatz ist prekär

Schauplatz Büroarbeit in Hongkong 22

Übersicht Die wichtigsten Handelspartner der Schweiz 26

Beruf und Bildung 28

Auftakt Lohngespräch/Buchtipp/Ausstellung/Büroding

Kolumne Von Astrid van der Haegen 29

Social Media Wie Unternehmen mit Kunden in Kontakt treten 30

Gesundheitsförderung Betriebliches Engagement für Ältere 32

Leben Carol Franklin, Unternehmerin 34

Ratgeber Büroalltag, Bildung, Recht, Gesundheit 38

KV Aktuell/Sektionen Veranstaltungen und Informationen/Personen im KV 40

Impressum 44

Rätsel SBB-Tageskarten zu gewinnen 45

Cartoon Von Ruedi Widmer 46

Arbeit global – Unser Dossier beleuchtet die Beschäftigungsbedingungen weltweit.

Titelbild: Spielzeugfabrik in Schanghai, China.


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…und eine grosse Auswahl an Weiterbildungsseminaren


Im Büro

Kairo, Ägypten

muhammad Yousri arbeitet als Koordinator

für Video Cairo Sat, eine private TV-

Produktionsfirma.

Interview / Fotos Jürgen Stryjak

Hatten Sie als Kind einen Traumberuf?

Ich wollte Schriftsteller werden.

Welchen Beruf übten Ihr Vater und Ihre

Mutter aus?

Meine Mutter hörte auf zu arbeiten,

nachdem sie ihr drittes Kind bekam. Vorher

war sie Sozialarbeiterin. Mein Vater

leitete ein Versicherungsunternehmen.

Was arbeiten Sie?

Ich koordiniere die Produktion von

gesellschaftspolitischen Filmdokumentationen.

Ich stimme alles mit den Auftraggebern

ab, zum Beispiel mit der

Unesco, und beauftrage weitere Firmen.

Meine Aufgabe ist es, die gesamte Kooperation

zu verwalten, auch hausintern,

etwa mit unserer Rechnungsabteilung,

den Kameraleuten, der Technikabteilung.

Welche Ausbildung haben Sie?

Ich besitze einen Hochschulabschluss

in Englischer und Vergleichender Literatur.

Meine Nebenfächer waren Ökonomie

und Philosophie.

Welche Dienstleistung bietet Ihre Firma?

Video Cairo Sat ist eine private TV-

Produktionsfirma. Wir produzieren Filme

für Nichtregierungsorganisationen aus

dem In- und Ausland. Auch internationale

TV-Sender, die in Ägypten drehen

wollen, kooperieren mit uns.

Wie lange brauchen Sie von Ihrem

Wohn- zu Ihrem Arbeitsort?

Kürzlich habe ich geheiratet und wir

zogen an den Stadtrand nach New Cairo.

Von dort brauche ich rund eine Stunde.

Welche Qualitäten sind in Ihrem Beruf

gefragt?

Man muss dem Kunden sehr genau

zuhören und Lösungen nach seinen Wünschen

entwickeln. Das erfordert Kommunikationsfreude

und vor allem Geschwin-

context 10 – 2010

digkeit. Auf keinen Fall darf ich die Zeit

des Kunden verschwenden.

Was schätzen Sie an Ihrem Beruf?

Ich mag es, mich mit Themen zu befassen,

die die Gesellschaft betreffen. Indem

wir Informationen über soziale Probleme

bereitstellen, helfen wir, diese zu

lösen.

Woran stören Sie sich?

Dass meine Zeitvorgaben oft nicht

eingehalten werden. Ich arbeite im Team

und muss immer damit rechnen, dass ich

meinen Zeitplan wegwerfen kann.

Wie viele Stunden pro Woche arbeiten Sie?

Im Schnitt 50 Stunden. Ich habe 21

Tage Urlaub im Jahr und versuche, mir die

Ferien so aufzuteilen, dass ich zwei Mal

jährlich einen längeren Urlaub nehmen

kann.

Wie viel verdienen Sie pro Jahr?

120 000 LE (ca. 20 000 Franken). Meine

Hochzeit war teuer, ausserdem haben wir

unsere neue Wohnung bezogen. So

konnte ich anderthalb Jahre lang nichts

sparen, aber jetzt geht das wieder. Wir beschäftigen

eine Haushälterin und einen

Hauswart. Demnächst kriegen wir, so

Gott will, unser erstes Kind. Dann werden

wir fünf Leute sein, die von meinem Einkommen

leben.

Sind Sie gegen Krankheit versichert?

Ja, über meine Firma. Eine Altersvorsorge

habe ich nicht; ich sollte aber ernsthaft

drüber nachdenken, denn die staatliche

Rente reicht nicht.

Was möchten Sie beruflich noch

erreichen?

Ich würde gern eine eigene Firma

gründen, die Unternehmen und Organisationen

bei ihrer Öffentlichkeitsarbeit

berät.

Reden Sie mit Ihrer Frau über die Arbeit?

Ja! Sie interessiert sich für meinen Beruf

und gibt mir manchmal sogar Tipps.

Hin und wieder arbeite ich rund um die

Uhr. Da will sie natürlich wissen, was ich

tue.

Steckbrief Ägypten

Stadt Kairo ist die Hauptstadt

Ägyptens und die grösste Stadt der

arabischen Welt – im Grossraum Kairo

leben zwischen 16 und 25 Millionen

Menschen

Einwohner mindestens 81 Millionen

Arbeitslosenquote offiziell knapp

10 Prozent

Durchschnittseinkommen zwischen

500 und 1000 LE (ägyptische Pfund)

pro Monat (zwischen 85 und 170 Franken).

Ein staatlich angestellter

Lehrer verdient zum Beispiel zwischen

400 und 800 Franken im Monat.

Gewerkschaftlicher organisationsgrad

Es gibt keine verlässlichen Zahlen.

Die Gewerkschaftsszene ist völlig

unübersichtlich. Der Organisationsgrad

ist sehr niedrig, in einigen Branchen

liegt er angeblich bei 10 bis 15

Prozent. Die Egyptian Trade Union

Federation (die einzige des Landes)

behauptet, sie vertrete über 2,5 Millionen

Arbeitnehmer in über 20 Branchengewerkschaften.

Wichtigste Exportartikel Erdgas/Erdöl,

Agrarprodukte wie Kartoffeln und

Gemüse

Steckbrief Person

Name Muhammad Yousri

Alter 33 Jahre

Zivilstand verheiratet

Wohnform Eigentumswohnung im

Mehrfamilienhaus, in dem alle

anderen Bewohner ebenfalls zur

Familie gehören

Wohnort Kairo, im Stadtteil New Cairo

5


6

Unbürokratisch

Imkerin Irma Götsch notiert in ihrem Bienenhaus in Zürich Informationen zu den Bienenvölkern. Foto: Atelier MFM/Ex-Press

context 10 – 2010


Leserbriefe

«Unternehmen, die ihre

älteren Mit arbeitenden nicht

mehr an Weiterbildungen

teilnehmen lassen, berauben

sich ihres Erfahrungswissens.»

context 9 – 2010

«Mein Jahrgang ist nicht gesucht»

Zu wenige Junge folgen in der Schweizer

Arbeitswelt den Älteren nach, wie Therese

Jäggi richtig festgestellt hat. In einigen

Jahren wird es unvermeidlich zu deutlichem

Arbeitskräftemangel kommen. Das

sind demografische Binsenweisheiten.

Besonders bei den nicht-akademisch ausgebildeten

Fachkräften werden Anwerbungen

im Ausland den heimischen

Nachwuchsmangel nicht ausgleichen

können. Die einzige Beschäftigtengruppe,

die noch Potenzial hat, die drohende

Lücke auszugleichen, sind die älteren

Mitarbeitenden. Und damit sind keineswegs

die 50-Jährigen gemeint, sondern

diejenigen im AHV-Alter, die fähig und

gewillt sind, auch nach dem 65. Geburtstag

weiter erwerbstätig zu bleiben.

Solche Unternehmen, die ihre älteren

Mitarbeitenden nicht mehr an Weiterbildungen

teilnehmen lassen, berauben sich

ihres Erfahrungswissens und der Chance,

sie später länger beschäftigen zu können.

Ältere müssen sich allmählich aus

dem Berufsleben zurückziehen können –

durch Teilzeitarbeit, Beratertätigkeit und

neue Aufgaben, die weniger Stress und

Verantwortung mit sich bringen als die

bisherigen. Der Zwang zum schlagartigen

Rückzug mit spätestens 65 Jahren ist ein

Webrating

Müssen arbeitnehmende ständig erreichbar sein?

Ja, die Vermischung

von Arbeit und Freizeit

ist eine Realität: 18 %

Ja, aber nur in Aus -

nahmesituationen: 57 %

Nein, finde ich

nicht richtig: 25 %

context 10 – 2010

Irrweg. Erst recht die massenweisen Frühpensionierungen,

die es aber vor allem in

anderen europäischen Ländern gab. In

der Schweiz arbeiten die Menschen deutlich

länger, beinahe ein Drittel der Männer

auch noch nach dem 65. Geburtstag,

nach dem 70. immer noch gut ein Fünftel.

Unternehmen, die solche Zahlen ignorieren,

können nicht auf Dauer erfolgreich

sein. Älter werden darf nicht bedeuten,

durch Alterslimiten diskriminiert zu werden.

Das steht für die terzStiftung unumstösslich

fest. Wer noch arbeiten will und

objektiv dazu in der Lage ist, der muss die

Chance dazu erhalten.

Dr. Thomas Meyer,

Leiter Wissenschaft, terzStiftung

Context freut sich über Ihren Leserbrief!

Bitte mit Vor-/Nachnamen sowie Wohnort an:

context@kvschweiz.ch, oder an

context, Postfach, 8027 Zürich

Jetzt abstimmen:

www.context.ch

Wird von den kaufmännischen

Lernenden heute

zu viel verlangt?

> Ja, sie tun mir leid.

> Ja, aber das ist eine

gute Vorbereitung

auf die Arbeitswelt.

> Nein, sie jammern

einfach zu viel.

kV in den Medien

Die Angestellten des Kantons Zürich

sollen mindestens 100 Franken mehr

Lohn erhalten. Dies forderten gestern

die Personalverbände. Sie begründen

dies mit der geringen Teuerung

im September. Die Teuerung sei im

vergangenen Monat mit 0,3 Prozent

viel tiefer ausgefallen, als der Regierungsrat

angenommen habe. Dieser

habe im Budget 2011 noch mit einem

Teuerungsverlust von 1,1 Prozent gerechnet.

VPOD Zürich, KV Zürich, SBK

und Syna fordern deshalb eine Reallohnerhöhung

von mindestens 100

Franken für alle.

6.10.2010

Wer keine bösen Überraschungen erleben

will, bereitet sich umfassend

auf das [Lohn-] Gespräch vor, am besten

anhand einer Checkliste. Der KV

Schweiz gibt auf seiner Homepage

nützliche Ratschläge. Und wer sich

auf heikle Fragen von Chefin oder

Chef gefasst macht, lässt sich nicht

so schnell aus der Ruhe bringen.

6.10.2010

Die Lohnvereinbarung ist das Ergebnis

der Verhandlungen zwischen

Coop und den Sozialpartnern KV

Schweiz, Syna/OCST, Unia sowie dem

Verein der Angestellten Coop (VdAC),

die wie stets in einer konstruktiven

Atmosphäre stattgefunden haben.

5.10.2010

Barbara Gisi, Leiterin Angestelltenpolitik

des Kaufmännischen Verbandes

Schweiz, geht ebenfalls in die Offensive:

«Den meisten Banken und Versicherungen

geht es schon wieder sehr

gut. Deshalb fordern wir mindestens

2 bis 3 Prozent. Es gibt durchaus auch

solche, die mehr bezahlen können,

da fordern wir 4 Prozent.»

26.9.2010

7


Ferien in Sicht – neues Partnerangebot für KV-Mitglieder!

Der KV Schweiz und Helvetic Tours/Kuoni: Zwei sichere Werte, die für Vertrauen und

Qualität stehen, gehen auf einen gemeinsamen Weg.

Für den KV Schweiz ist klar: Wer arbeitet,

hat sich eine Auszeit verdient!

Ferien sind wichtig. Ob erholsam oder

erlebnisreich, eine Auseinandersetzung

mit anderen Kulturen oder das

Entdecken von neuen Welten – Abschalten

vom Alltagsstress lohnt sich

in jedem Fall!

Die neue Zusammenarbeit startet

mit einem erstklassigen Angebot:

Alle KV-Mitglieder profitieren von einem

persönlichen Gutschein über

CHF 100.–, welcher dieser Context-

Ausgabe beigelegt ist. Buchen können

Sie als KV-Mitglied alle Angebote von

Helvetic Tours und Kuoni. Der erwähnte

Gutschein wird Ihnen ab jetzt bis

und mit 31. Januar 2011 angerechnet.

Dies auch für Reisen und Ferien, die

erst nach dem 31. Januar 2011 stattfinden.

Der Gutschein ist in jeder Helvetic

Tours-/Kuoni-Filiale und auch bei Online-Buchungen

einlösbar – klicken Sie

auf www.helvetictours.ch/kv. Die verbindlichen

Details und Bedingungen

der Aktion sind auf dem Gutschein

und dem beiliegenden Flyer oder im

Internet vermerkt.

Führendes Touristikunternehmen

Dass wir Kuoni für eine Zusammenarbeit

gewinnen konnten, freut uns sehr,

gehört die Kuoni-Gruppe doch zu den

führenden Touristikunternehmen in

Europa und hat einen hervorragenden

Ruf. Sie beschäftigt weltweit 9 000

«Meine Agentur»

Die Beschäftigung von Lehrabgänger/

innen ist auch für Kuoni ein Thema:

Ein Jahr ist es nun her, dass vier Kuoni-

Lehrabgängerinnen und -abgänger die

Helvetic Tours-Filiale Zürich-Wiedikon

umgestaltet und als «Meine Agentur»

neu eröffnet haben. Kuoni gibt ihnen

dabei freie Hand: Von der Inneneinrichtung

über die Kundenansprache

bis hin zu speziellen Aktionen können

sie «ihren» Reise-Shop nach eigenen

Ideen gestalten und leiten.

www.meineagentur.ch

Mitarbeitende (Vollzeitstellen) und

hat Niederlassungen in über 40 Ländern.

In der Schweiz setzen sich über

1 500 Mitarbeitende dafür ein, dass

die Kundinnen und Kunden in ihren

Ferien «Perfect Moments» erleben.

Der Hauptsitz der Kuoni Reisen

Holding AG ist in Zürich, wo Alfred Kuoni

das Unternehmen 1906 gründete.

Die Kuoni-Gruppe hat ihre Position

auf dem Weltmarkt stetig und systematisch

ausgebaut. Elf mal in Folge

wurde Kuoni als «World’s Leading Tour

Operator» bei den World Travel Awards

ausgezeichnet. Zu Kuoni gehört auch

Helvetic Tours, das sich auf günstige,

aber qualitativ hochstehende Angebote

für Pauschaltouristen spezialisiert.

Gelebte Verantwortung

Kuoni setzt sich für einen fairen Umgang

mit den Menschen sowie für

die Schonung der Umwelt und der

natürlichen Ressourcen ein und hält

entsprechende Bestimmungen in Verträgen

mit Tourismus-Anbietern fest.

Die eigenen Mitarbeitenden und das

Management haben sich an einen Kodex

zu halten, der die ethischen Verhaltensgrundsätze

verbindlich festhält.

Kuoni nimmt seine soziale und

ökologische Verantwortung wahr und

passt auch in dieser Beziehung gut

zum Kaufmännischen Verband. In diesem

Sinne wünscht der KV Schweiz

seinen Mitgliedern erholsame Ferien

und viele schöne Momente.

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10

Politik und Wirtschaft

Folgenschwere Fehlentwicklung

IV-Revision. Mit der 6. Revision sollen die Finanzen der Invalidenversicherung ins

Lot gebracht werden. Leidtragende sind vor allem die Rentner/innen. Von Ingo Boltshauser

Der Reformeifer des Parlamentes bei

der Revision der Invalidenversicherung

(IV) ist beträchtlich. Vor noch

nicht einmal drei Jahren trat die 5. IV-Revision

in Kraft, und bereits ist die 6. auf

dem Weg durch die Instanzen. Da sie ein

sehr umfangreiches Werk ist, wird sie in

zwei Tranchen behandelt. 6a dürfte noch

dieses Jahr in den Nationalrat als Zweitrat

kommen, 6b ist in der Vernehmlassung

bei Kantonen und Verbänden.

Dieses schnelle Vorgehen weckt vielerorts

ungute Gefühle. «Noch liegen ja

nicht einmal gesicherte Erkenntnisse

über die Auswirkungen der 5. IV-Revision

vor», sagt Hansueli Schütz, volkswirtschaftlicher

Mitarbeiter des KV Schweiz.

«Bekannt ist lediglich, dass die Zahl der

Neurenten deutlich zurückgegangen ist.

Ob diese Menschen aber im Arbeitsprozess

behalten werden konnten oder zur

Sozialhilfe weitergereicht wurden, darüber

ist noch zu wenig bekannt.»

Schwierige Eingliederung

Auch die 6. IV-Revision hat wie bereits die

5. zum Ziel, die defizitäre IV zu sanieren.

Zum Teil soll dies bei der Revision 6a mit

unbestrittenen Massnahmen erreicht

werden, zum Beispiel mit mehr Wettbewerb

bei der Beschaffung von Hilfsmitteln

wie Hörgeräten. Auch die Einführung

eines Assistenzbetrags, welcher den Verbleib

zu Hause ermöglichen und Heimkosten

reduzieren soll, ist zu begrüssen.

Die «eingliederungsorientierte Rentenrevision»

hingegen, die ebenfalls Bestandteil

der Revision 6a ist, wirft Fragen

auf. Ziel ist es, die Leistungs- und Erwerbsfähigkeit

von Rentenbezüger/innen

mit Hilfe von gezielten Massnahmen so

weit zu verbessern, dass eine Wiedereingliederung

möglich wird und die Rente

nicht mehr oder nicht mehr ganz benötigt

wird. Einsparen will man damit rund 200

Millionen Franken jährlich. «Eigentlich

ist gegen dieses Ziel nichts einzuwenden»,

context 10 – 2010

Die IV soll auf Kosten der Betroffenen saniert werden.

sagt Schütz. «Aber es muss bezweifelt

werden, dass es erreicht werden kann.»

Solange die Arbeitgeber nicht stärker in

die Pflicht genommen würden, zum Beispiel

indem Betriebe verpflichtet sind, einen

Teil ihrer Arbeitsplätze Handicapierten

zur Verfügung zu stellen, werde die

gewünschte Wirkung wohl ausbleiben.

Und da die Einstellung der Renten nicht

an eine tatsächliche Erwerbsarbeit gekoppelt

ist, sondern lediglich an die – von

der IV definierte – Erwerbsfähigkeit, sei

die Gefahr gross, dass noch mehr Menschen

in die Sozialhilfeabhängigkeit getrieben

werden.

Rentenkürzungen

Dass Skepsis durchaus angebracht ist,

zeigt bereits ein Blick in die Statistik.

Während in Deutschland und Frankreich,

wo man einen Zwang zur Beschäftigung

von Arbeitnehmenden mit eingeschränkter

Leistungsfähigkeit kennt, immerhin 4

Prozent der Arbeitsplätze an handicapierte

Personen vergeben werden, ist es in

der Schweiz lediglich ein Prozent.

Fast nur noch finanzpolitisch wird bei

der Revision 6b argumentiert, die sich

zurzeit in der Vernehmlassung befindet:

Durch ein neues Rentensystem sollen insgesamt

400 Millionen Franken eingespart

werden, fast 40 Prozent der heutigen Bezüger/innen

müssten mit einer Kürzung

ihrer Renten rechnen. Weitere 200 Millionen

Franken sollen durch eine Kürzung

der Kinder-Zusatzrenten von 40 auf 30

Prozent eingespart werden.

«Dass bei der IV Handlungsbedarf besteht,

ist an sich unbestritten», sagt Hansueli

Schütz zur 6. IV-Revision. Problematisch

sei aber, dass man das Finanzloch

einmal mehr fast nur ausgabenseitig, also

auf Kosten der Betroffenen stopfen wolle.

«Ähnliches hat man schon bei der Sanierung

der Arbeitslosenversicherung gemacht

und ansatzweise auch bei der gescheiterten

Revision der AHV versucht.»

Für ihn ist das eine folgenschwere

Fehlentwicklung. Die rasanten wirtschaftlichen

Veränderungen böten zwar

viele Möglichkeiten, produzierten aber

auch fast zwangsläufig immer mehr Verlierer.

«Ob die Menschen diese Veränderungen

als Chance oder als Bedrohung

begreifen, hängt in hohem Mass davon ab,

wie wir mit den Verlierern umgehen.»


KV zufrieden mit

Coop-Lohnverhandlungen

Coop-Angestellte erhalten im kommenden

Jahr eine nach Salärhöhe abgestufte lohnerhöhung

zwischen 2 und 3 Prozent. Darauf

haben sich der KV Schweiz zusammen

mit den andern Arbeitnehmerorganisationen

und Coop geeinigt.

Die Lohnvereinbarung sieht eine fixe

Erhöhung der Monatslöhne von 3 Prozent

für die Grundlöhne zwischen 3700 bis

4499 Franken, eine individuelle Erhöhung

von 3 Prozent für die Grundlöhne zwischen

4500 bis 4999 Franken und eine individuelle

Erhöhung von 2 Prozent für die

Grundlöhne über 5000 Franken vor.

«Wir sind mit diesem Abschluss sehr

zufrieden», sagt Benedikt Gschwind, der

für den KV Schweiz zusammen mit Vertretern

der Unia, der Syna und dem Verein der

Angestellten Coop (VdAC) am Verhandlungstisch

sass. Gschwind geht davon aus,

dass in diesem Lohnherbst nicht viele weitere

Ergebnisse dieser Grössenordnung erzielt

werden.

Eine Besonderheit des Coop-Lohnabschlusses

ist, dass langjährige Mitarbeitende

zusätzlich honoriert werden. So

erhalten Angehörige der tiefsten Lohnkategorie

mit mehr als 10 Dienstjahren zu-

Das neue Berufsbildungsgesetz hat sich

als wichtiges Element der Modernisierung

der schweizerischen Berufsbildung bewährt,

bilanziert der Bundesrat.

In seinem Bericht «Sechs Jahre neues

Berufsbildungsgesetz – eine Bilanz» hält

der Bundesrat fest, der duale Charakter

der Berufsbildung mit ihrer charakteristischen

Schul- und Praxisausbildung sei

gestärkt worden. Damit habe man das

Hauptziel des Gesetzes erreicht.

Die Berufe im Gesundheits- und Sozialwesen

sowie in der Kunst sind inzwischen

in das Berufsbildungssystem integriert.

Die Berufsbildung habe sich damit

zu einer «vollwertigen und chancengleichen»

Alternative zu den allgemeinbildenden

Ausbildungswegen wie Gymnasium,

Universitäten und Eidgenössische

Technische Hochschulen entwickelt,

heisst es im Bericht.

Fortschritte sieht der Bundesrat auch

in der Lehrstellenfrage: Bund, Kantone

und Berufsorganisationen hätten ein ab-

context 10 – 2010

sätzlich eine fixe Lohnerhöhung von monatlich

50 Franken. Diese Angestellten

sind laut Gschwind in den vergangenen

Lohnrunden teilweise etwas zu kurz gekommen,

weil man sich vor allem auf die

Mindestlöhne konzentriert habe. «Nun erhalten

sie eine Kompensation für ihre

Treue zum Unternehmen», sagt der Ressortleiter

Angestelltenpolitik.

Gschwind sieht diesen Aspekt des Ergebnisses

auch als Folge der Kooperation

zwischen dem KV Schweiz und dem

VdAC. «Die gute Zusammenarbeit mit

dem VdAC trägt dazu bei, dass wir immer

auf dem Laufenden über die Bedürfnisse

der Mitarbeitenden sind.» Umgekehrt

profitieren die VdAC-Mitglieder von den

Dienstleistungen des KV Schweiz.

Der KV Schweiz vertritt bei Coop die

Interessen des Verkaufspersonals und der

kaufmänni schen Angestellten. Er anerkennt,

dass Coop trotz dem Preisdruck im

Detailhandel dem Personal einen Teil der

Produktivitätsfortschritte in Form von

Lohnerhöhungen zurück gibt. Damit werden

die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

für ihren Anteil am positiven Geschäftsergebnis

honoriert. tj

Dualer Weg hat Erfolg

gestimmtes Instrumentarium an Massnahmen

geschaffen, um damit Ungleichgewichten

auf dem Lehrstellenmarkt

entgegenzuwirken. Er befürchtet jedoch,

dass die Berufslehre gegenüber den Gymnasien

weiter ins Hintertreffen geraten

könnte: «Die rückläufigen Schülerzahlen

könnten zu einem verschärften Wettbewerb

um gut qualifizierte Schülerinnen

und Schüler führen.»

Handlungsbedarf sieht der Bundesrat

zudem auf der Stufe der beruflichen

Grundbildung, insbesondere in den Bereichen

Nachwuchssicherung und Integration

Jugendlicher und junger Erwachsener

in die Berufs- und Arbeitswelt. Das

angepeilte Ziel hier: 95 Prozent aller Jugendlichen

sollen einen Abschluss der Sekundarstufe

II erreichen. Auf der Tertiärstufe

braucht es eine klare Positionierung

der höheren Berufsbildung, das heisst der

eidgenössischen Berufs- und höheren

Fachprüfungen sowie der Bildungsgänge

höherer Fachschulen. pd

KoluMnE

Das Salz

in der Suppe

Von Mario Fehr

Ich mag Besuche im Bundeshaus. Zum einen

freue ich mich über das Interesse an

meiner Arbeit im Nationalrat und zum

andern bekomme ich so ganz ungefiltert

mit, wo bei interessierten Bürgerinnen

und Bürgern der politische Schuh drückt.

