gie_10_2020

Giesserei.Verlag



EDITORIAL

Begegnung wagen in der Pandemie

FOTO: BDG

Robert Piterek,

Stv. Chefredakteur

(E-Mail: robert.piterek@bdguss.de)

Es hat gut getan, nach langer Abstinenz

wieder persönliche Gespräche in der

Branche zu führen und dabei in das

Gesicht des Gegenübers zu blicken, während

der Stift flink Satzfetzen auf dem Block

notierte. Es hat gut getan, wieder diese

leichte innere Anspannung im Gespräch zu

spüren, die nur aufkommt, wenn die Aufmerksamkeit

ungeteilt dem anderen gilt,

man den gleichen Ort teilt, die gleichen Vorträge

im Hier und Jetzt hören und sehen

kann und der Applaus danach ein gemeinschaftlicher

ist. Vorbei die Mausklicks auf

den Verbinden-Button bei Teams, der Blick

auf den Bildschirm in ein digitales Abbild

des Anderen, Kommentare und Likes statt

Abschlussfragen und Applaus.

Ich rede von der voraussichtlich einzigen

exklusiven Präsenzveranstaltung für

Gießer, die wir in 2020 noch erleben durften:

der International Foundry Conference

im slowenischen Portorož, die in diesem Jahr

zum 60. Mal stattgefunden hat. Bei aller digitaler

Faszination, die Corona nach vorne

katapultiert hat, offenbarte die Konferenz,

was Corona unserer und den anderen Branchen

mangels Gelegenheit zur Zusammenkunft

– und hoffentlich nur vorläufig – genommen

hat: das zufällige Treffen – das

manchem schon einen Großauftrag beschert

hat. Das Kennenlernen bislang unbekannter

Branchenteilnehmer, das für den

Einen neue Dimensionen wirtschaftlicher

Zusammenarbeit und Journalisten wie mir

wertvolle Hintergrundinformationen eröffnet.

Die Sympathie, die in einem Treffen zum

Kaffee mündet. Die Liste, was wir versäumen,

könnte noch deutlich länger sein. In

Portorož jedenfalls zeigte sich, wie in unserer

Branche die „neue Normalität“ in Zeiten

der Pandemie aussehen kann. Lesen Sie

deshalb den Tagungsbericht auf S. 18.

Für Fachzeitschriftenredakteure sind

Fachtagungen und -konferenzen Bergwerke,

in denen Schätze entdeckt werden können.

So war das auch bei Wolfgang Ernsts

Vortrag auf dem Formstoffforum in München

im Februar, der nun von ihm in einen

Artikel mit dem Titel „Schalt doch mal ab“

gegossen wurde. Bis zu zehn Prozent Energieeinsparungen

stellt der datec-Geschäftsführer

in der Sandaufbereitung - dem zweitgrößten

Energieverbraucher in der Gießerei

- in Aussicht. Mehr erfahren Sie in seinem

Fachartikel auf S. 50.

Während Energieeinsparungen im Land

der weltweit höchsten Energiepreise naturgemäß

ein Hingucker bei energieintensiven

Branchen wie der unsrigen sind, gilt das genauso

für das Thema Qualität. Schließlich

sind es Langlebigkeit und Qualität, die deutsche

Produkte weltweit so beliebt machen.

Hier setzt unser Fachbeitrag „Besser Druckgießen

mit dem Rheocasting-Verfahren?“ an.

Denn das Gießen mit halbfester Schmelze

macht in Fachkreisen und -medien zunehmend

die Runde. Es bietet den Vorteil, dass

zur Erzeugung halbfester Schmelze weniger

Energie eingesetzt werden muss. Zugleich

weisen die in solchen Verfahren erzeugten

Gussteile deutlich weniger Porositäten auf,

eignen sich gut für die Wärmebehandlung

und sind schweißbar. Ist das Rheocasting-

Verfahren also eine wertvolle Ergänzung zum

Druckgießen? Dem gehen wir in einer zweiteiligen

Serie nach, die in diesem Heft beginnt

(ab S. 42). Dass sich hier ein Trend andeutet,

zeigte übrigens auch das Programm

in Portorož: mit dem interessanten Vortrag

von Ashley Stone zum sogenannten Maximolding,

über das Sie in einer der kommenden

Ausgaben noch mehr erfahren werden.

Viel Spaß beim Lesen!

GIESSEREI 107 10/2020 3


INHALT

FOTO: HENKEL

FOTO: OSEH ENGINEERING

FOTO: RINGSPANN

61

Umweltschutz

SPEKTRUM

Durch die Einführung einer neuen Generation

von Bioziden, die alle Umweltkriterien

erfüllen, hat Henkel die Biostabilität

seiner Trenn- und Schmiermittel für die

Druckguss-Industrie verbessert.

58

Anlagenplanung

SPEKTRUM

Predictive Engineering erlaubt es, Fördertechnik

vor Baubeginn mithilfe von 3-D-

Scannern zu visualisieren und einzupassen

und damit Fehler bei der Konstruktion

zu vermeiden.

64

Leichtbau

SPEKTRUM

Ein spanntechnisches Trio sichert bei der

spanenden Bearbeitung von dünnwandigen

Druckgussteilen eine hohe Rundlaufgenauigkeit

bei minimaler Verformung und optimaler

Späneabfuhr.

34

Kernbindersysteme

TECHNOLOGIE & TRENDS

Eine Fallstudie zeigt, dass anorganische

Bindersysteme nicht

inert im tongebundenen Formstoffsystem

vorliegen.

FOTO: TU FREIBERG

4 GIESSEREI 107 10/2020


AKTUELLES

8 Eisengießer startet vollautomatische Lkw-Bremsscheibenbearbeitung

9 BDG: Politik und Autobauer haben verstanden

12 Bündnis faire Energiewende: Neues Internetportal

16 Neuer Leitfaden zum Arbeitsschutz in Gießereien

AKTUELLES/TAGUNG

17 Digitalkonferenz zur E-Mobilität – Elektromobilität und Gießereien: Erfolg

durch Wandel, Monika Wirth

18 International Foundry Conference in Portorož, Robert Piterek

STANDPUNKT

22 (Post-)Coronazeit: Warum wir genau jetzt „Moti-Viren“ brauchen! Stefan Dudas

INTERVIEW

26 Rainer Kurtz, CEO Kurtz-Holding: „Wir wollen ein Industriekonzern sein, der

auf mehreren Beinen steht“, Nicole Kareta

SCK

SPEISERSYSTEM

FOSECO. Your partner to build on.

FORSCHUNG & INNOVATION

28 AlSi7Mg-Gusslegierungen: Auswirkungen niedriger Magnesiumgehalte,

Ingrid Meling, Petter Åsholt, Leonhard Heusler

TECHNOLOGIE & TRENDS

34 Anorganische Kernbinderreste in bentonitischen Formstoffsystemen,

Andreas Zach, Benjamin Kleinert, Uwe Nitsch, Gotthard Wolf

42 Besser Druckgießen mit dem Rheocasting-Verfahren? Teil 1, Magnus Wessén,

Per Jansson, Staffan Zetterström

50 Energiesparpotenziale bei der Sandaufbereitung: Schalt doch mal ab ...,

Wolfgang Ernst

SPEKTRUM

58 Mit Predictive Engineering Fördertechnik im Werk installieren, Holger Schmidt

61 Trenn- und Schmiermittel: Nachhaltige Lösung mit verbesserter Biostabilität,

Ulrike Schmidt-Freytag

64 Leichtbau-Lösung für dünnwandigen Druckguss, Mika Strandthaler

68 Simulation: Optimierte Gießlaufauslegung spart Gewicht und Kosten, Pia

Sonntag

72 Gussputzerei: Investitionen für ein perfektes Endprodukt, Ingeborg Scheer

BERUF & KARRIERE

74 Personalführung und -entwicklung im Mittelstand, Klaus Doll

RUBRIKEN

3 Editorial

6 Foto des Monats

76 Patente

81 News

90 Medien & Bücher

92 Termine

95 VDG intern

96 Inserentenverzeichnis/Stellenmarkt

98 Vorschau/Impressum

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Vorteile

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METAL FLOW ENGINEERING


AKTUELLES

FOTO: HORST BERNHARD

6 GIESSEREI 107 10/2020


Foto des

Monats:

Glocken, die

verbinden!

Sie ersetzen drei eiserne Hartgussglocken

im Kirchturm des Erzgebirgsstädtchens

Jöhstadt: die kunstvoll dekorierten Bronzeglocken

auf dem Waggon dieser Dampflok,

die zwischen den Orten Steinbach und

Jöhstadt in Sachsen verkehrt, und deren

wertvolle Fracht die Jöhstädter im September

festlich empfingen – ebenso wie vor

über 100 Jahren (mehr auf S. 16).

Hat auch Ihr Unternehmen interessante

Bildmotive? Senden Sie Ihre Bildvorschläge

an: soschinski@bdguss.de oder per

Post an die Bildredaktion, Giesserei,

Hansa allee 203, 40549 Düsseldorf.

GIESSEREI 107 10/2020 7


AKTUELLES

Eisengießer startet vollautomatisierte

Lkw-Bremsscheibenbearbeitung

> M. BUSCH: Die Eisengießerei M.Busch

mit Standorten in Meschede-Wehrstapel

und Bestwig lässt sich durch die Corona-

Krise nicht in ihren Investitionszielen beirren.

Erneut wird in die Automatisierung

investiert, diesmal in eine vollautomatische

Bearbeitungslinie für Lkw-Bremsscheiben.

Inzwischen ist das Bearbeitungswerk

in Bestwig mit einer völlig neu

konzipierten, verketteten Fertigungslinie

in der ebenfalls neu errichteten Halle 7

in Betrieb genommen worden. Die Investitionssumme

beträgt vier Millionen Euro

in den 4100 m² großen Hallenneubau sowie

eine hochmoderne Bearbeitungslinie

für vier Millionen Euro.

Die neue Anlage ist technisch so ausgelegt,

bei gleicher Bedienmannschaft den

doppelten Output in Höhe von 250 000

einbaufertig bearbeiteten Bremsscheiben

pro Jahr zu erzielen. Die vollautomatisierte

Linie umfasst eine mannlose Beschickung

mit integriertem Poka Yoke, unterstützt

durch eine Kamera-Visualisierung.

