wie im bösen Märchen PIKA baut Schweizer Expo ... - Jesuitenmission

jesuitenmission.ch

wie im bösen Märchen PIKA baut Schweizer Expo ... - Jesuitenmission

Herbst 2010

I N D I E N I N D O N E S I E N

Frauenleben – wie PIKA baut Schweizer

im bösen Märchen Expo-Mobiliar


Editorial

Liebe Freundinnen

und Freunde

unserer Missionare

und unserer

Partner weltweit!

Das Streben nach

einer lebenswerten

Zukunft ist wohl allen

menschen gemeinsam.

Da unterscheiden sich die kongolesischen

menschen in den Flüchtlingslagern

Ruandas nicht von menschen in

afghanistan, Indien, Pakistan oder der

Schweiz. Der Weltmis sionsmonat Oktober

weist mit dem thema «mit afrika in

J E S u I t E N m I S S I O N a k t u E l l

Stabübergabe bei ATMI

Zwei Jahre waren Hery aqung kurniawan

und Robertus Didit Ritanto von der technischen

Schule atmI in Indonesien zu

Gast bei uns in der Schweiz. Sie haben in

der metallschule Winterthur msw mitgearbeitet

und verschiedene Praktika im

technischen Bereich absolviert. Bei der

Härterei Bodycote erfuhren Hery und

Didit mehr über Härterei und Wärmebehandlung,

bei BSR Solar technologies eröffnete

ihnen Jürgen kleinwächter die

Ergebnisse der Solarforschung, die für das

atmI-Projekt auf Sumba eingesetzt werden

sollen. Der Firma tontara halfen die

beiden bei ersten Planungen für eine Produktionskooperation

mit atmI im Bereich

medizintechnik.

am 19. august haben Hery und Didit

die Rückreise angetreten, reich an Erfahrungen

mit unserer so fremden kultur.

«Diese jungen leute schlagen eine Brücke

zwischen der Schweiz und Indonesien»,

freut sich missionsprokurator toni kurmann

SJ. «Sie wurden an all ihren Einsatzorten

sehr geschätzt. Ich bin überzeugt,

dass sie mit ihren Einblicken und durch

die Entwicklung, die sie in den letzten

die Zukunft» auf die Notwendigkeit echter

Versöhnung hin. Der Flüchtlingsdienst der

Jesuiten versucht über Bildung Zukunft zu

ermöglichen. Oft bleiben wir ratlos. So wissen

wir heute bei Redaktionsschluss noch

nicht, wie den menschen in Pakistan wirklich

geholfen werden kann beim Wiederaufbau

nach dieser unfassbaren Flut.

konkrete Beispiele zukunftsweisende

Hilfe machen mut! auch Fach studien bestätigen,

wie wichtig das Engagement der

indischen Schwester Daphne ist: In ihrem

Zentrum in ashankur erfahren Frauen

dank unterstützung und Selbstorganisation,

wessen sie fähig sind und dass sie sich

zwei Jahren gemacht haben, einen wertvollen

Beitrag für atmI leisten können –

sei es in der ausbildung, der technischen

Entwicklung oder durch ihre internationale

Vernetzung.»

Der besondere Dank der Jesuitenmission

gilt Franz Fricker, der die ausbildungskooperation

begleitet hat. Sein kulturvermittelndes

Geschick hat wesentlich zum

Gelingen beigetragen. auch den ausbildungspartnern

bei der msw gilt es zu danken

für ihr Engagement und ihre Offenheit.

Die kooperation wird fortgeführt

und soll kontinuierlich mitarbeitenden

von atmI Gelegenheit geben, hier in der

Schweiz ihr Wissen zu vertiefen.

Ratmono Hari Widyatmoko hat seinen

Zweijahresaufenthalt am 16. august begonnen.

Das Foto zeigt ihn mit seinem 17

monate alten Sohn. Es wird ihm sicher

schwer fallen, die Familie so weit entfernt

zu wissen, aber er freut sich über die aussergewöhnliche

Chance, die atmI ihm mit

dem aufenthalt in der Schweiz bietet. Wir

wünschen Hery und Didit eine glückliche

Heimkehr und Ratmono einen guten Start

hier bei uns in der Schweiz.

eine Zukunft aufbauen können. Eine

Einsicht, die sich in der Entwicklungspolitik

durchgesetzt hat: Die Situation in

den armen ländern kann sich nur

verbessern, wenn Frauen gefördert

werden. Je geringer die unterschiede

zwischen männern und Frauen im Bereich

von Bildung und Eigentum, desto

weniger unterernährung, desto weniger

umweltschäden, aber umso mehr

Wirtschaftswachstum. Diese Zukunftsperspektive

wollen wir unterstützen.

Ihr P. Toni Kurman SJ

Missionsprokurator


Es hört sich an wie eine Geschichte aus

einem bösen märchen: Das junge mädchen

mit den traurigen augen und dem

zu einem Zopf geflochtenen langen

schwarzen Haar war in einen Brunnen geworfen

worden. Von ihren künftigen

Schwiegereltern. Denn der Vater des mädchens

war arm und konnte die immer

neuen mitgift-Forderungen des Ehemanns

seiner tochter nicht mehr erfüllen.

anders als im märchen kam kein Prinz, um

sie zu retten. «Gewalt gegen Frauen aufgrund

von mitgift-Streitigkeiten ist in unserer

Gegend hier sehr verbreitet und

absolut nichts ungewöhnliches», sagt

Schwester Daphne. «Immer wieder stehen

nachts junge Frauen tropfnass vor unserer

tür: Sie wurden mit kerosin überschüttet

und konnten fliehen, bevor ihr mann oder

dessen Familie sie angezündet haben.»

Zuflucht in Ashankur

Sieben der insgesamt 22 jungen mädchen

und Frauen, die im Seminarraum von

Diese drei Frauen

leiten die Selbsthilfegruppe

im Dorf

ukalgaon. Sie haben

durch ashankur

lesen und schreiben

gelernt und geben

heute selbstbewusst

ihr Wissen und ihren

mut zur Eigenständigkeit

an andere

Frauen weiter.

I N D I E N

Wie im bösen Märchen

Vom leben der Frauen im indischen ashankur

In ländlichen Regionen Indiens leiden viele Frauen

unter Diskriminierung und unterdrückung. Niemand

hilft ihnen, ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse

zu erkennen und sich Sorge zu tragen. Niemand

ashankur aufmerksam dem Vortrag einer

krankenschwester lauschen und sich eifrig

Notizen machen, haben solche und

andere Formen häuslicher Gewalt erlebt.

Sie nehmen jetzt an einem einjährigen

ausbildungskurs zur krankenpflegehelferin

teil. acht monate theoretischen und

vier monate praktischen unterricht müssen

sie absolvieren, dann stehen ihre

Chancen gut, in einem krankenhaus

der umgebung einen bezahlten Job zu

bekommen. Während der ausbildung

leben sie in ashankur, und neben dem

fachlichen unterricht steht auch Persönlichkeitstraining

auf dem Programm.

ashankur heisst übersetzt «Saat der Hoffnung».

Schwester Daphne, eine indische

Sacré-Cœur-Schwester, hat das Zentrum

für Frauen vor acht Jahren in kooperation

mit den Jesuiten gegründet. Es bietet

ganz unterschiedliche Projekte, ein Element

sind ausbildungskurse. «Ich bin

Christin», erklärt Schwester Daphne einen

der schwierigen aspekte in den anfängen

2 3

ausser Schwester Daphne. Sie hat Selbsthilfegruppen

in den Dörfern gegründet und vermittelt

vor allem eines: Selbstständigkeit und mut, den

eigenen Weg zu gehen. So sät sie Hoffnung.

ihrer arbeit. «Zu Beginn sind mir die leute

mit misstrauen begegnet, ob ich sie bekehren

möchte.» Neu für die Ordensfrau

war auch die ausrichtung des lebens in

ashankur auf die landwirtschaft. «Ich

musste mich anstrengen, um mir diese

Welt zu eigen zu machen», gesteht sie.