In der letzten Session besuchten mich

mehrere Berufsschulklassen, Studentinnen

und Studenten der Hochschule für

Wirtschaft Zürich (HWZ) und rund 100

Frauen und Männer der sehr aktiven

Veteranen- und Seniorenvereinigung des

KV Zürich in Bern.

Die letzten Bundesratswahlen sind

natürlich das grosse Thema. Ich bin

überzeugt davon, dass die neuen Bundesräte

– trotz missglücktem Start bei der

Departements-Verteilung – ihre Sache

gut machen werden. Dies gilt für Simonetta

Sommaruga, die sich schon lange

für die Aus- und Weiterbildung engagiert

und jetzt im Eidgenössischen Justiz- und

Polizeidepartement eine griffige Migrationspolitik

formulieren wird. Und es gilt

für Johannes Schneider-Ammann, der

den Werkplatz Schweiz glaubwürdig vertritt

und die Anliegen der Berufsbildung

aus nächster Nähe kennt.

Die Begegnung mit den Frauen und

Männern der Veteranen- und Seniorenvereinigung

des KV Zürich wird mir in

bester Erinnerung bleiben. Ich habe das

Gefühl, dass ich bei solchen Begegnungen

eigentlich viel mehr lerne als ich

selber weitergeben kann. Die Besuche im

Bundeshaus – ja überhaupt die Begegnungen

mit Menschen – sind das Salz in

der Suppe meines Alltags als Nationalrat

und Präsident des KV Schweiz. Also: bis

bald in Bundesbern!

Mario Fehr ist Nationalrat und

Präsident des KV Schweiz.

mario.fehr@kvschweiz.ch

11


12

Politik und Wirtschaft

Tiefe Zinsen werden zum Problem

Pensionskassen. Um die Renten zu finanzieren, rechneten die Pensionskassen

lange mit dem sogenannten «dritten Beitragszahler» – den Vermögenserträgen.

Weil die Zinsen anhaltend tief sind und auch Aktien nicht mehr boomen wie

früher, müssen jetzt viele Kassen über die Bücher. Von Jürg Zulliger

Zu wenig Ertrag: Viele Vorsorgeeinrichtungen befinden sich in einer unbefriedigenden Lage.

Anhaltend tiefe Zinsen – das geht

den Schweizer Pensionskassen an

die Substanz. Schliesslich legen sie ihr

Vermögen vornehmlich in zinstragende

Wertpapiere wie Obligationen an. Seit

dem jüngsten Entscheid der Schweizerischen

Nationalbank im September

wurde klar, dass die Leitzinsen weiter

auf einem absoluten Tiefststand verharren.

Mit der Politik des billigen Geldes

wollen die Währungshüter die Konjunktur

ankurbeln, den Banken unter die

Arme greifen und die Finanzmärkte stützen.

Der Berner Pensionskassenexperte

Stephan Gerber sagt dazu: «Die Zinsentwicklungskurve

weist seit Jahren nach

unten und liegt jetzt praktisch am Boden.

Für die Pensionskassen stellt dies ein

ernsthaftes Problem dar.» Im Vergleich zu

context 10 – 2010

den 1990er­Jahren liegen nicht nur die

Zinsen tiefer, mehrmals führte auch ein

Crash an den Börsen dazu, dass die Vorsorgeeinrichtungen

zumindest temporär

in Schieflage kamen. Nach dem Absturz

im Jahr 2001 folgte zwar eine gewisse Erholung,

die aber nicht ausreichte, um

wirklich wieder in grösserem Mass Reserven

anzulegen.

Im Zug der Finanzkrise 2008 fand sich

die Mehrheit der Vorsorgeeinrichtungen

erneut in einer schwierigen Lage wieder.

Während in den Boomjahren Arbeitnehmer/innen

und Arbeitgeber/innen in den

Genuss von beitragsfreien Jahren gekommen

waren, mussten die Verantwortlichen

jetzt unangenehme Sanierungsmassnahmen

prüfen, zum Beispiel Nullzinsrunden

auf dem Alterskapital der

aktiven Versicherten.

Spuren in den Bilanzen

Was jetzt in Sachen Zinsentwicklung und

Aktien bevorsteht, ist ungewiss; eine allzu

rasche Erholung ist nicht in Sicht. Auch

das laufende Jahr brachte vielen Vorsorgeeinrichtungen

nicht in dem Mass Erträge,

wie sie zur Sicherstellung von Rentenleistungen

nötig wären. Stephan Gerber:

«Ich schätze, dass die meisten Kassen

dieses Jahr im Durchschnitt eine Performance

in der Grössenordnung von 0 bis 1

Prozent erzielt haben.»

Je nach Ausrichtung der Kapitalanlagen,

je nach Kosten­ und Altersstruktur

wären aber meist wesentlich höhere Erträge

notwendig. Das hängt vor allem

davon ab, in welchem Zahlenverhältnis

aktiv Versicherte und Rentner/innen

stehen. Die Altersguthaben der Aktiven,

d.h. berufstätigen Personen, müssen ge­


mäss Bundesratsentscheid aktuell zu

zwei Prozent verzinst werden.

In der Kalkulation der Vorsorgeeinrichtungen

spielt aber auch der technische

Zins eine wichtige Rolle: Sie nehmen

an, dass das für die Renten der Pensionierten

zurückgestellte Geld noch während

Jahren Zins und Zinseszins tragen

wird. Die Renten werden meist immer

noch mit 3,5 bis 4 Prozent abdiskontiert.

Weil aber mit Geldanlagen derzeit bei

Weitem nicht so viel zu holen ist, bedeutet

das tiefe Zinsniveau für Kassen mit

einem hohen Anteil an pensionierten

Personen ein ernsthaftes Problem. Die

Konsequenz: Die Renten sind durch die

vorhandenen Mittel nicht gedeckt.

Leistungsabbau droht

Bei der Pensionskasse der Swisscom

heisst dies, dass die aktiven Versicherten

die laufenden Renten jährlich mit einem

zweistelligen Millionenbetrag finanzieren.

Publica, die Pensionskasse des Bundes,

beziffert die damit verbundenen

jährlichen Verluste auf 90 Millionen Franken.

Für Christoph Ryter, Geschäftsleiter

der Migros­Pensionskasse, sind die Veränderungen

fundamental: «In den 1990er­

Jahren konnten wir mit Bundesobligationen

noch Renditen von über 5 Prozent

erzielen, heute bringt die gleiche Anlage

nicht einmal mehr 2 Prozent.»

Gemäss dem Beratungsunternehmen

Complementa lag der durchschnittliche

Deckungsgrad der Pensionskassen Mitte

2010 bei rund 103 Prozent. Gemäss einer

anderen Studie, die kürzlich von Ernst &

Young vorgestellt wurde, fallen die heutigen

Vermögenserträge zu gering aus, um

die künftigen Rentenauszahlungen nachhaltig

sichern zu können. 85 Prozent der

befragten Institutionen gehen dementsprechend

davon aus, dass sie in den

nächsten zehn Jahren entweder ihre Vorsorgeleistungen

reduzieren oder die

Finanzierungsbeiträge erhöhen müssen.

Schon heute Probleme

Wie sehr der Trend in diese Richtung läuft,

zeigen einige Beispiele von grossen

Schweizer Pensionskassen:

Bei der Migros­Pensionskasse MPK ist

eine Überarbeitung des Vorsorgereglements

im Gang. In der Revision ist eine

leichte Erhöhung des Pensionierungsalters

auf neu 64 Jahre und eine Reduktion

des Leistungsziels vorgesehen.

Inoffiziell will die Publica, die Pensionskasse

des Bundes, den Rentenum­

context 10 – 2010

BEgRiffE unD ZuSAmmEnhängE

Deckungsgrad: Diese Kennzahl zeigt für

einen bestimmten Stichtag das Verhältnis

von Rentenversprechen und vorhandenem

Vermögen auf. Ein Deckungsgrad

von 100 Prozent besagt, dass die zu

Marktwerten bilanzierten Werte (Obligationen,

Aktien, Immobilien und andere

Anlagen) exakt ausreichen, um die Leistungen

zu finanzieren. Doch oft spiegeln

die publizierten Zahlen zum Deckungsgrad

nicht die ganze Wahrheit wieder –

vor allem der technische Zins und die Annahmen

zur Lebenserwartung führen je

nachdem zu einem höheren oder tieferen

Deckungsgrad.

Rentenumwandlungssatz: Nach dem

Umwandlungssatz wird bei der Pensionierung

das verfügbare Kapital in eine

Rente umgerechnet. Beispiel: Ein Umwandlungssatz

von 6,8 Prozent besagt

wandlungssatz im Alter 65 von 6,53 auf 6

Prozent senken. Offiziell bestätigt ein

Sprecher lediglich, eine Senkung sei «notwendig»,

eine Änderung müsse aber vom

Bundesrat genehmigt werden.

Die verantwortlichen Gremien der

Complan, der Pensionskasse der Swisscom,

erörtern unter anderem die Änderung

des technischen Zinses (per 2009

noch 3,75 Prozent), Anpassungen von Alters­

und Hinterbliebenenleistungen, höhere

Beiträge.

Die Zürcher Regierung musste Anfang

Monat vorschlagen, wie die BVK Personalvorsorge

des Kantons saniert werden

soll. Teil der Vorlage sind ein tieferer

technischer Zins, höhere Beiträge von Arbeitgeber­

und Arbeitnehmerseite und

eine Senkung des Rentenumwandlungssatzes

im Alter 65 von 6,65 auf 6,2.

Die Pensionskasse der PricewaterhouseCoopers

hat bereits 2005 ein neues

Modell mit variabler und fixer Rente eingeführt.

Die fix zugesicherte Altersrente

entspricht dem, was die Kasse unter vorsichtig

kalkulierten Annahmen versprechen

kann (technischer Zins zum Beispiel

2,5 Prozent). Der variable Bonusteil beträgt

zu Beginn 12 Prozent der Altersrente

und hängt danach von den erzielten Anlageerträgen

ab.

Sowohl Pensionskassenexperten als

auch die in der erwähnten Studie befragten

PK­Verantwortlichen favorisieren

ganz klar den Lösungsansatz einer Auf­

bei 100 000 Franken, dass die jährliche

Rente 6800 Franken beträgt.

Technischer Zins: In ihrer Bilanz setzt

eine Pensionskasse für die Pensionierten

nicht die nominellen Werte der Renten

ein, sondern abdiskontierte Werte.

Sie nimmt zum Beispiel an, dass das gesparte

Geld bis auf Weiteres jedes Jahr

3,5 Prozent Zinsen einbringt. Je höher der

technische Zins, umso weniger Kapital

muss die Kasse bereitstellen. Die technischen

Zinsen reichen in die 80er- und

90er-Jahre zurück, und sind oft – gemessen

am Zinsniveau der letzten Jahre – zu

hoch. Würde man den technischen Zins

von 3,5 oder 4 Prozent konsequent auf

2 Prozent reduzieren, würde der Deckungsgrad

der Pensionskassen im Durchschnitt

von 103 auf schätzungsweise 93

Prozent sinken.

splittung der Renten in einen garantierten

und einen variablen Bonusteil. Dies

käme zugleich einer Annäherung an die

Versicherungswelt gleich.

Auslagerung von Risiken?

Für Kassen, deren Leistungen sich nach

dem BVG­Minimum richten, wäre eine

solche Lösung aber nur möglich, wenn

das Gesetz geändert würde. Die aktuelle

Gesetzgebung sieht gewisse Mindestleistungen

vor, die bei Alter, Invalidität oder

Tod zwingend einzuhalten sind. Soweit

eine Vorsorgeeinrichtung darüber hinaus

Leistungen in Aussicht stellt, ist sie für

den überobligatorischen Teil frei, Leistungskürzungen

vorzunehmen. Gesetzliche

Mindeststandards wie etwa der

Rentenumwandlungssatz von 6,8 Prozent

ab 2014 kommen vor allem bei Kassen

zum Tragen, die sich auf das BVG­Minimum

beschränken.

Neue Modelle mit einer Abkehr von

im Voraus garantierten Renten hätten zumindest

den Vorzug, dass keine Leistungen

auf Vorrat gekürzt werden. Sobald die

finanzielle Lage der Pensionskassen nicht

mehr so angespannt ist, haben es die Stiftungsrät/innen

in der Hand, allfällige

Überschüsse Rentnern und Versicherten

zukommen zu lassen.

Jürg Zulliger ist freier Journalist in Zürich.

jzulliger@hispeed.ch

13


14

Monatsinterview

«90 Prozent der Lehrverhältnisse

laufen gut»

Bruno Nett stellt den meisten Lehrbetrieben ein gutes Zeugnis aus.

Zu Problemen komme es am ehesten in Kleinbetrieben, wo man sich bei

zwischenmenschlichen Spannungen nicht aus dem Weg gehen könne.

context 10 – 2010

Interview Therese Jäggi und Ingo Boltshauser / Foto Dieter Seeger

Context: Der 1. November steht bevor.

Dieser Tag galt lange Zeit als frühester

Termin für die Lehrstellenvergabe.

Hat dieses Datum noch eine Bedeutung?

Bruno Nett: Nein, das hat praktisch

keine Bedeutung mehr. Die Berufsbildungsämter

haben es früher insofern beachtet,

als sie Lehrverträge nicht vor dem

1. November genehmigten. Das ist aber immer

mehr ins Wanken gekommen, so dass

wir heute Verträge auch schon vor diesem

Datum bearbeiten. Wir raten nach wie vor

dazu, dass man nicht zu früh mit der Selektion

beginnen sollte, aber letztlich ist

das die Entscheidung der Lehrfirmen. Die

meisten Firmen haben sich sowieso noch

nie daran gehalten. Ich war früher Lehrlingschef

bei der CS, und ich erinnere mich,

dass wir immer nach den Sommerferien

mit der Selektion begonnen haben.

Was haben die Firmen davon, wenn sie

die Vergabe immer mehr vorziehen?

Ganz einfach: Sie wollen die besten

Lehrlinge für sich gewinnen.

Welche Konsequenzen hat es für die

Jugendlichen?

Die geraten sehr unter Druck. Das

Gentlemen‘s Agreement war denn auch

eine Errungenschaft im Interesse der Jugendlichen.

Also müssen schon 14-Jährige wissen, was

sie werden wollen.

Ja, zum Teil auch schon früher, zum

Beispiel in Branchen, wo es nur sehr wenige

Lehrstellen gibt.

Die Berufsbildungsämter haben in dieser

Frage der Wirtschaft nachgegeben.

Ja im Prinzip schon, denn eine Regel,

die nicht eingehalten wird, nützt nichts.

Aber ich finde es gar nicht so schlimm,

dass diese gefallen ist. Schlimm ist nur,

wenn es zu wenige Lehrstellen hat. Und

das war so in den letzten Jahren.

Wie viele Lehrstellen sind jetzt, Ende

Oktober, schon vergeben?


Bruno Nett, 63, hat eine gewerbliche und eine kaufmännische Ausbildung absolviert,

bevor er sich im Personalwesen weiterbildete. Anschliessend arbeitete er fünf Jahre

als Lehrlingschef einer Grossbank. Seit 1984 ist er Berufsinspektor beim Mittelschul-

und Berufsbildungsamt (MBA) im Kanton Zürich mit Zuständigkeit für die kaufmännischen

Lernenden. Der Vater zweier erwachsener Kinder wohnt in Arlesheim und will sich auch

nach seiner Pensionierung in zwei Jahren weiter in der Lehrlingsbetreuung engagieren.

Schätzungsweise etwa 10 Prozent. Der

Lehrstellennachweis (LENA) wird im September

aufgeschaltet. Dann gehen die beliebtesten

Lehrstellen weg. Das sind im

kaufmännischen Bereich die Lehrstellen

in Banken, Versicherungen und Reisebüros.

Und es sind anderseits die besten

Schüler, die zuerst eine Lehrstelle finden.

In den Verkaufsberufen beginnt, ausser

bei den Grossverteilern, die Selektion oft

erst im Januar oder Februar.

Wie sieht es aus mit der Ausbildungsbereitschaft

der Betriebe?

Wir haben noch nie so viele Lehrverträge

genehmigt wie letztes und dieses

Jahr. Im Gegensatz zur weit verbreiteten

Meinung ist die Ausbildungsbereitschaft

nicht rückläufig. 17 Prozent aller Betriebe

bilden Lehrlinge aus. Allerdings gibt es

immer mehr globalisierte Unternehmen

in der Schweiz, die unser Berufsbildungssystem

nicht kennen. Dort müssen wir zuerst

Überzeugungsarbeit leisten und unser

System erklären. Unser bestes

Argument ist, dass sich ein Lehrling unter

dem Strich rechnet.

Ein Drittel der KV-Lehrabgänger/innen

findet keinen Job. Dies ergab eine Umfrage

des KV Schweiz. Was läuft schief?

Diese Umfrage wurde kurz vor Lehr-

Ende durchgeführt. Ich bin überzeugt,

dass die zweite Befragung im September

oder etwas später weniger dramatisch

ausfallen wird. Ich glaube auch nicht,

dass die Situation bei den Kaufleuten besonders

drastisch ist, denn auch nicht jeder

Schreiner- oder Gärtnerlehrling hat

sofort eine Anschlusslösung nach der

Lehre. Bei den grossen KV-Zahlen ist das

halt besonders augenfällig. Mit den wieder

besseren Konjunkturaussichten wird

sich die Lage aber zusätzlich entschärfen.

Für Schulabgänger, die keine Lehrstellen

finden, gibt es heute immer mehr Brückenangebote.

Ein solches Zwischenjahr

zu absolvieren, ist beinahe normal ge-

context 10 – 2010

worden. Was halten Sie von dieser

Entwicklung?

Ich finde, man sollte sich eher für

mehr Lehrstellen einsetzen als für mehr

Brückenangebote. Wenn ein Jugendlicher

in der Lehre ist, kostet er den Steuerzahler

deutlich weniger, als wenn er in einem

Brückenangebot ist. Es gibt mittlerweile

unzählige solcher Brückenangebote. Man

verliert die Übersicht.

Wird damit überhaupt etwas gelöst?

Nun, manchmal kommen mir diese

Angebote auch vor wie ein Schneepflug,

der einfach etwas vor sich herschiebt.

Aber es gibt eben leistungsschwächere

Schulabgängerinnen und -abgänger, und

die können während eines solchen Jahres

ihre Qualifikationen immerhin verbessern

und haben nachher deutlich bessere

Chancen.

Es gibt auch immer mehr private Angebote

zur Vorbereitung auf die KV-Lehre,

die ziemlich teuer sind. Reicht die Volksschulbildung

als Vorbereitung auf die

Lehre nicht mehr aus?

Dass man in den Lehrbetrieben das

Gefühl hat, die Jugendlichen seien

schlecht vorbereitet, ist nicht neu. Aber

das Problem liegt wohl eher bei den Voraussetzungen

der Lehrbetriebe als bei der

Volksschule. Bei jeder Neuausrichtung eines

Berufes sieht man, dass die Anforderungen

steigen. Heute gelten manche Fertigkeiten,

welche man früher in der Lehre

lernte, als Voraussetzung. So beispielsweise

das Tastaturschreiben. Die Volksschule

ist meiner Ansicht nach viel besser

als ihr Ruf. Natürlich muss sie sich bis zu

einem gewissen Punkt nach den Bedürfnissen

der Wirtschaft richten. Anderseits

kommuniziert die Wirtschaft ihre Be-

dürfnisse der Schule zu wenig klar. Vermutlich

wissen die Betriebe oft selber

nicht so genau, was sie brauchen.

Welches sind häufige Stolpersteine

im Lehrverhältnis?

Es sind hauptsächlich zwischenmenschliche

Gründe. Oft hat das mit unterschiedlichen

Erwartungshaltungen zu

tun. Der Lernende ist keine Belastung,

aber am Anfang braucht er viel Aufmerksamkeit

und muss instruiert werden, und

man muss dafür besorgt sein, dass er

seine Ziele erreicht. Beide Seiten sind am

Anfang stark unter Druck. Früher gab es

viel mehr Fälle, wo man berufsfremde Arbeiten

bemängeln musste, oder dass Lernende

nur auftragsgesteuert eingesetzt

worden sind oder dass ein Ausbildungsprogramm

gefehlt hat. Ausserdem fällt

die berufliche Grundbildung in einen

«Wir haben noch nie so viele Lehrverträge

genehmigt wie letztes und dieses Jahr.»

Zeitraum, der sich dafür eigentlich nicht

gut eignet. Nie mehr verändert sich im Leben

eines Menschen innert so kurzer Zeit

so viel wie im Zeitraum zwischen 15 und

20 Jahren. Das grösste Konfliktpotenzial

liegt eigentlich in diesem Umstand.

Welche Rolle spielt dabei der Berufsinspektor

der Lehraufsicht?

Unsere Aufgabe ist die Ausbildungsbegleitung

im Betrieb. Wir bieten Unterstützung

und Hilfe an, wenn etwas nicht

rund läuft. Wir stellen uns in den Schulen

vor und erläutern unsere Aufgabe, damit

die Lehrlinge wissen, an wen sie sich bei

Konflikten wenden können. Ein Berufsinspektor

im Kanton Zürich ist zuständig

für ungefähr 2500 bis 3000 Lernende.

Und mit wie vielen kommen Sie

persönlich in Kontakt?

Etwa mit 10 Prozent der Lehrverhältnisse

haben wir aktiv zu tun. Und in dem

15


16

Monatsinterview

Zusammenhang kann man auch mal betonen,

dass 90 Prozent der Lehrverhältnisse

gut laufen.

Sie treten immer dann in Aktion, wenn es

Probleme gibt?

Eigentlich schon, doch wir sind auch

für diejenigen da, bei denen es rund läuft.

Die guten Ausbildungsbetriebe leisten

sehr viel, und wir möchten sie darin unterstützen

und coachen. Für die ganz

schwierigen Fälle haben wir neu eine

Case Managerin. Sie wird dann aktiv,

wenn wir Inspektoren anstossen.

Aus welchen Gründen?

Richtig schwierig wird es, wenn mehrere

Gründe zusammenfallen. Das können

sein: Schwierigkeiten im Elternhaus,

Familie aus einem anderen Kulturkreis,

Sprachprobleme, Lehre in einem Kleinbetrieb,

der gerade in Konkurs gegangen

ist und so weiter. Die Case Managerin

nimmt dann mit allen Beteiligten Kontakt

auf, vermittelt und versucht, eine gute Lösung

zu finden. Wir hätten gerne, wenn

Lernende und Betriebe mit ihren Problemen

früher zu uns kämen. Meist hören

wir von Schwierigkeiten erst, wenn die Situation

schon stark eskaliert ist

Welches sind die häufigsten Gründe für

einen Lehrabbruch?

Zum einen die bereits angesprochenen

zwischenmenschlichen Probleme.

Im KV kommen noch häufig schulische

Gründe hinzu, dass also ein Lernender

die Anforderungen nicht erfüllen kann.

Oder sie sind im Betrieb überfordert, weil

ihnen innert zu kurzer Zeit zuviel zugemutet

wird. Oder es stellt sich heraus,

dass der falsche Beruf gewählt wurde.

Zu welchem Zeitpunkt der Lehre kriselt

es am häufigsten?

Bei den dreijährigen Lehren ist das im

zweiten Lehrjahr. Der anfängliche Elan

ist dann vorbei und es folgt die Phase, wo

man sich bewähren muss und auch produktiver

werden sollte. Wenn ein Lehrjahr

wiederholt werden muss, dann ist es

auch meistens das Zweite.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen

Problemen und Betriebsgrösse?

Ganz eindeutig. Klein- und Kleinstbe-

context 10 – 2010

triebe haben deutlich mehr Probleme als

Grossbetriebe, wo es ein institutionalisiertes

Lehrlingswesen gibt. Ich selber betreue

bei uns die Branche Dienstleistung

und Administration, in der vor allem

Kleinbetriebe versammelt sind, und ich

habe prozentual deutlich mehr Fälle als

meine Kollegen. In grossen Unternehmen

kann man so ein Problem auch mal mit

einer Versetzung lösen, in Kleinbetrieben

hingegen ist man der Situation ausgeliefert.

Wie steht es um die Qualität der Berufsbildnerinnen

und -bildner?

Die vorgeschriebenen Kurse sind gut

und sehr gefragt. Von daher sind die Ausbildungsverantwortlichen

in den Betrieben

recht gut vorbereitet. Was aber nach

meiner Ansicht in erster Linie fehlt, ist die

Wertschätzung dieser wichtigen Funktion

in den Betrieben. Oft fehlt es zum

Beispiel nur schon an genauen Abmachungen,

welche den Berufsbildnern bestimmte

Stellenprozente für diese Aufgabe

zugestehen. Oft wird auch nicht

anerkannt, dass die Lehrlingsausbildung

eigentlich eine anspruchsvolle Führungsaufgabe

ist, die sich zum Beispiel auch im

«Vielen Unternehmen ist die Lehrlingsausbildung

enorm wichtig, denn sie gibt ein positives Image, und

man zeigt dadurch auch, dass man fachlich à jour ist.»

Lohn ausdrücken soll. Ich erlebe es regelmässig,

dass die Lehrlingsverantwortung

einfach jemandem zugeschoben wird.