Poka Yoke ist ein japanischer Begriff zur

systematischen Fehlererkennung und -vermeidung.

Kern der Fertigungslinie sind vier

Drehmaschinen, eine dynamisch prüfende

Messeinheit, Nadelpräger zur Einhaltung

von Traceability und drei Bohranlagen mit

nachfolgender taktiler Robotervermessung

zur Erkennung der Bearbeitungsmerkmale.

Verknüpft sind diese Anlagen über diverse

Handlingsgeräte und Roboter.

Die neue Lkw-Bremsscheibenbearbeitungsanlage in Bestwig kann pro Jahr 250 000

Bremsscheiben einbaufertig bearbeiten und ist Teil der Automatisierungsstrategie von

M. Busch.

Die Eisengießerei mit Bearbeitung

M. Busch, die in Europa zu den führenden

Herstellern einbaufertiger Bremsscheiben,

Schwungräder und Bremstrommeln

für die Truck-Industrie gehört, hat in den

vergangenen vier Jahren bereits eine mittlere

zweistellige Millionensumme in ihre

Gießerei in Meschede-Wehrstapel investiert.

Nun wurde der Ausbau am Standort

Bestwig im Rahmen der Strategie MB

2022 fortgesetzt, nachdem im letzten Jahr

bereits in eine neue Linie zur Bearbeitung

von Schwungrädern investiert wurde.

„Ziel ist es, M. Busch an beiden Standorten,

auch in Zeiten der Krise, zukunftsfähig

im Hinblick auf Industrie 4.0, Qualität,

Kapazität und Produkte aufzustellen“,

sagt Geschäftsführer Andreas Güll.

M. Busch beschäftigt momentan rund

530 Mitarbeiter bei einem Umsatz von

110 Millionen Euro.

www.mbusch.de

FOTO: M.BUSCH

Hochschule beendet erstes Online-Semester

> HS AALEN: Das erste Online-Semester

in der Geschichte der Hochschule Aalen

ist Anfang August zu Ende gegangen. Trotz

Einschränkungen und außergewöhnlicher

Rahmenbedingungen durch die Corona-

Pandemie teilte Maschinenbau-Professor

und Gießereilabor-Leiter Prof. Lothar Kallien

mit, dass das Semester komplett abgeschlossen

werden konnte.

Was es bedeutet, ein ganzes Semester

online abzuhalten, verraten die Zahlen:

Es wurden 39 532 Zoom-Meetings mit

insgesamt 490 563 Teilnehmern und einer

Gesamtdauer von rund 78 Jahren abgehalten.

Die Drähte zwischen Hochschullehrern

und Studierenden liefen also über

viele Monate lang heiß wie nie, was sich

auch an der Zahl der Nutzer von mehr als

5000 beim Online-Kursanbieter CANVAS

zeigte. Bei den Prüfungen war Flexibilität

bei Prüfern und Studierenden gefragt:

„Nie war die Vielfalt der Prüfungen größer,

von Präsenzprüfungen in der Ulrich-Pfeifle-Halle

über Online-Prüfungen bis zu den

6000 Einzelprüfungen mit DigiExam, von

denen 99,9 Prozent auch abgeschlossen

werden konnten“, so Prof. Kallien.

Angenommen wird der Online-Unterricht

gut, wie eine Befragung der Studierenden

zeigte: 80 Prozent kommen mit

den Online-Vorlesungen gut zurecht. „Was

aber vor allem fehlt, ist der persönliche

Kontakt und der Austausch vor Ort. Da

geht es den Studierenden nicht anders

als den Professoren“, räumt Lothar Kallien

ein.

Darüber hinaus konnte im Gießereilabor

Dank neuester Medientechnik ein

Online-Labor live durchgeführt werden,

um den Studierenden die Funktionalität

Live-Stream aus dem Gießereilabor der

Hochschule Aalen.

der Druckgießmaschinen zu verdeutlichen,

was reichlich Pluspunkte in den

Kommentarspalten im Internet erbrachte.

www.hs-aalen.de

FOTO: HS AALEN

8 GIESSEREI 107 10/2020


BDG: Politik und Autobauer haben verstanden

> ZULIEFERER IN NOT: Der Ruf nach

Hilfen für die Zulieferer wird lauter. Während

die Interessengemeinschaft ArGeZ

aus rund 9000 mittelständischen Zulieferunternehmen

vor einigen Tagen eine

Erweiterung der Kaufanreize forderte,

wird nun nach Gesprächen von Industrie

und Politik ein Strukturfonds erwogen,

um das Eigenkapital mittelständischer

Zulieferer zu stärken. Details sind bisher

noch offen. In einem aktuellen Handelsblatt-Artikel

wertet der Bundesverband

der Deutschen Gießerei-Industrie (BDG)

es als positives Signal, dass die schwierige

Lage der Zulieferer erkannt und Unterstützung

zugesichert wurde.

Die Umsätze der mittelständischen

Zulieferer seien zu Beginn der Pandemie

dramatisch eingebrochen und erholten

sich kaum, stellte die ArGeZ die aktuelle

Lage in der Zulieferindustrie in einer

Pressemitteilung dar. Mit staatlichen Finanzierungshilfen

und der Kurzarbeit

konnte zwar zum Erhalt dieser Unternehmen

beigetragen werden, zugleich sei

das Konjunkturpaket ein Schritt in die

richtige Richtung gewesen. Die Absatzzahlen

in der Automobilindustrie hätten

auf Kaufanreize wie die Mehrwertsteuersenkung

jedoch nicht entsprechend

reagiert.

Die ArGeZ, die u. a. vom Wirtschaftsverband

BDG getragen wird, fürchtet nun,

dass Mittelständler zunehmend gezwungen

sind, Arbeitsplätze zu streichen. Der

heutige Handelsblatt-Artikel zeigt, dass

diese Befürchtungen berechtigt sind: Bei

den größeren Zulieferern wie Continental

und ZF Friedrichshafen stehen bereits

jetzt zehntausende Stellen auf der Kippe.

Auch bei Schaeffler, Bosch und Hella stehen

die Zeichen auf Beschäftigungsabbau.

Die Größeren profitieren allerdings

auch von der allmählichen Erholung des

Automarkts in China und haben zudem

noch Reserven, um sich an den Strukturwandel

in der Autoindustrie anzupassen.

Durch hohen Margendruck der Autohersteller

in der Vergangenheit konnten

mittelständische Industriebetriebe

diese Reserven häufig nicht aufbauen,

geschweige denn in den sich abzeichnenden

Strukturwandel investieren. Folgen:

Abhängigkeit vom Verbrenner und

ein begrenztes Produktportfolio. Hinzu

kommt aus Angst vor der ungewissen

Marktentwicklung bei den Autobauern

die Tendenz, Teile selbst zu produzieren,

statt Aufträge an Zulieferer herauszugeben.

Zylinderkurbelgehäuseproduktion im

Eisenwerk Brühl. Automobilzulieferer

wie die Brühler Eisengießer brauchen

Unterstützung beim Strukturwandel.

Auf die gravierenden Folgen für die

mittelständische Zulieferwirtschaft ist

Wirtschaftsminister Peter Altmaier auch

kürzlich im ZDF eingegangen. Er sagte,

dass den Unternehmen beim Wandel geholfen

werden müsse, schon weil die Arbeitnehmer

unverschuldet in diese Situation

geraten seien - bedingt durch den

weltweiten Wirtschaftsrückgang sowie

die gesunkene Autonachfrage.

Beim Bundesverband der Deutschen

Gießerei-Industrie (BDG) wurde die Anerkennung

der schwierigen Situation der

Branche und die Bereitschaft zur Hilfe als

positives Signal gewertet: „Politik und Automobilhersteller

haben verstanden, dass

die zuliefernde, mittelständische Industrie

ein wichtiger Know-how-Träger unseres

Standorts und der notwendigen Transformation

von Mobilität ist.“ Der BDG betonte

in diesem Zusammenhang auch die

hohe Bedeutung der mittelständischen

Industrie für stabile Lieferketten.

www.bdguss.de

www.argez.de

Möchten Sie, dass wir Ihre Presseinformationen

für unsere Rubrik

Aktuelles berücksichtigen?

Dann schicken Sie Ihre Meldungen

bitte an: redaktion@bdguss.de

FOTO: ANDREAS BEDNARECK

GIESSEREI 107 10/2020 9


AKTUELLES

50 Jahre Alu-Werk Hamburg

> TRIMET HAMBURG: Das Aluminiumwerk

Hamburg feiert Jubiläum. Vor 50

Jahren erfolgte der erste Spatenstich für

den Industriekomplex am Hafen in Altenwerder.

Das ambitionierte Projekt gab

dem Industriestandort Hamburg einen

kräftigen Impuls und überstand in den

vergangenen Jahren mehrere Krisen. In

der Aluminiumhütte und im Walzwerk mit

angeschlossener Recyclinganlage und

Gießerei arbeiten rund 1100 Menschen.

Sie versorgen Automobilindustrie, Verpackungshersteller

und Anlagenbauer

jährlich mit rund 150 000 Tonnen Aluminium.

Mit der Anpassung an die Stromversorgung

aus regenerativen Energien

setzt das Hamburger Aluminiumwerk heute

ein Zeichen für die Zukunftsfähigkeit

der heimischen Industrieproduktion. Am

22. September 1970 wurde der Baubeginn

für die Aluminiumhütte und das Walzwerk

der Reynolds Metal Company gefeiert.

Nach drei Jahren Bauzeit nahm das

Werk die Arbeit auf.

Das US-amerikanische Unternehmen,

damals der weltweit drittgrößte Aluminiumproduzent,

errichtete damit einen

Standort in einer boomenden Region.

Gleichzeitig gingen in Stade ein großes

Kraftwerk und eine Tonerdefabrik in Betrieb.

Das sicherte die Versorgung mit

Strom und Aluminiumoxid, den wichtigsten

Rohstoffen für die Aluminiumherstellung.

Hinzu kam die gute Infrastruktur in

Hamburg mit dem gerade fertiggestellten

Elbtunnel.