«Die Frauen waren abgeschirmt im Hintergrund.

um überhaupt zu ihnen durchzudringen,

habe ich viel Zeit damit verbracht,

ein gutes Verhältnis zur ganzen

Familie aufzubauen.» Dieses Vertrauen ist

nötig. Besonders wenn Schwester

Daphne wieder einmal eine ganz neue

Idee umsetzen möchte.

Mut zu Elektronik

«letztes Jahr haben wir einen kurs gestartet,

in dem junge Frauen lernen, elektronische

Geräte wie Handys, Ventilatoren

oder Fernseher zu reparieren. Da so etwas

als männerdomäne gilt, war es schwierig,

mädchen für diesen kurs zu gewinnen.

unsere Sozialarbeiter haben Familien in


I N D I E N

den Dörfern besucht und Eltern davon

überzeugt, ihre töchter teilnehmen zu

lassen.» Die anfängliche Skepsis war überwunden,

als die Eltern und auch die mädchen

selbst merkten, wie schnell sie etwas

lernten und gewinnbringend anwenden

konnten, was sie sich allein nicht zugetraut

hätten. «So etwas hilft uns, in

den Dörfern Vorurteile gegenüber Frauen

abzubauen und starre Rollenverteilungen

zwischen den Geschlechtern aufzubrechen»,

erklärt Schwester Daphne. Den

meisten Zulauf haben aber nach wie vor

die eher klassischen ausbildungskurse zur

krankenpflegerin, Schneiderin, kunsthandwerkerin

und kosmetikerin.

Vision und Wirklichkeit

ashankur ist jedoch kein reines ausbildungszentrum.

Es geht um mehr: um den

aufbau einer Gesellschaft, die die soziale,

wirtschaftliche und politische Entwicklung

von Frauen fördert und frei ist von

geschlechtsbezogener Diskriminierung

sowie jeglicher Form von Gewalt gegen

Frauen. So lautet die Vision von ashankur.

Die Realität in der ländlichen Region des

indischen Distriktes ahmednagar im Bundesstaat

maharshtra sieht jedoch noch

deutlich anders aus. Niemand weiss das

Weil ihr Vater dem

Bräutigam nicht

genug mitgift zahlen

konnte, musste

Rekka Danghe in der

neuen Familie viel

Schweres ertragen.

als sie es nicht mehr

aushielt, lief sie

davon und kam zu

ashankur. Hier wird

sie zur Schneiderin

ausgebildet und

kann sich dadurch

selbst versorgen.

besser als Schwester Daphne. Die ausgebildete

Sozialarbeiterin arbeitet seit mehr

als fünfzehn Jahren mit Frauen in ländlichen

Regionen, vor allem mit Dalits und

tribals, den als «unberührbare» vom kastenwesen

ausgeschlossenen, sowie den

ebenfalls stark diskriminierten ureinwohnern

Indiens. In beiden Bevölkerungsgruppen

trifft gesellschaftlicher ausschluss

und materielle armut die Frauen

mit besonderer Härte.

Starke Göttinnen

«unsere traditionelle Religion hat über

Jahrhunderte die Frau als ein Symbol der

Stärke dargestellt. Die hinduistischen Göttinnen

Durga und lakshmi zum Beispiel

stehen für Furchtlosigkeit, Geduld, Schönheit

und Wohlstand.» Schwester Daphne

ist überzeugt, dass auch heute in jeder

Frau diese Stärke und Energie steckt.

«aber Frauen haben oft keine Verfügungsgewalt

über ihre eigenen talente, Ressourcen

und kräfte. Ihre arbeitskraft und

ihr Einkommen gehören nicht ihr, sondern

ihrem mann oder ihrer Familie. Sie

hat kein Bankkonto, keinen Grundbesitz,

kein Haus. Ihr gehört nichts, und deshalb

ist sie abhängig von anderen. Sie hat es so

sehr internalisiert, dass ihr Überleben von

anderen abhängt, dass sie alles tut, was

von ihr verlangt wird und nichts eigenmächtig

entscheidet. Das ist teil ihrer

Identität und ihres Selbstbildes geworden,

das sie oft auch an ihre töchter weitergibt.»

Bis der Erfolg ihrer arbeit offensichtlich

zu tage trat, musste Schwester

Daphne Geduld beweisen und einfach

dran bleiben. Nach den mühsamen ersten

drei Jahren zeigten sich die Früchte. «Eines

tages kamen zwei Dorfvorsteher zu mir,

um mich einzuladen, in ihren Dörfern zu

arbeiten. Das wäre am anfang undenkbar

gewesen. Oder als viele Frauen zur Feier

des Weltfrauentages in unserem Zentrum

von ihren Ehemännern begleitet wurden,

wusste ich, jetzt haben wir einen wichtigen

Schritt geschafft. Denn lange waren

die männer ganz dagegen, dass ihre

Frauen zu unseren Selbsthilfegruppen

kommen.»

Ein Franken verändert ein Dorf

In 20 Dörfern begleitet ashankur mittlerweile

insgesamt 185 Selbsthilfegruppen

für Frauen. Sie sind das Herzstück der

arbeit. Die Frauengruppen in Gujarwadi

warten bereits. Strohgedeckte Hütten aus

lehmziegeln bilden das Dorf mit gut 1000

Einwohnern mitten auf einer verdorrten


steppenähnlichen Ebene. Der Boden aus

festgetretenem Sand ist so heiss, dass er

unter den Fusssohlen brennt. unbarmherzig

knallt die Sonne auf Pflanzen, tiere,

menschen. Der Distrikt ahmednagar wird

immer wieder von Dürren heimgesucht,

und systematische abholzung im vergangenen

Jahrhundert hat das land

weiter austrocknen lassen. aber im Dorf

stehen Schatten spendende Bäume, die

kinder haben glänzende augen und die

Frauen tragen ihre besten Saris. «Wir haben

11 Frauengruppen im Dorf. In unserer

Gruppe sind wir 15», erzählt eine der

Frauen. «als Schwester Daphne in unser

Dorf kam, waren viele dagegen, vor allem

die männer. aber wir haben trotzdem begonnen,

uns jeden monat zu treffen und

50 Rupien pro mitglied zu sparen.» umgerechnet

ist das ungfähr ein Franken. Das

hört sich sehr bescheiden an, aber diese

Summe hat das leben im Dorf verändert.

Jede Frauengruppe hat ein eigenes konto,

zahlt das Geld regelmässig ein und vergibt

für mitglieder kleinkredite, mit denen

sie Gemüsegärten, Verkaufsstände für

Hühner oder kaninchen und andere kleine

Einkommen schaffende massnahmen

aufbauen. So fällt die Saat der Hoffnung

in gute Erde.

auf der Flucht vor

ihrem mann,

der dem alkoholverfallen

war,

kam Banu Bhadi

zu ashankur. Die

Selbsthilfegruppe

unterstützte sie mit

einem mikrokredit.

Damit konnte sie

einen Pouletstand

eröffnen. Er bringt

der Familie ein regelmässigesEinkommen.

und sie lebt

zufrieden mit ihren

vier kindern.

Mumbai

Pune

New Delhi

I N D I E N

Ashankur

Keine Heirat unter 18

Was in Geld nicht zu messen ist, ist das

dabei entstehende Selbstvertrauen der

Frauen. «Früher hätten wir uns nie getraut,

allein zu einer Bank oder einer Behörde zu

gehen, um für uns selbst Dinge zu regeln»,

erklärt leise, mit gesenktem Blick eine der

Frauen. «Wir wussten nicht, wie man gegenüber

fremden menschen den mund

aufmacht. Wir konnten nicht lesen und

schreiben, und Schwester Daphne hat

abendklassen für uns eingerichtet.» Die

trainingskurse von ashankur – alphabetisierung,

Ziegen- und Geflü gelzucht, Gemüseanbau,

kompostieren, ökologische

landwirtschaft und pflanzliche Heilmittel

– sind für viele Frauen ein tor zur Welt, haben

sie doch sonst ausser zu Hochzeiten

und Familienfesten ihr Dorf nie verlassen

können. In der Gemeinschaft mit anderen

wächst auch politisches Bewusstsein und

das Wissen um eigene Rechte. «Viele Familien

sind bei Geldverleihern zu Wucherzinsen

verschuldet», berichtet Schwester

Daphne. «Oft ist es dann üblich, dass

die Frauen stillschweigend und duldsam

dem Geldverleiher die Zinsen in Form von

sexuellen Diensten abbezahlen.» In Gujarwadi

ist so etwas nicht mehr denkbar.