Das ist natürlich nicht die beste Voraussetzung

dafür, dass diese Aufgabe mit Enthusiasmus

erledigt wird.

Was tun Sie, wenn es Probleme gibt?

Ich will immer beide Seiten anhören,

bevor ich eine Entscheidung treffe. Aber

es kann so weit gehen, dass man einem

Betrieb die Ausbildungsbewilligung entzieht.

Zudem gibt es auch bei den Lehrstellen

einen Markt. Eine Firma mit einem

schlechten Ruf hat dann grosse

Schwierigkeiten, qualifizierte Lernende

zu finden.

War man in der Vergangenheit

angesichts des Lehrstellenmangels

zu grosszügig bei der Erteilung der

Ausbildungsbewilligung?

Nein. Die Anforderungen an einen

Lehrbetrieb werden von den Branchenverbänden

definiert und nicht von uns.

Wir setzen diese Regelungen nur um.

Auch bei der kaufmännischen Grundbildung

sind die Anforderungen klar. Ausserdem:

Die Bewilligung wird einem Betrieb

erteilt und nicht einer Person. Und

solange die Lernenden ihre Ausbildungsziele

erreichen und die Lehrabschlussprüfung

bestehen, gehen wir davon aus,

dass alles in Ordnung ist. Wir schauen

erst bei Klagen oder einem konkreten Verdacht

genauer hin.

Haben Sie im gegenwärtigen Arbeitsmarkt

überhaupt ein Interesse daran, Betrieben

die Bewilligung zu entziehen?

Ja, das haben wir durchaus. Wenn uns

ein Betrieb andauernd Sorgen bereitet

wegen Lehrabbrüchen, Klagen oder nicht

bestandenen Prüfungen, legen wir ihm

nahe aufzuhören.

Aber das kommt selten vor.

Bei kaufmännischen Berufen schon.

Aber in den gewerblichen Berufen, wo

man es vor allem mit kleinen Handwerksbetrieben

zu tun hat, ist das gar nicht so

selten. Wir sind kein zahnloser Tiger.

Wenn nötig und gerechtfertigt, können

wir schon zubeissen.

Sorgt der Lehrstellenmangel nicht für

eine gewisse Beisshemmung?

Wenn es nicht genügend Stellen hat,

wartet man vielleicht länger zu. Auch die

Lernenden, die sich aus Angst vor dem

Verlust der Lehrstelle nicht oder zu spät

bei uns melden, tragen dazu bei.

Ist der Entzug der Ausbildungsbewilligung

überhaupt eine Drohung, die

die Betriebe beeindruckt? Immerhin

bilden ja fünf von sechs Betrieben

ohnehin nicht aus.

Unterschätzen Sie das nicht. Vielen

Unternehmen ist die Lehrlingsausbildung

enorm wichtig, denn sie gibt ein positives

Image, und man zeigt dadurch

auch, dass man fachlich à jour ist.

Wie oft kommt es vor, dass Lernende als

billige Arbeitskräfte ausgebeutet werden?

Das ist immer eine Gratwanderung.

Lernende sollen ja auch produktiv tätig

sein. Sie erhalten eine Ausbildung und einen

kleinen Lohn und geben dem Betrieb

produktive Arbeitsleistung zurück. Gerade

in gewerblichen Berufen ist dieser

produktive Teil mitunter recht gross. Aber

das ist keine Ausbeutung, sondern so gewollt.

Über Ausbeutung kann man dort

sprechen, wo die Ausbildungsziele vernachlässigt

oder Lernende für berufsferne

Arbeiten eingesetzt werden.

Ist die kaufmännische Ausbildung in

ihrer heutigen Form noch zeitgemäss?


Die Branchenverbände sind ja bei der

Gestaltung der Ausbildung in einer zentralen

Position. Das heisst, dass die kaufmännische

Lehre weitgehend den Bedürfnissen

der Wirtschaft entspricht. Die

Branchen und Betriebe sind ja auch für 50

Prozent der Benotung zuständig. Diese

Nähe garantiert, dass sich die kaufmännische

Lehre stark an den Bedürfnissen

der Wirtschaft orientiert. Auch die Banken

und Versicherungen als sehr wichtige

Branchen sagen ganz klar Ja zur kaufmännischen

Lehre. Von da her ist sie nach

meiner Ansicht ein Zukunftsmodell.

Viele entscheiden sich für die KV-Lehre,

weil sie davon ausgehen, dass sie ein

gutes Sprungbrett für die spätere Zukunft

ist. Liegen sie damit richtig?

Dank der KV-Reform hat ein Lehrabsolvent

heute eine sehr gute Basis. Entscheidend

aber ist, was man damit

anfängt, welche Weiterbildungen man

context 10 – 2010

anschliessend absolviert. Eine Lehre

reicht heute – im Unterschied zu früher –

nicht mehr.

Warum ist die kaufmännische Ausbildung

nach wie vor die beliebteste Lehre?

Es hat sicher damit zu tun, dass sie ein

gutes Image hat, dass man im Büro arbeiten

kann und dass sie als gutes Sprungbrett

gilt. Aber vieles davon sind Klischees.

Heute ist fast jede Lehre ein

Sprungbrett in eine vielfältige berufliche

Zukunft. Was mir auffällt: Wer die kaufmännische

Lehre absolviert, kann oft

nicht so gut definieren, was er oder sie

wirklich will. Aber auch das ist heute gar

nicht mehr so wichtig. Entscheidend ist,

dass ein junger Mensch eine berufliche

Grundbildung hat. Was genau, das ist weniger

bedeutsam. Heute stehen einem ja

nach der Lehre sehr viele Wege offen.

Wird es die Lehre als Ausbildungsform in

20 Jahren noch geben?

Ich glaube an die Zukunft der Berufslehre,

aber sie wird sicher ganz anders

aussehen als heute, vermutlich mit grösserem

schulischem Anteil. Im Grundsatz

wird es aber richtig bleiben, etwas zu lernen,

indem man es selber macht. Die grössere

Herausforderung wird sein, die höhere

Berufsbildung, also die Fachausweise

und Diplome, so anzugleichen, dass sie

auch international verstanden werden.

Die berufsorientierte Weiterbildung in

der Schweiz wird zu kämpfen haben.

Therese Jäggi ist Context-Redaktorin.

therese.jaeggi@kvschweiz.ch

Ingo Boltshauser ist Context-Redaktor.

ingo.boltshauser@kvschweiz.ch

Dieter Seeger ist Fotograf in Zürich.

d.seeger@bluewin.ch

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18

Dossier Arbeit global

Nach der Krise ist vor der Krise: so

lautet das Fazit einer Studie, welche

die Internationale Arbeitsorganisation

(ILO) Ende September publizierte.

Drei Jahre nach dem Ausbruch der weltweiten

Finanzkrise gebe es zwar ermutigende

Anzeichen einer wirtschaftlichen

Gesundung. Doch anders als noch 2009

erhofft, werde es bis 2015 statt bis 2013

dauern, bis die entwickelten Länder wieder

eine Beschäftigungsrate wie vor der

Krise erreichten. Zudem häuften sich die

Anzeichen, dass sich der Erholungstrend

abschwäche oder sogar ein «Double Dip»

drohe, also ein doppelter Taucher.

Prekäre Arbeitsverhältnisse nehmen zu

Hinter diesem makroökonomischen

Krebsgang stehen Millionen von Menschen,

die massiv unter ihrer Arbeitslosigkeit

leiden. In den 35 untersuchten

Ländern waren durchschnittlich fast 40

Prozent der Erwerbslosen schon länger

als ein Jahr ohne Job. «Diese Personen leiden

unter Frustration, dem Verlust ihres

Selbstwertgefühls und unter psychischen

context 10 – 2010

Arbeit ist eine

Zitterpartie

Bloss jeder zweite Arbeitsplatz weltweit ist eine vertraglich gesicherte Festanstellung.

Gerade in Entwicklungs­ und Schwellenländern sind prekäre

Arbeitsformen gang und gäbe. Verschiedene internationale Kampagnen fordern nun

das Recht auf einen existenzsichernden Lohn.

Von Pieter Poldervaart

Problemen», warnen die ILO-Forscher.

Junge Menschen sind überproportional

von Arbeitslosigkeit betroffen – und werden

sie endlich fündig, müssen sie sich

häufig mit einem prekären Arbeitsverhältnis

begnügen, wo sie ihre Fähigkeiten

nicht einsetzen können.

Die Krise hat jedoch nicht nur in der

Beschäftigtenstatistik ihre Spuren hinterlassen.

Die ILO verglich die Sozialindikatoren

von rund 80 Ländern vor der Krise

(Mitte 2006) und 2009. Demnach registrierte

die Bevölkerung in drei Vierteln der

Länder einen Rückgang des Lebensstandards.

In jedem zweiten Land nahm das

Vertrauen in die Regierung ab, in zwei

Dritteln der Länder sank die Jobzufriedenheit.

Weltweit arbeiten 1,8 Milliarden

der Beschäftigten oder 60 Prozent ohne

Arbeitsvertrag. Sie sind wirtschaftlichen

Schwankungen und Willkür der Arbeitgeber

meist schutzlos ausgeliefert.

Für die Schweiz sind die Zahlen weniger

dramatisch. Doch auch hierzulande

nimmt die Prekarisierung der Arbeit zu.

Seit 1993 stieg laut dem Branchenverband

Swisstaff die Zahl der Temporärarbeitenden

von 70 000 Personen auf 282 000 im

Spitzenjahr 2008. Und laut einer Studie

des Staatssekretariats für Wirtschaft

SECO von Anfang Oktober steuern befristete

Arbeitsverhältnisse, Arbeit auf Abruf,

Heimarbeit und Praktika mit 3,5 Prozent

auf einen neuen Rekordstand zu – im internationalen

Vergleich ist dies aber immer

noch bescheiden.

Doch auch in der Schweiz sind Leiharbeiter

schlechter gestellt. Zudem musste

die Temporärbranche in der Konjunkturkrise

deutlich mehr Federn lassen als der

Rest der Schweizer Volkswirtschaft. Laut

SECO-Sprecherin Rita Baldegger liegt das

daran, dass Unternehmen mit personellen

Überkapazitäten zuerst die Beschäftigung

von Temporärarbeitskräften abbauen

und Entlassungen bei der

Kernbelegschaft möglichst vermeiden.

«Temporärarbeitskräfte können keine

Kurzarbeitsentschädigung geltend ma-

Indien: Stoffproduktion für Naturaline


context 10 – 2010

19


20

Dossier Arbeit global

chen. Bei der Kernbelegschaft der Unternehmen

hingegen wurde dieses Instrument

in der Krise stark genutzt», so

Baldegger.

Halber Lohn durch Temporärfirmen

Während hierzulande Arbeit in einen

rechtlich geschützten Rahmen eingebettet

ist, wird sie in Schwellen- und Entwicklungsländern

kaum reguliert. Joachim

Merz, Programmverantwortlicher

beim Schweizerischen Arbeiterhilfswerk

(SAH), berichtet von den Verhältnissen in

Südafrika, als es um die Errichtung der

Infrastruktur für die diesjährige Fussballweltmeisterschaft

ging: «50 bis 70 Prozent

der Bauarbeiter waren bei Sub- und Sub-

Subunternehmern angestellt und nicht

bei Generalunternehmen.» Weil alle in

dieser Firmenkaskade Gewinn machen

wollten, wurden die Löhne erbarmungslos

gedrückt.

Gemeinsam mit der internationalen

Bau- und Holzarbeitergewerkschaft sowie

mit Support der Schweizer Gewerkschaft

Unia und dem SAH gelang es, den

Mindestlohn auf dem Bau innert dreier

Jahre von umgerechnet 300 auf 450 Franken

monatlich zu heben. Zudem wurden

durch die Kampagne im Vorfeld der WM

FAIr eINkAuFeN reduzIerT dIe ArMuT

Feste Abnahmepreise, eine zusätzliche

Prämie, langfristige Lieferverträge und

möglichst direkter Handel: Auf diesen

Pfeilern baut der Fairtrade-Gedanke auf.

Die Schweiz steht mit 34 Franken pro

Kopf und Jahr weltweit an der Spitze,

was den Absatz gelabelter Fairtrade-Produkte

angeht. «Ein Grund dafür ist, dass

die beiden mit Abstand wichtigsten

Schweizer Grossverteiler von Beginn

weg Fairtrade-Produkte listeten und

diese damit einer breiten Konsumentenschaft

zugänglich machten», ist Regula

Weber, Sprecherin der Max Havelaar-

Stiftung, überzeugt. Weitere Gründe

seien der relative Wohlstand in unserem

Land und der tief verwurzelte Solidaritätsgedanke.

Die Entwicklungspolitik via Einkaufskorb

wirkt auch in anderen Ländern: 2009

wurden weltweit Fairtradegüter im Wert

von 4,6 Milliarden Franken umgesetzt,

was einem Plus von 15 Prozent entspricht.

Hierzulande lag der Umsatz bei

272 Millionen Franken, plus 2,6 Prozent.

context 10 – 2010

etliche Temporärfirmen gemassregelt,

die teils nur 50 Prozent des Mindestlohns

gezahlt hatten.

Das Beispiel illustriert, was die ILO

mit einer weltweiten Statistik dokumentiert:

41 Prozent aller Beschäftigten verdienen

als Working Poor weniger als zwei

Dollar pro Tag und leben damit – trotz

Vollzeitjob und Überstunden – unter dem

von der UNO definierten Armutsniveau.

Schliesslich arbeiten 200 Millionen Kinder

im Alter zwischen 5 und 14 Jahren, wobei

nur Tätigkeiten erfasst werden, die ihnen

schaden oder die sie am Schulbesuch

hindern. Sechs Millionen Kinder sind gefangen

in modernen Formen der Sklaverei,

dazu kommen nochmals so viele Erwachsene.

Sozialzertifikat für Pflastersteine

Doch bringt Wirtschaftswachstum wenigstens

das schlimmste Elend zum Verschwinden?

Joachim Merz vom SAH verneint

und verweist auf Zahlen aus

Lateinamerika. Von 1990 bis 2007 kletterte

das Pro-Kopf-Einkommen von

durchschnittlich 5330 auf 6074 Dollar pro

Jahr. Gleichzeitig stieg der Anteil informeller

Arbeit von 52 auf 57 Prozent. Merz:

«In anderen Weltregionen sieht es ähnlich

62,7 Millionen Franken davon gingen an

die Bauern, 17 Prozent mehr, als wenn

sie ihre Lebensmittel, Blumen und Textilien

auf dem konventionellen Markt abgesetzt

hätten. 4,9 Millionen Franken

davon gingen als Prämie direkt an die

Landwirte, die das Geld in die Bereiche

Bildung, Medizin und Infrastruktur investierten.

Allerdings kann der Kauf von

Fairtrade-Produkten im Fall von Baumwoll-Textilien

keine existenzsichernde

Löhne in der Verarbeitungskette garantieren.

Nur der Baumwollanbau ist nach Fairtrade-Kriterien

zertifiziert, das heisst,

die Bauern bekommen einen Mindestpreis

und eine Fairtrade-Prämie. Für die

nachgelagerte, oft aus einem Dutzend

Glieder bestehende Verarbeitungskette

sei eine Zertifizierung nach den strengen

Fairtrade-Kriterien bisher nicht durchführbar

gewesen, räumt Sprecherin Weber

ein. Man mache sich aber Gedanken

darüber, die Fairtrade-Regeln im Textilbereich

zu komplettieren.

trist aus.» Auch die Globalisierung beschleunige

den Trend zur Prekarisierung

eher, als dass sie ihn bremsen würde

– und zwar nicht nur bei der Unterschicht.

So unterzeichneten in den Jahren 2006

und 2007 die Regierungen Zentralamerikas

einen Freihandelsvertrag mit den

USA. Die Umsetzung des CAFTA-Abkommens

hatte zur Folge, dass sich im Service

Public die Arbeitsbedingungen verschlechterten

oder Dienstleistungen im

Gesundheitswesen ausgelagert wurden.

«Die Globalisierung bringt weltweit

Unsicherheit in die Arbeitswelt, nicht nur

in den Ländern des Südens, sondern auch

in der EU und selbst in der Schweiz», betont

Merz. Denn häufig wachse zwar die

Wirtschaft, jedoch ohne genügend neue

Jobs zu schaffen. Zudem hätten die Bedingungen

von Internationalem Währungsfonds

und Weltbank seit den Achtzigerjahren

die lokale Industrie in vielen

Schwellen- und Entwicklungsländern

zum Verschwinden gebracht.

Immerhin kann die öffentliche Hand

ein Gegenpol zur puren Marktlogik sein.

Darauf setzt das SAH mit seiner Kampagne

«Kehrseite». Bund, Kantone und Gemeinden

werden verpflichtet, ihre jährlichen

Investitionsentscheide in der Höhe

von 36 Milliarden Franken nicht nur nach

ökonomischen, sondern auch nach sozialen

Kriterien zu fällen. 100 Gemeinden

mit einer Bevölkerung von über einer Million

Menschen haben sich der Kampagne

bereits angeschlossen und verlangen

etwa für Pflastersteine aus Indien ein Zertifikat,

das belegt, dass in den Steinbrüchen

soziale Mindestnormen eingehalten

wurden.

Mindestlohn reicht in Asien nicht aus

Allerdings: Welche Minimalnormen erstrebenswert

sind und welche als pures

Feigenblatt dienen, ist umstritten. Die

entwicklungspolitische Organisation Erklärung

von Bern (EvB) etwa, die seit 1999

die internationale «Clean Clothes Campaign»

(CCC) in die Schweiz trägt, fordert

eine Weiterentwicklung des bisher mehrheitlich

als vorbildlich beurteilten Verhaltenskodex

der Business Social Compliance

Initiative (BSCI), der sich an die

ILO-Normen anlehnt. BSCI (vgl. Box S.25)

fordert zwar faire Arbeitsverträge, eine

maximale Wochenarbeitszeit von 48

Stunden sowie die Einhaltung des gesetzlichen

und branchenüblichen Mindestlohns.

Doch besonders den letzten Punkt

kritisiert Christa Luginbühl, Koordinato


China: kaffeemaschinenproduktion

rin der CCC in der Schweiz: «In den meisten

Ländern Asiens, wo 60 Prozent des

weltweiten Bekleidungsbedarfs produziert

werden, deckt der Mindestlohn bloss

20 bis 60 Prozent des zur Existenz nötigen

Einkommens.»

Besonders ins Gewicht fällt, dass in

diesen Regionen häufig über die Hälfte

des Einkommens für Lebensmittel aufgewendet

wird, die in den letzten Jahren

überproportional von der Teuerung betroffen

waren. Nominal stiegen die Löhne

zwar, doch vielerorts in Asien schrumpfte

die Kaufkraft. Werde dann bloss der Mindestlohn

bezahlt, seien Überstunden – oft

40 bis 50 pro Woche – unumgänglich. Die

EvB kämpft deshalb für das Modell eines

Existenzlohns. Dieser sollte durchschnittlich

doppelt so hoch liegen wie der heutige

Mindestlohn. Explodieren da nicht

die Gestehungskosten unserer T-Shirts

und Schuhe? Luginbühl winkt ab: Zwar

hüte die Textilindustrie wie ein Staatsgeheimnis,

welcher Anteil des Ladenpreises

in Margen fliesse und welcher Anteil die

eigentlichen Produktionskosten und die

Lohnkosten der Fabrikarbeiterin seien.

Doch laut Schätzungen handelt es sich

beim Lohnkostenanteil bloss um 0,5 bis 3

Prozent – ein fairer Existenzlohn würde

context 10 – 2010

somit den Ladenpreis nur minimal erhöhen.

EvB und CCC appellieren deshalb an

Firmen in den Industriestaaten, das «Asia-

Floor-Wage-Modell» zu testen. Dieses

stellt nicht mehr auf die viel zu tiefen

staatlichen Mindestlöhne ab, sondern

nimmt die effektiven Gegebenheiten im

entsprechenden Land zur Basis. Zudem

müsste das Salär in mehreren Staaten einer

Ländergruppe kaufkraftbereinigt

gleich hoch sein, um das gegenseitige

Lohndumping zu bekämpfen. Die Idee

stösst auf positive Resonanz: Der Sportartikler

Puma will in einem Pilotprojekt in

vier asiatischen Ländern die Beschäftigten

nach dem neuen Modell entlöhnen.

Luginbühl ist überzeugt, dass die Strategie

von der Schlüsselindustrie Textilien

auf weitere Bereiche wie etwa die Spielzeugbranche

übertragen werden kann.

kontrollen versagen

Die EvB-Kampagne www.10Rappen.ch

will Druck machen auf die Schweizer Textilanbieter.

Denn trotz Absichtserklärungen

und Zertifikaten sieht die Realität in

den Ursprungsländern oft anders aus, wie

Recherchen von Nichtregierungsorganisationen

(NRO) zeigen. Charles Vögele

etwa mit einem Jahresumsatz von 1,5 Milliarden

Franken und über 850 Filialen in

Europa gehört zu den wichtigsten Schweizer

Textilkonzernen. Offiziell bekennt

sich Vögele zum BSCI-Mindeststandard.

Doch als von April bis Juni 2010 ein indisches

Team von Arbeitsrechtlerinnen im

Auftrag der CCC die Arbeitssituation in

zwei Fabriken in der indischen Region

Gurgaon untersuchte, war von den Verpflichtungen

kaum eine erfüllt. So muss

weiter auf Seite 23

Ihr Ergonomie-Fachgeschäft

www.sitz.ch

21


22

Dossier Arbeit global

Grace Lau ist Sachbearbeiterin in Hongkong. Ihr Büroalltag ist lang,

der Urlaub meist sehr kurz. Doch sie schätzt das Arbeitsklima. Von Markus Rimmele

context 10 – 2010

Überstunden werden erwartet

Vor Ort: Grace Lau an ihrem Arbeitsplatz und Blick ins Hauptbüro ihrer Abteilung.

Der Wecker klingelt um 6.45 Uhr. Ein

neuer langer Arbeitstag liegt vor

Grace Lau. Sie steht auf, frühstückt, geht

ins Bad, zieht sich an, so wie es Millionen

Berufstätige rund um den Globus jeden

Morgen tun. Typisch für Hongkong ist

vielleicht nur, dass die 28-jährige nicht allein

oder mit einem Partner lebt, sondern

nach wie vor bei den Eltern in einer kleinen

Hochhauswohnung. Vor der Ehe auszuziehen

schickt sich nicht besonders.

Gegen 8.15 Uhr verlässt Grace Lau die

Wohnung im Stadtteil Lam Tin mit dem

Wissen, dass sie erst zwölf Stunden später

wieder zurück sein wird. Mitten im Hauptberufsverkehr

quetscht sie sich in die Metro.

Nach zwölf Stationen und einem Mal

Umsteigen kommt sie an der Haltestelle

«University» an, wo sie in den Shuttle-Bus

der Uni steigt. Etwa um 9 Uhr betritt sie

schliesslich ihr Büro.

Grace Lau arbeitet als Sachbearbeiterin

in der Abteilung «General Education»

der Chinese University in Hongkong.

Diese Abteilung organisiert eine Art General-Studium,

also Lehrveranstaltungen,

die nicht an die normalen Studiengänge

gekoppelt sind, sondern die

Allgemeinbildung fördern sollen. Jede/r

Studierende muss vier solche Zusatzkurse

belegen. Gleichzeitig organisiert die Abteilung

ein Nebenstudium für die Ausbildung

von Führungskräften.

durch Pappwand getrennt

Ihr kleines Büro teilt sich die junge Frau

mit einer Kollegin. Die beiden Schreibtische

sind jedoch durch eine Pappwand

voneinander getrennt. «Das ist sehr gut»,

findet Grace Lau. «Wir müssen beide den

ganzen Tag telefonieren. Das kann einen

wahnsinnig machen. Die Wand dämpft

den Klang doch erheblich.» PC, Telefon,

Drucker, Scanner, Kopierer, Regale für

Aktenordner – es ist alles da, was ein modernes

Büro braucht. Insgesamt arbeiten

19 Personen in der Abteilung.

Grace Lau fährt ihren Computer hoch.

Der Arbeitstag beginnt mit dem Lesen von

E-Mails. Jeden Tag ergiesst sich eine

ganze Flut davon in ihr Postfach. Sie sei

eine der Schaltstellen zwischen den Studierenden

und der Uni-Verwaltung, berichtet

sie. «Die Studenten kommen mit

hunderttausend Fragen zu mir. Sie wollen

wissen, was für Unterlagen sie für die Einschreibung

abgeben müssen. Andere haben

Fragen zum Stundenplan. Wieder an-

dere wollen einen Ratschlag haben, was

für Kurse sie belegen sollen. Manche melden

sich sogar mit persönlichen Problemen

bei mir.» Ihr Job ist es, wo sie kann

Auskunft zu geben und sonst die Anfragen

an die entsprechenden Stellen innerhalb

der Universität weiterzuleiten.

Doch das ist längst nicht alles. Grace

Lau bastelt Stundenpläne zusammen,

schreibt Empfehlungsbriefe für Studenten

vor, die sie dann von ihrem Chef

unterschreiben lässt, beantwortet An -

fragen anderer Abteilungen. Ihre Vorgesetzten

schätzen vor allem ihr Organisationstalent,

sagt Grace Lau. Deshalb wird

sie oft mit der Planung von Veranstaltungen

und Ausflügen betraut. «Wenn wir

eine Gruppenfahrt machen, muss ja irgendjemand

zum Beispiel den Bus bestellen

und dann auch dafür sorgen, dass

der hier auf dem Gelände parken kann.

Das muss ich dann mit anderen Verwaltungsstellen

regeln.»