Heute betreibt die Trimet Aluminium

SE die Aluminiumhütte, die jährlich rund

135 000 Tonnen Aluminium produziert.

Der größte Teil davon versorgt das von

Norsk Hydro betriebene Walzwerk mit angeschlossener

Gießerei, wo das Leichtmetall

weiterverarbeitet und für die industrielle

Fertigung aufbereitet wird. „Die

gemeinsame Geschichte ist eine starke

Basis, die wir auch im Arbeitsalltag spüren.

Zusammen sorgen wir dafür, diesen

Standort zukunftsfähig zu machen“, sagt

Sind stolz auf 50 Jahre Aluminiumwerk Hamburg: Die Werksleiter Dr. Jörg Prepeneit von

Trimet und Jan Peterlic von Hydro (hinten, v. l. n. r.) sowie die Betriebsratsvorsitzenden

Michael Ecker, Hydro, und Bernd Siemon, Trimet (vorne, v. l. n. r.)

Hydro-Werkleiter Jan Peterlic. In der Belegschaft

der Trimet ist noch immer die

Aufbauarbeit nach der zwischenzeitlichen

Stilllegung der Aluminiumhütte lebendig.

„Viele Kolleginnen und Kollegen haben

vor 13 Jahren mit eigenen Händen die

kalten Öfen wieder instand gesetzt und

hochgefahren. Da entstand ein besonderes

Wir-Gefühl, das prägt uns bis heute“,

sagt Trimet-Werksleiter Dr. Jörg Prepeneit.

Nachdem der Standort bereits in der

1970er-Jahren durch die Ölkrise in

Schwierigkeiten gekommen und von neuen

Gesellschaftern übernommen worden

war, geriet zu Anfang des Jahrtausends

insbesondere die Aluminiumhütte in die

Krise. Steigende Strompreise machten die

energieintensive Aluminiumproduktion im

internationalen Vergleich immer weniger

rentabel. 2005 legten die damaligen Eigner

die Hütte still, mehr als 500 Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter verloren ihre

Arbeit.

Ende 2006 übernahm das Essener Familienunternehmen

Trimet die Aluminiumhütte,

holte die Belegschaft zurück und

nahm die Elektrolyseöfen wieder in Betrieb.

Seitdem investieren die Betreiber

kontinuierlich in die technische Modernisierung

der Produktionsanlagen und ihre

Ausrichtung auf Ressourcenschonung

und Klimaschutz. So baute Hydro 2008

in der Gießerei einen zusätzlichen Recycling-Schmelzofen.

Aus Getränkedosen,

Nummernschildern, Produktionsresten

und anderen Produkten werden hier jährlich

bis zu 50 000 Tonnen Recyclingaluminium

hergestellt. Die Aluminiumhütte

unterstützt den Umbau der Energieversorgung

auf erneuerbare Energien.

In einem Pilotprojekt testet Trimet derzeit

ein Verfahren, bei dem die Elektrolyseöfen

sich an schwankende Strommengen

aus Wind- und Sonnenkraftanlagen

anpassen. Die drei Windkraftanlagen auf

dem Gelände des Aluminiumwerks sind

deshalb auch ein Zeichen, dass in Hamburg-Altenwerder

die Zukunft des Industriestandorts

mitgestaltet wird.

www.trimet.eu

FOTO: TRIMET

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Reichweite ist bei

Lkw unentbehrlich.

Schon Mitte 2021

soll es ein

brennstoffzellenbetriebenes

Testfahrzeug

geben.

FOTO: FREUDENBERG FST GMBH

Entwicklung von Brennstoffzellen-Lkw startet

>ALTERNATIVE ANTRIEBE: Freudenberg

Sealing Technologies startet die Entwicklung

eines speziellen Brennstoffzellensystems

für Schwerlastkraftwagen.

Dabei kooperiert das Unternehmen mit

der Quantron AG, einem Spezialisten auf

dem Gebiet der Nutzfahrzeug-Umrüstung.

Innerhalb kürzester Zeit sollen die Entwicklungsergebnisse

auf der Straße im

realen Betrieb getestet werden. Das Projekt

wird gefördert durch das Energieforschungsprogramm

vom Bayerischen

Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung

und Energie.

Die schweren 40-Tonnen-Lkws sind die

Titanen der Autobahnen. Aufgrund ihres

großen Ladevolumens erfreuen sie sich

hoher Beliebtheit bei den Speditionen.

Zwar haben in den vergangenen Jahren in

dieser Gewichtsklasse modernste Technologien

Einzug gehalten und Umweltfreundlichkeit,

Sicherheit und Effizienz verbessert.

Dennoch sind Verbrauch und Emissionen

weiterhin hoch. Dies gilt

insbesondere innerhalb der EU, wo Lastwagen

25 Prozent der gesamten CO 2 -Emissionen

im Verkehrssektor verursachen.

Während batterieelektrische Fahrzeuge

durchaus in städtischen Gebieten effizient

und umweltschonend eingesetzt werden

können, ist die Brennstoffzellentechnologie

der Erfolgsfaktor bei der emissionsfreien

Logistik über lange Strecken und

bei höheren Nutzlasten. Denn rein batteriegetriebene

elektrische Nutzfahrzeuge

sind unter anderem aufgrund der langen

Ladedauer und begrenzten Reichweiten

durch geringere Energiedichten für den

alltäglichen Betrieb ungeeignet. Die Batterie

verliert bei stockendem Verkehr oder

Stau signifikant an Reichweite. Ein zusätzlicher,

zeitintensiver Tankstopp ist wirtschaftlich

ineffizient. Außerdem erfordert

ein batterieelektrischer Antrieb Zugeständnisse

bei der möglichen Zuladung.

Deshalb will Freudenberg Sealing Technologies

mit seinen Brennstoffzellen-Aktivitäten

nicht nur den Schwerlastverkehr

emissionsfrei machen, sondern auch wirtschaftlich

sinnvolle Antriebslösungen

schaffen. Bereits im vergangenen Jahr hatte

das Unternehmen Entwicklungsprojekte

für Busse und Kreuzfahrtschiffe mit

Partnern wie FlixBus und der Meyer Werft

gestartet. Jetzt

will Freudenberg

mit dem Nutzfahrzeug-Umrüster

Quantron

Lkw-Lösungen in

der Gewichtsklasse

der 40-

Tonner entwickeln

und produzieren,

um eine

emissionsarme

Alter native zum

handelsüblichen

Schwerlast-Lkw

mit Dieselantrieb

zu schaffen.

Es gilt, die

Brennstoffzellensysteme

in

Dauerbetriebstests

auf Funktionalität,

Alltagstauglichkeit

und

Systemrobustheit

zu überprüfen.

Das Projekt

wird vom Energieforschungsprogramm

des

Bayerischen

Staatsministerium

für Wirtschaft, Landesentwicklung und

Energie gefördert und ist eines der ersten

Vorhaben, welches explizit die Entwicklung

einer Brennstoffzelle für die Verwendung

in schweren Nutzfahrzeugen unterstützt.

Bereits Mitte 2021 soll ein erstes Testfahrzeug

mit der neuen Antriebstechnologie

auf den Straßen Bayerns unterwegs sein.

Das Fahrzeug mit dem Namen Energon

wurde Anfang August der Öffentlichkeit

vorgestellt.

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161-11/13-4c

GIESSEREI 107 10/2020 11


AKTUELLES

Rettung der Smart Foundry erwartet

> EGH: Seit Ende Januar 2020 steht eine

der weltweit modernsten Handformgießereien,

die Eisenguss Hasloch Smart

Foundry GmbH (EGH), wegen eines Insolvenzerfahrens

unter Eigenverwaltung.

Nun gibt es gute Nachrichten für die fränkische

Gießerei und ihre aktuell noch 70

Mitarbeiter: Die Sanierung des Unternehmens,

der Standorterhalt und die Rettung

vieler Arbeitsplätze soll absehbar sein.

Wegen der strategischen Neuaufstellung

der ehemaligen Smart Foundry-Muttergesellschaft

KurtzErsa war die Gießerei

vor zwei Jahren an die Rheinische Mittelstandsbeteiligung

GmbH verkauft worden.

Die Restrukturierung der Handformerei

begann schon Ende vergangenen

Jahres. Zu Jahresbeginn stand der Geschäftsbetrieb

dann still. Mit Unterstützung

sollte das Unternehmen nun nachhaltig

stabilisiert werden. Inzwischen soll

der Geschäftsbetrieb wieder in Gang gekommen

sein.

Unterstützung erhielt die Gießerei von

dem ehemaligen Eigentümer und Vermieter

der Räumlichkeiten, Kurtz Ersa, sowie

dem Betriebsrat, der IG Metall und dem

Personal des Unternehmens. Erschwert

worden ist die Sanierung durch die anfangs

nicht absehbare Coronakrise. Allerdings

wird ein weiterer bisher nicht

genannter Gesellschafter eine Minderheitsbeteiligung

eingehen. Diese sei

schon unterzeichnet worden, meldeten

die Fränkischen Nachrichten.

Abguss in der EGH Smart Foundry. Die Gießerei ist u. a. wegen ihrer durchdachten,

nahtlosen Fertigungskette sowie dem Einsatz mannloser Transportsysteme ein Vorbild

für Handformgießereien weltweit

Der bisherige Gesellschafter, die Rheinische

Mittelstandsbeteiligung GmbH,

leistet ebenfalls einen „signifikanten Finanzierungsbeitrag“

zur Umsetzung der

Sanierungslösung. Der Geschäftsbetrieb

des bisherigen Managements unter Geschäftsführer

Rainer Langnickel bleibt

demnach erhalten. Der seit 1852 existierende

Industrie-Standort sowie rund 70

Arbeitsplätze dürften damit gesichert

sein, denn Insolvenzverwalter Sebastian

Braun geht von einer Zustimmung zum

aktuellen Insolvenzplan durch die Gläubiger

aus und spricht bereits von der Rettung

des Unternehmens.