Dort haben die Frauengruppen sogar eine

4 5

vom ganzen Dorf getragene Entscheidung

herbeigeführt, dass kein mädchen

unter 18 Jahren verheiratet werden darf.

Bei der Regierung haben sie das Recht

erstritten, endlich gut ausgebildete lehrer

für die Grundschule zugewiesen zu bekommen,

sie haben Jugendgruppen organisiert,

Familientoiletten gebaut und

Bäume gepflanzt.

Neue Pionierarbeit

all das ist nicht über Nacht geschehen,

sondern war ein langsamer Prozess. In

den vergangenen acht Jahren hat Schwester

Daphne mit Einfühlungsvermögen

und ausdauer mehr als 5000 Frauen erreicht.

Jetzt ist das Projekt in so soliden

Bahnen, dass sie es in die Hände einer mitschwester

übergeben kann. auf Schwester

Daphne wartet in einer anderen Region

Indiens neue Pionierarbeit. Denn

auch dort wollen Frauen nicht mehr in

bösen märchen leben, sondern in selbstbestimmter

Wirklichkeit.

Judith Behnen


I N D I E N

Empowerment von Frauen gilt als

Schlüsselstrategie bei der Armutsbekämpfung.

Warum?

Grundsätzlich hat eine Frau immenses

Potenzial und eine menge praktischen Verstand.

unglücklicherweise wird all das in

Indien durch soziale Strukturen unterdrückt

und die Frau wird glauben gemacht,

sie tauge zu nichts. Entsprechend gering

ist ihre Partizipation an Entwicklungsprozessen.

Dabei könnten ihre Intelligenz und

Energie in der Familie und der Gesellschaft

gut und sinnvoll genutzt werden.

Haben Sie Diskriminierung erfahren?

Ja, als ich zu Beginn meiner arbeit bei Behörden

vorgesprochen habe, hat man

mich oft stundenlang draussen sitzen lassen.

In einigen Fällen hiess es, ich möge

doch bitte einen mann schicken, weil sie

dachten, ich würde nicht verstehen, was

sie sagen. Da habe ich die Diskriminierung

am eigenen leib gespürt.

Sie verlassen jetzt Ashankur. Was sind

Ihre neuen Aufgaben?

Schwester Sophiamma wird mich als

Direktorin in ashankur ersetzen und das

Projekt mit einem team von drei weiteren

Schwestern leiten. Ich werde nach torpa

ziehen, das liegt im Distrikt Ranchi im

Bundesstaat Jarkhand. In der Gegend

wohnen hauptsächlich tribals, also die

ureinwohner Indiens. Es ist eine stark

bewaldete Region, reich an Ressourcen,

vielen Holzarten und tieren. um diese

Naturschätze wirtschaftlich nutzen zu

können, werden die tribals systematisch

an den Rand gedrängt, vom Bildungs-

und Gesundheitswesen ausgeschlossen

und von Händlern ausgebeutet. Nach Jahren

der unterdrückung haben die tribals

eine schweigsame Natur angenommen

und sind offensichtlich verängstigt. Ich

werde mit Frauen und kindern arbeiten

und ihnen so helfen, dass sie sich selbst

organisieren, ihre Rechte kennen und ihre

Würde zurückerhalten.

Wie können wir Sie unterstützen?

Wir werden auf jeden Fall Hilfe in Form

von Gebeten und Finanzierung brauchen,

hauptsächlich, um Selbsthilfegruppen für

Frauen in den Dörfern aufzubauen und

kindern Schulbildung zu ermöglichen.

«Frauen haben ein immenses Potenzial»

Interview mit Sr. Daphne Sequeira

Sr. Daphne beginnt ein neues Projekt in torpa.

Sie besuchen regelmässig Ihre Unterstützer

in Europa. Inwiefern ist das für

beide Seiten hilfreich?

Durch diese Besuche findet auf beiden

Seiten eine Sensibilisierung statt, worüber

ich mich sehr freue. Ich schildere den

menschen in Europa unsere Situation und

so erfahren sie etwas über das leben in

Indien. meine Besuche sind eine grosse

Hilfe, um für unsere arbeit finanzielle unterstützung

zu bekommen. Über die Jahre

ist mir bewusst geworden, dass die Spenden,

die wir aus Deutschland und der

Schweiz erhalten, hart verdientes Geld der

leute ist und wir das nicht für selbstverständlich

nehmen können.

Sind Frauen in Europa anders als in

Indien? Können wir ihre Situation

überhaupt verstehen?

Ich denke, Gott hat Frauen auf der ganzen

Welt mehr oder weniger die gleichen Fähigkeiten

gegeben: sensibel, mitfühlend,

sorgend, geduldig und tolerant zu sein.

aber mir fällt schon auf, dass Frauen in

Europa unabhängiger und besser informiert

sind und ihre eigenen Entscheidungen

treffen. Im Gegensatz dazu sind

unsere indischen Frauen – vor allem in

ländlichen Regionen – in allem abhängig

von ihren Ehemännern oder Familienältesten.

Die meisten besitzen nichts, sind wesentlich

weniger gebildet und schlechter

geschützt. In Europa bin ich vielen begegnet,

die versucht haben, sich in das leben

unserer Frauen hineinzuversetzen. Diejenigen,

die uns in ashankur besucht und

mit uns Zeit verbracht haben, können die

Situation unserer Frauen gut verstehen.

Wie wichtig sind Glaube und Gemeinschaft

im Orden für Ihre Arbeit?

Der Grund, warum ich Ordensschwester

geworden bin und mit Entwicklungsarbeit

begonnen habe, ist Jesus. Es fasziniert

mich immer wieder, zu lesen, wie

Jesus mit den leuten und der Gesellschaft

seiner Zeit umgegangen ist und auf sie

geantwortet hat. Er ist die wesentliche

Inspiration für mein leben. Wenn ich in

meiner arbeit auf ein Problem stosse,

gehe ich im Geist die verschiedenen Situationen

durch, wie Jesus interveniert und

reagiert hätte. Die Reflexion und meditation

dieser Stellen zeigt mir den Weg, wie

ich mit meinen Schwierigkeiten umgehen

kann und gibt mir den mut, weiterzugehen.

Ich fühle immer, dass Gott alles lenkt,

was in meinem leben passiert. mein Orden

ist ebenfalls ein Ort, aus dem ich viel

unterstützung und kraft für meine arbeit

ziehe. Es ist ein Platz, an dem ich wahre

Begleitung für meine mission erfahren

habe.

Was sind Ihre Träume für die Frauen

auf der ganzen Welt?

Ich wünsche mir, dass ein umfeld in unserer

Welt geschaffen wird, das Frauen in

Sicherheit und Freiheit ihre Weisheit und

ihr Potenzial nutzen lässt, mit denen uns

Gott gesegnet hat. Wenn Frauen ihre

Stärke erkennen und beginnen, über ihre

eigenen Ressourcen selbst zu verfügen,

dann werden sie ihre Identität zurückgewinnen,

und die Welt wird eine andere

werden. auf der anderen Seite stehen

diejenigen von uns, die mit Bildung und

Erfahrung gesegnet sind, in der Verantwortung,

diesen Frauen zu helfen, ihre

Fähigkeiten zu entwickeln und ihre inneren

Stärken zu entdecken.

Interview:

Judith Behnen


Ashankur auf solidem Grund

Schwester Daphne hat grossartige arbeit

in ashankur geleistet. Das Frauenprojekt,

das sie dort einst gegründet hat, steht auf

festem Grund. Schwester Sophiamma

kann es jetzt gut übernehmen und zusammen

mit den anderen Schwestern

weiterführen.