Am Wochenende ins Büro

Nach dem ersten E-Mail-Check reagiert

Grace Lau auf die dringlichsten Dinge,

die keinen Aufschub dulden. Dann geht

sie nach nebenan ins Hauptbüro und

spricht sich mit den Kollegen ab, was alles

getan werden muss. Danach fängt sie

an, ihre selbst gesetzten Tagesziele abzuarbeiten,

wird dabei allerdings laufend

von Anrufen unterbrochen. Das führt

dazu, dass sie jeden Tag bis 19 Uhr im

Büro bleibt, obwohl sie laut Vertrag um

17.30 Uhr Schluss hat. «Die Anrufe hören

so um fünf Uhr auf», sagt Grace Lau, «erst

dann habe ich die Ruhe, mich auf die

langfristigen Aufgaben zu konzentrieren.

Also mache ich unbezahlte Überstunden.

Aber das stört mich nicht. Im Vergleich zu

den meisten anderen Hongkongern habe

ich es noch gut!»


Die Überstundenkultur in Hongkongs

Arbeitswelt ist ein ständiges Thema in der

Stadt. Fast jeder Arbeitnehmer arbeitet

länger, als er eigentlich müsste. Die unbezahlte

Mehrarbeit wird von den Chefs

einfach erwartet. In vielen Büros brennt

auch noch um 23 Uhr Licht. Grace Lau

verbringt auch ihre Mittagspause am

Schreibtisch und isst neben der Arbeit ihr

mitgebrachtes Lunch-Paket. Etwa einmal

im Monat kommt sie sogar am Wochenende

ins Büro, weil sie sonst ihre Aufgaben

nicht bewältigen kann.

Nur tageweise Ferien

Auch beim Thema Urlaub geniesst Grace

Lau weit weniger komfortable Regelungen

als ihre Kolleginnen in Europa. Ihr

stehen 18 freie Tage pro Jahr zu. Doch

sie nimmt nie mehrere Urlaubstage am

Stück, denn längere Abwesenheiten

sind nicht gern gesehen. Urlaubsreisen

werden dadurch quasi unmöglich. Oft

nimmt sie an Ferientagen Dokumente

mit nach Hause und arbeitet einfach dort

anstatt im Büro.

Grace Lau hat eigentlich Unternehmenskommunikation

studiert. Doch am

Ende des Studiums hörte sie von der Stellenausschreibung

an der Universität.

Mittlerweile arbeitet sie seit sechs Jahren

dort. «Ich mag meinen Beruf sehr gern»,

sagt Grace Lau mit einem Lachen. «Vor allem

der Kontakt zu den Studierenden

macht mir Spass. Und die Atmosphäre im

Büro ist freundlich. Das ist mir am wichtigsten.»

Mit mehreren Kollegen ist sie richtig

befreundet. Man sieht sich auch ausserhalb

des Büros. Eine Gruppe von Leuten

trifft sich regelmässig und tauscht sich

über Bücher aus, die jeder zuletzt gelesen

hat. Manchmal geht das ganze Büro

abends gemeinsam zu einem Vortrag,

etwa über Buddhismus. Am Wochenende

finden immer mal wieder Wanderungen

statt oder Tai-Chi-Kurse. Da sind dann

auch die Chefs dabei.

context 10 – 2010

ein gutes Gehalt

Umgerechnet verdient Grace Lau rund

2600 Schweizer Franken im Monat. Ihr

Arbeitgeber hat vorher bereits fünf Prozent

für die Rentenkasse abgezogen und

selber noch einmal fünf Prozent beigesteuert.

Für ihre Position ist das ein recht

gutes Gehalt in Hongkong. Steuern fallen

fast keine an, weil nur grosse Einkommen

stärker besteuert werden – und selbst

diese nur mit maximal 15 Prozent. Europäische

Steuersätze klingen in Grace Laus

Ohren wie ein Alptraum.

«Etwas mehr als die Hälfte des Gehalts

gebe ich aus. Den Rest spare ich für die

Zukunft», sagt sie. Vor allem für den Wohnungskauf.

Der wird in Hongkong für immer

mehr Menschen mit kleinen und

mittleren Einkommen ein utopisches Ziel.

Selbst 30 Quadratmer Wohnfläche in einer

Vorstadt kosten hier schon 250 000

Franken.

Der Nachmittag im Büro vergeht wie

im Flug. Telefonate, Formulare, Absprachen

mit den Kollegen, persönliche Gespräche

mit Studierenden. Wenn sie ihre

Aufgaben dann gegen 19 Uhr abgeschlossen

hat, packt Grace Lau zusammen,

«Im Vergleich zu den meisten anderen Hongkongern

habe ich es noch gut.»

stürzt sich wieder in Hongkongs Rushhour

und fährt nach Hause. Manchmal

trifft sie noch Freunde zum Abendessen.

Obwohl sie schon sechs Jahre im selben

Büro arbeitet, will sie noch bleiben. «Es

gibt bei uns verschiedene Aufstiegsmöglichkeiten,

die mich interessieren. Ausserdem

ist es nicht leicht, wieder ein so

angenehmes Arbeitsumfeld zu finden.»

Markus rimmele ist freier Journalist in Hongkong.

rimmele@weltreporter.net

in einer der Fabriken die Gewerkschaft im

Geheimen arbeiten und nur drei Prozent

der Beschäftigten sind gewerkschaftlich

organisiert.

In der anderen Fabrik ist die Gewerkschaft

inexistent – die Befragten begründeten

dies damit, dass sie sonst ihre Arbeitsstelle

verlieren würden. Die Löhne

lagen in der einen Fabrik knapp über, in

der anderen knapp unter dem gesetzlichen

Mindestlohn – der allerdings nicht

zum Leben ausreicht. Denn die letzte Anpassung

durch den Staat erfolgte 2007;

seither haben sich die Lebensmittelpreise

verdoppelt, die Mieten stiegen um 40 Prozent.

Mit den Ergebnissen der Recherche

konfrontiert, antwortete Vögele, die eine

Fabrik arbeite nicht mehr für Vögele, im

andern Fall gehe man der Kritik nach. Von

Vögele war auf Nachfrage keine zusätzliche

Information zu erhalten.

Auch die Schweizer Grossverteiler Migros

und Coop als wichtige Player im

Schweizer Textilhandel sind für Arbeitsrechte

in Fernost sensibilisiert und vertrauen

BSCI. Migros etwa setzt seit 13 Jahren

auf den Standard, beurteilt aber das

Asia-Floor-Wage-Modell als interessant:

«Wir werden die Thematik innerhalb der

BSCI besprechen», erklärt Migros-Sprecherin

Martina Bosshard. Bei Coop sind

über 70 Prozent der Lieferanten in einen

solchen sogenannten Social-Compliance-

Prozess eingebunden. Coop setze etwa

bei Direktlieferanten im Textilprogramm

Naturaline auf den Standard SA8000, der

existenzsichernde Löhne vorschreibt, so

Coop-Sprecherin Denise Stadler: «Zudem

lobbyiert BSCI sehr intensiv für bessere

Löhne und steht mehrmals pro Jahr in engem

Kontakt mit NRO und Gewerkschaften,

die in einem Stakeholder-Gremium

organisiert sind.»

Faire Löhne für Tomatenpflücker

Coop blickt dabei nicht nur in die Ferne,

sondern hat auch jene Produzenten im Visier,

die in Italien, Spanien und Marokko

für die Schweizer Küchen Tomaten, Gurken

und Peperoni anbauen. 2005 initiierte

Coop zusammen mit GlobalGAP, einer

privaten Organisation zur Etablierung

freiwilliger Standards in der landwirtschaftlichen

Produktion, und der deutschen

Gesellschaft für technische Zusammenarbeit

(GTZ) für Produzenten in

Italien und Spanien das Programm «Gute

Sozialpraktiken im Früchte- und Gemüseanbau»

(GRASP). Ziel ist eine korrekte

Entlöhnung der Landarbeiter und die

23


24

Dossier Arbeit global

Österreich: Schneiderei für Polstermöbel

Sicherstellung des Arbeitsschutzes.

Da rüber hinaus startete Coop einen weitergehenden

Pilotversuch gemäss BSCI-

Standard mit dem franko-marokkanischen

Exporteur Idyl-Soprofel, der allein

in Marokko 39 Betriebe mit einer

Anbaufläche von über 2100 Hektaren bewirtschaftet.

Die Einfuhr von Früchten und Gemüse

aus Nordafrika in die Schweiz

nimmt laufend zu, doch die Arbeitsverhältnisse

für viele Wander- und Saisonarbeiter

sind häufig prekär. Zwar gebe es in

Marokko ein relativ modernes Arbeitsgesetz,

doch es werde von den meisten Unternehmen

nicht angewendet, so Laurent

context 10 – 2010

Vonwiller, Qualitätsverantwortlicher

Früchte und Gemüse bei Coop. 2006 einigte

sich Coop mit Idyl-Soprofel auf eine

schrittweise Erfüllung der Normen bis

2012. Zum Prozess gehören Sensibilisierung,

Gespräche am runden Tisch mit Behörden

und Gewerkschaften, ein Verhaltenskodex

und regelmässige Audits durch

akkreditierte Kontrollorgane.

Globalisierung nicht pauschal verdammen

Solche positiven Entwicklungen sind allerdings

die Ausnahme, insgesamt wächst

die Zahl des weltweiten Prekariats. Doch

eine einfache Schuldzuweisung sei unstatthaft,

meint Rolf Kappel, Leiter des

Nachdiplomstudiums für Entwicklungsländer

(NADEL) an der ETH Zürich. «Noch

jede empirische Studie hat gezeigt, dass

die Globalisierung einen positiven Einfluss

auf die daran teilnehmenden Volkswirtschaften

als Ganzes hat.» Obwohl die

Länder insgesamt Wohlstandssteigerungen

erführen, gebe es Teile der Bevölkerung,

die mit erheblichen Anpassungslasten

konfrontiert seien.

Während etwa in Europa und in den

USA die Auslagerung der Stahlproduktion

im letzten Jahrhundert zehntausende

von Menschen ihrer Arbeit beraubte, profitierten

umgekehrt heute breite Massen

von günstigen Preisen für Gebrauchsgü-


ter aus Fernost – dieser Wohlstandseffekt

werde häufig übersehen. «Wer aus einer

Entwicklung Vorteile zieht, der geht selten

auf die Strasse», so Kappel. Entscheidend

für den Umgang mit der Globalisierung

sei die Flexibilität der Betroffenen.

So könne sich ein 50-jähriger deutscher

Stahlarbeiter kaum Hoffnung machen,

wieder eine adäquate Arbeit zu finden.

Junge Informatiker in Indien hingegen

rissen sich um die Dienstleistungsjobs,

die dank der Globalisierung aus westlichen

Ländern im Subkontinent entstehen.

Eine generelle Verdammung der Globalisierung

verbietet sich für Kappel auch

deshalb, weil sie etwa in den Sechziger-

und Siebzigerjahren den Aufstieg der asiatischen

Tigerstaaten ermöglicht habe.

Ein ähnliches Phänomen habe sich in

Mexiko und Brasilien abgespielt – und

zum Wohlstand breiter Bevölkerungsgruppen

geführt. Globalisierung beschränkt

sich allerdings nicht nur auf Waren

und Dienstleistungen, auch Wissen

und Kapital ist mobiler geworden. Die

Schweizer Politik ist laut Kappel jedenfalls

gut beraten, weiter auf Marktöffnung

zu setzen und Importe aus Südländern zu

context 10 – 2010

ermöglichen. Gleichzeitig gilt es, in den

Industrieländern endgültig Abschied von

der Subvention von Agrarprodukten zu

nehmen. Weizen und Milchpulver zu

Dumpingpreisen mögen zwar kurzfristig

in Entwicklungsländern Versorgungsprobleme

lösen, auf Dauer aber sabotieren sie

die dortige Landwirtschaft.

«Wer aus einer Entwicklung Vorteile zieht, der geht

selten auf die Strasse.»

der BSCI-VerHALTeNSkOdex

Immer mehr Schweizer Firmen verlangen

von ihren Zulieferern in Entwicklungs-

und Schwellenländern die Einhaltung

der acht Grundsätze der Business Social

Compliance Initiative (BSCI). Die Grundsätze

lehnen sich an die ILO-Normen an.

Während die Grundidee eines Mindestlohnes

ist, dass dieser ein menschenwürdiges

Leben ermöglicht, wurde die

Interpretation unter dem vorherrschenden

Wettbewerbsdruck zwischen den

Produktionsländern verwässert und immer

weiter nach unten geschraubt, um

den Standortvorteil als Billiglohnland

nicht zu verlieren, kritisiert Christa Luginbühl

von der Erklärung von Bern:

«BSCI fordert nur die Einhaltung des gesetzlichen

Mindestlohns. Dieser macht

Fluchtgelder besteuern könnte

Wohlstand schaffen

Das Für und Wider der Globalisierung ist

ohnehin eine akademische Diskussion,

denn aufzuhalten ist sie kaum. Gestaltungsmöglichkeiten

gibt es hingegen bei

flankierenden Massnahmen wie den so

genannten Millenniums-Entwicklungszielen

(MDG) der UNO. Dabei geht es unter

anderem um die Erhöhung der Entwicklungshilfe.

Durch die Finanzkrise

sind solche Mittel knapper denn je. Auch

die Schweiz gibt heute mit 0,35 Prozent

des Bruttoinlandprodukts nur unwesentlich

mehr aus als 2000, wenn man die Ausgaben

für Schuldenerlasse und das Asylwesen

in der Schweiz abzieht, das neu zu

dieser Kostenstelle geschlagen wird. Peter

Niggli von Alliance Sud, der Arbeitsgemeinschaft

von sechs Schweizer Hilfswer-

aber in Asien bloss 20 bis 60 Prozent des

Existenzlohns aus. Das Engagement dieser

Firmen geht also eindeutig zu wenig

weit.»

die zehn BSCI-Grundsätze

> Verbot der Zwangsarbeit

> Verbot der Kinderarbeit

> Keine Diskriminierung

> Gesundes Arbeitsumfeld

> Versammlungsfreiheit und das Recht

auf Kollektivverhandlungen

> Anständiger Lohn

> Menschenwürdige Arbeitszeiten

> Respektierung der Umwelt

> Anerkennnung der sozialen

Verantwortung

> Korruption wird nicht geduldet

ken, plädiert deshalb dafür, die gesamte

Politik gegenüber Entwicklungsländern

kohärenter zu machen: «Wir sollten aufhören,

mit der einen Hand Entwicklungshilfe

zu leisten und mit der anderen Hand

ein Vielfaches davon den Entwicklungsländern

wegzunehmen.»

Als Beispiel nennt Niggli die Verweigerung

des Informationsaustauschs in

der Steuerpolitik. Auf Schweizer Banken

liegen 360 Milliarden Franken unversteuerte

Vermögen aus Entwicklungsländern,

die in den Herkunftsstaaten dringend für

die Armutsbekämpfung und den Aufbau

der Infrastruktur gebraucht würden.

Niggli: «Würden nur schon die Erträge

dieser Fluchtgelder besteuert, hätten

diese Länder jedes Jahr zusätzlich sechs

Milliarden Franken zur Verfügung – mehr

als das Doppelte der Schweizer Entwicklungshilfe.»

Pieter Poldervaart ist Journalist im Basler Pressebüro

Kohlenberg. poldervaart@kohlenberg.ch

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26

Dossier Arbeit global

context 10 – 2010

kanada

uSA

Mexico

Chile

Brasilien

Spanien

deutschland

Algerien

Libyen

Nigeria

Südafrika

ungarn

Türkei

Israel

russland

Vereinigte

Arabische

emirate

kasachstan

China

Thailand

Vietnam

Güter unterschiedlichster Herkunft

2009 exportierte die Schweiz Güter im

Wert von 180,287 Milliarden Franken, die

Importe beliefen sich auf 160,123 Milliarden

Franken. das mit Abstand wichtigste

Herkunftsland von Importen war deutschland

(53,828 Milliarden Franken), es folgten

Italien, Frankreich und die uSA. Waren

kommen auch aus fast allen anderen

Ländern, wobei es häufig krasse defizite

bezüglich Menschen- und Arbeitsrechte

oder dem umgang mit der umwelt gibt.

eine Auswahl.

NOrdAMerIkA

kanada

exporte in die Schweiz: 774 Millionen Franken*

(Öl, Bauholz, Zellstoff, Mineralien)

Bevölkerung: 33,8 Millionen

BIP in dollar pro einwohner: 39,669 (-2,6%)

Arbeitslosigkeit: 8,3%

Staatsverschuldung in Prozent des BIP: 28,2%

In der Provinz Alberta boomt das Geschäft mit

Ölsand. Riesige Bagger bauen das mit Sand

vermengte Schweröl ab, woraus unter hohem

Energieaufwand und CO2-Emissionen Rohöl

für den Export in die USA gewonnen wird.

uSA

exporte in die Schweiz: 8,119 Milliarden Franken

(Pharmazeutika, Präzisionsinstrumente,

Maschinen, Fahrzeuge)

Bevölkerung: 307,2 Millionen

BIP in dollar pro einwohner: 46,443 (-2,7%)

Arbeitslosigkeit: 10,1%

Staatsverschuldung in Prozent des BIP: 66,8%

1977 wurde in den USA die Todesstrafe wieder

eingeführt. Seither waren es 1156 Hinrichtungen,

allein 52 im Jahr 2009.

Mexico

exporte in die Schweiz: 393 Millionen Franken

(Chemikalien, Fahrzeuge, landwirtschaftliche

Erzeugnisse)

Bevölkerung: 112,5 Millionen

BIP in dollar pro einwohner: 8040 (-7,3%)

Arbeitslosigkeit: 5,5%

Staatsverschuldung in Prozent des BIP: 38,8%

SüdAMerIkA

Chile

exporte in die Schweiz: 58 Millionen Franken

(Lebensmittel, Papier und Zellstoff, Chemikalien)

Bevölkerung: 16,7 Millionen

BIP in dollar pro einwohner: 8852 (-1,7%)

Arbeitslosigkeit: 9,6%

Staatsverschuldung in Prozent des BIP:

24,3%

Chile gewährleistet die Arbeitnehmerrechte.

Allerdings dauern die teils gewalttätigen

Auseinandersetzungen mit den Indigenen,

den Mapuche, an. 2008 eskalierte der Konflikt,

als teils jahrtausendealte Araukarienwälder

für die Zellstoffgewinnung unter Druck

gerieten. Seither kommt es immer wieder zu

Farmbesetzungen und zu Zusammenstössen

der Mapuche mit den Holzfällern und der

Polizei.

Brasilien

exporte in die Schweiz: 657 Millionen Franken

(Landwirtschaftliche Produkte, Aluminium,

chemische Produkte, Zellstoff)

Bevölkerung: 198,7 Millionen

BIP in dollar pro einwohner: 7737 (-0,7%)

Arbeitslosigkeit: 8,1%

Staatsverschuldung in Prozent des BIP: 41,6%

Um den Energiehunger der Grossstädte zu

stillen, lässt die Regierung neue Riesenstaudämme

bauen – ohne Rücksicht auf Natur und

Menschen. Aktuell geht es um eine Staustufe

am Rio Xingú, wo die Urbevölkerung vertrieben

würde. Der dortige Bischof Erwin Kräutler

wurde für seine Unterstützung der Indigenen

mit dem Alternativen Nobelpreis 2010 ausgezeichnet.

AFrIkA

Libyen

exporte in die Schweiz: 718 Millionen Franken

(Erdöl)

Bevölkerung: 5,6 Millionen

BIP in dollar pro einwohner: k.A.

Arbeitslosigkeit: k.A.

Staatsverschuldung in Prozent des BIP: 6,5 %


Das Regime von Muammar Ghaddafi wird

immer wieder des Staatsterrorismus beschuldigt.

Beispiele sind neben dem Flugzeugabsturz

von Lockerbie und dem Anschlag

auf die Berliner Disco La Belle der langjährige

Prozess gegen bulgarische Krankenschwestern

wegen angeblicher HIV-Infektionen und

zuletzt die Geiselnahme zweier Schweizer.

Nigeria

exporte in die Schweiz: 239 Millionen Franken

(Rohöl)

Bevölkerung: 148 Millionen

BIP in dollar pro einwohner: 1109 (+2,9%)

Arbeitslosigkeit: k.A.

Staatsverschuldung in Prozent des BIP: 3%

Der grösste Ölproduzent Afrikas hat zwar

eine demokratisch gewählte Regierung, doch

das schwarze Gold führt im Gewinnungsgebiet

zur Bildung militanter Banden, die das Erdöl

abzapfen. Dabei und bei den offiziellen

Bohrungen kommt es immer wieder zur grossflächigen

Verseuchung der Küstengebiete.

In den zwölf nördlichen Bundesstaaten gilt

die Scharia und damit die Todesstrafe für

Homosexualität.

Algerien

exporte in die Schweiz: 171 Millionen Franken

(Rohöl)

Bevölkerung: 112,5 Millionen

BIP in dollar pro einwohner: 4027 (+2,1%)

Arbeitslosigkeit: 10,2%

Staatsverschuldung in Prozent des BIP: 14,4%

Seit 1992 herrscht der Ausnahmezustand.

Die Organisation Reporter ohne Grenzen

schlägt Algerien dem Drittel der Staaten mit

der geringsten Pressefreiheit zu.

Südafrika

exporte in die Schweiz: 178 Millionen Franken

(Gold, Mangan, Platin, landwirtschaftliche

Produkte)

Bevölkerung: 48,7 Millionen

BIP in dollar pro einwohner: 10 313 (-1,8%)

Arbeitslosigkeit: 25%

Staatsverschuldung in Prozent des BIP: 27,3

eurOPA

deutschland

exporte in die Schweiz: 53,829 Milliarden

Franken (Maschinen, Pharmazeutika,

Chemische Grundprodukte, medizinische

Instrumente)

Bevölkerung: 82,3 Millionen

BIP in dollar pro einwohner: 34 037 (-4,9%)

Arbeitslosigkeit: 7,5%

Gesamtverschuldung in Prozent des BIP: 73,2%

Spanien

exporte in die Schweiz: 3,704 Milliarden

Franken (Pharmazeutische Produkte,

landwirtschaftliche Produkte, Fahrzeuge)

Bevölkerung: 44,3 Millionen

BIP in dollar pro einwohner: 31 946 (-3,6%)

context 10 – 2010

Arbeitslosigkeit: 18 %

Gesamtverschuldung in Prozent des BIP: 53 %

In den Monokulturen der Agrowüsten Almería

arbeiten häufig illegale Tagelöhner zu

minimalen Tagesgehältern.

ungarn

exporte in die Schweiz: 925 Millionen Franken

(Maschinen, landwirtschaftliche Produkte,

Fahrzeuge, Textilien und Bekleidung)

Bevölkerung: 9,9 Millionen

BIP in dollar pro einwohner: 12 926 (-6,3%)

Arbeitslosigkeit: 10%

Staatsverschuldung in Prozent des BIP:

131,3%

Türkei

exporte in die Schweiz: 690 Millionen Franken

(Textilien, Maschinen, landwirtschaftliche

Produkte)

Bevölkerung: 70,5 Millionen

BIP in dollar pro einwohner: 8723 (-4,7%)

Arbeitslosigkeit: 14,8

Staatsverschuldung in Prozent des BIP: 42,5%

Nach wie vor wird in der Türkei gefoltert,

insbesondere Menschen, die angeblich oder

tatsächlich der kommunistischen Arbeiterpartei

PKK nahe stehen. Dank neuer Gesetze

ist die Zahl der publik gewordenen Fälle in

den letzten Jahren gesunken.

Israel

exporte in die Schweiz: 184 Millionen Franken

(Edelsteine, landwirtschaftliche Produkte)

Bevölkerung: 7,28 Millionen

BIP in dollar pro einwohner: 27 542 (+1,2%)

Arbeitslosigkeit: 7,8%

Staatsverschuldung in Prozent des BIP: 79,9%

Im Konflikt mit den Palästinensern ignoriert

Israel seit Jahrzehnten UNO-Resolutionen.

ASIeN

russland

exporte in die Schweiz: 523 Millionen Franken

(Chemische Produkte, Edelmetalle, Edelsteine,

Maschinen)

Bevölkerung: 142,5 Millionen

BIP in dollar pro einwohner: 14 918 (-7,9%)

Arbeitslosigkeit: 8,4

Staatsverschuldung in Prozent des BIP: 31,5%

In der «gelenkten Demokratie» werden unliebsame

Medien mit Prozessen und Schliessungen

der Druckerei oder der Sendeanlagen

mundtot gemacht.

kasachstan

exporte in die Schweiz: 607 Millionen Franken

(Rohöl, Edelmetalle)

Bevölkerung: 15,5 Millionen

BIP in dollar pro einwohner: 6542 (-2,0%)

Arbeitslosigkeit: 7,5%

Staatsverschuldung in Prozent des BIP: 98,9%

Das Land wird von der Familie des autoritären

Präsidenten Nursultan Nasarbajew kontrolliert

und belegt auf der Korruptionsliste von Transparency

International Rang 145 von 180.

China

exporte in die Schweiz: 5,099 Milliarden

Franken (Maschinen, Textilien und Bekleidung,

Chemische Produkte, Uhrmacherwaren)

Bevölkerung: 1,334 Milliarden

BIP in dollar pro einwohner: 3566 (+8,5%)

Arbeitslosigkeit: 10,2%

Staatsverschuldung in Prozent des BIP: 7,7%

China verletzt konsequent die Menschenrechte,

sei es in der «Autonomen Provinz Tibet»

oder bei Liu Xiabo, dem Friedensnobelpreisträger

2010. Der Schriftsteller und Dissident

hatte an einem Aufruf zu umfassenden

politischen Reformen mitgewirkt und sitzt in

China in Haft. Schon in den Neunzigerjahren

hatte er drei Jahre im Arbeitslager und mehrere

Monate unter Hausarrest gelebt. China liegt

mit hunderten vollzogenen Todestrafen

weltweit vorn. Seit 2009 verzichtet Amnesty

International jedoch darauf, das Land in der

Statistik zu führen, weil das Regime die Zahlen

als Staatsgeheimnis behandelt.