Video: So arbeitet die

Smart Foundry in Hasloch

https://bit.ly/364roqu

www.egh-smartfoundry.

de

FOTO: KLAUS BOLZ

Neues Internetportal von mittelständischem

Industriebündnis geht online

> BÜNDNIS FAIRE ENERGIEWENDE:

Das Bündnis faire Energiewende (BfE) ist

im September mit einer neuen Website

online gegangen. Der Internetauftritt zeigt

mit Grafiken und Reportagen aus der mittelständischen

Industrie, was die Energiewende

in der Praxis bedeutet. Ein virtueller

Demonstrationsbereich animiert

zum Mitmachen.

Bei dem Bündnis Faire Energiewende

handelt es sich um eine u. a. vom Bundesverband

der Deutschen Gießerei-Industrie

getragene Initiative aus 10 000 mittelständischen

Unternehmen mit rund 1 Mio. Beschäftigten

und einem Jahresumsatz von

200 Mrd. Euro, die sich für eine wettbewerbsfähige

Gestaltung der Energiepreise

einsetzt. Die neue Website ist unter www.

faire-energiewende.de mit einem modernen

Webdesign in den Farben Grün und

Blau im Internet zu finden. Um auf die

schwierige Lage im Mittelstand aufmerksam

zu machen, werden neben Statistiken,

Schaubildern und dem neuartigen virtuellen

Demonstrationsbereich zur Bündelung

von Unterstützern unter dem Oberbegriff

„Das ist der Mittelstand“ auch Berichte

und Reportagen aus mittelständischen Firmen

auf dem Portal veröffentlicht. Dazu

gehört auch eine Reportage über die

Schonlau Werke, eine Eisengießerei im

westfälischen Geseke, die mit 170 Mitarbeitern

zu den bedeutendsten Arbeitgebern

in der Stadt gehört. Das Unternehmen

und ihr Geschäftsführer Markus

Dürkes haben über die Jahre große Anstrengungen

unternommen, um die Energieeffizienz

im Werk zu senken und hierfür

große Investitionen getätigt. Hohe Energiekosten,

großer administrativer Aufwand

für eine Teilbefreiung der EEG-Umlage und

nicht zuletzt die Absurdität starrer Regeln,

die Energiesparer ab einem gewissen

Punkt existenzbedrohend strafen können,

zehren an den Ressourcen des Unternehmens.

Zum Bündnis faire Energiewende

zählen auch die Verbände der keramischen

und kunststoffverarbeitenden Industrie,

der Textil- und Modeindustrie, der Kautschukindustrie

sowie der Stahl- und Metallverarbeitung

und der Feuerfest-Industrie.

Auch aus diesen Industriebereichen

sind auf der Seite Berichte über die schwierigen

Bedingungen zu lesen, die der Mittelstand

in Deutschland mit den höchsten

Energiekosten der Welt schultern muss.

www.faire-energiewende.de

12 GIESSEREI 107 10/2020


Call for Paper: 21. Druckgusstag

> DRUCKGUSSTAG: Am 9. März 2021

veranstaltet der Verband Deutscher

Druckgießereien (VDD) und der Bundesverband

der Deutschen Gießerei-Industrie

(BDG) in Nürnberg den 21. Druckgusstag.

Die Tagung bietet den Druckgießereien,

der Zulieferindustrie, Hochschulen und

Instituten wie auch Druckgussanwendern

eine attraktive Plattform, neue Technologien,

Prozess- und Werkstoffentwicklungen

sowie neue Anwendungsbereiche

vorzustellen und mit der Fachwelt zu diskutieren.

Wer sich mit einem Vortrag oder als

Aussteller bei der begleitenden Leistungsschau

im Foyer des Vortragssaales am 9.

März 2021 beteiligen möchte ist aufgerufen,

Vortragsvorschläge zu den Fachthemen

bis zum 31. Oktober 2020 einzureichen.

Bis zu diesem Zeitpunkt wird um

Zusendung eines Abstracts von max. 1

DIN-A-4-Seite, inkl. des Vortragstitels,

Namen des Vortragenden sowie der Firma/des

Instituts gebeten. Einsendungen

gehen an folgende E-Mail-Adresse: maria.

graefenstein@bdguss.de

Der Call for Paper für den 21. Druckgusstag geht noch bis zum 31. Oktober 2020.

Anmeldung und Information für die

Veranstaltung in der NürnbergMesse -

NCC Ost unter der Adres se: VDD Verband

Deutscher Druckgießereien e.V.

Hansaallee 203, 40549 Düsseldorf

www.bdguss.de

FOTO: MARTIN VOGT

Innovative Siebund

Fördertechnik

16146-174-128-001-ger

GIESSEREI 107 10/2020 13


AKTUELLES

Die autonomen Inspektionsroboter kommen

>ROBOTICS: Das TU Darmstadt-Startup

Energy Robotics hat ein Pilotprojekt

mit Merck und Boston Dynamics angekündigt,

bei dem der mit intelligenter

Software ausgestattete mobile Roboter

“Spot” von Boston Dynamics im Mittelpunkt

steht. Spot führt autonome Inspektionen

in der thermischen Abluftreinigungsanlage

von Merck in Darmstadt

durch.

Anlagen zur thermischen Abluftreinigung

spielen eine wichtige Rolle im Umweltschutz.

Sie enthalten eine Reihe wartungsintensiver

Komponenten, die regelmäßig

überwacht werden müssen. Dabei

werden Sensoren wie Wärmebildkameras

eingesetzt, um zum Beispiel Anomalien

in Pumpen oder Lüftern zu erkennen sowie

Druck- und Flüssigkeitsstände in

Tanks zu untersuchen. Routineinspektionen

werden normalerweise vom Menschen

durchgeführt.

Energy Robotics hat diese Sensoren

auf dem mobilen Roboter Spot integriert,

um eine effizientere Zustandsüberwachung

zu ermöglichen. Zudem hat das

Unternehmen den Roboter gemeinsam

mit Merck für einen einstündigen Kontrollgang

durch die mehrstöckige Anlage

trainiert. Dabei überwindet der mobile

Roboter mehrere Industrietreppen und

sammelt mit seinen Sensoren wie zum

Beispiel Wärme- und Zoomkameras Daten,

die er verschlüsselt über das öffentliche

4G-Netzwerk an die webbasierte

Benutzeroberfläche auf einem PC oder

Tablet überträgt.

Spot liefert eine Vielzahl konsistenter Daten von hoher Qualität, die einen effizienten

und sicheren Betrieb ermöglichen. Der Roboter ist derzeit bereits bei Merck erfolgreich

im Einsatz.

Was in der Durchführung so einfach

erscheint, ist das Ergebnis enormer weltweiter

Fortschritte, die die Soft- und Hardware-Entwicklung

der Robotik in den letzten

Jahren erzielt hat. Der Roboter liefert

reproduzierbare und qualitativ hochwertige

Daten zur routinemäßigen Wartung

und Zustandsüberwachung einer Anlage.

In großem Maßstab eingesetzt, erhöhen

solche automatisierten Inspektionen die

Häufigkeit und Einheitlichkeit des Überwachungsprozesses.

Die Verwendung eines

größeren und vielfältigeren Datensatzes,

der von Robotern automatisiert erfasst

wird, kann die langfristige Effizienz

einer Anlage durch vorausschauende

Wartung erheblich verbessern und damit

zur Erhöhung der Ausfallsicherheit und

zu Kosteneinsparungen führen.

Darüber hinaus reduziert Spot die Zeit,

die Mitarbeiter für eintönige und körperlich

anstrengende Arbeiten in engen, heißen

und lauten Räumen verbringen müssen.

Und nicht zuletzt trägt eine solch

skalierte Überwachung industrieller Anlagen

auch dazu bei, Umweltschutzbemühungen

effektiver zu gestalten.

www.energy-robotics.com

FOTO: STEFAN DAUB

Aufruf zur Online-Demo für faire Energiepreise

> BÜNDNIS FAIRE ENERGIEWENDE:

Anlässlich der Anhörung im Umweltausschuss

des Deutschen Bundestags am

16. September hat das Bündnis Faire

Energiewende mit dem Aufruf zu einer

Online-Demonstration seinen Forderungen

nach einer Entlastung beim nationalen

Emissionshandel Nachdruck verliehen.

Das Bündnis vertritt 10 000 Unternehmen

aus den Bereichen Keramik,

Gießereien, Stahl- und Metallverarbeitung,

Kautschuk, Kunststoffverarbeitung,

Feuerfestmaterialien und Textilindustrie,

die alle Energie für ihre Produktion benötigen.

Diese Unternehmen repräsentieren

damit etwa eine Million Beschäftigte.

Zu dem Bündnis gehört auch der

Bundesverband der Deutschen Gießerei-

Industrie, der rund 600 Gießereien in

Deutschland vertritt. Die im Bündnis zusammengeschlossenen

Unternehmen

sind alle wichtige Arbeitgeber. Sie bilden

aus, sie tragen zur Wertschöpfung in ihren

Regionen bei. „Doch wie lange wird

sich industrieller Mittelstand in Deutschland

noch halten können?“, wird in einer

Pressemitteilung des Bündnisses gefragt.

Zur Anhörung im Umweltausschuss

des Deutschen Bundestages erklärt Dr.

Uwe Mazura, Hauptgeschäftsführer des

Gesamtverbandes der deutschen Textilund

Modeindustrie: „Der geplante nationale

Brennstoffemissionshandel bedroht

die Existenz vieler mittelständischer Unternehmen,

da hier eine neue nationale

Abgabe auf zwingend benötigte Brennstoffe

eingeführt werden soll, die europäische

und internationale Wettbewerber

nicht kennen. Ohne eine unmittelbar wirkende

Entlastungsregelung wird unseren

Unternehmen genau die Liquidität entzogen,

die ihnen zuvor durch die Corona-

Rettungspakete zur Verfügung gestellt

wurde. Das ist absurd und wird uns als

mittelständische Industrie nicht aus der

Krise führen, sondern im Gegenteil die

Krise verschärfen.“

Die im Bündnis Faire Energiewende

zusammengeschlossenen Branchen fordern

eine Entlastungsregelung beim geplanten

nationalen Emissionshandel, damit

in der Produktion benötigte Brennstoffe

auch in Zukunft in Deutschland

14 GIESSEREI 107 10/2020


bezahlbar bleiben. Außerdem müsse die

Energiewende und die Förderung der erneuerbaren

Energien aus dem Bundeshaushalt

bezahlt werden. Das sei eine

längst überfällige Entlastung des stromintensiven

Mittelstands im innereuropäischen

und internationalen Wettbewerb.