Aufbruch nach Tropa

Schwester Daphne dagegen bricht einmal

mehr auf: In tropa im Bundesstaat Jarkhand

beginnt sie ein neues Frauenprojekt

mit tribals, den ureinwohnern Indiens. als

erstes möchte sie in 30 Dörfern Frauen

schulen und mit geeignetem training zur

Selbshilfe befähigen:

In der aufbauphase sollen wie in ashankur

Selbsthilfegruppen in den Dörfern

gegründet werden. Für eine Gruppe von

40 Frauen kosten die trainingskurse pro

Dorf 270 Franken.

Schwester Daphne beginnt nicht allein.

mit unserer unterstützung würde sie ger-

Leben ohne Unterdrückung

unsere Spendenbitte für Schwester Daphne

Immer wieder unterstützen wir als Jesuitenmission gerne Projekte, die

ganz am anfang stehen und Starthilfe benötigen. auch darum schlägt

unser Herz für Schwester Daphne. Wir hoffen, dass sie mit unserer

finanziellen Hilfe all ihre kräfte in den Neuanfang in tropa stecken kann.

ne neun Sozialarbeiterinnen anstellen, die

ihr helfen sollen, die Frauengruppen zu

begleiten. Das monatsgehalt einer Sozialarbeiterin

beträgt 100 Franken.

Die Wege in tropa sind weit und Zeit ist

kostbar. Daher wäre ein motorrad für

Schwester Daphne und ihre Helferinnen

eine grosse Hilfe, um mobil zu sein und

die Dörfer besuchen zu können. Für die

anschaffung benötigt sie eine Summe

von 1300 Franken.

Im Vergleich zu anderen Projektanträgen,

die ich bekomme, sind die Summen,

um die Schwester Daphne bittet, sehr

bescheiden. aber die Wirkung ihrer arbeit

ist umso grösser. lassen Sie uns gemeinsam

den unterdrückten Frauen im ländlichen

Indien helfen.

Herzlichen Dank für

Ihre Spende!

P. Toni Kurmann SJ

Missionsprokurator

Die Taufgabe – einen alten Brauch neu entdecken

Es gibt verschiedene Wege, die

Menschen, die der Jesuitenmission

am Herzen liegen, zu

unterstützen. Einen wollen wir

wohin du

Ihnen in diesem Heft vorstellen:

auch gehst.»

mit der taufe wird ein neugebore-

Genesis 28,15

nes Baby, ein kind oder auch ein

Erwachsener aufgenommen in die

grosse Weltfamilie aller Christen. mit

Ihrer taufgabe helfen Sie Gemeinden

in afrika, asien und lateiname-

Ihre Taufgabe

Hirschengraben 74 mission@jesuiten.ch Tel. 044 266 21 30

CH-8001 Zürich www.jesuitenmission.ch Fax 044 266 21 36

schenkt Begleitung und Hilfe

rika, kinder und Erwachsene auf die

taufe vorzubereiten und sie auf ihrem Brauch, den Jüngere vielleicht gar nicht

Glaubens- und lebensweg nicht alleine mehr kennen oder für sehr altmodisch hal-

zu lassen. Die taufgabe ist ein alter ten. Wir haben ein kleines Faltblatt erstellt,

Die Jesuitenmission: Wer sind wir? Was tun wir?

Weltweit mit Menschen – das ist der Leitgedanke der Schweizer Jesuitenmission.

Seit ihrer Gründung im Jahr 1540 setzt sich die Gesellschaft Jesu

für Glaube und Gerechtigkeit ein. Vielen Dank, dass Sie mit uns einstehen

für die Ärmsten dieser Welt!

Ihr P. Toni Kurmann SJ,

Missionsprokurator Schweizer Jesuiten

Die Schweizer Jesuitenmission unterstützt weltweit die Arbeit von Jesuiten,

Ordensschwestern und engagierten Laien. Sie fördert rund 200 Hilfsprojekte

in mehr als 35 Ländern. Sie leistet Unterstützung in den Bereichen Pastoralarbeit,

Katastrophenhilfe, Gesundheit, Menschenrecht, Schulbildung und

Ökologie.

Jesuitenmission

Franz Xaver Stiftung

«Ich bin mit dir,

ich behüte dich,

6 7

in dem der ursprüngliche Sinn der

taufgabe deutlich wird: Sie ist neben

der praktischen unterstützung

von missionsprojekten auch

ausdruck Ihrer Segenswünsche

und Ihres Gebetes für junge

Christen und neue Gemeinden.

Das Faltblatt eignet sich gut zur

auslage in der Gemeinde oder

auch als möglichkeit, bei der taufe

Ihres kindes oder Enkelkindes Ihre

Solidarität mit den armen zu zeigen.

Wir schicken Ihnen unser Faltblatt,

auch gerne in grösserer Stückzahl, auf

Wunsch kostenlos zu.


«An die Grenzen gehen»

Der Jesuitenflüchtlingsdienst feiert den 30. Geburtstag

1980 hat der damalige Generalobere P. Pedro

arrupe SJ den Flüchtlingsdienst der Jesuiten JRS

gegründet. Vom heutigen leben beim JRS berichtet

Peter Balleis SJ, der bis 2006 missionsprokurator in

Vor 3 Jahren haben Sie die Missionsprokuratur

in Nürnberg verlassen,

um in Rom die Stelle des Internationalen

JRS-Direktors zu übernehmen.

Was hat Sie in dieser Zeit vor allem

bewegt?

Es sind viele einzelne Begegnungen mit

menschen auf der Flucht in verschiedenen

ländern und kulturen. Doch leid, Schmerz

und Hoffnung auf ein leben in Schutz und

Sicherheit sind überall gleich.

Sie sind jemand, der experimentierfreudig

neue Wege geht. Wo verwirklichen

Sie für den JRS neue Visionen?

Seit den anfängen ist Schulbildung für

Flüchtlinge ein Hauptschwerpunkt des

JRS. Derzeit sind 284000 kinder und Jugendliche

in unseren Vorschulen, Grund-

und Sekundarschulen. Wir bilden vor

allem lehrer aus. Hier wächst Hoffnung.

Fehlt nur noch die universität. Genau das

werden wir am 27. September in Flüchtlingslagern

in Dzaleka in malawi und ka-

Die toggenburger

Ziege geniesst in

Burundi einen hervorragenden

Ruf –

nicht zuletzt wegen

der Fleischqualität.

Zurückgekehrte

Flüchtlinge erhalten

vom JRS Burundi ein

Ziegenpaar für die

Sicherung ihrer

lebensgrundlage.

Die ersten Jungtiere

werden dann an

andere Familen weitergegeben,

damit

möglichst viele von

dieser Form der

unterstützung profitieren

können.

F lÜ C H t l I N G S D I E N S t J R S

kuma in kenya beginnen. In Zusammenarbeit

mit Jesuitenuniversitäten in den

uSa bietet der JRS per Internet einen

Studiengang an. Das Projekt weist in die

Zukunft, weil es der Beginn einer virtuellen

globalen Jesuitenuniversität ist, die

für arme und marginalisierte menschen

höhere Bildung von guter Qualität zugänglich

macht.

Der Flüchtlingsdienst feiert seinen

30. Geburtstag. Pedro Arrupe wollte

mit der Gründung den vietnamesischen

Boatpeople helfen. Um wen

sorgen Sie sich heute?

Die Boatpeople von heute kommen weniger

als 1000 km südlich von Rom in malta,

lampedusa und an den küsten Italiens an.

Viele werden vorher schon gestoppt und

zurückgewiesen. Für Europäer sind sie

Eindringlinge, die nur ein besseres leben

wollen. Für den JRS haben sie ein Recht

auf asyl, weil sie aus ländern wie Somalia

und kongo kommen, wo es keinen Schutz

Nürnberg war und jetzt als Internationaler Direktor

die Gesamtverantwortung für den JRS trägt. toni

kurmann SJ konnte sich auf seiner diesjährigen

afrikareise von der arbeit des JRS überzeugen.

vor mord und Vergewaltigungen gibt.

Wenn diese menschen unter Einsatz ihres

lebens durch die Wüste wandern, in libyens

Gefängnissen misshandlungen erdulden,

Schlepperorganisationen teures

Geld bezahlen, um auf klapprigen, überfüllten

Booten die Überfahrt von libyen

nach malta zu riskieren, dann haben sie

für ihre Flucht einen echten Grund. Es ist

eine Schande, wie sich Europa seinen afrikanischen

Nachbarn gegenüber verhält.