Thailand

exporte in die Schweiz: 724 Millionen Franken

(Uhrwerke, Schmucksteine, Maschinen)

Bevölkerung: 63 Millionen

BIP in dollar pro einwohner: 4401 (k.A.)

Arbeitslosigkeit: 1,4%

Staatsverschuldung in Prozent des BIP: 27,7%

NRO werfen der thailändischen Polizei

Menschenrechtsverletzungen in den Gefängnissen

vor. Zudem leben nach Schätzungen in

Thailand 200 000 bis 300 000 Prostituierte –

obwohl Prostitution offiziell illegal ist. Speziell

Migrantinnen werden zur Prostitution gezwungen

oder dafür ausser Landes geschmuggelt.

Vietnam

exporte in die Schweiz: 2,141 Millionen

Franken (Erdöl, Meeresfrüchte, Kaffee,

Textilien und Schuhe, Schmucksteine)

Bevölkerung: 86 Millionen

BIP in dollar pro einwohner: 1060 (5,3%)

Arbeitslosigkeit: 6,5%

Staatsverschuldung in Prozent des BIP: 4,5%

Opposition gegen die kommunistische

Regierung wird mit hohen Gefängnisstrafen

oder gar der Todesstrafe geahndet.

Vereinigte Arabische emirate

exporte in die Schweiz: 468 Millionen Franken

(Rohöl)

Bevölkerung: 5,6 Millionen

BIP in dollar pro einwohner: 38 283 (-0,7%)

Arbeitslosigkeit: keine Angaben

Staatsverschuldung in Prozent des BIP: 56,3%

In den Emiraten werden zahlreiche Haushälterinnen

aus den Philippinen beschäftigt und

häufig ausgebeutet und misshandelt.

*Alle Zahlen beziehen sich auf 2009.

27


28

Beruf und Bildung

Wer mehr Lohn möchte, muss sich sorgfältig auf das Gespräch mit den Vorgesetzten

vorbereiten und mit schlagkräftigen Argumenten aufwarten. Von Andrea Mašek

context 10 – 2010

Das Lohngespräch suchen

Die Wirtschaft in der Schweiz beschleunigt

wieder, ein guter Zeitpunkt

also, um mit Vorgesetzten oder Personalverantwortlichen

über den Lohn zu

sprechen. Das heisst, den idealen Zeitpunkt

gibt es nie – zumindest nicht aus

Sicht der Arbeitgeber/innen. Zudem müssen

sich Angestellte bewusst sein, dass es

keinen gesetzlichen Anspruch auf Mindestlöhne

gibt und auch nicht auf allgemeine

Lohngerechtigkeit.

Was sagt Ihnen QWERTZ? Die Buchstabenfolge

kennen Sie, denn auch

wenn die Schreibmaschine längst

dem Computer Platz gemacht hat im

Büro, gemeinsam haben beide die

Tastatur – oder zumindest die Tastenanordnung.

Bei den ersten mechanischen

Schreibapparaten waren die

Buchstaben noch strikt alphabetisch

angeordnet. Der ehemalige Drucker

Christopher Sholes kam 1868 auf die

Idee, die Tasten nach ergonomischen

und mechanischen Gesichtspunkten

zu sortieren. Seine QWERTY-Belegung

ist in den USA heute noch gebräuchlich

und führte im deutschen Sprachraum

zur QWERTZ-Tastatur, benannt

nach den ersten sechs Buchstaben

der obersten Reihe. Sie sollte u.a. ein

Verhaken der Schreibmaschinenhämmerchen

für häufig vorkommende

Lettern verhindern. Heute sind zwar

die meisten Tastaturen elektronisch,

verhaken kann sich nichts mehr.

QWERTZ aber ist geblieben.

Zu Recht darf das Lohngespräch gesucht

werden, wenn man dauerhaft mehr

leistet. Ob quantitativ oder qualitativ

spielt dabei keine Rolle. In diesen Fällen

kann guten Gewissens mehr Gehalt verlangt

werden:

> bei mehr Verantwortung

> bei der Übernahme von zusätzlichen

oder besonders aufwändigen Projekten

> wenn eine Weiterbildung oder zusätzliche

Qualifikation abgeschlossen worden

ist

> wenn häufig kranke Kolleg/innen vertreten

oder neue Arbeitskräfte eingearbeitet

werden müssen

Ein weiterer guter Grund für ein Lohngespräch

ist eine Änderung des Besoldungssystems

in der Firma. Eine Lohnerhöhung

wird heutzutage individuell nach dem

Leistungsprinzip ausgesprochen sowie

nach vereinbarten Zielen ausgerichtet.

Das bedeutet, sie muss individuell ausgehandelt

werden. Taktieren ist dabei wichtig,

genauso wie die richtige Vorbereitung.

Hier ein paar Punkte, die berücksichtigt

werden sollten:

> Allfälligen GAV konsultieren

> Analyse von Lohnsystemen verschiedener

Unternehmen

> Den eigenen Marktwert in Erfahrung

bringen; dies empfiehlt sich insbesondere

bei Tätigkeiten in den Bereichen

Personal, Finanzen, Marketing und Informatik

> Informationen über die Zukunft des Unternehmens

einholen – über Umsatz/

Gewinn, Marktposition, Produkteentwicklung,

Fusionspläne, etc.

Gute Argumente zurechtlegen

Im Voraus muss eine Strategie, müssen

Argumente und Gegenargumente festgelegt

werden. Es gilt, sich fair und diskussionsbereit

zu zeigen. Drohungen sind

fehl am Platz. Sachfremdes Argumentieren

führt nie zum Ziel: Der oder die Vorgesetzte

hat wenig Verständnis, wenn

Mietzinserhöhungen oder gestiegene

Krankenkassenprämien ins Spiel gebracht

werden. Er ist lediglich daran

interessiert, die Arbeitsleistungen zu ho-

norieren. Deshalb müssen die eigenen

Leistungen und Erfolge betont werden –

am besten legt man darüber übers Jahr

eine Dokumentation an.

Weiter gilt es zu überlegen, wo die Maximal-

und wo die Minimallimite liegt.

Unrealistische Forderungen sind sowieso

zum Scheitern verurteilt. Selbst wenn der/

die Vorgesetzte den Mitarbeiter respektive

die Mitarbeiterin schätzt, liegen nebst

dem Teuerungsausgleich nicht mehr als

zwei bis drei Prozent drin.

Auf folgende Fragen und Bemerkungen

muss man gefasst sein:

> Glauben Sie, dass Sie diesen Betrag auch

wert sind?

> Sie haben ihr Gehalt akzeptiert. Weshalb

soll ich Ihnen nun plötzlich mehr

bezahlen?

> Sind Sie derart auf Geld bedacht?

> Wir liegen mit unseren Löhnen im oberen

Drittel der Branche.

> Unser Personal bekommt gewisse Vergünstigungen,

und wir übernehmen

mehr Sozialleistungen als üblich ist.

> Wir sind nicht in einer der grossen Städte,

hier liegen die Lebenskosten tiefer.

> Ihr Lohn liegt im Schnitt.

Klappt es dieses Mal nicht mit einer Lohnerhöhung,

nicht aufgeben, sondern in ein

paar Monaten wieder antreten. Dazwischen

den Kopf nicht in den Sand stecken,

sondern beförderungsaktive und lohnwirksame

Aus- und Weiterbildungen absolvieren

sowie den Vorgesetzten immer

wieder die eigenen Leistungen und Erfolge

verdeutlichen.

Für Details:

www.kvschweiz.ch/lohngespraech

Info-Schriften

«Das Lohngespräch» und «Salärempfehlungen

2011». Bezug: bestellungen@kvschweiz.ch, CHF

18.–. Mitglieder erhalten ein Exemplar kostenlos.


Richtig vorgehen bei

der Personalauswahl

Ein neues Fachbuch aus dem Verlag SKV

bietet Linienvorgesetzten und angehenden

HR-Profis wertvolle Unterstützung bei

der Bewerbungsanalyse.

Die richtige Person für eine Stelle zu

finden, bedeutet für viele Vorgesetzte eine

grosse Herausforderung, der sie oft etwas

ratlos gegenüberstehen. Denn rund um

das Bewerbungsverfahren tun sich zahlreiche

Fragen auf, etwa zur Interpretation

von Arbeitszeugnissen, zum Motivationsschreiben

oder zur Gewichtung einzelner

Kriterien im Anforderungsprofil. Gerade

dort, wo die Unterstützung durch ein professionelles

Human Resource Management

fehlt, drohen bei falschen Einschätzungen

teure Fehlbesetzungen

Das Fachbuch «Personalauswahl –

Bewerbungsanalyse in 7 Schritten» von

Marita Knecht zeigt lösungsorientierte

Wege auf, wie die richtige Person für eine

Stelle gefunden werden kann. Konkret behandelt

werden folgende Bereiche: Anforderungsprofil,

Begleitbrief, Lebenslauf,

context 10 – 2010

Zeugnisse, Bewerbungsgespräch, Referenzauskünfte

sowie Tests, Assessment-Center

und Schriftgutachten. Neben wichtigen

Hintergrundinformationen findet

man auch Checklisten, die bei der Beurteilung

von Bewerbungsdossiers beigezogen

werden können.

In erster Linie richtet sich dieses Fachbuch

an Linienvorgesetzte, die sich mit

dem Thema Bewerbungen auseinandersetzen,

daneben aber auch an angehende

und ausgebildete Personalfachleute. Das

Buch ist so konzipiert, dass es auch als

Lehrbuch eingesetzt werden kann. ibo

Archäologie der Arbeit

Das Fotomuseum Winterthur widmet

dem Thema Arbeit eine eigene Ausstellung.

Anhand von historischen Bildern

und zeitgenössischer Fotografie wird

nach der Bedeutung von Arbeit im Leben

von Menschen in verschiedenen Kontinenten

gefragt.

Die Fotografie hat schon früh dokumentiert,

wie, wo und unter welchen Bedingungen

Menschen gearbeitet haben.

Dies sowohl von angestellten Werksfotografen,

die das Innenleben eines Betriebs

Marita Knecht: Personalauswahl

– Bewerbungsanalyse

in 7 Schritten.

Verlag SKV, 2010, CHF 34.–

aus der Perspektive und nach den Vorgaben

der Geschäftsleitung festhielten, als

auch von freien Fotografen, die mit ihrem

ungefilterten Blick Zugang zu den Produktions-

und Handelsorten erhielten, so beispielsweise

Hans Hansen bei Volkswagen

(Bild: Hans Hansen: Zerlegter VW Golf,

1988. © Hans Hansen / Volkswagen AG). tj

Arbeit / Labour – Set 7 aus Sammlung

und Archiv des Fotomuseums Winterthur,

Ausstellung bis 8.5.2011, www.fotomuseum.ch.

KOLUMNE

Werden wir in

die Irre geführt ?

Von Astrid van der Haegen

Dass mit «Firma X goes public» ein Börsengang

derselben – englisch Initial Public

Offering oder kurz IPO – gemeint ist,

wissen und verstehen wir mittlerweile.

Wie sich dies jedoch auf unsere Berichterstattungen,

Publikationen und Sprache

auswirkt, versetzte mich unlängst in

Staunen, als ich auf der Internetseite der

Schweizerischen Eidgenossenschaft auf

die Headline «Funghi goes classic» stiess.

Als Musikliebhaberin dachte ich umgehend

an die Pilzköpfe der Beatles oder an

Polo Hofer beim Pilze suchen und fragte

mich, ob es nach dem Gemüseorchester

nun auch ein Pilzorchester gibt. Vom

Staat gefördert.

Weit gefehlt, denn im Artikel-Anriss lese

ich: Empa-Geige übertrifft Stradivari. Die

Empa ist doch unsere Eidgenössische

Materialprüfungs- und Forschungsanstalt.

Gehören etwa die Pilzkontrolleure

neustens zur Empa? Nichts dergleichen,

denn im Artikel erfahre ich, dass es um

eine Biotech-Geige geht. Wird diese etwa

von Fairtrade gelabelten Engeln in Bio-

Nachthemden mit Pilzaufdruck gespielt?

Nein, unsere Empa forscht und entwickelt

sehr ernsthaft und nachhaltig. So

hat anscheinend ein Forscher aus pilzbehandeltem

Holz eine Geige hergestellt,

die im Blindtest die legendäre Stradivari

besiegte. «Goes» hat also nichts mit Gehen

im herkömmlichen Sinn oder gar einem

Börsengang zu tun, denn auch Quark

goes light, Swiss Olympian goes public,

Ticino goes digital, Edita Abdieski goes X-

Factor, und Globi ging schon 2009 public.

Nein, die damalige Blick-Schlagzeile

«Globi goes global» beschrieb das erste

Globibuch in englischer Sprache. Ich jedenfalls

gehe nirgendwo hin. Ich bleibe

im Oberengadin und hierher kommen ja

alle gerne!

Astrid van der Haegen ist Kommunikationsberaterin.

29


30

Beruf und Bildung

Firmen ohne Fankultur

Social Media. Verschiedene Schweizer Unternehmen nützen soziale Netzwerke

für Marketingzwecke. Die Mehrheit aber ist zurückhaltend. Es gibt gute Gründe

dafür und dagegen. Von Andrea Mašek

Fast 200 000 Facebook-Fans verzeichnet

die Kampagne «Slow down. Take

it easy». Die Homepage wurde bisher mindestens

12 Millionen Mal angeklickt. Dieses

erfolgreiche Beispiel verdeutlicht: Mit

Social Media ist man am Puls der Zeit.

Was einer gut findet, gefällt vielleicht

bald einer Gruppe und innert Kürze mehreren

tausend Internet-User/innen. Heute

wird auf die Online-Gemeinschaft gesetzt,

wissen die Forschenden am Gottlieb

Duttweiler Institut. Und: Persönliche

Empfehlungen holt man sich zunehmend

aus dem Internet. Die Markenberatungsagentur

Brandpulse hat festgestellt, dass

sich 20 Prozent aller Schweizer/innen von

Social Media bei ihren Kaufentscheidungen

beeinflussen lassen.

Verschämte Hinweise

Schweizer Unternehmen und Organisationen

machen sich diese Erkenntnisse zunutze:

Der KV Schweiz sammelt jugendliche

Freundinnen, Greenpeace Schweiz

Sympathisanten auf Facebook. Rivella

zählt über 18 000 Facebook-Fans, der TCS

findet Anklang sogar in Portugal. Ricola

und Holcim haben kürzlich den Startschuss

zu Facebook gegeben. Swiss und

die SBB informieren regelmässig via Twitter

über Flugpläne, Verspätungen, Störungen

oder freie Plätze.

Weit verbreitet ist die Social-Media-

Kommunikation aber nicht: «Noch nutzen

nur wenige Social Media», weiss Mar-

context 10 – 2010

keting-Experte Cary Steinmann von der

Zürcher Hochschule für Angewandte

Wissenschaften. Eine Studie der Kommunikationsfirma

Burson-Marsteller zeigt,

dass lediglich 30 Prozent der börsenkotierten

Firmen in der Schweiz auf Social

Media setzen – allen voran ABB, Adecco,

Nestlé, die Swatch Group und Swisscom.

Am meisten wird getwittert, dann folgt

die Nutzung von Facebook und YouTube.

Praktisch unberührt bleibt die Business-

Plattform Xing. Auffällig – oder eben gerade

nicht – ist: Auf den Homepages wird

oft gar nicht und wenn, dann vielfach

ganz versteckt auf die benutzten Social

Media hingewiesen.

Aus der Studie geht zudem hervor,

dass meist nur Informationen gestreut

werden. Firmen sind noch nicht wirklich

in einen Dialog mit den angepeilten Gruppen

getreten. Cary Steinmann kommentiert:

Der Begriff Social Media weise darauf

hin, dass es um Austausch geht. «Wer

sich also nicht Zeit nimmt für die Diskussion

mit den Usern – täglich oder mindestens

jeden zweiten Tag –, der soll es nicht

machen.» Sonst sehe man schlecht aus.

Unternehmensberaterin Claudia Hilker

verdeutlicht in ihrem Buch «Social

Media für Unternehmer» die Chancen des

Social Media-Marketings:

> Image- und Kundengewinn

> grösserer Bekanntheitsgrad

> Erreichung von Meinungsführern

> Erhöhung der Reichweite

> Marktforschung

> Mitarbeiter involvieren, dadurch

motivieren und näher an sich binden.

Grosser Aufwand

Für Cary Steinmann ist ein Social-Media-

Marketing kein Muss, aber «nice to have,

wenn dafür genug Leute, Ressourcen und

die nötige Kompetenz vorhanden sind».

Einem KMU mit 25 Mitarbeitern rät er davon

ab – es sei denn, es möchte mit gleich

gesinnten Firmen netzwerken. «Es wird

unterschätzt, wie personalintensiv ein

solches Engagement ist.» Er verweist auf

die Migros-Plattform Migipedia, hinter

der ein ganzes Team steckt. Auch Swiss

hat eine 100-Prozent-Stelle dafür geschaffen.

Stelleninhaber Christian Lüdi sagt:

«Der Aufwand wächst von Tag zu Tag.»

Geeignet ist der Einsatz von Social

Media in jenen Branchen, wo der interaktive

Austausch mit der Kundschaft wichtig

ist. Cary Steinmann denkt da an die

Reisebranche und die Medien. Eine

Schweizer Illustrierte könne zum Thema

neue Miss Schweiz viele Diskussionspartner/innen

anlocken. Denn die Leute würden

auch im Netz gerne plaudern. Hier rät

der Experte zu Facebook – und zu einer


juristischen Abklärung in Bezug auf den

Datenschutz.

Hochschulen könnten Blogs etablieren.

Steinmann: «Wer Konsumenten oder

Kundinnen einbinden oder mit ihnen etwas

entwickeln will, für den ist ein Blog –

vielleicht bei einem Meinungsführer – das

Richtige.» Auch Foren wären hier angebracht.

Steinmann empfiehlt sowieso nur

jene Tools, die man als Firma kontrollieren

kann.

Auch Swiss setzt auf einen Blog. Das

Unternehmen unterhält zudem einen

Newsroom und ist auf Flyer Talk aktiv, einem

der grössten Vielfliegerforen. Christian

Lüdi sagt: «Man kann viel gewinnen

mit einem Social-Media-Engagement.

Man erhält Inputs und konstruktive Kritik,

die Fans können unkompliziert und

schnell mit uns in Kontakt treten, auf Fragen

gibt es sehr schnell Antworten.»

Kritik einstecken

In ihrem Buch zeigt Claudia Hilker auf,

dass alle Unternehmensbereiche vom Social-Media-Marketing

profitieren: Der

bloggende Geschäftsführer gewinnt mehr

Aufmerksamkeit. Mit Auftritten auf Facebook,

Twitter und YouTube generiert das

Marketing stärkeren Verkehr. Die PR-Abteilung

knüpft im Newsroom wichtige Beziehungen.

Das Personalwesen findet in

Karriere-Portalen neue Mitarbeitende

und zeigt sich durch Firmenvideos als attraktiver

Arbeitgeber. Und der Vertrieb

kann sein Netzwerk mit Facebook, Twitter

und Xing ausbauen.

«Social bedeutet aber auch, mit schönen

und weniger schönen Situationen leben

zu müssen», sagt Cary Steinmann.

context 10 – 2010

Die Begeisterung im Netz kann eben sehr

schnell ins Gegenteil umschlagen: Das

beste Beispiel ist der Computerhersteller

Dell, an dem ein bekannter Blogger Kritik

übte. Die Medien griffen dies auf, was

schliesslich zu einem Aktiensturz führte.

Man müsse Kritik einstecken können,

sagt Steinmann. Claudia Hilker erwähnt

weitere Risiken des Social-Media-Marketings:

Laien als Mitgestalter, schwer messbare

Erfolge, die Produktion von Informationsmüll

und der Datenschutz.

Gratis-Werbeträger gewinnen

Wer sich nicht offen und transparent zeige,

für den mache der Einsatz von Social Media

keinen Sinn, ist Cary Steinmann überzeugt.

«Wir wollen ein transparentes Unternehmen

sein und begrüssen daher

diese neue Form der Kommunikation»,

hält der Pharmakonzern Roche in seinen

Grundregeln für die Online-Kommunikation

fest. Roche ist bei Twitter, LinkedIn,

Facebook und YouTube dabei und unterstützt

diverse Blogs. Zudem sind die Mitarbeiter

aufgerufen, Augen und Ohren offen

zu halten.

Die Migros hat mit Migipedia eine offene

Konsumentenplattform geschaffen,

auf der rund 1000 Produkte bewertet werden

können. User/innen tauschen sich

zudem aus oder nehmen an Umfragen teil.

Zum Beispiel möchte Migros wissen, ob

Eistee in Petflaschen oder im Tetrapak favorisiert

wird. Konstruktive Kritik ist erwünscht

und wird geliefert: So werden

etwa Kaugummi-Packungen als unpraktisch

und unhygienisch bemängelt.

«Wir setzen auf Social Media, weil unsere

Kundschaft auf diesen Medien aktiv

ist und weil wir da hören, was sie bewegt,

was sie gut oder schlecht findet, welche

Bedürfnisse wir abdecken oder eben noch

nicht», sagt Mediensprecher Urs Peter

Naef. Er erklärt, das Migros-Engagement

bei Facebook und Twitter werde von der

Community geschätzt. Star hier ist das

Huhn Chocolat aus der Migros-Werbung

mit über 40 000 Fans.

Wer Marken-, Produkte- und Dienstleistungsversprechen

authentisch und

vertrauensvoll umsetzt, kann von den

Kundenreaktionen profitieren, weiss Cary

Steinmann. «So schaffen es Unternehmen,

eine engagierte, bisweilen auch begeisterte

Community um sich zu scharen.

Die Verbraucher werden zu eigentlichen

ideologischen Markenmissionaren.» Als

Beispiele nennt er Apple und Nike.

Christian Lüdi unterstreicht, dass sich

die Social Media als neue Dimension in

der Krisenkommunikation bewährt haben.

Er bezieht sich dabei auf die Vulkankrise,

als der Flugverkehr in Europa

zum Stillstand kam. Für ihn sind Social

Media deshalb eine sehr gute Ergänzung

zur klassischen Kommunikation.

Andrea Mašek ist Context-Redaktorin.

andrea.masek@kvschweiz.ch

Claudia Hilker: Social Media

für Unternehmer – Wie man

Xing, Twitter, YouTube und

Co. erfolgreich im Business

einsetzt. Verlag Linde,

2010, CHF 33.40.

Definition SociAl MeDiA

Social Media sind soziale Netzwerke,

deren Inhalt hauptsächlich durch die

Benutzer/innen erzeugt wird. Es sind

Plattformen zum Austausch von Meinungen

und Erfahrungen. Die bekanntesten

in der Schweiz sind Facebook,

Twitter, YouTube, Wikipedia,

Xing, LinkedIn, Qype und Flickr. Blogs

werden ebenfalls zu den Social Media

gezählt.

31


32

Beruf und Bildung

Gesund bis zur Pensionierung

Arbeitsgestaltung. Der Anteil der Beschäftigten über 50 steigt. Ein altersspezifisches

Gesundheitsmanagement ist deshalb eine Investition, die sich

für Unternehmen lohnt. Von Elias Kopf

Der Jugendwahn der allgegenwärtigen

Werbeflut gaukelt uns vor, die

Schweiz sei eine Welt von Teenagern. In

Wirklichkeit hat bereits mehr als die Hälfte

der Bevölkerung das 40. Altersjahr überschritten.

Diesem Wandel muss sich auch

die Wirtschaft stellen, die je länger je weniger

um die Beschäftigung älterer Arbeitnehmender

herumkommt. Angesichts

der Offensichtlichkeit dieser Herausforderung

erstaunt es, dass bisher nur die

wenigsten Unternehmen über ein betriebliches

Gesundheitsmanagement (BGM)

verfügen, das speziell auf die Bedürfnisse

der über Fünfzigjährigen eingeht.

50+ als Zielgruppe erkennen

Hinter dieser Untätigkeit steckt nicht zuletzt

das hartnäckige Vorurteil, dass die

Leistungsfähigkeit mit zunehmendem Alter

unaufhaltsam abnehme. «Vielerorts

herrscht die irrige Ansicht, die Alten seien

gesundheitlich sowieso angeschlagen

und leisteten nichts mehr», moniert Daniela

Maag, Geschäftsführerin des zur

DArAuf solltEn siE AchtEn

> Bewegungs- und stützapparat Bewegung,

Kräftigung und Gymnastik ist

das A und O. Gelenk-, Muskel- und Rückenprobleme

sollte man nicht lange

erdulden, sondern den Hausarzt konsultieren.

Viele Schwierigkeiten lassen

sich mit gezieltem Training oder Physiotherapie

beseitigen.

> Kreislauf und Blutdruck Kreislauf und

Blutdruck jedes Jahr vom Hausarzt kontrollieren

lassen. Spaziergänge oder ein

massvolles Sport- und Fitnessprogramm

stärken den Kreislauf. Bluthochdruck

kann mit einer Veränderung der

Essgewohnheiten und gegebenenfalls

mit Medikamenten reguliert werden.