Zusätzlich wäre eine solche Entlastung

aller Bürger und Unternehmen ein schnell

wirkender, erheblicher Konjunkturimpuls,

der zudem positive klimapolitische Effekte

hätte, hieß es.

Ab sofort ruft das Bündnis Faire Energiewende

deshalb zu einer virtuellen Demonstration

im Internet auf. Auf der

Website des Bündnisses können sich Unterstützer

melden, die den industriellen

Mittelstand und seine Arbeitsplätze unterstützen

möchten. Dort sind auch Berichte

von Unternehmern hinterlegt, die

demonstrieren, welche Folgen das

Brennstoffemissionshandelsgesetz

(BEHG) für sie hat.

www.faire-energiewende.de

Der industrielle Mittelstand wehrt sich: Seit

Mitte September kann online für Entlastungen

beim geplanten nationalen Emissionshandel

demonstriert werden.

FOTO: WWW.FAIRE-ENERGIEWENDE.DE

Induktionsöfen für schwedische Druckgießerei

> OTTO JUNKER: Das Traditionsunternehmen

Lundbergs Pressgjuteri mit Sitz

im schwedischen Vrigstad hat dem

Schmelzofenhersteller Otto Junker aus

Simmerath den Auftrag zu Lieferung von

zwei Aluminium-Induktionsöfen neuester

Bauart erteilt.

Lundbergs Pressgjuteri ist Hersteller

von hochwertigen Druckguss-Produkten,

z.B. für die Telekommunikationsindustrie,

den Schwerfahrzeugbau, zur Herstellung

von Behindertenhilfsmitteln, den Maschinenbau,

die Elektronikindustrie und den

Möbelbau.

Um qualitativ hochwertige Produkte

mit höchster Energieeffizienz zu produzieren

hat das Unternehmen in den Einsatz

von Strom aus erneuerbaren Energien

investiert. In vier Jahren soll die Umstellung

abgeschlossen sein und 40 % (1

Mio. kWh) des bisherigen Verbrauchs einsparen.

Die schwedischen Druckgießer beschreiten

hiermit einen zukunftsweisenden

Weg, ihre Druckgießmaschinen mit

Schmelze aus Induktionsöfen zu bedienen.

Man hat erkannt, dass diese im Gegensatz

zu Öfen mit elektrischer Widerstandsheizung

oder Gasheizung signifikante

Vorteile bieten. Ein wesentlicher

Vorteil besteht in der Badbewegung, die

es ermöglicht, Kreislaufmaterial in die

Schmelze unterzurühren. Das besonders

leichte und kleinstückige Material kann

im bisherigen widerstandsbeheizten Prozess

nicht eingesetzt werden und muss

daher als Schrott veräußert werden.

Zwei Öfen dieser Art gehen jetzt nach Schweden.

Durch die Verwendung von Induktionstiegelöfen

kann so der Schmelzprozess hinsichtlich

Ressourceneinsatz und Energieeffizienz

optimiert werden.

Die neue Schmelzofenanlage besteht

aus zwei Öfen mit einem Fassungsvermögen

von jeweils 1000 kg, die mit einem

Frequenzumrichter mit einer Nennleistung

von 750 kW in Tandem-Fahrweise betrieben

werden. Die Duomelt-Ausführung ermöglicht

eine stufenlose Leistungsaufteilung

zwischen beiden Öfen im Tandembetrieb.

Der eingesetzte Frequenzumrichter

ist mit modernen IGBT-Modulen ausgestattet,

weshalb die Anlage mit einem konstant

hohen Leistungsfaktor (cos phi = 0,99 am

Umrichtereingang) arbeitet.

Da Lundbergs Pressgjuteri besonderes

Augenmerk auf Energieeffizienz legt,

wurden beiden Öfen mit einer modernen

Energiesparspule ausgestattet, wodurch

sich speziell bei Aluminium der Wirkungsgrad

bis zu 7 % erhöht. Für die automatische,

überwachte und dokumentierte

Prozessführung kommt das JOKS-Touch-

System mit zwei Bedienplätzen zum Einsatz.

Die gesamte Anlage zeichnet sich

durch eine einfache Wartung und damit

eine hohe Anlagenverfügbarkeit aus.

www.otto-junker.com

FOTO: OTTO JUNKER

GIESSEREI 107 10/2020 15


AKTUELLES

Glockentransport mit der Pressnitztalbahn

Prachtvoller Festumzug mit den Glocken durch die Straßen der malerischen

Erzgebirgsstadt.

>GLOCKENGIESSEREI GRASSMEYER:

Traditionen währen manchmal hundert

Jahre und mehr: So war es auch beim

Transport der neuen Bronzeglocken der

Innsbrucker Glockengießerei Grassmayr

ins malerische Erzgebirgsstädtchen Jöhstadt.

In der Stadtgemeinde ist noch in

lebhafter (überlieferter) Erinnerung, dass

die nun ausgemusterten Eisenhartgussglocken

Ende 1919 mit der Dampfeisenbahn

Pressnitztalbahn die Jöhstädter St.

Salvador-Kirche erreicht hatten.

Auch heute noch verkehrt die Bahn

wie damals mit viel Dampf zwischen den

Orten Steinbach und Jöhstadt und so sollte

sich das Spektakel von damals mehr

als ein Jahrhundert später am 5. September

2020 wiederholen. Unter den Augen

zahlreicher begeisterter Jöhstädter wurden

die neuen Bronzeglocken am Bahnhof

des 3000-Seelen-Städtchens entgegengenommen.

Der Abguss der Glocken war bereits

am 17. Juli erfolgt, abgenommen wurden

sie am 31. August. Dann startete der

Transport ins Erzgebirge. Als die Glocken

schließlich ihr Ziel erreicht hatten, wurden

sie von den Posaunenchören Jöhstadt und

Grumbach empfangen, dann startete ein

zweitägiges Fest mit Festumzug, bei dem

die drei Glocken, begleitet von der Berg-

Knapp- und Brüderschaft Jöhstadt sowie

des regionalen bergmännischen Musikvereins,

per Anhänger an einem zeitgenössischen

Traktor zur Kirche befördert wurden.

Dort angekommen ging es mit einem Festgottesdienst

im Freien und der Glockenweihe

weiter. Das alte Geläut hatte seinen

Glockenklang zum letzten Mal am 9. August

erklingen lassen.

Die neuen

Bronzeglocken aus

der Glockengießerei

Grassmeyer, die

das Glockengießerhandwerk

bereits seit 1599 ausübt, werden

am Reformationstag, dem 31. Oktober,

das erste Mal über den Dächern von

Jöhstadt ihren Klang entfalten.

www.grassmayr.at

FOTO: OLIVER KAUFMANN

Neuer Leitfaden

zum Arbeitsschutz

in Gießereien

> BGHM: Wie die Berufsgenossenschaft Holz und Metall

(BGHM) meldet, ist mit der Regel 109-608 der Deutschen

Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) zur Gießereibranche

erstmals ein Regelwerk erstellt worden, in dem gefährdungsbezogene

Inhalte und daraus abgeleitete Maßnahmen sowohl

aus relevanten Schriften als auch aus dem Erfahrungswissen

aus Beratung und Überwachung für die Branche zusammengeführt

sind.

Die DGUV-Regel „Branche Gießereien“ zeigt branchenspezifische

Arbeitsschutzlösungen auf, erläutert relevante

Maßnahmen der menschengerechten Arbeitsgestaltung und

beschreibt Maßnahmen, um gesundheitliche Ressourcen für

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu erhalten. Durch das Zusammenführen

der Vorgaben liegt jetzt ein umfassender

Leitfaden für eine praxisbezogene Stärkung von Sicherheit

und Gesundheit bei der Arbeit in Gießereien vor.

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16 GIESSEREI 107 10/2020



AKTUELLES/TAGUNGEN

International Foundry Conference in Portorož

Stühle 1,5 Meter auseinander,

Maskenpflicht und regelmäßige

Desinfektion: Die Teilnahmeregeln

in Portorož hatten es in sich.

Die neue Normalität im

Konferenzwesen

Unter strengen Hygienebedingungen hat in Slowenien Mitte September eine der weltweit

ältesten Gießereikonferenzen unter dem Motto Tradition und Zukunft stattgefunden.

FOTOS: SLOWENISCHE GIESSEREIVEREINIGUNG, ROBERT PITEREK

Es ist nicht leicht, dieser Tage eine

Konferenz für Gießereitechnik zu

veranstalten, weil es vor allem an

einem fehlt: der Planungssicherheit. Denn

rings um das slowenische Portorož, dem

ehemaligen Salzmekka der Venezianer an

der Adria unweit der italienischen Hafenstadt

Triest und jetzigem Tagungsort,

sprießen zum Herbstanfang Corona-Hotspots

wie Pilze aus der Erde und erinnern

an den Beginn der Pandemie im März.

Zuerst wurde der Süden von Sloweniens

Nachbarland Kroatien zum Risikogebiet

erklärt, dann folgte Österreichs Hauptstadt

Wien.

Die Teilnehmer der jährlichen „International

Foundry Conference“ (IFC), die

zum 60. Mal seit 1960 stattfand, schreckte

das wenig. Noch nicht einmal die Corona-gebeutelten

Österreicher vom Österreichischen

Gießerei-Institut (ÖGI), die

traditionell jedes Jahr mit dabei sind und

auch „heuer“ wieder einen Teil des Vortragsprogramms

bestritten, blieben fern.

Ein Restrisiko bleibt

Doch wie kann eine Präsenzveranstaltung

mitten in der Corona-Krise verantwortungsvoll

abgehalten werden? Ebenso wie

auch die Pressekonferenzen im Bundeskanzleramt:

Stühle 1,5 Meter auseinander,

Maskenpflicht, regelmäßige Desinfektion

und Abstand halten. Ein Restrisiko

bleibt selbstverständlich – aber das

ist ja auch bei uns nicht anders, wo die

Infektionszahlen gerade wieder ansteigen.