Europa braucht diese menschen nicht

eines tages, sondern heute schon.

Was ist für den JRS ein Flüchtling?

Der JRS hält sich an die Definition der

kirchlichen Soziallehre, die von de facto

Flüchtlingen spricht. Dieser Begriff ist weiter

als die Genfer konvention von 1951,

die einen Flüchtling als jemanden definiert,

der aus rassischen, politischen, religiösen

Gründen verfolgt wird und in

einem anderen land Schutz braucht. Für

die kirche haben auch menschen ein


Recht, aufgenommen zu werden, die in

ihren ländern auf Grund der wirtschaftlichen

oder ökologischen Situation nicht

mehr leben können. Der JRS engagiert

sich stark für Binnenflüchtlinge, also menschen,

die im eigenen land auf der Flucht

sind. Wir helfen auch, wie im Fall von Haiti,

wenn menschen durch eine Naturkatastrophe

zur Flucht gezwungen sind.

Was sind momentan für den JRS die

Regionen, in denen am meisten Hilfe

gebraucht wird?

Wir sind nach wie vor sehr besorgt um die

menschen im Norden von Sri lanka, die

unter der schweren Repression durch das

militär leben müssen. Die Zentral afri kanische

Republik ist zum Eldorado afrikanischer

Rebellengruppen geworden. Im

Norden Äthiopiens kommen immer mehr

Flüchtlinge aus Eritrea an. Ich erwähne

bewusst diese drei länder, weil sie nicht

in den Schlagzeilen sind.

Sie planen im Nahen Osten eine

stärkere Präsenz. Wo und warum?

Seit zwei Jahren engagiert sich der JRS in

Syrien, Jordanien und der türkei vor allem

für irakische Flüchtlinge. Diese Gegend

der Welt bis hin nach afghanistan und

Pakistan hat mehr Flüchtlinge als afrika.

Wir arbeiten dort, weil es unser mandat

ist, aber auch wegen der interreligiösen

Zusammenarbeit von muslimen und

Christen. mit unserer arbeit stärken wir

die Präsenz der Christen im Nahen Osten,

die immer weniger werden. Die mehrzahl

der von uns betreuten Flüchtlinge sind

muslime. Das ist der auftrag des Evangeliums.

Die muslime oder Christen, die in

unseren kursen in aleppo und amman

sitzen, verstehen das. Die extrem denkenden

und vor Hass blinden Fundamentalisten

werden es wohl nicht ver stehen

wollen. aber sie sind nur eine minderheit.

Wenn die irakischen Flüchtlinge zurückkehren,

werden wir mit ihnen auch in den

Irak gehen.

Wie ist der JRS strukturiert?

Die Zentrale hat eine Öffentlichkeits-, eine

Projekt- und eine Finanzabteilung. Wichtig

ist die Personalabteilung, die den Regionen

hilft, gute mitarbeiter zu finden

und auszubilden. Insgesamt haben wir

über 1000 mitarbeiter und bis zu 3000

Flüchtlinge, die bei uns in den lagern arbeiten.

Der JRS strukturiert sich in 10 Regionen:

Nordamerika, lateinamerika, Europa,

Nahost, Südasien, Ostasien, West-,

8 9

Ost- und südliches afrika und das afrika

der grossen Seen. Die 10 Regionaldirektoren

sind verantwortlich für die Projekte,

das Personal und die Finanzierung.

Was unterscheidet den JRS von

anderen Flüchtlingshilfswerken wie

z.B. dem UNHCR?

Der JRS hat seine mission mit drei Worten

definiert: begleiten, dienen, verteidigen.

unsere aufgabe ist es, Flüchtlinge zu begleiten,

ihnen mit guten Diensten zu helfen,

aber auch für ihre Rechte einzutreten

und sie zu verteidigen. Der Eckstein ist das

Wort «Begleiten». Darin steckt, was uns

als Jesuitenorden in der Welt der humanitären

Organisationen von anderen unterscheidet.

Das Begleiten fordert uns heraus,

nahe bei den Flüchtlingen zu sein,

sie im täglichen kontakt von angesicht zu

angesicht zu kennen, ihre Freunde zu

sein. aus dieser Begegnung heraus entfaltet

sich dann die mit-leidenschaft und der

Dienst. Das Begleiten ist auch die tiefe pastorale

Dimension, die wir für menschen,

egal welcher Religion, leisten wollen. Den

Flüchtlingen nahe zu sein, war die ursprüngliche

motivation von P. Pedro

arrupe SJ, als er vor genau 30 Jahren den

JRS ins leben rief.

Jesuitenflüchtlingsdienst Schweiz in der Sondierungsphase

Eine der Stärken

des JRS ist seine

internationale Verbreitung

und vielseitige

Vernetzung.

In der Schweiz ist

JRS seit etwa fünf

Jahren durch mich

als kontaktperson vertreten. In dieser

Funktion konnte ich schon mehrmals

kleine, aber hilfreiche Vermittlungsdienste

leisten.

Eine Frau aus dem kosovo sollte aus

Deutschland in die Schweiz ausgewiesen

werden. Vom JRS-Büro in Berlin

wurde ich telefonisch avisiert, die Frau

werde in zwei tagen am Bahnhof Basel

von den deutschen Behörden an die

Grenze gestellt - man möge sie , die in der

Schweiz niemanden kenne, doch bitte

nicht alleine lassen. Oder ein mann mit

traumatischen Erfahrungen aus dem Iran

war schon seit einigen monaten in der

ausschaffungshaft in Basel. Dann wurde

seine ausschaffung nach Belgien angeordnet.

Sein psychischer Zustand machte

den Frauen vom Solinetz Basel Sorgen.

Wer würde bei seiner ankunft in Brüssel

um ihn kümmern und ihn seinem kritischen

Zustand entsprechend betreuen?

leute vom JRS-Belgien, die wir kontaktieren

konnten, übernahmen den Fall.

Seit 1.1.2008 erhalten so genannte

ausreisepflichtige (menschen mit negativem

ayslentscheid oder NEE) nur

noch Nothilfe. mit ein paar Franken pro

tag und ohne Recht auf arbeit, ziehen

inzwischen über 5000 menschen in der

Schweiz dieses perspektivelose Dasein

dem Elend in ihrer Heimat vor. Ich bin

zurzeit am Sondieren, wie JRS-Schweiz,

zusammen mit anderen Bewegungen

und Organisationen, die Situation dieser

menschen verbessern kann.

Christoph Albrecht SJ


Welche Auswirkungen hat die Arbeit

mit Flüchtlingen auf dein persönliches

Leben und auf deinen Glauben?

Ich bin selbst ein wenig heimatlos geworden.

Ich schlafe in mehr als 150 verschiedenen

Betten pro Jahr. Der häufige Ortswechsel

macht ein regelmässiges leben

unmöglich. Gebet findet nicht in langen

meditationen statt, sondern in der Begegnung

mit den geschundenen menschen,

den gekreuzigten Opfern von heute. So

bringe ich die eigene Ohnmacht gegenüber

diesem leiden und unrecht vor Gott.

Was wünschen Sie sich für die nächsten

30 Jahre des JRS?

Ich wünsche dem JRS und den Jesuiten,

dass der Orden mit diesem Werk seine

mobilität bewahrt und zu den Grenzen

geht, seien es abgelegene und unzugängliche

Gegenden, politische, kulturelle und

religiöse Grenzen, oder die unsichtbaren

Grenzen in unseren eigenen Städten, wo

menschen gezwungenermassen auf der

Flucht sind. Ich sehe den JRS als einen

wichtigen missionarischen arm der Gesellschaft

Jesu.

links: Im lager

Gihembe, für Flüchtlinge

aus dem kongo,

in der Nähe von

Byumba, Ruanda,

P. klaus Väthröder SJ

(Nürnberg), ein lehrer

der lager-Highschool,

P. Hans

tschiggerl SJ (Wien),

ein weiterer lehrer

und P. toni kurmann

SJ.

rechts: Schulanlage

Gihembe. Die klassenzimmerbeherbergen

Hunderte

von Schülern. In der

Regenzeit fallen die

lehmhäuser oft in

sich zusammen.