> Atmung und rauchen Spaziergänge sowie

massvoller Sport und Fitnesstrai-

context 10 – 2010

CSS-Gruppe gehörenden Gesundheitsmanagementberaters

Vivit Gesundheits

AG. Diese Formel, die Alter mit einem automatischen

Gesundheits- und Leistungszerfall

gleichsetzt, ist wissenschaftlich

allerdings nicht haltbar: «Älter

werdende Mitarbeitende können unter

Umständen einige für die Arbeit positive

Eigenschaften einbüssen, sie gewinnen

jedoch neue Fähigkeiten dazu», fasst der

Zürcher Soziologe François Höpflinger

die Erkenntnisse der Altersforschung zusammen.

Die Stärken der altgedienten Mitarbeitenden

liegen insbesondere beim Erfahrungswissen

und strategischen Denken.

So steigt nach Auskunft des Instituts

für Arbeitsmedizin (IFA) in Baden beispielsweise

die Fähigkeit, logisch zu argumentieren

und vernetzte Zusammenhänge

zu durchschauen. «Auch punkto

Selbstständigkeit, Urteilsvermögen, Genauigkeit,

Zuverlässigkeit, Loyalität,

Teamfähigkeit und sprachlichem Ausdrucksvermögen

sind ältere Mitarbei-

ning stärken die Atmung. Das Rauchen

sollte eingeschränkt und wenn möglich

ganz aufgegeben werden; der Hausarzt

kann die Entwöhnung medizinisch begleiten.

> Übergewicht Eine professionelle Ernährungsberatung

sowie ein massvolles

Bewegungs-, Sport- und Fitnessprogramm

schaffen Abhilfe.

> Depression Fünf Prozent der Bevölkerung

leiden unter Depressionen. Es ist

die häufigste nicht erkannte Erkrankung.

Wer mit näher rückender Pensionierung

eine düstere Lebenseinschätzung

entwickelt, sollte mit Familienangehörigen

und Freunden darüber

sprechen und gegebenenfalls eine psychologische

Beratung beiziehen.

tende ihren jüngeren Kollegen meist ein

paar Nasenlängen voraus», erklärt IFA-

Leiter Dieter Kissling.

Eine Studie des Seco zur Partizipation

älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer

kommt sogar zum überraschenden

Schluss: «Leistungsminderungen älterer

Arbeitskräfte sind meist das Resultat

von Mängeln in der Arbeitsgestaltung.

Auch eine allfällige Minderung der Lernfähigkeit

ist oft auf die Fehlnutzung personeller

Leistungsvoraussetzungen zurückzuführen.»

Damit ist klar: Ob

Angestellte über 50 produktiv bleiben,

hängt in hohem Mass davon ab, wie gut es

einem Unternehmen gelingt, auf altersspezifische

Gesundheitsaspekte Rücksicht

zu nehmen.

Im Bereich der Arbeitssicherheit und

des Gesundheitsschutzes sind sie sogar

gesetzlich dazu verpflichtet. «Viele Betriebe

wissen aber nicht einmal, wie viele

ihrer Mitarbeiter das 50. Altersjahr überschritten

haben», kritisiert Daniela Maag

und rät den Personalverantwortlichen zu

detaillierten Auswertungen: «Wer sich die

demografische Entwicklung des eigenen

Unternehmens einmal genau anschaut,

realisiert oft spontan, dass die älteren

Mitarbeitenden eine wichtige Zielgruppe

sind, die es punkto Gesundheit speziell

anzusprechen gilt.»

Ergonomie ist wichtig

Doch welches sind die spezifischen Gesundheitsbedürfnisse

älterer Mitarbeitenden?

Probleme treten am ehesten beim

Gedächtnis, bei der geistigen Umstellungsfähigkeit,

beim Lernen unter Zeitdruck,

bei der Geschwindigkeit der Informationsaufnahme

und -verarbeitung

sowie beim Abstraktionsvermögen auf.

Körperlich nehmen die Fähigkeiten der

Sinnesorgane und die Muskelkraft ab.

Hörprobleme können zum Beispiel rasch

den Eindruck intellektuellen Nichtverstehens

vermitteln und zur falschen Schlussfolgerung

führen, eine ältere Person sei

begriffsstutzig. Hier können Unterneh-


men mit der Gestaltung der Arbeitsinhalte

wirkungsvoll Gegensteuer geben.

Dieter Kissling vom IFA rät, älteren

Arbeitnehmenden vermehrt selbstständige

Arbeiten zuzuweisen oder Tätigkeiten,

bei denen Erfahrungswissen wichtig

ist. Auch Aufgaben, die Anforderungen an

Sozialkompetenz, sprachliche Gewandtheit

und Seriosität stellen, seien bei ihnen

gut aufgehoben. Ungeeignet seien Tätigkeiten

mit wenig Handlungsspielraum,

die unter Zeitdruck erledigt werden müssen.

Man solle aber nicht nur bei den Arbeitsinhalten,

sondern auch bei den Abläufen

auf eine altersspezifische

Gestaltung achten, so Kissling. Das gelte

insbesondere für die Ergonomie und die

Lichtgestaltung. Je nach Tätigkeit brauche

es spezielle Sehhilfen. «Ältere Menschen

leiden zudem oft unter Schlafproblemen;

mit gleitender Arbeitszeit lässt

sich darauf Rücksicht nehmen.»

Kultur des Dialogs

Will ein Unternehmen ernsthaft auf diese

altersspezifischen Aspekte von Arbeitsinhalt

und -gestaltung eingehen, braucht es

mehr als eine gut gemeinte Pflästerchenpolitik,

wie Daniela Maag betont: «Nötig

ist ein systematisches Vorgehen. Da die

Situation in jedem Betrieb anders aussieht,

muss man die Ausgangslage genau

analysieren und massgeschneiderte Ziele

definieren.» Dabei könne es hilfreich sein,

die Kaderleute für altersspezifische Fragen

zu sensibilisieren.

context 10 – 2010

YOUR

IT HEART

BEAT

Andererseits bringe es viel, mit den älteren

Mitarbeitern individuelle Standortgespräche

zu führen, um herauszufinden,

wo sie stehen, was sie in den nächsten Jahren

im Unternehmen erreichen wollen

und was sie dazu brauchen. Damit das

funktioniere, sei allerdings eine Kultur

der Redlichkeit nötig. Insbesondere solle

man transparent kommunizieren, wieso

man sich um die Gesundheitsbelange der

älteren Mitarbeitenden kümmern wolle.

«Dann können Vorgesetzte, HR-Verantwortliche

und Mitarbeitende gemeinsam

geeignete Massnahmen entwickeln und

umsetzen», erklärt Maag.

investition in die Zukunft

Bis diese Art des altersspezifischen Gesundheitsmanagements

in Schweizer Unternehmen

zur Selbstverständlichkeit

wird, ist es noch ein weiter Weg. Nach

Maags Schätzung sind heute 90 Prozent

der Betriebe noch nicht bereit, aktiv in die

Gesundheitsförderung der Mitarbeitenden

über 50 zu investieren. Daher sei es

wichtig, dass den Unternehmen die Notwendigkeit

von verschiedener Seite immer

wieder von Neuem aufgezeigt werde.

Daniela Maag: «Unsere Botschaft ist, dass

ein altersspezifisches Gesundheitsmanagement

eine Investition in die Unternehmenszukunft

darstellt, die sich zurückzahlt».

Elias Kopf ist freier Journalist in Basel.

kopf@kohlenberg.ch

«Die bei iSource zentralisierte

Plattform trägt erheblich dazu

bei, dass uns massgeschneiderte

IT Services zu transparenten

Preisen zur Verfügung

stehen. Wir haben heute eine

optimale IT-Basis für die

kontinuierliche Unterstützung

vielfältiger Businessanforderungen

sowie unserer Wachstumsstrategie.»

Marco Fausch

IT & project manager

Starbucks Coffee

Switzerland & Austria

BEispiEl coop

Mit 27 Prozent älteren Mitarbeitenden

liegt Coop im Schweizer Durchschnitt.

Vor drei Jahren startete das Unternehmen

das Projekt 50+. Nach einer Evaluierung

wurden folgende Teilprojekte

umgesetzt:

> leistungsfähigkeit erhalten In zwei

grossen Logistikzentren und einem

Produktionsbetrieb wurden ergonomische

Analysen durchgeführt und Verbesserungsmassnahmen

umgesetzt.

> Wissen und Können erhalten Mit Geschäftsführern

über 50 Jahren wurden

Standortgespräche geführt. Darauf abgestützt

entstanden die beiden Weiterbildungen

«Refreshkurs für erfahrene

Geschäftsführer» und «Selbstmanagement

für erfahrene Geschäftsführer».

> teilpensionierung Die vorzeitige Teilpensionierung

wurde finanziell attraktiver

gemacht.

«Wir stellten fest, dass die betroffenen

Mitarbeitenden den Austausch unter ihresgleichen

als sehr bereichernd empfanden,

sobald die Ängste abgebaut waren,

welche die Thematisierung ihres

Lebensalters auslöste», sagt Coop-Sprecher

Nicolas Schmied. Die Massnahmen

aus dem Projekt 50+ werden nun ins betriebliche

Gesundheitsmanagement integriert.

Schmied: «Denn es ist zu spät,

wenn man sich erst als Fünfzigjähriger

mit der richtigen Ernährung oder dem

korrekten Heben und Tragen von Lasten

befasst.»

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Branchen verlassen sich täglich auf die

langjährige Erfahrung und die ausgewiesenen

Spezialisten von iSource. www.isource.ch

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Leben

context 10 – 2010


Ach, so schön ist Panama

Carol Franklin, 59, lebt zwischen zwei Welten: Die ehemalige Context-

Kolumnistin besitzt Edelholz-Plantagen in Panama, wo sie jeweils

den Winter verbringt. In der Schweiz amtet sie zudem als Ombudsfrau

von Postfinance. Von Andrea Mašek / Foto Reto Schlatter

Von ihrem Küchenfenster aus blickt

Carol Franklin auf einen wunderschönen,

alten, hohen Kastanienbaum.

Nicht nur dieser hat es der Unternehmerin

angetan: Sie ist Herrin über mehrere

Baumplantagen in Panama. Dort

weilt sie momentan auch.

Es sei heiss und schön in diesem mittelamerikanischen

Land, sagte sie kurz

vor ihrer Abreise, froh, dem Schweizer

Winternebel dadurch entfliehen zu können.

Zuerst allerdings erwartet sie Regen,

viel Regen. Doch Carol Franklin ist überzeugt,

gut vorgesorgt zu haben, in jeder

Beziehung – nicht umsonst heisst ihre

Kollektivgesellschaft «vorausdenken».

Insbesonders die vergangenen vier

Jahre haben sie dies gelehrt. Denn 2006

sass Carol Franklin tief im Sumpf – analog

der Schlammfrau, die heute ihren

Garten in Affoltern am Albis ziert. Sie

hatte wie 2800 andere Personen in die

Prime Forestry AG investiert, die in Panama

FSC-zertifizierte Teakhölzer aufzog

und vermarktete. Einen Baum oder

mehrere Bäume zu besitzen und dadurch

den Urwald vor dem Abholzen zu retten,

diese Idee gefiel der ehemaligen Geschäftsführerin

des WWF Schweiz genauso

wie ihren Mitinvestor/innen.

Franklin stellte sich sogar als Vizepräsidentin

des Verwaltungsrats zur Verfügung

– und wurde dennoch von der Liquidation

der Firma völlig überrascht.

Zur Unternehmerin geworden

Obwohl von der Bankenaufsicht von jeder

Schuld freigesprochen, fragt sie sich bis

heute: «Hätte ich etwas merken müssen?

Warum habe ich das Unheil nicht kommen

sehen?» Sie sei nun einmal mitverantwortlich

gewesen, sagt sie. Viele Leute,

die in Prime Forestry investierten, hätten

ihr vertraut.

Das Vertrauen konnte Carol Franklin

zu einem grossen Teil zurückgewinnen.

Sie beschloss, selbst Unternehmerin zu

context 10 – 2010

werden und kaufte zusammen mit fünf

Aktionären die vom Konkurs nicht betroffene

Tochtergesellschaft Prime Forestry

Panama S.A. inklusive Plantagen. Franklin

überzeugte schliesslich 85 Prozent der

Investor/innen, doch noch einmal Geld

anzulegen und so Aktionär/innen der

neuen Firma Forests for Friends AG zu

werden.

Heute ist Carol Franklin Verwaltungsratspräsidentin

der Forests for Friends AG

und der Tree Partner Company AG. Beide

Gesellschaften betreiben in Panama land-

und forstwirtschaftliche Pflanzungen mit

tropischen Edelhölzern. Das Credo dabei

lautet Nachhaltigkeit, in Bezug auf sozi-

ale Verpflichtung, ökologische Verantwortung

und angemessenen Gewinn.

Alle unternehmerischen Aktivitäten von

Franklin sind administrativ bei «vorausdenken»

konzentriert.

Mit internationaler Erfahrung

Alleine wollte und konnte Carol Franklin

die Gesellschaft jedoch nicht aufziehen.

«Von Buchhaltung zum Beispiel habe ich

noch nie etwas verstanden», gibt die

studierte Anglizistin, Germanistin und

Publizistin offen zu. In einer von vielen

schlaflosen Nächten beschwor sie ihren

Ehemann Rudolf Engler: «Du musst mir

helfen.» Als gelernter Kaufmann, ehemaliger

Berufsoffizier und selbstständiger

Notlagen-Trainer sollte er seiner Frau in

ihrer Notlage beistehen.

Er wandte ein, er hätte keine «Auslanderfahrung»

und ihm würden auch

die nötigen Sprachkenntnisse fehlen.

Die macht aber Carol Franklin mehr als

wett – die Tochter eines Briten und einer

Schweizerin hat die ersten neun Lebens-

jahre in Nordengland verbracht und ist

zweisprachig aufgewachsen. Zudem

spricht sie fliessend Spanisch. Und als

ehemalige Direktorin der Schweizer Rück,

HR-Direktorin der Swiss-Re-Gruppe sowie

Mitglied der Geschäftsleitung der Europa-Abteilung

der Swiss Re hat sie viel

Erfahrung im internationalen Geschäft.

Rudolf Engler akzeptierte und wurde

Delegierter des Verwaltungsrats. Der

Zeitpunkt war für beide ideal: Er hatte gerade

ein Buchprojekt beendet, sie ein befristetes

eineinhalb-jähriges Engagement

beim Schweizerischen Landesmuseum

als Mitglied der Geschäftsleitung und Leiterin

Betriebswirtschaft.

«Einen Baum zu besitzen und dadurch den Urwald

vor dem Abholzen zu retten, diese Idee gefiel mir.»

«Zusammen zu arbeiten ist nicht einfach»,

sagt Carol Franklin nachdenklich,

«wir haben beide eigene Karrieren gehabt,

verschiedene Führungspositionen bekleidet

und eigene Führungsstile entwickelt.»

Aber sie würden sich zusammenraufen

– «wir sind auch nach wie vor

verheiratet», meint sie lächelnd.

Ein Herz für Mensch und Umwelt

Mit diesen privaten und beruflichen Erfahrungen

ist sie prädestiniert für das

Amt der Ombudsfrau, das sie seit 2009 bei

Postfinance inne hat. Vier Jahre zuvor hat

sie Ombudscom, die Schlichtungsstelle

der Schweizer Telekombranche aufgebaut,

wo sie bis letztes Jahr tätig war. Obwohl

sie in jener Zeit eine Ausbildung zur

Mediatorin absolviert hat, sagt sie von

sich, sie sei keine gute Vermittlerin.

«Ganz im Gegensatz zu ihr»: Sie zeigt

auf Jacqueline Jakob, eine ehemalige Diplomatin

und heute Geschäftsführerin

von Forests for Friends AG und The Tree

Partner Company AG. Diese sitzt an ih-

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Leben

rem Pult neben dem Sitzungstisch, an

dem das Gespräch mit Franklin stattfindet.

Der «Firmensitz» von «vorausdenken»

besteht aus einem lichtdurchfluteten

Büroraum, der mitten in Affoltern am

Albis liegt. Ein paar Arbeitsplätze, der

grosse ovale Sitzungstisch, auf dem verlockende

Pralinés liegen, Ablageflächen –

die Infrastruktur ist schlicht gehalten.

Gleichzeitig mit Context ist auch ein Werber

zu Besuch. Franklin hört mit einem

Ohr zu, auch wenn Jakob telefoniert, und

lobt ihre Geschäftsführerin für deren Verhandlungsgeschick.

Als Ombudsfrau hört Carol Franklin

zu, klärt ab, vermittelt und empfiehlt. Sie

wertet nicht und unterstützt die Beteiligten

beim Finden einer Lösung. Sie betont

aber: «Es geht dabei nie darum, wer recht

hat – sehr oft haben eben beide Seiten

recht.» Für wen ihr Herz aber meistens

schlägt wird klar, wenn sie Fälle schildert,

mit denen sie konfrontiert worden ist. Dahinter

liegen manchmal sehr traurige

menschliche Schicksale.

Sie selbst will eine Unternehmerin

mit sozialem Gewissen sein. Das Umweltbewusstein,

das sie unter anderem in Panama

investieren liess, hat sich in ihrer

Karriere schon mehrfach manifestiert:

Drei Jahre lang war Carol Franklin Geschäftsleiterin

des WWF Schweiz. Sie amtete

als Beirätin des Swissca Green Invest

Fonds, als Mitglied der beratenden Landwirtschaftskommission,

Mitglied des Forums

für Nachhaltigkeit des Kantons

Basel-Landschaft und als Verwaltungsrätin

einer Recycling Firma.

Auf der Suche nach Herausforderung

Spannende Tätigkeiten sucht Carol

Franklin und auch immer die Herausforderung,

Neues zu schaffen. Wichtig findet

sie, dass man im Leben und in der Arbeit

macht, was man gerne tut. «Ich hatte immer

Glück.» Sie sagt weiter: «Wo immer

man startet, und ist es noch so tief, kommt

man nach oben, wenn man gut arbeitet

und Einsatz zeigt.» Sie ist als Hochschulabsolventin

1979 in die Schweizer Rück

«reingerutscht». Von der Sachbearbeiterin

in der Sektion Luftfahrt arbeitete sie

sich zur Handlungsbevollmächtigten,

context 10 – 2010

Prokuristin, Vizedirektorin und schliesslich

zur Direktorin hinauf. Als Leiterin

der Abteilung Luftfahrt war sie für 25 Mitarbeitende

und 250 Millionen Franken

Prämienvolumen zuständig.

Sie rät jedoch – vor allem Frauen –, «in

grossen Firmen nicht in den Stab zu gehen,

sondern ins Business. Für mich waren

die 16 Jahre im Business in der Rück

ideal. Als ich ins HR wechselte wurde ich

ernst genommen, denn man wusste, ich

kannte das Business.» Aber eben: Aus

dem Stab ging sie wieder ins Business zurück.

Sie empfand den Job als Mitglied der

Geschäftsleitung der Division Europa,

verantwortlich für Nordeuropa und das

östliche Mittelmeer, als langweilig. Nach

20 Jahren in der gleichen Firma stellte sie

fest: «Ich habe schon alles mitgemacht. Es

«Es ist spannend, in einem Land zu leben, wo die

Bevölkerung überzeugt ist, es gehe aufwärts.»

fehlte mir die Spannung.» Zudem machte

das Unternehmen eine Wandlung durch,

wurde zur Bonus-getriebenen Gesellschaft,

was Franklin nicht behagte.

Netzwerke sind wichtig

Sie verliess Swiss Re und übernahm die

Geschäftsleitung des WWF Schweiz. Sie

führte da 180 Personen und ermöglichte

die Erhöhung des Budgets innert drei Jahren

von 28 auf 45 Millionen Franken. Darauf

ist sie stolz. So anders jedoch als bei

der Swiss Re war der Job nicht, sagt sie.

Beide Unternehmen kümmern sich um

die Sicherheit für die Zukunft, langfristig,

es geht nicht um Produkte, und die Angestellten

sind total überzeugt von der Sache.

«Das ist schön, aber es macht die

Führung schwierig.» Nicht einfach waren

auch Freiwillige und Sektionen zu handhaben.

Weil sie dem Stiftungsrat vorwarf,

er trage die von ihm mitgestaltete Strategie

nicht mit, wurde sie entlassen.

Es folgten zwei Jahre als Geschäftsleiterin

von «In the Spirit of Davos», einer

Stiftung der Eidgenossenschaft, des Kantons

Graubünden und der Landschaft Davos

zur Förderung eines offenen Dialogs

zwischen Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft

über Themen der Globalisierung.

Daneben bekleidete und bekleidet

Carol Franklin zahlreiche weitere Ämter:

u.a. ist sie Mitglied des Stiftungsausschusses

Kinderdorf Pestalozzi und des

Ethikkomitees der Invera Investment

Ethics Research & Advisory AG.

Sie gehörte zudem dem Vorstand des

Vereins «Platform-Networking for Jobs»

an. Mit dem Netzwerken würde sie zuviel

Zeit verbringen, kritisiere ihr Mann sie ab

und zu. «Ich habe aber das Bedürfnis,

mich zu vernetzen und eine Vernetzung

braucht es, vor allem auch als Frau», betont

Carol Franklin.

Emotionale Baumgeschichten

Ganz vernetzt ist bei Franklin das Arbeits-

und Privatleben. «Ich trenne nicht zwischen

Privat- und Geschäftsleben.» Das

gehe kaum. Sie sei, was sie sei, durch beides

geworden. Wenn sie doch einmal

nicht arbeitet und nicht Arbeiten im

Haushalt verrichtet, dann stellt sie zum

Beispiel Quilts her. «Früher habe ich gestrickt,

aber dafür ist es in Panama zu

heiss», sagt sie. Oder sie lese. Einfach

nichts tun, das könne sie nicht sehr gut.

In Panama hat die Unternehmerin

auch genug zu tun. Es sei nach wie vor

nicht einfach mit den beiden Firmen, obwohl

man keine Risiken eingegangen sei,

sondern sich auf die Rettung des Bestehenden

konzentriert habe. Immerhin lief

es so gut, dass nach einem Jahr der Konsolidierung

der Forests for Friends AG im

Jahr 2007 The Tree Partner Company AG

gegründet werden konnte. Es werden also

wieder Investor/innen gesucht.

Immer wieder betont Franklin die

Emotionalität, die in diesem Unternehmen

steckt respektive im Besitz von lebenden

Bäumen. Die Kleinaktionär/innen,

die zu Tree Partnern werden, tun

dies oft tatsächlich aus emotionalen

Gründen. Franklin erklärt, es handle sich

teils um junge Eltern, die Bäume für ihre

Kinder kaufen oder um Grosseltern, die

dasselbe für ihre Enkelkinder tun. Es

gebe auch viele 40- bis 45-Jährige, die ihr

Geld auf diese Weise langfristig investieren.

Rechnen müssen sie mit 20 Jahren

Laufzeit. Erst dann wirft ein angepflanzter

Edelholz-Baum Gewinn ab.

Die Tücken des Alltags

Die Aktionär/innen seien aufgestellte

Leute, berichtet Franklin. Sie freut sich

deshalb immer auf die Generalversammlung,

die jeweils im Mai in Affoltern am

Albis stattfindet. Manche kämen zudem

auf die Investorenreise nach Panama mit.

Nicht ganz so amüsant sind die Behörden

in Panama. Die Bürokratie dort sei schon

sehr gross, seufzt Carol Franklin. Sie führt


dies auf die Kolonialzeit zurück. «Und es

gibt Korruption», sagt die Unternehmerin.

Momentan muss sie sich ausserdem mit

einem Nachbarn herumschlagen, der

Land von Forests for Friends Panama einem

Amerikaner verkauft hat, der darauf

ein Hotel errichten will.

Ansonsten kann sie es gut mit den

Nachbarn. Das Nachbarsmädchen aus

Affoltern war immer wieder mal Thema

der Kolumnen, die Carol Franklin für

Context geschrieben hat. Heute textet sie

für eine Lokalzeitung, und bringt den Leser/innen

das Land Panama und dessen

andere Kultur auf witzige Art näher. Auch

darin geht es um Kinder sowie um Kleidervorschriften,

Ausländer, Religion, Verkehr

oder die Tücken des Alltags. Dabei

offenbart sie aber auch viel über sich

selbst: zum Beispiel, dass sie keinerlei

Orientierungssinn besitzt oder gerne

gärtnert – vor allem nun in ihrem exotisch-tropischen

Garten in Panama.

Blick in die Zukunft

In einer Kolumne schreibt sie, dass sie

von ausgewanderten Bürgern Panamas

immer wieder gefragt wird, wie sie nur

dort leben könne. Hier in der Schweiz sei

es doch viel ruhiger, geordneter und Vieles

funktioniere. «Ja, das stimmt schon»,

antwortet sie jeweils, «aber es ist auch

spannend, in einem Land zu leben, das

sich entwickelt und wo die Bevölkerung

überzeugt ist, es gehe aufwärts und die

Zukunft sei besser als die Gegenwart.»

Carol Franklin denkt in Panama ebenfalls

voraus: Aktiver werden will sie im

neuen Verband der Plantagenbesitzer.

Und obwohl die «Ernte» in weiter Ferne

ist, sucht sie bereits eine Sägerei, die dereinst

das Holz verarbeiten soll. Sie erzählt

von ihrer neuen Firma, die Biolammfleisch

produziert. Dieses Projekt möchte

sie auch zertifizieren lassen, wie alle anderen

ihrer Unternehmungen. Sie unterstreicht,

die Fleischfirma werde nur Land

beanspruchen, auf dem sonst nichts

wächst. Man zerstöre nichts. Überhaupt

möchte sie der Bevölkerung von Panama

den Biogedanken näher bringen. Es gebe

im ganzen Land gerade mal einen Bioladen.