Dennoch: Planungssicherheit für die

Organisatoren ist etwas anderes. Und so

war die Veranstaltung dieses voraussichtlich

einzigen verbliebenen Präsenz-Events

für Gießer in diesem Jahr auch nervenaufreibender

als sonst, wenngleich Organisatorin

Mirjam Jan-Blazic, Chefin der

Slowenischen Gießereivereinigung, sich

davon nicht viel anmerken ließ.

Beim Gießerabend im Restaurant Medusa

gegenüber dem Kongresszentrum

versicherte sie vor rund 100 Gießern (offizielle

Teilnehmerzahl 172) aus zwölf verschiedenen

Ländern nach der Schilderung

der Konferenzgeschichte, dass jeder im

Falle des Falles sein Geld zurückbekommen

hätte. Später schnitt sie erleichtert

18 GIESSEREI 107 10/2020


Simulation als Hebel

für Industrie 4.0

Die Preisträger der Ehrenmedaille zum 60. IFC-Jubiläum mit Organisatorin Jan-Blazic.

die Schokoladentorte mit dem Schriftzug

IFC 60 an und machte in Gedanken voraussichtlich

drei Kreuze, dass die Feierlichkeiten

für die Traditionskonferenz nun

wie geplant stattfinden konnten.

Ehrenmedaillen zur 60. IFC

Dieser Szene vorausgegangen war der

erste Tag der Konferenz mit zahlreichen

interessanten Podiumsvorträgen und der

Verleihung von Ehrenmedaillen zur 60.

IFC an Prof. Peter Schumacher, Montanuniversität

Leoben, Gerhard Schindelbacher,

ÖGI, Dr. Konrad Weiß, RWP, Prof.

Reinhard Döpp, ehemals TU Clausthal

sowie Prof. Alojz Krizman, Universität Maribor,

und Martin Debelak von der Slowenischen

Gießereivereinigung. Die Dankesrede

von Prof. Döpp im Anschluss geriet

überraschend kurz, seine Freude über die

vielen Jahre der Teilnahme und Begegnung

in Portorož und seine Begeisterung

für die Zukunftstechnologie Gießen kam

dafür umso authentischer und sympathischer

bei den Zuhörern an.

Die Besprechung jedes der 33 Vortragsthemen

sprengt den Rahmen eines

Tagungsberichts. Unter den Vorträgen

fanden sich jedoch einige Perlen mit hoher

technologischer Bedeutung und neue

Verfahren, die mit Blick auf den Wandel

in der Branche durchaus erwähnenswert

sind. Zudem zeigten Gespräche am Rande

der Konferenz, wie es um die wirtschaftliche

Lage, insbesondere der Gießereizulieferer,

bestellt ist.

Aus Deutschland angereist waren vor

allem Schmelz-, Prüf- und Mess- sowie

Simulations- und 3-D-Technikhersteller.

Sie referierten in den beiden Vortragssälen

und betreuten Stände auf der begleitenden

Fachausstellung mit insgesamt 26

Firmenständen. Von Wissenschaftsseite

her waren mehrere Vertreter der Ottovon-Guericke-Universität

in Magdeburg

gekommen, die sowohl zwei der Vorträge

hielten als auch Organisatorin Jan-Blazic

am Gießerabend ein gerahmtes Zertifikat

und eine Packung Magdeburger Halbkugeln

für 60 Jahre IFC überreichten. Ihr

Professor Rüdiger Bähr sowie Prof. Andreas

Bührig-Polaczek vom Gießerei-Institut

der RWTH Aachen hatten sich in diesem

Jahr entschuldigen lassen. Gekommen

waren aber zwei prominente

Absolventen der renommierten Hochschule

in Aachen: RWP-Geschäftsführer

und Simulationspionier Dr. Konrad Weiß

und MAGMA-Geschäftsführer Dr. Jörg

Sturm.

Dr. Weiß bestritt den eröffnenden Podiumsvortrag.

Er spannte mit seinem Vortrag

„Foundry Technology – from History

to Future“ den Bogen vom Beginn der

5000 Jahre alten Gießereihistorie bis in

die Neuzeit, zeigte Bilder aus Gießereien

früherer Tage, in der mit viel „Manpower“

gegossen wurde, sprach die Mechanisierung

mit Formanlagen an und endete mit

seinem Überblick zielsicher bei den Themen

Simulation und Industrie 4.0. Ein Bild

zeigte Konrad Weiß vor einem Computer

in den 1980er-Jahren – der Gründerzeit

der Simulation. Später zeigte ein Film-

Einspieler eine Animation der Gießerei

GCIF Precision Casting in Peking, in der

ab Ende 2021 jährlich 2,5 Mio. Pumpengussteile

mit nur zwölf Mitarbeitern produziert

werden sollen. „4.0 wird die Arbeit

machen“, so Weiß, der GCIF berät, „und

das alles ist nur möglich durch Simulation“.

Ein Vortrag, der Branchen neulingen

einen guten Zugang zur Technologie bot.

Die moderne Gießerei soll Jugendliche

auch zurück in die Branche bringen, so

Weiß‘ Vision.

Während die Präsentation von Dr.

Weiß die Simulation im historischen Zusammenhang

darstellte, zeigte Dr.

Sturms Vortrag ihre konkreten Vorteile

bei der Kernherstellung: Weil im Gegensatz

zum Gussteil Porosität beim Kern

wichtig ist, sei zur Repräsentation des

Kernschießprozesses sowohl die Simulation

des Luftstroms als auch des Verhaltens

des körnigen Materials erforder-

Portorož liegt an der slowenischen

Adria, im Süden liegt Kroatien, im

Norden Italien mit der Hafenstadt Triest.

GIESSEREI 107 10/2020 19


AKTUELLES/TAGUNGEN

RWP-Geschäftsführer

Dr. Konrad Weiß

hielt einen Vortrag

über die Geschichte

der Gießereitechnik.

Magma-Geschäftsführer

Dr. Jörg

Sturm sprach über

Simulation bei der

Kernherstellung.

lich. Durch diesen virtuell hergestellten

Kern kann die Qualität reproduzierbar

verbessert und der Kernkastenverschleiß

vorhergesagt werden. Mit Sensoren in

der Kernschießmaschine sei zudem ein

Vergleich mit der konkreten Produktionssituation

möglich. Die Maschine könne

so in die Lage versetzt werden, die richtigen

Prozessbedingungen für eine reproduzierbar

Kernproduktion zu „erlernen“.

Während die konkreten Vorteile

durch den Einsatz von Sensoren hier auf

der Hand liegen, machte Dr. Sturm in der

Pause deutlich, dass bei der Simulation

der verschiedenen Fertigungsschritte

häufig „zu viele Parameter gemessen

werden, die für das Werkstoffverhalten

oder die Charakterisierung des Prozesses

gar nicht wichtig sind“ – ein Seitenhieb

auf überambitionierte Entwicklungen

bei der simulationsgestützten Digitalisierung

von Gießereiprozessen.

Wie breit gefächert die Angebotspalette

dieser noch vergleichsweise jungen

Technologie heutzutage ist, zeigten zahlreiche

weitere Vorträge auf der Konferenz.

Präsentiert wurden die Ergebnisse

von Simulationen beim Schleudergießverfahren

mit zwei unterschiedlichen Eisenschichten,

bei der Optimierung dünnwandiger

EN-GJL-200-Gussteile, beim

Druckgießen im Allgemeinen und bei der

Abkühlungsoptimierung von Druckgussteilen.

Der letztgenannte Vortrag wurde

von Wissenschaftlern der Universität

Ljubljana sowie einer slowenischen

Druckgießerei präsentiert.

Auf jeden Einwohner

kommen 95 Kilo Guss

Wenngleich Slowenien mit zwei Millionen

Einwohnern zu den kleinen EU-Staaten

gehört, ist seine Gießerei-Industrie vergleichsweise

groß und kann auf eine jahrtausendealte

Tradition zurückblicken. Wie

Prof. Alojz Krizman von der Universität

Maribor – neben der Universität Ljubljana

IFC-Mitorganisator – in seinem Podiumsvortrag

betonte, ist die Produktionsmenge

je Einwohner in keinem Land der Erde

höher. Sie liegt bei 95 Kilogramm. Auch

das Tagungsprogramm unterstrich die

hohe Bedeutung der Gießereitechnik für

Slowenien. Wissenschaftler der Universitäten

Ljubljana und Maribor bestritten

Vorträge über Feuerfestmaterialien, Nanotechnik

beim Gießen, Legierungsentwicklung

und Digitalisierung. Vertreter

slowenischer Gießereien, die bis auf das

Magnesiumgießen alle Fertigungsprozesse

abdecken, beteiligten sich zudem rege

an Vorträgen oder mischten sich unters

Publikum.

Bei den Kaffeepausen auf der Terrasse

mit Blick auf die Bucht entwickelten

sich schnell Gespräche mit angereisten

Ausstellern und Teilnehmern. Etwa mit

Oliver Schmitz, Vertriebsleiter der schwedischen

Firma Pour-Tech, die automatische

Gießsysteme baut und mit dem Vortrag

über einen KI-gesteuerten Gießautomaten

von Michael Colditz auch einen

bedeutenden Beitrag zum Tagungsprogramm

beisteuerte. Schmitz sieht Licht

und Schatten in der Corona-Krise für sein

Unternehmen. Zum einen sei das deutsche

Geschäft überraschend gut gelaufen

und habe über Videoschalten gut aufrechterhalten

werden können, zum anderen

sei die Akquirierung von Neugeschäft

schwierig, denn „wer gibt einem schon

eine Million in die Hand, den er nicht

kennt“. Vertrauen sei über den Bildschirm

nur schwer aufzubauen. Da tröstet es nur

wenig, dass hohe Reisekosten eingespart

werden konnten. Highlight in diesen Zeiten

war die Online-Inbetriebnahme einer

Anlage in Mexiko, die per Video und Webschulungen

komplett online durchgeführt

werden konnte.