Interview:

Judith Behnen

JRS – begleiten, dienen, verteidigen

Die Jesuitenmission Schweiz unterstützt

nach möglichkeit Projekte des JRS. Wie

wichtig die arbeit des JRS ist, wird mir

anlässlich von Projektreisen vor Ort immer

wieder überdeutlich vor augen

geführt. In diesem Jahr durfte ich

Flücht lingslager in afghanistan, Nepal,

Burundi und Ruanda besuchen. Wo

immer auf der Welt sich diese lager befinden,

es bleiben dieselben Herausforderungen:

Die traumatische Erfahrung

des Vertriebenwerdens muss aufgearbeitet

und eine lebenswerte Zukunft

vorbereitet werden. Das gilt im lageralltag

genauso wie beim Eintreten für die

Rechte von Flüchtlingen auf der Ebene

des uNHCR.

Wie wichtig das Begleiten von Flüchtlingen

ist, hat der Schweizer Jesuit

P. luc Ruedin SJ während seines Einsatzes

in der Republik Zentralafrika

erlebt. Im Chaos der Erfahrung des

Vertriebenseins stützen persönliche

Gespräche und auch gemeinsame

religiöse Feiern wie Gottesdienste, die

menschen in ihrer alltagsbewältigung.

Eine ganz wesentliche Dimension des

Dienens leistet der JRS weltweit in sehr

vielen lagern im Bereich der Schulbildung.

Gerade hier wird die kompetenz

des JRS von den anderen Partnerorganisationen

sehr geschätzt. In den lagerschulen

setzt der Flüchtlingsdienst

einen lehrplan um, der tausenden von

kindern trotz ihrer hoffnungslosen Situation

eine Zukunft ermöglicht.

und das Verteidigen der Rechte der

Flüchtlinge setzt an bei den lokal verantwortlichen

Regierungen und wird

auch eingebracht auf der Ebene des

uNO-Hochkommissariats für Flüchtlinge

uNHCR in Genf. Der in Genf stationierte

P. michael Gallagher SJ bringt

die Informationen der landesdirektoren

von allen kontinenten in die uN-

Gremien in Genf ein. Über diesen kanal

können die anliegen der Flüchtlinge in

die Entscheidungsfindung des uNHCR

mit einbezogen werden.

Toni Kurmann SJ


Die Drachen steigen wieder

Begegnungen auf einer Reise durch afghanistan

Die Drachen über kabul haben die missionsprokuratoren

aus Deutschland und der Schweiz auf ihrer

Reise durch afghanistan als ein buntes, flatterndes

Hoffnungszeichen gelesen. P. klaus Väthröder SJ

Nach unserer landung in kabul treffen

wir P. Stan Fernandes SJ, den Oberen der

Jesuiten in afghanistan. auf der Fahrt zur

unterkunft der kleinen Jesuitenkommunität

in kabul halte ich ausschau nach den

Drachen. Bald schon entdecke ich sie am

blauen Himmel über kabul. Es ist genau

das Bild, das khaled Hosseini in seinem

lesenswerten Roman «Der Drachenläufer»

beschreibt: Die Drachen steigen wieder,

seitdem die taliban aus kabul vertrieben

wurden. Ich nehme dies als gutes Zeichen

für unseren Besuch in afghanistan, obwohl

neben den Drachen die armeehubschrauber

und der militärische Observierungszeppelin

nicht zu über sehen und zu

überhören sind.

Afghanistan ist mehr

Gegenwärtig verbinden wir in Deutschland

mit afghanistan vor allem mujaheddin

und taliban, deutsche truppen in

kundus und amerikanische Soldaten

in kandahar, Selbstmordattentäter und

Drachen steigen

zu lassen, hat eine

lange tradition in

afghanistan und

war während der

Herrschaft der

taliban verboten.

a F G H a N I S ta N

Sprengminen, allgegenwärtige korruption

und den weltweit grössten Drogenanbau.

all dies ist afghanistan. aber

afghanistan ist mehr. Es ist auch ein land

mit einer reichen kulturgeschichte, mit

menschen, die versuchen, sich nach langen

Jahren der Zerstörung wieder eine

Existenz aufzubauen, mit jungen Frauen

und männern, die Bildungsangebote mit

Enthusiasmus wahrnehmen, mit Familien,

für die Gastfreundschaft einen hohen

Wert darstellt. und es ist immer noch

eines der ärmsten länder der Erde. Deshalb

sind die Jesuiten hier.

Abend der einsamen Herzen

am tag unserer ankunft in kabul gehen

wir zum «abend der einsamen Herzen».

Drei deutsche Brüder der Christusbruderschaft

öffnen ihr Haus. Hier treffen sich

fast wöchentlich die Brüder mit den kleinen

Schwestern Jesu, den Jesuiten und

anderen «einsamen christlichen Seelen»

von kabul. Regelmässig stösst auch ein

10 11

aus Nürnberg berichtet über die Eindrücke im mai

2009. Die missionsprokur in Zürich unterstützt die

arbeit der Jesuiten in afghanistan seit ihren anfängen

2004. Diese Solidarität soll mut machen.

Offizier der deutschen ISaF-truppen hinzu,

dessen gepanzerten Wagen man

schnell hinter der hohen mauer des

Grundstücks verschwinden lässt. man feiert

gemeinsam die liturgie, tauscht sich

über die neuesten Ereignisse in kabul aus,

erzählt von den kleinigkeiten des afghanischen

alltags und lässt den tag mit

einem gemeinsamen abendessen ausklingen.

Seit Jahrzehnten im Land

Bruder Jakob, Bruder Georg und Bruder

Siegbert sind schon fast dreissig Jahre in

kabul. Sie leiten eine tagesklinik für Patienten

mit tuberkulose und Epilepsie im

Stadtteil Wazir akbar kahn sowie eine

Werkstatt zur praktischen Berufsausbildung.

aber noch länger ist die französische

Schwester Chantal im land – seit

mehr als 50 Jahren lebt sie ununterbrochen

in afghanistan. Sie hat vieles gesehen:

in den 1960-er Jahren die Herrschaft

von könig Zahir Schah, die im Jahre 1973


a F G H a N I S ta N

herbeigeputschte Republik, den Einmarsch

der Sowjetarmee 1979 und zehn

Jahre später deren abzug, den kampf der

verfeindeten mujaheddin-Gruppen um

kabul, 1996 den siegreichen Einzug der

taliban und ihr terrorregime, fünf Jahre

später die Vertreibung der taliban und die

Besetzung afghanistans durch die internationalen

truppen. Während all dieser

Zeit haben die Schwestern unter den armen

und kleinen leuten von kabul gelebt.

Neben Chantal aus Frankreich auch die

später hinzugekommenen Schwestern

Catharina aus Japan, miriam aus der

Schweiz und Sibylle aus Deutschland.

Chantal und miriam gehen inzwischen aus

altersgründen nicht mehr arbeiten und

kümmern sich um das Haus. Catharina arbeitet

als krankenschwester und Sybille

betreut psychisch kranke Frauen, um die

sich niemand kümmert. mit ihrer Präsenz,

mit ihren offenen augen und Herzen für

die Nöte ihrer mitmenschen sind die vier

Schwestern ein Zeichen der liebe und Gegenwart

Gottes in einem von Gewalt, Zerstörung

und armut heimgesuchten land.

Jesuiten sind willkommen

Die Jesuiten sind seit 2004 in afghanistan

und arbeiten in kabul, Herat und Bamiyan.

In der Primarschule

von Saddat township

erhalten die

kinder eine solide

Schulbildung.

Saddat township

liegt 35 km ausserhalb

von Herat. In

dieser Siedlung für

zurückkehrende

Flüchtlinge leben

gegenwärtig rund

8o Familien. Später

einmal sollen hier

400 Familien leben.

Die Primarschule in

diesem abgelegenen

Flecken wird von

den Jesuiten in Zusammenarbeit

mit

dem JRS geführt.