«Ich höre nie auf zu missionieren»,

sagt sie lächelnd. Aber, fügt sie an, so

schaffe sie auch Arbeitsplätze.

Andrea Mašek ist Context-Redaktorin.

andrea.masek@kvschweiz.ch

Reto Schlatter ist Fotograf im Zürcher Presseladen.

mail@retoschlatter.ch

context 10 – 2010

mit Vertiefungsmöglichkeiten**

Dipl. Mentalcoach

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Ratgeber

Büroalltag

Kann ich noch einen

Stellenwechsel wagen?

Ich bin 55 Jahre alt und arbeite seit gut 20 Jahren

für dieselbe Firma. Seit ungefähr einem

Jahr haben wir einen neuen Abteilungsleiter.

Zwischen ihm und mir bestehen viele Unstimmigkeiten,

welche sich leider nicht beheben

lassen. Aufgrund dieser Arbeitssituation

ziehe ich nun in Erwägung, den Arbeitsplatz

zu wechseln. Ich habe jedoch Angst, dass ich

aufgrund meines Alters keine neue Stelle

mehr finde. Was würden Sie mir raten?

Ihre Angst, keine neue Stelle mehr zu

finden, hängt vermutlich mit den gängigen

Vorurteilen gegenüber älteren Bewerbern

zusammen. Lange Zeit wurden diese auf

dem Arbeitsmarkt benachteiligt und galten

als teuer, räumlich immobil und unflexibel.

Inzwischen findet bei immer mehr Unternehmen

ein Umdenken statt und die Chancen

für Bewerber über 50 steigen. Versuchen

Sie, einen anstehenden Stellenwechsel

als Herausforderung für eine neue berufliche

Entwicklung zu sehen.

Im Bewerbungsprozess können Sie Ihr

breites soziales Netzwerk nutzen. Durch

persönliche Empfehlungen oder Mund-zu-

Mund-Propaganda können Sie an potenzielle

Stellen gelangen. Als erfahrener Arbeitnehmer

verfügen Sie über wertvolle

Kriterien, mit denen Sie punkten können.

Heben Sie selbstbewusst Ihre Kompetenzen

wie spezifisches Fachwissen, geistige

Flexibilität, Teamfähigkeit, Loyalität und

Gelassenheit hervor. Spitzen Sie Ihre Kompetenzen

genau auf den neuen Job zu. Zeigen

Sie Leidenschaft, indem Sie beschreiben,

was Sie in Ihrem Leben angepackt und

erfolgreich geschafft haben. Weisen Sie auf

Ihre Ungebundenheit hin: Auf Sie warten

zu Hause keine kleinen Kinder mehr.

Ihre schriftliche Bewerbung sollten

Sie den heutigen Standards anpassen. Die

Unternehmen erwarten aussagekräftige

Bewerbungen. Heben Sie präzise hervor,

weshalb Sie sich für diese Stelle bewerben

und worin Ihre wertvolle Mitarbeit besteht.

Bekräftigen Sie, dass Sie Ihr Fachwissen

durch Weiterbildungen stets weiterentwickelt

haben.

Einen Vorteil haben Sie gegenüber jüngeren

Bewerbern: Sie können gelassener

ins Bewerbungsgespräch gehen, denn sie

wissen dank ihrer langen Berufserfahrung,

dass überall nur mit Wasser gekocht wird.

context 10 – 2010

Patrizia Rizzo

Psychologin lic.phil.,

ist Trainerin und

Beraterin bei ICAS

Schweiz, einem

Unternehmen für

externe Mitarbeiterberatung.

Bildung

Was ist wichtig bei der

elektronischen Bewerbung?

Heute muss man sich zunehmend auf elektronischem

Weg bewerben. Was ist anders als

bei Bewerbungen per Post, und wie kann ich

mich optimal präsentieren?

Eine E-Mail-Bewerbung besteht aus Bewerbungsschreiben

und Lebenslauf. Nur

wenn ausdrücklich gewünscht, hängen Sie

auch Ihr letztes Arbeitszeugnis und den

höchsten Bildungsabschluss an. Fügen Sie

den Hinweis bei, dass bei Interesse gerne

die ganze Bewerbung nachgeschickt wird,

per Mail oder Post. Formal sind folgende

Punkte zu beachten:

> Neutrale und seriöse E-Mail-Adresse, am

besten Vorname (oder Initial) und Nachname.

> Keine Freemail-Anbieter, bei denen Ihre

Mails mit Werbung versehen werden.

> Wenn Sie den Brief als Mail senden, keine

Formatierungen verwenden.

> Name, Adresse und Kontaktdaten angeben.

> Auch hier: höfliche Anrede gebrauchen.

Nix mit «Hallo»!

> Attachments: nur im pdf-Format, klare

Dateinamen, und insgesamt nicht mehr

als 2 MB.

Schicken Sie die Bewerbung zuerst an

sich selbst und kontrollieren Sie Grösse, Zeilenumbrüche,

Einzüge, Umlaute etc. Und

nicht vergessen: Elektronische Post funktioniert

sehr schnell – auf beide Seiten! Bereiten

Sie darum das vollständige Dossier unbedingt

vor dem Versand Ihrer Bewerbung

schon vor.

Vor allem grosse Unternehmen wollen

Bewerbungen zunehmend über ihr eigenes

Online-Formular erhalten. Wählen Sie

diese Art der Bewerbung nur, wenn Ihnen

das Unternehmen keine andere Wahl lässt.

Sie lässt Ihnen in der Form am wenigsten

Raum zur Individualisierung Ihrer Bewerbung

– doch genau darum geht es ja: Profil

zu zeigen. Die entscheidende Frage ist hier

wie bei jeder Bewerbung: Wie wecken Sie

das Interesse der Leserin, des Lesers?

Wenn Sie eine Bewerbungs-Website

oder gar ein Bewerbungsvideo in Betracht

ziehen, sollten Sie den grossen Aufwand bedenken:

Sie müssen absolut professionell

sein – die Homepage muss zusätzlich leicht

zu bedienen sein, das Video glaubwürdig,

textsicher und nicht zu privat.

Ralf Margreiter

Stabsstelle

Bildungspolitik

KV Schweiz


Recht

Darf der 13. Monatslohn

gekürzt werden?

Seit dem 1. März 2009 arbeite ich in einer kleineren

Boutique im Verkauf. Am 8. November

2009 wurde ich wegen einer seltenen Krankheit

krank geschrieben. In der Folge blieb ich

bis am 30. April 2010 krankheitshalber

arbeitsunfähig. Den Lohn erhielt ich nur

während den ersten drei Wochen meiner

Krankheit ausbezahlt. Nun hat der Arbeitgeber

mitgeteilt, dass er mir dieses Jahr den

13. Monatslohn wegen meiner langen krankheitsbedingten

Abwesenheit kürzen werde.

Darf er dies wirklich machen?

Ein 13. Monatsgehalt (oder eine Gratifikation)

kann gekürzt werden, wenn ein

Arbeitnehmer im entsprechenden Jahr längere

Zeit wegen Krankheit ausfällt und für

einen Teil dieser Zeit keinen Anspruch auf

Lohnfortzahlung mehr hat. Sie waren dieses

Jahr von Januar bis April arbeitsunfähig.

Hätten Sie während dieser Zeit keinen Anspruch

auf Lohnfortzahlung mehr gehabt,

könnte der Arbeitgeber den 13. Monatslohn

anteilmässig für 4 Monate kürzen. Nun ist

es allerdings nicht so, dass Sie 2010 keinen

Anspruch auf Lohnfortzahlung mehr gehabt

haben. Das Gesetz sieht nämlich vor,

dass der Anspruch des Arbeitnehmers auf

Lohnfortzahlung bei unverschuldeter Verhinderung

an der Arbeitsleistung pro

Dienstjahr besteht. Das erste Dienstjahr endete

am 28. Februar 2010. Bis zu diesem

Zeitpunkt zahlte der Arbeitgeber während

drei Wochen den Lohn, wie dies in Art. 324a

OR vorgesehen ist. Mit Beginn des zweiten

Dienstjahres am 1. März 2010 entstand der

Anspruch auf Lohnfortzahlung jedoch erneut.

Gemäss der in Ihrem Fall anwendbaren

Zürcher Skala besteht dieser Anspruch

im 2. Dienstjahr für 8 Wochen.

Für die Zeit ab dem ersten März 2010 bis

zum Zeitpunkt, als Ihre Arbeitsunfähigkeit

beendet war (Ende April), hätte Ihnen der

Arbeitgeber deshalb den Lohn zahlen müssen.

Sie können diesen Lohn noch nachfordern.

Im Jahr 2010 hatten Sie somit bis heute

lediglich für die Monate Januar und Februar

keinen Lohnanspruch. Der 13. Monatslohn

für das Jahr 2010 darf deshalb von Ihrem

Arbeitgeber um zwei Zwölftel gekürzt werden.

context 10 – 2010

Felix Kuster

arbeitet beim

Rechtsdienst

des KV Schweiz.

Gesundheit

Soll ich mich gegen die

Grippe impfen lassen?

Ich, 54-jähriger Mann, habe mich während

der Pandemie nicht gegen Grippe impfen lassen.

Eigentlich bin ich gesund, leide aber

während der Heuschnupfenzeit unter Asthma.

Nun wird wieder empfohlen, sich gegen

Grippe zu impfen. Ich bin unschlüssig, höre

ich doch immer wieder von unangenehmen,

starken Nebenwirkungen.

Jedes Jahr kommt es im Winterhalbjahr

zu einer Grippeepidemie, die zu zahlreichen

Erkrankungen führt. Jährlich sterben

in der Schweiz 400 bis 1000 Menschen an

den Folgen der Grippe. Tödlich verläuft die

Grippe vor allem bei der über 65-jährigen

Bevölkerung. Als Komplikationen können

Lungenentzündung (in etwa 5% der Fälle)

und Ohrenentzündung auftreten (in etwa

10% der Fälle). Grippepatienten fehlen im

Schnitt 11 Tage am Arbeitsplatz. Jährlich

müssen 1000 bis 5000 Patienten wegen der

Grippe hospitalisiert werden.

Folgende Menschen sollten sich impfen

lassen: Personen mit einem erhöhten Komplikationsrisiko,

das heisst: Menschen ab 65

Jahren, Personen mit chronischen Erkrankungen,

schwangere Frauen ab dem 4.

Schwangerschaftsmonat und Frauen, die in

den letzten 4 Wochen geboren haben und

Menschen, die regelmässig Kontakt mit Personen

mit chronischen Erkrankungen haben,

ebenso Menschen in Medizinal- und

Pflegeberufen sowie all jene, die das Erkrankungsrisiko

aus privaten oder beruflichen

Gründen reduzieren möchten. Nicht

impfen lassen sollten sich Menschen mit einer

Allergie auf Hühnereiweiss und Säuglinge

unter 6 Monaten. Personen mit einem

akuten Infekt mit Fieber sollten die Impfung

verschieben.

Als Nebenwirkung gibt es oft eine Rötung

oder Schmerzen an der Einstichstelle.

Dies ist harmlos und vergeht innerhalb von

zwei Tagen. Bei etwa 5% der Geimpften

führt die Impfung zu Fieber, Muskelschmerzen

und Krankheitsgefühl. Schwerere Reaktionen

sind äusserst selten und das Risiko

ernsthafter Komplikationen durch die

Grippe ist viel grösser als schwere Nebenwirkungen

durch die Impfung. Am 5. November

ist der nationale Grippeimpftag, an

dem Sie sich bei Ihrem Hausarzt für 25 Franken

impfen lassen können. Somit würde ich

Ihnen die Impfung empfehlen.

Dieter Kissling

ist Leiter des

Instituts für

Arbeitsmedizin

in Baden.

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KV AKtuell

Neue Merkblätter

Fragst du dich, wie du Büroassistentin oder

Kaufmann wirst? Zerbrichst du dir den Kopf

darüber, wie du dich am besten auf den ersten

Tag im Betrieb vorbereiten kannst?

Kennst du deine Rechte und Pflichten in der

Lehre? Hast du im Betrieb Ärger mit einem

Mitarbeiter? Möchtest du wissen, wie du dich

am besten auf die Lehrabschlussprüfung

vorbereitest?

Auf alle diese Fragen und noch viel mehr

gibt die neue Merkblattserie «Rund um die

Lehre» des KV Schweiz Auskunft. Sie steht

unter www.kvschweiz.ch/Jugend/Merkblattserie

gratis zum Downloaden bereit.

Gegliedert sind die Merkblätter in die Kategorien:

> Berufsinfo

> Einstieg in die Lehre

> Mitten in der Lehre

> Lehrabschluss

> Wie weiter nach der Lehre?

Die einzelnen Merkblätter – die aus einem

A4-Blatt oder höchstens zwei Blättern

bestehen – informieren über Lehrverträge

und Vorbereitungen vor der Lehre, über die

drei Lernorte zum Beispiel eines Detailhandelsassistenten

oder einer Detailhandelsfachfrau

sowie den richtigen Umgang mit

Geld. Lernende kommen mit ihnen fit durch

die Lehre und erhalten wertvolle Tipps zum

Jobeinstieg. pd

NAchruf

Ehrenmitglied Arnold Minder, Binningen BL

Am 28. September 2010 ist Arnold Minder

im 88. Altersjahr gestorben. er war 1979

zum ehrenmitglied ernannt worden.

Arnold Minder gehörte dem KV 70 Jahre

lang an. Davon war er 17 Jahre Vorstandsmitglied

des KV Basel, den er in einer AHV-

Ausgleichskasse und im gewerblichen

Schiedsgericht Basel-Stadt vertrat. Ausserdem

gehörte er von 1971 bis 1978 der kantonalen

Fachkommission für die kaufmännischen

Lehrberufe an. Auch dem KV

Schweiz stellte Arnold Minder seine Fähigkeiten

zur Verfügung, unter anderem in der

Kommission für Standespolitik und von

1967 bis 1977 als Mitglied des Zentralvorstandes.

In seinen Funktionen zeichnete er

context 10 – 2010

Drei glückliche Gewinnerinnen und Gewinner

rené Manz aus Mönchaltorf (r.) erhält seinen Gewinn von rolf Butz, Geschäftsleiter

KV Zürich.

Beat Schürmann, Geschäftsleiter KV luzern,

übergibt den iPad an Virginia Bosshard

aus Kriens.

sich aus durch Pflichtbewusstsein, Aufgeschlossenheit

und Einsatzfreude. Seine

Weggefährten schätzten seine kollegiale,

menschliche Haltung und die bisweilen kritische,

aber stets positive Zusammenarbeit.

Zum Dank für seine Verdienste verlieh

ihm die Delegiertenversammlung 1979 in

Montreux die Ehrenmitgliedschaft des KV

Schweiz.

Der KV Schweiz spricht den Angehörigen

von Arnold Minder das herzliche Beileid

aus. Sein Andenken wird stets in Ehren gehalten.

Peter Kyburz, Generalsekretär

«Nonstop@work», der neue Ratgeber zur

Bewältigung des Arbeitsalltags in der

24-Stunden-Gesellschaft ist eine begehrte

Info-Schrift: Es wurden bereits über 1000

Exemplare verschickt. Aus allen Bestellungen

und E-Mails, die bis Ende August bei

uns eingetroffen sind, haben wir drei Apple

iPad WiFi 16 GB verlost. Die Preisübergabe

erfolgte in den entsprechenden Sektionen.

Mitmachen lohnt sich also! Beachten Sie

unsere Aktionen auf unserer Homepage

und im Mitgliedermagazin Context. Die

Broschüre «Nonstop@work» kann selbstverständlich

weiterhin bestellt werden:

bestellungen@kvschweiz.ch.

KV Schweiz, Marketing Services

Melanie Vongphakdy aus Winterthur

zählt ebenfalls zu den glücklichen Gewinnerinnen.


SeKtioNeN

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telefon 061 271 54 70

fax 061 272 24 41

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Abendseminar

«Erben und Schenken»: Eine umsichtige

Nachlassplanung stellt sicher,

dass der letzte Wille nach den

eigenen Wünschen vollzogen wird.

Sie regelt die Begünstigung von

Partnern und vermeidet Konflikte

unter den Erben. Und nicht zu vergessen:

Sie unterstützt steuergünstige

Lösungen; Dienstag, 16. November,

19 bis etwa 21 h, KV Basel,

Aeschengraben 15, Saal 6. Stock.

Kosten: CHF 30.– für KV-Mitglieder,

CHF 80.– für Nichtmitglieder

english club

All meetings will be held on Tuesdays

at 8 pm at the KV building. For

any suggestions contact Gaby Felix:

phone 061 228 90 34 or Felix

Schurter: phone 062 868 74 00.

Programme November

> 2 – Debating Club

> 9 – Translation Evening

> 16 – Short Stories

> 23 – DVD Evening

> 30 – Grammar Evening

Pensioniertengruppe

> Führung durch das Diakonissenhaus

und Betriebsgebäude in Riehen.

Anschliessend Zvieri. Besammlung:

13.35 h Tramhaltestelle

Nr. 6 Riehen Dorf. Beginn der

Führung: 14 h, Ende ca. 16.30 h.

Mittwoch, 17. November

Kosten: KV-Mitglieder CHF 10.–,

Nichtmitglieder CHF 25.–.

Infos: Telefon 061 271 54 70,

E-Mail: info@kvbasel.ch

> In einem stimmungsvollen Rahmen

möchten wir zusammen mit

Ihnen einen festlichen vorweihnachtlichen

Nachmittag mit Überraschungen

und Zvieri verbringen.

Mittwoch, 15. Dezember, 14 h,

KV Basel, Saal, 6. Stock. Kosten:

CHF 20.– für KV-Mitglieder, Nichtmitglieder

CHF 40.–

Anmeldung bis 1. Dezember telefonisch

061 271 54 70, E-Mail:

info@kvbasel.ch

context 10 – 2010

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mit Mario Gächter,

Sozialversicherungsfachmann;

Montag/Dienstag, 1./2. November,

zweitägig, Kurs Nr. 664

> «Zeitmanagement» mit Beatrice

Krauer, Erwachsenenbildnerin:

Donnerstag, 4. November, eintägig,

Kurs Nr. 326

> «Wirkungsvoller Präsentieren –

(k)eine Kunst» mit Jacqueline

Steffen Oberholzer, Trainerin und

Coach; Mittwoch, 10. November,

eintägig, Kurs Nr. 320

> «Arbeitsrecht in der Praxis –

Grundlagen» mit Patrizia Herzog;

Donnerstag, 11. November, eintägig,

Kurs Nr. 666

> «Verkaufen mit Glaubwürdigkeit»

mit Jacqueline Steffen Oberholzer,

Trainerin und Coach; Montag, 15.

November, eintägig, Kurs Nr. 322

> «Archivieren und wegwerfen» mit

Susanna Kaiser, Ausbildnerin;

Dienstag, 16. und 23. November,

zwei Nachmittage, Kurs Nr. 323

> «Grundkurs 3: Beurteilen der

Lernenden» mit Beatrix Flury,

Bildungsfachfrau, Ausbildnerin;

Mittwoch, 17. November, vormittags,

Kurs Nr. 152

> «Arbeitszeugnisse – Rechtstheorie

und Praxis» mit Edi Class,

Rechtsanwalt; Donnerstag, 18.

November, eintägig, Kurs Nr. 336

> «Souveräne Briefe und E-Mails –

Refresher» mit Angelika Ramer &

Partner AG, Montag, 22. November,

eintägig, Kurs Nr. 335

> «Grundkurs 2: Arbeits- und Lernsituation

und Prozesseinheit» mit

Beatrix Flury, Bildungsfachfrau,

Ausbildnerin; Mittwoch, 24. November,

eintägig, Kurs Nr. 151

> «Konfliktlösung» mit Joachim

Hoffmann, Psychologe; Donnerstag

und Freitag, 25./26. November,

zweitägig, Kurs Nr. 414

Senioren

Führung im Sensorium Rüttihubelbad

mit anschliessendem Zvieri.

Bern RBS ab 12.45 Uhr (Billette

selber besorgen) mit umsteigen in

Worb auf Postauto. Führung um

13.50 Uhr, danach Zeit zum selber

entdecken. Rückfahrt nach Bern ab:

16.58 oder 17.58 Uhr. Anmeldung

raschmöglichst.

Dienstag, 2. November

reGioN MittellANd

KV AArGAu WeSt

telefon 062 837 65 15

fax 062 837 65 19

info@kvagwest.ch

www.kvagwest.ch

handelsschule KV Aarau

> NEU: «Dipl. Mentalcoach»: In

Zusammenarbeit mit der Firma

mind-vision GmbH bietet die Erwachsenenbildung

die einjährige

Ausbildung zum dipl. Mentalcoach

an. Als Einstieg dazu dient das Basismodul,

welches ca. drei Monate

dauert und 56 Lektionen umfasst.

Infos: Marianne Wagner, Telefon

062 837 97 20 oder E-Mail:

m.wagner@hkvaarau.ch.

Seminare 2011

Die neue Broschüre mit dem ansprechenden

und breiten Seminarangebot

2011 kann bestellt werden;

E-Mail an:

m.wagner@hkvaarau.ch

handelsschule KV Aarau

führungsakademie

telefon 062 837 97 29

www.hkvaarau.ch

KV SolothurN

telefon 032 622 31 21

fax 032 622 31 56

info@kvsolothurn.ch

www.kvsolothurn.ch

informationsveranstaltung

«Mehrwertsteuer update»; inklusive

Satzerhöhung und Jahresendarbeiten.

Referent: Simeon Probst,

PricewaterhouseCoopers AG

Mittwoch, 17. November, 16.30 h

Hotel Krone, Solothurn

SfW forum für Weiterbildung,

Solothurn

telefon 032 624 90 50

fax 032 624 90 59

info@sfw.ch

www.sfw.ch

Seminare

> «Unternehmensstrategie und

Business-Plan» mit Patrik Galli;

Montag, 15. November (Abendseminar)

oder Mittwoch,

1. Dezember (Halbtagesseminar)

> «Die Firma positiv in die Medien

bringen» mit Anita Panzer;

Donnerstag, 18. November

> «Sitzungen effizient leiten» mit

Viviana Abati; Do, 18. November

> «Wirkungsvolle Geschäftskorrespondenz»

mit Marianne Ulmi;

Freitag, 19. November

> «Mit Werbeartikeln überraschen

und begeistern» mit Robert

Scheidegger; Dienstag, 23.

November

> «Spitzenleistungen durch mentale

Stärke» mit Jürg Bösiger;

Donnerstag, 25. November

> «Arbeitsrecht – Grundlagen für

die Praxis» mit Matthias Miescher;

Dienstag, 30. November

> «Wecke den Verkaufsprofi in dir –

Kundenmanager» mit Jörg

Schluep; Montag, 6. und

10. Dezember (2 Tage)

> «Gutes Auftreten – der moderne

Knigge» mit Praline Kubli-Adunka;

Dienstag, 7. Dezember

> «Teamführung, Teamentwicklung

– Teampower» mit Joachim Hoffmann;

Mittwoch, 8. Dezember und

Donnerstag, 9. Dezember (2 Tage)

> «Mitarbeiterführung im Unternehmenssimulator»

mit Christoph

Dobler; Freitag, 10. Dezember

> «Ablageorganisation – Zeit sparen

mit dem richtigen System» mit

Darya Haller; Montag, 13. Dezember

(Halbtagesseminar)

> «Die Kunst der konstruktiven

Kritik» mit Joachim Hoffmann;

Mittwoch, 15. Dezember

reGioN oStSchWeiZ

KV oSt

telefon 071 274 36 50

fax 071 274 36 56

info@kvost.ch

www.kvost.ch

«Junge Karrieren»

Junge Berufsleute aus KV und

Detailhandel aufgepasst! Nehmen

Sie Ihre Karriere selbst in die Hand.

erhalten Sie Impulse, Visionen,

zündende Ideen, Aha-Erlebnisse

41


42

SeKtioNeN

und Informationen, Informationen,

Informationen… schlichtweg alles

was zum Thema Karriere gehört.

Podiumsgespräch mit Marc Sway

und weiteren Persönlichkeiten.

Anschliessend Foren. Montag,

15. November, um 13.30 bis ca.

17 Uhr im KBZ, St. Gallen. Anmeldung

auf www.kvost.ch oder

telefonisch.

Bewerbungscheck

Ein perfektes Bewerbungsdossier

steigert die Chancen auf dem

Arbeitsmarkt. Der Kaufmännische

Verband Ost bietet neu mit dem

Bewerbungscheck Soforthilfe für

Lehrabgänger/innen und junge

Berufsleute in Büro und Verkauf an.

Fachpersonen prüfen das Bewerbungsdossier

und geben Tipps zur

Verbesserung.

Anmeldung für das Einzelgespräch

unter www.kvost.ch/Beratung/Laufbahnberatung.

My next step

Wie geht es weiter nach der Lehre?

Wo stehe ich im Beruf? Welches

sind meine Stärken und wie verkaufe

ich mich? «my next step»: eine

Standortbestimmung für Dritt-Lehrjahr-Lernende

im KV und Detailhandel.