Innovationen – von LightMe

zu Maximolding

Im Bereich der Legierungsentwicklung für

Leichtmetallkomponenten widmete sich

Prof. Peter Schumacher von der Montanuniversität

Leoben einem zukunftsträchtigen

Thema: Der Verstärkung der Metallmatrix

von Aluminium- und Magnesiumlegierungen

durch Nanopartikel. Hierdurch

kann auf eine energieintensive Wärmebehandlung

verzichtet werden. Schumacher

stellte in diesem Zusammenhang das Projekt

LightMe vor, mit dem das Verfahren

in den Fertigungsablauf in Gießereien eingebracht

werden soll.

Besonders interessant – weil bislang

wenig bekannt – war der Vortrag von

Ashley Stone von der Jacobsen Real-Time

X-Ray Machinery Inc. aus Kanada. Er

20 GIESSEREI 107 10/2020


Mirjam Jan-Blazic vor der Jubiläumstorte. Die IFC wird voraussichtlich die letzte Gießerei-Präsenzveranstaltung

in diesem Jahr sein.

stellte sein Maximolding-Verfahren vor,

bei dem eine halbfeste Magnesiumschmelze

mit einer Anlagenkombination

aus einer Kaltkammerdruckgieß- und einer

Spritzgießmaschine vergossen wird.

Spezielle Chips aus der Legierung AS91D

werden in einer vertikal angeordneten

Kammer direkt an der Maschine geschmolzen

und dann mit 540 °C abgegossen.

Stones Ziel ist zum einen Energieeinsparung

durch das Schmelzen und

Behandeln direkt an der Anlage, zum anderen

der Qualitätsgewinn durch das porositätsfreiere

Vergießen halbfester

Schmelze (siehe hierzu auch unseren

Artikel über Rheocasting auf S. 42).

Wenngleich er nach eigenen Angaben bei

Verhandlungen mit Tesla abgeblitzt ist,

verfolgt er noch ein weiteres Ziel: Die

Fertigung eines kompletten E-Autos mit

dem Maximolding-Verfahren.

Nach zwei langen Konferenztagen ging

die Veranstaltung am Nachmittag des 18.

Septembers zu Ende. „Es gibt nichts, was

nicht möglich ist. Das hat die diesjährige

60. International Foundry Conference gezeigt“,

so Mirjam Jan-Blazic. Die letzte

Anspannung dieser außergewöhnlichen

Konferenz wird allerdings erst Ende September

von ihr abfallen, verrät die seit 15

Jahren amtierende Verbandschefin und

frühere Generaldirektorin von LTH Castings,

einer der größten Druckgießereien

im ehemaligen Jugoslawien und Slowenien.

„Wenn zwei Wochen nach der Konferenz

niemand erkrankt ist, war die Veranstaltung

ein Erfolg“, resümiert sie. Verantwortung

bis zuletzt – das macht eine

Konferenz in Pandemiezeiten aus!

Robert Piterek

GIESSEREI 107 10/2020 21




INTERVIEW

Interview mit Kurtz-Holding-CEO Rainer Kurtz

„Wir wollen ein Industriekonzern

sein, der auf

mehreren Beinen steht“

Bereits im Februar dieses Jahres hat der Gießereimaschinenhersteller

Kurtz GmbH, ein Geschäftsbereich der Kurtz Holding GmbH

& Co. Beteiligungs KG, eine strategische Neuausrichtung bekannt

gegeben. Im Interview erklärt CEO Rainer Kurtz jetzt die Hintergründe

der aktuellen Neuausrichtung und spricht über die Herausforderungen

während der Corona-Krise.

Mit ihrem Schwerpunkt Moulding Machines bildet die

Kurtz GmbH einen von drei Geschäftsbereichen der

Kurtz Holding GmbH & Co. Beteiligungs KG. In dem

Business Segment mit rund 80 Ingenieuren und Technikern

werden an den Standorten Wiebelbach und Wertheim in

Deutschland sowie in einem Werk in China schon seit Jahrzehnten

Schaumstoffmaschinen und Gießereimaschinen hergestellt.

Nun kam es zur Neuorganisation der Kurtz GmbH. Auch die

Holding strukturiert ihr Geschäft schon seit Längerem um. So

wurde bereits im September vor zwei Jahren die Eisengießerei

Smart Foundry in Hasloch im Zuge der Konzentration auf den

Maschinenbau veräußert.

Mitte Februar, also kurz vor Beginn der Corona-Krise in

Deutschland, machte die Kurtz GmbH die Planung einer

strategischen Neuausrichtung öffentlich. Grund seien „gravierende

Veränderungen“ in den Bereichen Schaumstoffmaschinen

und Gießereimaschinen. Was genau kann man

darunter verstehen?

Rainer Kurtz: Der Hauptgrund für die strategische Neuausrichtung

liegt darin, dass wir in beiden Geschäftsfeldern massive

Umsatzeinbrüche zu verzeichnen hatten. Das liegt

erstens daran, dass einer unserer größten Abnehmer

von Maschinen in der Kunststoffverarbeitung aufgrund

von eigenen Planungsschwierigkeiten weggefallen

ist und wir trotz der sich nun wieder bessernden

Auftragslage das Volumen der Vergangenheit

nicht aufrechterhalten können. Zweitens

kommt die große Debatte rund um Kunststoffverpackungen

hinzu, welche unsere Kunden verunsichert

und auf deren Seite zu Überkapazitäten

führt. Folglich wird im Moment auch nicht

investiert. Und drittens vollzieht auch der Automobilbereich

derzeit einen technologischen

Wandel. Trotz sehr guter Geschäfte in der Vergangenheit

mit Automobilzulieferern und

OEMs ist momentan auch hier eine Überkapazität

vorhanden. Wir durchleben gerade

eine Zeit, in der nicht mehr nur noch Verbrenner

im Fokus stehen, sondern auch

batteriebetriebene Autos sowie Hybridfahrzeuge

und sogar von Wasserstoff

die Rede ist. Wohin die Reise geht,

lässt sich derzeit nicht sicher sagen,

weswegen auch hier die Investitionen

gestoppt werden. Da wir alle Kurtz Ersa-

Produkte an unserem lokalen Standort hier in

Wiebelbach und in China produzieren, können

die anderen beiden Bereiche Electronics Production

Equipment und Kurtz Ersa Automation gewisse

Einbußen im Feld Moulding Machines teilweise

wieder ausgleichen. Aber langfristig gesehen muss

die Produktion um die Hälfte zurückgefahren

werden und an diesem Punkt sind strukturelle

Änderungen zwingend notwendig.

26 GIESSEREI 107 10/2020


FOTOS: KURTZ

Welche konkreten Veränderungen sieht die Kurtz GmbH

im Rahmen der Neuausrichtung vor?

Rainer Kurtz: Als erste Maßnahme mussten wir 20 Stellen abbauen.

Doch langfristig gesehen war dieser Schritt nicht ausreichend,

sodass wir weitere 40 Mitarbeiter in andere wachsende

Bereiche der Kurtz Holding GmbH versetzt haben. Des

Weiteren haben wir uns dazu entschieden, den gesamten Bereich

„Mechanische Bearbeitung“ zu veräußern. Ein weiterer Bestandteil

der Reorganisation der Kurtz GmbH sieht zudem den Launch

eines neuen Geschäftsfelds vor, aber über die Richtung darf ich

zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts verraten.

Dann bleibt es also auf jeden Fall spannend bei der Kurtz

GmbH. Apropos neue Entwicklungen – hatte die Coronakrise

zwischenzeitlich einen Einfluss auf die Planung und

Umsetzung der Organisationsprozesse?

Rainer Kurtz: Seit wir die strategische Neuausrichtung dem

Beirat am 24. Januar 2020 präsentiert haben und diese angenommen

wurde, haben wir den Plan konsequent umgesetzt.

Damit hatte das Coronavirus zwar keinen unmittelbaren Effekt

auf die Umstrukturierung, vielmehr hat die Krise dem gesamten

Konzern weltweit signifikante Rückgänge im Geschäft beschert.

Vom Auftragseingang her lief das Quartal 1 noch halbwegs wie

geplant, da wir den Chinese New Year Effect einkalkuliert hatten.

Im zweiten Quartal wurden unsere Erwartungen schon leicht

untertroffen und jetzt im dritten Quartal erwarten wir den Tiefpunkt

an Auftragseingängen. Gerade liegen wir bei -25 % bis

-30 %, in manchen Bereichen sogar bei -40 % und die Auswirkungen

von diesem niedrigen Auftragseingang werden wir auch

im vierten Quartal im Umsatz spüren. Wir glauben auch, dass

wir im ersten Quartal 2021 noch nicht wieder dort sein werden,

wo wir ohne die Coronakrise gewesen wären. Wir haben sogar

für das zweite Quartal 2021 noch einen Corona-Effekt eingeplant

und hoffen, dass sich die Situation im zweiten Halbjahr

wieder normalisiert hat. Im Jahr 2019 konnten wir einen Umsatz

von ca. 263 Millionen Euro erzielen und hatten für dieses Jahr

noch höhere Ziele, aber durch die Krise verlieren wir jetzt etwa

50 Millionen Euro Umsatz. Das sind sehr unerfreuliche Nachrichten,

aber wir haben schon aus vergangenen Krisen viel gelernt

und sind gut vorbereitet. So haben wir einen Notfallplan

ins Leben gerufen. Dieser sieht beispielsweise Kurzarbeit als

Sparmaßnahme vor – auf einen weiteren Stellenabbau haben

wir bewusst verzichtet, um den aktuellen Mitarbeiterstand zu

halten. In den zwei Wochen, während die Produktion im April

komplett heruntergefahren war, haben die Mitarbeiter Überstunden

und Urlaubstage abgebaut.

Abgesehen von der Kurzarbeit und dem Stundenabbau –

welche personellen Maßnahmen mussten sie aufgrund von

Corona noch treffen?

Rainer Kurtz: Wir haben das Virus von Anfang an sehr ernst

genommen und dafür Sorge getragen, dass wir es aus dem

Unternehmen draußen halten. Aus diesem Grund haben wir

Mitarbeiter schon bei dem leisesten Verdacht für zwei Wochen

in Quarantäne geschickt und viele haben von zu Hause gearbeitet.