Sie sind vor allem auf dem Gebiet der Bildung

aktiv und dort sehr willkommen. Die

technische Schule, die sie in Herat aufgebaut

haben, konnten sie inzwischen an

den Staat übergeben. Einer der Jesuiten

ist Berater im Erziehungsministerium. Die

Scholastiker, also junge Jesuiten in der

ordensinternen ausbildung, unterrichten

Englisch und andere Fächer an verschiedenen

Schulen und universitäten. Insbesondere

der Fortbildung der lehrer und

lehrerinnen haben sich die acht in afghanistan

tätigen Jesuiten verschrieben, die

alle aus Indien stammen.

Schmerzliche Erinnerungen

In Herat treffen wir den Scholastiker linto

kanichai, der einen zweijährigen praktischen

Einsatz in afghanistan verbracht

hat und in wenigen Wochen nach Indien

zurückkehren wird. «Ich habe hier vor

allem Englisch unterrichtet. Das hat mir

viel Freude gemacht», erzählt er mir. «Ich

habe die Studenten nicht nur im klassenzimmer

getroffen, sondern auch ausserhalb.

Dann verändert sich die Beziehung

zu ihnen. Viele von ihnen haben sehr

schmerzliche Erinnerungen. Einmal bat

ich eine junge Frau, einen englischen text

vorzulesen. Da sie sehr leise sprach, sagte

ich mehrmals: «Sprechen Sie bitte lauter!»

am Ende war meine Stimme sehr streng.

Daraufhin brach sie in tränen aus. Die folgenden

Wochen kam sie nicht mehr zum

unterricht. Gemeinsam mit ihrem Bruder

bat ich um ein treffen. Sie erklärte mir: ‹als

kleines mädchen spielte ich mit meinem

Bruder auf der Strasse. Dann kamen diese

bärtigen männer, zogen mich an den Haaren

ins Haus und schrien mich an: ‹mädchen

spielen nicht auf der Strasse!› lehrer,

sie haben auch diesen Bart und in dem

moment hatten sie auch diese Stimme.

Danach wurde ich nie wieder laut in der

klasse.» Ich frage linto, welche Erfahrungen

in afghanistan für ihn selbst besonders

wertvoll waren? «als lehrer hat

mich beeindruckt, dass die Schüler immer

aufmerksam sind. keiner ist faul, träge

oder träumt vor sich hin – so wie ich es

manchmal gemacht habe. Wenn jemand

etwas nicht versteht, verlässt er den

Raum. als Ordensmann: hier beginnt und

endet alles mit Gott. Inschallah – so Gott

will, ist nicht nur eine Floskel, sondern

eine Haltung. Gott ist in allem!»

Sahars Träume

am letzten tag unseres aufenthaltes treffen

wir die 21-jährige Sahar. Einen grossen


Sr. Catharina und Sr. Chantal linto kanichai SJ mit einem befreundeten

Studenten und P. Stan Fernandes SJ (v.l.n.r.)

teil ihrer kindheit hat sie im Iran verbracht,

wohin ihre Eltern erst vor den kommunisten

und später noch einmal vor den

taliban geflohen sind. als Sahar elf Jahre

alt war, wurde sie als afghanin für die fünfte

klasse der iranischen Schule nicht mehr

zugelassen. Sie aber wollte unbedingt lernen.

Jeden tag ging sie zur Schule, jeden

tag wurde sie nach Hause geschickt. Sie

schrieb einen Brief und schaffte es, ihn

persönlich einem iranischen Regierungsbeamten

zu überreichen, der sich dann für

sie einsetzte. Sahar ist willensstark, voller

Energie und lebensfreude. Sie studiert

jetzt im dritten Jahr medizin. Die Jesuiten

hat sie über die Englischkurse kennen gelernt,

was sie als eine entscheidende Begegnung

für ihr leben bezeichnet. Ich

Pionierarbeit in Afghanistan

Im Jahr 2004 ging Bruder Oliver Noël SJ

aus Pune zusammen mit weiteren indischen

Jesuiten nach afghanistan.

Diese Gruppe von Pionieren versuchte

in einem ersten Schritt verstehen zu

lernen, welchen Beitrag die Jesuiten in

der herausfordernden Situation des

landes leisten können. Nach all den

Jahren erweist sich das Stärken von

lokalen Strukturen im Schul- und ausbildungsbereich

als ein wirksamer und

umsetzbarer Weg. Die indischen mitbrüder

werden gerade wegen ihrer

Erfahrung im Bildungswesen sehr geschätzt

und willkommen geheissen.

A F G H A N I S TA N

Herat

Kabul

frage sie nach ihren Plänen. «Ich möchte

ein krankenhaus in afghanistan eröffnen.

unser Gesundheitssystem ist so schlecht,

und besonders die armen haben keine

Chance auf eine gute Behandlung.» als

Beste ihres Jahrganges darf sie jetzt zu

einem mehrwöchigen medizinischen kurs

in die uSa reisen. Was hält ihre Familie

davon? «meine Freundinnen sind stolz auf

mich. und ich werde nur einen mann heiraten,

der mit meinen Plänen einverstanden

ist.» und ihre Eltern? «mein Vater

muss einverstanden sein, wenn ich ins

ausland gehe.» und wenn nicht? «Zuerst

bete ich. Dann sage ich meinen Onkeln,

dass sie mit ihm sprechen sollen. Dann

meinen lehrern. Dann unserem lokalen

Ratsvorsteher. letztlich würde ich tun, was

Während unseres Besuches im april

dieses Jahres hat mich die Bandbreite

ihres Einsatzes beeindruckt. unterrichtet

wird im Rahmen der universitären lehrerausbildung

in Herat. an technischen

Schulen werden berufsbezogene kenntnisse

im Bereich von mechanik und Bauwesen

vermittelt. Nach der offiziellen unterrichtszeit

geben die mitbrüder am

Nachmittag in abgelegenen Dorfschulen

wie auch in lagern für zurückkehrende

Flüchtlinge Englischkurse.

Für die kommende Zeit möchten die

mitbrüder einen weiteren akzent setzen

in der Weiterbildung von lehrern in abge-

Die 21-jährige Sahar hat Zukunftspläne.

12 13

er sagt, denn er hat mich grossgezogen.»

Was sind ihre träume für afghanistan?

«Dass alle meine landsleute eine gute

ausbildung bekommen und in Sicherheit

leben können.» und ihre angst? «Dass die

taliban zurückkommen.» Bevor wir wieder

zum Flughafen fahren, sehe ich, dass

auf dem Dach des gegenüberliegenden

Hauses ein kleiner Junge versucht, seinen

Drachen steigen zu lassen. Der bunte Drache

steigt ein paar meter, dann fällt er

wieder zurück. Die Zukunft dieses landes

ist offen. Hoffen wir, dass nicht die Vertreter

von Gewalt und Fundamentalismus

das Sagen haben, sondern menschen wie

Sahar die Zukunft von afghanistan gestalten

werden.

Klaus Väthröder SJ

legenen Provinzen, welche nicht im

Fokus internationaler Hilfe sind.

Wesentlich sind auch immer wieder

die Sicherheitsfragen, wie die unbegreifliche

Ermordung von Ärzten der

International assistance mission (Iam)

einmal mehr vor augen geführt hat. P.

Väthröder von der Jesuitenmission

Nürnberg und ich haben Ende april die

leiterin der Iam in ihrem Büro in Herat

getroffen. Die medizinische und psychologische

Hilfe, die durch ihre

Organisa tion geleistet wird, würde eigentlich

dringend benötigt.

Toni Kurmann SJ


I N D O N E S I E N

Von Basel über Indonesien nach Shanghai

PIka baut die möbel für den Schweizer Expo-Pavillon

Vor 56 Jahren gründeten die Jesuiten in Indonesien eine

Schreinerschule. Sie funktioniert nach dem Schweizer modell

der dualen ausbildung. Ein klassisches Entwicklungshilfe-

Projekt, unterstützt von der Bundesregierung in Bern.