Weitere Informationen: telefonisch

oder unter www.kvost.ch/

Beratung/Laufbahnberatung/mynextstep

Seminare

> «Vertiefungskurs NKG» mit Stefan

Keller; Dienstag, 2. November,

8.30 bis 12 h

> «Grundlagen Eventsponsoring»

mit Ralf Huber; Dienstag, 2. November,

9 bis 17 h

> «Das Geheimnis der Körpersprache

entschlüsseln» mit Jacqueline

Steffen Oberholzer; Montag,

8. November, 9 bis 17 h

> «Klare Grenzen setzen – aber

wie?» mit Jacqueline Steffen Oberholzer;

Dienstag, 9. November,

9 bis 17 h

> «Office Management für Profis»

mit Susanne Mouret; Dienstag/

Mittwoch, 9./10. November,

9 bis 17 h

> «Das zeitgemässe Arbeitszeugnis»

mit Hansueli Schürer; Mittwoch,

10. November, 9 bis 17 h

> «Leadership – Update für Führungskräfte»

mit Jürg Sutter;

Montag, 15. und 22. November,

9 bis 17 h

context 10 – 2010

> «Lustvolles Zeitmanagement»

mit Susanne Mouret; Dienstag,

16. November, 9 bis 17 h

> «Berufliche Vorsorge: Pensionskasse

und BVG» mit Bruno Ern;

Dienstag, 16. und 23. November,

9 bis 17 h

> «Mit Mentaltraining zum Erfolg»

mit Susanne Wunderli-Koch; Mittwoch,

17. November, 9 bis 17 h

> «Sprechen – Wirken – Gewinnen»

mit Wolfgang Elsner; Donnerstag

und Freitag, 18. und 19. November,

9 bis 17 h

> «Vorbereitung auf die Pensionierung»

mit Jaap van Dam; Montag,

22. November, 18 bis 20.30 h

> «Flexibilisierte Arbeitsverhältnisse»

mit Andrea Degginger; Mittwoch,

24. November,

13.30 bis 18 h

> «Führung von Lernenden» mit

Vera Class-Bachmann; Mittwoch,

24. November, 9 bis 17 h

> «Business Knigge heute» mit

Nicole Veser Leschzyk; Dienstag,

30. November, 9 bis 17 h

> «Gedächtnis- und Konzentrationstraining»

mit Wolfgang Elsner;

Dienstag, 30. November und

7. Dezember, 9 bis 17 h

> «NKG 11 – St. Gallen» mit Stefan

Keller; Dienstag, 7. Dezember,

8.30 bis 17 h

Anmeldung/Auskünfte bei der

Geschäftsstelle.

celAriS

eine Schule des KV ost und des

SiB Schweizerisches institut für

Betriebsökonomie Zürich

Start lehrgänge

> «Dipl. Leiter/in Finanzen und

Dienste NDS HF»; Start Oktober

> «Dipl. Führungsperson NDS HF

Leadership & Management»;

Start Oktober

Weitere Infos über Telefon

071 272 66 00 oder www.celaris.ch.

freizeitclub 60

> Appenzeller Alpenbitter AG in

Appenzell – Einblick in die

Produktions- und Handelspalette,

anschliessend kurze historische

Dorfführung. Mittwoch,10. November

> Christkindlesmarkt in Ravensburg

(Tagesausflug); Mittwoch, 15.

Dezember

Anmeldungen sowie Jahresprogramm

bestellen: telefonisch

071 274 36 50 oder www.kvost.ch

reGioN ZeNtrAlSchWeiZ

KV luZerN

telefon 041 210 20 44

fax 041 210 78 50

info@kvluzern.ch

www.kvluzern.ch

tagesseminare in luzern

> «Kommunikation – klipp und klar»

mit Christian A. Bünck; Donnerstag,

4. November

> «MWST-Refresher – Das neue

MWST-Gesetz» mit Martin Schaer;

Mittwoch, 10. November

> «Protokollführung» mit Ignaz

Wyss; Donnerstag, 18. November

> «Neues und Bewährtes im BVG»

mit Bruno Ern;

Freitag, 26. November

tagesseminar in Zug

«Neues im Arbeitsrecht» mit

Hansueli Schürer; Freitag,

5. November

Abendseminare in luzern

> «Meine Finanzen – ich will mitreden

und sie verstehen können!»

mit Roger Planzer; Montag, 8. und

15. November, 18 bis 21.15 h

frauennetz

«Women’s 3. Vision Week» – Die

Impulswoche für Frauen von Frauen

von Mittwoch, 3. bis Freitag,

5. November; Detailprogramm:

www.womensvisionweek.ch

Seniorenclub

Kirschtortenführung in der Confiserie

Speck in Zug; Donnerstag, 28.

Oktober, 15 h

reGioNeN

Zürich/SchAffhAuSeN

KV SchAffhAuSeN

telefon 052 630 78 78

fax 052 630 78 77

info@kv-sh.ch

www.kv-sh.ch

tagesseminare

> «Effiziente Protokollführung» mit

Daniel L. Ambühl, Praxis für Unternehmenskommunikation;Dienstag,

2. November

> «Selbstmanagement» mit

Gabriela Straubinger, Arbeits- und

Organisationspsychologin; Mittwoch,

10. November

> «Lernen mit List und Lust» mit

Monika Bär, Ausbildnerin, Leiterin

Berufsfachschule; Dienstag,

16. November

> «Selfmarketing – die Persönlichkeit

als Marke» mit Vera Class-

Bachmann; Kommunikationsleiterin,

Ausbilderin, Coach;

Donnerstag, 18. November

> «Smart reading – Effizient und

schneller lesen» mit Rinaldo Manferdini,

Mentaltrainer; Mittwoch,

24. November

Sprachkurse und Seminare

Angebote auf der Homepage

frauennetz

Atelierbesuch bei der Künstlerin

Christine Aebischer, Schaffhausen;

Donnerstag, 4. November

Senioren club Kaufleute

Besuch des neuen Charlottenfels-

Museums; Donnerstag, 25. November

KV WiNterthur

telefon 052 269 09 09

fax 052 269 09 08

info@kv-winterthur.ch

www.kv-winterthur.ch

Seminare

> «Besser schreiben – pfiffig und

stilsicher formulieren» mit

Gabriela Baumgartner; Freitag,

5. November

> «Erfolgreich führen» mit Verena

Portmann; Donnerstag, 11. und

Freitag, 12. November

> «Effiziente Protokollführung» mit

Daniel L. Ambühl; Dienstag,

16. November

reka-Schecks

Reka-Guthaben können nicht

auf das nächste Jahr übertragen

werden. Bis am Donnerstag,

23. Dezember nicht bezogene Gut-

haben verfallen ausnahmslos.


frauenNetz

«Candlelight Dinner», Freitag, 26.

November, 19 Uhr. Nur für Mitglieder

frauenNetz Winterthur. Anmeldung

erforderlich.

Seniorinnengruppe

Jahresschlussessen im Kafi Burehus

in Seen (Bus 3 bis St. Urban). Die

Gruppenkasse übernimmt die

Kosten (ohne Dessert und Getränke).

Anmeldung bis Donnerstag,

18. November an Maria Burren,

Telefon 052 232 34 79 oder an Trudi

Lack, Telefon 052 212 98 20.

Dienstag, 23. November, 11.30 h

KV Zürich

telefon 044 211 33 22

fax 044 221 09 13

info@kvz.ch

www.kvz.ch

Öffentliche Seminare

Jeweils von 9 bis 17 Uhr, Ausnahmen

werden speziell vermerkt. Weitere

Informationen auf www.kvz.ch.

> «Brain Gym» mit Lars

Sonderegger; Donnerstag,

28. Oktober und 4. November,

18 bis 20.30 h

> «Lernen mit List und Lust» mit

Monika Bär; Dienstag, 2. und

9. November, 18 bis 20.30 h

> «Arbeitszeugnisse» mit Edi Class;

Mittwoch, 3. November

> «Selbstmanagement» mit

Gabriela Straubinger; Freitag,

5. und 12. November

> «Arbeitszeugnisse formulieren»

mit Claudia Eugster; Montag,

8. November

> «Smart Reading» mit Rinaldo Manferdini;

Mittwoch, 10. November

> «Führung von Lernenden – eine

besondere Aufgabe» mit Vera

Class; Donnerstag, 25. November

> «Die gelassene Art, sich durchzusetzen»

mit Jacqueline Steffen;

Montag, 29. November

> «Authentisch führen» mit Gabriela

Straubinger; Mittwoch und Donnerstag,

23. und 24. Februar 2011

> «Mikropausen» mit Claude Weill,

Montag 28. Februar 2011, 18 bis

21 h

> «Arbeitsrecht für die Praxis» mit

Christian Zingg; Dienstag, 2. März

2011

context 10 – 2010

Öffentliche Veranstaltungen

> Coop – eine nachhaltige Unternehmensentwicklung,Kaufleutensaal,

Pelikanstrasse 18, 8001

Zürich. Anmeldung telefonisch

oder E-Mail: info@kvz.ch. Infos

unter www.kvz.ch, Montag,

8. November, 18.30 h

> Wie Menschen lernen – Neue Erkenntnisse

aus der Hirnforschung,

Kaufleutensaal, Pelikanstrasse 18,

8001 Zürich. Anmeldung telefonisch

oder E-Mail: info@kvz.ch.

Infos unter www.kvz.ch, Montag,

15. November, 18.30 h

cercle français

Chaque mercredi (sauf pendant

les vacances) 18.45 bis 20 h, KVZ,

Kurierstube, Talackerstrasse 34,

8001 Zurich. Notre cercle nous

permet de cultiver le français littéraire

et quotidien, d’approfondir

le vocabulaire et la grammaire,

d’apprendre davantage sur la France

géographique, politique, culturelle

et touristique. Toute personne intéressée

à améliorer ou à entretenir

«son français» est bienvenue dans

notre cercle.

Contact: Hugo Schnurrenberger;

hugo.schnurrenberger@tele2.ch,

Im Wyl 15, 8055 Zürich,

044 462 16 74 ou Erika Salzmann;

erika.salzmann@gmx.ch

ladies’ english club

All meetings will be held on

Mondays at 6.45 p.m. in the Kurierstube,

First Floor, Talacker 34,

Kaufleuten Building, 8001 Zürich.

Professional Leader:

Nancy Scherer-Howe,

Phone 044 720 93 09,

Assistant Leader: Erika Weibel,

Phone 044 362 96 13,

www.raccourci.ch/ladies. Guests

are welcome.

Programme November:

> 1 – What’s up on The Street

(Wall Street)

> 8 – Guest speaker

> 15 – Useful prepositional phrases

> 22 – Seasonal Poetry

> 29 – Adverbials – use them right

Men’s english club

Meetings held tuesdays at 7 pm unless

otherwise indicated. Meeting

Place: Talacker 54 (First Floor) –

Kaufleuten Building – 8001 Zürich.

Guests are most welcome.

Web page: http://mec.ch.to

PerSoNeN iM KV

ruedi flückiger, 51,

Geschäftsleiter KV Bern

Was machen Sie für den

Kaufmännischen Verband?

Ich bin seit Januar 2010 Geschäftsleiter

des KV Bern. Momentan beschäftige

ich mich hauptsächlich

mit der Mitgliederentwicklung.

Da möchten wir unbedingt eine

Trendumkehr bewirken. Potenzial

sehen wir hauptsächlich bei den

Jungen. Wir stellen fest, dass

Lehrabgänger häufig aus dem

Verband austreten, und zwar mit

der Begründung, dass sie jetzt ja

mit der Lehre fertig sind. Hier

braucht es wohl noch einige Überzeugungsarbeit,

um sie für eine

dauerhafte Mitgliedschaft zu gewinnen.

Wichtig ist mir auch, dass

wir weiterhin die Sozialpartnerschaft

pflegen. Diese hat bei uns

eine lange Tradition. Und schliess-

«Ich möchte mich dafür einsetzen,

dass wir die Marke KV besser verkaufen.»

lich möchte ich mich dafür einsetzen,

dass wir die Marke KV besser

verkaufen. Unsere Schulen und

Tochterfirmen treten nicht einheitlich

auf. Die meisten führen

nicht einmal mehr die Marke KV

im Namen.

Was gefällt Ihnen an Ihrer

Tätigkeit am besten?

Dass ich in einer kleinen Organisation

tätig bin und trotzdem einiges

in Bewegung setzen kann.

So werden voraussichtlich im

nächsten Jahr die sieben kantonalbernischen

Sektionen fusionieren.

Ich halte das für sinnvoll,

weil dann gewährleistet ist, dass

alle Mitglieder von den gleichen

Dienstleistungen profitieren und

wir unsere Wirkung verstärken

können. Ein weiterer Punkt: Ich

kann mich mit dem KV Schweiz

identifizieren. Ich setze mich

gerne für faire Anstellungsbedingungen

ein, ohne dogmatisch

sein zu müssen.

Was haben Sie vorher gemacht?

Ursprünglich studierte ich an der

Hochschule St.Gallen Betriebswirtschaft.

Ich war Werkstudent

und habe mein Studium vollständig

selber finanziert. Während

dieser Zeit lernte ich die unterschiedlichsten

Bereiche der Arbeitswelt

kennen: Von Putzarbeiten

bis zu Unterrichtstätigkeit an

einer Gewerbeschule. 1985 habe

ich abgeschlossen. Dann begann

ich bei der SBB. Dort war ich während

24 Jahren in verschiedenen

Abteilungen tätig. Irgendwann

wurde mir klar, dass ich nochmals

etwas Neues beginnen wollte,

und so kam ich zum KV Bern.

Was ist Ihnen im Leben sonst noch

wichtig?

Ich engagiere mich in der Politik.

Bis 2001 war ich Grossrat. Heute

bin ich als Gemeindepräsident

meiner Wohngemeinde Schwarzenburg

tätig. Ich betreue Projekte,

die in irgendeiner Form der

Bevölkerung zugute kommen, so

kaufte die Gemeinde kürzlich das

Schloss Schwarzenburg. Heute

finden dort kulturelle Veranstaltungen

statt. Wichtig ist mir natürlich

auch die Familie. Die Kinder

sind 17-, 19- und 23-jährig, brauchen

also nicht mehr so viel Aufmerksamkeit

wie früher, deshalb

bleibt auch noch etwas Zeit für

Sport oder Wandern übrig.

Über wen im Verband möchten Sie

gerne mehr wissen?

Muriel Mellier, Personalassistentin

SKS Luzern.

Sie wird in der nächsten Ausgabe

vorgestellt (die Red.).

43


44

SeKtioNeN iMPreSSuM

Programme November

> 2 – The Forbidden City

> 9 – Japanese history

> 16 – Friedrich Engels

> 23 – Australian venture

> 30 – Howard Hughes

Veteranen- und Seniorenvereinigung

Klubnachmittag: Die ZKB informiert

zum Thema «Erbschaft und Testament»;

Donnerstag, 25. November,

14.30 Uhr im Kaufleutesaal.

KV ZürichSee liNKeS ufer

telefon 044 718 22 33

fax 044 718 22 30

info@kvzlu.ch

Bildungszentrum Zürichsee

Das neue Kursprogramm für das

Herbst-/Wintersemester kann ab

sofort bestellt werden:

Bildungszentrum Zürichsee, Abt.

Weiterbildung, Alte Landstrasse 40,

8810 Horgen

Telefon 044 727 46 00,

Fax 044 727 46 10, E-Mail:

horgen-wb@bzzuerichsee.ch oder

www.bzzuerichsee.ch

SiB SchWeiZeriScheS

iNStitut für BetrieBS-

ÖKoNoMie

telefon 043 322 26 66

fax 043 322 26 51

info@sib.ch

www.sib.ch

Öffentliches Seminar

> «Finanz- und Betriebsbuchhaltung»

mit Andreas Markstahler;

Montag/Dienstag, 1./2. November

> «Ethik und Management» mit

Sandra Huber-Ingold und Andrea

Müller Gut; Mittwoch, 3. November

> «Protokollführung» mit Matthias

Frey; Mittwoch, 3. November

> «Leadership Empowerment»

mit Franziska Steiger; Donnerstag,

4. November

> «Veränderungsprozesse erfolgreich

meistern» mit Adrian

Ebenberger; donnerstags,

4./11. November

context 10 – 2010

> «Perfekter Kundendienst am Telefon»

mit Jacqueline Steffen;

Montag, 8. November

> «Arbeitstechnik und Zeitmanagement»

mit Enrico Lombardi; Dienstag/Mittwoch,

9./10. November

> «Arbeitszeugnisse schreiben»

mit Helena I. Schmidhauser;

Mittwoch, 10. November

> «Qualitätsmanagement» mit

Holger Haarmann; Donnerstag,

11. November

> «Performance Management»

mit Viola Christen; Montag,

15. November

> «Führungsworkshop für neue

Führungskräfte» mit Stephan

Kissling; Dienstag/Mittwoch,

16./17. November

> «Kommunizieren und Gewinnen»

mit Joachim Hofmann; Dienstag/

Mittwoch, 16./17. November

> «Projektmanagement kompakt»

mit Pascal O. Stocker; Donnerstag,

18. November

> «Teamleitung und Teamentwicklung»

mit Jaques Ditesheim; Montag/Dienstag,

22./23. November

> «Rhetorik-Training» mit Enrico

Lombardi; Dienstag/Mittwoch,

23./24. November

> «Berufliche Vorsorge und Pensionskassen»

mit Prof. Dr. Bruno

Ern; Mittwoch/Donnerstag,

24./25. November

> «Business Know-how f. HR Business

Partner» mit Wolfgang

Rathert; Montag, 29. November

> «Sitzungen leiten» mit Matthias

Frey; Donnerstag, 2. Dezember

infoveranstaltungen

Beginn jeweils um 18 h

> «Dipl. Leiter/in Finanzen & Dienste

NDS HF»; Mittwoch, 27. Oktober

> «Dipl. Personalleiter/in NDS HF»;

Mittwoch, 27. Oktober

> «Dipl. Business Engineer NDS

HF»; Montag, 8. November

> «Dipl. Qualitätsmanager/in NDS

HF»; Montag, 8. November

> «Dipl. Marketingmanager/in HF»;

Dienstag, 16. November

> «Dipl. Betriebswirtschafter/in

HF»; Mittwoch, 17. November

> «Dipl. Marketingmanager/in HF »;

Mittwoch, 17. November

> «Dipl. Leiter/in Finanzen & Dienste

NDS HF», Donnerstag, 18. November

> «Management-Diplom SIB»;

Dienstag, 7. Dezember

> «Dipl. Schulverwaltungsleiter/in

SIB/VPZS»; Dienstag 7. Dezember

> «Dipl. Business Engineer NDS

HF»; Mittwoch, 8. Dezember,

> «Dipl. Betriebswirtschafter/in

HF»; Montag, 13. Dezember

> «Dipl. Marketingmanager/in HF»;

Montag, 13. Dezember

> «Dipl. Controller/in NDS HF»; Mittwoch,

15. Dezember

> «Dipl. Personalleiter/in NDS HF»;

Mittwoch, 15. Dezember

> «Dipl. Leiter/in Finanzen&Dienste

NDS HF»; Donnerstag, 16. Dezember

Studiengänge

> «Management Diplom SIB»;

Beginn März 2011

> «Dipl. Betriebswirtschafter/in

HF»; Beginn April 2011

> «Dipl. Leiter/in Finanzen & Dienste

NDS HF»; Beginn April 2011

> «Dipl. Schulverwaltungsleiter/in

SIB/VPZS»; Beginn Mai 2011

> «Dipl. Controller/in NDS HF»;

Beginn August 2011

> «Dipl. Personalleiter/in NDS HF»;

Beginn September 2011

KV-Mitglieder erhalten eine

Ermässigung.

Nr. 10 – oktober 2010

iSSN 1424-5345

herausgeber

KV Schweiz

Telefon 044 283 45 45

www.kvschweiz.ch

Verlagsleitung

Rolf Trechsel (rtr)

rolf.trechsel@kvschweiz.ch

redaktion

Ingo Boltshauser (ibo),

ingo.boltshauser@kvschweiz.ch

Therese Jäggi (tj),

therese.jaeggi@kvschweiz.ch

Andrea Mašek (ajm),

andrea.masek@kvschweiz.ch

redaktionsadresse

Kaufmännischer Verband Schweiz

Context

Hans-Huber-Strasse 4

Postfach 1853, 8027 Zürich

Telefon 044 283 45 33

context@kvschweiz.ch

www.context.ch

Sekretariat: Andrea Stoop

Bildnachweise

Titelbild: Imaginechina/Gao feng/Keystone;

S. 10: iStock; S. 12: Gaetan Bally/Keystone;

S. 19/21/24: Coop; S. 26: iStock;

S 30/31: Screenshots Partner&Partner AG;

S. 22/40/43; zvg.

Adressänderungen

KV Schweiz

Mitgliederadministration

Telefon 044 283 45 67

mitgliederadmin@kvschweiz.ch

oder im Mitgliederbereich:

www.kvschweiz.ch/Service/Registrierung

erscheinungsweise

Monatlich (11 Ausgaben)

114. Jahrgang

Auflage: 50 470 Exemplare

(WEMF-beglaubigt 2009)

Abonnemente

12 Monate CHF 48.–

Anzeigen

Creative Media GmbH

Zürichstrasse 135

8910 Affoltern am Albis ZH

Telefon 043 322 60 30

context@c-media.ch

druckerei

Vogt-Schild Druck AG

4552 Derendingen

Konzeption, layout, druckvorstufe

Partner & Partner AG

8400 Winterthur

www.partner-partner.com

Context bekennt sich zum «Code of Conduct»

der Schweizer Presse. Werbung und

redaktioneller Teil sind klar getrennt.

Context wurde vom Verband

SCHWEIZER PRESSE für das Jahr

2008 mit dem Gütesiegel

«Q-Publikation» ausgezeichnet.


äTSel

Tal

Berg

context 10 – 2010

Fluss

See

Süsse Küsse

dorf

Region Stadt

Pass

Vielleicht wissen Sie noch nicht, wohin Ihr nächster Ausflug

führen soll. Wir hätten da einen interessanten Tipp. Wohin es geht,

müssen Sie allerdings selber herausfinden. Wenn Sie uns die

Lösung schicken, nehmen Sie an der Verlosung von drei Tageskarten

der SBB (gültig mit Halbtax) im Wert von CHF 64.– teil.

Der Mann, der mitten im Dorf sitzt und

gemütlich Pfeife raucht, ist ein einziges

grosses Rätsel. Rund um ihn herum sind

60 Hinweise versteckt, die sich auf Geschichten

beziehen, in denen er die

Hauptrolle spielt. Obwohl es ihn nie gegeben

hat, wurde ihm 1988 dennoch ein

Denkmal gesetzt. Nur wenige Schritte

von der Bronzestatue entfernt steht zudem

ein Museum, das dem mysteriösen

Fremden gewidmet ist.

Um die Herkunft der wahren Dorfbewohner/innen

gibt es kein Geheimnis.

Der Ortsname bedeutet soviel wie «bei

den Leuten des Meiers». Als Meier wurden

im Mittelalter Pächter bezeichnet.

Mehr als die Hälfte der Gemeindefläche

besteht heute noch aus Kulturland, Weiden

und Alpen. Zum Gemeindegebiet gehört

sogar ein Pass. Der höchste Punkt

befindet sich auf dem Wellhorn.

Trotzdem hat das Dorf viele Tiefpunkte

erlebt. Insbesondere im 19. Jahrhundert

wurde es mehrmals von grossen

Bränden zerstört – was nicht zuletzt den

starken Föhnwinden zuzuschreiben ist.

Nach dem letzten Grossbrand im Jahr 1891

beschlossen die Behörden, dass neue

Häuser nur noch aus Stein gebaut werden

dürfen. Auch wegen der breiten Strassen,

der vielen Flachdächer und Bauten aus

der Belle Epoque hebt sich der Ort architektonisch

von anderen Alpendörfern ab.

Die letzte Katastrophe im Dorf liegt

erst fünf Jahre zurück: Damals wurde der

Ort förmlich überflutet. Die Verwüstung

war gross. Als Folge davon nahmen die

Behörden ein Hochwasserschutzprojekt

in Angriff, um einen derartigen Vorfall

künftig zu verhindern. Die umfangreichen

Arbeiten sind noch im Gange.

Trotzdem hat sich das gesuchte Dorf

zu einem international bekannten Touristenort

entwickelt. Dies unter anderem

wegen der grandiosen Naturschauspiele

in unmittelbarer Nähe: Zwei ganz unterschiedliche

Schluchten laden zu romantischen

respektive abenteuerlichen Wanderungen

ein und an den tosenden

Wasserfällen erleben die Gäste von nah

und fern die Naturgewalten hautnah.

Nichts für zartbesaitete Gemüter sind die

längste Hängebrücke Europas sowie die

steilste Standseilbahn der Welt, die vom

Dorf aus innert kurzer Zeit erreichbar

sind.

3 SBB-Tageskarten

zu gewinnen!

Ob der Militärflugplatz ein Fluch oder

ein Segen ist, darüber scheiden sich die

Geister. Einerseits werden der Lärm und

die Geruchsimmissionen beanstandet.

Andererseits ist er ein wichtiger Wirtschaftsfaktor,

bietet er doch rund 200 Arbeits-

und 25 Ausbildungsplätze an. Immerhin

versüsst die Spezialität des Dorfes

den Touristinnen und Touristen den Aufenthalt.

Von der Köstlichkeit «geküsst»

worden sind schon englische Königinnen

und russische Primaballerinas. ajm

Wie heisst das gesuchte Dorf?

Schicken, faxen oder mailen Sie das

lösungswort bis spätestens 17.11.2010 an:

Redaktion Context

Postfach 1853, 8027 Zürich

Fax 044 201 50 95

raetsel@kvschweiz.ch

Gewinner/innen des letzten Georätsels:

Annemarie Rudolf, Wald

Werner Schmied, Basel

Robert Heierli, Riniken

lösungswort Nr. 9: Klöntalersee

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cartoon

context 10 – 2010


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Fast eine Milliarde Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.

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