Das war möglich, weil wir erst letztes Jahr ein neues

Rechenzentrum gebaut haben. Wir haben jetzt also zwei Rechenzentren

– eines in Wertheim und eines in Wiebelbach -

welche miteinander verbunden sind. Deswegen war es möglich,

dass selbst Konstrukteure über virtuelle Zugänge mit der gewohnten

Performance im Homeoffice arbeiten konnten. Als

weitere Schutzmaßnahme haben wir an den Eingängen Fieber

gemessen und Desinfektionsmittelspender aufgestellt. Natürlich

gehörte auch die offene Informationspolitik zur Tagesordnung.

So haben wir Anfang März bereits eine tägliche Telefonkonferenz

eingeführt, an der Mitarbeiter des Managements,

des Betriebsrats und sogar des Katastrophenschutzes teilgenommen

haben. Im Rahmen dieser Meetings haben wir klare

Regelungen zum Umgang mit dem Coronavirus geschaffen und

unsere Mitarbeiter entsprechend auf den aktuellen Wissensstand

gebracht. Außerdem haben wir allen nahegelegt, die

Corona-Warnapp zu nutzen, sodass wir auch die digitalen Möglichkeiten

voll ausschöpfen.

Unabhängig von der Corona-Krise hat sich der Kurtz Ersa

Konzern bereits im Jahr 2018 von der Eisengießerei in Hasloch

getrennt. Fand der Beginn der Neuausrichtung in Wirklichkeit

schon an diesem Punkt statt oder hatte die Entscheidung

andere Gründe?

Rainer Kurtz: Die besagte Eisengießerei und auch der Bereich

Lohnarbeit gehörte zu unserem einstigen Geschäftsbereich Metal

Components. Zu diesem Geschäftsbereich gehörten drei

Gießereien sowie eine Blechverarbeitung in Wertheim und eine

in Baiersdorf bei Nürnberg, zu der auch dieser kleine Teil mechanische

Bearbeitung gehörte. Und dieses Geschäft machte

2007 das größte Feld im Kurtz Ersa-Konzern aus. Nun haben

wir dieses Geschäftsfeld seit dem 1. August 2020 vollständig

eliminiert, aber wir sind trotzdem gewachsen. Wir haben in den

letzten 13 Jahren also schon eine große Transformation erlebt,

indem wir uns von den Gießereien, der Blechverarbeitung sowie

von der mechanischen Bearbeitung und nun auch von der Vorfertigung

getrennt haben. Das ist ein Teil unserer langjährigen

Strategie, denn uns ist damals bewusst geworden, dass wir zu

komplex aufgestellt sind und eine klare Linie verfolgen müssen.

Wir wollen ein Industriekonzern sein, der auf mehreren Beinen

steht und das ist uns nun gelungen: Wir haben immer noch drei

Geschäftsfelder, nämlich Electronics Production Equipment,

Moulding Machines – gerade in der Umstrukturierung – und

unseren neusten Bereich Automation, in dem Montagelinien

automatisiert werden. Wir sind nun also ein reiner Engineering

Konzern mit ein paar Standardprodukten und der Fähigkeit zur

Systemintegration.

Künftig soll sich die Kurtz GmbH vorrangig auf die

Geschäftsfelder Automotive und Protective Solutions

konzentrieren und Kunden aus der Automobil- und Kunststoffindustrie

umfassende Lösungskonzepte anbieten. Inwiefern

lässt sich dieser verstärkte Fokus auf die Automobilindustrie

mit der verringerten Nachfrage von Gussteilen

vereinen?

Rainer Kurtz: Unsere Kunden der Automobilindustrie kommen

nicht nur aus dem Metall- sondern auch aus dem Kunststoffbereich.

Wir haben die Aktivitäten also neu zusammengefasst

und bieten zum einen Kompetenzen im Bereich Protective Solutions

an. Das heißt konkret, dass wir die Maschinen herstellen,

mit welchen beispielsweise Stoßfänger, Seitenaufprallschutze,

Polster im Armaturenbrett und Werkzeugträger aus Schaumkunststoffen

gefertigt werden. Zusätzlich arbeiten wir an etwas

Neuem, so befinden sich gerade innovative Anwendungsmöglichkeiten

von Hart- und Schaumkunststoffen im Karosseriebereich

in der Vorentwicklung. Es wird noch weitere neue Bereiche

geben – auch im Metallbereich – aber darüber kann ich erst im

Detail sprechen, wenn die Zeit reif ist.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf dem Leichtmetall-Portal

Spotlightmetal veröffentlicht, Redakteurin: Nicole Kareta

GIESSEREI 107 10/2020 27


MEDIEN & BÜCHER

Daimlers CO 2

-freie Lkw-Flotte

Autobauer setzt bei Lkw auf E-Mobilität und Brennstoffzelle

Haben auch Sie interessante Videos

zum Thema Gießereitechnik im Internet

gefunden? Senden Sie Ihre Videovorschläge

an: redaktion@bdguss.de

Bei Lkws macht reine E-Mobilität wegen der dafür erforderlichen schweren und teuren Akkus wenig Sinn. Der GenH2 nutzt die Brennstoffzelle.

Der eActros kommt rd. 200 km weit und

wird als Vorserienmodell bereits erprobt.

Rein elektrisch bewegt sich auch der eAc tros

LongHaul fort. Marktpremiere: ca. 2025.

Erst der GenH2-Truck ist mit einem Diesel-

Truck bei Last und Reichweite vergleichbar.

SCREENSHOTS: NFS MOTOR SPORT

Die Brennstoffzelle kristallisiert sich

beim Lkw-Warentransport zunehmend

als die Antriebstechnlogie der Zukunft

heraus. Im September hat Daimler

sein neues Konzeptfahrzeug, den Mercedes

Benz GenH2 Truck, vorgestellt,

der mit einer wasserstoffgespeisten

Brennstoffzelle in Kombination mit einer

kleinen Pufferbatterie 1000 Kilometer

weit kommen soll.

Die ersten Vorserienfahrzeuge soll es bereits

2023 geben, die Serienproduktion in

2026 starten: Daimler setzt mit dem Mercedes

GenH2-Truck auf die Brennstoffzelle

und damit neben Elektromobilität auch

auf Wasserstoff. Der neue Truck soll bis

zu 40 Tonnen Nutzlast schultern können

und ist damit mit einem konventionellen

Diesel-Lkw vergleichbar.

Getankt werden soll Flüssigwasserstoff,

was Vorteile beim Gewicht der Tanks

bietet, zugleich aber eine Abkühlung des

Wasserstoffs auf unter -253 °C erfordert

– die Daimler für beherrschbar hält. Übersetzt

wird die so bereitgestellte Energie in

Elektromotoren, die den Truck bewegen.

Weitere Mitglieder der E-Flotte des

Stuttgarter Autobauers sind der eActros

LongHaul mit einer Reichweite von bis zu

500 Kilometern und der reguläre eActros

mit 200 Kilometern Reichweite, der sich

aktuell in der Kundenerprobung befindet.

2019 hat Daimler verkündet, alle Nutzfahrzeuge

im Verlaufe von 20 Jahre nur noch

mit CO 2

-freiem Antrieb anzubieten. Das Video

über Daimlers künftige CO 2

-freie Flotte

ist etwas über fünf

Minuten lang.

QR-CODE/Link:

Link zu YouTube

https://bit.ly/2Si20p7

90 GIESSEREI 107 10/2020


VORSCHAU & IMPRESSUM

Und diese Themen gibt es in der GIESSEREI im November:

GIESSEREI

Die Zeitschrift für Technik,

Innovation und Management

Im nächsten Heft:

Gießerei 4.0

Jedes Gussteil zweifelsfrei identifizieren

Um die Fertigung weiter zu optimieren, hat sich die Druckguss Systeme AG (DGS)

zur Umsetzung einer effizienten Einzelteilrückverfolgung in Zusammenarbeit mit

einem externen Dienstleister entschieden. Nach einem zweistufigen Projekt kann

inzwischen jedes produzierte Gussteil zweifelsfrei identifiziert werden. Die Implementierung

stellt einen kontinuierlichen Prozess dar, denn es kommen ständig neue

Maschinen sowie neue Standorte hinzu. Von Tino M. Böhler

Von lernenden Kernschieß-Maschinen und intelligenten Schmelzöfen: Der Begriff

Künstliche Intelligenz (KI) ist zum geflügelten Wort im Zusammenhang mit digital

gesteuerte Prozesse geworden. KI steuert beispielsweise unsere Fahrzeuge

autonom über die Straßen der Zukunft, erschafft Digitale Zwillinge von Werkzeugmaschinen

und sagt Verschleißzustände vorher. Doch wie funktioniert die KI nun

genau? Und wie erfolgt das Lernen? Von Wolfgang König

Amin-Rückgewinnung beim PUR Cold-Box-Verfahren: Im Eisenguss kommen überwiegend

organische Kernbinder zum Einsatz. Positiv weisen sie hervorragende technologischen

Eigenschaften auf. Negativ haben sie jedoch den Nachteil, dass während

der Kernherstellung und des Gießens als relevant zu betrachtende Emissionen

entstehen. Ein Verfahrensansatz, der eine direkte Rückgewinnung von Aminen aus

der Abluft erlaubt, soll hier Abhilfe schaffen. Von Andreas Zach, Natalie-Maria Mrowka,

Gotthard Wolf

Längere Nutzzeiten von Kernkästen durch schnellere Reinigung : Die Reinigung

von Kernkästen und Kernmodellen hat eine entscheidende Bedeutung für die Qualität

der Endprodukte, ist jedoch sehr zeitaufwendig. Mit einer neuen Technologie,

bei der Trockeneis und Druckluft in einem flexiblen, berstsicheren Einschlauchsystem

zum Strahlapplikator transportiert werden, ermöglicht die Cold Jet GmbH ihren

Kunden die Reinigungszeiten bis zu 60 % zu verringern. Eigens für Gießereien wurde

die „Aero Foundry Edition“ entworfen. Von Heike Backes

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E-Mail: markus.winterhalter@dvs-media.info

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107. Jahrgang

Herausgeber: Bundesverband der

Deutschen Gießerei-Industrie (BDG)

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