Heute ist PIka ein Schulungs- und Wirtschaftsbetrieb, der

als internationaler Geschäftspartner aufträge übernimmt,

unter anderem den Bau der möbel für den

Schweizer Pavillon auf der Weltausstellung in Shanghai.

Die Form stammt aus Basel, wo die beiden möbeldesigner Yves

Raschle und thomas Wüthrich den auftrag für die Expo ergattert

haben. Produzieren lässt ihr unternehmen INCHfurniture bei

PIka. Denn INCH steht nicht nur für das englische längenmass,

sondern vor allem für die kooperation zwischen IN = Indonesien

und CH = Schweiz, die Basis ist für das Geschäft. Schon

die Gründung von PIka brachte die beiden länder zusammen.

Eine glückliche Verbindung - damals wie heute.

Ein Schweizer Erfolgsmodell

Die Schreinerschule in Indonesien wurde 1953, dank der Initiative

holländischer Jesuitenmissionare gegründet. Nach den ersten Pionierjahren

bekam das Projekt einen entscheidenden neuen Impuls

durch die Entsendung von Bruder Paul Wiederkehr SJ, einem Schreinermeister aus

Basel. Wie sein mitbruder Johann Casutt SJ für die technische Schule atmI in Solo

übernahm Wiederkehr das Schweizer modell der dualen ausbildung. Da es aber in

indonesischen unternehmen keine tradition gab, lehrlinge anzustellen, machten die

Schweizer aus der Not kurzerhand eine tugend und eröffneten eigene Produktionsstätten.

Diese schufen arbeitsplätze, gaben den Schülern Gelegenheit, praktische Erfah-


ungen in einem richtigen Betrieb zu sammeln

und

machten auch noch Gewinn, der in die

Schule reinves tiert werden konnte und sie

finanziell absicherte. So war es möglich

die Schulgelder niedrig zu halten und

auch Interessenten aus ärmeren Familien

aufzunehmmen.

«Jetzt ist das Projekt bernreif»

Das war ohne entsprechende anschubfinanzierung

für den Bau von Schul- und

Produktionsräumen und die anschaffung

der technischen Geräte nicht möglich. Externe

Hilfe wurde gebraucht. «Jetzt ist das

Projekt bernreif», schrieb Paul Wiederkehr

1972 an den damaligen missionsprokurator

Felix Plattner SJ. und Bern sagte zu. So

bekam das Projekt eine solide Grundlage

und einen neuen Namen: Pendidikan Industri

kayu atas – höhere Holzfachschule

oder eben: PIka. anfangs ein fremdes modell,

hat PIka heute eine exzellente Reputation

im indonesischen Bildungssystem,

die absolventen sind gefragte leute auf

dem arbeitsmarkt und die Regierung

schätzt die Qualifikation im dualen System.

Im Jahr 2000 konnte Direktor Paul

Wiederkehr SJ die leitung einem einheimischen

Nachfolger übergeben. Er selbst

lINkS: Das indonesische

team: (v.li.)

marketingchef Yos

Wiratno, Gründer-

vater Paul Wiederkehr

SJ und der heutige

Direktor Ignatius

aria Dewanto SJ

RECHtS: Die auftraggeber,

Freunde

und Partner von

INCHfurniture aus

Basel: thomas Wüthrich

und Yves Raschle

Jakarta

I N D O N E S I E N

Semarang

ist immer noch die Seele im Haus, doch

das management ist nun ganz in indonesischer

Hand und geht so seinen Weg in

die Zukunft.

Vom Entwicklungshilfeprojekt

zum Geschäftspartner

Heute kommen die Gelder aus der

Schweiz nicht mehr aus Hilfstöpfen der

Regierung. Heute gibt es Geschäftsleute,

die PIka als kooperationspartner schätzen.

So zum Beispiel die Designer von

INCHfurniture. Raschle und Wüthrich haben

PIka während ihres Zivildienstes auf

Java kennen gelernt. Die Begegnung hat

sie zu einer Geschäftsidee inspiriert: stilvolle

Designermöbel aus edlem Holz. mit

offensiver kommunikation packen sie dabei

den Vorurteilsstier bei den Hörnern.

«Ja, wir produzieren in einem Billiglohnland

und wir arbeiten mit teakholz», bekennt

Raschle. Das «Wie» macht den unterschied.

Denn INCH beutet nicht einfach

arbeitskräfte, sondern versteht sich als

echter Partner. auch in der Rohstofffrage:

Das verwendete teakholz stammt ausschliesslich

aus Plantagen. und gemeinsam

mit aria Dewanto, dem Direktor von

PIka, arbeitet INCH an der Zertifizierung

mit dem Öko-label FSC, das den ganzen

14 15

Prozess von der Forstwirtschaft bis zum

Produktionsbetrieb nachvollziehen lässt.

So trägt die Zusammenarbeit vielfältige

Früchte. «Wir machen miteinander Geschäfte,

aber wir sind auch Freunde, weil

wir einander achten und unsere kultur

teilen. und wir sind Partner, weil wir einander

brauchen und gemeinsam vorwärts

gehen wollen», sagt Yos Wiratno,

der ansprechpartner für INCH bei PIka.

Raschle und Wüthrich verbringen mehrere

Wochen im Jahr in Indonesien. Sie sprechen

die Sprache der leute und begegnen

ihnen auf augenhöhe.

Reif für den Weltmarkt

Die kooperation mit INCH ist für PIka-

Chef Dewanto ein wichtiger Schritt in die

Zukunft. «Wir wollen als professionelles

unternehmen kunden auf der ganzen

Welt gewinnen», beschreibt er seine Ziele.

Die FSC-Zertifizierung ist eine Vision, mit

der er kunden gewinnen möchte, aber

auch ein Vorbild für sein land sein will.

«Damit geben wir ein sprechendes Bespiel

für unsere Schüler und machen

deutlich, wie ökologisches Bewusstsein

heute konkret umgesetzt werden kann.»

Andrea Zwicknagl


3 I N D I E N

Neue Perspektiven

für Frauen

8 F lÜ C H t l I N G S D I E N S t 11 a F G H a N I S ta N

30 Jahre Hilfe

für Flüchtlinge

Die Drachen

steigen wieder

Konzerte des Jugendorchesters Weltweite Klänge

Die Jesuitenmission lädt ein: Jugendliche aus Paraguay, Indien, Afrika, China, Deutschland und der

Schweiz musizieren – und aus vielen Tönen entsteht ein Klang rund um die Welt.

Dienstag, 16. November 2010, 19.00 Uhr

Dom St. Niklaus

Domplatz 6, 6800 Feldkirch (at)

Mittwoch, 17. November 2010, 19.00 Uhr

Jesuitenkirche

Bahnhofstrasse 11a, 6003 luzern

Donnerstag, 18. November 2010, 19.00 Uhr

Stadtkirche Uznach

Städtchen 25a, 8730 uznach

Freitag, 19. November 2010, 20.00 Uhr

Pfarrkirche St. Martin

Schulgasse, 6430 Schwyz

Samstag, 20. November 2010, 19.00 Uhr

Dreifaltigkeitskirche Heiligkreuz

Iddastrasse 31, 9008 St.Gallen

Sonntag, 21. November 2010, 11.00 Uhr

St.Peter und Paul Rotmonten (Gottesdienst)

Waldgutrasse 18 9010 St.Gallen

AZB

8001 Zürich

Das Magazin der

Jesuitenmission Schweiz

Erscheint viermal im Jahr

Adressberichtigung melden

Abonnementsverwaltung:

Jesuitenmission, Hirschengraben 74,

8001 Zürich, telefon 044 266 21 30,

Fax 044 266 21 36

E-mail: magazin@jesuitenmission.ch

Postcheck: Zürich 80-22076-4

abonnementspreis: Fr. 8.–

Redaktion: andrea Zwicknagl,

toni kurmann SJ

Gestaltung, Druck und Versand:

Cavelti aG, Druck und media,

9201 Gossau SG

Bildnachweis: titel: Frauenleben

in Indien; 1,3–7: ashankur; 2:

atmI; 8,10,12,16: kurmann; 10,13:

Väthröder; 14,15: INCHfurniture;

15: PIka, 16: Baumberger

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine